The Project Gutenberg EBook of Der Judenstaat, by Theodor Herzl

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Title: Der Judenstaat
       Versuch einer modernen Lsung der Judenfrage

Author: Theodor Herzl

Release Date: May 18, 2009 [EBook #28865]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                      DER
                  JUDENSTAAT.

                    VERSUCH
                     EINER
         MODERNEN LSUNG DER JUDENFRAGE


                      VON


                 THEODOR HERZL
               DOCTOR DER RECHTE.





             LEIPZIG und WIEN 1896.
     M. BREITENSTEIN'S VERLAGS-BUCHHANDLUNG
         WIEN, IX., WHRINGERSTRASSE 5.




                               Vorrede.


Der Gedanke, den ich in dieser Schrift ausfhre, ist ein uralter. Es ist
die Herstellung des Judenstaates.

Die Welt widerhallt vom Geschrei gegen die Juden, und das weckt den
eingeschlummerten Gedanken auf.

Ich erfinde nichts, das wolle man sich vor Allem und auf jedem Punkte
meiner Ausfhrungen deutlich vor Augen halten. Ich erfinde weder die
geschichtlich gewordenen Zustnde der Juden, noch die Mittel zur
Abhilfe. Die materiellen Bestandtheile des Baues, den ich entwerfe, sind
in der Wirklichkeit vorhanden, sind mit Hnden zu greifen; jeder kann
sich davon berzeugen. Will man also diesen Versuch einer Lsung der
Judenfrage mit einem Worte kennzeichnen, so darf man ihn nicht
Phantasie, sondern hchstens Combination nennen.

Gegen die Behandlung als Utopie muss ich meinen Entwurf zuerst
vertheidigen. Eigentlich bewahre ich damit nur die oberflchlichen
Beurtheiler vor einer Albernheit, die sie begehen knnten. Es wre ja
keine Schande, eine menschenfreundliche Utopie geschrieben zu haben. Ich
knnte mir auch einen leichteren literarischen Erfolg bereiten, wenn ich
fr Leser, die sich unterhalten wollen, diesen Plan in den gleichsam
unverantwortlichen Vortrag eines Romans brchte. Aber das ist keine
solche liebenswrdige Utopie, wie man sie vor und nach Thomas Morus so
hufig producirt hat. Und ich glaube, die Lage der Juden in
verschiedenen Lndern ist arg genug, um einleitende Tndeleien
berflssig zu machen.

Um den Unterschied zwischen meiner Construction und einer Utopie
erkennbar zu machen, whle ich ein interessantes Buch der letzten Jahre:
Freiland von Dr. Theodor Hertzka. Das ist eine sinnreiche
Phantasterei, von einem durchaus modernen, national-konomisch
gebildeten Geist erdacht, und so lebensfern, wie der Aequatorberg, auf
dem dieser Traumstaat liegt. Freiland ist eine complicirte Maschinerie
mit vielen Zhnen und Rdern, die sogar ineinander greifen; aber nichts
beweist mir, dass sie in Betrieb gesetzt werden knne. Und selbst, wenn
ich Freilands-Vereine entstehen sehe, werde ich es fr einen Scherz
halten.

Hingegen enthlt der vorliegende Entwurf die Verwendung einer in der
Wirklichkeit vorkommenden Treibkraft. Die Zhne und Rder der zu
bauenden Maschine deute ich nur an, in aller Bescheidenheit, unter
Hinweis auf meine Unzulnglichkeit und im Vertrauen darauf, dass es
bessere ausfhrende Mechaniker geben wird, als ich einer bin.

Auf die treibende Kraft kommt es an. Und was ist diese Kraft? Die
Judennoth.

Wer wagt zu leugnen, dass diese Kraft vorhanden sei? Wir werden uns
damit im Capitel ber die Grnde des Antisemitismus beschftigen.

Man kannte auch die Dampfkraft, die im Theekessel durch Erhitzung des
Wassers entstand und den Deckel hob. Diese Theekesselerscheinung sind
die zionistischen Versuche und viele andere Formen der Vereinigung zur
Abwehr des Antisemitismus.

Nun sage ich, dass diese Kraft, richtig verwendet, mchtig genug ist,
eine grosse Maschine zu treiben, Menschen und Gter zu befrdern. Die
Maschine mag aussehen, wie man will.

Ich bin im Tiefsten davon berzeugt, dass ich Recht habe -- ich weiss
nicht, ob ich in der Zeit meines Lebens Recht behalten werde. Die ersten
Mnner, welche diese Bewegung beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles
Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das
Glck der innerlichen Freiheit in ihr Dasein.

Um den Entwurf vor dem Verdacht der Utopie zu schtzen, will ich auch
sparsam sein mit malerischen Details der Schilderung. Ich vermuthe
ohnehin, dass gedankenloser Spott durch Zerrbilder des von mir Entworfenen
das Ganze zu entkrften versuchen wird. Ein im Uebrigen gescheiter Jude,
dem ich die Sache vortrug, meinte: das als wirklich dargestellte
zuknftige Detail sei das Merkmal der Utopie. Das ist falsch. Jeder
Finanzminister rechnet in seinem Staatsvoranschlage mit zuknftigen
Ziffern und nicht nur mit solchen, die er aus dem Durchschnitt frherer
Jahre oder aus anderen vergangenen und in anderen Staaten vorkommenden
Ertrgen construirt, sondern auch mit prcedenzlosen Ziffern,
beispielsweise bei Einfhrung einer neuen Steuer. Man muss nie ein Budget
angesehen haben, um das nicht zu wissen. Wird man darum einen
Finanzgesetzentwurf fr eine Utopie halten, selbst wenn man weiss, dass der
Voranschlag nie ganz genau eingehalten werden kann?

Aber ich stelle noch hrtere Zumuthungen an meine Leser. Ich verlange
von den Gebildeten, an die ich mich wende, ein Umdenken und Umlernen
mancher alten Vorstellung. Und gerade den besten Juden, die sich um die
Lsung der Judenfrage thtig bemht haben, muthe ich zu, ihre bisherigen
Versuche als verfehlt und unwirksam anzusehen.

In der Darstellung der Idee habe ich mit einer Gefahr zu kmpfen. Wenn
ich all' die in der Zukunft liegenden Dinge zurckhaltend sage, wird es
scheinen, als glaubte ich selbst nicht an ihre Mglichkeit. Wenn ich
dagegen die Verwirklichung vorbehaltlos ankndige, wird Alles vielleicht
wie ein Hirngespinst aussehen.

Darum sage ich deutlich und fest: ich glaube an die Mglichkeit der
Ausfhrung, wenn ich mich auch nicht vermesse, die endgiltige Form des
Gedankens gefunden zu haben. Der Judenstaat ist ein Weltbedrfniss,
folglich wird er entstehen.

Von irgend einem Einzelnen betrieben, wre es eine recht verrckte
Geschichte -- aber wenn viele Juden gleichzeitig darauf eingehen, ist es
vollkommen vernnftig, und die Durchfhrung bietet keine nennenswerthen
Schwierigkeiten. Die Idee hngt nur von der Zahl ihrer Anhnger ab.
Vielleicht werden unsere aufstrebenden jungen Leute, denen jetzt schon
alle Wege versperrt sind, und denen sich im Judenstaate die sonnige
Aussicht auf Ehre, Freiheit und Glck erffnet, die Verbreitung der Idee
besorgen.

Ich selbst halte meine Aufgabe mit der Publication dieser Schrift fr
erledigt. Ich werde das Wort nur noch nehmen, wenn Angriffe
beachtenswerther Gegner mich dazu zwingen, oder wenn es gilt,
unvorhergesehene Einwnde zu widerlegen, Irrthmer zu beseitigen.

Ist das, was ich sage, heute noch nicht richtig? Bin ich meiner Zeit
voraus? Sind die Leiden der Juden noch nicht gross genug? Wir werden
sehen.

Es hngt also von den Juden selbst ab, ob diese Staatsschrift vorlufig
nur ein Staatsroman ist. Wenn die jetzige Generation noch zu dumpf ist,
wird eine andere, hhere, bessere kommen. Die Juden, die wollen, werden
ihren Staat haben und sie werden ihn verdienen.




                             Einleitung.


Die volkswirthschaftliche Einsicht von Mnnern, die mitten im
praktischen Leben stehen, ist oft verblffend gering. Nur so lsst sich
erklren, dass auch Juden das Schlagwort der Antisemiten glubig
nachsagen: wir lebten von den Wirthsvlkern, und wenn wir kein
Wirthsvolk um uns htten, mssten wir verhungern. Das ist einer der
Punkte, auf denen sich die Schwchung unseres Selbstbewusstseins durch
die ungerechten Anklagen zeigt. Wie verhlt es sich mit dem
Wirthsvolklichen in Wahrheit? Soweit das nicht die alte
physiokratische Beschrnktheit enthlt, beruht es auf dem kindlichen
Irrthum, dass im Gterleben immer dieselben Sachen rundlaufen. Nun
mssen wir nicht erst, wie Rip van Winkle, aus vieljhrigem Schlafe
erwachen, um zu erkennen, dass die Welt sich durch das unaufhrliche
Entstehen neuer Gter verndert. In unserer vermge der technischen
Fortschritte wunderbaren Zeit sieht auch der geistig Aermste mit seinen
verklebten Augen rings um sich her neue Gter auftauchen. Der
Unternehmungsgeist hat sie geschaffen.

Die Arbeit ohne Unternehmungsgeist ist die stationre, alte; ihr
typisches Beispiel die des Ackerbauers, der noch genau dort steht, wo
sein Urvater vor tausend Jahren stand. Alle materielle Wohlfahrt ist
durch Unternehmer verwirklicht worden. Man schmt sich beinahe, eine
solche Banalitt niederzuschreiben. Selbst wenn wir also ausschliesslich
Unternehmer wren -- wie die thrichte Uebertreibung behauptet --
brauchten wir kein Wirthsvolk. Wir sind nicht auf einen Rundlauf immer
gleicher Gter angewiesen, weil wir neue Gter erzeugen.

Wir haben Arbeitssclaven von unerhrter Kraft, deren Erscheinen in der
Culturwelt eine tdliche Concurrenz fr die Handarbeit war: das sind die
Maschinen. Wohl braucht man auch Arbeiter, um die Maschinen in Bewegung
zu setzen; aber fr diese Erfordernisse haben wir Menschen genug, zu viel.
Nur wer die Zustnde der Juden in vielen Gegenden des stlichen Europa
nicht kennt, wird zu behaupten wagen, dass die Juden zur Handarbeit
untauglich oder unwillig seien.

Aber ich will in dieser Schrift keine Vertheidigung der Juden vornehmen.
Sie wre nutzlos. Alles Vernnftige und sogar alles Sentimentale ist
ber diesen Gegenstand schon gesagt worden. Nun gengt es nicht, die
treffenden Grnde fr Verstand und Gemth zu finden; die Hrer mssen
zuerst fhig sein zu begreifen, sonst ist man ein Prediger in der Wste.
Sind aber die Hrer schon so weit, so hoch, dann ist die ganze Predigt
berflssig. Ich glaube an das Aufsteigen der Menschen zu immer hheren
Graden der Gesittung, nur halte ich es fr ein verzweifelt langsames.
Wollten wir warten, bis sich der Sinn auch der mittleren Menschen zur
Milde abklrt, die Lessing hatte, als er Nathan den Weisen schrieb, so
knnte darber unser Leben und das unserer Shne, Enkel, Urenkel
vergehen. Da kommt uns der Weltgeist von einer andern Seite zu Hilfe.

Dieses Jahrhundert hat uns eine kstliche Renaissance gebracht durch die
technischen Errungenschaften. Nur fr die Menschlichkeit ist dieser
mrchenhafte Fortschritt noch nicht verwendet. Die Entfernungen der
Erdoberflche sind berwunden, und dennoch qulen wir uns ab mit Leiden
der Enge. Schnell und gefahrlos jagen wir jetzt in riesigen Dampfern
ber frher unbekannte Meere. Sichere Eisenbahnen fhren wir hinauf in
eine Bergwelt, die man ehemals mit Angst zu Fuss bestieg. Die Vorgnge
in Lndern, die noch gar nicht entdeckt waren, als Europa die Juden in
Ghetti sperrte, sind uns in der nchsten Stunde bekannt. Darum ist die
Judennoth ein Anachronismus -- und nicht weil es schon vor hundert
Jahren eine Aufklrungszeit gab, die in Wirklichkeit nur fr die
vornehmsten Geister bestand.

Nun meine ich, dass das elektrische Licht durchaus nicht erfunden wurde,
damit einige Snobs ihre Prunkgemcher beleuchten, sondern damit wir bei
seinem Scheine die Fragen der Menschheit lsen. Eine, und nicht die
unbedeutendste, ist die Judenfrage. Indem wir sie lsen, handeln wir
nicht nur fr uns selbst, sondern auch fr viele andere Mhselige und
Beladene.

Die Judenfrage besteht. Es wre thricht sie zu leugnen. Sie
ist ein verschlepptes Stck Mittelalter, mit dem die Culturvlker auch
heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten. Den
grossmthigen Willen zeigten sie ja, als sie uns emancipirten. Die
Judenfrage besteht berall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie
nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir
ziehen natrlich dahin, wo man uns nicht verfolgt; durch unser
Erscheinen entsteht dann die Verfolgung. Das ist wahr, muss wahr
bleiben, berall, selbst in hochentwickelten Lndern -- Beweis
Frankreich -- so lange die Judenfrage nicht politisch gelst ist. Die
armen Juden tragen jetzt den Antisemitismus nach England, sie haben ihn
schon nach Amerika gebracht.

Ich glaube, den Antisemitismus, der eine vielfach complicirte Bewegung
ist, zu verstehen. Ich betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Hass
und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was im Antisemitismus roher Scherz,
gemeiner Brotneid, angeerbtes Vorurtheil, religise Unduldsamkeit --
aber auch was darin vermeintliche Nothwehr ist. Ich halte die Judenfrage
weder fr eine sociale, noch fr eine religise, wenn sie sich auch noch
so und anders frbt. Sie ist eine nationale Frage, und um sie zu lsen,
mssen wir sie vor Allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im
Rathe der Culturvlker zu regeln sein wird.

Wir sind ein Volk, Ein Volk.

Wir haben berall ehrlich versucht, in der uns umgebenden
Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Vter zu
bewahren. Man lsst es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen
Orten sogar berschwngliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben
Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbrger, vergebens bemhen wir uns
den Ruhm unserer Vaterlnder in Knsten und Wissenschaften, ihren
Reichthum durch Handel und Verkehr zu erhhen. In unseren Vaterlndern,
in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als
Fremdlinge ausgeschrieen; oft von Solchen, deren Geschlechter noch nicht
im Lande waren, als unsere Vter da schon seufzten. Wer der Fremde im
Lande ist, das kann die Mehrheit entscheiden; es ist eine Machtfrage,
wie Alles im Vlkerverkehre. Ich gebe nichts von unserem ersessenen
guten Recht preis, wenn ich das als ohnehin mandatloser Einzelner sage.
Im jetzigen Zustande der Welt und wohl noch in unabsehbarer Zeit geht
Macht vor Recht. Wir sind also vergebens berall brave Patrioten, wie es
die Hugenotten waren, die man zu wandern zwang. Wenn man uns in Ruhe
liesse ...

Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen.

Durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu vertilgen. Kein Volk der
Geschichte hat solche Kmpfe und Leiden ausgehalten wie wir. Die
Judenhetzen haben immer nur unsere Schwchlinge zum Abfall bewogen. Die
starken Juden kehren trotzig zu ihrem Stamme heim, wenn die Verfolgungen
ausbrechen. Man hat das deutlich in der Zeit unmittelbar nach der
Judenemancipation sehen knnen. Den geistig und materiell hherstehenden
Juden kam das Gefhl der Zusammengehrigkeit gnzlich abhanden. Bei
einiger Dauer des politischen Wohlbefindens, assimiliren wir uns
berall; ich glaube, das ist nicht unrhmlich. Der Staatsmann, der fr
seine Nation den jdischen Raceneinschlag wnscht, msste daher fr die
Dauer unseres politischen Wohlbefindens sorgen. Und selbst ein Bismarck
vermchte das nicht.

Denn tief im Volksgemth sitzen alte Vorurtheile gegen uns. Wer sich
davon Rechenschaft geben will, braucht nur dahin zu horchen, wo das Volk
sich aufrichtig und einfach ussert: das Mrchen und das Sprichwort sind
antisemitisch. Das Volk ist berall ein grosses Kind, das man freilich
erziehen kann; doch diese Erziehung wrde im gnstigsten Falle so
ungeheure Zeitrume erfordern, dass wir uns, wie ich schon sagte, vorher
lngst auf andere Weise knnen geholfen haben.

Die Assimilirung, worunter ich nicht etwa nur Aeusserlichkeiten der
Kleidung, gewisser Lebensgewohnheiten, Gebruche und der Sprache,
sondern ein Gleichwerden in Sinn und Art verstehe, die Assimilirung der
Juden knnte berall nur durch die Mischehe erzielt werden. Diese msste
aber von der Mehrheit als Bedrfniss empfunden werden; es gengt
keineswegs, die Mischehe gesetzlich als zulssig zu erklren. Die
ungarischen Liberalen, die das jetzt gethan haben, befinden sich in
einem bemerkenswerthen Irrthum. Und diese doctrinr eingerichtete
Mischehe wurde durch einen der ersten Flle gut illustrirt: ein
getaufter Jude heiratete eine Jdin. Der Kampf um die jetzige Form der
Eheschliessung hat aber die Gegenstze zwischen Christen und Juden in
Ungarn vielfach verschrft und dadurch der Racenvermischung mehr
geschadet als gentzt. Wer den Untergang der Juden durch Vermischung
wirklich wnscht, kann dafr nur eine Mglichkeit sehen. Die Juden
mssten vorher so viel konomische Macht erlangen, dass dadurch das alte
gesellschaftliche Vorurtheil berwunden wrde. Das Beispiel liefert die
Aristokratie, in der die Mischehen verhltnissmssig am hufigsten
vorkommen. Der alte Adel lsst sich mit Judengeld neu vergolden, und
dabei werden jdische Familien resorbirt. Aber wie wrde sich diese
Erscheinung in den mittleren Schichten gestalten, wo die Judenfrage
ihren Hauptsitz hat, weil die Juden ein Mittelstandsvolk sind? Da wre
die vorher nthige Erlangung der Macht gleichbedeutend mit der
wirthschaftlichen Alleinherrschaft der Juden, die ja schon jetzt
flschlich behauptet wird. Und wenn schon die jetzige Macht der Juden
solche Wuth- und Nothschreie der Antisemiten hervorruft, welche
Ausbrche kmen erst durch das weitere Wachsen dieser Macht. Eine solche
Vorstufe der Resorption kann nicht erreicht werden; denn es wre die
Unterjochung der Majoritt durch eine noch vor kurzem verachtete
Minoritt, die nicht im Besitze der kriegerischen oder administrativen
Gewalt ist. Ich halte deshalb die Resorption der Juden auch auf dem Wege
des Gedeihens fr unwahrscheinlich. In den derzeit antisemitischen
Lndern wird man mir beipflichten. In den anderen, wo sich die Juden
augenblicklich wohlbefinden, werden meine Stammesgenossen meine
Behauptungen vermuthlich auf das heftigste bestreiten. Sie werden mir
erst glauben, bis sie wieder von der Judenhetze heimgesucht sind. Und je
lnger der Antisemitismus auf sich warten lsst, umso grimmiger muss er
ausbrechen. Die Infiltration hinwandernder, von der scheinbaren
Sicherheit angezogener Juden, sowie die aufsteigende Classenbewegung der
autochthonen Juden wirken dann gewaltig zusammen und drngen zu einem
Umsturz. Nichts ist einfacher, als dieser Vernunftschluss.

Dass ich ihn aber unbekmmert und nur der Wahrheit folgend ziehe, wird
mir voraussichtlich den Widerspruch, die Feindschaft der in gnstigen
Verhltnissen lebenden Juden eintragen. Soweit es nur Privatinteressen
sind, deren Trger sich aus Beschrnktheit oder Feigheit bedroht fhlen,
knnte man mit lachender Verachtung darber hinweggehen. Denn die Sache
der Armen und Bedrckten ist wichtiger. Ich will jedoch von vorneherein
keine unrichtigen Vorstellungen aufkommen lassen; namentlich die nicht,
dass wenn jemals dieser Plan verwirklicht wrde, die besitzenden Juden
an Hab und Gut geschdigt werden knnten. Darum will ich das
Vermgensrechtliche ausfhrlich erklren. Kommt hingegen der ganze
Gedanke nicht ber die Literatur hinaus, so bleibt ja ohnehin alles beim
Alten.

Ernster wre der Einwand, dass ich den Antisemiten zu Hilfe komme, wenn
ich uns ein Volk, Ein Volk nenne. Dass ich die Assimilirung der Juden,
wo sie sich vollziehen will, hindere, und wo sie sich vollzogen hat,
nachtrglich gefhrde, soweit ich als einsamer Schriftsteller berhaupt
etwas zu hindern oder zu gefhrden vermag.

Dieser Einwand wird namentlich in Frankreich hervorkommen. Ich erwarte
ihn auch an anderen Orten, will aber nur den franzsischen Juden im
voraus antworten, weil sie das strkste Beispiel liefern.

Wie sehr ich auch die Persnlichkeit verehre, die starke
Einzelpersnlichkeit des Staatsmannes, Erfinders, Knstlers, Philosophen
oder Feldherrn sowohl, als die Gesammtpersnlichkeit einer historischen
Gruppe von Menschen, die wir Volk nennen, wie sehr ich auch die
Persnlichkeit verehre, beklage ich doch nicht ihren Untergang. Wer
untergehen kann, will und muss, der soll untergehen. Die
Volkspersnlichkeit der Juden kann, will und muss aber nicht untergehen.
Sie kann nicht, weil ussere Feinde sie zusammenhalten. Sie will nicht,
das hat sie in zwei Jahrtausenden unter ungeheuren Leiden bewiesen. Sie
muss nicht, das versuche ich in dieser Schrift nach vielen anderen
Juden, welche die Hoffnung nicht aufgaben, darzuthun. Ganze Aeste des
Judenthumes knnen absterben, abfallen; der Baum lebt.

Wenn nun alle oder einige franzsische Juden gegen diesen Entwurf
protestiren, weil sie sich bereits assimilirt htten, so ist meine
Antwort einfach: Die ganze Sache geht sie nichts an. Sie sind
israelitische Franzosen, vortrefflich! Dies ist jedoch eine innere
Angelegenheit der Juden.

Nun wrde allerdings die staatbildende Bewegung, die ich vorschlage, den
israelitischen Franzosen ebensowenig schaden, wie den Assimilirten
anderer Lnder. Ntzen wrde sie ihnen im Gegentheile, ntzen! Denn sie
wren in ihrer chromatischen Function, um Darwin's Wort zu gebrauchen,
nicht mehr gestrt. Sie knnten sich ruhig assimiliren, weil der jetzige
Antisemitismus fr immer zum Stillstand gebracht wre. Man wrde es
ihnen auch glauben, dass sie bis in's Innerste ihrer Seele assimilirt
sind, wenn der neue Judenstaat mit seinen besseren Einrichtungen zur
Wahrheit geworden ist, und sie dennoch bleiben, wo sie jetzt wohnen.

Noch mehr Vortheil als die christlichen Brger wrden die Assimilirten
von der Entfernung der stammestreuen Juden haben. Denn die Assimilirten
werden die beunruhigende, unberechenbare, unvermeidliche Concurrenz des
jdischen Proletariats los, das durch politischen Druck und
wirthschaftliche Noth von Ort zu Ort, von Land zu Land geworfen wird.
Dieses schwebende Proletariat wrde festgemacht werden. Jetzt knnen
manche christliche Staatsbrger -- man nennt sie Antisemiten -- sich
gegen die Einwanderung fremder Juden struben. Die israelitischen
Staatsbrger knnen das nicht, obwohl sie viel schwerer betroffen sind;
denn auf sie drckt zunchst der Wettbewerb gleichartiger
wirthschaftlicher Individuen, die zudem auch noch den Antisemitismus
importiren oder den vorhandenen verschrfen. Es ist ein heimlicher
Jammer der Assimilirten, der sich in wohlthtigen Unternehmungen Luft
macht. Sie grnden Auswanderungsvereine fr zureisende Juden. Diese
Erscheinung enthlt einen Gegensinn, den man komisch finden knnte, wenn
es sich nicht um leidende Menschen handelte. Einzelne dieser
Untersttzungsvereine sind nicht fr, sondern gegen die verfolgten Juden
da. Die Aermsten sollen nur recht schnell, recht weit weggeschafft
werden. Und so entdeckt man bei aufmerksamer Betrachtung, dass mancher
scheinbare Judenfreund nur ein als Wohlthter verkleideter Antisemit
jdischen Ursprungs ist.

Aber selbst die Colonisirungsversuche wirklich wohlmeinender Mnner
haben sich bisher nicht bewhrt, obwohl es interessante Versuche waren.
Ich glaube nicht, dass es sich Dem oder Jenem nur um einen Sport
gehandelt habe; dass Der oder Jener arme Juden wandern liess, wie man
Pferde rennen lsst. Dazu ist die Sache denn doch zu ernst und traurig.
Interessant waren diese Versuche insofern, als sie im Kleinen die
praktischen Vorlufer der Judenstaats-Idee vorstellten. Und sogar
ntzlich waren sie insofern, als dabei Fehler gemacht wurden, aus denen
man bei einer Verwirklichung im Grossen lernen kann. Freilich ist durch
diese Versuche auch Schaden gestiftet worden. Die Verpflanzung des
Antisemitismus nach neuen Gegenden, welche die nothwendige Folge einer
solchen knstlichen Infiltration ist, halte ich noch fr den geringsten
Nachtheil. Schlimmer ist, dass die ungengenden Ergebnisse bei den Juden
selbst Zweifel an der Brauchbarkeit des jdischen Menschenmaterials
hervorriefen. Diesem Zweifel wird aber bei den Verstndigen durch
folgende einfache Argumentation beizukommen sein: Was im Kleinen
unzweckmssig oder undurchfhrbar ist, muss es noch nicht im Grossen
sein. Ein kleines Unternehmen kann unter denselben Bedingungen Verlust
bringen, unter denen ein grosses sich rentirt. Ein Bach ist nicht einmal
mit Khnen schiffbar; der Fluss, in den er sich ergiesst, trgt
stattliche eiserne Fahrzeuge.

Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach
einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat
wohl eine solche Gewalt. Die Juden haben die ganze Nacht ihrer
Geschichte hindurch nicht aufgehrt, diesen kniglichen Traum zu
trumen: Ueber's Jahr in Jerusalem! ist unser altes Wort. Nun handelt
es sich darum, zu zeigen, dass aus dem Traum ein tagheller Gedanke
werden kann.

Dazu muss vor Allem in den Seelen tabula rasa gemacht werden von
mancherlei alten, berholten, verworrenen, beschrnkten Vorstellungen.
So werden dumpfe Gehirne zunchst meinen, dass die Wanderung aus der
Cultur hinaus in die Wste gehen msse. Nicht wahr! Die Wanderung
vollzieht sich mitten in der Cultur. Man kehrt nicht auf eine niedrigere
Stufe zurck, sondern ersteigt eine hhere. Man bezieht keine Lehmhtten,
sondern schnere, modernere Huser, die man sich neu baut und ungefhrdet
besitzen darf. Man verliert nicht sein erworbenes Gut, sondern verwerthet
es. Man gibt sein gutes Recht nur auf gegen ein besseres. Man trennt sich
nicht von seinen lieben Gewohnheiten, sondern findet sie wieder. Man
verlsst das alte Haus nicht, bevor das neue fertig ist. Es ziehen immer
nur diejenigen, die sicher sind, ihre Lage dadurch zu verbessern. Erst die
Verzweifelten, dann die Armen, dann die Wohlhabenden, dann die Reichen.
Die Vorangegangenen erheben sich in die hhere Schichte, bis diese
letztere ihre Angehrigen nachschickt. Die Wanderung ist zugleich eine
aufsteigende Classenbewegung.

Und hinter den abziehenden Juden entstehen keine wirthschaftlichen
Strungen, keine Krisen und Verfolgungen, sondern es beginnt eine
Periode der Wohlfahrt fr die verlassenen Lnder. Es tritt eine innere
Wanderung der christlichen Staatsbrger in die aufgegebenen Positionen
der Juden ein. Der Abfluss ist ein allmliger, ohne jede Erschtterung,
und schon sein Beginn ist das Ende des Antisemitismus. Die Juden
scheiden als geachtete Freunde, und wenn Einzelne dann zurckkommen,
wird man sie in den civilisirten Lndern genau so wohlwollend aufnehmen
und behandeln, wie andere fremde Staatsangehrige. Diese Wanderung ist
auch keine Flucht, sondern ein geordneter Zug unter der Controle der
ffentlichen Meinung. Die Bewegung ist nicht nur mit vollkommen
gesetzlichen Mitteln einzuleiten, sie kann berhaupt nur durchgefhrt
werden unter freundlicher Mitwirkung der betheiligten Regierungen, die
davon wesentliche Vortheile haben.

Fr die Reinheit der Idee und die Kraft ihrer Ausfhrung sind
Brgschaften nthig, die sich nur in sogenannten moralischen oder
juristischen Personen finden lassen. Ich will diese beiden
Bezeichnungen, die in der Juristensprache hufig verwechselt werden,
auseinanderhalten. Als moralische Person, welche Subject von Rechten
ausserhalb der Privat-Vermgenssphre ist, stelle ich die Society of
Jews auf. Daneben steht die juristische Person der Jewish Company, die
ein Erwerbswesen ist.

Der Einzelne, der auch nur Miene machte, ein solches Riesenwerk zu
unternehmen, knnte ein Betrger oder ein Wahnsinniger sein. Fr die
Reinheit der moralischen Person brgt der Charakter ihrer Mitglieder.
Die ausreichende Kraft der juristischen Person ist erwiesen durch ihr
Capital.

         *         *         *         *         *

Durch die bisherigen Vorbemerkungen wollte ich nur in aller Eile den
ersten Schwarm von Einwendungen abwehren, den schon das Wort
Judenstaat hervorrufen muss. Von hier weiter wollen wir uns mit mehr
Ruhe auseinandersetzen, andere Einwnde bekmpfen und manches schon
Angedeutete grndlicher ausfhren, wenn auch die Schwerflligkeit im
Interesse der Schrift, die fliegen soll, nach Mglichkeit zu vermeiden
sein wird. Kurze aphoristische Capitel dienen einem solchen Zweck wohl
am besten.

Wenn ich an die Stelle eines alten Baues einen neuen setzen will, muss
ich zuerst demoliren und dann construiren. Diese vernnftige Reihenfolge
werde ich also einhalten. Zuerst im allgemeinen Theil sind die Begriffe
zu klren, dumpfe alte Vorstellungen hinwegzurumen, die politischen und
nationalkonomischen Vorbedingungen festzustellen und der Plan zu
entwickeln.

Im besonderen Theil, der in drei Hauptabschnitte zerfllt, ist die
Ausfhrung darzustellen. Diese Hauptabschnitte sind: Jewish Company,
Ortsgruppen und Society of Jews. Die Society soll zwar zuerst entstehen,
und die Company zuletzt; aber im Entwurf empfiehlt sich die umgekehrte
Ordnung, weil gegen die finanzielle Durchfhrbarkeit sich die grssten
Bedenken erheben werden, die also zunchst zu widerlegen sind.

Im Schlusswort wird dann den noch brigen vermuthbaren Einwendungen ein
letztes Treffen zu liefern sein. Meine jdischen Leser mgen mir
geduldig bis an's Ende folgen. Bei Manchem werden die Einwendungen in
anderer Reihenfolge entstehen, als in der hier gewhlten der
Widerlegung. Wessen Bedenken aber vernnftig besiegt sind, der soll sich
zur Sache bekennen.

Indem ich nun zur Vernunft spreche, weiss ich dennoch wohl, dass die
Vernunft allein nicht gengt. Alte Gefangene gehen nicht gern aus dem
Kerker. Wir werden sehen, ob uns schon die Jugend, die wir brauchen,
nachgewachsen ist; die Jugend, welche die Alten mitreisst, auf starken
Armen hinaustrgt und die Vernunftgrnde umsetzt in Begeisterung.




                          Allgemeiner Theil.


Die Judenfrage.

Die Nothlage der Juden wird niemand leugnen. In allen Lndern, wo sie in
merklicher Anzahl leben, werden sie mehr oder weniger verfolgt. Die
Gleichberechtigung ist zu ihren Ungunsten fast berall thatschlich
aufgehoben, wenn sie im Gesetze auch existirt. Schon die mittelhohen
Stellen im Heer, in ffentlichen und privaten Aemtern sind ihnen
unzugnglich. Man versucht sie aus dem Geschftsverkehr hinauszudrngen:
Kauft nicht bei Juden!

Die Angriffe in Parlamenten, Versammlungen, Presse, auf Kirchenkanzeln,
auf der Strasse, auf Reisen -- Ausschliessung aus gewissen Hotels -- und
selbst an Unterhaltungsorten mehren sich von Tag zu Tag. Die
Verfolgungen haben verschiedenen Charakter nach Lndern und
Gesellschaftskreisen. In Russland werden Judendrfer gebrandschatzt, in
Rumnien erschlgt man ein paar Menschen, in Deutschland prgelt man sie
gelegentlich durch, in Oesterreich terrorisiren die Antisemiten das
ganze ffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in
Paris knpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles
schliessen sich gegen die Juden ab. Die Nuancen sind zahllos. Es soll
hier brigens nicht eine wehleidige Aufzhlung aller jdischen
Beschwerden versucht werden. Wir wollen uns nicht bei Einzelheiten
aufhalten, wie schmerzlich sie auch seien.

Ich beabsichtige nicht, eine gerhrte Stimmung fr uns hervorzurufen.
Das ist Alles faul, vergeblich und unwrdig. Ich begnge mich, die Juden
zu fragen, ob es wahr ist, dass in den Lndern, wo wir in merklicher
Anzahl wohnen, die Lage der jdischen Advocaten, Aerzte, Techniker,
Lehrer und Angestellten aller Art immer unertrglicher wird? Ob es
wahr, dass unser ganzer jdischer Mittelstand schwer bedroht ist? Ob es
wahr, dass gegen unsere Reichen alle Leidenschaften des Pbels gehetzt
werden? Ob es wahr, dass unsere Armen viel hrter leiden, als jedes
andere Proletariat?

Ich glaube, der Druck ist berall vorhanden. In den wirthschaftlich
obersten Schichten der Juden bewirkt er ein Unbehagen. In den mittleren
Schichten ist es eine schwere, dumpfe Beklommenheit. In den unteren ist
es die nackte Verzweiflung.

Thatsache ist, dass es berall auf dasselbe hinausgeht und es lsst sich
im classischen Berliner Rufe zusammenfassen: Juden raus!

Ich werde nun die Judenfrage in ihrer knappsten Form ausdrcken: Mssen
wir schon raus? und wohin?

Oder knnen wir noch bleiben? und wie lange?

Erledigen wir zuerst die Frage des Bleibens. Knnen wir auf bessere
Zeiten hoffen, uns in Geduld fassen, mit Gottergebung abwarten, dass die
Frsten und Vlker der Erde in eine fr uns gndigere Stimmung gerathen?
Ich sage, wir knnen keinen Umschwung der Strmung erwarten. Warum? Die
Frsten -- selbst wenn wir ihrem Herzen ebenso nahe stehen, wie die
anderen Brger -- knnen uns nicht schtzen. Sie wrden den Judenhass
indossiren, wenn sie den Juden zuviel Wohlwollen bezeigten. Und unter
diesem zuviel ist weniger zu verstehen, als worauf jeder gewhnliche
Brger oder jeder Volksstamm Anspruch hat.

Die Vlker, bei denen Juden wohnen, sind alle sammt und sonders,
verschmt oder unverschmt Antisemiten.

Das gewhnliche Volk hat kein historisches Verstndniss und kann keines
haben. Es weiss nicht, dass die Snden des Mittelalters jetzt an den
europischen Vlkern heimkommen. Wir sind, wozu man uns in den Ghetti
gemacht hat. Wir haben zweifellos eine Ueberlegenheit im Geldgeschfte
erlangt, weil man uns im Mittelalter darauf geworfen hat. Jetzt
wiederholt sich der gleiche Vorgang. Man drngt uns wieder in's
Geldgeschft, das jetzt Brse heisst, indem man uns alle anderen
Erwerbszweige abbindet. Sind wir aber in der Brse, so wird das wieder
zur neuen Quelle unserer Verchtlichkeit. Dabei produciren wir rastlos
mittlere Intelligenzen, die keinen Abfluss haben und dadurch eine
ebensolche Gesellschaftsgefahr sind, wie die wachsenden Vermgen. Die
gebildeten und besitzlosen Juden fallen jetzt alle dem Socialismus zu.
Die sociale Schlacht msste also jedenfalls auf unserem Rcken
geschlagen werden, weil wir im capitalistischen wie im socialistischen
Lager auf den exponirtesten Punkten stehen.


Bisherige Versuche der Lsung.

Die knstlichen Mittel, die man bisher zur Ueberwindung des
Judennothstandes aufwandte, waren entweder zu kleinlich -- wie die
verschiedenen Colonisirungen -- oder falsch gedacht, wie die Versuche,
die Juden in ihrer jetzigen Heimat zu Bauern zu machen.

Was ist denn damit gethan, wenn man ein paar tausend Juden in eine
andere Gegend bringt? Entweder sie gedeihen, und dann entsteht mit ihrem
Vermgen der Antisemitismus -- oder sie gehen gleich zu Grunde. Mit den
bisherigen Versuchen der Ableitung armer Juden nach anderen Lndern
haben wir uns schon vorhin beschftigt. Die Ableitung ist jedenfalls
ungengend und zwecklos, wenn nicht geradezu zweckwidrig. Die Lsung
wird dadurch nur vertagt, verschleppt und vielleicht sogar erschwert.

Wer aber die Juden zu Ackerbauern machen will, der ist in einem
wunderlichen Irrthume begriffen. Der Bauer ist nmlich eine historische
Kategorie und man erkennt das am besten an seiner Tracht, die in
den meisten Lndern Jahrhunderte alt ist, sowie an seinen
Werkgerthschaften, die genau dieselben sind, wie zu Urvterzeiten. Sein
Pflug ist noch so, er st aus der Schrze, mht mit der geschichtlichen
Sense und drischt mit dem Flegel. Wir wissen aber, dass es jetzt fr
all' das Maschinen gibt. Die Agrarfrage ist auch nur eine
Maschinenfrage. Amerika muss ber Europa siegen, sowie der
Grossgrundbesitz den kleinen vertilgt.

Der Bauer ist also eine auf den Aussterbeetat gesetzte Figur. Wenn man
den Bauer knstlich conservirt, so geschieht es wegen der politischen
Interessen, denen er zu dienen hat. Neue Bauern nach dem alten Recept
machen zu wollen, ist ein unmgliches und thrichtes Beginnen. Niemand
ist reich oder stark genug, die Cultur gewaltsam zurckzuschrauben.
Schon das Erhalten veralteter Culturzustnde ist eine ungeheuere
Aufgabe, fr die alle Machtmittel selbst des autokratisch geleiteten
Staates kaum ausreichen.

Will man also dem Juden, der intelligent ist, zumuthen, ein Bauer alten
Schlages zu werden? Das wre gerade so, wie wenn man dem Juden sagte:
Da hast Du eine Armbrust, zieh' in den Krieg! -- Was? mit einer
Armbrust, wenn die Anderen Kleinkaliber-Gewehre und Krupp'sche Kanonen
haben? Die Juden, die man verbauern will, haben vollkommen Recht, wenn
sie sich unter solchen Umstnden nicht vom Flecke rhren. Die Armbrust
ist eine schne Waffe und sie stimmt mich elegisch, wenn ich Zeit habe.
Aber sie gehrt in's Museum.

Nun gibt es freilich Gegenden, wo die verzweifelten Juden sogar aufs
Feld gehen oder doch gehen mchten. Und da zeigt sich, dass diese Punkte
-- wie die Enclave von Hessen in Deutschland und manche Provinzen
Russlands -- gerade die Hauptnester des Antisemitismus sind.

Denn die Weltverbesserer, die den Juden ackern schicken, vergessen eine
sehr wichtige Person, die sehr viel dreinzureden hat. Und das ist der
Bauer. Auch der Bauer hat vollkommen Recht. Grundsteuer, Erntegefahr,
Druck der Grossbesitzer, die billiger arbeiten und besonders die
amerikanische Concurrenz machen ihm das Leben sauer genug. Dazu knnen
die Kornzlle nicht in's Endlose wachsen. Man kann den Fabriksarbeiter
doch auch nicht verhungern lassen; man muss, weil sein politischer
Einfluss im Steigen ist, sogar immer mehr Rcksicht auf ihn nehmen.

Alle diese Schwierigkeiten sind wohlbekannt, ich erwhne sie daher nur
flchtig. Ich wollte lediglich andeuten, wie werthlos die bisherigen in
bewusster Absicht -- in den meisten Fllen auch in lblicher Absicht --
gemachten Versuche der Lsung waren. Weder die Ableitung, noch die
knstliche Herabdrckung des geistigen Niveaus in unserem Proletariat
kann helfen. Das Wundermittel der Assimilirung haben wir schon errtert.

So ist dem Antisemitismus nicht beizukommen. Er kann nicht behoben
werden, so lange seine Grnde nicht behoben sind. Sind diese aber
behebbar?


Grnde des Antisemitismus.

Wir sprechen jetzt nicht mehr von den Gemthsgrnden, alten Vorurtheilen
und Bornirtheiten, sondern von den politischen und wirthschaftlichen
Grnden. Unser heutiger Antisemitismus darf nicht mit dem religisen
Judenhasse frherer Zeiten verwechselt werden, wenn der Judenhass auch
in einzelnen Lndern noch jetzt eine confessionelle Frbung hat. Der
grosse Zug der judenfeindlichen Bewegung ist heute ein anderer. In den
Hauptlndern des Antisemitismus ist dieser eine Folge der
Juden-Emancipation. Als die Culturvlker die Unmenschlichkeit der
Ausnahmegesetze einsahen und uns freiliessen, kam die Freilassung zu
spt. Wir waren gesetzlich in unseren bisherigen Wohnsitzen nicht mehr
emancipirbar. Wir hatten uns im Ghetto merkwrdigerweise zu einem
Mittelstandsvolk entwickelt und kamen als eine frchterliche Concurrenz
fr den Mittelstand heraus. So standen wir nach der Emancipation
pltzlich im Ringe der Bourgeoisie und haben da einen doppelten Druck
auszuhalten, von innen und von aussen. Die christliche Bourgeoisie wre
wohl nicht abgeneigt, uns dem Socialismus als Opfer hinzuwerfen;
freilich wrde das wenig helfen.

Dennoch kann man die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden, wo sie
besteht, nicht mehr aufheben. Nicht nur weil es gegen das moderne
Bewusstsein wre, sondern auch, weil das sofort alle Juden, Arm und
Reich, den Umsturzparteien zujagen wrde.

Man kann eigentlich nichts Wirksames gegen uns thun. Frher nahm man den
Juden ihre Juwelen weg. Wie will man heute das bewegliche Vermgen
fassen? Es ruht in bedruckten Papierstcken, die irgendwo in der Welt,
vielleicht in christlichen Cassen, eingesperrt sind. Nun kann man
freilich die Actien und Prioritten von Bahnen, Banken, industriellen
Unternehmungen aller Art durch Steuern treffen, und wo die progressive
Einkommensteuer besteht, lsst sich auch der ganze Complex des
beweglichen Vermgens packen. Aber alle derartigen Versuche knnen nicht
gegen Juden allein gerichtet sein, und wo man es dennoch versuchen
mchte, erlebt man sofort schwere wirthschaftliche Krisen, die sich
keineswegs auf die zuerst betroffenen Juden beschrnken. Durch diese
Unmglichkeit, den Juden beizukommen, verstrkt und verbittert sich nur
der Hass. In den Bevlkerungen wchst der Antisemitismus tglich,
stndlich und muss weiter wachsen, weil die Ursachen fortbestehen und
nicht behoben werden knnen. Die causa remota ist der im Mittelalter
eingetretene Verlust unserer Assimilirbarkeit, die causa proxima unsere
Ueberproduction an mittleren Intelligenzen, die keinen Abfluss nach
unten haben und keinen Aufstieg nach oben -- nmlich keinen gesunden
Abfluss und keinen gesunden Aufstieg. Wir werden nach unten hin zu
Umstrzlern proletarisirt, bilden die Unterofficiere aller
revolutionren Parteien und gleichzeitig wchst nach oben unsere
furchtbare Geldmacht.


Wirkung des Antisemitismus.

Der auf uns ausgebte Druck macht uns nicht besser. Wir sind nicht
anders als die anderen Menschen. Wir lieben unsere Feinde nicht, das ist
ganz wahr. Aber nur wer sich selbst zu berwinden vermag, darf es uns
vorwerfen. Der Druck erzeugt bei uns natrlich eine Feindseligkeit gegen
unsere Bedrnger -- und unsere Feindseligkeit steigert wieder den Druck.
Aus diesem Kreislauf herauszukommen, ist unmglich.

Doch! werden weichmthige Schwrmer sagen, doch, es ist mglich! Und
zwar durch die herbeizufhrende Gte der Menschen.

Brauche ich wirklich erst noch zu beweisen, was das fr eine
sentimentale Faselei ist? Wer eine Besserung der Zustnde auf die Gte
aller Menschen grnden wollte, der schriebe allerdings eine Utopie!

Ich sprach schon von unserer Assimilirung. Ich sage keinen Augenblick,
dass ich sie wnsche. Unsere Volkspersnlichkeit ist geschichtlich zu
berhmt und trotz aller Erniedrigungen zu hoch, als dass ihr Untergang
zu wnschen wre. Aber vielleicht knnten wir berall in den uns
umgebenden Vlkern spurlos aufgehen, wenn man uns nur zwei Generationen
hindurch in Ruhe liesse. Man wird uns nicht in Ruhe lassen. Nach kurzen
Perioden der Duldsamkeit erwacht immer und immer wieder die
Feindseligkeit gegen uns. Unser Wohlergehen scheint etwas Aufreizendes
zu enthalten, weil die Welt seit vielen Jahrhunderten gewohnt war, in
uns die Verchtlichsten unter den Armen zu sehen. Dabei bemerkt man aus
Unwissenheit oder Engherzigkeit nicht, dass unser Wohlergehen uns als
Juden schwcht und unsere Besonderheiten auslscht. Nur der Druck presst
uns wieder an den alten Stamm, nur der Hass unserer Umgebung macht uns
wieder zu Fremden.

So sind und bleiben wir denn, ob wir es wollen oder nicht, eine
historische Gruppe von erkennbarer Zusammengehrigkeit.

Wir sind ein Volk -- der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie
das immer in der Geschichte so war. In der Bedrngniss stehen wir
zusammen und da entdecken wir pltzlich unsere Kraft. Ja, wir haben die
Kraft, einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben alle
menschlichen und sachlichen Mittel, die dazu nthig sind.

Es wre hier eigentlich schon der Platz, von unserem Menschenmaterial
zu sprechen, wie der etwas rohe Ausdruck lautet. Aber vorher mssen die
Hauptzge des Planes bekannt sein, auf den ja Alles zu beziehen ist.


Der Plan.

Der ganze Plan ist in seiner Grundform unendlich einfach, und muss es ja
auch sein, wenn er von allen Menschen verstanden werden soll.

Man gebe uns die Souvernett eines fr unsere gerechten
Volksbedrfnisse gengenden Stckes der Erdoberflche, alles andere
werden wir selbst besorgen.

Das Entstehen einer neuen Souvernett ist nichts Lcherliches oder
Unmgliches. Wir haben es doch in unseren Tagen miterlebt, bei Vlkern,
die nicht wie wir Mittelstandsvlker, sondern rmere, ungebildete und
darum schwchere Vlker sind. Uns die Souvernett zu verschaffen, sind
die Regierungen der vom Antisemitismus heimgesuchten Lnder lebhaft
interessirt.

Es werden fr die im Princip einfache, in der Durchfhrung complicirte
Aufgabe zwei grosse Organe geschaffen: die Society of Jews und die
Jewish Company.

Was die Society of Jews wissenschaftlich und politisch vorbereitet hat,
fhrt die Jewish Company praktisch aus.

Die Jewish Company besorgt die Liquidirung aller Vermgensinteressen der
abziehenden Juden und organisirt im neuen Lande den wirthschaftlichen
Verkehr.

Den Abzug der Juden darf man sich, wie schon gesagt wurde, nicht als
einen pltzlichen vorstellen. Es wird ein allmliger sein und Jahrzehnte
dauern. Zuerst werden die Aermsten gehen und das Land urbar machen. Sie
werden nach einem von vornherein feststehenden Plane Strassen, Brcken,
Bahnen bauen, Telegraphen errichten, Flsse reguliren, und sich selbst
ihre Heimsttten schaffen. Ihre Arbeit bringt den Verkehr, der Verkehr
die Mrkte, die Mrkte locken neue Ansiedler heran. Denn jeder kommt
freiwillig, auf eigene Kosten und Gefahr. Die Arbeit, die wir in die
Erde versenken, steigert den Werth des Landes. Die Juden werden schnell
einsehen, dass sich fr ihre bisher gehasste und verachtete
Unternehmungslust ein neues, dauerndes Gebiet erschlossen hat.

Will man heute ein Land grnden, darf man es nicht in der Weise machen,
die vor tausend Jahren die einzig mgliche gewesen wre. Es ist
thricht, auf alte Culturstufen zurckzukehren, wie es manche Zionisten
mchten. Kmen wir beispielsweise in die Lage, ein Land von wilden
Thieren zu subern, wrden wir es nicht in der Art der Europer aus dem
fnften Jahrhundert thun. Wir wrden nicht einzeln mit Speer und Lanze
gegen Bren ausziehen, sondern eine grosse frhliche Jagd veranstalten,
die Bestien zusammentreiben und eine Melinitbombe unter sie werfen.

Wenn wir Bauten ausfhren wollen, werden wir nicht hilflose Pfahlbauten
an einen Seerand stecken, sondern wir werden bauen, wie man es jetzt
thut. Wir werden khner und herrlicher bauen, als es je vorher geschehen
ist. Denn wir haben Mittel, die in der Geschichte noch nicht da waren.

Unseren niedersten wirthschaftlichen Schichten folgen allmlig die
nchsthheren hinber. Die jetzt am Verzweifeln sind, gehen zuerst. Sie
werden gefhrt von unserer berall verfolgten mittleren Intelligenz, die
wir berproduciren.

Die Frage der Judenwanderung soll durch diese Schrift zur allgemeinen
Discussion gestellt werden. Das heisst aber nicht, dass eine Abstimmung
eingeleitet wird. Dabei wre die Sache von vorneherein verloren. Wer
nicht mit will, mag da bleiben. Der Widerspruch einzelner Individuen ist
gleichgiltig.

Wer mit will, stelle sich hinter unsere Fahne, und kmpfe fr sie in
Wort, Schrift und That.

Die Juden, welche sich zu unserer Staatsidee bekennen, sammeln sich um
die Society of Jews. Diese erhlt dadurch den Regierungen gegenber die
Autoritt, im Namen der Juden sprechen und verhandeln zu drfen. Die
Society wird, um es in einer vlkerrechtlichen Analogie zu sagen, als
staatbildende Macht anerkannt. Und damit wre der Staat auch schon
gebildet.

Zeigen sich nun die Mchte bereit, dem Judenvolke die Souvernett eines
neutralen Landes zu gewhren, so wird die Society ber das zu nehmende
Land verhandeln. Zwei Gebiete kommen in Betracht: Palstina und
Argentinien. Bemerkenswerthe Colonisirungsversuche haben auf diesen
beiden Punkten stattgefunden. Allerdings nach dem falschen Princip der
allmligen Infiltration von Juden. Die Infiltration muss immer schlecht
enden. Denn es kommt regelmssig der Augenblick, wo die Regierung auf
Drngen der sich bedroht fhlenden Bevlkerung den weiteren Zufluss von
Juden absperrt. Die Auswanderung hat folglich nur dann einen Sinn, wenn
ihre Grundlage unsere gesicherte Souvernett ist.

Die Society of Jews wird mit den jetzigen Landeshoheiten verhandeln, und
zwar unter dem Protectorate der europischen Mchte, wenn diesen die
Sache einleuchtet. Wir knnen der jetzigen Landeshoheit ungeheure
Vortheile gewhren, einen Theil ihrer Staatsschulden bernehmen,
Verkehrswege bauen, die ja auch wir selbst benthigen, und noch vieles
andere. Doch schon durch das Entstehen des Judenstaates gewinnen die
Nachbarlnder, weil im Grossen wie im Kleinen die Cultur eines
Landstriches den Werth der Umgebung erhht.


Palstina oder Argentinien?

Ist Palstina oder Argentinien vorzuziehen? Die Society wird nehmen, was
man ihr gibt und wofr sich die ffentliche Meinung des Judenvolkes
erklrt. Die Society wird beides feststellen.

Argentinien ist eines der natrlich reichsten Lnder der Erde, von
riesigem Flcheninhalt, mit schwacher Bevlkerung und gemssigtem Klima.
Die argentinische Republik htte das grsste Interesse daran, uns ein
Stck Territorium abzutreten. Die jetzige Judeninfiltration hat freilich
dort Verstimmung erzeugt; man msste Argentinien ber die wesentliche
Verschiedenheit der neuen Judenwanderung aufklren.

Palstina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name
allein wre ein gewaltig ergreifender Sammelruf fr unser Volk. Wenn
Seine Majestt der Sultan uns Palstina gbe, knnten wir uns dafr
anheischig machen, die Finanzen der Trkei gnzlich zu regeln. Fr
Europa wrden wir dort ein Stck des Walles gegen Asien bilden, wir
wrden den Vorpostendienst der Cultur gegen die Barbarei besorgen. Wir
wrden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das
unsere Existenz garantiren msste. Fr die heiligen Sttten der
Christenheit liesse sich eine vlkerrechtliche Form der
Exterritorialisirung finden. Wir wrden die Ehrenwache um die heiligen
Sttten bilden, und mit unserer Existenz fr die Erfllung dieser
Pflicht haften. Diese Ehrenwacht wre das grosse Symbol fr die Lsung
der Judenfrage nach achtzehn fr uns qualvollen Jahrhunderten.


Bedrfniss, Organ, Verkehr.

Im vorletzten Capitel sagte ich: Die Jewish Company organisirt im neuen
Lande den wirthschaftlichen Verkehr.

Ich glaube, hierzu einige Erluterungen einschalten zu sollen. Ein
Entwurf, wie der vorliegende, ist in seinen Grundfesten bedroht, wenn
sich die praktischen Leute dagegen aussprechen. Nun sind die
praktischen Leute wohl in der Regel nur Routiniers, unfhig aus einem
engen Kreis alter Vorstellungen herauszutreten. Aber ihr Widerspruch
gilt und vermag dem Neuen sehr zu schaden; wenigstens so lange das Neue
selbst nicht stark genug ist, die Praktiker mit ihren morschen
Vorstellungen ber den Haufen zu werfen.

Als die Eisenbahnzeit ber Europa kam, gab es Praktiker, welche den Bau
gewisser Linien fr thricht erklrten, weil dort nicht einmal die
Postkutsche genug Passagiere habe. Man wusste damals die Wahrheit noch
nicht, die uns heute als eine kindlich einfache vorkommt: dass nicht die
Reisenden die Bahn hervorrufen, sondern umgekehrt die Bahn die Reisenden
hervorruft, wobei freilich das schlummernde Bedrfniss vorausgesetzt
werden muss.

In die Kategorie solcher voreisenbahnlicher praktischer Bedenken wird
es gehren, wenn Manche sich nicht vorstellen knnen, wie in dem neuen,
erst noch zu gewinnenden, erst noch zu cultivirenden Lande der
wirthschaftliche Verkehr der Ankmmlinge beschaffen sein soll. Ein
Praktiker wird also beilufig Folgendes sagen:

Zugegeben, dass die jetzigen Zustnde der Juden an vielen Orten
unhaltbar sind und immer schlechter werden mssen; zugegeben, dass die
Auswanderungslust entsteht; zugegeben sogar, dass die Juden nach dem
neuen Lande wandern, wie und was werden sie dort verdienen? Wovon werden
sie leben? Der Verkehr vieler Menschen lsst sich doch nicht knstlich
von einem Tag auf den andern einrichten.

Darauf ist meine Antwort: Von der knstlichen Einrichtung eines Verkehrs
ist gar nicht die Rede, und am allerwenigsten soll das von einem Tag auf
den anderen gemacht werden. Wenn man aber den Verkehr auch nicht
einzurichten vermag, anregen kann man ihn. Wodurch? Durch das Organ
eines Bedrfnisses. Das Bedrfniss will erkannt, das Organ will
geschaffen werden, der Verkehr macht sich dann von selbst.

Ist das Bedrfniss der Juden, in bessere Zustnde zu gelangen, ein
wahres, tiefes; ist das zu schaffende Organ dieses Bedrfnisses, die
Jewish Company, hinreichend mchtig: so muss der Verkehr im neuen Lande
sich in Flle einstellen. Das liegt freilich in der Zukunft, wie die
Entwicklung des Bahnverkehrs fr die Menschen der Dreissiger Jahre in
der Zukunft lag. Die Eisenbahnen wurden dennoch gebaut. Man ist
glcklicherweise ber die Bedenken von Praktikern der Postkutsche
hinweggegangen.




                         Die Jewish Company.


Grundzge.

Die Jewish Company ist zum Theil nach dem Vorbilde der grossen
Landnahmegesellschaften gedacht -- eine jdische Chartered Company, wenn
man will. Nur steht ihr nicht die Ausbung von Hoheitsrechten zu, und
sie hat nicht allein coloniale Aufgaben.

Die Jewish Company wird als eine Actiengesellschaft gegrndet, mit der
englischen Rechtssubjectivitt, nach den Gesetzen und unter dem Schutze
Englands. Der Hauptsitz ist London. Wie gross das Actiencapital zu sein
habe, kann ich jetzt nicht sagen. Unsere zahlreichen Finanzknstler
werden das ausrechnen. Um aber nicht unbestimmte Ausdrcke zu
gebrauchen, will ich eine Milliarde Mark annehmen. Es wird vielleicht
mehr, vielleicht weniger sein mssen. Von der Form der Geldbeschaffung,
die weiterhin errtert werden soll, wird es abhngen, welcher Bruchtheil
der grossen Summe beim Beginn der Thtigkeit factisch einzuzahlen ist.

Die Jewish Company ist ein Uebergangs-Institut. Sie ist ein rein
geschftliches Unternehmen, das von der Society of Jews immer sorgsam
unterschieden bleibt.

Die Jewish Company hat zunchst die Aufgabe, die Immobilien der
abziehenden Juden zu liquidiren. Die Art, in der das geschieht, verhtet
Krisen, sichert Jedem das Seine, und ermglicht jene innere Wanderung
der christlichen Mitbrger, die schon angedeutet wurde.


Immobiliengeschft.

Die in Betracht kommenden Immobilien sind Huser, Landgter und rtliche
Kundschaft der Geschfte. Die Jewish Company wird sich anfangs nur
bereit erklren, die Verkufe dieser Immobilien zu vermitteln. In der
ersten Zeit werden ja die Verkufe der Juden frei und ohne grosse
Preisstrze stattfinden. Die Zweigniederlassungen der Company werden in
jeder Stadt zu Centralen des jdischen Gterverkaufs werden. Jede
Zweiganstalt wird dafr nur den Provisionssatz einheben, den ihre
Selbsterhaltung erfordert.

Nun kann es die Entwicklung der Bewegung mit sich bringen, dass die
Immobilienpreise sinken und schliesslich die Verkaufsunmglichkeit
eintritt. In diesem Stadium spaltet sich die Function der Company als
Gtervermittlerin in neue Zweige. Die Company wird Verwalterin der
verlassenen Immobilien und wartet die geeigneten Zeitpunkte zur
Verusserung ab. Sie hebt Hauszinse ein, verpachtet Landgter und setzt
Geschftsfhrer, wenn mglich auch im Pachtverhltnisse -- wegen der
nthigen Sorgfalt -- ein. Die Company wird berall die Tendenz haben,
diesen Pchtern -- Christen -- die Eigenthumserwerbung zu erleichtern.
Sie wird berhaupt nach und nach ihre europischen Anstalten mit
durchaus christlichen Beamten und freien Vertretern (Advocaten etc.)
besetzen, und diese sollen durchaus nicht zu Judenknechten werden. Sie
werden gleichsam freie Controlsbehrden der christlichen Bevlkerung
abgeben dafr, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dass redlich und in
gutem Glauben gehandelt und nirgends eine Erschtterung des
Volkswohlstandes beabsichtigt wird.

Zugleich wird die Company als Gterkuferin auftreten, richtiger als
Gutstauscherin. Sie wird fr ein Haus ein Haus, fr ein Gut ein Gut
geben, und zwar drben. Alles ist, wenn mglich, so zu verpflanzen,
wie es hben war. Und da erffnet sich fr die Company eine Quelle
grosser und erlaubter Gewinne. Sie wird drben schnere, moderne, mit
allem Comfort ausgestattete Huser, bessere Landgter geben, die sie
dennoch viel weniger kosten, denn sie hat Grund und Boden billig
erworben.


Der Landkauf.

Das der Society of Jews vlkerrechtlich zugesicherte Land ist natrlich
auch privatrechtlich zu erwerben.

Die Vorkehrungen zur Ansiedlung, die der Einzelne trifft, fallen nicht
in den Rahmen dieser Ausfhrungen. Aber die Company braucht grosse
Landstrecken fr ihre und unsere Bedrfnisse. Sie wird sich den nthigen
Boden durch centralisirten Kauf sichern. Hauptschlich wird es sich um
die Erwerbung der jetzigen Landeshoheit gehriger Staatsdomnen handeln.
Das Ziel ist, drben in's Eigenthum des Landes zu kommen, ohne die
Preise zur Schwindelhhe hinaufzutreiben, gleichwie hben verkauft
wird, ohne die Preise zu drcken. Eine wste Preistreiberei ist dabei
nicht zu besorgen, denn den Werth des Landes bringt erst die Company
mit, weil sie die Besiedlung leitet und zwar im Einvernehmen mit der
beaufsichtigenden Society of Jews. Die Letztere wird auch dafr sorgen,
dass aus der Unternehmung kein Panama werde, sondern ein Suez.

Die Company wird ihren Beamten Baupltze zu billigen Bedingungen
ablassen, ihnen fr den Bau ihrer schnen Heimsttten Amortisationscredite
gewhren und von ihren Gehalten abziehen oder nach und nach als Zulagen
anrechnen. Das wird neben den Ehren, die sie erwarten, eine Form der
Belohnung ihrer Dienste sein.

Der ganze riesige Gewinn aus der Landspeculation soll der Company
zufliessen, weil sie fr die Gefahr eine unbestimmte Prmie bekommen
muss wie jeder freie Unternehmer. Wo eine Gefahr beim Unternehmen
vorliegt, soll der Unternehmergewinn weitherzig begnstigt werden. Aber
er ist auch nur dort zu dulden. Die Correlation von Gefahr und Prmie
enthlt die finanzielle Sittlichkeit.


Bauten.

Die Company wird also Huser und Gter eintauschen. Am Grund und Boden
wird und muss die Company gewinnen. Das ist Jedem klar, der irgendwo und
irgendwann die Wertherhhungen des Bodens durch Culturanlagen beobachtet
hat. Am besten sieht man das an den Enclaven in Stadt und Land.
Unbebaute Flchen steigen im Werthe durch den Kranz von Cultur, der um
sie gelegt wird. Eine in ihrer Einfachheit geniale Bodenspeculation war
die der Pariser Stadterweiterer, welche die Neubauten nicht an die
letzten Huser der Stadt unmittelbar anschlossen, sondern die
angrenzenden Grundstcke aufkauften und am usseren Rande zu bauen
anfingen. Durch diesen umgekehrten Baugang wuchs der Werth der
Hausparzellen ungemein rasch und statt immer wieder die letzten Huser
der Stadt zu errichten, bauten sie, nachdem der Rand fertig war, nur
noch mitten in der Stadt, also auf werthvolleren Parzellen.

Wird die Company selbst bauen oder freien Architekten ihre Auftrge
geben? Sie kann beides, sie wird beides thun. Sie hat, wie sich bald
zeigen wird, einen gewaltigen Vorrath an Arbeitskrften, die durchaus
nicht capitalsmssig bewuchert werden sollen, die in glckliche und
heitere Bedingungen des Lebens gebracht und doch nicht theuer sein
werden. Fr Baumaterial haben unsere Geologen gesorgt, als sie die
Baupltze fr die Stdte suchten.

Welches wird nun das Bauprincip sein?


Arbeiterwohnungen.

Die Arbeiterwohnungen (worunter die Wohnungen aller Handarbeiter
begriffen sind) sollen in eigener Regie hergestellt werden. Ich denke
keineswegs an die traurigen Arbeiterkasernen der europischen Stdte und
nicht an die kmmerlichen Htten, die um Fabriken herum in Reih' und
Glied stehen. Unsere Arbeiterhuser mssen zwar auch einfrmig aussehen
-- weil die Company nur billig bauen kann, wenn sie die Baubestandtheile
in grossen Massen herstellt -- aber diese einzelnen Huser mit ihren
Grtchen sollen an jedem Orte zu schnen Gesammtkrpern vereinigt
werden. Die natrliche Beschaffenheit der Gegend wird das frohe Genie
unserer jungen, nicht in der Routine befangenen Architekten anregen, und
wenn das Volk auch nicht den grossen Zug des Ganzen verstehen wird, so
wird es sich doch wohlfhlen in dieser leichten Gruppirung. Der Tempel
wird weithin sichtbar darin stehen, weil uns ja nur der alte Glaube
zusammengehalten hat. Und freundliche, helle, gesunde Schulen fr Kinder
mit allen modernen Lehrmitteln. Ferner Handwerker-Fortbildungsschulen,
die aufsteigend nach hheren Zwecken den einfachen Handwerker befhigen
sollen, technologische Kenntnisse zu erwerben und sich mit dem
Maschinenwesen zu befreunden. Ferner Unterhaltungshuser fr das Volk,
welche die Society of Jews von oben herab fr die Sittlichkeit leiten
wird.

Es soll jetzt brigens nur von den Bauten gesprochen werden, nicht
davon, was in ihnen vorgehen wird.

Die Arbeiterwohnungen wird die Company billig bauen, sage ich. Nicht
nur, weil alle Baumaterialien in Masse da sein werden; nicht nur, weil
der Grund der Company gehrt, sondern auch, weil sie die Arbeiter dafr
nicht zu bezahlen braucht.

Die Farmer in Amerika haben das System, einander gegenseitig bei ihren
Hausbauten zu helfen. Dieses kindlich gutmthige System -- plump wie die
Blockhuser, die so entstehen -- kann sehr verfeinert werden.


Die ungelernten Arbeiter.
(Unskilled Labourers.)

Unsere ungelernten Arbeiter, die zuerst aus dem grossen russischen und
rumnischen Reservoir kommen werden, mssen sich auch gegenseitig ihre
Huser bauen. Wir werden ja anfangs kein eigenes Eisen haben und auch
mit Holz bauen mssen. Das wird spter anders werden und die drftigen
Nothbauten der ersten Zeit werden dann durch bessere ersetzt.

Unsere unskilled labourers bauen einander zuerst ihre Unterknfte und
sie erfahren es vorher. Und zwar erwerben sie durch die Arbeit die
Huser in's Eigenthum -- allerdings nicht gleich, sondern erst dafr,
dass sie sich durch eine Zeit von drei Jahren gut auffhren. So bekommen
wir eifrige, anstellige Leute, und ein Mann, der drei Jahre in guter
Zucht gearbeitet hat, ist erzogen fr's Leben.

Ich sagte vorhin, dass die Company diese Unskilleds nicht zu bezahlen
braucht. Ja, wovon werden sie leben?

Ich bin im Allgemeinen gegen das Trucksystem. Bei diesen ersten
Landnehmern sollte es dennoch angewendet werden. Die Company sorgt in so
vielen Beziehungen fr sie, dass sie sie auch verpflegen darf. Das
Trucksystem soll berhaupt nur fr die ersten Jahre gelten und wird auch
den Arbeitern eine Wohlthat sein, weil es die Bewucherung durch
Kleinhndler, Wirthe etc. verhindert. Die Company aber vereitelt so von
vornherein, dass sich unsere kleinen Leute drben dem gewohnten
Hausirhandel zuwenden, zu dem sie hben ja auch nur durch eine
geschichtliche Entwicklung gezwungen wurden. Und die Company behlt die
Sufer und Liederlichen in der Hand. Es wird also in der ersten Zeit der
Landnahme gar keine Arbeitslhne geben?

Doch: Ueberlhne.


Der Siebenstundentag.

Der Normalarbeitstag ist der Siebenstundentag!

Das heisst nicht, dass tglich nur sieben Stunden lang Bume gefllt,
Erde gegraben, Steine gefhrt, kurz die hundert Arbeiten gethan werden
sollen. Nein. Man wird vierzehn Stunden arbeiten. Aber die
Arbeitertrupps werden einander nach je dreieinhalb Stunden ablsen. Die
Organisation wird ganz militrisch sein, mit Chargen, Avancement und
Pensionirung. Wo die Pensionen herzunehmen sind, wird spter ausgefhrt.

Dreieinhalb Stunden hindurch kann ein gesunder Mann sehr viel
concentrirte Arbeit hergeben. Nach dreieinhalb Stunden Pause -- die er
seiner Ruhe, seiner Familie, seiner geleiteten Fortbildung widmet -- ist
er wieder ganz frisch. Solche Arbeitskrfte knnen Wunder wirken.

Der Siebenstundentag! Er macht vierzehn allgemeine Arbeitsstunden
mglich -- mehr geht in den Tag nicht hinein.

Ich habe zudem die Ueberzeugung, dass der Siebenstundentag vollkommen
durchfhrbar ist. Man kennt die Versuche in Belgien und England.
Einzelne vorgeschrittene Socialpolitiker behaupten sogar, dass der
Fnfstundentag vollkommen ausreichen wrde. Die Society of Jews und die
Jewish Company werden ja darin reiche neue Erfahrungen sammeln -- die
den brigen Vlkern der Erde auch zu Gute kommen werden -- und wenn sich
zeigt, dass der Siebenstundentag praktisch mglich ist, so wird ihn
unser knftiger Staat als gesetzlichen Normaltag einfhren.

Nur die Company wird immerwhrend ihren Leuten den Siebenstundentag
gewhren. Sie wird es auch immer thun knnen. Den Siebenstundentag aber
brauchen wir als Weltsammelruf fr unsere Leute, die ja frei herankommen
sollen. Es muss wirklich das gelobte Land sein ..

Wer nun lnger als sieben Stunden arbeitet, bekommt fr die Ueberzeit
den Ueberlohn in Geld. Da alle seine Bedrfnisse gedeckt sind, die
Arbeitsunfhigen seiner Familie aus den hinber verpflanzten
centralisirten Wohlthtigkeitsanstalten versorgt werden, so kann er sich
etwas ersparen. Wir wollen den bei unseren Leuten ohnehin vorhandenen
Spartrieb frdern, weil er das Aufsteigen des Individuums in hhere
Schichten erleichtert und weil wir uns damit ein ungeheures
Capitalsreservoir fr knftige Anleihen vorbereiten.

Die Ueberzeit des Siebenstundentages darf nicht mehr als drei Stunden
dauern und auch nur nach rztlicher Untersuchung. Denn unsere Leute
werden sich im neuen Leben zur Arbeit herandrngen, und die Welt wird
erst sehen, welch ein arbeitsames Volk wir sind.

Wie das Trucksystem der Landnehmer einzurichten ist (Bons etc.), fhre
ich jetzt ebensowenig aus, wie andere unzhlige Details, um nicht zu
verwirren. Die Frauen werden zu schweren Arbeiten berhaupt nicht
zugelassen und drfen keine Ueberzeit leisten.

Schwangere Frauen sind von jeder Arbeit befreit und werden vom Truck
reichlicher genhrt. Denn wir brauchen in der Zukunft starke
Geschlechter.

Die Kinder erziehen wir gleich von Anfang an, wie wir sie wnschen.
Darauf gehe ich jetzt nicht ein.

Was ich soeben von den Arbeiterwohnungen ausgehend ber die Unskilleds
und ihre Lebensweise gesagt habe, ist ebensowenig eine Utopie, wie das
brige. Das alles kommt schon in der Wirklichkeit vor, nur unendlich
klein, unbeachtet, unverstanden. Fr die Lsung der Judenfrage war mir
die Assistance par le travail, die ich in Paris kennen und verstehen
lernte, von grossem Werthe.


Die Arbeitshilfe.

Die Arbeitshilfe, wie sie jetzt in Paris und verschiedenen Stdten
Frankreichs, in England, in der Schweiz und in Amerika besteht, ist
etwas kmmerlich Kleines, doch das Grsste ist daraus zu machen.

Was ist das Princip der Assistance par le travail?

Das Princip ist, dass man jedem Bedrftigen unskilled labour gibt, eine
leichte, ungelernte Arbeit, wie z. B. Holzverkleinern, die Erzeugung der
margotins, mit denen in den Pariser Haushaltungen das Herdfeuer
angemacht wird. Es ist eine Art Gefangenhausarbeit VOR dem Verbrechen,
das heisst ohne Ehrlosigkeit. Niemand braucht mehr aus Noth zum
Verbrechen zu schreiten, wenn er arbeiten will. Aus Hunger drfen keine
Selbstmorde mehr begangen werden. Diese sind ja ohnehin eines der
rgsten Schandmale einer Cultur, wo vom Tische der Reichen den Hunden
Leckerbissen hingeworfen werden.

Die Arbeitshilfe gibt also Jedem Arbeit. Hat sie denn fr die Producte
Absatz? Nein. Wenigstens nicht gengenden. Hier ist der Mangel der
bestehenden Organisation. Diese Assistance arbeitet immer mit Verlust.
Allerdings ist sie auf den Verlust gefasst. Es ist ja eine
Wohlthtigkeitsanstalt. Die Spende stellt sich hier dar als Differenz
zwischen Gestehungskosten und erlstem Preise. Statt dem Bettler zwei
Sous zu geben, gibt sie ihm eine Arbeit, an der sie zwei Sous verliert.
Der lumpige Bettler aber, der zum edlen Arbeiter geworden ist, verdient
1 Francs 50 Centimes. Fr 10 Centimes 150! Das heisst, die nicht mehr
beschmende Wohlthat verfnfzehnfachen. Das heisst, aus einer Milliarde
fnfzehn Milliarden machen!

Die Assistance verliert freilich die zehn Centimes. Die Jewish Company
wird die Milliarde nicht verlieren, sondern riesige Gewinne erzielen.

Hinzu kommt das Moralische. Erreicht wird schon durch die kleine
Arbeitshilfe, wie sie jetzt existirt, die sittliche Aufrichtung durch
die Arbeit, bis der beschftigungslose Mensch eine seinen Fhigkeiten
angemessene Stellung in seinem frheren oder einem neuen Berufe gefunden
hat. Er hat tglich einige Stunden fr das Suchen frei, auch vermittelt
die Assistance Dienste.

Das Gebrechen der bisherigen kleinen Einrichtung ist, dass den
Holzhndlern etc. keine Concurrenz gemacht werden darf. Die Holzhndler
sind Whler, sie wrden schreien, und sie htten Recht. Auch der
Gefangenhausarbeit des Staates darf keine Concurrenz gemacht werden, der
Staat muss seine Verbrecher beschftigen und verpflegen.

In einer alten Gesellschaft wird fr die Assistance par le travail
berhaupt schwer Raum zu schaffen sein.

Aber in unserer neuen!

Vor allem brauchen wir ungeheure Mengen unskilled labour fr unsere
ersten Landnahmearbeiten, Strassenanlagen, Durchforstungen,
Erdaushebungen, Bahn- und Telegraphenanlagen etc. Das wird alles nach
einem grossen, von Anfang an feststehenden Plane geschehen.


Der Marktverkehr.

Indem wir nun die Arbeit in's neue Land hinberlegen, bringen wir auch
gleich den Marktverkehr mit. Freilich anfangs nur ein Markt der ersten
Lebensbedrfnisse: Vieh, Getreide, Arbeiterkleider, Werkzeuge, Waffen,
um nur Einiges zu erwhnen. Zunchst werden wir das in Nachbarstaaten
oder in Europa einkaufen, uns dann aber mglichst bald selbststndig
machen. Die jdischen Unternehmer werden rasch begriffen haben, welche
Aussichten sich ihnen da erffnen.

Allmlig werden durch das Heer der Company-Beamten feinere Bedrfnisse
hinbergetragen werden. (Zu den Beamten rechne ich auch die Officiere
der Schutztruppe, die immer etwa ein Zehntel der mnnlichen Einwanderer
betragen soll. Das wird gegen Meutereien schlechter Leute gengen; die
Meisten sind ja friedfertig.)

Die feineren Bedrfnisse der gutgestellten Beamten erzeugen wieder einen
feineren Markt, der zunehmend wchst. Die Verheirateten lassen ihre
Familien nachkommen, die Ledigen ihre Eltern und Geschwister, sobald sie
drben ein Heim haben. Wir sehen ja diese Bewegung bei den Juden, die
jetzt nach den Vereinigten Staaten auswandern. Wie Einer Brot zu essen
hat, lsst er gleich seine Leute nachkommen. Die Bande der Familie sind
ja so stark im Judenthum. Society of Jews und Jewish Company werden
zusammenwirken, um die Familie noch weiter zu strken und zu pflegen.
Ich meine hier nicht das Moralische -- das versteht sich von selbst --
sondern das Materielle. Die Beamten werden Ehe- und Kinderzulagen haben.
Wir brauchen Leute, alle, die da sind und alle, die nachkommen.


Andere Kategorien von Heimsttten.

Ich habe die Hauptkette dieser Auseinandersetzungen beim Baue der
Arbeiterwohnungen in eigener Regie verlassen. Nun kehre ich zurck zu
anderen Kategorien von Heimsttten. Auch den Kleinbrgern wird die
Company durch ihre Architekten Huser bauen lassen, entweder als
Tauschobjecte oder fr Geld. Die Company wird etwa hundert Husertypen
von ihren Architekten anfertigen und vervielfltigen lassen. Diese
hbschen Muster werden zugleich einen Theil der Propaganda bilden. Jedes
Haus hat seinen festen Preis, die Gte der Ausfhrung wird von der
Company garantirt, die am Hausbaue nichts verdienen will. Ja wo werden
diese Huser stehen? Das wird bei den Ortsgruppen gezeigt werden.

Da die Company an den Bauarbeiten nichts verdienen will, sondern nur am
Grund und Boden, so wird es nur erwnscht sein, wenn recht viele freie
Architekten im Privatauftrage bauen. Dadurch wird der Landbesitz mehr
werth, dadurch kommt Luxus in's Land, und den Luxus brauchen wir fr
verschiedene Zwecke. Namentlich fr die Kunst, fr Industrie und in
einer spteren Ferne fr den Zerfall der grossen Vermgen.

Ja, die reichen Juden, die jetzt ihre Schtze ngstlich verbergen mssen
und bei herabgelassenen Vorhngen ihre unbehaglichen Feste geben, werden
drben frei geniessen drfen. Wenn diese Auswanderung mit ihrer Hilfe
zustandekommt, wird das Capital bei uns drben rehabilitirt sein; es
wird in einem beispiellosen Werke seine Ntzlichkeit gezeigt haben. Wenn
die reichsten Juden anfangen, ihre Schlsser, die man in Europa schon
mit so scheelen Augen ansieht, drben zu bauen, so wird es bald modern
werden, sich drben in prchtigen Husern anzusiedeln.


Einige Formen der Liquidation.

Die Jewish Company ist als Uebernehmer oder Verweser von Immobilien der
Juden gedacht.

Bei Husern und Grundstcken lassen sich diese Aufgaben leicht
construiren. Wie ist es aber bei Geschften?

Da werden die Formen vielfltig sein. Sie lassen sich gar nicht vorher
in eine Uebersicht bringen. Und doch ist darin keine Schwierigkeit
enthalten. Denn in jedem einzelnen Falle wird der Inhaber des
Geschftes, wenn er sich zur Auswanderung frei entschliesst, die fr ihn
gnstigste Form der Liquidation mit der Company-Filiale seines Sprengels
vereinbaren.

Bei den kleinsten Geschftsleuten, in deren Betrieb die persnliche
Bethtigung des Inhabers die Hauptsache und das bischen Waare oder
Einrichtung die Nebensache ist, lsst sich die Vermgensverpflanzung am
leichtesten durchfhren. Fr die persnliche Bethtigung des
Auswanderers schafft die Company ein gesichertes Arbeitsgebiet, und sein
bischen Material kann ihm drben in einem Grundstck mit Maschinencredit
ersetzt werden. Die neue Thtigkeit werden unsere findigen Leute rasch
erlernt haben. Juden passen sich bekanntlich schnell jeder
Erwerbsgattung an. So knnen viele Hndler zu Kleinindustriellen der
Landwirthschaft gemacht werden. Die Company kann sogar in scheinbare
Verluste willigen, wenn sie die nicht fahrende Habe der Aermeren
bernimmt; denn sie erreicht dadurch die freie Cultivirung von
Landparzellen, wodurch der Werth ihrer brigen Parzellen steigt.

In den mittleren Betrieben, wo die sachliche Einrichtung ebenso wichtig
oder schon wichtiger ist als die persnliche Bethtigung des Inhabers,
und dessen Credit als ein entscheidendes Imponderabile hinzukommt,
lassen sich verschiedene Formen der Liquidation denken. Das ist auch
einer der Hauptpunkte, auf denen sich die innere Wanderung der Christen
vollziehen kann. Der abziehende Jude verliert seinen persnlichen Credit
nicht, sondern nimmt ihn mit und wird ihn zur Etablirung drben gut
verwenden. Die Jewish Company erffnet ihm ein Giro-Conto. Sein
bisheriges Geschft kann er auch frei verkaufen oder Geschftsfhrern
unter der Aufsicht der Company-Organe bergeben. Der Geschftsfhrer
kann im Pachtverhltnisse stehen oder es kann der allmlige Ankauf durch
Theilzahlungen des Geschftsfhrers angebahnt werden. Die Company sorgt
durch ihre Aufsichtsbeamten und Advocaten fr die ordentliche Verwaltung
des verlassenen Geschftes und fr den richtigen Eingang der Zahlungen.
Die Company ist hier Curator der Abwesenden. Kann aber ein Jude sein
Geschft nicht verkaufen, vertraut er es auch keinem Mandatar an, und
will es dennoch nicht aufgeben, so bleibt er eben an seinem jetzigen
Wohnort. Auch diese Zurckbleibenden verschlechtern ihre jetzige Lage
nicht; sie sind um die Concurrenz der Abgezogenen erleichtert, und der
Antisemitismus mit seinem Kauft nicht bei Juden! hat aufgehrt.

Will der auswandernde Geschftsinhaber drben wieder dasselbe Geschft
betreiben, so kann er sich von vorneherein darauf einrichten.
Zeigen wir das an einem Beispiel. Die Firma X hat ein grosses
Modewaarengeschft. Der Inhaber will auswandern. Er etablirt zunchst an
seinem knftigen Wohnort eine Filiale, an die er seine ausgemusterte
Waare abgibt. Die armen ersten Auswanderer sind drben seine Kundschaft.
Allmlig ziehen Leute hinber, die hhere Modebedrfnisse haben. Nun
schickt X neuere Sachen, und endlich die neuesten. Die Filiale wird
selbst schon eintrglich, whrend das Hauptgeschft noch besteht.
Endlich hat X zwei Geschfte. Das alte verkauft er, oder gibt er seinem
christlichen Vertreter zur Fhrung; er selbst begibt sich hinber in
sein neues.

Ein grsseres Beispiel: Y & Sohn haben ein ausgedehntes Kohlengeschft
mit Bergwerken und Fabriken. Wie ist solch ein riesiger Vermgenscomplex
zu liquidiren? Das Kohlenbergwerk mit allem was drum und dran, kann
erstens vom Staat, in dem es liegt, eingelst werden. Zweitens kann es
die Jewish Company erwerben, und den Kaufpreis theils in Lndereien
drben, theils in Baargeld bezahlen. Eine dritte Mglichkeit wre die
Grndung einer eigenen Actiengesellschaft Y & Sohn. Eine vierte, der
Weiterbetrieb in der bisherigen Weise, nur wren die ausgewanderten
Eigenthmer, auch wenn sie gelegentlich zur Inspection ihrer Gter
zurckkehren, Auslnder, als die sie ja in civilisirten Staaten auch den
vollen Rechtsschutz geniessen. Dies Alles sieht man ja tglich im Leben.
Eine fnfte, besonders fruchtbare und grossartige Mglichkeit deute ich
nur an, weil es dafr im Leben erst wenige, schwache Beispiele gibt, wie
nahe das unserem modernen Bewusstsein auch schon liege. Y & Sohn knnen
ihr Unternehmen ihren smmtlichen jetzigen Angestellten gegen Entgelt
bergeben. Die Angestellten treten zu einer Genossenschaft mit
beschrnkter Haftung zusammen und knnen vielleicht mit Hilfe der
Landescasse, die keine Wucherzinsen nimmt, die Ablsungssumme an Y &
Sohn auszahlen. Die Angestellten amortisiren dann das Darlehen, welches
ihnen von ihrer Landescasse, von der Jewish Company oder von Y & Sohn
selbst gewhrt wurde.

Die Jewish Company liquidirt die Kleinsten wie die Grssten. Und whrend
die Juden ruhig wandern, sich die neue Heimat grnden, steht die Company
als die grosse juristische Person da, welche den Abzug leitet, die
verlassenen Gter htet, fr die gute Ordnung des Abwickelns mit ihrem
sichtbaren, greifbaren Vermgen haftet und fr die schon Ausgewanderten
dauernd brgt.


Brgschaften der Company.

In welcher Form wird die Company die Brgschaften leisten, dass in den
verlassenen Lndern keine Verarmung und keine wirthschaftlichen Krisen
eintreten?

Es wurde schon gesagt, dass anstndige Antisemiten unter Achtung ihrer
uns werthvollen Unabhngigkeit gleichsam als volksthmliche
Controlsbehrden an das Werk herangezogen werden sollen.

Aber auch der Staat hat fiskalische Interessen, die geschdigt werden
knnen. Er verliert eine zwar brgerlich gering, aber finanziell
hochgeschtzte Classe von Steuertrgern. Es muss ihm dafr eine
Entschdigung geboten werden. Wir bieten sie ihm ja indirect, indem wir
die mit unserem jdischen Scharfsinne, unserem jdischen Fleisse
eingerichteten Geschfte im Lande lassen, indem wir in unsere
aufgegebenen Positionen die christlichen Mitbrger einrcken lassen, und
so ein in dieser Friedlichkeit beispielloses Aufsteigen von Massen zum
Wohlstand ermglichen. Die franzsische Revolution zeigte im Kleinen
etwas Aehnliches; aber dazu musste das Blut unter der Guillotine, in
allen Provinzen des Landes und auf den Schlachtfeldern Europas in
Strmen fliessen. Und dazu mussten geerbte und erworbene Rechte
zerbrochen werden. Und dabei bereicherten sich nur die listigen Kufer
der Nationalgter.

Die Jewish Company wird in ihrem Wirkungskreise den einzelnen Staaten
auch directe Vortheile zufhren. Ueberall kann den Regierungen der
Verkauf von verlassenen Judengtern unter gnstigen Bedingungen
zugesichert werden. Die Regierungen wieder knnen diese gtliche
Expropriation in grossem Massstab fr gewisse sociale Aufbesserungen
verwenden.

Die Jewish Company wird den Regierungen und Parlamenten, welche die
innere Wanderung der christlichen Brger leiten wollen, dabei Hilfe
leisten.

Die Jewish Company wird auch grosse Abgaben zahlen.

Die Centrale hat ihren Sitz in London, weil die Company im
Privatrechtlichen unter dem Schutze einer grossen, derzeit nicht
antisemitischen Macht stehen muss. Aber die Company wird, wenn man sie
officiell und officis untersttzt, berall eine breite Steuerflche
liefern. Die Company wird berall besteuerbare Tchter- und
Zweiganstalten grnden. Sie wird ferner den Vortheil doppelter
Immobilienumschreibung, also doppelter Gebhren liefern. Die Company
wird selbst dort, wo sie nur als Immobilienagentur auftritt, sich den
vorbergehenden Anschein des Kufers geben. Sie wird, auch wenn sie
nicht besitzen will, im Grundbuche einen Augenblick als Eigenthmer
stehen.

Das sind nun freilich rein rechnungsmssige Sachen. Es wird von Ort zu
Ort erhoben und entschieden werden mssen, wie weit die Company darin
gehen kann, ohne ihre Existenz zu gefhrden. Sie wird darber freimthig
mit den Finanzministern verhandeln. Diese werden den guten Willen
deutlich sehen und sie werden berall die Erleichterungen gewhren, die
zur erfolgreichen Durchfhrung des grossen Unternehmens nachweisbar
erforderlich sind.

Eine weitere directe Zuwendung ist die im Gter- und Personentransporte.
Wo die Bahnen staatlich sind, ist das sofort klar. Bei den Privatbahnen
erhlt die Company, wie jeder grosse Spediteur, Begnstigungen. Sie muss
natrlich unsere Leute so billig als mglich reisen lassen und
verfrachten, da jeder auf eigene Kosten hinbergeht. Fr den Mittelstand
wird das System Cook, und fr die armen Classen das Personenporto da
sein. Die Company knnte an Personen- und Frachtrefactien viel
verdienen, aber ihr Grundsatz muss auch hier sein, nur die
Selbsterhaltungskosten hereinzubringen.

Die Spedition ist an vielen Orten in den Hnden der Juden. Die
Speditionsgeschfte werden die ersten sein, die die Company braucht, und
die ersten, die sie liquidirt. Die bisherigen Inhaber dieser Geschfte
treten entweder in den Dienst der Company oder sie etabliren sich frei,
drben. Die Ankunftsstelle braucht ja empfangende Spediteure, und da
dies ein glnzendes Geschft ist, da man drben sofort verdienen darf
und soll, wird es nicht an Unternehmungslustigen fehlen. Es ist
unnthig, die geschftlichen Einzelheiten dieser Massenexpedition
auszufhren. Sie sind aus dem Zwecke vernnftig zu entwickeln und viele
tchtige Kpfe sollen und werden darber nachdenken, wie das am besten
zu machen sein wird.


Einige Thtigkeiten der Company.

Viele Thtigkeiten werden ineinander wirken. Nur ein Beispiel: Allmlig
wird die Company in den anfnglich primitiven Niederlassungen
Industriesachen zu erzeugen beginnen. Zunchst fr unsere eigenen armen
Auswanderer: Kleider, Wsche, Schuhe etc. fabriksmssig. Denn in den
europischen Abfahrtsstationen werden unsere armen Leute neu gekleidet.
Es wird ihnen damit kein Geschenk gemacht, weil sie nicht gedemthigt
werden sollen. Es werden ihnen nur ihre alten Sachen gegen neue
eingetauscht. Verliert die Company dabei etwas, so wird es als
Geschftsverlust gebucht. Die vllig Besitzlosen werden fr
die Bekleidung Schuldner der Company und zahlen drben in
Arbeitsberstunden, die ihnen fr gute Auffhrung erlassen werden.

An diesen Punkten haben brigens die bestehenden Auswanderungsvereine
Gelegenheit, helfend einzugreifen. Alles was sie fr die wandernden
Juden bisher zu thun pflegten, sollen sie zuknftig fr die Colonisten
der Jewish Company thun. Die Formen dieses Zusammenwirkens werden sich
leicht finden lassen.

Schon in der Neubekleidung der armen Auswanderer soll etwas Symbolisches
enthalten sein: Ihr beginnt jetzt ein neues Leben! Die Society of Jews
wird dafr sorgen, dass schon lange vor der Abreise und auch unterwegs
durch Gebete, populre Vortrge, Belehrungen ber den Zweck des
Unternehmens, hygienische Vorschriften fr die neuen Wohnorte,
Anleitungen zur knftigen Arbeit, eine ernste und festliche Stimmung
erhalten werde. Denn das gelobte Land ist das Land der Arbeit. Bei ihrer
Ankunft werden aber die Einwanderer von den Spitzen unserer Behrden
feierlich empfangen werden. Ohne thrichten Jubel, denn das gelobte Land
muss erst erobert werden. Aber schon sollen diese armen Menschen sehen,
dass sie zuhause sind.

Die Bekleidungsindustrie der Company fr die armen Auswanderer wird
nicht planlos produciren. Durch die Society of Jews, welche von den
Ortsgruppen die Mittheilung erhalten wird, muss die Jewish Company
rechtzeitig die Zahl, den Ankunftstag und die Bedrfnisse der
Auswanderer kennen. So ist es mglich, fr sie umsichtig vorzusorgen.


Industrielle Anregungen.

Die Aufgaben der Jewish Company und der Society of Jews knnen in diesem
Entwurfe nicht streng gesondert vorgetragen werden. Thatschlich werden
diese beiden grossen Organe bestndig zusammenwirken mssen. Die Company
wird auf die moralische Autoritt und Untersttzung der Society
angewiesen sein und bleiben, gleichwie die Society die materielle Hilfe
der Company nicht entbehren kann. In der planvollen Leitung der
Bekleidungsindustrie z. B. ist der schwache Anfang des Versuches
enthalten, die Productionskrisen zu vermeiden. Auf allen Gebieten, wo
die Company als Industrieller auftritt, soll so vorgegangen werden.

Keineswegs darf sie aber die freien Unternehmungen mit ihrer Uebermacht
erdrcken. Wir sind nur dort Collectivisten, wo es die ungeheuren
Schwierigkeiten der Aufgabe erfordern. Im brigen wollen wir das
Individuum mit seinen Rechten hegen und pflegen. Das Privateigenthum als
die wirthschaftliche Grundlage der Unabhngigkeit, soll sich bei uns frei
und geachtet entwickeln. Wir lassen ja gleich unsere ersten Unskilleds
ins Privateigenthum aufsteigen.

Der Unternehmungsgeist soll auf jede Weise gefrdert werden. Die
Einrichtung von Industrien wird durch eine vernnftige Zollpolitik,
Zuwendung billigen Rohmaterials und durch ein Amt fr Industrie-Statistik
mit ffentlichen Verlautbarungen begnstigt.

Der Unternehmungsgeist kann auf gesunde Weise angeregt werden. Die
speculative Planlosigkeit wird vermieden. Die Etablirung neuer
Industrien wird rechtzeitig bekanntgemacht, so dass die Unternehmer, die
ein halbes Jahr spter auf den Einfall kommen, sich einer Industrie
zuzuwenden, nicht in die Krise, in's Elend hineinbauen. Da der Zweck
einer neuen Anlage der Society angemeldet werden soll, knnen die
Unternehmungsverhltnisse jederzeit Jedermann bekannt sein.

Ferner werden den Unternehmern die centralisirten Arbeitskrfte gewhrt.
Der Unternehmer wendet sich an die Dienstvermittlungs-Centrale, die
dafr von ihm nur eine zur Selbsterhaltung erforderliche Gebhr einhebt.
Der Unternehmer telegraphirt: Ich brauche morgen fr drei Tage, drei
Wochen oder drei Monate fnfhundert Unskilleds. Morgen treffen bei
seiner landwirthschaftlichen oder industriellen Unternehmung die
gewnschten Fnfhundert ein, welche die Arbeitscentrale von da und dort,
wo sie eben verfgbar werden, zusammenzieht. Die Sachsengngerei wird da
aus dem Plumpen in eine sinnvolle Institution heeresmssig verfeinert.
Selbstverstndlich werden keine Arbeitssclaven geliefert, sondern nur
Siebenstundentgler, die ihre Organisation beibehalten, denen auch beim
Ortswechsel die Dienstzeit mit Chargen, Avanciren und Pensionirung
fortluft. Der freie Unternehmer kann sich auch anderwrts seine
Arbeitskrfte verschaffen, wenn er will. Aber er wird es schwerlich
knnen. Die Hereinziehung nichtjdischer Arbeitssclaven in's Land wird
die Society zu vereiteln wissen durch eine gewisse Boycottirung
widerspenstiger Industrieller, durch Verkehrserschwerungen und
dergleichen. Man wird also die Siebenstundentgler nehmen mssen. So
nhern wir uns beinahe zwanglos dem Normaltage von sieben Stunden.


Ansiedlung von Facharbeitern.

Es ist klar, dass, was fr die Unskilleds gilt, bei den hheren
Facharbeitern noch leichter ist. Die Theilarbeiter der Fabriken knnen
unter dieselben Regeln gebracht werden. Die Dienstvermittlungs-Centrale
besorgt sie.

Was nun die selbststndigen Handwerker, die kleinen Meister betrifft,
die wir im Hinblick auf die knftigen Fortschritte der Technik sehr
pflegen wollen, denen wir technologische Kenntnisse zufhren wollen,
selbst wenn sie keine jungen Leute mehr sind, und denen die Pferdekraft
der Bche und das Licht in elektrischen Drhten zugeleitet werden soll
-- diese selbststndigen Arbeiter sollen auch durch die Centrale der
Society gesucht und gefunden werden. Hier wendet sich die Ortsgruppe an
die Centrale: Wir brauchen so und so viele Tischler, Schlosser, Glaser
u. s. w. Die Centrale verlautbart es. Die Leute melden sich. Sie ziehen
mit ihren Familien nach dem Orte, wo man sie braucht und bleiben da
wohnen, nicht erdrckt von einer verworrenen Concurrenz. Die dauernde,
die gute Heimat ist fr sie entstanden.


Die Geldbeschaffung.

Als das Actiencapital der Jewish Company wurde ein phantastisch
klingender Betrag angenommen. Die wirklich nothwendige Hhe des
Actiencapitals wird von Finanzfachleuten festgesetzt werden mssen.
Jedenfalls eine riesige Summe. Wie soll diese aufgebracht werden? Dafr
gibt es drei Formen, welche die Society in Erwgung ziehen wird. Die
Society, diese grosse moralische Person, der Gestor der Juden, besteht
aus unseren reinsten und besten Mnnern, die aus der Sache keinen
Vermgensgewinn ziehen knnen und drfen. Obwohl die Society am Beginn
keine andere als eine moralische Autoritt besitzen kann, wird diese
dennoch hinreichen, um die Jewish Company dem Judenvolke gegenber zu
beglaubigen. Die Jewish Company wird nur dann Aussicht auf
geschftliches Gelingen haben, wenn sie von der Society sozusagen
gestempelt ist. Es wird sich also nicht eine beliebige Gruppe von
Geldleuten zusammenthun knnen, um die Jewish Company zu bilden. Die
Society wird prfen, whlen und bestimmen, und sich vor der Gutheissung
der Grndung alle nthigen Brgschaften fr die gewissenhafte
Durchfhrung des Planes sichern lassen. Experimente mit ungengenden
Krften drfen nicht gemacht werden, denn diese Unternehmung muss gleich
auf den ersten Schlag gelingen. Das Misslingen der Sache wrde die ganze
Idee auf Jahrzehnte hinaus compromittiren und sie vielleicht fr immer
unmglich machen.

Die drei Formen der Aufbringung des Actiencapitals sind: 1. durch die
Hochbank; 2. durch die Mittelbank; 3. durch eine volksthmliche
Subscription.

Am leichtesten, schnellsten und sichersten wre die Grndung durch die
Hochbank. Da kann das erforderliche Geld innerhalb der bestehenden
grossen Finanzgruppen durch einfache Berathung in krzester Zeit
aufgebracht werden. Es htte den grossen Vortheil, dass die Milliarde --
um bei diesem einmal angenommenen Betrage zu bleiben -- nicht sofort
gnzlich eingezahlt werden msste. Es htte den weiteren Vortheil, dass
auch der Credit dieser mchtigen Finanzgruppen der Unternehmung
zuflsse. In der jdischen Finanzmacht schlummern noch sehr viele
ungentzte politische Krfte. Von den Feinden des Judenthums wird diese
Finanzmacht als so wirksam dargestellt, wie sie sein knnte, aber
thatschlich nicht ist. Die armen Juden spren nur den Hass, den diese
Finanzmacht erregt; den Nutzen, die Linderung ihrer Leiden, welche
bewirkt werden knnte, haben die armen Juden nicht. Die Creditpolitik
der grossen Finanzjuden msste sich in den Dienst der Volksidee stellen.
Finden aber diese mit ihrer Lage ganz zufriedenen Herren sich nicht
bewogen, etwas fr ihre Stammesbrder zu thun, die man mit Unrecht fr
die grossen Vermgen Einzelner verantwortlich macht, so wird die
Verwirklichung dieses Planes Gelegenheit geben, eine reinliche Scheidung
zwischen ihnen und dem brigen Theile des Judenthums durchzufhren.

Die Hochbank wird brigens durchaus nicht aufgefordert, einen so enormen
Betrag aus Wohlthtigkeit zu beschaffen. Das wre eine thrichte
Zumuthung. Die Grnder und Actionre der Jewish Company sollen vielmehr
ein gutes Geschft machen, und sie werden sich im vorhinein davon
Rechenschaft geben knnen, welche Chancen bevorstehen. Die Society of
Jews wird nmlich im Besitze aller Belege und Behelfe sein, aus denen
sich die Aussichten der Jewish Company erkennen lassen. Die Society of
Jews wird insbesondere den Umfang der neuen Judenbewegung genau
erforscht haben und den Grndern der Company auf eine vollkommen
verlssliche Weise mittheilen knnen, mit welcher Betheiligung diese
rechnen darf. Durch die Herstellung der Alles umfassenden modernen
Judenstatistik wird die Society fr die Company die Arbeiten einer
socit d'tudes besorgen, wie man diese in Frankreich zu machen pflegt,
bevor man an die Financirung eines sehr grossen Unternehmens herangeht.

Die Sache wird dennoch vielleicht nicht den kostbaren Beifall der
jdischen Geldmagnaten finden. Diese werden sogar vielleicht durch ihre
geheimen Knechte und Agenten den Kampf gegen unsere Judenbewegung
einzuleiten versuchen. Einen solchen Kampf werden wir, wie jeden
anderen, der uns aufgezwungen wird, mit schonungsloser Hrte fhren.

Die Geldmagnaten werden sich vielleicht auch nur begngen, die Sache mit
einem ablehnenden Lcheln abzuthun.

Ist sie damit erledigt?

Nein.

Dann geht die Geldbeschaffung auf die zweite Stufe, an die mittelreichen
Juden. Die jdische Mittelbank msste im Namen der Volksidee gegen die
Hochbank zusammengerafft werden zu einer zweiten formidablen Geldmacht.
Das htte den Uebelstand, dass zunchst nur ein Geldgeschft daraus
wrde, denn die Milliarde msste voll eingezahlt werden -- sonst darf
man nicht anfangen -- und da dies Geld erst langsam in Verwendung trte,
so wrde man in den ersten Jahren allerlei Bank- und Anleihegeschfte
machen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass so allmlig der ursprngliche
Zweck in Vergessenheit geriethe, die mittelreichen Juden htten ein
neues grosses Geschft gefunden und die Judenwanderung wrde versumpfen.

Phantastisch ist die Idee dieser Geldbeschaffung durchaus nicht, das
weiss man. Verschiedenemale wurde ja versucht, das katholische Geld
gegen die Hochbank zusammenzuraffen. Dass man sie auch mit jdischem
bekmpfen knne, hat man bisher nicht bedacht.

Aber welche Krisen htte das Alles zur Folge. Wie wrden die Lnder, wo
solche Geldkmpfe spielten, geschdigt werden, wie msste der
Antisemitismus dabei berhandnehmen.

Mir ist das also nicht sympathisch, ich erwhne es nur, weil es in der
logischen Entwicklung des Gedankens liegt.

Ob die Mittelbanken die Sache aufgreifen werden, weiss ich auch nicht.

Jedenfalls ist die Sache auch mit der Ablehnung der Mittelreichen nicht
erledigt. Dann beginnt sie vielmehr erst recht.

Denn die Society of Jews, die nicht aus Geschftsleuten besteht, kann
dann die Grndung der Company als eine volksthmliche versuchen.

Das Actiencapital der Company kann ohne Vermittlung eines Hochbank- oder
Mittelbanksyndicates durch unmittelbare Ausschreibung einer Subscription
aufgebracht werden. Nicht nur die armen kleinen Juden, sondern auch die
Christen, welche die Juden loshaben wollen, werden sich an dieser in
ganz kleine Theile zerlegten Geldbeschaffung betheiligen. Es wre eine
eigenthmliche und neue Form des Plebiscites, wobei Jeder, der sich fr
diese Lsungsform der Judenfrage aussprechen will, seine Meinung durch
eine bedingte Subscription ussern knnte. In der Bedingung liegt die
gute Sicherheit. Die Vollzahlung wre nur zu leisten, wenn der ganze
Betrag gezeichnet ist, sonst wrde die Anzahlung zurckgegeben.

Ist aber der ganze nthige Betrag durch die volksthmliche Auflage in
der ganzen Welt gedeckt, dann ist jeder einzelne kleine Betrag gesichert
durch die unzhligen anderen kleinen Betrge.

Es wre dazu natrlich die ausdrckliche, entschiedene Hilfe der
betheiligten Regierungen nthig.




                             Ortsgruppen.


Die Verpflanzung.

Bisher wurde nur gezeigt, wie die Auswanderung ohne wirthschaftliche
Erschtterung durchzufhren ist. Aber bei einer solchen Auswanderung
gibt es auch viele starke, tiefe Gemthsbewegungen. Es gibt alte
Gewohnheiten, Erinnerungen, mit denen wir Menschen an den Orten haften.
Wir haben Wiegen, wir haben Grber, und man weiss, was dem jdischen
Herzen die Grber sind. Die Wiegen nehmen wir mit -- in ihnen schlummert
rosig und lchelnd unsere Zukunft. Unsere theueren Grber mssen wir
zurcklassen -- ich glaube, von denen werden wir habschtiges Volk uns
am schwersten trennen. Aber es muss sein.

Schon entfernt uns die wirthschaftliche Noth, der politische Druck, der
gesellschaftliche Hass aus unseren Wohnorten und von unseren Grbern.
Die Juden ziehen schon jetzt jeden Augenblick aus einem Land in's
andere; eine starke Bewegung geht sogar ber's Meer nach den Vereinigten
Staaten -- wo man uns auch nicht mag. Wo wird man uns denn mgen,
solange wir keine eigene Heimat haben?

Wir wollen aber den Juden eine Heimat geben. Nicht, indem wir sie
gewaltsam aus ihrem Erdreich herausreissen. Nein, indem wir sie mit
ihrem ganzen Wurzelwerk vorsichtig ausheben und in einen besseren Boden
bersetzen. So wie wir im Wirthschaftlichen und Politischen neue
Verhltnisse schaffen wollen, so gedenken wir im Gemthlichen alles Alte
heilig zu halten. Darber nur wenige Andeutungen. Hier ist die Gefahr am
grssten, dass der Plan fr eine Schwrmerei gehalten werde.

Und doch ist auch das mglich und wirklich, nur kommt es in der
Wirklichkeit als etwas verworrenes und hilfloses vor. Durch die
Organisirung kann es vernnftig werden.


Die Gruppenwanderung.

Unsere Leute sollen in Gruppen mit einander auswandern. In Gruppen von
Familien und Freunden. Niemand wird gezwungen, sich der Gruppe seines
bisherigen Wohnortes anzuschliessen. Jeder kann, nachdem er seine
Angelegenheiten liquidirt hat, fahren, wie er will. Jeder thut es ja auf
eigene Kosten, in der Bahn- und Schiffsclasse, die ihm zusagt. Unsere
Bahnzge und unsere Schiffe werden vielleicht nur eine Classe haben. Der
Unterschied des Besitzes belstigt auf so langen Reisen die Aermeren.
Und wenn wir auch unsere Leute nicht zu einer Unterhaltung
hinberfhren, wollen wir ihnen doch nicht unterwegs die Laune
verderben.

Im Elend wird Keiner reisen. Dem eleganten Behagen hingegen soll Alles
mglich sein. Man wird sich schon lange vorher verabreden -- es wird ja
im gnstigsten Falle noch Jahre dauern, bis die Bewegung in einzelnen
Besitzclassen in Fluss kommt -- die Wohlhabenden werden zu
Reisegesellschaften zusammentreten. Man nimmt die persnlichen
Beziehungen smmtlich mit. Wir wissen ja, dass von den Reichsten
abgesehen, die Juden fast gar keinen Verkehr mit Christen haben. In
manchen Lndern ist es so, dass der Jude, der sich nicht ein paar
Tafelschmarotzer, Borgbrder und Judenknechte aushlt, berhaupt keinen
Christen kennt. Das Ghetto besteht innerlich fort.

Man wird sich also in den Mittelstnden lange und sorgfltig zur Abreise
vorbereiten. Jeder Ort bildet seine Gruppe. In den grossen Stdten
bilden sich nach Bezirken mehrere, die mit einander durch gewhlte
Vertreter verkehren. Diese Bezirkseintheilung hat nichts Obligatorisches.
Sie ist eigentlich nur als Erleichterung fr die Minderbemittelten
gedacht, und um whrend der Fahrt kein Unbehagen, kein Heimweh aufkommen
zu lassen. Jeder ist frei, allein zu fahren oder sich welcher Ortsgruppe
immer anzuschliessen. Die Bedingungen -- nach Classen eingetheilt -- sind
fr alle gleich. Wenn eine Reisegesellschaft sich zahlreich genug
organisirt, bekommt sie von der Company einen ganzen Bahnzug und dann ein
ganzes Schiff.

Fr die passende Unterkunft der Aermeren wird das Quartieramt der
Company gesorgt haben. In dem spteren Zeitpunkt, wo die Wohlhabenden
wandern, wird das erkannte, weil leicht vorauszusehende Bedrfniss schon
die Hotelbauten freier Unternehmer hervorgerufen haben. Auch werden ja
die wohlhabenden Auswanderer sich ihre Heimsttten schon frher gebaut
haben, so dass sie aus dem verlassenen alten Hause in das fertige neue
nur zu bersiedeln brauchen.

Unserer ganzen Intelligenz brauchen wir ihre Aufgabe nicht erst
zuzuweisen. Jeder, der sich dem nationalen Gedanken anschliesst, wird
wissen, wie er in seinem Kreise fr die Verbreitung und Bethtigung zu
wirken hat. Wir werden vornehmlich an die Mitwirkung unserer Seelsorger
appelliren.


Unsere Seelsorger.

Jede Gruppe hat ihren Rabbiner, der mit seiner Gemeinde geht. Alle
gruppiren sich zwanglos. Die Ortsgruppe bildet sich um den Rabbiner
herum. So viele Rabbiner, so viele Ortsgruppen. Die Rabbiner werden uns
auch zuerst verstehen, sich zuerst fr die Sache begeistern und von der
Kanzel herab die andern begeistern. Es brauchen keine besonderen
Versammlungen mit Geschwtz einberufen zu werden. Im Gottesdienste wird
das eingeschaltet. Und so soll es sein. Wir erkennen unsere historische
Zusammengehrigkeit nur am Glauben unserer Vter, weil wir ja lngst die
Sprache verschiedener Nationen unverlschbar in uns aufgenommen haben.

Die Rabbiner werden nun regelmssig die Mittheilungen der Society und
Company erhalten und sie ihrer Gemeinde verknden und erklren. Israel
wird fr uns, fr sich beten.


Vertrauensmnner der Ortsgruppen.

Die Ortsgruppen werden kleine Vertrauensmnner-Commissionen unter dem
Vorsitz des Rabbiners einsetzen. Hier wird alles Praktische nach den
Ortsbedrfnissen berathen und festgesetzt werden.

Die Wohlthtigkeitsanstalten werden durch die Ortsgruppen frei
verpflanzt. Die Stiftungen werden auch drben in der ehemaligen
Ortsgruppe verbleiben, die Gebude sollten nach meiner Ansicht nicht
verkauft, sondern den christlichen Hilfsbedrftigen der verlassenen
Stdte gewidmet werden. Bei der Landvertheilung drben wird das den
Ortsgruppen eingerechnet, indem sie unentgeltlich Baupltze und jede
Bauerleichterung erhalten.

Es wird bei der Verpflanzung der Wohlthtigkeitsanstalten wieder, wie an
manchen anderen Punkten dieses Planes, Gelegenheit geboten, einen
Versuch zum Wohle der ganzen Menschheit zu machen. Unsere jetzige
verworrene Privatwohlthtigkeit stiftet im Verhltniss zum gemachten
Aufwand wenig Gutes. Die Wohlthtigkeitsanstalten knnen und mssen in
ein System gebracht werden, wo sie sich gegenseitig ergnzen. In einer
neuen Gesellschaft knnen diese Einrichtungen aus dem modernen
Bewusstsein heraus und auf Grund aller socialpolitischen Erfahrungen
gemacht werden. Die Sache ist fr uns sehr wichtig, weil wir viele
Bettler haben. Durch den usseren Druck, der sie muthlos macht und durch
die weichliche Wohlthtigkeit der Reichen, die sie verwhnt, lassen sich
die schwcheren Naturen unter unseren Leuten leicht im Bettel gehen.

Die Society wird, untersttzt von den Ortsgruppen, der Volkserziehung in
dieser Hinsicht die grsste Aufmerksamkeit zuwenden. Fr viele Krfte,
die jetzt nutzlos hinwelken, wird ja ein fruchtbarer Boden geschaffen.
Wer nur den guten Willen hat, soll angemessen verwendet werden. Bettler
werden nicht geduldet. Wer als Freier nichts thun will, kommt in's
Arbeitshaus.

Hingegen wollen wir die Alten nicht in's Siechenhaus stecken. Das
Siechenhaus ist eine der grausamsten Wohlthaten, die unsere alberne
Gutmthigkeit erfunden hat. Im Siechenhaus schmt und krnkt sich der
alte Mensch zu Tode. Er ist eigentlich schon begraben. Wir aber wollen
selbst denen, die auf den untersten Stufen der Intelligenz stehen, bis
an's Ende die trstliche Illusion ihrer Ntzlichkeit lassen. Die zu
krperlicher Arbeit Unfhigen sollen leichte Dienste erhalten. Wir
mssen mit den atrophirten Armen einer jetzt schon hinwelkenden
Generation rechnen. Aber die nachkommenden Generationen sollen in der
Freiheit fr die Freiheit anders erzogen werden.

Wir werden fr alle Lebensalter, fr alle Lebensstufen die sittliche
Beseligung der Arbeit suchen. So wird unser Volk seine Tchtigkeit
wiederfinden im Siebenstundenlande.


Stadtplne.

Die Ortsgruppen werden ihre Bevollmchtigten zur Ortswahl delegiren. Bei
der Landvertheilung wird darauf Rcksicht genommen werden, dass die
schonende Verpflanzung, die Erhaltung alles Berechtigten mglich sei.

In den Ortsgruppen werden die Stadtplne aufliegen. Unsere Leute werden
im vorhinein wissen, wohin sie gehen, in welchen Stdten, in welchen
Husern sie wohnen werden. Es wurde schon von den Bauplnen und
verstndlichen Abbildungen gesprochen, die an die Ortsgruppen zu
vertheilen sind.

Wie in der Verwaltung eine straffe Centralisirung, ist in den Ortsgruppen
die vollste Autonomie das Princip. Nur so kann die Verpflanzung schmerzlos
vor sich gehen.

Ich stelle mir das nicht leichter vor, als es ist; man darf es sich auch
nicht schwerer vorstellen.


Der Zug des Mittelstandes.

Der Mittelstand wird unwillkrlich von der Bewegung mit hinbergezogen.
Die Einen haben ihre Shne als Beamte der Society oder Angestellte der
Company drben. Juristen, Mediciner, Techniker aller Zweige, junge
Kaufleute, alle jdischen Wegsucher, die jetzt aus der Bedrngniss ihrer
Vaterlnder hinaus in andere Welttheile erwerben gehen, werden sich auf
dem hoffnungsvollen Boden versammeln. Andere haben ihre Tchter an
solche aufstrebende Leute verheiratet. Dann lsst sich von unseren
jungen Leuten der eine seine Braut, der andere seine Eltern und
Geschwister nachkommen. In neuen Culturen heiratet man frh. Das kann
der allgemeinen Sittlichkeit nur zu Statten kommen, und wir erhalten
krftigen Nachwuchs; nicht jene schwachen Kinder sptverheirateter
Vter, die zuerst ihre Energie im Lebenskampf abgentzt haben.

Im Mittelstande zieht jeder unserer Auswanderer andere nach sich.

Den Muthigsten gehrt natrlich das Beste von der neuen Welt.

Es scheint nun freilich, als wre hier die grsste Schwierigkeit des
Planes.

Selbst wenn es uns gelingt, die Judenfrage in einer ernsten Weise zur
Weltdiscussion zu stellen --

selbst wenn aus dieser Errterung auf das Bestimmteste hervorgeht, dass
der Judenstaat ein Weltbedrfniss ist --

selbst wenn wir durch die Untersttzung der Mchte die Souvernett
eines Territoriums erlangten:

wie bringen wir die Judenmassen ohne Zwang aus ihren jetzigen Wohnorten
in dieses neue Land?

Die Wanderung ist doch immer als eine freie gedacht?


Das Phnomen der Menge.

Ein mhsames Anfachen der Bewegung wird wohl kaum nthig sein. Die
Antisemiten besorgen das schon fr uns. Sie brauchen nur soviel zu thun
wie bisher und die Auswanderlust der Juden wird erwachen, wo sie nicht
besteht und sich verstrken, wo sie schon vorhanden ist. Wenn die Juden
jetzt in antisemitischen Lndern verbleiben, so geschieht das
hauptschlich aus dem Grunde, weil selbst die historisch Ungebildeten
wissen, dass wir uns durch die zahlreichen Ortswechsel in den
Jahrhunderten nie dauernd geholfen haben. Gbe es heute ein Land, wo man
die Juden willkommen hiesse und ihnen auch viel weniger Vortheil bte,
als im Judenstaate, wenn er entsteht, gesichert sind, so fnde
augenblicklich ein starker Zug von Juden dahin statt. Die Aermsten, die
nichts zu verlieren haben, wrden sich hinschleppen. Ich behaupte aber
und Jeder wird ja bei sich wissen, ob es wahr ist, dass die
Auswanderlust wegen des Druckes, der auf uns lastet, bei uns selbst in
wohlhabenden Schichten vorhanden ist. Nun wrden ja schon die Aermsten
zur Grndung des Staates gengen, ja sie sind das tchtigste
Menschenmaterial fr eine Landnahme, weil man zu grossen Unternehmungen
ein bischen Verzweiflung in sich haben muss.

Aber indem unsere Desperados durch ihr Erscheinen, durch ihre Arbeit den
Werth des Landes heben, machen sie allmlig auch fr Besitzkrftigere
die Verlockung entstehen, nachzuziehen.

Immer hhere Schichten werden ein Interesse bekommen, hinberzugehen.
Den Zug der Ersten, Aermsten werden ja Society und Company gemeinsam
leiten und dabei doch wohl die Untersttzung der schon bestehenden
Auswanderungs- und Zionsvereine finden.

Wie lsst sich eine Menge ohne Befehl nach einem Punkte hin dirigiren?

Es gibt einzelne jdische Wohlthter in grossem Stile, welche die Leiden
der Juden durch zionistische Versuche mildern wollen. Solche Wohlthter
mussten sich schon mit dieser Frage beschftigen, und sie glaubten, sie
zu lsen, wenn sie den Auswanderern Geld oder Arbeitsmittel in die Hand
gaben. Der Wohlthter sagte also: Ich zahle den Leuten, damit sie
hingehen.

Das ist grundfalsch und mit allem Gelde der Erde nicht zu erschwingen.

Die Company wird im Gegentheil sagen: Wir zahlen ihnen nicht, wir
lassen sie zahlen. Nur setzen wir ihnen etwas vor.

Ich will das an einem scherzhaften Beispiele anschaulich machen. Einer
dieser Wohlthter, den wir den Baron nennen wollen, und ich mchten eine
Menschenmenge an einem heissen Sonntagnachmittag auf der Ebene von
Longchamp bei Paris haben. Der Baron wird, wenn er jedem Einzelnen 10
Francs verspricht, fr 200.000 Francs 20.000 schwitzende, unglckliche
Leute hinausbringen, die ihm fluchen werden, weil er ihnen diese Plage
auferlegte.

Ich hingegen werde diese 200.000 Francs als Rennpreis aussetzen fr das
schnellste Pferd -- und dann lasse ich die Leute durch Schranken von
Longchamp abhalten. Wer hinein will, muss zahlen: 1 Francs, 5 Francs, 20
Francs.

Die Folge ist, dass ich eine halbe Million Menschen hinausbekomme, der
Prsident der Republik fhrt  la Daumont vor, die Menge erfreut und
belustigt sich an sich selbst. Es ist fr die Meisten, trotz Sonnenbrand
und Staub, eine glckliche Bewegung im Freien, und ich habe fr die
200.000 Francs eine Million an Eintrittsgeldern und Spielsteuer
eingenommen. Ich werde dieselben Leute, wann ich will, wieder dort
haben; der Baron nicht -- der Baron um keinen Preis.

Ich will das Phnomen der Menge brigens gleich ernster beim Broterwerbe
zeigen. Man versuche es einmal, in den Strassen einer Stadt ausrufen zu
lassen: Wer in einer nach allen Seiten freistehenden eisernen Halle im
Winter bei schrecklicher Klte, im Sommer bei qulender Hitze, den
ganzen Tag auf seinen Beinen stehend, jeden Vorbergehenden anreden und
DEM Trdelkram oder Fische oder Obst anbieten wird, bekommt 2 fl. oder 4
Francs oder was Sie wollen.

Wie viel Leute bekommt man wohl da hin? Wenn sie der Hunger hintreibt,
wie viel Tage halten sie aus? Wenn sie aushalten, mit welchem Eifer
werden sie wohl die Vorbergehenden zum Kaufe von Obst, Fischen oder
Trdelkram zu bestimmen versuchen?

Wir machen es anders. An den Punkten, wo ein grosser Verkehr besteht,
und diese Punkte knnen wir umso leichter finden, als wir selbst ja den
Verkehr leiten wohin wir wollen, an diesen Punkten errichten wir grosse
Hallen und nennen sie: Mrkte. Wir knnten die Hallen schlechter,
gesundheitswidriger bauen als jene, und doch wrden uns die Leute
hinstrmen. Aber wir werden sie schner und besser, mit unserem ganzen
Wohlwollen bauen. Und diese Leute, denen wir nichts versprochen haben,
weil wir ihnen, ohne Betrger zu sein, nichts versprechen knnen, diese
braven geschftslustigen Leute werden unter Scherzen einen lebhaften
Marktverkehr hervorbringen. Sie werden unermdlich die Kufer
haranguiren, sie werden auf ihren Beinen dastehen und die Mdigkeit kaum
merken. Sie werden nicht nur Tag um Tag herbeieilen, um die Ersten zu
sein, sie werden sogar Verbnde, Cartelle, alles Mgliche schliessen, um
nur dieses Erwerbsleben ungestrt fhren zu knnen. Und wenn sich auch
am Feierabend herausstellt, dass sie mit all der braven Arbeit nur 1 fl.
50 kr. oder 3 Francs oder was Sie wollen, verdient haben, werden sie
doch mit Hoffnung in den nchsten Tag blicken, der vielleicht besser
sein wird.

Wir haben ihnen die Hoffnung geschenkt.

Will man wissen, wo wir die Bedrfnisse hernehmen, die wir fr die
Mrkte brauchen? Muss das wirklich noch gesagt werden?

Ich zeigte frher, dass durch die Assistance par le travail der
fnfzehnfache Verdienst erzeugt wird. Fr eine Million fnfzehn
Millionen, fr eine Milliarde fnfzehn Milliarden.

Ja, ob dies im Grossen auch so richtig ist wie im Kleinen? Der Ertrag
des Capitales hat doch in der Hhe eine abnehmende Progression? Ja, des
schlafenden, feige verkrochenen Capitals, nicht der des arbeitenden. Das
arbeitende Capital hat sogar in der Hhe eine furchtbar zunehmende
Ertragskraft. Da steckt ja die sociale Frage.

Ob das richtig ist, was ich sage? Ich rufe dafr die reichsten Juden als
Zeugen auf. Warum betreiben diese so viele verschiedene Industrien?
Warum schicken sie Leute unter die Erde, um fr mageren Lohn unter
entsetzlichen Gefahren Kohle heraufzuschaffen. Ich denke mir das nicht
angenehm, auch nicht fr die Grubenbesitzer. Ich glaube ja nicht an die
Herzlosigkeit der Capitalisten, und stelle mich nicht als ob ich es
glaubte. Ich will ja nicht hetzen, sondern vershnen.

Brauche ich das Phnomen der Menge, und wie man sie nach beliebigen
Punkten zieht, auch noch an den frommen Wanderungen zu erklren?

Ich mchte Niemandes heilige Empfindungen durch Worte verletzen, die
falsch ausgelegt werden knnten.

Nur kurz deute ich an, was in der mohammedanischen Welt der Zug der
Pilger nach Mekka ist, in der katholischen Welt Lourdes und so zahllose
andere Punkte, von wo Menschen durch ihren Glauben getrstet heimkehren,
und der heilige Rock zu Trier. So werden auch wir dem tiefen
Glaubensbedrfnisse unserer Leute Zielpunkte errichten. Unsere
Geistlichen werden uns ja zuerst verstehen, und mit uns gehen.

Wir wollen drben jeden nach seiner Faon selig werden lassen. Auch und
vor allem unsere theuren Freidenker, unser unsterbliches Heer, das fr
die Menschheit immer neue Gebiete erobert.

Auf Niemanden soll ein anderer Zwang ausgebt werden, als der zur
Erhaltung des Staates und der Ordnung nthige. Und dieses Nthige wird
nicht von der Willkr einer oder mehrerer Personen wechselnd bestimmt
sein, sondern in ehernen Gesetzen ruhen. Will man nun gerade aus den von
mir gewhlten Beispielen folgern, dass die Menge nur vorbergehend nach
solchen Zielpunkten des Glaubens, des Erwerbes oder des Vergngens
gezogen werden kann, so ist die Widerlegung dieses Einwurfs einfach. Ein
solcher Zielpunkt vermag die Massen nur anzulocken. Alle diese
Anziehungspunkte zusammen sind geeignet, sie festzuhalten und dauernd zu
befriedigen. Denn diese Anziehungspunkte bilden zusammengenommen eine
grosse Einheit, eine langgesuchte, nach der unser Volk nie aufgehrt hat
sich zu sehnen; fr die es sich erhalten hat, fr die es durch den Druck
erhalten worden ist: die freie Heimat! Wenn die Bewegung entsteht,
werden wir die Einen nachziehen, die Anderen uns nachfliessen lassen,
die Dritten werden mitgerissen und die Vierten wird man uns nachdrngen.

Diese, die zgernden spten Nachzgler werden hben und drben am
Schlechtesten daran sein.

Aber die Ersten, die glubig, begeistert und tapfer hinbergehen, werden
die besten Pltze haben.


Unser Menschenmaterial.

Ueber kein Volk sind so viele Irrthmer verbreitet, wie ber die Juden.
Und wir sind durch unsere geschichtlichen Leiden so gedrckt und muthlos
geworden, dass wir diese Irrthmer selbst nachsprechen und nachglauben.
Eine der falschen Behauptungen ist die unmssige Handelslust der Juden.
Nun ist es bekannt, dass wir dort, wo wir die aufsteigende
Classenbewegung mitmachen knnen, uns eilig vom Handel entfernen.
Weitaus die meisten jdischen Kaufleute lassen ihre Shne studiren.
Daher kommt ja die sogenannte Verjudung aller gebildeten Berufe. Aber
auch in den wirthschaftlich schwcheren Schichten ist unsere Handelslust
keineswegs so gross, wie angenommen wird. In den stlichen Lndern
Europas gibt es grosse Massen von Juden, die keine Handeltreibenden sind
und vor schweren Arbeiten nicht zurckschrecken. Die Society of Jews
wird in der Lage sein, eine wissenschaftlich genaue Statistik unserer
Menschenkrfte vorzubereiten. Die neuen Aufgaben und Aussichten, die
unsere Leute im neuen Lande erwarten, werden die jetzigen Handarbeiter
befriedigen und viele der jetzigen kleinen Hndler zu Handarbeitern
machen.

Ein Hausirer, der mit dem schweren Pack auf dem Rcken ber Land geht,
fhlt sich nicht so glcklich wie seine Verfolger glauben. Mit dem
Siebenstundentage sind alle diese Leute zu Arbeitern zu machen. Es sind
so brave, verkannte Leute und leiden jetzt vielleicht am schwersten.
Uebrigens wird sich die Society of Jews von Anfang an mit ihrer
Erziehung zu Arbeitern beschftigen. Die Erwerbslust wird auf eine
gesunde Weise anzuregen sein. Der Jude ist sparsam, findig und erfllt
vom strksten Familiensinn. Solche Menschen eignen sich zu jeder
Erwerbsthtigkeit und es wird gengen, den Kleinhandel zu einem
unergiebigen zu machen, um selbst die jetzigen Hausirer davon
abzubringen. Hierzu wrde beispielsweise die Begnstigung grosser
Kaufhuser, in denen man alles findet, dienen. Diese Universalkaufhuser
erdrcken schon jetzt in den Grossstdten den kleinen Handel. In einer
neuen Cultur wrden sie sein Entstehen geradezu verhindern. Ihre
Einrichtung htte gleichzeitig den Vortheil, das Land auch fr Menschen
mit vorgeschrittenen Bedrfnissen sofort bewohnbar zu machen.


Kleine Gewohnheiten.

Vertrgt es sich mit dem Ernste dieser Schrift, dass ich, wenn auch nur
flchtig, von den kleinen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten des
Alltagsmenschen spreche?

Ich glaube, ja. Es ist sogar sehr wichtig. Denn diese kleinen
Gewohnheiten sind wie tausend Zwirnfden, von denen jeder einzelne dnn
und schwach ist -- zusammen sind sie ein unzerreissbares Seil.

Auch auf diesem Punkte muss man sich von beschrnkten Vorstellungen
freimachen. Wer etwas von der Welt gesehen hat, der weiss, dass gerade
die kleinen Alltagsgewohnheiten schon jetzt mit Leichtigkeit berallhin
verpflanzt werden. Ja, die technischen Errungenschaften unserer Zeit,
welche dieser Plan fr die Menschlichkeit verwenden mchte, sind bisher
hauptschlich fr die kleinen Gewohnheiten verwendet worden. Es gibt
englische Hotels in Egypten und auf den Berggipfeln der Schweiz, Wiener
Cafs in Sdafrika, franzsische Theater in Russland, deutsche Opern in
Amerika und das beste bairische Bier in Paris.

Wenn wir noch einmal aus Mizraim wandern, werden wir die Fleischtpfe
nicht vergessen.

In jeder Ortsgruppe kann und wird Jeder seine kleinen Gewohnheiten
wiederfinden, nur besser, schner, angenehmer.




                           Society of Jews

                                 und

                             Judenstaat.


Negotiorum gestio.

Diese Schrift ist nicht fr Fachjuristen berechnet; darum kann ich meine
Theorie vom Rechtsgrunde des Staates auch nur flchtig andeuten, wie
vieles Andere.

Dennoch muss ich einiges Gewicht auf meine neue Theorie legen, die sich
wohl selbst in einer rechtsgelehrten Discussion wird halten lassen.

Rousseau's heute schon veraltete Auffassung wollte dem Staat einen
Gesellschaftsvertrag zu Grunde legen. Rousseau meint: Die Clauseln
dieses Vertrages sind durch die Natur der Verhandlung so bestimmt, dass
die geringste Abnderung sie nichtig und wirkungslos machen msste. Die
Folge davon ist, dass sie, WENN SIE AUCH VIELLEICHT NIE AUSDRCKLICH
AUSGESPROCHEN WREN, doch berall gleich, berall stillschweigend
angenommen und anerkannt sind u. s. w.

Die logische und geschichtliche Widerlegung von Rousseau's Theorie war
und ist nicht schwer, wie furchtbar und fruchtbar diese Theorie auch
gewirkt habe. Fr die modernen Verfassungsstaaten ist die Frage, ob vor
der Constitution schon ein Gesellschaftsvertrag mit nicht ausdrcklich
ausgesprochenen, aber unabnderlichen Clauseln bestanden habe, ohne
praktisches Interesse. Jetzt ist das Rechtsverhltniss zwischen
Regierung und Brgern jedenfalls festgesetzt.

Aber vor der Einrichtung einer Verfassung und beim Entstehen eines neuen
Staates sind diese Grundstze auch praktisch wichtig. Dass neue Staaten
noch immer entstehen knnen, wissen wir ja, sehen wir ja. Colonien
fallen vom Mutterlande ab, Vasallen reissen sich vom Suzern los,
neuerschlossene Territorien werden gleich als freie Staaten gegrndet.
Der Judenstaat ist allerdings als eine ganz eigenthmliche Neubildung
auf noch unbestimmtem Territorium gedacht. Aber nicht die Lnderstrecken
sind der Staat, sondern die durch eine Souvernett zusammengefassten
Menschen sind es.

Das Volk ist die persnliche, das Land die dingliche Grundlage des
Staates. Und von diesen beiden Grundlagen ist die persnliche die
wichtigere. Es gibt zum Beispiel eine Souvernett ohne dingliche
Grundlage, und sie ist sogar die geachtetste der Erde: es ist die
Souvernett des Papstes.

In der Wissenschaft vom Staate herrscht gegenwrtig die Theorie der
Vernunftnothwendigkeit. Diese Theorie reicht aus, um die Entstehung des
Staates zu rechtfertigen, und sie kann nicht geschichtlich widerlegt
werden, wie die Vertragstheorie. So weit es sich um die Entstehung des
Judenstaates handelt, befinde ich mich in dieser Schrift vollkommen auf
dem Boden der Vernunftnothwendigkeits-Theorie. Diese weicht aber dem
Rechtsgrunde des Staates aus. Der modernen Anschauung entsprechen die
Theorie der gttlichen Stiftung, die der Uebermacht, die Patriarchal-,
Patrimonial- und Vertragstheorie nicht. Der Rechtsgrund des Staates wird
bald zu sehr in den Menschen (Uebermachts-, Patriarchal- und
Vertragstheorie), bald rein ber den Menschen (gttliche Stiftung), bald
unter den Menschen (dingliche Patrimonialtheorie) gesucht. Die
Vernunftnothwendigkeit lsst die Frage bequem oder vorsichtig
unbeantwortet. Eine Frage, mit der sich die grssten Rechtsphilosophen
aller Zeiten so tief beschftigt haben, kann jedoch nicht ganz mssig
sein. Thatschlich liegt im Staat eine Mischung von Menschlichem und
Uebermenschlichem vor. Fr das zuweilen drckende Verhltniss, in
welchem die Regierten zu den Regierenden stehen, ist ein Rechtsgrund
unerlsslich. Ich glaube, er kann in der negotiorum gestio gefunden
werden. Wobei man sich die Gesammtheit der Brger als Dominus negotiorum
und die Regierung als den Gestor zu denken hat.

Der wunderbare Rechtssinn der Rmer hat in der negotiorum gestio ein
edles Meisterwerk geschaffen. Wenn das Gut eines Behinderten in Gefahr
ist, darf Jeder hinzutreten und es retten. Das ist der Gestor, der
Fhrer fremder Geschfte. Er hat keinen Auftrag, das heisst keinen
menschlichen Auftrag. Sein Auftrag ist ihm von einer hheren
Nothwendigkeit ertheilt. Diese hhere Nothwendigkeit kann fr den Staat
auf verschiedene Weise formulirt werden und wird auch auf den einzelnen
Culturstufen dem jeweiligen allgemeinen Begriffsvermgen entsprechend
verschiedenartig formulirt. Gerichtet ist die Gestio auf das Wohl des
Dominus, des Volkes, zu dem ja auch der Gestor selbst gehrt.

Der Gestor verwaltet ein Gut, dessen Miteigenthmer er ist. Aus seinem
Miteigenthum schpft er wohl die Kenntnis des Nothstandes, der das
Eingreifen, die Fhrung in Krieg und Frieden erfordert; aber keineswegs
gibt er sich als Miteigenthmer selbst einen giltigen Auftrag. Er kann
die Zustimmung der unzhligen Miteigenthmer im gnstigsten Falle nur
vermuthen.

Der Staat entsteht durch den Daseinskampf eines Volkes. In diesem Kampfe
ist es nicht mglich, erst auf umstndliche Weise einen ordentlichen
Auftrag einzuholen. Ja, es wrde jede Unternehmung fr die Gesammtheit
von vorneherein scheitern, wenn man zuvor einen regelrechten
Mehrheitsbeschluss erzielen wollte. Die innere Parteiung wrde das Volk
gegen den usseren Nothstand wehrlos machen. Alle Kpfe sind nicht unter
einen Hut zu bringen, wie man gewhnlich sagt. Darum setzt der Gestor
einfach den Hut auf und geht voran.

Der Staatsgestor ist gengend legitimirt, wenn die allgemeine Sache in
Gefahr und der Dominus durch Willensunfhigkeit oder auf andere Art
verhindert ist, sich selbst zu helfen.

Aber durch sein Eingreifen wird der Gestor dem Dominus hnlich wie aus
einem Vertrage, quasi ex contractu, verpflichtet. Das ist das
vorbestandene oder richtiger: mitentstehende Rechtsverhltniss im
Staate.

Der Gestor muss dann fr jede Fahrlssigkeit haften, auch wegen
verschuldeter Nichtvollendung der einmal bernommenen Geschfte und
Versumung dessen, was damit im wesentlichen Zusammenhange steht u. s. w.
Ich will die negotiorum gestio hier nicht weiter ausfhren und auf
den Staat bertragen. Das wrde uns zu weit vom eigentlichen Gegenstande
ablenken. Nur das Eine sei noch angefhrt: Durch Genehmigung wird die
Geschftsfhrung fr den Geschftsherrn in gleicher Art wirksam, als
wenn sie ursprnglich seinem Auftrag gemss geschehen wre.

Und was bedeutet das Alles in unserem Falle?

Das Judenvolk ist gegenwrtig durch die Diaspora verhindert, seine
politischen Geschfte selbst zu fhren. Dabei ist es auf verschiedenen
Punkten in schwerer oder leichterer Bedrngniss. Es braucht vor Allem
einen Gestor.

Dieser Gestor darf nun freilich nicht ein einzelnes
Individuum sein. Ein solches wre lcherlich oder -- weil es auf seinen
eigenen Vortheil auszugehen schiene -- verchtlich.

Der Gestor der Juden muss in jedem Sinne des Wortes eine moralische
Person sein.

Und das ist die Society of Jews.


Der Gestor der Juden.

Dieses Organ der Volksbewegung, dessen Art und Aufgaben wir erst jetzt
errtern, wird thatschlich vor allem Anderen entstehen. Die Entstehung
ist eine beraus einfache. Aus dem Kreise der wackeren englischen Juden,
denen ich in London den Plan mittheilte, wird sich diese moralische
Person bilden.

Die Society of Jews ist die Centralstelle der beginnenden Judenbewegung.

Die Society hat wissenschaftliche und politische Aufgaben. Die Grndung
des Judenstaates, wie ich mir sie denke, hat moderne wissenschaftliche
Voraussetzungen. Wenn wir heute aus Mizraim wandern, kann es nicht in
der naiven Weise der alten Zeit geschehen. Wir werden uns vorher anders
Rechenschaft geben von unserer Zahl und Kraft. Die Society of Jews ist
der neue Moses der Juden. Die Unternehmung des alten grossen Gestors der
Juden in den einfachen Zeiten verhlt sich zur unserigen, wie ein
wunderschnes altes Singspiel zu einer modernen Oper. Wir spielen
dieselbe Melodie mit viel, viel mehr Violinen, Flten, Harfen, Knie- und
Bassgeigen, elektrischem Licht, Decorationen, Chren, herrlicher
Ausstattung und mit den ersten Sngern.

Diese Schrift soll die allgemeine Discussion ber die Judenfrage
erffnen. Freunde und Feinde werden sich daran betheiligen -- ich hoffe,
nicht mehr in der bisherigen Form sentimentaler Vertheidigungen und
wster Beschimpfungen. Die Debatte soll sachlich, gross, ernst und
politisch gefhrt werden.

Die Society of Jews wird alle Kundgebungen der Staatsmnner, Parlamente,
Judengemeinden, Vereine, die in Wort und Schrift, in Versammlungen,
Zeitungen und Bchern hervorkommen, sammeln.

So wird die Society zum
erstenmal erfahren und feststellen, ob die Juden schon in's Gelobte Land
wandern wollen und mssen. Die Society wird von den Judengemeinden in
aller Welt die Behelfe zu einer umfassenden Statistik der Juden
erhalten.

Die spteren Aufgaben, die gelehrte Erforschung des neuen Landes und
seiner natrlichen Hilfsmittel, der einheitliche Plan zur Wanderung und
Ansiedelung, die Vorarbeiten fr die Gesetzgebung und Verwaltung etc.
sind aus dem Zweck vernnftig zu entwickeln.

Nach Aussen muss die Society versuchen, wie ich schon anfangs im
allgemeinen Theil erklrte, als staatsbildende Macht anerkannt zu
werden. Aus der freien Zustimmung vieler Juden kann sie den Regierungen
gegenber die nthige Autoritt schpfen.

Nach Innen, das heisst dem Judenvolke gegenber, schafft die Society die
unentbehrlichen Einrichtungen der ersten Zeit -- die Urzelle, um es mit
einem naturwissenschaftlichen Worte zu sagen, aus der sich spter die
ffentlichen Einrichtungen des Judenstaates entwickeln sollen.

Das erste Ziel ist, wie schon gesagt, die vlkerrechtlich gesicherte
Souvernett auf einem fr unsere gerechten Bedrfnisse ausreichenden
Landstrich.

Was hat nachher zu geschehen?


Die Landergreifung.

Als die Vlker in den historischen Zeiten wanderten, liessen sie sich
vom Weltzufall tragen, ziehen, schleudern. Wie Heuschreckenschwrme
gingen sie in ihrem bewusstlosen Zuge irgendwo nieder. In den
geschichtlichen Zeiten kannte man ja die Erde nicht.

Die neue Judenwanderung muss nach wissenschaftlichen Grundstzen
erfolgen.

Noch vor einigen vierzig Jahren wurde die Goldgrberei auf eine
wunderlich einfltige Weise betrieben. Wie abenteuerlich ist es in
Californien zugegangen! Da liefen auf ein Gercht hin die Desperados
aus aller Welt zusammen, stahlen der Erde, raubten einander das Gold ab
-- und verspielten es dann ebenso rubermssig.

Heute! Man sehe sich heute die Goldgrberei in Transvaal an. Keine
romantischen Strolche mehr, sondern nchterne Geologen und Ingenieure
leiten die Goldindustrie. Sinnreiche Maschinen lsen das Gold aus dem
erkannten Gestein. Dem Zufall ist wenig berlassen.

So muss das neue Judenland mit allen modernen Hilfsmitteln erforscht und
in Besitz genommen werden.

Sobald uns das Land gesichert ist, fhrt das Landnahmeschiff hinber.

Auf dem Schiff befinden sich die Vertreter der Society, der Company und
der Ortsgruppen.

Diese Landnehmer haben drei Aufgaben: 1. die genaue wissenschaftliche
Erforschung aller natrlichen Eigenschaften des Landes, 2. die
Einrichtung einer straff centralisirten Verwaltung, 3. die
Landvertheilung. Diese Aufgaben greifen ineinander und sind dem schon
gengend bekannten Zweck entsprechend auszufhren.

Nur eins ist noch nicht klargemacht: nmlich wie die Landergreifung nach
Ortsgruppen vor sich gehen soll.

In Amerika occupirt man bei Erschliessung eines neuen Territoriums auch
noch auf eine recht naive Art. Die Landnehmer versammeln sich an der
Grenze und strzen zur bestimmten Stunde gleichzeitig und gewaltsam
darauf los.

So wird es im neuen Judenlande nicht zu machen sein. Die Pltze der
Provinzen und Stdte werden versteigert. Nicht etwa fr Geld, sondern
fr Leistungen. Es ist nach dem allgemeinen Plane festgestellt worden,
welche Strassen, Brcken, Wasserregulirungen u. s. w. nthig sind fr
den Verkehr. Das wird nach Provinzen zusammengelegt. Innerhalb der
Provinzen werden in hnlicher Weise die Stadtpltze versteigert. Die
Ortsgruppen bernehmen die Verpflichtung, das ordentlich auszufhren.
Sie bestreiten die Kosten aus autonomen Umlagen. Die Society wird ja in
der Lage sein, vorauszuwissen, ob sich die Ortsgruppen keiner zu grossen
Opfer vermessen. Die grossen Gemeinwesen erhalten grosse Schaupltze fr
ihre Thtigkeit. Grssere Opfer werden durch gewisse Zuwendungen
belohnt: Universitten, Fach-, Hochschulen, Versuchsanstalten etc. und
jene Staatsinstitute, die nicht in der Hauptstadt sein mssen, werden
ber das Land zerstreut.

Fr die richtige Ausfhrung des Uebernommenen haftet das eigene
Interesse der Ersteher und im Nothfall die Ortsumlage. Denn so wie wir
den Unterschied einzelner Individuen nicht aufheben knnen und wollen,
so bleibt auch der Unterschied zwischen den Ortsgruppen bestehen. Alles
gliedert sich auf natrliche Weise. Alle erworbenen Rechte werden
geschtzt, jede neue Entwicklung erhlt gengenden Spielraum.

Diese Dinge werden smmtlich unseren Leuten deutlich bekannt sein.

So wie wir die Anderen nicht berrumpeln oder betrgen, so tuschen wir
uns auch selbst nicht.

Von vornherein wird alles auf eine planvolle Art festgestellt sein. An
der Ausarbeitung dieses Planes, den ich nur anzudeuten vermag,
werden sich unsere scharfsinnigsten Kpfe betheiligen. Alle
socialwissenschaftlichen und technischen Errungenschaften der Zeit, in
der wir leben, und der immer hheren Zeit, in welche die langwierige
Ausfhrung des Planes fallen wird, sind fr den Zweck zu verwenden. Alle
glcklichen Erfindungen, die schon da sind und die noch kommen werden,
sind zu bentzen. So kann es eine in der Geschichte beispiellose Form
der Landnahme und Staatgrndung werden, mit bisher nicht dagewesenen
Chancen des Gelingens.


Verfassung.

Eine der von der Society einzusetzenden grossen Commissionen wird der
Rath der Staatsjuristen sein. Diese mssen eine mglichst gute moderne
Verfassung zustandebringen. Ich glaube, eine gute Verfassung soll von
mssiger Elasticitt sein. In einem anderen Werke habe ich
auseinandergesetzt, welche Staatsformen mir als die besten erscheinen.
Ich halte die demokratische Monarchie und die aristokratische Republik
fr die feinsten Formen des Staates. Staatsform und Regierungsprincip
mssen in einem ausgleichenden Gegensatze zu einander stehen. Ich bin
ein berzeugter Freund monarchischer Einrichtungen, weil sie eine
bestndige Politik ermglichen und das mit der Staatserhaltung
verknpfte Interesse einer geschichtlich berhmten, zum Herrschen
geborenen und erzogenen Familie vorstellen. Unsere Geschichte ist jedoch
so lange unterbrochen gewesen, dass wir an die Einrichtung nicht mehr
anknpfen knnen. Der blosse Versuch unterlge dem Fluche der
Lcherlichkeit.

Die Demokratie ohne das ntzliche Gegengewicht eines Monarchen ist masslos
in der Anerkennung und in der Verurtheilung, fhrt zu Parlamentsgeschwtz
und zur hsslichen Kategorie der Berufspolitiker. Auch sind die jetzigen
Vlker nicht geeignet fr die unbeschrnkte Demokratie und ich glaube, sie
werden zuknftig immer weniger dazu geeignet sein. Die reine Demokratie
setzt nmlich sehr einfache Sitten voraus und unsere Sitten werden mit dem
Verkehr und mit der Cultur immer complicirter. Le ressort d'une dmocratie
est la vertu, sagt der weise Montesquieu. Und wo findet man diese Tugend,
die politische meine ich? Ich glaube nicht an unsere politische Tugend,
weil wir nicht anders sind, als die anderen modernen Menschen, und weil
uns in der Freiheit zunchst der Kamm schwellen wrde. Das Referendum halte
ich fr unverstndig, denn in der Politik gibt es keine einfachen Fragen,
die man blos mit Ja und Nein beantworten kann. Auch sind die Massen noch
rger als die Parlamente, jedem Irrglauben unterworfen, jedem krftigen
Schreier zugeneigt. Vor versammeltem Volke kann man weder ussere noch
innere Politik machen.

Politik muss von oben herab gemacht werden. Im Judenstaate soll darum
doch Niemand geknechtet werden, denn jeder Jude kann aufsteigen, jeder
wird aufsteigen wollen. So muss ein gewaltiger Zug nach oben in unser
Volk kommen. Jeder Einzelne wird nur glauben, sich selbst zu heben, und
dabei wird die Gesammtheit gehoben. Das Aufsteigen ist in sittliche, dem
Staate ntzliche, der Volksidee dienende Formen zu binden.

Darum denke ich mir eine aristokratische Republik. Das entspricht auch
dem ehrgeizigen Sinne unseres Volkes, der jetzt zu alberner Eitelkeit
entartet ist. Manche Einrichtung Venedigs schwebt mir vor; aber alles,
woran Venedig zugrunde ging, ist zu vermeiden. Wir werden aus den
geschichtlichen Fehlern Anderer lernen, wie aus unseren eigenen. Denn
wir sind ein modernes Volk und wollen das modernste werden. Unser Volk,
dem die Society das neue Land bringt, wird auch die Verfassung, die ihm
die Society gibt, dankbar annehmen. Wo sich aber Widerstnde zeigen,
wird die Society sie brechen. Sie kann sich im Werke durch beschrnkte
oder bswillige Individuen nicht stren lassen.


Sprache.

Vielleicht denkt jemand, es werde eine Schwierigkeit sein, dass wir
keine gemeinsame Sprache mehr haben. Wir knnen doch nicht Hebrisch
miteinander reden. Wer von uns weiss genug Hebrisch, um in dieser
Sprache ein Bahnbillet zu verlangen? Das gibt es nicht. Dennoch ist die
Sache sehr einfach. Jeder behlt seine Sprache, welche die liebe Heimat
seiner Gedanken ist. Fr die Mglichkeit des Sprachenfderalismus ist
die Schweiz ein endgiltiges Beispiel. Wir werden auch drben bleiben,
was wir jetzt sind, sowie wir nie aufhren werden, unsere Vaterlnder,
aus denen wir verdrngt wurden, mit Wehmuth zu lieben.

Die verkmmerten und verdrckten Jargons, deren wir uns jetzt bedienen,
diese Ghettosprachen werden wir uns abgewhnen. Es waren die
verstohlenen Sprachen von Gefangenen. Unsere Volkslehrer werden dieser
Sache ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Die dem allgemeinen Verkehre am
meisten ntzende Sprache wird sich zwanglos als Hauptsprache einsetzen.
Unsere Volksgemeinschaft ist ja eine eigenthmliche, einzige. Wir
erkennen uns eigentlich nur noch am vterlichen Glauben als
zusammengehrig.


Theokratie.

Werden wir also am Ende eine Theokratie haben? Nein! Der Glaube hlt uns
zusammen, die Wissenschaft macht uns frei. Wir werden daher
theokratische Velleitten unserer Geistlichen gar nicht aufkommen
lassen. Wir werden sie in ihren Tempeln festzuhalten wissen, wie wir
unser Berufsheer in den Kasernen festhalten werden. Heer und Clerus
sollen so hoch geehrt werden, wie es ihre schnen Functionen erfordern
und verdienen. In den Staat, der sie auszeichnet, haben sie nichts
dreinzureden, denn sie wrden ussere und innere Schwierigkeiten
heraufbeschwren.

Jeder ist in seinem Bekenntniss oder in seinem Unglauben so frei und
unbeschrnkt, wie in seiner Nationalitt. Und fgt es sich, dass auch
Andersglubige, Andersnationale unter uns wohnen, so werden wir ihnen
einen ehrenvollen Schutz und die Rechtsgleichheit gewhren. Wir haben
die Toleranz in Europa gelernt. Ich sage das nicht einmal spttisch. Den
jetzigen Antisemitismus kann man nur an vereinzelten Orten fr die alte
religise Intoleranz halten. Zumeist ist er bei den Culturvlkern eine
Bewegung, mit der sie ein Gespenst ihrer eigenen Vergangenheit abwehren
mchten.


Gesetze.

Wenn die Verwirklichung des Staatsgedankens nher rckt, wird die
Society of Jews gesetzgeberische Vorarbeiten machen lassen durch ein
Juristencollegium. Fr die Uebergangszeit lsst sich der Grundsatz
annehmen, dass Jeder der aus den verschiedenen Lndern einwandernden
Juden nach seinen bisherigen Landesgesetzen zu beurtheilen sei. Bald ist
die Rechtseinheit anzustreben. Es mssen moderne Gesetze sein, auch da
berall das Beste zu verwenden. Es kann eine vorbildliche Codification
werden, durchdrungen von allen gerechten socialen Forderungen der
Gegenwart.


Das Heer.

Der Judenstaat ist als ein neutraler gedacht. Er braucht nur ein
Berufsheer -- allerdings ein mit smmtlichen modernen Kriegsmitteln
ausgerstetes -- zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Aussen, wie nach
Innen.


Die Fahne.

Wir haben keine Fahne. Wir brauchen eine. Wenn man viele Menschen fhren
will, muss man ein Symbol ber ihre Hupter erheben.

Ich denke mir eine weisse Fahne, mit sieben goldenen Sternen. Das weisse
Feld bedeutet das neue, reine Leben; die Sterne sind die sieben
goldenen Stunden unseres Arbeitstages. Denn im Zeichen der Arbeit gehen
die Juden in das neue Land.


Reciprocitt und Auslieferungsvertrge.

Der neue Judenstaat muss anstndig gegrndet werden. Wir denken ja an
unsere knftige Ehre in der Welt.

Darum mssen alle Verpflichtungen in den bisherigen Wohnorten rechtschaffen
erfllt werden. Billige Fahrt und alle Ansiedelungsbegnstigungen
werden Society of Jews und Jewish Company nur denjenigen gewhren, die
ein Amtszeugniss Ihrer bisherigen Behrden beibringen: In guter Ordnung
fortgezogen.

Alle privatrechtlichen Forderungen, die noch aus den verlassenen Lndern
stammen, sind im Judenstaate leichter klagbar als irgendwo. Wir werden
gar nicht auf Reciprocitt warten. Wir thun das nur um unserer eigenen
Ehre willen. So werden spterhin auch unsere Forderungen willigere
Gerichte finden, als dies jetzt da und dort der Fall sein mag.

Von selbst versteht sich nach allem Bisherigen, dass wir auch die
jdischen Verbrecher leichter ausliefern, als jeder andere Staat, bis zu
dem Augenblicke, wo wir die Strafhoheit nach denselben Grundstzen
ausben werden, wie alle brigen civilisirten Vlker. Es ist also eine
Uebergangszeit gedacht, whrend welcher wir unsere Verbrecher erst nach
abgebsster Strafe aufnehmen. Haben sie aber gebsst, so werden sie ohne
jede Restriction aufgenommen, es soll auch fr die Verbrecher unter uns
ein neues Leben beginnen.

So kann fr viele Juden die Auswanderung zu einer glcklich verlaufenden
Krise werden. Die schlechten usseren Bedingungen, unter denen mancher
Charakter verdorben ist, werden behoben, und Verlorene knnen gerettet
werden.

Ich mchte da kurz die Geschichte erzhlen, die ich in einem Bericht
ber die Goldminen von Witwatersrand gefunden habe. Ein Mann kam eines
Tages nach dem Rand, liess sich nieder, versuchte Einiges, nur nicht das
Goldgraben, grndete endlich eine Eisfabrik, die prosperirte, und erwarb
sich bald durch seine Anstndigkeit die allgemeine Achtung. Da wurde er
nach Jahren pltzlich verhaftet. Er hatte in Frankfurt als Bankier
Betrgereien verbt, war entflohen und hatte hier unter falschem Namen
ein neues Leben begonnen. Als man ihn aber gefangen fortfhrte, da
erschienen die angesehensten Leute auf dem Bahnhof, sagten ihm herzlich
Lebewohl und -- Auf Wiedersehen! Denn er wird wiederkommen.

Was sagt diese Geschichte alles! Ein neues Leben vermag selbst
Verbrecher zu bessern. Und wir haben doch verhltnissmssig sehr wenige
Verbrecher. Man lese dazu eine interessante Statistik Die Kriminalitt
der Juden in Deutschland, die von Dr. P. Nathan in Berlin -- im
Auftrage des Comits zur Abwehr antisemitischer Angriffe -- auf Grund
amtlicher Ausweise zusammengestellt wurde. Freilich geht aber diese
zahlenerfllte Schrift, wie manche andere Abwehr von dem Irrthum aus,
dass sich der Antisemitismus vernnftig widerlegen lasse. Man hasst uns
vermuthlich ebensosehr wegen unserer Vorzge, wie wegen unserer Fehler.


Vortheile der Judenwanderung.

Ich denke mir, dass die Regierungen diesem Entwurfe freiwillig oder
unter dem Drucke ihrer Antisemiten einige Aufmerksamkeit schenken
werden, und vielleicht wird man sogar da und dort von Anfang an dem
Plane mit Sympathie entgegenkommen, und es der Society of Jews auch
zeigen.

Denn durch die Judenwanderung, die ich meine, knnen keine
wirthschaftlichen Krisen entstehen. Solche Krisen, die im Gefolge von
Judenhetzen berall kommen mssten, wrden durch die Ausfhrung dieses
Entwurfes vielmehr verhindert werden. Eine grosse Periode der Wohlfahrt
wrde in den jetzt antisemitischen Lndern beginnen. Es wird ja, wie ich
schon oft sagte, eine innere Wanderung der christlichen Staatsbrger in
die langsam und planvoll evacuirten Positionen der Juden stattfinden.
Wenn man uns nicht nur gewhren lsst, sondern geradezu hilft, so wird
die Bewegung berall befruchtend wirken. Es ist auch eine bornirte
Vorstellung, von der man sich frei machen muss, dass durch den Abzug
vieler Juden eine Verarmung der Lnder eintreten msste. Anders stellt
sich ein Abzug infolge von Hetzen dar, wobei allerdings, wie in der
Verwirrung eines Krieges, Gter zerstrt werden. Und anders ist der
friedliche freiwillige Abzug von Colonisten, wobei alles unter Schonung
erworbener Rechte, in vollster Gesetzlichkeit, frei und offen, am hellen
Tage, unter den Augen der Behrden, unter der Controle der ffentlichen
Meinung vollzogen werden kann. Die Auswanderung von christlichen
Proletariern nach anderen Welttheilen kme durch die Judenbewegung zum
Stillstande.

Die Staaten htten ferner den Vortheil, dass ihr Exporthandel gewaltig
wchse, denn da die ausgewanderten Juden drben noch lange auf die
europischen Erzeugnisse angewiesen wren, mssten sie sie nothwendig
beziehen. Durch die Ortsgruppen wrde ein gerechter Ausgleich
geschaffen, die gewohnten Bedrfnisse mssten sich noch lange an den
gewohnten Orten decken.

Einer der grssten Vortheile wre wohl die sociale Erleichterung. Die
sociale Unzufriedenheit knnte auf eine Zeit hinaus beschwichtigt
werden, die vielleicht 20 Jahre, vielleicht lnger dauern wrde,
jedenfalls aber die ganze Zeit der Judenwanderung hindurch anhielte.

Die Gestaltung der socialen Frage hngt nur von der Entwicklung der
technischen Mittel ab. Der Dampf hat die Menschen um die Maschinen herum
in den Fabriken versammelt, wo sie aneinander gedrckt sind und durch
einander unglcklich werden. Die Production ist eine ungeheure,
wahllose, planlose, fhrt jeden Augenblick zu schweren Krisen, durch die
mit den Unternehmern auch die Arbeiter zugrunde gehen. Der Dampf hat die
Menschen aneinandergepresst, die Anwendung der Elektricitt wird sie
vermuthlich wieder auseinander streuen und vielleicht in glcklichere
Arbeitszustnde bringen. Jedenfalls werden die technischen Erfinder, die
wahren Wohlthter der Menschheit, auch nach Beginn der Judenwanderung
weiterarbeiten und hoffentlich so wunderbare Dinge finden wie bisher,
nein, immer wunderbarere.

Schon scheint das Wort unmglich aus der Sprache der Technik
verschwunden zu sein. Kme ein Mann des vorigen Jahrhunderts wieder, er
fnde unser ganzes Leben voll unbegreiflicher Zaubereien. Wo wir
Modernen mit unseren Hilfsmitteln erscheinen, verwandeln wir die Wste
in einen Garten. Zur Errichtung von Stdten gengen uns jetzt soviele
Jahre, als man in frheren Epochen der Geschichte Jahrhunderte brauchte
-- dafr zahllose Beispiele in Amerika. Die Entfernungen sind als
Hinderniss berwunden. Die Schatzkammer des modernen Geistes enthlt
schon unermessliche Reichthmer; jeder Tag vermehrt sie, hunderttausend
Kpfe sinnen, suchen auf allen Punkten der Erde, und was einer entdeckt
hat, gehrt im nchsten Augenblick der ganzen Welt.

Wir selbst mchten im Judenlande alle neuen Versuche bentzen,
fortbilden, und wie wir im Siebenstundentage ein Experiment zum Wohle
der ganzen Menschheit machen, so wollen wir in Allem Menschenfreundlichen
vorangehen und als neues Land ein Versuchsland und Musterland vorstellen.

Nach dem Abzug der Juden werden die von ihnen geschaffenen
Unternehmungen verbleiben wo sie waren. Und nicht einmal der jdische
Unternehmungsgeist wird dort fehlen, wo man ihn gerne sieht. Das mobile
jdische Capital wird auch fernerhin seine Anlagen dort suchen, wo
seinen Besitzern die Verhltnisse wohlbekannt sind. Und whrend jetzt
das jdische Geldcapital wegen der Verfolgungen ausser Landes die
entlegensten Unternehmungen aufsucht, wird es bei dieser friedlichen
Lsung zurckkehren und zum weiteren Aufschwung der bisherigen Wohnorte
der Juden beitragen.




Schlusswort.


Wie Vieles ist noch unerrtert geblieben, wie viele Mngel, schdliche
Flchtigkeiten und nutzlose Wiederholungen weist noch immer diese
Schrift auf, die ich mir lange wohl bedacht und oft berarbeitet habe.

Der redliche Leser, der auch verstndig genug ist, im Inneren der Worte
zu lesen, wird sich von den Mngeln nicht abstossen lassen. Er wird sich
eher angeeifert fhlen, mit seinem Scharfsinn und seiner Kraft
theilzunehmen an einem Werk, das keinem Einzelnen gehrt, und es zu
verbessern.

Habe ich nicht selbstverstndliche Dinge erklrt und wichtige Bedenken
bersehen?

Einige Einwnde habe ich zu widerlegen versucht; ich weiss, es gibt noch
andere, viele, es gibt hohe und niedere.

Zu den hohen Einwendungen gehrt es, dass in der Welt die Nothlage der
Juden nicht die einzige ist. -- Ich meine aber, dass wir immerhin
anfangen sollen, ein wenig Elend hinwegzurumen; wre es auch vorlufig
nur unser eigenes.

Ferner kann gesagt werden, dass wir nicht neue Unterschiede zwischen die
Menschen bringen sollten; keine neuen Grenzen errichten, lieber die
alten verschwinden machen. -- Ich meine, das sind liebenswerthe
Schwrmer, die so denken; aber der Staub ihrer Knochen wird schon
spurlos zerblasen sein, wenn die Vaterlandsidee noch immer blhen wird.
Die allgemeine Verbrderung ist nicht einmal ein schner Traum. Der
Feind ist nthig fr die hchsten Anstrengungen der Persnlichkeit.

Aber wie? Die Juden wrden wohl in ihrem eigenen Staat keinen Feind mehr
haben, und da sie im Wohlergehen schwach werden und schwinden, so wrde
das Judenvolk dann erst recht zu Grunde gehen? -- Ich meine, die Juden
werden immer genug Feinde haben, wie jede andere Nation. Wenn sie aber
auf ihrem eigenen Boden sitzen, knnen sie nie mehr in alle Welt
zerstreut werden. Wiederholt kann die Diaspora nicht werden, solange die
ganze Cultur der Welt nicht zusammenbricht. Und davor kann sich nur ein
Einfltiger frchten. Die jetzige Cultur hat Machtmittel genug, um sich
zu vertheidigen.

Die niederen Einwendungen sind zahllos, wie es ja auch mehr niedere
Menschen gibt als hohe. Einige beschrnkte Vorstellungen versuchte ich
niederzuringen. Wer sich hinter die weisse Fahne mit den sieben Sternen
stellen will, muss mithelfen in diesem Aufklrungs-Feldzug. Vielleicht
wird der Kampf zuerst gegen manche bse, engherzige, beschrnkte Juden
gefhrt werden mssen.

Wird man nicht sagen, dass ich den Antisemiten Waffen liefere? Warum?
Weil ich das Wahre zugebe? Weil ich nicht behaupte, dass wir lauter
vortreffliche Menschen unter uns haben?

Wird man nicht sagen, dass ich einen Weg zeige, auf dem man uns schaden
knnte? Das bestreite ich auf das Entschiedenste. Was ich vorschlage,
kann nur ausgefhrt werden mit freier Zustimmung der Judenmehrheit. Es
kann gegen einzelne, selbst gegen die Gruppen der jetzt mchtigsten
Juden gemacht werden -- aber nie und nimmermehr vom Staat aus gegen alle
Juden. Man kann die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden, wo sie
einmal besteht, nicht mehr aufheben; denn schon die einleitenden
Versuche wrden sofort alle Juden, Arm und Reich, den Umsturzparteien
zujagen. Schon der Beginn officieller Ungerechtigkeiten gegen die Juden
hat berall wirthschaftliche Krisen im Gefolge. Man kann also eigentlich
wenig Wirksames gegen uns thun, wenn man sich nicht selbst weh thun
will. Dabei wchst und wchst der Hass. Die Reichen spren davon nicht
viel. Aber unsere Armen! Man frage unsere Armen, die seit der Erneuerung
des Antisemitismus furchtbarer proletarisirt wurden, als je vorher.

Werden einige Wohlhabende meinen, der Druck sei noch nicht gross genug
fr die Auswanderung, und selbst bei gewaltsamen Judenaustreibungen
zeige sich, wie ungern unsere Leute gingen? Ja, weil sie nicht wissen,
wohin! Weil sie nur aus einem Elend in's andere kommen. Aber wir zeigen
ihnen den Weg in das Gelobte Land. Und mit der schrecklichen Macht der
Gewohnheit muss die herrliche Macht der Begeisterung ringen.

Die Verfolgungen sind nicht mehr so bsartig wie im Mittelalter? Ja,
aber unsere Empfindlichkeit ist gewachsen, so dass wir keine
Verminderung der Leiden spren. Die lange Verfolgung hat unsere Nerven
berreizt.

Und wird man noch sagen: die Unternehmung sei hoffnungslos, selbst wenn
wir das Land und die Souvernett bekommen -- weil nur die Armen
mitgehen werden? Gerade die brauchen wir zuerst! Nur die Desperados
taugen zum Erobern.

Wird Jemand sagen: Ja, wenn das mglich wre, htte man es schon
gemacht?

Frher war es nicht mglich. Jetzt ist es mglich. Noch vor
hundert, vor fnfzig Jahren wre es eine Schwrmerei gewesen, Heute ist
das Alles wirklich. Die Reichen, die einen genussvollen Ueberblick ber
smmtliche technischen Errungenschaften haben, wissen sehr gut, was mit
Geld alles gemacht werden kann. Und so wird es zugehen: gerade die Armen
und Einfachen, die gar nicht ahnen, welche Gewalt ber die Naturkrfte
der Mensch schon besitzt, werden die neue Botschaft am strksten
glauben. Denn sie haben die Hoffnung auf das Gelobte Land nicht
verloren.

Da ist es, Juden! Kein Mrchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon
berzeugen, denn Jeder trgt ein Stck vom Gelobten Land hinber: der in
seinem Kopf, und der in seinen Armen, und Jener in seinem erworbenen
Gut.

Nun knnte es scheinen, als wre das eine langwierige Sache. Auch im
gnstigsten Falle wrde der Beginn der Staatsgrndung noch viele Jahre
auf sich warten lassen. Inzwischen werden die Juden auf tausend Punkten
gehnselt, gekrnkt, gescholten, geprgelt, geplndert und erschlagen.
Nein, wenn wir auch nur beginnen, den Plan auszufhren, kommt der
Antisemitismus berall und sofort zum Stillstand. Denn es ist der
Friedensschluss.

Wenn die Jewish Company gebildet ist, wird diese Nachricht in einem Tage
nach den fernsten Punkten der Erde durch den Blitz unserer Drhte
hinausgetragen worden sein.

Und augenblicklich beginnt auch die Erleichterung. Aus den Mittelstnden
fliessen unsere berproducirten mittleren Intelligenzen, fliessen ab in
unsere ersten Organisationen, bilden unsere ersten Techniker, Officiere,
Professoren, Beamten, Juristen, Aerzte. Und so geht die Sache weiter,
eilig und doch ohne Erschtterung.

Man wird in den Tempeln beten fr das Gelingen des Werkes. Aber in den
Kirchen auch! Es ist die Lsung eines alten Druckes, unter dem Alle
litten.

Aber zunchst muss es licht werden in den Kpfen. Der Gedanke muss
hinausfliegen bis in die letzten jammervollen Nester, wo unsere Leute
wohnen. Sie werden aufwachen aus ihrem dumpfen Brten. Denn in unser
Aller Leben kommt ein neuer Inhalt. Jeder braucht nur an sich selbst zu
denken, und der Zug wird schon ein gewaltiger.

Und welcher Ruhm erwartet die selbstlosen Kmpfer fr die Sache!

Darum glaube ich, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde
wachsen wird. Die Makkaber werden wieder aufstehen.

Noch einmal sei das Wort des Anfangs wiederholt: Die Juden, die wollen,
werden ihren Staat haben.

Wir sollen endlich als freie Mnner auf unserer eigenen Scholle leben
und in unserer eigenen Heimat ruhig sterben.

Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unseren Reichthum
bereichert, und vergrssert durch unsere Grsse.

Und was wir dort nur fr unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt
machtvoll und beglckend hinaus zum Wohle aller Menschen.




Gesellschafts-Buchdruckerei Brder Hollinek, III., Erdbergstrasse 3.





End of the Project Gutenberg EBook of Der Judenstaat, by Theodor Herzl

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
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law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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     https://www.gutenberg.org

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