The Project Gutenberg eBook, Norwegische Volksmhrchen I., by P.
Asbjrnsen and Jrgen Moe, et al, Translated by Friederich Bresemann


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Title: Norwegische Volksmhrchen I.
       gesammelt von P. Asbjrnsen und Jrgen Moe


Author: P. Asbjrnsen and Jrgen Moe



Release Date: August 25, 2009  [eBook #29796]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMHRCHEN I.***


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Norwegische Volksmhrchen.

1.


Norwegische
Volksmhrchen,
gesammelt
von
P. Asbjrnsen und Jrgen Moe.

Deutsch von Friederich Bresemann.

Mit einem Vorworte
von
Ludwig Tieck.


Erster Band.







Verlegt
von
M. Simion in Berlin.

1847.

Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.




_Vorwort._


Vor funfzig Jahren etwa waren bei vielen ernsthaften, selbst gebildeten
Leuten die Mhrchen, Erzhlungen von Feen und seltsamen Erscheinungen
von Gespenstern und Geistern in blem Ruf. Die Geschichten der Tausend
und Einen Nacht genossen bei poetischen Gemthern einige Achtung, sie
waren wenigstens von den Leihbibliotheken nicht ausgeschlossen. Die
Erzhlungen meiner Mutter Gans waren ber ganz Europa verbreitet, doch
nur in den Hnden der Kinder. Einige Jahre frher hatte unser deutscher
Musus seine humoristischen Volksmhrchen fast als strkendes Mittel in
die damals berfluthende weichliche Sentimentalitt hineingeworfen, und
sie fanden allgemeinen Beifall, den sie auch bis jetzt sich erhalten
haben, obgleich das poetische Element dieser alten Volks-Sagen und
Dichtungen nicht selten durch Anspielungen auf ganz moderne Dinge und zu
prosaische Zustnde verfinstert ist. Man rechnete aber diese exotischen
Pflanzen und Blumen nicht zur eigentlichen Literatur, und als ich um
1796 meine Versuche in dieser Art herausgab und uralte Geschichten in
ein andres Gewand kleidete, wurde ich von vielen meiner Freunde und
Wohlwollenden sehr ernsthaft getadelt.

Wie hat sich seitdem diese Gegend der Bcherwelt verwandelt! Eine ganze
reiche Literatur dieser Mhrchen ist entstanden und aus allen Lndern
der Erde zusammengetragen.

Viele von diesen Volks- und Kindermhrchen sind durch Tradition
und viele Jahre verwandelte und verderbte epische Gedichte, und es
ist interessant und rhrend berraschend, wenn von Zeit zu Zeit im
verschtteten Grunde der alte Baum noch grnend wiedergefunden wird, den
gedchtnilose Jahre in ein unkenntliches Struchen zusammengetrocknet
haben. Ergeht man sich in diesen Forschungen, so wird unser Sinn endlich
verwirrt und schwindelnd, weil bei zu genauer Untersuchung Indien
und Frankreich, Deutschland und Italien mit Island und dem Nordpol
zusammenflieen. Alle Vlker, alle Kinder haben sich von je an greren
und kleineren Mhrchen ergtzt, Kinder selbst haben manche erfunden,
oder die sie hrten auf ihre Art nachgeahmt, andre, alte und junge
Frauen haben diese auf ihre Art wieder umgebildet, und so findet der
Suchende jetzt in allen Lndern zum Theil dieselben Sagen wieder, mehr
oder minder vom Clima, dem Sden oder Norden gefrbt.

Und so nehme man auch diese Sammlung freundlich auf, diesen nordischen
Strau von Sptblumen und einigen seltsamen Pflanzen. Die interessantesten
mchten wohl die Erzhlungen sein, die von einem leichten, gutmthigen
Humor angefrbt sind. Wenn Aschenbrdel, Blaubart, und manche ganz
allgemein verbreitete Legenden oft und unter mancherlei Gestalten
vorkommen, so lasse man sich auch die oft nicht bedeutende Variation
gefallen, und bei einfachen, natrlichen Kindern mten die meisten
dieser Geschichten Eingang und eine freundliche Aufnahme finden.

Immer in hnlicher Gestalt mit zwei bis neun Kpfen erscheint der
ungeschlachte, boshafte Riesengeist _Troll_. Um 1790, als W. v. Schlegel
noch in Gttingen lebte, und sehr befreundet war mit unserm deutschen
Dichter Brger, ergingen sich Lehrer und Schler auch oft in den Wldern
nordischer Poesie. Damals war selbst unter Gelehrten in Dnemark und
Schweden nicht viel Kunde von dieser Region, und so bildete sich der
poetische Brger ein, unser deutsches Wort _drollig_ sei von diesem
schadenfrohen Nordgeiste abgeleitet, und in diesem Glauben bildete
Schlegel nachher in seinem Sommernachtstraum den Kobold _Droll_, statt
des englischen alt-nationalen _Puck_, welcher freilich ein ganz anderer
und mehr komischer Gesell ist, als diese Trollgeister sich zeigen.
Schon vor vielen Jahren stritt ich mit Schlegel ber diesen (vielleicht
unbedeutenden) Punkt, bis denn zu Maria Weber's Oberon ein Englnder
selbst seinem Puck ungetreu geworden ist, und diesen neu befrderten
Geist _Droll_ singen und sprechen lt.

Meinen Dank dem kundigen bersetzer, der mich diese Sagen hat kennen
lernen, und dessen Wunsch ich gern gengt habe, ein kleines einleitendes
Wort dieser Sammlung vorzusehen.

L. TIECK.

POTSDAM in den letzten Tagen des
October 1846, unmittelbar nach einer
schweren Krankheit.




Inhalt:

                                                        Seite

  1. Von Aschenbrdel, welcher die silbernen Enten, die
       Bettdecke und die goldne Harfe des Trollen stahl      1
  2. Der Gertrudsvogel                                       8
  3. Der Vogel Dam                                          10
  4. Die wortschlaue Prinzessinn                            27
  5. Der reiche Peter Krmer                                29
  6. Aschenbrdel, der mit dem Trollen um die Wette a      45
  7. Von dem Burschen, der zu dem Nordwind ging und
     das Mehl zurckforderte                                49
  8. Die Jungfrau Maria als Gevatterinn                     54
  9. Die drei Prinzessinnen aus Witenland                   61
 10. Es giebt noch mehr solche Weiber                       70
 11. Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten            78
 12. Eine Freiergeschichte                                  79
 13. Die drei Muhmen                                        80
 14. Der Sohn der Wittwe                                    86
 15. Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau       100
 16. Hhnchen und Hhnchen im Nuwald                      113
 17. Der Br und der Fuchs                                 118
     #a#) Warum der Br einen Stumpfschwanz hat            118
     #b#) Wie der Fuchs den Bren ums Weihnachtsessen
       prellt                                              119
 18. Gudbrand vom Berge                                    122
 19. Kari Trstak                                          128
 20. Der Fuchs als Hirte                                   146
 21. Vom Schmied, den der Teufel nicht in die Hlle lassen
       durfte                                              148
 22. Der Hahn und die Henne                                157
 23. Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn                  158
 24. Lillekort                                             159
 25. Die Puppe im Grase                                    179
 26. Das Ktzchen auf Dovre                                183
 27. Soria-Moria-Schlo                                    185
 28. Der Herr Peter                                        200
 29. Aase, das kleine Gnsemdchen                         208
 30. Der Bursch und der Teufel                             213




1.

Von Aschenbrdel,
welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldne Harfe des
Trollen stahl.


Es war einmal ein armer Mann, der hatte drei Shne. Als er starb, wollten
die beiden ltesten in die Welt reisen, um ihr Glck zu versuchen;
aber den jngsten wollten sie gar nicht mit haben. Du da, sagten sie:
taugst zu nichts Anderm, als in der Asche zu whlen. Du! -- So mu
ich denn allein gehen, sagte _Aschenbrdel_. Die beiden gingen und
kamen zu einem Knigsschlo; da erhielten sie Dienste, der eine beim
Stallmeister, und der andre beim Grtner. Aschenbrdel ging auch fort
und nahm einen groen Backtrog mit, das war das Einzige, was die ltern
hinterlassen hatten, wonach aber die andern beiden nichts fragten; der
Trog war zwar schwer zu tragen, aber Aschenbrdel wollte ihn doch nicht
stehen lassen. Als er eine Zeitlang gewandert war, kam er ebenfalls zu
dem Knigsschlo, und dort bat er um einen Dienst. Sie antworteten ihm
aber, da sie ihn nicht brauchen knnten; da er inde so flehentlich
bat, sollte er zuletzt die Erlaubni haben, in der Kche zu sein und
der Kchinn Holz und Wasser zuzutragen. Er war fleiig und flink, und
es dauerte nicht lange, so hielten Alle viel von ihm; aber die beiden
Andern waren faul, und darum bekamen sie oft Schlge und wenig Lohn und
wurden nun neidisch auf Aschenbrdel, da sie sahen, da es ihm besser
ging.

Dem Knigsschlo grade gegenber, an der andern Seite eines Wassers,
wohnte ein Troll, der hatte sieben silberne Enten, die auf dem Wasser
schwammen, so da man sie von dem Schlo aus sehen konnte; die hatte
sich der Knig oft gewnscht, und dehalb sagten die zwei Brder zu dem
Stallmeister: Wenn unser Bruder wollte, so hat er sich gerhmt, dem
Knig die sieben silbernen Enten verschaffen zu knnen. Man kann sich
wohl denken, es dauerte nicht lange, so sagte der Stallmeister es dem
Knig. Dieser sagte darauf zu Aschenbrdel: Deine Brder sagen, Du
knntest mir die silbernen Enten verschaffen, und nun verlange ich es
von Dir. -- Das habe ich weder gedacht, noch gesagt, antwortete der
Bursch. Du hast es gesagt, sprach der Knig: und darum sollst Du sie
mir schaffen. -- Je nun, sagte der Bursch: wenn's denn nicht anders
sein kann, so gieb mir nur eine Metze Rocken und eine Metze Weizen; dann
will ich's versuchen. Das bekam er denn auch und schttete es in den
Backtrog, den er von Hause mitgenommen hatte, und damit ruderte er ber
das Wasser. Als er auf die andre Seite gekommen war, ging er am Ufer auf
und ab und streu'te und streu'te, und endlich gelang es ihm, die Enten
in den Trog zu locken und nun ruderte er, all was er nur konnte, wieder
zurck.

Als er auf die Mitte des Wassers gekommen war, kam der Troll an und ward
ihn gewahr. Bist Du mit meinen sieben silbernen Enten davongereis't,
Du? fragte er. Ja--a! sagte der Bursch. Kommst Du noch fter, Du?
fragte der Troll. Kann wohl sein, sagte der Bursch. -- Als nun
Aschenbrdel mit den sieben silbernen Enten zurck zu dem Knig kam,
wurde er noch beliebter im Schlo, und der Knig selbst sagte, es wre
gut gemacht. Aber darber wurden seine Brder noch aufgebrachter und
noch neidischer auf ihn und verfielen nun darauf, zum Stallmeister zu
sagen, jetzt htte ihr Bruder sich auch gerhmt, dem Knig die Bettdecke
des Trollen mit den silbernen und goldnen Rauten verschaffen zu knnen,
wenn er blo wolle; und der Stallmeister war auch diesmal nicht faul, es
dem Knig zu berichten. Der Knig sagte darauf zu dem Burschen, da seine
Brder gesagt htten, er habe sich gerhmt, ihm die Bettdecke des Trollen
mit den silbernen und goldnen Rauten verschaffen zu knnen, und nun
solle er es auch, oder sonst solle er das Leben verlieren. Aschenbrdel
antwortete, das htte er weder gedacht, noch gesagt; da es aber nichts
half, bat er um drei Tage Bedenkzeit. Als die nun um waren, ruderte
Aschenbrdel wieder hinber in dem Backtrog und ging am Ufer auf und ab
und lauerte. Endlich sah er, da sie im Berge die Bettdecke heraushngten,
um sie auszulften; und als sie wieder in den Berg zurckgegangen waren,
erschnappte Aschenbrdel die Decke und ruderte damit zurck, so schnell
er nur konnte. Als er auf die Mitte gekommen war, kam der Troll an und
ward ihn gewahr. Bist Du es, der mir meine sieben silbernen Enten
genommen hat? rief der Troll. Ja--a! sagte der Bursch. Hast Du nun
auch meine silberne Bettdecke mit den silbernen und goldnen Rauten
genommen? -- Ja--a! sagte der Bursch. Kommst Du noch fter, Du? --
Kann wohl sein, sagte der Bursch. Als er nun zurckkam mit der goldnen
und silbernen Decke, hielten Alle noch mehr von ihm, denn zuvor, und er
ward Bedienter beim Knig selbst. Darber wurden die andern Beiden noch
mehr erbittert, und um sich zu rchen, sagten sie zum Stallmeister: Nun
hat unser Bruder sich auch gerhmt, dem Knig die goldne Harfe verschaffen
zu knnen, die der Troll hat, und die von der Beschaffenheit ist, da
Jeder, wenn er auch noch so traurig ist, froh wird, wenn er darauf
spielen hrt. Ja, der Stallmeister, der erzhlte es gleich wieder dem
Knig, und dieser sagte zu dem Burschen: Hast Du es gesagt, so sollst
Du es auch. Kannst Du es, so sollst Du die Prinzessinn und das halbe
Reich haben; kannst Du es aber nicht, so sollst Du das Leben verlieren.
-- Ich habe es weder gedacht, noch gesagt, antwortete der Bursch:
aber es ist wohl kein andrer Rath, ich mu es nur versuchen; doch sechs
Tage will ich Bedenkzeit haben. Ja, die sollte er haben; aber als sie
um waren, mute er sich aufmachen. Er nahm nun einen Lattenspiker, einen
Birkenpflock und einen Lichtstumpf in der Tasche mit, ruderte wieder
ber das Wasser und ging dort am Ufer auf und ab und lauerte. Als der
Troll herauskam, und ihn gewahr ward, fragte er: Bist Du es, der mir
meine sieben silbernen Enten genommen hat? -- Ja--a! antwortete
der Bursch. Du bist es, der mir auch meine Decke mit den goldnen und
silbernen Rauten genommen hat? fragte der Troll. Ja--a! sagte der
Bursch. Da ergriff ihn der Troll und nahm ihn mit sich in den Berg.
Nun, meine Tochter, sagte er: nun hab' ich ihn, der mir meine
silbernen Enten und meine Bettdecke mit den silbernen und goldnen Rauten
gestohlen hat; setz' ihn jetzt in den Maststall, dann wollen wir ihn
schlachten und unsre Freunde bitten. Dazu war die Tochter sogleich
bereit, und sie setzte ihn in den Maststall, und da blieb er nun acht
Tage lang und bekam das beste Essen und Trinken, das er sich wnschen
konnte, und so viel er nur wollte. Geh nun hin, sagte der Troll zu
seiner Tochter, als die acht Tage um waren: und schneide ihn in den
kleinen Finger, dann werden wir sehen, ob er schon fett ist. Die
Tochter ging sogleich hin. Halt mal Deinen kleinen Finger her!
sagte sie; aber Aschenbrdel steckte den Lattenspiker heraus, und
in den schnitt sie. Ach nein, er ist noch hart wie Eisen, sagte die
Trolltochter, als sie wieder zu ihrem Vater kam: noch knnen wir ihn
nicht schlachten. Nach acht Tagen ging es wieder eben so, nur da
Aschenbrdel jetzt den Birkenpflock heraussteckte. Ein wenig besser ist
er, sagte die Tochter, als sie wieder zu dem Trollen kam: aber noch
war er hart zu kauen, wie Holz. Acht Tage darnach sagte der Troll
wieder, die Tochter solle hingehen und zusehen, ob er jetzt nicht
fett genug wre. Halt mal Deinen kleinen Finger her! sagte die
Tochter, als sie zum Maststall gekommen war. Nun hielt Aschenbrdel den
Lichtstumpf hin. Jetzt geht's an, sagte sie. Haha! sagte der Troll:
so reise ich fort, um Gste zu bitten; inmittlerweile sollst Du ihn
schlachten und die eine Hlfte braten und die andre Hlfte kochen. Als
der Troll nun gereis't war, fing die Tochter an, ein groes langes
Messer zu schleifen. Sollst Du mich damit schlachten? fragte der
Bursch. Ja, Du, sagte die Trolltochter. Aber es ist nicht scharf,
sagte der Bursch: ich mu es Dir nur schleifen, damit Du mich desto
leichter ums Leben bringen kannst. Sie gab ihm nun das Messer, und
er fing an zu schleifen und zu wetzen. La es mich jetzt an Deiner
Haarflechte probiren, sagte der Bursch: ich glaube, es wird nun gut
sein. Das erlaubte sie ihm denn auch; aber sowie Aschenbrdel die
Haarflechte ergriff, bog er ihr den Kopf zurck und schnitt ihr den Hals
ab -- und kochte dann die eine Hlfte und bratete die andere und trug es
auf den Tisch. Darauf zog er die Kleider der Trolldirne an und setzte
sich in die Ecke hin. Als der Troll mit den Gsten nach Hause kam, bat
er die Tochter -- denn er glaubte, da sie es wre -- sie mchte doch
auch kommen und mitessen. Nein, antwortete der Bursch: ich will kein
Essen haben, ich bin so betrbt. -- Du weit ja Rath dafr, sagte der
Troll: nimm die goldne Harfe und spiele darauf. -- Ja, wo ist die
nun? sagte der Bursch wieder. Du weit es ja wohl, Du hast sie ja
zuletzt gebraucht; dort hangt sie ja ber der Thr, sagte der Troll.
Der Bursch lie sich das nicht zweimal sagen; er nahm die Harfe und ging
damit aus und ein und spielte; aber wie er so im besten Spielen war,
schob er pltzlich den Backtrog hinaus ins Wasser und ruderte damit
fort, da es nur so saus'te. Nach einer Weile duchte es dem Trollen,
die Tochter bliebe gar zu lange drauen, und er ging hin, sich nach ihr
umzusehen; da sah er aber den Burschen in dem Trog weit weg auf dem
Wasser. Bist Du es, der mir meine sieben silbernen Enten genommen hat?
rief der Troll. Ja! sagte der Bursch. Du bist es, der mir auch meine
Decke mit den silbernen und goldnen Rauten genommen hat? -- Ja! sagte
der Bursch. Hast Du mir nun auch meine goldne Harfe genommen, Du?
schrie der Troll. Ja, das hab' ich, sagte der Bursch. Hab' ich Dich
denn nicht gleichwohl verzehrt? -- Nein, das war Deine Tochter, die Du
verzehrtest, antwortete der Bursch. Als der Troll das hrte, ward er so
arg, da er barst. Da ruderte Aschenbrdel zurck und nahm einen ganzen
Haufen Gold und Silber mit, so viel der Trog nur tragen konnte, und
als er nun damit zurckkehrte, und auch die goldne Harfe mitbrachte,
bekam er die Prinzessinn und das halbe Reich, so wie der Knig es ihm
versprochen hatte. Seinen Brdern aber that er immer wohl; denn er
glaubte, sie htten nur sein Bestes gewollt mit Dem, was sie gesagt
hatten.




2.

Der Gertrudsvogel.


Als unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden einherwandelten,
kamen sie einmal zu einer Frau, die bei ihrem Backtrog stand und den
Teig knetete. Sie hie _Gertrud_ und hatte eine rothe Mtze auf. Da
beide den Tag ber schon weit gegangen und daher sehr hungrig waren, bat
der Herr Christus die Frau um ein Stckchen Brod. Ja, das sollte er
haben, sagte sie und nahm ein Stckchen Teig und knetete es aus; aber
da ward es so gro, da es den ganzen Backtrog anfllte. Nein, das war
allzu gro, das konnte er nicht bekommen. Sie nahm nun ein kleineres
Stck; aber als sie es ausgeknetet hatte, war es ebenfalls zu gro
geworden; das konnte er auch nicht bekommen. Das dritte Mal nahm sie ein
ganz ganz kleines Stck; aber auch das Mal ward es wieder zu gro. Ja,
so kann ich Euch Nichts geben, sagte Gertrud: Ihr msst daher ohne
Mundschmack wieder fortgehen; denn das Brod wird ja immer zu gro. Da
ereiferte sich der Herr Christus und sprach: Weil Du ein so schlechtes
Herz hast und mir nicht einmal ein Stckchen Brod gnnst, so sollst Du
zur Strafe dafr in einen Vogel verwandelt werden und Deine Nahrung
zwischen Holz und Rinde suchen, und nicht fter zu trinken sollst Du
haben, als wenn es regnet. Und kaum hatte er die Worte gesprochen,
so war sie zum Gertrudsvogel verwandelt und flog oben zum Schornstein
hinaus; und noch den heutigen Tag sieht man sie herumfliegen mit einer
rothen Mtze auf dem Kopf und schwarz ber dem ganzen Leib; denn der Ru
im Schornstin hatte sie geschwrzt. Sie hackt und bickt bestndig in den
Bumen nach Essen und piept immer, wenn es regnen will; denn sie ist
bestndig durstig.




3.

Der Vogel Dam.


Es war einmal ein Knig, der hatte zwlf Tchter, und von denen hielt
er so viel, da er sie nie aus den Augen lie; aber jeden Mittag, wenn
der Knig schlief, gingen die Prinzessinnen spazieren. Einstmals, da
der Knig wieder seinen Mittagsschlummer hielt, und die Prinzessinnen,
wie gewhnlich, spazieren gegangen waren, geschah es, da sie nicht
zurckkehrten, sondern ausblieben. Da entstand groe Sorge und Betrbni
im ganzen Land; aber am betrbtesten von Allen war der Knig. Er sandte
Boten aus durch sein ganzes Reich und in viele fremde Lnder und lie
sie nachsuchen und ihnen nachluten mit allen Glocken ber das ganze
Land; aber die Prinzessinnen waren fort und blieben fort, so da Niemand
wute, wo sie gestoben oder geflogen waren. Da konnte man denn wohl
begreifen, da sie von irgend einem Trollen entfhrt sein muten. Das
Gercht hievon verbreitete sich bald von Stadt zu Stadt, von Land zu
Land, und endlich gelangte es auch zu einem Knig, der in einem Lande
weit weit weg wohnte und zwlf Shne hatte. Als die Shne von den zwlf
Knigstchtern erzhlen hrten, baten sie ihren Vater um Erlaubni,
reisen zu drfen, um die Prinzessinnen aufzusuchen. Der alte Knig aber
wollte anfangs Nichts davon wissen; denn er frchtete, da er dann die
Shne niemals wiedersehen mchte; aber die Prinzen fielen ihm zu Fen
und baten ihn so lange, bis er endlich nachgab und sie reisen lie.
Er rstete nun ein Schiff fr sie aus und setzte zum Steuermann ber
dasselbe den Ritter _Rd_, der zu Wasser wohl erfahren war. Lange Zeit
segelten sie nun umher und forschten in allen Lndern, wohin sie kamen,
nach den Prinzessinnen; aber sie entdeckten keine Spur von ihnen. Es
fehlten jetzt nur noch wenig Tage, so hatten sie schon sieben Jahre
gesegelt. Da entstand eines Tages ein heftiger Sturm und ein solches
Unwetter, da sie glaubten, sie wrden nimmer wieder an's Land kommen,
und Alle muten in einem fort arbeiten, so da kein Schlaf in ihre Augen
kam, so lange das bse Wetter anhielt. Aber am dritten Tage legte sich
der Sturm, und es ward auf einmal ganz still. Alle waren nun von der
Arbeit und dem schlimmen Wetter so mde geworden, da sie sogleich
einschliefen; nur der jngste Prinz hatte keine Ruhe und konnte nicht
schlafen. Whrend er nun auf dem Verdeck hin- und herging, trieb das
Schiff an eine Insel, und auf der Insel lief ein Hndchen am Ufer und
bellte und winselte gegen das Schiff an, als ob es hinauf wolle. Der
Knigssohn pfiff und lockte das Hndchen an sich; aber es konnte nicht
zu ihm kommen und bellte und winselte nur um so mehr. Dem Prinzen
duchte, es wre Snde, das Hndchen dort umkommen zu lassen, das, wie
er glaubte, von einem Schiff sei, welches in dem Sturm untergegangen
wre; aber er wute nicht, wie er ihm helfen sollte, da er sich nicht
im Stande glaubte, das Boot allein auszusetzen; denn alle die Andern
schliefen, und er wollte sie nicht gern wegen des Hundes aufwecken. Aber
das Wetter war so klar und so still; da dachte er denn, du musst es doch
versuchen, ob du das Thierchen nicht retten kannst, und er machte sich
daran, das Boot auszusetzen, und es ging damit leichter, als er geglaubt
hatte. Er ruderte nun ans Land und ging auf das Hndchen zu; aber so
oft er es greifen wollte, sprang es zur Seite und lockte so den Prinzen
immer weiter fort, bis dieser, eh' er es gewahr ward, sich in einem
groen prchtigen Schlosse befand. Da verwandelte sich das Hndchen
pltzlich in eine schne Prinzessinn. Auf der Bank aber sa ein Mann, so
gro und so hlich, da der Prinz darber erschrak. Du brauchst nicht
bange zu sein, sagte der Mann; -- aber der Prinz erschrak noch mehr,
als er seine Stimme hrte -- ich wei wohl, Was Du willst: Es sind
Eurer zwlf Prinzen, die suchen die zwlf verloren gegangenen
Prinzessinnen. Ich wei aber wohl, wo sie sind: sie sind bei meinem
Herrn; da sitzen sie jede auf ihrem Stuhl und lusen ihn, denn er hat
zwlf Kpfe. Nun seid Ihr sieben Jahre lang umhergesegelt, aber Ihr
werdet noch sieben Jahre dazu segeln mssen, eh' Ihr sie findet. Was
Dich betrifft, so knntest Du gern hier bleiben, und meine Tochter
bekommen; aber Du musst erst meinen Herrn tdten, denn er ist sehr
strenge gegen uns, so da wir seiner lngst berdrssig sind; und wenn
er todt ist, werde ich Knig an seiner Stelle. Versuche aber nun, ob Du
dieses Schwert zu schwingen vermagst, sagte der Troll. Der Knigssohn
wollte ein rostiges Schwert ergreifen, das an der Wand hing, aber er
konnte es nicht vom Fleck rhren. So musst Du Dir einen Schluck aus
dieser Flasche nehmen, sagte der Troll. Als der Prinz das gethan hatte,
konnte er das Schwert von der Wand nehmen, und als er noch einen Schluck
genommen hatte, konnte er es aufheben; und als er endlich noch einen
Schluck genommen hatte, konnte er es mit solcher Leichtigkeit schwingen,
als wr' es sein eignes gewesen. Wenn Du nun wieder an Bord kommst,
sagte der Trollprinz: so musst Du das Schwert in Deine Koje verstecken,
damit der Ritter _Rd_ es nicht zu sehen bekommt. Er ist zwar nicht im
Stande, es zu schwingen, aber er wird Dich dann hassen und Dir nach dem
Leben trachten. Wenn sieben Jahre um sind, bis auf drei Tage, sagte er
weiter: dann wird es wieder eben so gehen, wie jetzt; es kommt dann
wieder ein gewaltiges Unwetter mit Sturm und Hagel ber Euch, und wenn
das vorber ist, werden Alle mde sein und sich in ihre Kojen legen; Du
aber musst dann das Schwert nehmen und ans Land rudern; alsdann gelangst
Du zu einem Schlo, wo lauter Wlfe, Bren und Lwen als Schildwachen
stehen; aber Du brauchst Dich nicht vor ihnen zu frchten, denn sie
werden Dir alle zu Fen kriechen. Sobald Du darauf in das Schlo
gekommen bist, siehst Du den Ruber in einem prchtig geschmckten
Zimmer sitzen; aber zwlf Kpfe hat er, und die Prinzessinnen sitzen
jede auf ihrem Stuhl und lusen ihn, und da kannst Du Dir wohl vorstellen,
da ihnen solche Arbeit nicht gefllt. Darnach musst Du Dich beeilen
und ihm den einen Kopf nach dem andern abhauen, eh' er aufwacht; denn
geschieht das, so frisst er Dich lebendig auf. Der Knigssohn ging
nun mit dem Schwert wieder an Bord und verga nicht, Was ihm der Troll
gesagt hatte. Die Andern lagen noch alle und schliefen; er aber versteckte
das Schwert in seine Koje, so da weder der Ritter _Rd_, noch sonst
Jemand von ihnen es bemerkte. Nun fing es wieder an zu wehen; da weckte
der Prinz die Andern auf und sagte, es knne nicht angehen, da sie noch
lnger da lgen und schliefen, da sie jetzt einen so guten Wind bekommen
htten. Niemand von ihnen hatte bemerkt, da er weg gewesen war. -- Die
Zeit verstrich allmhlich, und der Prinz dachte immer an das Abenteuer,
das er bestehen sollte, zweifelte aber an dem glcklichen Ausgang. Als
nun die sieben Jahre bis auf drei Tage um waren, geschah es ganz, wie
der Trollprinz ihm gesagt hatte. Es entstand ein heftiges Unwetter, das
hielt drei Tage lang an, und als das vorber war, wurden Alle von der
anstrengenden Arbeit mde und legten sich in ihren Kojen schlafen. Der
jngste Knigssohn aber ruderte ans Land, und die Wachen krochen ihm
zu Fen, und so gelangte er ins Schlo. In einem der Zimmer sa der
Knig und schlief, wie ihm der Trollprinz gesagt hatte, und die zwlf
Prinzessinnen saen jede auf ihrem Stuhl und lus'ten jede ihren Kopf.
Der Knigssohn winkte den Prinzessinnen, da sie sich entfernen sollten;
sie zeigten aber auf den Trollen und winkten ihm wieder, er solle
schnell fortgehen; der Knigssohn aber gab ihnen durch Mienen und
Geberden zu verstehen, da er sie befreien wolle; endlich merkten sie
denn seine Absicht und entfernten sich leise eine nach der andern. Nun
sprang der Prinz schnell hinzu und hieb dem Trollknig die zwlf Kpfe
ab, so da das Blut wie ein groer Bach strmte. Als der Troll getdtet
war, ruderte der Prinz wieder nach dem Schiff zurck und verbarg das
Schwert. Es duchte ihm, da er jetzt Genug gethan htte, und da er den
Leichnam nicht allein aus dem Schlo schaffen konnte, so wollte er da
die Andern ihm helfen sollten. Er weckte sie daher auf und sagte, es
wre eine Schande, da sie da liegen sollten und schlafen, whrend er
die Prinzessinnen gefunden und sie von dem Trollen befrei't htte. Da
lachten die Andern ber ihn und sagten, er htte wohl eben so gut
geschlafen, als sie alle, und es htte ihm blo getrumt, da er ein
solcher Held wre; denn wenn irgend Jemand die Prinzessinnen sollte
befrei't haben, so wre es doch weit wahrscheinlicher, da einer von
ihnen es gethan htte, als er. Aber der Knigssohn erzhlte ihnen, wie
sich Alles zugetragen hatte, und als sie ans Land fuhren und zuerst den
Blutbach erblickten und darnach das Schlo und den Trollen und die zwlf
Kpfe und die Prinzessinnen, da sahen sie wohl, da er die Wahrheit
geredet, und halfen ihm nun die Kpfe und den ganzen Rumpf in die See
werfen. Alle waren nun frhlich und guter Dinge; aber Keiner war froher,
als die Prinzessinnen, die nun nicht mehr nthig hatten, den ganzen Tag
ber da zu sitzen und den Trollen zu lusen. Von all dem Gold und Silber
und dem kostbaren Gerth, das sich im Schlosse vorfand, nahmen sie so
viel mit, als das Schiff nur tragen konnte. Darauf gingen Alle an Bord,
die Prinzen mit sammt den Prinzessinnen. Als sie aber eine Strecke weit
in die See hinausgekommen waren, sagten die Prinzessinnen, da sie in
der Freude ihre goldnen Kronen vergessen htten, die in einem Schrank
auf dem Schlosse lgen, und die wollten sie doch gern mithaben. Da nun
Keiner von den brigen sie holen wollte, sagte der jngste Knigssohn:
Hab' ich schon so Viel gewagt, so kann ich auch wohl die goldnen Kronen
holen, wenn Ihr nur die Segel herablassen und so lange warten wollt, bis
ich wiederkomme. Ja, das wollten sie, sie wollten die Segel herablassen
und so lange warten, bis er wiederkme. Als aber der Prinz so weit von
dem Schiff ab war, da sie ihn nicht mehr sehen konnten, sagte der Ritter
_Rd_, der gern selber der Vornehmste sein und die jngste Prinzessinn
haben wollte, es knne nichts ntzen, da sie da still lgen und auf ihn
warteten; denn das knnten sie sich wohl denken, da er doch nicht
zurckkehren wrde; sie wten berdies, sagte er, da der Knig ihm
(dem Ritter _Rd_) die Vollmacht gegeben htte, zu segeln wann und wohin
er wolle, und nun sollten sie sagen, er sei es, der die Prinzessinnen
befrei't htte, und wenn Jemand anders sagte, dann solle er das Leben
verlieren. Die Prinzen wagten nicht, anders zu thun, als der Ritter
_Rd_ ihnen befohlen hatte, und sie segelten nun weiter. Inmittlerweile
ruderte der jngste Knigssohn ans Land und ging auf das Schlo, wo er
auch sogleich den Schrank mit den goldnen Kronen fand; und er mh'te
sich so lange ab, bis es ihm gelang, denselben ins Boot zu schaffen. Als
er nun aber in die See hinausgekommen war, konnte er nirgends das Schiff
erblicken. Er sah sich um nach allen Seiten; aber von dem Schiff war
keine Spur zu sehen; da merkte er denn wohl, wie es zugegangen war.
Ihnen nachzurudern konnte nichts helfen, und er mute daher umkehren
und ans Land zurckrudern. Er frchtete sich zwar, die Nacht allein im
Schlosse zuzubringen, aber es war nun einmal kein andrer Rath. Er fate
daher Muth, verschlo alle Thren und Pforten und legte sich in einem
Zimmer, wo ein aufgemachtes Bett stand, schlafen. Aber angst und bange
war er, und er ward es noch mehr, als es nach einer Weile anfing, oben
im Dach und in den Wnden zu knacken und zu krachen, als ob das ganze
Schlo bersten wollte. Auf einmal raschelte es neben sein Bett nieder
wie ein ganzes Fuder Heu. Bald darauf aber hrte er eine Stimme, die
rief ihm zu, er solle sich nicht frchten.

  Der Vogel Dam ist hier,
   Wo Du nicht kannst, da hilft er Dir,

sprach die Stimme, und dann sagte sie: Wenn Du morgen aufwachst, musst
Du sogleich aufs Stabur[1] gehen und vier Tonnen Rocken fr mich zum
Frhstck holen; die mu ich erst zu Leibe haben, denn sonst kann ich
Nichts fr Dich thun. -- Als der Prinz am andern Morgen aufwachte,
erblickte er neben seinem Bett einen entsetzlich groen Vogel, der hatte
eine Feder im Nacken, die war so gro wie eine halb ausgewachsene Tanne.
Der Knigssohn ging nun aufs Stabur und holte vier Tonnen Rocken fr den
Vogel Dam. Als dieser sein Frhstck zu Leibe hatte, sagte er zu dem
Knigssohn, er solle ihm nun den Schrank mit den goldnen Kronen an der
einen Seite um den Hals hngen und so viel Gold und Silber nehmen, da
es den Schrank aufwge, und es ihm an der andern Seite um den Hals
hngen, und dann solle er sich ihm auf den Rcken setzen und sich nur
gut an der Nackenfeder fest halten. Als der Prinz das gethan hatte, ging
es in einem Sausen fort durch die Luft, und es dauerte nicht lange, so
waren sie ber dem Schiff. Der Knigssohn wollte gern an Bord, um das
Schwert zu holen, das, wie der Troll ihm gesagt hatte, die Andern nicht
sehen drften; aber der Vogel Dam sagte zu ihm, das knne nicht angehen;
der Ritter _Rd_ wird es nicht zu sehen bekommen, sagte er: kommst Du
aber an Bord, so trachtet er Dir nach dem Leben, denn er will gern die
jngste Prinzessinn haben; aber fr die kannst Du ganz ruhig sein, denn
sie legt jede Nacht ein bloes Schwert vor sich ins Bett. -- Endlich
und zuletzt kamen sie bei dem Trollprinzen an, und da wurde nun der
Knigssohn so wohl aufgenommen, da es gar nicht zu sagen ist. Der
Trollprinz wute nicht, Was er ihm all fr Gutes erzeigen sollte, weil
er seinen Herrn getdtet und ihn zum Knig gemacht hatte. Er htte dem
Knigssohn gern seine Tochter und das halbe Reich dazu gegeben; aber der
war nun einmal so in die jngste von den Prinzessinnen verliebt, da er
nur an sie dachte und durchaus wieder fort wollte. Aber der Troll bat
ihn, sich noch eine Zeitlang zu gedulden und sagte, da die Andern
beinahe noch sieben Jahre zu segeln htten, ehe sie wieder nach Hause
kmen. Von der Prinzessinn sagte der Troll Dasselbe, was der Vogel Dam
gesagt hatte: Fr die, sagte er: kannst Du ganz ruhig sein; denn sie
legt immer ein bloes Schwert vor sich ins Bett. Und wenn Du mir nicht
glauben willst, so kannst Du an Bord gehen, wenn sie hier vorber
segeln, und Dich selbst davon berzeugen und mir dann zugleich das
Schwert wiederbringen; denn wiederhaben mu ich es durchaus. -- Als nun
nach sieben Jahren die Andern dort vorbersegelten, war es vorher wieder
ein heftiges Unwetter gewesen; und wie der Knigssohn an Bord kam,
schliefen sie alle insgesammt, und jede der Prinzessinnen schlief bei
ihrem Prinzen, nur die jngste Prinzessinn schlief allein mit einem
bloen Schwert vor sich im Bette, und auf dem Boden vor dem Bette
schlief der Ritter _Rd_. Der Knigssohn nahm nun das Schwert und
ruderte wieder ans Land, ohne da Jemand es bemerkt hatte, da er an
Bord gewesen war. -- Der Prinz war inde bestndig unruhig und wollte
immer wieder fort; und als endlich die sieben Jahre zu Ende gingen und
nur noch drei Wochen fehlten, sagte der Trollknig zu ihm: Nun kannst
Du Dich zur Reise fertig machen, da Du doch einmal nicht bei uns
bleiben willst. Ich will Dir ein eisernes Boot leihen, das geht von
selbst auf dem Wasser, wenn Du blo sagst: Boot, geh vorwrts! Im
Boote liegt ein eiserner Kloben, und den Kloben sollst Du ein wenig in
die Hhe heben, wenn Du das Schiff grade vor Dir siehst; dann bekommen
sie einen solchen Fahrwind, da sie vergessen, sich nach Dir umzusehen.
Wenn Du dann neben das Schiff kommst, sollst Du den Kloben noch einmal
aufheben; alsdann wird es ein solcher Sturm, da sie wohl etwas Anders
zu thun bekommen, als nach Dir auszugucken. Und wenn Du an ihnen nun
vorbei gekommen bist, sollst Du den Kloben zum dritten Mal in die Hhe
heben; aber Du musst ihn immer wieder vorsichtig niederlegen, denn
sonst wird es ein solches Wetter, da sowohl Du, als die Andern darin
umkommen. Sobald Du nachher ans Land gekommen bist brauchst Du Dich
nicht weiter um das Boot zu bekmmern, sondern schieb' es dann nur
umgewendet in die See und sprich: Boot, geh wieder nach Hause! -- Als
der Prinz nun abreis'te, bekam er so viel Gold und Silber und andre
Kostbarkeiten und Kleider und Leinenzeug mit, das die Prinzessinn
whrend der langen Zeit, die er auf der Insel zugebracht, fr ihn
genh't hatte, so da er viel reicher war, als irgend einer von seinen
Brdern. Kaum hatte er sich nun ins Boot gesetzt und gesagt: Boot, geh
vorwrts! so ging das Boot fort. Und als er das Schiff grade vor sich
erblickte, hob er den Kloben ein wenig in die Hhe; da bekamen sie einen
solchen Fahrwind, da sie vergaen, sich nach ihm umzusehen. Als er
darauf neben das Schiff kam, hob er den Kloben noch einmal in die Hhe,
und da ward es ein solcher Sturm und ein solches Wetter, da der weie
Schaum rund um das Schiff stand, und die Wellen ber das Verdeck
hinschlugen, so da sie etwas Anders zu thun bekamen, als nach ihm
auszugucken. Und als er ihnen nun vorbeigekommen war, hob er den Kloben
zum dritten Mal auf, und da bekamen sie so reichlich zu thun, da sie
gar keine Zeit hatten, sich nach ihm umzusehen. Er kam weit, weit frher
ans Land, als das Schiff; und als er all seine Sachen aus dem Boot
geschafft hatte, kehrte er es um, schob es hinaus in die See und sprach:
Boot, geh wieder nach Hause! und da ging das Boot wieder fort.

Der Knigssohn kleidete sich nun als ein Seemann aus -- ob der
Trollknig ihm das gerathen hatte, oder ob es seine eigne Erfindung war,
das mu ich ungesagt lassen -- und begab sich nach einer armseligen
Htte zu einer alten Frau, zu der sagte er, er wre ein armer Matrose,
der auf einem Schiff gewesen, das untergegangen sei, und er wre der
Einzige von der ganzen Mannschaft, der sich gerettet htte, und dann bat
er sie, ihn nebst den Sachen, die er geborgen, bei sich beherbergen zu
wollen. Ach, Gott helf mir! sagte die Frau: ich kann Niemandem
Herberge geben. Ihr seht wohl, wie es hier beschaffen ist; ich habe
nicht einmal Betten, worauf ich selbst liegen kann, viel weniger noch
fr Andre. Ja, das wre einerlei, sagte der Seemann, wenn er blo ein
Dach ber dem Kopf htte, dann wr's ihm ganz gleich, wie er lge. Ein
Obdach konnte sie ihm denn nicht versagen, wenn er so damit frlieb
nehmen wolle, wie sie's htte. -- Am Abend brachte der Seemann seine
Sachen in die Htte, und sogleich begann die Alte, die gern etwas Neues
zu erzhlen haben wollte, zu fragen, was fr Einer er wre, wo er wohl
her sei, wo er gewesen, und wo er hin wolle, was das fr Sachen wren,
die er bei sich htte, in welchem Geschft er reis'te, und ob er Nichts
von den zwlf Prinzessinnen gehrt htte, die vor vielen lieben Jahren
verschwunden wren, und dergleichen mehr, so da es zu weitlufig sein
wrde, es alles zu erzhlen. Der Seemann sagte aber, er befnde sich so
schlecht und htte solche Kopfschmerzen von dem entsetzlichen Wetter,
das da regiert htte, da er sich auf keine Sache recht besinnen knne;
sie mchte ihm nur noch einige Tage Ruhe lassen, bis er sich von der
schweren Arbeit, die er whrend des schlimmen Wetters gehabt, etwas erholt
htte, dann solle sie nachher schon Alles erfahren. Den andern Tag begann
die Frau aufs neue zu fragen und ihn auszuforschen; aber der Seemann hatte
noch solche Kopfschmerzen von dem bsen Wetter, da er sich auf keine
Sache recht besinnen konnte; doch lie er so von ungefhr ein Wort fallen,
als wte er wohl Etwas von den Prinzessinnen. Sogleich lief die Alte
mit dieser Neuigkeit fort zu all den Klatschweibern rund umher, und nun
kam die eine nach der andern gerannt und fragte nach den Prinzessinnen,
ob der Seemann sie gesehen htte, ob sie bald kmen, ob sie schon auf
der Reise wren u. s. w. Der Seemann aber hatte immer noch Kopfschmerzen
von dem bsen Wetter, so da er nicht auf Alles Bescheid geben konnte;
aber so Viel sagte er doch, da wenn die Prinzessinnen nicht Schiffbruch
gelitten htten in dem heftigen Sturm, sie dann wohl um vierzehn Tage,
oder vielleicht noch etwas frher, ankommen wrden; er knne aber, fgte
er hinzu: nicht mit Gewiheit sagen, ob sie noch am Leben wren; er
htte sie zwar gesehen, sie knnten aber wohl nachher in dem bsen
Wetter umgekommen sein. Sogleich lief eins von den Klatschweibern zu dem
Knigsschlo und erzhlte dort, es wre in der Htte bei der und der
Frau ein Seemann, der htte die Prinzessinnen gesehen und htte gesagt,
sie wrden wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas frher,
ankommen. Als der Knig das hrte, schickte er sogleich zu dem Seemann
und lie ihm sagen, da er zu ihm kommen und ihm die Sache selbst
berichten solle. Der Matrose sagte: Ich habe nicht solche Kleider und
sehe nicht so aus, da ich zu dem Knig gehen kann. Der Bote aber
sagte, er solle nur kommen, der Knig wolle und msse ihn sprechen,
einerlei, er mge nun so, oder so aussehen; denn es wre noch Niemand da
gewesen, der Nachrichten von den Prinzessinnen htte bringen knnen. Da
ging denn der Seemann endlich zu dem Schlo und trat zu dem Knig ein;
der fragte ihn, ob es wahr wre, da er die Prinzessinnen gesehen. Ja,
das ist wahr, sagte der Seemann: aber ich wei nicht, ob sie noch am
Leben sind; denn als ich sie sah, war es ein solches Unwetter, da wir
Schiffbruch litten. Wenn sie aber damals nicht untergegangen sind, so
mgen sie wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas frher,
kommen.

Als der Knig das hrte, war er beinahe auer sich vor Freuden; und als
es nun um die Zeit war, da die Prinzessinnen, wie der Seemann gesagt
hatte, kommen sollten, zog der Knig ihnen in vollem Staat entgegen an
den Strand -- und gro war die Freude ber das ganze Land, als endlich
das Schiff mit den Prinzessinnen und den Prinzen und dem Ritter _Rd_
ankam. Die elf ltesten Prinzessinnen waren frhlich und guter Dinge;
aber die jngste, die den Ritter _Rd_ haben sollte, welcher sagte, da
er es sei, der die Prinzessinnen befrei't und den Trollen getdtet
htte, war immer traurig und weinte unaufhrlich. Dem Knig wollte das
gar nicht behagen, und er fragte sie daher, warum sie nicht auch so
munter und vergngt wre, wie die andern Prinzessinnen; sie htte doch,
meinte er, keine Ursache, betrbt zu sein, da sie nun von dem Trollen
befrei't wre und einen Mann zum Gemahl haben solle, wie der Ritter
_Rd_ sei. Sie durfte aber Nichts sagen; denn der Ritter _Rd_ hatte ja
gedroh't, wenn Einer erzhlen wrde, wie sich Alles wirklich zugetragen,
dann wolle er ihn ums Leben bringen.

Als nun die Prinzessinnen eines Tages an ihrem Brautputz nh'ten, trat
pltzlich Jemand in einer groen Matrosenjacke und mit einem
Tabuletkasten auf dem Rcken zu ihnen ein und fragte, ob sie ihm keine
Schmucksachen zu ihrer Hochzeit abkaufen wollten, er htte, sagte er,
auerordentlich seltne und kostbare Dinge von Gold und auch von Silber.
-- Ja, das knnte wohl mglich sein. Sie sahen die Waaren an, und sie
sahen ihn an; denn es wollte sie bednken, sie sollten ihn und auch
manche von den Sachen kennen, die er hatte. Der so viel prchtige
Schmucksachen hat, sagte endlich die jngste Prinzessinn: knnte auch
wohl Etwas haben, das noch prchtiger und fr uns noch passender wre.
-- Das wre wohl mglich, sagte der Krmer. Aber die andern tuschten
sie und sagten, sie mchte doch bedenken, womit der Ritter _Rd_ ihnen
gedroht htte. -- Einige Zeit darnach, als die Prinzessinnen eines Tages
vor dem Fenster saen, kam der Knigssohn wieder in seiner groen
Matrosenjacke und trug auf dem Rcken den Schrank mit den goldnen Kronen.
Als er in den Schlosaal eingetreten war, machte er den Schrank auf, und
da nun die Prinzessinnen jede ihre goldne Krone wieder erkannten, sagte
die jngste: Mir ducht, es ist billig und recht, da Der, welcher uns
befrei't hat, den Lohn erhalte, der ihm zukommt, und das ist nicht der
Ritter _Rd_, sondern Der, welcher unsre goldnen Kronen brachte -- der
hat uns befrei't. Da warf der Knigssohn die Matrosenjacke ab und stand
nun da weit stattlicher, als alle die Andern; und darauf lie der Knig
den Ritter _Rd_ sogleich ums Leben bringen. Nun war die Freude erst
recht gro im Knigsschlo; und jeder Prinz nahm seine Prinzessinn und
hielt mit ihr Hochzeit, so da man sich in zwlf Knigreichen davon zu
erzhlen hatte.




4.

Die wortschlaue Prinzessinn.


Es war einmal ein Knig, der hatte eine Tochter, die war so schlau und
spitzfindig in Worten, da Keiner sie zum Schweigen bringen konnte.
Da setzte der Knig einen Preis aus und lie bekannt machen, da Der,
welcher es knnte, die Prinzessinn und das halbe Reich haben sollte.
Drei Brder, welche dies hrten, beschlossen, ihr Glck zu versuchen.
Zuerst machten sich die beiden ltesten auf, die sich am klgsten
dnkten; aber sie konnten Nichts bei der Prinzessinn ausrichten und
muten noch dazu mit blauer Haut wieder abziehen. Darnach machte sich
Aschenbrdel auch auf. Als er eine Strecke weit gegangen war, fand er
am Wege ein Weidenreis, das nahm er auf. Eine Strecke weiter fand er
eine Scherbe von einer alten Schssel, die nahm er auch auf. Als er noch
etwas weiter gegangen war, fand er einen todten Staar, und etwas darnach
ein krummes Bockshorn; ein wenig spter fand er noch ein krummes
Bockshorn, und als er ber das Feld zum Knigshof gehen wollte, wo
Dnger ausgestreu't lag, fand er darunter eine ausgegangene Schuhsohle.
Alle diese Dinge nahm er mit sich zum Knigsschlo, und damit trat er zu
der Prinzessinn ein. Guten Tag! sagte er. Guten Tag! sagte sie und
verzog das Gesicht. Kann ich nicht meinen Staar gebraten kriegen?
fragte er. Ich bin bange, er birstet, antwortete die Prinzessinn. O,
das hat keine Noth, ich binde dieses Weidenreis um, sagte der Bursch
und nahm das Reis hervor. Aber das Fett luft heraus, sagte die
Prinzessinn. Ich halte dies unter, sagte der Bursch und zeigte ihr die
Scherbe von der Schssel. Du machst es mir so krumm, Du! sagte die
Prinzessinn. Ich mach es nicht krumm, sondern es ist schon krumm,
sagte der Bursch und nahm das eine Horn hervor. Nein, etwas hnliches
hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehn! rief die Prinzessinn. Hier
siehst Du was hnliches, sagte der Bursch und nahm das andre Bockshorn
hervor. Ich glaube, Du bist ausgegangen, um mich zum Schweigen zu
bringen, sagte die Prinzessinn. Nein, ich bin nicht ausgegangen,
aber diese hier ist ausgegangen, sagte der Bursch und zeigte ihr die
Schuhsohle. Hierauf wute die Prinzessinn Nichts mehr zu antworten. Nun
bist Du mein! sagte der Bursch, und darauf erhielt er die Prinzessinn
und das halbe Knigreich.




5.

Der reiche Peter Krmer.


Es war einmal ein Mann, den nannten die Leute _den reichen Peter
Krmer_, weil er ehedem mit Kram im Lande umhergefahren und viel Geld
verdient hatte, so da er nun ein reicher Mann geworden war. Dieser
reiche Peter Krmer hatte eine Tochter, die hielt er so kostbar, da er
alle Freier, die sich um sie bewarben, abwies; denn es schien ihm kein
Einziger gut genug fr sie. Weil es nun so mit allen ging, kamen endlich
gar keine mehr, und da nun die Jahre herankamen, befrchtete Peter, das
Mdchen mchte zuletzt sitzen bleiben. Es wundert mich, sprach er zu
seiner Frau: da gar keine Freier mehr zu unsrer Tochter kommen, die
doch so reich ist. Das mte sonderbar zugehen, wenn sich nicht Einer
finden sollte, der sie haben wollte; denn Geld hat sie, und noch mehr
bekommt sie. Ich glaube, ich mu mal zu den Sternguckern reisen und die
fragen, Wen sie haben soll; denn es kommt hier ja Niemand. -- Wie
knnen die Sterngucker Dir das sagen? fragte die Frau. O, das lesen
sie alles in den Sternen, sagte der reiche Peter. Er steckte nun viel
Geld zu sich und reis'te damit zu den Sternguckern und bat sie, ihm doch
den Gefallen zu thun und nach den Sternen zu gucken, und ihm dann zu
sagen, was seine Tochter fr einen Mann haben solle. Die Sterngucker
sahen nach den Sternen, aber sie sagten, da sie Nichts sehen knnten.
Peter bat sie, noch besser zuzusehen und es ihm ja zu sagen; er wolle
ihnen auch viel Geld geben, sagte er. Die Sterngucker sahen nun besser
zu, und darauf sagten sie, seine Tochter solle das Mllerkind heirathen,
das eben jetzt in der Mhle, die gleich unten bei des reichen Peters
Gehft lge, zur Welt gekommen sei. Peter meinte, es wre gar zu
ungereimt, da seine Tochter Einen zum Mann haben solle, der eben erst
zur Welt gekommen sei, und noch dazu einen so geringen Mann. Das sagte
er auch zu seiner Frau und fgte hinzu: Es mte sonderbar zugehen,
wenn sie mir den Buben nicht verkaufen wollten; alsdann aber wollen wir
ihn schon quitt werden. -- Ja, das mein' ich auch, sagte die Frau:
es sind ja nur arme Leute. Peter Krmer ging nun zur Mhle und fragte
die Mllerfrau, ob sie ihm nicht ihren Sohn verkaufen wolle, sie sollte
viel Geld dafr haben. Nein, das wollte sie durchaus nicht. Ich wei
nicht, warum Du das nicht willst, sagte Peter Krmer: es ist ja nur
die liebe Armuth bei Euch zu Hause, und der Bube, denk' ich, wird sie
Euch nicht leichter machen. Aber sie hielt so viel von dem Jungen, da
sie ihn nicht missen wollte. Als darauf der Mller eintrat, sagte Peter
zu ihm dasselbe und versprach ihm sechshundert Thaler fr den Buben;
dafr knnten sie sich ein Gehft kaufen, sagte er, und htten dann
nicht mehr nthig, fr die Leute zu mahlen und zu hungern, wenn sie kein
Mahlwasser htten. Das duchte dem Mller nicht bel, und er sprach mit
seiner Frau darber, und endlich bekam denn der reiche Peter den Buben.
Die Mutter weinte zwar und geberdete sich bel; aber Peter trstete sie
und sagte, da er gut fr den Burschen sorgen wrde; nur muten sie ihm
versprechen, da sie niemals nach ihm fragen wollten; denn er wollte ihn
weit weg in andre Lnder schicken, damit er fremde Sprachen lerne, sagte
er. -- Als Peter mit dem Buben nach Hause kam, lie er einen Kasten
verfertigen, den verklebte er inwendig mit Pech, legte den Mllerbuben
hinein, dreh'te den Schlssel einmal herum und schob dann den Kasten
hinaus in den Flu, so da er mit dem Strom davon trieb. Nun bin ich
ihn quitt, dachte Peter Krmer. Als aber der Kasten auf dem Flu weit
weggetrieben war, kam er zuletzt zu dem Wasser einer andern Mhle und
gerieth ins Mhlrad, so da die Mhle davon stehen blieb. Der Mller
ging hin und wollte zusehen, Was die Ursache davon war, und da fand er
denn den Kasten und trug ihn ins Haus. Ich bin doch neugierig, Was wohl
in diesem Kasten sein mag, sagte er zu seiner Frau: der ist ins
Mhlrad gerathen und hat mir die Mhle gestopft. -- Nun, das knnen
wir bald erfahren, sagte die Frau: der Schlssel steckt ja drin; mach
nur das Schlo auf. Als sie nun den Kasten ffneten, lag darin das
schnste Kind, das man nur sehen kann, und sie waren beide so erfreu't
darber und wollten den Buben als ihr eigenes Kind behalten; denn
selbst hatten sie keine Kinder und waren auch schon in den Jahren, da
sie keine mehr bekommen konnten. -- Als nun eine Zeit vergangen war,
wunderte Peter Krmer sich wieder, da sich gar keine Freier zu seiner
Tochter einfinden wollten, die doch so reich wre und so viel Geld
htte. Aber es zeigte sich keiner; und Peter reis'te darum wieder zu
den Sternguckern und bot ihnen Geld ber Geld, wenn sie ihm blo sagen
wollten, Wen seine Tochter zum Mann haben solle. Wir haben es Dir ja
gesagt, da sie den Mllerbuben haben soll, antworteten die Sterngucker.
Ja, das ist recht gut, sagte Peter Krmer: aber der ist nun gestorben,
und wenn Ihr mir darum sagen wolltet, Wen meine Tochter jetzt zum Mann
haben soll, dann wollt' ich Euch gern zweihundert Thaler geben. Die
Sterngucker sahen nun wieder nach den Sternen; aber da wurden sie ganz
zornig und sprachen: Sie soll gleichwohl den Mllerbuben haben, den
Du in den Flu ausgesetzt hast, um ihn zu tdten; denn er lebt noch
und ist in der Mhle da und da. Peter Krmer gab ihnen die zweihundert
Thaler und dachte jetzt nur darauf, wie er es anfangen solle, um den
Mllerbuben los zu werden. Das Erste, was er that, als er nach Hause
kam, war, da er zur Mhle ging. Da war der Bube schon so gro, da er
eingesegnet war und in der Mhle mithalf, und ein schmucker Bursch war
er geworden. Knntest Du mir nicht den Burschen berlassen, Du? sagte
Peter Krmer zu dem Mller. Nein, antwortete der Mller: ich habe ihn
als mein eignes Kind erzogen, und er ist so gut in die Art geschlagen,
da ich nun Hlfe und Nutzen von ihm in der Mhle haben kann; denn
selbst werd' ich nach gerade schon alt und hinfllig. -- Ja, so geht's
mir auch, sagte Peter Krmer: und darum wollt' ich gern Einen haben,
den ich zum Handel anlehren knnte. Wenn Du ihn mir daher berlassen
willst, so will ich Dir gern sechshundert Thaler geben; dann kannst Du
Dir ein Gehft kaufen und in Deinen alten Tagen ruhig und in Frieden
leben. Ja, als der Mller das hrte, gab er dem Peter Krmer gleich den
Burschen. Nun reis'ten beide weit umher mit Kram und handelten, bis sie
einst zu einem Gehft kamen, das dicht an einem Walde lag. Von hier aus
schickte Peter den Burschen nach Hause mit einem Brief an seine Frau --
denn wenn man den Richtweg durch den Wald ging, war es nicht so gar weit
-- und sagte zu ihm, er solle seine Frau von ihm gren und ihr sagen,
sie solle so bald als mglich thun, Was in dem Brief stnde. In dem
Brief aber stand, sie solle augenblicklich einen Holzsto errichten und
den Mllerburschen darauf verbrennen, und wenn sie das nicht thte, so
solle sie selbst lebendig verbrannt werden. Mit diesem Brief ging der
Bursch fort durch den Wald. Gegen Abend kam er zu einem Hause tief im
Dickicht, und da ging er hinein; doch in dem Hause war kein Mensch zu
sehen noch zu hren. In einem der Zimmer aber fand der Bursch ein
aufgemachtes Bett, und auf das legte er sich quer hin. Den Brief hatte
er an seinen Hut befestigt, und der Hut lag auf seinem Gesicht. Als die
Ruber nach Hause kamen -- denn das Haus gehrte zwlf Rubern -- und
den Burschen auf dem Bett liegen sahen, waren sie neugierig, was das fr
Einer wre, und einer von ihnen nahm den Brief, brach ihn auf und las
ihn. Ha! ha! sagte er: der ist von dem Peter Krmer; aber nun wollen
wir ihm einen Streich spielen; denn es wre doch Jammer und Schade, wenn
das alte Weibsstck einen so jungen wackern Burschen ums Leben bringen
sollte. Sie schrieben nun einen andern Brief an Peter Krmers Frau und
befestigten ihn an den Hut, whrend der Bursch schlief, und in dem
Brief hatten sie geschrieben, die Frau solle den Mllerburschen mit der
Tochter verheirathen, und es solle augenblicklich die Hochzeit gehalten
werden, und dann solle sie ihnen Pferde und Vieh und Hausgerth geben
und sie vllig auf dem Gehft einrichten, das unten am Berg lge, und
sofern das nicht alles geschehen sei, wenn Peter Krmer nach Hause kme,
sollt's ihr schlecht gehen. Den andern Tag reis'te der Bursch weiter,
und als er auf Peters Gehft ankam, bergab er der Frau den Brief und
sagte, er solle gren von Peter Krmer, ihrem Mann, und sagen, sie
mchte doch so bald als mglich thun, Was in dem Brief stnde. Als die
Frau den Brief gelesen hatte, sagte sie zu dem Burschen: Du musst Dich
gut aufgefhrt haben, da Peter mir einen solchen Brief schreibt; denn
als er abreis'te, war er so bse auf Dich, da er nicht wute, wie er
Dich ums Leben bringen wollte. Sie machte nun sogleich Anstalten
zur Hochzeit und gab den jungen Leuten Pferde und Vieh und allerlei
Hausgerth und richtete sie vollstndig ein auf dem Gehft unten am
Berge.

Nicht lange darnach kam Peter Krmer zu Hause, und das Erste, wonach er
sich bei seiner Frau erkundigte, war, ob sie gethan htte, wie er in
dem Brief geschrieben. Ja, das, ducht mir, war auch nett! sagte sie:
aber ich durfte ja nicht anders. Nun fragte Peter, wo denn die Tochter
sei. Ih nun, das kannst Du Dir ja wohl denken, sagte die Frau: sie
ist bei ihm auf dem Gehft unten am Berg, so wie in dem Brief stand.
Als Peter nun die ganze Geschichte erfuhr und den Brief sah, ward er so
zornig, da er aus der Haut fahren wollte, und lief sogleich auf das
Gehft zu den jungen Leuten. Meine Tochter hast Du zwar bekommen,
sagte er zu dem Mllerburschen: aber wenn Du denkst, sie zu behalten,
so musst Du erst zu dem Drachen von Dbenfahrt und mir drei Federn aus
seinem Schwanz holen; -- denn Wer die hatte, konnte Alles bekommen,
was er sich wnschte. -- Wo soll ich aber den Drachen von Dbenfahrt
finden? fragte der Schwiegersohn. Das wei ich nicht, sagte Peter
Krmer: das mag Deine Sorge sein.

Der Bursch begab sich nun getrost auf den Weg, und als er eine Zeitlang
gewandert hatte, kam er zu einem Knigsschlo. Hier will ich einkehren
und vorfragen, dachte er: denn solche Leute wissen besser in der Welt
Bescheid, als Unsereiner, vielleicht da ich hier den Weg erfahre.
Gedacht, gethan. Der Knig fragte ihn, wo er her sei, und in welchem
Geschft er reise. O, ich soll zu dem Drachen von Dbenfahrt und drei
Federn aus seinem Schwanz holen, sagte der Bursch: wenn ich ihn blo
finden knnte. -- Dazu will viel Glck, sagte der Knig: denn ich
habe noch nie gehrt, da Einer von solcher Reise zurckgekehrt ist.
Wenn Du ihn aber antriffst, so kannst Du ihn von mir gren und ihn
fragen, woher es kommt, da ich niemals reines Wasser in meinem Brunnen
habe; ich hab' ihn schon so oft subern und ausmuddern lassen, aber nie
kann ich reines Wasser bekommen. -- Ja, ich will ihn wohl fragen,
sagte der Bursch. Auf dem Schlo lie er's sich wohl sein und bekam noch
dazu Lebensmittel und Geld auf den Weg.

Gegen Abend kam der Bursch zu einem andern Knigsschlo. Als er in die
Kche eintrat, kam der Knig heraus und fragte ihn, wo er her sei, und
in welchem Geschft er reise. O, ich soll zu dem Drachen von Dbenfahrt
und drei Federn aus seinem Schwanz holen, sagte der Bursch. Dazu will
viel Glck, sagte der Knig: denn ich habe noch nie gehrt, da Einer
von daher zurckgekehrt ist. Wenn Du aber zu ihm kommst, so kannst Du
ihn von mir gren und ihn fragen, wo wohl meine Tochter wre, die vor
vielen Jahren verschwunden ist; ich habe nach ihr suchen und forschen
lassen berall, aber ich habe nie das Geringste von ihr erfahren knnen.
-- Ich will ihn wohl fragen, sagte der Bursch. Auf dem Knigsschlo
lebte er gut und wohl, und als er den andern Tag fortging, bekam er
sowohl Essen, als Geld mit auf den Weg. Gegen Abend kam er wieder zu
einem Knigsschlo.

Hier kam die Kniginn heraus in die Kche und fragte ihn, wo er her
sei, und in welchem Geschft er reise. Ich soll zu dem Drachen von
Dbenfahrt und drei Federn aus seinem Schwanz holen, sagte der Bursch.
Dazu will viel Glck, sagte die Kniginn: denn ich habe noch nie
gehrt, da Einer des Weges zurckgekehrt ist. Aber solltest Du ihn
antreffen, so kannst Du ihn von mir gren und ihn fragen, wo ich wohl
meine goldnen Schlssel wiederfinden soll, die ich verloren habe.
-- Ich will ihn wohl fragen, sagte der Bursch. Am andern Morgen
wanderte er weiter, und als er ein Ende gegangen war, kam er zu einem
groen breiten Flu. Whrend er nun da stand und nicht wute, wie er
hinber kommen sollte, kam ein alter krummgebckter Mann auf ihn zu und
fragte ihn, wo er hin wolle. Ich soll zu dem Drachen von Dbenfahrt,
sagte der Bursch: wenn ich blo wte, wo er zu finden ist. -- Das
kann ich Dir sagen, sprach der Mann: denn ich setze hier Alle ber,
die zu ihm wollen. Er wohnt hier grade gegenber; wenn Du dort oben auf
dem Hgel bist, kannst Du schon sein Schlo sehen; -- und wenn Du ihn
dann zu sprechen bekommst, so kannst Du ihn von meinetwegen fragen, wie
lange ich hier noch bersetzen soll. -- Ich will ihn wohl fragen,
sagte der Bursch. Der Mann nahm ihn nun auf den Rcken und trug ihn
ber den Flu; und als der Bursch auf den Hgel gekommen war, sah er
das Schlo grade vor sich und ging hinein. Als die Prinzessinn, die nur
allein zu Hause war, ihn erblickte, rief sie: Ist es mglich! darf
denn eine Christenseele hieherkommen? Das ist noch nicht geschehen, so
lange ich hier bin. Fr Dich ist es aber am besten, sagte sie: Du
siehst zu, da Du wieder fortkommst so schnell wie mglich; denn kommt
der Drache zu Hause, so riecht er Dich und frisst Dich sogleich auf, und
mich machst Du dann dazu unglcklich. -- Nein, sagte der Bursch: ich
kann nicht eher fort, als bis ich drei Federn aus seinem Schwanz habe.
-- Die bekommst Du nun und nimmermehr, sagte die Prinzessinn.

Aber der Bursch wollte nicht fort; er wollte warten, bis der Drache nach
Hause kme und wollte die Federn aus seinem Schwanz und Antwort auf seine
Fragen haben. Ja, wenn Du denn durchaus darauf bestehst, so will ich
zusehen, ob ich Dir helfen kann, sagte die Prinzessinn: Versuche aber,
ob Du das Schwert aufheben kannst, das dort an der Wand hangt. Nein,
der Bursch konnt's nicht vom Fleck rhren. So musst Du einen Trunk aus
dieser Flasche thun, sagte die Prinzessinn. Als nun der Bursch einen
Trunk aus der Flasche gethan hatte, konnte er das Schwert ein wenig
bewegen. Du musst noch einen Trunk thun, sagte die Prinzessinn: und
dann erzhle mir ausfhrlich Deinen Auftrag. Der Bursch that nun noch
einen Trunk, und darauf erzhlte er der Prinzessinn: ein Knig htte ihn
gebeten, den Drachen zu fragen, woher es kme, da er kein reines Wasser
in seinen Brunnen bekommen knne; fr einen andern solle er fragen, wo
seine Tochter geblieben sei, die vor vielen Jahren verschwunden wre;
und fr eine Kniginn solle er den Drachen fragen, wo ihre goldnen
Schlssel geblieben wren; und endlich solle er fr den Fhrmann fragen,
wie lange der noch die Leute ber den Flu setzen msse. -- Als der
Bursch nun das Schwert anfate, konnte er es aufheben; und als er endlich
noch einen Trunk gethan hatte, konnte er es schwingen. Gegen Abend sagte
die Prinzessinn: Nun kommt der Drache bald nach Hause, und damit er
Dich nicht sogleich umbringt, musst Du unter das Bett kriechen, und da
musst Du ganz still liegen, da er Dich nicht bemerkt. Wenn wir uns dann
niedergelegt haben, werde ich ihn ausfragen. Du musst aber gut zuhren
und genau darauf Acht geben, Was er antwortet; und unter dem Bett musst
Du liegen bleiben, bis Alles still ist, und der Drache eingeschlafen;
alsdann aber kriech leise hervor und nimm das Schwert zu Dir. Und wenn
er darnach aufsteht, musst Du mit _einem_ Hieb ihm den Kopf abschlagen
und im selben Augenblick die drei Federn aus seinem Schwanz rupfen; denn
sonst reit er sie sich selbst aus, damit sie keinem Andern zu gute
kommen sollen.

Als nun der Bursch unters Bett gekrochen war, kam auch schon der Drache
an. _Es riecht hier so nach Menschenfleisch!_ rief er, als er eintrat
O, es kam ein Rabe geflogen mit einem Menschenknochen im Schnabel und
setzte sich auf das Dach, sagte die Prinzessinn: das mu es sein, was
Du riechst. -- _Na so!_ sagte der Drache. Nun trug die Prinzessinn
das Essen auf, und als sie gegessen hatten, legten sie sich zu Bett.
Aber als sie eine Weile gelegen hatten, schlief die Prinzessinn so
unruhig, und pltzlich wachte sie auf. Au! au! schrie sie. _Was
fehlt Dir?_ fragte der Drache. O, ich schlafe so unruhig, sagte die
Prinzessinn: und dann hatte ich einen so wunderlichen Traum. -- _Was
trumte Dir denn?_ fragte der Drache. O, mir trumte, es kme ein
Knig hieher und fragte Dich, wie er es anfangen solle, um reines Wasser
in seinen Brunnen zu bekommen, sagte die Prinzessinn. _Ach, das knnte
er wohl von selbst wissen_, sagte der Drache: _wenn er blo den
Brunnen umgrbt und den alten verfaulten Stock herausnimmt, der auf dem
Boden liegt, dann wird er schon reines Wasser bekommen. Aber liege jetzt
ruhig und trume nicht wieder!_

Als die Prinzessinn eine Weile still gelegen hatte, ward sie wieder
unruhig, warf sich im Bette hin und her und wachte endlich wieder auf.
_Au! au!_ -- _Was ist denn nun wieder los?_ rief der Drache. O,
ich schlafe so unruhig, und dann hatte ich einen so wunderlichen
Traum, sagte die Prinzessinn. _Das ist doch auch gewaltig mit Deiner
Trumerei!_ sagte der Drache: _Was hat Dir denn jetzt getrumt?_
-- O, mir trumte, es kme ein Knig hieher und fragte Dich, wo seine
Tochter geblieben wre, die vor vielen Jahren verschwunden sei, sagte
die Prinzessinn. _Das bist Du_, sagte der Drache: _aber Dich bekommt
er in seinem Leben nicht mehr zu sehen. La mich aber jetzt in Ruhe,
bitt' ich Dich, und trume nicht wieder, sonst brech ich Dir die Rippen
entzwei._

Die Prinzessinn hatte nicht lange geschlafen, als sie wieder anfing,
unruhig zu werden, und dann aufwachte. _Au! au!_ rief sie. _Nun,
schon wieder? Was ist denn jetzt wieder los?_ rief der Drache und war
so wild, da er beinahe aus der Haut fahren wollte. O, Du musst nicht
bse werden, sagte die Prinzessinn: aber ich hatte einen so
wunderlichen Traum. -- _Das ist doch auch zum Kukuk mit Deiner
Trumerei! Was trumte Dir denn jetzt?_ -- O, mir trumte, es kme
eine Kniginn hieher, die fragte Dich, ob Du ihr nicht sagen knntest,
wo sie ihre goldnen Schlssel wiederfinden solle, die sie verloren
htte. -- _O, sie kann nur zusehen zwischen den Bschen, wo sie lag,
damals, wie sie wohl wei, dann wird sie sie wohl finden_, sagte der
Drache: _Aber la mich nun endlich in Ruhe mit Deinen Trumen!_

Beide schliefen nun eine Weile; aber darnach begann die Prinzessinn
wieder unruhig zu werden, und pltzlich wachte sie auf. _Au! au!_
-- _Ich merke wohl, Du wirst nicht eher ruhig, als bis ich Dir das
Genick zerbreche_, sagte der Drache und war so wthend, da ihm die
Funken aus den Augen sprh'ten: _Was hast Du denn nun wieder?_ -- O,
Du musst nicht bse auf mich sein, sagte die Prinzessinn: ich kann
ja nicht dafr; aber ich hatte einen so wunderlichen Traum. -- _Eine
solche Trumerei ist mir doch noch nicht vorgekommen_, sagte der Drache:
_aber Was trumte Dir denn jetzt?_ -- Mir trumte, der Fhrmann hier
unten am Sund sei gekommen und fragte Dich, wie lange er noch die Leute
ber den Flu setzen msse. -- _Das dumme Vieh! davon knnte er bald
befrei't werden_, sagte der Drache: _Wenn Jemand kommt, der hinber
will, so braucht er ihn nur mitten in den Flu zu werfen und zu sagen:
Setz' nun Du ber, bis Du abgels't wirst! dann wird er frei. Aber la
mich jetzt in Ruhe mit Deinen Trumen, sonst wird es ein andrer Tanz!_

Die Prinzessinn lie ihn nun in Frieden schlafen. Aber sobald es still
ward, und der Mllerbursch hrte, da der Drache schnarchte, kroch er
hervor und nahm das Schwert von der Wand. Ehe es noch Tag geworden war,
stand der Drache auf; aber kaum war er mit beiden Fen aus dem Bett
gekommen, als der Bursch ihm den Kopf abhieb und die drei Federn aus
seinem Schwanz ri. Das war eine groe Freude. Und der Bursch und
die Prinzessinn nahmen so viel Gold und Silber und Geld und andre
Kostbarkeiten mit, als sie nur fortschaffen konnten, und als sie zu
dem Sund kamen, setzten sie den Fhrmann durch Alles, was er fr sie
hinbertragen mute, so in Erstaunen und Verwirrung, da er ganz und gar
verga, zu fragen, Was der Drache gesagt htte, bis alles Gepck und der
Bursch und die Prinzessinn dazu hinber waren. Es ist wahr, sagte er,
als sie eben fortgehen wollten: fragtest Du den Drachen, wie ich Dir
sagte? -- Ja, antwortete der Bursch: er sagte, wenn Jemand kme
und hinber wolle, so solltest Du ihn nur mitten in den Flu werfen und
sagen: Setz' nun Du ber, bis Du abgels't wirst! so wrdest Du frei.
-- O, twi! sagte der Sundmann: httest Du mir das frher gesagt, dann
httest =Du= mich ablsen sollen.

Als sie zu dem ersten Knigsschlo kamen, fragte ihn die Kniginn, ob er
den Drachen nach ihren goldnen Schlsseln gefragt htte. Ja, sagte der
Bursch und flsterte ihr ins Ohr: Er sagte, Du solltest nur zusehen
zwischen den Bschen, wo Du lagst, damals, wie Du wohl weit. -- Still!
still! sag' ja Nichts! sagte die Kniginn und gab dem Burschen hundert
Thaler. -- Als er zu dem zweiten Knigsschlo kam, fragte der Knig ihn,
ob er sich bei dem Drachen nach seiner Tochter erkundigt htte. Ja,
sagte der Bursch: das hab' ich, und hier ist Deine Tochter! Darber
ward der Knig so froh, da er dem Mllerburschen gern die Prinzessinn
und das halbe Reich gegeben htte. Aber da dieser schon eine Frau hatte,
gab er ihm zweihundert Thaler und Pferde und Wagen und so viel Gold und
Silber, als er nur fortschaffen konnte. -- Wie er nun zu dem dritten
Knigsschlo kam, fragte ihn der Knig, ob er seinen Auftrag bei dem
Drachen ausgerichtet htte. Ja, versetzte der Bursch: er sagte,
Du solltest nur den Brunnen umgraben und den alten verfaulten Stock
herausnehmen, der auf dem Boden liegt, dann wrdest Du schon reines
Wasser bekommen. Da gab der Knig ihm dreihundert Thaler. Von hier
reis'te der Bursch gradesweges nach Hause, und er war so ausstaffirt mit
Gold und mit Silber und so prchtig gekleidet, da es nur so glitzerte.
Als nun der reiche Peter die Federn aus dem Drachenschwanz erhielt,
hatte er Nichts weiter gegen die Heirath einzuwenden. Da er aber all den
Reichthum sah, den sein Schwiegersohn mitgebracht hatte, fragte er ihn,
ob noch mehr da wre. Ja, sagte der: es sind noch ganze Wagen voll
da, und wenn Du nur hinreisen willst, so wirst Du wohl so Viel finden,
als Du gebrauchst. Ja, Peter Krmer wollte gleich hinreisen. Nun sagte
ihm sein Schwiegersohn den Weg so genau, da er nicht nthig hatte,
weiter darnach zu fragen; aber die Pferde, sagte er: lsst Du am
besten an dieser Seite des Flusses; denn der Sundmann hilft Dir schon
wieder herber. Peter reis'te nun fort und nahm einen guten Schnappsack
voll Ewaaren mit und viele Pferde, die lie er aber an dieser Seite
zurck, wie der Bursch ihm gesagt hatte. Als er nun zu dem Flu kam,
nahm ihn der Sundmann auf den Rcken und trug ihn fort bis in die Mitte,
da warf er ihn ins Wasser und sprach: Nun kannst Du hier bersetzen,
bis Du abgels't wirst! Und wenn Keiner ihn abgels't hat, so geht der
reiche Peter Krmer noch den heutigen Tag da und setzt die Leute ber.




6.

Aschenbrdel, der mit dem Trollen um die Wette a.


Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Shne; es ging ihm aber nur
drftig, und er war schon alt und schwach, und die Shne wollten nicht
recht an die Arbeit. Zu dem Gehft gehrte ein groer schner Wald, und
in dem, wollte der Vater, sollten die Burschen Holz hauen, damit sie
Etwas von der Schuld abbezahlten.

Endlich brachte er sie denn auch auf den Trab, und der lteste Sohn
sollte zuerst ins Holz. Als er nun in den Wald gekommen war und anfing,
eine alte borkige Tanne umzuhauen, trat pltzlich ein ungeheurer Troll
auf ihn zu. _Wenn Du in meinem Wald hauest, so tdte ich Dich_, sagte
der Troll. Als der Bursch das hrte, warf er die Axt weg und lief, was
er nur konnte, wieder nach Hause. Er kam ganz athemlos an und erzhlte,
Was ihm begegnet war. Aber der Vater sagte, er wre ein Hasenherz; die
Trollen htten ihn niemals am Hauen gehindert, als ER noch jung gewesen,
meinte er.

Den andern Tag sollte der zweite Sohn in den Wald; aber dem gings
justement eben so. Als er ein paar Hiebe gethan hatte, trat der Troll
auf ihn zu und sprach; _Wenn Du in meinem Wald hauest, so tdte ich
Dich._ Der Bursch wagte kaum, ihn anzusehen, warf die Axt weg und
machte sich auf die Beine, eben so, wie der Bruder. Als er nach Hause
kam, meinte der Vater wieder, da ER noch jung gewesen, htten die
Trollen ihn niemals gehindert.

Den dritten Tag wollte Aschenbrdel sich aufmachen. Ja, Du, sagten die
beiden ltesten; Du sollst wohl Was ausrichten, der Du nie hinter dem
Ofen hervorgekommen bist. Aschenbrdel antwortete Nichts, sondern bat
nur um einen guten Sack voll Lebensmittel. Die Mutter hatte kein Fleisch
und hngte daher den Kessel ber's Feuer, um einiges Gemse fr ihn zu
kochen; das that er in seinen Schnappsack, und damit machte er sich auf.
Als er in den Wald gekommen war und eine Zeitlang gehauen hatte, kam
ebenfalls der Troll auf ihn zu und sprach: _Wenn Du in meinem Wald
hauest, so tdte ich Dich._ Der Bursch aber, nicht faul, nahm sogleich
einen Kse aus seinem Schnappsack und drckte ihn, da der Saft
herausspritzte. Hltst Du nicht gleich Dein groes Maul, sagte er zu
dem Trollen: so werd' ich Dich drcken, wie ich das Wasser aus diesem
Stein drcke. -- Nein, Freund, verschone mich! sagte der Troll: ich
will Dir auch hauen helfen. Ja, wenn's so gemeint sei, wollte ihm denn
der Bursch auch Nichts thun; und der Troll hau'te darauf brav zu, so
da sie an dem Tage viele Klafter umhau'ten. Gegen Abend sagte der
Troll: Nun kannst Du mit mir nach meiner Wohnung kommen, denn das ist
nher, als nach Deinem Hause. Ja, dem Burschen war das recht. Als sie
nun in dem Hause des Trollen ankamen, wollte dieser Feuer auf dem Herd
anmachen, und der Bursch sollte Wasser zum Grtzkessel holen. Aber da
standen zwei eiserne Zuber, so gro und so schwer, da der Bursch sie
nicht einmal von der Stelle bewegen konnte; er sagte aber: Es ist nicht
werth, mit diesen kleinen Btten zu plirren; ich will lieber hingehen
und den ganzen Brunnen holen. -- Nein, Freund, sagte der Troll: ich
kann meinen Brunnen nicht entbehren. Mach Du lieber Feuer an, dann will
ich hingehen und Wasser holen.

Als der Troll mit dem Wasser zurckkam, kochten sie einen tchtigen
Kessel voll Grtze. Willst Du, wie ich, sagte der Bursch: so wollen
wir um die Wette essen. -- Ja, la uns das! sagte der Troll; denn er
dachte, hierin wrde er es wohl mit dem Burschen aufnehmen knnen. Als
sie sich aber zu Tische setzten, nahm der Bursch seinen Schnappsack und
band ihn sich, ohne da der Troll es bemerkte, vorn um den Leib, und nun
schttete er mehr in den Schnappsack, als er aufa. Als der Sack voll
war, zog er sein Taschenmesser hervor und machte einen Schlitz in seinen
Bauch, es war aber der Schnappsack, in den er schnitt. Der Troll sah ihn
an, aber sagte Nichts. Als sie eine gute Zeit gegessen hatten, legte der
Troll den Lffel nieder. Nein, nun kann ich nicht mehr! sagte er. Du
musst essen, sagte der Bursch: ich bin noch nicht einmal halb satt.
Mach es, wie ich, und schneide ein Loch in Deinen Bauch, dann kannst Du
so Viel essen, als Du willst. -- Ja, aber das thut wohl gewaltig weh,
sagte der Troll. O, es ist nicht der Rede werth, versetzte der Bursch.
Da nahm der Troll sein Messer und schnitt sich ein groes Loch in den
Bauch, und als er das gethan hatte, fiel er todt zur Erde nieder. Der
Bursch aber nahm nun all das Gold und Silber, das er im Berge vorfand,
und damit ging er nach Hause; und nun konnte er wohl Etwas von der
Schuld abbezahlen.




7.

Von dem Burschen,
der zu dem Nordwind ging und das Mehl zurckforderte.


Es war einmal eine alte Frau, die hatte einen Sohn, und da sie schon
sehr elend und gebrechlich war und nicht mehr recht fortkonnte, sollte
der Bursch fr sie aufs Stabur[2] gehen und Mehl holen. Der Bursch ging
auch hin; als er aber wieder die Treppe hinunterstieg, kam der Nordwind
gestoben, nahm ihm das Mehl weg und fuhr damit durch die Luft. Der
Bursch ging noch einmal aufs Stabur; als er aber die Treppe hinunterstieg,
kam der Nordwind abermals gestoben und nahm ihm das Mehl weg, und eben
so geschah es auch das dritte Mal. Das verdro den Burschen, und er
meinte, es wre Unrecht, da der Nordwind ihm so mitspielen sollte, und
er gedachte daher, ihn aufzusuchen und sein Mehl zurckzufordern.

Er machte sich nun auf; aber der Weg war lang, und er ging und ging. Und
endlich kam er zum Nordwind. Guten Tag! sagte der Bursch. Guten Tag!
sagte der Nordwind, und seine Stimme war so grob: Was willst Du?
-- O, sagte der Bursch: ich wollte Dich bitten, mir das Mehl
wiederzugeben, das Du mir auf der Staburstreppe nahmst; denn Wenig haben
wir nur, und wenn Du uns das Bischen, das wir haben, noch dazu nimmst,
so wird's nichts Anders, als Hungerpfotensaugen. -- Ich habe kein
Mehl, sagte der Nordwind: aber weil es Dir so drftig geht, will ich
Dir ein Tuch geben, das schafft Dir Alles, was Du Dir nur zu essen
wnschest, wenn Du blo sagst: 'Tuch, deck dich mit allerlei kstlichen
Speisen!'

Damit war der Bursch sehr wohl zufrieden. Weil aber der Weg so lang war,
da er nicht in einem Tage nach Hause kommen konnte, kehrte er bei einem
Gastwirth an der Landstrae ein. Als nun die Gste, die schon vor ihm
gekommen waren, zu Abend essen wollten, breitete der Bursch sein Tuch
auf einem Tisch aus, der in der Ecke stand, und sprach dann: 'Tuch, deck
dich mit allerlei kstlichen Speisen!' Kaum hatte er das gesagt, so that
das Tuch seine Schuldigkeit. Da meinten Alle, besonders die Wirthsfrau,
das wre ein gar herrliches Tuch. Wie es nun Nacht geworden war, und
Alle lagen und schliefen, schlich sich die Wirthsfrau herbei und
stipitzte das Tuch und legte dann ein andres an die Stelle, das eben so
aussah, wie jenes, aber das konnte nicht einmal mit trocknem Brod
aufdecken.

Als der Bursch am Morgen erwachte, nahm er sein Tuch und ging damit
fort, und an diesem Tage kam er nach Hause zu seiner Mutter. Nun,
sagte er: bin ich beim Nordwind gewesen; das ist ein recht schicklicher
Mann, denn er hat mir dieses Tuch gegeben, und wenn ich blo sage: 'Tuch,
deck dich mit allerlei kstlichen Speisen!' so bekomme ich Alles, was
ich mir nur an Essen wnsche. -- Ja, das mag wahr sein, sagte die
Mutter: aber ich glaub' es nicht, eh' ich es sehe. Sogleich stellte
der Bursch einen Tisch hin, legte das Tuch darauf und sprach: Tuch,
deck' dich mit allerlei kstlichen Speisen! Aber das Tuch deckte sich
nicht einmal mit einem Stck Brod.

Es ist kein andrer Rath, ich mu wieder zum Nordwind, sagte der Bursch
und machte sich auf den Weg. Guten Tag! sagte er, als er beim Nordwind
ankam. Guten Tag! sagte der Nordwind: Was willst Du? -- Ich wollte
gern Ersatz fr's Mehl haben, das Du mir nahmst, sagte der Bursch:
denn das Tuch, das Du mir gegeben hast, taugt nichts. -- Ich habe
kein Mehl, sagte der Nordwind: aber da hast Du einen Bock, der macht
lauter Goldducaten, wenn Du blo sagst: 'Bock, mach Gold!' Damit war
der Bursch wohl zufrieden; weil er aber so weit nach Hause hatte, da er
an einem Tage nicht hinkommen konnte, nahm er wieder Nachtherberge bei
dem Gastwirth. Eh' er aber Etwas zu essen verlangte, probirte er seinen
Bock, um zu sehen, ob es auch wahr sei, was der Nordwind ihm gesagt
hatte; die Sache verhielt sich aber wirklich so. Als der Gastwirth das
Experiment sah, meinte er, das wre ein prchtiges Thier; und wie der
Bursch eingeschlafen war, holte er sich den Bock und setzte einen andern
an die Stelle, der machte aber keine Goldducaten.

Am andern Morgen ging der Bursch weiter, und als er nach Hause zu seiner
Mutter kam, sagte er: Der Nordwind ist dennoch ein guter Mann; er hat
mir jetzt einen Bock gegeben, der macht lauter Goldducaten, wenn ich
blo sage: 'Bock, mach Gold!' -- Das knnte wahr sein, sagte die
Mutter: aber es ist wohl nur wieder Schnickschnack, und ich glaub' es
nicht, eh' ich es sehe. -- Bock, mach Gold! sagte der Bursch; aber es
war kein Gold, was der Bock machte.

Da ging der Bursch wieder zum Nordwind und sagte, der Bock tauge nichts,
und er wolle Ersatz fr's Mehl haben. Ja, nun hab' ich Dir nichts Anders
zu geben, sagte der Nordwind: als den alten Stock, der da in der Ecke
steht, der hat aber die Eigenschaft, da, wenn Du sagst: 'Stock, schlag'
zu!' er so lange zuschlgt, bis Du wieder sagst: 'Stock, steh' still!'
-- Weil nun der Weg nach Hause wieder nicht kurz war, so kehrte der
Bursch auch an dem Abend wieder bei dem Gastwirth ein. Da er aber
wohl so halbweges begreifen konnte, wie es mit dem Tuch und dem Bock
zugegangen war, streckte er sich sogleich auf die Bank hin und fing an
zu schnarchen. Der Wirth, der sich wohl denken mochte, da der Stock zu
Etwas tauge, suchte einen andern hervor, der diesem ganz hnlich war und
wollte ihn an die Stelle setzen, denn er glaubte nicht anders, als da
der Bursch schliefe. Wie aber der Gastwirth den Stock wegnehmen wollte,
rief der Bursch: Stock, schlag' zu! Der Stock auf den Gastwirth los,
da dieser ber Tisch und Bnke fuhr und rief und bat: Ach Herrgott!
Herrgott! la blo den Stock wieder aufhren, sonst schlgt er mich noch
todt! Ich will Dir auch gern Dein Tuch und Deinen Bock wiedergeben. Als
es dem Burschen schien, da der Gastwirth wohl Genug htte, rief er:
Stock, steh' still! Er nahm nun sein Tuch und steckte es in die
Tasche, band dem Bock eine Schnur um die Hrner und nahm den Stock in
die Hand, und fort ging er mit Allem, bis er nach Hause zu seiner Mutter
kam; und nun hatte er guten Ersatz fr's Mehl bekommen.




8.

Die Jungfrau Maria als Gevatterinn.


Weit, weit von hier in einem groen Wald wohnten ein Paar arme Leute.
Die Frau kam ins Kindbett und gebar ein allerliebstes Tchterchen; aber
da die Leute so arm waren, wuten sie nicht, wie sie das Kind getauft
bekommen sollten. Da mute der Mann sich aufmachen und zusehen, ob er
nicht Gevattern bekommen knne, die fr ihn das Taufgeld bezahlten. Er
ging den ganzen Tag von Einem zum Andern, aber Gevatter wollte Niemand
sein. Gegen Abend, als er nach Hause ging, begegnete ihm eine sehr
schne Frau, die hatte so prchtige Kleider an und sah so gutmthig und
freundlich aus und erbot sich, das Kind zur Taufe zu schaffen, wenn sie
es nachher behalten solle. Der Mann antwortete, er mte erst seine Frau
fragen. Aber als er nach Hause kam und ihr die Sache vorstellte, sagte
sie platt aus nein. Am andern Tage ging der Mann wieder aus; aber
Gevattern wollten sie Alle nicht sein, wenn sie selbst das Taufgeld
bezahlen sollten, und wie viel der Mann sie auch bitten mochte, so
half doch Alles nichts. Als er am Abend nach Hause ging, begegnete ihm
wieder die schne Frau, die so sanft aussah, und sie machte ihm wieder
dasselbe Anerbieten. Der Mann erzhlte nun seiner Frau, Was ihm abermals
begegnet war, und die sagte darauf, wenn er auch den nchsten Tag keine
Gevattern zu dem Kind bekommen knne, so mten sie es wohl der Frau
berlassen, da sie doch so gut und freundlich ausshe. Der Mann ging nun
zum dritten Mal aus, bekam aber auch an diesem Tage keine Gevattern; und
als ihm daher am Abend wieder die freundliche Frau begegnete, versprach
er ihr das Kind, wenn sie es wollte taufen lassen. Am andern Morgen kam
die Frau in die Htte des Mannes und hatte noch zwei Mnner bei sich.
Sie nahm nun das Kind und ging damit in die Kirche, und da wurde es
getauft; darauf nahm sie es mit sich, und das kleine Mdchen blieb bei
ihr mehre Jahre lang, und die Pflegemutter war immer gut und freundlich
gegen sie.

Als nun das Mdchen so gro geworden war, da es schon unterscheiden
konnte, und Verstand bekam, wollte die Pflegemutter einmal eine Reise
machen. Du darfst in alle Zimmer gehen, in welche Du willst, sagte sie
zu dem Mdchen: nur in diese drei Zimmer darfst Du nicht gehen, und
darauf reis'te sie fort. Das Mdchen konnte es aber nicht unterlassen,
die Thr zu dem einen Zimmer ein wenig zu ffnen -- und wutsch! so flog
ein Stern heraus. Als die Pflegemutter nach Hause kam, betrbte es sie
sehr, da der Stern herausgeflogen war, und so unwillig war sie auf
ihre Pflegetochter, da sie ihr droh'te, sie fortjagen zu wollen. Aber
das Mdchen bat und weinte so lange, bis sie endlich doch bleiben
durfte. -- Nach einiger Zeit wollte die Pflegemutter abermals verreisen
und verbot nun dem Mdchen, beileibe nicht in die zwei Zimmer zu gehen,
in welchen sie noch nicht gewesen sei. Das Mdchen versprach ihr nun
auch, sie wolle diesmal gehorsam sein. Als sie aber eine Zeitlang allein
gewesen war und sich allerlei Gedanken gemacht hatte, Was doch wohl in
dem zweiten Zimmer sein mchte, konnte sie sich nicht enthalten, auch
die zweite Thr ein wenig zu ffnen -- und wutsch! flog der Mond heraus.
Als die Pflegemutter zurckkehrte und sah, da der Mond herausgeschlpft
war, ward sie wieder sehr betrbt und sagte zu dem Mdchen, nun knne
sie sie durchaus nicht lnger behalten, sie msse jetzt fort. Aber da
das Mdchen wieder so bitterlich weinte und gar zu artig bat, so durfte
sie denn auch noch diesmal bleiben. -- Nach einiger Zeit wollte die
Pflegemutter abermals verreisen, und da legte sie es dem Mdchen, das
nun schon halb erwachsen war, recht ernstlich ans Herz, es ja nicht
versuchen zu wollen, in das dritte Zimmer zu gehen, oder auch nur
hineinzugucken. Als aber die Pflegemutter eine Zeitlang verreis't war,
und das Mdchen so allein ging und sich langweilte, konnte sie es
zuletzt nicht mehr aushalten. Ach, dachte sie: wie artig es sein
mte, ein wenig in das dritte Zimmer zu gucken! Sie dachte zwar erst,
sie wollte es doch nicht thun, der Pflegemutter wegen; aber als sie
wieder auf den Gedanken zurckkam, konnte sie sich doch nicht lnger
halten; sie meinte, sie solle und msse durchaus hineingucken, und da
machte sie die Thr ein ganz klein wenig auf -- und wutsch! flog die
Sonne heraus. Als die Pflegemutter nun zurckkehrte und sah, da die
Sonne hinausgeflogen war, ward sie so herzlich betrbt und sagte zu dem
Mdchen, nun knne sie durchaus nicht lnger bei ihr bleiben. Die
Pflegetochter weinte und bat noch artiger, als zuvor; aber es half Alles
nichts. Nein, ich mu Dich jetzt strafen, sagte die Pflegemutter:
aber Du sollst die Wahl haben, entweder das allerschnste Frauenzimmer
zu werden und nicht sprechen zu knnen, oder das allerhlichste und
sprechen zu knnen; aber weg von hier musst Du. Das Mdchen sagte: So
will ich denn lieber das allerschnste Frauenzimmer werden und nicht
sprechen knnen, -- und das ward sie denn auch; aber von der Zeit an
war sie stumm.

Als nun das Mdchen ihre Pflegemutter verlassen hatte und eine Zeitlang
fortgewandert war, kam sie in einen groen, groen Wald; aber so weit
sie auch ging, so konnte sie doch nie das Ende erreichen. Als es Abend
wurde, kletterte sie auf einen hohen Baum, der oberhalb einer Quelle
stand, und setzte sich darin zum Schlafen nieder. Nicht weit davon aber
lag ein Knigsschlo, und aus diesem kam frh am andern Morgen eine
Dirne und wollte Wasser zum Thee fr den Prinzen aus der Quelle holen.
Als nun die Dirne das schne Gesicht in der Quelle sah, glaubte sie,
es wre ihr eignes; sie warf sogleich den Eimer hin, lief nach Hause,
hielt den Nacken steif und sagte: Bin ich so schn, so bin ich auch
wohl zu gut, um Wasser im Eimer zu holen. Nun sollte eine Andre hin und
Wasser holen; aber mit der ging es eben so: sie kam auch zurck und
sagte, sie wre viel zu schn und zu gut, um nach der Quelle zu gehen
und Wasser fr den Prinzen zu holen. Da ging der Prinz selbst hin; denn
er wollte sehen, wie das zusammenhing. Als er nun zu der Quelle kam,
erblickte er ebenfalls das Bild, und sogleich sah er nach dem Baum
hinauf. Da ward er denn das schne Mdchen gewahr, das dort in den
Zweigen sa. Er schmeichelte sie herunter und nahm sie mit nach Hause
und wollte sie durchaus zur Gemahlinn haben, weil sie so schn war.
Aber seine Mutter, die noch lebte, machte Einwendungen: Sie kann nicht
sprechen, sagte sie: es mag daher wohl ein Trollmensch sein. Aber der
Prinz gab sich nicht eher zufrieden, bis er sie bekam. Als er nun eine
Zeitlang mit ihr zusammengelebt hatte, ward sie schwanger, und wie sie
gebren sollte, stellte der Prinz eine starke Wache um sie her. Aber in
der Geburtsstunde schliefen alle ein; und als sie geboren hatte, kam
ihre Pflegemutter, schnitt das Kind in den kleinen Finger und bestrich
der Kniginn mit dem Blute den Mund und die Hnde und sagte: Nun sollst
Du eben so betrbt werden, als ich damals war, wie Du den Stern hattest
hinausschlpfen lassen, und darauf verschwand sie mit dem Kinde. Als
Die, welche der Prinz zur Bewachung hingestellt hatte, die Augen wieder
aufschlugen, glaubten sie, die Kniginn htte ihr Kind aufgefressen, und
die alte Kniginn wollte daher, da man sie verbrennen solle; aber der
Prinz hatte sie so herzlich lieb, und nach vielem Bitten gelang es ihm,
sie von der Strafe zu befreien, aber es war nur mit genauer Noth. Als
die Kniginn zum zweiten Mal ins Wochenbett sollte, wurde eine Wache
um sie gestellt, die war doppelt so stark, als die erste. Aber es ging
wieder eben so, wie das vorige Mal, nur da jetzt die Pflegemutter zu
ihr sagte: Nun sollst Du eben so betrbt werden, als ich damals war,
wie Du den Mond hattest hinausschlpfen lassen. Die Kniginn weinte und
bat, -- denn wenn die Pflegemutter da war, konnte sie sprechen -- aber
es half Alles nichts. Nun wollte die alte Kniginn durchaus, da sie
verbrannt werden sollte; aber der Prinz bat sie auch noch dieses Mal
frei. Als die Kniginn zum dritten Mal ins Kindbett sollte, ward eine
dreidoppelte Wache um sie gestellt; aber es ging wieder ganz so, wie
zuvor: die Pflegemutter kam, whrend die Wache schlief, nahm das Kind,
schnitt es in den kleinen Finger und strich der Kniginn das Blut um den
Mund; nun, sagte sie, solle sie eben so betrbt werden, als sie selbst
damals gewesen sei, wie sie die Sonne hatte hinausschlpfen lassen.
Jetzt konnte der Prinz sie auf keine Weise mehr retten, sie mute und
sollte verbrannt werden. Aber grade in dem Augenblick, da man sie auf
den Scheiterhaufen brachte, erschien die Pflegemutter mit allen drei
Kindern; die beiden ltesten fhrte sie an der Hand, und das jngste
trug sie auf dem Arm. Sie trat auf die junge Kniginn zu und sprach:
Hier sind Deine Kinder, ich gebe sie Dir jetzt zurck. Ich bin die
Jungfrau Maria, und so betrbt, als Du nun gewesen bist, so betrbt
war ich damals, als Du den Stern, den Mond und die Sonne hattest
hinausschlpfen lassen. Jetzt hast Du fr Das, was Du gethan, Deine
Strafe erlitten, und von nun an sollst Du wieder sprechen knnen. Wie
froh da der Prinz und die Prinzessinn waren, das lsst sich wohl denken,
aber nicht beschreiben; sie lebten nachher immer glcklich zusammen, und
auch des Prinzen Mutter hatte von der Zeit an die junge Kniginn recht
lieb.




9.

Die drei Prinzessinnen aus Witenland.


Es war einmal ein Fischer, der wohnte nicht weit vom Schlo und
fischte fr des Knigs Tisch. Eines Tages, als er wieder auf den Fang
ausgegangen war, konnte er nicht _einen_ Fisch bekommen; er mochte es
anfangen, wie er wollte, und noch so viel fischen und angeln, so hing
doch nie eine Grte am Haken. Als es aber schon spt am Tage war,
tauchte ein Kopf aus dem Wasser hervor und sprach: Willst Du mir Das
geben, was Deine Frau unter dem Grtel trgt, so sollst Du Fische genug
haben. Der Mann sagte gleich Ja; denn er wute nicht, da seine Frau
schwanger war. Darnach bekam er aber auch Fische den Tag, so viel er nur
wollte. Als er am Abend nach Hause kam und erzhlte, wie er all die
Fische bekommen, fing die Frau an zu jammern und zu weinen, und sagte,
Gott mge ihr gndig sein wegen des Versprechens, das der Mann gethan
htte, denn sie trge ein Kind unter dem Grtel. Man sprach bald auf dem
Schlo davon, da die Frau des Fischers immer so betrbt wre; und als
der Knig das hrte und die Ursache erfuhr, versprach er dem Fischer, er
wolle das Kind zu sich nehmen und es zu retten suchen. Die Zeit verstrich,
und als die Frau gebren sollte, brachte sie einen Knaben zur Welt, den
nahm der Knig zu sich und erzog ihn wie seinen eignen Sohn. Als der
Knabe nun herangewachsen war, bat er den Knig eines Tages, seinen
Vater auf den Fischfang begleiten zu drfen, er htte so groe Lust zu
fischen, sagte er. Der Knig wollte anfangs nicht, aber weil der Bursch
so anhaltend bat, erlaubte er es ihm endlich. Der Sohn begleitete nun
seinen Vater auf den Fischfang, und Alles ging den Tag ber gut, bis am
Abend, da sie wieder ans Land kamen. Da ward der Bursch gewahr, da er
sein Taschentuch im Boot vergessen hatte, und er wollte hingehen und es
sich holen. Kaum aber war er ins Boot gekommen, so saus'te dieses mit
ihm fort, da nur das Wasser so schumte, und wie sehr der Bursch auch
rudern und arbeiten mochte, so half ihm doch Alles nichts; das Boot
saus'te fort, bis es weit weg an ein weies Sandufer trieb. Da ging der
Bursch ans Land, und wie er eine Strecke gegangen war, begegnete ihm
ein alter Mann mit einem weien Bart; den fragte der Bursch: Wie heit
dieses Land? -- _Witenland_, antwortete der Mann; darauf fragte er
den Burschen, wo er her wre, und wo er hin wolle. Als dieser es ihm
gesagt hatte, sprach der Mann: Wenn Du diesen Strand entlang gehst,
so kommst Du zu drei Prinzessinnen, welche in die Erde gesenkt stehen,
so da nur der Kopf hervorragt. Sobald sie Dich erblicken, wird die
erste, welche die lteste ist, wohl rufen und Dich bitten, ihr zu
Hlfe zu kommen, und eben so wird es mit der zweiten geschehen; aber
zu keiner von diesen beiden sollst Du hingehen; beeile Dich nur, ihnen
vorberzukommen und thue, als ob Du sie gar nicht bemerktest, aber zu
der dritten sollst Du hingehen und thun, um Was sie Dich bittet; denn es
wird Dein Glck sein.

Als der Bursch nun zu der ersten von den Prinzessinnen kam, rief diese
und bat ihn so flehentlich, er mchte doch zu ihr kommen; aber er ging
ihr vorber, als ob er sie ganz und gar nicht bemerkte, eben so auch der
zweiten, aber zu der dritten ging er hin. Willst Du thun, Was ich Dir
sage, so sollst Du haben, Welche von uns Dreien Du willst, sagte die
Prinzessinn. Ja, das wollte der Bursch gern, und nun erzhlte sie ihm,
da sie hier von drei Trollen wren versenkt worden; frher aber htten
sie auf dem Schlo gewohnt, das er dort drben im Walde sehen knne.
Nun musst Du, sagte sie: in das Schlo gehen und Dich von den Trollen
eine Nacht fr Jede von uns peitschen lassen; kannst Du das aushalten,
so errettest Du uns. -- Ja, antwortete der Bursch: er wollt's
versuchen. -- Wenn Du in das Schlo gehst, sagte die Prinzessinn
weiter: so stehen da zwei Lwen in der Pforte, aber gehe nur mitten
zwischen ihnen hindurch, so thun sie Dir Nichts. Gehe dann grade aus in
ein kleines Zimmer, und da lege Dich nieder. Dann kommt der Troll an und
schlgt Dich; aber wenn er Dich genug geschlagen hat, so wasche Dich nur
mit dem Wasser aus der Flasche, die dort an der Wand hangt, dann wirst
Du sogleich wieder gesund, und darnach nimm das Schwert, das neben der
Flasche hangt, und tdte damit den Trollen. Ja, der Bursch that, wie
die Prinzessinn ihm gesagt hatte: er ging mitten zwischen den Lwen
hindurch, als ob er sie gar nicht beachte, schritt dann grade aus in
die kleine Kammer, und da legte er sich nieder. Die erste Nacht kam
ein Troll mit drei Kpfen und drei Ruthen und peitschte den Burschen
gottsjmmerlich; aber dieser hielt Alles ruhig aus, bis der Troll fertig
war; da nahm der Bursch die Flasche und wusch sich damit die Wunden,
ergriff dann das Schwert und hau'te dem Trollen den Kopf ab. Als er nun
am andern Morgen zu den Prinzessinnen kam, standen diese bis an den
Grtel ber der Erde. Die zweite Nacht ging es eben so; aber der Troll,
welcher jetzt kam, hatte sechs Kpfe und sechs Ruthen und peitschte ihn
noch weit rger, als der vorige. Als aber der Bursch am Morgen zu den
Prinzessinnen kam, standen diese nur noch bis ans Schienbein in der
Erde. In der dritten Nacht kam ein Troll, der hatte neun Kpfe und
neun Ruthen und schlug und peitschte den Burschen so lange, bis dieser
zuletzt ohne Bewusstsein umfiel. Da nahm ihn der Troll und warf ihn
gegen die Wand, aber bei der Gelegenheit fiel die Flasche herunter und
bespritzte den Burschen ber und ber, so da er augenblicklich wieder
gesund ward. Er nun nicht faul ergriff das Schwert und hieb damit dem
Trollen den Kopf ab; und als er darauf am Morgen zu den Prinzessinnen
kam, standen diese mit dem ganzen Leibe ber der Erde. Nun heirathete er
die jngste von ihnen und wurde darauf Knig, und lebte glcklich und
zufrieden mit ihr eine lange Zeit.

Da bekam er einmal so groe Lust, wieder nach Hause zu reisen und seine
ltern zu besuchen. Das gefiel aber der Kniginn, seiner Gemahlinn, gar
nicht; weil er aber nun durchaus fort wollte und mute, sagte sie zu
ihm; Eins musst Du mir jedoch versprechen, da Du nmlich blo Das thun
willst, um was Dein Vater Dich bittet, aber nicht Das, um was Deine
Mutter Dich bittet, und das versprach er ihr denn auch. Darauf gab
sie ihm einen Ring, der hatte die Eigenschaft, da Der, welcher ihn am
Finger trug, zwei Wnsche thun konnte. Er wnschte sich nun nach Hause,
und als die ltern ihn sahen, konnten sie sich nicht genug darber
verwundern, wie stattlich und prchtig er aussah.

Als er nun einige Tage zu Hause gewesen war, wollte seine Mutter, er
sollte aufs Schlo gehen und dem Knig zeigen, was fr ein Mann aus
ihm geworden sei. Der Vater aber sagte: Nein, das soll er nicht; denn
alsdann knnen wir nicht lnger die Freude haben, ihn bei uns zu sehen.
Aber es half nichts; die Mutter bat und qulte ihn so lange, bis er
endlich ging. Als er nun auf's Schlo kam, war er weit stattlicher an
Kleidern und in Allem, als der andre Knig; das war diesem nun gar nicht
recht, und er sagte daher: Ja, aber nun sollst Du meine Gemahlinn
sehen; ich glaube nicht, da Deine so schn ist, wie meine. -- Gott
gbe, sie stnde hier, so solltest Du es sehen! sagte der junge Knig,
und sogleich stand sie da; aber sie war sehr betrbt und sagte: Warum
hast Du mir nicht gehorcht und nur auf Das gehrt, was Dein Vater Dir
sagte? Nun mu ich wieder fort, und Du hast keine Wnsche mehr. Darauf
knpfte sie ihm einen Ring ins Haar, worauf ihr Name stand, und wnschte
sich wieder nach Hause.

Da ward der junge Knig sehr betrbt und dachte an nichts Anders, als
wie er nur wieder zu seiner Gemahlinn kommen sollte. Ich mu sehen, ob
ich nicht irgendwo erfahren kann, wo Witenland liegt, dachte er und
begab sich auf den Weg. Als er ein Ende gegangen war, begegnete ihm
Einer, der war Herr ber alle Thiere im Walde, und sie kamen zu ihm,
wenn er nur in sein Horn blies; den fragte der Knig nach Witenland.
Ich wei nicht, wo es liegt, sagte der Mann: aber ich will meine
Thiere fragen. Darauf blies er sie herbei und fragte, ob nicht Einer
von ihnen wte, wo Witenland lge; aber das wute Keiner.

Da gab der Mann ihm ein Paar Schneeschuhe. Wenn Du die anhast, sagte
er: kommst Du zu meinem Bruder, der ber hundert Meilen weit von hier
wohnt; der ist Herr ber alle Vgel in der Luft, Du kannst den fragen.
Wenn Du aber dort angekommen bist, so kehre die Schuhe nur um, so da
die Spitze nach hier wendet, dann gehn sie von selbst wieder nach
Hause. Als der Knig nun an Ort und Stelle gekommen war, kehrte er
die Schneeschuhe um, wie der Herr ber die Thiere ihm gesagt hatte,
und darauf gingen sie von selbst wieder nach Hause.

Er fragte nun wieder nach Witenland, und der Mann blies alle Vgel
herbei und fragte sie, ob nicht Einer von ihnen wte, wo Witenland
lge. Nein, das wute wieder Keiner. Lange nach den andern Vgeln kam
auch noch ein alter Adler, der zehn Jahre lang in der Fremde gewesen
war, aber der wute es auch nicht. Nun, sagte der Mann: dann will
ich Dir ein Paar Schneeschuhe leihen; wenn Du die anhast, kommst Du zu
meinem Bruder, der hundert Meilen weit von hier wohnt; er ist Herr ber
alle Fische im Meer, Du musst den fragen; vergi aber nicht, die Schuhe
wieder umzukehren, wenn Du dort angekommen bist. Der Knig dankte dem
Mann und legte die Schuhe an. Als er nun zu Dem gekommen war, der Herr
ber alle Fische im Meer war, kehrte er die Schuhe wieder um, worauf
diese, eben so, wie die andern, wieder nach Hause gingen.

Der Knig fragte nun wieder nach Witenland. Da blies der Mann alle
Fische herbei; aber auch von ihnen wute Keiner Bescheid. Endlich kam
ein alter, alter Hecht; der Mann hatte viele Mhe, ihn herbeizublasen,
und als er ihn nach Witenland fragte, antwortete der Hecht: Ja, da bin
ich gut bekannt; denn ich bin da zehn Jahre lang Koch gewesen. Morgen
soll ich wieder dahin; denn die Kniginn, die ihren Gemahl verloren hat,
macht morgen wieder Hochzeit. -- Wenn es sich so verhlt, so will ich
Dir einen guten Rath geben, sagte der Mann: Hier drauen auf einem
Erlenmoor stehn drei Brder, die haben da schon hundert Jahre gestanden
und sich um einen Hut, einen Mantel und ein Paar Stiefeln gebalgt. Wenn
Einer die drei Dinge hat, so kann er sich unsichtbar machen und sich so
weit weg wnschen, als er will. Du kannst sagen, Du wolltest die Sachen
probiren und nachher zwischen ihnen das Urtheil sprechen. Der Knig
dankte dem Mann und that, wie er ihm gesagt hatte. Was steht Ihr hier
bestndig und balgt Euch? sagte er, als er zu den drei Brdern gekommen
war: lasst mich die Dinge probiren, dann will ich das Urtheil zwischen
Euch sprechen. Ja, das wollten sie gern. Als er aber den Hut, den
Mantel und die Stiefeln bekommen hatte, sagte er: Wenn wir uns das
nchste Mal wiedersehen, sollt Ihr das Urtheil erfahren, und damit
wnschte er sich fort. Als er durch die Luft fuhr, traf er mit dem
Nordwind zusammen. Wo willst Du hin? fragte ihn der Nordwind. Nach
Witenland, sagte der Knig und erzhlte ihm, Was ihm begegnet war. Ja,
Du fhrst wohl etwas schneller, als ich, sagte der Nordwind; ich mu
nun in jeden Winkel und wehen und pusten. Wenn Du aber an Ort und Stelle
kommst, so stelle Dich nur auf die Treppe neben der Thr hin; dann werde
ich gesaus't kommen, als wollte ich das ganze Schlo umwehen. Wenn dann
der Prinz, der Deine Gemahlinn haben soll, herauskommt und sehen will,
Was es giebt, so fa ihn nur beim Kragen und wirf ihn hinaus; dann will
ich schon zusehen, wie ich ihn fortschaffe. Ja, der Knig that, wie
ihm der Nordwind gesagt hatte: er stellte sich auf die Treppe hin,
und als der Nordwind gesaus't und gebraus't kam und einen Griff ins
Schlodach that, so da es bebte und krachte, ging der Prinz hinaus und
wollte sehen, Was es gab. Aber in demselben Augenblick ergriff der Knig
ihn beim Kragen und warf ihn hinaus. Da nahm ihn der Nordwind und fuhr
mit ihm davon. Als der Knig so mit guter Manier den Prinzen quitt
geworden war, ging er ins Schlo. Anfangs erkannte die Kniginn ihn
nicht, weil er durch das lange Wandern und seinen heftigen Kummer so
bleich und mager geworden war. Als er ihr aber den Ring zeigte, ward sie
herzlich froh; und nun wurde mit groem Jubel erst die rechte Hochzeit
gefeiert.




10.

Es giebt noch mehr solche Weiber.


Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wollten sen, aber sie hatten
kein Saatkorn und auch kein Geld, sich etwas zu kaufen. Eine einzige
Kuh hatten sie, und mit der sollte der Mann in die Stadt gehen und sie
verkaufen, damit sie Geld zu Saatkorn bekmen. Als es aber zum Stcke
kam, wagte die Frau es nicht, den Mann allein reisen zu lassen, denn sie
frchtete, er mchte das Geld vertrinken. Sie machte sich daher selbst
mit der Kuh auf den Weg und nahm auch noch ein Huhn mit.

Dicht bei der Stadt begegnete ihr ein Schlachter. Willst Du die Kuh
verkaufen, Mutter? fragte er sie. Ja, sagte die Frau. Was willst Du
denn dafr haben? -- Fr die Kuh verlange ich drei Groschen, sagte
sie: aber das Huhn sollst Du fr acht Thaler haben. -- Das Huhn kann
ich nicht gebrauchen, sagte der Schlachter: und das wirst Du schon
los, wenn Du zur Stadt kommst; aber fr die Kuh will ich Dir drei
Groschen geben. Sie verkaufte ihm nun die Kuh und erhielt ihre drei
Groschen; aber in der Stadt war Niemand, der acht Thaler fr ein magres
schbiges Huhn geben wollte. Die Frau ging dehalb wieder zurck zum
Schlachter und sagte: Gevatter, ich kann mein Huhn nicht los werden;
Du musst es mir auch nur abkaufen, da Du doch einmal die Kuh bekommen
hast. -- Nun, wir werden schon Handels eins werden, sagte der
Schlachter. Darauf tractirte er sie mit Essen und gab ihr so viel
Branntwein, da sie trunken ward und Sinn und Verstand verlor.

Whrend sie nun da lag und schlief, tauchte der Schlachter sie in ein
Theerfa und legte sie dann in einen Federhaufen.

Als sie darauf erwachte, war sie ber und ber gefiedert und wunderte
sich und sprach: Bin ich's, oder bin ich's nicht? Nein, ich kann's
nicht sein, das mu ein groer sonderbarer Vogel sein. Wie soll ich's
doch nur erfahren, ob ich's bin, oder nicht? Ja, nun wei ich's: wenn
mich die Klber lecken, und der Hund mich nicht anbellt, wenn ich nach
Hause komme, so bin ich's.

Der Hund aber sah kaum das Unthier, so fing er an zu bellen, als ob
Schelme und Diebe auf den Hof gekommen wren. Nein, das kann ich
unmglich sein, sagte sie. Als sie in den Stall kam, wollten die Klber
sie nicht lecken wegen des strengen Theergeruchs. Nein, das kann ich
nicht sein, sagte sie, stieg auf das Staburdach und fing an, mit den
Armen zu schlagen, als ob es Flgel wren, und sie in die Hhe wollte.
Als der Mann das gewahr ward, kam er mit der Bchse heraus und zielte
nach ihr. Ach, schie nicht! schie nicht! rief sie: das bin ich.
-- Bist Du es? sagte der Mann: was stehst Du denn da, wie eine Ziege?
Komm herunter und thu mir Rechenschaft von Deinem Verkauf! Sie kroch
nun herunter, aber sie hatte nicht einen Heller; denn die drei Groschen,
die sie vom Schlachter bekommen hatte, die hatte sie in ihrer Besoffenheit
weggeworfen; und als der Mann nun hrte, wie Alles zugegangen war, ward
er so zornig, da er sagte, er wolle von Haus und Hof gehen, und nicht
eher zurckkehren, als bis er drei andre Weiber fnde, die eben so
unklug wren.

Er machte sich nun auf den Weg, und als er eine Strecke gegangen war,
erblickte er eine neu aufgezimmerte Htte, und ein Weib lief mit einem
leeren Sieb aus und ein; aber so oft sie hineinlief, warf sie die
Schrze ber das Sieb, als ob sie Etwas drin htte. Warum thut Ihr
das, Mutter? fragte er die Frau. O, ich will nur ein wenig Sonne
hineintragen, sagte sie: aber ich wei nicht, wie es recht zugeht:
wenn ich drauen bin, habe ich die Sonne im Sieb, aber sobald ich
hineinkomme, ist sie weg. Da ich noch in meiner alten Htte wohnte,
hatte ich Sonne genug, obgleich ich nie das Geringste hineintrug. Wenn
mir nur Einer Sonne schaffen knnte, so wollt' ich ihm gern dreihundert
Thaler geben. -- Habt Ihr eine Axt, sagte der Mann: so will ich Euch
schon Sonne verschaffen. Er bekam nun eine Axt und damit hau'te er die
Fensterlcher hinein, denn die hatte der Zimmermann vergessen. Sogleich
schien nun die Sonne hindurch, und er bekam seine dreihundert Thaler.
Das war Eine! dachte der Mann und ging weiter.

Nach einer Weile kam er zu einem Hause, in welchem er ein entsetzliches
Geschrei hrte. Er ging hinein, und da sah er nun eine Frau, die damit
beschftigt war, ihrem Mann den Kopf mit einem Waschbluel zu bearbeiten;
ber den Kopf hatte sie ein Hemd ohne Halsloch gezogen. Wollt Ihr Euern
Mann todtschlagen, Mutter? fragte er. Nein, sagte sie: ich will nur
ein Halsloch in dieses Hemd haben. Der Mann schrie und geberdete sich
bel und sprach: Gott trste Den, der ein neues Hemd anhaben soll! Wenn
Jemand meiner Frau lehren knnte, ein Halsloch auf eine andre Manier
ins Hemd zu kriegen, so wollt' ich ihm gern dreihundert Thaler geben.
-- Das soll bald gethan sein; gebt mir nur eine Schere, sagte der
Andre. Er bekam nun eine Schere, schnitt ein Loch ins Hemd und ging mit
seinen Dreihundert davon. Das war die Zweite! sagte er bei sich selbst.

Endlich kam er zu einem Bauerhof, wo er sich eine Weile auszuruhen
gedachte. Als er in die Stube trat, fragte die Frau ihn: Wo seid Ihr
her, Gevatter? -- Ich bin aus Ringelreich, antwortete er. Nein, was
Ihr sagt! seid Ihr aus dem Himmelreich?[3] Dann kennt Ihr auch wohl
den zweiten Peter, meinen seligen Mann. -- Die Frau war nmlich zum
dritten Mal verheirathet; ihr erster und ihr letzter Mann waren schlimm;
darum glaubte sie, da nur der zweite, der gut gewesen war, selig
geworden sei. -- Ja, den kenn' ich sehr gut, sagte er. Wie geht's
ihm denn? fragte die Frau. O, es geht ihm nur drftig, erwiederte
der Ringelreicher: er schlendert von einem Hof zum andern und hat weder
Essen in der Schssel, noch Kleider auf dem Leibe -- an Geld ist nun gar
nicht zu denken. -- Ach, Gott helf mir! rief die Frau: er brauchte
eben nicht so elend einherzugehen, er, der so Viel hinterlassen hat;
hier hangt ein ganzer Boden voll Kleider, die ihm gehrten, und eine
groe Kiste mit Geld steht hier auch; wenn Ihr's mitnehmen wollt,
Gevatter, so will ich Euch gern ein Pferd und einen Karren geben, damit
Ihr's fortschaffen knnt; das Pferd kann er da behalten, und auf dem
Karren kann er sitzen und von einem Hof zum andern fahren, denn er hat
es eben nicht nthig, zu Fu zu gehen. Der Ringelreicher erhielt nun
eine ganze Karrenfuhre voll Kleider und eine Kiste voll blankes
Silbergeld und so viel Essen und Trinken, als er nur wollte, und damit
setzte er sich auf und fuhr davon. Das war die Dritte! sagte er bei
sich selbst.

Aber drauen auf dem Felde ging der dritte Mann der Frau und pflgte,
und da er Jemanden, den er nicht kannte, mit seinem Pferd und seinem
Karren abreisen sah, ging er nach Hause zu seiner Frau und fragte sie,
was Das fr Einer wre, der mit seinem blauen Pferd davon reis'te. Ach
Der, sagte die Frau: das war ein Mann aus dem Himmelreich; er sagte,
da es dem zweiten Peter, meinem seligen Mann, so schlecht gehe, da
er von Hof zu Hof schlendern msse und weder Kleider, noch Geld htte;
darum schickte ich ihm alle seine alten Kleider, die hier hangen, und
auch die alte Geldkiste mit dem Silbergeld. Als der Mann das hrte,
merkte er sogleich, Was die Uhr geschlagen hatte, sattelte sein Pferd
und ritt in vollem Galopp davon. Es dauerte nicht lange, so war er dicht
hinter dem Ringelreicher. Wie dieser ihn aber gewahr ward, fuhr er den
Karren ins Unterholz, ri dem Pferd eine Handvoll Haare aus und lief auf
einen Hgel, wo er die Pferdehaare an eine Birke band; darnach legte er
sich darunter auf die Erde hin und glotzte und stierte in die Wolken.
Nein! nein! sagte er so bei sich selbst, als der dritte Peter geritten
kam: nein, so Was hab' ich noch in meinem Leben nicht gesehen! Peter
sah ihm verwundert eine Weile zu, endlich fragte er ihn: Was liegst Du
da und glotzugst? -- Nein, so Was hab' ich noch mein Lebtag nicht
gesehen! sagte der Andre: Hier fuhr so eben Einer mit einem blauen
Pferd grade zum Himmel hinauf; da siehst Du noch die Haare, die an der
Birke hangen, und da oben in den Wolken siehst Du das blaue Pferd.
Peter sah bald zu den Wolken hinauf, bald nach Dem, welcher da lag und
stierte; endlich sagte er: Ich sehe Nichts, als nur die Pferdehaare an
der Birke. -- Nein, Du kannst es da auch nicht sehen, sagte der
Andre: aber komm hieher und lege Dich auf diese Stelle hin, und dann
musst Du grade in die Wolken sehen, und die Augen nicht wegkehren. Als
nun der dritte Peter da lag und in die Wolken starrte, da ihm die Augen
voll Wasser liefen, schwang der Ringelreicher sich auf das Pferd und
machte sich sowohl mit diesem, als mit dem Karren davon. Wie Peter es
auf dem Wege rasseln hrte, sprang er auf; aber er war so verstrt, als
er den Andern mit seinen beiden Pferden und seinem Karren davon jagen
sah, da er sich nicht eher besann, ihm nachzueilen, als bis es zu spt
war.

Er lie die Ohren ziemlich lang hngen, wie er nach Hause kam; als ihn
aber seine Frau fragte, wo er das Pferd gelassen htte, sagte er: O,
ich hab' es ihm fr den zweiten Peter mitgegeben; denn ich dachte, es
wre nicht werth, da er im Himmel auf einem elenden Rumpelkasten sitzen
und von Hof zu Hof karren solle; nun kann er die Karre verkaufen und sich
einen Wagen anschaffen. -- Dafr sollst Du Dank haben, sagte die
Frau: ich htte nie geglaubt, da Du ein so guter Mann wrst.

Als nun der Andre mit den sechshundert Thalern und der Karrenfuhre
voll Kleider und der Geldkiste nach Hause kam, sah er, da aller Acker
gepflgt und bes't war. Darum war die erste Frage, die er an seine Frau
that, woher sie das Saatkorn bekommen htte. O, sagte sie: ich habe
immer gehrt: Wer da set, wird auch ernten; darum hab' ich denn das
Salz ges't, das Die vom Dovrefjeld hier abgesetzt haben, und wenn
wir blo Regen bekommen, wird's wohl aufgehen, sollt' ich meinen.
-- Verrckt bist Du, und verrckt bleibst Du, so lange Du lebst;
sagte der Mann: aber es mag drum sein! denn die Andern sind auch nicht
klger, als Du.




11.

Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten.


Ein Schtz ging einmal in einem Wald; da begegnete ihm die Bruchschnepfe.
Lieber Freund, schie nicht meine Kinder! sagte die Schnepfe. Was
sind denn das fr welche, Deine Kinder? fragte der Schtz. Die
schnsten Kinder, die im Wald gehen, sind meine, antwortete die
Schnepfe. Ich will sie denn nicht schieen, sagte der Schtz. Als er
aber zurckkehrte, hatte er ein ganzes Bndel junge Bruchschnepfen, die
er alle geschossen hatte, in der Hand. Au! au! warum hast Du dennoch
meine Kinder geschossen? sagte die Schnepfe. Waren diese denn Deine?
fragte der Schtz: ich scho die hlichsten, die ich fand. -- Ach
ja, antwortete die Schnepfe: weit Du denn nicht, da einem Jeden
seine Kinder am besten gefallen?




12.

Eine Freiergeschichte.


Es war einmal ein Bursch, der ging aufs Freien aus. Da kam er unter
anderm auch zu einem Kathen, wo die Leute in purer Armuth und Drftigkeit
lebten. Als aber der Freier kam, wollten sie gern wohlhabend scheinen,
kannst Du glauben. Der Mann hatte einen neuen rmel in seine Jacke
bekommen. Setz Dich nieder! sagte er zu dem Freier: aber 's sieht
hier berall so stubig aus! und damit ging er umher und wischte und
stubte mit seinem neuen Jackenrmel berall auf den Bnken und Tischen
herum; den andern Arm aber hielt er auf den Rcken. Die Frau hatte einen
neuen Schuh bekommen, und mit dem stie sie an alle Bnke und Sthle.
Es liegt hier so Viel herum, sagte sie: es sieht hier so unordentlich
aus. Darauf riefen sie die Tochter, sie sollte hereinkommen und
aufrumen. Die hatte eine neue Mtze bekommen und steckte den Kopf zur
Thr herein und nickte: Ich kann denn doch auch nicht berall sein,
sagte sie. Ja, das waren rechte Wohlstandsleute, zu denen der Freier
gekommen war.




13.

Die drei Muhmen.


Es war einmal ein armer Mann, der wohnte in einer Htte, weit weit weg
in einem Walde, und ernhrte sich mit der Jgerei. Er hatte eine einzige
Tochter, die war auerordentlich schn. Da aber die Mutter schon frh
gestorben, und das Mdchen nun schon halb erwachsen war, sagte sie eines
Tages zu ihrem Vater, sie wolle sich bei andern Leuten in Dienst geben,
damit sie lernen knne, sich hiernach selbst ihr Brod zu verdienen. Ja,
meine Tochter, sagte der Vater: Du hast bei mir freilich nichts Anders
gelernt, als Vgel rupfen, aber Du magst es immerhin versuchen, Dir Dein
Brod selbst zu verdienen. Das Mdchen ging nun fort, um sich einen
Dienst zu suchen, und als sie eine Weile gegangen war, kam sie zu einem
Knigsschlo; da blieb sie, und die Kniginn mochte sie so wohl leiden,
da die andern Dirnen ganz neidisch auf sie wurden. Darum sagten sie
eines Tages zu der Kniginn, das Mdchen htte sich gerhmt, ein Pfund
Flachs in vier und zwanzig Stunden spinnen zu knnen; denn sie wussten,
die Kniginn hielt so viel auf Handarbeiten. Ja, hast Du das gesagt,
so sollst Du es auch, sagte die Kniginn zu ihr: indessen macht es
nichts, wenn Du auch etwas mehr Zeit dazu gebrauchst. Das arme Mdchen
wagte nicht, zu sagen, da sie niemals gesponnen htte, sondern bat nur
um eine Kammer fr sich allein; die bekam sie denn auch, und man brachte
ihr einen Spinnrocken und Flachs. Da sa sie nun und war betrbt und
weinte und konnte sich gar nicht rathen. Sie stellte den Rocken vor sich
hin und kehrte und dreh'te ihn, aber sie wusste ganz und gar nicht, wie
sie's anfangen sollte; denn sie hatte nie zuvor in ihrem Leben nur
einmal einen Spinnrocken gesehen.

Als sie nun so betrbt da sa, trat eine alte Frau zu ihr ein. Was
fehlt Dir, mein Kind? fragte sie. Ach, antwortete das Mdchen: was
kann es ntzen, da ich es Dir sage, denn Du kannst mir ja doch nicht
helfen. -- Man kann nicht wissen, sagte die Frau: es wre doch
mglich, da ich Rath fr Dich wsste. Ja, ich kann es ihr ja wohl
sagen, dachte das Mdchen und erzhlte ihr nun, wie ihre Mitdienerinnen
ausgesagt htten, sie habe sich gerhmt, ein Pfund Flachs in vier und
zwanzig Stunden spinnen zu knnen; aber ich Arme! sagte sie: ich habe
nie in meinem Leben einen Spinnrocken gesehen, geschweige denn, da ich
so Viel sollte in vier und zwanzig Stunden spinnen knnen. -- Es mag
nun drum sein, mein Kind! sagte die Frau: willst Du mich an Deinem
Ehrentag Muhme nennen, so will ich den Flachs fr Dich spinnen, und Du
kannst Dich hinlegen und schlafen. Ja, das wollte das Mdchen gern und
ging hin und legte sich schlafen.

Am andern Morgen, als sie erwachte, lag aller Flachs gesponnen auf dem
Tisch, und das so sauber und fein, da man nie so schnes ebnes Garn
noch gesehen hatte. Die Kniginn freu'te sich sehr ber das schne Garn
und hielt nun noch mehr von dem Mdchen, als vorher. Darber wurden die
andern noch neidischer auf sie und sagten nun zu der Kniginn, jetzt
htte sie sich auch gerhmt, das Garn, das sie gesponnen, in vier und
zwanzig Stunden weben zu knnen. Die Kniginn sagte wieder, wenn sie das
gesagt htte, so solle sie es auch, aber es machte nichts, wenn sie auch
nicht eben in vier und zwanzig Stunden damit fertig wrde. Das Mdchen
wagte auch diesmal nicht, ihre Ungeschicklichkeit zu bekennen, sondern
bat nur um eine Kammer fr sich allein, dann wollte sie es versuchen. Da
sa sie nun wieder und war betrbt und weinte und wute nicht, Was sie
anfangen sollte. Es dauerte aber nicht lange, so trat wieder eine alte
Frau herein und fragte: Was fehlt Dir, mein Kind? Das Mdchen wollte
es ihr erst nicht sagen, aber zuletzt erzhlte sie ihr denn, Was die
Kniginn von ihr verlangte. Ei nun, sagte die Frau: es mag drum sein!
willst Du mich an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich das Garn fr
Dich weben, und Du kannst Dich hinlegen und schlafen. Ja, das wollte
das Mdchen gern, und damit ging sie hin und legte sich schlafen. Als
sie aufwachte, lag alles Garn so sauber und dicht gewebt auf dem Tisch,
wie nur mglich. Sie brachte es nun der Kniginn, und diese freu'te
sich auerordentlich ber die schne Leinwand und hielt jetzt noch weit
mehr von dem Mdchen, als zuvor. Aber darber wurden die andern noch
neidischer und erbitterter auf sie und dachten an nichts Anders, als Was
sie jetzt angeben sollten, um ihr zu schaden.

Endlich verfielen sie darauf, zu der Kniginn zu sagen, jetzt htte sie
sich auch gerhmt, all die Leinwand, die sie gesponnen, in vier und
zwanzig Stunden zu Hemden aufnhen zu knnen. Es ging nun eben so, wie
frher: das Mdchen wagte nicht, zu sagen, da sie nicht nhen knne;
sie erhielt wieder ihre Kammer fr sich allein und sa da und war betrbt
und weinte. Nun trat aber wieder eine alte Frau zu ihr ein und versprach
ihr, die Leinwand fr sie zu nhen, wenn sie sie an ihrem Ehrentag Muhme
nennen wolle. Ja, das wollte das Mdchen gern und that wieder, wie die
Frau ihr sagte, ging hin und legte sich schlafen. Am andern Morgen, als
sie erwachte, war alle Leinwand zu Hemden aufgenh't, die auf dem Tisch
lagen; eine so schne Naht hatte man aber noch nie gesehen, und die
Hemden waren alle hbsch gezeichnet und vllig fertig. Als die Kniginn
die Arbeit sah, freu'te und verwunderte sie sich so sehr ber die schne
Naht, da sie die Hnde ber dem Kopf zusammenschlug. Nein, eine so
schne Naht habe ich noch nie gesehen, sagte sie, und von nun an hatte
sie das Mdchen so lieb, wie ihr eignes Kind. Wenn Du jetzt den Prinzen
haben willst, so sollst Du ihn bekommen, sagte sie zu dem Mdchen:
denn Du hast niemals nthig, Etwas aus dem Hause zu geben, da Du Alles
selbst spinnen und weben und auch nhen kannst. Weil das Mdchen nun so
schn war, und der Prinz sie gern leiden mochte, wurde auch sogleich die
Hochzeit gehalten. Als sich aber der Prinz mit ihr zur Tafel gesetzt
hatte, trat pltzlich ein altes hliches Weib herein mit einer langen
langen Nase -- die war gewi drei Ellen lang.

Da stand die Braut auf, ging auf die Alte zu und sagte: Guten Tag,
Muhme! -- Ist das die Muhme meiner Braut? fragte der Prinz. Ja, das
wre sie. Ja, so mssen wir sie denn wohl mit bei Tafel sitzen lassen,
sagte der Prinz; aber er sowohl, als die Andern meinten doch, sie wre
gar zu garstig, um mit ihnen bei Tafel zu sitzen.

Nicht lange darnach trat wieder ein altes hliches Weib ein, die hatte
einen Allerwerthesten, so dick und so breit, da sie nur mit genauer
Noth zur Thr herein konnte. Sogleich stand die Braut auf und grte sie
und sagte: Guten Tag, Muhme! und der Prinz fragte wieder, ob das auch
eine Muhme seiner Braut wre. Ja, antworteten beide, und sie mute
sich nun ebenfalls an die Tafel setzen.

Kaum aber hatte sie sich niedergesetzt, so trat wiederum ein altes
hliches Weib ein, mit Augen, so gro, wie ein Paar Teller, und so roth
und flieend, da es ganz abscheulich aussah. Die Braut stand wieder auf
und grte sie und sagte: Guten Tag, Muhme! und der Prinz bat auch
sie, sich an die Tafel zu setzen, aber er dachte bei sich selbst: Gott
steh mir bei wegen all der Muhmen, die meine Braut hat! Als sie ein
wenig gesessen hatten, konnte der Prinz sich nicht enthalten, zu sagen:
Wie in aller Welt kann doch meine Braut, die so schn ist, so hssliche
und missgestaltne Muhmen haben! -- Das will ich Dir sagen, versetzte
die eine: ich war eben so schn, wie Deine Braut, da ich in ihrem Alter
war; aber da ich eine so lange Nase habe, kommt daher, weil ich so
viel gesessen und gesponnen und dabei den Kopf bestndig gerttelt und
geschttelt habe; davon hat sich die Nase ausgedehnt und ist so lang
geworden, wie Du sie jetzt siehst! -- Und ich, sagte die zweite: ich
habe von meiner Jugend an auf dem Webstuhl gesessen und immer hin und
her gehuppelt; davon ist mein Allerwerthester so gro geworden und so
angeschwollen, wie Du ihn jetzt siehst. Darauf sagte die dritte: Ich
habe, seit ich ganz klein war, immer da gesessen und auf das Nhzeug
gestiert; davon sind meine Augen so hlich und roth geworden. -- Na,
so! sagte der Prinz: das war gut, da ich das zu wissen bekam, wie die
Leute von Dergleichen so hlich werden knnen; so soll denn nun meine
Braut auch in ihrem Leben nicht wieder spinnen, noch nhen, noch weben!




14.

Der Sohn der Wittwe.


Es war einmal eine arme arme Wittwe, die hatte einen einzigen Sohn, fr
den qulte sie sich so lange ab, bis der Prediger ihn gefirmelt hatte.
Da sagte sie, jetzt knne sie ihn nicht lnger ernhren, er msse nun
fort und sich sein Brod selbst verdienen. Der Bursch wanderte darauf
fort in die Welt, und als er eine gute Strecke Weges zurckgelegt hatte,
begegnete ihm ein Mann, der fragte ihn, wo er hin wolle. Ich will fort
in die Welt und zusehen, ob ich nicht einen Dienst bekommen kann, sagte
der Bursch. Willst Du bei mir dienen? -- O ja, eben so gut bei Dir,
als bei jedem Andern, versetzte der Bursch. Ja, Du sollst es gut bei
mir haben, sagte der Mann: Du sollst mir blo zur Gesellschaft sein,
weiter verlange ich von Dir Nichts. Der Bursch trat nun seinen Dienst
bei dem Manne an; er fhrte ein herrliches Leben, hatte Essen und Trinken
vollauf und nur Wenig oder gar Nichts zu thun; aber er sah sonst auch
niemals eine Menschenseele.

Eines Tages sagte der Mann zu ihm: Ich werde jetzt auf acht Tage
verreisen; whrend der Zeit musst Du hier allein bleiben, aber Du darfst
ja nicht in eins von diesen vier Zimmern gehen; thust Du das, so kostet
es Dir das Leben, wenn ich zurckkomme. -- Nein, sagte der Bursch, er
wollt's gewi nicht thun. Als aber der Mann drei oder vier Tage fort
gewesen war, konnte der Bursch sich nicht lnger halten, sondern ging in
das eine der Zimmer. Er sah sich hier berall um, aber bemerkte Nichts,
als nur eine Borte ber der Thr, und darauf lag eine Dornruthe. Das
ist auch was Rechtes, um es mir so strenge zu verbieten, in dies Zimmer
zu gehen, wenn hier weiter Nichts zu sehen ist! dachte der Bursch. Als
die acht Tage um waren, kam der Mann wieder nach Hause. Du bist doch
auch wohl in keins von den Zimmern gegangen, sagte er. Nein, ganz und
gar nicht, sagte der Bursch. Nun, das werde ich gleich sehen, sagte
der Mann, und darauf ging er grade in das Zimmer, in welchem der Bursch
gewesen war. Ja, Du bist doch drin gewesen, sagte er, als er zurckkam:
und nun mu ich Dich tdten. Aber der Bursch weinte und bat so lange,
bis er doch zuletzt mit dem Leben davon kam; aber tchtige Schlge
erhielt er. Als er die ausgestanden hatte, waren sie wieder eben so gute
Freunde, als zuvor.

Einige Zeit darnach verreis'te der Mann abermals; er sagte, da er jetzt
vierzehn Tage ausbleiben wrde, und verbot dem Burschen wieder strenge,
in irgend eins der Zimmer zu gehen, in welchen er noch nicht gewesen
sei; aber in das, worin er schon gewesen, knne er immer wieder gehen,
wenn er wolle. Es ging nun eben so, wie das vorige Mal, nur da der
Bursch sich jetzt acht Tage hielt, eh' er wieder in eines der verbotenen
Zimmer ging. Er sah auch hier Nichts, als ber der Thr eine Borte und
darauf einen Feldstein und einen Wasserkrug. Nun, das ist auch was
Rechtes, um davor so bange zu sein! dachte der Bursch. Als der Mann
nach Hause kam, fragte er den Burschen wieder, ob er auch in irgend
einem der Zimmer gewesen sei. Nein, sagte der Bursch, er wre nicht drin
gewesen. Nun, das werde ich gleich sehen, sprach der Mann, und da er
nun sah, da der Bursch dennoch drin gewesen war, sagte er: Nun kann
ich Dich nicht lnger schonen, jetzt musst Du das Leben verlieren. Aber
der Bursch weinte und bat so lange, bis er denn zuletzt wieder mit einer
Tracht Schlge davon kam, aber die war denn auch nicht schlecht. Als er
sich davon erholt hatte, fhrte er wieder ein herrliches Leben; und er
und der Mann waren wieder eben so gute Freunde, wie zuvor.

Einige Zeit darnach wollte der Mann abermals verreisen; er sagte, da er
jetzt drei Wochen abwesend sein wrde, und schrfte dem Burschen ein,
beileibe nicht in das dritte Zimmer zu gehen; wenn er es dennoch thte,
sagte er, knne er sich nur sogleich darauf gefasst machen, das Leben zu
verlieren. Nach vierzehn Tagen konnte der Bursch sich nicht lnger
halten, sondern ging auch in das dritte Zimmer; er sah aber darin
Nichts, als nur eine Fallthr am Fuboden. Als er die aufhob und
hinuntersah, erblickte er einen groen kupfernen Kessel und drinnen
pruttelte und kochte es, ohne da Feuer darunter war. Ich mchte doch
wissen, ob's wohl warm ist, dachte der Bursch und steckte den Finger
hinein; als er ihn aber wieder herauszog, war er ber und ber vergoldet;
er schabte und wusch ihn, aber die Vergoldung wollte nicht wieder ab; da
band er einen Lappen darum. Als darauf der Mann nach Hause kam und ihn
fragte, Was seinem Finger fehle, sagte der Bursch, er habe sich so
arg geschnitten; aber da ri der Mann ihm den Lappen ab und sah nun
sogleich, Was dem Finger fehlte. Erst wollte er den Burschen durchaus
tdten; aber da dieser wieder so heftig weinte und so flehentlich bat,
klopfte er ihn blo so, da er drei Tage lang zu Bette liegen mute.
Darauf nahm er einen Krug von der Wand, worin eine Salbe war, und
bestrich damit den Burschen, worauf dieser sogleich wieder frisch und
gesund aufstand.

Als einige Zeit vergangen war, wollte der Mann abermals verreisen und
wollte nun einen ganzen Monat ausbleiben. Zu dem Burschen aber sagte er,
wenn er es sich einfallen liee, auch in das vierte Zimmer zu gehen, so
knne er durchaus nicht hoffen, das Leben zu behalten; dieses Mal wrde
er ihn gewi nicht schonen. Der Bursch hielt sich etwa drei ganze
Wochen, aber lnger konnt' er's nicht aushalten, sondern ging nun
auch in das vierte Zimmer. Hierin stand ein groes Pferd mit einem
Schmutztrog beim Kopf und einem Heutrog beim Schwanz. Dem Burschen
duchte das ungleich, und daher tauschte er um und setzte den Heutrog
beim Kopf hin und den Schmutztrog beim Schwanz. Da sagte das Pferd:
Weil Du ein so gutes Herz hast und mir Etwas zu essen gnnst, will ich
Dich erretten; denn kommt der Troll jetzt nach Hause und findet Dich
hier noch vor, so tdtet er Dich ganz gewi. Gehe aber nun in das Zimmer
hier grade gegenber und nimm eine von den Rstungen; aber du darfst
ja keine von den blanken nehmen, sondern Du sollst die allerrostigste
nehmen, die Du da siehst, und auf gleiche Weise sollst Du auch Schwert
und Sattel whlen. Das that der Bursch; aber es war alles das sehr
schwer fr ihn zu tragen.

Als er mit den Sachen zurckkam, sagte das Pferd, nun solle er sich
nackt auskleiden und in das Zimmer gehen, wo der Kessel stnde und
kochte, und in dem solle er sich gut baden. Da werde ich wohl schn
aussehen! dachte der Bursch, aber er ging doch hin. Als er sich nun
gebadet hatte, war er so schn und gro geworden und so roth und wei,
wie Milch und Blut, dazu weit strker, als vorher. Sprst Du eine
Vernderung? fragte ihn das Pferd. Ja, sagte der Bursch. Dann
versuch' einmal, ob Du mich aufheben kannst, sagte das Pferd. Ja, das
konnte der Bursch, und das Schwert konnte er schwingen, wie gar Nichts.
Als das Pferd das sah, sprach es: Lege mir jetzt den Sattel auf und Dir
selbst die Rstung an, und dann nimm die Dornruthe und den Stein und die
Wasserflasche und den Salbenkrug; dann wollen wir fortreisen.

Wie der Bursch das gethan hatte und auf das Pferd gestiegen war, ging es
-- hast Du mich nicht gesehen! auf und davon. Als der Bursch nun ein
gutes Ende geritten war, sagte das Pferd: Mir ducht, ich hre ein
Gerusch; sieh Dich mal um, ob Du Etwas gewahr wirst. -- Ich sehe
Mnner hinter uns, sagte der Bursch: wohl gegen zwanzig Stck. --
Das ist der Troll, sagte das Pferd: er kommt mit seinen Leuten.

Das Pferd trabte aber weiter, so lange bis Die, welche hinter ihnen
waren, ganz nahe kamen. Da sagte das Pferd: Wirf jetzt die Dornruthe
hinter Dich, aber so weit Du nur kannst! Das that der Bursch, und im
selben Augenblick wuchs da ein groer dicker Dornwald auf. Nun ritt der
Bursch wieder eine weite Strecke fort, whrend der Troll sich nach Hause
begab, um Axt und Beil zu holen, damit er sich durch den Wald hauen
knne. Endlich sagte das Pferd wieder: Sieh Dich mal um, ob Du Etwas
gewahr wirst. -- Ja, eine groe Menge, sagte der Bursch: wie eine
ganze Kirchengemeine. -- Ja, das ist wieder der Troll, sagte das
Pferd: nun hat er noch mehr Leute mitgebracht. Wirf aber jetzt den
Feldstein hinter Dich, aber so weit Du nur kannst.

Als der Bursch das that, entstand pltzlich ein groer hoher Berg von
Feldsteinen hinter ihnen. Nun mute der Troll wieder nach Hause, um
sich Gerthschaften zu holen, womit er sich durch den Berg minire, und
whrend er das that, ritt der Bursch wieder eine gute Strecke weiter.
Zuletzt sagte das Pferd wieder, er solle sich mal umsehen, ob er etwas
gewahr wrde; und als der Bursch sich nun umsah, bemerkte er ein ganzes
Kriegsheer, und Alle trugen so blanke Rstungen und Waffen, da es nur
so glitzerte. Ja, sagte das Pferd: es ist wieder der Troll; nun hat
er alle seine Leute mitgebracht. Gie aber jetzt die Flasche mit Wasser
hinter Dir aus; aber hte Dich wohl, da Du Etwas auf meinen Leib
spritzest! Das that der Bursch; aber wie sehr er sich auch in Acht
nahm, so spritzte er doch einen Tropfen an den Schenkel des Pferdes.
Augenblicklich entstand ein groes wogendes Wasser, und durch den
Tropfen, den er auf das Pferd gespritzt hatte, kam dieses weit hinaus
in dem Wasser zu stehen; aber es schwamm doch glcklich ans Land. Als
der Troll nun zu dem Wasser kam, legte er sich mit allen seinen Leuten
nieder, um es aufzutrinken, und da tranken sie so lange, bis sie
barsten. Nun sind wir sie quitt! sagte das Pferd.

Als sie nun eine lange lange Zeit gereis't hatten, kamen sie zu einer
grnen Ebene mitten in einem Walde. Lege jetzt Deine Rstung ab und
zieh wieder Deine Lumpen an, sagte das Pferd: nimm mir dann den Sattel
ab und la mich frei und hnge Alles hier in die groe hohle Linde hin;
darnach musst Du Dir eine Perrcke von Tannenmoos machen, und geh dann
hinauf zu des Knigs Schlo, das hier in der Nhe liegt, und bitte dort
um einen Dienst. Wenn Du mich dann nthig hast, so komm blo her und
rttle an dem Gebi, dann werde ich zu Dir kommen.

Ja, der Bursch that, wie das Pferd ihm gesagt hatte, und als er sich
die Moosperrcke aufsetzte, war er so bleich und jmmerlich und elend
anzusehen, da Keiner ihn mehr erkennen konnte. Er ging nun zu dem
Knigsschlo, und da bat er zuerst um einen Dienst in der Kche; er
wolle dem Koch Wasser und Holz zutragen, sagte er. Aber die Kchinn
fragte ihn: Warum hast Du die hliche Perrcke auf? Nimm die ab,
sagte sie: ich will sonst Nichts von Dir wissen, so hlich Du
aussiehst. -- Das kann ich nicht, sagte der Bursch: denn mein Kopf
ist nicht so recht rein. -- Denkst Du, ich will Dich dann hier beim
Essen haben, wenn es so mit Dir beschaffen ist? sagte der Koch: Geh
hinunter zum Stallmeister! Du schickst Dich besser dazu, den Stall
auszumisten. Als aber der Stallmeister ihm sagte, er solle die Perrcke
abnehmen, bekam dieser dieselbe Antwort, und nun wollte auch der ihn
nicht behalten. Du kannst zum Grtner gehen, sagte er: Du schickst
Dich besser dazu, in der Erde zu whlen, Du. Beim Grtner durfte er
denn endlich bleiben; aber Keiner von den andern Bedienten wollte mit
ihm zusammenschlafen; darum mute er denn allein schlafen unter der
Treppe im Lusthause, das stand auf Stollen und hatte eine sehr groe
Treppe; darunter bekam er einiges Moos, und da lag er nun und schlief,
so gut er konnte.

Als er nun eine Zeitlang im Knigsschlo gewesen war, geschah es eines
Morgens, als die Sonne aufging, da er seine Moosperrcke abnahm und da
stand und sich wusch, und da war er so schn, da es eine Lust war, ihn
anzusehen.

Die Prinzessinn sah durch ihr Fenster den wackern Grtnerburschen, und
es duchte ihr, einen so schnen Menschen habe sie noch nie gesehen. Sie
fragte den Grtner, warum er dort drauen unter der Treppe liege. O, es
will Keiner von den andern Bedienten mit ihm zusammenschlafen, sagte
der. La ihn heute Abend heraufkommen und bei der Thr drinnen in
meiner Kammer liegen, sagte die Prinzessinn: so werden sie sich nachher
wohl nicht weigern, mit ihm zusammenzuschlafen. Der Grtner sagte das
dem Burschen. Meinst Du aber, ich werde das thun? sagte der: man
mchte nachher sagen, es wre Etwas zwischen mir und der Prinzessinn.
-- Ja, Du hast auch wohl Ursache, Dich vor solchem Verdacht zu frchten,
sagte der Grtner: so wacker wie Du bist. -- Nun, wenn Ihr's denn so
wollt, dann will ich es wohl thun, sagte der Bursch. Als er nun am
Abend die Treppe hinauf sollte, schlarfte er so mit seinen Schuhen, da
sie ihn bitten muten, leise zu gehen, damit der Knig ihn nicht gewahr
werde. Als er in die Kammer der Prinzessinn gekommen war, legte er sich
sogleich bei der Thr nieder und fing an zu schnarchen. Da sagte die
Prinzessinn zu ihrem Kammermdchen: Schleich Dich zu ihm und nimm ihm
die Moosperrcke ab. Aber als sie sie ihm abnehmen wollte, erwachte der
Bursch, hielt mit beiden Hnden die Perrcke fest und sagte, die knne
sie nicht bekommen. Darauf legte er sich wieder hin und schnarchte. Die
Prinzessinn gab dem Mdchen wieder einen Wink, und diesmal gelang es
ihr, ihm die Perrcke abzunehmen. Da lag nun der Bursch so schn und so
roth und wei, wie die Prinzessinn ihn in der Morgensonne gesehen hatte.
Nachher schlief der Bursch jede Nacht in der Prinzessinn ihrer Kammer.

Es dauerte aber nicht lange, so erfuhr der Knig, da der Bursch jede
Nacht in der Prinzessinn ihrer Kammer schlief, und darber ward er so
erbittert, da er ihn beinahe ums Leben gebracht htte. Er warf ihn in
einen finstern Thurm, und seine Tochter sperrte er auf ihr Zimmer ein,
und sie durfte nicht heraus, weder Tag, noch Nacht; so viel sie auch
weinte und fr sich und den Burschen bitten mochte, es half Alles
nichts, der Knig ward darber nur noch mehr erbittert.

Einige Zeit darnach entstand Krieg und Unfriede im Lande, und der Knig
mute sich gegen einen andern Knig rsten, der ihm sein Land wegnehmen
wollte. Als der Bursch das hrte, bat er den Kerkermeister, zum Knig zu
gehen und ihm die Erlaubni auszuwirken, Harnisch und Schwert tragen zu
drfen und mit in den Krieg zu ziehen. Alle lachten laut auf, als der
Kerkermeister seinen Auftrag anbrachte und den Knig um einiges altes
Germpel zu einer Rstung fr den Burschen bat, damit sie doch die Lust
haben knnten, zu sehen, wie der arme Wicht in den Krieg zge. Na, das
bekam er denn auch und dazu eine alte Kracke, die hinkte auf drei
Beinen.

Sie zogen nun gegen den Feind aus; aber sie waren noch nicht weit von
dem Knigshof gekommen, als der Bursch mit seiner Kracke in einem Moor
stecken blieb und hups'te und jups'te: Hei, willst du auf! Hei, willst
du auf! Daran hatten die Andern recht ihre Lust und lachten und hatten
den Burschen zum besten, als sie an ihm vorbeiritten. Aber kaum waren
sie vorber, so lief der Bursch zu der Linde, legte seine Rstung an und
rttelte an dem Gebi, und sogleich kam das Pferd an und sagte: Thue Du
nun Dein Bestes, dann werde ich das meinige thun. Als der Bursch sie
einholte, hatte die Schlacht schon begonnen, und der Knig war in einer
schlimmen Klemme. Aber ehe man sich's versah, hatte der Bursch den Feind
in die Flucht geschlagen. Der Knig und seine Leute wunderten sich und
konnten nicht begreifen, Wer es nur sein mochte, der ihnen so gute Hlfe
geleistet; denn Keiner war ihm so nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu
knnen, und als die Schlacht vorber war, da war er verschwunden. -- Wie
sie nun zurckzogen, sa der Bursch noch in dem Moor und hups'te und
jups'te auf seiner dreibeinigen Kracke. Da lachten Alle wieder. Nein,
seh nur Einer! da sitzt der Narr noch und hups't und jups't! sagten
sie.

Als sie am andern Tage auszogen, sa der Bursch noch da. Sie lachten
ihn wieder aus und machten sich ber ihn lustig. Aber kaum waren sie
vorber, so lief der Bursch wieder zu der Linde, und Alles ging wieder
grade so, wie den vorigen Tag. Alle wunderten sich und konnten nicht
begreifen, was es fr ein fremder Held sei, der ihnen Hlfe geleistet;
denn Keiner war ihm wieder so nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu
knnen. Da aber Niemand auf den Burschen rieth, versteht sich von
selbst.

Als sie am Abend nach Hause zogen und sahen, da der Bursch noch immer
auf der Kracke sa, lachten sie ihn wieder aus, und Einer von ihnen
scho einen Pfeil auf ihn ab und traf ihn ins Bein. Da fing der Bursch
gottsjmmerlich an zu schreien und zu lamentiren; aber der Knig warf
ihm sein Taschentuch zu, und das band er sich um das Bein.

Als sie am dritten Morgen auszogen, sa der Bursch wieder im Moor.
Hei, willst du auf! Hei, willst du auf! rief er zu der Kracke. Nein,
wahrhaftig! er wird da sitzen mssen, bis er todthungert! sagten die
Andern, als sie vorberzogen, und machten sich wieder ber ihn lustig.
-- Der Bursch lief aber wieder zu der Linde und kam eben in der Schlacht
an, als Noth an den Mann ging. An diesem Tage tdtete er den feindlichen
Knig, und damit war der Krieg auf einmal vorbei.

Nun aber erkannte der Knig den fremden Ritter sogleich an dem
Taschentuch, das dieser sich um das Bein gebunden hatte; die vornehmsten
Cavaliere nahmen ihn darauf in ihre Mitte und ritten mit ihm nach dem
Knigsschlo, und als die Prinzessinn ihn von ihrem Fenster aus sah,
ward sie so froh, da es gar nicht zu sagen ist. Da kommt mein
Brutigam auch, sagte sie. Er aber nahm den Salbenkrug und strich sich
von der Salbe aufs Bein und bestrich auch alle Verwundeten damit, und
da wurden sie augenblicklich alle wieder frisch und gesund. Hierauf
bekam er die Prinzessinn zur Gemahlinn. Aber als er am Hochzeitstage in
den Stall zu dem Pferd kam, stand dieses ganz betrbt da und wollte gar
nicht fressen. Der junge Knig -- denn er war jetzt Knig geworden und
hatte das halbe Reich bekommen -- fragte, Was ihm fehle. Da sagte das
Pferd: Jetzt hab' ich Dir durchgeholfen; aber nun will ich nicht lnger
leben. Nimm jetzt Dein Schwert und haue mir den Kopf ab! -- Nein,
das thu' ich nicht! sagte der junge Knig: Du sollst das beste Futter
haben, das Du Dir wnschen magst, und sollst von nun an bestndig in
Ruhe leben. -- Wenn Du nicht thun willst, Was ich Dir sage, versetzte
das Pferd: dann mu ich Dich ums Leben bringen. Da konnte der Knig
nicht anders, sondern mute thun, wie das Pferd wollte. Als er aber das
Schwert aufhob, um zuzuhauen, da war er so betrbt, da er das Gesicht
wegkehren mute, um den Hieb nicht zu sehen. Kaum aber hatte er ihm den
Kopf abgeschlagen, so stand ein schner Prinz da, wo vorher das Pferd
gestanden hatte. Wo in aller Welt kommst Du her? fragte der Knig.
Ich war das Pferd, antwortete der Prinz: Ehedem war ich Knig in dem
Lande, wo nachher der Knig regierte, den Du gestern in der Schlacht
getdtet hast; er war es, der einen Zauberham auf mich geworfen und mich
an den Trollen verkauft hatte. Weil er aber nun getdtet ist, bekomm'
ich mein Reich zurck, und Du und ich werden Nachbarknige; aber wir
wollen nie mit einander Krieg fhren. Und das thaten sie denn auch
nicht; sie blieben Freunde, so lange sie lebten, und kamen oft, einander
zu besuchen.




15.

Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau.


Es war einmal ein Mann und eine Frau, die heiratheten einander, und
jeder von ihnen hatte eine Tochter. Die Tochter der Frau war faul und
trge und mochte nicht das Geringste thun; aber die Tochter des Mannes
war fleiig und flink, und doch konnte sie der Stiefmutter nie Etwas zu
Dank machen. Einmal sollten die beiden Mdchen am Brunnen sitzen und
spinnen. Die Tochter der Frau aber bekam Flachs zu spinnen, und die
Tochter des Mannes nichts Anders, als Schweinsborsten. Du bist nun
immer so flink und ferm, Du, sagte die Tochter der Frau: aber dennoch
frchte ich mich nicht, mit Dir um die Wette zu spinnen. Sie wurden
nun darber einig, da Der, dem zuerst der Faden auslief, in den Brunnen
sollte. Wie sie nun anfingen zu spinnen, so lief der Tochter des Mannes
zuerst der Faden aus, und die mute nun in den Brunnen. Sie fiel
unverletzt bis auf den Grund; dort unten aber sah sie weit um sich her
eine schne grne Wiese.

Sie ging nun fort und kam zu einem Reiserzaun, da wollte sie hinber.
O, tritt nicht so hart auf mich! sagte der Zaun: ich will Dir auch
ein andermal wieder gefllig sein. Sie machte sich nun so leicht, als
sie konnte, und stieg so vorsichtig hinber, da sie den Zaun nicht
einmal berhrte.

Nun ging sie eine Strecke weiter und kam zu einer scheckigen Kuh, die
einen Milcheimer an den Hrnern trug; es war eine groe schne Kuh, und
ihr Euter war so voll und rund. O, sei doch so gut und melke mich!
sagte die Kuh: denn mir ist das Euter so straff von der Milch; trinke
so Viel Du willst und giee den Rest auf meinen Huf; ich will Dir auch
ein andermal wieder gefllig sein. Das Mdchen that, wie die Kuh sie
gebeten hatte; sowie sie nur die Zitzen anfate, spritzte die Milch in
den Eimer; sie trank darauf, bis sie ihren Durst gelscht hatte, go
dann der Kuh den Rest auf den Huf, und den Eimer hngte sie ihr wieder
an die Hrner.

Als sie ein Ende weiter gegangen war, begegnete ihr ein groer Schafbock,
der war so dick und hatte so lange Wolle, da er sie auf der Erde
nachschleppen mute, und an dem einen Horn hing eine groe Schere. O,
sei doch so gut und scher' mich! sagte der Bock: denn ich erliege
unter der Last meiner Wolle, und mir ist so hei, da ich beinahe
ersticken mchte; nimm so Viel Du willst und wirre mir den Rest um den
Hals; ich will Dir auch ein andermal wieder gefllig sein. Das Mdchen
zeigte sich sogleich bereit, zu thun, wie der Bock sie gebeten hatte,
und dieser legte sich von selbst auf ihren Scho, und da lag er ganz
still; und sie schor ihn so behutsam, da sie ihn auch nicht ein
einziges Mal ins Fell schnitt. Darauf nahm sie von der Wolle so Viel
sie wollte, und den Rest wirrte sie dem Bock um den Hals.

Etwas weiter hin kam sie zu einem Apfelbaum, der war so voll von pfeln,
da die Zweige sich zur Erde niederbogen, und an dem Stamm stand eine
kleine Stange. O, sei doch so gut und pflcke meine pfel ab! sagte
der Baum: damit meine Zweige sich in die Hhe richten knnen; es ist
so beschwerlich, immer so krumm zu stehen; die Du nicht mit der Hand
erreichen kannst, schlage mit der Stange ab, aber schlage ja vorsichtig,
damit Du mich nicht zu Schanden schlgst; i dann so Viel Du willst und
lege den Rest hbsch ordentlich unten an meinen Stamm hin; ich will Dir
auch ein andermal wieder gefllig sein. Das Mdchen pflckte nun so
viel pfel ab, als sie mit der Hand erreichen konnte, und die brigen
schlug sie vorsichtig mit der Stange herunter; darauf a sie sich satt
und legte den Rest noch so sauber und nett unten an den Stamm hin.

Sie ging nun eine gute Strecke weiter, und endlich kam sie zu einem
groen Hause, wo ein Trollweib mit ihrer Tochter wohnte. Da ging sie
hinein und fragte, ob sie nicht einen Dienst bekommen knnte. O, es
kann nichts ntzen, sagte das Trollweib: denn wir haben schon Viele
gehabt, aber Keine von ihnen hat was getaugt. Das Mdchen aber bat so
artig und so flehentlich, sie doch in Dienst zu nehmen, bis sie sie denn
endlich nahmen; und nun gab das Trollweib ihr ein Sieb und befahl ihr,
Wasser darin zu holen. Es duchte dem Mdchen zwar etwas ungereimt,
Wasser in einem Sieb zu holen, aber sie sagte doch Nichts, sondern
ging willig hin, und als sie zu dem Brunnen kam, sangen die Vglein:

  Kleb' mit Lehm,
   Stopf mit Stroh!
   Kleb' mit Lehm,
   Stopf mit Stroh!

Ja, das that sie, und nun konnte sie das Wasser in dem Sieb tragen. Aber
als sie damit nach Hause kam, sagte das Trollweib: Das hast Du nicht
aus Dir selber.

Darauf sollte sie in den Stall gehen und ihn ausmisten und die Khe
melken. Als sie aber hineinkam, stand da eine Schaufel, die war so gro
und so schwer, da sie sie auf keine Weise handthieren, ja nicht einmal
aufheben konnte. Sie wute nun gar nicht, wie sie's anfangen sollte. Aber
die Vgel sangen, sie solle nur Etwas mit dem Besenstiel hinauswerfen,
dann wrde all das brige nachfliegen. Kaum hatte sie das gethan, so war
der Stall auf einmal so rein, als wre er noch so sauber gemistet und
gefegt. Jetzt wollte sie die Khe melken; aber die waren so unruhig und
schlugen und stieen, so da sie gar nicht dazu gelangen konnte, sie zu
melken. Aber da sangen die Vglein drauen wieder:

  Kleinen Trunk,
   Kleinen Strahl
   Stripp zu den Vglein
   Allzumal!

Ja, das that sie, sie strippte einen kleinen Strahl hinaus zu den
Vglein. Da standen alle Khe still und lieen sich von ihr melken,
ohne zu schlagen, oder zu stoen, sie hoben nicht einmal das Bein
auf.

Als das Trollweib sie mit der Milch ankommen sah sagte sie wieder: Das
hast Du nicht aus Dir selber. Aber nun kannst Du die schwarze Wolle
nehmen, die da liegt, und sie wei waschen. Das Mdchen wute wieder
gar nicht, wie sie das anfangen sollte; denn sie hatte nie gesehen, da
Jemand schwarze Wolle wei waschen konnte; aber sie sagte Nichts,
sondern nahm die Wolle und ging damit zu dem Brunnen. Da sangen die
Vglein, sie solle die Wolle in den groen Zuber werfen, der da stnde,
dann wrde sie wohl wei werden.

Nein, nein, sagte das Trollweib, als das Mdchen mit der Wolle ankam:
mit Dir hilft es nichts; denn Du kannst ja Alles ausrichten, was man
Dir sagt, und rgerst mich zuletzt noch zu Tode. Es ist am besten, Du
erhltst Deinen Reisepa.

Nun setzte das Trollweib drei Schreine hin, einen rothen, einen grnen
und einen blauen, und von diesen sollte es dem Mdchen erlaubt sein, als
Lohn fr ihren Dienst, sich einen zu whlen, welchen sie wollte. Das
Mdchen wute nun gar nicht, welchen sie whlen sollte; aber da sangen
die Vglein:

  Nimm nicht den grnen,
   Nimm nicht den rothen,
   Den blauen nimm jetzt,
   Auf welchen wir haben
   Drei Kreuze gesetzt.

Da nahm sie den blauen, so wie die Vglein gesungen hatten. Twi Dich
an! sagte das Trollweib: das sollst Du mir entgelten! Als das Mdchen
nun fortgehen wollte, warf das Trollmensch eine glhende Eisenstange
hinter sie drein; aber das Mdchen sprang schnell hinter die Thr,
so da sie nicht getroffen ward, denn so hatten die Vglein es ihr
gesungen. Sie ging nun fort, so schnell sie konnte; aber als sie zu
dem Apfelbaum kam, hrte sie ein entsetzliches Gerusch hinter sich
auf dem Wege; es war nmlich das Trollweib mit ihrer Tochter, welche
ihr nachkamen. Dem Mdchen ward so angst und bange, da sie sich gar
nicht zu lassen wute: Komm, sagte der Apfelbaum: ich will Dir helfen;
verbirg Dich schnell unter meine Zweige; denn wenn sie Dich erwischen,
nehmen sie Dir den Schrein weg und zerreien Dich. Das that sie denn
auch. Kaum aber hatte sie sich versteckt, so kam schon das Trollweib mit
ihrer Tochter an: Hast Du nicht eine Dirne hier gehen sehen? fragte
das Trollweib. Ja wohl, sagte der Apfelbaum: es lief hier eine vor
einer Weile vorber; aber die ist nun schon weit weg, die knnt Ihr
nicht mehr einholen. Da kehrte das Trollweib wieder um und ging nach
Hause.

Das Mdchen setzte nun ihren Weg fort; aber als sie zu dem Bock kam,
hrte sie wieder ein so entsetzliches Gerusch, da sie sich gar nicht
zu lassen wute, so angst ward ihr; denn sie konnte sich wohl denken,
da es das Trollweib war, das sich bedacht hatte. Komm, ich will Dir
helfen, sagte der Bock: verbirg Dich schnell unter meiner Wolle, dann
sieht sie Dich nicht; sonst nimmt sie Dir den Schrein weg und zerreit
Dich.

Kaum hatte sie sich verborgen, so kam auch schon das Trollweib angestoben.
Hast Du nicht eine Dirne hier gehen sehen? fragte sie den Bock. Ja
wohl, sagte der Bock: ich sah eine vor einer Weile; aber sie lief so
schnell, da Du sie nicht wieder einholst. Da kehrte das Trollweib
wieder um und ging nach Hause.

Als das Mdchen nun weiter bis zu der Kuh gekommen war, hrte sie wieder
ein entsetzliches Gerusch auf dem Wege. Komm, sagte die Kuh: ich
will Dir helfen; verbirg Dich schnell unter mein Euter; sonst kommt das
Trollweib und nimmt Dir den Schrein weg und zerreit Dich. Es dauerte
nicht lange, so kam das Weib an. Hast Du nicht eine Dirne hier gehen
sehen? fragte sie. Ja, ich sah eine vor einer Weile, sagte die Kuh:
aber die ist nun schon weit weg, denn sie lief so schnell; die holst Du
nicht mehr ein. Das Trollweib kehrte nun wieder um und ging nach Hause.

Als das Mdchen nun ein gutes Ende weiter gegangen und nicht mehr weit
von dem Reiserzaun war, hrte sie wieder ein so entsetzliches Gerusch
auf dem Wege, da ihr angst und bange ward; denn sie wute nun wohl,
da es wieder das Trollweib war, das sich bedacht hatte. Komm, ich will
Dir helfen, sagte der Zaun: kriech schnell unter meine Reiser, da
sie Dich nicht sieht; sonst nimmt sie Dir den Schrein weg und zerreit
Dich. Sie kroch nun schnell unter die Reiser des Zauns. Hast Du nicht
eine Dirne hier gehen sehen? fragte das Trollweib, als sie zu dem Zaun
kam. Nein, ich habe keine Dirne gesehen, antwortete der Zaun und war
so erbittert, da er knisterte, und dann machte er sich so gro, da gar
nicht daran zu denken war, hinber zu kommen. Es war nun kein andrer
Rath fr das Trollweib, sie mute wieder umkehren und nach Hause gehen.

Als nun aber das Mdchen wieder zu Hause ankam, waren die Stiefmutter
und ihre Tochter nur noch neidischer auf sie; denn jetzt war das Mdchen
noch weit stattlicher und so schn, da es eine Lust war, sie anzusehen.
Sie durfte aber nicht drinnen bei ihnen in der Stube bleiben, sondern
sie jagten sie hinaus in den Schweinstall, da sollte sie wohnen. Hier
wusch das Mdchen nun Alles sauber und rein, und darnach machte sie den
Schrein auf, um zu sehen, Was sie zum Lohn bekommen hatte, und als sie
den Schrein aufgemacht hatte, fand sie darin so viel Gold und Silber und
so viel andre kostbare Sachen, da sie sowohl die Wnde, als den Boden
damit behngen konnte; und es sah nun weit herrlicher in dem Schweinstall
aus, als in dem prchtigsten Knigsschlo. Als die Stiefmutter und ihre
Tochter das sahen, waren sie ganz auer sich und fragten das Mdchen,
wie denn ihr Dienst ausgefallen sei. O, das knnt Ihr Euch wohl
vorstellen, sagte sie: da ich einen so guten Lohn bekommen habe; es
waren solche Leute und eine solche Frau, da man Ihresgleichen nicht
mehr findet.

Da wollte nun die Tochter der Stiefmutter auch fort und dienen, damit
sie auch einen solchen Goldschrein bekme. Beide Mdchen setzten sich
nun wieder hin, um zu spinnen; aber da sollte die Tochter der Frau
Schweinsborsten spinnen, und die Tochter des Mannes Flachs, und Wem
zuerst der Faden auslief, der sollte in den Brunnen. Es dauerte nicht
lange, so lief der Frau ihrer Tochter der Faden aus, wie man sich wohl
denken kann, und da warfen sie sie in den Brunnen.

Nun geschah es eben so, wie vorhin mit der Tochter des Mannes: sie fiel
hinab bis auf den Grund, ohne Schaden zu nehmen, und befand sich nun auf
einer schnen grnen Wiese. Als sie eine Strecke weit gegangen war, kam
sie zu dem Reiserzaun. Tritt nicht so hart auf mich! ich will Dir auch
ein andermal wieder gefllig sein, sagte der Zaun. Ei, was scher' ich
mich um einen alten Reiserhaufen! sagte sie und trat auf den Zaun, da
es nur so knackte.

Etwas spter kam sie zu der Kuh, deren Euter so straff von der Milch
war. O, sei doch so gut und melke mich! sagte die Kuh: ich will Dir
auch ein andermal wieder gefllig sein; trinke so Viel Du willst, und
giee dann den Rest auf meinen Huf. Ja, das that sie, sie melkte die
Kuh und trank so Viel sie vermochte; dann aber war Nichts mehr brig,
das sie auf den Huf gieen konnte; den Eimer schleuderte sie ber den
Hgel und ging fort.

Als sie nun eine Strecke weiter gegangen war, kam sie zu dem Bock, welcher
die Wolle nach sich schleppte. O, sei doch so gut und scher' mich! ich
will Dir auch ein andermal wieder gefllig sein, sagte der Bock: nimm
so Viel von der Wolle, als Du willst, und wirre mir dann den Rest um den
Hals. Das that sie; aber sie benahm sich dabei so ungeschickt, da sie
dem Bock groe Stcke aus dem Fell schnitt, und all die Wolle nahm sie
mit.

Ein wenig darnach kam sie zu dem Apfelbaum, der wieder ganz krumm unter
der Last seiner Frucht stand. O, sei doch so gut und pflcke meine
pfel ab, sagte der Apfelbaum: damit meine Zweige sich wieder aufrichten
knnen! denn es ist so beschwerlich, hier so krumm zu stehen; aber nimm
Dich in Acht, da Du mir keinen Schaden thust; i so Viel Du willst,
und lege dann den Rest hbsch ordentlich unten an meinen Stamm hin.
Sie pflckte nun die nchsten pfel ab, und die sie nicht mit der Hand
erreichen konnte, schlug sie mit der Stange herunter; aber sie kmmerte
sich weiter um Nichts, ri und schlug groe Zweige mit ab und a so
lange, bis sie zuletzt nicht mehr konnte, und dann warf sie den Rest
hulterpulter unter den Baum hin.

Als sie nun noch ein kleines Ende weiter gegangen war, kam sie zu
dem Hause, wo das Trollweib wohnte; da bat sie um einen Dienst. Das
Trollweib sagte, sie wolle kein Dienstmdchen haben; denn entweder
taugten sie nichts, oder sie wren auch allzu flink und betrgen sie um
ihr Eigenthum. Aber das Mdchen lie sich damit nicht abweisen, sondern
sagte, sie wolle und msse bei ihr dienen. Da sagte denn das Trollweib
zuletzt, ja, sie wolle sie in Dienst nehmen, wenn sie zu Etwas tauge.

Das Erste, was sie zu thun bekam, war, Wasser im Sieb zu holen. Ja, sie
ging auch zu dem Brunnen und schpfte Wasser ins Sieb; aber sowie sie es
oben hineinschpfte, lief es unten immer wieder heraus. Da sangen die
Vglein:

  Kleb' mit Lehm,
   Stopf mit Stroh!
   Kleb' mit Lehm,
   Stopf mit Stroh!

Aber sie bekmmerte sich nicht um Das, was die Vgel sangen, sondern
warf mit dem Lehm nach ihnen, so da sie davon flogen; und sie mute mit
dem leeren Sieb wieder nach Hause gehen und bekam Gnickpmpe von dem
Trollweib obendrein. Darauf sollte sie den Stall ausmisten und die Khe
melken. Dazu duchte sie sich nun zwar viel zu gut, aber sie ging doch
hin. Als sie in den Stall kam, konnte sie jedoch auf keine Weise die
Schaufel handthieren, denn die war viel zu schwer und zu gro fr sie.
Die Vgel sagten ihr nun eben Das, was sie der Tochter des Mannes gesagt
hatten, sie solle ein Wenig mit dem Besenstiel hinauswerfen, dann wrde
all das brige nachfliegen; aber sie nahm den Besen und warf damit nach
den Vgeln. Als sie darauf die Khe melken wollte, waren diese so unruhig
und schlugen und stieen, und so oft sie ein Wenig in den Eimer bekommen
hatte, schlugen sie ihn immer wieder um. Da sangen die Vgel:

  Kleinen Trunk,
   Kleinen Strahl
   Stripp zu den Vglein
   Allzumal!

Aber sie bumps'te und schlug die Khe, warf nach den Vgeln mit Allem,
was ihr in die Hnde kam, und hielt eine Wirthschaft, da es ganz
entsetzlich war. Damit hatte sie aber, als sie zurckkam, weder den
Stall ausgemistet, noch die Khe gemelkt, und bekam nun tchtige Hiebe
und Schelte von dem Trollweib. Darnach sollte sie die schwarze Wolle
wei waschen; aber damit ging es um Nichts besser. Das war endlich dem
Trollweib allzu arg. Nein, ein solches Dienstmdchen konnte sie nicht
gebrauchen, denn sie taugte ja zu Nichts. Sie setzte aber drei Schreine
hin, einen rothen, einen grnen und einen blauen; denn ihren Lohn sollte
sie gleichwohl haben und sich einen von den drei Schreinen auswhlen,
den sie selbst wollte. Da sangen die Vgel:

  Nimm nicht den grnen,
   Nimm nicht den rothen,
   Den blauen nimm jetzt,
   Auf welchen wir haben
   Drei Kreuze gesetzt.

Aber sie bekmmerte sich nicht um Das, was die Vgel sangen, sondern
nahm den rothen, der am meisten schimmerte. Darnach begab sie sich auf
den Weg und ging nach Hause. Sie durfte aber in guter Ruhe gehen; denn
es war Niemand, der sie verfolgte. Als sie zu Hause ankam, war die
Mutter sehr erfreu't, und sie gingen beide sogleich in die groe Stube
und setzten da den Schrein hin; denn sie glaubten, es wre nichts
Anders, als lauter Gold und Silber drin, und meinten, sie wollten Wnde
und Boden damit vergolden; als sie ihn aber aufmachten, wimmelte lauter
Gewrm und Ungeziefer hervor, und so oft das Mdchen den Mund aufthat,
fielen Wrmer und Krten und all das Ungeziefer heraus, das man sich
nur denken kann, so da es zuletzt nicht mehr mglich war, mit ihr in
_einem_ Hause auszudauern. Das war der Lohn, den sie fr ihren Dienst
bei dem Trollweib bekommen hatte.




16.

Hhnchen und Hhnchen im Nuwald.


Hhnchen und Hhnchen gingen einmal in den Nuwald, um sich Nsse zu
pflcken; da bekam Hhnchen eine Nuschale in den Hals und lag nun da
und zappelte und schlug mit den Flgeln. Nun sollte Hhnchen hinlaufen
und dem Hhnchen Wasser aus der Quelle holen. Hhnchen lief auch hin,
und als er zur Quelle kam, sagte er: Quelle, gieb mir Wasser, das
Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
Nuwald. Die Quelle aber antwortete: Ich geb' Dir kein Wasser eh' Du
mir nicht Laub giebst. Da lief Hhnchen zur Linde: Linde, gieb mir
Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
Nuwald. -- Ich geb' Dir kein Laub, eh' Du mir nicht rothes Goldband
giebst, antwortete die Linde. Da lief Hhnchen zur Jungfrau Maria:
Jungfrau Maria, gieb mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb'
ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle,
die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hhnchen, meinem
Schatz, das liegt auf den Tod im Nuwald. -- Ich geb' Dir kein rothes
Goldband, eh' Du mir nicht Schuhe giebst, antwortete die Jungfrau
Maria. Da lief Hhnchen zum Schuster: Schuster, gieb mir Schuh', die
Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes
Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir
Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
Nuwald. -- Ich geb' Dir keine Schuh', eh' Du mir nicht Borsten giebst,
antwortete der Schuster. Da lief Hhnchen zum Eber: Eber, gieb mir
Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt
mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir
Wasser, das Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den
Tod im Nuwald. -- Ich geb' Dir keine Borsten, eh' Du mir nicht Korn
giebst, antwortete der Eber. Da lief Hhnchen zum Drescher: Drescher,
gieb' mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten,
die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die
Schuh geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes
Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir
Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
Nuwald. -- Ich geb' Dir kein Korn, eh' Du mir nicht Brod giebst,
antwortete der Drescher. Da lief Hhnchen zur Backfrau: Backfrau, gieb
mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn,
das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten geb'
ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der
Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich
der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hhnchen,
meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nuwald. -- Ich geb' Dir kein
Brod, eh' Du mir nicht Holz giebst, antwortete die Backfrau. Da lief
Hhnchen zum Holzhauer: Holzhauer, gieb mir Holz, das Holz geb' ich der
Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher,
der Drescher giebt mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt
mir Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt
mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir
Wasser, das Wasser geb' ich Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den
Tod im Nuwald. -- Ich geb' Dir kein Holz, eh' Du mir nicht eine Axt
giebst, antwortete der Holzhauer. Da lief Hhnchen zum Schmied: Schmied,
gieb mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer, der Holzhauer giebt
mir Holz, das Holz geb' ich der Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod,
das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn, das Korn
geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten geb' ich
dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der
Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich
der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hhnchen,
meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nuwald. -- Ich geb' Dir keine
Axt, eh' Du mir nicht Kohlen giebst, antwortete der Schmied. Da lief
Hhnchen zum Khler: Khler, gieb mir Kohlen, die Kohlen geb' ich dem
Schmied, der Schmied giebt mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer,
der Holzhauer giebt mir Holz, das Holz geb' ich der Backfrau, die Backfrau
giebt mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir
Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten
geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb ich
der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das
rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub
geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich
Hhnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nuwald. Da jammerte
den Khler das Hhnchen, und er gab ihm Kohlen. Nun bekam der Schmied
Kohlen, und der Holzhauer eine Axt, und die Backfrau Holz, und der
Drescher Brod, und der Eber Korn, und der Schuster Borsten, und die
Jungfrau Maria Schuh', und die Linde rothes Goldband, und die Quelle
Laub, und Hhnchen Wasser, und das gab er Hhnchen, seinem Schatz, das
auf den Tod im Nuwald lag; da ward Hhnchen wieder gesund.




17.

Der Br und der Fuchs.

#a#) _Warum der Br einen Stumpfschwanz hat._


Dem Bren begegnete einmal der Fuchs, der mit einem Bndel Fische
angeschlichen kam, die er gestohlen hatte. Wo hast Du die her? fragte
der Br. Die hab' ich mir geangelt, Herr Br, versetzte der Fuchs. Da
bekam der Br auch Lust, das Angeln zu lernen, und bat den Fuchs, ihm
doch zu sagen, wie er es machen mte. Das ist eine leichte Kunst und
sehr bald gelernt, erwiederte der Fuchs: Du musst nur aufs Eis gehen,
Dir ein Loch hauen und den Schwanz hineinstecken, und dann musst Du ihn
recht lange drein halten und Dich nicht darum bekmmern, wenn's ein
bischen weh thut; denn das ist ein Zeichen, da Fische dran beien; und
je lnger Du's aushalten kannst, desto mehr Fische bekommst Du; aber
wenn's zuletzt recht tchtig kneift, dann musst Du aufziehen. Ja, der
Br that, wie der Fuchs ihm gesagt hatte, und hielt den Schwanz so
lange ins Loch, bis er darin festgefroren war. Da zog er auf -- den
Schwanz ab, und nun geht er noch da den heutigen Tag mit einem
Stumpfschwanz.


#b#) _Wie der Fuchs den Bren ums Weihnachtsessen prellt._

Der Br und der Fuchs hatten sich einmal zusammen ein Viertel Butter
gekauft, das wollten sie zum Weihnachten haben und verwahrten es daher
unter einen dicken Tannenbusch. Darauf gingen sie fort und legten sich
auf einem Hgel in der Sonne schlafen. Als sie eine Weile gelegen hatten,
sprang der Fuchs auf und rief: Ja! und damit lief er gradesweges zu
dem Butterviertel, wovon er gut den dritten Theil auffra. Als er aber
zurckkam, und der Br ihn fragte, wo er gewesen sei, da er so fett ums
Maul wre, sagte er: Meinst Du denn nicht, ich sei zu Gevatter gebeten,
Du? -- Na so! sagte der Br: wie hie denn das Kind?
-- _Angefangen_, sagte der Fuchs.

Damit legten sie sich wieder schlafen. Nach einer Weile sprang der Fuchs
abermals auf und rief: Ja! und lief wieder zu dem Butterviertel. Als
er zurckkam, und der Br ihn fragte, wo er gewesen sei, antwortete er:
Ach, wurde ich denn nicht wieder zu Gevatter gebeten, Du! -- Wie hie
jetzt das Kind? fragte der Br. _Halbverzehrt_, antwortete der Fuchs.

Der Br meinte, das wr' ein hbscher Name; aber es dauerte nicht lange,
so fing er wieder an zu ghnen und schlief ein. Als er nun ein Weilchen
gelegen hatte, ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male: Der
Fuchs sprang wieder auf und rief: Ja! lief zu dem Butterviertel und
fra nun auch den letzten Rest auf. Wie er zurckkam, war er wieder
zu Kindtauf gewesen, und als der Br wissen wollte, wie das Kind hie,
antwortete er: _Den-Boden-geleckt._ Damit legten sie sich wieder zur
Ruhe und schliefen beide eine gute Weile. Darnach wollten sie hingehen
und sich nach ihrer Butter umsehen. Als es sich nun aber fand, da sie
rein aufgezehrt war, beschuldigte der Br dafr den Fuchs, und der Fuchs
beschuldigte wieder den Bren, und der Eine behauptete immer, der Andre
sei bei der Butter gewesen, whrend er da gelegen habe und geschlafen.
Nun, sagte Reineke: wir wollen's bald erfahren, Wer von uns die
Butter gestohlen hat: wir wollen uns jetzt wieder auf dem Hgel schlafen
legen, und Wer dann am fettsten unten beim Schwanz ist, wenn wir
aufwachen, der hat sie gestohlen. Ja, der Br wollte gleich auf die
Probe eingehen, und weil er bei sich selbst wute, da er die Butter
nicht einmal gekostet hatte, legte er sich ganz ruhig auf dem Hgel
schlafen. Da schlich Reineke sich aber fort nach dem Viertel und erwischte
noch ein Klmpchen Butter, das in einer Ritze sitzen geblieben war; damit
schlich er sich zurck zu dem Bren, bestrich ihn mit der Butter unten
beim Schwanz und legte sich dann wieder schlafen, als wte er von
Nichts. Als nun beide aufwachten, hatte die Sonne die Butter geschmelzt,
und da war's denn gleichwohl der Br, der die Butter gefressen hatte.




18.

Gudbrand vom Berge.


Es war einmal ein Mann, der hie _Gudbrand_; der hatte ein Gehft, das
lag weit weg am Abhang eines Berges, und darum nannten die Leute ihn
_Gudbrand vom Berge_. Er lebte aber mit seiner Frau so zufrieden und
vertrglich zusammen, da Alles, was der Mann that, der Frau so wohl
gethan duchte, da es nimmermehr besser gemacht werden knne; wie er's
auch anfangen mochte, sie mute sich immer darber freuen. Sie besaen
ihr Stck Ackerland, hatten hundert Thaler in der Kiste liegen, und im
Stall hatten sie zwei Khe im Joch stehen. Da sagte die Frau eines Tages
zu Gudbrand: Mir ducht, wir sollten die eine Kuh zur Stadt bringen
und sie verkaufen, damit wir doch ein paar Ausgebeschillinge bekmen;
wir sind so brave Leute und sollten doch ein paar Schillinge unter den
Hnden haben, so wie andre Leute es haben; die hundert Thaler in der
Kiste drfen wir nicht angreifen, und ich wei nicht, Was wir mit mehr,
als mit _einer_ Kuh, wollen; und dann ist auch noch immer ein kleiner
Gewinn dabei, da ich alsdann nur auf die eine Kuh zu passen brauch,
statt da ich jetzt mich mit zweien placken mu. Ja, das duchte dem
Gudbrand ganz recht und vernnftig gesprochen, und er nahm sogleich die
Kuh und ging damit zur Stadt, um sie zu verkaufen. In der Stadt aber
fand sich Niemand, der ihm die Kuh abkaufen wollte. Ei nun! dachte
Gudbrand: so geh' ich mit meiner Kuh wieder nach Hause; ich wei, ich
habe sowohl Stall, als Joch, fr sie, und es ist eben so weit hin, als
her, und damit stiefelte er getrost wieder mit seiner Kuh heimwrts.

Als er ein Endchen gegangen war, begegnete ihm Einer, der hatte ein
Pferd, das er verkaufen wollte. Nun duchte unserm Gudbrand, es sei
besser, ein Pferd zu haben, als eine Kuh, und darum tauschte er mit dem
Manne. Als er noch etwas weiter gegangen war, begegnete ihm Einer, der
trieb ein fettes Schwein vor sich her, und da meinte Gudbrand wieder,
es sei doch besser, ein fettes Schwein zu haben, als ein Pferd, und
tauschte mit dem Manne. Darauf ging er weiter, und nach einer Weile
begegnete ihm ein Mann mit einer Ziege. Es ist freilich immer besser,
eine Ziege zu haben, als ein Schwein, dachte Gudbrand und tauschte mit
dem Mann, der die Ziege hatte. Nun ging er eine weite Strecke fort,
bis ihm endlich ein Mann begegnete, der ein Schaf hatte, und mit dem
tauschte er ebenfalls, denn er dachte: Besser ist's immer, ein Schaf zu
haben, als eine Ziege. Als er nun noch weiter gegangen war, begegnete
ihm ein Mann mit einer Gans, und nun vertauschte Gudbrand das Schaf
gegen die Gans. Als er darauf ein weites, weites Ende gegangen war,
begegnete ihm ein Mann mit einem Hahn; mit dem tauschte er nochmals,
denn er dachte: Im Grunde ist's doch besser, einen Hahn zu haben, als
eine Gans. Er schritt nun so lange fort, bis es schon spt am Tage war,
und da nun der Hunger sich bei ihm einstellte, verkaufte er den Hahn fr
drei Groschen und kaufte sich dafr Etwas zu essen, denn es ist doch
besser, das Leben heimzubringen, als einen Hahn, dachte Gudbrand vom
Berge. Darauf setzte er seinen Weg nach Hause fort, bis er zu dem Gehft
seines nchsten Nachbars kam; da kehrte er ein, Nun, wie ist es Dir
in der Stadt gegangen? fragten die Leute ihn. O, das ist nun so so
gegangen, sagte Gudbrand: ich kann mein Glck eben nicht loben und
auch nicht verachten, und damit erzhlte er ihnen, wie sich Alles
zugetragen hatte, vom Anfang an bis zu Ende. Na, da wirst Du aber auch
schn empfangen werden von Deiner Frau, wenn Du nach Hause kommst,
sagte der Mann von dem Gehft: Gott steh' Dir bei! ich mchte nicht
in Deiner Haut stecken. -- Mir ducht, es knnte weit schlimmer
gegangen sein, sagte Gudbrand vom Berge: sei es aber nun bel, oder
wohl gegangen, so habe ich doch eine so gute Frau, die mir nie Vorwrfe
macht, wie ich's auch immer anfange. -- Ja, das mag wahr sein, sagte
der Mann: aber ich glaub's darum doch nicht. -- Wollen wir wetten?
versetzte Gudbrand vom Berge: Ich habe hundert Thaler in der Kiste
liegen, hltst Du eben so Viel dagegen? -- Topp! rief der Nachbar;
und als es anfing zu dmmern, begaben beide sich zu Gudbrand's Gehft.
Hier blieb der Nachbar drauen vor der Thr stehen, um zu horchen,
whrend Gudbrand hineinging zu seiner Frau und mit ihr sprach. Guten
Abend! sagte Gudbrand vom Berge, als er eintrat. Guten Abend! sagte
die Frau: Na, Gott sei Lob! bist Du wieder da? -- Ja, das war er denn.
Nun fragte die Frau, wie's ihm denn gegangen wr' in der Stadt. Ach, so
so! antwortete Gudbrand: ich kann mein Glck eben nicht sonderlich
rhmen. Als ich zur Stadt kam, war da Niemand, der mir die Kuh abkaufen
wollte; darum vertauschte ich sie gegen ein Pferd. -- Ei! das mu ich
Dir ja Dank wissen, sagte sie: wir sind so brave Leute, da wir auch
wohl zur Kirche _fahren_ knnen, eben so gut, wie Andre, und wenn wir
Rath haben, uns ein Pferd anzuschaffen, warum sollten wir es nicht?
-- Geht hin, Jungens, und zieht das Pferd ein! -- Je, sagte Gudbrand:
ich hab' das Pferd doch nicht; denn als ich ein Stck Weges gegangen
war, vertauschte ich es gegen ein Schwein. -- Nein! rief die Frau:
das ist doch recht, als wenn ich's selbst gethan htte! danke schn,
lieber Mann! nun hab' ich doch Speck im Hause, um den Leuten Etwas
anzubieten, die zu uns kommen. Was sollten wir auch wohl mit dem Pferd?
Die Leute wrden nur sagen, wir wren so vornehm geworden, da wir nicht
mehr zur Kirche gehen knnten, wie wir sonst gethan -- Geht hin,
Jungens, und bringt's Schwein herein! -- Aber ich habe das Schwein
doch auch nicht, sagte Gudbrand: denn als ich ein Ende weiter
gegangen war, vertauschte ich es gegen eine Milchziege. -- Jerum! wie
Du Alles vortrefflich machst! rief die Frau: Was sollte ich auch mit
dem Schwein, wenn ich's recht bedenke? Die Leute wrden nur sagen: Die
da fressen Alles auf, was sie haben. Nein, hab' ich eine Ziege, so
bekomm' ich Milch und Kse, und die Ziege bleibt mir dennoch -- Jungens,
lasst die Ziege ein! -- Nein, ich hab' die Ziege doch auch nicht,
sagte Gudbrand: denn als ich etwas weiter auf dem Weg gekommen war,
vertauschte ich die Ziege und bekam dafr ein herrliches Schaf.
-- Nein! rief die Frau: Du hast Alles gemacht, wie ich's mir nur
wnschen kann, grade, als wr' ich selbst dabei gewesen. Was sollten wir
auch mit der Ziege? Ich mte dann immer dahinterher laufen und bergan
und bergab klettern. Hab' ich aber ein Schaf, so hab' ich Wolle und
Kleider im Hause und Essen obendrein -- Geht hin, Jungens, und bringt das
Schaf 'rein! -- Aber ich hab' das Schaf auch nicht mehr, sagte
Gudbrand: denn als ich etwas weiter gegangen war, vertauschte ich es
gegen eine Gans. -- Ei, tausendmal schnen Dank! sagte die Frau: Was
sollte ich auch wohl mit dem Schaf? Ich habe ja weder Rocken, noch
Spindel, und frage auch nicht darnach, mich zu placken und zu qulen und
Kleider zu weben; wir knnen ja unsre Kleider kaufen, wie wir sonst
gethan haben. Nun bekomm' ich doch mal Gnsefleisch zu schmecken, wonach
ich schon so lange gejankt habe, und kann mir Dunen in meinen Pflk
stopfen -- Geht hin, Jungens, und holt die Gans 'rein! -- Je, ich
hab' die Gans aber auch nicht, sagte Gudbrand: denn als ich noch
ein Stck Weges gegangen war, vertauschte ich sie gegen einen Hahn.
-- Gott wei, wie Du auf Das verfallen bist! rief die Frau: es ist
grade Alles, als ob ich's selbst gemacht htte. Ein Hahn, das ist eben
Dasselbe, als ob Du eine Weck-Uhr gekauft httest; denn jeden Morgen
krh't der Hahn um Vier, und dann knnen wir zu rechter Zeit auf die
Beine kommen. Was sollten wir wohl mit der Gans? Ich versteh' mich nicht
darauf, Gnsefleisch zu pkeln, und meinen Pflk kann ich mir ja mit
Seegras stopfen -- Geht hin, Jungens, und holt den Hahn 'rein! -- Aber
ich habe doch den Hahn auch nicht, sagte Gudbrand: denn als ich noch
etwas weiter gegangen war, bekam ich einen entsetzlichen Hunger und
mute den Hahn fr drei Groschen verkaufen, da ich nur das Leben
heimbrachte. -- Na, das war recht, da Du das thatst! rief die Frau:
Wie Du's auch anfngst, so machst Du Alles, wie ich's nur wnschen
kann. Was sollten wir auch mit dem Hahn? Wir sind ja unsre eignen
Herren, und knnen des Morgens liegen bleiben, so lange wir wollen. Na,
Gott sei Lob! wenn ich nur Dich wieder habe, der Du Alles so gut machst,
brauch ich weder Hahn, noch Gans, noch Schwein, noch Kuh. Nun machte
Gudbrand die Thr auf. Hab' ich jetzt die hundert Thaler gewonnen?
rief er; und da mute denn der Nachbar gestehen, da er es htte.




19.

Kari Trstak.


Es war einmal ein Knig, der war Wittwer geworden. Mit seiner Gemahlinn
hatte er eine Tochter, die war so gut von Herzen und so schn, da
Niemand gutmthiger und schner sein konnte. Der Knig trauerte lange um
seine Gemahlinn, weil er so viel von ihr gehalten hatte; zuletzt ward er
aber des ledigen Standes berdrssig und verheirathete sich mit einer
Kniginn-Wittwe, die hatte auch eine Tochter, aber die war eben so
hlich und bse, als die andre gut und schn war. Die Stiefmutter und
ihre Tochter waren nun neidisch auf die Knigstochter wegen ihrer
Schnheit; aber so lange der Knig zu Hause blieb, wagten sie nicht, ihr
Etwas zu Leide zu thun, weil er so viel von ihr hielt.

Als aber eine Zeit vergangen war, bekam der Knig Krieg mit einem andern
Knig und zog in die Schlacht. Nun, meinte die Kniginn, knnte sie
thun, Was sie wollte, schlug die Knigstochter, lie sie hungern und
stie sie in alle Ecken herum. Zuletzt war Alles zu gut fr die
Knigstochter, und sie mute endlich die Khe hten. So trieb sie nun
mit den Khen hinaus und weidete sie in dem Wald und auf dem Berg. Essen
bekam sie nur wenig, oder gar nicht; sie ward bleich und hager und war
fast immer betrbt und weinte. Unter der Heerde, die sie weidete, war
auch ein groer blauer Stier, der sich immer so sauber und blank hielt,
der kam oft zu der Knigstochter und lie sich von ihr den Kopf krauen.
Einmal, als sie da sa und so betrbt war und weinte, kam er auch zu ihr
und fragte sie, warum sie immer so traurig wre. Sie antwortete ihm aber
nicht, sondern fuhr fort zu weinen. Ja, ich wei wohl, Was Dir fehlt,
sagte der Stier: wenn Du es mir auch nicht sagen willst; Du weinst,
weil die Kniginn immer so schlimm gegen Dich ist und Dich beinahe
todthungern lsst. Aber fr Essen und Trinken sollst Du nicht sorgen:
In meinem linken Ohr liegt ein Tuch, wenn Du das herausnimmst, und es
ausbreitest, bekommst Du sowohl zu essen, als zu trinken, Was Du nur
verlangst. Das that sie, sie nahm das Tuch heraus und breitete es auf
den Rasen hin, und da deckte es sich mit den schnsten Gerichten, die
man sich nur wnschen kann, und Wein und Meth und Honigkuchen war auch
da. Sie kam nun bald wieder zu Krften und ward so voll und roth und
wei, da die Kniginn und ihre holzdrre Tochter grn und gelb vor
lauter rger wurden. Die Kniginn konnte gar nicht begreifen, wie ihre
Stieftochter bei so schlechter Kost ein so gutes Aussehen bekommen
konnte; darum sagte sie zu einer von ihren Dirnen, sie sollte ihr im
Walde nachgehen und zusehen, wie das zusammenhinge; denn sie glaubte,
da irgend einer von den Dienstleuten ihr Etwas zu essen gbe. Die Dirne
ging ihr nun im Walde nach und beobachtete sie, und da sah sie denn, da
die Stieftochter das Tuch aus dem Ohr des blauen Stiers nahm und es auf
dem Rasen ausbreitete, worauf es sich mit den schnsten Gerichten
deckte, wovon dann die Tochter a und sich gtlich that. Das erzhlte
die Dirne zu Hause der Kniginn. -- Jetzt kehrte der Knig heim und
hatte den Sieg ber den andern Knig davon getragen, gegen den er zu
Felde gezogen war. Da war nun groe Freude im ganzen Schlo, doch
Niemand freu'te sich mehr, als des Knigs Tochter. Die Kniginn aber
stellte sich krank an und gab dem Doctor viel Geld, damit er sagen solle,
sie knne nicht wieder gesund werden, wenn sie nicht das Fleisch von dem
blauen Stier zu essen bekme. Sowohl die Knigstochter, als die Leute im
Schlo fragten den Doctor, ob nicht etwas Andres helfen knne, und baten
fr den Stier, denn sie hielten alle so viel von ihm und sagten, einen
solchen Stier gb's nicht mehr im ganzen Knigreich; aber nein, er
sollte und mute geschlachtet werden, es war kein andrer Rath. Als die
Knigstochter das hrte, ward sie sehr betrbt und ging hinunter in den
Stall zu dem Stier. Der stand auch da und lie den Kopf hangen und sah
so betrbt aus, da sie anfing, darber zu weinen. Warum weinst Du?
fragte der Stier. Da erzhlte sie ihm, der Knig wre zu Hause gekommen,
und die Kniginn htte sich krank angestellt und den Doctor dahin
vermocht, zu sagen, sie knne nicht wieder gesund werden, wenn sie nicht
das Fleisch von dem blauen Stier zu essen bekme, und nun sollte er
geschlachtet werden. Der Stier aber sagte: Wenn sie erst mich getdtet
haben, dann werden sie Dich auch bald tdten; wenn Du aber so willst,
wie ich, so machen wir uns beide noch diese Nacht davon. Die
Knigstochter meinte zwar, es wre schlimm, ihren Vater zu verlassen,
aber schlimmer doch wr' es noch, im Hause bei der Kniginn zu bleiben,
und versprach darum dem Stier, mit ihm zu reisen.

Als es Abend geworden war, und alle die Andern sich zur Ruhe begeben
hatten, schlich die Knigstochter sich hinunter in den Stall; da nahm
der Stier sie auf den Rcken und machte sich mit ihr davon, so schnell
er nur konnte. Als darnach am Morgen die Leute aufstanden und den Stier
schlachten wollten, war dieser fort; und als der Knig aufgestanden war
und nach seiner Tochter fragte, da war die auch fort. Der Knig schickte
Boten aus nach allen Enden der Welt, sie aufzusuchen, und lie ihr
nachluten mit allen Glocken; aber es konnte Niemand eine Spur von ihr
entdecken. -- Inzwischen trabte der Stier mit der Knigstochter fort
durch viele fremde Lnder, und endlich kamen sie zu einem groen
kupfernen Wald, wo sowohl die Bume, als die Zweige und Bltter und
Blthen von lauter Kupfer waren.

Ehe sie aber weiter reis'ten, sagte der Stier zu der Knigstochter: Wenn
wir nun in den Wald kommen, musst Du Dich wohl in Acht nehmen, da Du
auch nicht ein Blttchen anrhrst, sonst ist's aus mit Dir und mit mir;
denn es wohnt hier ein Troll mit drei Kpfen, welchem dieser Wald gehrt.
Nein, den Kukuk! sie wollte sich wohl in Acht nehmen und ja Nichts
anrhren. Darauf gingen sie sehr vorsichtig in den Wald; die Prinzessinn
schmiegte und biegte sich und hielt die Zweige mit den Hnden zurck;
aber der Wald war so dicht, da es fast nicht mglich war, hindurch zu
kommen, und wie sehr sie sich auch in Acht nahm, versah sie's doch, da
sie ein Blatt abri und es in der Hand behielt.

O weh! Was machst Du da? sagte der Stier: jetzt mu ich mich schlagen
auf Leben und Tod; aber verwahre nur gut das Blatt. Sie hatten
bald darauf das Ende des Waldes erreicht. Da kam ein groer Troll
dahergeschnoben, der hatte drei Kpfe. _Wer hat meinen Wald angerhrt?_
rief er. Das ist eben so gut mein Wald, als Deiner, sagte der Stier.
_Das wollen wir erst ausmachen!_ schrie der Troll. La uns das!
sagte der Stier. Beide rannten nun an einander, und der Stier stie und
schlug aus allen Krften; aber der Troll schlug nicht schlechter, und es
dauerte einen ganzen Tag, eh' der Stier ihn bezwingen konnte. Da war er
aber auch so mit Wunden bedeckt und so erschpft, da er nicht mehr
von der Stelle zu gehen vermochte. Sie muten sich nun den ganzen Tag
ausruhen; darauf sagte der Stier zu der Knigstochter, sie solle das
Salbenhorn nehmen, das an dem Grtel des Trollen hing, und ihn mit der
Salbe berall bestreichen. Als sie das gethan hatte, ward der Stier
sogleich wieder frisch und gesund, und am folgenden Tage setzten sie
ihre Reise fort. Sie reis'ten nun manchen lieben Tag, und endlich kamen
sie zu einem silbernen Wald; hier waren sowohl die Bume, als die Zweige
und die Bltter und Blthen von lauter Silber.

Ehe sie aber ihre Reise weiter fortsetzten, sagte der Stier zu der
Knigstochter: Wenn wir nun in den Wald kommen, musst Du Dich ja sehr
in Acht nehmen; Du darfst durchaus Nichts anrhren, und auch nicht so
Viel, als nur ein Blttchen, abreien; sonst ist es aus mit Dir und mit
mir; denn hier wohnt ein Troll mit sechs Kpfen, welchem dieser Wald
gehrt, und mit dem, glaub' ich, werd' ich's nicht aufnehmen knnen.

Nein, sagte die Knigstochter, sie wollte sich sehr in Acht nehmen und
auch nicht das Geringste anrhren. Als sie aber in den Wald kamen, war
er wieder so dicht und so eng, da sie beinahe nicht vorwrts kommen
konnten. Die Knigstochter war so vorsichtig, wie nur mglich, und bog
die Zweige, die ihr im Wege saen, mit den Hnden zur Seite; aber jeden
Augenblick schlugen ihr die Zweige in die Augen, und wie sie's auch
anfangen mochte, so ri sie doch wieder ein Blatt ab.

O weh! Was hast Du gemacht! rief der Stier: Nun mu ich mich wieder
schlagen auf Leben und Tod; denn der Troll, welcher hier wohnt, hat
sechs Kpfe und ist noch einmal so gro, als der vorige; verwahre aber
nur vorsichtig das Blatt.

Es dauerte nicht lange, so kam der Troll an. _Wer hat meinen Wald
angerhrt?_ rief er. Das ist eben so gut mein Wald, als Deiner, sagte
der Stier. _Das wollen wir erst ausmachen!_ schrie der Troll. La uns
das! sagte der Stier, fuhr auf den Trollen zu, bohrte ihm die Augen
aus und rannte ihm die Hrner mitten durch den Leib, so da die Gedrme
dabei hingen; aber der Troll wehrte sich dessen ungeachtet tapfer, und
es dauerte drei ganze Tage, eh' der Stier ihm den Garaus machte. Da
war er aber auch so elend und hinfllig, da er sich kaum noch rhren
konnte, und ber und ber war er mit Wunden bedeckt, aus welchen das
Blut herausflo. Da sagte er zu der Knigstochter, sie solle das
Salbenhorn nehmen, das an dem Grtel des Trollen hing, und ihn berall
mit der Salbe bestreichen. Das that sie denn auch, und darauf heilten
die Wunden sogleich wieder zu. Aber so matt war der Stier, da sie eine
ganze Woche lang sich ausruhen muten, eh' er im Stande war, weiter zu
gehen.

Endlich machten sie sich wieder auf den Weg; aber der Stier war immer
noch sehr schwach, und es ging daher im Anfang nur langsam. Um ihn zu
schonen, sagte die Knigstochter, sie wre jung und leicht zu Fu, sie
knnte ja gern gehen; aber das litt der Stier durchaus nicht, sie mute
sich wieder auf ihn setzen. Nun reis'ten sie eine lange lange Zeit und
kamen durch viele Lnder, und die Knigstochter wute gar nicht mehr,
wo sie in der Welt waren. Aber endlich und zuletzt kamen sie zu einem
goldnen Wald, der war so schn, da das Gold davon heruntertrpfelte;
denn sowohl die Bume, als die Zweige und die Bltter und Blthen waren
von purem Golde. Hier ging es nun wieder eben so, wie in dem kupfernen
und dem silbernen Wald. Der Stier sagte zu der Knigstochter, da sie
durchaus kein Blatt anrhren drfe; denn hier wohne ein Troll mit neun
Kpfen, dem der Wald gehre, der wre noch weit grer und strker, als
die beiden andern zusammen, und den glaubte er nun ganz und gar nicht
bezwingen zu knnen. -- Nein, sie wollte sich wohl in Acht nehmen und
durchaus Nichts anrhren, darauf knne er sich verlassen. Als sie aber
in den Wald kamen, war dieser noch weit dichter und enger, als der
silberne, und je weiter sie hineinkamen, desto schlimmer ward es: der
Wald wurde immer dichter und enger, und zuletzt schien ganz und gar kein
Durchkommen mehr. Die Knigstochter schmiegte und biegte sich und bog
die Zweige mit den Hnden zurck; aber jeden Augenblick schlugen sie ihr
in die Augen, so da sie zuletzt nicht mehr vor sich sehen konnte, und
eh' sie sich recht besann, hatte sie einen goldnen Apfel in der Hand.
Nun wurde sie entsetzlich bange und fing an zu weinen und wollte den
Apfel wieder wegwerfen; aber der Stier sagte, sie solle ihn nur behalten
und ihn wohl verwahren, und trstete sie, so gut er konnte, meinte aber
doch, es wrde ein harter Kampf werden, und wute nicht, ob's diesmal
so gut ablaufen wrde.

Es dauerte nicht lange, so kam der Troll mit den neun Kpfen an. _Wer
hat meinen Wald angerhrt?_ rief er. Das ist eben so gut mein Wald,
als Deiner, sagte der Stier. _Das wollen wir erst ausmachen!_ schrie
der Troll. La uns das! sagte der Stier, und damit rannten sie an
einander, da es ganz entsetzlich war, und die Knigstochter fiel
beinahe in Ohnmacht. Der Stier bohrte dem Trollen die Augen aus dem
Kopf und rannte ihm die Hrner durch den Leib, so da die Eingeweide
herausfielen; aber der Troll kmpfte dessen ungeachtet gleich tapfer;
denn sobald der Stier einen Kopf getdtet hatte, bliesen die andern
sogleich wieder Leben hinein, und es dauerte wohl eine ganze Woche lang,
eh' es dem Stier gelang, den Trollen gnzlich zu tdten. Aber da war er
auch so elend und hinfllig, da er sich nicht rhren konnte, und
nicht einmal war er im Stande, zu sagen, die Knigstochter solle das
Salbenhorn von dem Grtel des Trollen nehmen und ihn mit der Salbe
bestreichen; aber sie that es schon von selbst, und da ward es wieder
besser mit dem Stier; aber wohl ber drei Wochen muten sie hier
verweilen, eh' er wieder so viel Krfte gesammelt hatte, um die Reise
fortsetzen zu knnen.

Endlich ging es wieder so allmhlich vorwrts; denn der Stier sagte, sie
mten noch etwas weiter. Als sie nun eine Zeit gereis't und ber viele
mit dichten Wldern bewachsene Berge gekommen waren, gelangten sie
endlich zu einem Felsen. Siehst Du Etwas? fragte der Stier. Nein,
ich sehe Nichts, als den Himmel und die wilde Felsgegend, versetzte die
Knigstochter. Als sie aber tiefer ins Gebirge kamen, wurde die Gegend
ebener, so da sie eine weitere Aussicht hatten. Siehst Du jetzt
Etwas? fragte der Stier. Ja, ich sehe ein kleines Schlo weit in
der Ferne, sagte die Prinzessinn. Nun, das Schlo ist eben nicht so
klein, sagte der Stier. Endlich kamen sie zu einem groen Gehge mit
einer schroffen Felswand. Siehst Du jetzt Etwas? fragte der Stier
wieder. Ja, nun sehe ich ganz nahebei das Schlo; jetzt ist es weit
grer, als vorher, sagte die Knigstochter. Da sollst Du hin!
sagte der Stier: Gleich unten beim Schlo ist ein Schweinstall, wenn
Du da hineinkommst, so findest Du dort einen hlzernen Rock, den
musst Du anziehen und damit ins Schlo gehen und sagen, Du heiest _Kari
Trstak_[4], und um einen Dienst bitten. Jetzt aber sollst Du Dein
Messer nehmen und mir damit den Kopf abschneiden; alsdann streife mir
das Fell ab und lege darein das kupferne Blatt, das silberne Blatt und
den goldnen Apfel, und verwahre Alles unten bei der Felswand. Am Berge
steht ein Stock, und wenn Du dann von mir nachher Etwas willst, so
klopfe blo mit dem Stock an die Felswand.

Anfangs konnte die Prinzessinn sich durchaus nicht dazu entschlieen,
dem Stier den Kopf abzuschneiden. Wie dieser ihr aber sagte, das sei
der einzige Dank, den er fr Das, was er fr sie gethan, von ihr fordre,
da konnte sie denn nicht anders: sie nahm das Messer und schnitt ihm, so
weh es ihr auch that, damit den Kopf vom Rumpf, streifte ihm das Fell
ab, legte darein das kupferne Blatt, das silberne Blatt und den goldnen
Apfel, und verwahrte dann Alles unten bei der Felswand.

Als das geschehen war, ging sie weinend und voll groer Betrbni in den
Schweinstall; da zog sie den hlzernen Rock an und begab sich damit zum
Knigsschlo. Sie trat zuerst in die Kche ein, und bat um einen Dienst
und sagte, sie heie Kari Trstak. Ja, sagte der Koch, einen Dienst knne
sie bekommen, wenn sie im Schlo aufwaschen und rein machen wolle, denn
Die, welche das frher gethan htte, sei davon gelaufen; aber wenn Du
eine Zeitlang hier gewesen bist, wirst Du's auch wohl berdrssig und
lufst auch davon, sagte er. Nein, das wollte sie gewi nicht.

Sie blieb nun auf dem Schlo und verrichtete ihr Geschft ordentlich
und pnktlich. Eines Sonntags, als man Fremde erwartete, bat Kari um
Erlaubni, dem Prinzen das Waschwasser hinaufbringen zu drfen; aber die
Andern lachten ber sie und sagten: Was willst Du bei dem Prinzen?
Glaubst Du, der Prinz will Etwas von Dir wissen, so wie Du aussiehst?
Aber sie gab sich nicht zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr
erlaubte. Als sie nun die Treppe hinaufstieg, machte sie ein solches
Gerusch mit ihrem hlzernen Rock, da der Prinz herauskam und fragte:
Was bist Du fr Eine? -- O, ich wollte nur das Waschwasser zum
Prinzen hinauftragen, sagte sie. Glaubst Du, ich will das Wasser
haben, das _Du_ mir bringst? sagte der Prinz und go es ihr ber den
Kopf. Sie mute nun unverrichteter Sache wieder abziehen, bat aber um
Erlaubni, in die Kirche zu gehen, und das konnte man ihr denn nicht
abschlagen. Erst aber ging sie zu dem Berg und klopfte mit dem Stock an
die Felswand, so wie der Stier ihr gesagt hatte. Sogleich ffnete sich
diese, und es trat ein Mann heraus, der fragte sie, Was sie wolle. Die
Knigstochter sagte, sie htte Erlaubni bekommen, in die Kirche zu
gehen und den Prediger zu hren, aber sie htte keine Kleider anzuziehen.
Da gab der Mann ihr ein Kleid, das war so blank, wie der kupferne Wald;
und Pferd und Sattel erhielt sie auch. Als sie nun in die Kirche kam,
war sie so schn und stattlich, da Alle sich darber verwunderten und
gar nicht begreifen konnten, Wer sie sei. Fast Keiner hrte auf Das, was
der Prediger sagte, weil Alle nur sie betrachteten. Der Prinz selbst war
so in sie verliebt, da er kein Auge von ihr abwandte.

Als sie nun aus der Kirche gehen wollte, kam der Prinz ihr nach und
machte die Kirchenthr hinter ihr zu, und da geschah es, da er den
einen von ihren Handschuhen in der Hand behielt. Als sie darnach ihr
Pferd bestieg, trat der Prinz auf sie zu und fragte sie, wo sie her
wre. Ich bin aus dem Waschland, sagte Kari, und indem der Prinz den
Handschuh hervorzog, um ihr denselben zu berreichen, sprach sie:

  Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
   Auf da der junge Prinz nicht sieht,
   Wohin mich trgt mein Ro so schnell!

Der Prinz hatte noch nie einen so schnen Handschuh gesehen, und er
reis'te weit umher und fragte nach dem Lande, aus welchem die vornehme
Dame sei, die ihren Handschuh im Stich gelassen hatte; aber Niemand
konnte ihm sagen, wo es lag.

Am nchsten Sonntag sollte Einer hinaufgehen zum Prinzen und ihm ein
Handtuch bringen. Ach, darf ich nicht hinaufgehen? sagte Kari.
Warum nicht gar! sagten die Andern, die in der Kche waren: Du weit
wohl noch, wie es Dir das letzte Mal ging. Kari gab sich aber nicht
zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr erlaubte, und darnach
lief sie die Treppe hinauf in ihrem hlzernen Rock, da es nur so
rasselte. Der Prinz kam auf den Lrm heraus, und als er Kari erblickte,
ri er ihr das Tuch aus der Hand und warf es ihr an den Kopf. Pack
Dich, Du abscheuliches Trollmensch! sagte er: Glaubst Du, ich will
mich in einem Handtuch abtrocknen, das Du mit Deinen schmutzigen Fingern
angefasst hast?

Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und Kari bat um Erlaubni,
auch dahin zu gehen. Die Andern sagten aber, Was sie in der Kirche
wolle, da sie nichts Anders anzuziehen habe, als ihren hlzernen Rock,
der so schmutzig wre und so abscheulich ausshe. Aber Kari sagte, der
Prediger duchte ihr ein so wackerer Mann in seiner Rede, und sie htte
davon so groen Nutzen. Da lie man sie denn hingehen. Erst aber ging
sie zu dem Berg und klopfte mit dem Stock daran. Sogleich trat wieder
der Mann heraus und gab ihr ein Kleid, das war noch weit schner und
prchtiger, als das erste; es war berall mit Silber besetzt, so
da es glnzte, wie der silberne Wald; und ein schnes Pferd mit
silbergestickter Decke und silbernem Gebi erhielt sie auch.

Als sie zur Kirche kam, und die Kirchleute, die vor der Thr standen,
sie sahen, waren alle hchlich verwundert und konnten gar nicht begreifen,
Wer sie sei, und der Prinz trat sogleich hinzu, um ihr das Pferd zu
halten, whrend sie abstieg. Aber sie sprang schnell herunter und sagte,
es wre nicht nthig; denn ihr Pferd wre so wohl abgerichtet, da es
still stnde, wenn sie es befhle, und auf ihren Wink ginge und kme.
Darauf gingen Alle in die Kirche; aber fast Keiner hrte auf Das, was
der Prediger sagte, weil Alle nur sie betrachteten. Der Prinz aber
entbrannte diesmal noch weit mehr von Liebe, als das vorige Mal. -- Als
nun der Gottesdienst vorbei war, und sie aus der Thr ging und ihr Pferd
besteigen wollte, da trat der Prinz wieder auf sie zu und fragte sie, wo
sie her wre. Ich bin aus dem Handtuchlande, sagte die Knigstochter,
und im selben Augenblick lie sie ihre Reitgerte fallen. Als nun der
Prinz sich bckte, um sie aufzunehmen, sprach sie:

  Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
   Auf da der junge Prinz nicht sieht,
   Wohin mich trgt mein Ro so schnell!

Fort war sie, und Niemand wute, wo sie gestoben oder geflogen war. Der
Prinz reis'te nun wieder weit umher und fragte nach dem Handtuchlande;
aber es konnte ihm Keiner sagen, wo es lag, und er mute unverrichteter
Sache wieder heimkehren.

Am nchsten Sonntag sollte Einer einen Kamm zu dem Prinzen hinaufbringen.
Kari bat wieder um Erlaubni, damit hinaufzugehen; aber die Andern
erinnerten sie daran, wie es ihr das letzte Mal gegangen war, und
schalten sie, da sie sich vor dem Prinzen wollte sehen lassen, so
schwarz und hlich, wie sie ausshe in ihrem hlzernen Rock. Aber sie
hrte nicht auf, zu bitten, bis man sie endlich gehen lie. Als sie die
Treppe hinaufrasselte, kam schnell der Prinz heraus, ri ihr den Kamm
aus der Hand und warf ihn ihr an den Kopf, indem er sagte, sie solle
sich sogleich packen. Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und
Kari bat um Erlaubni, auch dahin zu gehen. Sie fragten sie wieder, Was
sie da wolle, da sie ja so schwarz und hlich wre, und nicht einmal
Kleider htte, sich vor den Leuten sehen zu lassen. Wenn der Prinz,
oder sonst Jemand Dich bemerkt, sagten sie: dann wird es sowohl Dir,
als uns schlecht gehen. Aber Kari meinte, sie htten wohl nach etwas
ganz Anderm zu sehen, als nach ihr, und hrte nicht auf, zu bitten, bis
man sie zuletzt gehen lie.

Nun ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male; Kari ging zu
dem Berg und klopfte daran mit dem Stock. Da kam wieder der Mann heraus
und gab ihr ein Kleid, das war noch weit prchtiger, als das vorige;
denn es war von purem Golde und mit vielen Diamanten besetzt; und ein
Pferd mit golddurchwirkter Decke und goldenem Gebi erhielt sie auch.

Als die Knigstochter zur Kirche kam, standen der Prediger und die
Kirchleute noch vor der Thr und warteten auf sie. Der Prinz wollte ihr
das Pferd halten; aber sie sprang schnell herunter und sagte: Es ist
nicht nthig; denn mein Pferd ist so gut abgerichtet, da es von selber
still steht, wenn ich es befehle. Hierauf gingen Alle in die Kirche,
und der Prediger stieg auf die Kanzel. Aber Keiner hrte auf Das, was
er sagte, weil Alle nur sie betrachteten und sich den Kopf darum
zerbrachen, wo sie doch wohl her sein mchte. Der Prinz aber entbrannte
jetzt noch mehr von Liebe, als das vorige Mal; er hrte und sah nichts
Anders, als nur sie.

Wie der Gottesdienst beendigt war, und die Knigstochter aus der Kirche
gehen wollte, hatte der Prinz eine Btte voll Theer in der Vorhalle
hingegossen, damit er ihr behlflich sein knne, wenn sie hinber
wollte; aber sie bekmmerte sich nicht darum, sondern setzte den Fu
mitten in den Theer und sprang hinber; aber da blieb der eine von ihren
goldnen Schuhen am Boden sitzen. Als sie ihr Pferd bestiegen hatte, trat
der Prinz wieder auf sie zu und fragte sie, wo sie her wre. Ich bin
aus dem Kammlande, sagte Kari. Als ihr aber der Prinz den goldnen
Schuh reichen wollte, sprach sie:

  Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
   Auf da der junge Prinz nicht sieht,
   Wohin mich trgt mein Ro so schnell!

Der Prinz wute nun wieder nicht, wo sie geblieben war, und reis'te eine
lange Zeit in der Welt herum und fragte nach dem Kammlande; da ihm aber
Niemand sagen konnte, wo es lag, lie er bekannt machen, da Diejenige,
welcher der goldne Schuh passe, seine Gemahlinn werden solle. Es fanden
sich nun Schne und Hliche ein von allen Enden der Welt; aber Keine
hatte einen so kleinen Fu, da ihr der goldne Schuh pate. Endlich kam
auch die bse Stiefmutter der Kari Trstak mit ihrer Tochter an, und
der letztern pate der Schuh. Aber sie war so hlich und sah so recht
vergrtzt aus, da der Prinz nur ungern sein Wort hielt. Es wurde jedoch
zur Hochzeit angerichtet, und die Tochter ward aufgeputzt wie eine
Braut. Als aber der Prinz mit ihr zur Kirche ritt, sa da ein kleiner
Vogel in einem Baum, der sang:

  Ein Stck von der Ferse,
   Ein Stck von der Zeh!
   Kari's Schuh ist voll Blut,
   Das thut der Braut so weh.

Und als sie zusahen, da hatte der Vogel recht gesungen; denn das Blut
sickerte aus dem Schuh heraus. Nun muten alle Dienstdirnen und alle
Frauensleute, die auf dem Schlo waren, den Schuh anprobiren; aber es
war keine einzige darunter, die ihn anbekommen konnte. Wo ist denn
aber Kari Trstak? fragte endlich der Prinz, da alle Andern den Schuh
anprobirt hatten; denn er verstand sich gut auf Vogelgesang, und wute
wohl, wie's geklungen hatte. Ach, die! sagten die Andern: mit ihr
kann's nichts ntzen; denn sie hat Beine, so gro wie Pferdefe. --
Kann sein! sagte der Prinz: aber da alle Andern den Schuh anprobirt
haben, so soll sie ihn auch anprobiren. Kari! rief er zur Thr hinaus,
und Kari die Treppe herauf in ihrem hlzernen Rock, da es nur so
rasselte. Nun sollst Du auch den Schuh anprobiren und Prinzessinn
werden! sagten die andern Dirnen und lachten und hatten sie zum besten.
Kari aber nahm den Schuh, steckte den Fu hinein wie gar Nichts, warf
ihren Holzrock ab und stand nun da in ihrem goldnen Kleid, da es nur so
glitzerte; und an dem andern Fu trug sie den andern goldnen Schuh. Als
der Prinz sie nun wieder erkannte, war er ber alle Maen froh, lief
auf sie zu, umarmte und kte sie. Und als er nun erfuhr, da sie eine
Knigstochter war, da freu'te er sich noch mehr, und darauf wurde die
Hochzeit gehalten.

   Un nipp, napp, nuut!
   So is dat Leuschen uut.




20.

Der Fuchs als Hirte.


Es war einmal eine Frau, die ging aus und wollte sich einen Hirten
miethen. Da begegnete ihr der Br. Wo willst Du hin? fragte der Br
sie. O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen, antwortete die Frau.
Willst Du mich zum Hirten haben? fragte der Br. Ja, wenn Du blo
hbsch locken kannst, sagte die Frau. _H_--i! sagte der Br. Nein,
Dich will ich nicht haben, sagte die Frau, als sie das hrte, und ging
weiter.

Da begegnete ihr der Wolf. Wo willst Du hin? fragte der Wolf. O, ich
wollte mir nur einen Hirten miethen, antwortete die Frau. Willst Du
mich zum Hirten haben? fragte der Wolf. Ja, kannst Du auch hbsch
locken? sagte die Frau. _Uh_--_uh!_ sagte der Wolf. Nein, Dich will
ich nicht haben, sagte die Frau.

Ein Ende weiter hin begegnete ihr der Fuchs. Wo willst Du hin? fragte
der Fuchs. O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen, antwortete die
Frau. Willst Du mich zum Hirten haben? fragte der Fuchs. Ja, wenn Du
blo hbsch locken kannst, sagte die Frau. _Dil_ -- _dal_ -- _holom!_
sagte der Fuchs noch so hbsch und artig. Ja, Dich will ich haben,
sagte die Frau und nahm den Fuchs zum Hirten bei ihrem Vieh an.

Am ersten Tage, wie der Fuchs das Vieh auf die Weide trieb, fra er alle
Ziegen auf, den zweiten Tag lie er sich die Schafe schmecken, und den
dritten Tag muten die Khe daran. Als er darauf am Abend nach Hause
kam, fragte die Frau ihn, wo er das Vieh gelassen htte. Der Kopf ist
im Bach, und der Rumpf im Busch, sagte der Fuchs. Die Frau stand eben
bei ihrem Butterfa und butterte; aber sie wollte doch selbst zusehen;
whrend sie nun zusah, steckte der Fuchs den Kopf ins Butterfa und fra
allen Rahm auf. Als die Frau zurckkam und das gewahr ward, da wurde sie
so erbittert, da sie einen Rahmklumpen nahm, der noch im Butterfa sa,
und damit nach dem Fuchs warf, so da er einen Klatsch am Schwanz bekam.
Davon kommt es, da der Fuchs einen weien Schwanzzipfel hat.




21.

Vom Schmied, den der Teufel nicht in die Hlle lassen durfte.


In jenen Tagen, da unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden
einherwandelten, kamen beide einmal zu einem Schmied; dieser hatte
mit dem Teufel den Contract gemacht, da er nach sieben Jahren ihm
gehren solle, wogegen er in der Zeit ein Meister aller Meister in der
Schmiedekunst sein sollte, und den Contract hatte sowohl der Schmied,
als der Teufel, jeder mit seinem Namen, unterschrieben. Darum hatte der
Schmied auch mit groen Buchstaben ber die Thr seiner Schmiede die
Worte setzen lassen: Hier wohnt der Meister aller Meister. Als nun der
Herr Christus kam und die Schrift sah, ging er hinein. Wer bist Du?
fragte er den Schmied. Lies, Was ber der Thr steht, antwortete
dieser: kannst Du aber nicht Geschriebenes lesen, so musst Du warten,
bis Einer kommt, der es Dir lies't. Ehe der Herr ihm noch darauf
geantwortet hatte, kam ein Mann mit einem Pferd in die Schmiede und bat
den Schmied, es ihm zu beschlagen. Willst Du mir erlauben, da ich es
beschlage? sagte der Herr Christus. Du magst es versuchen, sagte der
Schmied: schlimmer kannst Du's nicht machen, als da ich's nicht wieder
sollte gut machen knnen. Der Herr ging nun zu und nahm dem Pferd das
eine Vorderbein ab, legte es in die Esse und machte das Hufeisen glhend;
darauf nahm er Ngel und einen Hammer und beschlug es, und setzte es
dann wieder unbeschdigt dem Pferd an. Als das geschehen war, nahm er
das andre Vorderbein ab und machte es damit eben so. Und als er auch
das wieder angesetzt hatte, nahm er die beiden Hinterbeine, erst den
rechten, und nachher den linken, legte sie in die Esse, machte das
Hufeisen glhend, nahm Ngel und den Hammer und beschlug sie, und setzte
sie dann dem Pferd wieder an. Der Schmied stand inzwischen da und sah
das mit an. Du bist aber kein so schlechter Schmied! sagte er. Meinst
Du? sagte der Herr Christus.

Ein wenig darnach kam die Mutter des Meisters in die Schmiede und bat
den Schmied, er mchte zu Hause kommen und sein Mittag essen; sie war
schon sehr alt, hatte einen krummen Rcken und Runzeln im Gesicht und
konnte nur mit genauer Noth noch gehen. Gieb jetzt Acht, Was Du
siehst! sagte der Herr, nahm die Frau, legte sie in die Esse und
schmiedete eine junge schne Jungfrau aus ihr. Ich sage, wie ich gesagt
habe. Du bist gar kein so schlechter Schmied, sagte der Schmied: Es
steht zwar ber meiner Thr: Hier wohnt der Meister aller Meister,
aber gleichwohl sag' ich, man lernt so lange man lebt, und damit ging
er in's Haus und a sein Mittag.

Als er wieder zurck in die Schmiede gekommen war, kam ein Mann
geritten, der wollte sein Pferd beschlagen lassen. Das soll bald
gemacht sein! sagte der Schmied: ich habe jetzt eben eine neue Methode
zu beschlagen gelernt, die ist gut, wenn die Tage kurz sind, und damit
fing er an, dem Pferd die Beine abzubrechen und schnitt und brach so
lange, bis er sie alle ab hatte; denn, sagte er: ich wei nicht, wozu
es soll, immer mit einem und einem zu bruddeln. Die Beine legte er in
die Esse, so wie er gesehen hatte, da der Andre es gemacht, legte dann
brav Kohlen zu und lie die Schmiedejungen frisch den Blasebalg ziehen.
Aber es ging, wie man sich's wohl denken kann: die Beine verbrannten,
und der Schmied mute das Pferd bezahlen. Das wollte ihm nun gar nicht
gefallen. Als aber ein altes armes Weib vorberging, dachte er: Gelingt
nicht das Eine, so gelingt wohl das Andre, nahm das Weib und legte es
in die Esse, und wie sehr sie auch weinen und um ihr Leben bitten
mochte, es half ihr nichts. Du siehst gar nicht Deinen eignen Vortheil
ein, sagte der Schmied: nun sollst Du im Augenblick wieder eine schne
Jungfrau werden, und will doch fr meine Mhe keinen Schilling von Dir
nehmen. Es ging aber mit dem armen Weibe nicht besser, als mit dem
Pferd. Das war nicht gut gemacht! sagte der Herr Christus. O, es
wird wohl nicht viel von ihr die Rede sein, sagte der Schmied: aber
schndlich ist es von dem Teufel, da er nicht besser sein Wort hlt,
wie's ber der Thr steht! -- Wenn ich Dir nun drei Wnsche gewhrte,
sagte der Herr: Was wolltest Du Dir dann wohl wnschen? -- Versuch
es, sagte der Schmied: dann wirst Du's erfahren. Da gab der Herr
Christus ihm drei Wnsche; und nun sagte der Schmied: Zu allererst
wnsche ich, da Der, welchen ich auf jenen Birnbaum klettern heie,
so lange drauf sitzen bleibe, bis es mir gefllt, ihn wieder herunter
zu lassen; fr's zweite wnsche ich, da Der, welchen ich in meinen
Lehnstuhl sich niedersetzen heie, so lange drin sitzen bleibe, bis
ich ihm wieder aufzustehen erlaube; und endlich wnsche ich, da Der,
welcher in den sthlernen Geldbeutel kriecht, den ich in meiner
Tasche habe, so lange drin bleibe, bis ich ihm Erlaubni gebe, wieder
herauszukriechen. -- Du hast gewnscht wie ein thrichter Mann, sagte
St. Petrus: zuerst und vornehmlich httest Du Dir Gottes Gnade und
Freundschaft wnschen sollen. -- Ich durfte nicht so hoch hinaus,
sagte der Schmied. Hierauf nahmen unser Herr Christus und St. Petrus
Abschied von ihm und gingen weiter.

Die Zeit verstrich allmhlich, und endlich war die Frist um, und der
Teufel kam und wollte den Schmied holen, so wie im Contracte stand.
Bist Du fertig? fragte der Teufel und steckte den Kopf zur Thr
hinein. Ach, sagte der Schmied: ich mu nothwendig noch erst einen
Kopf an diesem Nagel schlagen; steige Du indessen auf den Birnbaum und
pflcke Dir eine Birne; denn Du bist wohl hungrig und durstig von der
Reise. Der Teufel dankte fr gutes Anerbieten und kletterte auf den
Birnbaum. Ja, wenn ich's recht bedenke, sagte der Schmied: so krieg
ich in den ersten vier Jahren den Kopf noch gar nicht an dem Nagel
zurecht geschlagen; denn das Eisen ist so verteufelt hart. Herunter
darfst Du aber in dieser Zeit nicht, sondern kannst so lange da sitzen
bleiben und Dich ausruhen. Der Teufel bat und bettelte, so dnn wie
ein Blechpfennig, der Schmied mchte ihn doch wieder herunterlassen;
aber all sein Bitten und Betteln half ihm nichts. Zuletzt mute er dem
Schmied versprechen, er wolle nicht eher wiederkommen, als bis die vier
Jahre um wren; und da durfte er denn wieder herunter.

Als nun die Zeit verstrichen war, kam der Teufel abermals, um den
Schmied zu holen. Nun hast Du wohl endlich den Kopf an dem Nagel
fertig, sagte er. Ja, den Kopf hab' ich fertig, versetzte der
Schmied: aber dennoch kommst Du mir ein ganz klein wenig zu frh, denn
ich habe noch die Spitze nicht geschrft; so verdammt hartes Eisen hab'
ich noch nie zuvor geschmiedet. Whrend ich nun die Spitze an dem Nagel
schrfe, kannst Du Dich ein wenig in meinen Lehnstuhl niederlassen und
Dich ausruhen; denn Du bist wohl mde von der Reise, kann ich mir
denken. -- Ich danke fr gutes Anerbieten, sagte der Teufel und
setzte sich in den Lehnstuhl. Kaum aber hatte er sich niedergesetzt,
so sagte der Schmied: Wenn ich's nun recht bedenke, so krieg' ich die
Spitze in den ersten vier Jahren noch gar nicht geschrft. Der Teufel
bat anfangs sehr hflich, der Schmied mchte ihn doch wieder frei lassen,
und da alles Bitten nichts half, fing er an zu drohen. Aber der Schmied
entschuldigte sich und sagte, das Eisen wre an Allem schuld, denn es
wre so verdammt hart. brigens trstete er den Teufel und sagte, er
se in seinem Stuhl ja bequem und gemchlich, er solle sich die Zeit
nicht lang werden lassen, denn um vier Jahre solle er auf die Minute
wieder frei werden. Es war nun kein andrer Rath: der Teufel mute ihm
versprechen, ihn nicht eher holen zu wollen, als bis die vier Jahre um
wren. Als er ihm das versprochen hatte, sagte der Schmied: So magst Du
denn wieder aufstehen. Der Teufel -- hast Du mich nicht gesehen! auf
und davon.

Nach vier Jahren kam der Teufel abermals, um den Schmied zu holen. Nun
bist Du wohl endlich fertig, sagte er, indem er den Kopf zur Thr
hereinsteckte. Fix und fertig! antwortete der Schmied: und jetzt kann's
losgehen, wann Du willst. Aber, sagte er: da ist Eins, worber ich
mir oft den Kopf zerbrochen habe; sage mir doch, ist es wahr, Was die
Leute sagen, da der Teufel sich so klein machen kann, als er will?
-- Freilich ist es wahr! versetzte der Teufel. O, dann knntest Du mir
wohl den Gefallen thun und in diesen sthlernen Beutel hineinkriechen
und zusehen, ob im Boden kein Loch ist, sagte der Schmied: ich bin so
bange, da ich mein Reisegeld daraus verliere. -- Recht gern, sagte
der Teufel, machte sich ganz klein und kroch in den Beutel. Kaum aber
war er hinein, so machte der Schmied den Beutel zu. Er ist berall
ganz und dicht, sagte der Teufel drinnen. Na, das ist nur gut, sagte
der Schmied: aber besser ist's, vorbedacht, als klug nachher; darum
will ich Sicherheits halber den Beutel lieber ein wenig schweien, und
damit legte er den Beutel in die Esse und machte ihn glhend. Au! au!
bist Du denn toll? rief der Teufel: weit Du nicht, da ich drinnen
bin? -- Ich kann Dir nicht helfen, sagte der Schmied: ein altes
Sprichwort sagt: Man mu das Eisen schmieden, whrend es warm ist,
und damit nahm er seinen groen Hammer, legte den Beutel auf den Ambo
und schlug zu all was er konnte. Au! au! schrie der Teufel im Beutel:
la mich blo hinaus, ich will auch nun und nimmermehr wiederkommen.
-- Ja, ich glaube, jetzt ist er gut geschweit, sagte der Schmied: so
magst Du denn wieder herauskriechen. Damit machte er den Beutel auf,
und der Teufel heraus und auf und davon in solcher Hast, da er sich
auch nicht einmal umsah.

Als aber eine Zeit vergangen war, dachte der Schmied, er htte doch wohl
unrecht gethan, sich den Teufel zum Unfreund zu machen; denn, dachte
er: sollte ich nicht in den Himmel kommen, so knnte ich riskiren,
keine Herberge zu finden, weil ich mich mit Dem, der das Regiment in der
Hlle hat, berworfen habe; darum ist's besser, ich versuche, je eher,
je lieber, entweder in die Hlle, oder in den Himmel zu kommen, damit
ich doch wei, woran ich bin, und damit nahm er seinen Hammer auf den
Nacken und machte sich auf den Weg. Als er ein gutes Ende gegangen war,
kam er zu einem Kreuzweg, wo die Strae zum Himmel und die Strae zur
Hlle sich theilen. Da traf er mit einem Schneidergesellen zusammen, der
mit seinem Bgeleisen in der Hand dahin trippelte. Guten Tag! sagte
der Schmied: wo geht die Reise hin? -- Nach dem Himmel, sagte der
Schneider: wenn ich blo hineinschlpfen knnte -- und Du? -- Wir
gehen dann wohl nicht zusammen, sagte der Schmied: ich habe gedacht,
es erst in der Hlle zu versuchen; denn ich habe ein wenig Bekanntschaft
mit dem Teufel von frherher. Darauf nahmen sie von einander Abschied,
und jeder zog seine Strae. Aber der Schmied war ein starker, krftiger
Mann und ging weit schneller, als der Schneider, und da dauerte es nicht
lange, so stand er vor der Hllenpforte. Er lie sich von der Wache
anmelden und sagen, es stnde Jemand drauen vor der Hlle, der wolle
gern ein Wort mit dem Teufel sprechen. Geh hinaus und frage, Wer es
ist, sagte der Teufel zu der Wache, und die Wache ging hinaus. Gre
nur den Teufel von mir, war die Antwort: und sage ihm, es sei der
Schmied, der den Beutel htte -- er wte wohl, und dann bitt' ihn, da
er mich nur gleich hineinlasse; denn erstlich hab' ich heut den ganzen
Vormittag geschmiedet, und dann hab' ich einen langen Weg gemacht. Als
der Teufel diesen Bescheid erhielt, befahl er der Wache, alle neun
Schlsser an der Hllenpforte zuzumachen und noch ein groes Hngeschlo
vorzulegen; denn, sagte er: kommt er herein, so richtet er lauter
Unfug in der Hlle an. -- Hier ist also kein Quartier fr dich!
sagte der Schmied bei sich selbst, als er hrte, wie man drinnen die
Pforte verrammte: ich mu es darum wohl im Himmel versuchen, und damit
machte er Kehrum, ging zurck nach dem Kreuzweg und schlug die Strae
ein, die der Schneider gegangen war. Weil es ihn nun verdro, da er den
langen Weg hin und zurck hatte gehen mssen ohne Nutzen, holte er aus,
was er nur konnte, und kam eben bei der Himmelspforte an, als St. Petrus
sie ein wenig ffnete, um den Schneider hineinzulassen. Der Schmied war
wohl noch sechs bis sieben Schritte davon. Jetzt ist es am besten, da
ich mich spute, dachte er, griff nach seinem Hammer und warf ihn in die
Thrritze, als eben der Schneider hineinschlpfte. Kam der Schmied aber
nicht durch die ffnung hinein, so wei ich nicht, wo er geblieben ist.




22.

Der Hahn und die Henne[5].


_Die Henne._ Du versprichst mir Schuh Jahr aus, Jahr ein, und ich krieg'
nimmer keine Schuh nicht.

_Der Hahn._ Kannst Du warten, so kriegst Du wohl Schuh.

_Die Henne._ Ich lege Eier und thu', Was ich kann, und doch geh' ich
barfu allezeit.

_Der Hahn._ So nimm Deine Eier und reise nach der Stadt und kauf Dir
Schuh und geh nicht lnger barfu!




23.

Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn.


Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn hatten einmal eine Kuh zusammen
gekauft. Da es nun nicht anging, sie zu theilen, und sie sich auch nicht
um die Ausbezahlung vergleichen konnten, kamen sie dahin berein, da
Der, welcher am Morgen zuerst erwachte, die Kuh haben solle. Darauf
erwachte der Hahn zuerst:

  Mein ist die Kuh!
   Mein ist die Kuh!

rief der Hahn. Whrend der Hahn noch krh'te, erwachte der Kukuk:

  Halb Kuh!
   Halb Kuh!

rief der Kukuk. Whrend der Kukuk noch rief, erwachte der Auerhahn:

  Theilt, meine Brder,
   Wie recht und billig --
   Recht und billig!
   Tschio! tschi!

rief der Auerhahn. Kannst Du mir nun sagen, Wer jetzt die Kuh haben
sollte?




24.

Lillekort.[6]


Es waren einmal ein Paar Eheleute, die wohnten in einer elenden Htte,
worin Nichts war, als die liebe Armuth; denn sie hatten weder zu beien,
noch zu brocken. Hatten sie aber sonst Nichts, so hatten sie doch einen
Gottessegen an Kindern, und jedes Jahr bekamen sie noch mehr. Nun war es
eben um die Zeit, da sie wieder eins erwarteten. Darber war der Mann
sehr verdrielich und murrte und brummte den ganzen Tag und sagte,
nachgerade knne es doch wohl einmal Genug sein von diesen Gaben Gottes.
Und als die Zeit kam, da die Frau gebren sollte, ging er fort ins Holz,
weil er, wie er sagte, den neuen Schreihals nicht hren wollte; denn er
bekme ihn doch noch frh genug zu hren, sagte er: wenn er nachher nach
Essen grlte.

Als der Mann gegangen war, gebar die Frau einen allerliebsten Knaben,
der sah sich in der Stube rings um, that den Mund auf und sprach: Liebe
Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brdern und einen
Schnappsack mit Essen auf ein paar Tage; dann will ich hinauswandern in
die Welt und mein Glck versuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
noch Kinder genug zu ernhren. -- Ach, Gott helfe mir, mein Sohn!
sagte die Mutter: Du bist ja noch viel zu klein, um schon in die Welt
auszuwandern; das kann ich nimmermehr zugeben. Aber der Knabe bat so
lange, bis die Mutter ihm zuletzt einige alte Lappen zusammensuchte
und ihm etwas Essen in ein Tuch knpfte, und damit schritt er froh und
frhlich hinaus in die Welt. Kaum aber war er gegangen, so gebar die
Frau noch einen Knaben, der sah auch um sich her und sagte darauf: Ach,
liebe Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brdern und
auf ein paar Tage zu essen, dann will ich hinauswandern in die Welt und
meinen Zwillingsbruder aufsuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
noch Kinder genug zu ernhren. -- Ach, Gott helf mir! Du bist ja noch
viel zu klein, Du armer Wicht! sagte die Frau: das kann ich nimmermehr
zugeben. Aber der Knabe bat so lange, bis sie ihm denn einige alte
Lappen zusammensuchte und ihm etwas Essen in ein Tuch knpfte, und damit
wanderte er noch so mannhaft in die Welt hinaus, um seinen Zwillingsbruder
aufzusuchen. Als er nun eine Zeitlang fortgewandert war, wurde er seinen
Bruder ansichtig. Holla, heda! rief er ihm zu: Du legst ja los, als
ob's fr Geld ginge. Du httest doch erst ein wenig warten und Dich
nach Deinem jngern Bruder umsehen sollen, eh' Du so patzig in die Welt
hinausmarschirtest. Der lteste Bruder stand still und sah sich nach
ihm um, und als nun der jngste zu ihm gekommen war und ihm erzhlt
hatte, wie die Sache zusammenhing, und da er sein Bruder sei, sagte er:
Aber jetzt wollen wir uns hier niedersetzen und mal zusehen, Was unsre
Mutter uns zum Mundschmack mitgegeben hat, und darauf setzten sie sich
nieder und erfrischten sich.

Wie sie nun etwas weiter gegangen waren, kamen sie zu einem Bach, der
durch ein grnes Feld flo. Da sagte der jngste: Hier wollen wir
einander einen Namen geben, da man uns zu Hause doch nicht getauft hat,
weil wir so schnell ausgewandert sind. -- Wie willst Du denn heien?
fragte der lteste. Ich will _Lillekort_ heien, erwiederte der andre:
und Du? -- Ich will _Knig Lavring_ heien, sagte der lteste. Nun
tauften sie einander und gingen dann weiter. Endlich kamen sie zu einem
Kreuzweg, und nun wurden sie darber einig, da jeder seine eigne Strae
ziehen sollte. Sie trennten sich daher; aber sie waren noch nicht sehr
weit gegangen, so trafen sie wieder zusammen. Sie trennten sich darauf
abermals, und jeder zog seine Strae; aber ehe sie sich's versahen,
waren sie wieder beisammen, und so geschah es auch zum dritten Mal. Da
verabredeten sie, da jeder nach einer besondern Richtung, nmlich der
eine nach Osten, und der andre nach Westen, gehen solle. Kommst Du aber
einmal in Noth und groe Gefahr, sagte der lteste: dann rufe mich nur
dreimal laut bei Namen, alsdann werde ich Dir zu Hlfe kommen; aber Du
musst mich ja nicht rufen, eh' Du nicht in der uersten Noth bist. --
Dann wird's wohl lange dauern, eh' wir uns wiedersehen, versetzte
Lillekort. Darauf sagten sie einander Lebewohl, und jeder zog seines
Weges, Lillekort nach Osten, und Knig Lavring nach Westen.

Als nun Lillekort eine gute Weile gewandert hatte, begegnete ihm
ein altes, krummpuckliges Weib, das nur _ein_ Auge hatte; das stahl
Lillekort ihr. Au! au! rief das Weib: wo ist mein Auge geblieben?
-- Was giebst Du mir, wenn ich's Dir wiedergebe? sagte Lillekort.
Ich gebe Dir ein Schwert, womit Du eine ganze Kriegsmacht niedermetzeln
kannst, und wenn sie auch noch so gro wre, antwortete das Weib. Ja,
gieb her! sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf das Schwert und
erhielt dafr ihr Auge zurck. Nun ging Lillekort weiter, und nach einer
Weile begegnete ihm wieder ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_
Auge, das stahl Lillekort ihr, eh' sie wute, wie ihr geschah. Au! au!
wo ist mein Auge geblieben? rief sie. Was giebst Du mir, wenn ich's
Dir wiedergebe? sagte Lillekort. Ein Schiff, das ber S- und
Salzwasser, ber Berg' und tiefe Thler geht, antwortete das Weib. Ja,
gieb her! sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf ein ganz kleines
Schiff, so klein, da man's in die Tasche stecken konnte, und dafr
erhielt sie ihr Auge zurck, und jeder ging seines Weges. Als Lillekort
nun wieder eine gute Strecke gewandert war, begegnete ihm zum dritten
Mal ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_ Auge; das stahl Lillekort
ebenfalls, und als das Weib schrie und sich geberdete und fragte, wo ihr
Auge geblieben sei, sagte Lillekort: Was giebst Du mir, wenn ich's Dir
wiedergebe? -- Ich lehre Dir die Kunst, hundert Lasten Malz auf einmal
zu verbrauen, sagte sie. Fr diese Kunst erhielt nun das Weib ihr Auge
zurck, und jeder zog seines Weges.

Als nun Lillekort ein kleines Ende gegangen war, wollte er einmal das
Schiff probiren. Er nahm es daher aus der Tasche und steckte den einen
Fu hinein; da ward das Schiff weit grer; und als er nun auch den
andern Fu nachzog, ward es so gro, wie die Schiffe, die in der See
gehen. Da sprach Lillekort: Fahr hin ber Salzwasser und Swasser,
ber Berg' und tiefe Thler, bis da du kommst zu des Knigs Schlo!
-- und fort saus'te das Schiff, wie ein Vogel durch die Luft, bis da es
zum Knigsschlo kam; da stand es still. Drinnen im Schlo aber hatten
die Leute von den Fenstern aus gesehen, wie Lillekort dahergesegelt kam.
Darber waren nun Alle sehr verwundert und liefen hinunter, um zu sehen,
was Das fr Einer wre, der so auf einem Schiff durch die Luft gefahren
kam. Whrend sie aber hinunterliefen, war Lillekort schon aus seinem
Schiff herausgestiegen und hatte es wieder in die Tasche gesteckt; denn
sowie er nur mit den Fen hinaustrat, ward es wieder so klein, als es
war, da er es von der Alten bekommen hatte. Die Leute vom Knigsschlo
sahen nun nichts Anders, als einen kleinen in Lumpen gehllten Knaben,
der da am Ufer stand. Der Knig fragte ihn, wo er her wre. Der Knabe
aber sagte, das wte er nicht, und eben so wenig wute er zu sagen, auf
welche Weise er hergekommen sei, bat aber instndig um einen Dienst auf
dem Schlo und sagte, wenn sie nichts Anders fr ihn zu thun htten, so
knne er ja der Kchinn Holz und Wasser zutragen. Diese Bitte ward ihm
denn auch gewhrt. Als Lillekort aber auf das Schlo kam, sah er, da
Alles, sowohl inwendig, als auswendig, selbst die Wnde und das Dach,
mit Schwarz bezogen war. Er fragte dehalb die Kchinn, Was das zu
bedeuten htte. Das will ich Dir sagen, antwortete die Kchinn: Die
Knigstochter ist schon vor langer Zeit an drei Trollen versprochen
worden, und am nchsten Donnerstag-Abend wird der eine kommen und sie
abholen. Der Ritter _Rd_ hat sich zwar verbrgt, sie zu befreien; aber
Gott mag wissen, ob er's kann, und darum ist hier Alles so voll Sorge
und Betrbni, wie Du wohl denken kannst.

Als es nun am Donnerstag-Abend um die Zeit war, fhrte der Ritter _Rd_
die Prinzessinn hinaus ans Meerufer -- denn da war es, wo der Troll sie
abholen wollte -- und da sollte nun der Ritter _Rd_ sie in Schutz
nehmen; aber er that dem Trollen eben keinen groen Schaden, will ich
glauben; denn kaum hatte die Prinzessinn sich am Ufer niedergesetzt, so
kroch der Ritter auf einen groen Baum, welcher da stand, und verbarg
sich zwischen die Zweige, so gut er konnte. Die Prinzessinn weinte und
bat ihn so flehentlich, er mchte sie doch nicht verlassen; aber der
Ritter _Rd_ achtete nicht auf ihr Bitten, sondern sagte: Es ist besser,
da Einer das Leben verliert, als da Zwei umkommen.

Inzwischen bat Lillekort die Kchinn um Erlaubni, ein wenig an den
Strand zu gehen. O, Was willst Du da? sagte die Kchinn: Du hast da
Nichts zu thun. -- Ach ja, liebe Kchinn, la mich nur hingehen,
sagte Lillekort: ich wollte so gern mit den andern Kindern ein wenig
spielen. -- Na, geh denn! sagte die Kchinn: aber da Du nur nicht
lnger ausbleibst, als bis der Kessel zum Abendessen ber's Feuer
gehngt, und der Braten an den Spie gesteckt wird! und bring' dann
einen tchtigen Armvoll Holz mit in die Kche! Ja, das wollte Lillekort
nicht vergessen, und damit lief er fort ans Ufer.

Als er eben dort ankam, wo die Knigstochter sa, kam auch schon der
Troll dahergesaus't, er war so gro und so dick, da es ganz abscheulich
aussah, und fnf Kpfe hatte er. _Feuer!_ schrie der Troll. Feuer
gleichfalls! sagte Lillekort. _Kannst Du fechten?_ rief der Troll.
Kann ich's nicht, so kann ich's lernen, sagte Lillekort. Darauf schlug
der Troll mit einer dicken eisernen Stange, die er in der Faust hielt,
nach ihm, so da die Erde ihm fnf Ellen hoch ber den Kopf flog.

Twi! sagte Lillekort: Das war auch was Rechtes! Nun sollst Du aber
einen Schlag von mir sehen! und damit ergriff er sein Schwert, das er
von dem alten krummpuckligen Weib bekommen hatte, und hieb damit nach
dem Trollen, so da alle fnf Kpfe ber den Sand hinflogen. Als die
Prinzessinn sich nun befrei't sah, war sie so froh, da sie sich vor
Freude gar nicht zu lassen wute. Schlaf nun ein Stndchen auf meinem
Scho! sagte sie zu Lillekort, und whrend er nun auf ihrem Scho lag
und schlief, zog sie ihm ein goldnes Kleid an.

Nun dauerte es nicht lange, so kroch der Ritter _Rd_ wieder vom Baum
herunter, weil er sah, da jetzt keine Gefahr mehr fr ihn vorhanden war.
Er brachte die Prinzessinn durch Drohungen dahin, da sie sagen mute,
_er_ sei es, der sie befrei't habe, und wenn sie das nicht sagte, wollte
er ihr das Leben nehmen. Darauf schnitt er dem Trollen die Lungen aus
dem Leib und die Zungen aus den Kpfen, und fhrte dann die Prinzessinn
wieder zurck nach dem Knigsschlo. Und hatte man dem Ritter zuvor
keine Ehre angethan, so that man es jetzt; der Knig wute gar nicht,
Was er alles ersinnen sollte, um ihn zu ehren, und immer mute der
Ritter _Rd_ bei Tafel ihm zur Seite sitzen. Lillekort aber begab sich
auf das Trollschiff, nahm eine ganze Menge goldne und silberne Fareifen,
und damit kehrte er zurck nach dem Schlo. Als die Kchinn all das Gold
und Silber sah, das er brachte, war sie ganz erstaunt darber und sagte:
Mein lieber kleiner Lillekort, wo hast Du denn all die schnen Sachen
herbekommen? denn sie befrchtete, er mchte nicht auf eine ehrliche
Weise dazu gekommen sein. O, antwortete Lillekort: ich bin zu Hause
gewesen, und da waren diese Reifen von einem Eimer abgefallen, und da
hab' ich sie fr Dich mitgenommen. Als die Kchinn hrte, da sie die
Reifen haben solle, fragte sie nicht weiter, sondern bedankte sich bei
Lillekort, und damit war Alles gut.

Den andern Donnerstag-Abend ging es wieder eben so: Alle waren voll Sorge
und Betrbni; allein der Ritter _Rd_ sagte, htte er die Knigstochter
von dem einen Trollen befrei't, so wrde er sie jetzt auch wohl von dem
zweiten befreien, und damit geleitete er sie noch so kecklich wieder
hinaus ans Meerufer. Aber er that auch diesmal dem Trollen eben keinen
groen Schaden; denn als es um die Zeit war, da man den Trollen
erwartete, sagte er wieder, wie das vorige Mal: Es ist besser, da
Einer das Leben verliert, als da Zwei umkommen, und damit kroch er
wieder auf den Baum.

Lillekort aber bat die Kchinn wieder um Erlaubni, ein wenig an den
Strand zu gehen. O, Was willst Du da? sagte die Kchinn. Ja, liebe
Kchinn, la mich nur gehen, sagte Lillekort: ich wollte gern mit den
andern Kindern ein wenig spielen. Da gab sie ihm denn auch diesmal
Erlaubni; aber das mute er ihr versprechen, da er zurck sein wollte,
wenn der Braten gewendet werden sollte, und dann mte er einen guten
Armvoll Holz mitbringen.

Kaum war Lillekort am Ufer angelangt, so kam auch schon der Troll daher,
da es nur so saus'te; er war noch einmal so gro, als der vorige, und
hatte zehn Kpfe. _Feuer!_ schrie der Troll. Feuer gleichfalls!
sagte Lillekort. _Kannst Du fechten?_ rief der Troll. Kann ich's
nicht, so kann ich's lernen, sagte Lillekort. Darauf schlug der Troll
mit seiner eisernen Stange nach ihm -- die war noch einmal so gro, als
die des ersten Trollen -- so da die Erde ihm zehn Ellen hoch ber den
Kopf flog. Twi! sagte Lillekort: das war auch was Rechtes! Nun sollst
Du einen Schlag von mir sehen! und damit ergriff er sein Schwert und
hieb nach dem Trollen, so da alle zehn Kpfe ber den Sand hintanzten.

Darauf sagte die Knigstochter wieder zu ihm: Schlaf jetzt ein
Stndchen auf meinem Scho! und whrend Lillekort nun auf ihrem Scho
lag und schlief, zog sie ihm ein silbernes Kleid an. Sobald der Ritter
_Rd_ merkte, da keine Gefahr mehr vorhanden war, kroch er wieder vom
Baum herunter und zwang die Prinzessinn abermals durch Drohungen, zu
sagen, da er es sei, der sie befrei't habe. Darauf nahm er die Zungen
und die Lungen des Trollen, knpfte sie in sein Taschentuch und
geleitete die Knigstochter wieder zurck nach dem Schlo. Hier war nun
lauter Freude und Jubel, wie man sich wohl denken kann, und der Knig
wute gar nicht, Was er alles angeben sollte, um dem Ritter _Rd_
genugsam Ehre und Achtung zu erweisen.

Lillekort aber ging auf das Trollschiff und nahm einen ganzen Armvoll
Gold- und Silberreifen mit sich. Als er zurck auf das Schlo kam,
schlug die Kchinn die Hnde ber dem Kopf zusammen und konnte sich
nicht genug wundern ber all das Gold und Silber, das er mitbrachte.
Aber Lillekort sagte, er wre zu Hause bei seiner Mutter gewesen, und da
htte er die Reifen gesammelt, die von den Eimern abgefallen wren, um
sie der Kchinn zu bringen.

Als nun der dritte Donnerstag-Abend kam, ging es wieder eben so, wie die
beiden vorigen Male: Das ganze Schlo war aus- und inwendig mit Schwarz
behngt, und Alle waren voll Sorge und Betrbni. Aber der Ritter _Rd_
sagte, sie htten eben nicht nthig, in Furcht zu sein; denn htte er
die Prinzessinn von zwei Trollen befrei't, so knnte er sie auch wohl
von dem dritten befreien. Darauf fhrte er die Prinzessinn hinaus ans
Ufer. Als es aber um die Zeit war, da der Troll kommen sollte, kroch
der Ritter _Rd_ wieder auf den Baum und verbarg sich. Die Prinzessinn
weinte und bat; aber es half Alles nichts; er blieb bei dem Alten: es
sei besser, da Einer das Leben verlre, als da Zwei umkmen.

Lillekort bat wieder um Erlaubni, an den Strand hinauszugehen. Ach,
was willst Du da? sagte die Kchinn; aber er bat so lange, bis sie es
ihm denn zuletzt erlaubte; doch mute er versprechen, da er wieder zu
Hause sein wollte, wenn der Braten gewendet werden sollte. Kaum aber war
er darauf ans Ufer gekommen, so kam auch schon der Troll angesaus't;
er war noch weit grer, als der vorige, und hatte funfzehn Kpfe.
_Feuer!_ schrie der Troll. Feuer gleichfalls! sagte Lillekort.
_Kannst Du fechten?_ rief der Troll. Kann ich's nicht, so kann ich's
lernen, sagte Lillekort. _Ich will Dich belernen!_ rief der Troll und
holte mit seiner eisernen Stange aus, da die Erde funfzehn Ellen hoch
in die Luft fuhr. Twi! sagte Lillekort: das war auch was Rechtes!
Nun sollst Du aber einen Schlag von mir sehen! und damit ergriff er
sein Schwert und hieb nach dem Trollen, da alle funfzehn Kpfe ber den
Sand hintanzten.

Da war nun die Prinzessinn erls't; sie dankte Lillekort fr ihre
Rettung und sagte dann wieder: Schlaf jetzt ein Stndchen auf meinem
Scho! und whrend Lillekort nun da lag und schlief, zog ihm die
Prinzessinn ein Kleid von Messing an. Als er aufwachte, fragte sie ihn:
Wie soll es aber jetzt an den Tag kommen, da Du es bist, der mich
erls't hat? -- Das will ich Dir sagen, versetzte Lillekort: Wenn
nun der Ritter _Rd_ Dich wieder nach Hause geleitet und sich fr Den
ausgiebt, der Dich erls't hat, dann weit Du wohl, soll er Dich und das
halbe Reich haben. Wenn man Dich aber dann am Hochzeitstage fragt, Wen
Du zum Mundschenken haben willst, dann sollst Du sagen: Ich will den
kleinen Buben haben, der in der Kche ist und der Kchinn Holz und Wasser
zutrgt. Wenn ich Dir dann den Wein einschenke, werde ich einen Tropfen
auf dem Ritter seinen Teller verschtten, aber nicht auf Deinen; dann
wird er wohl bse werden und mich schlagen, und das wiederholt sich
dreimal. Das dritte Mal aber sollst Du sagen: Schande ber Dich, da Du
meinen Herzgeliebten schlgst! denn _er_ hat mich befrei't und _ihn_
will ich haben. Nachdem Lillekort mit der Prinzessinn diese Verabredung
getroffen, begab er sich wieder aufs Schlo; zuvor aber nahm er
aus dem Trollschiff noch eine ganze Menge Gold und Silber und andre
Kostbarkeiten mit, und der Kchinn brachte er wieder einen ganzen
Armvoll Gold- und Silberreifen.

Kaum sah der Ritter _Rd_, da alle Gefahr vorbei war, als er von dem
Baum herunterkroch und die Knigstochter wieder durch Drohungen dahin
vermochte, zu sagen, _er_ sei es, der sie befrei't habe. Darauf geleitete
er sie zurck nach dem Schlo; und hatte man ihm zuvor noch nicht Ehre
genug angethan, so that man es jetzt. Der Knig sann und dachte auf
nichts Anders, als wie er ihn gebhrend dafr belohnen sollte, da er
seine Tochter von den drei Trollen befrei't hatte, und es duchte ihm
jetzt das Allergeringste, wenn er ihm die Prinzessinn und das halbe
Reich gbe. Am Hochzeitstage aber bat die Prinzessinn, da man ihr den
kleinen Buben, der in der Kche sei und der Kchinn Holz und Wasser
zutrge, zum Mundschenken bei der Hochzeitstafel geben mchte. Ach,
was willst Du mit dem schmutzigen Lumpenjungen? sagte der Ritter _Rd_.
Aber die Prinzessinn sagte, da sie _ihn_ zum Mundschenken haben wolle,
und keinen Andern; und da mute man ihr denn nachgeben.

Hierauf ging Alles so, wie es zwischen Lillekort und der Knigstochter
verabredet war. Lillekort verschttete dreimal einen Tropfen Wein auf den
Teller des Ritters _Rd_, und jedesmal ward der Ritter zornig und schlug
ihn. Beim ersten Schlag fiel dem Knaben das Lumpenkleid ab, das er in
der Kche trug; beim zweiten Schlag fiel ihm das Kleid von Messing ab,
und beim dritten Schlag das silberne Kleid, so da er nun da stand in
seinem goldnen Kleide, so blank und prchtig, da es nur so glitzerte. Da
sagte die Knigstochter: Schande ber Dich, da Du meinen Herzgeliebten
schlgst; denn _er_ hat mich befrei't, und _ihn_ will ich haben! Der
Ritter _Rd_ schwur und fluchte, da _er_ es sei, der sie befrei't
htte, und kein Andrer. Da sprach der Knig: Wer meine Tochter befrei't
hat, der kann auch wohl die Wahrzeichen aufweisen. Da lief der Ritter
_Rd_ hin und holte sein Tuch mit den Lungen und Zungen; Lillekort aber
holte das Gold und Silber und alle die Kostbarkeiten, die er aus dem
Trollschiff mitgenommen hatte, und jeder legte das seinige vor den Knig
hin. Da sprach der Knig: Wer solche kostbare Sachen von Gold und
Silber und Diamanten aufzuweisen hat, der mu auch wohl die Trollen
getdtet haben; denn Dergleichen findet man nicht bei Andern. Und
darauf wurde der Ritter _Rd_ in die Schlangengrube geworfen, und
Lillekort sollte jetzt die Prinzessinn und das halbe Reich haben.

Als nun der Knig eines Tages mit Lillekort spazieren ging, fragte
dieser ihn, ob er nicht noch mehr Kinder htte. Ja, sagte der Knig:
ich habe noch eine Tochter gehabt; aber die hat mir ein Troll genommen,
weil hier Niemand war, der sie befreien konnte. Kannst Du sie aber
befreien, so sollst Du auch sie und das andre halbe Reich dazu haben.
-- Ich will's versuchen, sagte Lillekort: dann mu ich aber eine
eiserne Kette haben, fnfhundert Ellen lang, und fnfhundert Mann mu
ich mit haben und Proviant fr sie auf funfzehn Wochen; denn ich mu
weit zur See fort. Ja, das sollte er alles bekommen; nur befrchtete
der Knig, er mchte kein Schiff haben, welches gro genug wre, alles
das zu tragen. Ich habe selbst ein Schiff, sagte Lillekort und nahm
aus seiner Tasche das Schiff hervor, welches das alte Weib ihm gegeben
hatte. Der Knig lachte und meinte, es wre blo sein Scherz; aber
Lillekort sagte, man solle ihm nur Alles geben, was er verlangt htte,
dann solle der Knig nachher schon sehen. Man brachte hierauf alle die
Sachen zusammen, und nun wollte Lillekort, da man zuerst die eiserne
Kette ins Schiff legen sollte; aber da war kein Einziger, der sie
aufzuheben vermochte, und Viele konnten nicht auf einmal Platz um das
kleine Schiff bekommen. Da nahm Lillekort selbst die Kette an dem einen
Ende und legte einige Ringe davon ins Schiff, und wie er sie nach und
nach weiter hineinbrachte, ward das Schiff immer grer, und zuletzt
ward es so gro, da sowohl die Kette, als die fnfhundert Mann nebst
dem Proviant, und Lillekort sehr gut Platz darin hatten. Da sprach
Lillekort: Fahr hin ber Swasser und Salzwasser, ber Berg' und tiefe
Thler, bis da du kommst, wo des Knigs Tochter ist! und sogleich
fuhr das Schiff davon, da es zischte und braus'te, ber Land und ber
Wasser. -- Als sie nun eine lange, lange Zeit gesegelt hatten, stand
das Schiff eines Tages pltzlich auf der See still. Ja, nun sind wir
glcklich an Ort und Stelle gekommen, sagte Lillekort: wie wir aber
wieder fortkommen werden, das steht noch dahin. Darauf nahm er die
eiserne Kette und band sich das eine Ende um den Leib. Jetzt mu ich zu
Boden, sagte er: Wenn ich aber nachher wieder herauf will und einen
starken Ruck an die Kette thu', dann msst Ihr alle auf einmal anziehen
fr _einen_ Mann, sonst kostet es mir und Euch das Leben, und damit
sprang er ins Wasser, da die Wellen ber ihn zusammenschlugen. Er sank
tiefer und immer tiefer, und endlich kam er auf den Grund. Dort sah er
einen Berg, worin eine Thr war, und da ging er hinein. In dem Berge nun
fand er die Prinzessinn, welche eben mit ihrem Nhzeug beschftigt war.
Ach, Gott sei Lob! rief sie, als sie Lillekort erblickte, und klatschte
in die Hnde: noch habe ich keine Menschenseele gesehen, so lange ich
hier bin. Lillekort sagte ihr, da er gekommen sei, um sie wieder zu
ihrem Vater zurckzubringen. Ach, mich bekommst Du nicht mit, sagte
sie: das wird Dir nicht gelingen; denn bekommt der Troll Dich zu sehen,
kostet es Dir das Leben. -- Gut, da Du von ihm sprichst! sagte
Lillekort: Wo ist er? Es knnte spahaft sein, ihn zu sehen. Die
Knigstochter erzhlte ihm darauf, da der Troll ausgegangen wre und
Jemanden suchte, der hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen
knne; denn der Troll wollte ein Gastmahl geben, und dabei verschlug
keine geringere Quantitt. Das kann =ich=, sagte Lillekort. Wenn nur
der Troll nicht so jachzornig wre, da ich es ihm sagen knnte, eh' er
Dich erblickt, versetzte die Prinzessinn: aber er ist so wthend, da
er Dich den Augenblick in Stcke zerreit, wenn er Dich gewahr wird.
Indessen verbirg Dich nur hier so lange in den Bettverschlag, dann will
ich sehen, Was zu thun ist. Das that denn Lillekort, und kaum war er in
seinem Versteck, so kam auch schon der Troll an. _Houf! es riecht hier
so nach Menschenfleisch!_ rief er. Ja, es flog hier ein Vogel ber's
Dach mit einem Menschenknochen im Schnabel, den lie er durch den
Schornstein fallen, versetzte die Knigstochter: ich habe mich zwar
beeilt, ihn hinwegzuschaffen, aber es mu wohl noch der Geruch davon
zurckgeblieben sein. -- _Ja, das ist's wohl!_ sagte der Troll.
Darauf fragte die Prinzessinn ihn, ob er Jemanden gefunden habe, der
hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen knne. _Nein, da ist
Keiner, der das kann_, sagte der Troll. Vor einer Weile war Einer
hier, der sagte, er knnte es, versetzte die Knigstochter. _Du bist
nun immer so klug_, sagte der Troll: _warum lieest Du ihn denn gehen?
Du wutest doch, da ich eben einen Solchen suche._ -- Ich hab' ihn
auch nicht gehen lassen, versetzte die Knigstochter: aber Du bist
nun gleich immer so jachmthig; darum verbarg ich ihn derweil in den
Bettverschlag. Wenn Du also noch keinen tchtigen Brauer gefunden hast,
so kannst Du's ja mit ihm versuchen. -- _Ja, la ihn kommen!_ sagte
der Troll. Als Lillekort nun hervorkam, fragte der Troll ihn, ob es
wahr sei, da er hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen knne.
Ja, das ist wahr, antwortete Lillekort. _So ist's gut, da ich Dich
bekam_, sagte der Troll: _mach Dich nur gleich an die Arbeit! Aber
Gnade Dir Gott, wenn Du das Bier nicht stark genug brau'st._ -- Es
soll schon Geschmack kriegen, sagte Lillekort und stellte sogleich das
Geschirr zurecht. Ich mu aber mehr Mnner zum Zutragen haben, sagte
er: denn die paar, die ich bekommen habe, knnen nicht Viel ausrichten.
Er erhielt nun noch mehr Leute, so viele, da es von ihnen wimmelte, und
darauf ging das Brauen los. Als nun die Wrze fertig war, wollten Alle
sie kosten, zuerst der Troll selbst, und nachher die Andern. Aber
Lillekort hatte die Wrze so stark gebrau't, da sie todt umfielen, wie
die Fliegen, sowie sie davon tranken. Zuletzt war Niemand mehr brig,
als ein altes kmmerliches Weib, das hinter dem Ofen lag. Ach, Du
Arme! sagte Lillekort: Du musst doch auch meine Wrze kosten, und
damit ging er hin und fllte mit der Btte auf, Was noch am Boden brig
geblieben, und gab es ihr. Da war er sie alle insgesammt quitt.

Als er nun da stand und sich umsah, ward er eine groe Kiste gewahr, die
nahm Lillekort und packte sie voll Gold und Silber, umschlang dann sich
und die Prinzessinn und die Kiste mit der eisernen Kette und that einen
Ruck daran aus allen Krften. Da zogen die Leute auf dem Schiff alle auf
einmal an und brachten sie gesund und behalten wieder herauf. Nun sprach
Lillekort: Fahr hin ber Swasser und Salzwasser, ber Berg' und tiefe
Thler, bis da du kommst zu des Knigs Schlo! -- und sogleich fuhr
das Schiff davon, da der Schaum zu beiden Seiten stand. Als Die, welche
auf dem Schlo waren, das Schiff ankommen sahen, zogen sie alsbald
hinaus mit Gesang und Spiel und empfingen Lillekort mit groer Freude.
Am frohesten von Allen aber war der Knig, der jetzt seine Tochter
wieder bekommen hatte.

Nun war aber Lillekort in Verlegenheit wegen der Prinzessinnen; denn
beide wollten ihn haben, und er wollte nur die haben, welche er zuerst
befrei't hatte, und das war die jngste. Er sann und dachte lange
darber nach, wie er sich aus der Verlegenheit ziehen sollte; denn die
jngste wollte er nicht fahren lassen, und der andern wollte er auch
nicht gern zuwider sein. Da fiel es ihm ein, wenn jetzt sein Bruder,
Knig Lavring, da wre, der ihm so hnlich sah, da Keiner sie von
einander zu unterscheiden vermochte, so knnte der die andre Prinzessinn
und das halbe Reich bekommen; denn er selbst wollte sich gern mit der
einen Hlfte begngen. Wie gedacht, so gethan: er ging vor's Schlo und
rief laut den Knig Lavring bei Namen; aber es kam Niemand. Da rief er
noch lauter; aber es fand sich auch diesmal Keiner ein. Zuletzt rief er
aus allen Krften -- und da stand pltzlich sein Bruder vor ihm. Ich
sagte Dir ja, Du solltest mich nicht eher rufen, als bis Du in der
uersten Noth wrst, sprach er: und hier ist ja keine Mcke, die
Dir Was zu Leide thun kann, und damit schlug er auf ihn zu, da
Lillekort ber die Wiese hinpurzelte. Schande ber Dich, da Du mich so
schlgst! sagte Lillekort: Erst hab' ich die eine Knigstochter und
das halbe Reich gewonnen, und nachher die andre Knigstochter und das
andre halbe Reich dazu, und nun wollte ich mit Dir theilen und Dir die
eine Prinzessinn und die Hlfte des Knigreichs abgeben. Ducht es Dir
denn recht, mich also zu schlagen? Als Knig Lavring das hrte, bat er
seinen Bruder um Verzeihung, und da vertrugen sie sich alsbald und waren
wieder gute Freunde. Darauf sprach Lillekort: Du weit, da wir einander
so hnlich sehen, da Niemand uns zu unterscheiden vermag; darum tausche
Du jetzt Deine Kleider mit mir und geh hinauf auf das Schlo; dann
werden die Prinzessinnen glauben, da ich es bin, und die, welche Dich
dann zuerst ksst, die nimmst Du, und die andre behalt ich. Also sprach
Lillekort; denn er wute wohl, da die lteste Knigstochter auch die
strkste war, und konnte sich daher wohl denken, wie's kommen wrde.
Knig Lavring war sogleich bereit, zu thun, wie sein Bruder ihm gesagt
hatte: er tauschte mit ihm seine Kleider und ging aufs Schlo. Als er
nun zu den Prinzessinnen eintrat, glaubten sie, es sei Lillekort, und
liefen beide sogleich auf ihn zu. Aber die lteste, welche die grte
und strkste war, schob die jngere Schwester bei Seite, fate Knig
Lavring um den Hals und kte ihn. Und so bekam denn Knig Lavring die
lteste, und Lillekort die jngste Prinzessinn. Da kann sich's denn wohl
ereignet haben, da eine Hochzeit ward, wovon man sich in sieben
Knigreichen zu erzhlen wute.




25.

Die Puppe im Grase.


Es war einmal ein Knig, der hatte zwlf Shne. Als diese gro waren,
sagte er zu ihnen, sie sollten fortreisen in die Welt und sich jeder
eine Frau suchen, aber die sollte spinnen und weben und ein Hemd
in einem Tag fertig nhen knnen, sonst wollte er sie nicht zur
Schwiegertochter haben. Jedem von ihnen gab er ein Pferd und eine ganz
neue Rstung; und darauf reis'ten die Shne fort in die Welt, um sich
eine Frau zu suchen. Als sie aber eine Strecke Weges gereis't waren,
sagten sie, Aschenbrdel wollten sie nicht mit haben; denn der tauge
doch zu Nichts. Aschenbrdel mute nun zurckbleiben und wute gar
nicht, wie er's anfangen sollte. Da ward er sehr niedergeschlagen, stieg
von seinem Pferd herunter und setzte sich ins Gras hin und weinte. Als
er aber eine Weile gesessen hatte, bewegte sich der eine Grasblten, und
es kam daraus eine kleine weie Gestalt hervor; und als sie nher kam,
sah Aschenbrdel, da es ein niedliches kleines Mdchen war, aber ganz
ganz klein. Diese trat auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht die Puppe
im Grase besuchen wolle. Ja, das wollte Aschenbrdel gern und ging mit
ihr.

Als er hinunterkam, sa die Puppe im Grase auf einem Stuhl und war so
schn und so geputzt; sie fragte Aschenbrdel, wo er hin wolle, und in
welchem Geschft er reise.

Er erzhlte ihr nun, da sie ihrer zwlf Brder wren, und da der
Knig, ihr Vater, jedem von ihnen ein Pferd und eine Rstung gegeben und
zu ihnen gesagt htte, sie sollten in die Welt reisen und sich eine Frau
suchen, die solle spinnen und weben und ein Hemd in einem Tag fertig
nhen knnen. Wenn Du nun das kannst und meine Frau werden willst,
sagte Aschenbrdel: dann will ich nicht weiter reisen. Ja, das wollte
sie gern und machte sich sogleich an die Arbeit, fing an zu spinnen und
zu weben und nh'te das Hemd in einem Tag fertig; aber es ward so klein,
so klein, nicht lnger, als -- so lang.

Damit reis'te Aschenbrdel nach Hause. Als er aber das Hemd hervornahm,
um es seinem Vater zu zeigen, war er ganz beschmt, weil es so klein
war. Der Knig aber sagte, es machte nichts, er solle das kleine Mdchen
heirathen; und darauf reis'te Aschenbrdel froh und vergngt zurck, um
seine kleine Braut abzuholen. Wie er nun bei der Puppe im Grase ankam,
wollte er sie zu sich auf sein Pferd nehmen; aber das wollte sie nicht,
sondern sagte, sie wolle in einem silbernen Lffel fahren mit zwei
kleinen Schimmeln davor. So reis'ten sie nun fort, er auf seinem Pferd,
und sie in dem silbernen Lffel; die beiden Schimmel aber, die sie
zogen, waren zwei kleine weie Muse. Aschenbrdel hielt sich immer
auf der andern Seite des Weges, damit sein Pferd nicht auf seine Braut
treten sollte, denn sie war so klein. Als sie eine Strecke Weges
gereis't waren, kamen sie zu einem groen Wasser; da ward Aschenbrdels
Pferd scheu, sprang hinber auf die andre Seite des Weges und schlug den
Lffel um, so da die Puppe im Grase ins Wasser fiel. Da ward Aschenbrdel
sehr betrbt, und wute gar nicht, wie er sie erretten sollte. Es
dauerte aber nicht lange, so tauchte ein Meermann mit ihr auf, und nun
war sie so gro geworden, wie ein andres erwachsenes Frauenzimmer, und
noch weit schner, als zuvor. Da nahm Aschenbrdel sie vor sich auf sein
Pferd und ritt mit ihr nach Hause.

Als er dort ankam, waren auch schon seine andern Brder, jeder mit
seiner Braut, eingetroffen; aber die waren so hlich und so bse, da
sie sich schon unterweges mit ihren Brautmnnern gezaus't hatten. Auf
dem Kopf trugen sie Hte, die waren mit Theer und Ru bestrichen, das
war ihnen ins Gesicht herabgetrpfelt, so da sie davon noch weit
hlicher und abscheulicher waren aussehen worden. Als nun die Brder
dagegen Aschenbrdels Braut erblickten, wurden sie alle neidisch auf
ihn. Der Knig aber freu'te sich so sehr ber die beiden, da er alle
die Andern davon jagte. Darauf hielt Aschenbrdel mit der Puppe im Grase
Hochzeit und lebte mit ihr vergngt und zufrieden eine lange lange Zeit;
und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch.




26.

Das Ktzchen auf Dovre.


Es war einmal ein Mann oben in Finmarken, der hatte einen groen weien
Bren gefangen, den wollte er dem Knig von Dnemark bringen. Nun traf
es sich so, da er grade am Weihnachts-Abend zum Dovrefjeld kam, und da
ging er in ein Haus, wo ein Mann wohnte, der _Halvor_ hie; den bat er
um Nachtquartier fr sich und seinen Bren.

Ach, Gott helf mir! sagte der Mann: wie sollt' ich wohl Jemandem
Nachtquartier geben knnen! Jeden Weihnachts-Abend kommen hier so viel
Trollen, da ich mit den Meinigen ausziehen mu und selber nicht einmal
ein Dach ber dem Kopf habe. --

O, Ihr knnt mich dewegen immer beherbergen, sagte der Mann; denn
mein Br kann hier hinter dem Ofen liegen, und ich lege mich in den
Bettverschlag.

Halvor hatte Nichts dagegen, zog aber selbst mit seinen Leuten aus,
nachdem er zuvor gehrig fr die Trollen hatte zurichten lassen: die
Tische waren besetzt mit Reibrei, Stockfischen, Wurst und Was sonst zu
einem herrlichen Gastschmaus gehrt.

Bald darauf kamen die Trollen an; einige waren gro, andre klein; einige
langgeschwnzt, andre ohne Schwanz; und einige hatten ungeheuer lange
Nasen, und alle aen und tranken und waren guter Dinge. Da erblickte
einer von den jungen Trollen den Bren, der unter dem Ofen lag, steckte
ein Stckchen Wurst an die Gabel und hielt es dem Bren vor die Nase.
Ktzchen, magst auch Wurst? sagte er. Da fuhr der Br auf, fing
frchterlich an zu brummen und jagte sie alle Gro und Klein aus dem
Hause.

Das Jahr darauf war Halvor eines Nachmittags so gegen Weihnachten hin
im Wald und hau'te Holz fr den Heiligen; denn er erwartete wieder die
Trollen. Da hrte er es pltzlich im Wald rufen: _Halvor! Halvor!_
-- Ja! sagte Halvor. _Hast Du noch die groe Katz?_ rief's. Ja,
sagte Halvor: jetzt hat sie sieben Jungen bekommen, die sind noch weit
grer und bser, als sie. -- _So kommen wir niemals wieder zu Dir!_
rief der Troll im Walde. Und von der Zeit an haben die Trollen nie
wieder den Weihnachtsbrei bei Halvor auf Dovre gegessen.




27.

Soria-Moria-Schlo.


Es waren einmal ein Paar Eheleute, die hatten einen Sohn, der hie
_Halvor_. Von seiner Kindheit an aber wollte der Knabe durchaus Nichts
thun, sondern sa immer da und whlte in der Asche. Die ltern thaten
ihn in die Lehre bei verschiedenen Meistern; aber Halvor hielt es
nirgends aus, sondern wenn er ein paar Tage bei einem Meister gewesen
war, lief er wieder aus der Lehre, kehrte heim und setzte sich auf den
Feuerherd hin und whlte in der Asche. Da geschah es einmal, da ein
Schiffer zu seinen ltern kam, der sah Halvor und fragte ihn, ob er
nicht Lust htte, zur See zu fahren und fremde Lnder zu sehen. Ja, dazu
hatte Halvor groe Lust und ging sogleich mit dem Schiffer zur See.

Nun wei ich nicht recht, wie lange sie schon gesegelt hatten, aber
zuletzt erhob sich ein heftiger Sturm, und als der vorber war, und es
wieder ruhig ward, da wuten die Schiffsleute nicht mehr, wo sie sich
befanden; sie waren an eine fremde Kste getrieben, die Keiner von
ihnen kannte.

Weil nun gar kein Wind weh'te, und sie still liegen bleiben muten, bat
Halvor den Schiffer um Erlaubni, ans Land zu gehen, um sich dort
umzusehen; denn er konnte es nicht aushalten, immer still zu liegen und
zu schlafen. Denkst Du, da Du Dich vor den Leuten kannst sehen
lassen? sagte der Schiffer: Du hast ja keine andre Kleider, als die
Lumpen, worin Du gehst und stehst. Halvor aber bat so lange, bis der
Schiffer ihm endlich die Erlaubni gab; nur mute er ihm versprechen,
da er wieder zurckkehren wollte, wenn es anfing zu wehen. Darauf ging
er ans Land. Hier waren berall groe schne Ebenen und Wiesen, aber
nirgends war eine Spur von Menschen. Bald darauf fing es an zu wehen;
aber Halvor wollte noch gern Mehr von dem Lande sehen und schritt daher
weiter fort, in der Hoffnung, da er auch Menschen dort antreffen wrde.
Nach einer Weile gelangte er auf einen groen breiten Weg, der war so
flach und so eben, da man ein Ei darauf fortrollen konnte. Halvor
verfolgte bestndig diesen Weg, bis er endlich gegen Abend ein groes
schimmerndes Schlo in der Ferne erblickte. Weil er aber den ganzen Tag
gegangen war und keinen Mundvorrath mitgenommen hatte, war er entsetzlich
hungrig, und je nher er dem Schlo kam, desto unheimlicher ward ihm zu
Muthe.

Als er endlich das Schlo erreicht hatte, trat er hinein und kam zuerst
in die Kche, wo ein helles Feuer auf dem Herd brannte. In der Kche
war Alles so schn und prachtvoll, wie er es nie zuvor in einer Kche
gesehen hatte; da standen Gefe von Gold und von Silber, aber Leute
waren nicht da. Als nun Halvor eine Zeitlang gewartet hatte, und Niemand
kam, ffnete er eine Thr und trat in ein groes Zimmer. Dort sa eine
Prinzessinn, die spann an einem Rocken. Wie! rief sie: darf denn eine
Christenseele hieher kommen? Aber am besten ist es, Du machst nur, da
Du gleich wieder fortkommst, wenn Dich der Troll nicht verschlingen
soll; denn hier wohnt ein abscheulicher Troll mit drei Kpfen. --

Mir sollt's recht sein, wenn er vier htte, sagte der Bursch: ich
habe groe Lust, den Kerl zu sehen; aber ich gehe nicht; denn ich habe
nichts Bses gethan. Erst aber musst Du mir Etwas zu essen geben; denn
ich bin verdammt hungrig. Als nun Halvor sich satt gegessen hatte,
sagte die Prinzessinn zu ihm, er sollte versuchen, ob er das Schwert
zu schwingen vermchte, das an der Wand hing. Aber er konnt' es nicht
schwingen, ja er konnt' es nicht einmal aufheben. So musst Du einen
Trunk aus der Flasche thun, die daneben hangt, sagte die Prinzessinn:
denn das thut der Troll immer, wenn er es gebrauchen will. Halvor that
darauf einen guten Trunk aus der Flasche, und da konnte er das Schwert
in der Hand schwingen wie gar Nichts. Nun, meinte er, sollt's fr den
Trollen frh genug sein, wenn er kme. Es dauerte auch nicht lange,
so kam dieser dahergesaus't. Halvor hinter die Thr. _Hutetu! hier
riecht's so nach Menschenfleisch!_ sagte der Troll, indem er den Kopf
zur Thr hereinsteckte. -- Ja, das sollst Du gewahr werden! sagte
Halvor und hieb ihm alle Kpfe auf einmal herunter. Da ward die
Prinzessinn so froh, da sie sang und sprang; aber wie sie nun an ihre
Schwestern dachte, sagte sie: Ach, wren doch meine Schwestern auch
erls't! -- Wo sind die? fragte Halvor. Da erzhlte sie ihm, da die
eine von einem Trollen auf einem Schlo festgehalten wrde, das sechs
Meilen von da entfernt wre, und die andre auf einem Schlo, das noch
neun Meilen weiter davon lge.

Aber jetzt, sagte sie: musst Du mir erst helfen, diesen Rumpf
hinauszuschaffen.

Dazu war Halvor sogleich bereit; er warf den Rumpf hinaus und machte
Alles rein und sauber drinnen, und darauf lebten sie lustig und
vergngt. Den nchsten Morgen aber machte Halvor sich auf, sobald es
dmmerte; er gnnte sich keinen Augenblick Ruhe, sondern ging und lief
den ganzen Tag. Als er aber endlich das Schlo vor sich sah, ward ihm
doch wieder etwas unheimlich zu Muthe; es war noch weit schner und
prchtiger, als das vorige; aber auch hier war keine Menschenseele zu
sehen. Halvor trat zuerst in die Kche und ging von da grade aus ins
Zimmer. Wie? darf denn eine Christenseele hieher kommen? rief die
Prinzessinn: Ich wei nicht, wie lange ich nun schon hier bin, sagte
sie: aber in all der Zeit habe ich noch nie einen Menschen hier
gesehen. Es ist aber wohl am besten fr Dich, Du siehst zu, da Du
wieder fortkommst; denn es wohnt hier ein Troll, der hat sechs Kpfe.
-- Nein, ich gehe nicht, sagte Halvor: und wenn er noch sechs
dazu htte. -- Er nimmt Dich und frisst Dich lebendig, sagte die
Prinzessinn. Aber es half nichts; Halvor wollte nicht wieder fortgehen,
denn er war nicht bange vor dem Trollen; aber zu essen und zu trinken
wollte er haben, weil er so entsetzlich hungrig war von der Reise. Ja,
das bekam er, so Viel er nur mochte. Darnach aber wollte die Prinzessinn
wieder, da er gehen sollte. Nein, sagte Halvor: ich gehe nicht; denn
ich habe nichts Bses gethan und brauche mich nicht zu frchten. Als
nun Halvor durchaus nicht gehen wollte, sagte die Prinzessinn zu ihm:
Versuche denn, ob Du das Schwert zu schwingen vermagst, das dort an der
Wand hangt, und das der Troll immer im Kriege gebraucht. Halvor konnte
aber das Schwert nicht schwingen. Da sagte sie zu ihm, er solle einen
Trunk aus der Flasche thun, die daneben hange; und als Halvor das gethan
hatte, konnte er das Schwert ohne Mhe schwingen.

Nun dauerte es nicht lange, so kam der Troll an; er war so gro
und breit, da er seitwrts durch die Thr gehen mute. Als er den
ersten Kopf hereinsteckte, rief er: _Hutetu! es riecht hier so nach
Menschenfleisch!_ In demselben Augenblick aber hieb Halvor ihm den Kopf
ab, und darnach alle die andern dazu. Da ward die Prinzessinn ber alle
Maen froh. Als sie aber an ihre Schwestern dachte, uerte sie den
Wunsch, da auch die erls't sein mchten. Halvor meinte, dazu knne
schon Rath werden und wollte sogleich wieder fort; aber erst mute er
der Prinzessinn den Rumpf des Trollen hinausschaffen helfen, und darnach
begab er sich frh am andern Morgen auf den Weg. Er hatte aber eine
weite Reise zu machen, und er ging und lief abwechselnd, damit er noch
zu guter Zeit ankme. Gegen Abend erblickte er endlich das Schlo, das
noch weit schner und prachtvoller war, als die beiden ersten. Nun
frchtete er sich nicht im geringsten mehr, sondern schritt grade durch
die Kche fort ins Zimmer. Hier sa eine Prinzessinn, die war so schn,
da es gar nicht zu beschreiben ist; die sagte nun eben so, wie die
andern, da sie noch keine Menschenseele gesehen htte, so lange sie bei
dem Trollen sei, und bat ihn, nur sogleich wieder zu gehen, denn sonst
fre der Troll, der neun Kpfe htte, ihn lebendig auf, sagte sie. Und
wenn er noch neun dazu htte, so gehe ich doch nicht, sagte Halvor und
stellte sich an den Ofen hin. Die Prinzessinn bat ihn so flehentlich, er
mchte doch wieder fortgehen, damit der Troll ihn nicht auffresse; aber
Halvor sagte: Mag er nur kommen, wenn es ihm gefllt. Da gab die
Prinzessinn ihm das Trollschwert und lie ihn einen Trunk aus der
Flasche thun, so da er's schwingen konnte.

Nun dauerte es nicht gar lange, so kam der Troll dahergesaus't, der war
aber noch weit grer und breiter, als die beiden andern und mute
ebenfalls seitwrts durch die Thr gehen. Als er den ersten Kopf
hereinsteckte, sagte er eben so, wie die andern: _Hutetu! hier riecht's
so nach Menschenfleisch!_ Im selben Augenblick aber hieb Halvor ihm
den Kopf herunter, und nachher auch alle die andern, aber der letzte war
der allerzheste; den abzuhauen war die schwerste Arbeit, die Halvor je
verrichtet hatte, obgleich er doch meinte, da er Krfte habe.

Als Halvor nun auch den dritten Trollen getdtet hatte, kamen alle
Prinzessinnen auf dem Schlo zusammen und waren so heiter und vergngt,
wie sie es noch nie in ihrem Leben gewesen; alle aber waren sie in
Halvor verliebt, und er durfte nur Diejenige von ihnen whlen, die er
am liebsten mochte; die jngste Prinzessinn hielt jedoch am meisten von
ihm. Halvor aber stand da ganz still und betrbt. Da fragte die jngste
Prinzessinn ihn, warum er so traurig wre, und ob es ihm nicht bei ihnen
gefiele. Ja, sagte Halvor, es gefiele ihm sehr wohl bei ihnen, denn sie
htten ja Genug zu leben, und er htte gute Tage; aber er trge ein so
groes Verlangen nach Hause, denn er htte noch ltern am Leben, und
die mchte er so gern einmal wiedersehen. Die Prinzessinnen meinten,
das liee sich wohl machen und sagten zu ihm: Du sollst unbeschdigt
hin- und zurckkommen, wenn Du nur genau unsern Rath befolgen willst.
Ja, Halvor wollte ihn genau befolgen. Da thaten sie ihm herrliche
Kleider an, da er aussah, wie ein Knigssohn, und steckten an seinen
Finger einen Ring, der hatte die Eigenschaft, da er sich damit hin und
wieder zurck wnschen konnte. Die Prinzessinnen warnten ihn aber, ja
den Ring nicht zu verlieren und nicht ihren Namen zu nennen, denn
alsdann wre es aus mit der ganzen Herrlichkeit, sagten sie, und er
wrde sie dann nie wiedersehen.

Wre ich jetzt zu Hause, wollte ich froh sein! sagte Halvor; und wie
er das gewnscht hatte, ging es sogleich in Erfllung -- Halvor stand
pltzlich vor dem Hause seiner ltern. Es war eben um die Schubstunde,
und da seine ltern einen so vornehmen, stattlichen Herrn eintreten
sahen, waren sie ganz erschrocken und bckten und verneigten sich.
Halvor fragte, ob er nicht Nachtherberge bei ihnen bekommen knne. Nein,
das knne er ganz und gar nicht. Wir sind nicht so eingerichtet,
sagten sie: denn wir haben weder das Eine, noch das Andre, womit einem
solchen Herrn gedient sein kann, und riethen ihm, auf's Schlo zu
gehen, wovon er da den Schornstein she, da htten sie Alles vollauf,
sagten sie. Halvor aber gefiel das gar nicht, er wollte durchaus bei
ihnen Herberge haben; aber die Leute blieben dabei, er solle auf's
Schlo gehen, da knne er sowohl zu essen, als zu trinken bekommen,
whrend sie nicht einmal einen Stuhl ihm anzubieten htten. Nein,
sagte Halvor: auf's Schlo will ich nicht eher, als morgen frh; lasst
mich nur die Nacht bei Euch bleiben, ich kann mich ja auf den Herd
hinsetzen. Dagegen konnten sie denn Nichts einwenden, und Halvor setzte
sich nun auf den Herd und fing an, in der Asche zu whlen, wie er
ehemals zu thun pflegte, da er noch zu Hause faulenzte.

Sie sprachen nun von Mancherlei, und Halvor erzhlte von Diesem und
Jenem, und endlich fragte er sie, ob sie niemals Kinder gehabt htten.
Ja, sagten sie, sie htten einen Burschen gehabt, der Halvor geheien,
der sei aber fortgewandert, und sie wten nicht, ob er noch am Leben
sei, oder schon todt wre. Knnt' ich es wohl nicht sein? sagte
Halvor. -- Nein, das wei ich gewi, sagte die Frau: der Halvor war
immer so faul und trge, da er nie das Geringste thun mochte, und dann
ging er so lumpig in seinen Kleidern, da ein Lappen immer auf den
andern schlug; aus ihm htte nie ein solcher Herr werden knnen, wie Ihr
seid.

Als aber die Frau die Gluth auf dem Herd anschrte, und der helle Schein
davon auf Halvor fiel, da erkannte sie ihn wieder.

Ja, wahrhaftig bist Du es, Halvor! rief sie, und es kam eine solche
Freude ber die alten ltern, da es gar nicht zu sagen ist; und Halvor
mute ihnen nun erzhlen, wie es ihm ergangen war, und seine Mutter
wollte durchaus, er solle sogleich auf's Schlo gehen und sich den
Dienstdirnen zeigen, die immer so stolz gethan hatten; sie lief selber
voraus und erzhlte ihnen, da Halvor zu Hause gekommen sei, und jetzt
sollten sie nur sehen, wie stattlich er wre; er she aus wie ein Prinz,
sagte sie.

Das mu wahr sein! sagten die Dirnen und warfen den Nacken: er ist
wohl derselbe Lump, der er immer gewesen ist. Im selben Augenblick aber
trat Halvor ein, und da erschraken die Dirnen so gewaltig, da sie ihr
Hemd auf dem Herd im Stich lieen, wo sie saen und sich flh'ten, und
im bloen Unterrock davon liefen. Als sie zurckkamen, waren sie so
beschmt, da sie es gar nicht wagten, Halvor anzusehen, gegen den sie
frher immer so stolz und bermthig gewesen waren. Ihr habt Euch nun
immer fr so fein und so hbsch gehalten, sagte Halvor: und glaubt,
es gbe gar nicht mehr Euresgleichen; Ihr solltet aber nur die lteste
Prinzessinn sehen, die ich befrei't habe! gegen die seht Ihr aus wie
wahre Viehmgde, und die zweite ist noch schner; aber die jngste, die
meine Braut ist, die ist schner, als Sonne und Mond. Ich wollte nur,
sie wren hier, so solltet Ihr sehen! sagte Halvor.

Kaum aber hatte er das gesagt, so standen die Prinzessinnen vor ihm; das
betrbte ihn sehr; denn er gedachte nun an die Worte, die sie
gesprochen. -- Auf dem Schlo wurde ein herrliches Gastmahl fr die
Prinzessinnen angerichtet und groer Aufwand gemacht. Aber sie blieben
da nicht lange. Wir wollen zu Deinen ltern gehen, sagten sie: und
uns ein wenig die Umgegend besehen. Sie gingen darauf fort und kamen
nicht weit vom Schlo zu einem groen Wasser, worin so viele Fische
waren, da es davon wimmelte, die aber niemals gefangen wurden. Dicht
beim Wasser war ein schner grner Hgel. Da wollten die Prinzessinnen
sich niedersetzen und sich ein Weilchen ausruhen; denn die Aussicht ber
das Wasser gefiel ihnen so schn, sagten sie.

Als sie nun eine Weile da gesessen hatten, sagte die jngste Prinzessinn:
Komm, Halvor! ich will Dir den Kopf krauen! Halvor legte seinen Kopf
auf ihren Scho, und es dauerte nicht lange, so schlief er ein. Da zog
die Prinzessinn ihm den Ring vom Finger und steckte ihm einen andern
daran. Darnach sprach sie: Haltet Euch nun alle fest an mir! -- und:
Wren wir jetzt auf Soria-Moria-Schlo!

Als Halvor erwachte und sah, da die Prinzessinnen verschwunden waren,
fing er bitterlich an zu weinen und war so betrbt, da sie ihn gar
nicht wieder beruhigen konnten. Wie sehr auch die ltern ihn trsteten
und ihn baten, bei ihnen zu bleiben, so konnte doch Nichts ihn
zurckhalten, sondern er nahm Abschied von ihnen und sagte, er wrde
sie wohl nie wiedersehen; denn fnde er die Prinzessinnen nicht wieder,
schiene es ihm nicht werth, lnger zu leben, sagte er.

Dreihundert Thaler hatte er noch brig, die steckte er in die Tasche und
begab sich damit auf den Weg. Als er ein Ende gegangen war, begegnete
ihm ein Mann mit einem Pferd, das wollte Halvor ihm gern abkaufen und
accordirte mit dem Manne. Es war freilich nicht meine Absicht, es zu
verkaufen, sagte der Mann: aber wenn wir des Handels einig werden
knnen, mag es drum sein. Halvor fragte ihn, Was er denn fr das Pferd
haben wolle. Viel habe ich nicht dafr gegeben, und Viel ist es auch
nicht werth, sagte der Mann: es ist aber ein braves Pferd zum Reiten,
obwohl es zum Ziehen eigentlich nicht taugt; doch so Viel vermag es
immer, da es Euern Eranzen trgt und Euch dazu, wenn Ihr mitunter
mal wieder ein Ende geht. Sie wurden nun um den Preis einig, und als
Halvor das Pferd bekommen hatte, legte er seinen Ranzen darauf und ging
und ritt abwechselnd. Gegen Abend kam er zu einem grnen Hgel, worauf
ein groer Baum stand. Da nahm er seinen Eranzen vom Pferde, lie diesem
die Zgel und legte sich unter dem Baum schlafen. Sobald es Tag wurde,
machte er sich wieder auf den Weg; denn er hatte durchaus keine Ruhe. Er
ging und ritt den ganzen Tag durch einen groen Wald, worin viele grne
Pltze waren, die herrlich zwischen die Bume hindurchschimmerten. Halvor
wute nicht mehr, wo er war, und wohin der Weg fhrte; aber er lie sich
keine Zeit, auszuruhen, auer wenn er dem Pferd Etwas zu essen gab und
er selber auf einem der grnen Pltze seinen Ranzen aufschnrte. Er ging
und ritt immerfort, und der Wald schien niemals ein Ende nehmen zu
wollen.

Aber am andern Morgen, als es dmmerte, sah er, da es zwischen den
Bumen lichter ward. Ich wollte, ich kme jetzt zu Leuten, wo ich mich
ein wenig wrmen und Etwas zu essen bekommen knnte! dachte Halvor; und
als er noch einige Schritte gegangen war, kam er zu einer armseligen
Htte und sah drinnen durch die Fensterscheiben ein Paar alte Leute; sie
waren schon sehr alt und hatten einen ganz grauen Kopf, so grau, wie
Tauben, und die Frau hatte eine Nase, die war so lang, da sie sie statt
Feuergabel auf dem Herd gebrauchte. Guten Abend! sagte Halvor, als er
eintrat. Guten Abend! sagte die Frau: Was fhrt Euch denn hieher?
ber hundert Jahre sind es jetzt, da keine Menschenseele hier gewesen
ist. Halvor erzhlte ihnen, da er nach Soria-Moria-Schlo wolle, und
fragte, ob sie nicht den Weg dahin wten. Nein, sagte die Frau: den
wei ich nicht; aber nun kommt gleich der Mond, den will ich fragen;
denn der scheint auf Alles und sieht Alles, der mag es wohl wissen.
Als nun der Mond hell und klar ber den Bumen stand, ging die Frau
hinaus und rief: Du Mond, Du Mond! kannst Du mir nicht den Weg nach
Soria-Moria-Schlo sagen? -- Nein, sagte der Mond: das kann ich
nicht; denn als ich in der Gegend schien, stand eine Wolke davor.
-- Warte nur ein wenig, sagte die Frau zu Halvor: nun kommt bald der
Westwind, der wei es gewi; denn der weh't und bls't in jeden Winkel.
Ei! hast Du auch ein Pferd? rief sie darauf, als sie Halvors Pferd
erblickte: la doch das arme Thier ein wenig in die Koppel hinaus, und
hier nicht bei der Thr stehen und hungern! Aber willst Du es mir
nicht vertauschen? sagte sie: Ich habe hier ein Paar alte Stiefeln
stehen, womit Du sieben Meilen in _einem_ Schritt machen kannst; die
will ich Dir fr Dein Pferd geben; dann kannst Du um so viel eher nach
Soria-Moria-Schlo kommen. Das war Halvor schon recht, und die Alte
freu'te sich so sehr ber das Pferd, da sie tanzte und sprang. Nun
kann ich doch, wenn ich will, zur Kirche _reiten!_ sagte sie. Halvor,
der keine Ruhe hatte, wollte sogleich mit den Stiefeln fort; aber die
Alte sagte: Es hat nicht so groe Eile; lege Dich nur erst ein wenig
auf die Bank hin und schlafe, denn ein Bett habe ich Dir nicht
anzubieten; inde will ich aufpassen, wenn der Westwind kommt.

Als nun Halvor ein wenig geschlafen hatte, kam der Westwind dahergesaus't,
da die alte Htte krachte. Die Alte hinaus: Du Westwind! Du Westwind!
rief sie: weit Du nicht den Weg nach Soria-Moria-Schlo? Hier ist
Einer, der will gern hin. -- Ja, den wei ich sehr gut, sagte der
Westwind: ich soll eben jetzt dahin und die Kleider zur Hochzeit
trocknen. Ist er rasch zu Fu, so kann er mit mir reisen. Halvor
hinaus. Du musst schnell sein, wenn Du mit willst, sagte der Westwind,
und fort ging's ber Rusch und Busch, ber Hgel und Thal, so da Halvor
Genug zu thun hatte, um Schritt zu halten. Endlich sagte der Westwind:
Jetzt kann ich nicht weiter mit Dir reisen; denn ich mu dort noch erst
ein Stck Tannenwald umreien, eh' ich zur Bleiche komme und die Kleider
trockne; wenn Du aber lngs der Bergseite fortgehst, so kommst Du zu
einigen Dirnen, die dort stehen und Zeug waschen, und von da ist es
nicht mehr weit nach Soria-Moria-Schlo.

Um eine Weile kam Halvor zu den Dirnen, die da stunden und wuschen; sie
fragten ihn, ob er nicht den Westwind gesehen htte, der sollte kommen
und das Zeug zur Hochzeit trocknen. Ja, sagte Halvor: er ist nur hin
und reit ein Stck Tannenwald um; es wird aber nicht lange dauern, so
ist er da, und nun befragte er sie um den Weg nach Soria-Moria-Schlo.
Sie zeigten ihn darauf zurecht, und als er ans Schlo kam, war es da so
voll von Menschen und Pferden, da es wimmelte. Halvor aber war so
zerlumpt und zerrissen, weil er dem Westwind ber Rusch und Busch und
Stock und Stein gefolgt war, da er sich gar nicht sehen lassen mochte,
sondern sich abseits hielt; erst den letzten Tag trat er hervor, da eben
die Gste sich zur Tafel setzten. Als sie nun, wie es Sitte und Gebrauch
ist, die Gesundheit des Brutigams und der Braut tranken und ihnen Glck
wnschten, und der Mundschenk Allen, sowohl Rittern, als Knappen, zutrank,
da kam der Becher auch zu Halvor. Er brachte nun ebenfalls die Gesundheit
des Brautpaars aus, darnach lie er den Ring, den die Prinzessinn ihm an
den Finger gesteckt hatte, als er an dem Wasser eingeschlafen war, in
den Becher fallen und sagte zu dem Mundschenken, er solle die Braut von
ihm gren und ihr den Becher reichen. Wie nun die Prinzessinn ihren
Ring erblickte, stand sie sogleich vom Tische auf und sprach: Wer hat
es wohl am ersten verdient, Eine von uns zur Gemahlinn zu haben. Der,
welcher uns befrei't hat, oder Der, welcher hier als Brutigam sitzt?
Natrlich der Erste, sagten Alle, darber knnten durchaus nicht zwei
Meinungen sein. Und als Halvor das hrte, sumte er nicht, seine Lumpen
abzuwerfen und sich als Brutigam zu schmcken. Ja, Das ist der
Rechte! rief die Prinzessinn, als sie ihn erblickte, lie den Andern
mit einer langen Nase abziehen und hielt Hochzeit mit Halvor.




28.

Der Herr Peter.


Es waren einmal ein Paar arme Eheleute, die hatten drei Shne. Wie die
beiden ltesten hieen, wei ich nicht; aber der jngste hie _Peter_.
Als die ltern gestorben waren, und die Kinder sich in die Erbschaft
theilen wollten, war Nichts da, als ein Grapen, eine Brodplatte und eine
Katze. Der lteste, welcher das Beste haben sollte, nahm den Grapen.
Wenn ich den ausleihe, bleibt doch immer Etwas fr mich auszuschrapen
drin, sagte er. Der zweite nahm die Brodplatte: Wenn ich die ausleihe,
bleibt doch immer Etwas fr mich abzukratzen dran, sagte er. Fr
den jngsten blieb nichts Anders brig, als die Katze. Wenn ich die
ausleihe, bekomm' ich Nichts dafr, sagte er: giebt man ihr auch ein
wenig Milch, so schleckt sie sie selbst. Gleichwohl nahm er doch die
Katze; denn es jammerte ihn, sie umkommen zu lassen.

Hierauf wanderten die Brder fort in die Welt, um ihr Glck zu versuchen,
und jeder zog seine Strae. Als der jngste eine Weile fortgegangen war,
sagte die Katze: Es soll Dir nicht leid sein, da Du mich nicht in der
alten Htte hast umkommen lassen, sondern mich mit Dir genommen. Ich
werde in den Wald gehen und allerlei Gethier greifen, das sollst Du zu dem
Knig auf das Schlo tragen, das Du dort siehst, und sagen, Du brchtest
ihm ein kleines Geschenk. Wenn er Dich dann fragt, von Wem das ist,
sollst Du sagen: 'Das ist von dem _Herrn Peter_.' Hierauf lief die
Katze in den Wald, und kam bald mit einem lebendigen Rennthier zurck;
dem war sie auf den Kopf gesprungen, hatte sich zwischen die Hrner
gesetzt und gesagt: Gehst Du nicht gradesweges zu des Knigs Schlo,
so kratze ich Dir die Augen aus, darum wagte das Rennthier auch nicht,
anders zu thun, als die Katze ihm gesagt hatte. Wie Halvor nun zum
Schlo kam, ging er mit seinem Thier in die Kche und sagte: Ich komme,
um dem Knig ein kleines Geschenk zu berbringen, wenn er es nicht
verschmhen wollte. Als man dem Knig das anmeldete, kam er sogleich
in die Kche, und wie er das groe schne Rennthier erblickte, war er
darber auerordentlich erfreu't. Mein lieber Freund, sagte er zu
Halvor: Wer ist es, der mir ein so schnes Geschenk sendet? -- O, das
ist der Herr Peter, sagte der Bursch. Der Herr Peter? sagte der
Knig: wo wohnt er doch noch, dieser Herr Peter? denn es duchte ihm
eine Schande, da er einen solchen Mann nicht kennen sollte. Aber der
Bursch wollt' es ihm nicht sagen; er drfe es nicht wegen seines Herrn,
sagte er. Darauf gab der Knig ihm ein gutes Trinkgeld und bat ihn,
seinen Herrn von ihm zu gren, und er liee sich auch vielmal bedanken.

Den andern Tag lief die Katze wieder in den Wald, sprang einem Hirsch
auf den Kopf, setzte sich ihm zwischen die Augen und nthigte ihn
ebenfalls durch Drohungen, nach des Knigs Schlo zu gehen. Als Peter in
die Kche eintrat, sagte er wieder, er kme, um dem Knig ein kleines
Geschenk zu berbringen, wenn er es nicht verschmhen wolle. Der Knig
freu'te sich ber den Hirsch noch mehr, als ber das Rennthier, und
fragte, Wer es denn wre, der ihm ein so schnes Geschenk sende. Das
ist der Herr Peter, sagte der Bursch. Als aber der Knig wissen wollte,
wo der Herr Peter wohne, bekam er wieder dieselbe Antwort, wie den
vorigen Tag, und diesmal gab er Petern ein noch greres Trinkgeld.

Den dritten Tag kam die Katze mit einem Elenthier an. Als Peter in die
Kche auf dem Schlo trat und sagte, er brchte dem Knig ein kleines
Geschenk, ward es dem Knig sogleich angesagt. Wie dieser nun herauskam
und das groe schne Elenthier erblickte, war er darber so voller
Freude, da er nicht wute, auf welchem Bein er stehen wollte, und das
Mal gab er Petern ein noch weit greres Trinkgeld, es waren gewi
hundert Thaler. Nun wollte aber der Knig durchaus wissen, wo der Herr
Peter wohnte, und forschte und fragte auf alle mgliche Weise; aber
Peter sagte, er drfe es nicht sagen von wegen seines Herrn, denn der
htte es ihm so strenge verboten. So sage denn dem Herrn Peter, ich
liee ihn bitten, mich zu besuchen, sagte der Knig. Ja, sagte der
Bursch, er wollt's wohl bestellen. Als Peter darauf zu der Katze kam,
sagte er: Na, Du hast mich in eine schne Patsche gebracht! Nun will
der Knig, ich soll ihn besuchen, und ich habe ja nichts Anders auf
den Leib zu ziehen, als die Lumpen, worin ich gehe und stehe. -- O,
sei dewegen nicht bekmmert! sagte die Katze: um drei Tage sollst
Du Pferde und Wagen und so schne Kleider bekommen, da das Gold
heruntertrpfelt; dann kannst Du den Knig besuchen. Aber Was Du auch
beim Knig siehst, so musst Du immer sagen, Du httest es noch weit
schner und prchtiger zu Hause; das musst Du nicht vergessen. Nein,
Peter wollt's nicht vergessen. -- Als nun die drei Tage um waren, kam
die Katze mit Wagen und Pferden und Kleidern und Allem, was Peter
gebrauchte. Das Alles aber war so prchtig, wie Niemand Dergleichen
noch gesehen hatte. Nun fuhr Peter nach dem Schlo, und die Katze lief
hinterher. Der Knig empfing den Burschen sehr freundlich; aber Was er
ihm auch zeigen und anbieten mochte, so sagte Peter immer, ja, das wre
Alles recht gut, aber er htt's doch noch weit schner und prchtiger zu
Hause. Das wollte nun dem Knig gar nicht anstehen, aber Peter blieb
immer beim Alten. Zuletzt ward der Knig so verdrielich, da er sich
nicht lnger halten konnte. Nun will ich mit Dir reisen, sagte er:
und sehen, ob es wahr ist, da Du Alles so viel besser und schner
hast, als ich. Aber Gnade Dir Gott, wenn Du lgst! Ich sage nicht mehr.
-- Ja, nun hast Du mich schn in die Tinte gebracht! sagte Peter zu
der Katze: nun will der Knig mit mir reisen nach meinem Hause, aber
das ist wohl nicht gut zu finden. -- La Dich das nicht kmmern!
sagte die Katze: ich werde voranlaufen, und folge Du mir dann nur immer
nach. Darauf reis'ten sie fort: die Katze voran, darnach Peter, welcher
hinter ihr her fuhr, und dann der Knig mit seinem ganzen Hofstaat.

Als sie nun ein gutes Ende gefahren waren, kamen sie zu einer groen
Heerde Schafe, die hatte Wolle, so lang, da sie an der Erde schleppte.
Willst Du sagen, da diese Schafheerde dem Herrn Peter gehrt, so gebe
ich Dir diesen silbernen Lffel, sagte die Katze zum Hirten -- den
Lffel aber hatte sie mit aus dem Knigsschlo genommen --. Ja, das
wollte der Hirte wohl sagen. Als nun der Knig gefahren kam, rief er:
Ei! ei! hab' ich doch nie eine so groe schne Schafheerde gesehen! Wem
gehrt die, mein kleiner Bursch? -- Die gehrt dem Herrn Peter, sagte
der Bursch.

Nach einer Weile kamen sie zu einer schnen groen Heerde scheckiger
Khe, die waren so fett, da sie glnzten. Willst Du sagen, da diese
Heerde dem Herrn Peter gehrt, wenn der Knig Dich fragt, so gebe ich Dir
diesen silbernen Handzuber, sagte die Katze zu der Dirn, die das Vieh
trieb -- den Zuber aber hatte sie auch aus dem Schlo mitgenommen --. Ja,
recht gern! sagte die Dirn. Als nun der Knig gefahren kam, wunderte
er sich sehr ber die groe schne Heerde; eine so schne Viehheerde,
meinte er, htte er noch nie gesehen; und als er die Dirn fragte, Wem
das Vieh gehre, sagte sie: O, das gehrt alles dem Herrn Peter.

Ein Ende weiter hin trafen sie eine groe schne Koppel Pferde an, es
waren die schnsten Pferde, die man sehen konnte; alle waren sie gro und
fett, und von jeder Farbe waren sechs: rothe, fahle und blaue. Willst
Du sagen, da diese Pferdetrift dem Herrn Peter gehrt, wenn der Knig
Dich fragt, so geb' ich Dir diesen silbernen Abgu, sagte die Katze zum
Hirten -- den Abgu hatte sie auch aus dem Schlo mitgenommen --. Ja,
der Bursch wollt's wohl sagen. Als nun der Knig ankam, war er ganz
verwundert ber die groe schne Pferdetrift; denn solche Pferde htte
er noch nie gesehen, sagte er, und als er den Burschen fragte, Wem alle
die rothen und fahlen und blauen Pferde gehrten, sagte der: Die
gehren alle dem Herrn Peter.

Als sie nun ein gutes Ende weiter gereis't waren, kamen sie zu einem
Schlo. Die erste Pforte war von Messing, die zweite von Silber, und die
dritte von Gold. Das Schlo selbst war von Silber und so blank, da es
Einem in den Augen weh that, wenn man es ansah; denn es schien grade die
Sonne darauf, wie sie ankamen. Die Katze hatte die Gelegenheit ersehen,
dem Burschen unbemerkt ins Ohr zu flstern, er solle sagen, das wre
_sein_ Schlo. Drinnen im Schlo aber war's noch viel prchtiger, als
auen: Alles war hier von Gold, sowohl die Sthle, als die Tische und
die Bnke. Als nun der Knig rings umhergegangen war und Alles genau
betrachtet hatte, von unten und von oben, da ward er ganz beschmt.
Ja, der Herr Peter hat Alles weit prchtiger, als ich, sagte er: es
hilft nicht, da man es leugnet, und damit wollte er wieder fortreisen.
Aber Peter bat ihn, er mchte doch bleiben und bei ihm zu Abend essen.
Na, das that denn der Knig auch; aber sauer sah er die ganze Zeit.
-- Whrend sie nun bei Tische saen, kam der Troll gegangen, dem das
Schlo gehrte, und klopfte an die Pforte. _Wer ist es, der mein Essen
verzehrt und meinen Meth trinkt, als wren Schweine drinnen?_ rief er.
Als die Katze das hrte, lief sie sogleich hinaus, trat an die Pforte
und sprach: Wart einmal! ich will Dir erzhlen, wie der Bauer es mit
dem Winterkorn macht, und darauf erzhlte sie dem Trollen sehr weitlufig
vom Winterkorn: wie zuerst der Bauer seinen Acker pflge, darnach ihn
dnge, und dann wieder pflge u. s. w., bis pltzlich die Sonne
aufging[7]. Sieh Dich mal um, dann wirst Du hinter Dir die schne
herrliche Jungfrau erblicken! sagte die Katze zum Trollen. Da sah
dieser sich um, erblickte die Sonne und barst mitten von einander[8].

Nun gehrt Alles Dir, sagte darauf die Katze zu Petern: Jetzt aber
sollst Du mir den Kopf abschlagen, das ist der einzige Lohn, den ich
fr die Dienste verlange, die ich Dir gethan habe. Das wollte aber
Peter durchaus nicht. Wenn Du es nicht thust, sagte die Katze: so
kratze ich Dir die Augen aus. Da konnte Peter nicht anders, sondern
mute thun, wie die Katze wollte, so sauer es ihm auch ankam: mit
_einem_ Streich hatte er ihr den Kopf vom Rumpf abgehau't. Da stand
aber pltzlich vor ihm die schnste Prinzessinn, die man je gesehen
hat, und Peter wurde augenblicklich ganz in sie verliebt. Alle diese
Herrlichkeit gehrte frher mir, sagte die Prinzessinn: aber der Troll
hatte mich verzaubert, so da ich als Katze in dem Hause Deiner ltern
sein mute. Nun kannst Du thun, Was Du willst, mich zu Deiner Gemahlinn
nehmen, oder nicht; denn nun bist Du Knig ber das ganze Reich. -- Der
nicht nein sagte, das war Peter, und es ward eine Hochzeit gehalten und
ein Gastmahl, das dauerte ganze acht Tage lang. Nun war ich aber nicht
lnger bei dem Herrn Peter und der jungen Kniginn.




29.

Aase[9], das kleine Gnsemdchen.


Es war einmal ein Knig, der hatte so viele Gnse, da er eigens eine
Dirn halten mute, sie zu hten; diese Dirn hie Aase, und darum nannten
die Leute sie _Aase, das Gnsemdchen_. Nun traf es sich, da der
Knigssohn von England aufs Freien ausreis'te, dem setzte Aase sich in
den Weg. Was sitzest Du da, Du kleine Aase? sagte der Knigssohn. Ich
sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen, sagte Aase:
denn ich warte auf den Knigssohn von England. -- Den kannst Du nicht
bekommen, sagte der Prinz. Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn
wohl kriegen, sagte die kleine Aase. -- Es wurden nun Maler ausgesandt
nach allen Lndern und Reichen, die sollten die schnsten Prinzessinnen
abmalen, und dann wollte der Knigssohn sich eine zur Gemahlinn aussuchen.
Eine von ihnen gefiel ihm auch so gut, da er sogleich zu ihr reis'te
und um sie frei'te; sie sagte auch Ja und ward seine Braut, und darber
war der Prinz auerordentlich vergngt. Nun hatte aber der Prinz einen
Stein, und wenn er den vor sein Bett hinlegte, sagte der ihm Alles,
worber er ihn befragte. Als daher die Prinzessinn angereis't kam, sagte
Aase, das Gnsemdchen, zu ihr, wenn sie schon frher einen Liebsten
gehabt htte, oder sich wegen einer gewissen Sache, wovon der Prinz
Nichts wissen solle, etwa nicht frei fhle, so msse sie sich in Acht
nehmen, da sie nicht ber den Stein trete, den der Prinz vor sein Bett
hingelegt htte, denn der sage ihm Alles. Als die Prinzessinn das hrte,
ward sie sehr angst und bat die kleine Aase, da sie sich am Abend an
ihrer Stelle zu dem Prinzen ins Bett legen mchte, und wenn er dann
eingeschlafen sei, wollten sie wieder umtauschen, so da er am Morgen,
wenn es hell wrde, die Rechte bei sich htte. Das thaten sie denn auch.
Als Aase, das Gnsemdchen, ber den Stein trat, fragte der Prinz: Wer
ist es, der in mein Bett steigt? -- Reine und keusche Jungfrau, sagte
der Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber kam
die Prinzessinn und legte sich an Aase's Stelle. Als sie aber am andern
Morgen aufstanden, fragte der Prinz den Stein wieder: Wer ist es, der
aus meinem Bett steigt? -- Eine, die schon drei Kinder gehabt hat,
sagte der Stein. Wie der Prinz das hrte, wollte er sie nicht haben,
sondern schickte sie wieder nach Hause und nahm sich eine andre Braut.

Als er nun die neue Braut besuchen wollte, hatte Aase, das kleine
Gnsemdchen, sich wieder vor ihm in den Weg hingesetzt. Was sitzest
Du hier, Du kleine Aase? sagte der Prinz. Ich sitze hier und flicke
das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn ich warte auf den Knigssohn
von England, sagte Aase. Den kannst Du nicht bekommen, sagte der
Knigssohn. Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn wohl kriegen,
sagte Aase.

Mit dieser Prinzessinn ging es nun eben so, wie mit der vorigen, nur mit
dem Unterschied, da der Stein, als sie am Morgen aufstand, sagte, sie
htte schon sechs Kinder gehabt. Nun wollte der Prinz auch sie nicht
haben, sondern jagte sie wieder aus dem Hause; aber einmal, meinte er,
wollt' er's noch versuchen, ob er nicht Eine finden knne, die noch eine
reine und keusche Jungfrau sei. Er reis'te nun weit umher durch viele
Lnder, bis er endlich Eine fand, die er leiden mochte. Als er sie darauf
einmal besuchte, hatte Aase, das Gnsemdchen, sich wieder in den Weg
hingesetzt. Was sitzest Du hier, Du kleine Aase? fragte der Prinz.
Ich sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn
ich warte auf den Knigssohn von England, sagte Aase. Den kannst Du
nicht bekommen, sagte der Prinz. Wenn ich ihn haben soll, dann werd'
ich ihn wohl kriegen, versetzte die kleine Aase.

Als die Prinzessinn ankam, sagte Aase, das Gnsemdchen, zu ihr eben so,
wie zu den beiden ersten, wenn sie schon einen Liebsten gehabt htte,
oder sonst Etwas im Wege wre, das der Prinz nicht wissen solle, so
msse sie nicht ber den Stein treten, den der Prinz vor sein Bett
hingelegt htte, denn der sage ihm Alles. Wie die Prinzessinn das hrte,
ward sie sehr ngstlich; aber sie war eben so verschlagen, wie die
beiden andern, und bat Aase, da sie sich am Abend an ihrer Stelle zu
dem Prinzen ins Bett legen mchte, und wenn er eingeschlafen sei,
wollten sie wieder umtauschen, so da er am Morgen, wenn's hell wrde,
die Rechte bei sich htte. Das thaten sie denn auch. Als Aase, das
Gnsemdchen, ber den Stein trat, fragte der Prinz wieder: Wer ist es,
der in mein Bett steigt? -- Reine und keusche Jungfrau, sagte der
Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber steckte
der Prinz einen Ring an Aase's Finger, der war aber so drange, da sie
ihn nicht wieder abkriegen konnte; denn der Prinz hatte nachgerade wohl
gemerkt, da es nicht ganz richtig zuging, und darum wollt' er ein
Zeichen haben, woran er die Rechte wieder erkennen knnte. Als der Prinz
eingeschlafen war, kam die Prinzessinn und jagte Aase in den Gnsestall
und legte sich selbst an ihre Stelle ins Bett. Wie sie nun am Morgen
aufstanden, und der Prinz fragte: Wer ist es, der aus meinem Bett
steigt? sagte der Stein wieder: Eine, die schon drei Kinder gehabt
hat; und als der Prinz das hrte, ward er so bse, da er sie
augenblicklich aus dem Hause jagte. Darauf fragte er den Stein, wie es
denn mit diesen drei Prinzessinnen zusammenhinge, die ber ihn gestiegen
wren. Da erzhlte ihm der Stein, wie die Sache sich verhielt, und da
die Prinzessinnen ihn betrogen und Aase, das kleine Gnsemdchen, an
ihre Stelle gelegt htten. Das wollte der Prinz erst nicht glauben und
ging daher aufs Feld, wo Aase sa und die Gnse htete; denn er wollte
sehen, ob sie wohl den Ring htte. Hat sie den, so ist es wohl am
besten, da ich _sie_ zur Gemahlinn nehme, dachte er. Als er nun zu ihr
auf's Feld kam, sah er, da sie einen Lappen um ihren Finger gebunden
hatte. Er fragte sie, warum sie das gethan htte. Ach, sagte sie: ich
habe mich so arg geschnitten. Der Prinz wollte nun durchaus den Finger
sehen; aber Aase wollte den Lappen nicht abnehmen. Da ergriff er ihren
Finger und hielt ihn fest, und wie Aase ihn zurckziehen wollte, ging
der Lappen ab, und nun erkannte der Prinz sogleich seinen Ring. Da nahm
er sie mit sich auf's Schlo und gab ihr viele schne Kleider und
herrlichen Schmuck; und darauf hielten sie Hochzeit. So bekam nun Aase,
das kleine Gnsemdchen, den Knigssohn von England, blo weil es so
bestimmt war, da sie ihn haben sollte.




30.

Der Bursch und der Teufel.


Es war einmal ein Bursch, der ging auf einem Wege und knackte Nsse; da
fand er eine, die war wurmstichig, und im selben Augenblick begegnete
ihm der Teufel. Ist es wahr, sagte der Bursch: was man sagt, da
der Teufel sich so klein machen kann, als er will, und sich durch ein
Nadelhr zwngen? -- Ja, antwortete der Teufel. Oh! la mich einmal
sehen und kriech in diese Nu! sagte der Bursch wieder; und das that
der Teufel. Als er durch das Loch gekrochen war, schlug der Bursch einen
Pflock hinein. Nun hab' ich Dich! sagte er und steckte die Nu in die
Tasche. Wie er nun ein Ende gegangen war, kam er zu einer Schmiede, da
ging er hinein und bat den Schmied, er mchte ihm doch die Nu entzwei
schlagen. Ja, das soll leicht gethan sein, antwortete der Schmied und
nahm seinen kleinsten Hammer, legte die Nu auf den Ambo und schlug zu;
aber sie wollte nicht entzwei. Da nahm er einen etwas greren Hammer,
aber der war auch noch nicht schwer genug; er nahm nun einen noch
greren, aber der that's auch noch nicht. Da wurde der Schmied
verdrielich und nahm den groen Hammer: Ich werde dich gleichwohl
entzwei kriegen, sagte er und schlug zu, all was er konnte. Da zerplatzte
die Nu, da das ganze Schmiededach abflog, und es krachte, als ob die
Htte umstrzen wollte. Ich glaube, der Teufel war in der Nu! sagte
der Schmied. Ja, er war drin, sagte der Bursch.

       *       *       *       *       *




Die von _P. Asbjrnsen_ und _Jrgen Moe_ gesammelten norwegischen
Volksmhrchen, welche hier dem Publicum in zwei Bnden vorliegen,
erschienen in der Originalsprache in einzeln Heften, wovon das 4te (das
letzte bis jetzt erschienene Heft) als des zweiten Bandes erstes Heft
bezeichnet ist; die Sammlung ist also noch nicht als abgeschlossen
anzusehen, ungeachtet seit dem Erscheinen des letzten Heftes bereits
drei Jahre verflossen sind, wogegen die drei ersten Hefte im Verlauf
eines einzigen Jahrs erschienen. Mge es den geehrten Herausgebern
dieser Mhrchen nicht an Aufmunterung fehlen, ihre schtzenswerthe
Sammlung fortzusetzen, in der das nordische Element so frisch und
krftig bewahrt, und der Volkston so gut gehalten ist, so da diese
Sammlung sich, nach dem Urtheile grndlicher Kritiker, als eine der
wrdigsten an die der Brder _Grimm_ anschliet.

Da alle diese Mhrchen aus dem Munde des norwegischen Volkes selbst
gesammelt, und nicht etwa neuere Dichtungen sind, bemerkt ausdrcklich
einer der Herausgeber, der Herr _P. Asbjrnsen_, in der Einleitung zu
seinen _Huldre-Eventyr_, eine Sammlung norwegischer Volksmhrchen,
worin die neckischen Huldregeister, wie in den vorliegenden die
ungeschlachten Trollen, die wichtigste Rolle spielen, welche Mhrchen
jedoch im Ganzen mehr den Charakter rtlicher Sagen an sich tragen.
Sobald diese Sammlung zu einem Bndchen herangewachsen ist, werden wir
nicht unterlassen, auch diese dem deutschen Publicum mitzutheilen.

Was die bersetzung der vorliegenden Mhrchen betrifft, so habe ich mich,
so weit es der Genius der Sprache nur erlaubte, genau an den Originaltext
gehalten. Einzelne unbedeutende Abnderungen wurden jedoch nothwendig,
wenn ich nicht zu schleppenden und allzu ermdenden Umschreibungen meine
Zuflucht nehmen wollte. So ist z. B. in dem Mhrchen: Der Gertrudsvogel
der Ausdruck _Levse_ auf deutsch blo durch _Brod_ wiedergegeben,
obgleich das nordische _Levse_ sonst eine Art weiches mit einem runden
Holze flach gerolltes Gebck bezeichnet. -- Die sehr oft vorkommende
Redensart bei den Trollen: _Her lugter saa christen Mands Been_ habe
ich durch die in deutschen Mhrchen sehr bliche Redensart im Munde
der Riesen: _Es riecht hier so nach Menschenfleisch_ wiedergegeben;
vielleicht wre es jedoch in diesem Falle richtiger gewesen, dem
nordischen Charakter getreu, zu sagen: _Es riecht hier so nach
Christenfleisch_, weil eben dadurch der unvershnliche Ha der Trollen
gegen das Christenthum sich ausspricht, obwohl sie berdies auch oft als
Menschenfresser erscheinen. Diese Bemerkung drngte sich mir jedoch erst
auf, nachdem meine bersetzung schon gedruckt war, und es bleibt mir
daher nur brig, falls ich hiedurch einen wirklichen Fehler begangen
haben sollte, um gtige Nachsicht zu bitten. -- Einzelne nordische
Ausdrcke, die sich durchaus nicht bersetzen lieen, wenn nicht das
nordische Element gnzlich verwischt werden sollte, habe ich unverndert
beibehalten und in einer unten beigefgten Note die Erklrung davon
gegeben.

Schlielich noch meinen innigsten Dank den in _Kopenhagen_ lebenden
Normnnern, welche mir ber die so hufig in dem Originaltexte
vorkommenden norwegischen Provinzialismen die nthige Aufklrung gegeben
haben. Den grten Theil dieser Provinzialismen habe ich durch deutsche
Provinzialismen wiederzugeben gesucht, weil eben dadurch das Naive in
der Volkserzhlung so charakteristisch hervortritt.

F. BRESEMANN.
BERLIN im October. 1846.




FUSSNOTEN -- FOOTNOTES


 1. Ein auf Stollen oder Pfosten ber der Erde aufgefhrtes Gebude, das
    als Speisegewlbe oder Vorrathskammer dient. Anm. d. bers.

 2. Siehe die Note Seite 18.

 3. Im Norwegischen ist das Wortspiel: _Ringerige_ und _Himmerige_.
    _Ringerige_ heit brigens eine alte Provinz in Norwegen.

 4. d. i. Holzrock.

 5. Bei diesem Mhrchen kommt Alles auf die Betonung an, indem man
    nmlich die Stimme des Hahns und der Henne nachzuahmen sucht.
    _Anm. d. Verf._

 6. _Lille_ bedeutet: klein; _kort_: kurz.

 7. Bekanntlich sind in Norwegen die Nchte um die Mitte des Sommers nur
    sehr kurz, so da die Sonne fast bestndig am Himmel steht.
    Anm. d. bers.

 8. In der nordischen Mythologie heit es sonst von den _Schwarzelfen_,
    da sie in Stein verwandelt werden, sobald die Sonne sie bescheint.
    Anm. d. bers.

 9. Sprich: Oe.




       *       *       *       *       *




TRANSCRIBER'S NOTE ---- ZUR KENNTNISNAHME

Contemporary spellings have generally been retained even when
inconsistent. A small number of obvious typographical errors have been
corrected and some names regularised; missing punctuation has been
silently added.

Zeitgenssische Schreibungen wurden generell beibehalten, auch wenn
gelegentlich mehrere Variaten auftauchen. Einige wenige orthografische
Fehler wurden korrigiert und Namen vereinheitlicht; fehlende
Zeichensetzung wurde ergnzt.

The following additional changes have been made:

Die folgenden zustzlichen nderungen wurden vorgenommen:


 ein kleineres Stuck             ein kleineres _Stck_

 einenen Schluck                _einen_ Schluck

 Tollprinz                       Trollprinz

 aber er er dachte               aber _er_ dachte

 an dem Taschentuch, den         an dem Taschentuch, _das_

 das Eimer                      _den_ Eimer

 zum Zutragen hagen              zum Zutragen _haben_

 bis ich ihn wieder              bis ich _ihm_ wieder
 aufzustehen erlaube             aufzustehen erlaube



***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMHRCHEN I.***


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