The Project Gutenberg eBook, Michelangelo Gedichte und Briefe, by
Michelangelo Buonarroti, Edited by R. A. Guardini


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Title: Michelangelo Gedichte und Briefe
       In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini


Author: Michelangelo Buonarroti

Release Date: May 11, 2005  [eBook #15813]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE***


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Das Museum Viii.

MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE

In Auswahl herausgegeben von

R. A. GUARDINI

Pan-Verlag, Berlin

1907







[Illustration: Marcello Venusti pinx]





Michelangelo hat fast nur Persnlichkeitsgedichte geschrieben. Was er in
jenem Madrigal ber sein bildnerisches Schaffen aussprach,

  Mich deucht, stets bild' ich mich,
  Und meine doch _ihr_ Antlitz zu gestalten,

htte er auch von seinem Dichten -- er mehr als irgend einer -- sagen
knnen. Mit wenig Ausnahmen erzhlen seine Verse, auch wenn er von anderen
spricht, nur von _seinem_ Empfinden, _seinem_ Kmpfen, von den Werten und
Idealen, die _er_ suchte und in den geliebten Menschen verkrpert sah. Er
war, zumal in reiferem Alter, stets mit sich allein, stets ein Mensch, der
einsam mit der eigenen Seele zu ringen, sein edleres Selbst gegen
Leidenschaften zu behaupten hatte, deren Wucht seine Schpfungen ahnen
lassen; und so liessen ihn die Spannungen in seinem Innern nicht zur Ruhe
dessen kommen, der ein Geschautes schildert.

Er wusste in seinen Dichtungen fast nur unmittelbar von sich zu sprechen
oder sehnschtig die Menschen anzuschauen, anzurufen, in denen er den
Frieden und die Schnheit zu sehen glaubte. Und es will scheinen, als sei
es ihm auch in seiner Liebe nicht gelungen, sich wirklich an den Anderen zu
verlieren, wirklich diesen, wie er war, zu sehen, als habe er auch in ihr
den Genossen eigentlich nicht gefunden. Selbst in den Gedichten an
Vittoria, von der er doch am ehesten hoffen durfte, sie gehe mit ihm den
gleichen Weg, konnten Gedanken wie diese auftauchen:

  Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte
  Schnheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen
  In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin
  Antlitz anschauend verklre?

Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten Menschen nur
Schnheiten sehe, die _er_ ihnen erst verliehen, dass er nur von den
Bildern seiner eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er ihre
Hoheit verehre.

Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten seine Dichtungen nicht.

Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde. Sie fasst die Gedichte
zusammen, denen in der Seele ihres Schpfers gleiche Voraussetzungen
entsprechen, Grundkrfte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er erstrebte,
Werte, die er bejahte und in denen er sein letztes Gengen fand. Die
Ordnung dieser Gruppen untereinander versucht von der Wertung auszugehen,
die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt vollzogen hat, indem sie ihn an dem
Bilde des Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen strebte.

Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine Reihe, die von relativ
usserlichem ausgehend immer mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als
sein Wertvollstes und Eigenstes beurteilte.

Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivitt nahe sei, habe ich mir
nicht verhehlt; aber hier schien die beste Mglichkeit zu liegen, aus einer
blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes Ganzes zu machen.

Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der grossen Zahl mussten sehr
wenige ausgewhlt werden. Es sind besonders solche, in denen das
eigenartige Verhltnis des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen und
bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Freunden und
Auftraggebern zum Ausdruck kommt.

Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigefgt.

Die bersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende ltere, deren
Wiederdruck von den Herren Verlegern in liebenswrdiger Weise gestattet
wurde, teils Neubertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden
vom Herausgeber smtlich neu bersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel
aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor
seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich
"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer
einfgen.

Die wiedergegebenen lteren bertragungen stammen aus:

Michelangelos Gedichte, bersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, Drr
1875.

bersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin,
Spemann.

bersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Sd. Bd. 34.

bersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871.

bersetzungen von Hans Grasberger in: Le Rime di Michelangelo 1872.

                                                         _R. A. Guardini._


"Michelangelo beschrnkte sich in seiner Jugend nicht auf Skulptur und
Malerei, sondern er widmete sich auch allen verwandten und hnlichen
Knsten; und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich fr einige Zeit
fast vllig der Gemeinschaft der Menschen entzog und nur mit ganz wenigen
Umgang pflegte. Dies brachte ihn in den Ruf eines hochmtigen oder
seltsamen und phantastischen Menschen, und doch waren beide Fehler ihm
gleich fremd. Es war die Liebe zur Tchtigkeit und die treue Hingabe an die
edlen Knste, die ihn -- wie es vielen ausgezeichneten Mnnern geschah --
einsam machten und ihn nur in deren Dienste Genge und Ergtzung finden
liessen. Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja verhasst, denn sie
strte ihn in seiner Gedankenarbeit; war er doch, wie jener grosse Scipio
zu sagen pflegte, nie weniger allein, als wenn er allein war.

Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die ihm in tchtigen und
weisen Gesprchen irgendwelche ntzliche Frucht boten, oder in deren Seele
ein Strahl des Aussergewhnlichen aufblitzte ... Eine besondere und grosse
Liebe verband ihn mit der Marchesana von Pescara, deren hoher Geist ihn
gefangen hielt, und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt. Von ihr
bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner und ssser Liebe, wie sie aus
so edlem Herzen kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle
Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht lebt. Sie verliess oft
Viterbo oder andere Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder zum
Sommeraufenthalt zurckgezogen hatte, und kam nach Rom, einzig um
Michelangelo zu sehen; und er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst
sagen hrte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht, als sie aus diesem
Leben schied, auf die Stirn oder den Mund ksste, wie er ihre Hand geksst
hatte. Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im Schmerz gleichsam
erstarren.

Wie er die Gesprche mit gelehrten Menschen sehr liebte, so fand er auch
Ergtzen am Lesen der Schriftsteller, ob sie nun in Prosa oder in Versen
schrieben, und besonders trgt er Verehrung fr Dante, dessen wunderbares
Genie ihn anzieht, und dessen Werke er fast ganz in treuem Gedchtnis
bewahrt. Den Petrarca schtzt er vielleicht fast eben so hoch. Doch
begngte er sich nicht damit, sie zu lesen, sondern fand auch seine Lust
daran, selbst zu dichten, und manche seiner Sonette legen fr die grosse
Kraft seiner Erfindung und seinen reinen Geschmack gutes Zeugnis ab ...
Aber all dies trieb er nur zu seinem Ergtzen und masste sich keinerlei
Sachkenntnis darin an, setzte sich selbst vielmehr stets herab und betonte
seine Unerfahrenheit in solcherlei Knsten.

Mit gleichem Eifer und gleicher Aufmerksamkeit las er die heiligen
Schriften des Alten und Neuen Testaments und suchte mit stetem Bemhen in
ihren Sinn einzudringen. Gleicherweise studierte er die Werke Savonarolas,
zu dem er stets grosse Zuneigung hatte, und noch bewahrt er im Gedchtnis
den lebendigen Klang seiner Stimme.

Auch liebt er die Schnheit des Krpers, ist er doch am tiefsten mit ihrem
Wesen vertraut. Ja er liebt sie so sehr, dass sinnliche Menschen, die nur
in unlauterer und unehrenhafter Weise die Schnheit zu lieben vermgen,
Schlimmes von ihm dachten und sagten. Und doch wurde Alcibiades, der
beraus schne Jngling, von Sokrates mit der keuschesten Liebe umfasst und
er pflegte zu sagen, so oft er an dessen Seite geruht habe, sei er nie
anders als wie ein Sohn von der Seite des Vaters aufgestanden. Ich habe oft
Michelangelo ber die Liebe reden und sich unterhalten hren, habe aber
stets, auch von den brigen, die dabei waren, vernommen, dass er nicht
anders ber die Liebe spreche, als wie bei Plato geschrieben steht. Ich
weiss ja nun nicht, was Plato ber diesen Gegenstand sagt; das aber weiss
ich gewiss, dass ich lange seinen vertrauten Umgang genoss und aus seinem
Munde stets nur Worte von strengster Lauterkeit vernahm, die in jedem
Jngling alle ungeordneten und zgellosen Wnsche niedergezwungen und
ausgerottet htten. Und dass sein Geist hssliche Gedanken nicht duldete,
kann man auch daraus erkennen, dass er stets nicht nur die
Menschenschnheit liebte, sondern alles Schne, ein schnes Pferd und einen
schnen Hund, die Schnheit einer Landschaft, eines Berges, eines Waldes,
jede schne Gegend und jegliches schne und in seiner Art seltne Ding mit
tiefer und wunderbarer Verehrung anschaute. So entnahm er berall der Natur
das Schne, wie die Bienen aus den Blten den Honig sammeln, und legte es
in seinen Werken nieder. Das haben aber alle die getan, die sich in der
Kunst eines grsseren Rufes erfreuten. Jener Meister des Altertums begngte
sich, um die Venus zu bilden, nicht damit, nur _eine_ Jungfrau zu sehen,
sondern er wollte viele anschauen. Und indem er so von jeder das Schnste
und Vollendetste nahm, schuf er daraus die Gttin. Und so viel steht fest:
wer sich einbildet, er werde auf anderem, als auf diesem Wege, der allein
zur rechten Anschauung fhrt, Grosses in der Kunst leisten, der tuscht
sich in verhngnisvoller Weise.

In seinem ganzen Leben beobachtete Michelangelo eine grosse Mssigkeit und
bediente sich, zumal wenn er arbeitete, mehr aus Notdurft als zum Genusse
der Speise. Meist begngte er sich dann mit einem Stck Brot, das er ass,
ohne die Arbeit zu unterbrechen ... Oft hrte ich ihn sagen: "Ascanio, wenn
ich auch noch so reich war, stets habe ich arm gelebt." Und wie er nie viel
ass, so schlief er auch wenig; pflegte er doch selbst zu sagen, der
Schlummer habe ihm nie gut getan, habe ihm vielmehr fast immer, wenn er
lnger geschlafen habe, Kopfschmerzen verursacht. Als er noch von
krftigerer Gesundheit war, schlief er fter in Kleidern und Stiefeln --
dieser bediente er sich, weil er stets am Krampf litt und noch aus anderen
Grnden -- und manchmal liessen sie sich so schwer ausziehen, dass mit den
Stiefeln auch die Haut mitging, so wie es bei der Schlange geschieht, wenn
sie sich hutet.

Nie geizte er nach Geld, noch strebte er danach, Reichtmer aufzuhufen;
vielmehr war er zufrieden, wenn er genug besass, um ruhig leben zu
knnen ... Viele seiner Werke hat er verschenkt und htte doch durch ihren
Verkauf unermessliche Summen lsen knnen ... Er war aber nicht nur mit
seinen Werken freigebig, sondern hat auch oft einem armen, doch tchtigen
jungen Menschen, der sich den Knsten oder der Wissenschaft widmete, mit
seiner Brse geholfen; ich kann das bezeugen, denn mir selbst ist so von
ihm geschehen. Nie war er neidisch auf die Erfolge anderer in seiner Kunst,
und das mehr aus natrlicher Herzensgte, als weil er von sich selbst eine
hohe Meinung htte. Er lobte das Gute in allen, selbst in Raffael von
Urbino, mit dem er doch, wie ich oben schrieb, im Felde der Malerei manchen
Kampf ausgefochten hat. Nur hrte ich ihn sagen, Raffael habe seine Kunst
nicht von der Natur erhalten, sondern sie sich durch langes Studium
erworben ...

Er besitzt ein ausserordentlich treues Gedchtnis, so dass er, der doch,
wie man sehen kann, Tausende von Gestalten gemalt hat, nie auch nur zwei
bildete, die sich hnlich gesehen, oder die gleiche Haltung eingenommen
htten. Ich hrte ihn sagen, dass er keine Linie ziehe, ohne zu wissen, ob
er sie bereits einmal gezogen habe; und wenn dies geschehen ist, lsst er
sie nie stehen, falls das Werk fr die ffentlichkeit bestimmt ist. Auch
besitzt er eine ungeheure Kraft gestaltender Phantasie, und daher kommt es
vor allem, dass er stets so unzufrieden mit seinen Werken ist, und sie
stets herabsetzt, denn noch nie schien es ihm, als sei es seiner Hand
gelungen, das Bild zu formen, wie es in seinem Innern aufstieg. Und aus den
gleichen Grnden ist er schchtern, wie es die sind, die sich in Musse
einem beschauenden Leben hingeben. Nur wenn ihm oder anderen Unrecht
zugefgt wird, oder man seine Rechte verletzt, flammt er in gerechtem Zorne
auf. Dann aber ist die Wucht seiner Abwehr grsser, als bei denen, die man
fr mutig hlt ..."

                                    Ascanio Condivi, Leben Michelangelos,
                                                               Kap. 62-68.

       *       *       *       *       *





DICHTUNGEN.

AN FLORENZ.


  Nur dich erfreut mein Gram! Sieh, welch Erbarmen
  Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben
  Zu sss du noch erachtest fr mich Armen.

  Wo ist nun Mitleid? Wen zum Schtzer werben
  Vor Weibes Grimm, wenn Mnner sich vernichten,
  In Hass und Kampf sich strzen ins Verderben?

  Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten!
  Und reiche nur den Bogen ihren Hnden;
  Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten.

  Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwnden,
  Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze,
  An welch ein Tribunal soll der sich wenden?

  Was ntzen ihm und mir Recht und Gesetze?
  Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen?
  Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze?

  Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen
  Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme,
  Muss schauernd sein Verderben hier umfassen.

  Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme,
  Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten,
  Ihr Hnde, hhnisch deutend auf uns Arme,

  Ihr Gaben all, verliehen der Beglckten
  Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille,
  Um Tod und Schmach zu bringen uns Entzckten!

  Ihr sollt im Spiegel eurer Schnheitsflle
  Den Glanz uns ahnen lassen jener Sphren,
  Die noch uns birgt des Staubes Schleierhlle.

  Die ird'sche Schnheit soll uns glauben lehren
  An ew'ge Schnheit, gttliche Vollendung;
  Und du lebst nur zu tten, zu verheeren!

  Ein Himmelsbote, spottend seiner Sendung,
  Verdient den Untergang noch mehr als jene,
  Die ihm gefolgt in menschlicher Verblendung.

  Die Liebe zeigt dein Ende mir, du Schne,
  Dass meine Warnung deinen Stolz vernichtet
  Und dir ins Auge lockt die Reuetrne.

  O fhle doch der Welt dich auch verpflichtet,
  Fr die so schn geschaffen du; gefallen
  Lass dir die Lieder, dir zum Ruhm gedichtet.

  Die Tugend ntzt sich selbst nicht nur, nein allen,
  Dem Himmel gleich, der Licht am meisten spendet,
  Wo sich am dunkelsten die Schatten ballen,

  Du aber hast dich geizig abgewendet;
  Wir sterben, du bleibst ungestraft auf Erden;
  Nun seht ihr, dass nicht hier das Dasein endet,

  Und dass Gerechtigkeit gebt muss werden
  In andern Welten. Weh, dass treue Dienste
  Man lohnt durch Qual und tdliche Gefhrden!
  ----

1.                             Sophie Hasenclever.




AUF DIE "NACHT" DES BUONARROTI VON GIOVANNI STROZZI.


  "Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen,
  Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein,
  Und weil sie schlft, muss sie lebendig sein,
  Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen."




  ENTGEGNUNG MICHELANGELOS.


  "Schlaf ist mein Glck; so lange Schmach und Kummer
  Auf Erden dauern, besser Stein zu bleiben,
  Nicht sehn, nicht hren bei so schndem Treiben.
  Sprich leise drum und str' nicht meinen Schlummer."

2.                             Sophie Hasenclever.




FLORENZ UND DIE VERBANNTEN.


  "Fr tausend Liebende bist du geboren
  In Engelsschnheit! Schlft der Himmel heute,
  Dass du des einen Beute,
  Du allen einst geschenkt und nun verloren?
  Sind wir, ach fern geboren,
  Nicht ganz verschmht, so lass fr uns auch tagen,
  Fr uns Verbannte deiner Augen Sonnen!"
  "Wohlan, nicht sinke euer Mut, ihr Toren,
  Denn nicht den grossen Raub lsst grosses Zagen
  Geniessen den, der mich zum Schein gewonnen;
  Und seht, ist nicht inmitten aller Wonnen
  Unfhig zum Genusse sein, viel schlimmer,
  Als dulden bei der Hoffnung fernstem Schimmer?"

3.                             Sophie Hasenclever.




AN JULIUS II.


  Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert,
  So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht.
  Auf hohle Reden legtest du Gewicht
  Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt.

  Stets hab' ich mich in deinem Dienst bewhrt,
  Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht;
  Doch, wenn ich Zeit verloren, rhrt's dich nicht,
  Und schaltest mehr, je mehr ich mhbeschwert.

  Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt,
  Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage
  Mehr angebracht als hohles Echowort.

  Doch wahrer Tugend wert hlt diese Welt
  Der Himmel nicht, will er, dass Frchte trage
  Ein hohler Baum fr uns, der schon verdorrt.

4.                               Bettina Jacobson.




AN GIOVANNI DI PISTOJA.


  Schon wuchs ein Kropf mir bei den Qulerei'n,
  Wie's Katzen in der Lombardei geschieht
  Vom Wasser, (oder wie man's sonst wo sieht),
  Denn in den Bauch drckt schon das Kinn sich ein.

  Der Bart starrt aufwrts, der Gedchtnisschrein
  Liegt im Genick; wie bei Harpyien flieht
  Die Brust, und bers Antlitz trpfelnd zieht
  Der Pinsel Mosaken reich und fein.

  Die Lenden sind mir in den Wanst gespannt,
  Dagegen ward mein Hinterteil zur Kruppe;
  Unsichern Schritts, ein Blinder, wanke ich.

  Vorn nimmt die Haut in Falten berhand,
  Und hinten spannt sie ber harter Kuppe,
  Denn wie ein Syrerbogen krmm' ich mich.

  So geht auch wunderlich
  Und falsch das Urteil aus dem Hirn hervor,
  Denn schlecht nur fhrt ein Schuss aus schiefem Rohr.

  Such' nun, o Freund, hervor,
  Was noch fr meine toten Bilder spricht!
  Schlecht ist mein Platz, zum Malen taug' ich nicht!

5.                               Bettina Jacobson.




SPOTTGEDICHT.


  So sss wie Mus ist dein Gesicht, o Schne,
  So glatt, als wr' ein Schnecklein drauf spaziert,
  Wie Rben zart; es gleichen deine Zhne
  Den Pastinaken, und dein Auge stiert
  So wie die Theriakpflanze grn; ich whne,
  Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verfhrt.
  Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare!
  Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre!

6.                             Sophie Hasenclever.





  So rasch, so khn, mit Lug und Trug im Bunde
  Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen
  Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen,
  Und schon das Eisen steckte in der Wunde.
  Ach, zu derselben Stunde
  Durchwrmt mich Leben, da mich Tod durchschauert!
  Die bange Seele trauert,
  Denn wenn dies Schwanken dauert,
  Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet
  Das Bse, als das Gute heilt und schlichtet.

7.                             Sophie Hasenclever.





  Genss' ich mindre Gnade,
  Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft,
  Nun aber ist erschlafft
  Durch Zhren, die in Doppelbchen fliessen,
  Mein Herz und krank vom Trnenbade.
  So muss das hohe Glck die Schwche bssen!
  Kein Weiser will geniessen,
  Wozu die Kraft ihm fehlet,
  Denn Wonne ohne Mass erdrckt hienieden.
  Ein stilles Glck wird spriessen,
  Vom Friedenshauch beseelet,
  Dem Herzen, das in Demut sich beschieden.
  Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden;
  Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten,
  Das Hchste du, so wird das Glck ihn tten.

8.                             Sophie Hasenclever.





  Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz trben,
  Dir, teure Herrin, zeigen,
  So scheinen sie zu steigen
  In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben,
  Das frei von Gram geblieben,
  Die Reize sich erhh'n; durch meine Leiden
  Will Amor dich Geliebte noch verschnen;
  Da Ruhm dir bringt solch Lieben,
  So duld' ich denn mit Freuden.
  Macht schon mein Gram dich schn, wie erst mein Sterben!

  Und doch, wenn meine Trnen,
  Die Glanz und Reiz erhh'n in deinen Zgen,
  Einst durch den Tod versiegen,
  So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben.
  Nun will ich nicht mehr sterben,
  Nein, dulden will ich gern in deiner Nhe,
  Denn sss ist Gram, der solche Schnheit nhret;
  Wem sie zu schau'n bescheret,
  Der trgt ja leicht zugleich ein grosses Wehe.

9.                             Sophie Hasenclever.





  Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzcken
  Das blonde Haar mit Blten rings umfngt,
  Es darf die Blume, die am tiefsten hngt,
  Den ersten Kuss auf deine Stirne drcken.

  Wie freudig das Gewand den langen Tag
  Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet
  Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet,
  Das dir die Wangen gern berhren mag.

  Sieh aber hier, wie mit verschrnkten Schnren
  Nachgiebig und doch eng das seidne Band
  Beglckt ist, deinen Busen zu berhren.

  Der Grtel spricht: Lass mich die Lust geniessen,
  Dass ewig meine Haft dich so umspannt --
  Wie wrden da erst Arme dich umschliessen!

10.                                 Hermann Grimm.





  Weil man wie Seelenzwang,
  Erscheint sie auch als Labe,
  Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt,
  So klagt mein Freiheitsdrang
  Ob deiner werten Gabe
  Mehr noch, als htte mich ein Dieb beraubt.
  Und kann zum Strahlenhaupt
  Der Sonne ungeschwcht kein Auge dringen,
  Das doch erstarken msst' bei solchem Wagen,
  So mchte kraftberaubt
  Nicht mein Vermgen sein, dir Dank zu bringen.
  Oft muss vorm berfluss der Mangel zagen,
  Und jener wieder ber diesen klagen:
  Denn Liebe will nur solche Freunde nennen,
  (Wie selten ach)! die gleich an Glck und Knnen.

11.                              Bettina Jacobson.




AN GIORGIO VASARI.


  Mit deinem Griffel, deinen Farbentnen
  Hast gleich die Kunst du der Natur gemacht,
  Ja bertroffen sie zum Teil an Macht,
  Da fhig du, ihr Schnes zu verschnen.

  Doch heut erst wird vollstnd'ger Sieg dich krnen,
  Dich, der auf hh're Werke jetzt bedacht,
  Denn deine Schrift erhellt des Grabes Nacht
  Und gibt Unsterblichkeit den Erdenshnen.

  Ob auch die Kunst oft die Natur bezwungen,
  Ob Jahre ihre Werke nicht verletzen,
  Sie hindert's nicht, dass alle einst zerstuben.

  Du aber, Taten singend, die verklungen,
  Du, Tote weckend trotz Naturgesetzen,
  Wirst du und werden sie lebendig bleiben.

12.                            Sophie Hasenclever.




AN GIORGIO VASARI.


  Ein Maultier, Kerzen, wahre Zuckermassen!
  So ber mein Vermgen handelt Ihr,
  Dazu die grosse Flasche Malvasier,
  Dass ich Sankt Michael muss die Wage lassen.

  Zu schnes Wetter lsst kein Lftchen blasen:
  Das Segel hngt, der Kurs entschwindet mir,
  Mein schwaches Schifflein scheint ein Splitter schier,
  Den wilden Meeresfluten berlassen.

  Erwg' ich Eure Gaben, Eure Gte
  Und Speis' und Trank und freundliches Bedenken,
  Dass man auf Reisen sorglich mich behte, --

  Dann wrde sich mein Dank auf nichts beschrnken,
  Selbst wenn ich Euch mich selbst als solchen biete,
  Denn eine Schuld bezahlen, heisst nicht schenken.

13.                              Bettina Jacobson.




AUS DEN STANZEN ZUM LOB DES LANDLEBENS.


(Michelangelo schildert im ersten Teil des Gedichtes die Reize des
lndlichen Lebens und stellt diesem die Reihe der Laster gegenber, die dem
Reichen in der Stadt das Leben verbittern: Zweifelsucht, Falschheit,
Schmeichelei, Zwist, Betrug, Lge, endlich, in den folgenden Stanzen, den
Hochmut, die Missgunst und die sieben Todsnden, ihre Kinder.)

  Der Riese Stolz blht sich so hoch, dass nimmer
  Er uns im Staub gewahrt; manch schne Stadt
  Zermalmt mit plumpen Sohlen er in Trmmer;
  Zur Sonne will er schaffen sich den Pfad,
  So baut er Turm auf Turm, doch ihren Schimmer
  Sah er noch nie, da nur ein Aug' er hat,
  Und dies ihm an der Ferse sitzt. Im Wahne
  Durchrast die Himmel er gleich dem Orkane.

  Die Berge sind den Sohlen jenes Hnen,
  Was uns ein Sandkorn ist. Der Drachen Brut
  Birgt sich in seinem Fell und neben ihnen
  Erscheint der Walfisch in der Meeresflut
  Wie eine Fliege klein. Es schreckt den Khnen
  Nur eins: Wenn sich erhebt der Strme Wut
  Und Staub und Halme wirbelnd aufwrts sendet,
  Sein einzig' Auge durch den Qualm ihm blendet.

  Auch eine trge Alte ist ihm teuer,
  Die grosse Amme seiner Ungestalt,
  Sie nhrt in ihm der wilden Khnheit Feuer,
  Sie reizt ihn an zu Frechheit und Gewalt.
  Wohnt nicht das Weib bei diesem Ungeheuer,
  So birgt es sich im tiefsten Felsenspalt.
  Geht mssig er, hockt sie in dunkler Kammer
  Und schickt dem Volke Hungersnot und Jammer.

  Im Busen, aus dem alle bel stammen,
  Trgt sie das Zeichen ihres Herrn; die Qual
  Des Nchsten mstet sie, sie schrumpft zusammen
  Bei andrer Glck, die Gier stillt ihr kein Mahl;
  Sie peinigt alle mit des Hasses Flammen
  Und liebt, o Wunder, selbst sich nicht einmal.
  Ihr Arm ist Eisen, Stein das liebeleere
  Das eis'ge Herz; sie schlinget Berg und Meere.

  Und beider Kinder -- sieben sind's -- durchfliegen
  Die Welt von Pol zu Pol, ein Hllenchor;
  Nur die Gerechten wollen sie bekriegen,
  Sie schliessen auf und zu des Abgrunds Tor,
  Denn Beute bringen sie nach grossen Siegen;
  Unzhl'ge Arme strecken sie hervor,
  Um nach und nach die Seelen ganz zu binden
  Wie Eupheuranken einen Turm umwinden.

14.                            Sophie Hasenclever.




EPITAPHIEN.


  O fhlest du mit mir, der hier im Staube
  Verschlossen ruht, der Welt entrckt, Erbarmen,
  So spare deine Trnen fr die Armen,
  Die leben, wechselndem Geschick zum Raube.

       *       *       *       *       *

  Warum ergreifst du Tod nicht mde Greise,
  Warum soll ich in meiner Blte sterben?
  "Weil das, was altert in der Welt Verderben,
  Nicht aufschwebt und nicht weilt im Himmelskreise."

       *       *       *       *       *

  Nicht mordete mit hoher Jahre Waffen
  Der Tod die Schnheit, die der Staub hier deckt,
  Er nahm sie schnell, auf dass sie unbefleckt
  Zum Himmel kehre, schn wie sie geschaffen.

       *       *       *       *       *

  Geboren war ich erst vor kurzer Frist,
  Als man mich hier begrub; so schnell entfhret
  Der Tod mich, dass der freie Geist kaum spret,
  Wie sehr sein Zustand jetzt verwandelt ist.

       *       *       *       *       *

  Nicht gab der Himmel meiner Reize Flle,
  Die Vielen er zum Schmuck fr mich entriss,
  Durch meinen Tod zurck, da ich gewiss
  Am jngsten Tag mich kleid' in gleiche Hlle.

       *       *       *       *       *

  Man glaubt mich tot, der ich gelebt zum Frommen
  Der Welt, im Busen tragend tausend Seelen,
  Die mich geliebt; wie kann mir Leben fehlen,
  Da eine Seele nur der Tod genommen?

       *       *       *       *       *

  O wrden Fleisch und Blut fr meine Knochen --
  Dass ich aufs neue lebte -- eure Trnen,
  Dann wr' aus Mitleid hart, wer weint; sein Sehnen
  Zwng' mich zurck ins Joch, das ich zerbrochen.

       *       *       *       *       *

  Dass ich gelebt, weiss nur mein Leichenstein,
  Und denkt ein Mensch an mich, dann dnkt's ihn gar
  Wie Traum; so wirkt der Tod, dass das, was war,
  Erscheint, als knnt' es nie gewesen sein.

       *       *       *       *       *

  Ich, Braccio von Geschlecht, sah, seit in Schmerzen
  Zur Welt ich kam, nur kurze Zeit den Tag;
  Nun bin ich hier, wo gern ich harren mag,
  Leb' ich nur fort in meines Freundes Herzen.

       *       *       *       *       *

  War ich im Leben, der ich Staub jetzt bin,
  Des Freundes Leben, muss nicht Tod allein,
  Nein eiferscht'ge Qual dem Freund es sein,
  Stirbt je vor ihm ein andrer fr mich hin?

       *       *       *       *       *

  Der Bracci Sonne sank hinab ins Grab,
  Mit ihr die Sonne der Natur. Nicht Waffen
  Bedurft' der Tod, um ihn dahin zu raffen;
  Ein Hauch schon bricht die Frhlingsblume ab.

15.                            Sophie Hasenclever.




DANTE.


  Kein Lob erreicht ihn, denn was knnt' ich sagen,
  Da selbst den Blinden er voll Glanz erschienen?
  Doch dazu soll die Sprache jetzt mir dienen,
  Das Volk, das ihn beleidigt, anzuklagen!

  Ihm, der zum Reich der Seelen, die verloren,
  Hinabstieg, ihr Geheimnis zu erraten;
  Ihm, dem die Himmelstore auf sich taten,
  Verschloss die eigne Vaterstadt die Tore.

  O Vaterland des Undanks! Dir zum Schaden
  Hast du ihn ausgestossen! Du, das stets
  Die Besten mit dem schwersten Schmerz beladen.

  Nur seinen Namen braucht die Welt zu lesen!
  Denn ward ein Mann unwrd'ger je verbannt
  Und ist ein Mann so gross wie er gewesen?

16.                                 Hermann Grimm.





  Wie kommt's, dass ich nicht mehr mein eigen bin?
  Wer ist's, durch den ich mich verlor,
  Der, fremd, in mir sich drngte vor,
  Mehr gilt in mir als eigner Sinn?
  Und wie durchschnitt
  Die harte Brust,
  Wer mich nicht einmal angerhrt?
  Wer bist du, Liebe, Qual und Lust,
  Die nun mein Herz gefangen fhrt,
  Die durch das Aug' in meine Seele glitt
  Und da so masslos wchst und schwillt,
  Dass sie an tausend Enden berquillt?

17.                               Hans Grasberger.





  Den Augen gebt zurck, o Fluss, o Quelle,
  Das Wasser, nicht entsprungen euren Bronnen,
  Die Trnen, die in eure Flut verronnen,
  Zu wilder Hhe trieben eure Welle!

  Du trbe Luft, die mir das Licht, das helle,
  In Nebel hllt, verdunkelnd meine Wonnen,
  Gib wieder, um die Blicke neu zu sonnen,
  Die Seufzer mir, dass es kein Dunst entstelle!

  Die Schritte, Erde, gib zurck den Fssen,
  Es sprosse neu das Gras auf meinem Wege;
  Gib, Echo, heut zurck mir Klag' und Sthnen,

  Gebt meinem Aug' ihr Augen, o ihr sssen,
  Die Blicke wieder, dass ich lieben mge
  Ein andres Weib, da euch verhasst mein Sehnen.

18.                            Sophie Hasenclever.





  So kehren wirklich die befreiten Seelen,
  Auf kurz bemess'ne Zeit,
  Zurck in anderm Kleid,
  Dass Leben sie und Tod von neuem whlen?
  Wird strenge im Befehlen,
  Wie einst, die Liebste nah'n,
  Noch ganz von ihrem alten Reiz umflossen?
  Fast mcht' ich darauf zhlen,
  Sie zeigte sich alsdann
  Ganz ohne Groll, von Milde bergossen.
  Und, war ihr Aug' geschlossen,
  Hat, neubelebt, sie Mitleid wohl erworben
  Mit meinem Tod, -- die selber schon gestorben!

19.                              Bettina Jacobson.




AN VITTORIA COLONNA.


  Des besten Knstlers herrlichsten Gedanken,
  Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten,
  Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten,
  Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken.

  In dir auch birgt sich Glck und Pein; verdanken
  Knnt' ich dir hchstes Heil, doch zu gestalten
  Dies Glck, es zu gewinnen, zu erhalten,
  Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken.

  Nicht trgt denn Liebe Schuld an meinen Leiden,
  Nicht darf das Schicksal ich zu schmhen wagen;
  Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben,

  Trgst du im Busen sie und ward von beiden
  Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen;
  Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben.

20.                            Sophie Hasenclever.




AN VITTORIA COLONNA.


  Dein leuchtend helles Diadem erringen,
  Auf steilem Pfade rauh und lang,
  O das vermag im Liebesdrang
  Ein Herz voll Demut nur und edler Sitte.
  Dir wchst die Kraft, mir werden lahm die Schwingen,
  Versagt der Odem auf des Weges Mitte.
  O hre meine Bitte:
  Obgleich mein Herz sich freut an deiner Ehre,
  Und jauchzt, dass deine Tugend so erhaben,
  So fleht es dennoch: lenke deine Schritte
  Ein wenig nur herab zu mir und wehre
  Mir Schwachem nicht, den Geist an dir zu laben;
  Wenn minder gross, du Hehre,
  Mein Herz dich wnscht, nicht hh'ren Flug will dulden,
  O so vergib dir selber mein Verschulden.

21.                            Sophie Hasenclever.




AN VITTORIA COLONNA.


  Der Freundlichkeit, mit der Ihr mich bedenkt,
  Nicht allzu unwert, Herrin, mich zu zeigen,
  Wollt ich mit dem, was meinem Geiste eigen,
  Erst das erwidern, was Ihr mir geschenkt.

  Bald aber fhlt' ich: da Euch nachzusteigen,
  Wohin der Genius Euch empor gelenkt,
  Gibt's keinen Weg fr mich: verzeiht und denkt,
  Wie sehr ich weiss, warum mir ziemt zu schweigen.

  Denn Irrtum wr' mein Glaube, wenn ich dchte,
  Dem gleichzutun mit meinem schwachen Werke,
  Was von Euch wie des Himmels Gnade regnet.

  Das Feuer fehlt, die Kunst, die es vollbrchte,
  Mir Sterblichem, dem kein Versuch die Strke
  Verleiht, mit der der Himmel Euch gesegnet.

22.                                 Hermann Grimm.




AN VITTORIA COLONNA.


  Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne
  Das Leben mir entreisst,
  Wie arm bin ich an Geist,
  An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen
  Flieht, wie der Blick die Sonne,
  Mein blder Geist; die Flgel mcht' er regen
  Weit ber sein Vermgen;
  Er bertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende
  Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden,
  Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende,
  Nie kann der Dankesschuld er sich entladen,
  Fr so viel Gnaden!
  Je mcht'ger lodern deiner Seele Flammen,
  Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen.

23.                            Sophie Hasenclever.





  Was ist es, das die Seele mir entzndet?
  Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen krnen?
  Sah ich auf Erden je ein Bild des Schnen,
  Das meine Seele zitternd nachempfindet?

  Blieb mir ein Himmelsstrahl, der nie erblindet,
  Von jener Seligkeit, nach der mit Trnen
  Sich die verbannten Menschenherzen sehnen,
  Die niemals ganz aus dem Gedchtnis schwindet?

  Das, was ich fhl' und schau', das, was mich leitet,
  Ist nicht in mir, noch weiss ich, wo es finden!
  Zeig' du es mir, denn seit ich dich erschaue,

  Fhl' ich, wie sich in meinem Busen streitet
  Ein Ja und Nein, ein bittersss Empfinden;
  Gewiss dein Auge ist es, holde Fraue!

24.                            Sophie Hasenclever.





  "Sprich Amor, ist es Wahrheit, ist's ein Whnen,
  Dass Gtterpracht der Herrin Antlitz schmckt,
  Oder hat mich ein inn'res Bild entzckt,
  Und seh' ich hier den Abglanz jenes Schnen?

  Du weisst es, denn du kamst mit ihr; mein Sehnen
  Entfachst nur du, nur du hast mich berckt;
  Doch fleh' ich, trotz der Qual, die mich bedrckt,
  Nicht mindre diese Flammen, diese Trnen!"

  "Die Schnheit, die du siehst, entstammt der Erde,
  Doch wchst ihr Glanz, steigt sie zu hhern Sphren;
  Durch deine Augen tritt sie in die Seele,

  Und diese, dass gleich ihr unsterblich werde
  Die Schnheit, nimmt sie auf, sie zu verklren;
  So laut're Schnheit siehst du, ohne Fehle."

25.                            Sophie Hasenclever.





  O meine Augen, wisst:
  Die Zeit vergeht, die Stunde kommt heran,
  Wo trber Trnen Born sich schliesst!

  Gott halt' euch aufgetan,
  So lange meiner Herrin Huldgestalt
  Auf Erden wallt.

  Schliesst sich der Himmel auf,
  Und meine Erdensonne
  Lenkt, euch entrckt, den Lauf
  Hinan zu aller Sel'gen Wonne,
  Was bleibt euch frder noch zu schauen dann?

26.                               Hans Grasberger.




AN VITTORIA COLONNA.


  Wenn Kunst, im Stein gestaltend,
  Erschaffend und erhaltend,
  Dir dauernd Leben gibt durch Menschenhnde
  Bis an der Zeiten Ende,
  Wie knnte erst der Himmel dich verklren,
  Der Himmel, gttlich waltend,
  Der hh'rer Schnheit Spende
  Als Menschenkunst verleiht, wollt' er dir Hehren
  Auf Erden schon Unsterblichkeit gewhren!
  Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben?
  Wer rcht hier dein Verderben?
  Dich rche die Natur, denn sieh, es bleibet
  Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstubet.

27.                            Sophie Hasenclever.




AUF VITTORIA COLONNAS TOD.


  Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren,
  Der Erde, meinem Blick und sich entschwand,
  Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand,
  Beschmt zurck, und, der sie sah, voll Zhren.

  Heut wird man nicht den Tod sich rhmen hren,
  Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand
  Die Liebe sie: hier lebend festgebannt,
  Weilt sie dort oben unter Engelchren.

  Wohl meinte dieser arge, bse Tod:
  Verstummen mssten hier die Ruhmesklnge,
  Darin man Tugend, Seelenschnheit ehrte.

  Und dennoch spenden jetzt uns die Gesnge
  Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot:
  Der Himmel liess uns, was ihm nicht gehrte.

28.                              Bettina Jacobson.




AUF VITTORIA COLONNAS TOD.


  Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte,
  Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen,
  Ich mich bekmmert fhle und beklommen,
  So dass ich nach und nach zu Asche werde?

  Ich sah, wie Flammenschein den Ort verklrte,
  Von dem mir all die schwere Pein gekommen,
  Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen,
  Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte.

  Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, --
  Die mich entzndet, mich ernhrte, -- nimmt,
  Glh' ich als Kohle noch im Aschengrabe.

  Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle,
  Bleibt auch kein Fnklein mehr, das weiterglimmt,
  Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe.

29.                              Bettina Jacobson.




AUF VITTORIA COLONNAS TOD.


  Um so vollkommne Schnheit nicht von allen
  Zurckzufordern, wenn der Tod erschien,
  Ward einer sie verliehn:
  Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier.
  Htt' allen Sterblichen es Gott gefallen,
  Sie zu gewhren, war der Rckkauf teuer.
  Ein Hauch ward zum Befreier,
  Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen,
  Gengte, dass sie Gott
  Zurckgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! --
  Doch bleiben unvergessen,
  Ob auch die Hlle tot,
  Uns ihre schnen, heilgen, sssen Lieder.
  Lieh Gott an schlimme Brder
  So viel wie ihr, wollt' es zurckerwerben,
  Mitleid, gesteh's: Wir alle mssten sterben! --

30.                              Bettina Jacobson.




AUF VITTORIA COLONNAS TOD.


  Ward auch schon manches Menschenbild gesehn,
  Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht,
  So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht,
  Durch den allein kann Schlag und Fhrung gehn.

  Nur was da gttlich wohnt in Himmelshhn,
  Ist schn durch sich, versendet eignes Licht;
  Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht,
  Kann Leben auch aus Leben nur erstehn.

  Weil nun der Schlag nur strker niederfhrt,
  Je hher wir hinauf den Hammer schwingen,
  Flog ber mich der deine himmelan.

  So, wenn Gott gndig Hilfe nicht gewhrt,
  Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen,
  Weil sie kein andrer hier vollbringen kann.

31.                              Bettina Jacobson.




NACH VITTORIA COLONNAS TOD.


  Versetz' in jene Zeit zurck mich heute,
  Wo zaumlos toben mochte blinde Glut!
  Gib mir das Antlitz wieder engelgut,
  Dem alle Jugendkraft gewelkt zur Seite;

  Die Schritte ohne Zahl in alle Weite,
  Die schwer und mh'voll nur das Alter tut,
  Dem Busen Feuer gib und Trnenflut,
  Willst du noch einmal, Amor, mich zur Beute.

  Denn lebst von Zhren wirklich du, vergossen
  In Leid und Lust, was macht den Greis dir teuer,
  Der fast am andern Ufer angekommen?

  Schon wehrt der Geist mit himmlischen Geschossen
  Sich gegen deinen Pfeil. Das strkste Feuer,
  Es zndet nicht im Holz, das schon verglommen.

32.                            Sophie Hasenclever.





  Ein frohes Herz verschnt, und hsslich macht
  Ein traurig Herz; so werd' ich umgestaltet
  Durch dich, die meins verwaltet.
  -- Nur eins begreif' ich nicht: du msstest glhen,
  Da du die Glut entfacht! --
  Ein Auge klar und helle
  Hat fr das Schne mir mein Stern verliehen,
  Und willst du mir entziehen
  Des Trostes letzte Strahlen,
  Wirst du, seh' ich, dir schaden, denn ich meine,
  In jedes Bildnis malen
  Zugleich mit dem Modelle
  Wir Knstler uns hinein; wie wird das deine,
  Wenn ich so trostlos weine?
  Beglcke mich, dann mal' ich ohne Trnen,
  Und du wirst schn und wirst auch mich verschnen.

33.                            Sophie Hasenclever.





  Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer!
  Als dem Modell; so bilde
  Ich jetzt nur schmerzlich wilde
  Entstellte Zge, klgliche Gestalten!
  Dich formen will mein Hammer,
  Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten.
  Was knnt' ich auch gestalten,
  Da Liebe mich vernichtet,
  Als diesen mden Leib voll Angst und Trauer?
  Gleicht nicht dem Stein, dem kalten,
  Aus dem ihr Bild errichtet,
  Die strenge Herrin? Felsen sind nicht rauher.
  Die Kunst allein gibt Dauer;
  Drum, willst du, dass dein Reiz dich berlebe,
  Beglcke mich, dass ich dir Schnheit gebe!

34.                            Sophie Hasenclever.





  Wohl muss ein reiner tcht'ger Sinn sich freuen
  An von der Kunst geschaffenen Gestalten,
  Die liebe Zg' und Formen aufbehalten
  Und Menschen bilden in Wachs, Ton und Stein.

  Wenn dann fhllose Zeiten sie entweihen,
  Solch edles Werk zertrmmern und zerspalten,
  So wird das Bild sich dennoch in der alten
  Schnheit im Geist, der es erfasst, erneuen.

  So ist es deiner Schnheit widerfahren:
  Als Bild des Heiles, das den Himmel schmckt,
  Hat sie der ew'ge Knstler ausgesendet.

  Verringert sie nun gleich sich mit den Jahren,
  Sieht meine Sehnsucht sie nur mehr vollendet,
  Der Schnheit denkend, die kein Alter knickt.

35.                                    Carl Witte.





  Herrin, wie mag's nur sein -- und doch bewhrt
  Es die Erfahrung -- dass weit lngeres Leben
  Dem Bildwerk als dem Bildner wird gegeben,
  Des Meisterhand den rohen Stein verklrt?

  Der Schpfer schwindet das Geschaffne whrt,
  Kurzlebig muss Natur vor Kunst erbeben,
  Ich weiss es, der ich ganz der Kunst ergeben,
  Klar sehe, wie die Zeit mit mir verfhrt.

  So knnt' ich langes Leben wohl uns beiden
  Verleih'n, ob Stein, ob Farbe dir beliebt,
  Liess ich ein Bild von uns ganz treu und wahr:

  Dass man noch tausend Jahr nach unserm Scheiden
  Sh', wie du schn warst, wie ich dich geliebt,
  Und dass mein Lieben keine Torheit war.

36.                          Friedrich Bodenstedt.




AN VITTORIA COLONNA.


  Nach vielen Jahren, vielem Suchen, Ringen,
  Erreicht der Weise erst, nah seinem Ende,
  Wie er durch Geist und Hnde
  Lebendig aus dem Stein ein Bildnis schafft.
  Denn zu so hohen Dingen
  Gelangt man spt, und bald erlischt die Kraft.
  Dein Antlitz, gtterhaft,
  Hat, lange suchend und nach vielem Irren,
  Natur, am Gipfel angelangt, gefunden;
  Nun ist sie alt, und ihre Kraft verzehrt.
  Darum ist Furchtverwirren
  Mit Schnheit oft verbunden,
  Das wundersam ein stark Verlangen nhrt.
  Wer ist's nun, der mich lehrt,
  Was besser sei, nachdem ich dich gesehn:
  Die hchste Lust? Der Erde Untergehn? --

37.                              Bettina Jacobson.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe
  Mit Worten nimmer ich; doch was es kndet
  Hob oft den Geist, den noch der Krper bindet,
  Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe.

  Dien' ich dem Spott des Pbels auch zur Scheibe,
  Zeiht er der Regung mich, die er empfindet,
  So hoff' ich doch, dass Treue fest gegrndet,
  Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe!

  Die ird'sche Schnheit, fr den Blick des Weisen
  Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen;
  Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben,

  Nicht andre Frchte kann die Erde weisen;
  Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen,
  Ist sss der Tod und frei mein Flug nach oben.

38.                            Sophie Hasenclever.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Ich sehe sanftes Licht mit deinen Blicken,
  Mit meinen eignen Augen bin ich blind,
  Mit dir im gleichen Schritte wandelnd, sind
  Leicht mir die Lasten, die mich sonst erdrcken.

  Von deinen Schwingen mit emporgetragen
  Flieg' ich mit dir hinauf zum Himmel ewig;
  Wie du es willst: khn oder zitternd leb' ich,
  Kalt in der Sonne, warm in Wintertagen.

  In deinem Willen ruht allein der meine,
  Dein Herz, wo die Gedanken mir entstehn,
  Dem Geist, in dem der Worte Quell sich findet:

  So kommt's, dass ich dem Monde gleich erscheine,
  Den wir soweit am Himmel nur ersehn
  Als ihn der Sonne Feuerstrahl entzndet.

39.                                 Hermann Grimm.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Wenn in zwei Liebenden des Schicksals Walten,
  Wenn keusche Lieb' sich gleich und Frmmigkeit,
  Wenn einer weinet bei des andern Leid,
  Ein Will' und Geist in beiden Herzen schalten;

  Wenn eine Seele lebt in zwei Gestalten,
  Verklrt in beiden, sie zu gleicher Zeit
  Mit einem Flgel trgt zur Seligkeit,
  Ein goldner Pfeil zwei Busen hat gespalten;

  Wenn beide freinander liebend brennen,
  Doch keiner selbst sich liebt, wenn jeder tglich
  Zum hchsten Ziel den andern will begeistern,

  Und wenn dies schwacher Abglanz nur zu nennen
  Von uns'rer Liebe, sag mir, ist's dann mglich,
  Dass Groll das Band lst zwischen solchen Geistern?

40.                            Sophie Hasenclever.





  Durch dich erst kenn' ich mich und aus der Ferne
  Streb' ich dem Himmel zu, von dem wir kamen,
  Und wie der Fisch gekdert wird vom Hamen,
  Reichst du mir Speise, und ich komme gerne.
  Nur schwach kann ein geteiltes Herze schlagen,
  Drum gab ich dir das meine ganz und gar:
  Was von mir bleibt, du weisst es, der mich kennt!
  Ans Beste nur soll sich die Seele wagen,
  Drum muss ich heiss dich lieben, will ich leben!
  Denn ich bin Holz nur, du bist Holz, das brennt.

41.                              Bettina Jacobson.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Wohl darf mit meiner Liebe heissen Flammen
  Gerechte Hoffnung sich zum Himmel schwingen,
  Denn wollte unsre Wnsche Gott verdammen,
  Warum hiess er die Welt aus Nichts entspringen?

  Wie sollt' ich auch fr Hh'res mich entflammen,
  Als um der ew'gen Schnheit Ruhm zu bringen,
  Von der die Reize, die dich zieren, stammen,
  Die keusch und rein'gend jedes Herz durchdringen?

  Trg'risch ist nur die Hoffnung jener Lust,
  Die mit der Schnheit stirbt und stets entflieht,
  Weil sie der Zge Wechsel untertan.

  Doch die ist unfehlbar in treuer Brust,
  Die um der Hlle Wandlung nicht verglht;
  Durch sie wird uns der Himmel aufgetan.

42.                                    Carl Witte.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Wre der Schnheit deiner Augensterne
  Das Feuer gleich, das sie ringsum entznden,
  Dann flammte wohl die Welt aus Feuerschlnden,
  Es schmlzen selbst des Poles eis'ge Kerne.

  Doch hat der gt'ge Himmel, der sich gerne
  Erbarmt des Schwachen, dass wir nicht erblinden,
  Die Augen uns umflort, und wir empfinden
  Den Glanz nur wie ein Licht in weiter Ferne.

  Nie wird, wie's deinem Reiz gebhrt, entbrennen
  Der Liebe Glut; nur Stckwerk schau'n wir Toren
  Des Ew'gen, lieben das nur, was wir sehen.

  Mich auch bewahrt mein mangelhaft Erkennen,
  Die Schwche nur, dem Menschen angeboren,
  Fr dich im Flammentode zu vergehen.

43.                            Sophie Hasenclever.





  Ein schnes Antlitz spornt mich himmelan,
  Nichts andres freut mich mehr, da schon im Leben
  Ich darf empor zu sel'gen Geistern schweben --
  Ein Glck, wie selten es ein Mensch gewann.

  So sehr zum Schpfer stimmt sein Werk: ich kann
  durch Gottgedanken mich zu Gott erheben,
  Vom Himmel wird mir Geist und Wort gegeben,
  Seit ich erglht in holdem Liebesbann.

  Drum kann ich von zwei schnen Augen nimmer
  Den Blick abzieh'n, als ob zum hchsten Glck,
  Empor zu Gott ihr Licht den Weg mir wiese.

  Und fhl' ich mich durchglht von ihrem Schimmer,
  Strahlt mir aus ihrer edlen Glut zurck
  Das ew'ge Lcheln sel'ger Paradiese.

44.                          Friedrich Bodenstedt.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Ein Schwefelherz in einem strohernen Leibe,
  Mit Knochen wie geschnitzt aus drren Asten,
  Ein Flackergeist, der sich der ersten, besten
  Hingibt, betrt von jedem pp'gen Weibe;

  Ein Scheinmensch, blind fr Hh'res, mrb wie Zunder,
  Dergleichen viele auf der Glcksjagd rennen,
  Mag lichterloh im Augenblick entbrennen
  Gleich wie vom Blitz gerhrt; es ist kein Wunder!

  Mir konnte nur die hchste Schnheit taugen,
  Zu ew'gen Werken heil'ge Glut zu schren:
  Ihr Glanz allein knnt' mich so hoch erheben.

  Klein schien mein Grsstes mir in deinen Augen;
  Ich floh das Volk, dich Einz'gen zu erkren;
  Mein Werk gab meiner Liebe ew'ges Leben.

45.                          Friedrich Bodenstedt.





  Das Feuer darf der ems'ge Schmied nicht scheuen,
  Sein Eisen neu und kunstvoll zu gestalten;
  Mit Kraft des Feuers muss der Meister schalten,
  Will er des lautern Goldes sich erfreuen.

  Der einz'ge Phnix kann sich nicht erneuen,
  Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten
  Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten
  Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr bedruen.

  O ssses Sterben! Selig, wer so brennt!
  Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben,
  Nicht unter Toten leben muss fortan.

  Ja wenn sich von Natur dies Element
  Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben,
  Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan.

46.                          Friedrich Bodenstedt.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Dein Geist stieg in des Leibes Kerkerzelle
  Von dort herab, wohin er einst enteilt,
  Dass sich ein Engel, der die Seelen heilt
  Und Ruhm der Welt verleiht, uns zugeselle.

  Dein Wesen, nicht die Schnheit sonnenhelle,
  Entflammt mich, denn ein Herz, wo Tugend weilt,
  Baut niemals seine Hoffnung bereilt
  Auf das, was rasch entfhrt der Zeiten Welle.

  Doch lebt solch' edler Geist in schner Hlle,
  Dann fasst ihn jeder, wie man an der Scheide
  Die Klinge kennt, eh' eine Hand sie zckte.

  Nichts in der Welt lehrt so wie Schnheitsflle
  Den Schpfer lieben! Sieh, es streiten beide,
  Natur und Himmel, wer zumeist dich schmckte.

47.                            Sophie Hasenclever.





  Nicht Glck, nicht Gnade wird dem beltter,
  So sagt das Volk, das auch fr mich es sprach,
  Denn seit am eig'nen Selbst ich war Verrter
  Um dein zu sein, floh mich das Glck, und ach,
  Die Zeit verbeut's, dass gleich dem Phnix spter
  Zu neuen Sonnen ich mich schwingen mag.
  Eins ist mein Trost, dass mehr ich mir gehre,
  Wenn dein ich bin, als wenn nur mein ich wre.

48.                            Sophie Hasenclever.




DIE NACHT.


  Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt,
  Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht,
  Er gab der _einen_ hoher Sonne Pracht,
  Der _andern_ gab er dann den nahen Mond.

  So wird im voraus jedermann gelohnt,
  Glck, Zufall und Geschick ihm zugedacht.
  _Mir_ fiel die dunkle Seite zu, die Nacht;
  Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont.

  Und wie bei dem, der eignem Glcke wehrt,
  In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten,
  So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt.

  Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert,
  Der Sonne deines Tages vorzuschreiten,
  Die von Geburt an ber dir gewandelt.

49.                              Bettina Jacobson.




DIE NACHT.


  Jedweder Raum, bedeckt und eingefgt, --
  Was er im Innern auch umschliessen mag, --
  Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag,
  Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt.

  Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt,
  Verjagt die Sonne, was im Finstern lag,
  So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag,
  Ja, auch ein Glhwurm htte schon gengt.

  Was in der Sonne treibt an Lebenskraft,
  An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen,
  Wird durchgepflgt vom starken Ackerknechte.

  Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft,
  Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen,
  Sind heil'ger als die Tage uns die Nchte.

50.                              Bettina Jacobson.




AN DIE NACHT.


  O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit,
  Die jeder Arbeit stilles Ende bringt,
  Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt,
  Und wer dich wrd'gen kann, der weiss Bescheid.

  Du schlferst ein des Hirnes Mdigkeit,
  Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt;
  Aus Tiefen zu ersehnten Hhen schwingt
  Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit.

  Du hemmst und scheuchst zurck, o Todesschatten,
  Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein,
  Tust, letztes Mittel, tief Betrbten gut.

  Du krftigst unsre Glieder, unsre matten,
  Du trocknest Trnen, wiegst die Sorgen ein,
  Und rettest Edle vor Verdruss und Wut.

51.                              Bettina Jacobson.




DIE NACHT.


  Wenn Phbus Arme sich nicht strahlend winden
  Um dieses kalte, feuchte Erdenrund,
  Heisst solche Stunden "Nacht" der Leute Mund,
  Weil sie die Sonne dann nicht mehr empfinden.

  Doch ist sie arm und schwach: Schon das Entznden
  Der kleinsten Kerze raubt ihr Leben, und
  Ein Zunder an der Flinte macht sie wund,
  So dass wir sie gar schnell zerrissen finden.

  Will man noch wirklich Wesenskraft ihr geben,
  Muss Phbus' Kind sie und der Erde sein:
  _Sie_ trgt den Schatten, _jener_ gibt ihm Leben.

  Doch, wie's auch sei: Wer lobt, der irrt. Voll Pein,
  Verdstert, muss die Witwe schon erbeben
  Vor Eifersucht bei eines Glhwurms Schein.

52.                              Bettina Jacobson.




GESANG DER TOTEN.


  Wer geboren wird, muss sterben
  In der Zeiten Flucht; die Sonne
  Duldet jegliches Verderben.
  Schnell vergehen Leid und Wonne,
  Geist und Wort sind bald verloren;
  Alle, die nach uns geboren,
  Schatten sind sie, leichter Rauch.
  Menschen waren wir ja auch,
  Froh und traurig so wie ihr,
  Und ihr seht, nun sind wir hier,
  Mussten schon zu Staub verderben;
  Alle Wesen mssen sterben.

  Unsre Augen konnten schauen,
  Aus den Hhlen voll und hell;
  Heute sind sie leer, voll Grauen,
  Denn die Zeit entfhrte schnell.
  ----

53.                              Bettina Jacobson.




AN VITTORIA COLONNA.


  Die Schnheit ward als Vorbild mir auf Erden
  Fr meinen doppelten Beruf geschenket;
  In beiden Knsten sollte sie mir strahlen,
  Ein Spiegel, eine Leuchte mir zu werden;
  Sie ist es, die zu jenem Ziel mich lenket,
  Fr das ich einzig meisseln mag und malen.
  O trichter, vermessener Gedanke,
  Die hohe Schnheit Sinnenlust zu schelten!
  Gesundem Geiste zeigt sie Himmelspfade,
  Am Staube aber klebt der Blick, der kranke;
  Ein reines Auge nur sieht jene Welten,
  Die einzig uns erschliesst der Strahl der Gnade.

54.                             Sophie Hasenclever




AN VITTORIA COLONNA.


  Nicht schn zu sein, unmglich ist's dir Schnen,
  Nicht gut zu sein, dir Guten! Dein Erbarmen,
  Verderblich ist's mir Armen,
  Es schmilzt mein Herz in deiner Gnadensonnen
  Auflsend sich in Wonnen!
  Stirbt eh'r nicht deines Herzens Liebesflle,
  Als deine ssse Hlle,
  So duld', ich fleh's mit Trnen,
  Dass ich bei dir verweile
  Bis du der Welt entronnen!
  O dann entrckt mein Sehnen
  Der Erde mich, ich eile
  Empor zum ew'gen Heile;
  Gibt uns der Schpfer einst am jngsten Tage,
  Den Leib zurck, zu Wonne oder Plage,
  Dann nimm mich auf, ob unschn ich geblieben,
  Dort gilt ja mehr als Schnheit treues Lieben!

55.                            Sophie Hasenclever.




AN TOMMASO CAVALIERI.


  Als mir dein Augenstern zuerst erglhte,
  Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen,
  Schon sah mein Geist entzckt den Himmel offen,
  Ein ew'ger Friede zog in mein Gemte;

  Denn nimmer stillt mein Herz der Anmut Blte,
  Erzeugt aus dieser Erde niedren Stoffen;
  Der Schnheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen;
  Es fliegt der ew'gen Schnheit zu und Gte.

  Nie hoffe denn ein weises Herz den Frieden
  Von jener Blte, die zu Staub verkehren
  Die rauhe Zeit, und Tod, der uns beschieden;

  Wohl mag der Sinne Glut den Greis versehren,
  Die Liebe nicht, sie heiligt uns hienieden,
  Doch erst der Himmel wird uns ganz verklren.

56.                            Sophie Hasenclever.





  Die Augen, stets der Schnheit zugetan,
  Der Geist, ihr hold und auf sein Heil bedacht,
  Sie dringen durch die Nacht
  Nur an der Hand der Schnheit himmelan;
  Denn aus der Sternenbahn
  Strmt Glanz vom Firmament,
  So klar, dass ihm zu nah'n,
  Die Menschenseele brennt,
  Und solch Empfinden nennt
  Man Liebe hier; ein edles Herz beflgelt,
  Entflammt der Blick nur, der den Himmel spiegelt.

57.                            Sophie Hasenclever.




AN VITTORIA COLONNA.


  Im Herzen nicht ist meiner Liebe Leben;
  Das Herz, das irdisch, sterblich ist, enthlt
  Die ew'ge Liebe nicht, sie lebt gesellt
  Dem Wahn, der Snde nicht, von Schuld umgeben.

  _Mir_ hat die Liebe klaren Blick gegeben,
  Die Schnheit _dir_ beim Eintritt in die Welt,
  So dass ich selbst in dem, was einst zerfllt,
  In deinem Reiz erkenn' der Gottheit Weben!

  Vom ewig Schnen trennt in mir sich nimmer
  Die Liebe, wie die Wrme nie vom Feuer;
  Was ihm entstammt und gleicht, das mcht' ich schauen!

  Du trgst in deiner Augen sel'gem Schimmer
  Das Paradies, wo du zuerst mir teuer,
  Und seine Pforten sind mir deine Brauen!

58.                            Sophie Hasenclever.




DANTE.


  Als Mensch vom Himmel einst herabgestiegen,
  Hat Hlle er und Lut'rungsglut gesehn,
  Dann bracht' er lebend, aus des Himmels Hhn,
  Uns wahres Licht, die wir im Dunkeln liegen.

  Dass du bestrahlt die Sttte meiner Wiegen,
  O lichter Stern, ist unverdient geschehn;
  Die ganze arge Welt dir zugestehn,
  Wr' kleiner Preis: Nur Gott kann dir gengen.

  Von Dante red' ich, dessen Werk verkannt,
  Missachtet ward vom Volk, dem undankbaren,
  Das stets sich von Gerechten abgewandt.

  Wr' ich wie er! Htt' ich wie er den wahren,
  Tatkrft'gen Geist, und wr' wie er verbannt:
  Das schnste Glck der Erde liess' ich fahren.

59.                              Bettina Jacobson.




  So viel scheint gross und kostbar, und es blickt
  Das Volk drauf hin bewundernd, aber einer
  Steht abseits; ihm erscheint es um so kleiner
  Und gallenbitter, was sie hoch entzckt.

  Und das sogar: der eitlen unverstnd'gen
  Gedankenlosen Welt muss er sich fgen,
  Muss reden, wie sie spricht und Freude lgen,
  Und lchelnd die verborg'nen Trnen bnd'gen.

  Mein Glck ist nur, dass ganz verborgen sei,
  Was ich beweine und was heimlich trachtend
  Des Herzens Wnsche wollen, die ich hege.

  Blind ist die Welt und nur Verrtern treu,
  Ich aber, Hass und Ehre gleich verachtend,
  Geh still und einsam weiter meine Wege.

60.                                 Hermann Grimm.




  Ich bin jetzt vor mir selbst an Wert gestiegen,
  Bin lieber mir, seit dich mein Herze hegt;
  So wird erst auf den Stein ein Wert gelegt,
  Wenn ihn der Knstler formt mit edlen Zgen.

  Und wie der Blick am Blatt sich mag vergngen,
  Mit Schrift und Bild geziert, nach dem nicht frgt,
  Das leer und kahl, so kann erst, seit geprgt
  In meinen Geist dein Bild, ich mir gengen.

  Als wren Zauber, wren Waffen mein,
  So zieh' ich, ohne dass Gefahr mich trifft,
  Mit solchem Schutzbrief aus nach allen Winden;

  Stark gegen Feu'r und Wasser werd' ich sein,
  Mit meinem Speichel tilg' ich jedes Gift,
  Und mache sehend durch dein Bild die Blinden.

61.                            Sophie Hasenclever.




AN VITTORIA COLONNA.


  Wie sich im unbehau'nen, toten Stein,
  Je mehr der Marmor unter'm Meissel schwindet,
  Anwachsend immer voll'res Leben findet,
  So mag es, edle Frau, mit mir auch sein.

  Was Gutes in mir ist, es hllt sich ein
  Tief in mein eigen Fleisch, und so, umrindet
  Vom rauhen, rohen Stoffe, der mich bindet,
  Drngt sich zu mir umsonst das Leben ein.

  Zu matt und kraftlos fhl' ich mich allein,
  Das Ende naht und Tag auf Tag verschwindet:
  Nimm fort, was sich um meine Seele windet!
  Ich knnt' es nicht, doch du kannst mich befrei'n!

62.                                 Hermann Grimm.




AN VITTORIA COLONNA.


  Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken,
  Bald steigend, bald ermdet zum Versinken,
  Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und Bse,
  Such' ich, wer meiner Seele Zweifel lse;
  Denn wem Gewlk verhllt des Himmels Weiten,
  Wie knnen den des Himmels Sterne leiten?

  Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt,
  Und was das deine aus sich selbst gefunden,
  O schreib' es nieder! was in allen Stunden
  Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat,
  Damit im Irrsal dieser Lebenstage
  Mir Antwort werde auf des Lebens Frage:

  Ob die geringere Gnade einstmals finden,
  Die demutvoll sich nah'n mit tausend Snden,
  Als die, die stolz auf das was sie getan,
  Im berfluss der guten Werke nah'n?

63.                                 Hermann Grimm.




AN VITTORIA COLONNA.


  Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft
  Aus eines Weibes Munde,
  Und was sie sprach, die Kunde,
  Hat mich mir selbst fr alle Zeit entrafft.
  Seit ich in ihrer Haft,
  Mir selbst durch sie genommen,
  Fhl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert.
  Tief schweigt die Leidenschaft;
  Ihr Reiz nur ausgenommen,
  Dnkt hohl die Schnheit mich; in Rosen lauert
  Der Tod, vor dem mich schauert.
  Du, die durch Feu'r und Wasser fhrt zum Frieden,
  O gib mich nie mir selbst zurck hienieden!

64.                            Sophie Hasenclever.




AN VITTORIA COLONNA.


  Hat Antlitz, Glieder, eines Menschen Sein
  Des Knstlers Geist erfasst, den Gott verliehn,
  Dazu ein Tonmodell, mit leichtem Mhn
  Bringt er dann Leben in den harten Stein.

  So greift, nach roh entworfnen Zeichnerein,
  Der klgste, erste unter allen khn
  Zum Pinsel, whlt, was ihm das beste schien,
  Nach prfenden Vergleichen mancher Reihn.

  Auch ich kam als gering' Modell zur Welt,
  Doch anders ward ich, besser erst geartet,
  Durch Euch, o edle Frau, von hohem Mut.

  Werd' ich gefeilter, hher noch gestellt,
  Durch Eure Hand, -- welch Strafgericht erwartet,
  Nach solcher Zucht noch meine wilde Glut?

65.                              Bettina Jacobson.




  Die Augen krnkt so vieles, was sie schau'n,
  Und alles hier muss, ach, mein Herz verletzen;
  Wozu noch leben, wr' mit seinen Schtzen
  Nicht mein das Herz der edelsten der Frauen?

  Darf auf Verzeihung ich, auf Hilfe trauen,
  Entflieh' ich der Gewohnheit Sndennetzen,
  Dem bsen Beispiel, dieser Nacht Entsetzen?
  Du kommst! Genug, nun darf auf Heil ich bauen.
  ----

66.                            Sophie Hasenclever.




  Dem Tod entgegen steu'r ich will'ger nicht,
  Als wer mit Widerstreben
  Zum Richtplatz folgt dem strafenden Gericht
  Und lassen muss sein Leben.
  Wie dieser bin dem Tod ich nah' vielleicht,
  Falls nicht mein Restchen minder schnell entweicht;
  Und dennoch gnnt mir nicht die Minne,
  Dass ich ein Stndchen Rast gewinne.
  Ich wach' und schlafe zwischen zwei Gefahren:
  Kaum dass ich leise Lebenshoffnung fhlt',
  Ist tiefer Seelenkummer aufgewhlt,
  Weil ich noch Gluten habe zu befahren,
  Und weil die Lieb' um so viel minder frommt,
  Als spt sie kommt.

67.                               Hans Grasberger.




  Ich sehe meine Zukunft wie im Spiegel,
  Wenn bald vom Frost und bald von Glut getroffen,
  Ich, dem das Grab schon offen,
  Voll Scham vergangner Zeiten denken muss.
  Gleich blieb sich Lieb' und Hoffen,
  Doch weil mit schnellrem Flgel
  Die Zeit jetzt flieht, und nah der Freude Schluss
  Dem Greise ist, dnkt Schmerz fast der Genuss!
  Entweicht denn beide, Lust so wie Beschwerde!
  Der Glcklichste ist ja auf dieser Erde,
  Wer, ach, auf ihr nur kurze Stunden weilet,
  Denn Tod nur ist der Arzt, der alles heilet.

68.                            Sophie Hasenclever.




  Der frischen Jugend wird es nicht bewusst,
  Wie so ganz anders, Herr, kurz vor dem Ende,
  Gedanken, Hoffen, Lieb' und Wnsche werden.
  Wchst unsere Seele, bringt's der Welt Verlust;

  Die Kunst reimt mit dem Tod sich nicht zusammen,
  Drum, was erwart' ich noch von mir auf Erden?
  ----

69.                              Bettina Jacobson.




  Ich leb' der Snde, leb', um mir zu sterben,
  Mein Leben ist nicht mein, von Schuld umstrickt
  Gehrt's der Snde. Gott, der gern beglckt,
  Gab Segen nur, ich selbst gab mir Verderben.

  Die Freiheit macht' ich, die wir alle erben,
  Zur Sklavin, Staub zum Gtzen, wahnberckt;
  Zu welcher Schmach hab' ich das Licht erblickt!
  ----

70.                            Sophie Hasenclever.




  Hier am ussersten Rande des Lebensmeeres
  Lern' ich zu spt erkennen, o Welt, den Inhalt
  Deiner Freuden, wie du den Frieden, den du
  Nicht zu gewhren vermagst, versprichst und jene
  Ruhe des Daseins, die schon vor der Geburt stirbt.
  Angstvoll blick' ich zurck, nun da der Himmel
  Meinen Tagen ein Ziel setzt: unaufhrlich
  Hab' ich vor Augen den alten, sssen Irrtum,
  Der dem, den er erfasst, die Seele vernichtet.
  Nun beweis' ich es selber: den erwartet
  Droben das glcklichste Los, der von der Geburt ab
  Sich auf dem krzesten Pfad zum Tode wandte.

71.                                 Hermann Grimm.




  Mein Lebenslauf gelangt durch Sturm und Wogen
  Auf schwankem Boot nun zu dem grossen Port,
  Dahin wir alle steuern fort und fort,
  Fr alles Tun zur Rechenschaft gezogen.

  Wohl merk' ich nun, wie sehr du mir gelogen,
  O Phantasie, die du als Herrn und Hort
  Die Kunst mir gabst, wie irrig Tat und Wort,
  Und wie auch mich manch eitler Wunsch betrogen.

  Was wird aus lang verflog'nem Liebesweben,
  Wenn bald der Doppeltod mir nahen soll?
  Nicht ahn' ich, was man bei dem zweiten leidet.

  Mir kann nicht Stift noch Meissel Ruhe geben,
  Nur Gottes Liebe noch, die mitleidvoll
  Am Kreuz die Arme nach uns ausgebreitet.

72.                              Bettina Jacobson.




  Ihr meine vielen, irrtumsschweren Trume,
  Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt,
  Zu einem einz'gen formen, der mir reicht
  Die Fhrerhand in lichte Himmelsrume.
  ----

73.




  Mir raubten Eitelkeiten dieser Welt
  Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben,
  Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben,
  Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt.

  Mich machte blind, was andre aufgehellt,
  Zu spt erkannt' ich Tor mein irrig' Streben,
  Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben,
  Darin mich noch die Eigenliebe hlt.

  Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen,
  Der aufwrts fhrt, doch ohne deine Hand
  Frcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende;

  Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen,
  Auch das, was ich verehrte, kstlich fand,
  Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende.

74.                              Bettina Jacobson.




  Vom Alter und von Sndenlast beschwert,
  Von festgewurzelt argem Trieb gehalten,
  Droh'n mir des Todes zwiefache Gestalten,
  Und oft hab' ich mein Herz mit Gift genhrt.

  Auch kann ich, da die Kraft mir nicht beschert,
  Nicht Leben, Liebe, Schicksal umgestalten,
  Wenn frder dein erleuchtend gttlich Walten
  Nicht leitend, zgelnd mich die Wege lehrt.

  Doch nicht genug, o Herr, wenn es mich treibt,
  Dass meine Seele wieder dorthin fahre,
  Wo du sie einst geschaffen aus dem Leeren,

  Gib, wenn an ihr nichts Irdisches mehr bleibt,
  Dass Reue ihr den halben Weg erspare
  Zu seligem und reinem Wiederkehren.

75.                              Bettina Jacobson.




  Was nicht ich will, o Herr, das mcht' ich wollen!
  Vom heil'gen Brand trennt mich ein Schlei'r von Eis
  Und lscht die Glut; nicht passt mein Tun zum Preis
  Der Feder; Lgen sind ihr nur entquollen.

  Dem Herrn kann mit der Zunge Lob ich zollen,
  Nicht mit dem Herzen! Ach, dass ich nicht weiss,
  Welch' Tor der Gnade auftun? Ihr Geheiss
  Verjagt allein den Stolz, den rnkevollen.

  Zerreiss', o Herr, den eisigkalten Schleier;
  Die Mauer, hart und starr, wirf sie zusammen,
  Sie, die dein Licht verbirgt, die Wehr der Snde.

  Gib deiner schnen Braut dein Himmelsfeuer,
  Gib das verheiss'ne Licht, dass ich in Flammen,
  Von Zweifeln frei nur einzig dich empfinde.

76.                            Sophie Hasenclever.




  Dich lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer
  Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen,
  In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen,
  So hell wie damals, als die Welt mir teuer.

  Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier,
  Die Snden, die das Herz zur Qual verdammen,
  Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen
  Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier!

  Der Zeit hast du die Seele bergeben,
  Mit hartem Spruch hltst du ein gttlich Wesen
  Gefangen in des Leibes Kerkerwnden,

  Nicht ich kann wandeln dies mein sndig Leben;
  Nichts ohne dich ist gut in mir, erlsen
  Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden!

77.                            Sophie Hasenclever.




  Es fhlen Schmerz, es fhlen Trost nicht minder
  Die auserwhlten Geister, dass erkoren
  Du hast fr sie den Tod, um zu den Himmelstoren
  Den Eingang zu erkmpfen fr uns Snder.

  Sie jauchzen, weil entshnt die Menschenkinder
  Von ihrer ersten Schuld wie neugeboren,
  Sie weinen, weil die Ngel dich durchbohren,
  Weil Knecht der Knechte wird des Heiles Grnder.

  Der Himmel zeugt fr dich, denn in den Lften
  Erlischt das Weltenauge, Berge wanken,
  Die Erde birst, das Meer erbraust im Laufe,

  Die grossen Vter steigen aus den Grften,
  Indes die bsen Engel niedersanken,
  Der Mensch nur freut sich, den entshnt die Taufe.

78.                            Sophie Hasenclever.




  Erinnrung ist mir lieb, doch mehr beschweret
  Sie noch mit Gram das Herz, der Schuld, der frhen,
  Gedenkend, will zur Rechenschaft sie ziehen
  Fr eine Zeit mich, die nicht wiederkehret;

  Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret,
  Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen,
  Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen
  Dem schwer gelingt, der sich so spt bekehret.

  Wie fest wir auch auf die Verheissung bauen,
  So ist doch jener Glaube Frevelmut,
  Dass leicht des Zgerns Schuld verzieh'n uns Armen;

  Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen,
  Vom Kreuz herab uns kund dein strmend Blut:
  So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen!

79.                            Sophie Hasenclever.




  O Herr, befreit von schwerer Brde, wende
  Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her;
  Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer,
  Treib' ich nun md' an ruhiges Gelnde.

  Die Dornenkrone, die durchbohrten Hnde,
  Dein gtig mildes Antlitz, mitleidschwer,
  Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr,
  Und trben Seelen knft'ge Heilesspende.

  Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr
  Nicht richten ber mein vergangnes Leben,
  Zeig nicht dorthin mit drohender Gebrde.

  Nur reicher strme mir dein Blut hervor,
  Je greiser ich, die Snden aufzuheben,
  Dass schnell mir Hilfe und Verzeihung werde.

80.                              Bettina Jacobson.





BRIEFE MICHELANGELOS.


bersetzt von R. A. Guardini.




1.

AN MEISTER GIULIANO DA SANGALLO AUS FLORENZ, ARCHITEKT DES PAPSTES IN ROM.


                                               _Florenz_, den 2. Mai 1506.

Giuliano! Ich entnahm aus Eurem Briefe, der Papst habe mir meine Abreise
belgenommen, ferner, dass Seine Heiligkeit jetzt bereit sei, den Betrag zu
erlegen und auch im brigen alles unserer Abrede gemss zu erfllen und
endlich, dass ich ohne Besorgnis zurckkehren solle.

ber meine Abreise folgendes: Am Samstag der Karwoche hrte ich -- ich sage
Euch die volle Wahrheit -- den Papst im Gesprch mit einem Goldschmied und
dem Zeremonienmeister bei Tisch sagen, er wolle weder fr grosse noch fr
kleine Steine auch nur noch einen Heller hergeben. Darber wunderte ich
mich sehr; trotzdem bat ich ihn vor meiner Abreise um einen Teil des
Geldes, das ich zur Weiterfhrung des Werkes brauchte. Seine Heiligkeit
erwiderte mir, ich solle am Montag wiederkommen. Am Montag kam ich wieder
und kam am Dienstag und am Mittwoch und am Donnerstag, wie sie selbst
besttigen kann. Endlich, am Freitag, wurde ich hinausgeschickt, nein,
weggejagt. Der mich hinauswies, sagte, er kenne mich wohl, allein er habe
nun einmal den Befehl. Als ich so die Besttigung der Worte sah, die ich am
Samstag gehrt hatte, geriet ich in grosse Verzweiflung. Doch war das nicht
der einzige Grund, weshalb ich Rom verliess. Es war da noch etwas, worber
ich schweigen will. Nur so viel will ich sagen, dass ich befrchten musste,
wenn ich noch in Rom bliebe, wrde eher _mein_ Grabmal, als das des Papstes
aufgerichtet werden. Das war der Grund meiner pltzlichen Abreise.

Nun schreibt Ihr mir im Auftrag des Papstes; Ihr werdet ihm also diesen
Brief vorlesen. Seine Heiligkeit soll wissen, dass ich mehr als je bereit
bin, das Werk fortzufhren; und wenn sie das Grabmal durchaus haben will,
so kann es ihr gleichgltig sein, wo ich daran arbeite, wenn es nur nach
Ablauf von fnf Jahren, wie wir vereinbart haben, in Sankt Peter an der ihr
genehmen Stelle aufgerichtet und ein schnes Werk ist, wie ich versprochen
habe. Denn dessen bin ich gewiss, wenn es zustande kommt, wird die Welt
nicht seinesgleichen besitzen.

Wenn also Seine Heiligkeit jetzt das Werk fortzufhren gedenkt, mge sie
mir besagten Betrag hier in Florenz anweisen, an dem Orte, den ich ihr
bezeichnen werde. In Carrara stehen mir viele Marmorblcke zur Verfgung;
die werde ich hierher schaffen lassen und ebenso die Stcke, die ich in Rom
habe. Dadurch wurden mir zwar viele Kosten entstehen, allein das sollte
mich nicht kmmern, wenn ich nur das Werk hier ausfhren knnte. Dann wrde
ich die einzelnen Teile gleich nach ihrer Vollendung nach Rom schicken, und
so gut gearbeitet, dass Seine Heiligkeit ebenso zufrieden sein sollte, als
wenn ich in Rom wre; ja noch zufriedener, weil sie dann ohne weitere
Belstigung bloss die fertigen Werke sehen wrde. Fr die besagten
Geldsummen und zur Durchfhrung besagten Werkes werde ich mich ganz so
verpflichten, wie Seine Heiligkeit es wnscht und hier in Florenz jede
geforderte Sicherheit geben. Es mag sein, was es will, ich werde jede
Brgschaft aufbringen: ganz Florenz wird doch gengen! Und dann noch dies:
In Rom kann ich zu diesem Preise das Werk nicht vollenden; hier hingegen
vermag ich es, weil ich mir vielerlei Erleichterungen verschaffen kann, die
ich dort nicht finde. Ich werde auch besser und mit grsserer Liebe
arbeiten, weil ich dann nicht mehr an so viele Sachen zu denken brauche.
Einstweilen bitte ich Euch, mein liebster Giuliano, Ihr wollet mir Antwort
geben und das bald. Das sei's.

                                             Euer Michelangelo, Bildhauer.




2.

AN GIOVANNI SIMONE DI LODOVICO BUONARROTI IN FLORENZ.


                                                       _Rom_, [Juli 1508].

Giovan Simone! -- Man sagt, dass durch Wohltaten der Gute gebessert, der
Bse aber nur noch schlimmer gemacht wird. Ich habe schon seit Jahren
versucht, Dich durch gutes Wort und gute Tat zu einem rechtschaffenen und
friedlichen Zusammenleben mit Deinem Vater und uns zu bringen, doch Du
wirst immer schlimmer. Ich sage nicht, dass Du schlecht seist; aber Du
fhrst Dich in einer Weise auf, die weder mir noch den andern gefllt. Ich
knnte Dir eine lange Rede ber Dein Betragen halten, allein es wrden
nutzlose Worte bleiben, wie alles, was ich Dir bisher gesagt habe. Ich will
Dir darum kurz erklren, dass Du nichts in der Welt Dein eigen nennst.
Lebensunterhalt gebe ich Dir seit geraumer Zeit, und auch das Reisegeld
hast Du von mir erhalten. Um Gottes willen und weil ich glaubte, Du seiest
mein Bruder wie die andern, habe ich Dir all das geschenkt. Jetzt aber
weiss ich, dass Du mein Bruder nicht bist, denn wrest Du es, so wrdest Du
meinem Vater nicht drohen. Du bist vielmehr ein Tier, und als Tier werde
ich Dich auch behandeln! Das lass Dir gesagt sein: Wer sieht, wie sein
Vater bedroht oder geschlagen wird, hat die Pflicht, sein Leben fr ihn
einzusetzen, und damit genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest,
was Dir gehrte, und dass ich bei der ersten schlimmen Nachricht ber Dich
auf dem schnellsten Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich ber Deinen
Irrtum aufklren und Dich lehren, Dein Gut zu vergeuden und die Huser und
Grundstcke, die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund zu richten.
Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst! Wenn ich hinkomme, will ich Dir die
Augen ffnen, dass Du heisse Trnen weinen und erkennen sollst, auf welchem
Grund Dein Hochmut steht.

Ich wiederhole Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes Leben fhren und Deinen
Vater achten und ehren willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und
Euch bald eine schne Werkstatt bauen lassen. Tust Du das aber nicht, dann
werde ich kommen und die Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar
einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und es nie mehr vergessen
sollst. Das sei's. Wo es an Worten fehlt, werde ich mit Taten sprechen.

                                                             Michelangelo.

Ich kann es nicht ber mich bringen; ich muss Dir noch einige Zeilen
schreiben. Seit zwlf Jahren gehe ich bettelnd durch ganz Italien, dulde
jede Schmach, ertrage jede Entbehrung, reibe meinen Krper auf in jederlei
Anstrengung, setze mein Leben jeder Gefahr aus, nur um meiner Familie zu
helfen; und dass nun, da ich sie ein wenig in die Hhe gebracht habe, Du es
sein sollst, der in _einer_ Stunde all das zerstrt und vernichtet, was ich
in so vielen Jahren harter Arbeit gebaut habe, beim Leib des Heilandes, das
will ich nicht erleben! Mit zehntausend Deinesgleichen will ich fertig
werden, wenn es sein muss! Und nun sei gut, und bring' nicht einen Menschen
auf, der wirklich andere Sorgen im Kopf hat.




3.

AN LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.


                                               _Rom_, den 20. Januar 1509.

Liebster Vater! -- Ich habe heute einen Brief von Euch erhalten. Was ich
daraus erfuhr, hat mich sehr geschmerzt. Ich frchte, Ihr macht Euch mehr
Sorge, als ntig ist. Wie hoch wrde sich wohl der Schaden belaufen, den
sie Euch im schlimmsten Falle zufgen knnte? Es wre mir lieb, wenn Ihr
mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu sagen. Es bekmmert
mich, dass Ihr Euch so ngstigt; darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut
auf ihre Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht lnger daran.
Denn wenn sie Euch auch alles nhme, was Ihr hier auf Erden besitzet, so
wird es Euch doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben fehlen, wenn
auch niemand als ich da wre, fr Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten
Mutes! Ich bin noch in grossen Nten, denn ich habe seit nun schon einem
Jahr keinen Heller mehr vom Papst bekommen; ich bitte ihn auch um nichts,
denn meine Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen drfte.
Die Arbeit ist eben schwierig und schlgt dazu nicht in mein Fach. So
verliere ich meine Zeit und erreiche nichts. ----

                                                        Euer Michelangelo.




4.

AN BUONARROTO DI LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.


                                            _Rom_, [den 17. Oktober 1509].

Buonarroto! ---- In Deinem letzten Brief sagst Du, Lorenzo werde hier
durchreisen, und ich solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst nicht,
wie ich hier lebe. Doch fr diesmal will ich Dir verzeihen und werde tun,
was ich kann. Ich hre, Gismondo will hierher kommen, um seine
Angelegenheit zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen, er drfe nicht auf mich
zhlen; wohl ist er mir als Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise
helfen. Ich sollte auf mich mehr Rcksicht nehmen als auf die andern und
kann nicht einmal mir das Ntige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und
lebe unter grossen krperlichen Entbehrungen, habe keinen Freund und will
auch keinen. Ich habe nicht so viel Zeit, um das Ntigste zu essen, und
will darum von keinerlei Belstigung mehr wissen, knnte auch keine Unze
mehr davon ertragen.

Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich, dass Giovansimone sich
gebessert hat. Seht zu, dass Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt
oder erhaltet, damit Ihr spter Grsseres unternehmen knnt, denn ich
hoffe, Ihr knnt Euch einst selbstndig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr
tchtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich
keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe.

                                                  Michelangelo, Bildhauer.




5.

AN LODOVICO ...


                                          _Rom_, den 15. September [1510].

Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfnfzig
doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll.
Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und
er wird sie Euch auszahlen. (Dreihundertundfnfzig doppelte Golddukaten.)
Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er
solle sie so anlegen, wie er es mit dem frheren Geld getan hat. Es bleiben
dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten.
Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so
nehmt, soviel Euch gut dnkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn
Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den
Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen.

Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bekmmert
mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht
entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen grmen, denn wenn das Gut
verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so
viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt
wohl, Ihr drft nicht darauf zhlen, denn die Erfllung solcher
Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket
Gott, dass diese Prfung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit
kommt, da Ihr Euch besser behelfen knnt, als es frher htte geschehen
knnen. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr
Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und wre es auch in Armut;
denn mit Eurem Tod mchte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn
die Schwtzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es
sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe.

                                             Euer Michelangelo, Bildhauer.




6.

AN LODOVICO ...


                                                    _Rom_, [Oktober 1512.]

Liebster Vater! -- Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im
Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzhle sich
bei Euch, ich habe Bses gegen die Medici gesagt.

Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen
und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich fr den Tag
brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders ber sie
gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie jngst ber
das Geschick von Prato. Und da htten die Steine geredet, wenn sie sprechen
knnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es hrte,
erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht
als ob ich es geglaubt htte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor
einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von
den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie tten
unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner
Gegenwart ussern. Ich wnschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in
Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende gehrt hat, ich rede
gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese
Gerchte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von
denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen.
Ich bin noch unttig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt.

                                             Euer Michelangelo, Bildhauer.




7.

AN BUONARROTO ... IN FLORENZ.


                                               _Rom_, den 30. Juli [1513].

Buonarroto! ---- Michele erzhlte mir, Du habest ihm vorgerechnet, dass Du
in Settignano fr uns ungefhr sechzig Dukaten von Deinem Gelde ausgegeben
habest. Ich erinnere mich, dass Du auch hier bei Tisch zu mir sagtest, Du
habest eine grosse Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verstnde
ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn ich kenne Dich. Ich denke, Du
wirst Dir den Betrag aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von uns
zurckfordern zu knnen. Ich mchte aber von Dir undankbarem Menschen
wissen, mit welchem Geld Du ihn erworben hast; und ebenso mchte ich
wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig Dukaten
denkt, die Ihr mir von meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen habt,
an die vielen Hunderte, die ich fr Euer Haus und die Familie ausgegeben
habe, und an die Drangsale und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu
helfen. Ich mchte wissen, ob Du daran denkst! Wenn Du nur soviel Verstand
httest, um die Wahrheit erkennen zu knnen, wrdest Du nicht sagen: 'ich
habe mein Geld ausgegeben', wrest auch nicht gekommen, um mich an Eure
Forderungen zu mahnen; Du httest vielmehr daran gedacht, wie ich mich Euch
gegenber in der vergangenen Zeit betragen habe. Du httest Dir gesagt:
'Michelangelo weiss, was er uns zugesichert hat, und wenn er es jetzt nicht
erfllt, so muss ihn irgend etwas, was wir nicht wissen, gehindert haben',
und Ihr wrdet Euch gedulden. Denn es tut nicht gut, dem Pferd noch die
Sporen zu geben, das schon so schnell luft, als es vermag. Aber Ihr habt
mich nie gekannt und kennt mich auch jetzt nicht. Gott verzeihe es Euch! Er
hat mir die Kraft gegeben, auszuharren unter der Last, die ich trage, damit
Euch geholfen werde. Ihr werdet all dies schon einsehen, wenn Ihr mich
nicht mehr habt.

Ich glaube in diesem Sommer nicht nach Florenz kommen zu knnen, denn ich
bin in einer Weise in Anspruch genommen, dass ich nicht einmal zum Essen
Zeit habe. Gebe Gott, dass ich nicht erliege! Doch will ich -- und kann es
auch -- Lodovico die Anweisung ausstellen, wie ich versprach, denn ich habe
es nicht vergessen. Ich will Euch tausend doppelte Golddukaten geben, damit
Ihr Euch mit diesem Geld und dem, was Ihr schon habt, selbst forthelfen
knnt. Von Eurem Verdienst beanspruche ich nichts. Nur will ich die
Sicherheit haben, dass Ihr mir nach Ablauf von zehn Jahren, wenn anders ich
noch lebe, diese tausend Dukaten in Geld oder anderem Gut zurckgebt,
sobald ich sie fordere. Ich glaube nicht, dass dieser Fall eintritt, aber
wenn ich sie brauche, muss ich sie, wie gesagt, wiederbekommen. Das wird
auch ein Zgel fr Euch sein, damit Ihr sie nicht verschleudert. berlegt
Euch deshalb die Sache, beratet Euch und schreibt mir, was Ihr zu tun
gedenkt. Die vierhundert Dukaten, die Ihr noch von mir habt, schenke ich
Euch; sie sollen in vier Teile geteilt werden, so dass jeder von Euch
hundert erhlt. Hundert fr Lodovico, hundert fr Dich, hundert fr
Giovansimone und hundert fr Gismondo, mit der Bedingung, dass Ihr das Geld
zusammen in Euer Gewerbe steckt. Das sei's. Zeig' den Brief Lodovico;
entschliesst Euch und gebt mir die Sicherheit, von der ich sprach. Am
dreissigsten Juli. Vergiss nicht, das Geld, das ich Dir fr Michele
mitschicke, auch abzugeben.

                                                  Michelangelo, Bildhauer.




8.

AN LODOVICO ... IN SETTIGNANO.


                                                         _Florenz_ [1516].

Liebster Vater! -- Ich war sehr erstaunt ber Euer Tun, als ich Euch
neulich nicht zu Hause fand. Nun hre ich, dass Ihr Euch ber mich beklagt,
dass Ihr erzhlt, ich habe Euch vertrieben, und wundere mich immer mehr.
Bin ich doch sicher, dass ich vom Tage meiner Geburt bis heute nie die
Absicht hatte, Euch in irgend etwas, in Grossem oder Kleinem zu nahe zu
treten, dass ich vielmehr alle Mhen meines Lebens Euch zu Liebe getragen
habe. Und Ihr wisst, dass ich es seit meiner Rckkehr aus Rom nach Florenz
stets mit Euch gehalten und jederzeit mein Eigentum zu Eurer Verfgung
gestellt habe. Erst vor wenigen Tagen noch, als Ihr unwohl waret,
versicherte und versprach ich Euch, mit all meinen Krften und mein Leben
lang Euch zu Diensten zu sein und besttige es auch jetzt noch. Darum
wundere ich mich heute, dass Ihr alles das so bald vergessen habt. Ihr samt
Euren Kindern habt doch schon dreissig Jahre lang meine Treue erprobt und
wisst, dass ich Euch immer wohl gesinnt war und Euch Gutes tat, so viel ich
konnte. Wie knnt Ihr da sagen, ich habe Euch weggejagt? Seht Ihr denn
nicht, in welch' schlechten Ruf Ihr mich gebracht habt, wenn man sich
erzhlt, ich habe Euch vertrieben? Nur dies Schlimmste fehlte mir noch in
all meinen Mhseligkeiten, die ich Euch zu Liebe ertragen habe! Ihr
vergeltet sie mir gut! Doch mag die Sache sein, wie sie wolle, ich will
glauben, ich habe Euch stets Schande und Schaden gebracht, und bitte Euch
so instndig um Vergebung, als ob ich es wirklich getan htte. Denkt, Ihr
habet einem Sohn zu verzeihen, der stets ein schlimmes Leben gefhrt und
Euch alles Leid dieser Welt zugefgt hat, und ich bitte von neuem, Ihr
mget mir schlechtem Menschen vergeben und mich nicht in den Ruf bringen,
als habe ich Euch aus dem Hause gejagt, denn das geht mir nher als Ihr
denkt, bin ich doch immer Euer Sohn. Diesen Brief wird Euch Raffaello da
Gagliano bringen. Ich bitte Euch um Gottes-, nicht um meinetwillen, kommt
nach Florenz, denn ich muss abreisen und habe Euch sehr wichtige
Mitteilungen zu machen, kann aber nicht zu Euch kommen. Von meinem Diener
Pietro habe ich aus seinem eigenen Munde Dinge gehrt, die mir nicht
gefallen. Ich habe ihn darum heute morgen nach Pistoja heimgeschickt, und
er wird nicht mehr zu mir zurckkehren, denn ich will nicht, dass er
unserem Hause Schaden bringt. Ihr httet mich aber wirklich schon frher
von der Sache in Kenntnis setzen knnen, denn ihr wusstet alle um sein
Betragen und liesset mich darber doch ganz im Dunkeln. Ich muss notwendig
abreisen, will aber nicht fort, ehe ich Euch gesprochen habe und Euch hier
im Haus zurcklassen kann. Ich bitte Euch, lasst allen Groll fahren und
kommt!

                                                        Euer Michelangelo.




9.

AN BUONARROTO ... IN FLORENZ.


                                       [_Carrara_], den 23. November 1516.

Buonarroto! -- Du schreibst mir in Deinen zwei letzten Briefen, Lodovico
sei todkrank gewesen, der Arzt habe aber neuerdings erklrt, bis auf
weiteres sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich nicht nach
Florenz, denn es wrde mir sehr schwer fallen. Sollte aber noch Gefahr
sein, so will ich ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt, und
msste ich auch mit ihm sterben. Aber ich hoffe zuversichtlich, es geht ihm
gut, und deshalb komme ich nicht. Sollte ein Rckfall eintreten, wovor Gott
ihn und uns behten mge, so sieh zu, dass ihm die geistlichen Trstungen
und die Sakramente der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen, ob
er wnscht, dass wir etwas Bestimmtes fr sein Seelenheil tun. Sorge auch,
dass ihm fr sein leibliches Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur fr
ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode helfen zu knnen. Sag' Deiner
Frau, sie solle mit Liebe fr seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch alles
vergten, wenn es ntig ist. Sparet nichts, und sollten wir auch alles
darangeben, was wir besitzen. Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und
Du schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser Angst und Sorge.
----




10.

AN PAPST CLEMENS VII. IN ROM.


                                                        _Florenz_, [1524].

Heiliger Vater! -- Mittelspersonen verursachen oft viel Arger und
Verwirrung, deshalb wage ich es, ohne eine solche an Eure Heiligkeit ber
die Grber hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich nicht, was
besser ist, das Schlimme, das Nutzen bringt, oder das Gute, das Unheil
anrichtet. Doch so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich und
unvernnftig sein, aber wenn man mich ruhig htte fortfahren lassen, wie
ich angefangen hatte, dann wren jetzt alle Marmorblcke fr die Arbeiten
in Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis jetzt bereits
aufgewendet wurden, schon fr ihren Zweck zugehauen und in so gutem
Zustande, wie alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe.

Nun frchte ich, dass sich die Sache noch lange hinziehen wird, und weiss
nicht, wie sie ausgehen kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um
Entschuldigung fr den Fall, dass sich etwas Missliches ereignen sollte,
denn ich habe keine Autoritt und glaube deshalb auch fr nichts
verantwortlich zu sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir
irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner Arbeit keinen
Vorgesetzten zu geben, sondern mir Vertrauen zu schenken und freie Hand zu
lassen. Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie ich Euch
Rechenschaft ber meine Ttigkeit geben werde.

Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat Stefano vollendet und enthllt.
Sie gefllt jedermann und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit
zusagen, wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen. Sie wird
einen Arm im Durchmesser betragen. Ich dachte, sie facettieren zu lassen,
um sie von den brigen etwas zu unterscheiden, und so wird sie denn auch
ausgefhrt.

                         Eurer Heiligkeit Diener

                                                  Michelangelo, Bildhauer.




11.

AN SEBASTIANO DEL PIOMBO IN ROM.


                                                    [_Florenz_, Mai 1525.]

Mein teuerster Sebastiano! -- Gestern abend nahmen mich unser Freund, der
Hauptmann Cujo, und einige Edelleute gtigerweise zum Abendessen mit. Das
machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich fr kurze Zeit aus meiner
Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die
Mahlzeit war sehr ergtzlich. Noch mehr freuten mich die Gesprche, die da
gefhrt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hrte,
war ich ganz entzckt. Und wie nun besagter Hauptmann erklrte, Ihr seiet
einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom
geschtzt, wre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur mglich gewesen
wre. Auf diese Art wurde mir besttigt, dass mein Urteil ber Euch nicht
falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen
Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier
ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben.




12.

AN GIOVAN SIMONE ... IN SETTIGNANO.


                                                        _Florenz_, [1533].

Giovan Simone! -- Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich
vorgestern morgen von Dir und Gismondo sprach -- Ser Giovanni Francesco war
dabei --, sagte ich, ich habe fr Euch stets mehr getan als fr mich und
viele Mhen auf mich genommen, damit Ihr keine zu tragen httet, Ihr aber
habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden. So viel habe
ich gesagt, und wollte Gott, es wre nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere
benommen habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano angeht, so bleib nur
dort, pflege dich und sieh zu, dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will
ich stets fr Euch tun, denn ich achte nur auf meine Pflicht, nicht auf
Eure Reden. Dann wnschte ich, Du beschafftest dort eine Wohnung, damit
auch Mona Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie mir vor seinem
Tode empfohlen, und ich werde sie deshalb nie verlassen.

                                                             Michelangelo.




13.

AN MESSER LUIGI DEL RICCIO IN ROM.


                                                            [_Rom_, 1542.]

Dieses [Madrigal] habe ich vor lngerer Zeit nach Florenz geschickt. Nun
ich es umgearbeitet habe, sende ich es Euch, damit Ihr, wenn es Euch so
beliebt, es den Flammen gebet, denen, meine ich, die mich verzehren. Noch
bitte ich Euch um eine andere Gnade. Ihr sollt mich nmlich von einem
Zwiespalt erlsen, in den mein Geist heute nacht geriet. Denn als ich
unsern Liebling im Traum grsste, schien es mir, als ob er mit einem
Lcheln mir drohte. Da ich nun ungewiss bin, welcher der beiden Gebrden
ich glauben soll, so bitte ich Euch, fragt ihn selbst; und wenn wir uns am
Sonntag wiedersehen, lasst es mich wissen.

                          Ich bleibe, Euch stets verpflichtet, der Eurige.

----




14.

AN MESSER LUIGI DEL RICCIO, MEINEN FREUND ODER VIELMEHR VEREHRUNGSWRDIGEN
HERRN, IN ROM.


                                                            [_Rom_, 1543.]

Mein lieber Messer Luigi! -- Ich weiss, dass Ihr im Zeremonienwesen ein
ebenso vollendeter Meister seid, als ich darin untauglich bin. Ich habe nun
von Monsignor di Todi das Geschenk erhalten, von dem Euch Urbino berichten
wird, und da ich glaube, dass Ihr mit Seinen Gnaden befreundet seid, so
bitte ich Euch, danket ihm in meinem Namen mit den Zeremonien, die Euch
leicht, mir aber schwer fallen. ----

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




15.

AN MESSER LUIGI DEL RICCIO.


                                                             [_Rom_ 1545.]

Unser toter Freund redet und spricht: Der Himmel nahm allen Menschen der
Welt ihre Schnheit und schenkte sie mir allein. Durch gttliches Gesetz
werde ich am Tage des Gerichts auferstehen, wie ich im Leben war. Darum
kann der Himmel die Schnheit, mit der er mich begabt hat, jenen nimmer
wiedergeben, denen er sie raubte, und so muss ich in Ewigkeit schner
bleiben als alle, und alle anderen hsslich.

Diese Auffassung ist das Gegenteil von der, die Du mir gestern
auseinandersetztest und ist die rechte, jene aber ist ein Gefabel.

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




16.

AN VITTORIA COLONNA IN ROM.


                                                             [_Rom_ 1545.]

Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht
hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten
knnte, um so ihrer weniger unwrdig zu sein. Aber ich sah ein und
erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse
Snde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und
nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im
Paradies fhlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern
weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch
mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies berhaupt mglich
ist.

Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen
knnen, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den
Ihr mir zu zeigen versprachet.

Ich empfehle mich Eurer Gnade.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




17.

AN VITTORIA COLONNA IN ROM.


                                            [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.]

Frau Marchesa! -- Da ich in Rom bin, htte ich eigentlich den Kruzifixus
nicht Messer Tommaso anzuvertrauen und ihn so zum Mittler zwischen Euch und
mir, Eurem Diener, zu machen brauchen. Ich wnsche fr Euch Grsseres zu
schaffen, als fr irgendeinen anderen mir bekannten Menschen dieser Welt.
Allein ich war und bin noch in so viele Geschfte verwickelt, dass ich Euer
Gnaden dies nicht zu beweisen vermochte. Ich weiss ja, Euch ist bekannt,
dass die Liebe den Weg stets findet, und der Liebende nicht schlft, und
htte darum um so weniger eines Mittlers bedurft. Aber wenn es auch den
Anschein hatte, als ob ich nicht an Euch dchte, tat ich doch, was ich
nicht aussprach, um Unerwartetes zu vollbringen. Mein Plan ist misslungen.
"Unrecht tut der, der solche Treue schnell vergisst."

                         Eurer Gnaden Diener

                                                  Michelangelo Buonarroti.




18.

AN LIONARDO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.


                                             _Rom_, [den 6. Februar 1546].

Lionardo! -- Du bist mit Deiner Auskunft ber die Besitzung der Corboli
sehr rasch zur Stelle gewesen. Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz
seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten knnte mich reuen, wie man
Dir vielleicht eingeredet hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen
will, denn ich habe das Geld hier mit einer Mhe verdient, die der nicht
kennt, der wie Du im berfluss geboren ist.

Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile nach Rom gekommen wrest,
wenn ich im Elend lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja nur das
Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient hast. So eifrig bist Du, diese
Erbschaft nicht zu verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen,
zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der Holzwurm die Balken! Wenn Du
wirklich Liebe fr mich hegtest, httest Du mir jetzt geschrieben:
"Michelangelo, verwendet Euer Geld fr Euch, denn uns habt Ihr schon so
viel gegeben, dass wir genug haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer
Geld."

Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit gelebt, aber noch nie habe
ich von Euch auch nur ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges
Jahr so viel Tadel hren mssen, dass Du mir aus Scham eine Last Trebbianer
schicktest, aber ich wnschte, Du httest auch die behalten!

Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf abgeneigt bin; ich
will kaufen, um mir eine Rente zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten
kann; aber ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine
Verdriesslichkeiten kaufen. -- Darum eile Dich nicht.

                                                             Michelangelo.

Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem Namen ausrichtet, oder Dich um
etwas bittet, so darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er Dir nichts
Handschriftliches von mir vorweisen kann. ----




19.

AN DEN ALLERCHRISTLICHSTEN KNIG VON FRANKREICH.


                                                _Rom_, den 26. April 1546.

Heilige Majestt! -- Ich weiss nicht, was grsser ist, Eure Gnade oder mein
Erstaunen darber, dass Eure Majestt sich herabgelassen hat, an
meinesgleichen zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten zu bitten, die
des Namens Eurer Majestt wirklich nicht wrdig sind. Doch mgen diese
sein, wie sie wollen; Eure Majestt soll wissen, dass ich schon seit langem
wnschte, Euch zu dienen. Da ich aber hierzu nicht, wie in Italien,
Gelegenheit fand, habe ich es noch nicht tun knnen. Nun bin ich alt und
noch fr einige Monate mit Arbeiten fr Papst Paul beschftigt. Wenn ich
aber nach deren Vollendung noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das,
was ich schon lange fr Eure Majestt zu tun wnschte, auch wirklich
auszufhren, und zwar ein Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gemlde.
Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches vereitelt, und man im
anderen Leben noch meisseln und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht
altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majestt aber erflehe ich von
Gott ein langes und glckliches Leben.

Aus Rom am XXVI. April MDXLVI.

                         Eurer Allerchristlichsten Majestt
                         untertnigster Diener

                                                  Michelangelo Buonarroti.




20.

AN LIONARDO ...


                                                     _Rom_, [August 1547].

Lionardo! -- Mit Deinem Brief erhielt ich die Quittung ber die
fnfhundertundfnfzig Dukaten in Gold, die ich hier bei Bettino eingezahlt
habe. Du schreibst mir, vier davon werdest Du jener Frau zu Gottes Ehre
geben. Damit bin ich wohl zufrieden. Ich wnsche, dass weitere
sechsundvierzig zu Gottes Ehre, fr das Seelenheil Deines Vaters Buonarroto
und fr das meinige verschenkt werden. Suche irgend einen bedrftigen
Brger, der Tchter zu verheiraten oder in einem Kloster unterzubringen
hat. Dem gib, aber heimlich. Sieh zu, dass Du nicht betrogen wirst, lass
Dir eine Quittung ausstellen und schicke sie mir; ich rede von Brgern und
weiss, dass sie sich zu betteln schmen, wenn sie in Not sind. ---- Ich
rate Euch, legt das Geld, das ich Euch schickte, in einem guten Grundstck
oder dergleichen an, denn es ist gefhrlich, es im Haus zu behalten, zumal
heutzutage. Seid deshalb vorsichtig und haltet die Augen offen.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




21.

AN LIONARDO ...


                                             _Rom_, [den 16. Januar 1548].

Lionardo! -- Durch Deinen letzten Brief erfuhr ich vom Tode Giovansimones.
Die Nachricht hat mich tief geschmerzt, denn wenn ich auch schon so alt
bin, hoffte ich doch, ihn vor seinem und meinem Tode noch einmal zu sehen.
Gott hat es so gewollt, ertragen wir es! Ich mchte gern ausfhrlicher
hren, wie er gestorben ist, ob er vor seinem Tode gebeichtet und
kommuniziert hat, und alle seine religisen Angelegenheiten geordnet sind;
denn wenn ich erfahren habe, dass es so ist, werde ich weniger bekmmert
sein. ----

                                                  Michelangelo Buonarroti.




22.

AN MESSER BENEDETTO VARCHI.


                                                            _Rom_, [1549].

Messer Benedetto! -- Damit Ihr sehet, dass ich Euer Bchlein wirklich
empfangen habe, will ich auf die Frage, die darin gestellt wird, einiges
antworten, wenn auch bescheiden und als Laie. Ich meine, die Malerei sei um
so hher zu achten, je mehr sie sich der Plastik nhert, und diese um so
geringer, je mehr sie der Malerei nahekommt. So schien mir auch stets, als
sei die Skulptur die Leuchte der Malerei und zwischen jener und dieser der
gleiche Unterschied, wie zwischen Sonne und Mond. Seitdem ich aber Euer
Bchlein gelesen habe, in dem Ihr auseinandersetzt, dass, philosophisch
betrachtet, beide Knste das gleiche Ziel haben, beide das Gleiche sind,
bin ich anderer Meinung geworden und sage so: Wenn nicht ein grsserer
Aufwand von berlegung und Mhe, grssere Schwierigkeiten und Anstrengungen
dem Werke auch grsseren Adel verleihen, dann sind Malerei und Skulptur ein
Ding. Und damit sie auch als solches anerkannt wrden, drfte kein Maler
die Bildhauerei weniger als die Malerei betreiben, und ebenso msste jeder
Bildhauer in gleichem Masse Maler wie Bildhauer sein. Ich verstehe unter
Skulptur die Kunst, die durch Wegnehmen gebt wird, whrend die, die durch
Auflegen arbeitet, Malerei ist. Dann sollte man es aber auch kurz machen
und beide Knste, Skulptur und Malerei, weil sie doch durch die gleiche
Intelligenz gebt werden, einen rechtschaffenen Frieden schliessen und das
viele Disputieren sein lassen, denn das kostet mehr Zeit, als die Bildwerke
selbst zu machen. Versteht aber der, der die Malerei edler nannte als die
Skulptur, alle Dinge, worber er schreibt, so gut wie dies, so htte meine
Magd seine Schriften wohl besser geschrieben. Unendlich viele nie
ausgesprochene Dinge liessen sich noch ber dergleichen Knste sagen; aber,
wie ich bemerkte, das wrde viel Zeit erfordern, und ich habe nur wenig,
denn ich bin nicht nur alt, sondern stehe schon fast im Grabe. Darum bitte
ich Euch, haltet mich fr entschuldigt. Euch aber empfehle ich mich und
danke Euch nach bestem Knnen fr die allzugrosse Ehre, die Ihr mir
erweiset, und die mir nicht zukommt.

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




23.

AN LIONARDO ...


                                             [_Rom_,] den 1. Februar 1549.

Lionardo! -- Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis
mehrerer heiratsfhiger Mdchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich
glaube von einem Vermittler, der brigens ein wenig vernnftiger Mann sein
muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn
oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen
Familien haben kann.

Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten
willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir
ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensgte und
guten Ruf.

Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, fr die es
eine Wohltat wre, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft anknpftest. Auf die
Mitgift knntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da wre. Du
brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand
liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo
ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich
auch nicht um das Gerede zu kmmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es
ist bekannt, dass wir alteingesessene Brger von Florenz und so vornehmen
Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott,
dass er Dir das Rechte gebe. Ich wnschte, Du liessest es mich wissen,
sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die
Verbindung eingehst.




24.

AN LIONARDO ...


                                                  _Rom_, den 20. Mai 1553.

Lionardo! -- In Deinem letzten Brief schriebst Du mir, Du habest Deine Frau
nun heimgefhrt, seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem Namen
grssen. ---- Es freut mich innig, dass Du so zufrieden bist, und ich
denke, man soll Gott dafr nach bestem Knnen preisen. ---- Fr ihren Gruss
danke ihr; sag' ihr in meinem Namen all das, was Du mndlich zu sagen
weisst, ich aber nicht zu schreiben verstehe. Ich wnsche auch, dass man
sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne; bisher konnte ich das nicht
durch die Tat beweisen, weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei
Tagen zurckgekehrt, und ich will meinen guten Willen zeigen. Man sagt mir,
ein schner Schmuck von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich habe
darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied beauftragt, nach solchen zu
suchen und hoffe, er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon.
Solltest Du aber etwas anderes fr besser halten, so schreibe mir. Das
sei's. Sorge fr Deine Gesundheit und vergiss nicht, dass es stets mehr
Witwen als Witwer gibt.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




25.

AN GIORGIO VASARI.


                                                        _Rom_, April 1554.

Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Euer Brief hat mir grosse Freude
gemacht, denn er bewies mir, dass Ihr Euch noch des armen Alten erinnert.
Ein wahrer Triumph war fr mich Eure Botschaft, ein neuer Buonarroto sei
geboren. Ich danke Euch darum von ganzem Herzen und soviel ich kann. Doch
missfiel mir der Aufwand, der getrieben wurde. Der Mensch soll nicht
lachen, wenn die Welt ringsum weint. Ich meine daher, Lionardo hat nicht
eben vernnftig gehandelt, als er eines Neugeborenen wegen solche Pracht
entfaltete. Solche Festlichkeit soll man fr den Tod dessen aufsparen, der
rechtschaffen gelebt hat. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich danke Euch
aufrichtig fr die Liebe, die Ihr mir beweiset, obwohl ich Ihrer nicht
wrdig bin. Die Dinge gehen hier ihren alten Gang. Am -- ich weiss nicht
wievielten -- April 1554.

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




26.

AN MESSER GIORGIO, DEN VORTREFFLICHEN MALER, IN FLORENZ.


                                                  _Rom_, den 15. Mai 1555.

Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von Sankt Peter gezwungen und
habe nun schon ungefhr acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden und
viel rger der Aufgabe geopfert. Nun geht die Arbeit voran, wir haben Geld
und ich bin im Begriff, die Kuppel zu wlben; wollte ich jetzt abreisen, so
wrde das den Bau zugrunde richten. Das msste mir in der ganzen
Christenheit die grsste Schande bringen und wrde eine schwere Schuld fr
meine Seele sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio, dankt dem
Herzog in meinem Namen fr die grossen Anerbietungen, von denen Ihr mir
schreibt und bittet ihn, er mge mich in Gnaden noch so lange hier arbeiten
lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren und ohne Snde von hier abreisen
kann.

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




27.

AN MESSER GIORGIO VASARI, MEINEN LIEBEN FREUND, IN FLORENZ.


                                              _Rom_, den 23. Februar 1556.

Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Das Schreiben kommt mich schwer an,
aber um Euch zu antworten, will ich einiges sagen. Ihr wisst, dass Urbino
gestorben ist. Durch seinen Tod hat Gott mir eine grosse Gnade gegeben,
aber ich habe sie mit einem teuren Gut und mit unendlichem Schmerz bezahlen
mssen. Die Gnade war die, dass er, der whrend seines Lebens mich am Leben
hielt, durch seinen Tod mich sterben lehrte. Und nun sehe ich dem Tode
nicht mehr mit Widerwillen, sondern mit Sehnsucht entgegen. Ich habe ihn
sechsundzwanzig Jahre bei mir gehabt und ihn fr ganz wahrhaftig und treu
befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht hatte und hoffte, er werde der
Stab meines Alters sein, ist er mir entschwunden, und ich habe keine
Hoffnung mehr als die, ihn im Himmel wiederzusehen. Fr diese aber hat uns
Gott seinen seligen Tod Brge sein lassen. Nun schmerzt es mich nicht mehr,
dass ich sterben muss, sondern dass er mich mit so viel Leiden in dieser
treulosen Welt lebend zurckliess, denn der grssere Teil von mir ist mit
ihm gegangen, und mir ist nur ein tiefes Elend geblieben. Ich bitte Euch
instndig, entschuldigt mich, wenn es Euch keine Mhe macht, bei Messer
Benvenuto, dass ich ihm noch nicht auf seinen Brief antwortete. Ich bin so
in diesen traurigen Gedanken versunken, dass ich nicht schreiben kann.
Empfehlt mich ihm, und ich empfehle mich Euch.

                                                        Euer Michelangelo.




28.

AN LIONARDO ...


                                                  _Rom_, den 31. Mai 1556.

Lionardo! -- Francesca bittet mich in einem Brief, ich mge ihrem
Beichtvater zehn Dukaten geben, um ein armes Mdchen im Kloster von Santa
Lucia unterzubringen. Ihr zu Liebe will ich es tun, denn ich weiss, sie
wrde mich nicht bitten, wenn es kein wohlangebrachtes Almosen wre. Aber
ich weiss nicht, wie ich das Geld in Florenz auszahlen lassen soll. Ich
wnschte darum, dieser Beichtvater htte hier einen zuverlssigen Freund;
dem wrde ich es geben, sobald ich benachrichtigt wrde.

Es freut mich zu hren, dass es Cassandra gut geht; empfiehl mich ihr, und
haltet Euch gesund.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




29.

AN GIORGIO VASARI.


                                             _Rom_, den 18. Dezember 1556.

Messer Giorgio! -- Ich habe das Bchlein Messer Cosimos, das Ihr mir
schicktet, erhalten. In diesem Brief liegt ein Dankschreiben an seine
Gnaden. Ich bitte Euch, gebt es ihm und empfehlt mich ihm. Ich habe dieser
Tage unter grossen Mhen und Kosten, aber mit innigem Vergngen einen
Besuch bei den Einsiedlern in den Bergen von Spoleto gemacht und bin nur
halb wieder hier in Rom, denn wirklichen Frieden findet man nur in den
Wldern. Sonst weiss ich Euch nichts zu sagen. Es freut mich, dass Ihr
gesund und frhlich seid, und ich empfehle mich Euch.

                                             Euer Michelangelo Buonarroti.




30.

AN LIONARDO ...


                                                 _Rom_, den 16. Juni 1557.

Lionardo! ---- Mit meiner Gesundheit steht es schlecht; ich habe all die
Beschwerden, die das Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht
urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und im Rcken, dass es mir oft
unmglich ist, eine Treppe zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die
Sorgen, die mich qulen. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten aufgebe,
ber die ich hier verfgen kann, so lebe ich keine drei Tage mehr. Doch
mchte ich auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig aber den
Bau von Sankt Peter im Stich lassen oder mich selbst vernachlssigen. Bitte
Gott, dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir schlimmer werden, mich
etwa ein gefhrliches Fieber anfallen, dann werde ich gleich nach Dir
schicken. Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich ein Brief
von mir ruft.

Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr ntzlich sein, wenn er will,
denn der Herzog ist ihm wohlgesinnt.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




31.

AN LIONARDO ...


                                                 _Rom_, den 15. Juni 1559.

Lionardo! ---- Ich erhielt von Dir zwei Briefe, in denen Du mich sehr
angelegentlich bittest, ich mchte nach Florenz zurckkehren. Du weisst,
glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungefhr vier Monaten durch den
Kardinal von Carpi, der zur Baukommission von Sankt Peter gehrt, vom
Herzog von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau von Sankt Peter
zu bleiben. Ich dankte Gott dafr und freute mich sehr. Nun, wie schon
gesagt, schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber nicht, tust Du
das, weil Du mich dort haben mchtest, oder steht die Sache anders. Sprich
Dich deshalb ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich auf und
ist mir lstig. ----

                                                  Michelangelo Buonarroti.

Das Schreiben fllt mir sehr schwer, Hand, Augen und Gedchtnis versagen.
Ich bin alt!




32.

AN LIONARDO ...


                                               _Rom_, [den 15. Mrz 1560].

Lionardo! -- Ich antwortete auf Dein Schreiben vom Samstag nicht, denn ich
hatte keine Zeit. Nun sage ich Dir, dass ich mich ber die Geburt Deiner
Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so wird sie uns einst
eine gute Verwandtschaft erwerben knnen. Haltet sie gut. Ich werde ja
nicht mehr am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit ist, dass Du
nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen, wie ich Dir ja schon
schrieb. Wisse, dass die grsste Plage fr mich hier in Rom die
Beantwortung Deiner Briefe ist.

                                                  Michelangelo Buonarroti.




33.

AN LIONARDO ...


                                               _Rom_, den 21. August 1563.

Lionardo! -- Ich ersehe aus Deinem Schreiben, dass Du neidischen,
schlechten Menschen Glauben schenkst, die dir Lgenbriefe schicken, weil
sie mich nicht bestehlen und nach Gutdnken regieren knnen. Es ist eine
Bande habschtiger Kerle, und Du bist ein Tor, dass Du ihrem Gerede ber
mich glaubst, als ob ich ein Kind wre! Schaff' Dir die schamlosen,
neidischen, verkommenen Menschen aus den Augen! Dann schreibst Du, ich habe
Scherereien im Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass es mir
nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung nicht sorgsamer
behandelt werden knnte. Ich habe ganz vertrauenswrdige und ehrliche Leute
im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie Du zu glauben scheinst.
Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten gut gehen und kmmere Dich nicht um die
meinigen, denn ich weiss mir zu helfen, wenn es ntig ist und bin kein
Kind. Lass es Dir gut gehen!

                                                             Michelangelo.




34.

AN LIONARDO ...


                                             _Rom_, den 28. Dezember 1563.

Leonardo! -- Zugleich mit Deinem letzten Brief erhielt ich zwlf hbsche
und wohlschmeckende Mrzkschen. Besten Dank! Ich freue mich, dass es Euch
wohl geht. Auch ich befinde mich nicht schlecht. In der letzten Zeit habe
ich mehrere Briefe von Dir erhalten, konnte aber nicht antworten, denn
meine Hand gehorcht mir nicht mehr. Von nun an werde ich andere schreiben
lassen und selbst nur noch unterzeichnen. Das sei's.

                                              Ich Michelangelo Buonarroti.





BRIEFE DER VITTORIA COLONNA AN MICHELANGELO.


bersetzt von R. A. Guardini.




1.


                                           [_Rom_, 1538-41, oder 1545/46.]

Mein teuerster Meister Michelangelo! -- Ich bitte Euch, schickt mir auf
kurze Zeit den Kruzifixus, wenn er auch noch nicht vollendet ist, denn ich
will ihn einigen Kavalieren des Hochwrdigsten Kardinals von Mantua zeigen;
und wenn Ihr heute nicht durch Arbeiten in Anspruch genommen seid, knntet
Ihr ganz nach Eurer Bequemlichkeit zu einem Plauderstndchen zu mir kommen.

                         Eure ergebene

                                                      Marchesa di Pescara.




2.


                                            [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.]

Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer Freund! -- Ich habe
Euren Brief erhalten und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in
meinem Gedchtnis alle anderen Darstellungen, die mir je zu Gesicht
gekommen sind, ans Kreuz geschlagen. Man kann sich nichts Lebendigeres und
Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich wrde mich vergeblich
bemhen, wenn ich die ausserordentliche und wunderbare Feinheit seiner
Ausfhrung schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von keinem
anderen malen zu lassen. Gebt mir darum Gewissheit; rhrt die Zeichnung von
einem anderen her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte sie aber
Euch gehren, so wrde ich sie Euch unter allen Umstnden rauben.

Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das Bild von einem Eurer
Gesellen ausfhren lassen, so mssten wir erst darber reden. Ich kenne
nmlich recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung in der
Ausfhrung zu bewahren, und wrde dann lieber den Betreffenden etwas
anderes malen lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann -- vergebt --
erhaltet Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie bei Licht und mit der Lupe und
im Spiegel betrachtet und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres
gesehen.

                         Eure ergebene

                                                      Marchesa di Pescara.




3.


                                            [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.]

Die Taten Eurer Knstlerkraft reizen den beschauenden Geist, ungengsam
Hheres zu begehren. Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte ich,
ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch einer Steigerung fhig sei. Ich
habe eingesehen, dass omnia sunt possibilia credenti. Ich hatte den festen
Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses Christus bernatrliche
Gnade geben, und als ich ihn sah, bertraf er in jeder Weise all meine
Erwartungen. Eure Wundertaten machten mich khn, und so sprach ich Wnsche
aus, die ich jetzt staunend erfllt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von
wunderbarer Vollendung, und kein Mensch vermchte mehr, ja auch nur so viel
zu wnschen. Und wisst, das freut mich besonders, dass der Engel zur
Rechten viel schner ist, als der andere; denn der heilige Michael wird
Euch Michelangelo am jngsten Tage zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber
kann dafr nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu beten, den
Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich Euch zu bitten, dass Ihr ber
mich in jeder Weise gebietet.

                         Eure ergebene

                                                      Marchesa di Pescara.




4.


                        Im Kloster zu _Viterbo_, den 20. Juli [1541-1543].

Kunstreicher Meister Michelangelo! -- Euer Brief war gewissermassen eine
Antwort auf den meinigen; dies ist der Grund, weshalb ich Euch noch nicht
antwortete. Dann dachte ich auch, wenn wir beide wie bisher in unserem
Briefwechsel fortfahren wollten, wie es Euch Eure Liebenswrdigkeit und mir
die Pflicht der Dankbarkeit vorschreiben, so knnte ich mich nicht mehr zu
den vorgeschriebenen Stunden mit den Schwestern in der Kapelle der heiligen
Katharina einfinden, und Ihr knntet nicht in der des heiligen Paulus vom
frhen Morgen an den Tag in vertrauter Unterredung mit Euren Gemlden
verbringen, die doch zu Euch in der natrlichen Sprache ihrer Linien ebenso
verstndlich reden, wie zu mir die lebendigen Menschen meiner Umgebung: und
so wrde ich gegen die Brute und Ihr wrdet gegen den Statthalter Christi
fehlen. Ich kenne die Treue Eurer Freundschaft und die Kraft Eurer in
christlichem Geiste gefestigten Zuneigung und denke darum, ich brauche Euch
nicht durch eigene Briefe den Empfang der Euren zu besttigen. Vielmehr
will ich mich bereit halten und die erste Gelegenheit erwarten, um Euch
gewichtigere Dienste zu leisten. Unterdessen bitte ich den Herrn, ber den
Ihr mir bei meiner Abreise Worte so glhender und demtiger Liebe sagtet,
er mge mich bei meiner Rckkehr in Eurem Herzen sein Bild erneuert und so
glaubenslebendig finden lassen, wie Ihr es mir auf dem Bild der
Samaritanerin gemalt habt.

Euch und Eurem Urbino empfehle ich mich.

                         Eure ergebene

                                                      Marchesa di Pescara.




5.


                                            [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.]

Der Ruhm, den Eure Kunst Euch schafft, ist so gross, dass Ihr vielleicht
geglaubt httet, weder die Zeit noch irgend ein Ereignis knnte ihm den Tod
bringen, wre nicht jener Strahl gttlichen Lichtes Euch ins Herz
gedrungen, und Euch offenbar geworden, dass jeder irdische Ruhm stirbt und
lebte er noch so lange. Wenn Ihr darum aus Euren Bildwerken die Gte dessen
erkennt, der Euch zum einzigen Meister in dieser Kunst machte, werdet Ihr
auch verstehen, dass ich nur dem Herrn fr meine schon fast toten Schriften
danken kann, denn dichtend beleidigte ich ihn weniger, als ich in meinem
Mssiggang jetzt tue. Ich bitte Euch darum, nehmt diesen Ausdruck meiner
Gesinnung als Unterpfand knftiger Werke an.

                         Eure ergebene

                                                      Marchesa di Pescara.





ANMERKUNGEN.


Die Erluterungen beschrnken sich auf die notwendigsten biographischen und
historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung ist eine kurze Skizze von
Michelangelos usserem Leben vorangestellt.

Er wurde am 6. Mrz 1475 im Stdtchen Caprese (Toscana) geboren, wo sein
Vater Lodovico das Amt eines Podest bekleidete. Nach Ablauf seiner
Amtszeit kehrte dieser nach Florenz zurck. Ursprnglich fr das Gewerbe
der Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung durch und kam
in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde er in Lorenzo des Prchtigen
Bildhauerschule, 1490 in dessen Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den
Verkehr mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und Knstlerkreis.
(Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.) 1492 starb Lorenzo, 1494 wurde
sein Nachfolger Piero vertrieben. Michelangelo war schon vorher nach
Venedig, darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und kehrte
dann nach Florenz zurck, in dem Savonarola an der Spitze des Volkes stand.
(Giovannino, schlafender Amor.) 1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500
aufhielt. (Bacchus, Piet.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501-04 der
David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505 wurde er von Julius II.
nach Rom berufen und mit der Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt.
Bis Ende 1505 war er in Carrara (Madonna von Brgge) mit der Zurichtung des
Materials beschftigt und ging dann nach Rom. 1506 entstand ein Konflikt
mit dem Papst, und Michelangelo floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange
Bemhungen Julius' vermochten ihn nicht zur Rckkehr zu bewegen. Erst als
dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und sich in letzterer
Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung an die Regierung von
Florenz ihren Zweck. Michelangelo begab sich nach Bologna und shnte sich
mit dem Papste aus. 1507-08 schuf er dort die Erzstatue Julius' und ging
dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz nach Rom, in der Hoffnung,
jetzt das Juliusgrab ausfhren zu knnen. Der Papst ntigte ihn aber zur
Ausmalung der Sixtinadecke. (1508-12). Nach deren Vollendung durfte er sich
den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius beauftragte seinen
Notar und den Kardinal Grossi, fr die Ausfhrung zu sorgen. 1513 wurde
Giovanni de Medici als Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch
einen Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen, der Moses.)
1516 musste Michelangelo sich eine Einschrnkung des Planes gefallen
lassen; ein neuer Vertrag bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und
gestattete ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber schon
1516 sah sich der Meister trotz seines energischen Widerstands gentigt,
fr Leo X. den Bau der Lorenzofassade in Florenz zu bernehmen. Die Arbeit
kostete ihn vier Jahre und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders
endlose Verordnungen und Intriguen die Lieferung des Materials
verhinderten. 1520 wurde er von dem Auftrag befreit und widmete sich wieder
dem Grabmal, musste aber 1520/21 im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici
mit Vorarbeiten fr die Mediceergrber beginnen. Das Schwanken des
Kardinals und Geldschwierigkeiten zogen die Ausfhrungen hinaus. 1523 wurde
Giulio Papst (Clemens VII.) und nun gingen die Arbeiten besser voran,
obwohl Michelangelo sich fortwhrend mit dem Gedanken an das unvollendete
Juliusgrab qulte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben Julius' II.
wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525 machten sie ihre Ansprche
doch wieder geltend und die Verhandlungen zogen sich durch die nchsten
zwei Jahre hin. 1527 wurde Rom geplndert; die Republikaner in Florenz
standen auf und richteten ihre Regierungsform ein. 1529 musste die Stadt
sich gegen Clemens und die Kaiserlichen rsten, und Michelangelo wurde zum
Leiter der Befestigungsarbeiten ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und
Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo erhielt vom
Papst fr seine Sicherheit Gewhr und nahm die Arbeit an den
Mediceergrbern wieder auf, aber stets verfolgt durch den Gedanken an das
Juliusgrab. Endlich, 1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die
Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande, nach dem das
Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen Verhltnissen
aufgestellt werden sollte. Michelangelo solle zugleich in Florenz arbeiten
drfen. Zur selben Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der
Sixtinawnde und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534
Florenz verliess, geschah es fr immer. Clemens starb; dadurch war ihm der
mchtige Beschtzer gegen Alessandro, der ihn hasste, genommen, und er
fhlte sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergrber
blieben unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte fr die Anordnung
der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt sollte es noch nicht zur
Vollendung des Juliusdenkmals kommen. Paul III. ntigte den Meister zur
Ausfhrung des letzten Gerichts. 1535-41 arbeitete er daran. Erst 1545,
nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte Michelangelo
das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen von 1542-49 die Malereien in
der Capella Paolina, im Auftrag vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit
war die Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis zu
seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen Hnden lag.

       *       *       *       *       *




ZU DEN GEDICHTEN.


Die usseren Ereignisse in Michelangelos Leben hatten fr sein Dichten
keine grosse Bedeutung. Gelegenheitsgedichte finden sich nur in sehr
geringer Zahl in seinem Canzoniere. Einige an Rom und Florenz, an den
Papst, einige an Freunde, Dank oder Entgegnungen -- und selbst von diesen
scheinen mehrere langgetragene Gedanken zu enthalten, die nur bei einem
bestimmten Anlass ihre Form fanden.

Ein tieferer Zusammenhang wird wohl zwischen seinen bildnerischen Werken
und seinen Dichtungen bestehen, und es wrde Gegenstand einer besonderen
Untersuchung sein mssen, Parallelen in der Entwicklung von Gedanken und
Form auf den verschiedenen Gebieten seines knstlerischen Schaffens
aufzuzeigen.

Von grossem Einfluss fr sein Dichten waren die Menschen, die er liebte:
Die Unbekannten, an die er die Liebesgedichte vor und nach der Colonnazeit
mit ihren wechselnden Stimmungen richtete, Febo di Poggio (vor 1534, als er
Florenz fr immer verliess), Cecchin Bracci, und vor allem jene beiden, die
die schnsten seiner Gedichte werden liessen, Tommaso Cavalieri und
Vittoria Colonna.

Zwischen und in den so entstehenden grossen Gruppen liegen einzelne
Dichtungen von, man mchte sagen, objektiverem Charakter, soweit hiervon
bei einem Michelangelo berhaupt die Rede sein kann. So der Gesang der
Toten, die Epitaphien, die Stanzen auf Stadt und Land, die Sonette auf die
Nacht und jene zwei auf Dante, in denen er wie mit Autoritt ber seinen
grossen Landsmann spricht.

Fr sich steht die lang vorbereitete Gruppe der letzten Jahre. Diese
Gedichte sind zum grossen Teil an Christus gerichtet, und die Ideen der
Schuld, der Reue, des Ringens nach Erlsung finden in ihnen oft
wundervollen Ausdruck.

Die meisten seiner Dichtungen entstanden, indem lange in ihm arbeitende
Gedanken sich endlich zur Formung durchrangen, oder es ihm unter dem
Eindruck von Persnlichkeiten oder Ereignissen gelang, sich, sein Streben
und Sehnen auszusprechen. Dann lsten sie sich aus diesem Zusammenhang los
und wurden immer mehr Gegenstand rein knstlerischer, unermdeter Arbeit.
Mit Freunden wurden sie durchgesprochen, beurteilt, Version auf Version
entstand, Zeile auf Zeile wurde variiert, bis der Dichter, befriedigt,
vielleicht das Gedicht mit seiner schnen, malenden Schrift noch einmal
abschrieb. Oder aber es wurde noch nach Jahren wieder hervorgeholt und
umgearbeitet. Andere blieben Fragment; entweder war die Stimmung erschpft,
oder der Dichter vermochte ihr keine volle Form zu schaffen, liess das
Begonnene liegen und versuchte es vielleicht in einem neuen Anlauf. --

Wenn nun hier die Gedichte unter bestimmte Adressen gesetzt sind, so will
damit nicht gesagt sein, dass Michelangelo sie alle ausdrcklich an die
betreffende Persnlichkeit gerichtet habe, sondern dass sie unter ihrem
Einfluss entstanden und tatschlich auch oft an sie gelangt seien. --

Wortschatz und Bilder nahm er aus der literarischen Sprache seiner Zeit.
Besonders Petrarca und Dante, den er wohl wie kein zweiter mit kongenialem
Geiste verstand, haben stark auf ihn gewirkt. Eben aus ihnen und durch den
Verkehr mit den Gelehrten am Hofe Lorenzos wurden ihm auch die Gedanken der
platonischen Philosophie vertraut. In ihnen fand er die Formeln fr sein
eigenes Suchen nach dem Ewiggltigen, und sie sind so tief durch sein Wesen
gegangen, dass sie ganz als sein Eigentum gelten mssen. Vollends in jenen
Dichtungen, in denen er die Bilder aus "seiner" Kunst, der Plastik, nahm,
schuf er vllig Neues. Und diese Bilder sind gerade da am hufigsten, wo er
in vollendetster Form sein Sehnen nach der Vollkommenheit ausspricht, in
den Gedichten an Vittoria. --

Der Gedankengang dieser Auswahl ist etwa dieser: einige Gedichte an
Florenz, den Papst; Gelegenheitsgedichte; leichtere Liebesgedichte; Dank
und Freundschaft; einige Dichtungen "objektiveren" Inhalts; tiefere,
persnlichere Liebesgedichte; Vittorias Tod; fr Michelangelos
Kunstauffassung bedeutsame Gedanken; Suchen nach ewiger Schnheit
(Cavalieri); die Nacht, der Gesang der Toten; der Vollkommenheitsgedanke
(Vittoria); endlich die geistlichen Dichtungen, Schuld, Reue, Tod,
Erlsung.

Den bersetzungen liegt der Text von Guasti zugrunde; es wird deshalb in
den Anmerkungen auf ihn verwiesen (G. p. = Cesare Guasti, Le rime de
Michelangelo Buonarroti ... Firenze MDCCCLXIII, Seite ... ). Sonst htte
die neuere Ausgabe von G. Frey, Die Dichtungen des Michelagniolo
Buonarroti, Berlin 1897, angezogen werden mssen. Auf ihren sehr
umfangreichen kritischen Apparat sttzen sich hauptschlich die Anmerkungen
zu den Gedichten, ebenso die Zuweisung der Dichtungen an die betreffenden
Adressaten. --

In den bersetzungen von Sophie Hasenclever wurden einige kleine nderungen
da vorgenommen, wo das Original nicht sinngerecht wiedergegeben schien.

1.  G. p. 303. -- Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524-26, in Florenz.
    Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich an die H. Grimms an. In
    jener Zeit arbeitete Michelangelo in Florenz an den Grabdenkmlern der
    Medici. Die Unbestndigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der
    seine Arbeiten durch andere Plne unterbrach und auch ber die
    Ausfhrung der Grber fter seine Ansichten wechselte, Zwistigkeiten
    mit seiner Familie, Schwtzereien der Florentiner, Verdchtigungen und
    Intriguen seiner Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die
    Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte erschien.
    (Vgl. Grimm, "Fiorenza", Pr. Jahrb. Bd. 47, p. 319ff.). -- Frey hlt
    das Capitolo fr ein Liebesgedicht, eine von vier Versionen, die 1546
    von Michelangelo zu einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden.

2.  G. p. 3. -- Epigramme, 1545. -- 1492 war Lorenzo il Magnifico
    gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II. 1494 zog Karl VIII. von
    Frankreich ber die Alpen, um seine Ansprche auf Neapel geltend zu
    machen. Nun hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen
    angeknpft und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt, zumal auch
    Lodovico il Moro Karl gegen Florenz hetzte. In der Gefahr verlor er
    alle Fassung und lieferte schon in den ersten Verhandlungen die
    Festungen des Landes aus. Die entrsteten Florentiner vertrieben ihn
    bei seiner Rckkehr aus der Stadt, die nun in die Hnde der Franzosen
    fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der 1498 gestrzt wurde. Die 1495
    eingerichtete republikanische Regierungsform musste wieder fallen, als
    1512 Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Brder Pieros II.,
    in die Stadt zurckfhrte. Giovanni wurde 1513 als Leo X. Papst; auf
    ihn folgte Giuliano und dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn
    Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII. den ppstlichen
    Thron bestieg, die Herrschaft ber Florenz aber mitbehielt. Als 1527
    Rom durch die kaiserlichen Truppen erobert und geplndert wurde,
    machten in Florenz die Republikaner den Versuch, die frhere
    Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte Heer der
    Kaiserlichen und des Papstes zwangen die Stadt nach zehnmonatlicher
    Belagerung (Michelangelo war bei der Befestigung ttig) zur bergabe
    (1530). Zur Herrschaft kam Lorenzos II. natrlicher Sohn Alexander, der
    1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde. Nun gelangte Cosimo,
    des ersten Cosimo Urenkel, zur Herzogswrde und wusste in geschickter
    Weise seine Herrschaft endgltig zu befestigen. -- 1545, als fr die
    aus Florenz geflchteten Republikaner jede begrndete Hoffnung auf
    Wiederherstellung der Republik geschwunden war, entstanden die
    Epigramme. Michelangelo antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des
    Giovanni di Carlo Strozzi (1517-1570). Dieser lebte in Florenz
    humanistischen Studien und war Mitglied der Akademie.

3.  G. p. 25. -- Madrigal, 1545-46. -- Ein Zwiegesprch der verbannten
    Florentiner mit ihrer Heimatstadt.

4.  G. p. 156. -- Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten an der
    Sixtinadecke (1508-12).

5.  G. p. 158. -- Sonetto caudato oder ritornellato; das eigentliche Sonett
    schliessen 1-2 Ritornelle, Kehrreime. Etwa 1508-11. -- Giovanni da
    Pistoja, vielleicht, was Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner
    Akademie. -- Das Gedicht spricht von den Mhen der Arbeit an der
    Sixtinadecke.

6.  G. p. 338. -- Stanzen, Fragment, etwa 1518-24. Ein Spottgedicht auf
    eine Unbekannte in Florenz.

7.  G. p. 68. -- Madr., 1535-46. An eine Unbekannte.

8.  G. p. 58. -- Madr., 1534-46. Nach Frey ist es an Vittoria Colonna in
    der ersten Zeit der Freundschaft gerichtet.

9.  G. p. 97. -- Madr., 1546. An eine Unbekannte, die vielleicht mit der
    Adressatin von No. 33 und 34 identisch ist.

10. G. p. 178. -- Son., 1507-08, in Bologna, an ein unbekanntes Mdchen der
    Stadt.

11. G. p. 29. -- Madr., 1546. -- Luigi del Riccio war Geschftstrger der
    Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo war er eng befreundet und leistete
    ihm wichtige Dienste. Er verfolgte mit besonderem Interesse die
    dichterische Ttigkeit des Meisters, mit feinem Verstndnis
    beurteilend, besprechend. Er bemhte sich auch um eine Herausgabe der
    Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach ihm benannten
    Ricciosammlung. -- Auf ein unbekanntes Vorkommnis hin schrieb
    Michelangelo das Gedicht in seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit
    folgendem Madrigal:

          Es darf kein Liebesdienst
          Des Freundes lstig sein
          Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz
          Verlangt, dass jedes Gut
          Und jegliches Geschick
          Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod
          Sah man schon einen fr den andern leiden,
          Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie.
          Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien,
          Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit.

    Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer zweiten, lngeren
    Fassung um, die hier gegeben ist.

12. G. p. 167. -- Son., 1551. -- Giorgio Vasari lebte 1512-74 und bettigte
    sich als Maler, Architekt und Schriftsteller. Er stand beim Herzog von
    Florenz in grosser Gunst und hatte in Michelangelos spteren Jahren
    zwischen diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief 26. und 30).
    Mit dem Sonett dankt ihm der Meister fr die Zusendung der "Vite degli
    artisti".

13. G. p. 164. -- Son., 1555. Dank fr Geschenke.

14. G. p. 325-328. -- Fragment einer Dichtung in Stanzen. Nach Frey wrde
    dieser Teil in die Jahre 1536-40 fallen, whrend die Stanzengruppe, in
    denen der Dichter das Landleben preist und die brigen Laster geisselt
    (G. p. 317-24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen, also zwei
    selbstndige Dichtungen vorliegen wrden. -- Andere Deutungen fr die
    Gestalten der Dichtung: der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit,
    oder Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350): "All diese
    Interpretationen sind individueller Art und unverbindlich. Es muss
    gesagt werden, dass, so real Michelangelo diese Bilder ausgefhrt hat,
    so unbestimmt ist gleichwohl fr uns ihre Bedeutung gelassen, wohl weil
    auch dem Dichter whrend des Schpfungsprozesses immer neue Gedanken,
    Vergleiche und Zge in den Sinn kamen, die die ursprngliche Richtung
    abnderten. Gleichwohl lassen sich meiner berzeugung nach doch
    Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man, was durchaus
    ntig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen die Pistojesen (G. p. 160)
    vereint. Dort die Pistojesen, die al ciel nemici, invidiosi, superbi;
    Shne Kains hiessen sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig
    totschlugen. Hier trgt das Weib das Kainszeichen; freut es sich und
    wchst del mal d'altrui, und die Pistojesen sind del danno loro amici.
    Wie zur Zeit Dantes Neri und Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so
    wieder zur Zeit der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung des
    Herzogs Alessandro (1537). Die citt intera, die der Gigant mit dem
    Fusse deckt, wre Pistoja, die montagne die dortigen Apenninen, die
    vielfach den Parteien ricovero boten wie dem Weibe le gran rocche.
    Besonders im Frhjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. ... Man
    knnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] ... ausfhrlich von allen
    diesen Ereignissen Michelangelo unterhalten habe, und Schmerz und Zorn
    ber das Gehrte htten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl niemals
    abgesandt worden sind."

15. G. p. 5-21, No. 2, 3, 4, 7, 8, 12, 18, 20, 23, 31, 38, Epitaphien,
    1544. -- Im Jahre 1544 starb in Rom Cecchino (Francesco) de Zanobi
    Bracci im Alter von 15 Jahren. Er war Riccios Neffe und wurde von
    diesem zrtlich geliebt. Seit 1534 lebte er als verbannter Florentiner
    in Rom, wegen seiner Schnheit allgemein bewundert. Sein Tod war fr
    Riccio ein herber Verlust. Die Freunde, unter ihnen auch Michelangelo,
    bemhten sich, ihn zu trsten, und zu diesen Versuchen zhlen auch die
    ersten dieser Vierzeiler. Die Abfassung der Gedichte war anfangs
    lebendig mit der Erinnerung an Cecchino verknpft, lste sich aber bald
    davon los, und das Grab des Freundes wurde zum Ort, an dem der Dichter
    in stets neuen Beziehungen und knappster Fassung eigenartige Gedanken
    ber Leben und Tod aussprach. Riccio ermunterte den Freund durch Bitten
    und Geschenke, durch Besprechung und Kritik zur Fortsetzung, und so
    entstand im Laufe des Jahres 1544 eine Reihe von 48 vierzeiligen
    Grabschriften. Kurze scherzhafte Bemerkungen unter den
    Gedichtmanuskripten, die Michelangelo dem Freunde zusandte, zeigen, wie
    sehr ihm dieser zusetzte. So zum Epitaph

    12. "Wenn Ihr keine mehr wollt, so schickt mir nichts mehr."

    16. (nicht in dieser Auswahl) "Ich wollte es Euch eigentlich nicht
        schicken. Es ist ein gar zu plumpes Ding; aber die Forellen und
        Trffeln wrden selbst den Himmel bezwingen. Ich empfehle mich
        Euch."

    20. "Fr die gesalzenen Schwmme, wenn Ihr schon nichts weiter wollt!"

    21. (n. i. d. A.) "Dies plumpe Ding, schon tausendmal aufgetischt, fr
        den Fenchel."

    23. "Hier reden die Forellen, nicht ich; wenn Euch die Verse nicht
        gefallen, dann mariniert sie das nchste Mal nicht mehr ohne
        Pfeffer."

    33. (n. i. d. A.) "Unbeholfene Sachen! Der Brunnen ist ausgetrocknet;
        man muss abwarten, bis es regnet. Ihr habt zu grosse Eile!"

    36. (n. i. d. A.) "Tolle Sachen! Wenn man aber von mir verlangt, ich
        soll sie zu Tausenden fabrizieren, so muss schon von jeder Sorte
        darunter sein!"

16. G. p. 155. -- Son., 1545. Zugleich mit No. 59 entstanden.

17. G. p. 50. -- Madr., Fragm., 1504/5-11. Adressat und Anlass unbekannt.

18. G. p. 197. -- Son., Zeit, Adressat ist fraglich. Vielleicht 1534-38 in
    Rom.

19. G. p. 81. -- Madr., Adressat unbekannt. Entstehungszeit etwa Beginn der
    40er Jahre.

20. G. p. 173. -- Son., am Anfang der Freundschaft mit Vittoria Colonna
    entstanden, also in den nchsten Jahren nach 1536. -- Vittoria wurde
    1490 im Kastell Marino am Abhang der Albanerberge geboren. 1509
    vermhlte sie sich mit Ferrante Francesco d'Avalos, dem Markgrafen von
    Pescara. Whrend ihr Gemahl ein unstetes Kriegsleben fhrte, lebte
    Vittoria meist auf Ischia und unterhielt mit den bedeutendsten Geistern
    ihrer Zeit rege Beziehungen. Sie musste frh auf Mutterglck verzichten
    und wandte sich ganz geistigen Interessen zu. In das Jahr 1512 fllt
    das erste ihrer erhaltenen Gedichte und bald entfaltete sie ein reiches
    Schaffen, von ihrer Zeit als die bedeutendste Frau, "la diva Vittoria
    Colonna", gefeiert. 1525 starb Francesco. Von nun an lebte sie immer
    eingezogener, obwohl stets in Beziehung mit der politischen und
    knstlerischen Welt, meist in Klstern, wie San Silvestro in Capite in
    Rom, San Paolo in Orvieto, Santa Caterina in Viterbo (vgl. den vierten
    ihrer Briefe an Michelangelo). Infolge der politischen Verhltnisse
    nderte sie ihren Aufenthalt oft. 1534 kam sie durch die Berhrung mit
    Bernardino Ochino in die religisen Reformbewegungen des 4. und 5.
    Jahrzehnts und spielte in ihnen eine nicht unwichtige Rolle. 1534-40
    hielt sie sich viel in Rom im Kloster San Silvestro auf, und in die
    frhere Zeit dieser Periode fllt wohl ihr erstes Zusammentreffen mit
    Michelangelo, mit dem sie besonders in den Jahren 1538-40 regen Verkehr
    unterhielt. Die nchste Zeit brachte ihr schweres Leid. In den Kmpfen
    mit Paul III., 1540-41, wurde die Macht der Colonna vernichtet. Sie zog
    sich nach Viterbo zurck und blieb dort bis 1544. 1544-47 war sie
    wieder in Rom, von krperlichen und seelischen Leiden heimgesucht, aber
    fortwhrend in regem Austausch mit den bedeutendsten Persnlichkeiten
    und selbst literarisch ttig. Die tiefsten ihrer religisen Dichtungen
    fallen in diese Zeit. 1547 starb sie im Kloster Sant' Anna de Funari,
    das ihr letzter Aufenthaltsort gewesen war.

21. G. p. 46. -- Madr., vielleicht um 1540/41.

22. G. p. 169. -- Son. Es liegt in 6 Versionen vor. Diese ist die zweite
    und wurde 1546 abgefasst. Die erste Fassung, die mit dem Brief 16. an
    Vittoria abgesandt wurde, fllt in die Jahre 1538-41 oder 1544-46. --
    Vittoria hatte dem Dichter fter "Dinge" (cose), vielleicht eigene
    Dichtungen, angeboten, und er hatte sich lange geweigert, sie
    anzunehmen, bevor er ihr nicht ein wrdiges Gegengeschenk bieten knne.

23. G. p. 80. -- Madr., 1534-46.

24. G. p. 199. -- Son., in 8 Versionen berliefert; die hier bersetzte ist
    die Schlussfassung, 1542-46. Die Ausarbeitung der frheren liegt wohl
    um 10-20 Jahre zurck. Letztere sind an eine Frau, die gegebene Fassung
    ist an einen Mann (signor) gerichtet. (Die bersetzung sagt allerdings
    "holde Fraue".) Gemeint ist Tommaso Cavalieri. ber ihn siehe zu No.
    38.

25. G. p. 183. -- Son., 1529-30 in Florenz, an eine Unbekannte.

26. G. p. 74. -- Madr., etwa 1544-46. Nach Frey an Vittoria, in den letzten
    Jahren ihres Lebens.

27. G. p. 38. -- Madr., Anfang der 40er Jahre.

28.-31. G. p. 227, 229, 31, 226. -- Sonette, No. 30 Madr., smtlich 1547
    entstanden, No. 28 als letzte von drei Versionen.

32. G. p. 212. -- Son., nicht lange nach Vittorias Tod (1547), als letzte
    von vier Versionen.

33. G. p. 34. -- Madr., 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9.

34. G. p. 35. -- Madr., wohl 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9.

35. G. p. 253. -- Son., Entstehungszeit und Adressat unbekannt.

36. G. p. 175. -- Son., 1546 als letzte von drei Versionen. Die frheren
    fallen wohl in die Jahre 1538-42.

37. G. p. 36. -- Madr., etwa 1542-44.

38. G. p. 216. -- Son., vor 1534. -- Anfang der 30er Jahre begann
    Michelangelos Freundschaft mit Tommaso Cavalieri, einem jungen Rmer,
    um bis zu seinem Tode, durch 32 Jahre, zu dauern. Was sie fr den
    unablssig nach der Schnheit und dem sittlich Hohen ringenden Meister
    bedeutete, wie lauter er diese Beziehungen auffasste, zeigen besonders
    die Dichtungen der 40er Jahre.

39. G. p. 188. -- Son., 1533/34.

40. G. p. 190. -- 1532-33.

41. G. p. 92. -- Madr., vielleicht 1524 in Florenz, an eine unbekannte
    Adresse.

42. G. p. 224. -- Son., 1546, als Schlussfassung verschiedener, bis in die
    zweite Hlfte der 30er Jahre zurckgehender Versuche.

43. G. p. 208. -- Son., Florenz 1533.

44. G. p. 250. -- Son., in seiner spteren Lebenszeit.

45. G. p. 176. -- Son., nicht lange nach 1534.

46. G. p. 223. -- Son., in dieser Fassung 1546.

47. G. p. 218. -- Es liegen 7 Versionen und viele Varianten einzelner Verse
    vor. Die frheren Fassungen (1.-4.) fallen in die Jahre 1536-42, die
    hier gegebene fnfte 1546.

48. G. p. 337. -- Stanze, vielleicht 1536-38, an einen unbekannten
    Adressaten oder aber an Tommaso Cavalieri.

49.-52. G. p. 202, 203, 205, 204. -- Sonette, aus der Periode, whrend der
    Michelangelo am Jngsten Gericht arbeitete, 1533-41. -- Der Anordnung
    innerhalb der Gruppe folgt Frey a.a.O. 367: "Das erste gbe das Thema
    an, das die brigen weiter entwickelten, wobei die teilweise noch
    allgemeinen und unbestimmten Anschauungen zuletzt eine Steigerung und
    konkreteren Inhalt erhalten htten."

53. G. p. 350. -- Canzonenfragment. Frey lsst Spielraum vom 2. Jahrzehnt
    bis ins Alter des Dichters.

54. G. p. 32. -- Madr., 1541-44, whrend Vittoria zurckgezogen in Viterbo
    lebte.

55. G. p. 83. -- Madr., 1534-46.

56. G. p. 214. -- Son., nach 1534, in der spteren Zeit von Michelangelos
    Freundschaft mit Cavalieri.

57. G. p. 33. -- Madr., wohl 1534-42; vielleicht an Vittoria.

58. G. p. 186. -- Son., Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre.

59. G. p. 153. -- Son., 1545 als zweite von 5 Versionen. -- Vgl. No. 16. --
    Zur Entstehung des Gedichtes vgl. Frey, a.a.O. 425; Michelangelo
    beschftigte sich damals, nach Vollendung des Jngsten Gerichts,
    besonders intensiv mit Dante.

60. G. p. 27. -- Madr., etwa 1544-46, nach einer wohl in den 30er Jahren
    entstandenen Urversion.

61. G. p. 177. -- Son., vor 1546; W. Robert-tornow (Die Gedichte des
    Michelangelo Buonarroti, Berlin 1896) fasst das Gedicht als an Christus
    gerichtet auf (p. 391). Freys Ansicht, der es den Cavalieri-Dichtungen
    zuordnet, scheint wahrscheinlicher.

62. G. p. 37. -- Madr., 1536-47.

63. G. p. 30. -- Madr., vielleicht 1538-41 oder 1545/6.

64. G. p. 94. -- Madr., vielleicht 1544/45.

65. G. p. 172. -- Son., die letzte von 5 Versionen, 1550. (Die frheren
    1544/45 --.)

66. G. p. 261. -- Son., Fragm., etwa 1560.

67. G. p. 141. -- Madr., 1546.

68. G. p. 128. -- Madr., nach 1547.

69. G. p. 274. -- Son., Fragm., 1552-54.

70. G. p. 259. -- Son., Fragm., nach 1525; ebenso wie No. 71 aus
    vorbergehenden Stimmungen entstanden, Vorlufer der nach 50 hufig
    auftretenden Gemtsverfassungen des Dichters.

71. G. p. 123. -- Madr, die erste Fassung etwa 1536-42, die vorliegende
    1545/46.

72. G. p. 230. -- Son., Frey, a.a.O. 486: "Vielleicht Michelangelos
    schnstes Gedicht, nicht nur der letzten Epoche, sondern seines
    Canzoniere berhaupt."

73. G. p. 279. -- Son., Fragm., 1554.

74. G. p. 232. -- Son., 1554/55.

75. G. p. 238. -- Son., 1555.

76. G. p. 244. -- Son., 1550-54.

77. G. p. 240. -- Son., 1547-50.

78. G. p. 245. -- Son., 1555.

79. G. p. 246. -- Son., 1555.

80. G. p. 241. -- Son., 1555 oder spter.

       *       *       *       *       *




ZU DEN BRIEFEN MICHELANGELOS.


Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, Le lettere di Michelangelo
Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV (Mil. l. = Milanesi, lettera No. ...).
Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die nicht von Michelangelo
selbst herrhrt. Leider konnte den bersetzungen und Anmerkungen die in
Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe der Briefe von C. Frey nicht mehr
zugrunde gelegt werden.

1.  Mil. l. CCCXLIII. -- Giuliano da San Gallo 1443 (45) bis 1516 (17), aus
    Florenz, war Bildhauer und vor allem Architekt. Er baute in Rom fr
    Lorenzo den Prchtigen, wurde spter nach Neapel gerufen und arbeitete
    2 Jahre fr den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst Julius II.
    Unter Julius veranlasste er den Bau einer besonderen Grabkirche fr das
    Denkmal, mit dessen Ausfhrung Michelangelo betraut war, unterlag er
    aber mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom. Nach kurzer
    Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur, dann zum Architekten am Bau
    der neuen Peterskirche. -- Durch seine Vermittlung war Michelangelo
    1505 nach Rom gekommen. ber dessen Flucht folgendes: 1505 hatte er vom
    Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument zu errichten und war
    noch im April desselben Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er
    bis zum Januar 1506 die Zurichtung der Blcke und erwartete dann in Rom
    deren Ankunft. Unterdessen hatte aber Julius den Plan des Grabdenkmals
    fallen lassen und sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, fr die,
    wie oben gesagt, Bramantes Plne gesiegt hatten. Als Michelangelo an
    der vernderten Sachlage nicht mehr zweifeln konnte, floh er in seiner
    Enttuschung nach Florenz. Der Papst bemhte sich, ihn zur Rckkehr zu
    bewegen, und veranlasste viele Freunde und Gnner des Meisters, ihm
    brieflich oder mndlich zuzureden. Auf einen solchen Vermittlungsbrief
    antwortet das vorliegende Schreiben.

2.  Mil. l. CXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 3. -- Der alte Buonarroti hatte
    Michelangelo geschrieben, das Betragen seiner Shne, besonders
    Giovansimones, mache ihm viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII)
    verspricht ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben "auf meine
    Art" -- eben den vorliegenden.

3.  Mil. l. X. -- Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni (1444-1534)
    trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von dem geringen Ertrag seiner
    wenigen Gter und dem Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo
    sorgte bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise fr seine Familie.
    Von seinen Brdern werden in den Briefen genannt: Buonarroto, von dem
    das bis in unsere Zeit lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt,
    1477-1528, Giovan Simone 1479-1548, Gismondo 1481-1555. -- Mona
    Cassandra, Lodovicos Schwgerin, hatte mit diesem nach dem Tode ihres
    Gatten einen Streit wegen ihrer Mitgift. -- Michelangelo malte damals
    in der Sixtina.

4.  Mil. l. LXXX. -- Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine Wollwirkerei,
    in der Buonarroto beschftigt war.

5.  Mil. l. XXII. -- Michelangelo pflegte sein Geld der Spitalverwaltung
    von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen. Der Spitalverwalter
    wird auch noch in spteren Briefen fter erwhnt.

6.  Mil. l. XXXVI. -- Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II. mit
    kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz zurckfhrte,
    wurde in den Tagen vom 29. August bis 19. September die Stadt Prato
    besetzt und in furchtbarer Weise geplndert.

7.  Mil. l. XCII. -- Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes gibt
    Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse Summe im Namen von
    Michele di Piero da Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz
    auszuzahlen. -- Die Arbeiten, ber die er klagt, sind die fr das
    Juliusdenkmal.

8.  Mil. l. XXXIX. -- Michelangelo erhielt von den Erben Julius II. 1516
    die Erlaubnis, nach Belieben in Rom, Florenz oder Carrara an dem
    Denkmal zu arbeiten. Tatschlich ging er 1516 nach Carrara, um Material
    zu beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von hier aus
    schrieb er an seinen Vater, der sich in Settignano, einem kleinen Ort
    nahe bei Florenz, aufhielt, den Brief. Siehe auch Br. 9.

9.  Mil. l. CXII.

10. Mil. l. CCCLXXXI. -- 1520 wurde Michelangelo vom Kardinal Giulio de
    Medici beauftragt, fr die Mediceer in Florenz ein Familiengrab zu
    bauen. 1521 erhielt er eine Anzahlung und schloss mit einigen
    Steinmetzgewerkschaften in Carrara Vertrge auf Lieferung grosser
    Marmormengen. Bald machte ihm aber der unbestndige Kardinal, der zudem
    durch die politischen Wirren (die Kmpfe Karls V. mit Franz I.) in
    Geldnte geraten war, Schwierigkeiten. Er erklrte sich nicht bestimmt
    ber die Art der Ausfhrung und zgerte mit den Zahlungen. Die Arbeiten
    ruhten, his Giulio 1523 als Clemens VII. den ppstlichen Thron bestieg.
    1524 begann der Bau der Kapelle (nuova sagrestia di San Lorenzo) und
    war bald zu Ende gefhrt. ber die letzten Arbeiten, Laterne und
    Goldkugel, berichtet der Brief. Der Papst, der wohl wissen musste, dass
    es Michelangelos Charakter unmglich war, die Leitung einer Arbeit mit
    einem anderen zu teilen, versprach doch Andrea Sansovino die Teilnahme
    an dem Werke. Im vorliegenden Brief verwahrt sich Michelangelo dagegen.
    -- ber seine Stimmung whrend dieser Arbeiten vgl. Ged. No. 1 und Br.
    No. 11.

11. Mil. l. CCCXCVII. -- Sebastiano del Piombo (1485-1547) gehrte in Rom
    zur Partei Michelangelos gegen Raffael. -- In dem am Schluss des
    Briefes erwhnten Portrt vermutet Milanesi das wahrscheinlich
    verlorene Bildnis des Francesco degli Albizzi, das Sebastiano in jener
    Zeit vollendet und nach Florenz gesandt hatte.

12. Mil. l. CXXIX. -- Der 1532 mit den Erben Julius II. abgeschlossene
    Vertrag bestimmte, dass Michelangelo Zeit und Arbeit zwischen Rom und
    Florenz teilen drfe. -- Mona Margherita war eine nahe Verwandte. --
    Ser Giovan Francesco Fattucci war Kaplan von Santa Maria del Fiore in
    Florenz und mit Michelangelo sehr eng befreundet.

13. Mil. l. CDXXIII. -- Der "Abgott", der wohl auch das Feuer entzndet
    hat, das Michelangelo verzehrt, ist Cecchin Bracci. -- Der Dichter
    schickt seinem Freunde ein bereits umgearbeitetes Madrigal und spricht
    von einer Zusammenkunft am Sonntag. Bei solchen Gelegenheiten wurden
    die Gedichte durchgesprochen und gemeinsam ausgefeilt.

14. Mil. l. CDXXXIX. -- Monsignor di Todi, Federigo Cesi, spter Kardinal
    von San Pancrazio. -- Urbino, eigentlich Francesco di Bernardino degli
    Amatori, war Michelangelos Diener, Farbenreiber, Gehilfe, Schler und
    auch Freund. Vgl. Br. 27.

15. Mil. l. CDXLVII. -- Der Brief begleitete eines der Epitaphien auf
    Cecchinos Tod (G. No. 8: das 5. der unter No. 15 der Auswahl
    zusammengestellten.). -- Riccio hatte wohl am vorhergehenden Tage eine
    Ansicht ausgesprochen, die Brief und Gedicht widerlegen.

16. Mil. l. CDLIV. -- Die Datierung von Brief 16 und 17 ist die von
    Milanesi getroffene. Nach Frey besteht fr sie ebenso wie fr die von
    Ged. No. 22, das mit Br. 16 abgeschickt wurde, der Spielraum von
    1538-41 oder 1544-46. (41-44 war Vittoria in Viterbo.) -- Vgl. Anm. zu
    Ged. No. 22.

17. Mil. l. CDLV. -- Vgl. die Briefe Vittorias No. 1 und 2; der vorliegende
    Brief fllt wohl zwischen sie. -- Die letzten Zeilen deuten vielleicht
    auf eine Absicht Michelangelos, die Zeichnung -- den Cruzifixus -- als
    Gemlde auszufhren. "Mein Plan ist misslungen" bersetzt: " stato
    guasto il mio disegno" und wrde auf eine Vereitelung dieser "Absicht"
    anspielen, "disegno" kann auch mit "Zeichnung" bersetzt werden. "Meine
    Zeichnung ist misslungen." Der Sinn wre wohl derselbe.

18. Mil. l. CLXII. -- Lionardo di Buonarroto Simoni, also ein Sohn von
    Buonarroto, dem Bruder Michelangelos. An ihn ist ein grosser Teil der
    Briefe gerichtet, etwa 200 von fast 500. -- Michelangelo hatte in einem
    Briefe an Lionardo vom 16. Januar 1546 von einer Besitzung des
    Francesco Corboli gesprochen, der falliert hatte und zu verkaufen
    wnschte. Er hatte sich bereit erklrt, eine grssere Summe in einem
    derartigen Wertobjekt anzulegen, und seinen Neffen beauftragt,
    Erkundigungen einzuziehen. Seiner Familie in Florenz war daran gelegen,
    sich die Summe zu sichern, und so war die Antwort sehr rasch gekommen
    -- zu rasch fr den etwas misstrauischen Meister. -- Der Trebbianer,
    ein ssser oberitalienischer Wein, war sein Lieblingsgetrnk.

19. Mil. l. CDLIX. -- Franz I. von Frankreich schrieb im Februar 1546 den
    hier erwhnten Brief. Michelangelo wurde durch den bald danach
    erfolgten Tod des Knigs (1547) von seinem Versprechen entbunden. -- Zu
    jener Zeit arbeitete er an den Fresken der Capella Paolina in Rom
    (1542-49) im Auftrag von Paul III.

20. Mil. l. CLXXXVII.

21. Mil. l. CXCI.

22. Mil. l. CDLXII. -- Benedetto Varchi (1502-65), Historiker und Dichter,
    gehrte zu den durch die Medici Vertriebenen. Durch Cosimo I. wurde er
    zurckgerufen und schrieb in dessen Auftrag seine Geschichte von
    Florenz. Das hier genannte Buch, eine seiner vielen kleinen Schriften,
    behandelt die damals vielerrterte Frage, ob die Malerei oder die
    Skulptur den Vorrang verdiene. (Due lezioni di Messer Benedetto
    Varchi ... Firenze appr. Lorenzo Torrentino ... MDXLIX.) --
    Michelangelo war damals 74 Jahre alt.

23. Mil. l. CCX. -- Die Frage der Heirat Lionardos und der Wahl einer
    geeigneten Gattin wird im Briefwechsel seit Anfang 1547 errtert.
    Dieser Brief ist typisch fr die Stellung des Meisters zur Frage. Erst
    im Frhjahr 1553 (vgl. Br. 24) kam die Angelegenheit zum Abschluss, als
    Lionardo Cassandra di Donato Ridolfi heimfhrte.

24. Mil. l. CCLXIII.

25. Mil. l. CDLXXII. -- Durch Vasari hatte Michelangelo die Nachricht von
    der Geburt seines Grossneffen Buonarroto di Lionardo Simoni erhalten.

26. Mil. l. CDLXXV. -- 1547 wurde Michelangelo, halb gegen seinen Willen,
    als Nachfolger von Antonio da Sangallo zum Architekten von Sankt Peter
    ernannt und widmete sich dieser Aufgabe bis an sein Lebensende. In
    diesem und anderen Briefen wehrt er sich gegen die Bemhungen Cosimos,
    ihn nach Florenz zu ziehen. Er hatte die Arbeit als eine ihm von Gott
    auferlegte heilige Pflicht auffassen gelernt und fhrt dies als einen
    Hauptgrund fr sein Bleiben oft an.

27. Mil. l. CDLXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 14. -- Der am Schluss Genannte
    ist Benvenuto Cellini.

28. Mil. I. CCXC. -- Francesca war Michelangelos Nichte.

29. Mil. l. CDLXXIX. -- Cosimo Bartoli, Difesa della lingua fiorentina e di
    Dante ... 1566. -- 1556 unternahm Michelangelo eine Wallfahrt nach
    Loreto, wurde aber in Spoleto, wo er sich einige Zeit aufhielt, durch
    eine ppstliche Botschaft zurckgerufen.

30. Mil. l. CCCIV.

31. Mil. l. CCCXIV. -- Der Kardinal Rodolfo Pio da Carpi.

32. Mil. l. CCCXX.

33. Mil. l. CCCXL.

34. Mil. l. CCCXLI.

       *       *       *       *       *




ZU DEN BRIEFEN VITTORIAS AN MICHELANGELO.


Der italienische Text bei Frey, a.a.O. in den Regesten p. 533 ff., ebendort
die Datierung.

1.  Von der Zeichnung, die der Brief nennt, sagt Ascanio Condivi, Vita,
    Cap. LXIII: "Ihr zu Liebe zeichnete er Jesum Christum am Kreuze, aber
    nicht mit dem Aussehen eines Toten, wie er gewhnlich dargestellt wird,
    sondern mit einer gttlichen Gebrde, das Antlitz zum Vater erhoben,
    als ob er die Worte sprche "Eli, Eli". Sein Krper sinkt nicht tot und
    schlaff herab, sondern krmmt sich lebendig in bitterer Qual."

2.  Von einer Ausfhrung der Zeichnung in Farben ist nichts bekannt. Vgl.
    Br. 17.

3.  Condivi, Cap. LXIII: Auf die Bitte dieser Dame zeichnete er einen
    nackten Christus, der vom Kreuz genommen ist. Wenn nicht zwei Engelchen
    mit ihren Armen den Leichnam hielten, wrde er schlaff zu den Fssen
    seiner heiligsten Mutter niedersinken. Sie aber sitzt unter dem Kreuze
    mit trnenberstrmtem, schmerzbewegtem Antlitz, hebt mit
    ausgebreiteten Armen beide Hnde zum Himmel und spricht diese Worte,
    die auch auf dem Stamm des Kreuzes geschrieben stehen: "Und niemand
    wgt den Preis, die Strme Blutes". (Dante Par. 29, 91.)

4.  Whrend Vittoria sich im Katharinenkloster zu Viterbo aufhielt,
    arbeitete Michelangelo in der Paolina. -- Die "Samaritanerin" ist eine
    Zeichnung des Meisters: Christus in der Unterredung mit der
    samaritanischen Frau am Brunnen.

5.  Der Brief hat vielleicht eine der vielen Gedichtsendungen Vittorias an
    den Freund begleitet.

       *       *       *       *       *





INHALTSVERZEICHNIS.


Die erste Zeile des italienischen Textes (nach Guasti) ist zur leichteren
Vergleichung mit anderen Ausgaben angegeben.

                                                                      Seite
Vorbemerkung, Verzeichnis der benutzten bersetzungen                V-VIII
Condivi, Leben Michelangelos, Kap. 62-68                                1-6
Dichtungen                                                             7-92
1.  An Florenz                                                            9
    Te sola del mie mal contenta veggio
2.  Auf die "Nacht"                                                      11
    La notte, che tu vedi in s dolci atti
3.  Florenz und die Verbannten                                           12
    Per molti, donna, anzi per mille amanti
4.  An Julius II                                                         13
    Signor, se vero  alcun proverbio antico
5.  An Giovanni di Pistoja                                               14
    I'ho gi fatto un gozzo in questo stento
6.  An eine Hssliche                                                    15
    Tu ha' 'l viso pi dolce che la sapa;
7.  Questa mia donna  s pronta ed ardita                               16
8.  Con pi certa salute                                                 17
9.  Quanto pi par che il mio mal maggior senta                          18
10. Quanto si gode, lieta e ben contesta                                 19
11. An Luigi del Riccio                                                  20
    Perch  troppo molesta
12. An Giorgio Vasari                                                    21
    Se con lo stile o coi colori avete
13. An denselben                                                         22
    Al zucchero, alla mula, alle candele
14. Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens                               23
    Un gigante v'  ancor, d'altezza tanta
15. Epitaphien                                                           25
    Deh serbi, s'  di me pietate alcuna
    Perch ne' volti offesi non entrasti
    Non volse morte non ancider senza
    Qui son sepulto, e poco innanzi nato
    Non pu per morte gi chi qui mi serra
    Qui son morto creduto; e per conforto
    Se fussin, perch' i' viva un' altra volta
    S' i' fu' gi vivo, tu sol, pietra, il sai
    De' Bracci naqqui; e dopo 'l primo pianto
    Se, vivo al mondo, d'alcun vita fui,
    Col sol de' Bracci il sol della natura
16. Dante                                                                28
    Quanto dirne si de', non si pu dire
17. Come pu esser ch' io non sia pi mio?                               29
18. Rendete a gli occhi miei, o fonte o fiume                            30
19. Se l'alma  ver, dal suo corpo disciolta                             31
20. An Vittoria Colonna                                                  32
    Non ha l'ottimo artista alcun concetto
21. An dieselbe                                                          33
    A l'alta tuo lucente diadema
22. An dieselbe                                                          34
    Per esser manco almen, Signiora, indegnio
23. An dieselbe                                                          35
    Non posso non mancar d'ingegno e d'arte
24. Non so se s'  la desiata luce                                       36
25. Dimmi di grazia, amor, se gli occhi miei                             37
26. Occhi mie' siete certi                                               38
27. An Vittoria Colonna                                                  39
    Se d'una pietra viva
28. Auf Vittoria Colonnas Tod                                            40
    Quand' el ministro de' sospir me' tanti
29. Aus demselben Anlass                                                 41
    Qual maraviglia  se prossimo al foco
30. Aus demselben Anlass                                                 42
    Per non s' avere a ripigliar da tanti
31. Aus demselben Anlass                                                 43
    Se 'l mie rozzo martello i duri sassi
32. Nach Vittoria Colonnas Tod                                           44
    Tornami al tempo allor che lenta e sciolta
33. Se dal cor lieto divien bello il volto                               45
34. S'egli  che 'n dura pietra alcun somigli                            46
35. Molto diletta al gusto intero e sano                                 47
36. An Vittoria Colonna                                                  48
    Com' esser, donna, pu quel ch'alcun vede
37. An dieselbe                                                          49
    Negli anni molti e nelle molte pruove
38. An Tommaso Cavalieri                                                 50
    Veggio nel tuo bel viso, signior mio
39. An denselben                                                         51
    Veggio co' bei vostri occhi un dolce lume
40. An denselben                                                         52
    S'un casto amor, s'una piet superna
41. Di te me veggo e di lontan mi chiamo                                 53
42. An Tommaso Cavalieri                                                 54
    Ben pu talor col mio ardente desio
43. An denselben                                                         55
    Se 'l foco alla bellezza fusse equale
44. La forza d'un bel viso a che mi sprona?                              56
45. An Tommaso Cavalieri                                                 57
    Al cor di zolfo, alla carne di stoppa
46. Non pi che 'l foco il fabbro il ferro istende                       58
47. An Tommaso Cavalieri                                                 59
    Per ritornar l donde venne fora
48. Indarno spera, come il vulgo dice                                    60
49. Die Nacht                                                            61
    Colui che fece e non di cosa alcuna
50. Die Nacht                                                            62
    Ogni van chiuso, ogni coperto loco
51. An die Nacht                                                         63
    O nott', o dolce tempo bench nero
52. Die Nacht                                                            64
    Perch Febo non torc' e non distende
53. Gesang der Toten                                                     65
    Chiunche nascie a morte arriva
54. An Vittoria Colonna                                                  66
    Per fido esemplo alla mia vocazione
55. An dieselbe                                                          67
    Come non puoi non esser cosa bella
56. An Tommaso Cavalieri                                                 68
    Non vider gli occhi miei cosa mortale
57. Gli occhi miei vaghi delle cose belle                                69
58. An Vittoria Colonna                                                  70
    La vita del mie amor non  'l cor mio
59. Dante                                                                71
    Dal ciel discese, e col mortal suo, poi
60. Non sempre al mondo  s pregiato e caro                             72
61. Io mi son caro assai pi ch' io non soglio                           73
62. An Vittoria Colonna                                                  74
    S come per levar, donna, si pone
63. An dieselbe                                                          75
    Ora in sul destro, ora in sul manco piede
64. An dieselbe                                                          76
    Un uomo in una donna, anzi un dio
65. An dieselbe                                                          77
    Da che concetto ha l'arte intera e diva
66. Di pi cose s' attristan ghi occhi miei                              78
67. Non altrimenti contro a s cammina                                   79
68. Or d'un fler diaccio or d'un ardente foco                            80
69. Non pu, signor mio car, la fresca e verde                           81
70. Vivo al peccato, a me morendo vivo                                   82
71. Condotto da molt' anni all' ultim' ore                               83
72. Giunto  gi 'l corso della vita mia                                 84
73. Gl' infiniti pensier miei, d'error pieni                             85
74. Le favole del mondo m'hanno tolto                                    86
75. Carico d'anni e di peccati pieno                                     87
76. Vorrei voler, Signior, quel ch' io non voglio                        88
77. Deh fammiti vedere in ogni loco                                      89
78. Non fur men lieti che turbati e tristi                               90
79. Mentre m'attrista e duol, parte m' caro                             91
80. Scarco d'un' importuna e grave salma                                 92
Briefe Michelangelos                                                 93-131
    An Benedetto Varchi                                                 120
    An Buonarroto                                             101, 104, 109
    An Clemens VII.                                                     110
    An Franz I. von Frankreich                                          118
    An Giorgio Vasari                                    124, 125, 125, 127
    An Giovanni Simone                                              97, 112
    An Giuliano da Sangallo                                              95
    An Lionardo       116, 119, 120, 122, 123, 126, 128, 128, 129, 130, 131
    An Lodovico                                          100, 102, 103, 107
    An Luigi del Riccio                                       113, 114, 114
    An Sebastiano del Piombo                                            111
    An Vittoria Colonna                                            115, 116
Briefe Vittorias an Michelangelo                                    135-138
Anmerkungen zu den Gedichten                                        141-157
Anmerkungen zu den Briefen                                          157-164
Inhaltsverzeichnis                                                  165-169





DAS MUSEUM


Eine Sammlung klassischer Denkmler
der Literatur und Kultur.

I.    Schillers Flucht von Andreas Streicher. 2. Auflage. Elegant gebunden
      2 Mk.

II.   Russlands soziale Zustnde von Alexander Herzen. Aus dem Russischen
      von Malvida von Meysenbug. Elegant gebunden 2 Mk.

III.  Das Liederbuch "Annette" (mit einer Heliogravre von Kthchen
      Schnkopf) von Goethe. Elegant gebunden 1.50 Mk.

IV.   Das Athenum. Eine romantische Zeitschrift von August Wilhelm und
      Friedrich Schlegel. Elegant gebunden 4 Mk.

V.    Napoleon-Briefe. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 Mk., elegant
      gebunden 4.50 Mk.

VI.   Napoleon von Hippolyte Taine. Karton. 2 Mk., elegant gebunden 2.50
      Mk.

VII.  Napoleons Reden und Gesprche. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4
      Mk., elegant gebunden 4.50 Mk.

VIII. Michelangelo, Gedichte und Briefe. Karton. 3 Mk., elegant gebunden
      3.50 Mk.

Jeder Band ist einzeln kuflich.

       *       *       *       *       *

Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.





MODERNE GEISTER


Essays zur Kunst und Literatur.
Herausgeber: Dr. Hans Landsberg.

1.  Ein Jahrhundert deutscher Malerei (1800-1900) von Rudolf Klein. 128
    Seiten mit 4 Vollbildern. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.

2/3. Brahms von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden 2 Mk.

4.  Paul Heyse von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.

5.  Gerhart Hauptmann von Dr. Hans Landsberg. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.

6.  Bernard Shaw von Eduard Bernstein. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.

Weitere Essays ber Strindberg, Frenssen u.a. in Vorbereitung.

       *       *       *       *       *





PAN-BIBLIOTHEK


I.    Das Venusgrtlein. Ein Liederbuch aus der galanten Zeit. Herausg. von
      Dr. Hans Landsberg. 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk.

II/III. Heine-Briefe. Gesammelt und herausg. von Dr. Hans Daffis. 2 Bde. 6
      Mk., elegant gebunden 8 Mk.

       *       *       *       *       *

Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.

Herros & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg





FUSSNOTE


[1] An dieser Stelle sei den Herren Alphons Drr, die den Wiederabdruck der
bertragungen von Sophie Hasenclever gestatteten, der Spemannschen
Verlagshandlung und Herrn Prof. Reinhold Steig (Hermann Grimms
bertragungen), der Schlesischen Verlagsanstalt (Bodenstedt) der
verbindlichste Dank ausgesprochen.



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Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://www.gutenberg.org/about/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://www.gutenberg.org/fundraising/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit:
https://www.gutenberg.org/fundraising/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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