Project Gutenberg's Ueber die Wirkung des Nordsee-Bades, by F. W. Beneke

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Title: Ueber die Wirkung des Nordsee-Bades
       Eine physiologisch-chemische Untersuchung

Author: F. W. Beneke

Release Date: September 10, 2011 [EBook #37377]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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~UEBER~

DIE WIRKUNG DES NORDSEE-BADES.

EINE PHYSIOLOGISCH-CHEMISCHE UNTERSUCHUNG

VON

~DR. F. W. BENEKE~,

MEDICINALRATH UND LEIBARZT S. K. H. DES GROSSHERZOGS VON OLDENBURG, ETC.


~GTTINGEN~

~VANDENHOECK UND RUPRECHT'S VERLAG~

~1855~.




                             ~SEINER MAJESTT~

                       GEORG V., KNIG VON HANNOVER

                        EHRFURCHTSVOLL ZUGEEIGNET.




~VORBEMERKUNG~.


Wider meine ursprngliche Absicht gelangen die vorstehenden
Untersuchungen in einer Form zur Verffentlichung, die vielleicht mehr
verspricht, als der Inhalt giebt. Einerseits wuchs mir jedoch das
Material unter den Hnden so sehr, dass es fr einen Journal-Artikel
nicht mehr geeignet war, und andrerseits wurde ich durch das gndigste
Interesse Sr. Majestt des Knigs von Hannover an der Bearbeitung der
das Nordseebad betreffenden Fragen zu der Herausgabe der Untersuchungen
in eben der vorliegenden Weise veranlasst. Diesem Hchsten Interesse,
das mir einen Sporn zur Ueberwindung mancher Schwierigkeiten gab,
schulde ich den tiefsten Dank, und, fern von der Meinung etwas
Wesentliches geleistet zu haben, folge ich gern der gndigsten
Aufforderung zu einer Widmung, der ich selbst nur eine vollstndigere
Arbeit fr wrdig erachtet haben wrde.

Dies zur Erklrung fr meine Fachgenossen, die mich der Ueberhebung
zeihen knnten, wenn ich ihnen nicht die Ueberzeugung aussprche, dass
"eine Schwalbe keinen Sommer macht."

~Oldenburg~ den 1. October 1854.

~Der Verfasser~.




Es hiesse alle Thatsachen verkennen, wollte man die bedeutende
Einwirkung, welche der Aufenthalt an der Seekste und der damit
verbundene Gebrauch des Seebades auf den menschlichen Organismus
ausben, bezweifeln. Wir besitzen, das ist keine Frage, in der Seeluft
und dem Seebade mchtige Heilmittel gegen viele Krankheitszustnde.
Fragt man jedoch nach dem Wie? der Wirkung, nach dem Einfluss, den
einerseits der Luftgenuss, andrerseits das Bad ausbt, so fehlt bis
dahin die Antwort; man kennt aus oberflchlichen Erscheinungen die
Wirkung in summa, man weiss sie aber nicht rationell zu erklren und ist
sich der Grsse der einzelnen Coefficienten der Gesammtwirkung des
"Seebades" nicht klar bewusst.

Es ist die Aufgabe der Gegenwart, dem Wie? der Wirkung der Heilmittel
nachzuforschen, und es ist sicher ein richtiges Verfahren, wenn man in
Anbetracht der Mhe und Zeit, die eine solche Nachforschung erfordert,
mit den anerkannt wirksamsten Heilmitteln den Anfang macht. Wir zhlen
das Seebad mit Fug und Recht zu diesen letztern; und so mag auch der
Versuch gerechtfertigt erscheinen, in die Art und Weise seiner Wirkung
tiefer einzudringen. Dass sich dieselbe nachweisen und erkennen lassen
muss, dass sie selbst in Zahlen ausdrckbar ist, kann dem nicht
zweifelhaft sein, der den heutigen Stand der Naturwissenschaften kennt.

Ein 5wchentlicher Aufenthalt auf der Nordsee-Insel Wangeroge gab mir
die erwnschteste Gelegenheit die Frage in Angriff zu nehmen. Wie
Manches wre gern weiter ausgefhrt, wie manche Frage ist noch offen
geblieben! Wie wenig zureichend muss die Arbeit berhaupt fr allgemeine
Schlsse erscheinen, wenn ich bemerke, dass ich nur an einem Individuum,
an meinem eigenen Krper experimentirte! Um ein festes Urtheil ber
Arzneiwirkungen zu gewinnen, ist eine grosse Anzahl von Untersuchungen
an den verschiedensten Individuen erforderlich. Aber dennoch ist die
Arbeit keine vergebliche gewesen, und nicht ohne eine gewisse innere
Befriedigung blicke ich auf die in dem kleinen Laboratorium auf der
Insel verlebten Stunden zurck. Ich darf hoffen, dass die mit aller
Sorgfalt erstrebten, wenigen Resultate dem Begriff von der Wirkung des
Seebades auf den Organismus eine rationellere Basis geben, dass sich
Andere dadurch zu hnlichen Untersuchungen aufgemuntert fhlen und wir
so endlich zu einer klaren, lichtvollen Deutung der dem Praktiker in
allgemeinen Umrissen bekannten, aber unerklrten Seebade-Wirkung
gelangen. Wenn ich in England, an der nordstlichen Spitze von Kent, in
dem Stdtchen Margate, nicht ohne grosses Interesse schwer erkrankte
Kinder, die bald an Knochenscropheln, bald an Drsenanschwellungen, an
Ulcerationen u. s. w. litten, durch den ausschliesslichen Genuss der
Seeluft in fast wunderbarer Weise genesen sah, wenn ich zu meinem
damaligen Erstaunen hrte, wie dort das Bad in der See selbst von fast
geringerer Wirkung zu sein scheine, als der Luftgenuss, so glaube ich
jetzt den Schlssel fr die Erklrung dieser Beobachtung gefunden zu
haben, und die folgenden Bltter mgen den Beweis liefern, ob solche
Behauptung gerechtfertigt ist.

Man wird mich gern der Mhe berheben, eine ausfhrliche Kritik der
bisherigen Seebade-Literatur voranzuschicken. Die meisten der mir zu
Hnden gekommenen Schriften enthalten nur da etwas Positives, wo es sich
um die Taxen der table d'hte, der Badekutschen und Fhrschiffe handelt.
Ueber die Wirkung des Seebades selbst wird mehr theoretisirt, als mit
strenger Wahrheitsliebe und wissenschaftlichem Eifer grndliche
Nachforschung gehalten. Die beste mir bekannte Schrift ist die von Dr.
C. Mhry: "Ueber das Seebaden und das Norderneyer Seebad. Hannover
1836." Sie ist fast die einzige, in der der objective Standpunkt
festgehalten ist, die Erscheinungen, welche das Seebad von Anbeginn bis
zu Ende hervorruft, mit Sorgfalt zusammengestellt und geprft werden,
theoretisches Raisonnement aber mglichst gemieden wird. Aber in seiner
Verehrung fr das Seebad geht der Verf. andrerseits auch zu weit; Alles
lst sich nach Mhry, wie Riefkohl[1] sagt, "auf der heilenden Insel in
Wohlgefallen auf",--und prft man in der That die einzelnen Angaben des
Verf. genau, so finden sich manche darunter, die der Kritik keinen Stand
halten. Was soll man unter der bedeutenden Einwirkung des Seebades auf
alle dem vegetativen Leben angehrigen Organe verstehen? Ist es wahr,
dass sich Anfangs stets Abmagerung einstellt? Ist es wahr, dass der Harn
stets Sedimente mit kritischer Bedeutung macht? Htte der Verf. nur
einige wenige exacte Untersuchungen angestellt, so wrde er sich von
der Unhaltbarkeit dieser Angaben berzeugt haben, und die Schrift wrde,
statt einen langjhrigen Streit zwischen den Ost- und Nordseebad-Aerzten
hervorzurufen, einen bleibenden Werth gehabt haben.

  [1] S. Medicin. Conversationsblatt fr hannv. Aerzte 1853. Nr. 14. p.
      109.

Von andern Schriften, deren Titel und Verfasser Mhry in einer zweiten
Schrift: "Medicinische Fragmente, betreffend eine allgemeine Lehre des
Seebades u. s. w. Hannov. 1841." zusammengestellt hat, ist noch weniger
zu sagen. Sie sind grsstentheils voll von theoretischen Betrachtungen
und entbehren jeder festen Grundlage. Ich gehe deshalb ohne Weiteres zur
Mittheilung meiner eigenen Beobachtungen ber und schicke zunchst
Einiges ber die Art und Weise, wie dieselben angestellt wurden, voraus.
"Nur die Resultate", sagt Dr. Bluhm[2] sehr richtig, "welche sorgfltige
chemische und physikalische Untersuchungen in Verbindung mit
Beobachtungen in besondern Krankheitsfllen darbieten, werden dazu
dienen knnen, die Wirkungen der Seebder im Allgemeinen sowohl, als
auch in Beziehung auf den Unterschied der Nord- und Ostsee knftig nher
zu bestimmen. Prahlende und pomphafte Ankndigungen und Anpreisungen,
Behauptungen die nicht nachgewiesen werden knnen oder die sich auf
flchtige, unsichere, oft unwahre Berichte sttzen, haben in Beziehung
auf diesen Gegenstand keinen Werth."--

  [2] Vgl. die Seebade-Anstalten auf der Insel Norderney. Bremen 1842.

Bei allen pharmakodynamischen Untersuchungen hat man zu entscheiden, ob
das fragliche Heilmittel den Organismus, oder was dasselbe sagen will,
den Stoffwechsel innerhalb desselben nachweisbar afficirt, welche Grsse
die Wirkung besitzt, in welcher Weise endlich dieselbe zu Stande
kommt.--Man muss also selbstverstndlich die Grsse des Stoffwechsels im
Normalzustande und in der der Untersuchung selbst vorhergehenden Zeit
genau kennen, whrend der Anwendung des Mittels unter brigens mglichst
gleichartigen Lebensverhltnissen die Untersuchungen fortsetzen und
schliesslich nach dem Aussetzen des in Frage stehenden Mittels ber
seine Nachwirkung in's Klare zu kommen suchen.--Eine vollstndige und
unsern jetzigen Anforderungen entsprechende derartige Untersuchung hat
sich dann aber in allen ihren Stadien nach den verschiedensten Seiten
hin zu wenden. Es ist die Aufgabe, eine tgliche genaue Rechnung zu
fhren ber die gesammten Einnahmen und Ausgaben des Krpers; die
festen und flssigen Speisen und Getrnke sollen quantitativ und
qualitativ bestimmt sein; Beschftigung, subjectives Befinden,
Zeiteintheilung, Luftbeschaffenheit, Barometerstand und Lufttemperatur
sollen bemerkt werden.--Die Ausgaben des Krpers durch die Nieren, den
Darmkanal und die Lungen sollen quantitativ bestimmt und mglichst
genau analysirt werden, die Ausgabe durch die Haut wird durch Rechnung,
bei Kenntniss des Krpergewichtes zu einer bestimmten Tageszeit,
gefunden.--Schliesslich drfen die Krpertemperatur, die Blutbewegung
(der Puls), und andre objectiv wahrnehmbare Erscheinungen nicht
unbercksichtigt bleiben, wenn die Untersuchung auf den Namen einer
exacten und vollstndigen Anspruch machen soll.

Ich muss bekennen, dass ich meinen Beobachtungen diesen Grad der
Ausdehnung nicht habe geben knnen. Zum Theil fehlte es mir an Zeit, zum
Theil an Materialien dazu, zum Theil lebte ich in Verhltnissen, die mir
eine weitere Ausdehnung der Arbeit unmglich machten.--Ich beschrnkte
mich deshalb auf Folgendes: Mit einer sehr genauen Krpergewichtswaage,
von J. Pintus in Brandenburg a. d. Havel, die bei einer Belastung von 60
Kilogramm noch 1 Gramm ausschlgt, wurde an jedem Morgen das Gewicht des
unbekleideten Krpers genau bestimmt; sodann wurden alle Fluida nach
Bedrfniss, aber genau nach Maass genossen; die festen Speisen dagegen
stets nur nach Bedrfniss genommen, ohne gewogen zu werden; nur ihre
Qualitt wurde bemerkt.--Diese Maassnahme wird Manchem vielleicht als zu
Unrichtigkeiten Veranlassung gebend erscheinen; allein durch eine Menge
frherer Untersuchungen, in denen auch die Quantitt der festen
Nahrungsmittel gewogen wurde, bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass
wenn man bei qualitativ hnlichen Speisen tglich nur bis zur angenehmen
Sttigung isst, der Schluss aus der Analyse der Secreta auf die Grsse
des jeweiligen Stoffwechsels im Organismus richtiger ausfllt, als wenn
man die Speisen abwgt.--Der Appetit wechselt von Tage zu Tage; wgt man
nun aber die Speisen, so nimmt man aus Unlust zu vielen Wgungen bald zu
wenig, aus Unlust zum Zurckwiegen bald zu viel zu sich, und ausserdem
beluft sich der Gewichtsverlust warmer Speisen, whrend man sie vor
sich hat, schon auf ein so Namhaftes, dass die Wgungen doch zu keinem
ganz genauen Resultate fhren.--Eine kleine Portion Gemse verlor u. A.
nicht selten durch Verdunstung von Wasser in 10 Minuten schon ber 10
Gramm--ein Verlust, der nur mit vieler Mhe in der Rechnung zu
controlliren ist. Aus diesem Grunde glaube ich die obige Maassnahme also
rechtfertigen zu knnen, abgesehen davon, dass es mir in Wangeroge
unmglich gewesen wre, allemal die Quantitt der festen Speisen durch
das Gewicht zu bestimmen. Die der Fluida wurde ein fr allemal in nach
Cub. Cent. graduirten Glsern genossen.--Neben diesen Bestimmungen wurde
nun die Temperatur der Luft, in Wangeroge zugleich der Ozon-Gehalt
derselben, mit den freilich viele Einwnde zulassenden Schnbein'schen
Ozonometern, untersucht; Beschftigung, Befinden, Zeit des Schlafes u.
s. w. wurden notirt. Sodann wurde die Hauptaufmerksamkeit auf die
Quantitt und Qualitt des Urins gerichtet, weil von hieraus die
zuverlssigsten Schlsse auf den Stoffwechsel innerhalb des Organismus
gemacht werden knnen. Es wurde in den Morgenstunden von 6-1 Uhr
womglich stndlich der Urin entleert; die einzelnen Quantitten wurden
nach CC. gemessen, ihre Reaction, Farbe, ihr specif. Gewicht bei 20 C.
notirt; die Gesammtquantitt von 6-1 Uhr dann aber nher analysirt, und
zwar auf den Harnstoff-, Harnsure-, Schwefelsure-, Phosphorsure- und
Chlor-Gehalt.--Von 1 Uhr Mittags bis andern Morgens 6 Uhr wurde der Urin
zu beliebigen Zeiten entleert; mit jeder einzelnen Quantitt aber, wie
mit denen am Morgen verfahren, und die Gesammtquantitt wieder in
gleicher Weise genau analysirt. Damit erhielt ich zur Zeit, wo in den
Morgenstunden ein Seebad genommen wurde, einen Aufschluss ber die
momentane Einwirkung desselben auf den Stoffwechsel und ebenfalls ber
die Einwirkung auf den Stoffwechsel whrend je 24 Stunden. Wenn Dr.
Louis Lehmann in seinen vortrefflichen Untersuchungen ber die Wirkung
der kalten und warmen Sitzbder[3] nur den Stoffwechsel whrend der 6
Morgenstunden, in welche das Bad fiel, untersuchte, so fhrt das
mglicherweise zu Irrthmern. Es kann ein Agens den Stoffwechsel im
Allgemeinen, ebenso wie ich es von der Wassersecretion durch die Nieren
a. a. O.[4] nachgewiesen habe, ~momentan~ beschleunigen, in den brigen
18 Tagesstunden aber auch eine entsprechende Verlangsamung bedingen, und
wenn das Nichterscheinen der letztern nicht positiv erwiesen wird, so
muss man Anstand nehmen, das fragliche Agens als ein absolutes
Beschleunigungsmittel fr den Stoffwechsel zu bezeichnen. Dieserhalb
habe ich mich denn auch nicht nur auf die Morgenstunden beschrnkt,
sondern, um die volle Gesammtwirkung, so wie die specielle Bad-Wirkung
zu erkennen, die doppelte Analyse in 24 Stunden vorgenommen. Die Analyse
des Urins von den 7 Morgenstunden gab mir die unmittelbare Wirkung des
Bades zu erkennen, die des Urins von 1 Uhr Mittags bis andern Morgens 6
Uhr die Wirkung des Bades auf den Stoffwechsel in der brigen Tageszeit
und die Summirung der Resultate beider Analysen musste ergeben, wie der
Aufenthalt an der See, inclusive des Bades, auf den Stoffwechsel
influirte.--Die quantitative Bestimmung der Darmentleerungen habe ich
leider beengender Verhltnisse halber, die sich nicht entfernen liessen,
unterlassen mssen. Ich bedaure es, da sie grade bei meinen
Untersuchungen und bei dem offenbaren Einfluss, den das Seebad bei mir
auf die Darmfunctionen ausbte, von Wichtigkeit war. Dann freilich wrde
auch wieder der Mangel der Quantittsbestimmung der festen Speisen sehr
fhlbar geworden sein; es blieb aber nichts andres brig, als mich in
dieser Beziehung zu bescheiden.--Die Urinanalysen selbst wurden nach den
bekannten Titrirmethoden von Liebig, Breed und Vogel mit derjenigen
Sorgfalt vorgenommen, die fr zuverlssige Resultate dabei erforderlich
ist. Eine vielfache Uebung hat mir darin die nothwendige Sicherheit, zum
Theil garantirt durch exacte Parallel-Versuche mit Gewicht und Waage,
verschafft. An a. O.[5] habe ich mich schon darber ausgesprochen und
bemerke nur noch, dass jede Analyse dadurch controllirt wurde, dass
jedesmal nach der Erreichung des in Frage stehenden Grnzpunktes fr den
Zusatz der titrirten Lsungen erst dann derselbe als zuverlssig
angesehen wurde, wenn der Zusatz von noch einigen Tropfen Lsung die
fragliche Reaction in schrfster Weise hervortreten liess.

  [3] S. Archiv des Vereins fr gem. Arbeiten. Bd. 1. Heft 4. Bd. 2.
      Heft 1.

  [4] Vrgl. Archiv des Vereins fr gem. Arb. zur Frderung der
      wissensch. Heilkunde. Bd. I. Heft 3. Artikel: Studien zur
      Urologie.--

  [5] Corresp. Blatt des Vereins fr gem. Arb. zur Frderung der
      wissensch. Heilk. Nr. 7 u. 9.

Es wurden nun folgende Fragen insonderheit der Untersuchung vorgelegt:

     1. Welchen Einfluss bt der alleinige Aufenthalt an der See auf den
     Stoffwechsel aus?

     2. Wie verhlt sich dieser Einfluss, wenn tglich ein Seebad
     genommen wird?

     3. Welchen Einfluss bt das Seebad momentan auf den Stoffwechsel
     aus, welchen in je 24 Stunden?

     4. Ist es wahr, dass der Aufenthalt an der See und der Gebrauch
     des Seebades zunchst eine Abmagerung herbeifhren?

     5. Welche weitern objectiven oder subjectiven Erscheinungen im
     Befinden sind mit Sicherheit als Erfolge des Seebades und des
     Aufenthalts an der See zu betrachten?

Um diese Fragen zu lsen, war, wie schon oben bemerkt, vor Allem eine
mglichst genaue Kenntniss meines eigenen Stoffwechsels erforderlich. Es
wurde demnach schon im Januar d. J. eine 5tgige, sodann im Februar eine
15tgige Untersuchungsreihe vorgenommen, tglich jedoch der Urin nur
einmal analysirt, dagegen Darmentleerungen und Quantitt der festen
Speisen so genau als mglich bestimmt, Bestimmungen, die mich eben zu
der oben angefhrten Ueberzeugung in Betreff ihrer Mangelhaftigkeit,
fhrten.--Vom 5ten bis 8ten Juli wurden darauf in Oldenburg die
speciellen Voruntersuchungen (2malige tgliche Urinanalyse) vorgenommen,
und am 15ten Juli begannen die Untersuchungen in Wangeroge, whrend am
10ten und 11ten die Reise dorthin stattfand.--4 Tage lang wurde dann
ausschliesslich die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel ohne Bad
studirt; die folgenden sieben Tage waren der Untersuchung ber die
Wirkung dieses Aufenthaltes inclusive eines tglichen Bades gewidmet.
Bei der in Wangeroge bestehenden Regel jedoch, dass nur zur Zeit der
herannahenden Fluth gebadet wird, fiel das Bad in den ersten dreien
dieser sieben Tage in die Nachmittagsstunden zwischen 1 u. 3 Uhr, und
ich beschrnkte mich deshalb in ihnen darauf, eine einmalige Analyse des
Urins in 24 Stunden vorzunehmen; vom 20sten bis 24sten Juli wurde
dagegen in der oben beschriebenen Weise verfahren und hatte das am
frhen Morgen genommene Bad besondere momentane Wirkungen, so musste ich
sie jetzt klar erkennen.

Vom 24sten Juli bis 4ten August stand ich von Untersuchungen ab; nur
wurden vom 24sten-30sten Juli die Quantitt der Getrnke, Quantitt des
Urins zu verschiedenen Tageszeiten, sein specifisches Gewicht, seine
Farbe und Reaction notirt. Es geschah dies aus dem Grunde, weil ich es
fr erforderlich hielt, mich nicht tglich 5-6 Stunden im Laboratorium,
einem nur kleinen Stbchen aufzuhalten und angestrengt zu arbeiten,
sondern mich eben ganz dem Verhalten der eigentlichen Seebade-Patienten
anzuschliessen, mit ihnen am Strande zu promeniren, mglichst viel im
Freien zu verweilen, geselligen Unterhaltungen nachzugehen u. s.
w.--Tglich wurde dabei, mit Ausnahme des 30sten und 31sten Juli, an
denen eine See-Fahrt nach Norderney unternommen wurde, ein Seebad
genommen.--Am 4ten August wurden die Beobachtungen aber wieder begonnen
und bis zum 12ten Aug. fortgesetzt.--Es schien mir, um so mehr als sich
auch bei mir, wie bei fast allen Patienten, Erscheinungen der Fatigue
kund gaben, zugleich rthlich, auch die Wirkung eines 2tgigen
Aussetzens des Bades zu studiren. Es wurde also am 6ten und 7ten Juli
das Bad ausgesetzt; dann aber wieder vom 8ten bis 12ten tglich gebadet
und wie an allen Tagen dieser Periode tglich eine 2malige Untersuchung
des Urins vorgenommen. Schliesslich wurden nach der Rckkehr aus dem
Seebade in Oldenburg wieder die gleichen Beobachtungen angestellt; eine
zweimalige 3tgige Periode schien gengend, um sichere Resultate zu
erlangen.--

Fr eine kurze Mittheilung, ein Resum der gesammten Untersuchungen
wrde es nun gengend sein, die in den verschiedenen Perioden gefundenen
Mittelzahlen anzugeben. Allein es scheint mir der Wichtigkeit des
Gegenstandes und der genauen Controlle wegen erforderlich, dass ich die
Beobachtungen in voller Ausfhrlichkeit vorlege, damit sie jeder sptern
Untersuchung zu Vergleichungspunkten dienen knnen.--Bei der noch immer
grossen Drftigkeit unserer Kenntnisse in Betreff der individuellen
Verschiedenheiten des Stoffwechsels sind solche Mittheilungen nie ohne
Werth, und scheinen die Zahlen-Reihen ermdend, so sind sie es doch
nicht fr den, der das richtige Verstndniss damit verbindet.--Ich
beginne also zunchst mit den Resultaten der Januar-Untersuchungen.
Krpergewichtsbestimmungen wurden whrend derselben allerdings
vorgenommen, allein die Waage erwies sich als unzuverlssig, und ich
bemerke die Resultate derselben deshalb erst da, wo mir eine ganz genaue
Waage zu Gebote stand. Hinzuzufgen habe ich noch, dass ich eine Grsse
von 179 Ctm., eine Respirations-Grsse von 4000-4200 CC. besitze.--Die
Harnstoffbestimmung wurde ohne vorherige Ausfllung des Chlor
vorgenommen;--die freie Sure des fest verschlossen aufbewahrten Urins
als Oxalsure bestimmt; die Farbe nach Vogel's Farbentabelle fr den
Urin (cf. Archiv des Vereins fr gem. Arb. Heft 1.) angegeben;--das
specif. Gewicht bei 20 C. bestimmt.




I. UNTERSUCHUNGSREIHE IN OLDENBURG.


6-7. ~Januar~ 1854.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 3,6'''         Lufttemperatur: 1-1,5 R.[6]
  -----+-------------------+------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:    |                    ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+----------+---------------------------------+--------------
  ges- |        |  Feste   |             Urin                |    Faeces
  zeit.|Fluida. | Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
       |        |          |Zeit.|Quantit.|  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quanti-
       |        |          |     |        | Gew. |tion.|etc. |     |  tt.
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  8    |300 CC. |70 Gramm  |     |        |      |     |stets|     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |     |        |      |     |klar |     |
       |        |          |12   | 132 CC.|1023  | --  |III. |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  2 Uhr|   --   |182  "    |2    | 102 "  |1020  | --  |III. |     |
  15 M.|        |Fleisch   |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |406 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |Milchreis |     |        |      |     |     |     |
       |        |32 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
       |        |Dessert   |     |        |      |     |     |     |
  4    |200 CC. |12 Gramm  |5    | 153 "  |1020  | --  |III. |     |
  Uhr. |Caffee  |Zucker    |Uhr. |        |      |     |     |     |
  5 Uhr|250 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
  30 M.|Wasser  |          |     |        |      |     |     |     |
  8 Uhr|400 CC. |72 Gramm  |8    | 293 "  |1017  | --  |II-  |     |
  30 M.|Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |III. |     |
       |        |          |10   |  82 "  |1022  | --  |III. |10 U.|6,06
       |        |          |Uhr  |        |      |     |     |30 M.|Grm.
       |        |          |8    | 405 "  |1012,7| --  |III. |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  24   |1150 CC.|774 Gramm.|24   |1167 "  |1017,5|sauer|III. |24   |6,06
  St.: |        |          |St.: |        |      |     |     |St.: |Grm.

  [6] Die Lufttemperatur ist Morgens 9 Uhr und Nachmittags 3 Uhr bestimmt.

  Die 1167 CC. Urin enthielten:   1,167 Gramm [=O] an freier Sure.
                                 23,350   "   Harnstoff.
                                  0,233   "   Harnsure.
                                  1,236   "   Schwefelsure.
                                  1,821   "   Phosphorsure.
                                      (davon 0,234 Gramm an Erden gebunden)
                                 11,091   "   Chlor.

_Befinden:_ gut; Abends etwas abgespannt.

_Beschftigung:_ 9 St. Arbeit. 1 St. Spaziergang.--9 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens leicht transpirirt.--Nachmittags: trocken, aber
angenehm warm, Nachts sehr leicht transpirirt.

_Witterung:_ WSW. Feiner Regen, feuchte Luft.


7-8. ~Januar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 9'''             Lufttemperatur: 2-2,25 R.
  -----+-------------------+------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:    |                    ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+----------+---------------------------------+--------------
  ges- |        |  Feste   |             Urin                |    Faeces
  zeit.|Fluida. | Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
       |        |          |Zeit.|Quantit.|  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quanti-
       |        |          |     |        | Gew. |tion.|etc. |     |  tt.
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  8    |150 CC. |75 Gramm  |10   |  49 CC.|1023  | --  |klar.|10   | 19,5
  Uhr. |Wasser  |Brod      |Uhr. |        |      |     |III. |Uhr. |Grm.
       |200  "  |          |     |        |      |     |     |     |
       |Milch   |          |     |        |      |     |     |     |
  2 Uhr|150  "  |195  "    |2    | 163  " |1020  | --  |dto. |     |
  15 M.|Rothwein|Fleisch   |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |225 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kohl      |     |        |      |     |     |     |
       |        |162   "   |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kartoffeln|     |        |      |     |     |     |
       |        |27 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
       |        |Dessert   |     |        |      |     |     |     |
  3 Uhr|160 CC. |10 Gramm  |5    | 266  " |1020  | --  |dto. |     |
  30 M.|Caffee  |Zucker    |Uhr. |        |      |     |     |     |
  8 Uhr|400  "  |83 Gramm  |8    | 273  " |1024,5| (A) | (B) |     |
  30 M.|Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
  11   |250  "  |          |11   | 111  " |1026,5| --  |III. |11   |318
  Uhr. |Wasser  |          |Uhr. |        |      |     |klar.|Uhr. |Grm.
       |        |          |8    | 418  " |1026,7| --  |dto. |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  24   |1310  " |777   "   |24   |1280  " |1020  |sauer|III. |24   |337
  St.: |        |          |St.: |        |      |     |     |St.: |Grm.

  Legende: (A) alkal. mit Suren brausend.
           (B) trb durch Erdphosph.

  Die 1280 CC. Urin enthielten:   0,256 Gramm [=O] an freier Sure.
                                 27,014   "   Harnstoff.
                                  0,256   "   Harnsure.
                                  1,997   "   Schwefelsure.
                                  2,432   "   Phosphorsure.
                                      (davon 0,794 an Erden gebunden)
                                 11,906   "   Chlor.

_Befinden:_ gut: Abends ermdet.

_Beschftigung:_ 12-1/2 Stunden angestrengte Arbeit; 1 St. Spaziergang;
8 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens leicht duftend; Nachmittags kalt, trocken;
Abends sehr angenehm warm.

_Witterung:_ S.--Trbe, feuchte Luft.


8-9. ~Januar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 6'''            Lufttemperatur: 2,5-4,5 R.
  -----+-------------------+------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:    |                    ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+----------+---------------------------------+--------------
  ges- |        |  Feste   |             Urin                |    Faeces
  zeit.|Fluida. | Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
       |        |          |Zeit.|Quantit.|  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quanti-
       |        |          |     |        | Gew. |tion.|etc. |     |  tt.
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  8    |150 CC. |113 Gramm |11   | 116 CC.|1021,5| --  | --  |     |
  Uhr. |Wasser  |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |300 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
       |Milch   |          |     |        |      |     |     |     |
  2 Uhr|86 CC.  |199   "   |2    | 157  " |1017,7| --  | --  |     |
  15 M.|Wein    |Fleisch   |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |249 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |Apfelbrei |     |        |      |     |     |     |
       |        |223 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kartoffeln|     |        |      |     |     |     |
       |        |31 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
       |        |Dessert   |     |        |      |     |     |     |
  3    |210 CC. |12 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
  Uhr. |Caffee  |Zucker    |     |        |      |     |     |     |
  4    |150 CC. |          |4    | 118  " |1022  | --  | --  |     |
  Uhr. |Wasser  |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  8    |300 CC. |118 Gramm |8    | 269  " |1021,5| --  | --  |     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |          |11   | 242  " |1012  | --  | --  |11   |21 Grm.
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |
       |        |          |8    | 438  " |1012  | --  | --  |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  24   |1196  " |945    "  |24   |1340  " |1016  |sau- |III. |24   |21 Grm.
  St.  |        |          |St.  |        |      |er.  |klar.|St.  |

  Die 1340 CC. Urin enthielten:  1,475 Gramm [=O] an freier Sure.
                                27,764   "   Harnstoff.
                                 0,295   "   Harnsure.
                                 2,280   "   Schwefelsure.
                                 2,360   "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,241 an Erden gebunden)
                                 7,377   "   Chlor.

_Befinden:_ sehr gut.--(Mittags bis zum Gefhl reichlicher Sttigung
gegessen.)

_Beschftigung:_ 6 St. angestrengt gearbeitet; 3 St.
Krankenbesuche.--Abends Lectre.--7-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ stets angenehm warm, ohne zu transpiriren.

_Witterung:_ SOS. Regen.--


9-10. ~Januar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 7'''            Lufttemperatur: 0,5-2,7 R.
  -----+-------------------+------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:    |                    ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+----------+---------------------------------+--------------
  ges- |        |  Feste   |             Urin                |    Faeces
  zeit.|Fluida. | Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
       |        |          |Zeit.|Quantit.|  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quanti-
       |        |          |     |        | Gew. |tion.|etc. |     |  tt.
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  8    |400 CC. |133 Gramm |11   |  80 CC.|1025,2| --  | --  |     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
  2    |100 CC. |180   "   |2    |  95  " |1024,5| --  | --  |     |
  Uhr  |Wein    |Salz-     |Uhr. |        |      |     |     |     |
  15 M.|        |Fleisch   |     |        |      |     |     |     |
       |        |273 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |rother    |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kohl      |     |        |      |     |     |     |
       |        |229   "   |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kartoffel-|     |        |      |     |     |     |
       |        |brei      |     |        |      |     |     |     |
       |        |24 Gramm  |5    | 190  " |1025  | --  | --  |     |
       |        |Dessert   |Uhr. |        |      |     |     |     |
  3    |210 CC. |20 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
  Uhr. |Caffee  |Zucker    |     |        |      |     |     |     |
  4    |200 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
  Uhr. |Wasser  |          |     |        |      |     |     |     |
  4 Uhr|150 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
  30 M.|Wasser  |          |     |        |      |     |     |     |
  5 Uhr|200 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
  30 M.|Wasser  |          |     |        |      |     |     |     |
  6    |200 CC. |          |     |        |      |     |     |     |
  Uhr. |Wasser  |          |     |        |      |     |     |     |
  8    |330 CC. |136 Gramm |8    | 273  " |1023,5| --  | --  |     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
  10   |192 CC. |          |11   | 184  " |1028  | --  | --  |11 U.|69,7
  Uhr. |Wein    |          |Uhr  |        |      |     |     |30 M.|Grm.
       |        |          |30 M.|        |      |     |     |     |
       |        |          | 8   | 368  " |1018,7|     |     |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  24   |1982 "  |975   "   |24   |1190  " |1022,7|sau- |III- |24   |69,7
  St.  |        |          |St.  |        |      |er.  |IV.  |St.  |Grm.
       |        |          |     |        |      |     |klar.|     |

  Die 1190 CC. Urin enthielten:  1,083 Gramm [=O] an freier Sure.
                                29,167   "   Harnstoff.
                                 0,381   "   Harnsure.
                                 2,500   "   Schwefelsure.
                                 2,476   "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,452 an Erden gebunden)
                                11,012   "   Chlor.

_Befinden:_ sehr gut.--Nachmittags starker Durst.--

_Beschftigung:_ 10-1/2 St. anhaltend gearbeitet. 1 St. Spaziergang.
Abends musikal. Unterhaltung. 7-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ stets angenehm warm; Nachmittags sehr leichte
Transpiration; desgl. Nachts.

_Witterung:_ SSO. Morgens heiter, Nachmittags trbe.--


10-11. ~Januar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 9,2'''           Lufttemperatur: 1,75-2 R.
  -----+-------------------+------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:    |                    ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+----------+---------------------------------+--------------
  ges- |        |  Feste   |             Urin                |    Faeces
  zeit.|Fluida. | Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
       |        |          |Zeit.|Quantit.|  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quanti-
       |        |          |     |        | Gew. |tion.|etc. |     |  tt.
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  8    |340 CC. |118 Gramm |11   | 107 CC.|1024,7| --  | --  |     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
  12   |        |15    "   |     |        |      |     |     |     |
  Uhr  |        |Brod      |     |        |      |     |     |     |
  30 M.|        |          |     |        |      |     |     |     |
  2 Uhr|150 CC. |203   "   |2    | 131  " |1025  | --  | --  |     |
  15 M.|Wein    |Fleisch   |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |216 Gramm |     |        |      |     |     |     |
       |        |Kartoffeln|     |        |      |     |     |     |
       |        |34 Gramm  |     |        |      |     |     |     |
       |        |Dessert   |     |        |      |     |     |     |
  3 Uhr|210 CC. |16 Gramm  |5    | 224  " |1021,7| --  | --  |     |
  30 M.|Caffee  |Zucker    |Uhr. |        |      |     |     |     |
  8    |420 CC. |93 Gramm  |8    | 195  " |1027,2| --  | --  |     |
  Uhr. |Milch   |Brod      |Uhr. |        |      |     |     |     |
       |        |          |11   | 104  " |1029,5| --  | --  |11   |235 Grm.
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |
       |        |          |8    | 393  " |1016,5|     |     |     |
       |        |          |Uhr. |        |      |     |     |     |
  -----+--------+----------+-----+--------+------+-----+-----+-----+--------
  24   |1120 CC.|695  "    |24   |1154  " |1021,5|s.   |III- |24   | 235  "
  St.  |        |          |St.  |        |      |schw.|IV.  |St.  |
       |        |          |     |        |      | s.  |     |     |

  Die 1154 CC. Urin enthielten:  0,716 Gramm [=O] an freier Sure.
                                27,142   "   Harnstoff.
                                 0,323   "   Harnsure.
                                 2,240   "   Schwefelsure.
                                 2,656   "   Phosphorsure.
                                     (wovon 0,854 an Erden gebunden)
                                11,200   "   Chlor.

_Befinden:_ gut; nicht so rege, als Tags zuvor.

_Beschftigung:_ 10-1/2 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche.--8-1/2 St.
Schlaf.

_Hautfunction:_ stets angenehm warm.--

_Witterung:_ OSO. Trbe, bedeckte Luft.--

Berechnen wir die Mittelwerthe aus vorstehenden Untersuchungen, so
ergiebt sich, dass bei dem Genuss von 1355 CC. Fluidis und 833 Gramm s.
g. fester Speisen per Tag entleert wurden:

   133,9 Grm. Faeces und
  1226 CC. Urin, worin enthalten waren:
  26,88 Grm. Harnstoff
   0,29  "   Harnsure
   2,05  "   Schwefelsure
   2,34  "   Phosphorsure
           (davon 0,51 an Erden gebunden)
  10,51  "   Chlor.

Bemerkenswerth ist es, dass die Quantitt des whrend der Morgenstunden
entleerten Urins stets bedeutend hinter der Quantitt der genossenen
Milch zurckblieb, whrend sie in den sptern Untersuchungen bei
Thee- und Caffeegenuss am Morgen stets der Quantitt genossenen Thee's oder
Caffee's gleich kam, oder sie berschritt. So wurden

  am  6. Jan. 300 CC. Milch genossen und 234 CC. Urin entleert.
   "  7.  "   350  "    "      "      "  212  "   "      "
   "  8.  "   450  "    "      "      "  273  "   "      "
   "  9.  "   400  "    "      "      "  175  "   "      "
   " 10.  "   340  "    "      "      "  138  "   "      "

Es ist kaum zu bezweifeln, dass die Qualitt des Getrnkes diese
Differenz bedingte, da alle brigen Verhltnisse hnlich oder gleich
waren.

Die Quantitt des Harnstoffs erreichte an einem Tage die Hhe von 29,1
Gramm. Die angestrengte Arbeit, der reichliche Wassergenuss, die
gemthliche Anregung durch die Musik waren ohne Frage von Einfluss
darauf.--Die Quantitt des genossenen Fleisches war nicht grsser, als
an den brigen Tagen.--




II. UNTERSUCHUNGSREIHE IN OLDENBURG.


Wie erwhnt, fanden in der vorliegenden, wie in den spter folgenden
Untersuchungen genaue Krpergewichtsbestimmungen Statt.--Ausser dem
Studium der Statik des Stoffwechsels hatte ich mir die Frage gestellt,
ob der Zuckerzusatz zu dem Morgens genossenen Thee oder Caffee einen
bemerkbaren Einfluss auf die Quantitt des Urins ausbe; man wird
demnach an einigen Tagen Zucker unter den Nahrungsmitteln verzeichnet
finden, an andern nicht und die Antwort auf die gestellte Frage
werde ich unten in Krze geben.--Fernerhin mag es im Voraus bemerkt
werden, dass das genossene Nahrungs-Quantum in der vorliegenden
Beobachtungsreihe das grsstmgliche vertrgliche Maass erreichte, dass
sich an einzelnen Tagen schon leichte Digestionsstrungen, Catarrh der
Magenschleimhaut u. s. w. zu zeigen anfingen, dass aber dennoch ein
tglicher, geringer Krper-Gewichtsverlust Statt hatte, ein Beweis also,
dass der Kraftverbrauch im Verhltniss zum Assimilationsvermgen
um Etwas zu gross war.--Es ist schwierig bei sich drngenden
Berufsgeschften solche Missstnde zu entfernen; sie knnen aber hier
fast ganz unbercksichtigt bleiben, da die Arbeit whrend jeder
Untersuchungsperiode betrchtlich und fast gleich war.--


8-9. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 11,25'''              Lufttemperatur: 2-3,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:   |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        | Feste   |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.| Quan-|Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     |  ti- |
       |        |         |     |        |      |     |     |     | tt. |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |325 CC. |20 Grm.  |10   | 132 CC.|1018  |s.   |klar |     |      |
       |Thee mit|Zucker   |Uhr. |        |      |st.  |     |     |      |
       |Milch   |113  "   |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |18  "    |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  2 U. |50 CC.  |144  "   |2    | 246  " |1016  |st.  |dto. |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |359 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |856,0
       |        |Apf. u.  |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |Reis     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |179 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |40 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 U. |200 CC. |20 Grm.  |5 Uhr| 312  " |1015  |st.  |dto. |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  8 U. |300 CC. |98  "    |8 Uhr| 212  " |1017  |schw.|dto. |     |      |
  30 M.|Milch   |Brod     |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |10   | 102  " |1015,5|st.  |dto. |10 U.|43,9  |
       |        |         |Uhr  |        |      |s.   |     |30 M.|Gr.   |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 417  " |1012  |s.   |dto. |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1025  " | 991  "  |24   |1421  " |1016,5|st.  |klar |24   |43,9  |856,0
  St.  |= 1035  |         |St.  |= 1444  |      |s.   |III. |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1421 CC. Urin enthielten: 22,33  Gramm Harnstoff.
                                 1,501   "   Schwefelsure.
                                 2,330   "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,340 Gramm an Erden gebunden)
                                10,302   "   Chlor.

  _Krpergewicht:_ 8. Febr. Morgens 8 Uhr 10 Min. = 126 [Pfund] 38 Gramm.
                   9.   "      "    8  "  15  "   = 125    "   214   "
                   ------------------------------------------------------
                                24 Stund.    Verlust  =        324   "

_Befinden:_ gut, namentlich Nachmittags und Abends sehr wohl.

_Beschftigung:_ 10 St. gearbeitet. 4 St. Krankenbesuche und Bewegung im
Freien.--8 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens leicht transpirirt; Nachmittags trockene
Haut.--Nachts leicht duftend.--

_Witterung:_ sehr windig.--W.-Wind.--Regen.--


9-10. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 11'''                Lufttemperatur: 1-1,75 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:   |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |325 CC. |20 Grm.  |9 U. | 112 CC.|1012  |s.   |klar |9 U. |49,6  |
       |Thee    |Zucker   |15 M.|        |      |     |     |15 M.|Gr.   |
       |        |114 Grm. |10 U.| 117  " |1005  |kaum | "   |     |      |
       |        |Brod     |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |22   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |1 "  | 241  " |1012,2|kaum | "   |     |      |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
  2 "  |50 CC.  |145 Grm. |2 "  | 133  " |1013,6|st.  | "   |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
       |        |167 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |254 Grm. |3 U. |  54  " |1022  |s.   | "   |     |      |939,06
       |        |roth.    |30 M.|        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |Kohl     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |34 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  4 "  |200 CC. |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
  5 "  |150 CC. |         |5 U. | 141  " |1023,5|s.   | "   |     |      |
       |Wasser  |         |45 M.|        |      |schw.|     |     |      |
  7 "  |150 CC. |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |400 CC. |142 Grm. |8 U. | 124  " |1023,2|st.  | "   |     |      |
       |Milch   |Brod     |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  30 M.|        |         |10 U.|  66  " |1022,2|s.   | "   |10 U.|12,2  |
       |        |         |30 M.|        |      |st.  |     |30 M.|Gr.   |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |7 U. | 314  " |1022,5|st.  | "   |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1425 CC.|918  "   |24   |1302  " |1018  |s.   |     |24   |61,8  |939,06
  St.  |= 1436  |         |St.  |= 1322  |      |     |     |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1302 CC. Urin enthielten: 24,092 Grm. Harnstoff.
                                 1,625  "   Schwefelsure.
                                 2,656  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,599 an Erden gebunden)
                                 9,441  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 31,3 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut; Abends ermdet u. leichte rheumat. Schmerzen im
Rcken.--Nachmittags starker Durst.

_Beschftigung:_ 9 St. Arbeit.--3-1/2 St. Krankenbesuche. 8-1/2 St.
Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens leicht transpirirt.--

_Witterung:_ Morgens klarer Sonnenschein; Nachmittags Regen.--WSW.--


10-11. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 1'''            Lufttemperatur: -0,5 - -1,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:   |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |325 CC. |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  10 M.|Thee    |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |112 Grm. |10   | 135 CC.|1016,7|s.   | --  |     |      |
       |        |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |     |      |
       |        | 20  "   |11   |  92  " |1014,2|neu- | --  |     |      |
       |        |Butter   |Uhr. |        |      |tr.  |     |     |      |
  1 U. |100  "  |146 Grm. |1    | 289  " |1007,5|s.   | --  |     |      |
  30 M.|Wein    |Fleisch  |Uhr. |        |      |schw.|     |     |      |
       |        |231 Grm. |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |felbrei  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |272 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |838,3
       |        |Linsen   |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |42 Grm.  |5    | 410  " |1014  |s.   | --  |     |      |
       |        |Dessert  |Uhr. |        |      |     |     |     |      |
  4 U. |200  "  |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
  4 "  |150 CC. |         |8    | 184  " |1022,2|schw.| --  |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  8 U. |300 CC. |84 Grm.  |11   | 102  " |1022,7|s.   |     |11   |67,9  |
  30 M.|Milch   |Brod     |Uhr. |        |      |st.  |     |Uhr. |Gr.   |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 231  " |1025,5|st.  |     |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1225 CC.|947 Grm. |24   |1443  " |1016,7|s.   |III. |24   |67,9  |838,3
  St.  |= 1238  |         |St.  |= 1466  |      |     |klar.|St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1443 CC. Urin enthielten: 25,26 Grm. Harnstoff.
                                 1,94  "   Schwefelsure.
                                 2,71  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,519 an Erden gebunden)
                                10,826 "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 186,5 Gramm.

_Befinden:_ im Ganzen sehr wohl; nur sehr wechselnde Hauttemperatur.

_Beschftigung:_ 9-1/2 St. gearbeitet. 2-1/4 St. Krankenbesuche. 8-1/2
St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens leicht duftend. Mittags kalt und
trocken.--Nachmittags trocken, aber warm.--Nachts nicht transpirirt.

_Witterung:_ NO.-Wind. Scharfe, reine Klte.--


11-12. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 3,5'''              Lufttemperatur: -3 - -1 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |    ~Einnahme~:   |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |325 CC. |20 Grm.  |10   | 175 CC.|1015,5|st.  | --  |10   |80    |
  30 M.|Thee    |Zucker   |Uhr. |        |      |s.   |     |Uhr. |Grm.  |
       |        |105 "    |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |20 Grm.  |1 Uhr| 221  " |1014  |s.   | --  |     |      |
       |        |Butter   |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  2 U. |100  "  |254 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |Rothw.  |Fricassee|     |        |      |     |     |     |      |
       |        |216 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |185 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |1005,
       |        |Pflaumen |     |        |      |     |     |     |      |02 G.
       |        |41 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200 CC. |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |6 Uhr| 414  " |1015  |s.   | --  |     |      |
  8 U. |400 CC. |117 Grm. |8  " | 143  " |1023  |s.   | --  |     |      |
  30 M.|Milch   |Brod     |     |        |      |schw.|     |     |      |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
  11 U.|100 CC. |         |12 " | 170  " |1022  |s.   | --  |12   |39,4  |
       |Wein    |         |     |        |      |st.  |     |Uhr  |Grm.  |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |7  " | 188  " |1027,7|st.  | --  |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1275 "  |978  "   |24   |1311  " |1019  |s.   |III. |24   |119,4 |1005,
  St.  |= 1280  |         |St.  |= 1338  |      |     |klar |St.  |Grm.  |02 G.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1311 CC. Urin enthielten: 28,51 Gramm Harnstoff.
                                 2,01   "   Schwefelsure.
                                 2,53   "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,315 an Erden gebunden)
                                10,48   "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 204 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut, Abends ermdet.

_Beschftigung:_ 8 St. gearbeitet. 1-1/2 St. Krankenbesuche. Abends
anhaltend musicirt--7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Nachmittags und Abends starke Hauttranspiration.

_Witterung:_ N.-Wind. Klarer Himmel, bedeutende Klte.--


12-13. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 3,7'''              Lufttemperatur: -1 - -3 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Thee    |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |117 Grm. |10   | 120 CC.|1022,7|s.   | --  |10   |203,8 |
       |        |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |G.    |
       |        |19   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  11 U.|100  "  |41 Grm.  |12   | 244  " |1009,8|s.   | --  |     |      |
  30 M.|Wein    |Fleisch  |Uhr  |        |      |     |     |     |      |
       |        |36 Grm.  |30 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
  2 U. |125  "  |159 "    |2    |  89  " |1016,7|schw.| --  |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |91 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |859,6
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |384 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Milchreis|     |        |      |     |     |     |      |
       |        |79 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200  "  |20 Grm.  |5    | 225,5" |1021  |s.   | --  |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |Uhr. |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |300 CC. |73 Grm.  |8    | 149  " |1023,2|s.   | --  |     |      |
  30 M.|Milch   |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |11   | 151  " |1024  |s.   | --  |11   |4,3   |
       |        |         |Uhr. |        |      |st.  |     |Uhr. |G.    |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 421  " |1016,5|s.   |     |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1225 CC.|1039 "   |24   |1399,5" |1017,2|s.   |III. |24   |208,1 |859,6
  St.  |= 1235  |         |St.  |= 1421  |      |     |klar |St.  |G.    |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1399,5 CC. Urin enthielten: 27,99 Grm. Harnstoff.
                                   1,88  "   Schwefelsure.
                                   2,519 "   Phosphorsure.
                                  12,59  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 214,8 Gramm.

_Befinden:_ gut; doch nicht so frisch, wie an andern Tagen. Leicht
rheumat. Erscheinungen.

_Beschftigung:_ 10-1/2 St. gearbeitet. 1-1/2 St. Krankenbesuche.--8 St.
Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens und Nachmittags leichte Hauttranspiration.

_Witterung:_ NW.-Wind.--Schnee und Regen; windig.--

(NB. Seit dem 11ten Febr. wird die Abends genossene Milch stets mit
etwas Kochsalz versetzt. Im Uebrigen werden alle Speisen stets in
gewhnlicher Zubereitung genossen.)


13-14. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 7,3'''            Lufttemperatur: -4,5 - -2 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |123  Grm.|10   |  84 CC.|1022  |s.   | --  |10   |20,42 |
  30 M.|Thee    |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |G.    |
       |        |19,4  "  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  2 U. |100  "  |155   "  |2    | 328  " |1012,2|schw.| --  |     |      |
       |Rothw.  |Rdfleisch|Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |109 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |297 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |weisser  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kohl     |     |        |      |     |     |     |      |799,41
       |        |41 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200 CC. |5,5 Grm. |5    | 220  " |1019,5|schw.|     |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  4 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |320 CC. |83,3 Grm.|8    | 180  " |1023,5|schw.|     |     |      |
  30 M.|Milch   |Brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  11 U.|200 CC. |         |10   |  80  " |1025,7|s.   |     |10 " |349,99|
       |Wasser  |         |Uhr  |        |      |     |     |Uhr  |G.    |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |30 M.|      |
       |        |         |7    | 306  " |1023,2|s.   |     |     |      |
       |        |         |Uhr  |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1470 CC.|843,2 "  |24   |1198  " |1019  |schw.|III. |24   |370,41|799,41
  St.  |= 1483  |         |St.  |= 1221  |      |s.   |klar |St.  |G.    |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |

  Die 1198 CC Urin enthielten: 25,76 Grm. Harnstoff.
                                1,84  "   Schwefelsure.
                                2,15  "   Phosphorsure.
                                    (davon 0,24 Gramm an Erden gebunden)
                               11,38  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 64 Gramm.

_Befinden:_ nicht gut; schwerfllig, matt. Kalte Fsse und Hnde.
Leichter Catarrh. ventricul.

_Beschftigung:_ 10 St. gearbeitet. 2-3/4 St. Krankenbesuche. 8-1/2 St.
Schlaf.

_Hautfunction:_ Trockenheit und Klte der Haut; nur Abends angenehm
warm.

_Witterung:_ sehr kalt; scharfer NO.-Wind.--Morgens ziemlich heiter;
Nachmittags trbe.


14-15. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 7,2'''           Lufttemperatur: -2-1/2 - 0 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |117 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Thee    |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |19   "   |10   | 188 CC.|1017  |kaum | --  |     |      |
       |        |Butter   |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  2 U. |100  "  |165 Grm. |1    | 382  " |1008,2|kaum | --  |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |Uhr  |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |376 Grm. |45 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |Apfel mit|     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Reis     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |119 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |846,6
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        | 50 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  4 "  |200  "  |9 Grm.   |5 "  | 246  " |1019,5|s.   | --  |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |Uhr  |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |     |      |
  8 "  |400 CC. |153 Grm. |7    | 292  " |1012,2|schw.| --  |     |      |
       |Milch   |Brod     |Uhr  |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |27 Grm.  |45 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |11   | 150  " |1023  |st.  | --  |11 U.|47,4  |
       |        |         |Uhr  |        |      |s.   |     |30 M.|Gr.   |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 435  " |1012,7|s.   | --  |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1200 CC.|1035 Grm.|24   |1693  " |1014  |s.   |III. |24   |47,4  |846,6
  St.  |= 1212  |         |St.  |= 1717  |      |     |klar |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1693 CC. Urin enthielten: 26,80 Grm. Harnstoff.
                                 1,70  "   Schwefelsure.
                                 2,87  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,74 an Erden gebunden)
                                11,173 "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 363,4 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.--Mannigfache geistige Anregung durch Lectre,
Besuche u. s. w.

_Beschftigung:_ 10-1/2 St. angestrengte Arbeit.--2-1/2 St.
Krankenbesuche.--8 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ trockne, aber angenehm warme Haut.

_Witterung:_ scharfer NW.-Wind.--Trbe, bedeckte Luft. Abends Sturm mit
Regen.


15-16. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 9,75'''  Lufttemperatur: 1,5-1,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |101 Grm. |10   | 120 CC.|1015  |s.   | --  |     |      |
  30 M.|Thee    |Brod     |Uhr. |        |      |schw.|     |     |      |
       |        |20   "   |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  11 U.|        |38 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |38  "    |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |
  2 U. |150  "  |170 Grm. |2    | 252  " |1010,7|schw.| --  |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |222 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Bohnen   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |238 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |50 Grm.  |5 Uhr| 258  " |1020,7|s.   | --  |     |      |804
       |        |Dessert  |15 M.|        |      |schw.|     |     |      |Grm.
       |        |25 Grm.  |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  4 "  |200  "  |9 Grm.   |8    | 241  " |1020,2|kaum | --  |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  4 "  |200 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  5 U. |150 CC. |         |10   |  90  " |1026,5|st.  | --  |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |Uhr  |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |11 U.|10 Gr.|
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |30 M.|      |
  8 "  |350 CC. |140 Grm. |7 Uhr| 271  " |1025,2|s.   | --  |     |      |
       |Milch   |Brod     |30 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |6    "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1750 CC.|1057 Grm.|24   |1232  " |1019  |schw.|III. |24   |10  " |804
  St.  |= 1762  |         |St.  |= 1254  |      |s.   |klar |St.  |      |Grm.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1232 CC. Urin enthielten: 24,27 Grm. Harnstoff.
                                 1,774 "   Schwefelsure.
                                 2,316 "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,419 an Erden gebunden)
                                12,012 "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 751 Gramm.

_Befinden:_ gut: Nachmittags viel Durst.

_Beschftigung:_ 9-1/2 St. anhaltend gearbeitet.--2-1/2 St.
Krankenbesuche.--9 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ angenehme Hautwrme, nur kalte Fsse.

_Witterung:_ Schnee und Regen. SW.-Wind.--


16-17. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 11'''                 Lufttemperatur: 1,5-3 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |103 Grm. |10   | 173 CC.|1017,5|s.   | --  |10   |65    |
  15 M.|Thee    |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |Gr.   |
       |        |23 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  12 U.|        |39 Grm.  |1 Uhr| 211  " |1015  |s.   | --  |     |      |
       |        |Brod     |45 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |10 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  2  " |200  "  |216 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |812,8
       |Wein    |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |249 Grm. |4 Uhr| 142  " |1022  |s.   | --  |     |      |
       |        |Wurzeln  |50 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |140 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |74 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200  "  |8 Grm.   |8    | 286  " |1020,5|kaum | --  |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  6 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |345 CC. |97 Grm.  |11   |  92  " |1027  |st.  | --  |10   |437,4 |
  30 M.|Milch   |Brod     |Uhr  |        |      |s.   |     |Uhr  |Gr.   |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |30 M.|      |
       |        |         |7 Uhr| 311  " |1020,2|s.   | --  |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1395 CC.|959 "    |24   |1215  " |1020  |s.   |III. |24   |502,4 |812,8
  St.  |= 1406  |         |St.  |= 1243  |      |     |klar |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1215 CC. Urin enthielten: 24,90 Grm. Harnstoff.
                                 1,58  "   Schwefelsure.
                                 2,04  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,19 an Erden gebunden)
                                14,58  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 192,9 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut; nur Abends spt ermdet.

_Beschftigung:_ 9 St. gearbeitet. 3-1/2 St. Krankenbesuche. 7 St.
Schlaf.

_Hautfunction:_ angenehme Hautwrme.

_Witterung:_ sehr nasskalt. Regen. Strmisch.--SNW.--


17-18. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 9,5'''                Lufttemperatur: 1,5-3 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |117 Grm. |10 U.| 114 CC.|1021  |s.   | --  |     |      |
  30 M.|Thee    |Brod     |15 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |24   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  12 U.|        |32 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |8   "    |1 U. | 225  " |1015,5|schw.| --  |     |      |
       |        |Butter   |45 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  2  " |200  "  |183 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |148 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Bohnen   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |348 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |948
       |        |Kartof.  |     |        |      |     |     |     |      |Grm.
       |        |br.      |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |74 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  4 "  |200  "  |7,5 Grm. |5 U. | 276  " |1018,7|s.   | --  |     |      |
       |Caffee  |Zucker   |15 M.|        |      |     |     |     |      |
  6 "  |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  6 "  |150 CC. |         |8 U. | 310  " |1015,6|kaum | --  |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  9 U. |374 CC. |155 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |Milch   |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |150  "  |10   "   |11 U.| 344  " |1011  |s.   | --  |     |      |
       |Wein    |Butter   |45 M.|        |      |st.  |     |     |      |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |7 U. | 448  " |1012  |s.   | --  |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1724 "  |1106,5   |24   |1717  " |1015,2|s.   |III. |24   |  0   |948
  St.  |= 1736  |Grm.     |St.  |= 1750  |      |     |klar |St.  |      |Grm.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1717 CC. Urin enthielten: 25,04 Grm. Harnstoff.
                                 1,58  "   Schwefelsure.
                                 2,54  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,44 an Erden gebunden)
                                15,88  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 177,79 Gramm.

_Befinden:_ nur Mittags etwas abgespannt; im Uebrigen sehr gut.

_Beschftigung:_ 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbesuche. Abends musicirt.
6-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Abends ziemlich stark transpirirt.

_Witterung:_ sehr strmisch.--Regen.--SW.--


18-19. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 3,5'''        Lufttemperatur: -0,5 - +1-1/2 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |113 Grm. |10   | 164 CC.|1014  |s.   | --  |10   |58 Gr.|
  15 M.|Thee    |Brod     |Uhr. |        |      |     |     |Uhr. |      |
       |        |20   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |17 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  2 U. |100  "  |143 Grm. |1 Uhr| 450  " |1008  |kaum | --  |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |45 M.|        |      |s.   |     |     |      |
       |        |162 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |303 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |797
       |        |Wirsingk.|     |        |      |     |     |     |      |Grm.
       |        |49 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200  "  |20 Grm.  |5    | 334  " |1017  |schw.| --  |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  8 U. |526 CC. |109 Grm. |8    | 221  " |1019,5|schw.| --  |     |      |
  30 M.|Thee    |Brod     |Uhr  |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |11   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |20 Grm.  |11   | 122  " |1023  |st.  | --  |11   | 4  " |
       |        |Butter   |Uhr  |        |      |s.   |     |Uhr. |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 430  " |1013,2|st.  | --  |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1326 "  |967 Grm. |24   |1721  " |1014,5|s.   |III. |24   |62  " |797
  St.  |= 1328,6|         |St.  |= 1752  |      |     |klar |St.  |      |Grm.
       |Gr.     |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1721 CC. Urin enthielten: 23,35 Grm. Harnstoff.
                                 1,65  "   Schwefelsure.
                                 2,65  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,414 Gramm an Erden gebunden)
                                15,74  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme 315 Gramm.

_Befinden:_ gut.

_Beschftigung:_ 8 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche.--Abends
Lectre. 7 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Morgens ziemlich stark transpirirt im warmen Zimmer.
Nachmittags und Abends trocken, aber stets angenehm warm.

_Witterung:_ nasskalt.--W. Nachmittags Schneeschauer.


19-20. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 7,8'''           Lufttemperatur: -0,25 - +2 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |108 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
  15 M.|Thee    |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |24   "   |10   |  83 CC.|1020,5|st.  | --  |10   |28    |
       |        |Butter   |Uhr. |        |      |s.   |     |Uhr. |Gr.   |
  11 U.|        |51 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|        |Brod     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |1 Uhr| 375  " |1008,5|kaum | --  |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  2 U. |200  "  |182  "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |374 Grm. |4 Uhr| 164  " |1021,5|s.   | --  |     |      |
       |        |Apfel und|45 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |Reis     |     |        |      |     |     |     |      |960,7
       |        |103 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |58 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200  "  |7 Grm.   |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |530 CC. |96 Grm.  |8    | 238  " |1017,2|kaum | --  |     |      |
  15 M.|Milch   |Brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |10   |  52  " |1030  |s.   | --  |10 " |240   |
       |        |         |Uhr  |        |      |st.  |     |Uhr  |Gr.   |
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |30 M.|      |
       |        |         |7 Uhr| 308  " |1018,6|st.  | --  |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1230 CC.|1003 "   |24   |1220  " |1016,5|s.   |III. |24   |268   |960,7
  St.  |= 1242,3|         |St.  |= 1247  |      |     |--   |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1220 CC. Urin enthielten: 20,33 Grm. Harnstoff.
                                 1,46  "   Schwefelsure.
                                 2,05  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,39 Grm. an Erden gebunden)
                                 8,96  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 230,6 Gramm.

_Befinden:_ Morgens und Nachmittags sehr gut. Abends abgespannt.

_Beschftigung:_ 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbesuche; Nachmittags
Spaziergang und Besuche bei Freunden.--Abends Lectre und Musik. 8 St.
Schlaf.--

_Hautfunction:_ Morgens leichte Transpiration. Nachmittags stets
angenehm warm.--

_Witterung:_ Milde Klte. Feuchte Luft. Schnee.--W.


20-21. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 1,8'''          Lufttemperatur: -2,5 - +1,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |Thee    |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |116 Grm. |10   | 192 CC.|1011,5|schw.| --  |     |      |
       |        |Brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |19   "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |1 Uhr| 361  " |1009,2|kaum | --  |     |      |
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  2 "  |170  "  |116 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |306 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Sauerkohl|     |        |      |     |     |     |      |
       |        |149 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |834
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |Grm.
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |75 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 U. |200  "  |20 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Caffee  |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |
  5 U. |200 CC. |         |5 Uhr| 266  " |1016,7|kaum | --  |     |      |
       |Wasser  |         |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
  6 U. |100 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  9 U. |374 CC. |108 Grm. |9 Uhr| 210  " |1020,5|schw.| --  |     |      |
  15 M.|Thee    |Brod     |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
       |        |17   "   |11   |  70  " |1023  |s.   | --  |11 U.|23,7  |
       |        |Zucker   |Uhr  |        |      |st.  |     |15 M.|Gr.   |
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |     |      |
       |        |19 Grm.  |8 Uhr| 373  " |1014  |s.   | --  |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1544 "  |965 Grm. |24   |1472  " |1015  |schw.|III. |24   |23,7  |834
  St.  |= 1547  |         |St.  |= 1505  |      |s.   |     |St.  |Gr.   |Grm.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1472 CC. Urin enthielten: 22,70 Grm. Harnstoff.
                                 1,55  "   Schwefelsure.
                                 2,23  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,35 an Erden gebunden)
                                11,41  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 150 Gramm.

_Befinden:_ gut.

_Beschftigung:_ 9 St. gearbeitet. 2-1/2 St. Krankenbesuche. 7-9 Abends
einem Concerte beigewohnt. 6-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ trge; namentlich Morgens Hautklte.--

_Witterung:_ klarer Himmel.--Frost.--SSW.--Nachmittags trbe.--


21-22. ~Februar~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 3,7'''                  Lufttemperatur: 1-3 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                     ~Ausgabe~:
   Ta- +--------+---------+---------------------------------+------------+------
   ges-|        |  Feste  |             Urin                |   Faeces   | Haut
  zeit.|Fluida. |Speisen. +-----+--------+------+-----+-----+-----+------+  und
       |        |         |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|Zeit.|Quan- |Lunge.
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |     | ti-  |
       |        |         |     |        |      |     |     |     |tt.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  7 U. |150 CC. |         |     |        |      |     |     |     |      |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |350 CC. |115 Grm. |10   |  82 CC.|1020,2|schw.| --  |     |      |
  30 M.|Thee    |Brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        | 24  "   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Butter   |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |         |1 Uhr| 304  " |1012,2|neu- | --  |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |tr.  |     |     |      |
  2 U. |150  "  |127 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wein    |Fleisch  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |283 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Steckrb.|     |        |      |     |     |     |      |
       |        |292 Grm. |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Kartof-  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |67 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |     |      |
  3 "  |200  "  |13 Grm.  |     |        |      |     |     |     |      |871,2
  15 M.|Caffee  |Zucker   |     |        |      |     |     |     |      |Gr.
  4 U. |150 CC. |         |5    | 239  " |1017,7|kaum | --  |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
  5 U. |200  CC.|         |     |        |      |     |     |     |      |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  7 U. |150     |         |     |        |      |     |     |     |      |
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |     |      |
  8 U. |360 CC. |161 Grm. |8    | 336  " |1019,2|kaum | --  |     |      |
  30 M.|Milch   |Brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |     |      |
       |        |         |10   |  96  " |1021,2|st.  | --  |10 U.|11,4  |
       |        |         |Uhr  |        |      |s.   |     |15 M.|Gr.   |
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |     |      |
       |        |         |7 Uhr| 298  " |1022,7|s.   | --  |     |      |
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |     |      |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-----+------+------
  24   |1710 CC.|1082 "   |24   |1355  " |  ?   |schw.|III. |24   |11,4  |871,2
  St.  |= 1719  |         |St.  |= 1385  |      |s.   |     |St.  |Gr.   |Gr.
       |Grm.    |         |     |G.      |      |     |     |     |      |

  Die 1355 CC. Urin enthielten: 23,03 Grm. Harnstoff.
                                 1,51  "   Schwefelsure.
                                 2,03  "   Phosphorsure.
                                     (davon 0,18 an Erden gebunden)
                                12,87  "   Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 534,6 Grm. (es betrgt am 22. Febr. 8 Uhr
Morgens 125 [Pfund] 87 Grm.)

_Befinden:_ Morgens sehr gut; Nachmittags weniger frisch; schwerfllig.

_Beschftigung:_ 7 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche. Abends
Vorlesung.--8-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens frh kalte Haut; gegen Mittag sehr angenehm
warm.--Nachmittags und Abends gewhnliche Temperatur.

_Witterung:_ nasskalt.--WSW. Schnee.

Die vorstehenden Untersuchungen gengten, um eine richtige Einsicht in
die Grsse des Stoffwechsels bei gewhnlicher Lebensweise zu
verschaffen. Im Laufe der 14 Untersuchungstage verlor das Krpergewicht
allerdings 451 Gramm, und es ist daraus ersichtlich, dass der
Kraftaufwand durch die Zufuhr an Nahrungsmaterial nicht vollkommen
gedeckt wurde, wiewohl doch bis zur gengenden, mitunter selbst bis zur
reichlichen Sttigung genossen wurde.--Bei nicht sehr krftigen
Verdauungsorganen wird solches Verhltniss aber leicht eintreten, wenn
die Arbeit, wie in den vorbezeichneten Untersuchungstagen, eine selten
unterbrochene ist, und im Ganzen ist der Verlust von 451 Gramm in 14
Tagen kein erheblicher, vielleicht ein nur durch Mindereinnahme an
Fluidis im Verhltniss zu den Tagen vor der Untersuchung entstandener.--

Die Berechnung der Mittelwerthe ergiebt nun Folgendes: Es wurden
durchschnittlich tglich 2397 Grm. genossen; davon waren 1405 Grm.
messbare Fluida, und 992 Grm. s. g. feste Speisen.--Die tgliche
Gesammtausgabe des Krpers belief sich dabei aber auf 2429 Grm., und
davon kamen 1433 Grm. auf den Urin, 138 Grm. auf die Faeces, also 1569
Grm. auf Darm und Nieren zusammen; es blieben 800 Grm. fr Haut und
Lungen.

Die 1433 Grm. = 1405 CC. (Maxim. 1721 CC.; Minim. 1198 CC.) Urin hatten
ein mittleres specif. Gew. von etwa 1016, und enthielten im
Durchschnitt:

  24,5   Grm. Harnstoff (Maxim. 28,5; Minim. 20,3.)
   1,68   "   Schwefelsure (Maxim. 2,01; Minim. 1,46.)
   2,40   "   Phosphorsure (  "    2,87;   "    2,03.)
              (davon 0,397 Grm. an Erden gebunden)
  11,976  "   Chlor (Maxim. 15,8; Minim. 8,9.).

Wenn der Mittelwerth fr den Harnstoff und die Schwefelsure hier
geringer ausfiel, als im Januar, so hat das wohl hauptschlich seinen
Grund in der Vertauschung der Morgens genossenen Milch mit Thee. Es
wurden damit selbstverstndlich weniger Albuminate und weniger Schwefel
eingefhrt. Zum Theil mochte aber auch der Grund in der im Januar
angestrengtern Arbeit liegen, in Folge welcher mehr Material verbraucht
wurde. Die Ausgabe an Chlor war betrchtlicher, als im Januar,
ausschliesslich wohl deshalb, weil der Kochsalzgenuss absichtlich um
Etwas vermehrt war.--Die geringe Vermehrung der Quantitt der
Phosphorsure fllt fast in die Grnze der Beobachtungsfehler.--

Die Reaction des in 24 St. entleerten Urins war stets sauer. Allein im
Hinblick auf die spten Untersuchungen bedarf es schon hier der
ausdrcklichen Bemerkung, dass der frisch entleerte Urin in der
vorliegenden Untersuchungsreihe oftmals, und zwar Vormittags ohne alle
nachweisbare Veranlassung, Nachmittags wahrscheinlich in Folge der
genossenen Vegetabilien, eine neutrale oder nur sehr schwach saure
Reaction zeigte. Ich glaube dabei mit Bestimmtheit die Bemerkung gemacht
zu haben, dass der reichlichere Genuss von Kartoffeln insonderheit einen
Einfluss auf den Suregrad des Urins ausbt, d. h. denselben herabsetzt,
und zwar mehr, als man dem Gehalte derselben an pflanzensauren Salzen
nach erwarten sollte. Andere Vegetabilien, Kohlarten u. s. w. zeigten
diesen Einfluss in bei Weitem weniger aufflliger Weise. Ich habe den
Urin selbst, lediglich in Folge des Genusses von Kartoffelbrei, stark
alkalisch, mit Suren brausend und trb von prcipitirten Erdphosphaten
gefunden, ein Umstand, der fr die Beurtheilung des Einflusses der
Kartoffelnahrung nicht zu bersehen sein drfte.

Mit Bezug auf die oben erwhnte Zuckerfrage, so mag hier in Krze und
beilufig das Resultat erwhnt werden, dass in der Regel, wenn der Thee
Morgens mit 20 Grm. Zucker versetzt genossen wurde, bis Mittags 2 Uhr
eine grssere Quantitt Urin entleert wurde, als wenn er ohne
Zuckerzusatz getrunken war. Die Quantitt der genossenen Fluida (475-500
CC.) war immer bis auf 25 CC. dieselbe.--Bei Zuckergenuss wurden 378,
470, 516, 396, 453, 614, 553--im Mittel 483 CC. entleert, d. h. fast
gleich viel, als Fluida am Morgen genossen waren; ohne Zuckergenuss
dagegen 412, 570, 372, 384, 339, 458, 386--im Mittel 417 CC., d. h. fast
immer weniger als Fluida am Morgen eingefhrt waren. Auf die
Abhngigkeit dieses Verhltnisses von dem Einfluss, den der Zucker auf
die en- und exosmotischen Vorgnge ausbt, habe ich im "Archiv des
Vereins fr gemeinschaftl. Arbeiten Bd. I. Heft 4." im Artikel "Studien
zur Urologie II." hingewiesen.--

Es bedarf noch der Erwhnung, dass sich die aufgefundenen
Grssenverhltnisse des Stoffwechsels, verglichen mit den wenigen
bekannten lnger fortgesetzten Untersuchungen anderer Mnner in den
Grnzen des Normalen bewegen.--Prof. Bischoff, ein Mann von 45 Jahren,
216 [Pfund] Krpergewicht (NB.!) und 185 Ctm. Lnge entleerte bei
gewhnlicher Kost tglich 1538 CC. Urin von 1022,4 spec. Gew. mit 35,10
Grm. Harnstoff (nach Ausfllung des Chlor bestimmt); stud. Mosler, 22
Jahr alt, 134 [Pfund] schwer und 180 Ctm. lang 1875 CC. Urin mit 29,1
Grm. Harnstoff und 3,2 Grm. Phosphorsure; 7 Mnner, im Alter von 20-36
Jahren und im Mittel von 132 [Pfund] Krpergewicht (cf. Diss. inaugural.
von Gruner. Giessen 1852.) 2,094 Grm. Schwefelsure. Bei mir erreichten
die einzelnen Stoffe im Verhltniss zu vorstehenden Untersuchungen nur
eine geringe Hhe; doch waren sie auch keineswegs abnorm vermindert; man
kann nur sagen, dass der Stoffwechsel von nicht bedeutender Intensitt
war.--

Hiernach gehe ich weiter zu denjenigen Untersuchungen, welche
unmittelbar dem Gebrauche des Seebades vorausgingen. Sie erstrecken sich
vom 5ten-9ten Juli.--Dieselben wurden in der Weise vorgenommen, dass der
whrend der Morgenstunden entleerte Urin, von dem whrend des
Nachmittags und der Nacht entleerten gesondert analysirt wurde.--Die
festen Speisen wurden, wie erwhnt, nach Bedrfniss genossen; die
Quantitt der Fluida ist notirt.--




III. UNTERSUCHUNGSREIHE.


5-6. ~Juli~ 1854.

  Mittlerer Barometerstand: 27'' 11,8'''             Lufttemperatur: 14-16,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |230 CC. |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |} 6,129 Gr. Harn-
  7 U. |350 CC. |Butter-  |9    |  76 CC.|1021  |s.   |III. |}           stoff
  35 M.|Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |     |grn-|} 0,143  "  Harn-
       |m. Milch|         |     |        |      |     |gelb-|}           sure
       |u. Zu-  |         |     |        |      |     |lich |} 0,269  "  Schwe-
       |cker    |         |10   |  77  " |1019  |kaum |III. |}           fels.
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,496  "  Phos-
       |        |         |11   |  62  " |1018  |neu- |III. |}           phors.
       |        |         |     |        |      |tr.  |     |} 4,245  "  Chlor.
       |        |         |1    |  84  " |1025  |s.   |III. |
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
  2 U. |600 CC. |Kalbs-   |6 St.| 299  " |1021,5|schw.|III. |
       |bair. B.|braten,  |     |        |      |s.   |     |
       |40 CC.  |Erbsen,  +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wein    |Kartof-  |     |        |      |     |     |
       |        |feln     |     |        |      |     |     |}17,545 Gr. Harn-
  4 U. |330 CC. |         |7 U. | 240 CC.|1026  |s.   |III.-|}           stoff
  15 M.|Caffee  |         |10 M.|        |      |     |IV.  |} 0,469  "  Harn-
  8 U. |380 CC. |Butter-  |11 U.| 152  " |1029  |s.   |III. |}           sure
  45 M.|Thee m. |brod     |15 M.|        |      |     |     |} 0,982  "  Schwe-
       |M. u. Z.|         |6 U. | 246  " |1018  |s.   |III. |}           fels.
       |        |         |     |        |      |     |klar.|} 2,284  "  Phos-
       |        |         |-----+--------+------+-----+-----+}           phors.
       |        |         |17   | 638  " |1023  |s.   |III. |} 5,869  "  Chlor.
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23   |1930 CC.|   --    |23   | 937  " |  --  | --  | --  | 23,674  "  Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,612  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,251  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,780  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              10,114  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ Morgens 9 Uhr 30 Min. 5. Juli = 121 [Pfund] 440 Gramm.
        "             "       "      "   6.  "   = 122    "    490   "
  -----------------------------------------------------------------------
                                       Zunahme   =   1    "     50   "

_Befinden:_ Morgens gut, Mittags abgespannt durch die Gewitterschwle;
Nachmittags u. Abends sehr wohl.

_Beschftigung:_ 8-1/2 St. gearbeitet; 3 St. Krankenbesuche. 6-1/2 St.
Schlaf.--

_Hautfunction:_ Nachts zuvor transpirirt; Morgens stets mssig duftende,
von 11-2 Uhr stark transpirirende Haut. 5-7 Uhr Nachm. stark duftend; 7
- 11-1/2 Uhr trocken, aber warm.--

_Darmentleerung:_ Morgens 9 Uhr sehr reichlich, weich. Abends 11 Uhr 15
Min. wenig, geballt.--

_Witterung:_ Stets bedeckter Himmel. Feuchtwarme Luft. Viel Regen.
Mittags Gewitterschwle.--W.


6-7. ~Juli~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 1'''              Lufttemperatur: 15,7-17,2 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |7    |  25 CC.|   ?  | s.  | III;|}
  45 M.|Wasser  |         |Uhr. |        |      |st.  | (A) |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
       |400 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |}
       |Caffee  |brod     |     |        |      |     |     |}
       |m. Milch|         |     |        |      |     |     |}
       |u. Zu-  |         |     |        |      |     |     |}
       |cker    |         |     |        |      |     |     |}
       |        |         |8    |  26  " |  ?   | s.  |III. |} 8,055 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |st.  |klar.|}           stoff
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}    Spuren Harn-
       |        |         |9    | 167  " |1011  |s.   |II.  |}           sure
       |        |         |Uhr. |        |      |     |klar.|} 0,358 Gr. Schwe-
  2 U. |350 CC. |Kalbs-   |10   | 220  "}|      |s.   |II.  |}           fels.
       |bair. B.|braten,  |Uhr. |       }|      |schw.|klar.|} 0,895  "  Phos-
       |        |Blumen-  |     |       }|1006  |s.   |     |}           phors.
       |        |kohl,    |11   | 105  "}|      |s.   |II.  |} 3,490  "  Chlor.
       |        |Kartof-  |Uhr. |       }|      |schw.|klar.|}
       |        |feln.    |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         |11   | 253  " |1002  |neu- |I.   |}
       |        |         |Uhr  |        |      |tr.  |klar.|}
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |}
       |        |         |1 Uhr|  99  " |1012  |s.   |III. |}
       |        |         |10 M.|        |      |     |klar.|}
  3 U. |200 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+
  30 M.|Caffee  |         |7-1/4| 895  " |1006,5|s.   |II.  |
       |m. Milch|         |St.  |        |      |     |klar.|
       |u.      |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |Zucker  |         |4 U. | 270 CC.|1011  |st.  |III. |}20,562 Gr. Harn-
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |klar.|}           stoff
  9 U. |400 CC  |Butter-  |5 U. | 101  " |1021  |al-  |dto. |} 0,429  "  Harn-
       |Thee m. |brod     |45 M.|        |      |kal. |     |}           sure
       |Milch u.|         |10 U.| 257  " |1022  |kaum |II-  |} 1,466  "  Schwe-
       |Zu-     |         |15 M.|        |      |s.   |III. |}           fels.
       |cker    |         |7 U. | 266  " |1025  |s.   |III  |} 2,575  "  Phos-
       |        |         |     |        |      |st.  |IV   |}           phors.
       |        |         |     |        |      |s.   |klar.|} 7,331  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |17-  | 894  " |1018,7|s.   |III. |
       |        |         |3/4  |        |      |     |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |1550 CC.|   --    |25   |1789  " |  --  | --  | --  | 28,617 Gr. Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,429  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,824  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               3,470  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              10,821  "  Chlor.

  Legende: (A) sofort starkes lehmfarb. Sediment von Harns. Salzen

_Krpergewicht:_ Verlust = 758 Gramm.

_Befinden:_ viel frischer als Tags zuvor; im Allgem. sehr gut.

_Beschftigung:_ 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbes. 1 St. Spaziergang.
Abends im Garten gelesen. 7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens frh trocken und khl; Mittags u. Nachmittags
viel transpirirt.--

_Darmentleerung:_ Abends 10 Uhr 15 Min. reichlich, weich, breiig.--

_Witterung:_ Morgens heiterer Sonnenschein, theilweise bedeckter Himmel;
Nachmittags Sonnenschein u. Windstille.--WSW.


7-8. ~Juli~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 0,5'''              Lufttemperatur: 16,7-16 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |8    |  22 CC.|  ?   |st.  |III- |}
       |Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |s.   |IV.  |}
       |        |         |     |        |      |     |klar.|} 7,126 Gr. Harn-
       |        |         |9    |  40  " |1016,5|st.  |III. |}           stoff
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |klar.|}    Spuren Harn-
       |        |         |10   | 100  " |1010  |st.  |II-  |}           sure
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |III. |} 0,285 Gr. Schwe-
  2 U. |25 CC.  |Schinken |     |        |      |     |klar.|}           fels.
       |Madeira |u. Kar-  |11   | 171  " |1008  |s.   |II.  |} 0,621  "  Phos-
       |480 CC. |toffeln  |Uhr. |        |      |     |klar.|}           phors.
       |bair. B.|mit Pe-  |1 Uhr| 176  " |1008  |s.   |II.  |} 3,156  "  Chlor.
       |        |tersilie |     |        |      |     |klar.|}
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |6-1/4| 509  " |1010  |st.  |II-  |
       |        |         |St.  |        |      |s.   |III. |
  4 "  |100 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |200 CC. |         |5 U. | 310 CC.|1017  |s.   |III. |}
       |Caffee  |         |50 M.|        |      |     |klar.|}17,260 Gr. Harn-
  6 "  |200 CC. |         |     |        |      |     |     |}           stoff
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |} 0,212  "  Harn-
       |        |         |11 U.| 354  " |1019,5|s.   |II.  |}           sure
       |        |         |     |        |      |     |tr- |} 1,154  "  Schwe-
       |        |         |     |        |      |     |be.  |}           fels.
  7 "  |200 CC. |         |     |        |      |     |     |} 2,196  "  Phos-
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |}           phors.
  8 "  |400 CC. |Butter-  |7  " | 259  " |1018  |st.  |III. |} 7,753  "  Chlor.
       |Thee    |brod     |     |        |      |s.   |klar.|}
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |17-  | 923  " |1018  |s.   |III. |
       |        |         |3/4  |        |      |     |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |2205 "  |   --    |24   |1432  " |  --  | --  | --  | 24,386  "  Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,212  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,439  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,817  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              10,909  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Verlust = 2 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut; bis auf unbedeutenden
Brustmuskel-Rheumatismus.--Nachmittags starker Durst.

_Beschftigung:_ 9-1/2 St. gearbeitet. 2 St. Krankenbesuche. 1 St.
Spaziergang.--8 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens von 11-2 Uhr und Nachmittags stark transpirirt.

_Darmentleerung:_ Abends 11 Uhr reichlich, weich, breiig.

_Witterung:_ Morgens heiter, klar; Nachmittags Regen.--O.--


8-9. ~Juli~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 0,2'''              Lufttemperatur: 16-17,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |8 U. |  35 CC.|1023  |st.  |III. |} 6,097 Gr. Harn-
       |Caffee  |brod     |15 M.|        |      |s.   |klar.|}           stoff
       |        |         |9 U. |  55  " |1017  |st.  |III. |}   ?    "  Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |klar.|}           sure
       |        |         |10 " | 126  " |1010  |kaum |II.  |} 0,300  "  Schwe-
       |        |         |     |        |      |s.   |klar.|}           fels.
       |        |         |11 " | 136  " |1009,5|kaum |II.  |} 0,732  "  Phos-
       |        |         |     |        |      |s.   |klar.|}           phors.
  2 U. |250 CC. |         |1  " | 117  " |1017  |s.   |III. |} 3,802  "  Chlor.
       |Bouillon|         |5 M. |        |      |     |klar.|}
       |500 CC. |Eier-    +-----+--------+------+-----+-----+
       |bair. B.|kuchen u.|6 St.| 469  " |1013  |s.   |III. |
       |        |Salat    +-----+--------+------+-----+-----+
  3 "  |200 CC. |         |6    | 242 CC.|1020  |s.   |III. |}14,949 Gr. Harn-
  30 M.|Caffee  |         |Uhr. |        |      |     |klar.|}           stoff
       |        |         |8 Uhr| 153  " |1022,5|s.   |III. |}   ?    "  Harn-
       |        |         |30 M.|        |      |     |klar.|}           sure
  8 U. |450 CC. |Butter-  |11   | 105  " |1024,5|s.   |III. |} 0,804  "  Schwe-
  30 M.|Thee    |brod     |Uhr. |        |      |     |klar.|}           fels.
       |        |         |6  " | 143  " |1030  |s.   |IV.  |} 1,774  "  Phos-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |klar.|}           phors.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+} 5,208  "  Chlor.
       |        |         |17   | 643  " |1024  |s.   |III- |
       |        |         |St.  |        |      |     |IV.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |2000 "  |   --    |23   |1112  " |  --  |s.   | --  | 21,046 Gr. Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               1,104  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,506  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               9,010  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ den 8. Juli Morg. 9 Uhr 30 Min. = 121 [Pfund] 230 Gramm.
                    "  9.  "    "     "      "     = 120    "    400   "
                   --------------------------------------------------------
                                                       Verlust = 330   "

_Befinden:_ durchweg gut; Abends etwas ermdet.

_Beschftigung:_ 7 St. anstrengende Arbeit. 5 St. Krankenbesuche. 7 St.
Schlaf.

_Hautthtigkeit:_ Morgens sowohl, als Nachmittags whrend der
Krankenbesuche stark transpirirt.--

_Darmentleerung:_ Abends 11 Uhr und Morgens 9 Uhr den 9. Juli sehr
reichlich.--

_Witterung:_ bedeckter Himmel, zum Theil Sonnenschein. Warme
Luft.--W.--

Es war die Absicht, die vorstehenden Untersuchungen noch lnger
fortzusetzen. Die unerwartet verfrhete Abreise hinderte mich
daran.--Bei der Kenntniss des Stoffwechsels von frher her, konnte
jedoch auch eine 4tgige Untersuchungsreihe schon gengen und berechnen
wir die Mittelwerthe aus derselben, so ergiebt sich Folgendes:

Auffllig gesteigert war, im Verhltniss zum Januar und Februar, sowohl
die Haut- als Darmfunction.--Whrend im Februar bei dem tglichen Genuss
von 1395 CC. Fluidis 1408 CC. Urin entleert wurden, wurden im Juli bei
dem tglichen Genuss von 1921 CC. Fluidis nur 1317 CC. Urin
entleert.--Durch die Haut wurden demnach gegen 500 CC. tglich mehr
ausgeschieden, als im Februar, denn bei der feuchten Luft war die
Wasserausscheidung durch die Lungen wohl nicht vermehrt; die vermehrte
Darmfunction nahm allerdings wohl einen Theil der genossenen Fluida, im
hchsten Falle jedoch nur etwa 70-80 CC. in Anspruch.--Das Krpergewicht
nahm auch hier, und durchschnittlich tglich um 135 Gramm ab. Diese
Abnahme wrde jedoch auf ein Minimum reducirt sein, wenn nicht am 9ten
Juli, kurz vor der Wgung eine sehr reichliche Defaecation Statt
gefunden htte, deren Gewicht etwa auf 400 Grm. geschtzt werden konnte.

Die 1317 CC. Urin enthielten im Durchschnitt:

  24,431 Grm. Harnstoff.
   0,418  "   Harnsure.
   1,404  "   Schwefelsure.
   2,893  "   Phosphorsure, und
  10,213  "   Chlor.

Der Harnstoffgehalt war demnach ganz gleich dem im Februar gefundenen.
Die Schwefelsure stand etwas niedriger, als damals, was zum grossen
Theil von der gesteigerten Haut- und Darmthtigkeit, zum Theil von einer
Vernderung des Trinkwassers herrhren mochte. Die Phosphorsure war
etwas vermehrt; das Chlor etwas vermindert, weil das Kochsalz wie im
Januar, in nur gewhnlicher Menge genossen wurde.--

Hiernach lsst sich denn, alle drei Untersuchungsreihen
zusammengenommen, berechnen, dass mein Krper bei gewhnlicher, dem
Bedrfniss entsprechender Kost in 24 Stunden mit dem Urin ausschied:
24-25 Grm. Harnstoff, 0,35 Grm. Harnsure, 1,6 Grm. Schwefelsure, 2,54
Grm. Phosphorsure und 10,5 Grm. Chlor; Grssenverhltnisse, welche wir
bei den sptern Beobachtungen zum Vergleich benutzen werden. Die
verschiedenen Jahreszeiten hatten auf dieselben mit Ausnahme der
Harnsure einen so unerheblichen Einfluss, dass derselbe hier fglich
vernachlssigt werden darf.--

Auf die wechselnde und oftmals vorkommende schwach saure oder selbst
alkalische Reaction des Urins whrend der letzten Untersuchungsreihe
muss ich auch hier wieder aufmerksam machen. Welche Verhltnisse es
bedingten, dass sich an einem Morgen stets saure, an einem andern Morgen
abwechselnd saure, schwach saure und neutrale Reaction zeigte, vermag
ich nicht mit Bestimmtheit zu entscheiden;--auffallend bleibt es nur,
dass sich im Seebade bei sonst gleichen Lebensverhltnissen auch nicht
ein einziges Mal nur eine schwach saure, geschweige denn eine neutrale
Reaction des Urins zeigte.--

Wie aus den Tabellen ersichtlich ist, wurde in der letzten
Untersuchungsreihe der Urin Morgens fast stndlich entleert, dann
analysirt, und ihm gegenber der Nachmittags- und Nacht-Urin ebenfalls
zusammengeschttet der Analyse unterworfen. Behuf der fernern
Untersuchungen ist es nothwendig auch von diesen einzelnen Resultaten
das Mittel zu kennen:

Bei dem regelmssigen Genuss von 600 CC. Fluidis des Morgens wurden bis
1 Uhr Mittags im Mittel entleert: 543 CC. Urin, mit

    6,852 Grm. Harnstoff.
  nur Spuren von Harnsure.
    0,303 Grm. Schwefelsure.
    0,686  "   Phosphorsure, und
    3,673  "   Chlor.

Nachmittags und Nachts dagegen wurden im Durchschnitt entleert:

  774 CC. Urin, mit
   17,579 Grm. Harnstoff.
    0,370  "   Harnsure.
    1,101  "   Schwefelsure.
    2,207  "   Phosphorsure, und
    6,540  "   Chlor.

Wir werden sehen, in wiefern der Gebrauch des Seebades diese
Verhltnisse modificirte und mit ihrer Kenntniss namentlich darber eine
Aufklrung erlangen, ob der momentane Einfluss des Bades ein mehr oder
weniger bedeutender ist.--

Nach Beendigung dieser Untersuchungsreihe reiste ich am 10ten Juli nach
dem Seebade Wangeroge ab und traf dort am 11ten Mittags ein.--Die
Lebensweise war am 9. 10. u. 11ten sehr unregelmssig. Am 9ten war ich
den ganzen Tag hindurch mit Besuchen, Reisevorkehrungen u. s. w.
beschftigt; am 10ten wurde erst 5 Uhr Abends dinirt, am 11ten um 2
Uhr.--Am 12ten (Mittwoch) kehrte ich mglichst zu der gewohnten
Lebensweise zurck; genoss Morgens 200 CC. Wasser und 400 CC. Caffee
mit Butterbrod, trank Abends 400 CC. Thee; Nachmittags 150 CC. Caffee
und 200 CC. Wasser. In zwei Beziehungen wurde jedoch whrend des ganzen
Aufenthalts in Wangeroge und so auch schon heute eine Aenderung
nothwendig.--Einmal wurde meistens zwischen dem Caffee Morgens und dem
Mittagsessen ein Frhstck, bestehend aus Butterbrod mit Fleisch und in
der Regel einem Glase Portwein oder Bier eingenommen, und andrerseits
wurde Mittags in der Regel mehr getrunken, als in Oldenburg. Das zweite
Frhstck wurde deshalb oft geradezu Bedrfniss, weil der Caffee Morgens
in der Regel frher, als in Oldenburg genossen wurde und das
Mittagsessen oft, je nach der zur Fluthzeit festgesetzten Badezeit, viel
spter, um 2-1/2, 3, 4 u. 4-1/2 Uhr stattfand; kam gar ein den Appetit
stets anregendes Bad hinzu, so fhlte ich zwischen 11 u. 12 Uhr Morgens
das dringende Bedrfniss, etwas zu geniessen, und wrde durch
Nichtbefriedigung desselben einen Fehler begangen haben. Anfangs trank
ich dann zum zweiten Frhstck Bier, ging aber spter zu Portwein ber,
um durch die geringere Quantitt (50-60 CC.) die dem Krper bis zum
Mittagsessen einverleibte Flssigkeitsmenge so wenig als mglich von der
in Oldenburg genossenen differiren zu lassen.--War letzteres aber
geschehen, so war der Durst Mittags oft sehr gross; Hautthtigkeit,
Urinentleerung, Darmfunction u. s. w. hatten schon mehr erfordert, als
Morgens an Fluidis genossen war; es war offenbar der Krpersubstanz
schon Wasser entzogen und das Gefhl des Durstes fand in dieser Weise
leicht seine Erklrung. In der Regel wurde Mittags dann Wein und Wasser
getrunken; immer aber belief sich doch bei der 1-1/2 stndigen
Mittagstafel die Quantitt des Weines etwas hher, als in Oldenburg
(hier auf 2-300 CC., in Wangeroge auf 3-400 CC.), ein Verhltniss, das
allerdings fr den Stoffwechsel nicht gleichgltig sein konnte,
absichtlich aber auch nicht vermieden wurde, weil ich eben den Zweck
verfolgte, den Einfluss des Badelebens in summa zu studiren, und mich
also dem Verhalten der meisten Curgste mglichst anschloss.--Es wurde
oben schon bemerkt, dass es mir leider nicht mglich war, die Quantitt
der festen Speisen durch das Gewicht zu bestimmen; die Fluida wurden
dagegen stets, wo immer sie auch genossen wurden, in graduirten Glsern,
die ich mir eigens zu diesem Zwecke anfertigte, abgemessen; nur der
mitunter unvermeidliche Genuss von Bouillon (Mittags) machte eine
Ausnahme nothwendig; die Quantitt dieser konnte ich nur annhernd nach
Esslffeln, deren zwei 25 CC. enthielten, bestimmen. Der dabei mgliche
Irrthum ist fr die Resultate unerheblich.--

Ich hatte mir nun zunchst die Frage gestellt: ~in welcher Weise der
Aufenthalt auf der Insel, ohne zu baden, auf den Stoffwechsel
influire?~, nahm also in den ersten Tagen kein Bad, sondern genoss nur
die Seeluft in vollen Zgen, so viel und oft die Arbeit es
erlaubte.--Die Untersuchungen begannen am 13ten Juli und wurden in
dieser Weise zunchst 4 Tage lang fortgesetzt. Die Resultate waren
folgende[7]:

  [7] Die Lufttemperatur-Beobachtungen s. unten.--Die Barometerstnde
      konnten leider nicht notirt werden, da es an einem geeigneten
      Instrumente fehlte.--




IV. UNTERSUCHUNGSREIHE.


13-14. ~Juli~.

  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |7    | letzte |      |     |     |}
  30 M.|Wasser  |         |Uhr. |  Ent-  |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |     |leerung |      |     |     |}
       |Caffee  |brod     |     |        |      |     |     |}
       |        |         |8    |  33 CC.|  ?   |st.  |III. |} 7,544 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |klar.|}           stoff
  12 U.|100 CC. |Butter-  |9    |  52  " |1022  |st.  |dto. |} 0,016  "  Harn-
       |Wasser  |brod mit |Uhr  |        |      |s.   |     |}           sure
       |        |Schinken |10   | 238  " |1005  |s.   |II.  |} 0,394  "  Schwe-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |klar.|}           fels.
       |        |         |11   | 168  " |1007  |s.   |dto. |} 0,629  "  Phos-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |}           phors.
  2  " |350 CC. |Fleisch, |12   | 105  " |1011  |st.  |II-  |} 3,969  "  Chlor.
       |Rothw.  |Bohnen   |Uhr. |        |      |s.   |III. |}
       |        |Mehl-    |     |        |      |     |klar.|}
       |        |speise;  |1    |  60  " |1015,5|st.  |dto. |}
       |        |gekochtes|     |        |      |s.   |     |}
       |        |Obst.    +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Dessert. |6 St.| 656  " |1009,5|s.   |II-  |
       |        |         |     |        |      |     |III. |
       |        |         |     |        |      |     |klar.|
  3  " |100 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+
  30 M.|Caffee  |         |     |        |      |     |     |}17,211 Gr. Harn-
       |        |         |6    | 228 CC.|1021  |st.  |III. |}           stoff
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |klar.|} 0,142  "  Harn-
  8 U. |400 CC. |Butter-  |10 " | 255  " |1023  |s.   |dto. |}           sure
       |Thee    |brod     |Uhr  |        |      |     |     |} 1,052  "  Schwe-
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |         |6    | 200  " |1025  |st.  |dto. |} 1,500  "  Phos-
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}           phors.
  9  " |150  "  |         +-----+--------+------+-----+-----+} 5,464  "  Chlor.
       |Wasser  |         |17   | 683  " |1023  |st.  |III. |
       |        |         |St.  |        |      |s.   |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23   |1700 CC.|   --    |23   |1339  " |  --  | --  | --  | 24,755  "  Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,158  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,446  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,129  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               9,433  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ 13. Juli Morgens 9 Uhr 15 Min. 122 [Pfund] 10 Grm.
                   14.  "      "   10  "    --    121    "   100  "
  -------------------------------------------------------------------
                         Abnahme = 410 Gramm.

_Befinden:_ gut; der Appetit ist im Verhltniss zu Oldenburg nur wenig
vermehrt.

_Beschftigung:_ 6 St. Arbeit.--Mittags u. Abends Spaziergang am
Strande, im Ganzen circa 5 St.--Es bedarf jedoch der Bemerkung, dass
diese Spaziergnge _nie_ anstrengend waren und vielfach Gehen und Sitzen
am Strande wechselten. Die krperliche Bewegung war in Oldenburg ohne
Frage anstrengender.--7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ nur Nachmittags eine Zeit lang stark transpirirt; sonst
trockne, warme Haut.--

_Darmentleerung:_ 11 Uhr Morgens und 10-1/2 Uhr Abends mssig viel,
geballt.--

_Witterung:_ strmisch; Regen.--SW.-Wind.


14-15. ~Juli~.

  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6    |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  6 U. |400 "   |Butter-  |7    |  34 CC.|  ?   |st.  |III. |}
  30 M.|Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |s.   |klar.|}
       |        |         |8    |  82  " |1019,2|s.   |dto. |}10,355 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |}           stoff
  12 U.|   --   |Butter-  |9    |  58  " |1012  |s.   |II-  |} 0,084  "  Harn-
  30 M.|        |brod mit |Uhr. |        |      |     |III. |}           sure
       |        |Schinken |10   | 287  " |1005  |schw.| II. |} 0,556  "  Schwe-
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |klar.|}           fels.
       |        |         |11   |  69  " |1017  |s.   |II.  |} 0,709  "  Phos-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |}           phors.
       |        |         |12   | 105  " |1011  |st.  |II.  |} 4,746  "  Chlor.
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}
  2 U. |575 CC. |Fisch;   |1 Uhr|  60  " |1020  |st.  |III. |}
       |Wasser  |Hring u.|30 M.|        |      |s.   |     |}
       |u. Wein |Bohnen;  +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Mehlspei-|7-1/2| 695  " |1012  |st.  |III. |
       |        |se;      |St.  |        |      |s.   |     |
       |        |Kalbsbra-+-----+--------+------+-----+-----+
       |        |ten. Des-|     |        |      |     |     |
       |        |sert.    |     |        |      |     |     |
       |        |         |6    | 204 CC.|1025  |s.   |III. |}19,682 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |}           stoff
  3 "  |100 CC. |         |     |        |      |     |     |} 0,267  "  Harn-
  30 M.|Caffee  |         |     |        |      |     |     |}           sure
       |        |         |10   | 335  " |1021  |s.   |II-  |} 1,378  "  Schwe-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |III. |}           fels.
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |} 1,635  "  Phos-
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |}           phors.
       |        |         |6    | 218  " |1026  |s.   |III  |} 7,419  "  Chlor.
       |        |         |Uhr. |        |      |     |IV.  |}
  8 "  |400 CC. |Butter-  +-----+--------+------+-----+-----+
  30 M.|Thee    |brod     |16-  | 757  " |1024  |s.   |III. |
       |        |         |1/2  |        |      |     |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |1875 "  |   --    |24   |1452  " |  --  | --  | --  | 30,037 Gr. Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,351  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,934  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,344  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              12,165  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 290 Gramm.

_Befinden:_ gut; Abends etwas ermattet.--

_Beschftigung:_ Morgens 6 St. geschrieben u. gearbeitet. 2 St.
microscop. Beobachtungen. Nachmittags 2-1/2 St. gearbeitet. Die brige
Zeit meistens in der Luft. 7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ im Allgemeinen trockene, aber warme Haut.

_Darmentleerung:_ Morgens 9 Uhr ziemlich reichlich.--Die Farbe dunkel,
betrchtlich dunkler als in Oldenburg.

_Witterung:_ mssig windig.--WSW.--Einzelne Sonnenblicke. Kein Regen.--


15-16. ~Juli~.

  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |7    |  30CC.}|      |     |     |}
       |Caffee  |brod     |Uhr. |       }|1021  |     |     |}
       |        |         |8    |  85  "}|      |st.  |III. |}
       |        |         |Uhr. |       }|      |s.   |klar.|}
       |        |         |9  30| 165  " |1009  |s.   |II.  |}10,553 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |     |     |}           stoff
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}    Spuren Harn-
  12 U.|  --    |Butter-  |10   | 165  " |1006,5|s.   |I-II.|}           sure
       |        |brod mit |Uhr  |        |      |     |     |} 0,515 Gr. Schwe-
       |        |Schinken |15 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |         |11   | 248  " |1006  |kaum |dto. |} 0,947  "  Phos-
       |        |         |Uhr  |        |      |s.   |     |}           phors.
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |} 6,357  "  Chlor.
       |        |         |12   |  66  " |1018  |s.   |II-  |}
       |        |         |Uhr  |        |      |     |III. |}
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |}
  2 U. |200 CC. |Fisch.   |1 Uhr|  72  " |1020,5|st.  |III. |}
  30 M.|Suppe   |Wurzeln  |45 M.|        |      |s.   |     |}
       |400 CC. |u.       +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wein    |Schinken.|7-3/4| 831  " |1011  |s.   |III. |
       |        |Ochsen-  |St.  |        |      |     |     |
       |        |braten.  +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |
  3 U. |180  "  |         |6    | 180 CC.|1024  |s.   |III. |}17,931 Gr. Harn-
  30 M.|Caffee  |         |Uhr. |        |      |     |     |}           stoff
       |        |         |     |        |      |     |     |} 0,170  "  Harn-
  6 U. |200 CC. |         |10   | 270  " |1021,5|s.   |III. |}           sure
       |Wasser  |         |Uhr  |        |      |     |     |} 1,146  "  Schwe-
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |         |     |        |      |     |     |} 1,445  "  Phos-
  9 "  |400 CC. |Butter-  |6 Uhr| 245  " |1021  |st.  |III  |}           phors.
       |Thee    |brod     |15 M.|        |      |s.   |IV.  |} 5,768  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |16-  | 695  " |1022  |st.  |III- |
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |IV.  |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |1980 "  |   --    |24   |1526  " |  --  | --  | --  | 28,484 Gr. Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,170  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,661  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,392  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              12,125  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 261 Gramm.

_Befinden:_ Morgens frh wenig Appetit. Mittags gut.--Abends sehr gutes
Befinden. Im Allgemeinen knnte die geistige Regsamkeit frischer sein.--

_Beschftigung:_ 7-1/2 St. Arbeit im Zimmer.--2 St. microscop.
Beobacht.--Morgens frh 1 St. und Nachmittags 4 St. in der freien Luft
zugebracht.

_Hautfunction:_ Morgens stets trocken.

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr und Abends 10-1/2 Uhr ziemlich viel,
breiig.

_Witterung:_ Morgens: schn, sonnig, ruhig.--Abends fast gnzliche
Windstille. SSW.


16-17. ~Juli~.

  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |7 U. |  17CC.}|1026  |     |     |}
       |Caffee  |brod     |15 M.|       }|      |     |     |}
       |        |         |8 U. |  37 " }|      |s.   |III. |} 8,425 Gr. Harn-
       |        |         |15 M.|       }|      |st.  |klar.|}           stoff
       |        |         |     |       }|      |s.   |     |} kaum Spuren
       |        |         |9 U. |  55  " |1023  |s.   |III. |}           Harns.
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |} 0,495 Gr. Schwe-
  12 U.|350 CC. |Butter-  |10 U.| 232  " |1004,5|s.   |I-II.|}           fels.
       |bair. B.|brod mit |15 M.|        |      |     |     |} 0,859  "  Phos-
       |        |Fleisch  |11 U.|  82  " |1010  |st.  |II.  |}           phors.
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |} 3,097  "  Chlor.
       |        |         |1 U. | 403  " |1003,5|s.   |I-II.|}
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |}
  2 U. |150 CC. |Hhner in+-----+--------+------+-----+-----+
  30 M.|Bouill. |Reis;    |7 St.| 826  " |1008  |st.  |II.  |
       |400 CC. |Wurz. u. |     |        |      |s.   |     |
       |Wein    |Lachs;   +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Kalbs-   |6    | 262  " |1017  |st.  |III. |}18,350 Gr. Harn-
       |        |braten.  |Uhr. |        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |Dessert  |     |        |      |     |     |} 0,179  "  Harn-
  3 U. |120  "  |Dessert. |10   | 249  " |1020,5|st.  |II   |}           sure
  30 M.|Caffee  |         |Uhr  |        |      |s.   |III. |} 1,189  "  Schwe-
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |         |     |        |      |     |     |} 1,791  "  Phos-
  9 U. |400 CC. | Butter- |6 Uhr| 223  " |1021  |st.  |III- |}           phors.
       |Thee    |brod     |30 M.|        |      |s.   |IV.  |} 5,578  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |17-  | 734  " |1019,5|st.  |III. |
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2020 "  |  --     |24-  |1560  " |  --  | --  | --  | 26,775 Gr. Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,179  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,684  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,650  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               8,675  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ Morgens den 16. Juli 9 Uhr 40 Min. 122 [Pfund] 151 Grm.
                      "     "  17.  "   9  "  25  "   122    "    248  "
  -------------------------------------------------------------------------
                              Zunahme = 97 Gramm.

_Befinden:_ gut.--Nachmittags erlitt die Stimmung eine Depression durch
die Nachricht vom pltzlichen Tode eines Freundes.--

_Beschftigung:_ 8 St. Arbeit.--Die erste Stunde des Tages wurde
regelmssig am Strande mit Temperaturbestimmung des Wassers, der Luft
und ozonometrischen Beobachtungen hingebracht. Ebenso die Zeit von 7-3/4
- 8-1/4 Abends.--Uebrige Tageszeit in freier Luft.--7-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ durchaus keine starke Transpiration, aber stets angenehm
warme Haut.

_Darmentleerung:_ Abends 10 Uhr sehr wenig.--

_Witterung:_ O.-Wind.--Sehr warm. Klarer Sonnenschein.--

Bei der fr den Aufenthalt auf der Insel bestimmten Frist, durfte ich,
um die Untersuchung nach dem gefassten Plane durchfhren zu knnen, die
Beobachtungen ber die ausschliessliche Einwirkung der Luft nicht
lnger, als diese 4 Tage hindurch fortsetzen.--Die Resultate, die sie
lieferten, sind aber nichtsdestoweniger zuverlssig.--Die smmtlichen
der Willkr unterworfenen Lebensverhltnisse, und insonderheit die
geistigen und krperlichen Anstrengungen waren der Art, dass durch sie
die aufgefundene Zunahme der Intensitt des Stoffwechsels nicht
herbeigefhrt werden konnte; die letztern waren geradezu geringer als in
Oldenburg; die Resultate der Untersuchungen konnten somit nur durch
Verhltnisse bedingt sein, denen man sich nicht zu entziehen vermochte,
d. h. durch klimatische Einflsse.--Berechnen wir aber die Mittelwerthe
der einzelnen Beobachtungen, so ergiebt sich, dass bei dem Genuss von
tglich 1894 CC. Fluidis 1469 CC. Urin entleert wurden, und dass in
diesem enthalten waren: 27,513 Grm. Harnstoff, 0,214 Grm. Harnsure,
1,681 Grm. Schwefelsure, 2,379 Grm. Phosphorsure und 10,599 Grm.
Chlor; dabei nahm das Krpergewicht tglich um 59,5 Grm. zu; und sehen
wir ferner, wie sich diese Quantitten auf die Morgenstunden von 6-1
Uhr, und die brige Tageszeit vertheilen, so wurden

  in den Vormittagsstunden entleert: 752 CC. Urin mit
                                   9,219 Grm. Harnstoff
                                   0,025  "   Harnsure
                                   0,490  "   Schwefelsure
                                   0,786  "   Phosphorsure und
                                   4,542  "   Chlor.
  in den brigen Tagesstunden:       717 CC. Urin mit
                                  18,293 Grm. Harnstoff
                                   0,189  "   Harnsure
                                   1,191  "   Schwefelsure
                                   1,593  "   Phosphorsure und
                                   6,057  "   Chlor.

Diese Zahlenwerthe geben, verglichen mit den in Oldenburg erhaltenen,
schon zu nicht unwichtigen Reflexionen und Schlssen Anlass.--Die
Quantitt der in Wangeroge genossenen Fluida war zunchst nahezu
dieselbe, wie die in Oldenburg; sie war um nur 27 CC. per Tag
geringer.--Die Quantitt des Urins fiel dagegen um 150 CC. grsser aus,
als in Oldenburg, ein Verhltniss, welches ohne Frage seine Erklrung
darin findet, dass die Hautausdnstung in W. whrend der 4
Untersuchungstage viel geringer war, als in Oldenburg.-- Der Harnstoff
belief sich um 3 Grm. hher, als im Juli, und um circa 2 Grm. hher als
im Januar und Februar in Oldenburg.--Diese Vermehrung musste
ausschliesslich in einer vermehrten Einnahme an Nahrungsmaterial ihren
Grund haben; denn, wie oben erwhnt, nahm das Krpergewicht whrend
dieser Zeit nicht ab, sondern tglich um 59,2 Grm. zu. Aber ich bemerkte
schon oben, dass der Appetit keineswegs sehr auffallend vermehrt war,
ich wiederhole hier, dass nur ganz dem Bedrfniss entsprechend, und ganz
in gleicher Weise, wie in Oldenburg, Nahrung genommen wurde. Dass sie
dabei betrchtlicher ausfiel, als auf dem Festlande, war nicht Folge
einer Willkr, es war eine Nothwendigkeit, der ich nicht ausweichen
konnte, wenn ich nicht Hunger leiden, d. h. mein Befinden stren wollte.
Entsprechend dem Harnstoff finden wir die Schwefelsure des Urins um
0,28 Grm. tglich vermehrt. Wir wissen, dass die Schwefelsure, wie der
Harnstoff, ihre Hauptquelle in den Albuminaten der Nahrungsmittel hat;
die Vermehrung kann also nach dem eben Gesagten nicht auffallen, und
dass nicht etwa das Trinkwasser daran Schuld war, geht daraus hervor,
dass dasselbe nach meiner Bestimmung mittelst Titrirens in Wanger. in
100 CC. = 0,015 Grm., in Oldenb. = 0,0187 Grm. enthielt.--Das Chlor war
nur unbedeutend vermehrt, tglich um 0,38 Grm. Dieses Quantum darf mit
Fug und Recht auf die vermehrte Einnahme fester Nahrungsbestandtheile
geschoben werden; das Trinkwasser konnte auch diese Verschiedenheit
nicht bedingen, da dasselbe in Wangeroge in 100 CC. 0,095 Grm., in
Oldenburg 0,090 Grm. Chlor enthielt[8].--Wie aber verhielt sich diesen
Befunden gegenber der Mittelwerth fr die tglich entleerte Harnsure
und Phosphorsure?--Es kann nicht anders, als auffallend bezeichnet
werden, dass wir nicht nur keiner Vermehrung derselben, sondern sogar
einer Verminderung begegnen, einer Verminderung nicht nur im Verhltniss
zu den im Juli, sondern selbst im Verhltniss zu den in der kalten
Winterzeit in Oldenburg gewonnenen Resultaten!--Diese unzweifelhafte
Thatsache treibt uns mit Nothwendigkeit zu dem Schluss, dass Harnsure
und Phosphorsure andern Gesetzen der Stoffmetamorphose unterliegen, als
Harnstoff und Schwefelsure. Letztere beide wachsen und nehmen ab je
nach der grssern oder geringern Quantitt eingefhrter Albuminate
(stickstoffhaltiger Nahrungsbestandtheile); jene dagegen vermehren und
vermindern sich offenbar je nach der geringern oder grssern Intensitt
der Oxydationsprocesse; sie verhalten sich umgekehrt wie jene; ein
gesteigerter Oxydationsprocess, wie er ohne Frage auch hier Statt
hatte, vermehrt, entsprechend der Nahrungseinnahme, Harnstoff- und
Schwefelsureausscheidung, vermindert dagegen Harnsure- und
Phosphorsuregehalt des Urins. Wre der Phosphorsuregehalt des Urins,
hnlich wie der Schwefelsuregehalt, nur ein Ausdruck fr die grssere
oder geringere Quantitt eingefhrter Nahrungsmittel (Phosphate), so
htte er in Wangeroge offenbar auch hher ausfallen mssen, als in
Oldenburg, und den landeskundigen Freunden bemerke ich ausdrcklich,
dass ich in Wangeroge tglich dieselbe Quantitt des an Phosphorsure
reichen Schwarzbrodes genoss, wie in Oldenburg. Er fiel aber nicht nur
relativ, sondern auch absolut nicht unbedeutend geringer aus, als in
Oldenburg, und solches Verhltniss kann kaum in etwas Anderem seinen
Grund haben, als in Vernderungen der Stoffmetamorphose, die eine
verminderte Ausscheidung an Phosphorsure bedingten, zu einer Retention
derselben im Organismus fhrten.--Fragen wir nach der Art dieser
Vernderungen, so mssen wir eine ber alle Zweifel erhabene Antwort
schuldig bleiben. Nach meinen vielfachen frhern Untersuchungen kann ich
aber nicht anders, als auf das oft von mir beregte Verhltniss der
Oxalsurebildung recurriren, und ich glaube eben in den aufgefundenen
Verhltnissen auf's Neue eine Besttigung dafr gefunden zu haben.--Ich
habe den Satz aufgestellt[9], dass eine retardirte Metamorphose der
Albuminate in mangelhafter Oxydation der Harnsure und ihrer
Zerlegungsproducte, in spec. der Oxalsure einen Ausdruck finde; dass
eine mangelhafte Oxydation dieser letztern zu Kohlensure eine vermehrte
Auflsung und Ausscheidung von dem organischen Nexus angehrigen
Erdphosphaten bedinge, dass eine solche vermehrte Ausscheidung von
Erdphosphaten aber allemal mit Abmagerung des Krpers verbunden sei,
weil eben der phosphorsaure Kalk ein nothwendiges Requisit fr die
Zellenbildung abgebe. Ich habe darauf hingewiesen, dass diese Zustnde
insonderheit frappant bei scrophulsen, namentlich atrophischen Kindern
hervortreten, und die tgliche Beobachtung lehrt uns, dass diese Kinder
grosse Quantitten von Harnsure, Oxalsure und Erdphosphaten mit dem
Urin ausscheiden. Wir erfahren jetzt, dass der Aufenthalt auf der
Nordsee-Insel die Oxydationsprocesse steigert, grossen Bedarf an
Nahrungsmaterial bedingt; aber die Harnsure und der Phosphorsuregehalt
des Urins vermindern sich dessohnerachtet. Knnen wir zweifeln, dass
raschere Oxydation der Harnsure, rascheres Zerfallen in Oxalsure und
Harnstoff, raschere Oxydation der so entstandenen Oxalsure und
eventualiter verminderte Ausscheidung von Phosphorsure (Erdphosphaten)
in dieser Weise bedingt sind? Steht damit die Gewichtszunahme des
Krpers, d. h. also der gesteigerte Ernhrungsprocess nicht im schnsten
Einklange? Ich habe es in Oldenburg versucht, so viel als mglich
Nahrung zu mir zu nehmen; der Erfolg war der, dass die Quantitt des
entleerten Harnstoffs allerdings wuchs, die Harnsure aber ebenfalls
zunahm, die Phosphorsure ebenfalls in vermehrter Quantitt
ausgeschieden wurde und das Krpergewicht in 24 Stunden nicht zu-
sondern abnahm; und solche Ergebnisse liefert uns die Praxis bei
vielessenden scrophulsen Kindern in Menge. Am Seestrande blhen aber
gerade diese, auch ohne zu baden, in auffallendster Weise auf, wie ich
mich auch in diesem Jahre in Wangeroge und vor 3 Jahren an der
englischen Kste auf das Unzweideutigste berzeugt habe; die harnsauren
Salz-Sedimente schwinden, der Gehalt des Urins an oxalsaurem Kalk und
phosphorsauren Erden nimmt ab.--Kann man ber den physiologischen Nexus
dieser Facta in Zweifel sein? Kann man es insonderheit bei
Bercksichtigung der hohen Wichtigkeit, den die Phosphorsure allen
Untersuchungen zufolge fr den Ernhrungsprocess besitzt?--Doch ich
berlasse es Jedem, sich eine andere Theorie zu schaffen; mir steht die
gegebene Erklrung mit allen Thatsachen in so leicht verstndlichem
Zusammenhang, dass ich nicht davon abzugehen vermag.--

  [8] Diese Bestimmungen wurden ganz in derselben Weise vorgenommen, wie
      beim Urin. Selbstverstndlich wurde behuf der Chlorbestimmung eine
      knstliche Harnstofflsung mit dem betreffenden Wasser bereitet,
      im Uebrigen dann ganz, wie bei der Chlorbestimmung im Harn
      verfahren.--

  [9] Vrgl. meine Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. Gttingen 1852.

Fassen wir es also nochmals kurz zusammen: der ausschliessliche
Genuss der Seeluft auf Wangeroge hatte bei mir eine Steigerung
des Nahrungsbedrfnisses zur Folge; in Folge dieses wurde mehr
Material eingefhrt, in dem Urin fand sich eine entsprechende
Vermehrung des Harnstoffs und der Schwefelsure wieder; Harnsure
und Phosphorsuregehalt des Urins waren dagegen nicht nur nicht
vermehrt, sondern absolut und relativ vermindert; ein gesteigerter
Oxydationsprocess fand in dieser Weise seinen Ausspruch. Der Krper
gewann an Phosphorsure und zwar in 4 Tagen etwa 2 Grm.--Das
Krpergewicht nahm dabei um 238 Grm. zu.--

Wie vertheilten sich diese Verhltnisse auf die Morgenstunden und brige
Tageszeit?--Werfen wir einen Blick auf die oben mitgetheilten
Zahlenwerthe, so ist leicht ersichtlich, dass die Stoffmetamorphose in
den Morgenstunden die strkste Beschleunigung whrend der 24
Tagesstunden erfuhr. Bei gleicher Quantitt und Qualitt der Morgens
genossenen Fluida wurden statt der 543 CC. in Oldenb., in Wang. 752 CC.
Fluida entleert, statt 6,85 Grm. Harnstoff 9,21 Grm., statt 0,30 Grm.
Schwefelsure 0,49 Grm. Die besprochene Verminderung der Harnsure war
eine absolute; statt 0,047 Grm. wurden nur 0,025 Grm. ausgeschieden; die
der Phosphorsure dagegen nur eine relative; statt 0,68 Grm.
Phosphorsure wurden 0,78 Grm. entleert. Nachmittags und Nachts war es
anders. Die Beschleunigung des Stoffwechsels war weniger auffllig;
statt 17,57 Grm. Harnstoff wurden nur 18,29 Grm., statt 1,10 Grm.
Schwefelsure nur 1,19 Grm. ausgeschieden; die gesteigerte Oxydation
sprach sich dagegen auf das deutlichste aus, statt 0,37 Grm. Harnsure
wurden nur 0,18 Grm., statt 2,20 Grm. Phosphorsure nur 1,59 Grm.
ausgeschieden. Ich weiss mir diese Verhltnisse kaum anders zu erklren,
als dadurch, dass die Morgenstunden die einzige Zeit des Tages bildeten,
in der ich mich einer anhaltenden Thtigkeit im Zimmer unterzog, die
Nachmittagsstunden dagegen zum grssten Theil in der frischen Seeluft
zugebracht wurden, so dass diese und gleichzeitig die nchtlichen
Stunden hauptschlich als die Zeit der gesteigerten Oxydationsprocesse
und des gehobenen Ernhrungsprocesses, der Anbildung bezeichnet werden
drften.--

Auffllig war endlich noch ein Umstand; ich meine den der stets stark
sauren oder sauren und niemals neutralen Reaction des Urins, wie sie
doch in Oldenburg vorkam.--Bei dem verminderten Gehalt des Urins an
Phosphorsure knnte man geneigt sein, diesen vermehrten Suregehalt des
Urins von einem grssern Gehalte desselben an organischen Suren
herzuleiten. Allein es ist dies der Bestimmtheit gesteigerter
Oxydationsprocesse gegenber eine missliche Annahme; mglich, dass das
Quantum der mit Natron verbundenen, die saure Reaction des Urins
insonderheit bedingenden Phosphorsure der Einnahme entsprechend eher
vermehrt, als vermindert war, das minus der Phosphorsure in summa aber
insonderheit von einem verminderten Gehalte des Urins an Erdphosphaten
herrhrte.--Ich muss die Frage in suspenso lassen. Das Factum des
gesteigerten Suregrades steht fest.--

Hiernach ging ich zu den Untersuchungen ber die Einwirkung des
Aufenthalts auf der Insel, inclusive eines tglich genommenen Bades,
ber.--Wegen der in den nchsten Tagen in die Mittagsstunden fallenden
Badezeit, war es nicht wohl mglich, sogleich die momentane Einwirkung
des Bades zu studiren, da die Vorbereitungen dazu nur auf ein in die
frhen Morgenstunden fallendes Bad berechnet waren.--Ich untersuchte
daher in den ersten 3 Tagen nur den Urin von je 24 Stunden, und in den
folgenden 4 Tagen erst wieder den der Morgen- und brigen Tagesstunden
getrennt.--Die Temperatur des Seewassers wurde an dem Badeplatze mit
einem Greiner'schen in 1/10 Grade getheilten Thermometer nach Reaumur
bestimmt.--Bevor ich zu den Betrachtungen der Resultate dieser
Untersuchungen bergehe, lasse ich sie selbst folgen:




V. UNTERSUCHUNGSREIHE.


17-18. ~Juli~.

               _Seebad:_ Mittags 12 Uhr 30 Min.--Dauer: 5 Minuten.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7    |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8 Uhr|400 CC. |Butter-  |9    |  94 CC.|1021  |st.  |III. |}
  15 M.|Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |}
       |        |         |10   | 150  " |1012  |s.   |II-  |}
       |        |         |Uhr  |        |      |     |III. |}
       |        |         |40 M.|        |      |     |     |}
       |        |         |11   | 170  " |1006  |s.   |I-II.|}
       |        |         |Uhr  |        |      |     |     |}
       |        |         |40 M.|        |      |     |     |}
  1 Uhr|390 CC. |Butter-  |1 Uhr| 150  " |1009  |st.  |II.  |}
  10 M.|Bier    |brod mit |10 M.|        |      |s.   |     |}27,932 Gr. Harn-
       |        |Schinken |2 Uhr| 352  " |1001,5|s.   |I.   |}           stoff
       |        |         |10 M.|        |      |     |     |} 0,277  "  Harn-
       |        |         |3 Uhr|  68  " |1016  |st.  |II.  |}           sure
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |} 1,827  "  Schwe-
  3 Uhr|150  "  |Hhner u.+-----+--------+------+-----+-----+}           fels.
  30 M.|Bouill. |Reis;    |9 St.| 988  " |1010  |st.  |II.  |} 2,663  "  Phos-
       |470 CC. |Erbsen;  |     |        |      |s.   |     |}           phors.
       |Wein u. |Rinder-  +-----+--------+------+-----+-----+} 9,500  "  Chlor.
       |Wasser  |braten;  |7 U. | 224  " |1019  |st.  |III. |}
       |        |Dessert. |30 M.|        |      |s.   |     |}
  5    |135 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  Uhr. |Caffee  |         |10 U.| 180  " |1021  |st.  |(II)-|}
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |III. |}
  8 Uhr|200 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
       |        |         |7    | 232  " |1024  |st.  |III. |}
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}
  9    |400 CC. |Butter-  +-----+--------+------+-----+-----+
  Uhr. |Thee    |brod     |15   | 636  " |1022  |st.  |III. |
       |        |         |3/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2345 "  |   --    |24-  |1624  " |1015  |st.  |II-  |
  3/4  |        |         |3/4  |        |      |s.   |III. |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

  _Krpergewicht:_ 17. Juli Morgens 9 Uhr 25 Min. 122 [Pfund] 248 Grm.
                   18.  "      "    9  "  30  "   122    "     60  "
  --------------------------------------------------------------------
                          Abnahme = 188 Gramm.

_Befinden:_ im Allgemeinen gut; nach dem Bade etwas ermattet. Abends
frisch.--

_Beschftigung:_ 7 St. Arbeit.--6 St. im Freien.--8 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Mittags nach dem Bade u. Abends stark transpirirt.--Die
bethtigte Hautfunction giebt sich durch das Erscheinen einiger
Ecthyma-Pusteln im Gesicht kund.

_Darmentleerung:_ Morgens 11 Uhr 40 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min.
wenig.--

_Witterung:_ OSO.--Nachmittags schwle, drckende Luft. Abends Regen.--


18-19. ~Juli~.

               _Seebad:_ Mittags 1 Uhr 20 Min. 18 R.--Dauer 5 Minuten.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |8 U. |  48 CC.|1025  |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |30 M.|        |      |s.   |     |}
       |        |         |9 U. |  54  " |1021  |st.  |II-  |}
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |III. |}27,785 Gr. Harn-
  2 U. |350 CC. |Butter-  |10 U.| 112  " |1017  |s.   |II.  |}           stoff
       |Bier    |brod mit |40 M.|        |      |     |     |} 0,285  "  Harn-
       |        |Schinken |11 U.| 122  " |1012  |s.   |II.  |}           sure
       |        |         |40 M.|        |      |     |     |} 1,802  "  Schwe-
       |        |         |12 U.|  64  " |1017  |s.   |II.  |}           fels.
       |        |         |40 M.|        |      |     |     |} 2,810  "  Phos-
  4 U. |100 "   |Fisch;   | 2 U.| 134  " |1009  |st.  |I-II.|}           phors.
       |Suppe   |Kartof-  |     |        |      |s.   |     |}11,083  "  Chlor.
       |450 CC. |feln,    |3 U. | 355  " |1001  |st.  |I.   |}
       |Wein u. |Kohl u.  |5 M. |        |      |s.   |     |}
       |Wasser  |Fricadel-|4 U. |  46  " |1016  |st.  |II.  |}
       |        |len;     |     |        |      |s.   |     |}
       |        |Kalbs-   +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |braten.  |9 St.| 935  " |1010  |st.  |II.  |
       |        |Dessert. |     |        |      |s.   |     |
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
  5 "  |110 CC. |         |     |        |      |     |     |
       |Caffee  |         |7 U. | 166 CC.|1022  |st.  |III. |
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |
  9 "  |200 CC. |         |10 U.| 200  " |1019  |s.   |II-  |
       |Wasser  |         |15 M.|        |      |     |III. |
       |200 CC. |  --     |6 U. | 260  " |1024  |st.  |III. |
       |Thee    |         |30 M.|        |      |s.   |     |
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |14-  | 626  " |1022  |st.  |III. |
       |        |         |1/2  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |2010  " |  --     |23-  |1561  " |1015  |st.  |II-  |
  1/2  |        |         |1/2  |        |      |s.   |III. |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

_Krpergewicht:_ Verlust = 98 Gramm.

_Befinden:_ gut; Abends abgespannt und mde.--Appetit nur
mssig.--Morgens beim Erwachen unreiner Geschmack und belegte Zunge.--

_Beschftigung:_ 7 St. gearbeitet.--Viel am Strande auf- und
niedergegangen.--8 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Abends stark transpirirt.--

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 30 Min. u. Abends 10 Uhr 15 Min.
reichlich, weich-breiig, dunkel gefrbt.

_Witterung:_ Morgens viel Sonne. Nachmittags bedeckter Himmel.
O.-Wind.--


19-20. ~Juli~.

               _Seebad:_ 2 Uhr 30 Min. 19,1 R. warm.--Dauer: 7 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7 U. |400 CC. |Butter-  |7 U. |  33 CC.|  ?   |st.  |III. |}
  15 M.|Caffee  |brod     |40 M.|        |      |s.   |     |}
       |        |         |9 U. |  90  " |1020  |st.  |III. |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         |11 " | 175  " |1015  |st.  |II-  |}
       |        |         |     |        |      |s.   |III. |}
  1 U. |370 CC. |Butter-  |12 " | 152  " |1009  |st.  |I-II.|}
  5 M. |Bier    |brod mit |     |        |      |     |     |}
       |        |Schinken.|1  " | 112  " |1009  |st.  |I.   |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         |2  " |  62  " |1016  |st.  |II.  |}28,390 Gr. Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}           stoff
  4 U. |100  "  |Rindfl.  |3  " | 138  " |1011  |st.  |II.  |} 0,290  "  Harn-
  30 M.|Bouillon|u. Kar-  |30 M.|        |      |s.   |     |}           sure
       |500 CC. |toffeln; |4 U. |  42  " |1021  |st.  |III. |} 1,717  "  Schwe-
       |Wasser  |Erbsen u.|30 M.|        |      |s.   |     |}           fels.
       |u. Wein |Schinken;+-----+--------+------+-----+-----+} 2,593  "  Phos-
       |        |Rinder-  |10   | 804  " |1014  |st.  |II.  |}           phors.
       |        |braten.  |St.  |        |      |s.   |     |}11,005  "  Chlor.
       |        |Dessert. +-----+--------+------+-----+-----+}
       |        |         |10 U.| 360 CC.|1020  |st.  |III. |}
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |}
  6 U. |110 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  15 M.|Caffee  |         |     |        |      |     |     |}
       |        |         |5 U. | 238  " |1022  |st.  |III. |}
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |}
  9 U. |400 CC. |Butter-  +-----+--------+------+-----+-----+}
       |Thee    |brod     |13-  | 598  " |1020,8|st.  |III. |}
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |     |}
       |        |         |St.  |        |      |     |     |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |2080 "  |  --     |23-  |1402  " |1017  |st.  |II-  |
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |s.   |III. |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

_Krpergewicht:_ Zunahme = 198 Gramm.

_Befinden:_ Morgens nicht gut; matt; auch nach dem Bade bleibt die
Mdigkeit. Abends dagegen sehr frisch.--Appetit krftig.--

_Beschftigung:_ 7 St. gearbeitet.--Krperliche Bewegung unbedeutend.
7-1/2 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ ?--

_Darmentleerung:_ 9 Uhr Morgens und 10 Uhr 45 Min. Abends mssig
viel;--dunkel gefrbt.

_Witterung:_ heiterer Himmel. Sonnenschein. Bedeutende Wrme.
WNW.-Wind.--


20-21. ~Juli~.

               _Seebad:_ 6 Uhr Morgens. 14,7 R. warm.--Dauer: 7 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  5 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  50 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7 U. |400 CC. |Butter-  |6 U. |  65 CC.|1019  |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |45 M.|        |      |s.   |     |} 9,868 Gr. Harn-
       |        |         |7 U. |  88  " |1017  |st.  | "   |}           stoff
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |} 0,094  "  Harn-
       |        |         |8 U. |  77  " |1017  |st.  |II.  |}           sure
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |} 0,592  "  Schwe-
       |        |         |10 U.| 138  " |1013  |s.   | "   |}           fels.
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |} 0,847  "  Phos-
  12 " |600 CC. |Gekochter|11 U.| 211  " |1006  |st.  |I.   |}           phors.
  30 M.|Wasser  |Schinken |20 M.|        |      |s.   |     |} 4,861  "  Chlor.
       |u. Wein |u. Kohl. |12 U.| 152  " |1006,5|s.   | "   |}
       |        |Rinder-  |15 M.|        |      |     |     |}
       |        |braten.  +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Dessert. | 6-  | 731  " |1011,5|st.  |II.  |
       |        |         |1/2  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  3 U. |120 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |Caffee  |         |5 U. | 227 CC.|1023,5|st.  |III. |}18,299 Gr. Harn-
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |11 U.| 234  " |1022  |st.  |III. |} 0,277  "  Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}           sure
  8 "  |400 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |} 1,350  "  Schwe-
  30 M.|Thee    |brod und |     |        |      |     |     |}           fels.
       |        |Schinken |6 U. | 170  " |1027  |st.  |III- |} 1,741  "  Phos-
       |        |         |     |        |      |s.   |IV.  |}           phors.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+} 5,048  "  Chlor.
       |        |         |17-  | 631  " |1024  |st.  |III. |
       |        |         |3/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |1720 "  |  --     |24-  |1362  " |  --  | --  | --  | 28,167 Gr. Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,371  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,942  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,588  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               9,909  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 452 Gramm.

_Befinden:_ gut; das Bad macht in den nchstfolgenden Stunden mehr matt
als frisch.--

_Beschftigung:_ 7-8 St. gearbeitet.--7 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ bedeutend bethtigt. Schon Morgens 8 Uhr stark
transpirirt. Ebenso Nachmittags beim Strandspaziergang.--

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 45 Min. mssig viel, weich-breiig;
Abends 11 Uhr wenig, hrtlich.

_Witterung:_ SOS.-Wind.--Sehr bedeutende Wrme. Nachts Gewitter.


21-22. ~Juli~.

               _Seebad:_ 6 Uhr 30 Min. 14,6 R. warm.--Dauer: 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6    |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7    |400 CC. |Butter-  |7    |  51 CC.|1021  |     |III. |}
  Uhr. |Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |     |     |}
       |        |         |8 Uhr|  48  "}|      |     |     |}
       |        |         |15 M.|       }|1023  |st.  | "   |} 8,580 Gr. Harn-
       |        |         |9    |  45  "}|      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |Uhr. |       }|      |     |     |} 0,121  "  Harn-
       |        |         |10   |  48  " |1021  |st.  | "   |}           sure
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,468  "  Schwe-
  1    |680 CC. |Fisch u. |11 " |  45  " |1020  |st.  | "   |}           fels.
  Uhr. |Wasser  |Kartoff.,|Uhr  |        |      |s.   |     |} 0,742  "  Phos-
       |u. Wein |Blumen-  |15 M.|        |      |     |     |}           phors.
       |        |kohl und |11   |  30  "}|      |     |     |} 2,465  "  Chlor.
       |        |Wurst;   |50 M.|       }|1022  |s.   | "   |}
       |        |Kalbsbra-|1    |  45  "}|      |     |     |}
       |        |ten. Des-|Uhr. |       }|      |     |     |}
       |        |sert.    +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |7 St.| 312  " |1022  |st.  |III. |
       |        |         |     |        |      |s.   |     |
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+}21,027 Gr. Harn-
  2 Uhr|110 CC. |         |6    | 195 CC.|1023  |st.  |III. |}           stoff
  30 M.|Caffee  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,284  "  Harn-
  8    |400 CC. |Butter-  |11   | 254  " |1025,5|st.  | "   |}           sure
  Uhr. |Thee    |brod und |Uhr  |        |      |s.   |     |} 1,553  "  Schwe-
       |        |Eier.    |30 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |150  "  |         |6 Uhr| 198  " |1022  |st.  | "   |} 1,967  "  Phos-
       |Wasser  |         |45 M.|        |      |s.   |     |}           phors.
  10 " |100 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+} 4,917  "  Chlor.
  Uhr  |Wein    |         |17-  | 647  " |1024  |st.  |III. |
  30 M.|        |         |3/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2040 "  |  --     |24-  | 959  " |  --  | --  | --  | 29,607 Gr. Harn-
  3/4  |        |         |3/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,405  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               2,021  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,709  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               7,382  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 600 Gramm.

_Befinden:_ gut; die enorme Hitze bt jedoch einen ermattenden Einfluss.

_Beschftigung:_ 6 St. Arbeit.--Lange Zeit am Strande zugebracht. Abends
8 - 9-1/2 Uhr Besuch eines Concertes.--7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ bestndig leichtere oder strkere Transpiration.--

_Darmentleerung:_ 10 Uhr Morgens, 3 Uhr Nachmittags u. 11 U. 30 Min.
reichliche, weich-breiige Sedes.

_Witterung:_ sehr bedeutende Wrme.--SO.-Wind.--(Mittags 22 R. im
Schatten.)


22-23. ~Juli~.

               _Seebad:_ Morgens 7 Uhr 30 Min. 16,3 R. warm.--Dauer: 5 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8 Uhr|200 CC. |         |     |        |      |     |     |
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
       |400 CC. |Butter-  |8 U. |  73 CC.|1021  |st.  |III. |} 7,212 Gr. Harn-
       |Caffee  |brod     |45 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |10 U.|  99  " |1019,5|st.  | "   |} 0,076  "  Harn-
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |}           sure
       |        |         |12 U.| 220  " |1008,5|s.   | "   |} 0,429  "  Schwe-
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+} 0,643  "  Phos-
       |        |         |6 St.| 392  " |1013  |st.  |III. |}           phors.
       |        |         |     |        |      |s.   |     |} 2,685  "  Chlor.
  1 "  |600 CC. |Fisch u. +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wein u. |Kartoff.;|     |        |      |     |     |
       |Wasser  |Erbsen u.|6 Uhr| 311 CC.|1020  |s.   |III. |
       |        |Fricadel-|     |        |      |     |     |
       |        |len;     |     |        |      |     |     |
       |        |Kalbs-   |     |        |      |     |     |
       |        |brat.    |     |        |      |     |     |
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |
  2 "  |110 CC. |         |8  " | 128  " |1021,5|s.   | "   |}21,762 Gr. Harn-
  30 M.|Caffee  |         |30 M.|        |      |     |     |}           stoff
       |        |         |     |        |      |     |     |} 0,118  "  Harn-
  7 Uhr|200 CC. |         |10 U.| 165  " |1019,5|s.   | "   |}           sure
       |Wasser  |         |30 M.|        |      |     |     |} 1,467  "  Schwe-
       |        |         |     |        |      |     |     |}           fels.
  8  " |400 CC. |Butter-  |6 U. | 202  " |1025  |st.  |III  |} 1,757  "  Phos-
  30 M.|Thee    |brod.--  |45 M.|        |      |s.   |IV.  |}           phors.
       |        |Schinken.+-----+--------+------+-----+-----+} 6,246  "  Chlor.
       |        |         |18   | 806  " |1021,5|st.  |III. |
       |        |         |St.  |        |      |s.   |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |1910 "  |  --     |24   |1198  " |  --  | --  | --  | 28,974  "  Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,194  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,896  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,400  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               8,931  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme: 249 Gramm.

_Befinden:_ gut; Abends schwerfllig, mde;--deprimirte Stimmung.

_Beschftigung:_ 6-1/2 St. gearbeitet.--Ausser Spaziergngen einige
Krankenbesuche.--8 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Haut bestndig feucht, zeitweilig stark
transpirirend.--Die Schweisse reagiren sehr stark sauer.--

_Darmentleerung:_ Abends 8-1/2 Uhr mssig viel.--

_Witterung:_ O.-Wind.--Morgens sehr schwl.--Die enorme Hitze hlt an.--


23-24. ~Juli~.

               _Seebad:_ 7 Uhr 15 Min. 17,3 R. warm.--Dauer: 7 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7    |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8    |400 CC. |Butter-  |7 U. | 28 CC.}|      |     |     |} 7,370 Gr. Harn-
  Uhr. |Caffee  |brod     |45 M.|       }|1019,5|s.   |III. |}           stoff
       |        |         |8 U. | 45  " }|      |     |     |} 0,087  "  Harn-
       |        |         |45 M.|       }|      |     |     |}           sure
  12   | --     |Butter-  |9 U. |  78 "  |1022  |st.  | "   |} 0,416  "  Schwe-
  Uhr. |        |brod mit |50 M.         |      |s.   |     |}           fels.
       |        |Caviar.  |11 U.| 110 "  | 1016 |s.   | "   |} 0,609  "  Phos-
       |        |         |50 M.|        |      |     |     |}           phors.
       |        |         |12 U.|  50 "  |1021,5|s.   | "   |} 3,141  "  Chlor.
       |        |         |50 M.|        |      |     |     |}
  2    |200 CC. |Hummer;  +-----+--------+------+-----+-----+
  Uhr. |Bouillon|Kohl u.  |6 St.| 311 "  |1019  |s.   |III. |
       |500 CC. |Schink.; +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wein u. |Hhner-  |     |        |      |     |     |}20,143 Gr. Harn-
       |Wasser  |brat.;   |     |        |      |     |     |}           stoff
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |} 0,247  "  Harn-
  4    |120 CC. |         |6 U. | 212 CC.|1027  |st.  |III. |}           sure
  Uhr. |Caffee  |         |30 M.|        |      |s.   |     |} 1,626  "  Schwe-
       |200 CC. |         |10 U.| 199  " |1025  |st.  | "   |}           fels.
       |Wasser  |         |30 M.|        |      |s.   |     |} 1,946  "  Phos-
  4 Uhr|200 CC. |         |7 U. | 205  " |1027  |s.   | "   |}           phors.
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |} 4,373  "  Chlor.
  8 Uhr|350 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  15 M.|Wasser  |         +-----+--------+------+-----+-----+
  8 Uhr|400 CC. |Butter-  |18-  | 616  " |1026,5|st.  |III. |
  30 M.|Thee    |brod     |1/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2570 "  | --      |24-  | 927  " |  --  | --  | --  | 27,513 Gr. Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,334  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               2,042  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,555  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               7,514  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ Morg. den 23. Juli 9 Uhr 50 Min. = 122 [Pfund]  59 Gramm.
                     "    "  24.  "  10  "  40  "   = 123    "    152   "
  --------------------------------------------------------------------------
                            Zunahme = 593 Gramm.

_Befinden:_ gut; gegen Abend Mangel gewohnter Frische.--Nachmittags sehr
starker Durst.

_Beschftigung:_ 6 St. gearbeitet.--8-1/2 St. Schlaf.

_Hautthtigkeit:_ starke Transpiration. Die Haut ist stets feucht.--

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 45 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min.
ziemlich viel.--

_Witterung:_ NON.-Wind.--Die Hitze hlt an.--

Die Mittelwerthe der vorstehenden 7tgigen Untersuchungsreihe berechnen
sich fr die 24stndige Periode in folgender Weise: bei der tglichen
Einnahme von 2096 CC. Fluidis wurden 1290 CC. Urin entleert, und in
diesen waren enthalten: 28,338 Grm. Harnstoff, 0,308 Grm. Harnsure,
1,892 Grm. Schwefelsure, 2,617 Grm. Phosphorsure und 9,332 Grm.
Chlor.--Auf die Morgenstunden und brige Tageszeit vertheilten sich
diese Quantitten in den letzten 4 Tagen so, dass Morgens, d. h. also
unmittelbar nach dem Bade in der See entleert wurden:

                                     436 CC. Urin mit
                                   8,257 Grm. Harnstoff
                                   0,094  "   Harnsure
                                   0,476  "   Schwefelsure
                                   0,710  "   Phosphorsure und
                                   3,288  "   Chlor
  und whrend der brigen Tageszeit: 675 CC. Urin mit
                                 20,308 Grm. Harnstoff
                                   0,231  "   Harnsure
                                   1,499  "   Schwefelsure
                                   1,852  "   Phosphorsure und
                                   5,146  "   Chlor.

Diese Ergebnisse waren nichts weniger, als meinen Erwartungen
entsprechend. Aus dem, was man in oberflchlicher Erfahrung von der
Wirkung anderer kalter Bder und genauer von den Sitzbdern[10] weiss,
htte ich zunchst eine bedeutendere Steigerung der Urinsecretion
erwartet. Trotzdem jedoch, dass die Quantitt genossener Fluida sich um
200 CC. hher belief, als in Oldenburg, wurden 120 CC. Urin weniger
ausgeschieden als dort, und fast 200 CC. weniger, als in den Tagen in
Wangeroge, an denen kein Seebad genommen wurde. Es ist offenbar, dass in
diesen Tagen die Haut um 3-400 CC. mehr, als in den vorhergehenden
Untersuchungstagen ausschied, wenn auch ein kleiner Theil des im Urin
fehlenden Wassers vom Darmkanal in Anspruch genommen wurde.--Hten wir
uns jedoch, den Effekt lediglich dem Bade zuzuschreiben! Es ist in den
Tabellen selbst bemerkt, dass die Luft vom 19.-23. Juli einen sehr
bedeutenden Wrmegrad besass und die stete Transpiration war sicher zum
Theil Folge dieses Einflusses. Allein in den Juli-Tagen in Oldenburg
fand ebenfalls eine bedeutend gesteigerte Hautthtigkeit Statt, und
einen Theil der vermehrten Hautausgabe mchte ich ohne Frage auf
Rechnung des Bades bringen. Dies namentlich deshalb, weil sich bald nach
dem Bade allemal, auch bei gnzlich ruhigem Verhalten, ein fast
prickelndes, von einem gewissen Behagen begleitetes Wrmegefhl in der
Haut einstellte, ein Gefhl, das ich sonst auch bei starker Wrme nicht
kannte, und deshalb ferner, weil gerade in den Morgenstunden, nach dem
Bade, die Urinsecretion gegen frher so bedeutend abnahm, Nachmittags
aber beim Gehen erst die hohe Lufttemperatur ihre Wirkung recht geltend
machen konnte. Bei gleichem Quantum von Morgens genossenen Fluidis
wurden in Oldenburg in 6-7 Stunden 543 CC., in Wangeroge ohne Gebrauch
des Bades 752 CC. Urin ausgeschieden; beim Gebrauch des Bades
verringerte sich diese Quantitt aber auf 436 CC.--In der brigen
Tageszeit belief sich dagegen dieselbe in Oldenburg auf 774, in
Wangeroge ohne Bad auf 717 und in Wangeroge mit Bad auf 675 CC.; die
letztern Quantitten waren also nicht wesentlich different. Darnach
glaube ich es als richtig ansehen zu drfen, wenn Mhry in seiner oben
erwhnten Schrift pag. 19. erwhnt, dass das Bad in der ersten Zeit eine
fast ununterbrochene gelinde Transpiration herbeifhre. Von dem
Oeligwerden der Haare jedoch, wovon er spricht, habe ich nichts bei mir,
und auch bei Andern nichts wahrgenommen; vielleicht hat Mhry hier der
Haut zugeschrieben, was nur dem salzigen Meerwasser zu Gute kommt.--

  [10] Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 7-15 R. warmer Sitzbder,
       Archiv des Vereins fr gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. I. Heft 4.

Die Darmfunction war entschieden bethtigt und blieb es, so lange ich
badete. In dieser Beziehung habe ich bei manchen Patienten Nachfrage
gehalten, und zum Theil Rath ertheilen mssen. Im Wesentlichen schien
sich mir Folgendes herauszustellen: Individuen, die in Folge
geschwchter Innervation an Constipation leiden, haben in Bezug auf die
Darmfunction ganz verschiedene Erfolge. Ist die Wirkung des Bades nicht
besonders fatiguirend, so ist in der Regel die dadurch gegebene Anregung
ein Befrderungsmittel fr die Darmentleerung; ist sie dagegen, wie
nicht selten, im hohen Grade abspannend, so wird die Darmfunction in
der Regel noch trger, whrend der ausschliessliche Luftgenuss, das
Aussetzen einiger Bder sofort als Anregung fr die Entleerung dient.
Kranken letzterer Art darf man gewiss nachdrcklich empfehlen,
nicht zu oft zu baden. Individuen dagegen mit im Ganzen geregelter
Darmthtigkeit, wenigstens nicht geschwchter Innervation des
Unterleibes, pflegten im Allgemeinen eher zur Constipation, als zum
Gegentheil zu incliniren, und ich erklre mir solches aus dem
antagonistischen Verhltniss, welches bekannter Weise zwischen Darm und
Haut existirt.--Wo sich vermehrter Stuhlgang einstellte, waren die
entleerten Massen in der Regel sehr dunkel, selbst schwarz gefrbt,
eine Frbung, die ich nicht etwa von vermehrtem Genuss von Rothwein
allein, wie es vorkommt, sondern von gesteigerter Gallenexcretion
herleiten mchte.--Es bedarf nicht der Bemerkung, dass eine nur
5wchentliche Beobachtung von einer verhltnissmssig geringen Anzahl
Kranker derartige Fragen nicht zum Abschluss bringen kann, und dass ich
diese Bemerkungen nur als oberflchliche und gelegentliche hinzufge.
Dass sich aber in dieser Weise die lngst bekannten Erscheinungen bald
der Diarrhoe, bald der Constipation, als Wirkungen des Seebades,
erklren lassen, leidet kaum einen Zweifel.--

Jetzt zu den Resultaten der chemischen Analyse.--Ich kann nicht lugnen,
dass mir auch diese einigermaassen auffallend waren, denn nach Allem,
was in den Seebade-Schriften mit physiologischer Wrdigung des
peripherischen Nervensystems von der "anregenden" Wirkung des Seebades
hervorgehoben wird, nach Allem, was wir ber die Wirkung derartiger
Excitationen an Vorstellungen und Kenntnissen besitzen, glaubte ich
sowohl eine momentane, als insonderheit auch allgemeine nicht
unbedeutende Steigerung des Stoffwechsels erwarten zu drfen.--Wir
wollen sehen, in wie fern die aufgefundenen Thatsachen dieser Erwartung
entsprechen.

In den frhern Untersuchungsreihen habe ich den Harnstoff bekanntlich
als Maass des Stoffwechsels betrachtet; ich schloss aus seiner Zu- und
Abnahme im Urin auf zu- oder abnehmende Intensitt des Stoffwechsels. Es
war das sicher kein unrichtiges Verfahren, da alle Lebensverhltnisse
ziemlich dieselben blieben, nur in der letzten Reihe die Einwirkung
einer fremden Luft hinzukam, diese aber doch auch keine derartige
Einwirkung auf irgend ein Organ usserte, dass dadurch die aufgefundenen
Verschiedenheiten erklrt werden konnten. Ausserdem standen alle brigen
untersuchten Endproducte der Stoffmetamorphose mit den aufgefundenen
Verhltnissen des Harnstoffs in so leicht verstndlichem Zusammenhang,
dass ich jenen nur um so mehr, als Maass des Stoffwechsels betrachten zu
drfen glaubte.--Bei der jetzt vorliegenden Untersuchungsreihe treffen
wir auf ganz andre Verhltnisse.--Die Schwefelsure verlsst den frher
stets vorhandenen Parallelismus mit dem Harnstoff; die Harnsure nimmt
gegen die badefreie Zeit und im Verhltniss zum Harnstoff bedeutend zu;
die Phosphorsure vermehrt sich dagegen wieder fast proportional der
Harnsure, bleibt aber noch hinter dem in Oldenburg aufgefundenen
24stndigen Mittel zurck:

                           Harnstoff. Harnsure. Schwefels. Phosphors.  Chlor.
  In Oldenb. wurden
  ausgeschieden:           24,4 Grm.  0,41 Grm.  1,40 Grm.  2,89 Grm.  10,2 Grm.
  In Wangeroge (ohne Bad): 27,5  "    0,21  "    1,68  "    2,37  "    10,5  "
  In Wangeroge (mit Bad):  28,3  "    0,30  "    1,89  "    2,61  "     9,3  "

Die Beurtheilung dieser Verhltnisse erfordert grosse Vorsicht. Wollten
wir auch hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels betrachten, so
wrden wir einmal zu dem auffallenden Resultate gelangen, dass das Bad
die Luftwirkung etwa nur um 1/5 erhhe, andrerseits aber wegen der
Erklrung der brigen Resultate in der That in grosse Schwierigkeiten
gerathen. Angesichts der Thatsache, dass Schwefelsure und Harnstoff
bisher immer in einer Parallele zu- und abnehmen, wrde es zunchst
schwer sein, die relative Zunahme der Schwefelsure zu erklren, um so
mehr, als die gefundene Zahl nur die Quantitt derselben im Urin
bezeichnet, in der letzten Periode aber sicher auch mehr Schwefel mit
den gallehaltigen reichlichen Faeces entleert wurde, als in den frhern
Untersuchungsreihen, ein Verhltniss, durch welches bekanntlich der
Schwefelsuregehalt des Urins verringert wird. Die Harnsure betreffend,
so wrde ihre Vermehrung aber in einem noch schwieriger erklrbaren
Verhltniss zum Harnstoff stehen. Wir sahen oben, dass gesteigerte
Oxydationsvorgnge oder beschleunigte Stoffmetamorphose zu einer Zunahme
des Harnstoffs und zu einer Abnahme der Harnsure fhrten, ein Satz der
mit allen physiologischen und chemischen Daten in vollkommner
Uebereinstimmung steht. Wollten wir jetzt aus der betrchtlichen
Vermehrung der Harnsure auf eine im Verhltniss zur badefreien Zeit
retardirte Metamorphose schliessen, so msste die Quantitt des
Harnstoffs auch eine dem entsprechende Verminderung erfahren haben.
Eine solche Retardation der Stoffmetamorphose wrde in der That an
und fr sich nichts Auffallendes haben, denn der Zustand der Fatigue,
den das Bad, wie fast berall, so auch bei mir in geringem Maasse
hervorrief, wrde sich in dieser Weise materiell haben aussprechen
knnen, eine Wirkung, deren ich bereits a. a. O.[11] Erwhnung gethan
habe und die mit unsern Kenntnissen ber den bedeutenden Einfluss des
Nervensystems auf den Stoffwechsel im besten Einklange steht. Allein
wir finden, dass der Harnstoff keineswegs vermindert, sondern noch um
Etwas (0,8 Grm.) vermehrt war. Darin spricht sich also eine noch
zunehmende Beschleunigung des Stoffwechsels, ein vermehrter Umsatz
stickstoffhaltiger Krperbestandtheile aus. Wie sind solche scheinbar
widersprechende Befunde in Einklang zu bringen? Mir will es scheinen,
dass es nur in folgender Weise geschehen kann. Zunchst mssen wir des
von Bischoff mit fast zweifelloser Gewissheit erwiesenen Satzes
gedenken, dass der Harnstoff keineswegs unter allen Verhltnissen ein
Maass des Stoffwechsels bildet, dass vielmehr bald ein grsserer, bald
nur ein geringerer Theil der stickstoffhaltigen Krperbestandtheile
in der Form von Harnstoff den Krper verlsst. Es knnen dieselben
einmal als Gallenbestandtheile durch den Darmkanal, andrerseits aber
auch in Folge weiterer Metamorphose des Harnstoffs zu kohlensaurem
Ammoniak durch Haut und Lunge den Organismus verlassen, und je nach
Zusammensetzung der Nahrung, je nach der Thtigkeit verschiedener Organe
werden sich diese Verhltnisse verschieden gestalten.--Ist es nun nicht
sehr wohl denkbar und wahrscheinlich, dass auch hier, whrend der
Badezeit, in Folge bedeutend gesteigerter Haut- und ebenfalls
gesteigerter Darmthtigkeit, die Quantitt des im Urin erscheinenden
Harnstoffs nicht mehr der Ausdruck fr die Quantitt metamorphosirter,
stickstoffhaltiger Krperbestandtheile war, dass vielmehr ein grsserer
Theil derselben, als in den frhern Untersuchungsreihen, den Organismus
in andrer Form, als der des Harnstoffs, verliess? Werden wir nicht um so
mehr zu solcher Annahme hingedrngt, wenn wir die Menge der dem
Harnstoff sonst fast immer parallel laufenden Schwefelsure betrachten,
oder die gesteigerte Quantitt der Harnsure in's Auge fassen?

  [11] Vrgl. Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. pag. 53. flgde.--

Berechnen wir mit Zugrundlegung frherer Proportionen von Schwefelsure
und Harnsure diejenige Quantitt Harnstoff, welche ceteris paribus,
jetzt htte ausgeschieden werden mssen, falls der Parallelismus htte
erhalten werden sollen, so wrde die Schwefelsure eine Menge von circa
30 Grm., die Harnsure dagegen, im Verhltniss zu der hier allein
zulssigen badefreien Zeit in Wangeroge, ein Quantum von circa 40 Grm.
Harnstoff erfordert haben, denn 0,214 Grm. Harnsure verhalten sich zu
27,5 Grm. Harnstoff ungefhr ebenso, wie 0,308 Grm. Harnsure zu 40 Grm.
Harnstoff.--Gegen die Mglichkeit des erstern Verhltnisses ist nichts
einzuwenden; es konnte sehr wohl eine 3 Grammen Harnstoff entsprechende
Quantitt stickstoffhaltiger Nahrungsmittel mehr eingenommen werden, als
zur badefreien Zeit, ohne dass Auge oder Magen diesen quantitativen
Unterschied im Nahrungsmaterial wahrnahmen. Allein dass, der Harnsure
entsprechend, tglich ein 40 Grammen Harnstoff entsprechendes
Nahrungsquantum sollte eingefhrt sein, scheint mir eine unzulssige
Annahme. Ich htte dann 1/2 Mal so viel Nahrung zu mir nehmen mssen,
als zur badefreien Zeit und auch ohne Gewichtsbestimmungen vorgenommen
zu haben, glaube ich mit Bestimmtheit versichern zu knnen, dass solches
nicht der Fall war. Und htte ferner eine so starke Vermehrung der
Consumption Statt gefunden, so htte sich nothwendig auch der Chlor- und
Schwefelsuregehalt des Urins hher belaufen mssen, wenn auch vermehrte
Schweisse und Darmentleerungen einen Theil derselben beanspruchten.--Wie
ist dann aber die Vermehrung der Harnsure zu erklren?--Es bleibt in
der That nichts brig, als die bedeutend gesteigerte Quantitt der
Harnsure als ein Factum fr sich, als eine specielle Wirkung des Bades
zu betrachten, und wir kommen somit zu dem Schluss:

     ~dass die Einwirkung des Bades die Stoffmetamorphose im
     Allgemeinen noch steigerte und sehr wahrscheinlich noch um 3-4
     Mal mehr, als sich durch die geringe Zunahme des Harnstoffs (0,8
     Grm.) zu erkennen gab, dass also das Bad die Stoffmetamorphose
     ungefhr um ein Gleiches beschleunigte, wie es der
     ausschliessliche Genuss der Seeluft an und fr sich that; dass
     ferner durch das Bad die Ausgabe des Harnstoffs (oder
     stickstoffhaltiger Verbindungen berhaupt) auf anderm Wege (Haut
     und Darmkanal) vermehrt wurde und die Quantitt des Harnstoffs im
     Urin selbst deshalb geringer erschien; dass aber endlich die
     Harnsureproduction im Organismus durch das Bad eine absolute
     Steigerung erfuhr, und also trotz noch gesteigerter
     Oxydationsvorgnge eine grssere Quantitt derselben im Urin zum
     Vorschein kam.--~

Wir wissen ber die Bedingungen der Harnsureproduction im Organismus,
so wie ber den Ort ihrer Entstehung noch wenig Bestimmtes; ich fhle
mich nicht berechtigt, einer oftmaligen Beobachtung der Coincidenz
vermehrter Epithelial-, starker Haar- und luxuriirender Nagelbildung, so
wie der Coincidenz von chronischen Hautkrankheiten mit Vermehrung der
Harnsurebildung schon den Namen einer thatschlichen zu vindiciren.
Htte es aber seine Richtigkeit damit, dass vermehrte Congestion,
berhaupt gesteigerter Ernhrungsprocess in den der Haut zugehrigen
Gebilden mit vermehrter Harnsureproduction einherginge, so wrde auch
hier das Rthsel gelst sein und die Bade-Wirkung auf die Haut das
Factum erklren. Auch des Umstandes, dass von gichtischen Individuen,
bei denen die Harnsure eben eine "materia peccans" zu bilden scheint,
Seebder fast immer schlecht vertragen werden, darf hier vielleicht als
eines besttigenden fr die absolute Vermehrung der Harnsureproduction
gedacht werden.--Fr die aufgestellte Vermuthung einer vermehrten
Ausgabe des Harnstoffs in Folge von kohlensaurem Ammoniak mchte ich
ferner in Frage bringen, ob nicht die eigenthmliche, klebrige
Beschaffenheit der Schweisse, welche fast keinem Badenden unbemerkt
bleibt, eben in dieser vermehrten Ausgabe von kohlensaurem Ammoniak
ihren Grund hat? Mit dem Fettgehalt des Schweisses wrde das Ammoniak
eine seifenartige Verbindung bilden. Doch wir betreten hier ein Feld,
auf dem der Forschung noch Vieles zu thun brig ist; halten wir uns
vorlufig nur an die Facta und berlassen ihre physiologische Deutung,
so wie die Erklrung damit zusammenhngender Erscheinungen der
Zukunft.--

Es bleibt mir brig, die Verhltnisse der ~Phosphorsure~ und des
~Chlors~ in der vorliegenden Periode noch besonders zu besprechen. Was
die erstere betrifft, so war sie im Verhltniss zu Oldenburg absolut
und relativ, im Verhltniss zur badefreien Zeit in Wangeroge nicht
absolut, aber doch relativ zur Harnsure ~vermindert~. Dieses Resultat
lsst sich sehr wohl mit der obigen Annahme absolut vermehrter
Harnsureproduction, und bei Bercksichtigung der oben erwhnten
Abhngigkeitsverhltnisse beider Stoffe, in Einklang bringen. Wir
fanden, dass durch das Bad die Stoffmetamorphose (die Oxydationsvorgnge
u. s. w.) noch gesteigert sei. Wre die Harnsureproduction in dieser
Periode nicht absolut grsser gewesen, als zur badefreien Zeit, so wrde
ohne Frage eine noch grssere Quantitt derselben dem Zerfallen in
Oxalsure und Harnstoff unterlegen sein und die Oxalsure im Organismus
eine noch raschere Oxydation erfahren haben, eventuell also auch noch
weniger Harnsure und noch weniger Phosphorsure, als zur badefreien
Zeit, zur Ausscheidung gelangt sein.--Allein es war die Production der
Harnsure ohne Frage absolut um ein Betrchtliches gesteigert. Immerhin
mochte unter solchen Umstnden whrend der Badezeit eine noch grssere
Quantitt Harnsure zu Oxalsure und Harnstoff zerfallen und eine
grssere Quantitt von Oxalsure zu Kohlensure oxydirt werden, als in
jener vorhergehenden Periode; aber die Production der Harnsure war so
sehr vermehrt, dass dennoch eine grssere Quantitt der aus ihr
hervorgehenden Oxalsure ihre Einwirkung auf die Phosphate im Organismus
entfalten und somit nach der oben gegebenen Erklrung, auch eine
grssere Quantitt Phosphorsure zur Ausscheidung bringen musste, als zu
jener Zeit, wo nicht gebadet wurde. Die Harnsureproduction bertraf
jetzt, mit einem Worte, die mgliche Grsse der Oxydationsvorgnge, die
ja unter allen Umstnden nur ein gewisses Maximum erreichen kann. So
konnte es denn geschehen, dass absolut mehr, im Verhltniss zur
Harnsure aber weniger Phosphorsure entleert wurde, als zur badefreien
Zeit.--Welches Verhltniss stellte sich aber in dieser Weise zur
Oldenburger Zeit heraus? Kein andres, als dass der Organismus tglich
noch einen Gewinn an Phosphorsure, absolut sowohl als relativ, erfuhr.
Whrend in den 4 Tagen des ausschliesslichen Luftgenusses im Verhltniss
zu Oldenburg ein absoluter Gewinn von circa 2 Grm. Phosphorsure Statt
hatte, fand whrend der Badezeit in 7 Tagen ein hnlicher Gewinn Statt.
Veranschlagt man dazu den relativen Gewinn,--denn in gleichem
Verhltniss, wie die Harnstoffausgabe wuchs, musste Nahrungsmaterial und
mit diesem auch Phosphorsure in vermehrter Quantitt eingefhrt
werden--, so berechnen sich dafr in 11 Tagen etwa ebenfalls 4-5 Grm.
und es ergiebt sich damit, dass der Organismus in den ersten 11 Tagen
des Aufenthaltes und Bades auf der Insel circa 8-9 Grm. an Phosphorsure
gewann.--Die fast immer, und namentlich bei Kindern, im Seebade
schon durch einfache Anschauung zu beobachtende Steigerung des
Ernhrungsprocesses, kann darnach nicht mehr auffllig erscheinen. Wir
wissen, dass die phosphorsauren Salze (insonderheit der phosphorsaure
Kalk) nothwendige Requisite fr denselben sind, dass ihr Verlust mit
Abmagerung, ihre Zunahme mit Gewinn an Krpersubstanz verbunden ist. In
der That nahm aber mein Krpergewicht, ebenso wie in der Zeit wo nicht
gebadet wurde, tglich um 57,7 Grm., im Ganzen um 403,9 Grm., zu, so
dass sich das Gesammtgewicht des Krpers jetzt um etwa 1-1/4 [Pfund]
hher belief, als zu Anfang des Aufenthaltes auf der Insel. Wie verhlt
sich solchen Thatsachen gegenber Mhry's Angabe, dass das Bad allemal
anfnglich eine Abmagerung herbeifhre? Es ist das eben eine Angabe, der
jede experimentelle Prfung fehlt. Und ich darf es obendrein nicht
unerwhnt lassen, dass bei mir in den eben durchlebten 11 Tagen die
Krpergewichtszunahme im Verhltniss zu andern Individuen gewiss nur
eine geringe war, da ich mich viel mehr, als diese, in einem engen
Zimmer und weniger in der freien, in dieser Beziehung so beraus
wirksamen Seeluft aufzuhalten gezwungen war. Ich vermuthete das, und
dass die Vermuthung keine unrichtige war, ergab sich alsbald, als ich
ein den Patienten mglichst hnliches Verhalten beobachtete.--

So viel in Betreff der Phosphorsure.--Wie verhielt sich das Chlor? In
allen Seebade-Schriften spielt der Salzgehalt des Seewassers und der
Seeluft eine bedeutende Rolle; es scheint die Ansicht ziemlich allgemein
verbreitet, dass der Krper Salz, und namentlich Kochsalz, in
wirkungsfhiger Menge aufnehme[12]. Nach meinen Untersuchungen ist
solches jedoch nicht der Fall, und nach dem, was wir krzlich durch L.
Lehmann's sehr genaue Untersuchungen ber die Wasserresorption im
Sitzbade[13] erfahren haben, liess es sich auch nicht anders erwarten.
Whrend in Oldenburg tglich 10,2 Grm. Chlor mit dem Urin ausgeschieden
wurden, wurden in Wangeroge ohne Bad 10,5, whrend des Badens aber nur
9,3 Grm. ausgeschieden. Das Minus des gefundenen Chlorgehaltes beruht
vielleicht auf Zuflligkeiten in der Nahrung, wahrscheinlicher aber
darauf, dass ein Theil des Chlornatriums mit den Schweissen durch die
Haut entwich. Dass aber der Chlorgehalt des Urins nicht im Plus steht,
weist mit Bestimmtheit darauf hin, dass wenigstens keine irgend
erhebliche Menge von Salz im Bade resorbirt wird. Beruhete darauf die
Wirkung des Bades, so wrden wir auch hnliche Resultate durch den etwas
reichlichern Genuss von Kochsalz erhalten mssen; das ist aber
bekanntlich nur in ~sehr~ beschrnktem Maasse der Fall, d. h. nur in
grssern Quantitten genossen bedingt das Kochsalz eine Beschleunigung
des Stoffwechsels.--In anderer Beziehung mchte ich jedoch den
Kochsalzgehalt des Meerwassers ~nicht~ fr gleichgltig halten. Wir
wissen, dass das Blutserum durchschnittlich einen Salzgehalt von nur
0,85 p. c.[14] hat; das Meerwasser hat aber einen solchen von 3-4 p.
c.--Physikalische Untersuchungen haben lngst dargethan, dass, wenn man
2 derartige Flssigkeiten, nur durch eine thierische Membran getrennt,
zusammenbringt, sie sich gegenseitig auszugleichen streben, und Jolly
und Graham haben dargethan, dass die wasserreichere Flssigkeit fr
jedes eintretende Aequivalent Salz circa 14 Aequivalente Wasser abgiebt.
Sollte nun, wenn den Krper und sein verhltnissmssig salzarmes Serum
das salzreiche Meerwasser umgiebt, nicht in dieser Weise ein
Diffusionsstrom entstehen, ein Diffusionsstrom, der uns die vermehrte
Blutzufuhr nach der Haut, die nachfolgenden Schweisse, den oftmals zu
beobachtenden s. g. Badefriesel erklrt? Wir sehen diesen Friesel
namentlich bei blonden Individuen mit zarter Haut entstehen[15]; es ist
durchaus nicht unwahrscheinlich, dass die zartere Epidermis das
Zustandekommen des Diffusionsstromes weniger Schwierigkeiten
entgegenstellt, als die derbere Haut der dunkel Gefrbten. So betrachtet
ist allerdings der Salzgehalt des Meerwassers nicht ohne Bedeutung und
greifen diese Verhltnisse Platz, so darf auch der Einwirkung nicht
vergessen werden, welche die Application einer Salzlsung auf den
einzelnen Nerven hat. Ebenso, wie bei Application starker Salzlsungen
der Nerv wasserrmer wird und dadurch bedeutende functionelle Strungen,
die sich in Zuckungen und spter in Lhmungen der zubehrigen Muskeln zu
erkennen geben, erfhrt, so mag auch das salzreiche Meerwasser auf das
peripherische Nervensystem eine Einwirkung ussern, die, bei Weitem
schwcher als in den eben erwhnten Experimenten, sich doch in einer
vermehrten Thtigkeit (sit venia verbo) der betreffenden Nerven kund
giebt und damit diejenige Wirkung steigert, die ohne Frage der krftige
Wellenschlag auszuben vermag. Wer die rasche und intensive Wirkung von
Umschlgen mit Seesalzwasser, die dabei stattfindende rasche Bildung von
Hautrthe, Pusteln u. s. w. beobachtet hat, der wird sich diese Wirkung
schwerlich anders, als durch die beregten Diffusionsstrungen erklren
knnen, aber auch zugeben mssen, dass das wenn auch nur 5-10 Minuten
lange Verweilen im Seebade eine hnliche Wirkung haben kann.--Es wrde
der obigen Negation der wirklichen und irgend betrchtlichen
Salzaufnahme in den Blutkreislauf widersprechen, wollte man annehmen,
dass die Diffusion zwischen Blut- und Seewasser in der That im Bade in
nachweisbarer Strke Platz greife. Das hindert uns aber nicht, die
Einleitung des Diffusionsstromes, d. h. also in Bezug auf den Krper,
die vermehrte Strmung des Blutes gegen die Peripherie hin, als wirklich
vorhanden anzunehmen. Somit wollen wir dem Salzgehalt des Seewassers
seine Theilnahme an der Gesammtwirkung des Bades nicht absprechen, aber
es scheint sehr unwahrscheinlich, dass das Salz als chemisches Agens
irgend eine Wirkung im Krper entfaltet.--

  [12] Vrgl. u. A. Chemnitz: Wangeroge u. das Seebad. Jever 1853. pag.
       81.

  [13] Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 15-28 R. warmer Sitzbder,
       im Archiv des Vereins fr gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. II. Heft
       1.--L. fand, dass in 15-20 Min. nur circa 10 Grm. Wasser
       resorbirt wurden.--

  [14] Cf. Lehmann: Handbuch d. physiol. Chemie. Leipzig 1854. pag. 121.

  [15] C. Mhry l. c. pag. 17.

Diese smmtlichen Schlsse und Betrachtungen finden nun eine weitere
Untersttzung, wenn wir die Ergebnisse der Untersuchungen des am Morgen
nach dem Bade und des whrend der brigen Tageszeit entleerten Urins
nher betrachten. Zunchst wurde schon oben darauf hingewiesen, dass die
Urinsecretion namentlich in den Morgenstunden im Verhltniss zu den
frhern Perioden vermindert, die Hauttranspiration aber gerade in ihnen
am strksten war. Ich glaubte vor Beginn der Untersuchungen erwarten zu
drfen, dass namentlich in den unmittelbar auf das Bad folgenden Stunden
eine Beschleunigung der Urinsecretion eintreten wrde, entsprechend der
Wirkung kalter Sitzbder, kalter Begiessungen, anregender psychischer
Bewegungen u. s. w.--Allein war das auch in den ersten drei Tagen der
Fall, so war es in den letzten 4 Tagen ganz umgekehrt, und das Ergebniss
jener hatte seinen Grund sehr wahrscheinlich in dem ausnahmsweise
unmittelbar vor oder nach dem Bade genossenen Bier. Ein Vergleich der in
den verschiedenen Stunden entleerten Quantitten wird die Richtigkeit
dieser Angaben leicht erkennen lassen. Nach wie vor wurden Morgens frh
600 CC. Fluida genossen, und in Oldenburg pflegte sich dann in der Regel
in der 3ten oder 4ten Stunde nach dem Frhstck die reichlichere
Urinsecretion einzustellen. Beim Baden war es anders, und einerlei, ob
das Bad nach dem Genuss von Wasser oder vor demselben genommen wurde,
die Harnmenge war in den nchsten Stunden nicht vermehrt, sondern
vermindert. Es geht daraus und aus der gleichzeitigen strkern
Hauttranspiration hervor, dass sich unmittelbar nach den ersten
Seebdern der Blutstrom mehr nach der Peripherie des Krpers, der Haut,
als nach den innern Organen hinwendet, und eben dort einen vermehrten
Secretionsakt bedingt.--Vergleichen wir ferner die einzelnen
Bestandtheile des Urins der badefreien Zeit mit denen der letzten 4
Tage, so wurden whrend der 7 Morgenstunden entleert:

            Harnstoff.  Harnsure.  Schwefelsure.  Phosphorsure.     Chlor.
  ohne Bad: 9,219 Grm.  0,025 Grm.    0,490 Grm.      0,786 Grm.      4,542 Grm.
   mit Bad: 8,257  "    0,094  "      0,476  "        0,710  "        3,288  "

Diese Verhltnisse geben uns ebenfalls eine weitere Besttigung der oben
angestellten Betrachtungen. Der Harnstoff war im Verhltniss zur
badefreien Zeit vermindert. Sollte aber nicht, der betrchtlichen
Vermehrung der Harnsure gegenber, die Bildung von Harnstoff durch das
Bad ebenfalls vermehrt gewesen und nur deshalb weniger im Urin
erschienen sein, weil ein Theil desselben in der Form von kohlensaurem
Ammoniak durch die Haut entwich? Ist eine solche Annahme nicht wieder
untersttzt durch die verhltnissmssig bei Weitem geringere Abnahme der
Schwefelsure, in Betreff derer wir auch hier wieder daran erinnern
mssen, dass in dieser Periode sicher ein grsserer Theil des Schwefels,
als in der vorhergehenden, den Organismus mit den Faeces verliess? Muss
nicht, wenn wir Nachmittags und Nachts 2 Grm. Harnstoff mehr
ausgeschieden sehen als zur badefreien Zeit, ebenfalls fr die
Morgenstunden eine vermehrte Production von Harnstoff als wahrscheinlich
statuirt werden? Die fast auf das 4fache gesteigerte Quantitt der
Harnsure giebt einen Beweis fr die beschleunigte Metamorphose
stickstoffhaltiger Bestandtheile; ihre unverhltnissmssige Steigerung
gerade in den Morgenstunden sehe ich als einen Beweis meiner Annahme an,
dass das Bad eine absolute Steigerung der Harnsureproduction bedinge;
dass aber dennoch weniger Harnstoff im Urin zum Vorschein kam, als zur
Zeit, wo nicht gebadet wurde, lsst mich, bei der offenbar gesteigerten
Hautthtigkeit, schliessen, dass ein grsserer Theil desselben, als
sonst, den Organismus in der bezeichneten Form verliess. Anders, als in
dieser Weise, weiss ich mir die Thatsachen nicht zu deuten.--Der
Chlorgehalt des Urins war nicht vermehrt, im Gegentheil vermindert. Auch
darin finde ich eine Besttigung des oben aus den 24stndigen
Mittelwerthen gezogenen Resultates, dass nmlich eine Salzaufnahme in
den Blutkreislauf im Bade nicht Statt habe; die absolute Verminderung
mag aber in der vermehrten Hautausgabe sehr wohl ihre Begrndung finden.
Die Phosphorsure endlich war um ein Geringes (0,076 Grm.) vermindert.
Hatte ein lebhafterer Stoffwechsel (Oxydationsprocess) Statt, so kann
uns dieses Factum nicht befremden; die absolut gesteigerte
Harnsureproduction steht demselben nicht entgegen, weil die Harnsure
~als solche~ rasch aus dem Krper entfernt wurde.

Dem gegenber waren in den Nachmittags- und Nachtstunden fast alle
Verhltnisse der Art, dass der Beweis beschleunigter Metamorphose ohne
Frage aus ihnen hergeleitet werden kann.

            Harnstoff. Harnsure. Schwefelsure. Phosphorsure. Chlor.
  Ohne Bad:  18,293      0,189       1,191          1,593       6,057
  Mit Bad:   20,308      0,231       1,499          1,852       5,146.

Der Harnstoff war vermehrt; die fr die Morgenstunden statuirte Ausgabe
von Harnstoff in Form von kohlensaurem Ammoniak, fand jetzt bei weniger
intensiver Hautfunction nicht mehr Statt; es fand sich also auch die
Vermehrung des Harnstoffs im Urin ausgesprochen. Die Schwefelsure war,
ihm entsprechend, ebenfalls vermehrt. Die Harnsure war ebenfalls
vermehrt, aber doch nicht in so betrchtlicher Weise, wie am Morgen. Wir
drfen vielleicht annehmen, dass ein grsserer Theil derselben, als am
Morgen, einem weitern Zerfall im Organismus unterlag, demgemss auch
mehr Oxalsure producirt wurde, und ist dieser Schluss nicht unrichtig,
so findet damit auch das Verhltniss der Phosphorsure, die jetzt in
vermehrter Quantitt ausgeschieden wurde, seine Erklrung.--

Man wird vielleicht einwenden, dass sich diese smmtlichen Verhltnisse
der einzelnen Stoffe auch durch die vernderten Quantitten des Urins
erklren lassen. Es wurden ausgeschieden

              Morgens  brige Tageszeit
  ohne Bad:   752 CC.      717 CC.
  mit Bad:    436  "       675  "

Allein wie wrde damit die unverhltnissmssige Steigerung der Harnsure
im Morgenurin stimmen? wie ferner die Vermehrung fast smmtlicher fester
Bestandtheile in dem Urin der brigen Tageszeit? Ich zweifle nicht, dass
die vermehrte Hautfunction whrend des Bades auch auf die Quantitt der
festen Bestandtheile einen Einfluss hatte; einmal dadurch, dass sich der
Blutstrom berhaupt mehr nach der Peripherie hinwandte, und andrerseits
dadurch, dass mit den Schweissen allemal auch unorganische Verbindungen
(Salze) den Krper verlassen. Allein diesem Umstande ist in den obigen
Betrachtungen auch volle Rechnung getragen, und namentlich in Betreff
des Kochsalzes, das ja hauptschlich unter den unorganischen Stoffen im
Schweisse vertreten ist, mag es hier wiederholt werden, dass seine
Verminderung im Urin whrend der ersten Badezeit vielleicht durch eine
vermehrte Ausgabe durch die Haut erklrt werden kann.--

Damit schliessen wir fr jetzt diese Untersuchungsreihe ab.--Es folgte
ihr die schon Eingangs erwhnte arbeitsfreie Zeit: die sich vom 24.
Juli--4. August erstreckte.--In den ersten 6 Tagen derselben notirte ich
noch tglich die Quantitt genossener Fluida und Quantitt, Reaction,
specifisches Gewicht und Farbe des Urins; in den brigen 5 Tagen geschah
aber gar nichts; ich entzog mich absichtlich jeder Beachtung des eigenen
Befindens und der Functionen meines Krpers und beobachtete ein den
Patienten im Seebade durchaus hnliches Verhalten. Am 30. und 31. Juli
wurde eine Ausflucht zur See nach Norderney gemacht; mit Ausnahme dieser
beiden Tage ward tglich gebadet.--

Das Befinden war in dieser Zeit frischer, als in der ersten Zeit der
Bder. In den einzelnen Verhltnissen zeigte sich jedoch gegen die
erstere Zeit keine wesentliche Verschiedenheit. Ich unterlasse es die
einzelnen Tagesberichte und Urinuntersuchungen dieser Periode
mitzutheilen, da sie zu keinen wesentlichen Schlssen fhrten. Nur die
erhaltenen Mittelwerthe werde ich zum nhern Verstndniss hinzufgen.--

Das wichtigste Resultat der ganzen Periode war zunchst das, dass das
Krpergewicht in den 11 Tagen um 1048 Grm., also um mehr als 2 [Pfund]
zunahm. Ich schliesse daraus, dass auch in dieser Zeit der Organismus
einen Gewinn an Phosphorsure erfuhr, da mir fr alle Flle der Satz
festzustehen scheint, dass bleibende Krpergewichtszunahme nicht ohne
Gewinn an Phosphorsure (phosphorsauren Kalk) stattfinden kann.--Die
Zunahme war aber um so auffallender, als der lngere Gebrauch des Bades
eine immer strkere Einwirkung auf die Darmfunctionen ausbte, und
tglich regelmssig 2-3 reichliche, fast an Diarrhoe grnzende
Entleerungen Statt hatten.--Die Hautthtigkeit war dabei nicht so
bedeutend gesteigert, wie in der letzten Untersuchungsperiode; zum Theil
war das Folge einer weniger hohen Lufttemperatur. Immerhin war sie aber
noch betrchtlicher, als in Oldenburg und dem entsprechend denn auch die
Urinsecretion quantitativ geringer, als dort. Auch hier war es
insonderheit wieder auffallend, dass das Bad nichts weniger, als einen
beschleunigenden Einfluss auf die Urinsecretion ausbte. Trotzdem, dass
nach wie vor Morgens 600 CC. Fluida genossen wurden, belief sich die
whrend der Morgenstunden entleerte Quantitt des Urins viel weniger
hoch, als in Oldenburg und in Wangeroge zu der Zeit, wo ~kein~ Bad
genommen wurde. In den 24stndigen Zeitrumen wurden im Mittel 1792 CC.
Fluida genossen und 1251 CC. Urin entleert; davon fielen aber 411 CC.
auf die 6-7 Vormittagsstunden und 840 CC. auf Nachmittag und Nacht. Wir
schliessen daraus mit Recht auch hier auf eine durch das Bad gesteigerte
Hautfunction; die Quantitt des Wassers, welche die vermehrten
Darmentleerungen in Anspruch nahmen, war nicht bedeutend genug, um das
Deficit in der Urinmenge erklren zu knnen.--In dem specifischen
Gewichts-Verhltnissen fand ich keinen wesentlichen Unterschied von den
frhern Tagen; die Reaction blieb bestndig sauer oder stark sauer, oder
sehr stark sauer; whrend der ganzen Untersuchungszeit in Wangeroge war
er auch nicht ein einziges Mal nur schwach sauer oder neutral. Seine
Farbe wurde dagegen in der letzten Zeit offenbar etwas heller; die Nr.
II. der Vogel'schen Farbentabelle (im Arch. des Vereins fr
gemeinschaftl. Arb.), fand sich oft vor, und der gesammte Urin von 24
St. hatte in der Regel eine Farbe von II-III. Die vermehrten,
gallereichen Darmentleerungen mochten dies Verhltniss zum grossen Theil
bedingen.--In der Dit nderte ich in so fern etwas, als ich Morgens
den Caffee mit Thee vertauschte und Abends statt Thee und Butterbrod
mehrmals Fleischspeisen genoss. Des Morgens nach dem Bade wurde in der
Regel ein Butterbrod mit Caviar oder Schinken und ein Glas Portwein (60
CC.) genossen.--

Am 4ten August kehrte ich jedoch ganz zu der frhern Lebensweise zurck
und mit diesem Tage nahm ich auch die genauern Beobachtungen wieder auf.
Es kam darauf an, die Wirkungen des Bades und des Aufenthaltes auf der
Insel auch gegen den Schluss einer Curzeit kennen zu lernen, und dazu
sollten mir die nchsten 8 Tage dienen.--Am 2ten Tage dieser
Untersuchungsreihe war mein Befinden matter, als gewhnlich. Ich setzte
deshalb 2 Tage das Bad aus, und lernte somit auch die Wirkung eines
solchen Verfahrens kennen. Die Mittelzahlen habe ich fr diese Periode
aber dennoch aus allen 8 Tagen der Untersuchung gezogen, da die
Differenz der Resultate an den Tagen wo gebadet und wo nicht gebadet
wurde so unbedeutend war, dass die Mittelwerthe doch richtige
Anschauungen gewhrten. Ich fhre zunchst wieder die Resultate der
einzelnen Tages-Beobachtungen vor:




VI. UNTERSUCHUNGSREIHE.


4-5. ~August~.

         _Seebad:_ 6 Uhr 30 Min. Morgens. 13,8 R. warm.--Dauer: 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |7    |  68 CC.|1017  |st.  |II.  |}
  15 M.|Wasser  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 9,312 Gr. Harn-
  7 U. |400 CC. |Butter-  |8 Uhr| 120  " |1014,5|s.   |II.  |}           stoff
  15 M.|Caffee  |brod     |15 M.|        |      |     |     |} 0,071  "  Harn-
       |        |         |9    | 133  " |1010  |st.  |I-II.|}           sure
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,500  "  Schwe-
       |        |         |10   | 257  " |1004  |s.   |I    |}           fels.
       |        |         |Uhr. |        |      |     |(-II)|} 0,783  "  Phos-
  12 U.|600 CC. | Rindfl.;|11   | 140  " |1009  |st.  |II.  |}           phors.
  30 M.|Wein u. |Schinken |Uhr. |        |      |s.   |     |} 4,850  "  Chlor.
       |Wasser  |u. Boh-  |12   |  58  " |1016  |s.   |II.  |}
       |        |nen;     +-----+--------+------+-----+-----+
       |        | Kalbs-  |6 St.| 776  " |1010  |s.   |II.  |
       |        |braten   +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |und Sa-  |     |        |      |     |     |
       |        |lat.     |     |        |      |     |     |
  3 U. |100 CC. |Dessert. |3    | 585 CC.|1004  |s.   |II.  |}17,521 Gr. Harn-
       |Caffee  |         |Uhr. |        |      |     |     |}           stoff
  5 "  |200 CC. |         |5 Uhr| 120  " |1018,5|st.  |II-  |} 0,127  "  Harn-
  45 M.|Wasser  |         |30 M.|        |      |s.   |III. |}           sure
       |        |         |9    | 183  " |1020  |st.  |III. |} 1,060  "  Schwe-
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}           fels.
  8 U. |400 CC. |Butter-  |6 Uhr| 228  " |1024  |st.  |III- |} 2,120  "  Phos-
       |Thee    |brod     |15 M.|        |      |s.   |IV.  |}           phors.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+} 4,743  "  Chlor.
       |        |         |18-  |1116  " |1012  |st.  |III. |
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |1900 "  | --      |24-  |1892  " |  --  | --  | --  | 26,833  "  Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,198  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,560  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,903  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               5,593  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ 4. Aug. Morgens 9 Uhr 35 Min. = 125 [Pfund] 200 Gramm.
                   5.  "      "    9  "  40  "   = 124    "    282   "
  -----------------------------------------------------------------------
                                                   Abnahme  =  418   "

_Befinden:_ nicht sehr frisch; Neigung zum Schlaf.--Druck in der
Magengegend.

_Beschftigung:_ 6 St. Arbeit. 8 St. Schlaf.--Lange Zeit am Strande
zugebracht.--Die nicht erwhnte Zeit wurde in dieser Untersuchungsreihe,
wie in allen frhern, mit Unterredungen mit Freunden, Lectre, am
Mittagstisch u. s. w. zugebracht.

_Hautfunction:_ die Haut ist den ganzen Tag angenehm warm, ohne jedoch
zu transpiriren.--

_Darmentleerung:_ 8 Uhr 15 Min. Morgens mssig viel, fast diarrhoisch; 9
Uhr Abends sehr reichlich, breiig.--

_Witterung:_ strmisch, regnigt; Nachmittags windstiller; Abends schne
Luft. WSW.-Wind.--


5-6. ~August~.

               _Seebad:_ 6 Uhr 45 Min. 13,8 R. warm.--Dauer: 7 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  15 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8 U. |400 CC. |Butter-  |7 U. |  43 CC.|1019  |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |15 M.|        |      |s.   |     |}
       |        |         |8 U. |  37  "}|      |st.  |II-  |} 7,477 Gr. Harn-
       |        |         |15 M.|       }|1019  |s.   |III. |}           stoff
       |        |         |9 U. |  69  "}|      |st.  |dto. |} 0,109  "  Harn-
       |        |         |15 M.|       }|      |s.   |     |}           sure
  12 " |  --    |Butter-  |10 U.| 107  " |1013  |s.   |II.  |} 0,334  "  Schwe-
       |        |brod mit |15 M.|        |      |     |     |}           fels.
       |        |Caviar.  |10 U.| 145  " |1003  |s.   |I.   |} 0,625  "  Phos-
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |}           phors.
  1  " |200 CC. |Rindfl.  |12 U.| 157  " |1007  |st.  |II.  |} 3,906  "  Chlor.
       |Bouillon|u. Gurk.;|15 M.         |      |s.   |     |}
       |600 CC. |rother   +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wasser  |Kohl und |6 St.| 558  " |1011  |st.  |II   |
       |u. Wein |Cortelet-|     |        |      |s.   |III. |
       |        |tes;     +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Wildbra- |     |        |      |     |     |
       |        |ten. Des-|     |        |      |     |     |
       |        |sert.    |     |        |      |     |     |
  3  " |130 CC. |         |4 U. | 165 CC.|1023,5|st.  |III- |}18,512 Gr. Harn-
       |Caffee  |         |15 M.|        |      |s.   |IV.  |}           stoff
  7  " |100 CC. |         | 8 U.| 292  " |1020,5|st.  |III. |} 0,304  "  Harn-
       |Wasser  |         |     |        |      |s.   |     |}           sure
  8  " |400 CC. |Butter-  |10 " |  80  " |1024  |s.   |III. |} 1,281  "  Schwe-
       |Thee    |brod und |     |        |      |st.  |     |}           fels.
       |        |Hring.  |     |        |      |s.   |     |} 2,136  "  Phos-
  9  " |100 "   |         |6  " | 175  " |1030  |st.  |III- |}           phors.
       |Wasser  |         |30 M.|        |      |s.   |IV.  |} 6,942  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |18-  | 712  " |1023,5|st.  |III- |
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |IV.  |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2130 CC.|  --     |24-  |1270  " |  --  | --  | --  | 25,989  "  Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,413  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,615  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,761  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              10,848  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 624 Gramm.

_Befinden:_ Morgens bis 10 Uhr wenig frisch. Dann aber reger,
Nachmittags nach dem Spaziergang recht wohl und Abends heiter und
leicht.

_Beschftigung:_ 6 St. gearbeitet.--8 St. Schlaf.--Morgens und
Nachmittags Strandspaziergnge.

_Hautfunction:_ nur Nachts transpirirt.--

_Darmentleerung:_ 6 Uhr 30 Min.; 9 U. 15 M.; 4 U. 15 M. u. 10 Uhr Abends
stets ziemlich reichlich, dunkel gefrbt, weich-breiig.--

_Witterung:_ SNW.-Wind (Drehung).--Schn.--


6-7. ~August~.

                                   _Kein Bad._
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8 U. |400 CC. |Butter-  |7 U. | 30 CC.}|      |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |45 M.|       }|1025,5|s.   |     |}
       |        |         |8 U. | 33  " }|      |st.  | "   |} 7,770 Gr. Harn-
       |        |         |45 M.|       }|      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |9 U. |  72  " |1021  |s.   |II-  |} 0,103  "  Harn-
       |        |         |45 M.|        |      |     |III. |}           sure
       |        |         |10 U.|  94  " |1017  |s.   | "   |} 0,355  "  Schwe-
       |        |         |45 M.|        |      |     |     |}           fels.
  1 "  |432 CC. |Rindfl.  |11 U.| 135  " |1008,5|s.   |II.  |} 0,652  "  Phos-
       |Wein u. |u. Kart.;|45 M.|        |      |     |     |}           phors.
       |Wasser  |Bohnen   |12 U.|  80  " |1016,5|st.  | "   |} 5,330  "  Chlor.
       |        |Schinken;|45 M.|        |      |s.   |     |}
       |        |Kalbs-   +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |brat.;   |6-1/4| 444  " |1016  |st.  |II-  |
       |        |Dessert. |St.  |        |      |s.   |III. |
  3 "  |100 CC. |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |Caffee  |         |2 U. | 226 CC.|1008  |s.   |II.  |}20,560 Gr. Harn-
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}           stoff
       |        |         |5 U. | 160  " |1018  |st.  |III. |} 0,251  "  Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}           sure
       |        |         |8  " | 223  " |1020,5|s.   | "   |} 1,387  "  Schwe-
  9 "  |400 CC. |Butter-  |11 " | 174  " |1020,5|st.  | "   |}           fels.
       |Thee    |brod mit |15 M.|        |      |s.   |     |} 2,097  "  Phos-
       |        |Fleisch. |6 U. | 245  " |1026  |st.  |III- |}           phors.
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |IV.  |} 7,196  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |17-  |1028  " |1019,5|st.  |III. |
       |        |         |3/4  |        |      |s.   |     |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |1532 "  |  --     |24   |1472  " |  --  | --  | --  | 28,330 Gr. Harn-
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |            stoff
                                                               0,354  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,742  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,749  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              12,526  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 106 Gramm.

_Befinden:_ leichter Muskelrheumatismus (Brust u. Rcken); Abends mattes
Gefhl; Appetit mssig; berhaupt wurde fast nie in diesen Tagen ein
Hungergefhl wahrgenommen, whrend das Essen doch wohl schmeckte, und
stets einen belebenden Einfluss hatte.--

_Beschftigung:_ 7 St. gearbeitet.--Abends bis 11-1/4 Uhr in freier
Luft.--7 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ fast gar nicht transpirirt.--

_Darmentleerung:_ Morgens 7 Uhr 45 Min. und Abends 12 Uhr 15 Min. mssig
viel, weich-breiig.--

_Witterung:_ N.-Wind.--Ziemlich starke Brise.--Angenehme Luft.--


7-8. ~August~.

                                   _Kein Bad._
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8 U. |400 CC. |Butter-  |8    |  49 CC.|1024  |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |Uhr. |        |      |s.   |     |} 8,492 Gr. Harn-
       |        |         |9    |  62  " |1022,5|st.  | "   |}           stoff
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,077  "  Harn-
       |        |         |10   |  75  " |1020  |st.  | "   |}           sure
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 0,414  "  Schwe-
       |        |         |11   | 104  " |1015  |st.  |II-  |}           fels.
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |III. |} 0,600  "  Phos-
  2 "  |660 CC. |Rindfl.  |1    | 105  " |1019  |s.   |II-  |}           phors.
       |Wasser  |u. Kar-  |Uhr. |        |      |st.  |III. |} 5,313  "  Chlor.
       |u. Wein |toffeln, |     |        |      |s.   |     |}
       |        |Kohl und +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Schinken,|6-1/2| 395  " |1019  |st.  |III. |
       |        |Kalbsbra-|St.  |        |      |s.   |     |
       |        |ten; Des-+-----+--------+------+-----+-----+
       |        |sert.    |     |        |      |     |     |
  4 "  |110 CC. |         |4    | 394 CC.|1008  |st.  |III. |}20,158 Gr. Harn-
       |Caffee  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |8    | 262  " |1016,5|s.   |III- |} 0,131  "  Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |st.  |IV.  |}           sure
       |        |         |     |        |      |s.   |     |} 1,606  "  Schwe-
  7 "  |200 CC. |         |11   | 165  " |1015  |st.  |III. |}           fels.
       |Wasser  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |} 1,962  "  Phos-
  8 "  |400 CC. |Butter-  |6 Uhr| 257  " |1024  |st.  |III- |}           phors.
       |Thee    |brod     |45 M.|        |      |s.   |IV.  |} 8,354  "  Chlor.
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |         |17-  |1078  " |1016,5|st.  |III- |
       |        |         |3/4  |        |      |s.   |IV.  |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |1970 "  |  --     |24-  |1473  " |  --  | --  | --  | 28,650 Gr. Harn-
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,208  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               2,020  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,562  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              13,667  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 378 Gramm.

_Befinden:_ frischer, theilweise ~sehr~ gut.--

_Beschftigung:_ 5-6 St. gearbeitet.--Mittags, Nachmittags und Abends
spt am Strande.--Abends von 8-1/2 - 10 Uhr musicirt.--7-1/2 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Morgens 9-10 Uhr, und Nachmittags bei der
Strandpromenade ziemlich stark transpirirt.

_Darmentleerung:_ 9 Uhr, 8 Uhr u. 11 Uhr ziemlich reichliche,
weich-breiige Sedes.--

_Witterung:_ N.-Wind.--Sehr angenehm; namentlich die Abende sehr
schn.--


8-9. ~August~.

  _Seebad:_ 8 Uhr 45 Min. Morg.--14,8 R. warm.--Dauer: 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7    |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7 Uhr|400 CC. |Butter-  |8 U. |  64 CC.|1023  |st.  |III. |} 8,352 Gr. Harn-
  15 M.|Caffee  |brod     |15 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |9 U. | 174  " |1008  |st.  |II.  |} 0,006  "  Harn-
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |}           sure
       |        |         |10 U.| 123  " |1011,5|st.  | "   |} 0,473  "  Schwe-
       |        |         |15 M.|        |      |s.   |     |}           fels.
  10   |  --    |Butter-  |11 U.|  88  " |1014,5|st.  | "   |} 0,659  "  Phos-
  Uhr  |        |brod mit |15 M.|        |      |s.   |     |}           phors.
  45 M.|        |Caviar.  |12 U.|  83  " |1017  |s.   |II.  |} 4,575  "  Chlor.
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |}
  1    |500 CC. |Fisch und+-----+--------+------+-----+-----+
  Uhr. |Wein u. |Kart.;   |5-1/2| 532  " |1014  |st.  |II-  |
       |Wasser  |Bohnen u.|St.  |        |      |s.   |III. |
       |        |Wurst;   +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Wildbra- |     |        |      |     |     |
       |        |ten.     |     |        |      |     |     |
       |        |Dessert. |5    | 210 CC.|1023,5|st.  |III. |}20,637 Gr. Harn-
       |        |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}           stoff
  3    |200 CC. |         |8    | 135  " |1025  |st.  |IV.  |} 0,254  "  Harn-
  Uhr. |Caffee  |         |Uhr. |        |      |s.   |     |}           sure
       |        |         |11   | 240  " |1021  |s.   |II-  |} 1,453  "  Schwe-
       |        |         |Uhr  |        |      |st.  |III. |}           fels.
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |} 2,071  "  Phos-
  8    |200 "   |         |6 Uhr| 218  " |1025,5|st.  |III- |}           phors.
  Uhr. |Wasser  |         |30 M.|        |      |s.   |IV.  |} 8,030  "  Chlor.
  8 Uhr|400 CC. |Butter-  +-----+--------+------+-----+-----+
  30 M.|Thee    |brod mit |18-  | 803  " |1023  |st.  |III. |
       |        |Fleisch. |1/4  |        |      |s.   |     |
  11   |200 CC. |         |St.  |        |      |     |     |
  Uhr  |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|        |         |     |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |2100 "  |  --     |23-  |1335  " |  --  | --  | --  | 28,989  "  Harn-
  3/4  |        |         |3/4  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,260  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,926  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,730  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              12,605  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Abnahme = 195 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.

_Beschftigung:_ 5 St. Arbeit.--Abends nach 8-1/2 Uhr in heiterer
Gesellschaft einen fast dreistndigen Spaziergang in die s. g.
Wangeroger Schweiz, nicht ohne krperliche Anstrengung in dem tiefen
Dnensande, gemacht.--7 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Abends whrend des Spazierganges stark transpirirt.

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 15 Min. sehr reichlich, dnnbreiig; 8
Uhr Abends mssig viel, von gleicher Beschaffenheit; 11 Uhr 30 Min.
desgl.--

_Witterung:_ NNW.-Wind.--Angenehm.--


9-10. ~August~.

  _Seebad:_ Morgens 8 Uhr 45 Min.--13,5 R. warm.--Dauer: 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 Uhr|200 CC. |         |     |        |      |     |     |
       |Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7 "  |400 CC. |         |7 U. | 30 CC.}|      |st.  |III. |}10,053 Gr. Harn-
  15 M.|Caffee  |         |30 M.|       }|1016,5|s.   |     |}           stoff
       |        |         |9 U. | 200 " }|      |st.  |II-  |} 0,124  "  Harn-
       |        |         |30 M.|       }|      |s.   |III. |}           sure
  10   |60 CC.  |Butter-  |10 U.|  93 "  |1016  |st.  |III. |} 0,494  "  Schwe-
  Uhr  |Portwein|brod mit |30 M.|        |      |s.   |     |}           fels.
       |        |Caviar u.|11 U.| 125 "  |1015,5|st.  |II-  |} 0,732  "  Phos-
       |        |Fleisch  |30 M.|        |      |s.   |III. |}           phors.
       |        |         |1 U. | 120 "  |1017,5|st.  |II-  |} 5,254  "  Chlor.
       |        |         |     |        |      |s.   |III. |}
  2 Uhr|570 CC. |Fisch    +-----+--------+------+-----+-----+
       |Wein u. |Kartoff.;|6-1/2| 568 "  |1016  |st.  |II-  |
       |Wasser  |Bohnen u.|St.  |        |      |s.   |III. |
       |        |Schinken;+-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Kalbsbra-|     |        |      |     |     |
       |        |ten.     |     |        |      |     |     |
  3  " |100 CC. |Dessert. |5 U. | 311 CC.|1021  |st.  |III. |}22,075 Gr. Harn-
  30 M.|Caffee  |         |30 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
  6 Uhr|200 CC. |         |9 U. | 212  " |1022,5|st.  | "   |} 0,324  "  Harn-
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |s.   |     |}           sure
  7 Uhr|200 CC. |         |9 "  |  55  " |1019  |st.  |II-  |} 1,766  "  Schwe-
  30 M.|Wasser  |         |45 M.|        |      |s.   |III. |}           fels.
  8 Uhr|370 CC. |Fleisch  |7 U. | 305  " |1025,5|st.  |IV.  |} 1,801  "  Phos-
  30 M.|Mosel-  |u. grner|     |        |      |s.   |     |}           phors.
       |Wein    |Salat.   +-----+--------+------+-----+-----+} 8,830  "  Chlor.
       |        |         |18   | 883  " |1023  |st.  |III- |
       |        |         |St.  |        |      |s.   |IV.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |2100 CC.|  --     |24-  |1451  " |  --  | --  | --  | 32,128  "  Harn-
  1/2  |        |         |1/2  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,448  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               2,260  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,533  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              14,048  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme: 447 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.--Nachmittags viel Durst.--Der gewhnliche Thee mit
Butterbrod widerstand Abends, es wurde deshalb eine andre Kost gewhlt.
Der Appetit war berhaupt gesteigert.--

_Beschftigung:_ 5 St. Arbeit.--8-1/2 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ sehr mssige Transpiration.--

_Darmentleerung:_ Morgens 7 Uhr 30 Min. sehr reichlich, fast
diarrhoisch; 9 U. 45 M. Abends mssig; weniger dnnbreiig.

_Witterung:_ WSW.-Wind.--Angenehm.--


10-11. ~August~.

          _Seebad:_ Morgens 9 Uhr 10 Min. 15,6 R. warm.--Dauer: 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  8 U. |400 CC. |Butter-  |8 U. |  66 CC.|1023  |s.   |III. |}
       |Caffee  |brod     |30 M.|        |      |st.  |     |} 8,257 Gr. Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |         |9 U. | 104  " |1017,2|st.  |II-  |} 0,072  "  Harn-
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |III. |}           sure
  11 U.|60 CC.  |Butter-  |     |        |      |     |     |} 0,476  "  Schwe-
  15 M.|Portwein|brod mit |10 U.|  91  " |1016,2|st.  |II-  |}           fels.
       |        |Fleisch. |30 M.|        |      |s.   |III. |} 0,643  "  Phos-
  2 U. |690 CC. |Rindfl.  |1 U. | 136  " |1018  |s.   |III. |}           phors.
       |Wein u. |u. Kart.;|15 M.|        |      |st.  |     |} 4,168  "  Chlor.
       |Wasser  |Blumen-  |     |        |      |s.   |     |}
       |        |kohl und +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Cortelet-|6-1/4| 397  " |1019,2|s.   |III. |
       |        |tes; Ham-|St.  |        |      |st.  |     |
       |        |melbra-  |     |        |      |s.   |     |
       |        |ten.     +-----+--------+------+-----+-----+}20,035 Gr. Harn-
       |        |Dessert. |6 U. | 225 CC.|1026,5|st.  |III. |}           stoff
       |        |         |45 M.|        |      |s.   |     |} 0,300  "  Harn-
  4  " |200 CC. |         |9 U. | 196  " |1017,5|st.  | "   |}           sure
       |Caffee  |         |30 M.|        |      |s.   |     |} 1,420  "  Schwe-
  8  " |320 CC. |Kalb-    |     |        |      |     |     |}           fels.
       |Wein u. |fleisch. |6 U. | 282  " |1023  |st.  |III- |} 1,926  "  Phos-
       |Wasser  |Ragot u.|30 M.|        |      |s.   |IV.  |}           phors.
       |        |Kartof-  +-----+--------+------+-----+-----+} 4,429  "  Chlor.
       |        |feln     |17-  | 703  " |1022  |st.  |III- |
       |        |         |1/4  |        |      |s.   |IV.  |
       |        |         |St.  |        |      |     |     |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |1870 CC.|  --     |23-  |1100  " |  --  | --  | --  | 28,292 Gr. Harn-
  1/2  |        |         |1/2  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,372  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,896  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,569  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                               8,597  "  Chlor.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 488 Gramm.

_Befinden:_ gut; in Folge des vorgestrigen Marsches einige Steifigkeit
in den Rcken- und Schenkelmuskeln.--Abends sehr ermdet. Auch heute
wurde der Thee Abends mit anderer Speise vertauscht, weil das Verlangen
darnach vorhanden war.

_Beschftigung:_ 5 St. gearbeitet.--8-1/2 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Morgens bei sehr warmer Lufttemperatur bestndig mssige
Transpiration. Ebenso Nachmittags. Abends angenehm warm, ohne zu
transpiriren.--

_Darmentleerung:_ 9 Uhr 30 Min.; 6 U. 45 M.; 9 U. 30 M. mssig viel;
weich-breiig.--

_Witterung:_ Nachmittags Gewitter mit starkem Regen.--SWS.-Wind.--


11-12. ~August~.

            _Seebad:_ Morgens 10 Uhr 30 Min.--15,2 R.--Dauer 10 Min.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  6 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |
  7 U. |400 CC. |Butter-  |8 U. |  96 CC.|1023  |st.  |III. |}  9,682 Gr. Harn-
       |Caffee  |brod     |30 M.|        |      |s.   |     |}            stoff
       |        |         |10 U.|  86  " |1019,5|st.  |III. |}  0,054  "  Harn-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}            sure
       |        |         |11 " | 165  " |1008,7|st.  |II.  |}  0,471  "  Schwe-
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}            fels.
  11 " |60 CC.  |Butter-  |12 " | 187  " |1008  |st.  |II.  |}  0,751  "  Phos-
       |Portwein|brod mit |     |        |      |s.   |     |}            phors.
       |        |Caviar u.|1  " | 103  " |1016  |st.  |II.  |}  5,733  "  Chlor.
       |        |Fleisch  |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         +-----+--------+------+-----+-----+
  2  " |600 CC. |Fisch    |6-1/2|  637 " |1013  |st.  |II-  |
       |Wein u. |Kart.;   |St.  |        |      |s.   |III. |
       |Wasser  |Bohn. u. |     |        |      |     |     |
       |        |Schink.; +-----+--------+------+-----+-----+
       |        |Enten-   |4 U. | 206 CC.|1020  |st.  |III. |}18,123 Gr. Harn-
       |        |braten.  |30 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |        |Dessert. |6 U. | 255  " |1017  |s.   |II-  |} 0,284  "  Harn-
       |        |         |45 M.|        |      |     |III. |}           sure
  4  " |100 CC. |         |10 U.| 244  " |1019  |st.  |II-  |} 1,369  "  Schwe-
       |Caffee  |         |15 M.|        |      |s.   |III. |}           fels.
  8 "  |400 CC. |Butter-  |6 U. | 190  " |1026  |st.  |IV.  |} 1,808  "  Phos-
  15 M.|Thee    |brod mit |     |        |      |s.   |     |}           phors.
       |        |Fleisch. +-----+--------+------+-----+-----+} 8,502  "  Chlor
       |        |         |17   | 895  " |1020  |st.  |III- |
       |        |         |St.  |        |      |s.   |IV.  |
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |1760 "  |  --     |23-  |1532  " | --   | --  | --  | 27,805 Gr. Harn-
  1/2  |        |         |1/2  |        |      |     |     |            stoff
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |  0,338  "  Harn-
                                                                         sure
                                                               1,840  "  Schwe-
                                                                         fels.
                                                               2,559  "  Phos-
                                                                         phors.
                                                              14,235  "  Chlor.

  _Krpergewicht:_ Morgens 11. Aug. 9 Uhr 48 Min. 126 [Pfund] 162 Grm.
                      "    12.  "   9  "  50  "   126   "     321  "
                   ---------------------------------------------------
                                  Abnahme = 341 Gramm.

_Befinden:_ gut.--Der Appetit nur mssig.--

_Beschftigung:_ 6 St. gearbeitet.--7-1/2 St. Schlaf.--Viel krperliche
Bewegung.--

_Hautfunction:_ Morgens zum Theil duftende Haut; Nachmittags zwischen 7
u. 8 Uhr leichte Transpiration.

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 30 Min.; Abends 10 Uhr 15 Min. mssig
viel, consistenter als an den Tagen zuvor.

_Witterung:_ starker WNW.-Wind. Lauwarme Luft.--

Die Mittelwerthe dieser Periode berechnen sich folgendermaassen: In je
24 Stunden wurden 1920 CC. Fluida genossen und 1440 CC. Urin mit 28,377
Grm. Harnstoff, 0,324 Grm. Harnsure, 1,857 Grm. Schwefelsure, 2,671
Grm. Phosphorsure und 12,019 Grm. Chlor entleert; auf Morgen und brige
Tageszeit vertheilten sich diese Mengen dann so, dass in den 6-7
Morgenstunden 538 CC. Urin mit

  8,674 Grm. Harnstoff
  0,077  "   Harnsure
  0,438  "   Schwefelsure
  0,680  "   Phosphorsure und
  4,891  "   Chlor,

Nachmittags und Nachts dagegen: 902 CC. Urin mit

  19,703 Grm. Harnstoff
   0,247  "   Harnsure
   1,418  "   Schwefelsure
   1,990  "   Phosphorsure  und
   7,128  "   Chlor

ausgeschieden wurden.--

Betrachten wir zuerst wieder die Resultate der 24stndigen Periode etwas
nher, so war das Verhltniss von genossenen Fluidis zur Quantitt des
Urins fast durchaus dasselbe, wie whrend der badefreien Zeit auf
Wangeroge (1894 : 1469); gegen die erste Badezeit war die Urinmenge,
trotz verringerter Einnahme an Fluidis, vermehrt. Es weist dies mit
Bestimmtheit auf einen geringeren Wasserverlust durch die Haut hin und
dass derselbe in der That auch geringer war, geht schon aus den
Bemerkungen in den einzelnen Tagesberichten hervor. Die bedeutend
niedrigere Lufttemperatur fhrte dies Verhltniss offenbar zum grossen
Theil herbei; ob wir aber auch annehmen drfen, dass das Bad in der
letzten Zeit auf die Hautfunction einen geringern Einfluss ausbte, als
in der erstern, lasse ich dahingestellt sein. Die klebrige
Beschaffenheit der Schweisse wurde nach, wie vor, wahrgenommen; mglich
also, dass nur in der Quantitt des Wassergehaltes der Schweisse eine
Differenz eintrat und dieses Wasser eben aus irgend welchen Grnden von
den Nieren secernirt wurde. Die Vermehrung des Chlorgehaltes im Urin,
welche meistens in Folge vernderter Diffusionsverhltnisse auch mit
Vermehrung des Wassergehaltes des Urins einhergeht[16], mchte unter
solchen Grnden hier namentlich in Betracht zu ziehen sein. Die einzelne
Beobachtung vermag diese Frage nicht zur Entscheidung zu bringen.--

  [16] Vgl. Falck: Deutsche Klinik. 1853. 8. Oct. "Beitrge zur Lehre
       von der einfachen Polyurie."--

Die Darmentleerungen blieben bis zu Ende des Bades vermehrt, und um so
mehr, als sofort mit dem Aufhren des Badens das frhere Verhalten in
dieser Beziehung eintrat, muss ich glauben, dass das Bad selbst einen
Einfluss darauf ausbte. Ich beschuldige nicht, wie Manche es thaten,
das Trinkwasser, da dasselbe meiner Untersuchung zufolge um sehr wenig
von dem Oldenburger Trinkwasser differirte. Die Beobachtung vermehrter
Darmentleerungen beim Gebrauch des Seebades ist ausserdem zu oft
gemacht, als dass man noch lnger in Zweifel darber sein knnte.--Da wo
das Bad ohnedies einen fatiguirenden Einfluss ausbt, hte man sich
aber, wie schon erwhnt, diese Bade-Wirkung in zu starkem Maasse
eintreten zu lassen; der Zustand der Fatigue ist allemal ein Gegner des
wohlthtigen Einflusses, den das Seebad insonderheit auf die chemischen
Verhltnisse des Organismus ausbt.--Darber spter noch ein Mehres.--

Der Harnstoff belief sich in der letzten Periode des Badens eben so
hoch, als in der ersten; dort, wie hier, wurden tglich 28,3 Grm.
ausgeschieden. Drfen wir hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels
betrachten? Aus denselben Grnden, wie oben, glaube ich es auch
hier nicht. Die noch zunehmende Quantitt der Harnsure, die uns also
eher auf eine noch mehr beschleunigte, als auf eine retardirte
Stoffmetamorphose hinweist, die, trotz der vermehrten Darmentleerungen,
sich noch immer hher als zur badefreien und sehr nahezu gleich hoch wie
zur ersten Badezeit belaufende Quantitt der Schwefelsure lassen mich
annehmen, dass auch hier ein gewisser Theil des Harnstoffs in Folge des
Badeeinflusses auf andern Wegen, als dem gewhnlichen, den Krper
verliess, und whrend wir in einer tglichen Quantitt von etwa 30 Grm.
(das Verhltniss der Schwefelsure als maassgebend angenommen) sehr wohl
ein Maass des Stoffwechsels erkennen knnten, glaube ich in der
Quantitt von 28,3 Grm. dieses Maass nicht annehmen zu drfen.--Im
Allgemeinen ist aber das Resultat eben von Wichtigkeit, dass gegen Ende
der Curzeit der Einfluss des Bades keineswegs an Grsse gewinnt; er hat
vielmehr zu Anfang, wie zu Ende eine gleiche Wirkung und im subjektiven
Befinden der Patienten ussert sich nur deshalb eine Verschiedenheit des
Einflusses, weil die Angriffspunkte, d. h. der Organismus selbst, zu
Anfang und zu Ende verschieden sind. Dies Resultat der chemischen
Untersuchung ist fr den Arzt, wie fr den Seebad-Patienten von hoher
Wichtigkeit; die Maassnahme allmhliger Steigerung in der wchentlichen
Anzahl der Bder bei schwchlichen Constitutionen, die Regel, namentlich
im Anfange Alles zu vermeiden, was eine Fatigue herbeizufhren vermag,
erhalten jetzt ihre rationelle Begrndung.--Der beschleunigte
Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Krfte (das Nervensystem)
zu sehr in Anspruch, als dass ausser fr Bad u. s. w. noch viele
derselben fr geistige und krperliche Thtigkeiten brig blieben; die
frher retardirte Metamorphose wird beschleunigt; allmhlig tritt aber
eine Periode ein, in der das Nervensystem an den raschern Stoffwechsel
gewhnt ist, durch Vernderung des Stoffwechsels und insonderheit durch
die Hebung des Ernhrungsprocesses selbst an Kraft gewinnt; jetzt fhlt
sich der Patient auch subjectiv wohler und krperliche, wie geistige
Anstrengungen werden leichter ertragen. Ich sage, der beschleunigte
Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Krfte (das Nervensystem)
fast smmtlich in Anspruch--und das ist eine unlugbare Thatsache. Das
Nervensystem hat unter allen Verhltnissen nur ein bestimmtes Quantum an
Kraft zu verwenden; die vegetativen (Ernhrungs-)Vorgnge erfordern
ebensowohl einen Theil davon, als muskulre oder geistige Anstrengungen.
Ist es unter solchen Verhltnissen, wie im Seebade, nothwendig, dass
mehr Nahrungsmaterial, als gewhnlich, eingefhrt wird, so muss dem
Nervensystem fr die damit gesteigerten vegetativen Functionen auch ein
Plus an Kraft entzogen werden, fr die muskulren und geistigen
Anstrengungen aber nur ein Minus brig bleiben; und erst dann tritt etwa
das richtige Verhltniss wieder ein, wenn das Nervensystem effektiv an
Leistungsfhigkeit gewonnen hat, d. h. der gesteigerte Ernhrungsprocess
sich auch in dieser Weise kund giebt; die vegetativen Vorgnge erfordern
nach wie vor ihr Plus an Kraft des Nervensystems, aber die Summe dieser
Kraft beluft sich jetzt hoch genug, als dass sie ein Minus fr andre
krperliche und geistige Functionen bedingen sollte.--Stiege im Seebade
und bei lngerer Dauer desselben die anfngliche Einwirkung desselben
noch immer fort, so wrde ein solches Verhltniss nicht eintreten, und
der Zustand der Fatigue bis zu Ende anhalten.--

Das Verhltniss der ~Schwefelsure~ nderte sich in dieser Periode, wie
das des Harnstoffs, sehr unbedeutend. Es differirt von der ersten
Badezeit tglich nur um 0,035 Grm.--Diese Differenz kann sehr wohl durch
eine geringe Verschiedenheit der Darmentleerungen bedingt sein.--Die
~Harnsure~ hat dagegen noch um 0,016 Grm. in 24 Stunden zugenommen, ein
Verhltniss in dem wir die frhere Angabe besttigt finden, dass das
Seebad auf die Production der Harnsure einen absolut steigernden
Einnuss ausbe.--Ihr entsprechend nimmt auch die ~Phosphorsure~ tglich
noch um ein Geringes (0,054 Grm.) zu, ein Verhltniss, welches nach
meinen obigen Auseinandersetzungen und bei der festgehaltenen Erklrung
des Abhngigkeitsverhltnisses zwischen Harnsure und Phosphorsure
nicht auffallend erscheinen kann.--Vergleichen wir nun aber die
Quantitt der Phosphorsure in den Oldenburger Juli-Tagen mit der hier
in Frage stehenden und ziehen gleichzeitig die aufgefundenen
Krpergewichtsverhltnisse in Betracht, so ergiebt sich, dass in
Oldenburg tglich 2,893 Grm. Phosphorsure entleert wurden und dabei ein
Gewichtsverlust von tglich 135 Grm. statt hatte, dass dagegen in
Wangeroge in der letzten Periode tglich 2,671 Grm. Phosphorsure
entleert wurden und dabei eine tgliche Gewichtszunahme von 15 Grm.
Statt hatte. Bei der zweifellosen Beziehung, den die Phosphorsure zum
Ernhrungsprocess hat, mssten wir demnach annehmen, dass bei einer
Ausscheidung von tglich circa 2,75 Grm. Phosphorsure im Sommer mein
Krpergewicht sich gleich bleiben wrde. In Wangeroge erfuhr somit der
Krper in allen Perioden einen Gewinn an Phosphorsure; und berechnet
sich der absolute Gewinn an derselben fr die letzten 8 Tage auf etwa
1,7 Grm., der relative (vermehrte Einnahme von Nahrungsstoffen) aber auf
etwa 2-3 Grm., so wrde sich der Gesammt-Gewinn in der letzten Periode
etwa auf 4 Grm. belaufen.

Das 24stndige Mittel fr die Phosphorsure zu verschiedenen
Jahreszeiten wurde fr meinen Krper oben auf 2,5 berechnet; das der
Harnsure daneben auf 0,35 Grm.--Wenn wir jetzt in dem heissen Juli in
Oldenburg 0,41 Grm. Harnsure und 2,89 Grm. Phosphorsure; in Wangeroge
bei ausschliesslichem Luftgenuss:

  0,21 Grm. Harnsure und 2,37 Grm. Phosphorsure;

bei durch das Bad absolut gesteigerter Harnsureproduction, anfangs

                0,30 Grm. Harnsure und 2,61 Grm. Phosphorsure
  zu Ende aber: 0,32  "       "     und 2,67  "        "

auffinden, so stehen all diese Verhltnisse im besten Einklang mit dem,
was ich ber die gegenseitige Abhngigkeit dieser Stoffe und den
Einfluss gesteigerter Oxydationsprocesse auf dieselben gesagt habe.
Wren in Wangeroge die Oxydationsvorgnge nicht bedeutend intensiver,
als in Oldenburg gewesen, so wrden dort zur badefreien Zeit bei noch
vermehrter Nahrungseinnahme zum Mindesten ebenfalls 0,41 Grm. Harnsure
ausgeschieden, es wrde ferner die Oxalsure weniger rasch zu
Kohlensure oxydirt, und mehr Phosphorsure als 2,37 Grm. dem
organischen Nexus entzogen sein. Aber diese vermehrte Oxydation gab sich
in allen Verhltnissen kund, sie war zweifellos; und wenn ich
desohngeachtet whrend des Bades wieder 0,30 und 0,32 Grm. Harnsure als
tgliches Mittel beobachtete, so lieferten diese Quantitten nicht einen
Beweis fr jetzt verminderte Oxydationsvorgnge, sondern fr eine
absolut gesteigerte Production von Harnsure, die bei gleicher
Intensitt der Oxydation, wie zur badefreien Zeit, dennoch zu einer
Ausscheidung von tglich 0,31 Grm. Harnsure fhrte. Es konnte unter
solchen Verhltnissen gleichzeitig nicht anders sein, als dass zur
Badezeit auch mehr Oxalsure im Organismus producirt wurde, als zur
badefreien Zeit, und, wie rasch sie auch zu beiden Zeiten zu Kohlensure
verbrennen mochte, der Einfluss den die vermehrte Production auf die
Phosphate ausbte blieb dennoch nicht aus, er sprach sich in der
Vermehrung der Phosphorsure im Urin zur Zeit des Badens aus. Es wurde
ohne Frage im Sommer in Wangeroge auch mehr Harnsure producirt und
oxydirt, als im Winter in Oldenburg; denn dort kam bei nicht
unbetrchtlich gesteigerter Nahrungseinnahme, fast eben so viel
Harnsure zur Ausscheidung als hier (im Winter in Oldenburg: 0,29 Grm.;
im Sommer in Wangeroge durchschnittlich = 0,27 Grm.); die geringe
Steigerung der Phosphorsureausgabe in W. steht damit nicht im
Widerspruch (im Winter in Oldenburg: 2,37 Grm.; im Sommer in Wangeroge
durchschnittlich = 2,55 Grm.); aber dennoch hatte ein Gewinn an
letzterer auch im Verhltniss zum Winter Statt, denn die gesteigerte
Consumption fhrte dem Organismus verhltnissmssig auch mehr Phosphate
zu.--Bei dem steten Auf- und Abwogen der einzelnen Vorgnge, die wir in
summa als Stoffwechsel bezeichnen, bei dem unausbleiblichen Einfluss,
den Einnahmen an Nahrungsmaterial, krperliche und geistige Bewegung,
Luftbeschaffenheit u. s. w. darauf ausben, ist es nicht leicht, in
allen Verhltnissen ein aufgefundenes Gesetz als richtig zu erkennen,
doppelt schwierig ein Gesetz selbst aufzufinden. Aber ich kann nicht
umhin zu glauben, dass der von mir schon vor lngerer Zeit aufgestellte
Satz ber das Hervorgehen der Oxalsure aus der Harnsure und die
Einwirkung der Oxalsure auf die phosphorsauren Erden, und damit auf den
Ernhrungsprocess, ein richtiger ist; eine Menge praktischer
Beobachtungen stimmen damit berein, und ich habe mir nicht eine Theorie
construirt, denen ich die Thatsachen anzupassen suchte, sondern mich
bemht die Thatsachen kennen zu lernen, um aus ihnen ein Gesetz
herzuleiten.

In den eben verzeichneten Tagesberichten findet sich ein Tag, der 8te
August, an dem ganz ausnahmsweise Abends spt ein dreistndiger,
anstrengender Spaziergang gemacht wurde. Wie gestalteten sich die
Verhltnisse des Stoffwechsels an dem dieser ungewohnten Bewegung
folgenden Tage? Alle Ausgaben waren so gesteigert, wie an keinem andern
Tage. Der Harnstoff belief sich auf 32,128 Grm., die Harnsure auf 0,448
Grm., die Schwefelsure auf 2,260 Grm., das Chlor auf 14,084 Grm.; nur
die Phosphorsure machte eine Ausnahme, sie belief sich umgekehrt, wie
alle brigen Stoffe, so niedrig, wie an keinem andern Tage dieser
Untersuchungsreihe, auf 2,533 Grm. Ist dieses Resultat anders zu
erklren, als durch die obige Thesis, nach welcher Beschleunigung des
Stoffwechsels vermehrte Ausgabe aller Krperbestandtheile, mit Ausnahme
der einzigen Phosphorsure bedingt, nach welcher Beschleunigung des
Stoffwechsels und Krpergewichtszunahme zwei sich gegenseitig bedingende
Momente sind?--Steht dasselbe nicht im Einklang mit Allem, was ich in
Betreff dieser Verhltnisse gesagt habe? Und solcher Beispiele lassen
sich in der That viele beibringen; tglich wird man sie in der Praxis
finden knnen, wenn man nur darnach sucht; alljhrlich werden sie uns
geliefert durch die Gebirgsreisenden, die bei nicht unbedeutenden
krperlichen Anstrengungen und ohne Frage beschleunigter Metamorphose
dennoch mit gehobenem Embonpoint in die Heimath zurckkehren.--

Doch zurck zu unsern Untersuchungen. Ich habe noch ber den Chlorgehalt
des Urins der letzten Periode zu sprechen. Derselbe war in der That im
Verhltniss zu allen vorhergehenden Perioden nicht unbetrchtlich
vermehrt. Whrend in der badefreien Zeit tglich 10,59, in der ersten
Badezeit 9,33 Grm. Chlor entleert wurden, belief sich die Menge
desselben in der letzten Zeit tglich auf 12,019 Grm. Wie ist diese
Zunahme zu erklren? Ich war Anfangs geneigt zu glauben, dass meine
obige Annahme, es werde im Bade keinenfalls eine irgend erhebliche Menge
Kochsalz aufgenommen (cf. pag. 64), unrichtig sei; dass in jener ersten
Badezeit vielmehr mit den betrchtlichen Schweissen dem Krper so viel
Chlor entzogen sei, dass trotz vermehrter Ausgabe an Chlor in Summa, der
Gehalt desselben im Urin vermindert erschien, und dennoch also eine
Salzresorption im Bade Statt gehabt habe. Allein ich halte diesen
Schluss dennoch nicht fr zulssig. Wrde Salz im Bade resorbirt, d. h.
gelangte es wirklich in den Blutkreislauf, so wrde es sicher binnen der
nchsten 6 Stunden im Urin wieder erscheinen. Solches lsst sich
namentlich nach Falck's Beobachtungen[17] mit Sicherheit annehmen. Wir
finden nun aber, dass grade in den 6 Morgenstunden die Quantitt des
Chlor im Urin zur Badezeit nicht hher, sondern eher geringer war, als
zur badefreien Zeit. Whrend der letztern wurden 4,54 Grm., whrend der
ersten Badezeit 3,28 Grm. und whrend der sptern Badezeit 4,89 Grm.
Chlor ausgeschieden. Das Plus fiel dagegen in der letzten Periode in die
Nachmittags- und Nachtzeit--und ich glaube danach nicht anstehen zu
drfen, dasselbe aus einer vermehrten Kochsalz-Einnahme mit den Speisen
zu erklren. Diese Erklrung wird dadurch untersttzt, dass an den
beiden Tagen der letzten Periode, an welchen nicht gebadet wurde (6. und
7. Aug.), sehr hohe Quantitten Chlor im Urin enthalten waren; am 6. =
12,526 Grm., am 7. = 13,667 Grm.--Doch, wird man fragen, weshalb war
denn der Chlorgehalt des Urins in der ersten Badezeit, wo doch der
Consum dem der Schlussperiode sehr nahe stand, nicht vermehrt, sondern
sogar vermindert? Dafr glaube ich nur mit der einen Hinweisung auf die
bedeutend vermehrten Schweisse einen Grund angeben zu knnen und ich
mchte es nicht in Abrede stellen, dass mit ihnen in der ersten Badezeit
um 3 Grm. Chlor mehr den Organismus auf dem Wege durch die Haut
verliessen, als in der letztern.--Bei der Unmglichkeit, die Quantitt
des durch die Haut entweichenden Chlors zu bestimmen, wird es immer ein
missliches Ding sein, mit aller Entschiedenheit die Aufnahme von
Kochsalz im Bade zu leugnen. Allein zugegeben, dass sie stattfinde,
zugegeben, dass in 8-10 Minuten eine See-Wasserresorption von doppelter
Grsse stattfinde, wie sie Lehmann bei 1/4 - 1/2 stndigen Sitzbdern
von gewhnlichem Wasser fand, also von etwa 20 Grm., so wrde damit noch
nicht 1 Gramm Chlor aufgenommen werden, und einen die Heilwirkung des
Seebades mitbedingenden Einfluss glaube ich solcher Quantitt kaum
zuschreiben zu knnen.--

  [17] l. c.

Es wurde schon oben bemerkt, dass ich whrend der ersten Tage der
letzten Untersuchungsreihe einen gewissen Grad von Fatigue fhlte, eine
allgemeine Abspannung, einen Mangel an gewohnter Frische. Dieser Zustand
sprach sich auch in den Resultaten der chemischen Analyse aus. Es wurden
am 4ten und 5ten August durchschnittlich in 24 St. nur ausgeschieden:
26,4 Grm. Harnstoff, 1,58 Grm. Schwefelsure und 10,22 Grm. Chlor;
dagegen 0,305 Grm. Harnsure und 2,832 Grm. Phosphorsure, also wieder
Vermehrung der letztern mit Retardation der Stoffmetamorphose im
Allgemeinen. Ich hielt es deshalb geeignet, zwei Tage lang das Bad
auszusetzen, um zu erfahren, ob der bezeichnete Zustand dadurch
beseitigt werden wrde. Meine Erwartungen wurden in Uebereinstimmung mit
dem, was Seebad-Aerzte in dieser Beziehung versichern, erfllt. Nicht
nur, dass das Gefhl frherer Frische alsbald wiederkehrte, auch in den
Ergebnissen der chemischen Analyse sprach sich sofort die Beschleunigung
des Stoffwechsels, die Wiederkehr des frhern Zustandes aus. Es wurden
an den beiden Tagen in je 24 Stunden entleert: 28,49 Grm. Harnstoff,
1,881 Grm. Schwefelsure und 13,096 Grm. Chlor; dagegen nur 0,281 Grm.
Harnsure und 2,685 Grm. Phosphorsure--also wieder das umgekehrte
Verhltniss wie oben, ganz in Uebereinstimmung mit dem, wie oben des
Weitern auseinandergesetzt wurde.--Es geht daraus wieder der der
Badewirkung gegenber bedeutende Einfluss des ausschliesslichen
Luftgenusses hervor; andrerseits aber enthlt diese Thatsache auch eine
dringende Warnung fr alle diejenigen, die, nicht zufrieden mit der
schon an und fr sich fatiguirenden Einwirkung des Bades, tglich noch
durch excessive krperliche Bewegung u. s. w. die Wirkung ihrer Cur zu
erhhen glauben. Der Zustand der Depression, der Abspannung, in welcher
Weise dieselbe auch zu Stande kam, ist allemal mit Retardation der
Stoffmetamorphose verbunden; Alles aber, was eine solche herbeifhrt,
ist auch direct dem segensreichen Einflusse des Seebades und
Aufenthaltes an der Kste entgegengesetzt.--Ich habe oft mit Bedauern
Kranke am Strande auf- und niederlaufen sehen, und mich oftmals nicht
ohne Erfolg bemht, dem Wunsche derselben, es recht gut zu machen, die
richtigen Wege zu weisen. Fr Niemand weniger, als fr den Seebadenden,
sind ~in der Regel~ excessive krperliche Anstrengungen geeignet;
es pflegen sich im Gegentheil diejenigen Kranken am besten zu
befinden, die, so viel als mglich, ruhig, theils sitzend, theils
gehend am Strande verweilen. Insonderheit da, wo es auf Hebung
des Ernhrungsprocesses, auf Gewinn an Phosphorsure ankommt,
kann die gleichmssige Ruhe, wie Flgge[18] es so richtig thut,
nicht dringend genug empfohlen werden. Die wunderbare Genesung
scrophulser, atrophischer, rhachitischer u. a. Kinder, die ich an
der englischen Kste in Margate beobachtete, findet nur in dem ruhigen,
tagelangen Verweilen derselben in der unschtzbaren Seeluft ihre
Erklrung.--Fatigue ist allemal Verlust an Kraft, und Ruhe eben da
Gewinn, wo die Luft allein schon fhig ist den Stoffwechsel zu heben,
die Oxydationsprocesse zu steigern. Dadurch gewinnt, wie meine
Untersuchungen nachweisen, der Organismus an jenem Material, das dem
gesunden Aufbau und Gedeihen desselben fehlte, dadurch bekommt allein
der Geist und mit ihm das gesammte Nervensystem die so oft vermisste und
doch so nothwendige, gleichmssige Ruhe.--

  [18] Verhaltungsregeln beim Gebrauch der Seebder vom Sanit.-Rath Dr.
       Flgge. 3te Aufl. Hannover.

In der Vertheilung der Ausgaben dieser Untersuchungsreihe auf
Morgenstunden und brige Tageszeit kamen zu geringe Differenzen von der
in der anfnglichen Badezeit beobachteten vor, als dass ich darber ein
Mehres zu sagen fr nthig hielte. Im Wesentlichen usserte das Bad die
gleichen Einflsse. Vermehrte sich die Urinquantitt, so wie der
Harnstoffgehalt derselben jetzt um etwas in den Morgenstunden, so mochte
der Grund dafr in der bereits oben erwhnten, weniger reichlichen
Hauttranspiration liegen: verminderte sich die Schwefelsure um 0,038
Grm., so habe ich als Ursache davon schon oben die vermehrten
Darmentleerungen angesprochen; und verminderte sich ebenfalls
die Harnsure um 0,017 Grm., so fand dafr Nachmittags eine
ganz entsprechende Vermehrung Statt; es kamen die 0,017 Grm. nur
zufllig etwas spter zur Ausscheidung als zur anfnglichen
Badezeit.--Wesentliche Schlsse lassen sich auf diese geringen
Differenzen nicht basiren; was sich mit Bestimmtheit folgern lsst, ist
bereits bei Besprechung der Mittelwerthe fr die 24stndige Periode
gesagt.

Bis zum Tage der Abreise von Wangeroge, den 17. August, stand nur noch
eine kurze Zeit bevor.--Die 5 Tage wurden verlebt, wie die Tage der
arbeitsfreien Zeit vom 24. Juli--4. August. Am 18ten Nachmittags traf
ich in Oldenburg wieder ein.--Aber ich durfte meine Aufgabe noch nicht
als beendet betrachten; es galt die Frage zu lsen: wie sich der
Stoffwechsel jetzt, nach dem beendeten Bade, in Oldenburg verhielt, wie
die Gewichtsverhltnisse des Krpers sich gestalteten, wie die einzelnen
bisher betrachteten Bestandteile des Urins.--Ich liess also erst einige
Tage in den gewhnlichen frher schon angedeuteten Lebensverhltnissen
vergehen und nahm dann am 29sten August die Untersuchungen wieder
auf.--Leider wurde ich durch unabwendbare Berufsgeschfte verhindert,
eine lngere, zusammenhngende Reihe von Tagen hindurch die
Beobachtungen fortzusetzen; ich wurde genthigt, mit einem Zwischenraum
von 11 Tagen 2 Mal 3 Tage lang, statt, wie ich es wnschte, 6 Tage lang
in continuo zu beobachten. Allein da die Lebensweise in beiden Perioden
durchaus gleichartig war, so wird kein Fehler darin liegen, die
Mittelwerthe aus den 6 Tagen in summa zu berechnen, wenn auch die
bedeutende Verschiedenheit der Harnsure- und Phosphorsureausscheidung
in beiden Zeitrumen einer besondern Erwhnung bedarf.--

Ich lasse zunchst wieder die Resultate der einzelnen Untersuchungen
selbst folgen:




VII. UNTERSUCHUNGSREIHE.


29-30. ~August~.

  Mittlerer Barometerstand:  28'' 6,2'''           Lufttemperatur: = 15-16,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8 U. |200 CC. |         |7 U. |  --    |      |     |     |}
  15 M.|Wasser  |         |30 M.|        |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |9 U. | 26 CC.}|      |s.   |III- |}
       |Caffee  |brod     |     |       }|1023  |st.  |IV.  |}
       |        |         |     |       }|      |s.   | (A) |}
       |        |         |10 " | 50  " }|      |schw.|III- |}
       |        |         |     |        |      |s.   |IV.  |}
       |        |         |     |        |      |     |klar.|}23,975 Gr. Harn-
       |        |         |11 " |  67 "  |1020  |fast |III. |}           stoff
       |        |         |     |        |      |neu- |klar.|} 0,340  "  Harn-
  1 U. |400 CC. |Hammel-  |     |        |      |tral.|     |}           sure
  30 M.|Wein u. |braten.  |1  " | 103 "  |1020  |schw.|III. |} 1,246  "  Schwe-
       |Wasser  |Kartof-  |     |        |      |s.   |     |}           fels.
       |        |feln; ge-|     |        |      |     |     |} 2,244  "  Phos-
       |        |kochtes  |     |        |      |     |     |}           phors.
       |        |Obst.    |     |        |      |     |     |}    ?   "  Chlor.
  2 U. |150 CC. |         |5  " | 215 "  |1020  |s.   |III. |}
       |Caffee  |         |15 M.|        |      |     |     |}
       |        |         |10 U.| 216 "  |1023  |s.   |III. |}
  8 "  |400 CC. |Butter-  |8  " | 282 "  |1021  |s.   |III- |}
  45 M.|Thee    |brod und |15 M.|        |      |st.  |IV.  |}
       |        |Reisku-  |     |        |      |s.   |     |}
       |        |chen.    |     |        |      |     |     |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |1550 "  | --      |24-  | 959 "  |1022  |s.   |III- |
  3/4  |        |         |3/4  |        |      |     |IV.  |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

  Legende: (A) Sedim. von harnsauren Salzen.

  _Krpergewicht:_ 29. Aug. Morgens 9 Uhr 30 Min. = 126 [Pfund]  260 Gramm.
                   30.  "      "    9  "  25  "   = 127    "      90    "
  -------------------------------------------------------------------------
                                                       Zunahme = 330    "

_Befinden:_ gut; namentlich Abends sehr frisch.

_Beschftigung:_ 5 St. gearbeitet; 5 St. Krankenbesuche. Abends
gesellige Unterhaltungen. 9 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Mittags, Nachmittags und Nachts leicht transpirirende
Haut.

_Darmentleerung:_ Abends 10-1/2 Uhr: wenig; hrtlich.

_Witterung:_ mssig windig; theils bedeckter Himmel, aber doch sehr
warm. NW.


30-31. ~August~.

  Mittlerer Barometerstand:  28'' 5,8'''              Lufttemperatur: = 15-19R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |9 U. | 17 CC.}|      |st.  |III- |}
       |Caffee  |brod     |15 M.|       }|      |s.   |IV.  |}
       |        |         |     |       }|1025  |     | (A) |}
       |        |         |     |       }|      |     |     |}
       |        |         |10 U.| 32  " }|      |st.  |III. |}
       |        |         |15 M.|       }|      |s.   |klar.|}
       |        |         |11 U.|  66 "  |1020  |s.   |III. |}
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}
  2 U. |400 CC. |Fricadel-|     |        |      |     |     |}22,681 Gr. Harn-
       |Wasser  |len.     |12 U.|  52 "  |1017,7|st.  | "   |}           stoff
       |u. Wein |Kohlra-  |25 M.|        |      |s.   |     |} 0,292  "  Harn-
       |        |ben; Kar-|     |        |      |     |     |}           sure
       |        |toffeln. |     |        |      |     |     |} 1,318  "  Schwe-
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |}           fels.
  3  " |150 CC. |         |2 U. |  68 "  |1023,5|s.   |III- |} 2,287  "  Phos-
  30 M.|Caffee  |         |15 M.|        |      |st.  |IV.  |}           phors.
       |        |         |     |        |      |s.   |     |} 8,812  "  Chlor.
  7 U. |250 CC. |         |5 U. | 154 "  |1019  |s.   |III- |}
       |Wasser  |         |5 M. |        |      |st.  |IV.  |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
  7 "  |250 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  25 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
       |        |         |10 U.| 260 "  |1023,5|s.   |III. |}
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}
  9 U. |400 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |}
       |Thee    |brod     |     |        |      |     |     |}
       |        |         |7 U. | 550 "  |1011  |s.   |II-  |}
       |        |         |45 M.|        |      |     |III. |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  23-  |2050 "  |  --     |23-  |1199 "  |1017  |s.   |III. |
  1/2  |        |         |1/2  |        |      |     |     |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

  Legende: (A) harns. Salz-Sedim.

_Krpergewicht:_ Zunahme = 74 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut; nur Mittags durch die Gewitterschwle abgespannt.

_Beschftigung:_ 7-1/2 St. gearbeitet; 4 St. Krankenbesuche. Abends
musikal. Unterhaltung.--8 St. Schlaf.

_Hautfunction:_ Mittags von 12-2 Uhr und Nachmittags von 5-7 Uhr stark
transpirirt.--

_Darmentleerung:_ 10 Uhr 15 Min. mssig viel, geballt; 10 Uhr 30 Min.
desgl.--

_Witterung:_ sehr schwere, schwle Luft; theils bedeckter Himmel; kein
Regen.--WSW.


31. ~August~-1. ~September~.

  Mittlerer Barometerstand:  28'' 4,8'''           Lufttemperatur: = 15,2-16 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  15 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |9 Uhr| 33 CC.}|      |st.  |III. |}
       |Caffee  |brod     |     |       }|1020  |s.   |     |}
       |        |         |10 " | 58   "}|      |schw.|II-  |}
       |        |         |     |       }|      |s.   |III. |}
       |        |         |11 " |  62  " |1017  |kaum |II-  |}
       |        |         |     |        |      |s.   |III. |}
  2 U. |300 CC. |Gekochter|12 " | 278  " |1005,5|schw.|I-II.|}27,703 Gr. Harn-
  15 M.|Wein u. |Schinken;|45 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |Wasser  |Hring;  |     |        |      |     |     |} 0,245  "  Harn-
       |        |Bohnen u.|2 Uhr|  96  " |1011  |st.  |II.  |}           sure
       |        |Kart.    |     |        |      |s.   |     |} 1,544  "  Schwe-
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |}           fels.
  3 U. |150 CC. |         |6  " | 379  " |1017  |schw.|II-  |} 2,384  "  Phos-
  30 M.|Caffee  |         |     |        |      |s.   |III. |}           phors.
  4 U. |300 CC. |         |8  " | 217  " |1019,5|schw.|II.  |}18,419  "  Chlor.
       |Wasser  |         |     |        |      |alk. |     |}
  4 U. |150  CC.|         |     |        |      |     |     |}
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
  5 U. | 250 CC.|         |10 " | 228  " |1020,5|kaum |II-  |}
       |Wasser  |         |45 M.|        |      |s.   |III. |}
  8 U. |400 CC. |Butter-  |7 Uhr| 328  " |1022  |s.   |III- |}
  45 M.|Thee    |brod     |     |        |      |     |IV.  |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |2150 "  |  --     |24   |1679  " |1017  |schw.|II-  |
  St.  |        |         |St.  |        |      |s.   |III. |

  _Krpergewicht:_ den 31. Aug.  Morg. 9 Uhr 30 Min. = 127 [Pfund] 164 Gramm.
                    "   1. Sept.   "   9  "  30  "   = 127    "    175   "
                   ----------------------------------------------------------
                                     Zunahme = 11 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut. Nachmittags sehr starker Durst (in Folge des
salzreichen Fleisches).

_Beschftigung:_ 7-1/2 St. gearbeitet. 2 St. Krankenbesuche. Nachmittags
u. Abends gesellige und musikalische Unterhaltungen.-- 9. St. Schlaf.

_Hautthtigkeit:_ nur Mittags transpirirt.--

_Darmentleerung:_ Morgens 11 Uhr und Abends 10 Uhr 45 Min. massig
viel.--

_Witterung:_ sehr warm.--Sonnenschein--WN.--


12-13. ~September~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 5,2'''  Lufttemperatur: 12,7-17 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8    |200 CC. |         |7 U. |  --    |      |     |     |}
  Uhr. |Wasser  |         |30 M.|        |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |}
       |Caffee  |brod     |     |        |      |     |     |}
       |        |         |8 U. | 30 CC.}|      |s.   |III. |}
       |        |         |30 M.|       }|      |st.  |     |}
       |        |         |     |       }|1012  |s.   |     |}
       |        |         |9 U. |130  " }|      |s.   |II-  |}
       |        |         |30 M.|       }|      |schw.|III. |}
       |        |         |     |       }|      |s.   |     |}
  2    |400 CC. |Beef-    |10 U.|  77 "  |1011,5|kaum |III. |}26,396 Gr. Harn-
  Uhr. |Wein u. |steak.   |30 M.|        |      |s.   |     |}           stoff
       |Wasser  |Kartof-  |     |        |      |     |     |}    Spuren Harn-
       |        |feln.    |     |        |      |     |     |}           sure
       |        |Milch-   |     |        |      |     |     |} 1,612 Gr. Schwe-
       |        |reis.    |     |        |      |     |     |}           fels.
       |        |Dessert. |12 U.| 185 "  |1011,5|s.   | "   |} 1,853  "  Phos-
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}           phors.
  3 Uhr|110 CC. |         |1 U. | 112 "  |1014  |st.  |II.  |}11,485  "  Chlor.
  45 M.|Caffee  |         |30 M.|        |      |s.   |     |}
  5    |200 CC. |         |3 U. | 384 "  |1004,5|st.  | "   |}
  Uhr. |Wasser  |         |30 M.|        |      |s.   |     |}
  6    |200 CC. |         |7 U. | 302 "  |1014  |s.   |III. |}
  Uhr. |Wasser  |         |     |        |      |schw.|     |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         |10 " | 195 "  |1016,5|s.   | "   |}
  9    |400 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |}
  Uhr. |Thee    |brod     |     |        |      |     |     |}
       |        |         |7  " | 600 "  |1010  |"    |II-  |}
       |        |         |15 M.|        |      |     |III. |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  22-  |1910  " |  --     |22-  |2015 "  |1010,5|s.   |II-  |
  3/4  |        |         |3/4  |        |      |     |III. |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

  _Krpergewicht:_ 12. Sept. Morgens 9 Uhr 30 Min. 126 [Pfund] 125 Grm.
                   13.   "      "    9  "  30  "   126    "     30  "
                   ----------------------------------------------------
                                   Verlust = 95 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.

_Beschftigung:_ 8 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche und Spaziergang.
9 St. Schlaf.--Tags zuvor wurde bis 1 Uhr Nachts gearbeitet.--

_Hautfunction:_ Morgens zwischen 10 u. 11 Uhr, und Nachmittags zwischen
6 u. 7 Uhr transpirirt.--

_Darmentleerung:_ 9 Uhr 30 Min. Morgens mssig viel, geballt.--

_Witterung:_ stets warmer Sonnenschein und klarer Himmel.--SW.


13-14. ~September~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 3,2'''             Lufttemperatur:  16,2-19 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  7 U. |200 CC. |         |     |        |      |     |     |}
  45 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |     |}
       |400 CC. |Butter-  |8 U. | 31 CC.}|      |s.   |III. |}
       |Caffee  |brod     |15 M.|       }|      |st.  |     |}
       |        |         |     |       }|1015  |s.   |     |}
       |        |         |9 U. | 60  " }|      |s.   | "   |}
       |        |         |15 M.|       }|      |     |     |}
  1 U. |100 CC. |         |10 U.|  78 "  |1015,5|kaum | "   |}
  30 M.|Wein    |         |15 M.|        |      |s.   |     |}23,398 Gr. Harn-
  2 U. |200  "  |Cortelet-|12 U.| 310 "  |1007  |schw.|II.  |}           stoff
  15 M.|Bouillon|tes; Kar-|15 M.|        |      |s.   |     |}    Spuren Harn-
       |400 CC. |toffeln; |     |        |      |     |     |}           sure
       |Wein u. |Obst;    |     |        |      |     |     |} 1,343 Gr. Schwe-
       |Wasser  |Dessert. |1 U. | 152 "  |1005  |s.   |I-II.|}           fels.
       |        |         |15 M.|        |      |     |     |} 1,486  "  Phos-
       |        |         |3 U. | 160 "  |1010,5|st.  |II-  |}           phors.
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |III. |} 9,644  "  Chlor.
  3 U. |150 CC. |         |8 U. | 266 "  |1018,2|schw.|III. |}
  45 M.|Caffee  |         |     |        |      |s.   |     |}
       |        |         |10 " |  96 "  |1019,5|st.  | "   |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
  9 "  |420 CC. |         |     |        |      |     |     |}
       |Thee    |         |     |        |      |     |     |}
       |        |         |7  " | 428 "  |1012  |s.   | "   |}
       |        |         |30 M.|        |      |     |     |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24-  |1870 "  |  --     |24-  |1581 "  |1012,2|s.   |III. |
  1/4  |        |         |1/4  |        |      |     |     |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

_Krpergewicht:_ Abnahme = 7 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.

_Beschftigung:_ 7 St. gearbeitet.--2 St. Krankenbesuche und
Spaziergang.--Nachmittags und Abends gesellige und musikalische
Unterhaltung. 8 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Mittags zwischen 1 u. 2 Uhr und Abends zwischen 6 u. 7
Uhr leicht transpirirt.

_Darmentleerung:_ Abends 8 u. 10 Uhr mssig viel, weich-breiige Sedes.

_Witterung:_ sehr schn. Abends gewitterhaft; Regen.--SW.


14-15. ~September~.

  Mittlerer Barometerstand: 28'' 1,2'''            Lufttemperatur: 15,7-16,5 R.
  -----+------------------+-----------------------------------------------------
       |   ~Einnahme~:    |                      ~Ausgabe~
   Ta- +--------+---------+                      an Urin:
   ges-|        |  Feste  +-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  zeit.|Fluida. |Speisen. |Zeit.|Quanti- |  Sp. |Reac-|Farbe|  Nhere Bestand-
       |        |         |     | tt.   | Gew. |tion.|etc. |      theile
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  8 Uhr|200 CC. |         |8 U. | 19 CC.}|      |s.   |III. |}
       |Wasser  |         |30 M.|       }|      |st.  |     |}
       |400 CC. |Butter-  |     |       }|1024  |s.   |     |}
       |Caffee  |brod     |     |       }|      |     |     |}
       |        |         |9 U. |  24 "} |      |st.  |III- |}
       |        |         |30 M.|      } |      |s.   |IV.  |}
       |        |         |10 U.|  32 "} |      |s.   |III. |}
       |        |         |30 M.|      } |1022,5|st.  |     |}
       |        |         |     |      } |      |s.   |     |}
  2 "  |200 CC. |Beef-    |11 U.|  34 "} |      |st.  | "   |}23,957 Gr. Harn-
       |Bouillon|steak.-- |30 M.|      } |      |s.   |     |}           stoff
       |450 CC. |Hring.  |12 U.|  52 "  |1020  |st.  | "   |} 0,284  "  Harn-
       |Wein u. |Bohnen.  |30 M.|        |      |s.   |     |}           sure
       |Wasser  |Kartof-  |5 U. | 262 "  |1022  |schw.| "   |} 1,451  "  Schwe-
       |        |feln.    |30 M.|        |      |s.   |     |}           fels.
       |        |Dessert. |     |        |      |     |     |} 1,697  "  Phos-
  4 "  |150 CC. |         |9 U. | 289 "  |1022  |schw.| "   |}           phors.
       |Caffee  |         |     |        |      |alk. |     |}14,443  "  Chlor.
  4 "  |400 CC. |         |11 U.|  75 "  |1020,5|s.   |II-  |}
  30 M.|Wasser  |         |     |        |      |     |III. |}
       |        |         |2  " | 430 "  |1008,5|s.   |I-II.|}
       |        |         |     |        |      |schw.|     |}
       |        |         |     |        |      |s.   |     |}
  9 U. |350 CC. |Butter-  |     |        |      |     |     |}
       |Thee    |brod     |     |        |      |     |     |}
       |        |         |7  " | 152 "  |1021,5|st.  |III. |}
       |        |         |30 M.|        |      |s.   |     |}
  -----+--------+---------+-----+--------+------+-----+-----+-------------------
  24   |2150 "  |  --     |24   |1369 "  |1017,5|s.   |III. |
  St.  |        |         |St.  |        |      |     |     |

  _Krpergewicht:_ den 14. Sept. Morgens 9 Uhr 40 Min. = 126 [Pfund],  23 Grm.
                    "  15.   "      "    9  "  35  "   = 125    "     470  "
                   -----------------------------------------------------------
                                        Abnahme = 53 Gramm.

_Befinden:_ sehr gut.

_Beschftigung:_ 9 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche u.
Spaziergang.--Nachmittags Besuche im Hause.--7-1/2 St. Schlaf.--

_Hautfunction:_ Morgens sowohl, als Nachmittags stark duftende Haut.

_Darmentleerung:_ Morgens 8 Uhr 30 Min. und Abends 11 Uhr sehr
reichlich. Ebenso hatte am 15ten Morgens 9 Uhr 30 Min. kurz vor der
Krpergewichtsbestimmung noch eine reichliche Entleerung Statt.

_Witterung:_ Morgens trbe, Regen.--Nachmittags: gewitterhaft, sehr
schwl.--Abends Regen.--SW.

Berechnen wir zunchst die Mittelwerthe aus smmtlichen vorstehenden 6
Tagen, so ergiebt sich, dass bei einem tglichen Genuss von 1947 CC.
Fluidis 1467 CC. Urin entleert wurden, und dass diese enthielten:

  24,634 Grm. Harnstoff
   0,193  "   Harnsure
   1,419  "   Schwefelsure
   1,990  "   Phosphorsure und
  12,736  "   Chlor.

Das Krpergewicht nahm dabei tglich um 43 Grm. zu.--

Ziehen wir dagegen die Mittelwerthe aus den ersten und letzten 3 Tagen
gesondert, so findet sich, dass in den ersten 3 Tagen beim Genuss von
1917 CC. Fluidis entleert wurden:

  1279 CC. Urin mit 24,786 Grm. Harnstoff
                     0,292  "   Harnsure
                     1,369  "   Schwefelsure
                     2,302  "   Phosphorsure und
                    13,615  "   Chlor;

das Krpergewicht aber tglich um 138 Grm. zunahm; dass dagegen in den
letzten 3 Tagen beim Genuss von 1977 CC. Fluidis entleert wurden: 1655
CC. Urin mit

  24,583 Grm. Harnstoff
   0,095  "   Harnsure
   1,469  "   Schwefelsure
   1,679  "   Phosphorsure und
  11,857  "   Chlor;

und dass dabei das Krpergewicht tglich um 52 Grm. abnahm.--

Die Hauptergebnisse dieser Untersuchungen springen leicht in die
Augen.--Zunchst ist die ~Menge des Harnstoffs~ wieder auf ganz dieselbe
Hhe zurckgegangen, auf welcher sie vor dem Gebrauch des Bades in
Oldenburg stand; es wurden damals 24,43 Grm., jetzt 24,63 Grm. in je 24
Stunden entleert. Das Resultat stellt sich sowohl bei Berechnung des
Mittelwerthes aus allen 6 Tagen, als auch bei Berechnung desselben aus
den zwei 3tgigen Perioden im Einzelnen heraus. Ihm entsprechend finden
wir auch wieder die Schwefelsure auf derselben Stufe, wie vor Gebrauch
des Bades; wir fanden damals 1,404 Grm., jetzt 1,419 Grm. in 24 Stunden.
Schwefelsure und Harnstoff zeigen, wie in allen obigen Untersuchungen,
so auch hier wieder einen bestndigen Parallelismus.--Die Deutung
dieser Verhltnisse ist nicht schwierig. Die durch Seeluft und Seebad
bedingte Beschleunigung des Stoffwechsels hrte sofort nach Rckkehr auf
den Continent auf; die Consumption grsserer Mengen Nahrungsmaterial war
nicht mehr, wie in Wangeroge, Bedrfniss; die vollkommne Befriedigung
des jetzigen Nahrungsbedrfnisses hatte Statt bei einer Menge von
stickstoffhaltigen Substanzen, welche per Tag 24,5 Harnstoff zu bilden
vermochten. Es geht hieraus mit zweifelloser Gewissheit hervor, dass der
vermehrte Consum und die eventualiter vermehrte Harnstoffausgabe in
Wangeroge lediglich Folge des Seeluft- und Seebadgenusses waren. Dort,
wie in Oldenburg, genoss ich ganz nach Bedrfniss; die Befriedigung
desselben fhrte aber bei mehr oder weniger gleicher Qualitt der
Nahrung dort zu einer tglichen Harnstoffausgabe von 27-30 Grm., hier
nur zu einer solchen von 24 Grm. Deutlicher kann die den Stoffwechsel
beschleunigende Wirkung der Seeluft und des Seebades nicht wohl
dargethan werden.--

Nicht so, wie mit Harnstoff und Schwefelsure, verhielt es sich dagegen
nach der Rckkehr aus dem Bade mit ~Harnsure~ und ~Phosphorsure~.
Trotz der der frhern ganz gleichartigen Lebensweise wurden vor dem
Gebrauch des Bades tglich ausgeschieden:

                        0,418 Grm. Harnsure und 2,893 Grm. Phosphorsure,
  jetzt, nach dem Bade: 0,193  "       "     u.  1,990  "        "       ;

und trennen wir wieder die letztern 6 Tage in die 2 Mal 3 Tage, so
wurden whrend der

  ersten 3 Tage im Mittel: 0,292 Grm. Harnsure und 2,302 Grm. Phosphorsure,
  dagegen whrend der
  letzten 3 Tage:          0,095  "       "     u.  1,679  "        "
  entleert.--

Auch hier tritt uns zunchst wieder der oben so oft beobachtete
Parallelismus der Harnsure und Phosphorsure entgegen, ein Umstand, auf
den ich, bei der Bedeutung der Phosphorsure fr den Ernhrungsprocess
und bei der Mangelhaftigkeit der Physiologie des letztern jedesmal von
Neuem aufmerksam machen mchte. Dann aber fllt es sofort auf, dass
beide Stoffe, nicht wie Harnstoff und Schwefelsure zu dem vor dem
Badegebrauch beobachteten Mengenverhltniss zurckkehren, vielmehr weit
hinter demselben zurckbleiben, ja noch unter das im Bade selbst
beobachtete Minimum herabsinken; dass ferner diese auffallende
Erscheinung am frappantesten in einem Zeitraum, der 4 Wochen von der
letzten Badezeit getrennt war, hervortritt.--Besttigen fernere
Untersuchungen dieses Factum, so wird dasselbe ohne Frage zur Erklrung
der so oft beobachteten s. g. Nachwirkung des Seebades auf den
Ernhrungsprocess benutzt werden knnen und uns die nachtrgliche Hebung
des letztern in ihrem wahren Grunde erkennen lassen.--Erinnern wir uns
der obigen Annahme, dass der Gebrauch des Bades die Production von
Harnsure im Organismus absolut steigere, eine vermehrte Ausscheidung
derselben bedinge,--ein Verhltniss, dessen causaler Nexus vorlufig
dahingestellt bleiben muss--, so ist die auffallende Verminderung
der Harnsurequantitt in den nchsten 4 Wochen nach dem Bade nicht
eben auffallend. Die Harnsure kann sowohl aus integrirenden
Krperbestandtheilen, als direct aus den eingefhrten Nahrungsmitteln
hervorgehen. Es ist sehr wohl mglich, dass im Gange des gewhnlichen
Lebens jene integrirenden Krperbestandtheile einen sehr bedeutenden
Theil des Bildungsmateriales fr die Harnsure liefern, und
eben so mglich wieder, dass das Seebad die Metamorphose dieses
Bildungsmateriales in der Weise beschleunigt, dass eine "absolut
vermehrte Harnsureproduction" resultirt und fr die nachfolgende Zeit
der Vorrath an jenem Materiale einstweilen erschpft ist. Dann erscheint
selbstverstndlich im Harne nur diejenige Quantitt Harnsure, welche
aus den eingefhrten Nahrungsmitteln direct hervorgeht, eine Quantitt
etwa, wie wir sie in den letzten Untersuchungsperioden gefunden haben.
Wird nun aber in dieser Weise in Folge des Badegebrauchs absolut weniger
Harnsure im Organismus producirt, so wird, nach den oben gegebenen
Auseinandersetzungen, damit auch weniger Oxalsure gebildet und damit
endlich eine geringere Ausscheidung von Phosphaten bedingt. Der
Organismus erfhrt jetzt also, ebenso wie whrend des Aufenthaltes auf
der Insel, noch fortdauernd einen Gewinn an Phosphorsure, ein Gewinn,
der im Stande ist uns diejenigen Zunahmen des Embonpoint zu erklren,
die wir oftmals erst im 2ten oder 3ten Monat nach dem Gebrauch des
Seebades zu beobachten Gelegenheit haben, ein Gewinn ferner, der im
vorliegenden Falle nicht unbedeutend war, wenn wir bedenken, dass vor
dem Bade tglich 2,893 Grm., nach der Badezeit aber nur 1,990 Grm.
Phosphorsure ausgeschieden wurden.--Erinnere man sich bei der
Ueberlegung dieser Thatsachen und Vermuthungen stets des Experimentes
von Whler und Frerichs, welches nach Harnsureftterung eine Vermehrung
des Harnstoffgehaltes des Urins und Erscheinen von Oxalsure in
demselben kennen lehrte; erinnere man sich ferner des von mir
erwiesenen Satzes, dass reichlicher Gehalt des Urins an Oxalaten
immer zusammenfllt mit abnorm reichlichem Gehalt desselben an
Erdphosphaten--, und, ich meine, wir gewinnen damit eine Einsicht in die
schwierigen Verhltnisse des Ernhrungsprocesses, die fr Pathologie
sowohl, als Therapie von grossem Werthe ist. An stickstoffhaltigem
Materiale (Albuminaten) und an Fetten fehlt es selten, vielleicht nur in
wirklichen Inanitionszustnden; aber das dritte Requisit fr den
Zellenbildungsprocess, die Phosphorsure (und specieller: der
phosphorsaure Kalk) ist vermge seiner Abhngigkeit von leicht
vernderlichen Verhltnissen der Stoffmetamorphose (Harnsure- und
Oxalsurebildung) steten Schwankungen unterworfen und bedingt--ich bin
davon berzeugt--in der grossen Mehrzahl der Flle allein die
mannigfachen Schwankungen in der Krperzu- und -abnahme, die uns im
praktischen Leben entgegentreten. Das Studium der Wirkung des Seebades
ist in der That nicht sowohl deshalb von Wichtigkeit, weil es uns mit
der Wirkung eines einzelnen Heilmittels vertraut macht, sondern
namentlich deshalb, weil es auf die gesammte Lehre von dem
Ernhrungsprocess des Krpers ein bedeutendes Licht zu verbreiten
verspricht.--

Wir bringen also die Verminderung der Harnsure im Urin in der dem
Seebade folgenden Zeit noch auf Rechnung des Bades, es documentirt
sich in ihr eine s. g. Nachwirkung; ihr entsprechend ist die
Phosphorsureausscheidung gering; die Ernhrung des Krpers hebt sich
noch fort und fort.--Die Krpergewichtsbestimmungen dienen zur
Untersttzung dieser Ansicht.--Whrend das Krpergewicht am Ende der
Untersuchungen auf Wangeroge, am 12ten August, 125 [Pfund] 321 Grm.
betrug, belief es sich am 1sten Septbr. zu gleicher Tageszeit auf 127
[Pfund] 175 Grm. Der in Wangeroge erreichte Gewinn war also nicht nur
ein bleibender, sondern wuchs noch, auch nach erfolgter Rckkehr. Und
wenn dieser fortschreitende Gewinn in der ersten Zeit des September sich
nicht mehr so augenscheinlich kund gab, wenn wir am 13. Septbr. wieder
ein Gewicht von nur 126 [Pfund] 30 Grm. finden, so mag das in dem durch
sehr angestrengte Thtigkeit gesteigerten Stoffverbrauche, wie er in der
That im September Statt hatte, seinen Grund haben, nicht aber den obigen
Satz entkrften.--Whrend der letzten 3 Untersuchungstage, vom 12.-15.
Septbr., hatte sogar ~tglich~ eine geringe Krpergewichtsabnahme (von
52 Grm.) Statt. Aber ich muss zur Erklrung dieser auf die whrend
dieser 3 Tage aus unbekannten Grnden sehr gesteigerte Diurese
aufmerksam machen. Bei nicht geringer Hauttranspiration und reichlichen
Darmentleerungen wurden bei tglichem Genuss von 1977 CC. Fluidis 1655
CC. Urin entleert, ein Verhltniss, welches in Vergleich mit den
frhern eine noch viel bedeutendere, momentane Gewichtsabnahme htte
erwarten lassen.--Bei Beurtheilung der Gewichtsverhltnisse des Krpers
sind selbstverstndlich stets alle Factoren der Stoffmetamorphose,
die Einnahmen und gesammten Ausgaben zu bercksichtigen; ein Tag
oder wenige aufeinanderfolgende Tage knnen durch gesteigerte
Diurese, Hauttranspiration oder Darmentleerung sehr leicht einen
Krpergewichtsverlust von einigen Pfunden bedingen, ohne dass
man deshalb schon von einem beeintrchtigten oder sinkenden
Ernhrungsvorgang reden darf; der momentane Verlust gleicht sich rasch
wieder aus. Nur wenn in Zeitrumen von 8, 14, 21 u. s. w. Tagen
Vernderungen in den Krpergewichtsverhltnissen eintreten, ist ein
Schluss auf die Energie des Ernhrungsprocesses zulssig. Solches ist
aber, mit Ausnahme der letzten 3 Untersuchungstage bei meinen
Untersuchungen der Fall--und wenn das Krpergewicht vor Gebrauch des
Bades am 9ten Juli 120 [Pfund] 400 Grm. betrug, 14 Tage nach dem Bade,
am 1sten Septbr., sich aber auf 127 [Pfund] 175 Grm., und noch 14 Tage
spter, am 14. Septbr., auf 126 [Pfund] 23 Grm. belief, so liegt darin
mit aller Bestimmtheit der Beweis, dass das Seebad den Ernhrungsprocess
hebt, die Anbildung von Krpersubstanz befrdert; und diese Wirkung
zeigt sich sicher sowohl whrend des Aufenthaltes auf der Insel selbst,
als auch noch in der der Badezeit zunchst folgenden Zeit[19].--

  [19] Am Tage, wo mir diese Zeilen zur Correctur vorliegen, den 12.
       Decbr. 1854 Morgens 10 Uhr, betrgt das Krpergewicht: 126 Pfd.
       422 Grm. Der Gewinn an Krpersubstanz ist also ein andauernd
       bleibender geworden, ohne dass die Lebensverhltnisse gegen die
       frhern im Januar und Februar verndert gewesen wren.--

Was endlich den Chlorgehalt des Urins in dieser dem Bade folgenden Zeit
betrifft, so stand derselbe im Mittel eben so hoch, als whrend der
letzten Badezeit.--Whrend dieser wurden tglich 12,019 Grm., in
Oldenburg tglich 12,736 Grm. entleert. Im Vergleich zur Oldenburger
Zeit vor dem Bade wurden jetzt tglich circa 2 Grm. Chlor mehr
ausgeschieden. Ich glaube nicht, dass diese Vermehrung als Folge des
Bades anzusehen ist. Ebenso wie ich oben die Vermehrung des
Chlorgehaltes des Urins whrend der Badezeit nur als Folge gesteigerten
Salzgenusses ansprach, so mchte ich es auch hier thun. In beiden
letzten 3tgigen Untersuchungsperioden kam ein Tag vor, an welchem sehr
salzreiche Speisen (Hring und gesalzener Schinken) genossen wurden; an
jedem dieser Tage war der Chlorgehalt des Urins abnorm hoch; am 31sten
Septbr. belief er sich auf 18,419 Grm.; am 14ten Septbr. auf 14,433 Grm.
Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass nur hierdurch die hhere
Mittelzahl von 12,736 Grm. per Tag bedingt wurde. Die brigen Tage geben
ein Mittel, das ganz demjenigen gleich steht, welches in Oldenburg vor
Gebrauch des Bades beobachtet wurde.--Dieses Verhltniss gesteigerten
Salzgenusses muss ich auch zur Erklrung der bedeutenden Wasserausgabe
durch die Nieren in der letzten 3tgigen Periode in Anschlag bringen;
bei ziemlich betrchtlicher Hautfunction und geregelter Darmentleerung
kam sonst ein Verhltniss von 1977 CC. Fluidis: 1655 CC. Urin nicht
vor;--und dass reichlicher Salzgenuss das Wasserbedrfniss, wie die
Urinsecretion steigert, ist eine bekannte Thatsache.--Andrerseits wollen
wir aber auch nicht verkennen, dass nach Aufhren des Bades die
gesteigerte Thtigkeit der Haut wieder nachliess und wenn in den ersten
3 Tagen der letzten Untersuchungen noch ein hnliches Verhltniss
zwischen genossenem Fluidum und entleertem Urin (1917 CC. : 1279 CC.)
obwaltete, wie zur Badezeit, so mag die Vernderung desselben in den
letzten 3 Tagen (1977 : 1655) zum Theil wenigstens von der allmlig
nachlassenden Haut- und wieder gesteigerten Nierenthtigkeit bedingt
gewesen sein.--

Endlich habe ich noch eines wichtigen Umstandes zu gedenken. Es wurde
oben schon mehrfach erwhnt, dass whrend des Gebrauches des Seebades
der Urin stets stark sauer oder sauer, fast nie aber schwach sauer
reagirte. Die letzten 6 Beobachtungstage zeigen uns, dass auf dem
Festlande und unter den frhern gleichen Lebensverhltnissen der
Suregrad des Urins sofort wieder ein geringerer wurde; der Urin
reagirte mehrfach nicht nur schwach sauer, sondern mitunter sogar
alkalisch.--Bei dem Mangel unserer Kenntniss der Bedingungen des
verschiedenen Suregrades des Urins enthalte ich mich auch hier wieder
aller Hypothesen in Betreff dieses Umstandes; das Factum ist aber
wichtig genug, um die vollste Aufmerksamkeit spterer Beobachter zu
verdienen.--

Damit schliesse ich die Reihe der in Frage kommenden Untersuchungen ab;
zum Schluss stelle ich nur noch der klaren Uebersicht halber die
smmtlichen aufgefundenen Mittelwerthe zusammen:

                               ~MITTELWERTHE~
                           der 24stndigen Periode.

  ----------+-------+---------------+------+------+-----+------+-----+------
     Zeit   | Quan- |               |Quan- |      |     |      |     |
      und   | titt |   ~Krper-    | ti-  |      |     |Schwe-|Phos-|
      Ort   |  der  |   gewicht~    | tt  |Harn- |Harn-| fel- |phor-|Chlor.
      der   |genos- |               | des  |stoff |sure|sure |sure|
    Unter-  | senen |  zu-  |  ab-  |Urins |      |     |      |     |
   suchung. |Fluida.| nahme | nahme |      |      |     |      |     |
  ----------+-------+-------+-------+------+------+-----+------+-----+------
  In Olden- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  burg,     | 1353  |   ?   |   ?   |1226,9|26,887|0,297|2,050 |2,349|10,517
  Januar    |  CC.  |       |       | CC.  |  Gr. | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  1854.     |       |       |       |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Olden- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  burg,     | 1404,6|  --   |Tglich| 1408 |24,59 |  ?  |1,688 |2,404|11,97
  Februar   |  CC.  |       |  135  |  CC. | Gr.  |     | Gr.  | Gr. | Gr.
  1854.     |       |       |  Grm. |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Olden- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  burg,     | 1921  |  --   |Tglich| 1317 |24,43 |0,418|1,404 |2,893|10,213
  Juli      |  CC.  |       |  135  |  CC. | Gr.  | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  1854.     |       |       |  Grm. |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Wange- | 1894  |Tglich|  --   | 1469 |27,51 |0,214|1,681 |2,379|10,599
  roge, ohne|  CC.  |  59,5 |       |  CC. | Gr.  | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  Bad.      |       |  Grm. |       |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Wange- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  roge,     | 2096  |Tglich|  --   | 1290 |28,33 |0,308|1,892 |2,617|9,332
  erste     |  CC.  |  57,7 |       |  CC. | Gr.  | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  Badezeit. |       |  Grm. |       |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Wange- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  roge, ar- | 1792  |Tglich|  --   | 1251 |  --  | --  |  --  |  -- |  --
  beitsfreie|  CC.  |  95,3 |       |  CC. |      |     |      |     |
  Zeit.     |       |  Grm. |       |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Wange- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  roge,     | 1920  |Tglich|  --   | 1440 |28,37 |0,324|1,857 |2,671|12,019
  letzte    |  CC.  |  15   |       |  CC. | Gr.  | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  Badezeit  |       |  Grm. |       |      |      |     |      |     |
            |       |       |       |      |      |     |      |     |
  In Olden- |       |       |       |      |      |     |      |     |
  burg, Ende| 1947  |Tglich|  --   | 1467 |24,634|0,193|1,419 |1,990|12,736
  August u. |  CC.  |  43   |       |  CC. | Gr.  | Gr. | Gr.  | Gr. | Gr.
  Mitte Sep-|       |  Grm. |       |      |      |     |      |     |
  tember.   |       |       |       |      |      |     |      |     |


                               ~MITTELWERTHE~
                      fr die Morgenstunden von 6-1 Uhr.
  -------------+-------+---------+---------+---------+---------+---------+
  Zeit und Ort | Urin- |  Harn-  | Harn-   |Schwefel-|Phosphor-| Chlor.  |
  der          |quanti-|  stoff. | sure.  |sure    | sure.  |         |
  Beobachtung. |  tt  |         |         |         |         |         |
  -------------+-------+---------+---------+---------+---------+---------+
  In Oldenburg,|543 CC.|6,852 Gr.|0,047 Gr.|0,303 Gr.|0,686 Gr.|3,673 Gr.|
  im Juli.     |       |         |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|752  " |9,219  " |0,025  " |0,490  " |0,786  " |4,542  " |
  ohne Bad.    |       |         |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |         |
  erste Bade-  |436  " |8,257  " |0,094  " |0,476  " |0,710  " |3,288  " |
  zeit.        |       |         |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |         |
  arbeitsfr.   |411  " |  --     |  --     |  --     |  --     |  --     |
  Zeit.        |       |         |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |         |
  letzte Bade- |538  " |8,674  " |0,077  " |0,438  " |0,680  " |4,891  " |
  zeit.        |       |         |         |         |         |         |


                              ~MITTELWERTHE~
                         fr Nachmittag und Nacht.
  -------------+-------+---------+---------+---------+---------+---------
  Zeit und Ort | Urin- |  Harn-  | Harn-   |Schwefel-|Phosphor-| Chlor.
  der          |quanti-|  stoff. | sure.  |sure    | sure.  |
  Beobachtung. |  tt  |         |         |         |         |
  -------------+-------+---------+---------+---------+---------+---------
  In Oldenburg,|774 CC.|17,579 G.|0,370 Gr.|1,101 Gr.|2,207 Gr.|6,540 Gr.
  im Juli.     |       |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|717  " |18,293 " |0,189  " |1,191  " |1,593  " |6,057  "
  ohne Bad.    |       |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |
  erste Bade-  |675  " |20,308 " |0,231  " |1,499  " |1,852  " |5,146 "
  zeit.        |       |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |
  arbeitsfr.   |840  " |  --     |  --     |  --     |  --     |  --     |
  Zeit.        |       |         |         |         |         |
               |       |         |         |         |         |
  In Wangeroge,|       |         |         |         |         |
  letzte Bade- |902  " |19,703 " |0,247  " |1,418  " |1,990  " |7,128 "
  zeit.        |       |         |         |         |         |

Hiernach lassen sich die Wirkungen des Aufenthaltes auf der
Nordsee-Insel und des Seebades bersehen und die Antwort auf die
Eingangs (pag. 6.) aufgestellten Fragen fllt nicht mehr schwer.--

Die erste Frage lautete: ~Welchen Einfluss bt der alleinige Aufenthalt
an der See auf den Stoffwechsel aus~? Wir antworten hierauf auf Grund
der IV. Untersuchungsreihe: ~einen unbedingt beschleunigenden~; d. h.
die Ausgaben des Organismus werden auf der Insel um ein Bedeutendes--im
vorliegenden Falle um 1/8--gesteigert. Sollen diese vermehrten Ausgaben
gedeckt werden, so muss selbstverstndlich eine grssere Quantitt von
Nahrungsmitteln dem Krper zugefhrt werden, als auf dem Festlande
erforderlich war; wir haben damit die Erklrung des allseitig
wahrgenommenen, gehobenen Nahrungsbedrfnisses gewonnen.--Aber es findet
gleichzeitig das interessante Verhltniss seine Besttigung, dass eine
derartige Beschleunigung des Stoffwechsels, oder, was dasselbe ist, ein
gesteigerter Oxydationsprocess, nicht zur Vermehrung, sondern
zur Verminderung zweier Secretionsprodukte fhrt: der Harnsure
nmlich und der Phosphorsure; und es ist nach den oben gegebenen
Mittheilungen sicher Folge dieses Verhltnisses, dass auf der Insel
durch die Vermehrung der Einnahmen die Ausgaben nicht nur gedeckt
werden, sondern sogar eine neue Anbildung Platz greift, d. h. der
Ernhrungsprocess des Krpers gehoben wird. Der ausschliessliche Genuss
der Luft bedingt, trotz allgemeiner Beschleunigung des Stoffwechsels,
eine Krpergewichtszunahme und glaubten wir diese Wirkung entschieden
auf den directen und indirecten Gewinn an Phosphorsure reduciren zu
mssen, so geht aus den sptern Untersuchungen hervor, ~dass in dieser
Beziehung der ausschliessliche Genuss der Luft eine bedeutendere Wirkung
hat, als der gleichzeitige Gebrauch des Bades~. Wo es deshalb
insonderheit auf Hebung des Ernhrungsprocesses, auf Gewinn an
Phosphorsure ankommt, da mchte der ausschliessliche Genuss der Luft
dem gleichzeitigen Gebrauch der Bder entschieden vorzuziehen sein, und
namentlich fr atrophische Kinder, Patienten mit sehr geschwchtem
Nervensystem, mit einem Worte, berall da, wo es auf Substanz- und
Kraftgewinn abgesehen ist, muss man den ausschliesslichen Luftgenuss
empfehlen, den Gebrauch der Bder aber immer nur bedingungsweise
erlauben. Wir haben, das ist keine Frage, kein zweites Agens,
welches, wie die Seeluft, so unvermerkt, und doch so intensiv
beschleunigend auf den Stoffwechsel einwirkt; und darin besteht
eben ihr grosser Vorzug, dass sie anstrengende krperliche Bewegung
nicht nur nicht erfordert, sondern sogar dann am wohlthtigsten und
krftigsten wirkt, wenn eine gewisse Ruhe im gesammten Verhalten
beobachtet wird, eine Ruhe, die bei andern hnliche Heilzwecke
verfolgenden Curen, so selten zu ermglichen und doch fr eine Hebung
des Ernhrungsprocesses und insonderheit der Kraft des Nervensystems so
nothwendig ist. In dieser Weise zeichnet sich ihre Wirkung u. a. vor der
der s. g. Wasserkuren, der Fussreisen u. s. w. aus. Vor andern Curen,
und ich meine insonderheit Trinkcuren an salinischen Quellen, hat sie
wieder das voraus, dass sie dem Organismus nicht gleichzeitig Stoffe
einverleibt, deren Wirkung nur zu leicht schdlich wirkt, denn mag auch
z. B. das kohlensaure Alkali in reichlichen Mengen Wassers gelst
immerhin eine Beschleunigung des Stoffwechsels, und selbst eine
bedeutende, herbeifhren, es wird bei der Vornahme solcher Curen nur zu
leicht bersehen, dass die alkalischen Basen auch wieder Feinde einer
Anbildung neuen Materiales, einer Zunahme am Krpergewicht sind, ein
Verhltniss, dessen weitere Begrndung ich a. a. O.[20] versucht habe,
mich hier aber zu weit vom Wege abfhren wrde.--Damit sei jedoch jenen
Curen kein Vorwurf gemacht, im Gegentheil, fr manche Flle sind sie gar
nicht durch andere zu ersetzen. Aber es ist Aufgabe des Arztes sich der
Einzelwirkungen seiner Heilmittel klar bewusst zu sein; dann erst kann
er bei richtiger Individualisirung, d. h. bei richtiger Diagnose
verordnen. Und nun noch eine praktische Bemerkung. Wenn sich der
Einfluss der Seeluft schon bei Patienten, die auf der Insel ihr Heil
suchen, in unverkennbarer Weise zu erkennen giebt, so erhlt die
dargelegte Art und Weise ihrer Wirkung nicht minder durch den
Gesundheitszustand eine Besttigung, den wir bei den Einwohnern der
Inseln wahrnehmen. "Bemerkenswerth ist es jedenfalls", sagt Riefkohl in
seinen "Mittheilungen aus Norderney"[21], "dass unter den Eingeborenen
Norderney's Brustleiden, wie Lungenentzndung, Bluthusten, Schwindsucht
kaum dem Namen nach bekannt sind, dass ferner unter den im dortigen
Kirchenbuche angegebenen Todesursachen Schwindsucht nie sich aufgefhrt
findet." Und solche Resultate haben meine Nachfragen ebenfalls auf
Wangeroge geliefert. Mir war die schlanke Gestalt, das blhende Aussehen
insonderheit des jngern Theils des weiblichen Geschlechts auffallend;
ich habe keine Chlorosen, keine nur im Entferntesten auf Tuberculose
deutende Constitution gefunden und unter den Kindern namentlich habe ich
ganz vergeblich nach irgend einer Form des s. g. scrophulsen Leidens
gesucht, ein Leiden, dem wir bekanntlich auf dem Festlande und in
unserer Zone fast bei jedem Schritt auf der Strasse begegnen. Das hat
aber eben darin seinen Grund, dass alle die genannten Leiden, und
besonders die Scrophulosis und Tuberculosis, dieser "cancer in the
root", wie sie ein berhmter englischer Arzt, Mr. Coulson, nennt, in
einer retardirten Stoffmetamorphose mit all ihren nothwendigen
Folgezustnden, ihre Entstehung finden; was die Metamorphose in einer
Weise befrdert, wie es die Seeluft thut, muss, nach rationellem
Schluss, auch das beste Heilmittel fr sie sein.--

  [20] Cf. Entwickelungsgeschichte der Oxalurie.

  [21] S. Medicin. Conversations- und Correspondenzblatt fr die Aerzte
       im Knigreich Hannover. 1853. Nr. 16. pag. 125.

Ich habe einen grossen Theil dieser Heilwirkung dem Gewinn an
Phosphorsure, den der Organismus auf der Insel erfhrt, zugeschrieben.
Man wird mir einwenden, dass sich denn doch ein hnliches Resultat durch
Darreichung von Phosphorsure in Form eines Heilmittels msse erreichen
lassen. Allein es ist von mir a. a. O.[22] nachgewiesen, dass die in
dieser Form dem Organismus einverleibte Phosphorsure, denselben alsbald
wieder mit dem Urin verlsst und nur zur Hinwegnahme einer gewissen
Quantitt alkalischer Basen fhrt.--Ich htte vielleicht richtiger sagen
sollen: die Heilwirkung beruhe zum grossen Theil auf directem und
indirectem Gewinn an phosphorsauren Erden (Kalk und Magnesia), da es von
dem phosphorsauren Kalk ja eben bekannt ist, dass er ein durchaus
nothwendiges Requisit fr den Ernhrungsprocess abgiebt. Allein ich habe
mich streng nur an das gehalten, was meine Untersuchungen ergeben haben,
und muss es knftigen Forschungen zu entscheiden berlassen, ob der
bezeichnete Gewinn an Phosphorsure einen Gewinn an Phosphorsure
allein, oder einen Gewinn an phosphorsaurem Alkali oder endlich einen
Gewinn an phosphorsauren Erden (insonderheit Kalk) bezeichnet. Nach
Allem, was ich ber die Bedeutung des phosphorsauren Kalkes fr den
Ernhrungsprocess selbst und von Andern erfahren habe, muss ich glauben,
dass das Letztere der Fall ist, und ich zweifle nicht, dass die
chemische Analyse solches mit aller Bestimmtheit nachweisen wird. Meine
Beobachtungen ber die Wirkung des phosphorsauren Kalkes in hnlichen
Zustnden, wie durch den Genuss der Seeluft geheilt werden, ist zu oft
und von zu vielen Seiten besttigt, als dass ich den Ansichten der
negirenden Kritiker ein grosses Gewicht beilegen knnte. Und wenn
namentlich Donders, in seinem Schriftchen "die Nahrungsstoffe u. s. w.
1853" sagt, dass es eine rohe Chemiatrie sei, den phosphorsauren Kalk
mit solchen Voraussetzungen als Heilmittel darzureichen, dass all dessen
Wirkung ja ebensowohl durch Milchgenuss erreicht werden knne, da die
Milch phosphorsauren Kalk in gengender Quantitt enthalte, so muss
Donders zunchst Thatsachen beibringen, durch die er eine derartige
Wirkung der Milch nachweist, er muss aber andrerseits auch ebensowohl
annehmen, dass die Milch alle Krankheiten heilt, in denen es dem
Organismus an Eisen, an Fett u. s. w. fehlt. Ich habe ihm nur zu
erwidern, dass ich die Milch fr das trefflichste Nahrungsmittel fr
Gesunde und fr viele Kranke, nicht aber fr ein Heilmittel halte, das,
bei einer dem gesunden Aufbau des Organismus entsprechenden
Zusammensetzung, gleichzeitig auch Verluste ersetzen kann, die der
Organismus in jahrelangem Siechthum erfahren hat. Nach Donders Princip
muss ein Mann, der eine seine Ausgaben gerade deckende Einnahme hat, mit
dieser Einnahme auch alle Schulden bezahlen knnen, die er frher etwa
gemacht hat. So viel ich weiss, ist das noch Niemandem mglich
gewesen.--

  [22] Archiv des Vereins fr gem. Arb. Bd. I. Heft 4.

Unsere zweite Frage lautete: ~Wie verhlt sich der Einfluss der Seeluft
auf den Organismus, wenn tglich ein Seebad genommen wird~? Wir
antworten hierauf, dass das Seebad den Einfluss der Seeluft in
gewisser Beziehung noch erhht, in gewisser Beziehung aber auch
beeintrchtigt.--Es kann nach den obigen Mittheilungen nicht zweifelhaft
sein, dass durch das Seebad die Metamorphose der stickstoffhaltigen
Krperbestandtheile noch beschleunigt wird; und erinnern wir daran, dass
wir in dem gefundenen Werthe des Harnstoffs nicht das wahre Maass des
Stoffwechsels erblicken zu knnen, vielmehr annehmen zu mssen glaubten,
dass in Folge der Bad-Einwirkung circa 2 Grm. Harnstoff mehr als
gewhnlich auf anderm Wege und in andrer Form (als kohlensaures Ammoniak
durch die Haut) den Organismus verliessen, so stellt es sich heraus,
dass die Wirkung des Bades an und fr sich eine Beschleunigung des
Stoffwechsels bedingt, die ungefhr der des Luftgenusses gleich
kommt.--Von der ganzen Wirkung des "Seebades" kommt in dieser Beziehung
also die eine Hlfte auf die Luft, die andre Hlfte auf das Bad,
und in dieser Berechnung sind wir dem Bade eher zu gnstig, als
nachtheilig.--Aber das Bad includirt eine andre Wirkung. Es bedingt eine
absolut vermehrte Harnsureproduction im Organismus, bedingt damit im
zweiten und dritten Gliede eine vermehrte Oxalsureproduction und
vermehrte Ausscheidung von Phosphaten, und beeintrchtigt somit den
reichen Gewinn an Phosphorsure, die bedeutende Hebung des
Ernhrungsprocesses, welche der Organismus bei ausschliesslichem
Luftgenuss erfuhr. Ich habe mich schon oben darber ausgesprochen, welch
bedeutsame Winke hieraus fr Aerzte und Patienten hervorgehen, und der
Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechend, mag es hier nochmals
hervorgehoben werden, dass dieserhalb das ~tgliche~ Bad sehr
geschwchten Individuen nur selten zu erlauben, dass ferner Alles, was
den Krper ausserdem fatiguiren knnte, whrend der Badezeit streng zu
untersagen ist. Fatigue bedingt allemal Retardation der Metamorphose,
und durch eine solche wird die nachtheilige Einwirkung des Seebades
bezglich der Hebung des Ernhrungsprocesses nur noch gesteigert.--Hat
man im Allgemeinen krftige Individuen vor sich, bei denen eine
gesteigerte Metamorphose der stickstoffhaltigen Krperbestandtheile
den Hauptzweck der Cur ausmacht, so lasse man immerhin tglich
baden, tchtige Promenaden machen u. s. w.; aber ein vorhandener
Schwchezustand gebietet auch jedesmal das Gegentheil. Hier entspringen
in jedem einzelnen Falle Fragen, die nur durch die sorgfltigste
Ueberlegung und umsichtigste Kritik des Arztes entschieden werden
knnen, und nicht selten wird der Patient mit hinreichender Bestimmtheit
durch krperliches Unwohlsein darauf hingewiesen, dass in seinem
Verhalten doch wohl irgend welche Fehler liegen mssen, die ihm den
rztlichen Rath nicht lnger entbehrlich machen.--Er ist fatiguirt, er
will sich durch weite Spaziergnge am Strande beleben; aber die Fatigue
wird schlimmer, als zuvor; er will sich durch Wein und krftige Kost
"Kraft" verschaffen, aber seine Digestionswerkzeuge sind zu schwach fr
solche Angriffe und der gastrische Catarrh, mit allen mglichen
Erscheinungen, bleibt nicht aus; er schlft nicht, er will den Schlaf
mit Ermdung durch krperliche Bewegung erzwingen, aber der schlechte
Erfolg der Cur bleibt nicht aus, und unbefriedigt verlsst er die
Insel.--Doch ich beschrnke mich auf die Betrachtung der allgemeinen
Wirkungen des Seebades. Den Seebaderzten bleibt es berlassen, die
Richtigkeit derselben in den einzelnen Fllen zu prfen und sie im
gnstigen Falle als leitende Principien festzuhalten. Es existirt kein
einziges Leiden, so localer Natur es auch sein mag, bei dem nicht die
allgemeinen Verhltnisse des Lebens-, des Ernhrungsprocesses in's Auge
gefasst werden mssten; es ist die schwierigste Aufgabe des Arztes die
einzelne Krankheitserscheinung mit den allgemeinen Gesundheitszustnden
in den richtigen Zusammenhang zu bringen; an eine grndliche Heilung ist
aber nimmer zu denken, wenn dieser Zusammenhang nicht richtig erfasst,
wenn die allgemeine Wirkung des Seebades nicht neben der fr einzelne
Flle besondern erfasst wird, und deshalb ist ihre Kenntniss
unerlsslich nothwendig.

Ich komme zur dritten Frage: ~Welchen Einfluss bt das Seebad momentan,
welchen in je 24 Stunden auf den Stoffwechsel aus~. Wir antworten
hierauf: dass das Seebad niemals und zu keiner Tageszeit die
beschleunigende Einwirkung auf den Stoffwechsel auszuben verfehlt; dass
sich diese Beschleunigung aber in den Morgenstunden, namentlich durch
eine bedeutend gesteigerte Hautthtigkeit, Nachmittags und Nachts
dagegen wieder durch eine Vermehrung der Auswurfsstoffe im Urin zu
erkennen giebt; dass ferner insonderheit die absolut gesteigerte
Harnsureproduction unmittelbar nach dem Bade zum Vorschein kommt und
sich durch vermehrten Harnsuregehalt des Urins ausspricht, Nachmittags
und Nachts dagegen der Harnsuregehalt um die Hlfte weniger gesteigert
ist, als am Morgen.--Die beschleunigende Einwirkung des Bades auf den
Stoffwechsel besitzt also ohne Frage in den Morgenstunden, wo das Bad
genommen wird, eine grssere Intensitt, als in der brigen Tageszeit,
aber sie hrt deshalb nicht auf, stets vorhanden zu sein. Dieses
Ergebniss fhrt uns wieder zu einigen praktischen Schlussfolgerungen. Es
wurde oben schon erwhnt, dass eine Beschleunigung des Stoffwechsels
allemal auch ein gewisses Quantum von dem Nervensystem angehriger
"Kraft" in Anspruch nehme.--Ist nun durch das Bad die Stoffmetamorphose
gewissermaassen bis zu einem Maximum getrieben, so wrde es ein
gnzlicher Irrthum sein, wollte man dieser Bad-Wirkung durch ermdende
Anstrengung noch eine weitere Ausdehnung geben.--Sobald also nach einem
kurzen und ruhigen Spaziergange die gesteigerte Thtigkeit der Haut
hervorgetreten ist, lasse man in allen Anstrengungen nach, widme sich
einer ruhigen Beschftigung womglich in freier Luft, hte sich nur vor
scharfer Zugluft, die die Hautthtigkeit stren knnte, und gebe sich
selbst, wenn es erforderlich, d. h. eine grosse Neigung dazu vorhanden
ist, einer kurzen, vollkommnen Ruhe hin.--Die Hautthtigkeit ist bald
nach dem Bade bedeutend gesteigert; man untersttze diese heilsame
Wirkung, leite sie aber nicht alsbald dadurch ab, dass man wieder innere
Organe in Thtigkeit bringt. Ein zu reichliches Frhstck, alsbald nach
dem Bade genossen, kann nur schdlich wirken; whrend etwa 1 - 1-1/2
Stunden nach dem Bade dem gesteigerten Nahrungsbedrfniss durch mssigen
Genuss von etwas altem Wein, einer leichten Fleischspeise u. s. w. ohne
Schaden nachgegeben werden darf.--Ich empfehle "etwas Wein", ein Glas
Portwein, Madeira oder dgl. insonderheit deshalb, weil dasselbe dazu
dienen soll, dem durch das Bad ohne Frage und in den meisten Fllen
fatiguirten Zustande des Nervensystems abzuhelfen; es darf an einer
gewissen Kraft des letztern nicht fehlen, falls die volle Wirkung des
Bades, die Beschleunigung des Stoffwechsels, zu Stande und zur
Ausfhrung kommen soll. Entnervte Constitutionen frieren nach dem Bade,
statt zu transpiriren, und verfallen in eine Mdigkeit, der sie sich den
ganzen Tag ber nicht wieder entreissen knnen.

Ich hatte es mir zur Aufgabe gestellt, die momentane Wirkung des
Seebades noch weiter durch eine genaue Beobachtung der Krpertemperatur,
der Respiration und des Pulses vor und nach dem Bade zu studiren. Nur in
letzterer Beziehung ist es mir jedoch gelungen, einige Resultate zu
gewinnen; zu erstern fehlte es mir geradezu an Zeit und an Individuen,
die sich zu einer genauern Beobachtung eigneten. Auch die Resultate der
Pulsbeobachtungen befriedigten mich noch keineswegs, da das verschiedene
Verhalten vor dem Bade, der Act des Ankleidens nach dem Bade, das rasche
Auf- und Niedergehen vieler Herrn am Strande nachdem sie die Karre
verlassen hatten, zu leichten Irrthmern Anlass gab. Im Wesentlichen
schien sich mir aber folgendes Resultat herauszustellen: das Bad selbst
wirkt unmittelbar bedeutend beschleunigend auf die Anzahl der
Herzcontractionen, der Puls wird dabei voller und hrter; alsbald aber
beginnt er langsamer zu werden, und hebt er sich auch anfnglich wieder
bei einem etwaigen Spaziergange, so sinkt er nach und nach doch wieder
bis zu einer Tiefe, die er vor dem Bade nicht hatte. Er wird langsamer,
und diese Retardation traf ich immer dann, wenn die gesteigerte
Hautfunction sich in einem Feuchtwerden der Haut, angenehmer Hautwrme
u. s. w. kund zu geben begonnen hatte. Als Beispiele mgen folgende
Verhltnisse, die ich bei Mnnern, von 30-50 Jahr alt, beobachtete,
dienen:

              |  Vor  |Unmit-| Nach   |  Nach |
              |  dem  |telbar| dem    |  1/2  |
              | Bade. | nach |Anklei- |Stunde.|
              |       | dem  | den.   |       |
              |       |Bade. |        |       |
  ------------+-------+------+--------+-------+-------------------------
  Herr F.:    |  68   |  --  |   --   |   62  |}krftige, mehr zum
   "   L.     |  64   |  --  |   66   |   --  |}Vergngen, als zur
   "   H.     |  76   |  --  |   80   |   --  |}Cur badende Individuen.
   "   v. A.  |  76   |  --  |   78   |   64  |}
   "   v. St. |  78   |  --  |   88   |   --  | Cardialgie.
   "   G.     |  90   |  --  |  114   |   --  | Hypochondrie.
   "   B.     |  96   | 108  |   92   |   84  | Hyperaem. abdom.
   "   D.     |  96   | 114  |   --   |   --  | Haemorrhoidarius.
   "   v. W.  |  60   |  --  |   90   |   --  |        ?
   "   v. P.  |  80   |  --  |   84   |   --  | Hypochondrie.
   "   W.     |  84   |  --  |   96   |   --  | Irritat. spinal. (?).
                          u. s. w.

Es ergiebt sich aus diesen wenigen Angaben, wie sehr verschieden bei
verschiedenen Individuen die durch das Bad bewirkte Beschleunigung der
Herzcontractionen ausfllt; es muss dies von der geringern oder grssern
Impressionabilitt des Nervensystems abhngen; bemerken will ich aber
zugleich, dass ich bei allen denjenigen, die nach dem Ankleiden nur eine
geringe Beschleunigung des Pulses zeigten, auch zu derselben Zeit schon
allgemeine Hautwrme, selbst gelinde Transpiration eintreten sah,
whrend diejenigen, welche einen bedeutend beschleunigten Puls hatten,
lnger frstelten[23]. Es lohnt sicher der Mhe, diese Verhltnisse
genauer zu verfolgen, um eine richtige Anschauung von der verschiedenen
momentanen Wirkung des Seebades auf verschiedene Individuen zu gewinnen.
Aber es bedarf dazu grosser Ausdauer, Bercksichtigung aller vor, in und
nach dem Bade auf den Puls influirenden Momente, und oftmaliger
Wiederholung der Versuche.

  [23] Bei einem 68jhrigen Herrn, der an Plethora abdominalis und
       Ossification verschiedener Arterien litt, beobachtete ich im 26
       R. warmen Bade (Seewasser) folgende Pulsvernderungen:

       Vor dem Bade:  8 Uhr 45 Min.  --  90.
            Im Bade:  8  "  48  "    --  84.
              "       8  "  52  "    --  78.
              "       8  "  59  "    --  76.
              "       9  "   2  "    --  76.
              "       9  "   7  "    --  74.
       Nach dem Bade: 9  "  22  "    --  80.

Im Ostseebade bei Kiel hat Dr. Esmarch an seinem eigenen Krper 12 Tage
hindurch Puls- und Temperaturbeobachtungen vor und nach einem kalten
Seebade angestellt. Auf meinen Wunsch sind mir von ihm die Resultate
dieser Beobachtungen freundlichst mitgetheilt, und bei dem Wenigen, was
wir in dieser Hinsicht Zuverlssiges besitzen, benutze ich dankbar die
Erlaubniss, dieselben nachstehend vorlegen zu drfen:

                                                   ~WHREND DES ANKLEIDENS~.
                                                /-------------^--------------\
  Datum| Tempe-  |  Vorm   |Hin-| Bei der |Dauer|    5    |   10    |   15
       | ratur   |Ausgehen:|aus | Ankunft | des | Minuten | Minuten | Minuten
       |         |         |ging| auf dem | Auf-|  nach   |  nach   |  nach
       |         |         |ich |  Bade-  | ent-|  dem    |  dem    |  dem
       |         |         |in: | floss:  |halts|  Bade:  |  Bade:  |  Bade:
       |         |Tem-|    |    |Tem-|    | im  |Tem-|    |Tem-|    |Tem-|
       |    |des |pe- |    |    |pe- |    | Was-|pe- |    |pe- |    |pe- |
       |der |Was-|ra- |    |    |ra- |    | ser.|ra- |    |ra- |    |ra- |
       |Luft|sers|tur |Puls|    |tur |Puls|     |tur |Puls|tur |Puls|tur |Puls
  -----+----+----+----+----+----+----+----+-----+----+----+----+----+----+----
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  11   | 12| 12| 28| 64 | 15 | 28| 84 | 2   | 27|100 | 27| 88 | 28| 84
  Octo-|    |    |    |    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  12   | 11-| 11 | 29 | 72 | 20 | 28 | 72 | 2   | 27 | 80 | 27 | 80 | 27-| 80
  Octo-| 1/2|    |    |    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    | 1/2|
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  13   | 10-| 12 | 29 | 64 | 20 | 27 | 88 | 3   | 26 |100 | 27 | 88 | 27-| 88
  Octo-| 1/2|    |    |    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    | 1/2|
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  14   | 10-| 11-| 29 | 64 | 20 | 27 | 88 | 3-  | 26 | 96 | 26 | 84 | 26-| 84
  Octo-| 1/2| 1/2|    |    |Min.|    |    |1/2  |    |    |    |    | 1/2|
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |Min. |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  15   | 10-| 11-| 28-| 64 | 18 | 27 | 84 | 3   | 26-| 80 | 26-| 74 | 26-| 74
  Octo-| 1/2| 1/2| 1/2|    |Min.|    |    |Min. | 1/2|    | 1/2|    | 1/2|
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  16   | 10 | 11-| 29 | 64 | 20 | 27 | 88 | 2   | 26 | 96 | 26-| 80 | 27 | 76
  Octo-|    | 3/4|    |    |Min.|    |    |Min. |    |    | 1/2|    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  17   | 10 | 11-| 28-| 68 | 18 | 27 | 92 | 2   | 26 |100 | 27 | 88 | 28 | 84
  Octo-|    | 1/2| 1/2|    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  19   | 10 | 12 | 28-| 64 | 20 | 27 | 88 | 3   | 26 |104 | 27 | 88 | 28 | 88
  Octo-|    |    | 1/2|    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  20   | 12-| 13 | 28 | 64 | 18 | 28-| 84 | 3   | 27 |100 | 28 | 88 | 28 | 88
  Octo-| 1/2|    |    |    |Min.| 1/2|    |Min. |    |    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  21   | 12 | 13 | 29 | 64 | 19 | 28 | 88 | 4   | 27-|100 | 28 | 88 | 28 | 88
  Octo-|    |    |    |    |Min.|    |    |Min. | 1/2|    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  22   | 10 | 11-| 28-| 64 | 17 | 27 | 72 | 2   | 26 | 72 | 27 | 68 | 27-| 72
  Octo-|    | 3/4| 1/2|    |Min.|    |    |Min. |    |    |    |    | 1/2|
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
       |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  24   | 10 | 12-| 28-| 64 | 20 | 28-| 84 | 2   | 27 |100 | 28 | 76 | 28 | 76
  Octo-|    | 1/2| 1/2|    |Min.| 1/2|    |Min. |    |    |    |    |    |
  ber  |    |    |    |    |    |    |    |     |    |    |    |    |    |
  -----+----+----+----+----+----+----+----+-----+----+----+----+----+----+----
  Mit- |    |    | 28-| 65 |    | 27-| 75-|     | 26-| 94 | 27-| 82-| 27-| 82
  tel: |    |    |7/12|    |    | 1/2| 2/3|     |1/2 |    | 1/2| 1/2| 1/2|

  Datum|Zu-  | Bei der |Nach dem |Bewegung| Witte-
       |rck | Ankunft | Caffee: |   im   | rung.
       |kehr-|zu Hause:|         | Wasser |
       |te   |         |         |        |
       |ich  |         |         |        |
       |in:  |Tem-|    |Tem-|    |        |
       |     |pe- |    |pe- |    |        |
       |     |ra- |    |ra- |    |        |
       |     |tur |Puls|tur |Puls|        |
  -----+-----+----+----+----+----+--------+---------
       |     |    |    |    |    | starke |Ostwind,
  11   | 15  | 28| 88 | 29| 88 |  Bewe- |schnes
  Octo-|Min. |    |    |    |    |  gung. |Wetter.
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  12   | 17  | 26-| 80 | 29 | 84 | ebenso |ebenso
  Octo-|Min. | 1/6|    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  13   | 20  | 28 | 80 | 29 | 88 |   "    |  "
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |geringe |
  14   | 20  | 28 | 76 | 29 | 88 | Bewe-  |  "
  Octo-|Min. |    |    |    |    | gung.  |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    | starke |
  15   | 20  | 26-| 74 | 29 | 88 |  Bewe- |  "
  Octo-|Min. | 1/2|    |    |    |  gung. |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  16   | 20  | 27 | 80 | 29 | 88 | ebenso |  "
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  17   | 20  | 27-| 80 | 29 | 84 |   "    |  "
  Octo-|Min. | 1/2|    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |Westwind,
  19   | 20  | 27 | 80 | 29 | 92 |   "    |trbe
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |warme
  ber  |     |    |    |    |    |        |Luft
       |     |    |    |    |    |        |
  20   | 18  | 28 | 84 | 29 | 88 |   "    | ebenso
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  21   | 20  | 27 | 80 | 29-| 80 |   "    |Westwind,
  Octo-|Min. |    |    | 1/2|    |        |schnes
  ber  |     |    |    |    |    |        |mildes W.
       |     |    |    |    |    |        |
  22   | 20  | 27 | 76 | 29 | 88 |   "    |ebenso
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |
  ber  |     |    |    |    |    |        |
       |     |    |    |    |    |        |
  24   | 20  | 29 | 84 | 29 | 88 |   "    |Westwind,
  Octo-|Min. |    |    |    |    |        |Regen.
  ber  |     |    |    |    |    |        |
  -----+-----+----+----+----+----+--------+---------
  Mit- |     | 27-| 80-| 29 | 88 |        |
  tel: |     | 1/2| 1/6|    |    |        |

In Bezug auf diese Beobachtungen schreibt mir Dr. Esmarch Folgendes:
"Die Temperaturmessungen sind mangelhaft, weil ich nicht Zeit genug
darauf verwandt habe; doch haben sie das Gute, dass sie alle auf
dieselbe Weise angestellt wurden. Im Uebrigen bemerke ich Folgendes zur
Erluterung:

"Ich nahm die Bder im October 1853 auf dem Schwimmfloss der Badeanstalt
zu Dsternbrook, welches 2600 Schritt von meiner Wohnung entfernt liegt.
Das Floss liegt am ussersten Ende des Badeplatzes auf tiefem Wasser,
ist durch einen langen Steg mit dem Lande verbunden.--Ich stand um 5 Uhr
Morgens auf, kleidete mich rasch an, bestimmte dann meinen Puls und die
Temperatur; erstern indem ich 2 Mal 1/4 Minute nach der Secundenuhr
zhlte, letztere, indem ich eine Minute lang die Kugel eines kleinen,
aber guten Thermometers unter die Zunge steckte, und mit den
geschlossenen Lippen das Thermometer fixirte. Ich konnte nur halbe Grade
auf demselben mit einiger Genauigkeit ablesen.--Dann ging ich, ziemlich
leicht gekleidet, rasch (in 15-20 Minuten) hinaus, maass, auf dem Floss
angelangt, zuerst wieder Puls und Temperatur; dann Temperatur der Luft
und des Wassers, kleidete mich rasch aus, strzte mich ber Kopf ins
Wasser, schwamm eine kleine Strecke sehr heftig oder tummelte mich mit
sehr krftigen Bewegungen im Wasser herum, stieg wieder die Treppe
hinan, strzte mich wieder ber Kopf hinein, machte wieder starke
Bewegung u. s. w.; nach dreimaliger Wiederholung dieser Procedur, welche
im Ganzen 2-4 Minuten dauerte, ging ich wieder in's Ankleidecabinet auf
dem Floss und rieb mir den ganzen Krper mit einem groben Handtuch
trocken, was etwa 5 Minuten dauerte. Dann maass ich Puls und Temperatur
und wiederholte diess whrend des Ankleidens, was etwa 15. Min. dauerte,
dreimal, kehrte dann rasch wieder nach Hause zurck (in 15-20 Min.),
maass wieder Puls und Temperatur, nahm dann Caffee und Semmel zu mir und
wiederholte noch einmal die Messungen.

"Die ziemlich gleichlautenden Resultate dieser Beobachtungen sind, wie
aus der Tabelle hervorgeht, folgende:

1. "Durch den Gang vor dem Bade sank die Temperatur um 1-2, und zwar um
so mehr, je klter die Luft und je weniger rasch das Gehen war; dagegen
stieg die Zahl der Pulsschlge um 20-24 Schlge.

2. "Durch das Bad wurde unmittelbar eine Erniedrigung der Temperatur um
durchschnittlich 1 bewirkt, whrend der Puls durch die dabei
stattfindende Bewegung um 8-10 Schlge stieg.

3. "Nach dem Bade folgte in den nchsten 15 Minuten eine Steigerung der
Temperatur um 1-2, whrend der Puls um 10-24 Schlge herunterging.

4. "Der nun folgende Gang hatte keinen constanten Einfluss auf
Temperatur und Puls".

5. "Dagegen bewirkte der nach der Heimkehr eingenommene Caffee eine
Steigerung der Temperatur um 1-2, eine Beschleunigung des Pulses um
4-12 Schlge."

       *       *       *       *       *

Unsere vierte Frage lautete: ~Ist es wahr, dass der Aufenthalt an
der See und der Gebrauch des Seebades zunchst eine Abmagerung
herbeifhrt~? Ich antworte hierauf: dass die sorgfltigste Bestimmung,
sowohl bei dem ausschliesslichen Luftgenuss, als whrend der ganzen
Badezeit, eine stetige Zunahme meines Krpergewichts nachgewiesen
hat und jene Annahme deshalb eine unrichtige zu sein scheint. Ich glaube
dies um so mehr, als manche Verhltnisse bei mir zusammentrafen, die
einer Krpergewichtszunahme eher hinderlich, als frderlich waren; in
Folge meiner Arbeit war ich namentlich mehr geistigen und auch
krperlichen Anstrengungen unterworfen, als die meisten Badegste.
Sobald ich ein diesen hnliches Verhalten beobachtete, war die
Krpergewichtszunahme doppelt so gross, als zu anderer Zeit. Nach Allem
aber, was mich die einfache objective Anschauung lehrte, mchte ich auch
glauben, dass sich ein gleiches Resultat bei andern Badegsten
herausstellte; es wre sehr wnschenswerth, dass die Frage durch
fortgesetzte Beobachtungen entschieden wrde. Die Krpergewichtszunahme
constatirt im Allgemeinen, was uns die chemische Analyse lehrte.

Bei diesem wichtigen Ergebniss der Untersuchung liegt die Frage sehr
nahe, wie die ~Dit eines Seebadenden~ beschaffen sein soll, damit sie
allen Anforderungen gengt? Es werden in Bezug auf dieselbe sicherlich
viele Fehler begangen, deren Schuld bald die Langeweile, bald der in der
That gesteigerte Appetit, bald aber die eingewurzelte Idee trgt, im
Seebade msse man tchtig essen und trinken. Im Allgemeinen bemerke ich
Folgendes: Nach drei Seiten hin hat sich die Aufmerksamkeit bei der
Verordnung einer Dit zu wenden, einmal hat man den gesteigerten
Stoff-Verbrauch, andrerseits das Nervensystem, drittens aber den Zustand
der Verdauungsorgane selbst zu bercksichtigen.--Der erstere macht
allemal eine Steigerung der Quantitt von Nahrungsmitteln nothwendig;
die letztern gebieten Modificationen. Ist der Zustand ein im Allgemeinen
krftiger, sind die Verdauungsorgane nicht geschwcht, so befriedige man
einfach das Bedrfniss, das unter solchen Umstnden in der Regel das
richtige Maass bestimmt. Ist dagegen der Zustand des Nervensystems ein
geschwchter, ist die Fatigue durch das Bad gesteigert, grosse Mdigkeit
und Abgeschlagenheit vorhanden, so folge man dem gesteigerten
Nahrungstriebe nicht ohne grsste Vorsicht und geniesse immer eher
weniger, als der Appetit verlangt, als mehr. Derartige Patienten haben
oft das Verlangen zu essen; sie wollen ihren Schwchezustand durch
krftige Kost beseitigen, und um so mehr, wenn es ihnen auf Momente in
der That in dieser Weise gelingt. Allein sie begehen allemal Fehler; das
Nervensystem ist noch zu schwach, die Metamorphose so gesteigerter
Nahrungsmengen durchzufhren, und es entstehen in dieser Weise
Erscheinungen retardirter Stoffmetamorphose, die sich bald in
rheumatischen Schmerzen, bald in gastrischen Catarrhen, bald in dieser,
bald in jener Form aussprechen. Man darf sich berzeugt halten,--und das
diene Jedem zur Beruhigung--dass mssigere Mengen die Anforderungen der
Luft und des Bades nicht nur hinlnglich bestreiten, sondern auch noch
hinreichendes Material zur Neubildung von Krpersubstanz brig lassen.
Dagegen ist unter solchen Verhltnissen der mssige Genuss eines
krftigen Weines, eines guten Thees und unter Umstnden selbst des
Caffees zu empfehlen; diese s. g. "Genussmittel" sind hier zur Hebung
des Nervensystems ganz am Platz und der retardirende Einfluss, den sie
bekannter Weise auf den Stoffwechsel ausben, verschwindet, wenn sie mit
Maass genossen werden, gegen den beschleunigenden, den die Luft und das
Bad bedingen. In die schlimmste Lage gelangen diejenigen Patienten, die
nicht nur an einer allgemeinen Schwche des Nervensystems, sondern
insonderheit auch an einer Schwche der Verdauungsorgane leiden. Diesen
ist zu Anfang der Cur nichts dringender zu empfehlen, als dass sie sich
der mglichsten Ruhe in der erfrischenden Seeluft befleissigen, niemals
fatiguirende Spaziergnge machen und nur jeden dritten Tag baden. Thun
sie das nicht, so bersteigt das unvermeidliche Nahrungsbedrfniss die
Kraft ihrer Verdauungsorgane; sie mssen ihm nachgeben, wenn sie nicht
Hunger leiden wollen, und nicht nur, dass sie die Verdauungsorgane unter
solchen Verhltnissen nicht krftigen, im Gegentheil der catarrhalische
Zustand an dem sie leiden wird immer schlimmer und die ganze Cur kann in
dieser Weise vereitelt werden. Leben sie jedoch in der angegebenen
Weise, so mgen sie mit Maass ihr Nahrungsbedrfniss befriedigen, dem
Genuss des Weines nicht fremd bleiben, aber Alles vermeiden was den
Magen beschweren kann, als fette Mehlspeisen, Puddings u. s. w.--Dieser
so eben bezeichnete Zustand eines die Kraft der Verdauungsorgane
berschreitenden Nahrungsbedrfnisses tritt uns im praktischen Leben,
insonderheit bei Leuten, die angestrengte geistige Arbeit haben, hufig
entgegen; seine Beseitigung gelingt schwer und selten in anderer Weise
als durch consequente Verminderung der Arbeitszeit, so schwierig es oft
auch fllt, dieselbe zu ermglichen.--Oft ist mir von Patienten, denen
ich einen solchen Rath ertheilt, erwiedert: ich ~muss~ stark arbeiten,
"um zu leben"; aber sie bemerken nicht, dass sie tglich am eigenen
Capital zehren und der baldige Banquerott in dieser Weise nicht
ausbleibt.--

Welcher Art soll die Qualitt der Nahrung im Seebade sein? Um in dieser
Beziehung klar zu sehen, muss man sich den ganzen Zweck und die Wirkung
der Seebad-Cur vergegenwrtigen. Man will die Stoffmetamorphose
beschleunigen, um ein gewisses Quantum von stickstoffhaltigem Material
aus dem Krper zu entfernen, aber man will auch den Ernhrungsprocess
und mit ihm die Kraft des Nervensystems steigern. Solchem Zwecke
entspricht vorzugsweise eine mit richtigem Maass genossene animalische
Kost, und namentlich die krftigeren Fleischsorten, als Rindfleisch,
Schinken, Wild, sind ihres grssern Eisen- u. Phosphorsuregehalts wegen
zu empfehlen. Ich hebe es ausdrcklich hervor: "~mit richtigem Maass~"!
Sobald zu viel stickstoffhaltige Materien eingefhrt werden, ist eine
mangelhafte unvollkommene Metamorphose derselben ein unvermeidliches
Resultat, und wie eine solche zur Verminderung der Phosphate im
Organismus, und damit zur Abmagerung fhrt, habe ich a. a. O.
nachzuweisen gesucht. Den stickstoffreichen s. g. Albuminaten stehe eine
leichte stickstoffrmere und stickstofffreie Kost zur Seite; leichte
Gemse, leichte Mehlspeisen, mssiger Fettgenuss sind nothwendige
Erfordernisse; fr scrophulse Kinder scheint mir der mit dem Seebade
verbundene mglichst reichliche Genuss von Leberthran, als demjenigen
Nahrungsmittel, durch welches die Zwecke der Seebadecur am wenigsten
beeintrchtigt werden knnen, besonders zu empfehlen. Ueberall aber, wo
sich Fatigue, Schwche des Nervensystems u. s. w. zu erkennen giebt, sei
wiederholt der mssige Genuss eines krftigen Weines empfohlen. Die
Rhein- und leichten franzsischen Weine, sind ihres Gehaltes an
pflanzensauren Salzen halber, weniger dienlich.--In einzelnen Fllen, wo
ich um einen Rath ersucht wurde, habe ich, falls der Wein nicht gut
vertragen wurde, die Tinct. Valerian. aether. mit Erfolg dafr
substituirt.--Der sonst fr manche Patienten Morgens und Abends
dienliche Genuss von Milch oder Cacao scheint mir im Seebade nicht
empfehlenswerth. So trefflich die Milch als Nahrungsmittel ist, sie
giebt dem Nervensystem zu wenig Impuls, und weniger als es im Seebade
bedarf. Deshalb glaube ich Morgens zum Thee oder, wo er vertragen wird,
zum Caffee, anfangs nur mit etwas Butterbrod, spter mit etwas Fleisch,
Eiern, kurz zu einem englischen Frhstck rathen, Abends dagegen eine
leichte Fleischspeise mit Thee, oder, wo das Nahrungsbedrfniss nicht
stark ist, nur eine einfache Suppe empfehlen zu mssen. Es ist
unmglich, alle die Modificationen hier anzufhren, die im einzelnen
Falle zu treffen sind. Meiner Aufgabe gemss, kann ich mich nur an
das Allgemeine halten, und in dieser Beziehung ist insonderheit
der massvollen Vermehrung, namentlich des stickstoffhaltigen
Nahrungsmateriales, und des gesteigerten Genusses solcher Getrnke zu
gedenken, die weniger durch ihre Nahrhaftigkeit, als dadurch
ausgezeichnet sind, dass sie das Nervensystem anregen und ihm
gewissermaassen diejenige Spannkraft verleihen, die es zur Durchfhrung
eines gehobenen Ernhrungsprocesses bedarf. Individuen, die selbst
derartige Excitationen nicht vertragen, sind nicht mehr fr das Seebad
geeignet; sie gehren auf das Land, in eine leicht gebirgige Gegend,
mssen Molken trinken u. s. w. Ich mchte hier das wiederholen, was ich
in Betreff der gleichartigen und doch so verschiedenen Wirkung der
meisten Brunnen- und Badecuren a. a. O.[24] gesagt habe; die allgemeine
Wirkung fast aller dieser Curen ist eine hnliche, es handelt sich fast
berall um eine Beschleunigung der Stoffmetamorphose; aber in jedem
Falle entsteht auch die Frage, welches Mittel das geeigneteste zum
Zwecke ist, und da ist denn allerdings die Breite der Mglichkeit keine
geringe, es muss die Wahl bei richtiger Individualisirung oft sehr
verschieden ausfallen. Fr das Seeleben ist es ein unschtzbarer Vorzug
vor allen andern Bad- und Trinkcuren, dass der ausschliessliche Genuss
der Luft die Stoffmetamorphose in einem Grade beschleunigt, wie es an
andern Orten nur grosse Quantitten salinischer Wsser, Bder,
fatiguirende Mrsche, unerbittliche Strenge in der Dit u. s. w. zu thun
vermgen. Ob auch die nachtheiligen Wirkungen dieser Heilmittel, neben
ihren unbestreitbaren Vorzgen, immer richtig bedacht werden?! Mchte
endlich die Zeit kommen, wo man bei genauer Kenntniss der speciellen
Heilwirkungen und smmtlichen Effecte dieser und jener Quelle nicht mehr
fr Krankheiten, sondern fr Individuen verordnet!

  [24] Die Rationalitt der Molkencuren. Hannover 1853. pag. 46.

Unsere 5te Frage lautete: ~Welche weitern objectiven oder subjectiven
Erscheinungen im Befinden sind mit Sicherheit als Erfolge des Seebades
und des Aufenthaltes an der See zu betrachten~? Gehe ich auf die am
eigenen Krper gemachten Beobachtungen zurck, so kann ich nicht umhin,
das zeitweilige Gefhl der Ermdung, die bedeutende Vermehrung der
Darmentleerungen, die dunklere Frbung derselben, die bedeutend
gesteigerte Vermehrung der Hautthtigkeit, die eigenthmlich klebrigen
Schweisse als Wirkungen des Seebades in Anspruch zu nehmen. Es sind dies
Erscheinungen, die mehr oder weniger bei jedem Patienten und Gesunden
auf der Insel hervortreten, und tritt an die Stelle vermehrter
Darmentleerung oft geradezu das Gegentheil, eine hartnckige
Constipation, so habe ich mir darber oben (pag. 58.) schon einige
weitere Bemerkungen erlaubt. Die Ursachen der brigen Erscheinungen
wurden ebenfalls an geeigneter Stelle besprochen.--Doch es ist mit der
Angabe dieser wenigen keineswegs die Menge der berhaupt vorkommenden
Erscheinungen erschpft. Die sich gegen Ende der Cur in der Regel
einstellende grssere Frische und Leichtigkeit, die freiere psychische
Bewegung, die Wiederkehr frherer Heiterkeit, der geregelte Eintritt der
Menses bei dysmenorrhoischen Frauen, u.s.w. u.s.w. sind Wirkungen, die
ohne Frage dem Gebrauch des Seebades und seiner Einwirkung auf den
Stoffwechsel zugeschrieben werden mssen. Dass es zudem noch manche
specielle Wirkungen desselben giebt, wird Niemand bestreiten, der sich
im Seebade umgesehen hat; die Erklrungen fr dieselben fehlen uns
jedoch noch zum grossen Theil. Der pltzliche Schwund eines tic
douloureux, von Neuralgieen berhaupt,--wie ich ihn bei heftiger
Odontalgie und Cardialgie einmal beobachtete--, ist eine nicht selten
beobachtete Thatsache, und erinnert diese einmal lebhaft an die immer
treffenden Worte Romberg's: "Mit Schmerz bettelt der Nerv um gesundes
Blut", so giebt eben die Raschheit des Schwundes jener Schmerzen doch
auch der Vermuthung Raum, dass eigenthmliche, noch nicht genau
erforschte Verhltnisse der Seeluft oder des Bades direct auf das
Nervensystem influiren. Im Ganzen ist aber die Anzahl solcher
schwieriger zu erklrender Heilwirkungen nicht gross, und in den meisten
Fllen sind die oben nher bezeichneten Wirkungen der Luft und des Bades
auf den Stoffwechsel hinreichend zur Erklrung der therapeutischen
Thatsachen. Das unmittelbare Abhngigkeitsverhltniss zwischen Nerv und
Blut erfordert hier die sorgfltigste Bercksichtigung.

       *       *       *       *       *

Ich komme zum letzten Theil meiner Arbeit. Wir haben noch nach dem
~Warum~? der aufgefundenen Wirkungen der Seeluft und des Seebades zu
fragen. Hier fehlt es leider noch sehr an thatschlichen Anhaltspunkten;
der Hypothese ist ein weites Feld geffnet. Gehen wir jedoch in Krze
die etwaigen Mglichkeiten durch.--

Thatsache ist es zunchst, dass der Luftgenuss oder der Aufenthalt auf
der Nordsee-Insel allein eine nicht unbetrchtliche Beschleunigung der
Stoffmetamorphose bedingt.--In welcher Weise kann dies, abgesehen von
dem Einfluss der an allen Badeorten gleichen Ausspannung aus dem
Geschftsleben, Befreiung von huslichen Bekmmernissen u.s.w.,
geschehen?--Es ist nicht zu bezweifeln, dass C. Mhry in seiner oben
erwhnten Schrift einen sehr wichtigen Punkt berhrt hat, wenn er zuerst
des ~psychischen Eindruckes~ gedenkt, den der Anblick des weiten Meers
auf den Menschen ausbt. Diesem Eindruck, einem zur stillen Bewunderung
hinreissenden Gefhle, kann sich schwerlich Jemand entziehen, der zum
ersten Male die Ufer des Meeres betritt. Wir wissen aber, dass jeder
anregende, psychische Eindruck, sei er durch Kunst oder Natur
herbeigefhrt, auch nicht ohne Einfluss auf den Stoffwechsel bleibt, wir
wissen, dass er allemal zu einer Beschleunigung desselben fhrt; und so
mag denn auch jene geistige Erhebung, die der blosse Anblick des Meeres
bedingt, einen Theil der fraglichen Wirkung herbeifhren. Bringt man
jedoch in Anschlag, wie rasch man sich an derartige Eindrcke gewhnt,
so kann dieser Theil immer nur ein sehr geringer, die Wirkung selbst
eine fast nur momentane sein; sie erklrt nicht die Ausdauer der
beobachteten Verhltnisse.--

Als eines zweiten nicht unwichtigen Umstandes ist des strkern
~Lichtreflexes~ am Meeresufer gedacht.--Dass das Licht an und fr sich
je nach seiner Intensitt und Farbe einen grssern oder geringern
Einfluss auf das Nervensystem und indirect auf die materiellen Vorgnge
im menschlichen Krper ausbt, ist keiner Frage unterworfen. Fr Thiere
hat C. Schmidt in seinen bekannten Untersuchungen [25] den Einfluss des
Lichtes auf den Stoffwechsel geradezu erwiesen. Er fand, dass der
Gewichtsverlust einer Katze bei Tage stets viel betrchtlicher war, als
bei Nacht, und dass, als das Thier zufllig erblindete, der Stoffwechsel
auch whrend des Tages nur dieselbe Intensitt, wie whrend der Nacht
besass. Ein hnlicher Einfluss des Lichts hat sicher auch beim Menschen
Statt. Allein auch dieser erklrt uns nicht die aufgefundenen Resultate;
die segensreichen Wirkungen der Seeluft gaben sich auch, wie ich in
Wangeroge zu erfahren Gelegenheit hatte, bei einem Manne kund, der des
Augenlichts beraubt war, und an trben Tagen, bei wolkigem Himmel, war
die wahrgenommene Wirkung bei mir nicht geringer, als bei heiterm
Sonnenschein.

  [25] Bidder und Schmidt: Verdauungssfte u. Stoffwechsel. 1852. pag.
       317.

Betrachten wir denn in dritter Reihe die ~Luft~ selbst.--So weit man
schliessen kann, mssen in ihr Verhltnisse obwalten, die jene Wirkungen
bedingen und erklren.--Der grssere ~Druck der Luft~ am Meeresufer kann
nur da in Frage kommen, wo er auf Jemand influirt, der aus hhern
Gegenden herstammt. Bei mir war das nicht der Fall; zwischen Oldenburg
und dem Meeresufer existirt im Luftdruck in der That ein so geringer
Unterschied, dass ich in den vorliegenden Untersuchungen unmglich
daraus eine Wirkung zu erklren vermag. Aber auch bei denen, deren
Heimath in den Bergen liegt, kann der Luftdruck die fraglichen Resultate
nicht bedingen. Nach dem was wir ber Lungenexhalation und
Hautausdnstung in niedern und hhern Gegenden wissen und aus den
bekannten Erfahrungen Gebirgsreisender schliessen, msste im Gegentheil
der grssere Luftdruck eher hemmend, als beschleunigend auf den
Stoffwechsel influiren. Vierordt[26] hat es nachgewiesen, dass ein
Steigen des Barometers um 5''',67 die Pulsschlge in der Minute um 1,3,
die Athemzge um 0,74, und die ausgeathmete Luft um 586 CC. vermehrt;
aber der Kohlensuregehalt der letztern sinkt um 0,309%, Differenzen,
die beim Athmen in hherer Temperatur noch deutlicher hervortreten.--Die
~Temperatur der Luft~ kann uns ebenfalls nichts erklren. Sie ist im
Sommer bekanntlich am Meeresufer in der Regel um einige Grade niedriger,
als auf dem Continent; soll man sich aber aus so geringen Differenzen
jene bedeutenden Verschiedenheiten des Stoffwechsels erklren? Bedingen
doch der kalte Winter und der heisse Sommer, wie die obigen
Untersuchungen nachweisen, nur Unterschiede, die sich auf ein viel
Geringeres belaufen, als die hier aufgefundenen! Sind es denn die
~chemischen Bestandtheile~ der Seeluft, die uns eine Aufklrung
verschaffen? Was die Verhltnisse des Stickstoffs und Sauerstoffs
betrifft, so wissen wir, dass in einem etwa vermutheten grssern
Sauerstoffgehalt der Luft[27] die Ursache nicht liegt. "H. Davy fand bei
Bristol dieselbe Zusammensetzung, und zwar selbst in der Luft, welche er
bei heftigem Westwind an der Mndung des Severn gesammelt hatte, die
also weit ber das atlantische Meer hergekommen war"[28], wie Andere auf
dem Festlande, und Alexander von Humboldt sagt uns selbst in seinen
"kleinern Schriften" 1853. pag. 349: "In allen unsern Versuchen sieht
man zunchst den Beweis, dass die Schwankungen im Sauerstoff-Gehalt der
Luft nicht ber 0,001 betragen, obgleich die von uns analysirte Luft bei
verschiedenen Winden aufgefangen war, mithin aus sehr entfernt von
einander liegenden Gegenden kam; ferner, dass das Raumverhltniss des
Sauerstoffs zu dem brigen Gasen in der Luft, wie 21 : 79 ist. Das erste
Resultat, dass sich die Zusammensetzung der Luft nicht ndert, ist ganz
scharf;-- --das zweite, dass die atmosphrische Luft 21 p.c. Sauerstoff
enthlt, kann sich nur sehr wenig von der Wahrheit entfernen." Dagegen
ist die Seeluft bedeutend wasserreicher, als die Continentalluft, und
dass dieser ~grssere Wasserhalt~ nicht ohne Einfluss ist auf die
fragliche Beschleunigung der Stoffmetamorphose, lsst sich neuern
Untersuchungen zufolge nicht in Abrede stellen. Ein Jeder, der die
Seeluft gekostet hat, wird sich von der leichten Respirabilitt
derselben, von dem wohlthuenden Gefhle tiefer Inspirationen am Strande
berzeugt haben. Man trinkt die Luft in vollen Zgen und eine
Beschleunigung der Respirationsacte, eine grssere Extensitt derselben
ist eine gewhnliche Erscheinung. Kommt dazu der positive Beweis
vermehrter Ausgabe an Kohlensure und grssern Gewichtsverlustes des
Krpers in feuchter Atmosphre, so drfen wir nicht zweifeln, dass jener
Wassergehalt der Seeluft von betrchtlichem Einfluss auf die
Beschleunigung der Stoffmetamorphose ist. Diesen Beweis hat uns aber
Prof. Lehmann[29] geliefert. Die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert
es, dass ich ausfhrlich mittheile, was darber vorliegt. Lehmann's
eigene Worte mgen also folgen:

  [26] Vierordt: Physiologie des Athmens. Karlsruhe 1845.

  [27] Vrgl. Dr. Bluhm l. c. pag. 28.

  [28] S. Cotta: Briefe ber Alex. v. Humboldt's Kosmos. Leipzig 1848,
       pag. 218.

  [29] C. G. Lehmann: Lehrbuch der physiolog. Chemie. Bd. III. pag. 387.
       Leipzig 1852.

"Auch der Feuchtigkeitsgrad der Atmosphre ist nicht ohne Einfluss auf
die respiratorischen Functionen und die Kohlensureexcretion
insbesondere. Ueber diesen Gegenstand sind von mir einige Versuche an
Feldtauben, Zeisigen und Kaninchen angestellt worden. ~Die
Gewichtsmengen excernirter Kohlensure fallen in feuchter Luft viel
grsser aus~, ~als in trockner~. So lieferten z. B. 1000 Gramm (= 2
[Pfund]) mnnlicher Feldtaube fr eine Morgenstunde":

  in ~trockner~ Luft: bei 0 = 10,438 Grm. Kohlensure; bei 24 = 6,055 Grm.;
                      bei 37 = 4,69 Grm.
  in ~feuchter~ Luft: bei 23 = 6,769 Grm.; bei 37 = 7,167 Grm.

Ebenso gaben 1000 Grm. Zeisige fr eine Nachmittagsstunde:

  in ~trockner~ Luft: bei 0 = 7,260 Grm.; bei 17,5 = 5,679 Grm.; bei 37,5 =
                      3,220 Grm.
  in ~feuchter~ Luft: bei 17,5 = 5,351 Grm.; bei 37,5 = 6,851 Grm.

1000 Grm. Kaninchen endlich exhalirten in einer Morgenstunde:

  in ~trockner~ Luft: bei 37,5 = 0,451 Grm. Kohlensure.
  "  ~feuchter~   " :  "  37,5 = 0,677  "        "

"So sprlich diese Untersuchungen sind, so weisen sie doch deutlich
genug auf die Wichtigkeit dieses Einflusses fr die Respiration hin,
eines Einflusses, den wir am Krankenbette, namentlich bei Lungenkranken,
so hufig zu beobachten Gelegenheit haben. Fragen wir aber nach dem
Causalnexus in welchem die hier beobachtete Kohlensureexcretion mit dem
Feuchtigkeitsgrade der Luft steht, so finden wir leider noch keine
einigermaassen gengende Antwort."

"Dass die Feuchtigkeit der Luft auch auf die Athembewegungen eine
Einwirkung ussern muss, lsst sich nicht bloss errathen, sondern auch
direct beobachten: die Athemzge der Thiere sind in der feuchtwarmen
Luft viel frequenter, als in der trocknen. Hierzu trgt nun allerdings
im Anfange des Versuchs die Vernderung selbst, der das Thier
unterworfen wird, sehr viel bei; allein wenn man auch 3, 6 oder 10
Stunden nach Beginn des Versuchs die Athmungsfrequenz beobachtet, so
findet man sie immer bedeutender, als beim Athmen in trockner Luft.
Einigen in meinem Laboratorium von Buchheim angestellten Versuchen nach
scheint aber die Feuchtigkeit der Luft mehr noch auf die Tiefe der
Athemzge einzuwirken".

"Wenn aber die Vermehrung der ausgeathmeten Kohlensure beim Athmen in
feuchter Luft theilweise in der berhrten Vernderung der Athembewegung
ihre Erklrung findet, so wird der Einfluss der Feuchtigkeit, gleich dem
der Temperatur, sich wahrscheinlich auch noch auf einem andern Wege
geltend machen. Ein directer Einfluss des Wasserdunstes auf die
Ausscheidung der Kohlensure aus dem Blute lsst sich freilich nach
unsern jetzigen Kenntnissen der betreffenden Verhltnisse nicht
nachweisen. Fr eine weitere Untersuchung dieses Gegenstandes drfte
aber eine von mir wiederholt gemachte Beobachtung nicht ohne Interesse
sein. Die Frsche verlieren nmlich in trockner Luft weit weniger an
Krpergewicht, als in feuchter; der Unterschied ist ausserordentlich
gross, daher ich unter vielen Beobachtungen nur folgende zwei anfhre.
In einem Falle verloren 100 Grm. Frosch in 24 St. in ~trockner~ Luft =
1,820 Grm. an Gewicht; in feuchter dagegen 4,376 Grm.; in einem andern
Falle in trockner Luft = 0,681 Grm., in feuchter aber 5,340 Grm. Dass
diese Erfahrung sich mehr auf die Perspiration bezieht, versteht sich
von selbst; denn schon das ussere Ansehen der Frsche die sich in
trockner Luft befanden zeigt, dass ihre Haut ausgetrocknet und daher
wohl fr die Perspiration untauglich geworden war; allein ohne allen
Bezug auf die betreffenden Respirationsverhltnisse mchte diese
Erfahrung doch nicht sein".

Diese Beobachtungen sind fr unsern Gegenstand offenbar von dem grssten
Interesse; sie weisen zweifellos darauf hin, welchen bedeutenden
Einfluss der Feuchtigkeitsgrad der Luft auf die Ausgaben des Krpers,
und damit auf den Stoffwechsel ausbt.--Wollen wir auch nicht bersehen,
dass ich, wie jeder Seebadegast in seiner Heimath, in Oldenburg
keineswegs in einer absolut "~trocknen~" Atmosphre lebte, die Luft in
Oldenburg im Gegentheil eben whrend meiner Untersuchungen daselbst sehr
feuchtwarm war, so wird dennoch der ~bestndige~ Feuchtigkeitsgrad der
Seeluft immer einen ~gewissen~ Einfluss ausben mssen und mit der
Kenntniss obiger Thatsachen nhern wir uns ohne Frage der Einsicht in
das Wie? der Wirkung des Lebens auf der Insel.--Ihnen zufolge kann man
auch den neuerdings angeregten Ideen zur Herstellung knstlicher Seeluft
in Krankenzimmern nur in vollstem Maasse das Wort reden. Ob der geringe
Salzgehalt der Seeluft diese Wirkung noch erhht, lasse ich dahin
gestellt sein; hnliche Untersuchungen, wie die von Lehmann mit einfach
feuchter Luft angestellten, knnen allein darber entscheiden.

Ueber die Verschiedenheit der See- und Continentalluft in Betreff
~anderer~ und ~namentlich heterogener Bestandtheile~ ist sehr wenig
bekannt. Es lsst sich freilich annehmen, dass die Seeluft im
Allgemeinen frei ist von allen Effluvien des Erdbodens die sich der
Continentalluft in oft Krankheit erzeugender Quantitt beimischen, frei
ferner von allen Beimischungen, die das Leben in der Stadt nur zu oft
beklagen lsst, und man darf ihr in dieser Beziehung sicher eine
negative Wirkung zuschreiben.

Auch in Wangeroge wird die Luft nur ausnahmsweise bei Sd- und
Sdostwinden miasmatische Effluvien aus den Marschdistricten Oldenburgs
und Hannovers mit sich fhren knnen. Ob sie aber in Folge dieses
Mangels an heterogenen Bestandteilen auch einen positiven und zwar
beschleunigenden Einfluss auf den Stoffwechsel auszuben vermag, mchte
schwer zu beweisen und in der That kaum anzunehmen sein. So viel sich
aus allen pathologischen Thatsachen erschliessen lsst, bewirken jene
Miasmen nur qualitative, nicht aber auch quantitative Vernderungen des
Stoffwechsels; sie bedingen, wie es scheint, mehr Vernderungen der
katalytischen Vorgnge im Organismus, als der quantitativen Verhltnisse
der Mischung, der Einnahme und Ausgabe.

Von grosser Bedeutung fr unsre Frage scheint dagegen ein andrer, und
zwar nicht heterogener Bestandtheil der Luft zu sein; ich meine das vom
Prof. Schnbein in Basel entdeckte ~Ozon~. Wir berhren damit einen
Gegenstand, der in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit vieler Forscher auf
sich gezogen hat und dessen Wichtigkeit fr Pathologie und Therapie eine
sehr bedeutende zu werden verspricht.--

Das Ozon ist nach Schoenbeins Untersuchungen[30] eine der am krftigsten
oxydirenden Substanzen, ein "Sauerstoff in erregtem Zustande." Es bildet
sich in Folge der Erregung, die die Luftelectricitt dem Sauerstoff der
Luft mittheilt und in dem jedesmaligen starken Ozongehalt der Luft nach
Gewittern, in der Einwirkung des elektrischen Funkens auf die
Schnbeinschen Ozometer, in dem Geruch des Ozons liegen Beweise dafr.
Es zeichnet sich endlich aus durch die besondere Eigenschaft, mit allen
miasmatischen Stoffen chemische Verbindungen einzugehen und so die Luft
zu desinficiren. Eine Atmosphre von 1/6000 Ozongehalt ist nach
Schnbein's Untersuchungen im Stande das 540 fache Volumen einer Luft zu
desinficiren, welche eben so stark miasmatisirt ist, als es 60 Liter
Luft durch 1/4 [Pfund] Fleisch in strkster Verwesung in einer Minute
werden.--

  [30] S.C.F. Schoenbein: "Ueber einige mittelbare physiologische
       Wirkungen der atmosphrischen Electricitt" in Heule's und
       Pfeuffer's Zeitschrift fr rationelle Medicin. Neue Folge. I. Bd.
       3. Heft. pag. 384.--Desgl. in Liebig und Whler's Annalen. Bd.
       89. Heft 3.

Sind diese Forschungen richtig, und wir haben keinen Grund daran zu
zweifeln, so erhlt der Ozongehalt der Luft, in welcher wir leben,
selbstverstndlich auch eine hohe Bedeutung fr die smmtlichen
Lebensprocesse, fr den Stoffwechsel, ja wir drfen hoffen, mit
seiner Kenntniss auch eine nhere Kenntniss von dem unlugbaren
Einfluss der Luftelectricitt selbst auf den Organismus zu erlangen.
Es wird darauf ankommen den Gehalt der Luft an Ozon in verschiedenen
Gegenden und unter verschiedenen Verhltnissen genau zu prfen, locale
Morbilittsverhltnisse mit den Resultaten jener Beobachtungen zu
vergleichen, nachzuforschen, ob ein grsserer Gehalt der Luft an Ozon
einen beschleunigten, geringerer Gehalt einen langsamen Stoffwechsel
bedingt u. s. w. u. s. w.--Leider fehlt es bis dahin an solchen
Beobachtungen noch sehr, und namentlich fr unsre Frage ist es zu
bedauern, dass noch gar keine Untersuchungen ber den Ozongehalt der
Seeluft und den Unterschied desselben von dem der Continentalluft
vorliegen. Um so mehr aber nur wandte ich auch diesem Verhltnisse meine
Aufmerksamkeit zu, und so wenig ausreichend die Untersuchungen sind, sie
dienen vielleicht dennoch dazu andere Beobachter zu einer eifrigen und
ausfhrlichen Fortsetzung anzutreiben und im Allgemeinen nachzuweisen,
dass der Ozongehalt der Seeluft allerdings ein betrchtlicher ist.--

Ich bediente mich zur Ermittelung desselben der Schnbein'schen
Ozonometer (vom Buchbinder Brgy in Basel bezogen)[31]. Dieselben lassen
sehr Vieles zu wnschen brig; sie geben nur sehr approximative
Resultate; Herr Dr. v. Maack in Kiel wird sich darber des Weitern im
Archiv des Vereins fr gem. Arb. Bd. II. Heft 1. auslassen. Allein in
Ermangelung eines Bessern hielt ich dennoch eine Anwendung derselben fr
besser, als gar keine, und durch folgendes, stets gleichmssiges
Verfahren musste ich wenigstens einen allgemeinen Aufschluss gewinnen.
Jeden Morgen und jeden Abend um 8 Uhr wurden in einem nur nach unten
offenen Kstchen, welches unmittelbar am Strande in einer Hhe von circa
6 Fuss ber dem Erdboden aufgestellt war, 2 Ozonometer mit einer Nadel
an einem Bande befestigt. Ein jedes derselben unterlag demnach 12 St.
der Einwirkung der Luft. Nach Ablauf derselben wurden die Streifchen
wieder gelst, sofort in Wasser eingetaucht und nun mit der Ozon-Scala
verglichen. Beide Streifen zeigten dann stets eine gleiche Frbung; die
Bestimmung der Farbe selbst nach der Scala war aber oft schwer, da
namentlich die hellern Farbentne meistens eine rthliche Beimischung
hatten, die sich auf der Scala durchaus nicht fand. Ich bestimmte den
Grad in solchen Fllen so gut es mglich war, notirte sodann die Nummer
der Scala, bemerkte zugleich, ob in den verwichenen Stunden ein
strkerer oder schwcherer Wind geweht hatte, fgte Temperatur[32] und
besondere Witterungsangaben hinzu und gelangte damit zu folgenden
Resultaten:

  [31] Die Schnbein'schen Ozonometer bestehen aus einfachen Streifchen
       von Druckpapier, die getrnkt sind mit einer Lsung von Jodkalium
       und Strkekleister. Das Ozon hat die Eigenschaft, das Jodkalium
       zu zerlegen und jenachdem in Folge seiner Einwirkung mehr oder
       weniger Jod frei wird, nimmt der Papierstreifen, wenn man ihn in
       Wasser taucht, eine hellere oder dunklere blaue Frbung an. An
       einer den Ozonometern beigegebenen Ozon-Scala liest man dann die
       Nummer der Farbe ab und bestimmt darnach den hhern oder
       geringern Gehalt der Luft an Ozon.

  [32] Die Temperatur des Meerwassers wurde mit einem Greiner'schen in
       1/10 Grade getheilten Thermometer an der Badestelle am Strande
       untersucht; die der Luft an einem schattigen windstillen Orte, in
       einer Hhe von 6 Fuss ber dem Erdboden.--War das Wasser sehr
       bewegt, so zeigten verschiedene Wellen oft verschiedene
       Temperaturen. Ich kann durchaus der Angabe Bluhm's (l. c. p. 23.)
       nicht beistimmen, dass das Wasser in der Nhe des Strandes seine
       mitunter vorkommenden hohen Temperaturgrade dem durch die
       Sonnenstrahlen erwrmten Sande verdankt. Der Strand selbst, auf
       den das Wasser zur Zeit der Messung hinaufsplte, hatte meistens
       eine viel niedrigere Temperatur, als das Wasser selbst. Dagegen
       hatte eine oberflchliche Erwrmung des Wassers selbst durch die
       Sonnenstrahlen sicher Statt; tiefere Wasserschichten zeigten eine
       niedrigere Temperatur.




~BEOBACHTUNGEN~


ber den Ozongehalt der Luft, die Temperatur der Luft und die Temperatur
des Wassers auf Wangeroge.

  --------+-------------+--------+-----------+-----------+--------------------
          |  Grad der   |        |   Luft-   | Wasser-   |
          | Ozon-Scala  |        | temperatur|temperatur |
          |------+------+  Wind  |------+----+-----+-----+   Witterung
          | Mg.  | Ab.  |  und   |     |     |     |     |       im
   Datum  | 8 U. | 8 U. | Wind-  | Mgs |Abds | Mgs |Abds |  Allgemeinen.
          |  -   |   -  |strke. |  8  |8 U. |  8  |8 U. |
          | Ab.  | Mg.  |        | Uhr |     | Uhr |     |
          | 8 U. | 8 U. |        |     |     |     |     |
  --------+------+------+--------+-----+-----+-----+-----+--------------------
          |      |      |        |     |     |     |     |
  12. Juli|   3  |  8-9 |  SW.   | --  | --  | --  | --  |Sehr schn.
          |      |      | schwach|     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  13.  "  |  8-9 |  8-9 |  SW.   |12,75|11,6 | --  |12,6 |Regnigt; trber
          |      |      | stark  | R. | R. |     | R. |Himmel.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  14.  "  |   4  |   8  |  WSW.  |12,4 |12,5 | --  |12,7 |Kein Regen; einzelne
          |      |      | mssig | R. | R. |     | R. |Sonnenblicke.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  15.  "  |   3  | 9-10 |  SSW.  |13,5 |13,3 |14,2|13,3 |Hell; schner
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |Sonnenschein.
          |      |      | schw.  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  16.  "  |   4  |  8-9 |   O.   |14,2 |13,9 |14,5 |14,7 |desgl.
          |      |      | zieml. | R. | R. | R. | R. |
          |      |      |lebhaft |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  17.  "  |  5-6 |  8-9 |  OSO.  |17,2 |15,2 | --  | --  |Nachmittags bedeckter
          |      |      | mssig | R. | R. |     |     |Himmel; Abends viel
          |      |      |        |     |     |     |     |Regen; sehr warm.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  18.  "  |   8  |  10  |   O.   |16,2 |14,5 |15,6 | --  |Mgs Sonne.
          |      |      |ziemlich| R. | R. | R. |     |Nachmittags
          |      |      |  stark |     |     |     |     |bedeckter Himmel.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  19.  "  |  3-4 |   6  |  WNW.  |13,9 |13,6 |15,3 |16,3 |Heller Sonnensch.;
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |bedeutende Wrme.
          |      |      |   st.  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  20.  "  |  1-2 | 6    |  SOS.  |16,4 |16   |16,1 |17,3 |Sehr warm.--
          |      |(nicht| stark  | R. | R. | R. | R. |Nachts Gewitter.
          |      |deut- |        |     |     |     |     |
          |      |lich) |        |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  21.  "  |  7-8 |  10  |   SO.  |15,7 |15,5 |14,9 |17,5 |Sehr heiss.--
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |Lauwarme Nacht.
          |      |      | stark  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  22.  "  |   6  |  10  |   O.   |18,1 |15,7 |16,3 |18,2 |Grosse Hitze.
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  23.  "  |   4  |  7-8 |  NON.  |17,0 |15,5 |17,3 |17,8 |desgl.
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |
          |      |      |   st.  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  24.  "  |  7-8 |  10  |  NON.  |18,3 |15,7 |17,5 |16,8 |desgl.--Nachmittags
          |      |      | stark  | R. | R. | R. | R. |strmisch.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  25.  "  |  5-6 | 9-10 |  ONO.  |18,4 |15,5 |18,3 |15,7 |desgl.
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |
          |      |      | stark  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  26.  "  |  4-5 |   5  |   NO.  |16,0 |13,2 |15,4 |14,3 |}
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      | stark  |     |     |     |     |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
  27.  "  |  5-6 |  4-5 |   NO.  |15,0 |12,1 |15,6 |13,8 |}
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      | stark  |     |     |     |     |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}Mehr bedeckter
  28.  "  |  4-5 |  6-7 |   N.   |13,2 |12,2 |14,0 |13,4 |}Himmel, als
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |}Sonnenschein.
          |      |      | stark  |     |     |     |     |}Stets heftiger
          |      |      |        |     |     |     |     |}Wind.
  29.  "  |   4  |   5  |  NWN.  |12,9 |10,8 |13,8 |13,7 |}
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      | stark  |     |     |     |     |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
  30.  "  |  2-3 |   4  |   NO.  |14,8 | --  |14,6 | --  |}
          |      |      |  sehr  | R. |     | R. |     |}
          |      |      | schwach|     |     |     |     |}
          |      |      |        |     |     |     |     |
  31.  "  |  5-6 |  8-9 |  SSO.  | --  | --  | --  | --  |Schwl. Regen.
          |      |      |  fast  |     |     |     |     |
          |      |      |  wind- |     |     |     |     |
          |      |      |  still |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
   1. Aug.| 9-10 | 9-10 |   SW.  |14,6 |14,0 |14,4 |14,0 | --
          |      |      |  sehr  | R. | R. | R. | R. |
          |      |      | heftig |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
   2.  "  |   7  |   10 |   SW.  |13,5 |12,8 |14,4 |14,2 |Gewitterschauer.
          |      |      |  str- | R. | R. | R. | R. |Donner und Blitz.
          |      |      |  misch |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
   3.  "  |   8  | 9-10 |  WSW.  |12,9 |12,5 | --  | --  |Noch gewitterhafte
          |      |      |  sehr  | R. | R. |     |     |Luft.
          |      |      | stark  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
   4.  "  |   8  |  8-9 |  WSW.  |12,2 |12,8 |13,8 |14,0 |}
          |      |      | stark  | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
   5.  "  |  5-6 |  5-6 |  SNW.  |13,3 |13,8 |13,8 |13,7 |}
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
   6.  "  |  5-6 |  4-5 |   N.   |15,0 |13,4 |14,2 |14,1 |}
          |      |      |  ziem- | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |  lich  |     |     |     |     |}Im Ganzen
          |      |      | stark  |     |     |     |     |}stets angenehm.
   7.  "  |   4  |  3-4 |   N.   |15,1 |12,7 |14,4 |14,6 |}
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
   8.  "  |   3  |  7-8 |   N.   |14,0 |12,8 |14,8 |13,7 |}
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |        |     |     |     |     |}
   9.  "  |   4  |  6-7 |  WSW.  |12,5 |14,8 |13,5 |14,6 |}
          |      |      | mssig | R. | R. | R. | R. |}
          |      |      |        |     |     |     |     |
  10.  "  |   8  |   10 |  SWS.  |16,1 |14,0 |15,6 | --  |Nachm. Gewitter;
          |      |      | stark  | R. | R. | R. |     |viel Regen.
          |      |      |        |     |     |     |     |
  11.  "  |   6  |  7-8 |  WNW.  |14,7 |13,1 |15,2 |14,5 |Klare Luft.
          |      |      | zieml. | R. | R. | R. | R. |
          |      |      |   st.  |     |     |     |     |
          |      |      |        |     |     |     |     |
  12.  "  |  3-4 |  --  |  WSW.  |13,0 | --  |14,7 | --  | --
          |      |      |  still | R. |     | R. |     |

Nach diesen Beobachtungen war der Ozongehalt der Luft in der auf
Wangeroge verlebten Zeit an der Mehrzahl der Tage ein sehr
betrchtlicher. Die Schnbein'sche Ozon-Scala hat 10 Grade; wir begegnen
insonderheit in der nchtlichen Periode der einzelnen Tage nicht selten
dem hchsten derselben. Wir wissen aber durch Schnbeins auf dem
Festlande angestellte Untersuchungen, dass die Sommermonate sich in der
Regel durch einen sehr geringen Ozongehalt der Luft auszeichnen, und
darf man also aus den wenigen Beobachtungen berhaupt einen Schluss
ziehen, so wrde er zu Gunsten der Ansicht eines auf der Insel
gesteigerten Ozongehalts der Luft ausfallen. Besttigt sich diese
Annahme durch fernere, lnger fortgesetzte Untersuchungen, denen
nothwendig auch gleichzeitige Beobachtungen an verschiednen Pltzen des
Continents zur Seite stehen mssen, so darf man nicht anstehen, dem
vermehrten Ozongehalt der Seeluft einen Theil der Wirkung derselben
zuzuschreiben. Wir schliessen ferner nach Schnbein's Voruntersuchungen,
aus einem vermehrten Ozongehalt der Luft auf einen vermehrten Gehalt
derselben an "strmender Electricitt." Auch dieser ist ohne Frage fr
die Vorgnge im Organismus von hoher Bedeutung. Es lsst sich sehr wohl
denken u. steht mit unsern brigen Kenntnissen ber die Wirkung der
Electricitt im Einklang, dass der Aufenthalt in einer Luft, die reich
ist an solcher Electricitt, eine excitirende Wirkung auf das
Nervensystem und indirect auf den Stoffwechsel ausbt, schreibt doch
Alex. v. Humboldt selbst den electro-magnetischen Strmungen im Innern
der Erdrinde "auf alle gestaltende Thtigkeit im Mineralreiche,
wie auf die Functionen vegetabilischer und animalischer Organismen
einen anregenden Einfluss zu"[33]. Und sucht derselbe Forscher an
derselben Stelle in dem ~Lichte~ und der von diesem unzertrennlichen
~strahlenden Wrme~ die Ursache, wie aller Bewegung und alles
organischen Lebens, so auch der electro-magnetischen Strmungen,
vermuthet er, dass das durch Aetherschwingungen fortgepflanzte
Sonnenlicht auch im Weltraum von electrischen Strmungen begleitet ist,
ist ferner nach Pouillet's Versuchen auch die Verdunstung des Wassers
eine Quelle der atmosphrischen Electricitt[34], so drfen wir
vielleicht noch einen Schritt weiter gehen und in der grssern
Lichtmasse, in dem unbehinderten Einfall der Sonnenstrahlen, so
wie in der starken Wasserverdunstung auch die letzte Quelle der
vermehrten Luftelectricitt, und damit des vermehrten Ozongehaltes
derselben suchen.--Man knnte in dieser Weise den Aufenthalt in der
Seeluft ein "electrisches Luftbad" nennen und, ohne mich weiter in
Hypothesen verlieren zu wollen, ich mchte glauben, dass es der Mhe
werth sei, diesem Gegenstande die vollste Aufmerksamkeit zu widmen.

  [33] S. Dr. Joh. Mller's Lehrb. der Physik u. Meteorol. II. Band.
       Braunschweig 1845. pag. 613.

  [34] S. Kosmos. Bd. III. pag. 44.

Somit kommen wir zu dem Schluss, dass die beschleunigende Einwirkung der
Seeluft auf den Stoffwechsel wahrscheinlich in verschiedenen
Verhltnissen ihren Grund hat.--Neben mehren und unerheblichen
Einflssen, der Entfernung aus allen gewhnlichen Berufs- und
Lebensverhltnissen, dem psychischen Eindruck des weiten Meeres und
seiner prachtvollen, wechselnden Farben und Formen, dem Eindruck des
Lichtes auf das Auge und das Nervensystem, der Reinheit der Luft von
fremdartigen Bestandtheilen, ist es insonderheit der bedeutende
Wassergehalt derselben, so wie der sehr wahrscheinliche grssere
Reichthum an "strmender Electricitt", welche theils in noch
unbekannter Weise, theils aber sicher durch einen direct anregenden
Einfluss auf das Nervensystem, jene Wirkungen hervorbringen. Dies sind
Verhltnisse die sich in ihrer naturgemssen Grsse nicht durch die
Kunst nachahmen lassen, Verhltnisse, denen wir einzig und allein auf
dem Meere begegnen, und deshalb wird auch die Seeluft stets als ein in
seiner Art einziges Agens dastehen.--

Aber wir sahen oben, dass der Einfluss, den die Luft ausbt, in gewisser
Beziehung noch auf das Doppelte etwa erhht wird, wenn tglich
gleichzeitig ein Seebad genommen wird. Fragen wir also auch hier noch
nach dem Wie? oder Warum? der Wirkung.--Unter allen Schriftstellern hat
sich Mhry mit dieser Frage am grndlichsten beschftigt; er hat
namentlich die Verschiedenheit der Wirkung des Seebades und des kalten
Flussbades in einer vergleichenden Darstellung hervorzuheben gesucht.
Diese Darstellung ist recht gelungen, und die Momente, die er als die
wichtigsten bezeichnet, mssen auch wir als solche anerkennen.--

Zunchst ist des ~Shocks~ zu gedenken, den das Eintauchen in das kalte
Wasser verursacht. Dass darin ein das Nervensystem excitirendes Moment
liegt, wird Niemand in Abrede stellen wollen; die berall wahrgenommene
Pulsbeschleunigung im Bade selbst liefert einen Beweis dafr.--Die
kalten Begiessungen, welche wir hie und da in Anwendung bringen, haben
denselben Zweck und dieselbe Wirkung, und Mhry hat sicher Recht, wenn
er in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen Flussbad und Seebad
von gleicher Temperatur statuirt.--Jedes das Nervensystem excitirende
Moment bt aber auch einen beschleunigenden Einfluss auf den
Stoffwechsel aus und der Shock, den das Eintauchen in's Wasser
herbeifhrt, trgt somit sicher zur allgemeinen Wirkung des Bades
bei.--Nach Ueberwindung dieses ersten Actes ist der Badende drei andern
Einflssen ausgesetzt: dem Einfluss des stark salzhaltigen Wassers, dem
Wellenschlage, und, wie mehre Baderzte so treffend sich ausdrcken,
einem "Kampfe mit den Wellen", der jede Ruhe unmglich macht.--Ueber
die ~Einwirkung des Salzwassers~ als solchen, habe ich schon oben (pag.
65) gesprochen; es ist sicher durch seine Einwirkung auf die Haut und
alle ihr zugehrigen Gebilde, insonderheit die Nerven, es ist ferner
durch die wahrscheinliche Einleitung eines Diffusionsstromes mit
peripherischer Richtung nicht ohne Bedeutung. Diese Wirkung, die sich
nach dem Bade insonderheit durch eine gesteigerte Hautthtigkeit
ausspricht, wird aber noch betrchtlich untersttzt durch den
~Wellenschlag~, der als ein mchtiges Reizmittel der Hautnerven genannt
zu werden verdient. Wer nicht zaghaft am flachen Strande in den kleinen
schumenden Spritzwellen seine Badezeit zubringt, sondern sich tchtig
die Wellen hat auf Rcken und Kopf schlagen lassen, der wird durch die
Kraft eines solchen Schlagens nicht selten in Erstaunen gesetzt sein und
gefhlt haben, dass er Nerven besitzt. Trifft die Welle scharf zu, eben
in dem Augenblick wo sie sich berschlgt, so kann sich die Empfindung
des Schlages selbst zum Schmerz steigern, und eine solche Anregung, die
zunchst die Hautnerven, dann aber sicher auch das Rckenmark afficirt,
kann nicht ohne Wirkung auf den Stoffwechsel selbst bleiben. Die
nachherige bedeutende Thtigkeit der Haut erklrt sich daraus in
ungezwungener Weise.--In dieser Beziehung bedarf es keines weitern
Einflusses, um die ganze Wirkung hervorzurufen; fr die Beschleunigung
des Stoffwechsels im Innern der Organe kommt aber noch ein drittes
Moment hinzu--, ich meine den schon erwhnten ~Kampf mit den
Wellen~.--Wenn der Wellenschlag fehlt und die See sich ruhig nur
kruselt, so hrt man in der Regel eine allgemeine Klage ber "ein
schlechtes Bad", und darin liegt etwas Wahres. Es fehlt einem Bade in
dem ruhigen Wasser jene excitirende Wirkung die der Wellenschlag
erzeugt, der, je krftiger er ist, in der Regel auch um so freudiger von
den Badenden begrsst wird. Dringt eine Welle der andern nach, kommt der
Badende kaum zur Besinnung, wird er bald durch die Wellen nach vorn
geworfen und verliert er bald wieder seinen festen Stand durch die
rckfliessende Fluth, so entsteht dadurch eine allgemeine Aufregung des
Nervensystems, eine Anspannung der Aufmerksamkeit, die nicht geringer
ist, als wenn man irgend eine Gefahr zu berstehen hat, nur dass sich
ihr hier das Bewusstsein der Gefahrlosigkeit beimischt.--Solche mehr
psychische, als somatische Eindrcke verfehlen aber nie ihre Wirkung auf
die materiellen Vorgnge im Organismus, und das Resultat derselben
spricht sich wieder in einer Beschleunigung des Stoffwechsels aus.--In
diesen wenigen Momenten liegt es und muss es begrndet liegen, dass der
Krper des Badenden mehr stickstoffhaltige Substanzen verarbeitet, als
der des Nichtbadenden; es muss hierin die gesteigerte Ausscheidung des
Harnstoffs, der Harnsure, der Schwefelsure u. s. w. begrndet
liegen.--Aber auch ein zweites Moment darf nicht unbercksichtigt
bleiben. Wenn Kraftverbrauch auch Kraft erzeugt, so kann das allerdings
immer zum Theil durch die Einwirkung des gesteigerten Stoffwechsels auf
die Krperbestandtheile bedingt sein; nur gesundes Blut giebt den Nerven
das, was wir Kraft nennen, nur ein geregelter Stoffwechsel erhlt das
Blut gesund; aber wie der gebrauchte Muskel in seiner Ernhrung einen
Zuwachs erfhrt, so wird auch der thtige Nerv durch Thtigkeit in uns
noch unbekannter Weise an Energie, an Ausdauer, an Widerstandsfhigkeit
gewinnen, und wenn das Bad durch seinen Shock, seinen Wellenschlag,
seine Unruhe alltglich das gesammte Nervensystem mehr oder weniger in
Thtigkeit versetzt, so mag darin auch ein nicht geringer Hebel zur
allgemeinen Kraftsteigerung und Erhhung der Widerstandsfhigkeit
liegen. Auf der Einwirkung des Bades auf das Nervensystem und
insonderheit die Centraltheile desselben (Rckenmark) beruht auch sonder
Zweifel sein bedeutender Einfluss auf die Unterleibsfunctionen; der
Erregung des Rckenmarks und des Sympathicus sind die vermehrten
Darmentleerungen, die gesteigerte Gallenexcretion, das frhere
Erscheinen oder der Wiedereintritt cessirender Menses zuzuschreiben, und
wenn man vom Seebade sagt, dass es auch auf die Thtigkeit der
Geschlechtsorgane nicht ohne anregenden Einfluss sei, wenn man nicht
selten der Erscheinung fterer Pollutionen begegnet, so hat auch das
seinen Grund sicher in keiner andern Quelle.--Von einigen Patienten, die
an Hypochondrie und Unterleibsstockungen litten, wurde ich mehrmals
wegen eines nach dem Baden eingetretenen Schmerzes in der Lumbargegend
consultirt. Ich habe sie auf die Einwirkung des Bades auf die
Hervorrufung hmorrhoidaler Congestion verwiesen, und mich erinnert an
die Mittheilung mehrer Baderzte, dass das Bad geradezu Haemorrhoiden in
Fluss gebracht, d. h. Blutentleerungen per anum herbei gefhrt habe. Die
Schmerzen schwanden bei bethtigter Darmentleerung alsbald, und die
Furcht der Patienten vor Rckenmarksleiden verschwand mit ihnen.

Ich darf es nicht unerwhnt lassen, das ich in allen Erscheinungen,
deren Hervortreten dem Bade selbst zugeschrieben werden muss, eine
gewisse Regelmssigkeit nicht zu entdecken vermochte und meine
Untersuchungen weisen nach, dass von bestimmten kritischen
Erscheinungen, wie sie Mhry haben will, und von einer darnach
eintretenden "tonisirenden Wirkungsperiode", kaum die Rede sein
kann.--Der vermehrte Stoffwechsel fhrt allerdings anfangs nach oben
gegebener Erklrung zur Fatigue, und dieselbe lsst nach, wenn der
Organismus sich an grssere Einnahmen und Ausgaben gewhnt hat, das
Gefhl gehobener Kraft wird selten ausbleiben.--Wir erkennen aber aus
den obigen Untersuchungen, dass die Wirkungen des Bades bis zu Ende der
Badezeit gleichmssig anhielten; und erscheinen bei diesem oder jenem
Patienten Sedimente im Urin, abnorme Entleerungen per rectum u. s. w.,
so mchte ich diese einzelnen Erscheinungen nicht als Krisen bezeichnen,
sondern in etwaigen Excessen in der Dit, in starken Wasserverlusten
durch die Haut und damit sehr verringerter Quantitt des Urins die
Ursachen suchen. Will man von einer Krise sprechen, so muss man die
ganze Badezeit als eine kritische bezeichnen.--

Ich denke nicht, dass es nach den vorstehenden Bemerkungen ber das Wie?
der Wirkung des Bades noch nothwendig sein wird, auf "mittheilbare
lebendige Krfte" des Seewassers, wie sie u. A. Chemnitz annimmt, zu
recurriren. Es sind das Krfte, von denen Niemand etwas gesehen hat und
weiss, und weshalb zu solchen greifen, wenn die einfachen Thatsachen so
hinreichende Erklrung bieten?--

Doch es ist nicht meine Absicht weiter auf eine Kritik bisheriger
Leistungen einzugehen; ich halte mich auch fern davon, die in einzelnen
Fllen zur Beobachtung kommenden Erscheinungen zu beurtheilen und zu
erklren. Es gehrt dazu eine langjhrige Erfahrung im Seebade selbst,
und es ist Sache der dortigen Aerzte, zu prfen, ob sich die hier
niedergelegten Beobachtungen ber die allgemeine Wirkung des Seebades
und der Seeluft mit allen Wahrnehmungen an Kranken und Gesunden auf der
Insel vereinigen lassen.--Ob aber jene allgemeine Wirkung richtig
erkannt und aufgefasst ist, darber lsst sich nur dann richten,
wenn den mitgetheilten Thatsachen gleichartige Untersuchungen
gegenbergestellt werden.--




Druck der Universitts-Buchdruckerei von E. A. ~Huth~ in Gttingen.




  Sinnstrende Druckfehler.

  pag.   59:  6. Zeile v. u. lies "fast" fr "nicht"
   "     62:  2.   "   v. o.   "  "3-4 Mal" fr "2/3 - 3/4"
   "    115:  5.   "   v. o.   "  "gewisses" fr "grosses"
   "    116: 15.   "   v. o.   "  "Quantitten" fr "Qualitten"
   "    119:  2.   "   v. u.   "  "Respirabilitt" fr "Respiralitt"




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  |  Legenden benutzt; sie wurden unter den Tabellen erklrt.        |
  |* In einigen Fllen ist ein Leerzeichen eingefgt worden fr      |
  |  bessere Lesbarkeit (z. B. -2--3 ist gendert in -2 - -3).     |
  |* S. 2: 'enthalten nur da etwas Positives': 'da' eingefgt, nicht |
  |  lesbar im Buch.                                                 |
  |* S. 32: 'welche unmittelbar dem Gebrauche des Seebades vorauf-   |
  |  gingen' gendert in 'welche unmittelbar dem Gebrauche des See-  |
  |  bades vorausgingen'.                                            |
  |* S. 50: die zweite '17. Juli' ist in '18. Juli' gendert worden. |
  |* Die 'Sinnstrende Druckfehler' am Ende des Textes sind schon in |
  |  diesem e-Text korrigiert worden.                                |
  |                                                                  |
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Foundation as set forth in Section 3 below.

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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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