The Project Gutenberg EBook of Das Wirken der Seele, by Rudolf Eisler

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Title: Das Wirken der Seele
       Ideen zu einer organischen Psychologie

Author: Rudolf Eisler

Release Date: February 18, 2011 [EBook #35318]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  Das
  Wirken der Seele

  Ideen zu einer organischen Psychologie


  Von

  DR. RUDOLF EISLER


  [Illustration: Dekoration]


  LEIPZIG
  Alfred Krner Verlag
  1909


Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.




Vorwort.


Die vorliegende Arbeit[A] enthlt die Grundzge einer
+organisch-teleologischen Psychologie+, deren systematischen Ausbau sich
der Verfasser fr eine sptere Zeit vorbehlt. Es wird hier versucht, zu
zeigen, wie sich eine konsequente Durchfhrung des psychologischen
Voluntarismus, fr den das Streben und Wollen, die zielsetzende
Ttigkeit der Psyche (als des Innenseins des Organismus) das
+Dynamische+, das innerste Triebwerk des Seelenlebens ist, gestalten
mu, wenn dieser Voluntarismus im guten Sinne des Wortes +monistisch+
und +evolutionistisch+ gefrbt ist, d.h. wenn er bei vollster
Anerkennung der Eigenkraft des Psychischen einer Durchbrechung des
geschlossenen Naturzusammenhanges nirgends Raum gewhrt, und wenn er die
innere, durch uere Faktoren mitbedingte Entwicklungsarbeit der Psyche
gebhrend bercksichtigt. Wenn auch naturgem so manches schon Bekannte
gebracht werden mute, so hofft der Verfasser doch, durch seine Schrift
nicht blo weiteren Kreisen, sondern auch dem Psychologen, Biologen und
Philosophen manche Anregungen bieten zu knnen[B].


  +Wien+, April 1909.

                                          Dr. +Rudolf Eisler+.

   [A] Unter Zugrundelegung der gleichnamigen Abhandlung in der
   Zeitschrift fr den Ausbau der Entwicklungslehre, II. Jahrgang.
   1908.

   [B] Vgl. +Eisler+, Krit. Einfhr. in die Philos., Berlin 1905;
   +Leib und Seele+, Leipzig 1908; +Grundlagen der Philos. des
   Geisteslebens+, Leipzig 1908; Wrterbuch der philos. Begriffe,
   Berlin, 3. Aufl., 1909, sowie die in Vorbereitung befindliche im
   gleichen Verlage (im Herbste) erscheinende Geschichte des
   Monismus.




Inhalt.


                                                    Seite

  I. Die Psyche und ihr Verhltnis zum Physischen       5

  II. Die psychische Kausalitt                        19

  III. Der Wille als psychischer Motor                 28

  IV. Der Zweck im Seelischen                          43

  V. Psychische Entwicklung                            58

  Anmerkungen                                          70




I. Die Psyche und ihr Verhltnis zum Physischen.


Die Zeiten, da man unter der Seele eine immaterielle, einfache,
unzerstrbare Substanz hinter dem Bewutsein und dessen Modifikationen
verstand, scheinen nun doch vorber zu sein. Zwar fehlt es gerade in
jngster Zeit nicht an einer +dualistischen Reaktion+ nicht blo gegen
den Materialismus, sondern auch gegen die Identittstheorie und jeden
sonstwie gearteten Monismus, aber erstens ist diese Reaktion nur ein
neuer Vorsto des alten Seelenglaubens, und zweitens weist sie vielfach
+Konzessionen+ gegenber der monistischen Ansicht auf, welche bezeugen,
da es mit der metaphysischen Hypothese der absolut einfachen, dem Leibe
vllig selbstndig gegenberstehenden und von ihm trennbaren
Seelensubstanz rapid zu Ende geht.

Die psychologische Aktualittstheorie mag sich mancher Einseitigkeiten
und bertreibungen schuldig gemacht haben, wie wir weiter unten zeigen
werden. Aber das nimmt ihr keinesfalls das auerordentliche Verdienst,
an Stelle der transzendenten, aller Erfahrung sich entziehenden
Seelensubstanz mit besonderen Vermgen und Ttigkeiten das +konkrete
Bewutsein+ als Inbegriff und Zusammenhang von Erlebnissen selbst
gesetzt zu haben. Mit vollem Recht betont diese Aktualittstheorie[1]
zweierlei. Erstens, da die +psychischen Vorgnge+, die
Bewutseinserlebnisse als solche +weder Schein noch bloe Erscheinung+
sind, sondern volle Wirklichkeit und Wirksamkeit haben, so da also das
Psychische nicht aus unerfahrbaren, hinter und unter den
Bewutseinserlebnissen stehenden Prozessen besteht. Zweitens, da das
Psychische +nichts starr Substantielles, Ruhendes+, sondern aktuell
ist, da es nicht Zustand einer absolut beharrenden, unvernderlichen
Substanz ist, sondern in einem Zusammenhang von Vorgngen, von
lebendigen Prozessen besteht, in welchen nichts sich absolut
gleichbleibt. Die psychischen Gebilde sind nicht Dinge, sondern
+flieende Resultate bestndiger Aktionen und Reaktionen+, sie sind in
einem +unaufhrlichen Flusse+ begriffen und bilden die +Momente einer
fortlaufenden Entwicklung und Entfaltung+, deren Konstanz in erster
Linie +formaler+ Art ist. Die Seele ist hiernach keine Substanz im
Sinne des naturwissenschaftlichen Substanzbegriffs. Dieser ist durch die
Beschaffenheit des Inhalts der ueren, sinnlich vermittelten
Erfahrung gefordert; er dient zu deren objektiven Vereinheitlichung, zur
Setzung fester Ansatzpunkte fr die Anschauung und das Denken der
Objekte. Fr die Psychologie aber ist der abstrakte Substanzbegriff ohne
Nutzen, er ist hier berflssig, weil das Zentrum, um das sich die
psychischen Erlebnisse gruppieren, unmittelbar im +Subjektmoment+
gegeben ist, und er ist sogar schdlich, weil er den konkreten
Tatbestand des Erlebens leicht zugunsten eines unbekannten, mit
hypothetischen oder fiktiven Krften und Eigenschaften ausgestatteten
Seelendinges verflscht, dem Reichtum der Bewutseinsmannigfaltigkeit
nicht gengt, der im Widerspruche zu der vorgeblichen Einfachheit der
Seelensubstanz steht, und endlich die Wechselbeziehungen zwischen
Psychischem und Physischem zu einem Rtsel macht. Denn alle Versuche,
die Wechselwirkung zwischen der einfachen Seelensubstanz und dem
Krper verstndlich zu machen, scheitern teils an der Heterogenitt
beider Wirklichkeitsglieder, teils an der Durchbrechung, welche hier das
Prinzip der geschlossenen Naturkausalitt und das Prinzip der Erhaltung
der physischen Energie erleiden[2].

brigens gilt das meiste des hier Gesagten auch fr jene Annahme, wonach
das Psychische zwar nicht Zustand einer unbekannten Seelensubstanz, aber
doch ein vom Physischen absolut verschiedenes, trennbares und
eigenartiges +Geschehen+ ist, das mit jenem in Wechselwirkung steht.
Erstens lt sich nicht, wie dies von mancher Seite geschieht, das
Psychische in genau demselben Sinne wie das Physische als eine Energie
auffassen; denn es ist unrumlich[3], unmassenhaft und entbehrt auch
sonst der Eigenschaften, welche eine physikalisch-chemische
Arbeitsleistung ermglichen. Ist es aber keine Energie im physikalischen
Sinne, lt es sich seiner Natur nach weder aus physischer Energie
gewinnen noch in solche umsetzen, schon weil es keinen Bestandteil des
Inhalts der ueren Erfahrung bildet, ist ferner nicht einzusehen, wie
ein immaterielles Geschehen Bewegung erzeugen oder auch nur der Richtung
nach abndern und wie Bewegung, Druck und Sto, kurz mechanische Kraft,
auf ein Immaterielles, Unrumliches einwirken kann, dann ist die Annahme
eines solchen, dem Physischen als selbstndiges Geschehen
gegenberstehenden Psychischen, auch abgesehen von anderen
Schwierigkeiten, schon suspekt. Ein Psychisches kann auf ein Physisches
nicht wahrhaft einwirken, ohne da die Menge der physikalisch-chemischen
Energie einen +Zuwachs+ erhlt, und umgekehrt kann das Physische,
Materielle nicht auf das Seelische eine Wirkung ausben, ohne da
physische Energie +verloren+ geht. Es mte denn neben der normalen Art
physischer Wirksamkeit noch eine zweite geben, welche das Energieprinzip
intakt lt -- eine undurchfhrbare und vor allem ganz unntige Annahme.

Nun knnte man glauben, es bleibe nur noch der materialistische Ausweg,
das Psychische mit dem Physischen zu identifizieren oder es als
Funktion desselben zu bestimmen. Dem ist aber nicht so. Der
+Materialismus+ ist als Dogma eine unhaltbare Theorie und was er
Richtiges enthlt, die +strenge Koordination+ zwischen psychischen und
physiologischen Vorgngen, bietet auch der nicht materialistische
Monismus, von dem gleich die Rede sein wird. In keiner seiner Abarten
ist der Materialismus haltbar, aus Grnden, die hier nur angedeutet
werden knnen. Das Psychische, d.h. irgendein beliebiges Erleben,
wie die Empfindung eines Tones, die Vorstellung einer Gestalt, das
Gefhl einer Lust oder Unlust, eine Begierde oder ein Abscheu, ein
Willensentschlu, ein Urteilsakt u. dgl., +ist ein subjektiver+, auf ein
Subjekt, ein Ich unmittelbar sich beziehender, in physikalischen
Ausdrcken nicht beschreibbarer Vorgang, der etwas anderes ist als der
Inhalt oder Gegenstand des Erlebens, das objektive Raumgebilde, an
welchem Bewegung und Energie auftritt. Es ist einfach absurd, zu
behaupten, ein Schmerz etwa sei nichts als Bewegung; denn wir meinen
ja mit Schmerz, Lust, Wille u. dgl. qualitativ etwas ganz Bestimmtes,
Erlebbares, was sich ohne weiteres von einer Bewegung, von einem
rumlichen Geschehen unterscheidet. +Psychische Erlebnisse+ sind weder
stoffliche Substanzen, die von anderen gleichsam ausgeschieden werden
knnten, noch physische Vorgnge, sie sind +nicht Objekte+ des Erlebens,
sondern das +subjektive Erleben selbst in dessen unmittelbarem
Auftreten+. Das Psychische ist kein wg- oder rumlich mebares,
mechanische Arbeit verrichtendes Etwas, keine Nervenschwingung u.
dgl., mag es auch mit einer solchen untrennbar verknpft sein. Es hat
mit Massen und Massenbewegungen nichts zu tun, es kann nicht eine
Eigenschaft unter materiellen Eigenschaften bilden, es geht nicht in
die mathematischen Formeln fr physikalisch-chemische Vorgnge ein. Aber
auch nicht eine kausale Funktion, eine Wirkung physiologischer Prozesse
kann das Psychische, das subjektive Erleben sein. Erkenntnistheoretisch
nicht, weil das Physische als solches schon durch ein Subjekt und dessen
psychisches Erleben (Empfinden, Vorstellen, Wollen) +bedingt+ und im
besten Falle nur die von einem Bewutsein qualitativ abhngige
Erscheinung eines An sich ist, das nicht selbst physisch ist, wenn
es auch den objektiven Grund fr das Auftreten physischer Phnomene
abgibt. Aber auch aus methodologischen Grnden kann das Psychische nicht
die Wirkung des Physischen, Physiologischen sein, ganz abgesehen von
seiner Ungleichartigkeit gegenber dem letzteren. Physiologische
Prozesse sind physikalisch-chemischer Art, soweit sie vom Standpunkte
der ueren Erfahrung betrachtet werden. Die +methodische Konsequenz+
erfordert es, den einmal eingenommenen Standpunkt bis zum Ende und
+ausnahmslos festzuhalten+. Es ergibt sich daraus die +Geschlossenheit+
der physischen Kausalitt, wonach jeder physische Vorgang, auch im
Organismus, immer wieder nur einen physischen Vorgang zur Wirkung und
zur Ursache haben kann, sollen nicht, was die +Einheit und
Vollstndigkeit+ der Erfahrung und Erkenntnis beeintrchtigt, die
Standpunkte fortwhrend miteinander vermengt und vertauscht werden. Der
Materialismus leidet also an +demselben Fehler+ wie der Dualismus, wenn
er ein Bewirktwerden des Psychischen durch Physisches, etwa durch
Gehirnprozesse annimmt, ganz abgesehen davon, da ganz und gar nicht
abzusehen ist, wie aus rein Objektivem und Materiellem etwas
Subjektives, Immaterielles (im guten Sinne des Wortes) entstehen
oder hervorgehen kann. Auch ist hier, wie beim Dualismus, das Gesetz der
Konstanz der Energie, welches die Anwendung des apriorischen
Kausalprinzips auf die uere Erfahrung ist, ein festes Bollwerk gegen
alle Auffassung des Psychischen, des Bewutseins als kausaler Funktion
physiologischer Prozesse.

Meint man nun, gewi sei das Psychische im Bewutsein vom
Physiologischen verschieden, aber das sei nur Schein oder Erscheinung,
in Wirklichkeit oder an sich sei das Erleben doch nur physischer Art,
so ist darauf zu erwidern, da hier +das richtige Verhltnis geradezu
umgedreht+ wird. Das Physische kann zwar kein Schein, wohl aber
objektive Erscheinung sein, denn es ist durch das erkennende Subjekt,
durch ein Psychisches also, qualitativ bedingt. Aber das Psychische
(Geistige) als solches, das Bewutsein im weitesten Sinne, kann +nicht
bloe Erscheinung+ sein. Denn damit etwas erscheint, ist schon ein
psychisches Erleben (Erkennen) notwendig, +durch das+, und ein Subjekt,
+fr welches+ es erscheint. Ein Physisches, das nicht schon zugleich
psychisch ist, kann sich also gar nicht erscheinen, nicht irgendwie
erfassen. Kann es sich aber erleben, erkennen, dann ist es eben nicht
mehr rein physisch und hat eigenartige Erlebnisse, eben das Psychische:
Empfindung, Vorstellung usw., das unmittelbar und sicher da ist. An der
Existenz psychischer Erlebnisse in uns knnen wir nicht im geringsten
zweifeln; da wir fhlen wollen, denken usw., mu auch fr den grten
Skeptiker, der das Dasein der Krper in Frage stellt, evident sein.
Es gibt kein unmittelbareres und gewisseres Sein als das Bewutsein;
es ist nicht bloe Erscheinung, sondern die +Urbedingung aller
Erscheinungsmglichkeit+; es setzt sich selbst logisch voraus,
ist vllig unableitbar[4].

Mit der Wendung: eigentlich ist das Psychische nur eine
Nervenschwingung, ist es also nichts. So wie der Dualist geht auch der
Materialist hinter die Erfahrung zurck, indem er das unmittelbare
Erlebnis, das wir als unbefangene Beurteiler selbst das Psychische
nennen, transzendiert. Das gleiche tut natrlich der Vertreter der
Philosophie des Unbewuten, wenn er das psychische Wirken in das
absolut Unbewute verlegt. Ein Unbewutes absoluter Art, das zugleich
psychisch sein soll, ist ein Unding, ein unbewuter Geist, ist eine
contradictio in adjecto, denn Bewutsein und psychisch sind ja zwei
Bezeichnungen fr ein Geschehen, von dem man gar nichts wissen knnte,
wre es nicht im Erleben gegeben. In der Tat sind die unbewute
Vorstellung und der unbewute Wille nur Entlehnungen aus dem
Bewutsein, das Unbewute hat in diesem sein Vorbild, ist nur eine
metaphysische Kopie und Verdoppelung desselben.

Zwischen Materialismus und Dualismus schwankt jene Lehre, nach welcher
das Psychische, das Bewutsein nur ein Epiphnomen des Physiologischen
ist[5]. Das Seelische ist hiernach nicht selbst physisch, es ist auch
nicht eine Wirkung des Physischen, sondern eine Art Schatten, welcher
das physiologische Geschehen im Zentralnervensystem begleitet, in steter
Abhngigkeit von diesem, aber ohne eigene Wirksamkeit. Im Menschen,
der einen lebenden Automaten darstellt, vollzge sich alles ganz genau
so, wie es sich vollzieht, auch wenn es kein Bewutsein gbe. Dieses
kommt nur auf einer bestimmten Stufe der organischen Entwicklung zum
Physiologischen hinzu (als ein surajoute), man wei nicht wie und
woher und wozu. Denn einen Einflu auf das organische Getriebe soll es
ja nicht haben, und aus dem Physischen soll es ja nicht entstehen, da es
diesem nur parallel geht. Es schwebt durchaus in der Luft und erscheint
als biologisch nutzlos und schon vom Standpunkte des Darwinismus wegen
dieser Zwecklosigkeit als genetisch unbegreiflich[6]. Da man sich gegen
eine solche Form des psycho-physischen Parallelismus energisch gewandt
hat, ist durchaus in der Ordnung. Ebensowenig wie das Prinzip der
Stetigkeit und die Kausalitt es zult, da aus Bewegungen durch bloe
Komplikation etwas ganz Neues, das Bewutsein, entsteht, ebensowenig
kann dieses pltzlich, bei den Organismen, aus dem Nichts zum Physischen
hinzukommen. Es mte denn das Erzeugnis eines Schpfers sein, eine
Annahme, die kaum als eine wissenschaftliche gelten kann, ganz einerlei,
ob man fr sich nun an einen Gott glaubt oder nicht.

Ein neben dem physischen einhergehendes, ohne innere Verbindung mit
demselben ablaufendes psychisches Geschehen, das gleichwohl in steter
Korrelation zu ihm steht, obzwar es selbst inkausal ist und auch vom
Physischen keine Wirkungen empfngt, ist nicht das, was die Psychologie
und die Biologie von dem Begriffe des Seelischen mit Recht fordern
knnen. Dieser Begriff mu den Tatsachen der Erfahrung mglichst gerecht
werden und sie mglichst umfassend erklren knnen. Und er mu deshalb
auch in rationeller Beziehung zum Begriff des Physischen, bzw.
Physiologischen stehen.

Ist nun das Psychische nicht der Zustand oder die Ttigkeit eines
transzendenten Seelenwesens, auch nicht die bloe Funktion oder
Erscheinung des Physischen, des Nervensystems, ist es weder selbst ein
physischer Proze, noch ein neben diesem einhergehender Vorgang, was ist
es denn, was kann es denn noch sein?

Jedenfalls ist das Psychische, da es nicht das Erzeugnis eines rein
Materiellen sein kann, ein +Prinzip+ des Seins, ein Urgeschehen. Es
ist mindestens +ebenso primr+, ursprnglich wie das Physische. Wie
Subjekt und Objekt Korrelate sind, die getrennt nicht bestehen, sondern
zu +einer und derselben Erfahrung+ als deren beide Seiten, Glieder,
Beziehungspunkte gehren, ohne da das eine ein Produkt des andern ist,
so erweisen sich auch Psychisches und Physisches als untrennbare, nur in
der Abstraktion unterscheidbare und voneinander abzulsende Seiten der
+Gesamterfahrung+. Diese ist die ursprngliche Einheit, die Identitt
des Psychischen und Physischen. Die Verschiedenheit beider Seiten
bedingt einen, vom metaphysischen durchaus zu sondernden +empirischen+
(phnomenalen) Dualismus auf Grundlage eines ebenso empirischen
Monismus. In der Abstraktion und zwecks begrifflicher Verarbeitung des
Erfahrungsinhalts mssen wir von zwei Seiten des Geschehens sprechen.
Die eine ist das Physische, die andere das Psychische. Sehen wir nmlich
davon ab, da die Inhalte der Sinneswahrnehmung und des diese
verarbeitenden Denkens in konkreter Wirklichkeit zu einem Subjekt, einem
Bewutsein berhaupt, einem Erleben gehren, behandeln wir diese
Inhalte, die Objekte der Erfahrung, als von aller Individualitt
(Subjektivitt) unabhngige, selbstndige, gesetzlich miteinander
verknpfte, in raum-zeitlich-kausalen Relationen zueinander stehende
Dinge und Eigenschaften, die wir in mathematischen Formeln quantitativ
festlegen, dann ergibt sich jene Auffassungsweise, die wir uere
Erfahrung und mittelbare Erkenntnis nennen, deren Gegenstand das
Physische, Krperliche, Materielle ist. Dieses besteht also, ungeachtet
des Idealismus, den die Erkenntniskritik fr die Objekte der Erfahrung
als solche statuiert, nicht aus psychischen Erlebnissen, sondern wird
von diesen +methodisch unterschieden+. Das Psychische hingegen ergibt
sich aus einer anderen Auffassungsweise der Erfahrung, nmlich sofern
diese +in voller Unmittelbarkeit und Konkretheit+, ohne jede Abstraktion
und Hypostasierung, ohne Objektivierung hingenommen und gedacht wird.
Das Erfahren, Erleben selbst in allen seinen Momenten und Elementen
(Empfindung, Vorstellung, Wollen, Denken usw.), als +unmittelbarer
subjektiver Proze+, als Bewutsein, fr ein Ich-Gegeben-Sein, als
unmittelbarste Aktion und Reaktion eines Subjekts ist das Psychische.
Ein und derselbe Tatbestand also, ein Erlebnisganzes bildet den
Ausgangspunkt fr zwei verschiedene +Betrachtungsweisen+, fr den
empirischen Dualismus, der, philosophisch gedeutet, zu irgendeiner Art
des +Monismus+, wenn auch nicht zum Materialismus fhrt, wofern man sich
nur der Korrelation beider Seiten der Gesamterfahrung bewut bleibt[7].

Gehen wir vom menschlichen Organismus als einem Teil unserer Erfahrung,
oder, noch besser, geradezu von unserem eigenen Ich aus. Erfasse ich mich
mittels der Sinne und denke ich mich als ein +Objekt+ unter Objekten,
abstrahiere ich von dem Umstand, da das, was ich sinnlich an mir vorfinde,
zu meinem Ich, Subjekt, Bewutsein zugehrt, denke ich es methodisch als
System von Bewegungen oder Energien selbstndiger, miteinander in
Wechselwirkung stehender Elemente um, dann bin ich fr mein eigenes wie fr
das fremde Erkennen ein +Physisches+, ein Krper (Leib) mit krperlichen
Vorgngen, ein Raumding unter gleichartigen Dingen. Ich finde dann an mir
nichts als ausgedehnte Masse, Bewegungen der Glieder, der Muskeln,
Nervenschwingungen, kurz, physikalisch-chemische Prozesse, die miteinander
in durchgngigem Zusammenhang stehen, ohne da irgendwo die kausale
Verkettung eine Lcke zeigt. Vom Standpunkt der ueren Erfahrung,
welcher der der Naturwissenschaft ist, bin ich, wie jeder andere
Organismus, nichts als bewegte Materie, ein Komplex physikalisch-chemischer
Energien, kurz, ganz so, wie der Materialismus es lehrt. Aber dieser
Materialismus ist vllig +einseitig+. Denn sobald ich den Standpunkt der
ueren mit dem der inneren (unmittelbaren) Erfahrung vertausche, ndert
sich das Bild. Jetzt bin ich nicht mehr bewegte Materie oder
Energiekomplex, sondern ein lebendiges, empfindendes, fhlendes, wollendes,
denkendes +Subjekt+, ein +einheitlicher Zusammenhang von Erlebnissen+, die
als solche -- mgen sie auch Krper und Bewegungen zum Inhalt oder
Gegenstand haben -- weder Krper noch Bewegungen sind. Ich habe Erlebnisse
von Farben, Tnen, Ausdehnung usw., aber das subjektive Erleben als
solches, das Auftreten oder Erzeugen von Vorstellungen, Gefhlen usw. ist
nicht selbst farbig, tnend, ausgedehnt, schwer u. dgl., sondern intensiv,
klar, lebhaft, deutlich usw., es mu +anders beschrieben und bestimmt+
werden als das Physische, als +der objektivierte und hypostasierte
Erfahrungsinhalt+. Ebendasselbe also, was von dem einen Gesichtspunkt als
Krper sich darstellt, erscheint, ist in seinem unmittelbaren
Fr-sich-Sein, als erlebendes Subjekt, eine Seele, ein psychischer
Zusammenhang. Insofern das Physische als solches ein +Abstraktionsprodukt+
ist und von den Formen der Anschauung und des Denkens abhngig ist, kann es
als Erscheinung bestimmt werden. Das Psychische (Geistige) hingegen, das
die Bedingung der Erkenntnisformen, ja der Zusammenhang von
Erkenntnisfunktionen (neben anderen) selbst ist, das ferner niemals
direktes Objekt eines fremden Erkennens sein kann, ist nicht bloe
Erscheinung (im Kantischen Sinne), sondern (mindestens +relativ+) ein An
sich des Organismus, jedenfalls aber das mehr unmittelbare, mehr konkrete,
vollere Sein oder Geschehen.

Die Identittstheorie, wonach Psychisches und Physisches zwei
Seiten, Attribute, Erscheinungen, Aspekte eines und desselben
Wesens bilden, kann in realistischer oder auch in mehr oder weniger
idealistischer Weise formuliert werden. Wir glauben nun, da die
realistische Identittstheorie mit ihrer Annahme eines an sich
unbekannten Wesens, dessen uerungen oder Seiten das Psychische und
Physische darstellen, immerhin durchfhrbar ist, halten sie aber doch
entweder fr einen agnostischen Verzicht auf eine weitere
Vereinheitlichung der Erkenntnis oder aber, wenn sie als der Weisheit
letzter Ausspruch gilt, fr +halb-dualistisch+ und in manche
Schwierigkeiten verwickelnd. Wir ziehen es daher vor, den Monismus
+idealistisch+ (oder besser ideal-realistisch) zu fassen, indem wir
sagen: +Was an sich, fr sich, unmittelbar erfat psychisch ist, das ist
der objektiven Erscheinung nach, mittelbar erkannt, methodisch
verarbeitet physisch.+ Der ueren, krperlichen Organisation
entspricht die innere, seelische Organisation; erstere ist die
Erscheinung, der Ausdruck, die Objektivation der letzteren, diese
das An sich, das Innensein jener, so aber, da beide nur aus der
+einheitlichen Gesamterfahrung+, in der sie untrennbar sind,
herausgehoben sind. Diese und das beiden Betrachtungsweisen Gemeinsame
(Entwicklung, Differenzierung, Intensitt und andere Eigenschaften) ist
das Identische der beiden Daseinsweisen[8]. Seele und Leib sind
demnach +nicht zwei trennbare Dinge+, nicht zwei Substanzen, aber es ist
auch nicht die Seele mit dem Krper, dieser mit der Seele identisch.
Sondern je nach der Betrachtungsweise ist dasselbe Wirkliche, der
Organismus, durchweg Seele oder durchweg Krper. Und weil dem so
ist, weil Psychisches und Physisches +Korrelate+ sind, die sich auf
+dasselbe Wesen+ beziehen, besteht zwischen ihnen vollkommene
+Harmonie+, entspricht jedem psychischen ein physisches
(physiologisches) Geschehen und umgekehrt, ohne da eine wahre
Wechselwirkung zwischen ihnen zu bestehen braucht. So genommen, verliert
der psychophysische Parallelismus alles Mystische und Unbegreifliche,
denn jetzt handelt es sich nicht mehr um zwei fremd einander
gegenberstehende und doch in genauer bereinstimmung befindliche,
selbstndige Seins-Reihen, sondern +nur um eine Wirklichkeit, die von
zwei Gesichtspunkten aus betrachtet und denkend verarbeitet wird+[9].

Jedem psychischen Vorgang entspricht ein physiologischer Proze, und
umgekehrt hat jeder physiologische Vorgang in einem psychischen
Geschehen mehr oder weniger bewuter Art sein Korrelat. Es besteht also
eine wechselseitige +Abhngigkeit beider Daseinsweisen voneinander+, die
aber nicht direkt kausal ist, sondern funktionell im Sinne der
Mathematik, wiewohl man sich populr und im einzelnen auch der kausalen
Ausdrucksweise bedienen kann, wenn man sich nur der +Laxheit+ derselben
bewut bleibt. Die Flle scheinbar echter Wechselwirkung zwischen Leib
und Seele erklren sich wie folgt. Es gibt auer den vollbewuten,
apperzipierten psychischen Vorgngen unterbewute und fr sich allein,
gesondert berhaupt nicht gewute, nicht bemerkte, nicht apperzipierte
(keineswegs aber absolut unbewute, apsychische) Prozesse und Elemente
von solchen, die sich zum Teil zu dem vereinigen und in dem aufgehen,
was wir das dunkle Lebensgefhl nennen. An diesem partizipieren jene
psychischen Teilvorgnge, die den +vegetativen+ Lebensprozessen parallel
gehen, ohne ins Licht des eigentlichen, des klaren Selbstbewutseins zu
fallen. Die Abhngigkeit des geistigen Lebens, des Denkens z.B., vom
leiblichen bedeutet nun, streng genommen, nicht eine kausale
Beeinflussung des Geistigen durch das Krperliche als solches, sondern
durch jene Innenseite desselben, die in Form mehr oder weniger
dunkler Empfindungen, dumpfer Gefhle und Strebungen u. dgl. auftritt.
Das Leibliche wirkt also, wenn man will, auf das Seelische ein, aber
schon als Bestandteil des Psychischen, als ein +Seelisches niederer
Ordnung+, als eine +Provinz der psychischen Organisation+[10]. In diesem
Sinne ist es wahr, da z.B. Verdauungsbeschwerden einen Einflu auf die
Denkttigkeit, die Stimmung usw. ausben; aber nicht die
physikalisch-chemischen Vorgnge im Magen sind die Ursachen der
psychischen Depression, sondern die diesen Vorgngen entsprechenden
Innenzustnde, bzw. diese Vorgnge vom Standpunkt der inneren
Erfahrung aufgefat. Ebenso sind Strungen des Gehirns, die durch Lsion
desselben bedingt sind, nur insofern die Ursachen geistiger Erkrankung,
als sie zugleich, an sich, Strungen unbewuter psychischer Prozesse,
Dispositionen und Verbindungsmglichkeiten sind, an die sich die
eigentliche Geistesstrung knpft. So wie der Leib nur als Psychisches
auf den Geist einwirkt, mit dem zusammen er einen Teil der seelischen
Gesamtorganisation bildet, so wirkt die Seele auf den Leib wahrhaft nur,
sofern dieser ein Innensein hat, d.h. als unmittelbares Erlebnis,
nicht wie er als Komplex von Atomen und Energien abstrakt aufgefat und
bestimmt wird. Nur die unmethodische willkrliche +Vertauschung der
Standpunkte+, die ja gewi bequem ist, verfhrt zu dem Glauben, es knne
etwa der Wille eine Bewegung kausal beeinflussen. In Wahrheit geschieht
folgendes: ein von Empfindungen oder Vorstellungen ausgehender
Willensimpuls hat zur Folge eine Vernderung in Muskelempfindungen u.
dgl., kurz, eine Art Umlagerung von Bewegungsvorstellungen. Die
Willenshandlung beginnt psychisch mit dem Antrieb und endet in
Muskel- und hnlichen Empfindungen, und dem geht parallel eine physische
Reihe, welche mit Gehirnprozessen beginnt und in einer Bewegung etwa des
Armes endigt. Auf diese Weise geht der Willensimpuls tatschlich der
angefhrten Bewegung zeitlich voran; aber gleichwohl fallen innere
Willenshandlung und uere Gesamtbewegung zeitlich zusammen, indem je
einem Moment der ersteren ein Moment der letzteren zugeordnet ist[11].
In der Bewegung kommt der Wille zum sichtbaren und mebaren +Ausdruck+,
er ist der innere +Grund+ der Bewegung, aber nicht die phnomenale
Ursache derselben, welche in einem Nervenprozesse zu suchen ist, gem
dem Prinzip der geschlossenen Naturkausalitt und dem der Konstanz der
Energie. Der Willensvorgang ist der Grund, da die objektive Erscheinung
einer Krperbewegung fr ein Subjekt auftritt, und insofern kann man
sagen, die Krperbewegung ist durch das Psychische bedingt, sie wrde
ohne dieses nicht auftreten, da sie ja nur die Auenseite desselben
ist. +In Wahrheit wirkt die Seele immer nur auf ein Glied oder Element
ihrer Organisation und dies erscheint objektiv als Wechselwirkung
zwischen Bestandteilen der krperlichen Organisation.+ Alles
physiologische Geschehen lt sich insofern als ein +Zeichen+ fr einen
psychischen Vorgang auffassen; ja der gesamte krperliche Organismus
bildet geradezu ein +System der Ausdrucksbewegungen+, in welchen sich
mehr oder weniger bewute oder unterbewute, hhere oder niedere
psychische Zustnde und Vorgnge verraten, manifestieren.

Wir verstehen nun, warum und inwiefern das Psychische an ein
Nervensystem und dessen Funktionen, bzw. an organische Substanz, an
Substanz berhaupt gebunden ist. Nicht weil es ein Produkt dieser
Substanz ist, sondern weil es das Innensein derselben bildet, weil das
Subjektive als materielles Sein und Geschehen erscheint oder unter
entsprechenden Bedingungen (Anwesenheit eines wahrnehmenden Subjekts
usw.) erscheinen kann und mu. Da hheres Geistesleben nur auf der Basis
eines niederen, sinnlichen, teilweise schon mechanisierten
Seelenlebens erwchst, so ist es begreiflich, da dieses hhere,
entwickeltere, +differenzierte Geistesleben+ auch in Form einer
+differenzierteren Materie+ erscheint und demnach an ein Nervensystem,
beim Menschen sogar an ein Grohirn gebunden ist, whrend das Seelische
in niederer Form auch nur niedere, weniger organisierte Substanz zum
Korrelat hat. Diese substantiellen Trger des Seelischen sind
erkenntnistheoretisch und naturphilosophisch als Objektivationen einer
Organisation, einer Struktur, eines Seins zu betrachten, das aus der
+Wirksamkeit des Seelenlebens auf sich selbst+, in aktiver und reaktiver
Anpassung auf die Umwelt, durch bung und Vererbung und andere Faktoren
hervorgegangen ist. Die Seele baut sich ihren Leib selbst, nicht durch
mystische Formung des Krpers, sondern durch +Selbstorganisation+, die
den Ausgangspunkt und die Basis fr hhere Entwicklungen bildet und
objektiv als mehr oder weniger differenzierte Materie mit
entsprechenden, physischen, physiologischen Funktionen erscheint. In
diesem Sinne ist der +Leib+ in Wahrheit die +verkrperte und teilweise
mechanisierte Seele+, diese die +lebendige, aktive Form, die
Entelechie des Leibes+, in dem sie sich objektiviert und stabilisiert.
Jedes psychische Geschehen ist also insofern zugleich physisch, als es
in einer physischen Erscheinung zum Ausdruck kommt und es hat
Physisches zur Folge, insofern es der +innere Grund+ einer Vernderung
in den physischen Phnomenen, die den Organismus betreffen, ist.
Direkte, +phnomenale+, exakt-mebare, naturwissenschaftliche +Ursache+
einer organisch-physischen Vernderung ist stets wieder ein +physischer+
Vorgang im Organismus als Reaktion auf einen ueren Reiz. Indem dieser
den Organismus erregt, +bedeutet+ diese Erregung zweierlei: vom
Standpunkt der ueren Erfahrung eine Auslsung physischer Energie, vom
Standpunkt der inneren Erfahrung ein inneres Verspren und einen
Antrieb zur Ttigkeit. Die uere Handlung, die daraus resultieren
kann, ist +der objektive Ausdruck der inneren, psychischen Aktion oder
Reaktion+, die an sich nichts Physisches, Materielles bewirken kann. Es
mu dies wiederholt betont werden, damit die zuweilen schwer zu
vermeidende laxere Ausdrucksweise eines Bewirktwerdens physischer
Vorgnge durch psychische nicht miverstanden, +nicht im
metaphysisch-ontologischen Sinne+ genommen und dann etwa gar der Vorwurf
des Selbstwiderspruches erhoben wird.--

Wir sind nun so weit, da wir auch der Einseitigkeit der +extremen
Aktualittstheorie+ begegnen knnen. Wenn diese die Seele (das Ich) fr ein
bloes Bndel von Vorstellungen, fr einen bloen Komplex von
elementaren Zustnden und Vorgngen, fr ein bloes Summationsphnomen
erklrt (+Hume+, +Mill+, +Mach+ u. a.), so besteht die Einseitigkeit hier
darin, da nur auf die Vielheit und Mannigfaltigkeit der seelischen
Teilinhalte +geachtet+ wird. Wenn wir nmlich auf diese Vielheit achten, d.
h. +Teile apperzeptiv aus dem Zusammenhang des Erlebens herausheben+, dann
entgeht uns leicht der +Einheitscharakter+ des Erlebens, oder wir werden
wenigstens geneigt, ihn zu unterschtzen. Wir verfallen dann geradeso in
Einseitigkeit wie die Dualisten, welche die Einheit des Ich
+hypostasieren+, vom Erleben abtrennen und zu einer vom Leibe gesonderten
Seelensubstanz machen. Die +Einheit+ des Erlebens ist also weder Schein
noch ein selbstndiges Wesen, sie ist weder ein bloes Summationsphnomen,
noch eine transzendente Wesenheit, sondern sie ist +so real wie das
Bewutsein berhaupt+ es ist, sie ist +eine im Bewutsein, in der Flle der
Erlebnisse sich entfaltende und erhaltende Einheit, eine aktive
Einheitsfunktion+, kurz das, was wir ein Subjekt nennen. Das Subjekt hat
mit der Substanz die +Konstanz+ und +Identitt+ gemein, ohne die Starrheit
jener zu teilen, ohne einen dinghaften Charakter zu besitzen. Das Subjekt
ist +kein einzelner Bewutseinsinhalt+, sondern die +aktive Form und das
lebendig Formende des Bewutseins+, es besteht +nicht neben+ der
Mannigfaltigkeit der Erlebnisse, sondern +in ihnen+, in ihrem inneren
Zusammenhange, der mehr als eine Summe oder ein Aggregat ist. Und die
Erlebnisse, die Bewutseinszustnde, sind +nicht vor und ohne das Subjekt+
da, sondern immer schon +Abhngige, Aktionen und Reaktionen eines wenn auch
noch so primitiven Subjektmoments+, eines primren Ichs (+Jodl+), um das
als Zentrum, als Ausgangs- und Quellpunkt sie sich gruppieren. Die +Seele+
ist also +das in der Mannigfaltigkeit der Bewutseins-Erlebnisse sich
identisch setzende, erhaltende und entwickelnde Subjekt, eine gegliederte,
organisierte Einheit in der Vielheit, ein aktiv-reaktives Einheitsprinzip+
-- nicht transzendenter, wohl aber, als Bedingung alles Erlebens,
transzendentaler Art (im Kantischen Sinne). Die Seele ist also dem
Bewutsein immanent, sie ist das aktive und reagierende +Bewutsein
selbst+, das sich +inhaltlich+ stets nur in einem Zusammenhang von
Erlebnissen (empirisches Ich) findet, stets aber ber jeden Bestandteil,
jedes Moment dieses Zusammenhanges hinausragt als ein formales,
+synthetisches+ Prinzip, nicht als ein Wesen mit unbekannten
Eigenschaften[12]. Das Wesen der Seele ergibt sich vielmehr aus den
+Grundttigkeiten+, in denen sie ihre Natur bekundet. Diese
Grundttigkeiten sind es, worauf die Mannigfaltigkeit psychischer Prozesse
zurckfhrt, und aus den +Gesetzen+ jener, aus der +konstanten
Wirkungsweise, Funktion derselben+ sind die typischen Zusammenhnge,
Verbindungen und Gebilde des Bewutseins wenigstens formal zu erklren. Man
mu also von der Oberflche der Bewutseinsvorgnge auf das +innerste
Getriebe+ derselben zurckgehen, wobei man teilweise zu relativ
Unbewutem, d. h. Ungewutem gelangt, nicht aber zu einem absolut und
wahrhaft Unbewutem, prinzipiell Nicht-Erlebbaren. Eine absolut
subjektlose Psychologie, die alles aus der bloen Verbindung absolut
selbstndiger Elemente erklren will, spottet ihrer selbst und wei nicht
wie. Sie fhrt zur Verdinglichung jener Elemente, die nur +als Glieder
eines einheitlichen Zusammenhanges+ Existenz und Wirksamkeit haben, aus
denen also das Subjektmoment nie herauszudestillieren ist. +Einheit und
Vielheit, Subjekt und Inhalt des Bewutseins sind untrennbare, schon
ursprnglich, wenn auch noch undifferenziert bestehende Seiten des
Erlebens, des Bewutseins, die auseinander nicht oder nur scheinbar
abzuleiten sind.+ Schon im primitivsten Seelenleben mu eine
Subjektivitt, wenn auch noch ohne Abhebung von einer Objektenwelt,
bestehen, welche in ihren Erlebnissen sich findet, sich bejaht, sich setzt
und erhlt, als einfache Trieb-Seele mit wenig vernderlichem Inhalt,
meist mit uerst geringen Entwicklungsmglichkeiten. Aus solchen
primitiven Seelen haben sich, durch das Zusammenwirken innerer und
uerer Faktoren, nicht zum wenigsten aber durch aktive Anpassung, die
hochorganisierten Seelen der Menschen gebildet, als +Subjekte hherer
Ordnung+, aber wesensverwandt mit den der untermenschlichen Seelen.




II. Die psychische Kausalitt.


Wir hrten bisher, da die Seele nicht im metaphysischen Sinne auf den
Leib (als Materie oder Energiekomplex) einwirkt, sondern da sie in
Wahrheit, genau gesprochen, +stets nur auf sich selbst wirkt und von
sich selbst Wirkungen empfngt+, so aber, da alle Wirkungen +krperlich
irgendwie zum Ausdruck+ kommen, wobei eine Wechselwirkung zwischen dem
Nervensystem (und dessen Funktionen) und dem brigen Organismus besteht.
Jedes psychische Geschehen hat sein physiologisches Gegenstck, seine
physische Seite. Infolge des Zurckwirkens der seelischen Organisation
auf sich selbst, das seinen physiologischen Ausdruck hat, ist es
verstndlich, warum an den Vernderungen, an der Entwicklung des
Organismus +psychische Faktoren+ beteiligt sind, ohne da sie den
physischen Zusammenhang durchbrechen, also ohne da irgend einmal an
Stelle physikalisch-chemischer Ursachen von leiblichen Prozessen rein
psychische Ursachen treten.

Gibt es aber berhaupt eine +psychische Kausalitt+, wird man fragen,
oder haben am Ende jene recht, welche das Psychische als inkausal, als
ohne wirksame Eigenschaft bestimmen und behaupten, nur das Physische
bzw. Physiologische knne wirken bzw. als wirkend gedacht werden? Die
Vertreter des psychophysischen Materialismus sind der Meinung, das
Psychische, das Bewutsein -- wenigstens soweit es objektiviert, aus dem
unmittelbaren, konkreten Erleben methodisch herausgehoben werde
(+Mnsterberg+[13]) -- sei ein Epiphnomen, eine schattenhafte
Begleiterscheinung, ein Nebenerfolg der Nervenprozesse, es habe
keine Aktivitt und Kraft, keinen ureigenen, inneren Zusammenhang, keine
Eigenkausalitt, sondern es bestehe aus Verbindungen, deren Ursache oder
Grundlage einzig und allein der raum-zeitliche Zusammenhang der
Gehirnprozesse sei. Es gibt hiernach keine wahre psychische Ttigkeit,
was wir so nennen ist nichts als die Summe von Spannungsempfindungen
u. dgl. Empfindungen und Vorstellungen verbinden sich dann miteinander,
wenn auch die entsprechenden Gehirnprozesse sich miteinander verbinden,
und alle Vernderungen und Strungen im Ablauf des Bewutseins sind nur
Spiegelungen zerebraler Modifikationen.

Eine solche Auffassung ist aber unhaltbar. So wenig ein einzelner
physischer Vorgang einen psychischen bewirken oder auf ihn einwirken kann,
ebensowenig kann eine Verbindung physischer Vorgnge eine psychische
Verbindung bewirken. Und ebensowenig als ein Bewutseinsvorgang die bloe
Erscheinung eines physischen Geschehens sein kann, ist es denkbar, da
der Zusammenhang eines seelischen Geschehens nur der Widerschein eines
physischen Kausalnexus ist. Alles was gegen diese Art Abhngigkeit des
Psychischen vom Physischen spricht, spricht auch gegen diesen Spezialfall,
vor allem der Umstand, da das Seelische nicht bloe Erscheinung eines
Geschehens sein kann, das des Seelischen ganz ermangelt, dem also die
+Bedingung des Sich-erscheinen-knnens+ durchaus abgeht. Auch lt sich der
psychische Zusammenhang nicht aus der bloen Verbindung der Nervenprozesse
erklren, ableiten. Ich mag noch so eifrig und genau in das Getriebe der
Hirnprozesse hineinschauen knnen, so werde ich, wenn ich nicht die schon
damit verknpften Bewutseinsvorgnge erlebt habe und kenne, diese und
deren Beschaffenheit nicht zu erkennen vermgen; denn die Qualitt, die das
Psychische als solches konstituiert, das eigenartige Erleben eines Tones,
einer Farbe, einer Lust, eines Zornes usw. liegt keineswegs im
Nervenvorgang, ist aus ihm nimmer herauszulesen, zu erraten. Und ebenso
werden wir zwar aus raum-zeitlichen Verbindungen von Gehirnprozessen
Schlsse auf psychische Zusammenhnge ziehen, manches an diesen aus jenen
begreiflich machen knnen, aber den Schlssel zum +Verstndnis+ des
seelischen Zusammenhanges, der spezifischen psychischen Verbindungen und
Gebilde, geben die physiologischen Zusammenhnge nicht. Das Physiologische
dient zur Erklrung des Psychischen in der Regel nur da, wo eine
+Gemeinsamkeit+ von Modifikationen beider statthat, wie
Ausfallserscheinungen, Hemmungen, Strungen verschiedener Art,
Simultaneitt oder Sukzession u. dgl. Das Qualitative, Spezifische der
psychischen Verbindung ist +nur psychologisch+, nicht physiologisch zu
verstehen, wofern man nicht, was oft der Fall ist, unbewut schon das
Psychische +voraussetzt+ oder psychische Zustnde und Zusammenhnge in das
Physiologische +hineintrgt+.

Die Auffassung des Psychischen als inkausal ist nur dann begreiflich,
wenn man sich die unberechtigte Verdinglichung der Empfindungen und
Vorstellungen seitens der Assoziationspsychologie und die
Einseitigkeit des psychologischen Atomismus (oder der atomistischen
Psychologie) vor Augen hlt.

Schon +Herbart+ hat den folgenschweren Fehler begangen, die psychischen
Elemente -- bei ihm die Vorstellungen -- als selbstndige Wesenheiten
aufzufassen, die miteinander konkurrieren, um die Vorherrschaft im
Bewutsein kmpfen, einander hemmen und verdrngen; in ihrem Zusammen-
und Gegeneinanderwirken werden sie zu Krften, ja zu einer Art
lebendiger Dinge, die mit Tendenzen ausgestattet sind. hnlich sind fr
die +Assoziationspsychologen+ die Empfindungen oft selbstndige
Elemente, die primr nebeneinander bestehen, miteinander in Verbindung
treten usw., kurz, kausale Faktoren, aus deren Wirken das seelische
Leben abgeleitet wird.

Diese Auffassung ist die Reaktion gegen die ltere
Vermgenspsychologie. Diese stattet die substantielle (bzw.
dynamische) Seele mit spezifischen Krften, Vermgen, Ttigkeiten aus,
welche das Bewutsein erzeugen und Bewutseinsverbindungen herstellen.
hnlich wirkt das Unbewute +Ed.v. Hartmanns+ als Agens hinter dem
Bewutsein und ist das eigentlich und einzig Aktive, Kausale im Ablauf
des Seelischen.

Wenn man nun, mit Recht, sich nicht zu einer solchen
Vermgenspsychologie bekennen will, zugleich aber einsieht, da reine
Empfindungen nicht primre, selbstndige, absolute Wirklichkeiten,
sondern in gewissem Sinne +Abstraktions- und Zerlegungsprodukte+ sind,
Glieder eines einheitlichen Zusammenhanges, dann kann man leicht dazu
gelangen, diesen psychischen Elementen alles Wirken, alle Kausalitt
abzusprechen und sie blo dem Physiologischen zuzuerkennen, wie es
+Mnsterberg+ tut[14].

Aber hier vermischt sich Wahrheit mit Irrtum. Richtig ist: 1. Es gibt keine
psychische Kausalitt und Aktivitt +hinter+ und +neben+ den
Bewutseinsvorgngen, keine transzendenten Vermgen oder Krfte, wenigstens
kommen sie fr die Psychologie nicht in Betracht; 2. Empfindungen als
+isolierte+, aus der Einheit des Seelenlebens herausgehobene Elemente, als
Abstraktionsgebilde sind ohne Wirksamkeit, weil ohne absolute, konkrete
Wirklichkeit. Verfehlt ist aber unseres Erachtens die Abtrennung der
Psychologie als einer objektivierenden Wissenschaft, welche es mit
inkausalen, physiologisch zu erklrenden Abstraktionsgebilden zu tun hat,
von den subjektivierenden Geisteswissenschaften, welche das konkrete,
wirkliche, stellungnehmende Subjekt und dessen Aktionen zum Gegenstande
haben. Die Psychologie will entschieden das Psychische, d. h. das
+wirkliche Erleben des Subjekts in dessen Zusammenhange+ erforschen, nicht
Abstrakta, nicht Objektivierungen, mit denen es die Physik und Physiologie
zu tun hat[15]. Die abstrakten Empfindungen sind nicht das Psychische,
nicht der Gegenstand der Psychologie, sondern hchstens +Hilfsmittel+ zur
Erkenntnis des Psychischen. Die vllige Abstrahierung und
Verselbstndigung der Empfindungen verflscht und ttet das Seelenleben,
sie wird dem Tatbestande der inneren, unmittelbaren Erfahrung nicht
gerecht. Nicht erst in den einzelnen Geisteswissenschaften und in der
Philosophie brauchen wir die geistige, psychische Kausalitt, schon in der
Psychologie mssen wir sie bercksichtigen, sonst erreichen wir den +Zweck+
dieser Wissenschaft: das Verstndnis des Seelenlebens in seiner
Gesetzlichkeit, nicht. Mag auch -- und das ist der haltbare Kern der
+Mnsterberg+schen Ausfhrungen -- die Psychologie wie jede
Gesetzeswissenschaft nicht das unmittelbare Erlebnis in seiner vollen
individuellen Bestimmtheit erfassen, sondern es mehr oder weniger
begrifflich umschreiben und logisch verarbeiten, so entfllt hier doch, im
Unterschiede von den Naturwissenschaften, die Notwendigkeit einer
Abstraktion vom erlebenden Subjekt und dessen Zustnden und Akten. Gerade
die +Beziehung der Erlebnisse zum Subjekt+ ist es, was sie zu psychischen
Vorgngen macht, ohne diese Beziehung haben wir nur fiktive Wesenheiten
oder aber, bei konsequenter Objektivierung, physische Inhalte vor uns.

Doch genug darber, bleiben wir bei der +psychischen Kausalitt+ und
sehen wir, wie sie zu denken ist. Da wir die metaphysische Hypothese
einer an sich unbewuten Seelensubstanz ablehnen mssen, so entfallen
fr uns die Seelenvermgen, kraft deren der Geist im Bewutsein wirkt.
Diejenigen, welche erklren, von einer Ttigkeit, Aktivitt der Seele
+neben+ den Bewutseinsvorgngen, den Vorstellungen, Gefhlen usw. sei
nichts zu finden, haben nicht unrecht. Aber die Folgerung, es gebe
berhaupt keine psychische Aktivitt, ist falsch. Diese +Aktivitt+
besteht, zwar nicht hinter und neben den Einzelerlebnissen, wohl aber in
einem +Zusammenhange+ der Erlebnisse und ist durch besondere Gefhle
charakterisiert, so da das Ich unmittelbar davon Kunde hat, da und
wann es ttig ist. Aus der bloen Summe von Empfindungen, die sich
passiv miteinander verbinden, besteht die Bewutseinsaktivitt nicht,
wenn sie auch nur +in+ und +an+ dem Verlaufe des Erlebens zu
konstatieren ist. Der eigenartige +Zusammenhang+ und +Ablauf+ von
Erlebnissen, der als psychische Ttigkeit und Wirksamkeit sich abhebt,
ist +ebenso real+ wie die einzelnen Momente und Elemente des Erlebens,
+ebenso primr+, ja in gewissem Sinne ursprnglicher. Denn erst die
psychische +Analyse+, die durch die bestimmt gerichtete +Aufmerksamkeit+
an dem einheitlichen Bewutseinszusammenhange willkrlich oder
unwillkrlich bewerkstelligt wird, hebt aus demselben Momente und
Elemente heraus, die in Wahrheit niemals isoliert und selbstndig
vorkommen, sondern Glieder des Zusammenhanges bilden, von ihm
untrennbar sind. +Die psychische Ttigkeit entfaltet und manifestiert
sich in einer Mannigfaltigkeit von Momenten, existiert nicht ohne diese
und neben diesen Momenten; aber umgekehrt haben diese Momente auch keine
Existenz auerhalb des Ttigkeitszusammenhanges, aus dem sie sich
herausheben und fr sich fixieren lassen.+

Die Existenz einer psychischen Kausalitt, das wollen wir hier betonen,
unterliegt keinem berechtigten Zweifel. Ist doch das Wirken des Ichs,
die psychische Kausalitt geradezu das +Ur- und Vorbild aller
Kausalitt+. Ttigkeit, Kausalitt, Kraft wird von uns nicht als
Bestandteil der Auenwelt erlebt, wahrgenommen, sondern das Objektive,
der Wahrnehmungsinhalt wird kausal +gedeutet+, d.h. es wird auf ihn die
Kategorie des Wirkens angewendet, die durch den raum-zeitlichen
Zusammenhang des Objektiven nur ausgelst wird, im brigen aber der
Funktion und Gesetzlichkeit des Denkens entspringt, die am
unmittelbarsten im und am eigenen Erleben, am eigenen Ich sich bettigt.
In und mit der Kategorie des Wirkens introjizieren wir in die Objekte
der Sinneswahrnehmung ein Analogon der Eigenttigkeit des Ichs, d.h.
wir fassen gewisse uere Zusammenhnge als +Manifestationen innerer
Verknpfungen+ auf, jenen analog, welche wir in unserem Wollen und Tun
unmittelbar setzen und erleben. So wie in uns alles Tun +motiviert+ ist,
in einem andern, vorangehenden Tun, Erleben seinen +Grund+ hat, so ist
auch das objektive, physische Geschehen fr uns begrndet, +verursacht+,
und so wie wir innerlich +aktiv+ und +reaktiv+ sind, so erscheinen uns
auch die Auendinge als mit +Krften+ begabt, vermge deren sie wirken,
einander beeinflussen; kurz, sie sind uns insofern ttige Subjekte,
bei denen wir nur spter, auf hherer Kulturstufe und in der exakten,
quantitativen Wissenschaft, von aller inneren Qualitt, von allem
Fr-sich-Sein absehen[16]. Weit entfernt also, da die psychische
Kausalitt nicht existiert oder nur die Erscheinung, das Epiphnomen der
physiologischen Kausalitt ist, erweist sich gerade die physische
Kausalitt erkenntniskritisch als schon abhngig von der Gesetzlichkeit
des Subjekts und dessen ureigenem Wirken.

Nur wenn man die primre Wirksamkeit der einheitlichen Psyche, des
aktiven und reagierenden Bewutseinssubjekts verkennt, verfllt man dem
Irrtum, aus den psychischen Elementen selbstndige Krfte zu machen.
Alle Momente, Faktoren, Elemente des Bewutseins knnen wirken, Kraft
entfalten nur insofern, als sie eben +Glieder des Ich-Zusammenhanges+
sind; sie sind +nicht die primren, vollen Ursachen+ des psychischen
Geschehens, sondern Teilursachen, Anlsse u. dgl., whrend die
+einheitliche Psyche+ das primr und eigentlich in ihnen Wirksame, der
tiefste Untergrund und oberste Grund der psychischen Verbindungen ist.
Natrlich nicht als unbeschrnkte, selbstherrliche Macht, sondern in
Abhngigkeit von der +Umwelt+ und deren Reizen und in verschiedenem Mae
der Bezogenheit auf die Einflsse dieser. Die Psyche wirkt aktiv und
reaktiv, aber nicht allein und isoliert, sondern im Verein mit ueren
Faktoren, durch die der Ablauf der Bewutseinsvorgnge mannigfach
bestimmt, modifiziert wird. So wenig die Psyche absolut passiv ist, so
wenig ist ihre Spontaneitt absoluter Art; gleichwohl sind in ihr Tun
und Erleiden, aktiver und passiver Bewutseinsverlauf wohl
unterschieden. Von den psychischen Zustnden, in denen wir von
momentanen Reizen und Einflssen auer und in uns direkt abhngig sind
und triebartig auf sie reagieren, sondern sich mehr oder weniger scharf
die geistigen Akte ab, in welchen die +Totalitt+, die ganze Wucht des
Ichs, der charakterisierte, in die fernste Vergangenheit zurckreichende
Zusammenhang der Erlebnisse energisch zum Ausdruck gelangt, so da der
momentane Reiz zurcktritt oder unwirksam wird.

Die +Geschlossenheit+ der psychischen Kausalitt, auf die wir hier
gleich zu sprechen kommen, darf nicht miverstanden werden[17]. Sie ist,
methodologisch, eine Forderung des um Konsequenz des einmal
eingenommenen Betrachtungsstandpunktes besorgten Denkens und das
Gegenstck zur Lckenlosigkeit des physischen Kausalzusammenhanges.
Psychische Vorgnge gehen ureigentlich immer wieder nur aus psychischen
Vorgngen hervor und haben, direkt und genau genommen, immer wieder nur
psychische Vorgnge (die objektiv als Bewegungen oder Energien sich
darstellen) zur Folge; physische Ursachen oder Wirkungen als solche
gehren nicht in die Reihe psychischer Zusammenhnge. Aber das bedeutet
nicht etwa, da die Seele alle ihre Erlebnisse aus sich allein heraus
entwickelt, und da die Umwelt nicht in den Ablauf des psychischen
Geschehens eingreift. Vielmehr ist ein +bestndiger Wechsel aktiver und
reaktiver (passiver), bewuter und unterbewuter (relativ unbewuter)
Vorgnge+ vorhanden, so da das Wirken der ueren Faktoren und des
Leibes fortwhrend das spontane, aktive Wirken der Psyche durchkreuzt
und durchzieht, und erst dieser +Gesamtzusammenhang+ psychischer
Erlebnisse ist absolut geschlossen. Die Umwelt wirkt aber auf die
Psyche nicht als Komplex von Bewegungen oder Energien ein, sondern als
das An sich dieser Vorgnge, das vielleicht selbst ein Psychisches
niederster Stufe, jedenfalls aber nicht selbst physisch ist. Hlt man
daran fest, dann kann man keinen Widerspruch zwischen der
Geschlossenheit der psychischen Kausalitt und dem unleugbaren Einflusse
der Naturkausalitt auf die Psyche, auf das Bewutsein finden. Auch
ist hier von keinem Dualismus die Rede. Denn die psychische
Kausalitt, die in verschiedenen Formen, je nach ihrer Richtung,
auftritt -- als sinnliche und geistige, logische, ethische usw.
Kausalitt, ist das unmittelbar erfate Wirken derselben Organisation,
die objektiv als der Leib eines Lebewesens, des Menschen erscheint. Die
Wirksamkeit des leiblichen Organismus bzw. des Nervensystems ist nur die
Sichtbarwerdung, die Objektivation des Wirkens der Seele in allen
ihren Provinzen und Phasen.

Psychische Vorgnge und Zustnde sind also Ursachen anderer nur insoweit,
als sie +Modifikationen der einheitlichen Psyche+ sind. Weil die Seele im
Moment 1 so beschaffen ist, so agiert oder reagiert, ist sie im Moment 2, 3
... so beschaffen, so agierend oder reagierend. Die Einheit der Psyche --
nicht einer unbekannten Seelensubstanz, sondern des primren Ichs -- ist
der rote Faden, der durch den gesamten Bewutseinsverlauf sich zieht, ohne
von ihm real abtrennbar zu sein[18]. Nicht die psychischen Elemente sind
das Agierende, sie kommen nicht von selbst zusammen, erzeugen nicht das
Denken usw., sondern die Psyche, das Ich, das Subjekt ist der ttige
Faktor, der spontan oder triebhaft synthetisch wirkt, psychische Gebilde
erzeugt, Bewutseinszusammenhnge bestimmter Art erstellt. Und die
+Gesetze+, welche die Psychologie zu erkunden sucht, sind nicht fremde
Mchte, welche das seelische Geschehen uerlich determinieren, sondern nur
+Formeln fr das konstante, permanente Auswirken der Psyche, der
Subjekt-Aktionen+. Aus diesen Aktionen (bzw. Reaktionen) die bunte
Mannigfaltigkeit des Seelenlebens nicht aprioristisch zu deduzieren, was
unmglich ist, wohl aber begreiflich zu machen, ist die Aufgabe einer sich
selbst und ihr Ziel verstehenden Psychologie, die von Metaphysik
freizuhalten ist, wenn sie auch schlielich in eine solche mndet und
auerdem erkenntnistheoretischer Voraussetzungen nicht entraten kann.

Eine solche Psychologie wird den psychischen Mechanismus, soweit er
besteht, anerkennen. Aber sie wird erstens den Versuch unternehmen, die
+lebendige Triebkraft+ dieses Mechanismus zur Erklrung desselben
heranzuziehen und zweitens wird sie nicht dem vergeblichen Bemhen sich
unterziehen, aus dem bloen und fertigen Mechanismus, aus dem mehr oder
weniger automatisch gewordenen Spiel der Vorstellungen das +gesamte+
Seelenleben abzuleiten, wie es die +Assoziationspsychologie+ oft
unternimmt. Der Mangel dieser ist es, da sie nicht bis zur psychischen
Kraft, zur psychischen +Dynamik+ vordringt, da sie nicht das +wahre+
Agens der psychischen Zusammenhnge erfat, sondern statt dessen bald
das Gehirn, bald die Empfindungen heranzieht, und da sie die
+mechanisierten+ nicht von den +primren, aktiv-reaktiven+
Bewutseinsprozessen scharf genug unterscheidet. Sie +verdinglicht+
Elemente, die nur als +Glieder des einen Bewutseinszusammenhanges+
bestehen, macht sie zu selbstndigen Krften und unternimmt schlielich
auch oft den vergeblichen Versuch, die +nicht-intellektuellen+
Funktionen des Bewutseins, besonders den Willen, aus bloen
Empfindungen u. dgl. zu konstruieren. So ist sie im schlechten Sinne des
Wortes psychologischer +Intellektualismus+, whrend diejenige
Psychologie, welche dem vollen Tatbestand des Seelenlebens mglichst
gerecht zu werden sucht, +voluntaristisch+ ist.

Der Betrachtung der Rolle des Willens im Seelenleben uns zuwendend,
verweisen wir bezglich weiterer mit der psychischen Kausalitt
zusammenhngender Fragen (Erhaltung bzw. Wachstum psychischer Energie
u. dgl.) auf den letzten Abschnitt.

Hier sollte nur gegenber allen Versuchen, die Existenz einer
psychischen Kausalitt zu leugnen, gezeigt werden, wie es nicht mglich
ist, durch bloe auerpsychische, physiologische Zusammenhnge die
simultanen und sukzessiven Verbindungen psychischer Vorgnge zu
erklren. Diese Verbindungen sind qualitativ von ihren Elementen und
Momenten verschieden, sie sind auf bloe Abhngigkeiten in der Zeit
nicht zurckzufhren, und durch den Nachweis der ihnen entsprechenden
Verbindungen von Nervenprozessen keineswegs schon erklrt. Im Denken,
Wollen und Handeln erleben wir unmittelbar, anschaulich, d.h. nicht
erst durch abstrakte Konstruktion und Projektion, Zusammenhnge kausaler
Art, ein stetiges Hervorgehen der Folgen aus ihren Grnden, eine innere
Motivierung und Determination zu bestimmten Aktionen und Reaktionen. Und
wo uns die Zwischenglieder solcher Kausalzusammenhnge im klaren
Bewutsein nicht vorliegen, da suchen wir mit Recht methodisch nach
solchen; und wie die Physik es vermeidet, physische Vorgnge aus
nicht-physischen abzuleiten, so mu die im guten Sinne positivistische,
nicht-metaphysische Psychologie die gesuchten Zwischenglieder als
+psychische+ Faktoren annehmen, als welche sie sich in der Tat oft auch
empirisch erweisen. Wissen wir auch nicht immer, +wie+ wir es vermgen,
kausal zu sein, wodurch unser Wollen und Handeln Wirkungen hervorbringt,
so wissen wir doch wenigstens, +da+ wir wirken und Wirkungen erleiden,
da unsere Erlebnisse miteinander zusammenhngen und einander
hervorrufen, wobei natrlich der Einflu der Faktoren der Umwelt nicht
zu bersehen ist. So kompliziert die Verhltnisse des Seelenlebens sind,
so ist es doch sehr mglich, aus der Mannigfaltigkeit individueller
Modifikationen +typische, regelmige+, sowohl innerhalb einer
Individualpsyche als auch bei einer Vielheit von Individuen +konstant
wiederkehrende Abfolgen und Verbindungen+ herauszuheben. Wir knnen eben
die Individualseelen gleichsam als Vertreter eines gemeinsamen Typus,
des Psychischen berhaupt, ansehen und die Kausalzusammenhnge, welche
wir bei allen Individuen konstatieren, gehren zum Wesen des allgemein
Psychischen. So gibt es typische Zusammenhnge in den Gemtsbewegungen,
den Willenshandlungen, den Denkprozessen, in der Reproduktion und
Assoziation von Vorstellungen usw. Und auch die +Abweichungen+ von dem
Allgemeinen sind solcher Art, da sie sich vielfach wieder zu
+speziellen Typen+ vereinigen lassen. Die Existenz einer psychischen
Kausalitt, eines psychischen Wirkens und Gewirktwerdens, ist aber
keineswegs an das Auftreten allgemeingltiger Zusammenhnge gebunden.
Auch da, wo es solche vielleicht nicht gibt (-- man denke etwa an die
historische Kausalitt --) sind die betreffenden psychischen Vorgnge
Modifikationen des Subjekts, die durcheinander bedingt sind und
auseinander in bestimmter Abfolge hervorgehen. Um die psychische
Kausalitt, den +Kausalnexus der psychischen Aktionen und Reaktionen+,
der sich von der +Kausalitt der objektivierten Erfahrungsinhalte+ durch
den Standpunkt der Betrachtung und Erkenntnis unterscheidet, kommt man
nicht herum.




III. Der Wille als psychischer Motor.


Das Wesen des psychologischen +Intellektualismus+ ist es, in den
intellektuellen Prozessen und deren Elementen, also im Denken,
Vorstellen oder in den Empfindungen den Ausgangspunkt, die Grundlage,
den Kern alles Seelenlebens zu erblicken. Gefhl und Wille sind hiernach
sekundr, abgeleitet, sie sind Produkte, Seiten, Reflexe, Abhngige des
Intellektuellen oder bloe Komplexe von Empfindungen. Einen spezifischen
Willen gibt es hiernach nicht; was wir so nennen, ist eine Summe von
Vorstellungen, Empfindungen, ev. auch Gefhlen, verbunden mit
ausgefhrten oder ideell antizipierten Bewegungen; entwickelt hat sich
der Wille, nach dieser heterogenetischen Theorie, aus Reflexen, die
spter kompliziert, bewuter wurden. Eine eigentliche Willenskraft, die
mehr ist als ideomotorische oder Bewegungsvorstellung plus
Spannungsempfindungen u. dgl., haben wir nicht anzunehmen. Whrend die
ltere Psychologie intellektualistischer Richtung aus Akten des Denkens,
des Urteilens, Schlieens, kurz aus der Reflexion psychische Vorgnge
ableitete, die entweder viel zu einfach oder primitiv sind, als da sie
mit bewuter berlegung u. dgl. etwas zu tun haben knnen (z.B.
Instinkte), oder aber berhaupt nicht intellektueller Art sind (z.B.
Affekte), spricht der neuere Intellektualismus oft von angeborenen
(ererbten) Vorstellungen, die unbewut oder bewut das Handeln leiten,
von Urteilen u. dgl. schon auf niedriger Bewutseinsstufe, von
Empfindungen der Muskeln, Sehnen usw. als Willensgrundlagen. Der
psychologische Intellektualismus verkennt die Ursprnglichkeit und
Wirksamkeit des Gefhls- und Willenlebens, er bersieht dessen
fundamentale Rolle, dessen Einflu nicht blo auf das uere Handeln,
sondern auf den Intellekt und das Vorstellen selbst. Und da sich einer
genaueren Erforschung des Seelenlebens der Wille geradezu als das
+zentrale Agens+ des psychischen Geschehens enthllt, so gibt uns die
intellektualistische Psychologie ein einseitiges und verzerrtes Bild vom
seelischen Erleben und dessen innerem Zusammenhang. Wie ein bloes
Vorstellen, Empfinden oder Denken sich in ein Wollen verwandeln oder
ein solches erzeugen kann, ohne da schon von Anfang an ein
willensartiger +Impuls+, ein Streben bestand, ist unerfindlich, ebenso
wie aus bloen mechanischen Reflexen ein Willensentscheid sich
entwickeln konnte. So wenig das Psychische aus dem Physischen, das
Subjektive aus dem Objektiven, das Ich aus dem Nicht-Ich abzuleiten ist,
so wenig ist es einzusehen, da und wie aus absolut Willenlosem jemals
so etwas wie Streben, Trieb, Willensimpuls hervorgehen konnte. Und so
wenig ein psychischer Vorgang einem physischen, einer Bewegung
gleichgesetzt werden kann, so unmglich ist es fr jeden Unbefangenen,
fast mchten wir sagen, Unverdorbenen, den lebendigen Proze des Wollens
bloem Empfinden, Vorstellen u. dgl. gleichzusetzen. Ist doch das Wollen
geradezu das +Sicherste+, was das Ich in sich selbst finden kann, so da
man mit Recht sagen kann: volo, ergo sum. Im Wollen erfat sich das Ich
am +unmittelbarsten+, es setzt sich selbst wollend und unterscheidet von
sich, von seinem Eigenwillen die fremden Willen, die ihm als Objekte
seines Wahrnehmens erscheinen und seinen Willen kreuzen und hemmen. Der
Wille ist das +Konstanteste+ im Ich, er ist der +Einheitspunkt+, um den
sich das Erleben bewegt, von dem es ausgeht und zu dem es gravitiert.
Wollen, Ziele setzen und anstreben, ist ein so prononzierter Akt des
Subjekts, da man eher zweifeln kann, ob es Empfindungen oder
Vorstellungen im Sinne des psychologischen Atomismus gibt als an der
Existenz dieses Wollens[19].

Damit ist schon angedeutet, da der Wille +keine metaphysische,
transzendente Potenz hinter dem Bewutsein+ ist. Von einem solchen
Willen knnen wir absolut nichts wissen, was wir vom Willen aussagen,
ist unserem bewuten Erleben entnommen. Der Wille ist +keine
geheimnisvolle Kraft+, die wir erst erschlieen mssen, sondern das
Konstante, Allgemeine im konkreten Wollen, das sich denkend und
praktisch bettigt, das um sich und seine Ziele deutlich wei oder sie
dumpf fhlt, das jedenfalls durch unmittelbares Erleben und psychische
Analyse in uns zu finden ist. Ein Voluntarismus im Sinne +Schopenhauers+
oder +Ed.v. Hartmanns+ ist also fr die Psychologie unbrauchbar. Und
zwar auch aus folgendem Grunde.

Fr die autogenetische Willenstheorie, wie sie vorzglich +Wundt+
vertritt, ist der Wille zwar etwas +Primres+ und +Spezifisches+, aber
+nicht ein einfaches Bewutseinselement+ analog den Empfindungen. Weder
ist daher, wie manche Psychologen glauben, das Bewutsein eine
Verbindung dreier Vermgen, Funktionen usw.: Vorstellung (Empfindung),
Gefhl und Wille, noch gibt es einen absolut einfachen, blinden,
intelligenzlosen Willen +neben+ und +vor+ dem brigen Bewutsein, eine
Willensttigkeit neben und gesondert von dem brigen Erleben. So wenig
aus einer reinen Empfindung oder Vorstellung ein Wollen hervorgehen
kann, so wenig kann aus einem absolut einfachen, blinden Willen der
Intellekt entstehen. Vor einem solchen extremen (alogischen)
Voluntarismus mssen wir uns nicht minder hten wie vor dem, die
Eigenart des Willens verkennenden Intellektualismus. Die Psychologie hat
den Willen so zu nehmen, wie er sich im Erleben wirklich darstellt und
wie er demgem auch begrifflich zu bestimmen ist.

Hierbei mu sie sich aber hten, sich das Wollen gleichsam
+hinwegzuanalysieren+. So wie die Einheit des Ichs leicht dem Beobachter
sich entzieht, der durch die analytisch gewonnenen Elemente des Erlebens
gefesselt wird, so kann die analytische Betrachtung des Wollens leicht
die +Tuschung+ erzeugen, als ob der Wille nur aus Empfindungen,
Vorstellungen, hchstens auch noch Gefhlen bestnde, obzwar es auf der
Hand liegt, da aus der Zusammensetzung solcher Elemente noch nicht das
Wollen herauskommt, das zwar nichts Einfaches, aber doch kein
Summationsphnomen ist. Bei der Analyse des Willensaktes darf nicht
vergessen werden, neben den Momenten desselben auch wieder das Ganze,
den eigenartigen +Gesamtverlauf+ zu apperzipieren; erst dann
rekonstruieren wir psychologisch das wirkliche Erlebnis, ohne es zu
verflschen. Es zeigt sich dann klipp und klar, da Wollen +ein
Proze, ein Bewutseinsverlauf+ ist, der als solcher ganz eigenartig,
spezifisch, unvergleichbar ist, sich aber in +Momente+ sondert, sondern
lt, welche wir als Empfindungen, Vorstellungen, Gefhle ... bezeichnen
und fr sich untersuchen knnen. Das Ich will ist der Ausdruck fr ein
Verhalten des Ichs, welches nicht neben dem Vorstellen usw. herluft,
sondern in sich Momente, Elemente, Faktoren enthlt, sich in solche
zerlegen lt, die in Vorgngen, deren Willenscharakter abgeschwcht
oder zurckgedrngt ist, als spezifisches Vorstellen, Fhlen usw.
auftreten. Es gibt verschiedene Formen und Entwicklungsstufen des
Willens, vom dumpfen Trieb und Streben angefangen bis zum komplizierten
Wahlakt, aber nirgends findet sich konkret-empirisch ein reiner Wille,
der absolut empfindungs- und gefhlsfrei wre. Mit dem Fhlen hngt der
Wille am innigsten zusammen, ohne da er aber nur eine Summe von
(selbstndigen) Gefhlen ist. Vielmehr ist das Gefhl ursprnglich stets
schon ein +Willensmoment+, die Einleitung, Begleitung, Endigung einer
Willensfunktion. Der vollstndige, primre Vorgang ist der
Willensvorgang mit seinen Momenten und Seiten; das Gefhl ist
entweder ein solches Moment oder aber abgeschwchte, gehemmte
Wollung, die auf einen eigentlichen, vollen Willen wirken und von
ihm Wirkungen empfangen kann.

Der volle, ungebrochene psychische Vorgang ist ein +Willensvorgang+, mit
den Momenten des Empfindens, Vorstellens, Fhlens, Strebens, kurz, das,
was +Fouille+[20] treffend als processus apptitif bezeichnet hat. Zu
unterscheiden sind zwei Stufen des Willens: Triebwille (Trieb) und
Willkr; ersterer ist der einfache, eindeutig bestimmte, letzterer der
kompliziertere, aktivere, bewutere Wille. Der Triebwille ist als
+Ausgangspunkt der gesamten Seelenentwicklung+ sowohl onto- als
phylogenetisch aufzufassen. Alle ueren Anzeichen sprechen dafr, und
seine Natur ist eine solche, da sich sowohl die progressive als die
regressive Entwicklung des Bewutseins aus ihr verstehen lt. Im
Vereine mit dem Willkrwillen durchzieht der Triebwille das +gesamte
Seelenleben+ des Menschen, in den verschiedensten Formen und Richtungen
findet er sich hier und seine Herrschaft ist eine um so grere, je mehr
wir uns dem Tierischen nhern.

Nach der einen Seite hat sich der Trieb zum +Reflexvorgang+, nach der
andern, durch Komplikation der Motive, zum Willkrlichen entwickelt[21].
Dies hat in vortrefflicher Weise +Wundt+ ausgefhrt, dem wir uns hierin
nur anschlieen knnen. Mit ihm mssen wir es ablehnen, aus dem
seelenlosen Reflex das Willensleben genetisch abzuleiten, da so etwas
wie Tendenz, Erstreben schon von Anfang an den Lebewesen eigen gewesen
sein mu, sollten jemals wollende Wesen im hheren Sinne aus ihnen
werden. Ein absolut willenloser Zustand ist weder psychologisch noch
auch +biologisch+ denkbar. Letzteres deshalb nicht, weil ohne einen
wirklichen Trieb zur Selbsterhaltung, zum Selbstschutze, zur Abwehr
feindlicher An- und Eingriffe, zur Aufsuchung, Festhaltung und
Verarbeitung gnstiger Lebensbedingungen und Erhaltungsfaktoren, ein
Bestehen und Fortschreiten des Lebens, der Lebewesen kaum mglich
gewesen wre. Ein indifferentes, blo empfindendes Lebewesen wrde nicht
auf Reize so +reagiert+ haben, wie es unverkennbar schon die niedrigsten
Organismen tun. Ohne Bedrfnis und triebmige Befriedigung desselben,
ohne Impulse zur Nahrung, Bewegung usw. sind die Tatsachen der Biologie
nicht wahrhaft verstndlich; denn nicht blo die ueren
physikalisch-chemisch beschreibbaren Lebenserscheinungen,
Lebensuerungen wollen wir in der Biologie und organischen
Naturphilosophie erkennen, auch ihren inneren Grund, ihre innere
Dynamik, ihr Triebwerk suchen wir zu erforschen. Will man nun die
Unklarheiten und metaphysischen oder sonstigen berflssigen Annahmen
des Vitalismus vermeiden, auf unbekannte, ad hoc erdachte und
konstruierte Lebenskrfte (Entelechien, Dominanten u. dgl.) Verzicht
leisten, will man ferner die Geschlossenheit der Naturkausalitt auch
auf dem Gebiete des Organischen festhalten, dann bleibt nichts brig,
als die Biophysik und Biochemie durch eine +Biopsychik+ zu ergnzen
(nicht zu verdrngen) und einzusehen, da psychische Regungen niederer
und hherer Art, Strebungen eindeutiger und komplizierter Form,
Tendenzen zur +Erhaltung der organischen Einheit+ und Triebe und
+Wollungen+, die daraus als Konsequenzen flieen, Mittel zum obersten
Zweck sind -- direkt und indirekt die Lebensvorgnge regieren und
modifizieren, so aber, da diese an sich psychischen Gestaltungen und
Regulierungen objektiv als ein +System physischer Prozesse+ erscheinen,
die bei den niedersten Lebewesen noch an die gesamte Plasmamasse, bei
hheren aber an ein besonderes Organ, das Nervensystem und schlielich
das Gehirn gebunden sind. Mit voller Bercksichtigung des Anteils
uerer Faktoren und der ungewollten Neben- und Nachwirkungen des
Wollens (Heterogonie der Zwecke) mssen wir doch mit +Wundt+ den
Willen (Trieb usw.) als +innerstes teleologisches Agens des Lebens, als
Schpfer biotischer Zweckmigkeit+ ansprechen. Von diesem Standpunkte
lt sich der Mechanismus des Lebens +als Werkzeug und zugleich als
Niederschlag des Lebenswillens+ und dessen Funktionen ansehen, als
uere Hlle, deren Inneres den Willen als Motor, als sich selbst
verwirklichende und entfaltende Kraft birgt.

Weit entfernt, da der Wille ein Entwicklungsprodukt von mechanischen
Reflexen ist, lassen sich umgekehrt die +Reflexe+ und automatischen
Vorgnge am besten als +Residuen ursprnglicher Willensprozesse+
betrachten. Wir sehen ja tglich, wie durch bung Ttigkeiten, die erst
vollbewut und willkrlich waren, mit der Zeit immer triebmiger
werden, bis sie schlielich (Klavierspielen, Gehen, manuelle
Fertigkeiten u. dgl.) mechanisiert, automatisch geworden sind, d.h.
mit einem Minimum von Bewutsein und Willensimpuls leicht und eindeutig
bestimmt ablaufen[22]. Und so finden wir auch phylogenetisch, durch
Vergleichung verschiedener Entwicklungsstufen miteinander, ein
Hervorgehen von Reflexen und Automatismen aus Trieb- und
Willkrhandlungen, die durch bung (und Mitbung) abgekrzt, eindeutig,
minderbewut wurden und schlielich auf dem Wege der Vererbung als
Reflexdispositionen auftreten. Eine Art +Entseelung+ findet so statt,
durch die Arbeit erspart wird und die auch durch die grere
Bestimmtheit und Leichtigkeit der Handlung vielfach auerordentlich
zweckmig, erhaltungsgem wirkt. Freilich darf man sich auch die
Reflexe nicht als absolut apsychisch vorstellen; sind auch ihre
Antriebe vielfach nur unterbewut oder fr sich berhaupt nicht bewut,
nicht apperzipierbar, so weist doch vieles darauf hin, da sie nicht
fehlen, wenigstens nicht als Bestandteil des organischen
Gesamttriebsystems, ganz abgesehen davon, da Reflexe nun auch in den
Dienst eigentlicher Willensakte gestellt, vom Willen beherrscht werden
knnen. Jedenfalls reihen sich auch die Reflexe in den Zusammenhang von
Willenstendenzen des Lebewesens ein, sie werden von ihm eingeschlossen
und gehren zu ihm als Wirkungen, Nachwirkungen des Willens.

Der Wille ist also nicht ein Aggregat willenloser Zustnde, sondern eine
ursprngliche und spezifische +Richtung+ des Bewutseins, die sich in
Momente und Elemente gliedern lt[23]. Nicht nur fr die beobachtende
Analyse tritt der Wille als konkrete Wollung in solche Elemente
auseinander, er hat sich auch im Laufe der Entwicklung +differenziert+
und +kompliziert+. Im ursprnglichen, primitiven Trieb sondern sich
Empfindung, Gefhl und Streben noch keineswegs scharf voneinander ab,
sondern sie sind, wie wir noch jetzt an vielen unserer Triebhandlungen
ersehen knnen, vielmehr zur Einheit verschmolzen. Die +Empfindung+, die
unlust- oder lustbetont ist und in eine Tendenz zur Entfernung des
Unangenehmen oder zur Festhaltung des Angenehmen mndet, ist mit allen
ihren Konsequenzen nur ein undeutliches +Glied des einheitlichen
Triebvorganges+, whrend auf hheren Stufen der Entwicklung Empfindung,
Vorstellung, Gefhl deutlicher hervortreten und grere Selbstndigkeit,
wenn auch keine isolierte Existenz haben. Aber auch der komplizierteste
Willkrwille ist von dem primitiven Willen, dem Trieb, nur graduell
unterschieden, indem er, statt eindeutig, durch einen oder wenige Reize
bestimmt, ausgelst zu sein, einen Kampf der Motive, einen Konflikt
verschiedener Willensrichtungen (Wahl), berlegung, Reflexion u. dgl.
voraussetzt, im brigen aber geradeso Tendenz zur Verwirklichung eines
Zieles ist. Der Trieb ist +reaktiver+, der Willkrwille aber +aktiver+
Wille, indem der letztere, von der Umwelt relativ unabhngig, aus dem
selbstbewuten, formal permanenten Ich entspringt und eine Grundrichtung
des Lebens zum Ausdruck bringt, die fr das individuelle Ich
charakteristisch, der Umwelt gegenber etwas Selbstndiges,
Initiatorisches ist. Natrlich ist auch die Willkrhandlung nicht
gesetzlos, sondern ebenso kausal bestimmt wie alles Geschehen. Aber die
Kausalitt und Gesetzlichkeit, die hier in Frage steht, ist psychischer
Art, sie ist keine uere Macht ber den Willen und das Ich, sondern nur
die Konstanz und Regelmigkeit, die Identitt und Einheit des wollend
sich bettigenden Subjekts. Daher ist die +Notwendigkeit+ der
Willenskausalitt, wie sie im Handeln, Denken, kurz in allen psychischen
Akten sich darstellt, durchaus mit einer +Freiheit+ des Willens, des
Subjekts vereinbar, die nichts anderes ist, als Autonomie,
Eigengesetzlichkeit, +Eigenrichtung+ des Willens. Der wohlverstandene
Indeterminismus und der wohlverstandene Determinismus sind demnach nur
Seiten des Autodeterminismus[24].

Wenn nun der Voluntarismus im Willen das +Dynamische+, das innerste
Triebwerk des Seelenlebens erblickt, wenn ihm der Wille Ausgangspunkt
aller seelischen Entwicklung ist und er in allen psychischen Erlebnissen
den direkten oder indirekten, lebendigen oder mechanisierten,
selbstbewut-planmigen oder minderbewut-triebhaften Einflu des
Willens findet, wenn er endlich das Empfinden, Vorstellen, Denken, kurz,
die Intelligenz als untrennbar und abhngig vom Willenszusammenhange
ansieht, so wird dies nicht mehr dahin miverstanden werden, als ob es
einen gleichsam nackten Willen als einfache Qualitt und Kraft hinter
den Erlebnissen gebe. Sondern der Satz: der Wille ist das dynamische
Prinzip des Bewutseins, bedeutet nur, da das Bewutsein insofern
Aktivitt und Reaktivitt aufweist, als es selbst willensartig,
willensdurchzogen, selbst wollend, strebend ist, als in ihm +Impulse+
walten, welche dem Erlebnisverlauf die +Direktive+ geben, Impulse, die
teilweise in muskulre Vorgnge mnden, die also objektiv sich als
Bewegungen darstellen, so da das Motorische die objektivierte uerung
des Willens ist. Da +bloe+ Muskelempfindungen, Bewegungsvorstellungen
u. dgl. noch nicht Wille sind, sehen wir leicht, wenn wir den Zustand,
in dem wir uns einfach eine Bewegung unseres Leibes vorstellen, mit
demjenigen vergleichen, in welchem wir die vorgestellte Bewegung auch
anstreben, wollen; auch die Gefhlsbetonung der Bewegungsvorstellung ist
noch nicht das Willensphnomen, sondern dazu gehrt noch eine besondere
Stellungnahme seitens des Subjekts, die in der Besonderheit des
Bewutseinsverlaufes zum Ausdruck kommt[25]. Es mu wiederholt betont
werden, da Wollen zwar kein einfacher, elementarer Zustand hinter und
neben dem brigen Erleben, aber auch keine bloe Summation von
willenlosen Vorgngen ist.

Der Voluntarismus, mag er nun in extremer oder gemigterer Form
auftreten, bestreitet wesentlich zweierlei: 1. die Mglichkeit, aus
bloen intellektuellen Prozessen das Seelenleben befriedigend zu
erklren, 2. den Aufbau der geistigen Gebilde durch bloe Assoziation;
die Aktivitt des Bewutseins wird von der Assoziationspsychologie oft
verkannt oder ungengend zur Geltung gebracht.

Was das Verhltnis des +Intellekts+ zum Willen anbelangt, so ist folgendes
zu sagen. Eine reine, willenlose Intelligenz, ein teilnahmsloses Vorstellen
und Denken ist uns nirgends gegeben. Mag das Willensmoment noch so
+abgeschwcht+ sein, mag es sich dem klaren Bewutsein entziehen, weil es
whrend des Funktionierens nicht selbst zur Apperzeption gelangt, gnzlich
fehlt es nie. Schon die primitiven +Sinneswahrnehmungen+ sind gefhlsbetont
und mit irgendeinem Grade des Strebens behaftet, das in gewissen Fllen (z.
B. bei hohen Intensitten) stark hervortreten kann; auerdem bringen wir
vielfach den Sinnesreizen Tendenzen zur Perzeption entgegen, wir suchen
Empfindungen (Licht, Tne usw.) auf, haben ein Bedrfnis nach Bettigung
unserer Sinnesorgane, ein funktionelles Bedrfnis bestimmter Art[26]. Das
neutrale, indifferente Wahrnehmen ist schon ein Grenzfall, ein
Entwicklungsprodukt, keineswegs das Primre, wo Empfinden oder Wahrnehmen
und Streben viel inniger vereint sind, wo also die Wahrnehmung durchaus
appetitiv, triebhaft ist, was auch biologisch wohl begrndet ist. Denn
die Sinneswahrnehmung steht zunchst vllig im Dienste des
Selbsterhaltungswillens, der die Sinnesreize teils aufsucht, teils
vermeidet und der also eine +Auswahl+ unter ihnen trifft.

Diese auswhlende, auslesende Ttigkeit der Psyche ist nun berhaupt von
fundamentaler Bedeutung. Wir zeigen dies zunchst an der Tatsache der
+Apperzeption+[27] im allgemeinen, die besonders durch +Wundt+ in ihrer
Wichtigkeit erkannt wurde, so da fortan der Assoziationspsychologie
eine Apperzeptionspsychologie entgegentreten konnte. Unter der
Apperzeption ist nun nichts anderes zu verstehen als eine Leistung des
Willens, des Willens zur Bewutheit insbesondere. Je nachdem der Wille
Trieb- oder Willkrwille ist, haben wir +passive+ (reaktive) oder
+aktive+ Apperzeption vor uns, ohne da beide voneinander schroff
geschieden sind. Die Apperzeption ist also nicht, wie man zuweilen
gemeint hat, ein mystisches, metaphysisches Vermgen, ein Akt hinter
und vor dem Bewutsein, sondern eine Leistung im und am Bewutsein,
an den Erlebnissen. Apperzeption ist +Fixierung von Erlebnisinhalten
durch den Willen+, Festhaltung, Bevorzugung, Auswahl eines
Bewutseinsbestandteiles, der dadurch vor anderen momentan ausgezeichnet
wird, indem er klarer, deutlicher, selbstndiger, bewuter wird. Das
Apperzipierte ist gleichsam im Blickpunkt des Erlebens. Durch diese
Klarwerdung eines Erlebnisses tritt dasselbe aus dem Gesamtzustande des
Subjekts schrfer hervor, das brige tritt entsprechend zurck, ist
minder bewut oder unterbewut. Diese Bevorzugung kann ein Erlebnis
zunchst +triebhaft erzwingen+, indem es aus irgendeinem Grunde
(Intensitt, Gefhlston usw.) die Aufmerksamkeit, d.h. den
Erlebniswillen auf sich zieht und das brige verdrngt. Geht aber ein
bestimmter +Erlebniswille+, eine Erwartung, ein Suchen u. dgl. voraus,
ist die Aufmerksamkeit schon im vornherein auf einen zu gewrtigenden
Inhalt eingestellt, dann findet eine +aktive+ Apperzeption statt, hinter
der die konzentrierte aktive Energie des Ichs steckt. In jedem Falle
wird aber ein Inhalt dadurch apperzipiert, nicht blo perzipiert, da er
in mglichst gnstige, zweckmige Beziehung zum auffassenden oder
verarbeitenden psychisch-physischen Organ gebracht wird, indem alles
Strende, Beeintrchtigende durch den Willen abgewiesen, gehemmt,
zurckgedrngt wird. In verschiedenen Gefhlen und Empfindungen (der
Muskeln usw.) kommt dieser Zustand der Spannung zum Ausdruck, ohne mit
ihnen identisch zu sein; denn wir verspren unweigerlich das Triebhafte
bzw. das Willkrliche im Aufmerken und Apperzipieren -- Vorgnge,
die nur Momente und Seiten eines einheitlichen Geschehens bilden.
Das +physiologische+ Korrelat der Apperzeption kann entweder die
Funktion bestimmter Gehirnpartien sein oder in einer erhhten
Energie, in einem besonderen Grade eines bestimmten Zusammenwirkens
von Gehirnprozessen bestehen.

Auf die passive oder reaktive Apperzeption kommen wir noch weiter unten
zu sprechen. Zunchst haben wir von der +aktiven+ Apperzeption zu
sprechen, um das Verhltnis des Willens zum Intellekt klarzulegen und
der Einseitigkeit des Assoziationismus entgegenzutreten.

Betrachten wir das +Denken+ (den aktiven Intellekt) nher seiner
subjektiven psychischen Seite nach, so sehen wir, da es sich vom bloen
Vorstellen, von blo assoziativen Verbindungen unmittelbar in der Art
des Erlebens unterscheidet. Das Denken erweist sich, kurz gesagt,
subjektiv als eine +Willensttigkeit+[28]. Ein willenloses Denken, ein
willensfreier Intellekt existiert nicht, oder nur in der Abstraktion.
Denken als Proze ist +innere Handlung+ im Unterschiede von der
Praxis, lebendige Aktion, +aktive Ich-Leistung+. Ohne +Antriebe+,
+Motive zum Denken+, ohne ein zu erreichendes +Denkziel+, dem ein
+Interesse+ uns nachgehen lt, kme es zu keinem wirklichen Denken und
Erkennen. Der Wille ist dem Denken immanent, aber nicht, wie oft
erklrt wird, weil Wille nur eine Eigenschaft, eine Richtung des Denkens
ist, sondern weil das Wollen ein primres Moment der Denkhandlung, die
subjektive Bedingung und Grundlage, die innerste Triebkraft des Denkens,
dieses also eine Bettigung, eine Richtung des Willens, des
Denkwillens ist. Denken ist eine +geistige Arbeit+ an einem Materiale
(Vorstellungen, Begriffe, Urteile), +aktive Formung und Gliederung+, die
zu oberst dem +Willen+ zur +Einheit+ Genge tut, ihm entspringt. Ich
denke nur, weil ich Inhalte geistig beherrschen, durchdringen,
zusammenhngend-einheitlich erfassen will, abgesehen von anderen
Motiven, etwa praktischen. Der Wille setzt das Denken in Bewegung, gibt
ihm Ansto und Richtung. Durch die aktive Apperzeption wird nur das im
Bewutsein fixiert und mit anderem ebenso Fixierten zusammengehalten,
vereinigt, was in der Richtung des Denkwillens liegt oder zu liegen
scheint; alles andere wird zurckgedrngt, vernachlssigt. Indem ich
denke, +whle+ ich unter meinen zur Disposition stehenden Vorstellungen
und Vorstellungsdispositionen jene, welche meinem so und so bestimmten
Denkwillen entsprechen oder wenigstens zu entsprechen scheinen.
Natrlich mu mir ein Material von Inhalten zur Verfgung stehen,
welches nicht selbst erst durch mein Denken geschaffen wird, und von
diesem Material gehen Anregungen aus, welche mich -- teilweise triebhaft
-- in meinem konkreten, speziellen Denken bestimmen; ich richte mich
nach dem +Inhalte+ meiner Erlebnisse, auch wenn ich noch so aktive
(freie) Geistesarbeit verrichte, ich verfahre nicht willkrlich im
Sinne ungebundener, gesetzloser, absoluter Freiheit. Der Denkwille hat
seine +eigene feste Gesetzlichkeit+, die er anerkennt, anerkennen mu,
will er sein Ziel erreichen, so da die +Denkgesetze+ zwar nicht
mechanische, aber +teleologische Notwendigkeit+ besitzen, indem sie der
Autonomie des Denkwillens entspringen. -- Intellekt und Wille sind
nicht zwei gesonderte Vermgen oder Krfte, sondern was wir Intellekt,
Verstand, bzw. Vernunft nennen, ist der rein geistig sich bettigende
Wille selbst; das Denken, die sich bettigende Vernunft ist
Willenshandlung. Die +Wechselwirkung zwischen Intellekt und Wille+
besteht darin, da einerseits das Erstreben, Wollen bestimmter Inhalte
einen Einflu auf das Denken ausbt und da dieses von der Energie und
Richtung des Willens abhngig ist, und da anderseits das Denken und
dessen Produkte (Urteile, Begriffe) den Willen, der insofern
Vernunftwille ist, zu motivieren, zu leiten vermag; der Vernunftwille
wiederum kann einen (hemmenden, migenden) Einflu auf Triebe,
Leidenschaften u. dgl. ausben. So lassen sich also Wille und Intellekt
als wechselseitige Abhngige, als einander bestimmende Momente und
Faktoren anerkennen, ohne da auf der einen Seite ein intelligenzloser
Wille, auf der andern ein willensfreier Intellekt zu stehen braucht.

Unter dem Einflusse der aktiven Apperzeption entstehen nun u.a. die
+Denkgebilde+, als eine Form der apperzeptiven Verbindungen
(+Wundt+). Ein +Begriff+ z.B. ist nicht eine bloe Assoziation von
Vorstellungen, sondern ein Denkgebilde, bei dem die Apperzeption nur
bestimmte, logisch zweckmige Elemente von Erlebnissen festhlt,
heraushebt und einheitlich zusammenfat. Begriffe entstehen nie passiv,
ganz von selbst, auch die empirisch fundierten Begriffe sind, subjektiv
angesehen, Denkgebilde, Produkte aktiver Geistesbettigung. So verhlt
es sich auch mit dem +Urteil+. Dieses ist keine assoziative Abfolge von
Vorstellungen, sondern eine aktive Synthese auf Grundlage einer Analyse
des Erlebnisses, ein Akt der In-Beziehung-Setzung, die niemals von
selbst dem Subjekt gegeben ist. Beziehen, Vergleichen, Zerlegen,
Verbinden usw. sind nicht fertige Bewutseinsinhalte, sondern
Ich-Bettigungen, die an einem Materiale stattfinden, ohne in diesem
schon vorzuliegen. Die Ttigkeit des denkenden Subjekts schwebt aber
nicht in absolut freier Willkr ber diesem Material, sondern gehrt zu
eben demselben Bewutsein, dessen Inhalt jenes bildet; sie ist eine
Form des Bewutseins, eine Art des Zusammenhanges, die sich
unmittelbar als aktiv charakterisiert und von anderen Arten abhebt.
Die apperzeptive Ttigkeit lt sich zwar von dem apperzipierten Inhalt
unterscheiden und begrifflich fixieren, bildet aber in Wirklichkeit ein
mit diesem Inhalt zur Einheit verbundenes Ganzes.

+Gedanken+ sind also Gebilde aktiver Geistesttigkeit, welche den Willen
zum Motor hat. Das Denken benutzt das durch Assoziation gelieferte
Vorstellungsmaterial, es ist aber nicht selbst bloe Assoziation.
Whrend bei dieser Vorstellung auf Vorstellung folgt, in bunter Reihe,
durch hnlichkeit, Berhrung in Raum und Zeit usw. hervorgetrieben,
erweist sich das Denken als ein den Verlauf der Vorstellungen
+hemmender+, +regulierender+ Proze, der zu bestimmten Zusammenhngen
fhrt, durch welche dem Ablauf des Vorstellens ein gewisser Abschlu
zuteil wird. Die Gesetzlichkeit des Denkens ist aus bloen
Assoziationsgesetzen nicht abzuleiten, nicht zu begreifen, sie ist
anderer Art als die des Spieles der Einbildungskraft, das um so
leichter und besser von statten geht, je unbeherrschter das Vorstellen
ist. Das Denken hingegen, besonders das streng logische Denken bedeutet
+Disziplin+, +Planmigkeit+, +Zwecksamkeit im Geistesleben+. Nicht blo
das Denken, auch die aktiv gestaltende, Normen befolgende, beachtende
+Phantasie+ ist mehr als bloe Assoziation. Durch eine Art
schpferischer Synthese entstehen im Denken und in der aktiven
Phantasie seelische Gebilde, die sich zwar in Elemente zerlegen
lassen, welche zum Aufbau der Gebilde beitragen, die aber diesen
Elementen und ihrer bloen Summe gegenber qualitativ etwas Neues,
Spezifisches darstellen.--

Was nun die +Assoziation+ selbst betrifft, so hat die
Assoziationspsychologie meistens nicht nur den Fehler begangen, aus
jener alles ableiten zu wollen, sondern auch noch den, da sie die
Assoziation nicht richtig aufgefat hat. Wir sprachen schon von der
unzulssigen Verdinglichung der Vorstellungen und Empfindungen und von
der Ausstattung dieser mit Krften gegenseitiger Anziehung. Es gibt aber
im konkreten Erleben keine selbstndigen, reinen Empfindungen und
Vorstellungen, die sich von selbst, ganz unabhngig von einem erlebenden
Subjekt, miteinander verbinden. Eine Vorstellung ist kein beseeltes
Wesen, welches von einem andern, einer zweiten Vorstellung einen Ansto
zum Wiederauftreten im Bewutsein empfangen kann. Sondern alle
Assoziation ist nur dadurch mglich, da Vorstellungen usw. +Abhngige
eines erlebenden Subjekts+, Momente und Glieder bzw. Seiten eines
einheitlichen Zusammenhanges sind, durch den sie ebenso bedingt sind,
wie sie ihn selbst mit konstituieren. Die Assoziationen schweben nicht
in der Luft, sind nicht Beziehungen zwischen Objekten, sondern +Formen
des Zusammenhanges von Erlebnissen im Subjekt und durch den jeweiligen
Zustand desselben bedingt+. Sowohl die allgemeine, als die besondere,
individuelle Natur des erlebenden Subjekts kommt in den Assoziationen,
in anderer Weise als in den (aktiven) Apperzeptionsverbindungen, zum
Ausdruck, so da die Assoziationen zwar gesetzlich, aber keineswegs
eindeutig bestimmt sind.

Nun ist das Subjekt in zentralster Selbstunterscheidung von den Objekten
Wille, zunchst als triebhaft, dann aber vorzugsweise als aktiv wollend.
Daher ist die Assoziation durch den Willen, durch das Streben
bedingt[29]. Es assoziieren sich also nicht reine Vorstellungen
miteinander, sondern +willensbehaftete Erlebnisse des einheitlichen
Subjekts+. In der Einheit des erlebenden Subjekts bzw. des Strebens sind
die Assoziationen letzten Endes gegrndet, aus ihr flieen sie. Die
Assoziation besteht darin, da durch triebhafte Einwirkung auf die
Apperzeption Erlebnisse einander ins Bewutsein rufen (reproduzieren)
und mit ihnen Zusammenhnge bilden, die bald durch innere, bald durch
mehr uerliche Beziehungen bedingt sind, so aber, da das
Willenselement nie fehlt. Die Assoziation ist, wie dies +Wundt+ erkannt
hat, ein +Triebvorgang+, wenn auch ein solcher, wo das Moment des
Strebens vielfach in den Hintergrund des Bewutseins tritt. Dies ist
wohl begreiflich, wenn man an die durch bung erzielte Mechanisierung
des Bewutseins, der Willens- und Triebhandlung denkt. Assoziation ist
in der Tat relativ +mechanisierte Geistesarbeit+, und das um so mehr, je
weniger das Triebmoment, das manchmal ziemlich stark hervortreten kann,
zurcktritt, ohne aber je ganz zu fehlen (vgl. +Fouille+ a. a. O.).
Erlebnisse, die irgendwie zur +Einheit im Ich+ zusammengehen knnen --
bei verschiedenen Individuen in verschiedener Weise -- haben die
Tendenz, sich zu assoziieren, d.h. sie assoziieren sich, sofern nicht
uere oder innere strende, hemmende, ablenkende Faktoren (z.B. der
Denkwille) ins Spiel treten. Die Vorstellungen assoziieren sich aber
nicht direkt und von selbst, sondern nur so, da sie +auf das Streben
einwirken, (als Momente desselben) und dieses zur Reproduktion
(Erneuerung) anderer Vorstellungen anregen, reizen, aus dessen Natur
heraus, die auf Einheit geht+.

Vorstellungen sind keine Dinge oder Krfte, die, wenn sie dem Ich nicht
prsent sind, irgendwo unbewut lauern, bis sie wieder ins Bewutsein
treten knnen. Nimmt man von der Vorstellung das Bewutsein weg, dann hebt
man sie selbst auf, denn sie ist nur eine besondere Form, eine Modifikation
des Bewutseins (im weitesten Sinne), welches nicht neben den Erlebnissen
einhergeht, zu ihnen hinzukommt, sondern ein Ausdruck fr das Gemeinsame
aller Erlebnisse, eben das Erleben (Erlebtwerden) ist. Es gibt also keine
absolut unbewuten Vorstellungen und die Reproduktion, mit der die
Assoziation verbunden ist, ist keine Hervorholung der Vorstellungen aus dem
Unbewuten ins Licht des Bewutseins. Jede reproduzierte Vorstellung ist
vielmehr ein +neues+, besonderes Erlebnis, das inhaltlich zwar einem
frheren Erlebnis sehr hnlich ist, trotzdem aber, abgesehen von mehr oder
weniger erheblichen Abweichungen, funktionell nicht mit dem alten Erlebnis
zusammenfllt. Freilich mu die Reproduktion der Vorstellungen
+Bedingungen+ haben, durch die sie ermglicht wird. Diese Bedingungen sind,
objektiv-physisch betrachtet, Spuren, potentielle Energien bzw.
molekulare Umlagerungen im Zentralnervensystem, im Gehirn. Und bei der
Assoziation drften infolge von Bahnungen u. dgl. zusammengehrige,
frher irgendwie verbunden gewesene Partien oder Funktionsanlagen in
Ttigkeit treten, indem die Erregung der einen Partie oder der einen
Funktionsanlage eine Erregung bestimmter anderer Bestandteile nach sich
zieht. Psychologisch aber kann natrlich nicht von Molekularumlagerungen u.
dgl. gesprochen werden. Gleichwohl ist man berechtigt, von funktionellen
+Dispositionen+ zur Reproduktion von Vorstellungen u. dgl. zu reden. Es
sind das nicht bestimmte, unbewut existierende, bereitliegende Inhalte,
sondern Nachwirkungen frherer Erlebnisse in der psychischen
Organisationseinheit, +Tendenzen+ der Psyche zur Erneuerung von Erlebnissen
unter bestimmten Anregungen, Antrieben, welche von gewissen anderen
Erlebnissen (gefhlsbetonten Wahrnehmungen oder Vorstellungen) ausgehen. So
zeigt sich auch die +Erinnerung+ und die Fhigkeit dazu, das +Gedchtnis+,
als ein nicht rein intellektuelles, sondern +volitionelles Phnomen+,
dessen physiologisches Korrelat wohl in der Aufspeicherung potentieller
Energie im Gehirn und deren bergehen in aktuelle Energie besteht.
Psychische Dispositionen sind also nicht selbst Vorstellungen, sondern
nur Bereitschaften zu solchen, es sind psychische Potenzen als das
Innensein der Gehirndispositionen. So verhlt es sich auch mit den sog.
+Anlagen+, die nichts anderes sind als ursprngliche, ererbte, angeborene
psycho-physische Dispositionen, im Unterschiede von den individuell
erworbenen Dispositionen und Fertigkeiten. Alle Dispositionen, ererbte und
erworbene, sind Resultate der +bung+, als solche stehen sie zur Richtung
des +geringsten Widerstandes, der kleinsten Kraftaufwendung+ in Beziehung,
haben also eine +konomische+ Bedeutung, aus der sich auch die ihnen eigene
Tendenz oder Strebung begreift. Sind die Dispositionen einerseits
Nachwirkungen von Willens- und Triebhandlungen, inneren und ueren, so
ben sie anderseits einen auerordentlichen Einflu auf die
Weiterentwicklung des Seelenlebens aus, sie werden zur Grundlage neuer und
hherer, reicherer geistiger Prozesse und zugleich mitbestimmend fr die
+Richtung+, welche diese nehmen.

Der Begriff der +Richtung+ (dessen Bedeutung von +R. Goldscheid+[30]
betont wurde) ist berhaupt fr die Psychologie wichtig. Er ist hier wie
in der Naturwissenschaft unentbehrlich, weil der Qualitts- und der
Intensittsbegriff nicht ausreichen, um gewisse Unterschiede in den
psychischen Vorgngen festzulegen. In erster Linie und primr ist die
Richtung im Seelischen ein Modus des Willens, dessen Wirksamkeit
verschieden ist, je nach dem Ziele, auf das der Wille gerichtet,
eingestellt ist. Mit gutem Sinne knnen wir z.B. von einer Richtung des
Vorstellungsverlaufes sprechen, die entweder von momentanen,
triebartigen Impulsen oder aber vom zweckbewuten Willen (Denkwillen)
abhngig ist. Der Wille beeinflut die Richtung der Erlebnisse, die Art
des Ablaufes, des zeitlichen Zusammenhanges, des (relativen) Abschlusses
derselben, abgesehen davon, da der Aufmerksamkeitswille verschieden
gerichtet sein kann, indem er bald auf das eigene subjektive Erleben,
bald auf die objektiven Inhalte desselben sich lenkt. Der Wille als
solcher ist, in Beziehung auf seinen Zielpunkt, ein (dynamisches)
Gerichtetsein, dessen direkte oder indirekte, totale oder partielle
Objektivierung die Richtung der psychischen Energie der Gehirn- und
Nervenprozesse ist. Fr den Unterschied zwischen Trieb und Willkr
(Wahl) mechanisierter (automatischer) und aktiver Geistesfunktion ist
die Unterscheidung eindeutig und mehrdeutig bestimmter Richtung von
Wichtigkeit, z.B. fr das Problem der Willensfreiheit.--

Es wrde den Rahmen dieser Arbeit weit bersteigen, sollte der Anteil
des Willens an den seelischen Geschehnissen im einzelnen aufgezeigt
werden. Es gengt, wenn wir dartun konnten, da sowohl im niederen,
einfachen, wie im hheren, komplizierten Seelen- und Geistesleben der
Wille in verschiedener Form und Richtung das +zentral Wirksame+, die
innerste Energie des Bewutseins ist, und da der +vollstndige+,
unabgekrzte, ungehemmte psychische Vorgang eine +Willenshandlung+ ist.
Erst durch +Abschwchung+, +Abstumpfung+ des Strebens und Fhlens, des
Appetitiven und Affektiven kommt das verhltnismige rein
Intellektuelle, das neutrale Wahrnehmen, Vorstellen und Denken zustande,
+teilweise aber selbst wieder unter dem Einflu des Willens+, nmlich
des Kulturwillens, der eine mglichste Beherrschung, Zurckdrngung des
Triebhaften, Affektiven mit sich bringt.




IV. Der Zweck im Seelischen.


Whrend in frheren Perioden der wissenschaftlichen Forschung die Idee
des Zweckes und der Zweckmigkeit, kurz, die +Teleologie+ meist in der
Form eines Gegensatzes zum Kausalittsbegriff oder aber so auftrat, da
in der Natur zwei Arten von Urschlichkeiten, die kausale und die
finale, nebeneinander, ohne innere Verbindung walten sollten, ist es ein
Postulat unserer Zeit -- das aber schon bei lteren Denkern, besonders
bei +Leibniz+ sich geltend machte -- die Teleologie so zu fassen, +da
sie zu der kausalen Betrachtungsweise in keinen Widerspruch gert+,
vielmehr mit ihr aufs beste harmoniert. Von einer transzendenten
Teleologie, wonach Gott oder die Natur den Dingen bestimmte Zwecke
gesetzt hat, denen diese unbewut oder bewut nachgehen, will man mit
Recht, wenigstens innerhalb der empirischen Wissenschaft, nichts wissen.
Anderseits ist den noch immer in groer Zahl vorhandenen Gegnern aller
Teleologie entgegenzuhalten, da man in der Biologie und in den
Geisteswissenschaften ohne Teleologie nicht auskommt. Nur mu das eine
+immanente+, eine Auto-Teleologie (+Pauly+) sein, welche Ziele und
Zwecke nicht als Wesenheiten auerhalb der lebenden, handelnden Wesen,
sondern als etwas diesen +Innerliches, Immanentes, von ihnen selbst
Gesetztes, Erstrebtes, Verwirklichtes+ bestimmt und den Einflu
+uerer+, nicht-teleologischer, rein kausaler Faktoren gebhrend
wrdigt. Finalitt und Kausalitt schlieen einander nicht aus, sondern
sind, wie wir gleich sehen werden, nur +zwei Betrachtungsweisen bzw.
Phasen einer und derselben Reihe des Geschehens+, ohne da deshalb, wie
manche meinen, etwa die Finalitt nur subjektiv, nur ein Regulativ fr
unser Erkennen sein mu.

Wo wir innerhalb der empirischen Wissenschaft kein Seelisches annehmen
drfen oder, besser, nicht anzunehmen brauchen, beim Anorganischen, und
berall da, wo wir nicht in der Lage sind, mit Sicherheit bestimmte
psychische Handlungen einfhlend zu erkennen, da sind wir berechtigt,
blo von einer regulativen und heuristischen Anwendung des
Zweckbegriffes zu sprechen, d.h. die Dinge so anzusehen, +als ob+ sie
einem Zwecke dienten, um leichter zu kausalen Reihen zu kommen und diese
besser zu verstehen. Aber das ist nicht der einzige zulssige Gebrauch,
den man von der Teleologie machen darf, und zwar nicht erst in der
Metaphysik, sondern schon in der Biologie, Psychologie und in den
Geisteswissenschaften. Hier ist es vielfach oft die Idee des Zweckes,
die erst +Einheit in die Erfahrung+ bringt, diese erst konstituiert
und das Geschehen erst sinnvoll, bedeutsam macht. Aber auch hier ist die
Finalitt nur eine Seite oder Phase desselben Geschehens, das zugleich
sich kausal beschreiben lt. Konstitutiv ist der Zweckbegriff hier
aber schon deshalb, weil wir, whrend Zwecksamkeit, Finalitt in das
Physische zunchst nur +hineingelegt+ wird, sie +an uns selbst, in
unserem seelischen Verhalten unmittelbar erleben+ oder setzen und sie
ebenso als ein allem Seelischen unmittelbar Anhaftendes ansehen mssen,
als ein +Charakteristikon des Psychischen selbst+[31].

In der Tat, der +Zweckbegriff+, der formal unserem beziehenden Denken
entspringt, hat sein Ur- und Vorbild im eigenen Erleben des +Subjekts+.
Dieses ist selbst durch und durch ein Zwecke-setzendes, zielstrebiges
Wesen und es ist ttig, um diesen seinen Zwecken zu gengen, um sie zu
verwirklichen, aus der Potenz in die Aktivitt berzufhren. +Das
Subjekt ist ein Zwecke-objektivierendes Wesen.+ Sein ganzes Tun ist ein
+Inbegriff von Mitteln zur Realisation von Zwecken+, zur Erreichung von
Zielen. Zunchst ist aber zu zeigen, wie das mglich ist, ohne da das
Kausalittsgesetz durchbrochen, auer Geltung gesetzt wird.

Ein einfaches Beispiel fr eine Zweckttigkeit ist die Handlung, bei der
ich den Arm ausstrecke, um ein Buch zu ergreifen. Psychologisch geht
folgendes vor: ich habe ein Ziel in Gestalt einer Vorstellung vor Augen,
die Lust dazu und das Streben nach dessen Erreichung, welches sich in
Bewegungsempfindungen u. dgl. umsetzt und schlielich zu jenem
psychischen Zustande fhrt, welcher mit dem Besitze des Buches verbunden
ist. Dieselbe Reihe ist nun auch rein kausal beschreibbar. Zuerst war
meine Armbewegung Mittel zur Besitzergreifung des Buches, diese aber
Zweck meiner Handlung; jetzt ist die Handlung (das Ausstrecken des
Armes) Ursache des Ergreifens und Festhaltens des Buches und zwar
sowohl psychisch (als unmittelbares Erlebnis von Empfindungen und
Vorstellungen) wie physisch (als objektiv-physikalisch aufgefate
Bewegung). Was bei der einen Betrachtungsweise Mittel und Zweck ist, ist
fr die andere Ursache und Wirkung. Der Zweck ist nichts als die im
Erleben antizipierte, die +vorstellend erstrebte Wirkung+, die reale
Wirkung ist der +aktualisierte Zweck+, ohne da sie stets genau mit
diesem bereinstimmt. Die oft gestellte Frage: wie kann etwas, was noch
nicht da ist, was der Zukunft angehrt, Ursache eines Geschehens sein,
beantwortet sich dahin, da +nicht die reale Wirkung selbst+ Ursache des
Handelns ist, sondern die +Vorstellung der Wirkung+, des Resultates und
zwar als +Inhalt oder Motiv des Willens+. Zweck ist soviel wie
Willensziel, Willensinhalt, nicht etwas selbstndig Existierendes und
Wirksames. Der Zweck wirkt nur +im und durch den Willen+, dieser ist als
psychischer Vorgang die Ursache von Handlungen, durch welche das
Gewollte, der Zweck, verwirklicht wird. Das Eigenartige der
Zwecksamkeit, das Wozu ist kein besonderes Geschehen, dem physisch
etwas parallel geht, sondern liegt schon im +Zusammenhange des Wollens+,
der allein sein physiologisches Gegenstck hat. Das Subjekt will etwas,
und zwar weil es ein anderes will usf. Dies fhrt zu einem ganzen
+System von Wollungen+, deren jede auf die andere so bezogen ist, da
eine aus der andern mit +innerer Notwendigkeit+ erfolgt, einer
Notwendigkeit, die final und kausal +zugleich+ ist, je nachdem wir in
der Ordnung der Reihen vorgehen. Dieses System von Zwecksetzungen, in
welchem jeder Zweck wieder Mittel fr einen anderen Zweck sein kann, ist
nicht blo formal zur Einheit verknpfbar, sondern erweist sich bei
gehriger Selbstbesinnung und vergleichender Betrachtung fremden
Seelenlebens als +einheitlich gerichtet+, indem es dem obersten
subjektiven Zweck, der +Erhaltung und Bettigung der Einheit des
Subjekts+, also dem +Einheitswillen+ sich unterordnet. Dieser
Einheitswille, der +Wille zur Bewahrung der Ich-Einheit in aller
Mannigfaltigkeit der Erlebnisse+, ist der oberste Grund, dem das
seelische Handeln entfliet, das Motiv der Motive. Indem nun die Psyche
in ein solches System von Wollungen oder Zielsetzungen sich
auseinanderlegt, ist sie so recht eine Entelechie (im Sinne noch mehr
des Leibniz als des Aristoteles), +eine sich von innen aus aktiv-reaktiv
entfaltende, entwickelnde Subjektivitt+, ein Organismus, dessen
Objektivation oder Ausdruck der leibliche Organismus ist[32].

Wenn der +Neo-Lamarckismus+ so sehr die Wirksamkeit psychischer Faktoren
und die Geltung einer Auto-Teleologie betont, so ist er durchaus im
Rechte, vorausgesetzt, da er nicht die Bedeutung uerer Faktoren (Milieu,
Auslese usw.) vernachlssigt. In der Tat: wollen wir das Leben nicht blo
uerlich in dessen Erscheinungen beschreiben, sondern es in seinem inneren
Wirken verstehen, wollen wir die Zweckmigkeit der Lebensprozesse und
deren Produkte begreifen, so knnen wir nicht umhin, auf die +Bedrfnisse+
zurckzugreifen, die durch Anregung des Strebens zu lebensntzlichen
Reaktionen verschiedenster Art fhren. Es gibt zweifellos eine +aktive
Anpassung+, bei welcher der Organismus, seinen durch den Wechsel der
ueren Bedingungen erregten +Bedrfnissen+ folgend, so ttig ist, da
diesen Bedrfnissen Genge getan wird, bis, durch +bung+ und +Vererbung+
festgewordener bungsresultate, eine grere Harmonie des Baues und der
Funktionen des Organismus mit dem Naturmilieu erreicht ist. Die erreichte
Zweckmigkeit ist also ein Resultat der psychischen, zielstrebigen
Einwirkung des Organismus auf sich selbst, die, wir wissen bereits warum --
ihr physisches, physiologisches Korrelat hat. Die Zielstrebigkeit ist aber
nur zum geringeren Teil direkt auf Realisierung von bestimmten
Vorstellungsinhalten gerichtet, vielfach und primr ist sie nur triebhafte
Reaktion zur Abstellung von Unlust oder Gewinnung von Lust nach einer
bestimmten Richtung, Tendenz zur Herstellung des gestrten Gleichgewichts,
zur Entfernung strender Reize u. dgl. Das objektiv Zweckmige ist zwar
durch das zielstrebige Verhalten des Organismus bedingt, aber keineswegs
ein direktes Resultat desselben, sondern das Produkt einer +Komplikation
von Faktoren+ und einer ganzen Reihe von Zielstrebigkeiten und Handlungen.

Es mute dies betont werden, weil es auch fr die Psychologie als
solche, nicht blo fr die Biologie gilt. Auch hier mssen wir von den
+primren+ Zielstrebigkeiten und Zwecksetzungen jene +Folgen+ und
+Nebenwirkungen+ unterscheiden, die, indem sie irgendwie in die Richtung
der individuellen Zielstrebigkeit hineinpassen, spter selbst finalen
Charakter erlangen, ohne da vorher auch nur im geringsten an sie
gedacht worden wre. Fr die individuelle, wie fr die soziale,
kulturelle Entwicklung ist dieses Prinzip der Heterogonie der Zwecke
(+Wundt+) von nicht geringer Bedeutung, es erklrt uns die bestndige
Steigerung, das Wachstum geistiger Werte, und es zeigt uns, wie es das
Wesen des Geistes ist, +Kausalitt in Finalitt+ zu verwandeln, bzw.
in deren Dienst zu nehmen.

Das Umgekehrte ist nun die +Verwandlung von Finalitt in Kausalitt+.
Wir meinen damit freilich nicht, als ob je im Seelenleben die Finalitt
verloren ginge und an ihre Stelle reine, mechanische Kausalitt trte.
Wir wissen bereits, da die Mechanisierung, von der in der Psychologie
die Rede ist, nur eine Abkrzung und ein Eindeutig-Werden von
Willenshandlungen ist, keine absolute Entseelung. Aber Tatsache ist es,
da Handlungen, welche ursprnglich mit mehr oder weniger
Bewutseinsklarheit auf ein bestimmtes Ziel gerichtet waren, spter
durch das, was wir Gewhnung nennen, rein triebmig und schlielich
+ganz automatisch+, ohne Richtung auf ein bewutes Ziel verlaufen
knnen, so da sie uns als bloe Wirkungen psycho-physischer
Antezedentien erscheinen. Nur insofern diese Handlungen Glieder des
teleologischen Zusammenhanges der Gesamtpsyche sind, haben sie jetzt
finalen Charakter, nicht aber fr sich genommen. Oder wenn man will,
lt sich diese Art psychischer Kausalitt als Grenzfall psychischer
Finalitt ansehen, als +stabilisierte Zielstrebigkeit+. Der psychische
Mechanismus ist, weit entfernt die Quelle der geistigen Finalitt
zu sein, schon nur ein +Spezialfall, eine Phase und ein Niederschlag
der Finalitt+, die nach zwei Richtungen sich entfaltet: einerseits
zur vollbewuten +aktiven+ Zweckttigkeit im Denken, Wollen und
Gestalten, anderseits zum seelischen +Automatismus+. Zugleich bleibt
der Satz bestehen, da die psychische Kausalitt im allgemeinen Sinne
durch eine Betrachtungsweise desselben Zusammenhanges gegeben ist, der
sonst als finaler Zusammenhang sich darstellt, und zwar am
+unmittelbarsten+ sich darstellt.

Da die Psychologie nicht umhin kann, die +Teleologie des Seelenlebens+
zu bercksichtigen, ist bisher hauptschlich von jenen Psychologen
betont worden, welche biologische Gesichtspunkte in ihre Wissenschaft
hineintragen. In der Tat: so wichtig und notwendig es ist, die
biologischen Prozesse schlielich auch psychologisch zu interpretieren,
psychische Faktoren zum Verstndnis von Lebensvorgngen verschiedener
Art heranzuziehen, so unumgnglich ist auch die Erklrung fundamentaler
psychischer Funktionen durch Rekurrierung auf +biotische+ Momente. Es
ist dies ganz natrlich, denn das Seelenleben ist auch ein Ausschnitt,
bzw. eine Seite des Lebens schlechthin, und das Leben ist qualitativ
eine Manifestation seelischer Faktoren. Wir bertragen also nicht
etwa in uerlicher Form, durch knstliche Analogien, biologische
Gesichtspunkte auf das Seelische, sondern dieses hat an sich selbst,
vermge seiner Identitt mit dem Leben die Eigenschaften desselben.
Daher gelten die von der Entwicklungstheorie verwandten Momente:
Anpassung, Kampf ums Dasein, Auslese, bung, Korrelation, Vererbung
usw. auch fr die Psychologie. Freilich mu man sich hier vor
+Einseitigkeiten+ hten, wie sie etwa die +extreme Selektionstheorie+
aufweist, und man mu der spezifischen Beschaffenheit des Psychischen
als solchen gebhrend Rechnung tragen.

Der teleologische Charakter des Seelenlebens hngt aufs innigste damit
zusammen, da dasselbe etwas +Organisches+, kein Aggregat selbstndiger
Elemente, kein uerlich verbundenes Ganzes, sondern eine +innerlich
zusammenhngende Einheit+[33] ist, die in lebendiger Wechselwirkung mit
ihren Gliedern steht. Diese Glieder sind ebenso durch das Ganze
bedingt, wie das Ganze durch die Teile; es sind ja beide nur
Abstraktionen aus dem +konkreten Zusammenhang, der zugleich Einheit und
Mannigfaltigkeit ist+. Die Seele ist, das mu aller mechanistischen
Psychologie gegenber entschieden betont werden, eine sich in der
Mannigfaltigkeit ihrer Modifikationen entfaltende und entwickelnde
+aktuale Organisation+ und hat alle Eigenschaften einer solchen. Was
+Herbart+ von der metaphysischen, einfachen Seelensubstanz lehrte, die
sich wie alle Realen gegenber Strungen stndig zu erhalten strebt,
gilt auch, nur noch viel plausibler, von der gegliederten Seeleneinheit,
die +im+ Erlebniszusammenhange, +nicht hinter+ diesem besteht und ttig
ist. Die Zielstrebigkeit, die das Psychische charakterisiert, uert
sich in verschiedener Weise, so aber, da das Streben nach Erhaltung und
Durchsetzung, sowie nach Steigerung, Bereicherung, Potenzierung der
Subjekt-Einheit +sowohl das Primrste als auch das Letzte und Hchste+
ist, was die Psyche als solche, als Individuum unter anderen, im
Reagieren und Agieren bestimmt. Die Psyche ist von Natur aus so geartet,
da sie Strungen, die sie erleidet, zu beseitigen, da sie alles Neue
sich, dem Grundbestande ihrer Modifikationen einzuordnen strebt,
Widersprche, soweit ihr diese zum mehr oder minder klaren Bewutsein
kommen, nicht duldet. Und wie sie sich selbst als Ganzes im Konflikte
mit der physischen und psychischen Umwelt zu erhalten strebt, so hat die
Psyche auch die Tendenz, alles fr sie und ihre Einheit und Entwicklung
Frderliche mglichst festzuhalten, zu erhalten. Nicht die Vorstellungen
fr sich allein haben einen Selbsterhaltungstrieb, sondern die Psyche,
das erlebende Subjekt ist es, welches Teile seiner Erlebnisse gegenber
andern triebmig oder willkrlich +begnstigt+ und sie so anderen
gegenber sich behaupten lt, wobei natrlich die Mglichkeit der
+Konkurrenz verschiedener Tendenzen+ nicht zu bersehen ist, die sich
aber schlielich irgendwie der Einheitstendenz des Ganzen einordnen
mssen, soll das Seelenleben normal, intakt oder wenigstens im
relativen Gleichgewicht bleiben. Da Vorstellungen usw. im Bewutsein
herrschend werden u. dgl., ist gewi kausal bedingt, wir knnen hufig
die Faktoren aufzeigen, welche die Erhaltung, Fixierung, Begnstigung
von Erlebnissen zur notwendigen Folge haben, aber zugleich liegt hier
eine Finalitt vor, da diese Erhaltung im Dienste der psychischen
Zielstrebigkeit steht, so da der psychische Zusammenhang durch einen
Zweck bestimmt ist; die kausale Notwendigkeit ist hier also auch
teleologische Notwendigkeit. Das ganze +logische Denken+ z.B. lt dies
deutlich erkennen, denn der reine Denkzweck ist zugleich der Grund,
aus dem die Bildung bestimmter Urteile und Schlsse erfolgt, und im
Erkenntnisprozesse wieder sind die +Kategorien+ Mittel zur Herstellung
eines +objektiv-einheitlichen Zusammenhanges+, zur Konstituierung von
objektiver Erfahrung und von Erfahrungsobjekten[34]. Die Gesetze des
Denkens und Erkennens flieen gewi aus dem Wesen der Sachen, sind
+nicht blo individuell-subjektiv+, nicht relativ, aber sie sind auch
nicht in der Luft schwebende Wesenheiten, existieren nicht an sich,
sondern gehren zum Bewutsein berhaupt, sind +Forderungen des auf
reine Erkenntnis gerichteten Willens+, der nur durch sie seinen Zweck:
die Erkenntnis, die Erfassung der Wahrheit und Wirklichkeit, erreichen
kann und daher +sich selbst bindet+, um so bewuter und entschiedener,
je mehr er die +Tauglichkeit+ der einzelnen Denk- und Erkenntnismittel
im Fortschritte der wissenschaftlichen Entwicklung und als +an der
Erfahrung sich bewhrend+ einsieht....

Der teleologische Charakter des Seelenlebens tritt schlagend in dem
zutage, was man +Interesse+ benannt und oft auch schon bei der Erklrung
psychischer Prozesse verwertet hat. Was in irgendeiner bemerkbaren
Beziehung zum Willen und damit zur Zielstrebigkeit der Psyche steht,
daran nimmt diese Interesse, d.h. sie erfat es willig, reiht es leicht
dem Zusammenhang ihrer Erlebnisse ein, verweilt triebmig oder
willkrlich bei ihm, beschftigt sich mit ihm. Interesse erweckt etwas,
wenn es tauglich ist, die psychische Organisation irgendwie zu frdern,
irgendwelche Bedrfnisse des Subjekts zu befriedigen. Je nach der Art
der Bedrfnisse und Zwecke, fr die etwas geeignet sein kann, gibt es
verschiedene +Richtungen+ des Interesses, verschiedene Arten des
Interessanten, welches wieder allgemein oder individuell, fr die Psyche
berhaupt oder fr bestimmt geartete Subjekte erregend sein kann. Daher
die Relativitt und Wandelbarkeit des Interesses, je nach der
Stimmung, den vorangegangenen Erlebnissen, der Beschftigung usw.,
kurz, je nach den jeweilig vorherrschenden Tendenzen und Zielsetzungen,
denen Erlebnisse und deren Gegenstnde begegnen. Je mehr wir uns fr
etwas interessieren, desto mehr ist unsere seelische Energie einem
Inhalt zugewandt, desto mehr Seelenkraft ist an dessen Verarbeitung
beteiligt, desto besser und nachhaltiger wird der Inhalt vom Ich
aufgenommen und verwertet. Daher die groe Bedeutung des Interesses fr
die Aufmerksamkeit und Apperzeption, fr das Gedchtnis und die
Erinnerung, fr die Richtung unseres Denkens und Handelns. Das Interesse
selbst aber ist ohne die allgemeine und spezielle +Finalitt+ der Psyche
nicht zu verstehen, denn es ist nur der gefhlsmige Ausdruck fr
dieselbe, ein Moment derselben, nicht etwa ein selbstndiges
Seelenvermgen. Die interessierte Seele ist nur die nach einer
bestimmten Richtung besonders erregte, an einem Erlebnis besonderen
Anteil, besondere Lust nehmende Seele, fr die in irgendeinem Ausmae
das Erlebnis bedeutsam ist. Das Interesse ist es, was die Psyche eine
+Auslese+ unter den ihr sich in Flle darbietenden Eindrcken treffen
und sie nur dasjenige assimilieren lt, was auf Dispositionen, in
Bereitschaft liegende Bewutseinszustnde bestimmter Art stt. Solche
Dispositionen, welche fr die Richtung des Interesses bedeutsam sind,
sind auch berall da vorhanden, wo sog. funktionelle Bedrfnisse
bestehen, d.h. Tendenzen bestimmter Organe oder Seelenpartien zur
Bettigung der ihnen gemen Funktionen. Ein Beispiel dafr ist der
Lichthunger, der uns nach lngerem Verweilen im Dunkeln befllt, der
Bewegungsdrang nach lngerer Ruhe, die Lust am Hren von Klngen, am
Reden, an Phantasiespielen usw. Im +Spiel+ und in der +Kunst+ kommen
funktionelle Bedrfnisse stark zur Geltung[35]. Daher auch die
teleologische Bedeutung von Spiel und Kunst, welche nicht blo eine
wohlttige Kraftentladung in der Psyche bewirken, sondern auch durch die
+bung+ bestimmter, sonst vernachlssigter psychischer Systeme und
Organe subjektiv zweckmig sind[36]. Uninteressiert sind wir beim
sthetischen Genu nur insofern, als wir nicht auf irgendeinen Nutzen,
auf irgendwelche Gtererlangung ausschauen, aber willen- und
interesselos sind wir keineswegs, sondern ein Wille zur Schau, zum
+reichen und dabei harmonischen Erleben+ besteht, der im und durch das
sthetische Erleben befriedigt wird, genau so, wie das Spiel in gewissem
Sinne Selbstzweck ist....

Ebenso wie das Interesse, bezieht sich auch das Phnomen der +Wertung+
auf die Finalitt des erlebenden Subjektes. Was irgendwie zur
Befriedigung eines Bedrfnisses zur Erreichung eines Strebenszieles
nicht blo geeignet, sondern auch notwendig, gefordert ist, das ist uns
+wert+, das ist fr uns und alle Gleichgerichteten ein Wert. Werten kann
also nur ein zielstrebiges Wesen, und die Grundrichtung, die es
berhaupt oder jeweils verfolgt, sein +Grundwille+ und alles daraus
folgende Streben ist gleichsam das a priori aller Wertung. Erst und
nur im bewuten oder unbewuten Hinblick auf einen Zweck ist etwas fr
uns wertvoll, als Mittel zu einem Zweck, das selbst in anderer Hinsicht
ein Zweck sein kann, bis hinauf zum obersten Endzweck, der, als
identisch mit dem Inhalt des reinen Grundwillens, an sich, absolut
wertvoll[37] ist; die Relativitt und Subjektivitt der Einzelwerte,
deren Abhngigkeit von verschiedenen Verhltnissen, von der Art der
psycho-physischen Organisation, vom Milieu, von historischen und
sozialen Bedingungen schliet keineswegs das Bestehen +objektiver,
intersubjektiver+, relativ konstanter Werte und die Absolutheit der
+obersten Grundwerte+ der Menschheit fr den menschlichen bzw.
ideal-menschlichen Grundwillen aus, ein Umstand, der fr die Ethik und
Sozialphilosophie von hchster Bedeutung ist und der vor allem die
Vershnung zwischen Historismus und Apriorismus ermglicht, sofern man
nur mitten im Geschichtlichen, im menschlichen Entwicklungsproze das
Apriorische, die in Form von Ideen und Idealen gegebenen, vom
Gesamtwillen gesetzten und anerkannten +Grundwerte+ zu finden und die
Geschichte als eine, freilich nicht geradlinige und rein rationelle
Annherung an die Verwirklichung und +Objektivierung dieser Wertideale+
zu erkennen wei[38].

Eine Art Wertung liegt schon in den +Gefhlen der Lust und der Unlust+
vor, welche zweifellos eine teleologische Bedeutung besitzen, die man
nur richtig auffassen mu. Denn es ist zu bercksichtigen, da etwas fr
bestimmte Partien oder auch fr den Gesamtorganismus direkt oder
indirekt unzweckmig sein kann, was +relativ+ fr bestimmte Partien und
Funktionen, also im Hinblick auf besondere Tendenzen der Psyche als
zweckmig empfunden wird und Lust bereitet. Dies festhaltend, kann man
ruhig behaupten, da das Gefhlsleben ebenfalls die Finalitt des
Subjekts zum Ausdruck bringt, da lustvolle Gefhle Zeichen, Symptome
fr Bedrfnisbefriedigungen sind, d.h. fr Zustnde, die der Psyche +in
irgendeiner Beziehung+ und Weise genehm, die fr sie irgendwie
zweckmig sind, whrend Unlust in der Regel auf das Gegenteil hinweist.
Die scheinbare Durchbrechung der Regel erklrt sich eben aus dem
Bestehen +verschiedener Tendenzen+ der Psyche und aus dem +Konflikte+,
in welchen dieselben unter Umstnden miteinander geraten knnen. Ferner
kann die Erfahrung und Verstandeserwgung das Bewutsein der blen
Folgen an sich lustvoller Erlebnisse und Handlungen als Gegengewicht
gegen diese ins Treffen fhren und dies zeigt, da eben eine Entwicklung
des Wertens wie eine solche der seelischen Fhigkeiten berhaupt
besteht; wo die Wertvoraussetzungen anders sich gestalten, mu natrlich
auch, ungeachtet der Zhigkeit mancher organisch gewordener Wertungen,
die Wertung sich modifizieren. Ist doch die Zweckmigkeit, auf die das
Werten sich bezieht, berhaupt nichts Festes, Starres, sondern ein
Werdendes, ein Produkt der Entwicklung. Je nach dem erreichten
Entwicklungszustande nimmt das erlebende Subjekt in verschiedener
Weise Stellung zu seinen Erlebnissen, wertet es diese, bzw. deren
Inhalt verschieden. Stets kommt aber in der Wertung die Natur und
Gesetzlichkeit des Subjekts, des einzelnen wie der Subjektivitt
schlechthin zum Ausdruck, und diese Gesetzlichkeit ist im Kerne
finaler Art[39].

Diese Finalitt drfen wir nicht vergessen, wenn wir vom +Wettbewerb+
der Vorstellungen usw. um die Erhaltung im Seelenleben, im Bewutsein,
im subjektiven und objektiven Geiste sprechen. Ein solcher Wettbewerb
besteht zweifellos, aber er ist ebensowenig wie der Daseinskampf in der
Natur rein kausal oder mechanisch zu erklren. Denn was bestimmte
Bewutseinsinhalte miteinander streiten lt, das sind die verschiedenen
+Tendenzen+, die der in mannigfache Verhltnisse gelangende seelische
Organismus aufweist, und was bestimmten Vorstellungen, Ideen usw. den
Sieg verleiht, das ist das +berwiegen einer Tendenz vor anderen+. Es
siegt stets das direkt oder indirekt (auf Grund von Urteilen,
Vergleichungen) als relativ Wertvollste, fr das so und so beschaffene
Subjekt relativ Zweckmigste, Befundene, sei es im Denken, sei es im
Wollen und Handeln (Kampf der Motive). Es obsiegen im intra- und
intersubjektiven geistigen Wettbewerbe schlielich die an der Erfahrung
am besten bewhrten Ideen (Wissenschaft) und Handlungsweisen (Sitte,
Recht, Technik usw.). Der Zweck, die Willensrichtung und die Beziehung
auf sie ist also das Ausschlaggebende, nicht die Vorstellung fr sich
genommen, nicht die blutleere Theorie. Ein Wille, und sei es auch nur
ein reiner Denk- und Erkenntniswille ist das +aktiv Auslesende+, den
Wettbewerb Regelnde, Normierende, dem schlielich sich unwesentliche
oder strende Tendenzen unterordnen mssen, damit der reine Zweck rein
erfllt wird, was eben nur durch +Erhaltung des bestimmt gerichteten
Willens in der ganzen Mannigfaltigkeit seiner Bettigungen+, also durch
das, was wir Konsequenz, Folgerichtigkeit, +Einstimmigkeit mit sich
selbst+ nennen, erreicht wird. Da innerhalb der Willensgesetzlichkeit
das Herrschendwerden gewisser Bewutseinsinhalte und die Zurckdrngung
oder gar Verkmmerung anderer durch das +Milieu+ in dessen verschiedenen
Arten (Natur, Rasse, Gesellschaft usw.) mitbedingt ist, steht auer
Frage; man denke nur an den Wandel der Lieblingsideen bei verschiedenen
Vlkern und in verschiedenen Perioden der Geschichte, denke an den
Wechsel der Stile, der Moden, der Denkweisen, an das berwiegen
bestimmter Denkmittel, Gefhlsweisen, Willenstendenzen usw.

Es besteht eben im Geistesleben zweierlei +Anpassung+: einmal eine
+passive+, besser +reaktive+ Anpassung von Erlebnissen (Vorstellungen
usw.) an ein physisches oder psychisches Milieu, dann aber auch eine
+aktive+ Anpassung des Milieus an die Natur des Seelenlebens. Die
passive Anpassung ist teils +indirekter+ Art, durch eigentliche
+Selektion+, die aber im Seelischen noch weniger belangreich sein drfte
als im Biologischen, teils eine +direkte+, indem das +Milieu+ durch die
von ihm ausgehenden Reize und Einflsse das Seelenleben der Individuen
und Vlker in einer zu diesem Milieu in Beziehung stehenden Weise
modifiziert. Whrend auf den niederen Stufen der Geistesentwicklung die
passive Anpassung berwiegt, kommt auf den hheren immer mehr die
+aktive Anpassung+ zur Geltung. Die ganze +Kulturarbeit+ des Menschen
gibt davon Zeugnis, wie sehr es der menschliche Geist versteht, Inhalte
seines Erlebens so zu formen, da sie seinen ureigenen Bedrfnissen,
Tendenzen, Zwecken zu entsprechen vermgen. Nicht blo die Auenwelt
wird diesen Zwecken angepat, auch das Innenleben, wie es sich besonders
im objektiven Geist, in Religion, Sitte, Sittlichkeit, Recht,
Wissenschaft usw. bekundet, wird aktiv gestaltet, bestndig umgeformt,
und zwar im ganzen und groen schlielich doch immer wieder in der
Richtung, welche die Linie der +Realisierung des reinen
Menschheitswillens+ bedeutet, also im Sinne der +Kulturidee+. Hierbei
findet, +da die Einheit des Geisteslebens immer wieder nach
Selbsterhaltung strebt und bewute Widersprche in ihrem Bereiche nicht
dauernd ertrgt+, eine bestndige, wenn auch nicht immer gleich
merkliche +gegenseitige Anpassung der geistigen Gebilde aneinander+
statt, die aller Einseitigkeit, aller Verkmmerung einzelner Partien des
Seelenlebens immer wieder entgegenarbeitet. So gibt es z.B. eine
Anpassung zwischen Recht und Wirtschaft, zwischen Glauben und Wissen,
zwischen Individualismus und Kollektivismus. Es besteht eine Art
+Selbstregulierung+ des Geisteslebens, durch welche Strungen und
Einseitigkeiten, welche der Integritt der seelischen Einheit Abbruch zu
tun drohen, soweit als mglich aufgehoben werden, und diese
Selbstregulierung ist ein Mittel zur Anpassung der Mannigfaltigkeit
geistiger Inhalte an die Einheit und Gesetzlichkeit der individuellen
und der sozialen Psyche. -- Die Bedeutung der aktiven Anpassung im
Geistesleben erhellt u.a. aus der Methodik des wissenschaftlichen
Erkennens. Denn es findet nicht nur eine (besonders von +E. Mach+
hervorgehobene) +Anpassung des Denkens an die Erfahrung+ statt, sondern
auch eine +Anpassung der Erfahrung an das Denken+, bzw. an den
Denkwillen, indem die Erfahrung methodisch so geformt wird, da sie die
allgemeine, apriorische Gesetzlichkeit des Intellekts in ihrer
Struktur immer schrfer und ausgedehnter zum Ausdruck bringt. Dies ist
nur ein Spezialfall aus der fortschreitenden +Rationalisierung+ des
gesamten Lebens, welche triebhaft einsetzt und dann vornehmlich durch
die spontane, autonome, planmige, zweckbewute Arbeit des Geistes, der
alle seine Inhalte seinen Forderungen, den Postulaten des
Vernunftwillens zu unterwerfen strebt, erfolgt. In der fortschreitenden
+Vergeistigung der Natur+, sowohl der ueren als auch der inneren Natur
des Menschen besteht ja der Sinn aller wahren, vollen Kultur. Durch die
reaktive und aktive Formung, welche das Geistesleben bestndig an seinen
Objekten vornimmt, erzeugt es einen stets zunehmenden +Reichtum
geistiger Werte+ und zugleich entwickelt es sich selbst zu immer hheren
Daseinsstufen; die +Funktion+ wirkt hier, wie im Biologischen, durch
bung und deren Nachwirkungen sowie durch Vererbung derselben, zu der
auch die Tradition gehrt, auf die +Organisation+, von der sie ausgeht,
zurck, so da auch hier ein besonnener Lamarckismus Recht behlt.

Wenn es wahr ist, da alle Entwicklung zwar auch durch uere Faktoren
bedingt und bestimmt ist, aber doch in erster Linie unmittelbar von
innen her erfolgt, so gilt dies nun ganz besonders fr die +seelische
Evolution+. Dies folgt schon aus der Finalitt der Psyche, aus deren
+Gerichtetsein auf immer neu sich entfaltende Ziele+. In unaufhrlicher
Bewegung mu ein Seelenleben sein, dessen +innerstes Triebwerk+
wirkliches Streben, wahre Tendenz, also Wille im allgemeinsten Sinne
des Wortes ist. Nur die +Verbindung von immanenter Teleologie und
Voluntarismus+ ist geeignet, uns die wachsende Zweckmigkeit des
Psychischen ohne Berufung auf transzendente, von auen gesetzte Zwecke
oder auf geheimnisvolle Zweckursachen verstndlich zu machen. Gewi sind
nicht alle erzielten Resultate von Anfang an Objekt und Inhalt des
Willens, gewi wei das Subjekt oft nichts oder nur wenig von dem, was
es erzeugt und wozu es erwchst, aber wenn es auch wahr ist, da nur
eine Summation, ein fortlaufender Zusammenhang relativ selbstndiger
Zielstrebungen und Zwecksetzungen die endlich erreichten
Zweckmigkeiten mit sich bringt, so ist es doch ebenso wahr, da ohne
diese Strebungen, in denen das Wesen des Subjekts, der Psyche zum
Ausdruck gelangt, nichts von dem erreicht wrde, was tatschlich
gewonnen wird. Mit auerordentlicher Genialitt hat insbesondere
+Leibniz+ diese +Selbstentwicklung+ der Seele erfat und nur den Fehler
begangen, die Seele als einfache Substanz, als Monade unter anderen
Monaden zu fassen, statt sie als eine, eine Vielheit von Elementen und
Momenten einschlieende +aktuale Organisation+ zu betrachten, wie wir es
heute tun mssen. Es gibt eben nicht ein besonderes, qualitativ
unbekanntes Wesen, Seele genannt, sondern die Seele ist +der
einheitliche, sich von seinen ihn zur Erscheinung bringenden Momenten
und Elementen selbst unterscheidende, abhebende Zusammenhang
zielstrebiger Aktionen und Reaktionen+, eine sich permanent setzende,
durchsetzende, erhaltende, entfaltende Subjekt-Einheit als das
Innensein dessen, was objektiv angesehen oder gedacht als physischer
Organismus sich darstellt. Insofern diese Einheit aus sich heraus ttig,
wirksam ist, Fhigkeiten zu verschiedenen Handlungen besitzt, ist sie im
wahrsten Sinne des Wortes eine Kraft, whrend die objektiv-physischen
Krfte uns nur als gedankliche Ausgangspunkte von kausalen Relationen
gegeben sind. Jede Seele ist ein sich selbst unmittelbar erfassendes
+Aktionszentrum+, nicht substantiell, sondern durch ihr Wirken und
ihre Dispositionen dazu. Sie wirkt aber dadurch, da sie strebend,
wollend, also auf Ziele gerichtet ist; +ihr Wirken ist also final
bestimmt+. So kann man die Seele als eine Art +Apparat zur
Verwirklichung von Zwecken+ ansehen, freilich als einen +lebendigen,
aktiven, bewuten Apparat+, nicht als einen bloen Sitz oder ein
Reservoir von Krften.

Wir sehen aus dem Vorangehenden, wie notwendig die +teleologische
Fundierung der Psychologie+ ist. Es ist in der Tat ganz und gar unmglich,
die Gesetzlichkeit, die im Seelenleben waltet, zu verstehen, wenn man nicht
den +Strebungscharakter+ und damit die Finalitt des Psychischen voll
bercksichtigt. Die Zielstrebigkeit in ihren verschiedenen Abstufungen und
Bewutseinsgraden beherrscht das +gesamte Seelenleben+, sie ist die
Grundbedingung, die +Urvoraussetzung+ fr das Funktionieren desselben. Sie
waltet im Wollen direkt, kommt im Gefhlsleben zum Ausdruck und durchsetzt
auch die +intellektuellen+ Prozesse, angefangen von der Empfindung und
Sinneswahrnehmung bis hinauf zum Denken und Erkennen. Die Grundfunktionen
des Bewutseins und deren Wirkungen stehen alle, direkt oder indirekt, im
Dienste der reaktiven Zielstrebigkeit oder der aktiven Zwecksetzung, handle
es sich nun um das Gedchtnis, die Phantasie, die Abstraktion, die bung,
die Gewhnung, die Ermdung, die Aufmerksamkeit u. dgl. oder um die im
Spiel, in der Kunst, im religisen, sittlichen, sozialen Leben wirksamen
Seelenfunktionen. berall bestehen hier +Bedrfnisse+, teils materialer,
teils formaler Art, Tendenzen der psychischen Organisation und ihrer
Provinzen, die triebhaft oder mittels des Vernunftwillens zur Erfllung
drngen. Was oft als rein mechanische Reflexttigkeit oder als Resultat
unbewuten Wissens und Planens erscheint, wie die +Instinkthandlung+, ist
das fixierte, durch bung und Vererbung der psychischen Organisation fest
einverleibte +Resultat+ von zielstrebigen Reaktionen, die durch allmhliche
Anpassung zu objektiv zweckmigen Erfolgen gefhrt haben. Man mu sich
also vor zweierlei hten: einerseits vor dem Fehler, da, wo schon
triebhafte, impulsive, wenn auch sehr beschrnkte, nur auf das
Allernchste, auf die Entfernung unlustvoller und die Festhaltung
lustvoller Reize gerichtete Zielstrebigkeit besteht, blo das Resultat rein
mechanisch-reflektorischer Vorgnge zu erblicken; anderseits aber auch vor
dem ebenso gefhrlichen Irrtum, einfach organisierten Lebewesen tierischer
und pflanzlicher Art schon Denk- und Willensakte zuzuschreiben, die nur in
einem komplizierten Bewutsein mglich sind, die Fhigkeit aktiver
Vergleichung, Abstraktion, berlegung, Wahl voraussetzen oder auch durch
eine groe Zahl in Bereitschaft stehender Erfahrungen bedingt sind. Schon
der Ausdruck Zielstrebigkeit (bekanntlich von +K. E. v. Baer+ eingefhrt)
ist cum grano salis zu verstehen, sonst kann er leicht Unheil anrichten. Es
ist nicht so, als ob es an sich Ziele gbe, die dem Lebewesen irgendwoher
gesteckt sind und auf die es nun unbewut oder bewut zustrebt. Wir wissen
wenigstens nichts davon, solange wir auf dem Boden der Empirie verbleiben
und metaphysischen Theorien innerhalb der empirischen Forschung keinen Raum
gnnen. Zielstrebigkeit ist fr uns nichts anderes als ein +Ausflu des
Lebens selbst+; das Ziel ist dem Streben durchaus immanent, es ist durch
das erlebende Subjekt selbst gesetzt, ist von ihm unabtrennbar. Dieses
ist durch und durch +Wille zur Erhaltung, Durchsetzung, mglichst auch
Steigerung und Entfaltung der eigenen Einheit+, nicht aber ist es
irgendwoher auf dieses Ziel eingestellt worden. Und alle die Zwecke, die
von lebenden Subjekten angestrebt werden, sind nur +Konsequenzen aus der
primren Zielstrebigkeit, in allmhlicher Entwicklung entfaltet und
jeweilig modifiziert und modifizierbar durch das Milieu, in welchem das
Subjekt lebt+. Es mu dies wiederholt betont werden, damit die Gegner aller
Teleologie einsehen lernen, da von irgendwelchen reaktionren Tendenzen
in dieser Form der Auto-Teleologie nicht im geringsten die Rede ist. Fr
eine groe Strecke der Finalitt ist jedwedes Vorauswissen zweckmiger
Erfolge unbedingt ausgeschlossen, auch ist die +Erreichung+ solcher Erfolge
keineswegs eindeutig bestimmt, nur zu oft finden Irrtmer statt, es bedarf
oft einer groen Reihe von Erfahrungen, damit unter den in Bereitschaft
stehenden Bedingungen die +richtigen Mittel+ zur Anwendung kommen. Die
Kenntnis der richtigen Mittel zum Zweck ist vielfach erst das Produkt
langer Entwicklung, die Zuflligkeit der Mittel (+Pauly+) ist ein nicht
genug zu beachtender Umstand, der fr die neben der Zweckmigkeit stark
hervortretende Dysteleologie von hoher Bedeutung ist. +Zielstrebigkeit
schliet also noch nicht die richtige Technik der Mittel ein, der Mangel
einer solchen freilich nicht die Existenz einer Zielstrebigkeit aus.+ So
sehen wir z. B. eine bestimmt geartete Individualitt, einen bestimmt
gerichteten Charakter zuweilen sich in der Wahl der diesem Charakter
gemen Lebensbedingungen (Beruf usw.) vergreifen, weil er sich eben in
seinem dunklen Drange des rechten Weges +nicht+ bewut ist. Mit Recht
ist gesagt worden, der Charakter eines Menschen sei dessen Schicksal. Das
bedeutet psychologisch: der Grundwille, der das Wesen dieses bestimmten
Subjekts ausmacht, leitet bewut oder impulsiv dessen ganzes Tun und
Lassen, wobei nicht auf die ueren Verhltnisse und deren bestimmenden,
teilweise auch zwingenden Einflsse vergessen werden darf. Die Mittel aber,
diesem Grundwillen Genge zu tun, werden oft nicht richtig gewhlt, weil
Erfahrung oder Vernunfteinsicht nicht im rechten Mae vorhanden ist, so da
auch diese Faktoren das Geschick des Menschen bestimmen. Das
Dysteleologische ist, kurz gesagt, nicht blo auf Rechnung uerer
Faktoren zu setzen, sondern es entspringt vielfach der Finalitt, dem
Teleologischen selbst, teils als +ungewollter Nebenerfolg+, teils infolge
der +Beschrnktheit des Subjekts+. An diese Dysteleologie ist in letzter
Linie der +Konflikt+ verschiedener oder gegenstzlicher Tendenzen und
Zielstrebigkeiten, insbesondere zwischen verschiedenen Subjekten, schuld.




V. Die psychische Entwicklung.


Wir haben bereits der verschiedenen Faktoren, welche an der Entwicklung
des Seelenlebens beteiligt sind, Erwhnung getan. Nun erbrigt uns noch
die zusammenfassende Darlegung des Wesens dieser Entwicklung.

Zunchst ist von einer Entwicklung der Psyche +als Ganzes+ zu sprechen.
Wir wissen, da diese Entwicklung eine Entfaltung von +innen+ heraus
ist. Damit wurde keineswegs bestritten, da eine durchgngige
Beeinflussung der Psyche durch das uere +Milieu+ besteht. Direkt und
indirekt kommt dieser Einflu zur Geltung und alle Seelenentwicklung
steht, wenn sie auch innerlicher Art ist, zu jenem in Beziehung, pat
sich ihm nach Mglichkeit an und schmiegt sich den waltenden
Verhltnissen an. Aber das Milieu wirkt auf die Psyche entsprechend der
eigenen Natur dieser. Es wirkt als eine Summe von +Reizen+, welche in
der psychischen Organisation +Tendenzen+ wachruft, die zu bestimmt
gerichteten +Reaktionen+ fhren, die wieder auf die psychische
Organisation +zurckwirken+; dann erst kann auch die natrliche Auslese
einsetzen, welche das Erhaltungsgeme, Zweckmige begnstigt, indem
sie zugleich das Untaugliche auszumerzen bestrebt ist. In jedem Falle
aber ist die psychische Entwicklung zielstrebig, indem zum Wesen der
Psyche die Tendenz zur Erhaltung und Durchsetzung der eigenen Einheit
gehrt, aus welcher Tendenz in Reaktion zu den ueren Reizen die
Entwicklung der Seele mit teleologischer und zugleich kausaler
Notwendigkeit erfolgt. Je hher entwickelt die Seele ist, desto mehr
wird die Reaktivitt derselben zur +Aktivitt+, desto relativ
unabhngiger wird sie vom Zwange des Milieu, desto mehr kann sie
ihren ureigenen Tendenzen folgen, ihr Milieu selbstttig modifizieren,
ein +neues Milieu+, einen neuen Wirkungskreis schaffen. Die gesamte
+Kulturttigkeit+ ist nichts anderes als ein aktives Anpassen des
Milieu an die Tendenzen, Bedrfnisse, Zwecke, Ideale der
menschheitlichen Psyche.

In welcher Hinsicht knnen wir von der Psyche sagen, da sie sich
entwickelt? +In extensiver+ und +intensiv-qualitativer+ Hinsicht, so
aber, da hier die Extension, das Quantitative sogleich auch
qualitativen Charakter besitzt. Die psychische Entwicklung besteht
zunchst darin, da die +Zahl der Erlebnisse+ des Subjekts wchst, da
der +Umfang seines Bewutseins+ ein immer grerer wird, sich auf eine
immer grere Menge von Vorstellungen, Gefhlen usw. erstreckt. Das gilt
sowohl vom Individuum als auch vom Gesamtgeist, von der
Kollektivseele eines Volkes, einer sozialen Gemeinschaft. Whrend das
Individualsubjekt den Schatz seines Bewutseins durch Erfahrung, Lernen,
eigenes Denken vergrert, entwickelt sich die Kollektivseele, als das
Gemeinsame in einer Vielheit von Einzelseelen und zugleich als der durch
Wechselwirkung bedingte einheitliche Zusammenhang dieser, durch
+Akkumulation von Kollektiverfahrungen und der Produkte des
Gemeinschaftswirkens+ auf allen Gebieten geistiger Bettigung. Was beim
Individuum die Vererbung bedeutet, das ist fr die Kollektivseele, fr
den Gesamtgeist die +Tradition+, durch welche die folgenden Generationen
von vornherein in eine Welt geistiger Werte gestellt sind, an die sie
anknpfen und die sie weiter verarbeiten knnen. Die Tradition stellt
einen seelischen Zusammenhang in der Zeit dar, der trotz wiederholten
scheinbaren Durchbruchs der geschichtlichen Kontinuitt, trotz
zeitweiligen Zurcktretens, Vergessenwerdens, Nichtbeachtetseins
geistiger Werte zustande kommt. Die Tradition ist die sozialhistorische
Art der Vererbung, die Vererbung eine Art Tradition. Das letztere ist
ohne weiteres verstndlich, wenn wir bedenken, da freilich fertige
Vorstellungen, Gedanken, Wertungen u. dgl. nicht vererbt werden knnen
-- weil fr solche in der unentfalteten Psyche des Keimes gar kein Organ
vorhanden ist, und aus anderen Ursachen -- wohl aber psychische
+Anlagen+ oder Dispositionen allgemeinster und auch spezieller Art.
Vermge solcher Anlagen, d.h. Tendenzen der primitiven
Seelenorganisation zu bestimmt gerichteten Reaktionen und Aktionen,
Tendenzen, die freilich erst durch Reize ausgelst werden mssen, ist
die Psyche +besser ausgestattet+ als die frheren Generationen, sie kann
sich extensiv und intensiv hher entwickeln, einen komplizierteren und
feineren Habitus annehmen. Gewi wird nicht alles und jegliches, was ein
erlebendes Subjekt erlebt hat, vererbt werden. Die direkte Vererbung
erworbener Eigenschaften ist keineswegs durch die Neo-Darwinisten aus
der Schule +Weismanns+ widerlegt, aber sie darf auch nicht ins Extreme
gezogen werden. Vererbbar drfte nur das sein, was infolge +lang
wiederholter+ oder sonstwie +nachhaltiger+ Eindrcke die psychische
Struktur erheblicher beeinflut, modifiziert hat[40]. Insbesondere
gehren hierher die Resultate psychischer +bung+ nach irgendwelcher
Richtung hin; diese Resultate bestehen in der greren Leichtigkeit und
Sicherheit bestimmter Funktionen, bestimmter Bewutseinsakte oder
Koordinationen solcher, die in den von den elterlichen Seelen sich
abspaltenden, ablsenden Seelenkeim eingehen, wobei man aber nicht an
substantielle Wesenheiten und Modifikationen denken darf. Die Erlebnisse
der Subjekte gehen nicht spurlos vorber, sie wirken auf die psychische
Organisation zurck und manches von diesen Wirkungen kommt in den
Nachkommen scharf zum Ausdruck. Infolge bald des Zusammenwirkens, bald
des einander Entgegenwirkens der Tendenzen vterlicher- und
mtterlicherseits in der Keimpsyche, sowie des Einflusses uerer
Faktoren ist die psychische wie alle Vererbung natrlich etwas ungemein
Kompliziertes, keineswegs etwas eindeutig Bestimmtes. Und da wir bei der
Beurteilung dessen, was psychisch ererbt ist, den Einflu der
Nachahmung, Erziehung, des gleichen Milieu usw. nicht vergessen drfen,
so ist es kein Wunder, wenn wir ber den Umfang der direkten Vererbung
noch recht wenig wissen. Erfahrung und Logik sprechen aber fr das
Bestehen einer solchen, so sicher es auch ist, da zur Erwerbung
bestimmter psychischer (oder auch physischer) Eigenschaften schon
gewisse +Prdispositionen+ ntig sind....

Das extensive Wachstum psychischer Werte ist von +teleologischer+
Bedeutung. Denn der grere Umfang von Vorstellungen usw. ermglicht ein
richtigeres, den mannigfachen Verhltnissen und Modifikationen des
Daseins besser angepates Verhalten des Subjekts. Wissen ist Macht.
Die reicher ausgestattete Psyche verfgt ber mehr Mittel zur
Selbsterhaltung und Selbstfrderung, sie ist dem Zwange von Raum und
Zeit viel mehr entrckt, sie kann viel aktiver auftreten. Ohne einen
gewissen Vorrat in Bereitschaft stehender Vorstellungen und Begriffe ist
kein hheres Wollen, keine berlegung, keine Planmigkeit des Handelns
mglich. Teleologisch bedeutsam ist nun auch das +intensive+ Wachstum
der Seele. Infolge der bung ihrer Funktionen und infolge der daraus
resultierenden Dispositionen +steigert sich die psychische Energie
intensiv+, sie vermag bei gleichem oder geringerem Kraftaufwande +mehr
und Besseres+ zu leisten, kurz, sie gewinnt an +Zwecktchtigkeit+. Wir
sehen denn auch in der individuellen wie in der kollektiven Evolution
der Psyche die Leistungsfhigkeit dieser in vieler Beziehung durch die
Vererbung der bungsresultate sich steigern. Wir konstatieren vielfach
eine +Steigerung+ der +Bewutheit+ durch die Entwicklung, daneben
freilich auch eine +Herabsetzung+ der Bewutheit gewisser Funktionen.
Und auch dieses Zurcktreten der Bewutheit ist zweckmig. Die
Abstumpfung durch Gewhnung schtzt vor der berzahl der die Psyche
sonst leicht strenden, verwirrenden, zerrttenden Reize, sie entlastet
die Seele, +erspart ihr Arbeit+, ermglicht eine um so strkere
+Konzentration+ in bestimmter Richtung, sie wirkt also entschieden
+konomisch+. Zugleich werden durch die Mechanisierung des Bewutseins
die Handlungen +sicherer+, indem sie viel weniger dem Irrtume ausgesetzt
sind. Daher die Treffsicherheit alles Instinktiven, die freilich nur
fr bestimmte, normale, typische Umstnde gilt; soll das Seelenleben
nicht erstarren, so mu eine Modifizierbarkeit auch der Instinkte
mglich sein und tatschlich besteht sie in groem Ausmae. Die
Verminderung der Bewutheit ist keine absolute Verarmung des
Seelenlebens, wofern sie eben die Anbildung neuer, hherer
Bewutseinsinhalte und die Steigerung der psychischen Energie mitbedingt
und ermglicht. In dem rechten Verhltnis zwischen Bewutheitssteigerung
und Bewutheitsschwchung liegt das Maximum des fr das erlebende
Subjekt Zweckmigen; dem entspricht das rechte Verhltnis zwischen
Trieb- und aktivem Willensleben.

+Wundt+ spricht von einem Wachstum geistiger Energie[41] und wir
mssen ebenfalls ein solches konstatieren. Zunchst sei bemerkt, da
damit dem Gesetz der +Erhaltung physischer Energie+ kein Abbruch getan
wird. Denn es kann bei gleich bleibender Menge physischer Energie die
Mannigfaltigkeit psychischer Qualitten und Werte wachsen. Man mu
ferner beachten, da innerhalb gewisser Grenzen und Normen auch die
+Energie des Zentralnervensystems+ -- natrlich auf Kosten anderer
physikalisch-chemischer Energie im und auerhalb des Organismus
-- wchst, und zwar durch Ernhrung und bung. An die extensive und
intensive Leistungsfhigkeit des Zentralnervensystems ist nun die
Steigerung psychischer Energie im intensiven Sinne geknpft, wie dies
besonders +Jodl+ hervorgehoben hat (Wachstum organischer Energie). Da
innerhalb eines Partialsystems der Vorrat verfgbarer Energie durch
Aufnahme von auen und Akkumulation zunehmen kann, ist ja ohne weiteres
begreiflich und mit dem Gesetz der Erhaltung der Energie durchaus
vereinbar; ebenso auch eine zeitweilige Abnahme an Nervenenergie.
Whrend also ein Teil der Steigerung psychischer Leistungsfhigkeit
-- die durch ihre Wirkungen, den zu verarbeitenden geistigen Stoff,
einigermaen, wenn auch nicht im physikalisch-exakten Sinne mebar ist
-- der Bereitschaft des ersparten Kraftaufwands und der durch die bung
erzielten besseren Richtung und Koordination der Energie zu verdanken
ist, haben wir den andern Teil dem Wachstum des Innenseins dessen, was
objektiv zerebrale Energie ist, zuzuschreiben. Der qualitativen und
intensiven Steigerung dieser Energie und ihres Organs entspricht das
Wachstum der Intensitt und der Mannigfaltigkeit von seelischen Werten
in deren immer vollkommeneren, bewuteren einheitlichen Zusammenfassung.
Hier erscheint -- wie u.a. +Mnsterberg+ betont -- das Prinzip des
psycho-physischen Parallelismus nirgends durchbrochen.

Das Wachstum geistiger Werte hngt, wie es wiederum +Wundt+ vortrefflich
dargetan hat, mit der schpferischen Synthese zusammen, die das
Bewutseinswirken charakterisiert; es ist ein Prinzip, welches besagt,
da die psychischen Elemente durch ihre kausalen Wechselwirkungen und
Folgewirkungen Verbindungen erzeugen, die zwar aus ihren Komponenten
psychologisch erklrt werden knnen, gleichwohl aber neue qualitative
Eigenschaften besitzen, die in den Elementen nicht enthalten waren,
wobei namentlich auch an diese neuen Eigenschaften eigentmliche, in den
Elementen nicht vorgebildete Wertbestimmungen geknpft werden (Philos.
Studien X, 112f.). Es besteht eine Art psychische Chemie, vermge
deren eine Gesamtvorstellung, ein Gesamtgefhl usw. mehr ist als die
bloe Summe der Elemente, in welche sich diese psychischen Gebilde
zerlegen lassen. Im Verlaufe der individuellen und generellen
Entwicklung entstehen so immer neue psychische Qualitten und Werte, die
wohl in den vorangehenden ihren zureichenden Grund haben, aber nicht
restlos aus deren Zusammen zu erklren sind. Das quivalenzprinzip,
welches auf dem Gebiete des Psychischen berall gilt, hat hier berall
da, wo es sich um rein +Qualitatives+ handelt, keine Bedeutung. Was
diesem Prinzip schpferischer Energie in der Natur einigermaen
entspricht, das ist die immer neue Entstehung von +Formen+, insbesondere
von organischen Gestaltungen, die auch nicht restlos auf die Summation
von Elementen zurckzufhren sind. Die psychische Synthese ist aber
+nicht ein selbstndiges Zusammentreten von Bewutseinselementen,
sondern ein Auftreten neuer Bewutseinsmodifikationen auf Grundlage des
Zusammenhanges anderer+, also eine Art +Reaktion des erlebenden Subjekts
auf seine eigenen Erlebnisse+, welche das Material zu neuen Gestaltungen
und Gliederungen darbieten; das Subjekt bereichert sich so aus und in
sich selbst, es +entfaltet+ und +steigert+ sich in und an seinen eigenen
Zustnden, Aktionen und Gebilden[42].

Doch gibt es im seelischen Leben auch ein Analogon zur Erhaltung der
Energie im Sinne des quivalenzprinzips, also so etwas wie eine
+Erhaltung psychischer Energie+[43]. Nmlich als Parallele zu dem
intrazerebralen Verhltnis der Energien, welches derart ist, da mit der
erhhten Energie bestimmter Partien oder Funktionen die entsprechende
Verminderung der Energie anderer Partien oder Funktionen verbunden sein
wird. Wir sehen in der Tat, wie eine Konzentration der Aufmerksamkeit
fr bestimmte Inhalte eine Schwchung der psychischen Energie fr andere
Inhalte bedingt, wie ferner die Steigerung gewisser Funktionen, wenn sie
einseitig erfolgt, die Schwchung anderer zum Korrelat hat, kurz, wie
das Zustrmen psychischer Energie nach einer bestimmten Richtung ein
Abflieen solcher Energie von anderen Richtungen mit sich bringt. Die
Begrenztheit der einem Subjekt zur Verfgung stehenden psychischen
Leistungsfhigkeit hat diese Art von Energie des Bewutseins zur
Folge. Da damit ein Wachstum seelischer Werte durchaus vereinbar ist,
liegt auf der Hand. Selbsterhaltung und Selbstentfaltung gehren beide
zusammen zum Wesen der psychischen Organisation, welche eine +Erhaltung
in der Entwicklung+ aufweist. Und diese Entwicklung ist eine
+schpferische+ (volution cratrice, wie +Bergson+ sich ausdrckt),
dabei aber gesetzmige, denn sie ist +das Gesetz des Seelischen
selbst+, der Ausdruck des konstanten, unverlierbaren Wesens der
Subjektivitt. Die Seele wchst +so von innen heraus+, durch eine Art
Entfaltung; sie differenziert sich selbstttig oder in Reaktion auf die
Reize der Umwelt, niemals aber kommt etwas direkt von auen in sie
hinein, da psychische Modifikationen nicht direkt bertragbar sind,
nicht in der Luft schweben knnen, nur als Modi eines Subjekts Sinn und
Existenz haben. Insofern hat +Leibniz+ durchaus recht, wenn er sagt, die
Seele (Monade) habe keine Fenster. Sie spiegelt das Universum,
konzentriert wie in einem Focus die von der Umwelt erlittenen Eindrcke,
aber in der +ihr+ gemen Weise, in Bewutseinszustnden, welche zu den
objektiven Momenten in Korrelation stehen, aber mit ihnen nicht
identisch sind und ihnen auch nicht qualitativ gleichen.

Von einer +Erhaltung+ des Psychischen ist auch insofern zu reden, als
Psychisches weder neu entstehen noch in nichts vergehen kann. Wir mssen
die Ewigkeit des Psychischen als Prinzip, als eines Wirklichkeitsfaktors im
allgemeinen statuieren. Erstens, weil es das Innensein der Dinge ist,
also ein Konstituens des Seins als solchen, und wir den Gedanken einer
Entstehung oder Vernichtung des Seins logisch nicht zu konzipieren und
durchzufhren vermgen. Zweitens weil das Psychische aus dem Physischen
nicht hervorgegangen sein kann, was aus methodologisch-erkenntniskritischen
Grnden anzunehmen ist. Ebenso, wie die physische Energie sich im
bestndigen Wandel der verschiedenen Energieformen ineinander konstant
erhlt, so bleibt auch das Psychische als solches bestehen, wenn auch die
+Formen+, in denen es jeweilig auftritt, bestndig wechseln. Diese Formen
sind uerst mannigfaltig, keine gleicht der andern vllig, schon durch die
wenigstens um ein Differenzial abweichende Stellung jedes Subjekts zur
Umwelt mssen die Erlebnisse etwas anders ausfallen, abgesehen von den
Komplikationen usw. Doch lassen sich psychische Formen, welche wesentlich
miteinander bereinstimmen, zu +Typen+ vereinigen und diese wieder obersten
Formen des psychischen Seins unterordnen. Die Art und der Grad des
Bewutseins und des Wollens ist fr sie charakteristisch. Es findet eine
Entwicklung von niederen, einfacheren, weniger reichen und klaren zu
hheren, differenzierteren, klareren, umfassenderen Bewutseinsformen
statt, mit welchen partiell wieder ein Herabsteigen zu niederen,
einfacheren Bewutheitsgraden verbunden ist. Zugleich ist bei den niederen
Bewutseinsformen zwar ein dumpfes Subjektgefhl als vorhanden
anzunehmen, nicht aber schon die Existenz eines reflektierten
Selbstbewutseins, ein Bewutsein des eigenen Ichs in scharfer Abhebung von
dessen Erlebnissen und ihren Inhalten, sowie ein Bewutsein des eigenen
Bewutseins als solchen, welches wir eben als Reflexion, als Wissen, als
Selbstbewutsein im hheren Sinne bezeichnen. Zwar hat es keinen Sinn, von
+absolut unbewuten+ psychischen Prozessen zu reden, denn psychisch und
bewut sind eins; wohl aber gibt es +relativ unbewute+ Vorgnge, d. h.
solche, die nicht gesondert, sondern nur als ununterscheidbare Bestandteile
eines bergeordneten, allgemeineren Bewutseinszusammenhanges auftreten,
die also unterbewut sind[44]. Von den bewuten Vorgngen sind aber
keineswegs alle auch als solche +gewut+, d. h. beachtet und als
Bewutseinsakte auf das Subjekt als dessen Manifestationen bezogen. Das als
solches gewute, das +reflektierte+ Bewutsein ist eine hhere Stufe des
psychischen Lebens, ein +Bewutsein hherer Ordnung+, ein potenziertes oder
ein auf sich selber sich zurckbiegendes Bewutsein, welches schon hohe
Erinnerungs-, Apperzeptions- und Abstraktionsfhigkeit voraussetzt. Seine
relativ hchste Stufe erreicht dieses Bewutsein im begrifflichen Wissen
und in den Urteilen der Psychologie, in der methodisch sicheren und klaren
Beurteilung des seelischen Erlebens, in der Analyse und Synthese dessen,
was sonst in der Regel nicht Gegenstand, nur Funktion des erlebenden
Subjekts ist. Zu diesem Wissen gehrt nicht blo die Bewutheit des eigenen
Vorstellens und Denkens, sondern auch das Wissen um das eigene Wollen und
Zwecksetzen, welches dadurch dem impulsiven Triebleben scharf
gegenbertritt.

In innigster Verkettung und Durchdringung spielen sich in der
entwickelten Seele gewute und einfach bewute, unterbewute und relativ
unbewute Vorgnge ab, einander wechselseitig beeinflussend. Bedeutsam
ist hierbei die Rolle des +minder Bewuten+. Es macht einen wesentlichen
Teil unserer Triebfedern und Motive aus, es ist mitbestimmend fr die
Richtung unseres Handelns, es gibt unserer Psyche die eigenartige,
scheinbar grundlos wechselnde Stimmung, die sich ber alles ergiet,
was wir erleben. Die scheinbar geringfgigsten Eindrcke, die wir gar
nicht bemerken, die aber nichtsdestoweniger in uns wirken, indem sie von
unserer Umwelt ausgehen, kommen fr die Richtung, die Lebhaftigkeit, die
Geschwindigkeit, die Frische, den Gefhlston usw. unserer psychischen
Reaktionen in Betracht; dazu gehren auch die +organischen
Empfindungen+, die von unserem eigenen Leibe ausgehen und durch ihren
Gefhlston das brige Seelenleben beeinflussen[45], ferner die
Empfindungen, die durch die Bewegung und Haltung unseres Krpers
ausgelst werden. Bedeutsam sind insbesondere auch die unterbewuten
+Nachwirkungen+ von Erlebnissen, welche krzere oder lngere Zeit in der
Seele nachklingen, bis ein bestimmtes Erlebnis, welches zuerst die Seele
in einer gewissen Spannung erhielt, sich ausgelebt hat; hierbei kommt es
oft entweder zu einem Zusammenwirken zweier oder mehrerer Erlebnisse zu
einer verstrkten Resultante, oder aber zu einer Interferenz und
Opposition solcher Erlebnisse. Jedenfalls kann man mit Recht von
+psychischen Wellenzgen und Strmungen+ sprechen, von einem psychischen
Anklingen und Abklingen u. dgl.[46]. Die +ganze Vergangenheit+ der
Psyche ist fr das jedesmalige neue Erleben in verschiedenem Grade
bedeutsam, fr ihr Erkennen wie fr ihr Fhlen und Wollen. Das, was die
Seele reaktiv und aktiv erlebt, durchgemacht hat, das ist sie, das
bildet einen wesentlichen +Teil ihres Seins+; wie sie ist, so wirkt sie,
und wie sie wirkt, so ist sie. Das Zentrum, der relativ konstante Kern
der Seele, das sind die +Dispositionen+, die in Form von Gewohnheiten,
Fertigkeiten, Neigungen auftreten und die, aus frheren Erlebnissen
hervorgegangen, die neuen Erlebnisse formal mitbedingen. Weil diese
Dispositionen in der Regel nicht zu klarem Bewutsein gelangen, weil das
Unterbewute mit seinen Antrieben das ganze Seelenleben trgt und
durchsetzt, aus einem stetig wachsenden Ressort aufsteigend, kennt sich
das Subjekt nur wenig, wenn es blo seine klar bewuten Erlebnisse in
Betracht zieht. Nur ein Teil der psychischen Vorgnge ist aus klar
bewuten Erlebnissen (und auch da nicht restlos) abzuleiten. Wo dies
nicht gelingt, ist das Prinzip der Kausalitt +keineswegs durchbrochen+,
es gibt auch keine absolut freisteigenden Vorstellungen, absolut
unbewute Assoziationen u. dgl., sondern es besteht ein +minderbewuter,
relativ unbewuter Untergrund+ und es gibt unterbewute Vermittler von
Bewutseinsprozessen und deren Verbindungen. Eine scharfe psychologische
Analyse kann nachtrglich solche Zwischenglieder ermitteln, und wir
knnen wohl annehmen, da sie auch dann vorhanden sind, wenn wir sie
nicht zu unterscheiden vermgen.

+Differenzierung+ und +Integrierung+ charakterisieren wie alle Entwicklung
so auch die psychische Evolution. Das gilt wie fr die Psyche als Ganzes so
auch fr deren Einzelerlebnisse, phylo- wie ontogenetisch. Ein dumpfes,
verworrenes, chaotisches Bewutsein ist der Ausgangspunkt dieser
Entwicklung, die ihren idealen Hhepunkt in der klarsten und umfassendsten
Synthese (Integration) einer reichsten Mannigfaltigkeit scharf
unterschiedener (differenzierter) Inhalte des Bewutseins erreicht. Ein
gutes Beispiel dafr ist das Hervorgehen der mannigfachen +Sinne+ aus einem
primitiven Hautsinn, der noch kaum lokalisiert ist. Durch Anpassung an die
verschiedenen physikalisch-chemischen Reize verndert und verfeinert sich
die psychophysische Organisation dahin, da nun fr jeden Typus des Reizes
eine besondere Art des Empfindens besteht, die infolge der Arbeitsteilung
auch schrfer ausgeprgt ist. Diese Mannigfaltigkeit von Empfindungsarten
vermag das entwickelte Bewutsein dadurch zu integrieren, da es sie in
immer klareren und deutlicheren Vorstellungen zusammenfat. Im gleichen
Sinne entwickeln sich dann auch die gedanklichen Gebilde, Begriffe und
Urteile, indem sie einerseits immer spezieller und bestimmter werden,
anderseits immer zweckmiger zur Einheit des Denkens und Erkennens
zusammengefat werden. Die Fhigkeit der Synthese entwickelt, steigert sich
parallel damit und zwar in bestimmter Gesetzlichkeit, aus welcher die
apriorischen Erkenntniskonstanten, die Formen der Erkenntnis
entspringen; die Genesis dieser ist also keineswegs, wie man zuweilen
geglaubt hat (+Spencer+ u. a.) mit einem empirischen Charakter derselben
identisch, was hier nur nebenbei bemerkt sei[47]. Ebenso differenziert und
integriert sich das +Gefhlsleben+, immer speziellere und feinere
Gefhlsnuancen verdrngen das anfangs noch arme, rohe Gefhlsleben,
zugleich schwcht sich teilweise die ursprngliche Heftigkeit der Affekte
ab. Endlich tritt das ursprnglich uerst einfache, arme +Triebleben+ in
eine Mannigfaltigkeit von Willenstendenzen auseinander, welche die
verschiedensten Richtungen haben und doch immer mehr zur Einheit eines
obersten Grundwillens verbunden werden. Whrend also die niedrigste
Bewutseinsstufe ein hchst einfaches, durch einzelne Reize unstetig
ausgelstes, des inneren Zusammenhanges noch entbehrendes
Momentanbewutsein sein mu, finden wir auf den hchsten Stufen der
Entwicklung eine allseitige Differenzierung, eine auerordentliche Flle
von Qualitten, verbunden mit einer zentralisierten Organisation des
Seelischen; an Stelle bloer Gefhls-und Strebungseinheit tritt die
synthetische Einheit des wollenden und denkenden, sich in der
Mannigfaltigkeit seiner Inhalte konstant zusammenschlieenden
Selbstbewutseins.

Differenzierung und Integrierung sind auch fr das Verhltnis des
+Einzelgeistes+ zum +Gesamtbewutsein+ charakteristisch[48]. Ein
isolierter, absolut selbstndiger Individualgeist ist nirgends zu finden,
von Anfang an bildet das Einzelbewutsein ein Glied eines Zusammenhanges,
der durch die +Wechselwirkung gleich gearteter Individuen+ entsteht und
sogleich auf die letzteren zurckwirkt. Erst +innerhalb+ des
sozialpsychischen Verbandes erfolgt die immer weiter gehende
Differenzierung der Individualseelen bzw. bestimmter Gruppen von solchen,
eine Differenzierung, die so weit gehen kann, da ein +Gegensatz+ zum
Gesamtgeist entsteht. Aber diese psychische Differenzierung, die durch die
Verschiedenheit der Lebensweise, des Berufes, des Milieu, der Erlebnisse
usw. erfolgt, ist von einer Integrierung begleitet, indem der gleiche Beruf
usw. einen gemeinsamen Berufs- und Korpsgeist erzeugt. Auf die Abtrennung
der Individualitten vom Gesamtbewutsein folgt eine neue Bindung durch das
letztere, ein +Gesamtbewutsein hherer Stufe+ mit wachsender Bewutheit
des Zusammenhanges, mit berwiegen des willentlichen Aneinanderschlieens
und Kooperierens vor dem zuerst rein triebmigen
Zusammengehrigkeitsgefhl. Auf die, wie +Tnnies+ sagt, vom Wesenwillen
beherrschte naturhafte Gemeinschaft folgt die durch mehr uere
Interessen und durch Willkr bedingte Gesellschaft, der aber, fgen wir
hinzu, sich allmhlich weitergreifend und verinnerlichend, eine von einem
+neuen Wesenwillen+ beherrschte, +kulturelle Gemeinschaft+ im Denken,
Fhlen, Wollen und Handeln sich berlagert. Zwischen Gesamt- und
Einzelbewutsein findet eine bestndige +Wechselwirkung+ statt. Einerseits
wchst das Einzel-Ich in eine ihm als objektive Macht von Anfang an
gegenberstehende Gesamtheit hinein, durch deren Tendenzen es mehr oder
weniger beeinflut wird, abgesehen von dem Niederschlage
kollektiv-psychischen Lebens, welches in Form von Dispositionen vom
Individuum ererbt wird; der Gesamtgeist wirkt durch Erziehung, Zwang der
Sitte, Nachahmung u. dgl. auf das Individualbewutsein, in dem er schon
partiell der Potenz nach enthalten ist, ein. Die aus dem Gesamtgeist
differenzierten Individualseelen modifizieren ihrerseits den Gesamtgeist
fortwhrend, besonders die fhrenden Geister, welche einerseits der
klarste und krftigste Ausdruck von Tendenzen und Idealen des
Gesamtgeistes, anderseits die relativ originellen Neugestalter des
Gesamtgeistes sind. Endlich stehen die Gebilde des Gesamtgeistes: Recht,
Wirtschaft, Religion usw. in Wechselwirkung miteinander, und zugleich
besteht eine Entwicklung innerhalb jedes dieser Gebilde[49]....

Die Entwicklung der Einzel- wie der Gesamtpsyche ist eine gesetzliche.
Freilich kann hier nicht von Gesetzen im Sinne der Physik, sondern eben
nur von +Entwicklungsgesetzen+, die hier den Charakter +typischer
Sukzessionen+ haben, denen die kausal-teleologische Wirksamkeit des
Psychischen zugrunde liegt, die Rede sein. Differenzierung und
Integrierung, Auseinandertreten des relativ homogenen Erlebens in eine
Mannigfaltigkeit gesonderter Bewutseinsvorgnge und darauf folgende
Zusammenfassung zu einheitlichem Zusammenhange -- das ist etwas, was die
psychische mit der biologischen Entwicklung gemein hat. Ebenso finden
wir das Prinzip der Heterogonie der Zwecke schon in der biologischen
Sphre, wo es freilich schon mit psychischen Faktoren zusammenhngt.
Charakteristisch fr das Psychische ist vor allem die +Entwicklung in
Gegenstzen+, welche vom +Kontrastprinzip+ beherrscht wird und mit der
Natur des Gefhls- und Willenlebens zusammenhngt. Dadurch nmlich, da
sich Gefhle und Strebungen zu hchster Strke und Wirkung ausleben,
findet eine bersttigung und Abstumpfung der Psyche statt, die nun, des
Alten berdrssig, nach Neuem, nach Vernderung ihres Zustandes strebt.
Da nun das Bewutsein des Neuen vorzglich durch die gegenstzlichen
Strebungen, die infolge des Nachlassens der lteren an Kraft gewinnen,
konstituiert wird, so ist der Umschlag der Tendenzen ins gerade
Gegenteil, der bergang von einem +Extrem+ zum andern leicht
verstndlich[50]. Besonders zeigt sich eine solche Entwicklung im
+geschichtlichen+ Geistesleben, im Wechsel z.B. von Moden, von
knstlerischen Richtungen, von politischen oder religisen Strmungen.
Die Gegenstze folgen einander nicht blo in der Zeit, sondern auch in
einer und derselben Periode ruft das eine Extrem leicht das andere,
gegenstzliche hervor, so da z.B. nchternste Wirklichkeitsbetrachtung
auf der einen Seite mit Mystik und Aberglauben auf der andern in
derselben Zeit zusammengehen knnen. Indem zur Thesis sich sogleich die
Antithesis gesellt, fehlt es freilich auch fast nie an einer mittleren
Linie der Geistesstimmung, an der Synthese von Extremen, bald in
eklektischer Weise, bald aber auch in organischer, schpferischer Form,
die sich dann weiter entwickelt und, wenigstens als Tendenz, den
Extremen Konkurrenz macht, wie dies besonders das Beispiel
philosophischer Systeme oder Theorien lehrt. Da die Synthese nie
absolut, nie vollendet ist, da in den synthetischen Versuchen immer
wieder neue Einseitigkeiten vorkommen, kommt das Geistesleben nie zur
Ruhe, sondern mit einer gewissen +Periodizitt+ kommen die
gleichartigen Tendenzen immer wieder, um freilich immer neue
Modifikationen psychischer Gebilde zu erzeugen. Selbsterhaltung im
Wechsel hier wie berall! Jene Tendenzen, welche zu ihrer Zeit durch
andere verdrngt wurden, kommen wieder auf, wenn die Verhltnisse
gnstiger geworden, und dies wiederholt sich so lange, +bis alle
Potenzen der Psyche zur Entfaltung gekommen+, bis alles in ihr
Angelegte sich verwirklicht hat, bis alle Willensrichtungen und Ideen
sich ausgelebt haben. Beharrungs- und Vernderungstendenz wirken
hierbei stets zusammen, indem bald mehr die eine, bald mehr die
andere berwiegt.




Anmerkungen.


Zu I.

[1] Den Aktualittsstandpunkt nehmen ein: +Spinoza+, +Hume+, +Fichte+,
+Schopenhauer+, +Fechner+, +Paulsen+, +Wundt+, +Jol+, +J.St. Mill+,
+Spencer+, +Hffding+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Mach+, +Fouille+,
+Bergson+, +Luquet+ u.a. Nach +Wundt+ ist das geistige Leben nicht
eine Verbindung unvernderter Objekte und wechselnder Zustnde, sondern
in allen seinen Bestandteilen Ereignis, nicht ruhendes Sein, sondern
Ttigkeit, nicht Stillstand, sondern Entwicklung (Vorlesungen ber die
Menschen- und Tierseele{2}[C], S. 495). Die innere Erfahrung ist ein
Zusammenhang von Vorgngen (Grundri der Psychol.).

   [C] Diese Ziffern bedeuten die Auflage des angefhrten Werkes.

[2] Vgl. meine Schrift Leib und Seele, Leipzig 1906.

[3] Die reine Zeitlichkeit des psychischen Geschehens, die Stetigkeit
desselben, das wir erst zu einer Summe von Elementen veruerlichen,
betont neuerdings +H.Bergson+.

[4] Vgl. +Lachelier+, Psychologie und Metaphysik; +Busse+, Geist und
Krper, u.a.

[5] So +Huxley+, +Ribot+ u.a.

[6] Vgl. die Kritik der Epiphnomen-Theorie bei +Fouille+, Der
Evolutionismus der Kraft-Ideen, Leipzig 1907; +Busse+, Geist und Krper.

[7] Vgl. +Wundt+, Grundri der Psychol.{5}, S. 3ff.

[8] Vgl. +L.W. Stern+, Person und Sache I.

[9] Eine parallelistische Identittslehre vertreten in verschiedener
Weise: +Schopenhauer+, Welt als Wille und Vorstellung 1,  18ff.;
+Fechner+, Zend-Avesta II, 164f.; I, 252f.; ber die Seelenfrage, S.
9ff., 110ff., 220f.; +Paulsen+, Einleit. in die Philosophie, S. 115;
+Ebbinghaus+, Grundz. der Psychologie I, 42f.; +Heymans+, Einfhrung in
die Metaphysik, S. 227ff.; +Ziehen+, ber die allgem. Beziehungen
zwischen Gehirn und Seelenleben, 1902; +Wundt+, Grundri der
Psychol.{5}, S. 2ff.; Grundzge der physiolog. Psychologie, II{4}, 648;
+B.Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, 2;
+Hffding+, Psychologie 2, C. 2; +Riehl+, Der philos. Kritizismus II 1,
63; +Grot+, Archiv f. systemat. Philos. IV; +Spencer+, Princ. of
Psychol. I{3}, p. 107ff., 627; +Fouille+, Der Evolutionismus der
Kraft-Ideen, S. 37 u.a.; +Koenig+, Zeitschr. f. Philosophie und philos.
Kritik, Bd. 115; +Paulsen+, Zeitschr. f. Philosophie, Bd. 115;
+Heymans+, Zeitschr. fr Psychol. und Physiol. der Sinnesorgane, 18. Bd.
1898; +Mnsterberg+, Grundzge der Psychologie I, 435, 492; +Riehl+, Zur
Einfhrung in die Philos. S. 156ff.; +Jodl+, Lehrb. d. Psychol. C. 2,
 24; +Eisler+, Leib und Seele, 1906; +B.Erdmann+, Wissensch. Hypothesen
ber Leib und Seele, 1908; Experimentelle Arbeiten zur Besttigung des
Energieprinzips im Organismus; +Rubner+, Die Quelle der tierischen
Wrme, Zeitschrift fr Biologie, Bd. 30, 1894; +Atwater+, Neue Versuche
ber Stoff- und Kraftwechsel im menschlichen Krper, Ergebnisse der
Physiologie, Bd. III, 1, 1904. +Gegen+ den Parallel. vgl. +Busse+,
+Hfler+, +Wentscher+, +Erhardt+, +Bergson+ u.a.

[10] Vgl. meine Schrift Leib und Seele, sowie meine Abhandlung Die
Theorie des Panpsychismus, in: Zeitschr. f. d. Ausbau der
Entwicklungswissenschaft I, H. 8.

[11] Vgl. +B.Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und
Geisteslebens, 1907.

[12] ber den Begriff der Seele vgl. +Fechner+, ber die Seelenfrage, S.
9, 210ff.; Zend-Avesta I, S. XIX; II, 148; +Wundt+, Logik II 2, 2, S.
245ff.; Grundri der Psychol.{5}, S. 386; Grundzge der physiol.
Psychol. II{4}, 633ff.; System d. Philos.{2}, S. 372ff., 606; +Jodl+,
Lehrbuch d. Psychol. S. 31; +Paulsen+, Einleitung in die Philos.{2}, S.
136, +Hffding+, Psychol.{2}, S. 16ff.; +Ebbinghaus+, Grundzge der
Psychologie I, 17f.; +Fouille+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen;
+P.Carus+, Soul of Man, S. 419, u.a. Die Seele als Subjekt-Einheit;
+Sigwart+, Logik II 2, 207f.; +A.Vannrus+, Archiv f. systemat. Philos.
I, 1895, S. 363ff. Die Seele als Substanz: +L. Busse+, Geist und Krper,
S. 324ff. Vgl. +W. James+, Princ. of Psychol. I, 160ff., 342ff., u.a.


Zu II.

[13] Nach +Mnsterberg+ ist das Psychische als der Gegenstand der
Psychologie nichts Reales, sondern ein Abstraktionsprodukt, das Produkt
einer Objektivierung, whrend die Geisteswissenschaften es mit dem
konkreten, stellungnehmenden, zwecksetzenden Subjekt und dessen Akten zu
tun haben, also subjektivierend verfahren (Grundzge der Psychol. I,
57f., 62, 202). Die Einheit des geistigen Lebens ist gar nicht ein
Zusammenhang psychologischer Objekte, sondern ein Zusammenhang von
Tatsachen, aus denen psychologische Objekte abgeleitet werden knnen
(a. a. O. S. 382; vgl. Psychology and Life 1899). Vgl. dagegen
+Hffding+, Philos. Probleme, S. 13; +G. Villa+, Monist, 1902; +Eisler+,
Zeitschrift fr Philosophie und philos. Kritik, Bd. 122, S 80ff.; +J.
Cohn+, Vierteljahrsschr. fr wissensch. Philos. Bd. 26.

[14] Vgl. auch +R. Wahle+, ber den Mechanismus des geistigen
Lebens, 1906.

[15] Die psychische Kausalitt ist uns als innerer Zusammenhang unserer
Erlebnisse unmittelbar, d.h. ohne da es erst einer Deutung,
Projektion, begrifflich-hypothetischen Ergnzung bedarf, gegeben (vgl.
+Wundt+, Logik I{2}, 625ff., System der Philos.{2}, S. 291, 593f.).
So erleben wir bestndig Verbindungen, Zusammenhnge in uns, whrend
wir den Sinneserregungen Verbindung und Zusammenhang unterlegen mssen.
In dem Erlebnis wirken die Vorgnge des ganzen Gemts zusammen. In ihm
ist Zusammenhang gegeben, whrend die Sinne nur ein Mannigfaltiges von
Einzelheiten darbieten. Der einzelne Vorgang ist von der ganzen
Totalitt des Seelenlebens im Erlebnis getragen, und der Zusammenhang,
in welchem er in sich und mit dem Ganzen des Seelenlebens steht, gehrt
der unmittelbaren Erfahrung an. Alles psychologische Denken behlt
diesen Grundzug, da das Auffassen des Ganzen die Interpretation des
Einzelnen ermglicht und bestimmt.... Der erfahrene Zusammenhang des
Seelenlebens mu die feste, erlebte und unmittelbar sichere Grundlage
der Psychologie bleiben. (+Dilthey.+)

[16] Vgl. meine Einfhrung in die Erkenntnistheorie, Leipzig, 1907.

[17] Zu dieser Kausalitt gehrt auch das psychische Innensein der
Faktoren, welche auf das erlebende Subjekt einwirken. Insofern hat
+Simmel+ mit seiner Bemerkung (Einleit. in die Moralwissenschaft II,
297) nicht unrecht. Vgl. +Kreibig+, Die Aufmerksamkeit, S. 51.

[18] Von diesem +primren Subjektmoment+ ist das +entwickelte
Selbstbewutsein+ wohl zu unterscheiden, welches die Psychologie nicht
wie jenes hinnehmen kann, sondern genetisch erklren mu, soweit es mehr
ist als einfache, nicht ableitbare Subjektivitt.


Zu III.

[19] ber den psychologischen Voluntarismus vgl. +Schopenhauer+, Welt
als Wille und Vorstellung; +J.H. Fichte+, Psychol. I; +Fortlage+,
System der Psychol. I; +Ed.v. Hartmann+, Philosophie des Unbewuten,
Moderne Psychologie; +Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die
Philos.; +Wundt+, Logik II{2} 2; Grundri der Psychol.{5}; System der
Philos.{2}; +Hffding+, Psychol.{2}; +Tnnies+, Gemeinsch. u.
Gesellsch.; +Rmelin+, Reden und Aufstze I; +Losskij+, Zeitschr. f.
Psychol. d. Sinnesorgane, Bd. 30, 1902; +Hughes+, Mimik d. Menschen;
+Goldscheid+, Ethik des Gesamtwillens I; +J. Ward+, Encycl. Brit. XX;
+L.F. Ward+, Pure Sociology; +Fouille+, Psychol. des ides-forces I
und II; Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10 u. 11; +Mnsterberg+,
Grundzge der Psychologie I; +Sigwart+, Logik II{2}; +W. James+, Princ.
of Psychology; +G. Villa+, Einleit. in d. Psychologie; +W. Jerusalem+,
Lehrbuch der Psychologie{3}; +Schellwien+, Wille u. Erkenntnis;
+Nietzsche+, Werke, u.a. Auch +Dilthey+ ist hier anzufhren, ferner
+Jol+, +Bergson+ u.a. Vgl. +Eisler+, Krit. Einfhrung in die
Philosophie, Berlin 1905; Wrterbuch der philos. Begriffe, 3. Aufl., Bd.
III; Grundl. d. Philos. d. Geistesleb., 1908.

[20] Vgl. L'volutionisme des ides-forces, deutsch (Der Evolutionismus
der Kraft-Ideen). Philosoph.-soziologische Bcherei III. Leipzig 1908,
Dr. Werner Klinkhardt.

[21] ber Reflexe vgl. +Wundt+, Grundzge der physiologischen
Psychologie, II{4}, 582ff.; Grundri der Psychologie{5}, S. 230f.;
+Th. Ziegler+, Das Gefhl{2}, S. 215f., 308; +Fouille+, Evolutionismus
der Kraft-Ideen, S. 40, 325ff., u.a.

[22] ber Mechanisierung des Bewutseins vgl. +Wundt+, Grundri der
Psychologie{5}, S. 229ff.; System der Philosophie{2}, S. 571ff.;
+Hffding+, Psychol.{2}, S. 67; +Jodl+, Lehrbuch der Psychol. S. 427f.,
432; +Fouille+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10, u.a.

[23] Vgl. +Hffding+, +Natorp+, +Goldscheid+.

[24] Vgl. +Jol+, Der freie Wille, 1909.

[25] Gegen +Bain+, +Spencer+, +Ribot+, +Sergi+ u.a.

[26] ber funktionelle Bedrfnisse vgl. +Dring+ (Philos. Gterlehre,
1888), +Jerusalem+ u.a.

[27] ber Apperzeption und geistige Verarbeitung von Erlebnissen vgl.
+Wundt+, Grundri der Psychologie{5}, S. 249ff.; Grundzge der
physiolog. Psychol. II 4, 266ff.; +Klpe+, Grundr. d. Psychol., S. 441;
+James+, Princ. of Psychol.; +Stout+, Analyt. Psychol. II, 112;
+Jerusalem+, Lehrb. d. Psychol.{3}, S. 87; +Lipps+, Leitfaden d.
Psychol., S. 63ff., +B. Erdmann+, Vierteljahrsschrift fr wissensch.
Philosophie X, 307ff., 340ff., 391ff.; +Baldwin+, Handbook of Psychol.
I, 65; +Ed.v. Hartmann+, Moderne Psychologie, S. 172, 425, u.a. --
Zwischen Apperzeptions- und Assoziationspsychologie soll nach
+Mnsterberg+ die Aktionstheorie vermitteln, welche fordert, da
jeder Bewutseinsinhalt Begleiterscheinung eines nicht nur sensorischen,
sondern sensorisch-motorischen Vorganges ist, und somit von den
vorhandenen Dispositionen zur Handlung ebensosehr abhngt wie von
peripheren und assoziativen Zufhrungen (Grundzge der Psychologie I,
549). Vgl. dazu +Fouille+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen.

[28] ber das Denken als Willenshandlung vgl. +Wundt+, Grundri der
Psychologie{5}, S. 301ff.; +Klpe+, Grundri der Psychologie, S. 464
(antizipierende Apperzeption); +Tnnies+, Gemeinsch. u. Gesellsch.,
S. 139f., +Jerusalem+, Lehrbuch der Psychol.{3}, S. 103; +Kreibig+,
Die Aufmerksamkeit, S. 3; ferner +Nietzsche+, +Hffding+, +Paulsen+,
+Fouille+, +Sully+, +Jodl+, +Baldwin+, +James+, +Sigwart+
(Denkwille) u.a.

[29] ber die Rolle von Gefhl und Streben bei der Assoziation vgl.
+Horwicz+, Psychol. Analysen I, 168f.; +Windelband+, Prludien, S.
190ff.; +Hffding+, Psychol.{2}, S. 445ff.; +Ed.v. Hartmann+,
Philosophie des Unbewuten I 10, 246f.; +Wundt+, Vorles. ber d.
Menschen- u. Tierseele{2}, S. 338; System der Philos.{2}, S. 583,
+Fouille+ u.a.

[30] Der Richtungsbegriff und seine Bedeutung fr die Philosophie.
Annalen der Naturphilosophie VI, 58ff.


Zu IV.

[31] Den teleologischen Gesichtspunkt hat in programmatischer Weise +W.
Dilthey+ dargetan (Ideen ber eine beschreibende und zergliedernde
Psychologie, Sitzungsber. der Kgl. Preu. Akadem. der Wissenschaften zu
Berlin, 1894; Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften,
Sitzungsbericht der Kgl. Akadem. der Wissenschaften 1905, XIV, S.
332ff.). Er ist (wie +James+ u.a.) Gegner der atomistischen
Psychologie und will, da von den inneren Zusammenhngen der Seele in
beschreibend-analytischer, konstruktiver Hypothesen sich entschlagender
Weise vorgegangen wird, damit die volle Wirklichkeit des Seelenlebens
zur Vorstellung gelange. Die Psychologie ist Beschreibung und Analysis
eines Zusammenhangs, welcher ursprnglich und immer als das Leben selbst
gegeben ist. Sie hat die Regelmigkeiten im Zusammenhange des
entwickelten Seelenlebens zum Gegenstand. Sie mu vom entwickelten
Seelenleben ausgehen, nicht aus elementaren Vorgngen dasselbe
ableiten. Nur durch Abstraktion heben wir eine Funktion, eine
Verbindungsweise aus einem konkreten Zusammenhang heraus. Der einzelne
Vorgang ist von der ganzen Totalitt des Seelenlebens im Erlebnis
getragen. Der erworbene Zusammenhang ist wirksam in jedem psychischen
Vorgang. -- Der psychische Strukturzusammenhang hat einen
teleologischen Charakter. Wo in Lust und Leid die seelische Einheit
das ihr Wertvolle erfhrt, reagiert sie in Aufmerksamkeit, Auswahl der
Eindrcke und Verarbeitung derselben, in Streben, Willenshandlung, Wahl
unter ihren Zielen, Aufsuchen der Mittel fr ihre Zwecke (Das Wesen der
Philosophie, in: Die Kultur der Gegenwart I, 6, S. 32ff.). Diese
seelische Teleologie hat +Dilthey+ geistesphilosophisch zum Teil
ausgefhrt. -- Zur Teleologie des Seelischen vgl. +Spencer+, +Romanes+,
+James+, +Baldwin+, +Dewey+, +Hffding+, +Ribot+, +Fouille+, +Bergson+,
+Luquet+, +Ebbinghaus+, +Wundt+, +Jodl+, +Mach+, +Jerusalem+, +Simmel+,
+Groos+, +L.W. Stern+, ferner +A. Pauly+, +Franc+, +Kohnstamm+ u.a.
Vgl. +Kohnstamm+, Intelligenz und Anpassung, Annalen der
Naturphilosophie 1903; Grundlinien einer biologischen Psychologie,
Versamml. deutscher Naturforscher und rzte, 1903; Die biologische
Sonderstellung der Ausdrucksbewegungen, Journal fr Psychologie und
Neurologie, 7. Bd. (Unterscheidung von Teleoklise, d.h.
Zweckttigkeit und Expressivitt, Ausdrucksttigkeit als der beiden
spezifischen Formen des Lebens). Dazu sei bemerkt, da auch die
+Ausdrucksbewegungen+ auf Zielstrebigkeiten beruhen, indem sie
phylogenetisch aus Willens-(Trieb-)Vorgngen (bzw. deren physiologischen
Korrelaten) hervorgegangen sind.

[32] Die organische Auffassung der Seele wird konsequent von
+Ebbinghaus+ durchgefhrt. Nach ihm ist die Seele derselben Art wie das
Nervensystem und damit wie der ganze Krper, nmlich ein seine eigene
Erhaltung erstrebendes System innerlich erlebter Bildungen und
Funktionen.... Diese Selbsterhaltung aber verwirklicht sie in zweifacher
Weise. Einmal durch Kampf mit dem, was uns in uerer Erscheinung als
Auenwelt gegeben ist.... Und zweitens durch Bettigung ihrer bestimmten
Eigenart, durch das Ausleben und Sichauswirken der ihr nun einmal
verliehenen Krfte und Anlagen (Psychologie, in: Die Kultur der
Gegenwart I, 6, S. 195). Den biologischen Standpunkt in der Psychologie
vertreten ferner +James+, +Baldwin+, +Spencer+, +Romanes+, +Ribot+,
+G.H. Schneider+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Kreibig+, +Groos+, +Mach+ u.a.

[33] Wie dies besonders +Dilthey+, +James+ und neuerdings in
geistvoller Weise +H. Bergson+ (Matire et Mmoire; L'volution cratrice)
betont haben.

[34] ber den voluntaristischen Kritizismus vgl. meine Einfhrung in
die Erkenntnistheorie 1907.

[35] Vgl. +Dring+, +Jerusalem+ u.a.

[36] Vgl. +Groos+, Spiele der Tiere, und Spiele der Menschen.

[37] Vgl. +Mnsterberg+, Philos. der Werte, Leipzig 1908.

[38] +Goldscheid+, Entwicklungswerttheorie, Leipzig 1908, ferner
Schriften von +Hffding+, +R. Richter+ u.a.

[39] Teleologische Bedeutung haben die Gefhle nach +Spencer+, +Bain+,
+Ribot+, +Ebbinghaus+, +Jerusalem+, +Jodl+, +Z. Oppenheimer+ u.a. --
Zum Willen bringen die Gefhle als Symptome (Reaktionen) oder Momente
desselben +Schopenhauer+, +Ed.v. Hartmann+, +Nietzsche+, +Hamerling+,
+Paulsen+, +Windelband+, +Wundt+ u.a. Nach +Wundt+ sind Gefhle teils
Anfangs-, teils Begleitzustnde des Wollens.


Zu V.

[40] ber psychische Vererbung vgl. +Darwin+, Ausdr. d.
Gemtsbewegungen; +Lloyd Morgan+, Animal Life and Intelligence, 1890;
+Galton+, Hereditary Genius, 1869; +Ribot+, L'hrdit, 2. d. 1882;
+Wundt+, Grundri der Psychol.{5}, S. 342; +Sully+, Handbuch der
Psychologie, S. 55f.; +Spencer+, Psychologie; +Romanes+, Die geistige
Entwicklung; +Lewes+, Probl. of Life; +L. Wilser+, Die Vererbung
geistiger Eigenschaften; +Baldwin+, Handbook of Psychol. 1890f.; Die
Entwicklung des Geistes beim Kinde und in der Rasse, 1895; +Semon+,
Mneme{2}, 1908, u.a.

[41] Grundri der Psychologie{5}, S. 396; System der Philosophie{2},
S. 304, 307.

[42] Vgl. +L.W. Stern+, Person und Sache I.

[43] Ein Gesetz der Erhaltung psychischer Energie stellt +Fouille+ auf:
Das Lebewesen ist bemht, gegenber den ueren Hindernissen eine
ziemlich konstante Energiemenge zu bewahren; es ersetzt seine Verluste
durch seine Erwerbungen und strebt unaufhrlich nach dem Gleichgewicht.
Auf seelischem Gebiete zeigt sich diese Tendenz zum Gleichgewicht, zur
Selbsterhaltung und zur Erhaltung der durchschnittlichen Energiemenge
ebenfalls. Es besteht fr das geistige Wachstum wie fr die
Gehirnzunahme eine Grenze; eine zu stark entfaltete Fhigkeit zieht die
Schwchung anderer nach sich (Evolutionism. d. Kraft-Ideen, S. 208f.).
Es besteht ferner eine quantitative Korrelation, eine Wechselfolge und
ein Rhythmus zwischen den verschiedenen Arten der psychischen Energie
(ibid.). Vgl. +Mnsterberg+, Grundzge der Psychol. I; +Jodl+, Lehrbuch
d. Psychologie, S. 88, +Grot+ u.a.

[44] Gegner eines absolut Unbewuten sind auch +Fechner+, +Paulsen+,
+Rehmke+, +Brentano+, +Sigwart+, +Hffding+, +Ziehen+, +Wundt+, +Jodl+,
+Fouille+ u.a.

[45] Das betont u.a. +Jodl+.

[46] Vgl. +B. Erdmann+, Wiss. Hyp. ber Leib und Seele, S. 88ff.,
+Offner+, D. Gedchtnis, Berlin 1909, S. 23ff. Da infolge des
organischen Charakters der Psyche eine gewisse +Periodizitt+ in ihr
besteht, da Zeiten der Hochspannung und Produktivitt mit solchen der
Depression und Erschpfung in gewisser Gesetzmigkeit abwechseln,
erscheint plausibel, mag es auch um die nhere Bestimmung dieser
Perioden, wie sie +H. Swoboda+ versucht, noch milich bestellt sein.
Vgl. +Swoboda+, Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer
psychologischen und biologischen Bedeutung, 1904; Studien zur
Grundlegung der Psychologie, 1905. Vgl. +Flie+, Der Ablauf des Lebens.

[47] Vgl. meine Einfhrung in die Erkenntnistheorie, Leipzig 1907.

[48] ber das Gesamtbewutsein und sein Verhltnis zum Einzelbewutsein
vgl. +Lazarus+, Das Leben der Seele I{2}, 333ff.; +Wundt+, Ethik{2},
S. 449, 453, 458ff.; Vlkerpsychologie I 1, S. 9ff.; +Schffle+, Bau und
Leben des sozialen Krpers{2}; +Baldwin+, Das soziale und sittliche
Leben; +Tarde+, Les lois de l'imitation; +Le Bon+, Psychologie der
Massen, deutsch, Leipzig 1907, Klinkhardt.

[49] Vgl. meine Grundlagen der Philos. des Geisteslebens, 1908.

[50] ber die Entwicklung in Gegenstzen vgl. +Wundt+, Grundri der
Psychologie{5}, S. 401f.; Logik II{2}, S. 282ff.




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  _Bender, W.D._, =Reformation und Kirchentum=. 9. Aufl.
    Preis 1M. 20Pf.

  _Bchner, Ludwig_, =Darwinismus und Sozialismus= oder der Kampf um das
    Dasein und die moderne Gesellschaft. 2. Aufl. Preis 1M.

  -- " -- =Die Macht der Vererbung= und ihr Einfluss auf den moralischen
    und geistigen Fortschritt der Menschheit. 2. Aufl. Preis 1M.

  _Buckman, S.S._, =Vererbungsgesetze= und ihre Anwendung auf den
    Menschen. Preis 2M.

  _Carneri, B._, =Der moderne Mensch=. +Taschenausgabe+. Geb. Preis 1M.

  -- " -- =Grundlegung der Ethik=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Empfindung und Bewusstsein=. 2. Auflage. Preis 1M.

  _Darwin, Charles_, =Gesammelte kleinere Schriften=. Herausgegeben von
    Dr. +Ernst Krause+.

      I. Band: =Darwin und sein Verhltnis zu Deutschland=. Preis 5M.

      II. Band: =Gesammelte kleinere Schriften=. Preis 5M.

  -- " -- =Die Entstehung der Arten=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Die Abstammung des Menschen=. +Volksausgabe+. Kart.
    Preis 1M.

  -- " -- =Die geschlechtliche Zuchtwahl=. +Volksausgabe+. Mit 75
    Abbildungen im Text. Kart. Preis 1M.

  _Eisler, Rudolf_, =Das Wirken der Seele=. Preis 1M.

  _Elfeld, Carl Julius_, =Die Religion und der Darwinismus=. Preis 2M.

  _Feuerbach, Ludwig_, =Das Wesen der Religion=. Dreissig Vorlesungen.
    +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  _Forel, Auguste_, =Gehirn und Seele=. 10. Auflage. Preis 1M.

  _Haeckel, Ernst_, =Die Weltrtsel=. Gemeinverstndliche Studien ber
    monistische Philosophie. 10. Auflage. Geheftet Preis 8M.; in
    Leinwand geb. 9M.

  -- " -- =Die Weltrtsel=. +Volksausgabe+. Mit Nachtrgen zur Begrndung
    der monistischen Weltanschauung. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Die Weltrtsel=. +Neu bearbeitete Taschenausgabe+.
    In Leinwand geb. Preis 1M.

  -- " -- =Die Lebenswunder=. Gemeinverstndliche Studien ber
    biologische Philosophie. Ergnzungsband zu dem Buche ber die
    Weltrtsel. 4. Auflage. Geheftet Preis 8M.; in Leinwand geb. 9M.

  -- " -- =Die Lebenswunder=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Gemeinverstndliche Vortrge und Abhandlungen aus dem Gebiete
    der Entwickelungslehre=. 2. Auflage. 2 Bnde mit 80 Abbildungen im
    Text und 2 Tafeln in Farbendruck. Geh. Preis 12M.; geb. in Leinen
    13M. 50Pf.; in Halbfranz. 15M.

  -- " -- =Aus Insulinde=. +Malayische Reisebriefe+ 2. Aufl. Mit 72
    Abbildungen und 4 Karten im Text und 8 Einschaltbildern. In Leinwand
    geb. Preis 6M.

  -- " -- =Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft=.
    Glaubensbekenntnis eines Naturforschers. 13. Aufl. Preis 1M. 60Pf.

  -- " -- =ber unsere gegenwrtige Kenntnis vom Ursprung des Menschen=.
    10. Auflage. Preis 1M. 60Pf.

  -- " -- =Das Weltbild von Darwin und Lamarck=. 2. Auflage. Preis 1M.

  -- " -- =Das Protistenreich=. Eine populre bersicht ber das
    Formengebiet der niedersten Lebewesen. Mit 58 Abbild. im Text.
    Preis 2M.

  -- " -- =Freie Wissenschaft und freie Lehre=. 2. Aufl.
    Preis 1M. 60Pf.

  _Hellwald, Friedrich von_, =Die menschliche Familie= nach ihrer
    Entstehung und natrlichen Entwicklung. Preis 5M.

  _Hertz, Heinrich_, =ber die Beziehungen zwischen Licht und
    Elektrizitt=. 12. Auflage. Preis 1M.

  _Herzen, A._, =Grundlinien einer allgemeinen Psychophysiologie=.
    Preis 2M.

  _Kant, Immanuel_, =Kritik der reinen Vernunft=. +Volksausgabe+.
    Kart. Preis 1M.

  _Kick, A._, =Ernst Haeckel und die Schule=. Preis 1M.

  _Kohut, Adolph_, =David Friedrich Strauss als Denker und Erzieher=.
    Geheftet Preis 3M.; geb. 4M.

  _Krause, Ernst (Carus Sterne)_, =Erasmus Darwin und seine Stellung in
    der Geschichte der Descendenz-Theorie=. Mit einem Lebens- und
    Charakterbilde von +Charles Darwin+. Preis 2M.

  _Lamarck, Jean_, =Zoologische Philosophie=. +Volksausgabe+.
    Kart. Preis 1M.

  _Lange, F.A._, =Geschichte des Materialismus und Kritik seiner
    Bedeutung=. +Volksausgabe in 2 Bnden+. Kart. Preis 2M.

  _Philipp, S._, =ber Ursprung und Lebenserscheinungen der tierischen
    Organismen=. Preis 2M.

  _Reichenau, W. v._, =Die Nester und Eier der Vgel= in ihren
    natrlichen Beziehungen betrachtet. Preis 2M.

  -- " -- =Bilder aus dem Naturleben=. Nach eigenen Erfahrungen als
    Jger und Sammler geschildert. 2. Auflage. Preis 5M.

  _Ribot, Th._, =Die Schpferkraft der Phantasie=. In Leinwand geb.
    Preis 6M.

  _Romanes, G. John_, =Die geistige Entwicklung beim Menschen=.
    Ursprung der menschlichen Befhigung. Preis 6M.

  -- " -- =Die geistige Entwicklung im Tierreich=. Nebst einer
    nachgelassenen Arbeit: ber den Instinkt von +Ch. Darwin+.
    Preis 5M.

  _Schmidt, Heinrich_ (Jena), =Der Kampf um die Weltrtsel=. Ernst
    Haeckel, die Weltrtsel und die Kritik. Preis 1M. 60Pf.

  -- " -- =Die Fruchtbarkeit in der Tierwelt=. Preis 1M.

  _Schopenhauer, Arthur_, =Aphorismen zur Lebensweisheit=. +ber den
    Tod. Leben der Gattung. Erblichkeit der Eigenschaften.
    Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  _Spinoza, Baruch_, =Die Ethik=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  _Stenglin, F.v._, =ber die letzten Dinge und die berwindung des
    Leides=. Geb. Preis 2M.

  _Strauss, David Friedrich_, =Werke=. Herausgegeben von +Ed. Zeller+.
    Auswahl in 6 Bnden in 5 eleg. Liebhabereinbnden. Preis 20M.

      1. Band: =Kleine Schriften=. Preis geb. 4M. 50Pf.

      2. u. 3. Band: =Das Leben Jesu=. Preis in 1 Band geb. 6M.

      4. Band: =Der alte und der neue Glaube=. Preis geb. 4M. 50Pf.

      5. Band: =Ulrich von Hutten=. Biographie. Preis geb. 4M. 50Pf.

      6. Band: =Voltaire=. Sechs Vortrge. Preis geb. 4M. 50Pf.

  -- " -- =Ausgewhlte Briefe=. Herausgegeben und erlutert von +Eduard
    Zeller+. Preis 2M.; geb. 3M.

  -- " -- =Das Leben Jesu=. Fr das deutsche Volk bearbeitet. 2 Teile.
    +Volksausgabe+ in 2 Bnden. Kart. Preis 2M.

  -- " -- =Der alte und der neue Glaube=. Ein Bekenntnis.
    +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Voltaire=. 6 Vortrge. Neu herausgegeben von Dr. +B.
    Landsberg+. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1M.

  -- " -- =Poetisches Gedenkbuch=. Eingeleitet durch +Eduard Zeller+.
    2. Auflage. Preis 2M.; geb. 3M.

  _Zeller, Eduard_, =David Friedrich Strauss= in seinem Leben und seinen
    Schriften. 2. Auflage. Preis 3M.


_Zu beziehen durch alle Buchhandlungen._




Anmerkungen zur Transkription:


Im Original gesperrt gesetzter Text ist als +gesperrt+ gekennzeichnet.

Im Original fett gesetzter Text ist als =fett= gekennzeichnet.

Im Original (in den Anzeigen) fetter Text mit unterschiedlicher
Schriftart ist als _Schriftart_ gekennzeichnet.

Anfhrungsstriche wurden durch  (unten) und  (oben) ersetzt.

Innerhalb des Anhangs werden hochgestellte Ziffern als {Ziffer}
gekennzeichnet, sie geben die Auflage des zitierten Werkes an.

Abkrzungen, insbesondere in den Anmerkungen, sind teilweise recht
unterschiedlich, sie wurden aus Authentizittsgrnden wie im Original
belassen. (z. B. Grundzge und Grundz.)

In den Anhngen ist die Formatierung in Bezug auf die Seitenzahl nicht
immer gleich, die Formatierung wurde zu S. xxf. bzw. S. xxff. (xx steht
fr die entsprechende Seitenzahl) egalisiert.

Der Buchtitel "Gemeinverstndliche Vortrge und Abhandlungen aus dem
Gebiete der Entwickelungslehre" von Ernst Haeckel wird trotz des
offensichtlichen Druckfehlers in Entwicklungslehre in der Originalform
beibehalten, da dieses Buch auch innerhalb Bchereien teilweise unter
diesem Titel gefhrt wird. (Seite 76, Anzeigen)


Einige Ausdrcke wurden in beiden Schreibweisen bernommen:

  "Bewutseins-Erlebnisse" (Seite 17) und "Bewutseinserlebnisse"
  (Seite 5)

  "psycho-physische" (Seite 41) und "psychophysische" (Seiten 13
  und 66)

  "psycho-physischen" (Seiten 9, 50 und 62) und "psychophysischen"
  (Seite 19)

  Innerhalb des Haupttextes spricht man von "Bewutsein", in den
  Anzeigen wird von "Empfindung und Bewusstsein" gesprochen, beide
  Schreibweisen wurden beibehalten


Der Text der zur Transkription herangezogenen Ausgabe wurde in
Hinblick auf Unregelmigkeiten in der Zeichensetzung und
Rechtschreibung dem Original getreu bertragen. Folgende offensichtliche
Druckfehler wurden korrigiert:

  gendert von "unmittelbaren Fr sich-Sein, als" in "unmittelbaren
  Fr-sich-Sein, als" Seite 12

  gendert von "der gesamte Krperliche Organismus" in "der gesamte
  krperliche Organismus" Seite 15

  gendert von "hnlich wirkt das Unbewute +E. v. Hartmanns+" in
  "hnlich wirkt das Unbewute +Ed. v. Hartmanns+" Seite 21

  gendert von "leicht und eindeutig-bestimmt" in "leicht und
  eindeutig bestimmt" Seite 32

  gendert von "brigen aber gerade so Tendenz" in "brigen aber
  geradeso Tendenz" Seite 33

  gendert von "Fr die individuale, wie" in "Fr die individuelle,
  wie" Seite 46

  gendert von "ber die Seel nfrage, S. 9ff.," in "ber die
  Seelenfrage, S. 9ff.," Seite 70, Anmerkung 9

  gendert von "Einleit. in der Philosophie, S. 115;" in "Einleit. in
  die Philosophie, S. 115;" Seite 70, Anmerkung 9

  gendert von "Kraft Ideen; +P. Carus+," in "Kraft-Ideen; +P.
  Carus+," Seite 71, Anmerkung 12

  gendert von "Die Seele als Subjekt-Einheit: +Sigwart+," in "Die
  Seele als Subjekt-Einheit; +Sigwart+," Seite 71, Anmerkung 12

  gendert von "vgl. Psychoogy and Life" in "vgl. Psychology and Life"
  Seite 71, Anmerkung 13

  gendert von "+Bilharz+, Metaphvs.; +Paulsen+, Einleit. in die
  Philos" in "+Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die
  Philos." Seite 72, Anmerkung 19

  gendert von "Men chen; +Goldscheid+, Ethik" in "Menschen;
  +Goldscheid+, Ethik" Seite 72, Anmerkung 19

  gendert von "Vgl. +Hffding+ +Natorp+," in "Vgl. +Hffding+,
  +Natorp+," Seite 72, Anmerkung 23

  gendert von "Philosophie X, 307ff., 340ff,, 391ff." in "Philosophie
  X, 307ff., 340ff., 391ff." Seite 72, Anmerkung 27

  gendert von "erlebter Bildungen nnd Funktionen" in "erlebter
  Bildungen und Funktionen" Seite 73, Anmerkung 32

  gendert von "+Forel, August+, =Gehirn und Seele=." in "+Forel,
  Auguste+, =Gehirn und Seele=." Seite 76, Anzeigen

  gendert von "Preis 1 M. 60 Pf" in "Preis 1 M. 60 Pf."
  Seite 76, Anzeigen

  gendert von "9. Aufl. Preis 1 M. 20 Pf" in "9. Aufl. Preis 1 M.
  20 Pf." Seite 76, Anzeigen

  gendert von "in Halbfranz 15 M." in "in Halbfranz. 15 M."
  Seite 76, Anzeigen

  gendert von "von +Ch. Darwin+ Preis" in "von +Ch. Darwin+. Preis"
  Seite 77, Anzeigen

  gendert von "(Jena) =Der Kampf um die Weltrtsel=" in "(Jena),
  =Der Kampf um die Weltrtsel=" Seite 77, Anzeigen

  gendert von "Kart Preis 1 M." in "Kart. Preis 1 M."
  Seite 77, Anzeigen





End of the Project Gutenberg EBook of Das Wirken der Seele, by Rudolf Eisler

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WIRKEN DER SEELE ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


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Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
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