Project Gutenberg's Wanderbilder aus Central-Amerika, by Wilhelm Heine

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Title: Wanderbilder aus Central-Amerika

Author: Wilhelm Heine

Commentator: Friedrich Gerstäcker

Release Date: May 3, 2014 [EBook #45569]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WANDERBILDER AUS CENTRAL-AMERIKA ***




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           Wanderbilder
                aus
        _Central-Amerika_.

  _Skizzen eines deutschen Malers_
                von
           Wilhelm Heine.

        _Mit einem Vorwort_
                von
       Friedrich Gerstcker.

             Leipzig,
       _Hermann Costenoble._
               1853.




    _Der geliebten Schwester_
             gewidmet
          vom Verfasser.




_Meine gute Marie!_

Wenn junge Autoren ihr Erstlingsbchlein in die Welt schicken,
so pflegen sie es gewhnlich irgend einer hohen oder berhmten
Persnlichkeit zu widmen, um ihr geringes Opus zu Ehren zu bringen; wenn
dagegen bereits bekannte Autoren schreiben, so ehren sie einen ihrer
Freunde mit der Dedication.

Da nun aber gegenwrtiges Bchlein weder so bedeutend ist, um Jemand
durch seine Dedication zu ehren, noch ich so anmaend sein will, irgend
eine hohe oder berhmte Persnlichkeit damit zu belstigen, sondern
die darin enthaltenen Reisemittheilungen nichts Anderes als Lebens-
und Liebeszeichen fr Euch in der Heimath sein sollen, so eigne ich
dieselben Dir zu.

Oft in einsamer Gebirgsde, beim trben Lagerfeuer, wenn das Geheul der
Cayotas und Jaguars meine Nachtmusik bildete, flogen meine Gedanken der
lieben Heimath zu, und ich dachte Deiner, wie Du mit liebender Sorge
dem alternden Vater, der gramgebeugten Mutter zur Seite standest und den
Platz ausflltest, den der ferne Sohn und Bruder leergelassen. Und
so wird es auch wieder sein, und auf nchtlicher Deckwache in fernen
unbekannten Meeren werden wieder meine Gedanken in der Heimath weilen
und meine heien Segenswnsche sie begleiten.

Nimm darum dies Bchlein als eine Liebesgabe von mir an; bitte Gott, da
er einst uns Allen ein frhliches Wiedersehen verleihen mge und gedenke
stets in Liebe

  Deines
    treuen Bruders
      Wilhelm.

  Geschrieben an Bord der Dampffregatte Mississippi, in der
  Chasepeakbay, den 20. Nov. 1852, am Tage vor der Abfahrt der
  amerikanischen Expedition nach Japan.




Vorwort.


Der Leser soll hier zum ersten Mal mit einem jungen Knstler
bekannt werden, den nicht nur sein frischer frhlicher Muth und jene
geheimnivolle, aber doch auch so gewaltige Lust nach einem regen Leben,
sondern auch der ernste Zweck, seinen Studien obzuliegen und seine
Kenntnisse zu erweitern, in die Welt hineingetrieben, und der selbst
in diesem Augenblicke bei unseren Antipoden herumschwimmt, oder mit
der Bchse auf der Schulter und der Palette in der Mappe die Ksten des
indischen Archipels durchforscht und die Schtze plndert, die Mutter
Natur da drauen ja mit vollen Hnden ausgestreut ber das wundervolle
Land.

Wilhelm Heine, zuerst zum Architekten bestimmt, fand mehr Freude an
der freien Malerkunst. Sein Talent hierzu offenbarte sich bald. Von dem
Knig von Sachsen in seinem Plane untersttzt, wandte er sich zuerst
nach Paris, dort Decorationsmalerei zu studiren und spter
seine Kenntnisse der Dresdener Hofbhne zu widmen. Die dort 1849
ausgebrochenen Unruhen warfen aber die Kunst weit in den Hintergrund
und von seinem rastlosen Eifer fr dieselbe angetrieben, zog der junge
Knstler dorthin, wohin es Tausende damals schon, wie noch jetzt, in
unaufhaltsamer Sehnsucht hinberdrngte ber das Meer, in dem fernen
Lande des Westens, Studien zu sammeln, und das auszubilden in der freien
Welt, was er in den Kunst-Slen von Paris vorbereitet hatte mit emsigem
Fleie.

New-York aber gengte ihm auch nicht auf die Lnge der Zeit -- der
Amerikaner ist fr die Kunst empfnglich und liebt die Knstler, aber
das Land ist noch zu jung, -- die Energie seiner Bewohner wird noch zu
sehr fr das augenblicklich Praktische gefordert, um dem _Schnen_ schon
seine vollen Sinne weihen zu knnen, und wo der Meubleshndler noch die
Bilder zusammen mit Sopha und Sthlen verkauft, wo diese _Gemlde_
noch zu so und so vielen Dutzend bestellt werden, kann natrlich der
_Knstler_ nicht Befriedigung finden.

Heine ergriff denn auch mit Freuden eine gnstige Gelegenheit, die sich
ihm bot, in Begleitung des, schon durch seine frheren archologischen
Forschungen in Nord- und Mittel-Amerika berhmten Herrn Squier, auch
frherem Gesandten der Vereinigten Staaten in Mittel-Amerika, das
letztere Land zu bereisen, um zu Mr. Squier's beabsichtigtem Werke ber
diese Strecken die Illustrationen zu liefern.

Ueber diese Reise, die Heine aber leider allein beenden mute, da Mr.
Squier durch Verhltnisse gehindert wurde, ihm zu folgen, handelt, mit
Ausnahme eines kurzen Knstlerausflugs im Staat New-York, dies kleine
Bndchen, und der Leser folgt dem jungen lebensfrohen Manne vielleicht
noch mit mehr Aufmerksamkeit und Interesse, wenn er erfhrt, da Wilhelm
Heine auch selbst in diesem regen Leben nicht den Drang befriedigt
fhlte, der ihn weiter und weiter trieb auf der einmal betretenen Bahn,
denn er befindet sich in diesem Augenblicke an Bord des amerikanischen
Geschwaders, das zu einer Recognoscirungstour des indischen Archipels,
vorzglich aber der japanischen Ksten ausgesandt ist, und wohl nicht
wiederkehren wird, ohne ein tchtiges Stck von der Welt gesehen, ja
vielleicht auch ein Stck in der Welt gethan zu haben.

Von dort werden seine Berichte fr jetzt in der Allgemeinen Zeitung und
dem Ausland erscheinen, seine Stellung an Bord eines der Kriegsschiffe,
mit ehrenvollen Auftrgen der amerikanischen Regierung fr unterwegs
anzustellende Sammlungen, sichert ihm dabei die Gewiheit, den
grtmglichsten Nutzen von solch wilder Fahrt zu ziehen, und wir drfen
hoffen, da er uns noch manches Schne von fernen Lndern erzhlen wird.
Der Einzelne wird doch ja immer nur, mge seine Route liegen so weit sie
will, auf einen verhltnismig kleinen Kreis beschrnkt, und dem Leser
bleibt es berlassen, sich von den verschiedenen Ansichten und Bildern
der drauen Herumstreifenden den Honig zu sammeln und seine Meinung
festzustellen.

Heine's Styl ist leicht und ungezwungen, seine Schilderung lebendig und
das Herzliche und Gemthliche seines ganzen Wesens lt uns ihn bald
liebgewinnen, und so hoffe ich denn, da Dir, lieber Leser, diese Gabe
eine willkommene sein wird, wie es mir selber eine besondere Freude
gewhrt hat, den jungen, noch gewissermaen vom Seewasser triefenden
Knstler bei Dir einzufhren.

  Friedrich Gerstcker.




Inhaltsverzeichni.


                                                                   Seite

  Knstlerausflug durch den Staat New-York                             1

  Ein Jahr in Central-Amerika                                         41


  I.

  Vorwort. -- Zweck der Reise. -- Allgemeine Bemerkungen ber
  Central-Amerika. -- Canalproject zur Verbindung des atlantischen
  und stillen Oceans.                                                 43


  II.

  Abreise von New-York. -- Die Brig Rogelin. -- Ansicht von Haiti.
  -- Eintritt in die Wendekreise. -- Unbewohnte Insel. --
  Mosquitokste. -- San Juan di Nicaragua. -- Deutsches
  Gasthaus. -- Lebensweise.                                           56


  III.

  Vorbereitungen zur Flufahrt. -- Das Bungo. -- Abreise von San
  Juan. -- San-Juan-River. -- Clima. -- Fruchtbarkeit. -- Die
  Machuca-Rapids. -- Verunglckte Tigerjagd. -- Unwetter. --
  Aerztliche Hlfe. -- Castillo Viejo. -- Prophezeihung. -- Der
  Wundarzt wider Willen. -- San Carlos. -- Douane. -- See von
  Granada. -- Ankunft in Granada. -- Gastfreundlichkeit. --
  Jahresfeier des 4. Juli.                                            66


  IV.

  Die Stadt Granada. -- Bauart. -- Einwohner. -- Lebensweise in
  Central-Amerika. -- Festtage. -- Reisezurstungen. --
  Unsicherheit der Straen. -- Art zu reisen. -- Flei der
  Indianer. -- Massaga. -- Indisches Begrbni.                       94


  V.

  Lavafelder. -- Managua. -- Reisebekanntschaft. --
  Landschaftliches. -- Puebla nuova. -- Ein Raubmord. --
  Nchtliche Strung. -- Ankunft in Leon.                            109


  VI.

  Freundliche Aufnahme in Leon. -- General Munoz. -- Ein
  demthiger Apostel Christi. -- Rckkehr nach Granada.              120


  VII.

  Indigobereitung. -- Verfall des Landbaues. -- Schlimme
  Aussichten fr Ansiedler. -- Gefhrliche Galanterie. --
  Zunahme der rztlichen Praxis. -- Einflu des Mondes. --
  Selbsthlfe zu rechter Zeit. -- Die Schwefelquellen von
  Tipitapa. -- Gefhrliche Begegnung. -- Kriegsanstalten.
  -- Militairische Exercitien.                                       126


  VIII.

  Der geendigte Krieg in Nicaragua. -- Aufregung in Granada. --
  Unangenehme Conflicte. -- Meeting in Massaga. -- Hauptquartier
  in Managua. -- Don Fruto Chamorro. -- Gefecht von Nagarote. --
  Erkrankung. -- Gefecht von Chinandega. -- Miverhltni der
  Streitkrfte. -- Vertrag von Posolteja. -- Treubruch des
  Generals Lopez. -- Ehrenhaftes Benehmen des amerikanischen
  Gesandten. -- Traurige Aussichten.                                 143


  IX.

  Neue Erkrankung. -- Excursion in das Hochgebirge und die
  Minendistricte. -- Reiseanstalten. -- Aufbruch von Leon. --
  Nachtlager. -- Rubergerchte. -- Nchtlicher Ueberfall. --
  Eintritt ins Gebirge. -- Trockenheit. -- Zuckererbauung. --
  Aztekische Sage. -- Beschwerlicher Marsch. -- Heimathliche
  Erinnerung.                                                        166


  X.

  Aufenthalt in San Rafael. -- Viehzucht. -- Versuch mit dem
  Lasso. -- Weiterreise. -- Nchtliches Concert. -- Totogalpa.
  -- Der gastfreundliche Cura. -- Eine Hochzeit. -- Ocotal. --
  General Guardiola. -- Hahnenkmpfe. -- Spielwuth der Bewohner.     185


  XI.

  Dipilto. -- Mangelhafter Zustand des Bergbaues. --
  Wiederkehrende Gesundheit. -- Taminos Feuer- und Wasserprobe zu
  Pferd. -- Erlegter Tiger. -- Der Staat Honduras.                   200


  XII.

  Yuscaran. -- Don Pedro Xatrerha. -- Indianerstmme. -- Gefahren
  eines Besuches bei ihnen. -- Gewaltsame Requisition. --
  Tegucigalpa. -- Sennora L... -- General Cabannas.                  217


  XIII.

  Ser Abschied. -- Cerro di Ule. -- Prachtvolles Panorama. --
  Heimweh. -- Portillo de la Victoria. -- Knstlerische Ausbeute.
  -- Indianische Fiesta. -- Groe Hitze. -- Ein tropisches
  Gewitter. -- Ankunft zu rechter Zeit. -- =Fata morgana.= --
  San Martin. -- Choluteca. -- Esteroreal. -- Noch etwas ber das
  Canalproject. -- Ankunft in Leon.                                  232


  XIV.

  Glcklicher Zufall. -- Abschied von Leon. -- Ein Jahr
  Unterschied. -- =Stars and Stripes!= -- Verndertes Aussehen von
  St.Juan di Nicaragua. -- Abschied von Central-Amerika. --
  Allgemeine Bemerkungen und Warnungen fr Auswanderer.              254




Knstlerausflug durch den Staat New-York.


1.


Die Glocke des Steamers New-York lutet zum drittenmale, der Ingenieur
giebt das Zeichen, das schne groe Schiff setzt sich in Bewegung, an
seinem Bord drei lustige deutsche Maler. Der Abend war angenehm und
lieblich, wie die Abende im Monat August nach einem heien Tage an den
Ufern des Hudson in der Regel sind.

Auf dem Deck und im Salon des Steamers gab es gutgekleidete
Lustreisende, Leute aus der =beau monde=, welche in die Bder von
Saratoga, zu den lieblichen Trentonfllen oder dem groartigen
Niagarafall reisten; Frauen und Mdchen, hold und anmuthig, wie sie
Amerika und vor allem New-York aufzuweisen hat, in sem Miggange
sich im einladenden Schaukelstuhle wiegend, lachend, kokettirend;
Breau-Generale, nach ihren Landhusern gehend, um den Sonntag
dort zuzubringen; Brod- und Schweinehndler =en gros=, welche nach
abgeschlossenen Geschften sich wiederum ins Land hinein begeben, um
alsbald mit neuen Sendungen nach New-York zurckzukehren; mitunter auch
wohl ein finsterer Pfaffe, deren einer, ein Methodist, sogar spter das
Publikum mit einer Art Reisepredigt erlabte, an der jedoch nur blutwenig
Zuhrer Geschmack zu finden schienen.

Die groe wandernde Stadt, auf der wir uns befinden, Euch nher zu
beschreiben, erlat Ihr mir wohl, meine Lieben; Fritz Gerstcker hat
es in seinen Mississippi-Bildern bereits besser gethan, als ich es im
Stande sein wrde. Die achthundert Pferdekraft der Dampfmaschine trieben
uns rasch den prachtvollen, hier ziemlich sechshundert Fu breiten
Hudson stromaufwrts. Zur Linken streckten sich hohe Felswnde in die
Hhe, die Palisaden genannt, zur Rechten lagen lachende Landhuser in
ppig blhenden Grten, kleinere oder grere Dorfschaften dazwischen,
hier und da ein Bach oder ein Flchen, dessen Wasser sich entweder
still und geruschlos mit dem Hudson vermhlt, oder eine kleine Bucht
bildet, an deren Saum freundliche Spaziergnge den Reisenden zu lngerem
Verweilen anzulocken scheinen.

Wahrlich, wer sich die Staaten Nord-Amerikas als arm an malerischen
Naturschnheiten vorstellt, der befindet sich in groem Irrthume; sie
sind freilich von ganz anderem Charakter wie unsere europischen, wollen
studirt und in ihrer Eigenthmlichkeit aufgefat sein, bieten dann aber
auch dem Knstler gar manche schtzbare Ausbeute.

Ermdet vom Getreibe der riesigen Hauptstadt, erlabte ich Augen und Herz
an den lieblichen Gemlden.

Der Kessel von Sing-Sing, wo der Strom eine groe Bai von vielleicht
einer deutschen Meile im Durchmesser bildet, ward mit Sonnenuntergang
passirt, und von den Bergen von West-Point strahlte bereits der Mond
sein mildes Licht ber die lieblichen Gefilde. Der Abend rckte weiter
vor und nachdem die schn geformten Berge von Katshill in der Ferne
vorber geglitten, ging ich in meine Koje, mich fr den kommenden Tag zu
strken, da die Ufer von hier an bis Albany flach werden und nicht mehr
die Mhe des Aufbleibens lohnen.

Bei meinem Erwachen legte der Steamer gerad am Quai von Albany an,
weshalb ich auch auer dem Quai und der Strae, die nach der Eisenbahn
fhrt, nichts von dieser Stadt sah. Kurze Rast nebst Frhstck,
und weiter ging es beim ersten Strahl der lauen Morgensonne auf dem
Schienenwege hin, durch das Mohawkthal. Ueberall blhende, fruchtbare
Felder, nette Ortschaften, freundliche Landhuser, groartige
Fabrikgebude lngs der ganzen Bahn; der zur Seite sich hinziehende
groe Kanal voll regen Lebens, berall thtige, krftige, gesunde
Menschen, berall Leben, Licht, Freiheit. So ging's bis Utica, dem
ersten Haltpunkte.

Nachdem wir uns glcklich durch die lrmende, drngende Menge
hindurchgearbeitet, mietheten wir einen Wagen, der uns mit seinen vier
Rlein zu den Trentonfllen bringen sollte. Auf einem gut unterhaltenen
Bohlenwege, dessen holzverschwenderische Anlage und Erhaltung -- der
ganze Weg ist mit zwlf Fu langen, zwlf Zoll breiten und vier Zoll
starken Bohlen belegt -- manchen unserer gewissenhaften deutschen
Forstmnner zur Verzweiflung bringen wrde, rollten wir munter dahin;
die acht Miles waren verhltnimig schnell zurckgelegt und bald
empfing uns das gastliche Dach des Herrn Moore.

Unsere gespannte Neugierde erlaubte uns zuvrderst kein langes Verweilen
unter demselben, wir eilten den Fllen zu und hatten schon bei ihrem
ersten Erblicken die freudige Ueberzeugung, da dieser eine Punkt allein
schon der Reise werth war.

Der West-Canada-Creek strmt hier durch tiefe Schluchten, lngs welcher
sich starre, hier und da mit Bumen und Buschwerk gekrnte, oft
auch nackte, in bizarren Formen gebildete, zwischen dreihundert und
vierhundert Fu hohe Felswnde, senkrecht aus dem Flusse erheben.
Dazwischen hin schumt der Flu, manchmal in einer Breite von
hundertfnfzig Fu, ber die geradlinigen Fltzgebirgformationen
weggleitend, dann wieder in einen viel engeren Raum zusammengezwngt,
durch zerklftete Felsblcke sich Bahn brechend, mit einer Fallhhe von
dreihundertachtzig Fu auf eine kleine halbe (engl.) Meile. Nach Freund
Mller's Aussagen gleicht der grte dieser Wassersturze in mehren
Abstzen den Wasserfllen, welche er auf seiner letzten europischen
Reise in Dalmatien gesehen.

Hier schied ich auch von einem alten Landsmanne, D.M., der nur
vorlufig nach Amerika herbergekommen war, um sich das Land, behufs
einer etwaigen spteren Uebersiedelung, zu besehen und uns junges Volk
bis hierher begleitet hatte. Er schien von dem, was er bis da gesehen,
nicht sehr befriedigt; das pate alles nicht recht zu seinen deutschen
Agriculturbegriffen. Der Abschied von dem alten Knaben war ein
wehmthiger und schwerlich drfte ich ihn noch einmal wiedersehen.

Die schnen landschaftlichen Vorwrfe wurden nun fleiig ausgebeutet und
nach zehntgigem Aufenthalt hatten wir unsere Malermappen mit manchen
hchst schtzenswerthen Motiven bereichert.

Herr Moore, der gastfreundliche, humane Besitzer des groen Hotels, ein
groer Kunstliebhaber, bestellte bei uns einige Bilder mittlern
Formats fr recht anstndigen Preis, und berdies noch einen Cyclus von
Zeichnungen, als Illustrationen einer beabsichtigten Beschreibung der
Trentonflle. Trotzdem sich Herrn Moore's selbst erworbenes Vermgen
kaum ber einen angenehmen Wohlstand hinaus erstreckt, ist derselbe doch
ein eifriger Befrderer der schnen Knste und besitzt eine, fr seine
Mittel nicht unbedeutende Sammlung von Gemlden, grtentheils von
Knstlern, die bei ihm einsprachen. Nebstdem hat er auch noch den
gewhnlichen Hotelpreis von zwei Dollars tglich, fr Knstler auf die
Hlfte herabgesetzt, was bei der ganz vorzglichen Bewirthung eine sehr
mige Bezahlung ist. Herr Moore trieb seine Artigkeit so weit, uns
selbst nach Utika zurckzufahren, wo wir herzlich und auf baldiges
Wiedersehen von ihm schieden.

Und weiter ging es per Dampf, ber Syrakus, wo bei Ankunft des Zuges
zwanzig Glocken, in den Hnden von zwanzig Kellnern, vor eben so vielen
Hotels, einen wahren Heidenlrm erhoben, um allen Ankommenden recht
eindringlich das Zeichen zum Essen zu geben; dann wieder weiter, nach
Oswego hin, oft durch Wlder und des Sumpfland. Die Gegend sieht hier
fiebrig und unheimlich aus, so da man kaum zu athmen wagt.

In Oswego, einer Stadt von nahe an fnftausend Einwohnern, bestiegen
wir von Neuem einen Steamer und rasch dahin glitten wir ber die blaue
Wasserflche des Ontariosees, bald nur noch einen schmalen Streifen Land
im Gesicht behaltend. Vier Uhr Morgens langten wir in Lewis-Town an,
noch ein kurzes Stck Eisenbahn, und zwar das erbrmlichste, das je von
Menschenhand erbaut worden ist, und mit Tagesanbruch standen wir da, wo:

  schumendes Gewsser mit Donnergebrll hinabstrzt in
                          die grausige Tiefe!

Es kann nicht meine Absicht sein, geognostische Abhandlungen zu
verfassen, und eben so wenig poetische Reisenovellen zu schreiben; doch
mu ich gestehen, da das groartige Naturschauspiel, ohne Zweifel das
grte dieser Art auf dem bekannten Erdenrund, erst allmlig begann,
einen tiefen und gewaltigen Eindruck auf mich zu machen, je lnger ich
davor verweilte und die colossalen Proportionen zu messen begann.
Die ganze Lnge des Falles mag etwa tausend Schritte betragen, die
senkrechte Hhe, nach dem Augenma beurtheilt, vielleicht ein
Drittheil so viel, und ist in der Mitte von einer kleinen Felseninsel
unterbrochen, zu der oberhalb des Falles eine Brcke fhrt. Der Niagara
selbst ist von brillantem Smaragdgrn und bis weit unterhalb des Falles
vom Schaume milchig gefrbt, was dem Maler reizende Farbenabwechselungen
und Uebergnge gewhrt; auf beiden Seiten begrnzen den Fall
hundertachtzig bis zweihundert Fu hohe Felswnde. Alle diese
Formationen (Fltzgebirge) tragen Spuren der Gewalt des Gewssers und
bis eine (engl.) Meile unterhalb seiner jetzigen Stelle hat der Fall
die Merkmale seiner Zerstrungswuth zurckgelassen. Man hat nach
Wahrscheinlichkeitsgrnden berechnet, da der Fall dreiigtausend
Jahre gebraucht habe, um sich diese Bahn auszuwaschen; aber bei
aller mglichen Hochachtung vor den Berechnungen der Gelehrten und
Naturforscher, erscheint mir die hier in Frage gestellte denn doch etwas
problematisch, ohngefhr so wie die Berechnung der Entfernung mancher
Fixsterne. Da heit es auch: wer's nicht glaubt, mag das Gegentheil
beweisen! Das ganze Ufer zunchst des Flusses ist bedeckt mit
herabgestrzten Felstrmmern, deren eben so viele in den Fluthen
begraben sein mgen, gleich dem Table-Rock seligen Andenkens, der etwa
vier Wochen vor unserer Ankunft glcklich zur Tiefe abgefahren ist. Ich
besinne mich, irgendwo von der Berechnung eines englischen Ingenieurs
gelesen zu haben, der ganz vor Kurzem erst herauscalculirt haben wollte,
wie lange das Wasser sich durchaus noch zu strapaziren habe, bevor es
mit der Unterwaschung besagten Table-Rocks glcklich zu Stande
gekommen sei; ich mchte wohl wissen, wie weit er in seiner Berechnung
fehlgeschossen haben mag? -- Die Ufer des Niagara waren in den Jahren
1812 bis 15 der Schauplatz zahlreicher Gefechte mit den Englndern,
und in einer Schlacht ohnweit der Flle sollen an viertausend Todte
geblieben sein.

Amerika ist das Land der Industrie und Speculation, Niagara das Land der
fnfundzwanzig Cents: Du gehst auf die Heiligeninsel, kostet 25 Cents,
-- Du gehst zwei Meilen unterhalb der Flle ber die Hngebrcke, kostet
25 Cents, -- Du lt Dich in einem kleinen Boote ber den Flu setzen,
kostet 25 Cents, -- Du willst unter den Fall selbst steigen, kostet 25
Cents u.s.w.

Der hiesige Gasthof war das Gegentheil von Herrn Moore's Hotel; zwei
Dollars tglich und alles mordschlecht. Wir machten Studien so viel als
mglich, und beeilten uns fortzukommen, so viel als mglich, und zwar um
so mehr, als wir beim Arbeiten viel von der unertrglichen Neugierde des
reisenden Publikums zu leiden hatten.

Noch am letzten Tage hatten wir das traurige Schauspiel, ein armes
Pferd, welches sich, oberhalb der Flle von Hunden gehetzt, in den
Flu retirirt haben mochte, den Fall hinunterstrzen zu sehen. Weiter
unterhalb fanden wir das arme Thier, zerschellt und kaum noch kenntlich,
von den Fluthen auf's Ufer geschleudert daliegen. Ein Canalboot mit
einer Schweinefleischladung, welches vor etwa sechs Wochen den Flu
hinabgetrieben worden war, hngt inmitten des Falles, von einem
emporragenden Felsen aufgehalten, auf dem Rand des Sturzes, von
brausenden Gewssern umtobt; das Treibeis des nchsten Winters wird es
wohl noch vollends zertrmmern. Seltsam, trotzdem es nur ein lebloser
Gegenstand ist, kann man es nicht ohne ein Gefhl des Bangens da hngen
sehen und empfindet unwillkrlich eine Art von Mitleid mit dem armen
Ding.

Kurz und gut, unsere Studien waren beendet, unsere Zeit gemessen und wir
hatten nicht Lust, lnger hier mssig liegen zu bleiben; wir begaben
uns daher vermittelst obbemeldeter schlechten Eisenbahn wieder auf die
Wanderschaft und an Bord des nmlichen Steamers, der uns in Lewis-Town
ans Land gesetzt hatte.




2.


Unsere zweite Fahrt auf dem Ontariosee war bei weitem lnger als
die erste, denn wir befuhren ihn in seiner ganzen Lngenausdehnung,
berhrten nochmals Oswego, landeten in Sacketts Harbour, ein Name, der
sowohl im britisch-franzsischen, als im amerikanischen Befreiungskriege
vielfach genannt worden, als wichtigster Posten am Ontariosee; sahen
spter Kingston und die rothen Rcke der englischen Soldaten und
passirten am Nachmittage die Tausend-Inseln. War schon die Fahrt ber
den See mit seinen langgedehnten flachen Ufern langweilig, so wird
die Fahrt zwischen diesen kleinen, niedrigen, mager bewaldeten, sich
hnelnden Inselchen zuletzt im hchsten Grade ermdend. Ob es ihrer
gerade tausend waren, wei ich nicht, denn ich habe sie wahrhaftig
nicht gezhlt, war aber herzlich froh, als uns am Abend die Lichter von
Ogdensburg das Ziel unserer Wasserfahrt andeuteten.

Hier wurden wir auf dem Landgute des Herrn von R......... hchst
gastfreundlich aufgenommen und bewirthet. Diese Farm, von ungefhr
eintausend Acres geklrten Landes, kann als ein vollendetes Muster
amerikanischer Landwirthschaft gelten und ich htte wohl gewnscht,
mein alter Landsmann D.M. htte seine Untersuchungsreise bis hierher
ausgedehnt. Herr v.R......... hat in unglaublich kurzer Zeit Alles, was
er besitzt, aus einer Wste geschaffen; denn als er sich in Ogdensburg
ansiedelte, wurden noch da Hirsche geschossen, wo jetzt sein schnes
Wohnhaus steht, und dunkle Kieferwaldung stand noch da, wo jetzt
ein lieblicher Park angenehme Spaziergnge bietet und in groartigen
Glashusern Sdfrchte und tropische Pflanzen reifen. Mhlen aller Art,
Manufakturen, Eisenwerke, fast alle von Herrn v.R........ gegrndet,
liegen in und um Ogdensburg. Es kam ihm allerdings bei seinen
Unternehmungen trefflich zu Statten, da er ein sehr bedeutendes
vterliches Vermgen mitbrachte, was freilich unter allen Umstnden das
Farmerleben aller Orten wesentlich angenehmer macht; immer aber kann man
sich hier berzeugen, da sich auch ohne jenes Zaubermittel Flei und
Ausdauer hier reichlicher lohnen, wie in vielen andern Lndern. Nach
so manchen Beobachtungen mchte ich daher berhaupt jedem in der Union
Einwandernden dringend anrathen sich, wenn es seine Mittel irgend
verstatten, erst in den verschiedenen Strichen des Landes umzusehen
und sich mit dem landwirthschaftlichen Betrieb da und dort recht genau
bekannt zu machen, bevor er sich fr einen Punkt entscheidet und dann
das Ganze nach vielleicht getuschten Erwartungen beurtheilt. Eben so
Viele sind durch Nichtbeachtung dieser Vorsicht zu Grunde gegangen, als
andrerseits durch deren Beachtung binnen nicht sehr langer Zeit Andere
zu Wohlstand, ja sogar zu Reichthum gelangt sind. Wer aber aus
Trgheit oder Unwissenheit darauf beharrt, sich am ersten besten Fleck
niederzulassen und das Land nach den aus Deutschland mitgebrachten
Begriffen zu bebauen, dem wird es nicht besser ergehen, wie es
wahrscheinlich einem Amerikaner ergehen wrde, dem es einfiele
unbebautes Land in Ungarn oder Ruland zu aquiriren und nach
amerikanischem Systeme auszubeuten.

Nicht verschweigen kann ich es, da ich auch in Frau v.R........ eine
der liebenswrdigsten, feingebildetsten Frauen kennen lernte, die nicht
nur die Erziehung und den Unterricht ihrer Kinder fast allein besorgt,
sondern auch durch rastlose Thtigkeit und umsichtige Leitung ihres
groen Hausstandes, eine Gewohnheit, die sonst den amerikanischen
Frauen, bei vielen anderen Vorzgen, nicht eben sehr eigen ist,
wesentlich zum Gedeihen des Ganzen beitrgt.

Ogdensburg gegenber wurden in der Insurrection von 1837 mehre Gefechte
geliefert; unter andern hatten die Insurgenten eine sehr feste Stellung
inne, die nur nach hartnckigem Kampfe genommen werden konnte. Im
Lande ist sie unter dem Namen: die Schlacht bei der Windmhle, bekannt
geblieben.

In Ogdensburg war whrend unseres Aufenthaltes daselbst von der Miliz
des Districtes ein Uebungslager bezogen worden, an das man allerdings
nicht den Mastab unserer europischen Revuen und Manvers legen darf.
Diese Miliztruppen waren nmlich in vier Gattungen getheilt, als:
erstens, Bewaffnete und Uniformirte; zweitens, Bewaffnete und
Nichtuniformirte; drittens, Uniformirte und Nichtbewaffnete; viertens
endlich, Nichtuniformirte und Nichtbewaffnete. -- So passirte dieses
Corps von beilufig dreihundert Kpfen die Revue, durchzog die Stadt mit
Musik und erfllte sie mit kriegerischem Geprnge. Nichtsdestoweniger
hat jedoch die Erfahrung bereits bewiesen, da diese Leutchen, sobald es
einmal Ernst gilt, ebenso wacker zu kmpfen wissen, wie nur irgend
eine Truppe der Welt. -- Wir aber zogen von dannen, denn nun sollte der
zweite Theil unseres Ausfluges, das Waldleben beginnen.

Wir hatten uns dazu die Ufer des Roquette-River ausersehen. Wollt Ihr,
meine Lieben, diesen Platz auf einer Spezialkarte der Vereinstaaten
finden, so sucht ihn im Norden des Staates New-York, auf dem westlichen
Abhange des Hhenzuges, welcher ihn von Sd nach Nord durchschneidet.
Dort ist noch eine undurchdringliche Wildni in einer Ausdehnung von
hundertzwanzig bis hundertdreiig Meilen, die uns reichen Stoff zu
solcher Art landschaftlicher Studien verhoffen lie. In jeder
Richtung hin keine Ansiedelung zu finden; dagegen bevlkern Hirsche
im Ueberflusse und selbst Elenthiere den Wald, zahllose Forellen der
vorzglichsten Gattung die Bche und Flsse, und wilde Enten, Fasanen,
Truthhner, wilde Tauben sind in solcher Masse vorhanden, da der Jger
die reichste Beute findet. Inmitten dieser Wlder, auf der Hochebene
des Gebirges, ist ein ziemlich bedeutender See, Long-Lake genannt, der
sdwrts den Hudson und nordwrts drei parallel laufende Flsse, den
St.Regis-, den Roquette- und den Gros-River entsendet.

Ueber Canton, Stockholm, Potsdam, Rom kamen wir bis Parisville, wo die
Poststrae aufhrt. Ein kleines Wgelchen fhrte unser Gepck weiter,
wir selbst aber wanderten =per pedes= nebenher, ber Knppeldmme, Sumpf
und Moor in den Wald hinein, selten eine Ansiedelung treffend, die hier
schon sehr dnn werden. Zu zehn englischen Meilen brauchten wir einen
ganzen Tag; fnfmal brach unser Wgelchen und zuletzt so rettungslos,
da wir es zurcklassen muten, und die letzten Meilen mit unserer
Bagage auf den Schultern marschirten, bis wir spt Abends zum Tode
ermdet im letzten Settlement anlangten.

Hier lieen wir den grten Theil unseres Gepckes zurck, uns nur auf
das Nothwendigste beschrnkend, und am anderen Morgen ging die Wanderung
auf einem Canoe weiter, dasselbe nach Art der Indianer bei jedem Rapid
(Stromschnelle) auf den Schultern um diese herumtragend. So leicht nun
auch ein solches Bootchen von Birkenrinde ist, so ist es doch nichts
destoweniger eine harte Arbeit, es immer weiter zu schleppen, und oft
haben wir bei solcher Bergstelle von kaum einer englischen Viertelmeile
mit Aus- und Einladen, Weitertragen, drei bis vier Stunden zugebracht.
Noch weitere fnfzehn Meilen wurden auf diese Weise mhsam zurckgelegt
und endlich langten wir am Starks-Fall, unserm Bestimmungsorte an.

Eine Schanty d.h. eine kleine Htte von rohen Stmmen, mit Rinden
bedeckt, an der vierten, dem Feuer zugekehrten Seite offen, wie sie
Holzfller bei ihrem Aufenthalt im Walde, oder Jger die lngere Zeit
an einer Stelle verweilen, errichten, fanden wir noch in ziemlich gutem
Zustande und hatten uns bald so wohnlich, als es irgend gehen wollte,
eingerichtet. Ein helles Feuer von mchtigen, acht Fu langen Kltzen
loderte lustig im Abendwinde und in unsere Decken gehllt, brachten wir
unsere erste Nacht in einem amerikanischen Walde trefflich schlafend zu.

Unser Leben war freilich ein etwas beschwerliches, denn da wir
allein auf uns verwiesen waren, muten wir uns selbst Nahrungsmittel
verschaffen, Holz fr die Feuerung hauen und unser einfaches Mahl selbst
bereiten. Meine Hnde sahen bald so rauh aus, als zu jener Zeit, da
ich Maurerlehrling war, und gar oft klebte mein Blut am Axtstiel.
Nichtsdestoweniger wurde fleiig gemalt, wozu wir hier herrliche Studien
fanden, und immer noch blieb genugsam Zeit brig, dem edlen Waidwerk
obzuliegen.

Allmorgendlich, sobald es nur hell genug war um Korn und Visir erkennen
zu knnen, ging ich am Fluufer pirschen. Nie habe ich so zahlreiche
Fhrten nebeneinander gesehen, es war, als ob eine Herde Schafe durch
den Wald getrieben worden wren. Da ich aber keine genaue Kenntni der
Wechsel hatte, so jagte ich nur auf der Fhrte und hatte das Glck,
schon am zweiten Morgen ein altes Thier und zwei Spiehirsche in Zeit
von einer Stunde zu schieen; so hatten wir Fleisch im Ueberflu
und besonders gab das der Spieer, auf indianische Manier auf einen
Baumzweig gespiet, einen gar saftigen, kstlichen Braten.

Unser Appetit ward aber auch durch die ungewhnte Lebensweise und den
steten Aufenthalt in freier Luft so geschrft, da wir, im Verein mit
ein paar Jgern, die weiter hinauf an den Flu wollten und einen
halben Tag bei uns verweilten, die zwei Spieer in drei Tagen radical
aufzehrten, wobei ich inde bemerken mu, da die Hirsche hier zu Lande
bedeutend schwcher sind, als in Europa.

Einen ganz vorzglichen Braten bot uns auch die sogenannte schwarze
Wildente, welche vom Fressen einer gewissen, nur hier in den Smpfen
vorkommenden Wasserpflanze auerordentlich fett und schmackhaft wird.
Aus Mangel an Schrotladung und einer Flinte, war ich genthigt den
Fasan, die Ente und selbst die wilde Taube mit der Bchse zu schieen.
Da man inde selten weiter als vierzig bis fnfzig Schritt zu schieen
hat, gewhnte ich mich bald daran und habe selten gefehlt. Huten,
Aufbrechen und Ausweiden der Thiere, Trocknen der Hute und Ruchern des
Fleisches auf indische Weise, gaben manche spahafte Beschftigung und
gute Gelegenheit etwas zu lernen. Meinen dritten Hirsch habe ich so
tadellos aufgebrochen und ausgewirkt, da jeder gelernte Waidmann seine
Freude daran gehabt htte.

Wlfe, obgleich dieselben noch ziemlich hufig sein sollen, habe ich
noch nirgend gesehen, selbst nicht Spuren, und ebensowenig Fchse,
Panther und Bren, die hier nur hchst selten vorkommen sollen.

An einem Regentage, der das den Boden bedeckende drre Laub vollkommen
durchweicht hatte, folglich hchst gnstiges Wetter zu einem Pirschgange
bot, hatte ich, obschon auf viele Fhrten treffend, erfolglos vom
Morgen an gejagt und mich etwas weiter als gewhnlich von unserm Lager
entfernt. Gegen Abend kam ich auf eine ganz frische Fhrte die ich
verfolgte und mich denn auch bald auf einer kleinen Waldwiese einem
stattlichen Hirsche gegenber befand. Die Entfernung war zwar etwas
weit, hundertdreiig bis hundertvierzig Schritt, doch die Zeit drngte,
denn wir brauchten Fleisch, und nirgend sah ich eine Deckung um nher
heran zu schleichen. Langsam hob ich die treue Bchse, ein scharfer
Krach erschtterte die Atmosphre und mit einem dumpfen Schrei strzte
das edle Thier zu Boden. Guter Braten! dachte ich, und stie in aller
Ruhe eine frische Kugel in den Lauf hinab, doch ehe ich noch mit Laden
fertig war, erhob sich der Hirsch pltzlich wieder, ein angestrengter
Satz und er tauchte in das bunte Dickicht der Sassafrasbsche nieder.
Auf dem Anschu fand ich Schwei in Menge und Lungenkrmel. Der deutlich
ausgeprgten und mit Schwei ganz bergossenen Spur folgend, ward
ich aber nach dreiig bis vierzig Schritten von undurchwadbaren Sumpf
aufgehalten; ich umkreiste denselben, der Hirsch war darin, ich hrte
ihn deutlich nur wenige Schritte vor mir, im Todeskampfe die Bsche
knicken, und konnte nicht zu ihm, denn so oft und von welcher Seite ich
es auch versuchte, versank ich gleich beim ersten Schritt bis ber die
Knie in den morastigen Boden.

Das war denn nun hchst fatal! nicht nur weil ich sehr ungern das schne
Stck Wild einben wollte, sondern auch weil ich den ganzen Tag noch
nichts gegessen hatte und folglich Fleisch brauchte. Doch, was war zu
machen? Ich verbrach den Anschu, schnallte mir den Hungerriemen
fester und machte mich auf den Weg, um wo mglich noch unser Lager zu
erreichen, denn die Sonne war bereits zu Rste. Ich suchte mich so gut
wie mglich in der Richtung zu orientiren und marschirte tapfer vorwrts
in die Dunkelheit, die schnell hereinbrach.

Nach zweistndigem Marsch erreichte ich ein ansteigendes Terrain, das
ich fr dasselbe hielt, welches ich nach meiner Berechnung auf dem Wege
zu unserm Lager allerdings passiren mute; allein schon war ich eine
gute Weile gegangen und statt flacher, ward das Terrain immer steiler.
Ich ward nun wohl inne, da ich mich verirrt hatte, wute aber durchaus
nicht, wo ich mich etwa befinden konnte. Vor allen Dingen war es mir
darum zu thun, bald mglichst eine Lichtung zu gewinnen, denn der Theil
des Waldes, in dem ich mich befand, war so dicht, da auch nicht ein
Zoll breit Himmel zu sehen war. Ich drang also weiter vor, nach der
Spitze des Hgels, auf dem ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach
befinden mute; das Terrain war felsig und ebnete sich bald, so da
ich schon Halt machen wollte, um den Aufgang des Mondes abzuwarten,
als pltzlich meine Fe ausglitten, ich mich ber Moos, Steine und
Strucher rasch dahinrutschen fhlte, endlich wieder ebenen Boden
unter mir hatte, aber so im Schusse war, da ich mich nicht zu halten
vermochte, mit dem Kopfe im nmlichen Augenblicke so derb an einen
Baumstamm hmmerte, da mir die Sinne vergingen und ich um und um
kollerte. Ein Weilchen mochte ich wohl so dagelegen haben, als ich aber
allmhlig wieder anfing meine fnf Sinne zusammen zu lesen, ward ich
inne, da ich auer denselben bei dem Purzelbaum auch noch Bchse,
Pulverhorn, Mtze und Messer verloren und dafr etliche Knuffe und Pffe
eingetauscht hatte, die sich ziemlich unangenehm fhlbar machten. Nach
langem Umhertappen fand sich endlich mein Eigenthum, mit Ausnahme des
Messers, wieder zusammen, welches letztere ich selbst, als der Mond
seine Laterne durch die allmhlig dnner gewordenen Wolken heraus
steckte, nicht wieder finden konnte. Zu gleicher Zeit belehrte mich auch
der Stand des Mondes, da ich, statt nordwestlich zu gehen, sdstlich
gegangen war.

Gern wre ich jetzt liegen geblieben, denn ich fhlte mich erschpft
und meine zerstoenen Gliedmaen schmerzten mich in der That recht
empfindlich, aber zwei Umstnde verhinderten mich daran, zuerst
brennender Durst, sodann der Verlust meines Messers, und Mangel an
trocknen Holz; denn ohne Feuer htte ich die recht beiend nakalte
Nacht in meiner dnnen und durchnten Leinwandblouse nicht ausgehalten.

Ich calculirte, da ich mich wahrscheinlich auf dem scheidenden
Rcken des St.Regis- und dem Roquette-River befand, nrdlich mindestens
zwanzig Meilen von der nchsten Ansiedelung, stlich sechs bis acht
Meilen vom St.Regis und westlich etwa eben so weit vom Roquette-River
entfernt, sdlich aber vielleicht hundert Meilen weit dichte Waldung vor
mir hatte.

Ich selbst war ohne Kompa, ohne Feuerzeug, ohne Messer, ohne Decke,
dnn gekleidet, nchtern seit dem Morgen, eine Kugel in der Bchse
und nur noch zwei in der Tasche, allerdings eine etwas ungemthliche
Situation. Nach reiflicher Ueberlegung hielt ich es fr das Beste, vor
allen Dingen den Roquette-River aufzusuchen und dann an seinen Ufern
hinabzugehen; ich mute dann doch am Ende auf unser Lager, oder auf
irgend eine Ansiedelung stoen. Fand ich nur erst Wasser, so konnte ich
es im schlimmsten Fall wohl noch einen ganzen Tag ohne Speise aushalten.
Das Empfindlichste war mir vor der Hand der Mangel eines guten,
erwrmenden Feuers.

Den Mond zur Linken, gings nun westlich und nach dreistndigem hchst
beschwerlichem Marsche, whrend welchem mein Fu oft ber Stmme und
Steine stolperte und ich einen gefhrlichen Moorbruch passiren
mute, befand ich mich glcklich am Ufer des Flusses. Ich verrichtete
zuvrderst ein geringfgig Waidmannsgebetlein, und zwar keinesweges in
der Meinung, da dadurch irgend etwas Verdienstliches geschehe, sondern
weil es mich in Wahrheit drngte, Dem, der ja auch hier mir nahe war,
meinen Dank abzustatten. Mein Durst war mit zwei Mtzen voll Wasser
gestillt, aber nunmehr verlangten meine durchklteten Gliedmaen desto
ungestmer nach Wrme.

Neue Verlegenheit: kein Messer, kein Feuerzeug. Ich suchte in allen
Taschen nach etwas Papier, um mit Hlfe der Bchse Feuer zu bekommen,
aber auch das fehlte; ich fand nichts als einen Brief von meinen Lieben
aus der Heimath, der whrend meiner Abwesenheit in New-York eingetroffen
und mir noch zur letzten Station nachgesendet worden, und den wollte
ich doch nicht gern verbrennen; war er mir doch jetzt doppelt theuer in
meiner Einsamkeit, als freundliches Liebeszeichen aus weiter Ferne! --
Endlich fand ich einen ziemlich trocknen, verfaulten Stamm, derselbe
ward tchtig mit Pulver eingerieben, die Bchse dicht davor losgedrckt,
die Funken zur Flamme angeblasen, und bald loderte der Stamm hell empor,
durch seine wohlthuende Wrme die Mhe reichlich lohnend. Bei seinem
Scheine hatte ich die Freude, als Ersatz fr das mangelnde Nachtmahl,
die lieben Zeilen noch einmal zu durchlesen, dann warf ich mich todtmde
unter die breiten Aeste einer Ceder, als einziges Kopfkissen ein gut
Gewissen, ber mir als Bettdecke den gestirnten Himmel, diesen groen
Mantel aller Trostbedrftigen. Meine Uhr zeigte auf halb Zwei, ich war
demnach ziemlich sieben Stunden in der Irre umher marschirt.

Mehrmals ward ich aus dem tiefen Schlafe aufgeschreckt durch den
gellenden Schrei einer Nachteule, so nahe, da ich aufsprang und nach
der Bchse griff, meinend, ein Panther wolle mich mit seinem nchtlichen
Besuche beehren.

Am anderen Morgen nach dem Frhstck, d.h., nachdem ich abermals aus
dem Flue getrunken, machte ich mich auf, den Flu hinabzugehen, wegen
der vielen Sumpfstellen, die man entweder umgehen oder durchwaden mu,
ein etwas beschwerlicherer Marsch, als eine Promenade im Dresdner groen
Garten.

Auch fand ich hier eine alte, oftgehrte Jagderfahrung sehr
handgreiflich besttigt, da nmlich der Jger, der am nthigsten Wild
braucht, keine Klaue zu sehen bekommt. Wenigstens ging es mir an dem
Tage so, und mit knurrenden Magen mute ich durch den Wald schreiten,
der von Wild wimmelt, alle Augenblicke einmal frische Fhrten kreuzend.
Es war die Geschichte vom Herrn Tantalus.

Einmal rauschte ein prchtiger Adler kaum dreiig Schritte vor mir
empor, die Jagdpassion ri mir die Bchse an den Backen, aber im Zielen
fiel mir noch zu rechter Zeit ein, da ich jetzt nur noch eine Kugel
in der Bchse und eine in der Tasche hatte, die dritte war ja in den
Baumstamm gefahren, und so blieb das Rohr stumm.

Endlich gegen zehn Uhr stie ich wieder auf das Lager, und ich
versichere Euch, von der Hirschkeule die ich in Angriff nahm, blieb
auer dem Knochen auch nicht ein Atom brig.

Die Genossen waren besorgt um mich gewesen und hatten wiederholt ihre
Gewehre abgefeuert; allein zu jener Zeit war ich wenigstens schon vier
Meilen von ihnen entfernt.

Zweierlei hchst weise Erfahrungen hatte ich bei dieser Gelegenheit
gesammelt, erstens, da es sehr unklug ist, ohne Compa und ohne
Feuerzeug in solcher Wildni zu jagen, und zweitens, da man sich in
einem amerikanischen Urwalde doch nicht so leicht zurecht findet, als in
unseren von Flgeln und Schneusen durchschnittenen kniglichen Forsten.
Uebrigens aber war ich sehr froh, da meine abhrtende Lebensweise und
frhzeitiges Vertrautsein mit unangenehmen Situationen mich in den Stand
setzten, mich vorkommenden Fhrnissen leichter zu entziehen. Ersteres
verdanke ich Eurer Erziehungsweise, geliebte Eltern, letzteres
groentheils dem wackeren alten Ohm. Sei Euch allen mein Dank dafr
bers Meer geschickt, dem guten Ohm aber insbesondere noch fr die treue
Bchse, die mir in kalter Nacht Feuer, und auerdem noch manchen guten
Braten verschafft hat.




3.


Wir hatten nun Studien vollauf gesammelt und genug der Freuden des
Waldlebens, denn unsere Decken boten uns nicht mehr gengenden Schutz
gegen den Frost, der in letzter Nacht ber einen halben Zoll Eis
gebracht hatte. Nach dreiwchentlichem Aufenthalt, am 6. October brachen
wir daher auf, um uns wieder der Civilisation zuzuwenden. Unsere Reise
ging den Flu entlang, gen Potsdam zu.

Wir hatten in unserm Lager den Besuch eines Amerikaners, eines Dokter
H.... aus Potsdam gehabt, der mehre auf Kosten der Regierung zur
Erleichterung des Holzflens im Flue erbaute Dmme zu inspiciren
hatte. Dieser Gentleman ersuchte uns, ihm einige correcte Skizzen
dieser Dmme zu zeichnen, um dieselben seinem Rapporte an die Regierung
beizufgen, eine Arbeit die in wenigen Tagen erledigt war und uns die
Summe von 50 Dollars einbrachte, sehr willkommene Subsidien, da unsere
Reisekasse verwnscht knapp zu werden begann. Unterwegs erhandelte
ich von einem Indianer ein schnes Paar Elenhrner, von einem Ende zum
andern sechs und einen halben Fu lang und in den Schaufeln acht Zoll
breit, in hiesigem Lande ein wahres Prachtexemplar.

Auch die Feuerjagd habe ich versucht, doch in anderer Art als Fritz
Gerstcker sie uns beschrieb. Wir jagten auf dem Flu in Gesellschaft
eines alten Jgers, der die Fhrung des Bootes bernommen hatte, eine
jener cht Cooperschen Gestalten, die hier immer seltener zu werden
beginnen. Statt der Kienpfannen hatten wir eine Art viereckige Kappe,
oder Helm, an drei Seiten geschlossen, die vierte vor dem Gesicht offen,
und oben drauf eine Art Laterne mit einem sehr starken Talglichte,
dessen Schein die Umgegend nach vorn auf zwanzig bis fnfundzwanzig
Schritte erhellte. Wir fuhren ganz geruschlos am Fluufer hin, und erst
als wir den Hirsch im Wasser hrten, ward die Laternenmtze angezndet
und aufgestlpt. Es war eine Doe (Thier), die bis ans Blatt im Wasser
stand, gerade gegen uns gekehrt, und gewaltig blies und schreckte, als
sie des Lichtes ansichtig ward. Die fertig gehaltene Bchse fuhr an den
Backen und die Kugel der Doe in den Halswirbel. Weil diese Art zu jagen
mir noch neu war und man auch gewhnlich des Nachts Alles berschiet,
hatte ich es nur dem Umstande, da die Doe mir gerade zugekehrt stand,
zu verdanken, da ich sie berhaupt bekam.

Nach kurzer Rast in Potsdam, wo wir unser zerrissenes Schuhwerk und
unser durchlchertes Waldneglig als milde Stiftung zurcklieen und
uns wieder etwas suberlich machten, um als honnette Menschen in der
Gesellschaft erscheinen zu knnen, gingen wir mit der Eisenbahn hinber
nach dem Champlain-See.

Dieser lange, schmale See bietet ungleich mehr Reiz dar, als die
canadischen Seen, denn seine Breite betrgt selten mehr als vier
bis fnf engl. Meilen, und die oft lngs desselben hinlaufenden
Gebirgsketten des Staates Vermont, so wie auf der anderen Seite
des Staates New-York, gewhren dem Auge eine eben so angenehme als
malerische Abwechselung. Mglich auch, da der angenehme Eindruck, den
die Gegend auf uns machte, noch gesteigert ward durch den lieblichen
Duft der auf der Landschaft lag, und die herrlichen Herbstfarben der
Bume, welche das Ufer bekrnzen. Noch nirgend habe ich bis jetzt
solchen Farbenreichthum einer Landschaft gesehen. Amerika ist berhmt
wegen seiner prachtvollen bunten Herbstbltter, und verdient diesen
Ruf im vollsten Mae. Dabei haben seine Wlder noch den Reiz der
auerordentlichsten Mannichfaltigkeit der Hlzer; sogenannte Familien-
oder Geschlechtswaldungen, wie bei uns, habe ich hier nirgend getroffen;
auf verhltnimig sehr kleinem Raum sahen wir dicht gedrngt bei
einander die Eiche, die Buche, den Ahorn mit hochrothen Blttern, Hikory
und Sassafrasstmme, dazwischen wieder die schwarze melancholische
Tanne, die knorrige Kiefer, und manchmal sogar die Birke mit
ihrem hellgelben Laube und weiem Stamme durchblitzend. Durch das
verschiedenzeitige Welken all dieser Bltter entstehen tausend
Schattirungen und Uebergnge, vom dunkelsten und zugleich mglichst
brillanten Purpurroth, bis zum hellsten Goldgeld, und von da in
gleicher Weise durch alle Abstufungen bis zum saftigsten Dunkelgrn, was
besonders bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, wo die Ferne bald in
blauen, bald in violetten Duft gehllt ist, eine wahrhaft zauberische
Wirkung hervorbringt.

Den See kreuzend, gelangten wir nach Whitehall, malerisch in einer
Schlucht gelegen, an der Mndung des Sees, wo ein Canal ihn mit dem
Hudson in Verbindung setzt. Durch diesen Canal kommen die Produkte
des fernsten Westen ber den Ontario, den Sanct-Lorenzstrom, den
Champlainsee und Hudson bis New-York, ein Weg von vier- bis fnftausend
engl. Meilen, welchen die verschiedenen Handelsgegenstnde zurcklegen,
ohne das Schiff zu verlassen, in das sie in Detroit oder Michican
geladen worden sind. Auerdem laufen noch zwei andere Canalwege sdlich
nach demselben Punkt, von drei Hauptbahnlinien und zahllosen Canlen und
Zweigbahnen nach anderen Staaten durchkreuzt, wo ein hnlicher Stand der
Dinge herrscht, und fhren die Gter dem Orte ihrer Bestimmung zu.
Fast alle diese Riesenwerke sind erst in den letzten fnfzig Jahren
entstanden und ohne da der Staat als solcher auch nur einen Dollar dazu
gegeben. Das sind die Segnungen einer gesetzlichen Freiheit, wie die
ungesetzliche Freiheit und Anarchie der Fluch der Vlker ist! -- Eine,
im Verhltni zu dem ungeheuren Territorium schwache Bevlkerung, hat
diese Werke vollfhrt und vollfhren knnen, weil ihrer Entwickelung
nach allen Seiten hin ein unbegrnztes Feld offen stand, weil der khne
Unternehmungsgeist der Einen, wie der Flei und die Thtigkeit Anderer
nicht eingezwngt wird von veralteten Zunftgesetzen, der Erwerb nicht
geschmlert und aufgezehrt wird vom Zahn des alles verschlingenden
Monopolwesens. Doch ist das Alles ja von so vielen Anderen viel besser
gesagt und beleuchtet worden, als ich es zu thun vermchte, und wollte
ich das Lob Amerikas mit vollen Backen posaunen, so gliche dies einer
Abhandlung ber den wohlthtigen Einflu des Sonnenlichts.

Auf unserm Wege begegneten wir berall Werksttten voll rstiger
und thtiger Arbeiter, welche den Mineralreichthum der Berge in den
verschiedensten Formen der Welt bergeben, oder die Riesen des Waldes,
zu Brettern, Latten, Kisten, Kasten, Fssern, Gerthen aller Art
zerschnitten und verarbeitet, ihre Reisen zum Markt antreten lassen.
Ueberall zeigt sich dies Land dem aufmerksamen Beschauer wie eine Art
von Riesenkind, das oft Riesenwerke spielend verrichtet, daneben aber
wieder Manches, das ihm zu tief dnkt, bei Seite wirft fr sptere
Zeiten, immer aber wachsend, sich krftigend und Wunder fr die Zukunft
versprechend.

Die Gegend, durch die wir muten, ist mit Blut getrnkt; hier war der
Schauplatz von Kmpfen ohne Zahl, zuerst mit den Indianern, um ihnen das
Land abzugewinnen, dann die langen Fehden zwischen den Eingeborenen, den
franzsischen und britischen Heeren. Namen wie Ticonderoga, Fort-Edward,
Fort-William, Fort-Henri, rufen blutige Greuelscenen vor das Gedchtni
und selbst unser Jahrhundert hat bereits dergleichen blutige Spuren
hinterlassen, im Jahre 1812 bei Plattsburg, wo viertausend Briten ihr
Leben auf der Wahlstatt aushauchten.

Wir durchkreuzten auch den Boden, wo Cooper's letzter der Mohicans
spielt. Bei Fort-Edward hielten wir an und wanderten hinber nach
Gleen-Falls. Dort strzt der Hudson, noch ein unbndiger Knabe, wild
durch zerklftetes Gestein hinab, zu beiden Seiten der kleinen Insel,
auf welche Lederstrumpf den Major Howard und die Tchter Monrooes
fhrte. Wollt Ihr eine genaue Beschreibung der Localitt, so les't
Cooper's meisterhaften Roman, der Platz ist darin nach der Natur
geschildert. An der Stelle, wo Nahuga den verfolgenden Indianern
entschlpfte, ist jetzt ein Marmorbruch; die Hhle, in welcher die
Schwestern die Nacht zubrachten, ist ziemlich von Treibholz verstopft,
doch kann man noch hineingelangen. Da, wo Hawkeye den Indianer vom Baume
herunterscho, stehen eine Menge Mhlen, statt des todten Kriegers,
fallen jetzt Abschnitzel von Brettern in die schumende Fluth, und die
Spitze, welche zu erreichen zwei Kriegern das Leben kostete, wo Unca's
Messer den Major vom Tomahawk des Feindes rettete, ist jetzt blogelegt
von Wasser, was den Fllen durch einen Canal fr den Betrieb der Mhlen
entzogen wird.

Von hier ging es nach Saratoga, ehedem der heilige Platz des rothen
Mannes, jetzt der Badeort =par excellence= fr die elegante Welt. Noch
springt die Quelle, die Hawkeye wieder aus dem Boden grub, doch statt
der Calabasse, aus der die ermdeten Jger den Durst lschten, gewhrt
eine elegante Trinkhalle einen bequemen Raum, und da, wo frher in der
heiligen Waldesruhe die Mineralquelle dem rothen Thonboden entsprang,
wandelt jetzt der Fu schner Frauen, dem Stutzer auf Spaziergngen
kokettirende Blicke zuwerfend.

Nicht zieht mehr der rothe Krieger an die heilige Quelle, um zu seinen
Gttern zu beten, aber dennoch wallfahrten die neuen Kinder des Landes
allsommerlich in Schaaren fashionabler Zugvgel hierher, um anderen
Gtzen zu opfern, um entweder in den Tanz- und Spielslen Gesundheit
und Vermgen zu zerrtten, oder die erstere in Kurhusern wieder
zusammenzuflicken. Verdrehtes Leben der sogenannten feinen Welt,
die kokettirend, brillirend, raffinirend, intriguirend dahin zieht,
denjenigen am meisten bewundernd, der es am besten versteht, durch die
grte Modethorheit ihre Aufmerksamkeit so lange zu fesseln, bis eine
andere, noch grere, sie schnell wieder in Vergessenheit bringt. =C'est
tout comme chez nous!=

Als wir aber durch Saratoga kamen, sahen wir von alle dem nichts mehr;
die Saison war zu Ende, das Kurhaus geschlossen, und auer einigen
schlfrigen Niggers, die sich in den Hausthren herumlmmelten, Alles
todt und de. Die Bltter fielen, die Schwalben zogen sdwrts und die
Maler heimwrts in ihr Atelier, beutelleer, aber beuteschwer, Geld, wie
Farben und Leinwand aufgebraucht.




Ein Jahr in Central-Amerika.


I.

Vorwort. -- Zweck der Reise. -- Allgemeine Bemerkungen ber
Central-Amerika -- Canalproject zur Verbindung des atlantischen und des
stillen Oceans.


  Am Bord der Brigg Rogelin, im atlantischen Ocean, Junius 1851.

Ehe ich angelangt bin in jenen Tropenlndern, welche fr die nchste
Zukunft mein Aufenthalt sein sollen, halte ich es fr angemessen, einige
erluternde Worte, sowohl in Bezug auf den Zweck meiner Reise, als in
Bezug auf mich selbst vorauszuschicken.

Glckliche Zuflligkeiten hatten mich in New-York in Verbindung mit
Herrn Squier gebracht, einem Mann, welcher sich bereits durch seine
Verdienste um archologische Forschungen in Nord- und Central-Amerika,
so wie durch seine ehrenhafte Thtigkeit in einer Angelegenheit, die
tief eingreift in die Handelsinteressen fast des ganzen Erdenrundes,
einen bedeutenden Ruf erworben.

Herr Squier war mehre Jahre Gesandter der Vereinigten Staaten von
Nordamerika bei den verschiedenen Republiken von Central-Amerika, und
hatte whrend dem die beste Gelegenheit, einen groen Theil dieser
Lnderstriche genau zu erforschen. Das Ergebni dieser Forschungen ist
ein Werk, mit dessen Beendigung Herr Squier jetzt eben beschftigt ist,
whrend ich, nach getroffener Uebereinkunft mit ihm, vorausgegangen bin,
um mich einstweilen mit dem tropischen Klima und der Lebensweise jener
Lnder vertraut zu machen, bis Herr Squier sofort nach Beendigung und
Publikation jenes Werkes mir nachfolgen wird, um seine Forschungen in
Gemeinschaft mit mir in den bis jetzt fast noch gar nicht bekannten
Strichen Central-Amerikas fortzusetzen. Gestalten sich die Umstnde
diesem Unternehmen gnstig, so soll dessen Resultat ein zweites Werk
Squier's sein, an welchem ich mich nur in Bezug auf dessen artistische
Ausstattung mit landschaftlichen Ansichten betheiligen werde.

Was nun mich betrifft und dasjenige von meinen persnlichen
Reiseerlebnissen, was vielleicht vorher und ganz unabhngig von dem
projektirten Werke zur Oeffentlichkeit gelangt, so nthigt mich
die tadelnde Aufnahme, welche Herrn Frbel's Nachrichten ber
Central-Amerika zu Theil wurden, zu folgenden Bemerkungen.

Ich bin Knstler, und habe nur als solcher die Reise unternommen, aus
Liebe zur Kunst und aus Freude an wissenschaftlichen Forschungen. Es
kann nicht in meiner Absicht liegen Reiseberichte zu schreiben, welche
diesen oder jenen Strich Landes in zu gnstigen Farben schildern und
welche vielleicht Veranlassung werden knnten, einen greren oder
kleineren Theil der Auswanderung nach irgend einem bestimmten Punkt
der neuen Welt zu lenken. Der Widerspruch, den oberwhnte Berichte
mehrseitig erweckt, beweist klar genug, wie beraus schwer es ist, eine
feste Meinung ber irgend ein Land als unbedingt magebend
aufzustellen. Das Schicksal des Auswanderers hngt berall von zu vielen
Nebenumstnden ab, und durchschnittlich gehen an jedem Platze eben so
viele zu Grunde, als andere wiederum den Grund zu ihrer Existenz, zu
Wohlhabenheit oder gar zu Reichthum legen, wenn nicht gar der ersteren
Zahl die berwiegende ist. Jedenfalls sind stets Personen genug
vorhanden, welche triftigen Grund haben, Lob oder Tadel eines Landes, je
nach individuellen Umstnden, bertrieben zu finden.

Ich werde meine Zeit whrend meines Aufenthaltes in Central-Amerika wohl
anderweit bedrfen, als dieselbe mit Entgegnungen von derlei Einwrfen
hinzubringen, wenn berhaupt solche mir zu Gesicht kommen sollten,
bemerke also im voraus, da das, was ich etwa in dieser Beziehung zu
sagen haben knnte, eben nur individuelle Ansichten und Wahrnehmungen
sind, die ich unbefangen und wie sie sich meiner unmittelbaren
Anschauung darstellen wiedergebe. Sollte ich wichtige Thatsachen zu
berhren haben, so werde ich mich bemhen, stets die Quellen anzugeben,
aus denen ich geschpft.

Bin ich brigens etwa irgendwo im Irrthume, soll mir's lieb sein, wenn
sich Jemand findet, der es besser wei und seine Ansicht ausspricht.

Was die etwaigen naturhistorischen und archologischen Entdeckungen
betrifft, welche whrend der vereinigten Expedition von Herrn Squier
und mir gemacht werden sollten, so bemerke ich, da das hier von mir zu
Sagende nicht als wissenschaftliche Doctrine anzusehen ist. Dieses Feld
bleibt einer geschickteren Feder berlassen als der meinigen, der meines
Freundes Herrn Squier. Ich selbst sehe ab von allem und jedem System,
wnsche nichts als die Eindrcke wiederzugeben, welche Natur, Menschen
und Kunstwerke, als in engster Verbindung mit einander stehend, auf mich
als Mensch und Knstler hervorrufen, und fhle mich hierzu veranlat
durch die Ansicht, da es Pflicht eines Reisenden in wenig bekannten
Lnderstrichen ist, seine Beobachtungen zur Kenntni des Publikums zu
bringen, um so, wenn auch nur in einem Minimum, seinen Tribut zum Schatz
des menschlichen Wissens beizusteuern.

Nebenbei fhle ich mich gegenwrtig hierzu noch besonders durch den
Umstand veranlat, da die Schaubhne von Herrn Squier's und meinen
Forschungen sich auf einem Theil des amerikanischen Continents befindet,
welcher fr diesen Welttheil eine hnliche Bedeutung hat wie Aegypten
und Assyrien fr die alte Welt, und ich fhle mich freudig erhoben in
dem Gedanken, einen wenn auch noch so kleinen Theil zur Entwicklungs-
und Kunstgeschichte des Landes beizutragen, das den Fremden gastlich auf
seinem Boden aufgenommen.

Weder Hr. Squier noch ich sind die ersten, welche diesen Gedanken
erfat: der vorzglichste Pionier der Neuzeit, im erhabenen Sinne des
Worts, der groe Humboldt ist es! Viele namhafte Gelehrte und Knstler
haben seitdem mannichfaches Licht ber jene Gegenden verbreitet, und die
letzten Verffentlichungen Herrn Squier's haben dasselbe vermehrt. Doch
noch viel, sehr viel bleibt zu thun brig, und speciell in den Staaten
Nicaragua, Honduras, St.Salvador und Guatemala hemmen unendliche
Schwierigkeiten die Fortschritte des wibegierigen Sammlers. Wie weit
unser Unternehmen dieselben berwinden kann, bleibt Gott anheimgestellt;
mgen die Resultate inde sein wie sie wollen, ich werde mich stets
dem Schicksal dankbar verpflichtet fhlen, das mir gestattet, meine
Thtigkeit mit der eines gleichgesinnten Mannes zu einer so schnen und
edlen Unternehmung zu vereinigen.

Es scheint mir zuvrderst dienlich einige topographische Mittheilungen
in Bezug auf den zuknftigen Schauplatz unseres Unternehmens und seine
Verhltnisse zu machen, zu denen ich die Mittheilungen benutze, welche
mein wrdiger Freund, Hr. Squier, bereits frher dem amerikanischen
Publikum bergeben.

Geographisch ist Nicaragua der grte und bedeutendste Theil von
Central-Amerika. Es dehnt sich aus von einem Ocean zum andern, und
umfat in seinen Grnzen die groen Seen von Nicaragua und Managua,
durch welche, wie jetzt einstimmig festgestellt ist, die einzig mgliche
Linie fr einen Schifffahrtscanal ber diesen Theil des amerikanischen
Continents (Isthmus) fhrt. Die Nordgrnze ist eine unregelmige
Linie vom Golf di Fonseca am stillen Ocean zum Cap Gracias a Dios am
atlantischen, die Sdgrnze hingegen eine gerade Linie von der Spitze
des Golfs von Nicoga zu einem Punkt inmitten der Mndung des San Juan
und dem Hafen von Matina in Costarica am atlantischen Ocean.

Der Grund und Boden hat ein mannichfaltiges Aeuere und eine unbegrnzte
Fruchtbarkeit. Das groe Becken der Seen besteht aus Ebenen und sanft
ansteigendem Hgelland, abwechselnd begrnzt und unterbrochen durch hohe
steile Vulcane, und bietet alle Produkte der Tropenlnder im reichsten
Mae dar. Die nrdlichen Departements Segovia und Choutales sind hher
gelegen, gebirgiger, besitzen einen Ueberflu an Metallen und bringen
eine Menge Frchte der gemigten Zone hervor; die Temperatur ist
vergleichsweise khl und frisch.

Die atlantische oder, wie sie zumeist genannt wird, Mosquito-Kste ist
im ganzen flach, der fast das ganze Jahr sich ergieende Regen hchst
beschwerlich, die Atmosphre drckend hei und weniger zutrglich als in
andern Theilen des Staates. Die ziemlich dnne Bevlkerung besteht
aus Indianern vom Stamm der Charibs, entlaufenen Negern von den
westindischen Inseln und einer Mischlingsrace zwischen beiden. Der
grte Theil der Bevlkerung von Nicaragua jedoch bewohnt den Abhang
gegen den stillen Ocean hin. Hier ist der Boden nicht nur beraus
fruchtbar und leicht zu bearbeiten, sondern auch das Klima unendlich
gesnder und angenehmer. Es giebt hier nur zwei Jahreszeiten: die
Regenzeit, von Mitte Mai's bis Mitte Novembers, und die trockene,
whrend welcher sehr selten Regen fllt. Die Temperatur ist ziemlich
gleichmig, etwa zwischen 70 und 82 Fahrenheit, und schwerlich
drfte sich eines der Tropenlnder eines angenehmeren Klima's, einer
gnstigeren Lage zu erfreuen haben.

Der Staat Nicaragua ist in fnf Departements eingetheilt und hat, trotz
seiner groen Ausdehnung, eine Bevlkerung von nur 250,000 Einwohnern,
die jedoch hauptschlich die Stdte bewohnen. Die Hauptstadt und der
Sitz der Regierung ist Leon, mit 25 bis 30,000 Seelen; die zweite
Masaya, eine fast durchaus indianische Stadt, bemerkenswerth durch ihre
Manufacturen, die dritte Granada, am See von Nicaragua, durch welche ein
groer Theil des Verkehrs des Landes ber den See und den Flu St.Juan
geht, mit 12 bis 14,000 Einwohnern. Auerdem sind Managua, Sitz der
gesetzgebenden Versammlung, und Rivas schon ziemlich bedeutende Pltze.

Der nichtindianische Theil der Bevlkerung stammt von den ersten
spanischen Eroberern her, und ist an Sitte und Charakter seinem
Stammblut ziemlich treu geblieben. Ein nheres Eingehen hierauf behalte
ich mir noch einer persnlichen Bekanntschaft mit den edlen Dons und
Sennores vor.

Der bedeutendste Hafen am stillen Ocean ist der von Realejo, zwischen
welchem und St.Francisco sich bereits ein lebhafter Verkehr entwickelt.
Zweifelsohne wird Central-Amerika binnen Kurzem fr Californien und das
Oregon-Gebiet was die westindischen Inseln fr die Union waren. Zucker,
Tabak, Reis, Cacao, Baumwolle, Indigo, Mais und fast alle tropischen
Frchte sind in Nicaragua in bester Art wie im grten Ueberflu zu
finden, und bieten Millionen fleiiger Menschen noch reichliche Quellen
des Lebensunterhaltes dar. Eine ungeheure Anzahl von Hornvieh ist
vorhanden, und Hute, Indigo, Kaffee und kostbare Nutzhlzer bilden den
Haupt-Export.

Die Verfassung von Nicaragua ist entschieden liberal, und die
freundschaftlichsten Gesinnungen fr die Vereinigten Staaten berall und
durch alle Classen der Bevlkerung vorherrschend; berall sprechen
sich Gte und Gastfreundlichkeit aus. Die Regierung besteht aus einem
obersten Director, alljhrlich whlbar, einem Haus der Reprsentanten
und einem Senat, letzterer fr zwei Jahre, ersteres fr ein Jahr
whlbar. Die ersten Staatsbeamten in San Salvador und Honduras sind
Prsidenten benannt.

Seit der Eroberung von Californien ist der Plan fr Erffnung einer
directen Canalverbindung zwischen dem atlantischen und stillen Ocean,
ber San Juan und den See von Nicaragua, nicht nur erneuert
worden, sondern man hat sich auch ernstlich mit seiner praktischen
Ausfhrbarkeit beschftigt; eine groe Menge Contracte sind bereits
darber aufgesetzt worden, leider aber noch keine Resultate erfolgt.

General Taylor war sofort nach seiner Prsidentenwahl auf das
Lebhafteste mit diesem wichtigen Unternehmen beschftigt, und eine der
ersten Handlungen seiner Verwaltungsperiode war die Absendung einer
Spezial-Gesandtschaft in der Person des Hrn. Squier nach Nicaragua, mit
Vollmacht in Unterhandlung mit diesem Staat zu treten. Eine Compagnie
bildete sich in New-York unter dem Namen: =The American Antlantic
and Pacific Canal Company= im August 1849, und im folgenden September
unterzeichneten Hr. Squier und die Bevollmchtigten von Nicaragua
den (am 27. d.M. auch von der Regierung dieses Staates ratificirten)
Vertrag, welcher die Neutralitt dieses Canals, freien Durchgang jedes
amerikanischen Brgers und seines Eigenthums durch denselben fr ewige
Zeiten garantirt, ingleichen die unbeschrnkte Freiheit aller Hfen
des Landes, und selbige Bestimmungen sollten auf alle Nationen, welche
spter dem Vertrag beitreten wollten, ausgedehnt werden.

Dieser Vertrag wurde vom General Taylor geprft und dem Senat der
Vereinigten Staaten zur Ratificirung bersendet; es ist jedoch bis jetzt
nichts weiter in dieser Sache gethan worden. Ebenso erfolglos ist ein
spter zwischen Hrn. Clayton, Staatssecretr der Vereinigten Staaten,
und Sir Henry Bulwer, Gesandten Ihrer grobritannischen Majestt,
entworfener Vertrag zum Zweck der Zusicherung gegenseitigen Schutzes
beider Nationen fr jeden Communicationsweg, welcher je ber diesen
Continent erffnet werden wird, geblieben, und hier mag wohl das
Haupthinderni in den Territorial-Ansprchen liegen, welche England
unter dem Namen eines Protectorats auf das Reich des ziemlich imaginren
Mosquito-Knigs, und mithin auf die in dessen Grnzen gelegenen Mndung
des San Juan, erhebt.

Was nun aber die Hauptsache, d.h. den projectirten Canal selbst
betrifft, so wrde nach der Schtzung des Hn. Squier, laut officiellem
Bericht an das Staatsdepartement, die ganze Lnge der vorgeschlagenen
Wasserlinie betragen:

  =a)= Lnge des San Juan-River                         90 =Miles=,
  =b)= Lnge des zu passirenden Theils
       des Sees von Nicaragua                          110   "
  =c)= Lnge des Tipitapa-River                         18   "
  =d)= Lnge des Sees von Managua                       50   "
  =e)= Vom See nach Realejo                             45   "
                                                    -------------
                                                       313 =Miles=,

oder nach Wegfall der 160 Miles =sub b= und =d= -- 153 Miles
eigentlicher Flu- und Canalfahrt. Aber auch von dieser Summe wrden
noch 25 Miles wegfallen, wenn man die Canalmndung nach Tamarinda
verlegte. Einige andere Projecte lasse ich unerwhnt.

Schon vor dem Jahr 1838 hatte Herr Bailey, englischer Officier in
Halbsold, im Auftrag der central-amerikanischen Regierung einen
hnlichen Plan ausgearbeitet, und dessen Kosten auf 20 bis 25 Millionen
Dollars veranschlagt -- eine Summe, welche, der Wichtigkeit und
Groartigkeit dieses Unternehmens gegenber, nur gering erscheint, und
deren Aufbringen, wenn nur erst obige Hindernisse beseitigt wren,
gewi keine so groe Mhe erheischen wrde. Geschieht dies aber, so
verwirklichen sich nach drei und einem halben Jahrhundert die
Plane, welche unausgesetzt den Geist eines der grten Mnner seines
Jahrhunderts, Christoph Columbus, beschftigen, deren Ausfhrung sein
Leben geweiht war, und an deren Verwirklichung er noch in seinen letzten
Jahren gearbeitet.




II.

Abreise von New-York. -- Die Brig Rogelin. -- Ansicht von Haiti. --
Eintritt in die Wendekreise. -- Unbewohnte Insel. -- Mosquitokste.
-- San Juan di Nicaragua. -- Deutsches Gasthaus. -- Lebensweise.


  San Juan de Nicaragua, 19. Jun. 1851.

Am 28. Mai 1851 frh 9 Uhr lichtete die Brig Rogelin die Anker, und mit
einer leichten Sdsdwest-Brise glitten wir den Hudson hinab ber
die Bay von New-York. Das Land, das bei seinem ersten Anblick solch
angenehmen Eindruck auf mich gemacht, dnkte mir jetzt, beim Scheiden
auf unbestimmte Zeit, noch einmal so lieblich. Die freundlichen Ufer von
New-Jersey, der Castle-Garden, dessen Bume sich eben mit dem frischen
Frhjahrsgrn geschmckt hatten, Staten-Island mit seinen reizenden
Landhusern, wo ich noch den letzten Tag in Gesellschaft von Freund
Schmidt und seiner lieben Familie verlebt -- alles schien mir ein
freundliches Lebewohl zuzurufen, und als das schne Glockenspiel von
Trinity-Church aus der Ferne herber klang in wohlbekannter Weise, war
mir's als ob der Freund des Freundes Hand noch wrmer drckt, wenn er
sie lassen soll.

Unsere Brig war just nicht grer als nthig um auf der See nicht zu
sehr beengt zu sein; Passagiere waren auer mir nur einer, Hr. D.,
welcher nach Segovia zurckkehrte, wo er mit einem Compagnon eine
Silbermine betreibt, unser Capitain, ein gemthlicher Neu-Englnder,
beides Leute mit denen es sich gut einige Wochen aushalten lie, mithin
keine schlimmen Aussichten. Das einzige Ungemach das ich zu leiden
hatte, war eine sehr kurze bewegte See, die mich whrend 36 Stunden
recht unangenehm seekrank machte, nachdem ich aber recht weidlich H.
Ulrich um Hlfe angeschrieen, kehrte mein Wohlbefinden zurck, und hat
mich bis zur Landung nicht verlassen.

Am 1. Junius durchschnitten wir den Golfstrom mit Nordost, und befanden
uns schon am 4. sdlich vom Cap Henry, doch hielten uns von da widrige
Winde und Windstille auf bis zum 11. Morgens, wo uns ein heftiger
Sdost-Sturm bei Turks-Island, bekannt durch seine Salzfabrication, in
den Handkerchief-Pa der westindischen Inseln trieb. Um Mitternacht war
stlich abermals Land sichtbar, und bei Sonnenaufgang waren wir in
Sicht der Nordwestspitze von Haiti -- eine Ansicht von langgestreckten
Berglinien, unterbrochen von einigen Spitzen, hnlich den Bergen am Lake
Champlain und in Bhmen. So weit durch das Glas erkennbar, waren die
Berge mit kurzem Gestruch bedeckt, hie und da Gruppen von groen
Bumen, stellenweise felsiges Gestein, am Fu der Berge ein langer
flacher Landstrich, theils Sand, theils mit Gebsch bedeckt, bewohnte
Pltze nirgend sichtbar.

Am 12. Jun. waren wir westlich vom Cap Donna Maria, welches mit hohen
schnen Gebirgen bedeckt ist, deren hchste Spitze, gegen 6000 Fu, ganz
in Gewitter eingehllt war.

Mit dem Eintritt in die Wendekreise erffnet sich dem beobachtenden
Freund der Natur eine neue Welt. Die bekannten Sternbilder des
heimathlichen nordischen Himmels verschwinden allgemach, und neue
fremde Sterne strahlen herab aus dem tiefblauen Aether. Die senkrecht
herabfallenden Sonnenstrahlen brennen hei auf den Scheitel, whrend
der Schatten des Haupthaares sich auf den Fen zeichnet, und die so
beleuchteten Gegenstnde mit ihren scharfen Reflexen ein seltsames
fremdartiges Ansehen erhalten. Das Meer bedeckt sich des Morgens
und Abends mit einem schweren Dunst, und die Sonne sinkt als ein
dunkelglhender Feuerball hinab. Fremdartig gestaltete Seevgel lugen
neugierig nach dem einsamen Segler, und lassen sich oft auf den Raaen
des Schiffes nieder. Schlafende Riesenschildkrten sonnen sich trg in
der Mittagshitze, bis Schaaren fliegender Fische, verfolgt von ihrem
grimmen Feind, dem Delphin, sich mit groem Gerusch ber das Wasser
erheben und bald wieder in dasselbe zurckfallen, whrend des Menschen
Feind, der gefrige Hai, dem Lauf des Schiffes folgt, sein Opfer zu
ersphen. Die dunstige Atmosphre giebt den fernen Gebirgen eine zarte
violettgraue Farbe, ist aber auch Ursache, da diese Kstenstriche
fieberisch und ungesund sind.

Ich hatte hier wiederum Gelegenheit zu bedauern, da mir noch so vieles
Wissen mangelt. Eine genauere Kenntni der Astronomie wrde mich in
den Stand gesetzt haben in den schnen klaren Nchten ntzliche
Beobachtungen zu machen, und alles was ich thun konnte war, die
astronomischen Berechnungen der Lngen- und Breitengrade mitzumachen.

Sdwestlich von Haiti liegt eine kleine unbewohnte Insel, ungefhr zwei
Miles im Durchmesser. Windstille die uns in unmittelbarer Nhe davon
berfiel, machte eine Landung auf einer Dne an der Westseite der Insel
mglich; der andere Theil besteht aus Felsen, ungefhr in der Hhe von
100 bis 120 Fu, bedeckt mit kurzem Gestrpp. Mven, Seeraben, Boobees,
Seeschwalben und Strandlufer verdunkeln die Luft und erfllen sie
mit ihrem Geschrei. Die Menge dieser Vgel ist annhernd nur mit den
ungeheuern Taubenzgen zu vergleichen, welche im Herbst die canadischen
Seen kreuzen, und sie umschwrmen den Menschen, dessen fremdartige
Erscheinung ihnen nicht Furcht, sondern Neugierde einflt, gleich
Mckenschwrmen. Ich beabsichtigte einige Specimen zu schieen, fand
dies aber unnthig, da unsere Matrosen die Vgel mit Knppeln und
Steinen aus der Luft herabwarfen, und ich selbst einen lebendig mit
meinem Schnupftuch und darein gebundenen Stein fing. Der Boden besteht
aus Sand und rundlichen Kieseln, zwischen denen sprliche Grser
sproten, stellenweise deckte aber eine dicke Kruste der Excremente der
Vgel den Boden. Das Wasser wimmelt buchstblich von Fischen.

Leider war es nicht mglich den felsigen Theil der Insel zu untersuchen,
denn ein schnell heraufziehendes Gewitter machte unsere schleunige
Rckkehr nthig, und in der That hatten wir auch nur Zeit das Schiff zu
erreichen, als der losbrechende Sturm und die hohl gehende See es
schon fr unser Boot unmglich machten lnger See zu halten. Die
eingesammelten Eier, sowie einige frische Fische mundeten uns kstlich.
Der Sturm, welcher unsere Untersuchung so unangenehm unterbrochen hatte,
frderte unsere Reise trefflich, so da wir schon am 14. Morgens weit
sdwestlich von Jamaica waren.

Von jetzt an war unsere Reise wiederum unausgesetzt von Strmen
begleitet, und ich lernte hier zuerst die Macht eines tropischen
Gewitters kennen. Oft scheint der ganze Horizont in Feuer zu stehen, und
der Donner kracht, als ob hundert Kanonen zugleich abgefeuert wrden.
Dazu peitscht ein mchtiger Wind die Wogen, da sich die Masten,
trotz der wenigen Leinwand, gleich dnnen Gerten biegen, und eine neue
Sndfluth scheint alles Lebendige von der Welt wegwaschen zu wollen.
Wegen der groen Nhe der Kste und der vielen kleinen Inseln und Riffe
war unsere Lage nicht ganz gefahrlos, doch stie uns kein weiterer
Unglcksfall zu, als da durch das von der groen Hitze leck gewordene
Deck eine Menge Wasser hereinstrmte, das uns unsere Cojen und einen
Theil unseres Gepcks jmmerlich durchweichte. Mir ward durch diesen
Umstand ein unangenehmer Verlust verursacht, da mehrere fr das
Daguerreotyp nthige Chemikalien mir verdarben -- ein Verlust den ich
jedoch dadurch auszugleichen hoffe, da ich umgehend Nachricht an Hrn.
Squier sende, der, augenblicklich noch durch Geschfte in New-York
zurckgehalten, in der Mitte nchsten Monats gleichfalls hieher abreisen
wird.

Die kleinen Inseln, welche wir passirten, gewhrten einen beraus
lieblichen Anblick, so z. B. Little und Great Corn Island, mit in
frischem Grn prangenden Hgeln und kleinen Gehlzen mit Cocospalmen
durchstreut. Endlich am 18. Morgens zeigte sich die ersehnte Kste
unsern Augen. Langgedehntes Hgelland, nach der See das Ufer ganz flach,
berall jedoch in der ppigsten Vegetation prangend. Eine kleine Pirogue
aus Mahogany mit zwei Indianern bemannt, brachte einen Piloten an Bord,
und wir liefen in der Rhede ein als just der Steamer Mexico dieselbe
verlie. Ich mute lcheln als auf unsere aufgehiten Sterne und
Streifen von der Kste die Flagge des imaginren Mosquitoreiches uns
Antwort gab, blau und weigestreift, in der Ecke ein rothes Doppelkreuz
auf weiem Grunde. Bald brachte uns ein Boot, gleichfalls unter der
Mosquitoflagge, den Hafencapitain und den Hafenarzt an Bord, und
als nach wenigen Minuten uns beide verlieen, machte ich von ihrem
freundlichen Anerbieten Gebrauch und benutzte das Boot, um an Land zu
gehen.

San Juan de Nicaragua oder Greytown, wie es die Englnder in der Neuzeit
getauft haben, ist eine abenteuerlich aussehende Niederlassung von 4
bis 500 Einwohnern, von denen drei Fnftel Indianer oder Neger sind. Es
liegt an der Mndung des St.Juan Flusses an einem ungesunden Platz,
und ist ringsum von undurchdringlichem Wald eingeschlossen, von dem
eben nicht mehr niedergehauen ist als nthig um den jmmerlichen
Schilfhtten, an die sich in der Neuzeit einige Bretterhuser der
neueren Ansiedler angeschlossen, Raum zu schaffen. Die Einwohner leben
lediglich vom Umsatz der importirten Produkte gegen die Roherzeugnisse
des Binnenlandes. Cultur ist gar keine da; Korn, Kartoffeln etc.
beziehen sie von oberhalb der Seen oder von Bluefield, 30 bis 40 Miles
weiter hin an der Kste; einige Pferde, weniges Vieh und einige Bungos
(Fluboote) bilden den ganzen Reichthum. In der ziemlich gerumigen
Bay liegt ein englischer Kriegsschooner vor Anker, und in einer Baracke
zunchst der des Knigs der Mosquitos, die zugleich Posthaus und
Gouvernementshaus ist, eine Besatzung von 15 bis 20 blaubejackten
Negersoldaten.

Ich nahm ein kleines Zimmer in einem neuerbauten Gasthaus des Hn.
Wiener fr 1 Doll. tglich, und vertreibe mir nun, bis ich meinen Bungo
bekommen kann um den Flu hinaufzureisen, nach besten Krften die Zeit
mit Zeichnen, Sammeln von Pflanzen, Vogelblgen und Reptilien und der
Alligatorjagd, damit ich die Rckfahrt unseres Schiffes nach New-York
bentzen kann, um eine kleine Sendung gleich von hier zurckzuschicken.
Hoffentlich wird mein Aufenthalt mglichst kurz sein, denn einestheils
wnsche ich aus diesem Land des Fiebers hinwegzukommen, anderntheils
brenne ich vor Begierde mich recht grndlich mit dem Studium der
tropischen Natur, von der die Kste nur einen schwachen Abglanz bietet,
in Granada zu beschftigen, wo ich einen angenehmeren Aufenthalt habe,
und Herrn Squiers Ankunft abwarten werde. Der amerikanische Steamer
Prometheus, der in diesen Tagen ankommen mu, mag diesen Brief, den
ersten aus so groer Entfernung, mitnehmen, der nchste wird aus Granada
datirt sein, und euch Nheres ber meine Flureise berichten, die
jedenfalls sehr beschwerlich sein und 9 bis 10 Tage dauern wird. Mein
Befinden ist bis jetzt auerordentlich gut, und soll's, so Gott will,
bleiben, da ich eine sehr strenge Dit beobachte, auch in Hinsicht der
Strapazen, sowie in Bezug auf das Aussetzen der Sonnenhitze die Regeln
der Vorsicht befolge.




III.

Vorbereitungen zur Flufahrt. -- Das Bungo. -- Abreise von San
Juan. -- San-Juan-River. -- Clima. -- Fruchtbarkeit. -- Die
Machuca-Rapids. -- Verunglckte Tigerjagd. -- Unwetter. --Aerztliche
Hlfe. -- Castillo Viego. -- Prophezeihung. -- Der Wundarzt wider
Willen. -- San Carlos. -- Douane. -- See von Granada. -- Ankunft in
Granada. -- Gastfreundlichkeit. -- Jahresfeier des 4. Juli.


  Granada de Nicaragua, 6. Juli 1851.

Ich habe euch, meine Lieben, jetzt schon ber 14 Tage in St.Juan, wo
ich am Schlu meines letzten Briefes von euch Abschied nahm, sitzen
lassen, und erlse euch jetzt mit um so grerem Vergngen, als der
dortige Aufenthalt keineswegs ein angenehmer war.

St.Juan liegt an der Mosquitokste im wahren Sinne des Worts, urtheilt
darnach. Gegenber der Mndung des San Juan und einer ziemlich guten und
gerumigen Rhede, von der inde ein Theil versandet, streckt sich
eine Reihe jmmerlicher Rohrhtten hin, mit den frher erwhnten
Bretterhusern neueingewanderter Handelsleute dazwischen. Mit Ausnahme
eines kaum einen Bchsenschu breiten Sandstriches an der Kste, ist
dem Urwald kaum so viel Raum abgewonnen als fr die Huser nthig;
daher giebt es keine mannichfachen Spaziergnge, da der ringsum dicht
verwachsene Wald keinen andern Pfad erlaubt als den man sich selbst
mit der Macheta (Messer) durch die Schlingpflanzen haut. Hinter dem Ort
liegen einige kleine Teiche (=lagunas=), welche am obern Ende leicht
mit dem Flu, am untern mit der See eine gute Abkrzung der Canallinie
bilden knnten, da sie hinreichende Wassertiefe besitzen sollen.

Wie ich bereits erwhnt, nahmen mich Capitain F., der Hafencommandant,
und Capitain J., Commandant des Schooners, mit cht britischer
Gastfreundschaft auf, die mir die wenigen angenehmen Stunden bereitete,
die man berhaupt in diesem Ort verleben kann. Da die amtliche Stellung
dieser Herren mich nicht direct berhrte, war mir's um so mehr vergnnt,
mich ihrer gastfreundlichen Gte zu erfreuen. Capitain J. holte mich
mehrfach mit seinem Gig ab, um in der Bay und auf dem Flu Alligatoren
zu jagen, und neben mehreren kleinen hatten wir eines Tages das Glck
einen groen alten Burschen von 16 Fu zu erlegen, den ich im Sand
vergrub, um bei der Heimkehr das Gerippe mitzunehmen.

Da keine einzelne Passage nach Granada zu bekommen war, so benutzte
ich das Anerbieten des Herrn Ligaud, eines bei St.Juan ansssigen
Franzosen, und miethete im Verein mit meinem frheren Reisegefhrten ein
ganzes Bungo (Fluboot) zum Preis von 100 Dollars, das wir mit Fracht
beluden, und bestiegen mit noch zwei Amerikanern aus Granada als
Passagiere das Boot. Ein solches Bungo ist von ziemlich roher
Construction, oft groentheils aus einem einzigen Stamm gehhlt,
grere jedoch aus Planken gefgt, doch wegen der schwer zu passirenden
Stromschnellen ziemlich fest gebaut. Der unsrige war ungefhr 50 bis 55
Fu lang, bemannt mit 9 Bootsleuten und dem Patron. Letzterer steht
auf einer Art kleinen Quarterdecks, und hlt in reitender Stellung das
Steuer zwischen den Fen, da in den Stromschnellen das Boot mit Hlfe
langer Stangen regiert wird. Die Bootsleute fhren Ruder von etwa 15 Fu
Lnge, stehen bei jedem Schlag auf und hngen sich rckwrts gelehnt mit
der ganzen Schwere des Krpers an das Ruder, wobei sie jedesmal mit dem
Sitztheil derb auf den Rudersitz aufstoen. Die Passagiere befinden sich
unter einem kleinen Dach im Hintertheil des Bootes, und liegen auf ihren
Koffern, da der Raum unter den Ruderbnken fr Frachtgter benutzt
wird. Da wir im Boot querber liegen muten, hatten wir viel Ungemach
auszustehen, besonders ich, da das Boot nur 5 Fu breit, ich aber
thatschlich 6 Fu lang bin.

       *       *       *       *       *

Am 23. Junius stieen wir vom Ufer und kreuzten die Bay nach der
Flumndung hin. Die schweren Regenwolken hatten sich etwas zertheilt,
und die glhende tropische Sonne beleuchtete mit ihren letzten Strahlen
den ersten Schritt meiner Reise ins Innere. Unsere Freunde winkten
uns vom Ufer ein Lebewohl, und als das Kriegsschiff den Abendschu
abfeuerte, antworteten wir durch eine Salve unserer Feuerwaffen (Flinten
und Pistolen waren Alles in Allem nicht mehr als 34 Lufe an Bord). Nur
eine kurze Strecke fuhren wir den Flu hinauf, dann nthigte uns die, in
den Tropen sofort nach Sonnenuntergang hereinbrechende Dunkelheit Anker
zu werfen.

Die Hitze trieb mich aus der kleinen Cajte, und ich lagerte auf dem
Dach, whrend die Bootsleute, jeder auf seinem Rudersitz, in die Decke
gewickelt schliefen. Die Nacht war hell, und mein Auge schweifte in den
unbekannten neuen Sternbildern umher, bis es auf dem sdlichen Kreuz,
dem einzigen traditionell bekannten Sternbild, haften blieb; die
Gedanken aber schweiften weit hinber in die deutsche Heimath, an der,
obschon getrennt von ihr, mein Herz mit warmer Liebe und dankbarer
Rckerinnerung frohverlebter Jugendjahre hngt. Ich entschlief erst
spt, doch trieben mich schon frh Moskitos und Thau, der mich trotz
meiner Regendecke ganz durchnt hatte, auf, noch ehe die Indianer ihre
Morgengebete fr glckliche Reise sagen.

Giftige Nebel machen die Flureise gefhrlich, und sind Ursache, da die
Flumndungen Fieber und Tod aushauchen. Die Ufer sind mit dichten, ewig
feuchten Waldungen bedeckt, die von gefhrlichem Gewrm angefllt sind,
und des Nachts tnt das klgliche Geheul des Schakals, zu dem oft das
Gebrll des Jaguars kommt, widerlich ins Ohr. Im Flu lauert der grimme
Kaiman, versteckt im Wasser oder hohem Gras auf seine Beute, und manch
argloses Thier, Trank oder Khlung suchend, wird vom Schlag seines
Schuppenschwanzes niedergestreckt, whrend in der Hhe der Bume selbst
die Boa Constrictor manchen possierlichen Affen berfllt, oder einen
brtenden Vogel in der Vertheidigung seines Nestes wrgt. Die Vegetation
ist so beraus ppig, da nur an wenigen Stellen des Ufers eine Landung
mglich ist; deshalb pflegt man nur einmal des Tages zu kochen, was
wegen des feuchten Holzes zwei Stunden Aufenthalt verursacht. Bei jedem
Schritt versperrt dichtes Gestruch und Lianen den Weg, den man
oft genug sich mhsam durchhauen mu. Der Boden jedoch ist von der
fruchtbarsten Beschaffenheit, und wird, hat sich erst die Cultur Bahn
gebrochen, die ergiebigsten Ernten liefern. Nur wird das Loos der ersten
Ansiedler ein hartes sein, da der Nordlnder das Klima erst gewohnt
werden mu.

Zu trinken hatten wir nichts als das schmutzige warme Fluwasser. Die
whrend des Tages auerordentliche groe Hitze veranlat oft Alles ber
Bord zu gehen, um sich so viel als mglich im Bad zu erfrischen, und
die nackten Zambos (Mischling von Indianer und Neger, ein schner und
starker Menschenschlag) springen oft ganz vom Schwei triefend ins
Wasser, ohne ble Folgen zu spren.

Wir ankerten an der Mndung des Colorado, eines Arms des San Juan, der
sdlich entweicht, und hier drfte ein Damm fr den Canal nthig werden,
um durch die groe Wassermasse, die hier verloren geht, die hinderlichen
Triebsandbnke zu entfernen. Hier ist eine der schnsten Flustellen:
Bume von 150 Fu in den schnsten Formen decken die Ufer, gekleidet
in saftiges Grn, geschmckt mit gelben, violetten und rothen Blthen.
Riesenhafte Schlingpflanzen, oft von der Dicke eines jungen Baumstammes,
winden sich in die hchsten Gipfel, von wo sie sich wieder bis
zum Wasserspiegel herabsenken; Schwrme buntgefiederter Papageien
durchkreuzen die Luft nach allen Richtungen, whrend Massen der
verschiedenartigsten Reiher (ich zhlte deren dreizehn Gattungen) und
mannichfache Specimen von Affen vorkommen, und von Insecten eine wahre
Flle vorhanden ist. Da es mir an Schrot fehlte, zerschnitt ich mit
vieler Mhe einige Pistolenkugeln und tdtete mehrere Vgel, deren
Blge ich aufbewahrte. Gar zu gern wrde ich mehr sammeln, da aber die
Transportmittel sehr schwierig und mithin theuer sind, habe ich keine
Hoffnung diese wissenschaftlichen Schtze mit mir nehmen zu knnen.

Den 26. passirten wir den Serapique-River, am 27. den San Carlos-River,
beide von Sden kommend und sich mit dem San Juan verbindend. An
letzteren werden die ersten Berge sichtbar, und die Moskitos waren
weniger hufig, mir sehr angenehm, da ich kaum mehr einen Finger bewegen
konnte, so geschwollen und zerstochen war ich. Mehrere Arten wilder
Enten kamen vor, bis zur Gre einer Gans, und ich sah hier zum
erstenmal Enten auf Bume fliegen. Wir verspeisten einige, welche
das groe Blei meiner Bchse zu sehr zerrissen, und fanden sie hchst
schmackhaft, weniger jedoch die Affen, die wir auch kosteten, jedoch den
Bootsleuten berlieen, zu ihrer groen Freude, da die Nahrung dieser
armen Leute lediglich aus Reis und Bananen besteht. Schwalben, gelbe
sowohl als ganz kleine graue, beraus niedliche, groe rothe Arras
(=Lappes=) mit blauem Schweif und Flgeln waren gleichfalls sehr hufig.
Ich tdtete einen Congo (Brllaffen) von der Dimension eines Hundes
mittlerer Gre, der ein sehr lautes brllendes Geschrei erhob, derselbe
ward jedoch von den Indianern als nicht ebar bezeichnet; sie ziehen den
groen rothen langgeschwnzten Affen (Migo) vor.

Am 28. brachen wir ungewhnlich frh auf, um die Machuca-Rapids zu
passiren, aus Stromschnellen von drei Miles Lnge bestehend, sehr
beschwerlich und sogar gefhrlich, da das Wasser sehr starken Fall
hat und ber groe Felsstcke geht. Zwei Boote, welche uns folgten,
vereinigten sich mit uns, eines der Boote nach dem andern herber zu
bringen, wozu immer 20 bis 25 Mann nthig waren, und womit wir erst am
Abend zu Stande kamen, so da wir an diesem Tage nicht ber vier Miles
zurcklegten.

Whrend die Boote ber die Flle gebracht wurden, ging ich ans Ufer
einen wilden Truthahn zu schieen; als ich in kurzer Entfernung auf
einen groen Puma (Tiger) stie, der, niedergekauert liegend, feindselig
knurrte und mir mit seinen grnglnzenden Augen Liebesblicke zuwarf.
Obschon man sagt, da der centralamerikanische Tiger in der Regel
Menschen nicht angreift, so wute ich doch nicht, wann gegenwrtiger
zuletzt gefrhstckt hatte, und schnell ri ich die Bchse an den
Backen. Doch die Begierde, das schne Fell zu erlangen, lie mich
zu unbedachtsam feuern, und meine Kugel zerschmetterte ihm das linke
Schulterblatt. Heulend warf sich die Bestie ins Gebsch, und ich,
ein Pistol ziehend, rasch hinterdrein. Auf dem schlpfrigen Boden
strauchelnd, blieb ich mit dem Fu in einer Liane hngen, und zu Boden
strzend entlud sich mein Pistol, whrend mein werthes Ich sich im Koth
der jungfrulichen Wlder abdrckte. Weitere Verfolgung erwies sich als
nutzlos, und ich kehrte zum Boot zurck, da dumpf rollender Donner einen
Hurican verkndigte.

Kaum angelangt, brach das Wetter los, und heftige Donnerschlge, wie der
Schall vieler Kanonen, schienen die Grundvesten der Erde erschttern
zu wollen, whrend alle Schleuen des Himmels ihre Wasserstrme auf uns
herabsendeten. Ein zufllig auf dem Deck stehender Blech-Eimer diente
mir als Regenmesser, und zeigte in einer Viertelstunde 14 Zoll Wasser.
Wir waren gerad an einer schwierigen Stelle der Flle, und 20 Mann
muten ins Wasser das Boot weiter zu bringen, whrend der Rest der
Mannschaft vom Boote aus mit langen Stangen nachhalf. Ein Blitz, der
kurz vor dem Boot einen ungeheuern Baum zusammenschlug, vollendete die
Verwirrung, die anfing gefhrlich zu werden, da Alles durcheinander
schrie und lrmte. Der Patron betete zu St.Antonio, die Amerikaner
fluchten und suchten die Indianer mit gezogenem Pistol oder Knppel zu
neuen Anstrengungen anzutreiben, und ich brauchte das wenige Spanisch,
das ich wei, und schrie: =Agua ardiente! Agua ardiente!= (Schnaps),
welches Alles zusammen denn auch seine Wirkung that, gleichviel nun, ob
St.Antonio, die Prgel oder der versprochene Schnaps, den ich von
dem fr die Insecten und Reptilien mitgenommenen Alkohol austheilte,
geholfen hatte.

Ich mu bemerken, da St.Antonio, welcher fr die Machuca-Rapids
eine besondere Gltigkeit haben soll, jedenfalls ein unangenehmes Amt
bekleidet. Ich wenigstens wrde die Patronschaft ablehnen, mte ich den
ganzen Tag Boote ber diese verwnschten Stromschnellen bringen.

Im letzten Rapid liegt das Wrack eines amerikanischen Dampfbootes,
das, fr die See bestimmt, jetzt durch ein anderes ersetzt worden ist.
(Dieser Steamer war wahrscheinlich dem St.Antonio, der nur das Bungo
gewhnt ist, zu schwer, deshalb lie er ihn sitzen.)

In der folgenden Nacht hatten wir arg zu leiden von dem vielen
Regenwasser, das, in das Boot gedrungen, die Hute, mit denen die
Waaren bedeckt, aufgeweicht hatte, was einen pestilenzialischen Geruch
verursachte. Ueber die Cajte hatte ich eine groe Gummidecke gebreitet,
die als Frachtstck mitging und uns selbst wenigstens trocken hielt.

Wir sahen hier Herrn Cropsey, Ingenieur des Canals, welcher ein auf ein
Boot befestigtes Haus bewohnt und lngs des Flusses die vorbereitenden
Arbeiten leitet. Er war sehr erfreut in der Bootsladung fr ihn
bestimmtes Fleisch, Mehl, Branntwein und Kaffee zu finden, denn in
einer Lnge von 90 Miles ist gar nichts zu bekommen, da der ganze Flu
unbewohnt ist.

Einer der Passagiere ward heftig vom Fieber geschttelt, alle waren
unwohl, doch brachten einige meiner mitgenommenen Aloepillen eine
erwnschte Aenderung bei Allen hervor, mit Ausnahme des Fieberkranken,
der durch einen am Morgen hinzugetretenen Schlaganfall sich sehr bel
befand. Doctor Gescheidt's Geschenk, eine Lanzette, leistete mir beim
Aderla, den ich an ihm vornahm, gute Dienste, und er befand sich bald
besser darauf.

Bis zu den Rapids Castello Viejo ist stilles Wasser von gehriger
Tiefe, ebenso oberhalb derselben bis zum See, so da die grten
Mississippi-Boote bequem gehen knnen, nur werden die Rapids ziemlich
bedeutende Schleuenbauten erfordern. Im ganzen Flu ist jedoch kein
greres Hinderni als solche, die im St.Lawrence-Flu schon mit
groer Leichtigkeit berwunden worden sind, nur ist hier die groe
Schwierigkeit, da die Eingebornen schlechte Arbeiter und bei jeder
ihnen unbekannten Arbeit unbrauchbar sind, und Arbeiter aus dem Norden
haben anfnglich viel vom Klima zu leiden.

Am 29. Junius langten wir im Castello Viejo an. Auf der Spitze eines
kleinen Hgels liegen die Trmmer des alten Castells und beherrschen
die kurzen, aber sehr heftigen Stromschnellen; es wurde jedoch von den
Briten 1848 belagert und geschleift. Mit vieler Mhe hieb ich mir einen
Weg zum Gipfel nach den Trmmern, die in schon so kurzer Zeit ganz von
der Alles berwuchernden Vegetation bedeckt sind; da wo noch vor vier
Jahren die Kanonen ber die Geschtzbettungen donnerten, stehen schon
groe Bume. Die grte Sicherheit des Platzes bestand in dem Mangel
an Raum zu Errichtung feindlicher Batterien, fr die erst der Wald
niedergehauen werden mute. Das Fort selbst besteht theils aus Felsen,
theils ist es aus einer Art Porphyr, theils aus Ziegelsteinen gemauert.
Seine gegenwrtige Besatzung besteht nur aus Fledermusen, von denen ich
in den Casematten mehrere nach mnnlichem Kampfe erlegte, andere fing.
Sie waren den nordischen Fledermusen hnlich, und hatten durch einen
aufrecht stehenden Hautlappen ber der Nase das Aussehen eines Nashorns.
Farbe ganz schwarz, Krper haarig, fnf Zehen, an den Flgeln kleine
Haken, Zhne auerordentlich gro, beinahe so lang wie die obere
Kinnlade. Einige alte spanische Geschtze liegen im Schutte begraben.

Am Fu des Castells liegt ein Rancho (Rohrhtte). Hr. W., ein Agent
der Canalcompagnie, ist mit einer Anzahl Indianer beschftigt einen
Landungsplatz fr das Dampfboot zu bauen. Er klagte sehr ber die
Schwierigkeit, die Indianer zu guten Arbeitern zu machen. Mit Ausnahme
einiger Aexte, die von der Compagnie geliefert wurden, bedienen sie sich
lediglich der Macheta. Dies ist ein Messer, welches, je nach der
Sitte des Landes, von der Gre eines langen Dolches bis zu einem sehr
schwerflligen Sbel anwchst, und zum mannichfachsten Gebrauch
dient. Man haut damit sein Holz, baut ein Haus, was jedoch bei diesen
Rohrhtten nicht viel sagen will, schneidet Fleisch und braucht es als
Waffe. Die Indianer hackten damit nach Anweisung am Holz herum, und
schienen sich zuletzt selbst zu wundern, wenn ein Stamm zurecht gehauen
war. Es wird bald der Plankenweg fertig sein, und eben ein solcher an
den Machuca gebaut werden.

Als ich von San Juan abging, war eben eines der kleinen eisernen
Dampfboote angelangt, und man arbeitete an dessen Zusammensetzung; zwei
andere folgen nach, und es wird in jeder der drei Hauptabtheilungen des
Flusses eines gehen. Wird der Flu angesiedelt, so werden jedenfalls an
diesen Pltzen zuerst Drfer entstehen. Bald vielleicht wird sich
ein American-Eagle-Hotel oder Independence-Hotel erheben und diesem
fruchtbaren Boden eine Ernte abgewonnen werden.

Zwischen beiden Bootsleuten entspann sich ein Streit, und dem einen
ward mit der Macheta ein Stck aus dem Backen gehauen. In den Augen
der Indianer ist jeder weie Mann ein Doctor; durch meine Purganzen
und Vomitive, sowie durch den Aderla war die Thatsache noch mehr
festgestellt, und jetzt mute ich =nolens volens= des Mannes Backen
zusammenflicken. In Ermangelung chirurgischer Nadeln legte ich ihm mit
einer gewhnlichen Nhnadel Heftlcher an. Der arme Teufel stand viel
Schmerzen aus, doch flickte ich ihn bel und bs zusammen, und pappte
schlielich ein Heftpflaster darber; wenn die Backe schief heilt, ist's
nicht meine Schuld. Lieb wre mir es aber doch, wenn meine chirurgischen
Kenntnisse nicht zu arg auf die Probe gestellt wrden.

An diesem Platze waren wiederum Moskitos und Bremsen, deren Stich wie
Feuer brennt, sehr lstig, daher setzten wir so schnell als mglich
unsere Reise auf dem jetzt ruhiger flieenden Flu mit gnstigem
Fahrwasser fort. Ich berraschte einen Kaiman im Gras schlafend, und
scho ihn durch das Blatt; er suchte noch das Wasser zu gewinnen, doch
kam ich ihm zuvor, und stach ihn zweimal mit der Macheta in die Weichen,
wobei er mich mit einem Schwanzschlag in das Wasser warf. Ehe ich wieder
im Trockenen war, hmmerten schon die Indianer auf seinem Kopf herum,
und ich konnte nur das Gebi retten. Es war ein Weibchen, ma 11 Fu und
hatte im Magen ein ganzes Hirschkalb. Die Fluufer sind hier flach und
wie berall der Boden hchst ppig.

Am 30. Mittags langten wir im Fort San Carlos an. Hier stand frher
gleichfalls ein groes Fort, das die Mndung des Sees beherrschte, aber
von den Englndern Ausgangs des verflossenen Jahrhunderts in Trmmer
gelegt ward, in welcher Action der junge Nelson als Midshipman eine
seiner ersten Waffenthaten verrichtete. Das jetzige Fort besteht aus
einer verfallenen Schanze, auf derselben ein Haus fr ein bis zwei
Dutzend Soldaten, ein etwas besseres fr den Commandanten. Neben
der Flagge von Nicaragua steht eine alte vom Rost zerfressene Kanone
(etwaige Schmugglerboote aufzuhalten) auf einer Laffette, deren Rder
aus einem quer durchgeschnittenen Stamm bestehen. Beim Abfeuern
dieses Geschtzes sehe ich weniger Gefahr fr den Feind als fr den
Artilleristen, der es loszubrennen hat. Einige Dutzend Kugeln rosten im
Gras, doch liegen demontirt auch einige schne bronzene 32-Pfnder
mit der Jahreszahl 1618 im Sand. So gnstig auch dieses Fort fr die
Vertheidigung liegt, so wrde es doch in seinem jetzigen Zustande von
zehn derben Leuten mit Leichtigkeit zu nehmen sein.

Die am Fort liegende Ortschaft war lange ganz verlassen, doch sind jetzt
wieder einige Dutzend Rohrhtten erbaut, und bei eintretendem lebhaften
Verkehr wird dieser Ort jedenfalls ein wichtiges Settlement werden;
in seinem jetzigen Zustand jedoch kann es fglich mit San Juan
gleichgestellt werden.

Hier ist die Douane der Republik Nicaragua, welche die Reisenden sehr
qult, denn die kleinste Kiste mu ausgeladen und untersucht werden. Ich
machte hier zuerst von meinen Papieren Gebrauch, und erlaubte nicht
da man mein Gepck berhrte. Die Douanenbeamten, sei's weil sie nicht
verstanden oder verstehen wollten, gaben sich inde nicht zufrieden
und wollten selbst ausladen, da erschien der Douane-Inspector und der
Commandant des Forts. In San Juan hatte eine Auction stattgefunden, in
welcher unsere Schiffsgesellschaft, fr den Fall, da wir den 4. noch
auf dem Flu oder See sein sollten, einen Korb Champagner erstanden. Als
die beiden Herren erschienen, nahm ich eine Flasche, legte sie an
den Backen, und scho den Pfropfen auf den Douane-Inspector ab, dem
Commandanten meine Beglaubigung gebend. Durch beides zufrieden gestellt,
leerten wir diese und noch eine Flasche auf unser gegenseitiges Wohl,
whrend welcher Zeit der Hafencommandant sich entschuldigte, da er
meinen Salutschu mit dem Champagner, wegen sprlicher Munition aus
seinen Geschtzen nicht erwiedern knne. Als die Fracht die Douane
passirt hatte, schieden wir mit gegenseitigen Achtungsversicherungen.

Die Fahrt ber den See, welche 110 Miles betrgt, begann wieder des
Abends, allein ein ungleich lieblicherer Anblick bot sich mir, als beim
Beginn der Reise. Die ungeheure Wasserflche, nach vorn den Horizont
bildend, wird rechts und links begrnzt von schnen Gebirgen, und
whrend links die groe Gebirgskette sich nach Costarica hinabzieht,
erheben sich inmitten des Sees die Gipfel der beiden groen Vulkane des
Ometepa-Islands majesttisch in die Wolken. Links, sdlich, sind die
Mndungen des Rio Frio, umkrnzt von ppigem Pflanzenreichthum, whrend
Baumgruppen ganz berset von Purpurblthen sich rechts erheben. Ein
von Norden heraufziehendes Gewitter erfllte die Luft mit imposanten
Wolkenformen, whrend die abendliche Spiegelung derselben den See in
reiche Farbenpracht kleidete.

Unser Boot gleitete unter seinem rmlichen Segelwerk leise im Abendwind
dahin; als jedoch das Gewitter in gewohnter Heftigkeit losbrach,
getrauten sich die Bootsleute nicht dem Sturm Trotz zu bieten, und
ankerten im See bis Anbruch des Tages. In der nchsten Nacht war kein
so starker Wind, der Mann am Steuer aber schlief fortwhrend, so da
wir uns selbst ber das Boot erbarmten und mit Hlfe einer eben
verffentlichten (Colton) New-York-Karte und eines Taschencompasses
weiter segelten bis Tagesanbruch.

Der See von Granada ist der grte in Centralamerika, giebt den groen
canadischen Seen nicht viel nach und ist mit umfangreichen Inseln
beset, deren grte, Omatepa, zwei Vulkane von 5-6000 Fu besitzt und
30,000 Einwohner hat. Ein in der nchsten Nacht losbrechendes Gewitter,
das unser kleines Fahrzeug gleich einer Nuschale herumwarf, nthigte
uns in unmittelbarer Nhe des Landes zu ankern. Gegen Morgen ruderten
wir vollends bis Granada, und vor Sonnenaufgang hatten wir neben dem
kleinen amerikanischen Steamer, dem ersten, welcher diesen See befhrt,
geankert.

Es war der 4. Jul., der jedem amerikanischen Brger theure Jahrestag der
Unabhngigkeits-Erklrung der Vereinigten Staaten, der wie immer von der
amerikanischen Flagge recht mit Ehren gefeiert wird. Bei Sonnenaufgang
hite der Steamer und die beiden Schooner die Flagge, und vom Bord
stiegen eine Masse Raketen in den blauen Himmel, wir aber grten die
stolzen Sterne und Streifen mit einer dreifachen Salve.

Wir suchten die Ausschiffung unserer Effecten zu beschleunigen,
die einige Schwierigkeiten verursachte, da abermals ein Zollbeamter
Einwendungen gegen die Einfuhr meines Alkohol, der allerdings hier
Monopol ist, erhob, doch nach Erklrung des Zweckes gab er sich
zufrieden, nur hatten sich whrend der Debatte eine Partie zerlumpte
Soldaten, deren ganze Uniform in Flinte und Patrontasche bestand, und
die meine Effecten bewachen sollten, in einige Forschungen ber den
Inhalt des Getrnks vertieft. Bald war jedoch Alles auf einen groen
zweirdrigen Ochsenkarren, dessen Rder wie die der Kanone aus einem
Baumstamme geschnitten waren, geladen; das Deichselgespann ward von
einem auf dem Wagen stehenden Mann nach antiker Art mit dem Speer
gelenkt, voraus ging ein nackter Kerl, mit einer Art langer Decke
drapirt, in der Hand die unvermeidliche Macheta, mit der er, dem
Vordergespann auf das betreffende Horn hauend, die Richtung bezeichnete.
Die Ochsen sind daran gewhnt da kein Lenkseil gebraucht wird,
daher haben Zug-Ochsen oft ganz zerhackte Hrner, oft auch wird aus
Miverstndni ein Stck Ohr mit abgehauen.

Ich fand hier den bekannten Gelehrten Hrn. Frbel, dessen Bekanntschaft
ich voriges Jahr in New-York gemacht hatte, und nachdem die Freude des
Wiedersehens vorber war, brachte ich mich selbst und mein Gepck im
Hause eines Hrn. =Dr.= B. unter, der mir ein groes Zimmer freundlichst
abtrat.

Es war mir endlich verstattet, nachdem ich meine Koffer und Kisten,
deren Inhalt durch die viele Feuchtigkeit an einigen Stellen mit
Schimmel und Moder bedeckt war, ausgepackt und gelftet, meinen
strapazirten Krper mit grndlicher Reinigung, frischer Wsche und
reinen Kleidern zu laben, und das war eine wahre Wohlthat, denn ganz
bedeckt vom Schmutz des Bootes und der Wlder, kostete es mir nach jedem
Bad im Flu keine geringe Ueberwindung wieder in meine Schmutzhlle zu
schlpfen. Nach dieser nthigen Reinigung gab ich einen Bndel Briefe
ab, wobei =Dr.= B. (ein Deutscher) meinem mangelhaften Spanisch als
Dolmetscher zu Hlfe kam. Ueberall ward mir der freundlichste Empfang
zu Theil, denn sowohl Hr. Squier als Herr Marcoleta (Gesandter in
Washington) waren sehr geachtete Persnlichkeiten, und berall erhielt
ich Einladungen zum Besuch und Aufenthalt in Hacienden, von denen
ich zuerst die Don Jose Sandovals, eines freundlichen alten Spaniers,
benutzen werde, um einige Tage auf seinem schnen groen Besitzthum
zuzubringen.

Ich war eben nach Hause zurckgekehrt als der Prsident, in Begleitung
des Vice-Prsidenten, den hiesigen Amerikanern und meiner Wenigkeit
zur Feier des 4. Jul. eine Einladung zu einem Festessen und Bankett
berbrachte, welche ehrende Auszeichnung ich mit Dank annahm. Um 4 Uhr
begab ich mich in Gesellschaft F's. und des =Dr.= B. in das Fest-Local.

Die Huser sind nach Art der maurischen Huser in Algier gebaut. In
der Mitte ein sehr groer Hof, umgeben von Sulengngen, an welche die
verschiedenen Gemcher des Hauses stoen. Nach der Strae hin ist meist
eine groe Empfangs-Halle, welche hier als Fest-Local mit den Flaggen
der Union und Nicaragua's und mit einer Menge ungeheurer Palmenzweige
geschmckt war. Ingleichen waren die Colonnaden des Hofs durch Palmen
in Baumgnge verwandelt, und da jeder Hof hier mit Pflanzen geziert ist,
zwischen denen immer eine Menge zahme Papageien und andere Vgel,
auch wohl zierliche Rehe herumlaufen, gewhrte das Ganze einen beraus
lieblichen Anblick, mehr noch als bei einbrechender Dunkelheit eine
Masse von Lichtern durch das Grn schimmerten. Auer den angesehensten
hier wohnhaften Brgern der Vereinigten Staaten waren als Ehrengste
zugegen: der Prfect, der Commandant des Militrs, einige andere Beamte
und einige der angesehensten Eingebornen und Franzosen.

Der Prsident, Hr. Coterell, erinnerte in kurzer Ansprache an den Zweck
der Feier, und nachdem an der reichgeschmckten Tafel, auf der zwischen
ganzen gebratenen Rehen und gewaltigen wilden Truthhnern nordische
Leckerbissen in Gesellschaft der ppigsten Sdfrchte prangten, den
gastronomischen Forschungen eine kurze Zeit gewidmet war, erhob man die
Glser, in denen rheinische Weine, Port und Madeira blinkten, und der
perlende Sohn der Champagne, seiner silbernen Bande entledigt, schumte,
und brachte zuerst die bei jeder amerikanischen Feier des 4. Julius
blichen regulren Toaste, denen sich dann eine Menge anderer
anschlossen.

Ein Toast aber ward durch einen sonderbaren Zufall besonders feierlich.
Bei jedem Glserklingen antwortete von der Hauptwache ein Kanonenschu,
und gegen Abend kam das unausbleibliche Gewitter wieder herauf. Es
waren eben die Worte gesprochen worden: Wir trinken in der Stille dem
Andenken des groen Georg Washington! -- Jeder brachte schweigend
und erhoben sein Glas an die Lippen, da bernahm der Himmel selbst den
blichen Salutschu durch einen furchtbaren Donnerschlag, der die Erde
in ihren Grundfesten erzittern machte, und ich lugne nicht, da ich,
wie gewi alle, das Glas mit einer Art von andchtigem Grausen leerte.
Eine Musikbande spielte in der Veranda whrend des ganzen Mahles,
und bis in spte Nachtstunden blieben die Genossen in ungezwungener
Heiterkeit beisammen, welche durch die anerkennungswerthen Bestrebungen
des Herrn Coterell nie die blichen Formen der Wohlanstndigkeit
berschritt.

Einige Vernderungen im Ministerium und der Regierung lieen es mir
rthlich erscheinen, meine Depeschen andern Tags persnlich an ihre
Adressen abzugeben. Ich habe meine Reisevorbereitungen getroffen, mein
Pferd ist auf Don Sandovals Hacienda gehrig ausgefttert und stark und
wohl geeignet eine strapazise Reise zu ertragen, die zu erwarten steht,
da die Regenzeit, in der wir leben, die Wege bodenlos gemacht hat. In
einer Beziehung ist mir's lieb, da noch sechs bis acht Tage hingehen,
ehe ich anfange zu malen, denn die empfangenen Eindrcke sind alle so
neu und bewltigend, da ich nothwendig dieselben erst ordnen und klar
machen mu. Ich habe eine Menge der mannichfaltigsten und schnsten
Gegenstnde fr Studien gefunden, und sobald ich meine Verpflichtungen
gegen die Regierung erfllt, werde ich mit groer Freude an die Arbeit
gehen, und bleibe ich von Krankheit verschont, was ich wnsche und hoffe
(denn seit ich hier bin erfreue ich mich eines ganz auerordentlichen
Wohlbefindens), so denke ich ein reiches Portefeuille zu sammeln.
Sehr froh bin ich, da ich statt des Daguerreotyps, wie ich erst
beabsichtigte, ein Phototyp mitgenommen, denn ein Amerikaner, der ein
Daguerreotyp hieher gebracht, war ganz in Verzweiflung, da er whrend
der trocknen Jahreszeit keine Platte poliren konnte, da der die ganze
Luft erfllende Sandstaub alle Politur zerkratzte. Ich hoffe besonders
von interessanten Gruppen der Indianer, die nicht gern still stehen sich
malen zu lassen, sowie von naturhistorischen Gegenstnden manche
gute Beute damit zu machen, und so reut mich die fr meine Umstnde
bedeutende Ausgabe von 150 Dollars, die ich dafr gemacht, nicht. Auf
der andern Seite thut mir's sehr leid, da ich mein Sammeln von Insecten
und Vgeln nur in so kleinem Mastab betreiben kann, da die Transport-
und Packmittel fr dergleichen Gegenstnde sehr theuer sind und meine
Krfte bersteigen. Ich werde meinen Vorsatz, eine Collection an einige
deutsche naturhistorische Cabinette zu schicken, nicht ausfhren knnen,
und auer einem Geschenk an Freund M. werde ich mich lediglich auf
das Institut in Washington, das mir eine Summe fr diese Zwecke zur
Verfgung gestellt, beschrnken mssen. Hier ist einer von den wenigen
Fllen, wo ich mehr bemittelt zu sein wnschte, denn es hindert mich
diese Mittellosigkeit an der Erreichung eines schnen Zwecks.

Nach meiner Rckkehr von Leon halte ich mich hier auf, um Hrn. Squiers
Ankunft abzuwarten und Stadt und Umgegend auszubeuten. Sobald es die
Jahreszeit erlaubt, will ich eine Besteigung des Mombatch, der ber
der Stadt sein Haupt erhebt und jetzt bestndig in Wolken gehllt ist,
unternehmen. Mein nchster Brief wird entweder eine Beschreibung meiner
Reise nach Leon, oder eine genauere Beschreibung Granada's enthalten,
welches wohl derselben werth ist, denn es ist an dem schnen See mit
seinen zierlichen Ufern hchst pittoresk gelegen, und bietet im
Innern eine Menge malerischer Ansichten. Das Leben selbst ist ebenso
reichhaltig, da es, sowie die Verhltnisse der ganzen Stadt, vielfach
malerischen Stoff bietet.

Man erwartet jetzt die Ankunft des Gesandten der Vereinigten Staaten
Hrn. Kerr, den aus St.Carlos abzuholen der Dampfer gestern abgegangen
ist, und zu dessen Empfang die Amerikaner fr heute eine Festlichkeit
bereitet haben, an welche =Dr.= B., F. und ich uns anschlieen werden.




IV.

Die Stadt Granada. -- Bauart. -- Einwohner. -- Lebensweise in
Central-Amerika. -- Festtage. -- Reisezurstungen. -- Unsicherheit
der Straen. -- Art zu reisen. -- Flei der Indianer. -- Massaga. --
Indisches Begrbni.


  Granada, 4. Aug. 1851.

Seit ziemlich drei Wochen bin ich von meiner Excursion nach Leon
wieder zurckgekehrt nach Granada und habe seitdem ungestrt meine
knstlerischen und wissenschaftlichen Studien beginnen knnen.

Granada ist, wie ich schon frher erwhnt, die bedeutendste Stadt am
See gleiches Namens, mit 12-15000 Einwohner, und unter den jetzigen
Umstnden wohl berhaupt die wichtigste Stadt dieses Landes zu nennen.
Die Zeit ihrer Grndung fllt mit der zweiten Periode der Entdeckung von
Amerika zusammen. Ihre Erbauer waren jene khnen Freibeuter, welche
ein seltsames Gemisch von soldatisch roher Ritterlichkeit, gepaart mit
blindem Glaubenseifer waren, mit welchen Eigenschaften sie aber doch
auch eine gewisse kaufmnnische Verschmitztheit verbanden.

Die Huser, meist nur aus einem Geschoe bestehend, dessen Hhe zwischen
12 und 15 Fu betrgt, haben durch ihre 6-8 Fu breiten Thren und hohen
vergitterten Balconfenstern ein festungshnliches Aussehen. Die innere
Einrichtung beschrieb ich Euch bereits frher. Die Hauptrume bleiben
berall der mit Zierpflanzen geschmckte erste Arcadenhof und die an
der Vorderfront liegende Empfangshalle, an welche gewhnlich das
Frauengemach stt; oft auch befindet sich ber letzterem noch
ein Balconzimmer. Ein solches ist gegenwrtig meine Wohnung, mit
wundervoller Aussicht ber den See und die Gebirge. Einen zweiten oder
Hinterhof, umgeben die Stlle, die Kche (in der nur auf offenem
Herde gekocht wird, Bratfen, Kochmaschinen, wie in Europa und den
Verein.-Staaten, kennt man hier nicht), welche letztere zugleich dem
Geflgel und sonstigem kleinen Gethier, das fr jede Mahlzeit frisch
geschlachtet wird, zum Aufenthalt dient. In vielen dieser Hinterhfe
befindet sich auch ein Ziehbrunnen, doch wird das Wasser mehrentheils
aus dem See geholt, da die Quellen fast alle mineralischer Natur sind.

Sehr belebt ist das Seeufer bei Sonnenaufgang: Frauen und Mdchen
erscheinen, mit groen irdenen Gefen, hnlich den antiken Amphoren,
nur etwas bauchiger, auf dem Kopf und schpfen Wasser; Reiter und
Fugnger lustwandeln in der Morgenkhle, fast alle Besucher aber
erfrischen sich mit einem Bade. Spter rumen sie den Waschwannen das
Feld, sowie den Schiffsleuten, welche die Waaren aus den Booten auf
groe, zweirdrige, von 4-6 Ochsen gezogene Karren umladen. Dann fllen
sich die Straen mit Indianern der benachbarten Drfer und Haciendas,
welche ihre Produkte zum Kaufe ausbieten. Bei geringen Entfernungen
tragen sie ihre Last auf dem Kopfe, in groen hlzernen Schsseln, von
denen man auch sagen kann, sie haben ungeheure hlzerne Hte auf, die
sie umgekehrt auch zum Tragen bentzen. Kleine nackte Jungen bringen auf
Pferden und Maulthieren Ladungen von jungen Mais (Zakate) als Futter fr
die Pferde zu Markt, whrend die Stadtbewohner theils in ihren Lden
den Verkauf betreiben, die Frauen weibliche Arbeiten oder Cigarren
verfertigen; noch fter aber liegen alle in den Hammocks, rauchend und
sich schaukelnd, wozu sie von Zeit zu Zeit einen Schluck Teste, ein
gar nicht bles Getrnk aus Maismehl, Zucker, Cacao und Wasser nehmen.
Geraucht wird aber von Mann und Weib, Jung und Alt, und oft schickt ein
Vater sein kaum vierjhriges Shnlein oder Tchterlein in die Kche, um
Feuer zu holen, welche dann gravittisch mit der brennenden Cigarre im
Munde und qualmend wie Dampfessen zurckkommen.

Das Costm der Frauen besteht in einem Unterrock von Mousselin, um die
nackten Hften gebunden und am unteren Saume mit Flittern besetzt; ber
dem Oberkrper tragen die besseren Classen ein kurzes, weitfaltiges
Uebergewand, hnlich dem griechischen Peplum, die niederen Classen aber
den Oberkrper ganz blo; oft auch, zumal bei Kindern, ist vollkommener
Mangel an Kleidung vorhanden, was die Frauen hier anwesender Amerikaner
oft veranlat, die Augen niederzuschlagen oder mit der Hand zu
bedecken. Alle Stnde aber schmcken sich die schnen, grtentheils
ebenholzschwarzen Haare mit Jasminblthen und Blumen von lebhaften
Farben, was die ausdrucksvollen und oft classisch regelmigen Gesichter
mit phantastischer Schnheit ziert. Der Gang hat, wahrscheinlich durch
die Gewohnheit alle Lasten auf dem Kopfe zu tragen, etwas beraus
Elastisches, was den ganzen Gestalten einen erhhten Reiz verleiht.

Mehre schne Kirchen, in einem seltsamen Gemisch von maurischem
Charakter, spanischer Renaissance, oft mit sehr bemerkbarem Anklang
von byzantinischem Style erbaut, zeugen von der frheren Macht und dem
Reichthume des Clerus (bei Errichtung der Stdte ward bekanntlich
der zehnte Theil aller Beute auf Errichtung von Kirchen und Klstern
verwandt). Durch die hufigen Revolutionen hat sich denn freilich in
dieser und anderer Hinsicht vieles gendert, da die groen Capitalisten
entweder auswanderten oder durch bedeutende Contributionen sehr in
Anspruch genommen wurden. Wenn auch noch hier und da ein wohlbeleibter,
behbiger Prlat auf seinem Ochsenkarren und von zwei Soldaten begleitet
durch die Straen zieht, so reitet dafr manch armer, abgemagerter
Dorf-Cura (Pfarrer), nach dem Beispiele des Heilandes, als wahrhafter
Apostel auf einem armseligen Eselein durch das Land, um mit christlicher
Demuth auf irgend einer entfernten Hacienda dem Sterbenden eine
geistliche Wegzehrung zu spenden.

An Festtagen, deren es hier, nach dem was ich bis jetzt gesehen, fast
so viele als Tage im Jahr zu geben scheint, durchziehen zahlreiche
Prozessionen mit Geigen und Flten die Straen, wobei an Weihrauch
unendliche Wolken verdampfen, und an Schiepulver, knallenden und
prasselnden Schwrmern, Raketen, franzsischen Schlgen, letztere oft zu
Dutzenden auf einmal, ein Erkleckliches verpufft wird. Abends wird dann
die Prozession mit Hunderten bunter Laternen fortgesetzt, was mit den
Gruppen, die allabendlich plaudernd die Rume vor den Hausthren fllen,
und den erleuchteten Balconen, von denen transparente, mit Blumen
geschmckte und umgebene Heiligenbilder schimmern, einen malerischen und
poetischen Anblick gewhrt. Oefters habe ich, spt am Abend von meinen
Excursionen heimkehrend, mein Pferd angehalten, um auf die eigenen
schwermthigen kirchlichen Melodien zu horchen, oder Gruppen mit ihren
Liebhabern schkernder Mdchen zu belauschen.

Doch indem ich mich so in Schilderungen des Lebens in Granada vertiefe,
vergesse ich ganz, euch von meiner Reise nach Leon zu berichten.

Nachdem ich einige Ruhetage benutzt hatte, um aus dem Mr. Squier
gehrigen und hier zurckgelassenen Eigenthume fr mich ein starkes und
rasches Pferd mit Sattel und Packtaschen, fr einen Diener ein krftiges
Maulthier zu whlen, die Bchse und meine herrlichen Revolvers[1], ein
Reisegeschenk meines ehrenwerthen Gnners de Rhame in New-York, vom
Schmutze der Reise zu reinigen, frisch zu laden und einige Munition
nebst Wsche einzupacken, whrend ich von meinem freundlichen Wirthe,
Don Narciso Espinosa, eine leichte Vogelflinte nebst einer unbndig
langen Doppelpistole fr meinen tapfern Sancho Pansa geliehen hatte,
trat ich am 9. Juli meine Reise =in nomine domini= an. Es circulirten
eine Menge Gerchte ber Unsicherheit der Straen, und ein Halbdutzend
Morde, welche im Laufe der letzten Monate vorgefallen waren, besttigten
dieselben allerdings in nicht erfreulicher Weise. In Bercksichtigung
der Regierungsdepeschen aus Washington, die ich nach Leon zu berbringen
hatte, wurde mir vom Commandanten eine Escorte von zwei Lanciers
angeboten; ich gestehe aber, da ihr Ajustement und ihr ganzes Aeuere
mich denn doch mehr Vertrauen in die Vorzglichkeit meiner Waffen,
meines Pferdes und meine geringe Person selbst setzen lieen. Ich dankte
demnach hflichst fr die Ehre, und zog es vor die Reise allein zu
machen.

  [1]: Sechsschssige Pistolen.

Durch die hier zu Lande bliche Art zu reisen wird man noch lebhaft an
die Zeit der fahrenden Ritter erinnert. Jeder Reisende, der sich auf
irgend eine Weise Sbel und Pistolen verschaffen kann, rstet sich
damit, und in Ermangelung letzterer baumeln doch wenigstens ein paar
leere Pistolenhalfter am Sattelknopfe; wenn mglich, nimmt man auch
eine mit Rehposten geladene Flinte mit, die entweder quer ber den
Sattelknopf gelegt, oder vom Schildknappen, wie weiland dem edlen Ritter
Don Quixote die Lanze, hinterdrein getragen wird. Das Gepck hat man
theils selbst in Satteltaschen bei sich, theils trgt es der Diener
vor sich auf dem Maulthiere. Gewhnlich trottirt dieser voraus, den Weg
zeigend; trifft man jedoch unterwegs mit anderen Reisenden zusammen, so
reiten die Caballeros voraus, whrend die hinterfolgenden Diener sich
gegenseitig von der Tapferkeit ihrer Gebieter, der unvergleichlichen
Gte ihrer Waffen und Pferde u.s.w. tchtig etwas vorrenommiren, was
mit unvermindertem Eifer in jedem Nachtquartiere fortgesetzt wird,
wo dann gewhnlich der Wirth noch die allerabsonderlich grausenhaften
Geschichten von Mordthaten zu erzhlen wei, die sich krzlich erst
ganz in der Nhe zugetragen haben sollen, natrlich in der
menschenfreundlichen Absicht, den oder die Reisenden wo mglich noch den
nchsten Tag dazubehalten.

Beim Mahle, meist aus gekochtem Reis, Huhn, Eiern und Fisch, nebst
einigen steinharten rothen Bohnen und der unvermeidlichen Tortilla
(einem aus Mais gebackenen flachen Kuchen, der die Stelle des Brodes
hier vertritt) bestehend, wartet der Mozo (Diener) hinter dem Stuhle
seines Caballero stehend, auf, lauert aber gierig auf den Augenblick, wo
dieser sich erhebend, ihm die Reste der Speisen berlt.

Frh, wo ich meist um 3 Uhr aufbrach, um die Morgenkhle zu benutzen,
kostete es stets mannichfache Mhe und Arbeit, Diener und Wirth aus dem
Schlafe zu rtteln, und bis die Thiere gefttert waren, verging dann
immer noch mehr als eine Stunde, weshalb ich in der Regel das Geschft
des Wecken schon um 2 Uhr begann, nichts destoweniger aber mit einer
Strohcigarre vorlieb nehmen mute, whrend der Magen erst im nchsten
Dorfe, oft 14-16 Miles entfernt, bedacht werden konnte. Genug, man
bersetze die Abenteuer und Irrfahrten des obgenannten unsterblichen
Ritters ins Moderne, und man hat das leibhafte Conterfei eines Reisenden
in Central-Amerika.

Der erste Theil des Weges nach Massaga, dem ersten Haltpunkte, war durch
den vielen Regen grundlos geworden, und mein armes Pferd mute immer aus
einem Sumpfloche ins andere tappen. Die Maulthiere, durch welche fast
der ganze Verkehr des Landes betrieben wird, treten immer wieder in
die Fustapfen des vorangehenden Thieres, an dessen Schweif ihr Zaum
gebunden ist, so da manchmal dadurch Reihen von 16-20 hintereinander
entstehen; hierdurch wird aber bei Regenwetter die Strae zu einer Reihe
nebeneinander und quer darber hinlaufender Grben, die, mit Wasser und
Schlamm gefllt, das Reiten ungemein erschweren, und da die hiesigen
Pferde sehr kleinen Schlages sind, kaum 14 Hand hoch, so werden die Fe
des Reiters mit den 4 bis 5 Zoll langen grogerderten Sporen weidlich
in den Koth getaucht. Ich zumal hatte oft Gelegenheit Betrachtungen
darber anzustellen, warum der liebe Himmel gerade mich mit so
unziemlich langem Pedal ausstatten mute. Bei besserem Wege ist die
Gangart der hiesigen Pferde eine sehr angenehme Art von Pa,
=paso picarro= hier zu Lande genannt. Ueberhaupt ist die Race ganz
vortrefflich fr hiesige Gegend, obschon man auf Broadway, in Hydepark
oder dem Bois de Boulogne, im Berliner Thiergarten oder im Wiener Prater
eben nicht sonderliche Bewunderung damit erregen wrde.

Da es noch frh am Tage war, begegnete ich langen Zgen von Indianern,
welche ihre Produkte, als: Mais, Bohnen, Cacao und Taback, zu Markte
trugen, die, theils auf Pferden, theils in Netzen auf dem Rcken
hngend, an einem breiten Gurt ber die Stirn getragen wurden, wie man
dies auch zuweilen in den Schweizerbergen sieht, eine abscheuliche Mode,
die den Leuten das Aussehen von Zugochsen giebt. Mir erschien diese
Art von Kopfarbeit eine hchst anstrengende, wie auch als der Grund der
vielen Krpfe, die ich hier herum wahrnahm.

Der Weg schlngelt sich theils durch herrlichen, hochstmmigen Wald,
bemerkenswerth durch die mchtigen und hufigen Gummibume, theils fhrt
er hin zwischen Bananen- und Indigofelder, umgeben von 5 bis 6 Fu hohen
wilden Ananas-Hecken. Hier und da bietet sich von der Hhe eines Hgels
eine entzckende Aussicht nach den Seen von Granada und Managua und dem
Tipitapa-River, begrnzt von den lachendsten, fruchtbarsten Ebenen und
majesttischen Gebirgszgen mit sanft ansteigenden Vorhgeln in den
schnsten Formen und geschmckt mit aller Pracht und Ueppigkeit der
tropischen Vegetation. Beim groen Gott! dies Land ist ein wahres
Paradies und knnte Wunder wirken, Millionen fleiiger Hnde ernhren,
wre es nicht von solch trger, kurzsichtiger und geistig beschrnkter
Bevlkerung bewohnet, welche es nicht versteht, oder nicht verstehen
will, diesem gottgesegneten Boden einen auch nur einigermaen
erheblichen Tribut aufzuerlegen.

Massaga, wo ein krftiges Frhstck mich und meinen Diener, ser junger
Mais die Thiere erquickte, ist ein niedliches Stdtchen, oder groer
Flecken, mit nicht unbetrchtlichem Markt fr einheimische Produkte.
Ein groer Theil der Ortsbevlkerung wohnt freilich nur in indianischen
Rohrhtten, allein der Flei derselben sticht vortheilhaft gegen andere
Ortschaften ab, die ich spter sah. Selbst Frauen, welche Frchte
zu Markte trugen, flochten im Gehen Strohhte und Matten von recht
zierlicher Arbeit, und weniger als anderswo sah ich hier die Leute in
ihren Hammocks faullenzen. Trotzdem waltet aber auch hier immer noch
dieselbe indianische Halsstarrigkeit gegen alle und jede Verbesserung
vor, die ihre Arbeit nutzbringender machen knnte.

In dem kleinen, jenseits Massaga gelegenen Drfchen Indiery sah ich
zufllig das Begrbni eines jungen indianischen Mdchens mit an,
whrend unsere Thiere gefttert wurden.

Die Leiche ward auf einer Bahre, ohne Sarg, blos der Krper mit einem
Leinentuche bedeckt, das Gesicht, dessen schne unschuldvolle Zge
selbst der Tod nicht zu verunstalten vermocht hatte, jedoch offen
getragen. Vorauf zogen sechs Musikanten mit zwei Geigen, zwei
Flten, einem Waldhorne und einem Violoncello, hinter ihnen der arme
Dorfpfarrer, Gebete sprechend. Die Musik war eigentlich mehr ein
sonderbarer Wirrwarr von Tnen zu nennen, die nur bei einigen fters
wiederkehrenden Gebetformeln sich zu einer Art von Accord einigten.

Beim Grabe, einer kleinen, kaum einige Fu tiefen Grube, auf dem Platze
vor der Kirche angelangt, ward nach kurzem Ceremoniel die Leiche in die
Grube gelegt, jeder der wenigen Leidtragenden warf seine Hand voll
Erde darauf und ein paar Leute mit Schaufeln thaten in kaum drei, vier
Minuten den Rest. Ein Bndelchen Raketen zischte in die Luft empor,
das Aufschwingen der Seele gen Himmel andeutend, wie mir einer der
Anwesenden erklrte, und jetzt zum erstenmale einte sich das bisherige
Tongewirre der Musikanten zu einer wirklichen Melodie, in der ich zu
meiner groen Ueberraschung das liebliche Lied der Brautjungfern in
unseres herrlichen Webers Freischtz, wenn auch etwas naturalistisch
verstmmelt, wieder erkannte. Wie dies Lied den Weg bis hierher in die
Tropenwelt gefunden, mag der Himmel wissen.

Ich kann nicht sagen ob es die Erinnerung war, welche diese aus holder
Kinderzeit herberklingenden heimischen Tne in mir erweckte, oder
was sonst, so viel aber ist gewi, da weder das pomphafteste
Trauergeprnge, noch die vollstimmigsten und kunstvollsten Trauerhymnen,
noch die schnsten Grabreden jemals einen rhrenderen Eindruck auf
mich hervorgebracht haben, als diese kindlich naiven Tne und die
noch naivere Raketensymbolik neben diesem frischen Grabe einer kaum im
Entfalten schon dahingerafften Blthe. Der Zufall ist oft poetischer,
als das poetischste Raffinement!

Als eine Viertelstunde spter die Thiere getrnkt und gefttert waren
und ich wieder da vorbeiritt, spielten die Kinder schon wieder harmlos
und frhlich auf der Stelle, die eine kaum merkliche Erhhung als ein
Grab andeutete, da ja der jugendliche Krper nur wenig Raum einnahm.




V.

Lavafelder. -- Managua. -- Reisebekanntschaft. -- Landschaftliches.
-- Puebla nuova. -- Ein Raubmord. -- Nchtliche Strung. -- Ankunft
in Leon.


Fnf Miles von Massaga erreichte ich, nachdem ich noch einige
allerliebst zwischen Cocospalmen gelegene indianische Drfchen passirt,
die Lavafelder des Vulcans von Massaga. Seine Thtigkeit beschrnkt sich
nur noch auf zeitweilige Entwickelung von Schwefelwasserstoff und starke
Erhitzung des Schlammbodens in dem erloschenen Krater; ein kleiner
Salzsee auf der Sdseite, welcher einen andern Krater ausfllt, so
wie ungeheure, sich wohl 6 bis 7 Miles gegen Norden hin erstreckende
Lavafelder, geben Zeugni seiner frheren Verheerungen. Ueberhaupt
ist das ganze Land mit trachitischen Gebilden, Osidien und todten
Lavastrmen bedeckt, welche die alles berwuchernde ppige Vegetation
spter mit neuem Leben bekleidet hat. Ein groer Theil der Quellen
ist gleichfalls voller mineralischer Substanzen, und viele haben einen
betrchtlichen Hitzegrad. In den Lavafeldern von Massaga fielen mir
besonders eine Menge seltsamer Hhlen auf, hnlich ungeheuren Backfen,
wahrscheinlich herrhrend von den durch sich entwickelnde Gase
gebildeten Blasen.

Am Nachmittage brach wieder ein Gewitter mit gewohnter tropischer
Heftigkeit los. Donnere du bis du es satt hast! dachte ich, und
wickelte mich zum Schutze gegen die herabstrmende Sndfluth in
meinen Poncho, eine dicke Wolldecke, mit einem Loch in der Mitte, zum
Durchstecken des Kopfes, welche als Mantel den ganzen Menschen einhllt,
whrend der Kopf durch einen breitkrmpigen Hut geschtzt wird; mein
armes Pferd aber schritt schwermthig auf der, in einen Giebach
verwandelten Strae einher und mein Sancho Pansa hinterdrein, hchst
kleinlaut und verdrlich auf seinem Maulthiere hockend.

Menschen und Thiere waren froh, als wir am Abend Managua erreichten,
eine ziemlich ansehnliche Stadt am See gleiches Namens gelegen und Sitz
der gesetzgebenden Versammlung, brigens durch nichts bemerkbar als
durch eine nicht unschne Hauptkirche von ziemlich reicher Architektur,
in dem oben erwhnten Mischlingsstyl.

Ein wilder Truthahn, den ich unterwegs geschossen, bildete unser
Abendessen, welches ich mit einem Italiener theilte, der, gleichfalls
auf der Reise nach Leon begriffen, in Verzweiflung war, da sein
Reisegefhrte, ein Spanier des Landes, ihm durch seine permanente
Trunkenheit die Reise uerst beschwerlich und unangenehm machte. Die
regelmig schnen Gesichtszge dieses Mannes, von antiker Strenge, aber
durch die freundlichen blauen Augen, aus denen herzliches Wohlwollen
blickte, sehr gemildert, so wie seine stramme soldatische Haltung,
gepaart mit ritterlicher Anmuth, zogen mich wider Willen an und in
stillschweigender Uebereinkunft brachen wir am anderen Morgen um 3 Uhr
gemeinschaftlich auf, den lstigen Trunkenbold zurcklassend, der noch
seinen gestrigen Rausch ausschlief.

Mein neuer Bekannter hatte, nachdem er die letzten Kriege seines
Vaterlandes mit durchgekmpft und sein geliebtes Weib, das alle Gefahren
und Beschwerden treu mit ihm getheilt, auf schreckliche Weise verloren,
die friedliche Beschftigung des Landmannes erwhlt, und war jetzt
auf dem Wege nach Californien, wo er beschlossen hatte, im Vereine mit
mehren seiner Schicksalsgenossen sich lediglich auf die Agricultur zu
verlegen und so, wenn auch langsamer, die wahren Schtze dieses Landes
auszubeuten, das in nicht gar zu langer Zeit vielleicht noch einer der
blhendsten Staaten der nordischen Union werden wird. In Leon, wo ich
mehrere Mitglieder dieser projectirten Colonie, meist Genueser, kennen
lernte, die einen sehr erfreulichen Gegensatz zu den Fehlern bildeten,
die man meist den Italienern vorwirft, vernahm ich erst zufllig
den Namen dieses, in der neuesten Periode seines Vaterlandes berhmt
gewordenen Mannes, aber das strenge Incognito achtend, das er angenommen
um sich vor Zudringlichkeiten zu schtzen, war und blieb er fr mich nur
Signor Giuseppe, oder auch Monsieur Joseph.

Hinter Managua fhrt der Weg ber eine steile, mit groen Felsbrocken
bedeckte Anhhe, welche, da wir sie noch im Morgendunkel passiren
muten, unsere armen Thiere weidlich zum straucheln brachten. Wir
erreichten jedoch ohne erheblichen Unfall mit Tagesanbruch den Gipfel,
wo die aufgehende Sonne ein wahres Paradies vor unsern entzckten
Blicken entrollte. Sdstlich sahen wir noch den See von Granada,
nordwestlich aber, jenseits des See's von Managua, dessen Brandung dumpf
zu uns herauf tnte, dehnte sich langhin das schne Thal von Leon, ber
welches der hohe Viejo sein rauchendes Haupt ber die Wolken erhob.

Der Weg gleicht von hier an dem prachtvollsten Park, der Wald ist
fortwhrend durchbrochen von ppigen Wiesenflchen, in deren hohem Grase
schne Rinder, grer als ich sie bis jetzt hier zu Lande gesehen, und
muntere Stuten mit ihren Fllen weideten. Die einzige Calamitt dieses
gesegneten Landes ist der Mangel an flieendem Wasser, denn whrend
der trockenen Jahreszeit, wo die kleinen Teiche und Tmpel meist
austrocknen, der Wald, seines grnen Bltterschmuckes beraubt, nur
noch in brillantem rothen und gelben Bltterkleide erscheint, irrt das
gengstete Rindvieh, durstend, geplagt von Schwrmen von Insecten,
dumpf brllend umher, nach vereinzelten Quellen suchend, um seinen
Durst gemeinsam mit dem schchternen Reh und dem possirlichen Affen zu
stillen. Zahlreich umherliegende Gerippe geben Zeugni, wie viele schon
als Opfer des Durstes, oder auch des grimmen Jaguars gefallen waren.

In Pueblo nuevo, unserm Nachtquartier, fanden wir im Gasthause einen
kleinen englischen Schiffsjungen und erfuhren von ihm die genauen
Details eines nur vor wenig Tagen erst verbten Raubmordes, den ich, als
ich im letzten Nachtquartier und unterwegs davon reden hrte, fr
eine der gewhnlichen Aufschneidereien gehalten hatte. Ein englischer
Capitain, dessen Schiff in Realejo gestrandet war, hatte den Erls der
geretteten Waaren nebst einigen anderen Gegenstnden mit sich auf einem
Ochsenkarren gefhrt. Dieser Umstand war, wie man vermuthet, durch den
Karrenfhrer, von dessen Mitgenossenschaft an der Gruelthat man sogar
ziemlich stark munkelt, bekannt geworden und eine kurze Strecke
hinter Pueblo nuevo berfielen sechs Strauchdiebe den Capitain, der
in Gesellschaft des kleinen Schiffsjungen ein Stck Wegs hinter dem
Fuhrwerke herging, auf welchem er seine Waffen gelassen hatte und
von denen er auf diese Weise abgeschnitten war. Ein Mann von
Entschlossenheit und groer Krperkraft, leistete er waffenlos
nichtsdestoweniger tapferen Widerstand, warf einen der Strolche zu
Boden und verwundete ihn mit dessen eigener Macheta. Von den brigen
hinterrcks zu Boden geworfen, ward auf ihn losgehauen wie auf ein
Bndel Brennholz, und als der arme Junge, den ein Schlag ber den
Kopf besinnungslos niedergestreckt hatte, wieder zu sich kam, war der
todthnliche Capitain in ein nahes Gebsch geschleppt, der Karren
des Geldes, des Schiffschronometers und einiger anderen leicht
transportablen Gegenstnde beraubt, die Banditen aber verschwunden.
Einige Amerikaner, -- die ich spter in Leon kennen lernte -- des Weges
kommend und gut bewaffnet, setzten zwar den Rubern eine Strecke nach,
aber ohne Erfolg. Sie muten sich damit begngen den Verwundeten, der
noch einige Lebenszeichen von sich gab, zu verbinden und nach Pueblo
nuevo zu schaffen, wo man ihn unter der Pflege der Wirthsleute, ein paar
gutmthiger alter Jungfern, noch zu retten hoffte. Zwei Aerzte aus
Leon, =Dr.= Livingston und =Dr.= Seidel, ein Sachse, die man schnell von
dorther zu Hlfe geholt hatte, fanden nicht weniger als fnfzehn Hieb-
und Stichwunden und zwei Knochenbrche an dem Unglcklichen, der trotz
aller angewandten rztlichen Sorgfalt am dritten Tage, in Folge des
vielen Blutverlustes den Geist aufgab. Groe Erbitterung herrscht hier
ber diesen Mord, dem in nicht langen Zwischenrumen bereits mehre
vorangegangen, und sobald sich nur erst Gelegenheit dazu findet, wird
Judge Lynch, glaube ich, auf tchtige Beschftigung rechnen knnen.

Der arme Schiffsjunge war noch sehr niedergeschlagen und fhlte sich
bang unter all den fremden Menschen hier, von denen keiner seine Sprache
kannte. Ein gutes Abendessen, das wir mit ihm theilten, ein Glas alten
Portwein aus unserm Reisekeller, so wie einige kleine Geldgeschenke
heiterten ihn inde ein wenig auf. Am andern Tage ward er nach Leon
abgeholt, um von dort ber Realejo auf einem englischen Schiffe in seine
Heimath befrdert zu werden.

Im Hause fanden sich nur zwei Gastbetten und davon war eines das
Todesbett des unglcklichen Capitains gewesen; die Strohmatte, aus
der hier einzig die Betten bestanden, starrte noch von den dunklen
Blutflecken des Ermordeten. Obschon ein solcher Umstand nicht eben die
Annehmlichkeiten eines Nachtlagers erhhet, sind doch 45 Miles zu Pferd
ein probates Mittel um alle etwaigen Bedenklichkeiten niederzuschlagen
und ich entschlummerte sanft, whrend Mr. Joseph ein Gleiches auf der
anderen Strohmatte that.

Gegen Morgen weckte mich ein Luftzug und ein seltsames Gerusch; die
Thre ins Freie stand auf, ich hrte an meinem Gepck zerren und ein
unbekanntes Etwas dumpf brummen. =En garde!= rief ich, und das Knacken
eines Pistolenhahnes gab mir vom Nachtlager meines Reisegefhrten
herber Antwort, wobei mir dieser zugleich zurief, ich mge schnell
Licht machen, er wolle die Thre vertheidigen. Die eintretende
Helle berzeugte uns jedoch, da der vermeintliche Spitzbube nur ein
friedliches Schwein war, welches, angelockt vom Geruche einiger schnen
Vogelblge, an meinen Satteltaschen herumzupfte, in welchen ich sie
verwahrt hatte. Ich war so grausam seinen Drang nach ornithologischen
Studien durch einige Hiebe zu dmpfen. Die dadurch erregte Heiterkeit
hatte allen Schlaf verscheucht; wir sattelten und machten uns auf den
Weg, um Leon wo mglich noch bei guter Zeit am Vormittage zu erreichen.

Ein seltsames Concert bildet noch in jedem Dorfe das fortwhrende
Geschrei der Hhne und das Bellen einer zahllosen Menge von Hunden, das
die ganze Nacht ununterbrochen fortdauert, als wollten letztere damit
gegen das alte Mhrchen, da die Hunde in diesen Tropenlndern stumm
wren, recht eindringlich protestiren. -- Eine hchst praktische
Schutzwehr der Hfe bilden hier die Cactushecken, welche sich
pallisadenartig, mit scharfen harten Stacheln besetzt, oft in einer
Hhe von 8 bis 10 Fu ringsherumziehen, und vorzglich zum Abhalten
der Jaguare geeignet sind, die sich hufig des Nachts zu ihrem Schmause
Hunde aus den Drfern holen.

Um 7 Uhr Morgens stiegen wir hinab in das herrliche Thal von Leon, das
an Schnheit wie an Fruchtbarkeit wohl kaum von irgend einem Lande
der Welt bertroffen werden kann. Ueberall wo nur der mindeste Flei
angewandt ist, lohnt sich derselbe im reichsten Mae. Dabei habe ich bis
jetzt noch nirgend gesehen, da die Cultur wirklich so zur Verschnerung
der Natur beitragen kann, wie eben hier, denn da die Felder meist 50-60
Acres betragen und sich dazwischen immer Gebsche und schngezeichnete
reiche Baumgruppen hinziehen, whrend dichte Waldung da und dort einen,
bald bunten, bald dunklen Hintergrund bildet, so wird dadurch die
angenehmste und zugleich malerischeste Abwechselung hervorgebracht.
Inmitten dieser groen Thalebene liegt Leon, mit seinen vielen Kirchen,
lieblich auf Hgelhngen an einem kleinen Flue, zwischen majesttischen
Baumparthien. Hier und da wiegen Cocospalmen, einzeln oder in Gruppen
ihre vom Morgenwinde bewegten Hupter auf zierlichen Stmmen; jenseits
der Stadt aber zieht sich die imposante Gebirgskette hin, auf welcher
fnf Vulkane fortwhrend Rauchsulen gleich gigantischen Stoseufzern,
gen Himmel senden, Kunde gebend von ihrer geheimnivollen Thtigkeit
tief im Schooe der Erde. Im Osten steht der Monotombo, ber 6000
Fu hoch, im Westen der Viejo, 5500 Fu hoch, als die gewaltigen
Strebefeiler dieser Riesenmauer, whrend der stille Ocean sich am fernen
Horizont als dunkelblaue Linie hinzieht.

Um 10 Uhr ritten wir in Leon ein und mit einem Hndedruck schied ich
von meinem liebenswrdigen Reisegefhrten, der seine Fahrt nach Realejo
fortsetzte. Ob wir uns je wiedersehen, wei Gott allein.




VI.

Freundliche Aufnahme in Leon. -- General Munnoz. -- Ein demthiger
Apostel Christi. -- Rckkehr nach Granada.


Ich fand fr mich, fr Diener und Thiere eine gastliche Aufnahme im
Hause des =Dr.= Livingston, eines sehr geachteten Arztes, dem ich
meine Depeschen, gleich einer Art von Empfehlungsbrief vom Pferde herab
berreichte. Ehe ich mir jedoch Ruhe vergnnte, machte ich mich auf,
gestiefelt, bespornt und staubbedeckt, wie ich war, vor allen Dingen
diese Depeschen abzugeben, die mir dringend ans Herz gelegt waren und
wozu ich noch besondere Veranlassung in den kriegerischen Gerchten
fand, welche berall laut wurden. Spter habe ich mich jedoch berzeugt,
da dergleichen hier eben nicht viel zu bedeuten hat. Man schreit und
zankt sich eine Weile herum, feuert, wenns hoch kommt, ein paar Dutzend
Flintenschsse ab, sperrt auch vielleicht hinterher einige Hauptschreier
auf krzere oder lngere Zeit ins Loch, dann ist alles vorbei, um in
einigen Monaten wieder von vorn anzufangen.

Von meinem Empfange bei der Regierung ist nicht viel zu sagen. Schon
vielfach ist das Lcherliche eines kleinen Staates, gleichviel ob
Republik oder Monarchie, ohne inneren Gehalt, ohne Macht und uern
Einflu, der sich aber gleichwohl das Ansehen und Gewicht eines greren
geben mchte, besprochen worden. Der Unterschied zwischen Washington
und Leon ist ungefhr dem eines Empfanges am Hofe von St. Petersburg
und eines in Bernburg zu vergleichen. General Munnoz, der eine Art
von Dictatorrolle spielt, war noch in Unter-Inexpressibles, warf aber
schnell ein kleines gelbes spanisches Mntelchen um, das wahrscheinlich
eine Art von Interimsuniform vorstellen sollte. Ich ward brigens
uerst freundlich und zuvorkommend aufgenommen und in mehren Husern
ward mir Wohnung und Unterhalt angeboten. Ich zog es jedoch vor da
zu bleiben, wo ich war, d.h. bei =Dr.= Livingston, wo ich mich einer
trefflichen Verpflegung und wahrhaft liebenswrdigen Umganges zu
erfreuen hatte.

Mein Zeichnen- und Maler-Material hatte ich in Granada zurckgelassen
und es drngte mich endlich an die Arbeit zu kommen, deshalb dachte ich
auf meine baldige Rckkehr dahin, auf welcher Rckreise =Dr.= Livingston
und Mr. Lane, ein zeitweilig hier lebender Amerikaner, mich begleiten
wollten.

Am Tage vor der Abreise sa ich mit letzterem eben vor der Thre, als
ein wohlbeleibter Prlat, in Begleitung seiner gewhnlichen Sauvegarde
von zwei Soldaten, auf seinem Ochsenkarren angeklingelt kam. Wir nahmen
ganz hflich die Hte ab, allein dies schien dem frommen Manne noch
keineswegs zu gengen, denn er sendete einen seiner Soldaten ab, der
uns zum Niederknieen nthigen sollte. Das kam uns denn doch ein wenig
allzuspanisch vor, zumal er ja nicht das Venerabile mit sich fhrte.
Als wir nicht schleunigst gehorchten, holte der Soldat aus, um Mr. Lane
einen Kolbensto zu versetzen. Ein chter Yankee versteht in diesem
Punkte nicht viel Spa und mein Gefhrte zog rasch eine jener
sechsschssigen New-Yorker Pistolen hervor, was auch mich veranlate
mein Bowiemesser ein wenig zu lften; beim Anblick unseres guten
Vertheidigungszustandes retirirte der Kriegsheld ber Hals und
Kopf hinter den Karren des Prlaten, der die Faust ballte und die
schrecklichsten Maledictionen auf uns herabdonnerte. Die ganze
Gesellschaft entfernte sich aber so eiligen Schrittes, als ein
Ochsengespann vermittelst Hieben fortzubringen ist. Mein Gefhrte
forderte mich auf sogleich mit ihm zum Prfekten zu gehen, wo wir
den zornentbrannten Prlaten bereits vorfanden. Der Mann des Gesetzes
gerieth durch unsere Gegendeposition so in Verlegenheit, da er die
ganze Sache, als nicht vor seinen Richterstuhl gehrig, von sich
wies. Der Amerikaner wandte sich nun mit seiner Beschwerde an den
Militaircommandanten, der den allzueifrigen Soldaten auf 24 Stunden ins
Loch sperren lie. Der arme Bursche dauerte mich, da er ja gar nicht
wute, wem er es eigentlich recht machen sollte, und erinnerte mich
lebhaft an jenen Rekruten in den fliegenden Blttern, der auf die Frage:
Was ist ein Soldat? die Antwort giebt: A armer geplagter Mensch!

Der Rckweg nach Granada bot nur den Unterschied, da ich einige
prachtvolle Arten von Vgeln sammelte, und einen recht einfltigen Mord
an einem armen Affen beging, der ein Kleines auf dem Rcken trug, was
ich leider vorher nicht bemerkt hatte. Ich nahm mich der hinterlassenen
Waise pflichtschuldigst an und pppele sie bis diesen Tag mit Milch und
Wasser weiter, bis sie im Stande sein wird, sich durch eigenes Ingenium
ihren Lebensunterhalt zu verschaffen. Eine ganz neue Erscheinung waren
fr mich die Quadusen, im Baue hnlich dem Hasen, doch mit krzeren
Ohren und Springfen und trippelnd wie der Dachshund.

Auch machte ich von Massaga aus dem Vulkane gleiches Namens einen
Besuch, um vorlufig einige Zeichnenstudien dieser eigenthmlichen
Naturbildungen zu nehmen. Ich htte sehr gewnscht ins Innere des
Hauptkraters hinabsteigen zu knnen, der mehre hchst interessante und
groteske Schwefelformationen enthalten soll; dies allein zu unternehmen
ward mir jedoch als eine absolute Unmglichkeit dringend widerrathen,
da ebensowohl die whrend der Regenzeit sehr hufigen und pltzlich
eintretenden Nebel den Weg ungemein erschweren, als auch die noch
fortwhrenden Entwickelungen von Schwefelwasserstoffdmpfen den einsamen
Wanderer leicht der Gefahr des Erstickens aussetzen. Auch htte ich
mein armes Pferd um keinen Preis ber die verglaste Schlackenmasse
hinweggeschunden und eben so unmglich war es, trotz aller Nachfragen
und Geldanerbietungen einen Fhrer und ein Maulthier zu erlangen.
Nichtsdestoweniger habe ich die Lavafelder so viel als mglich kreuz und
quer durchstrichen und auch einen kleineren Nebenkrater erklettert,
bis mich krperliche Erschpfung und meine total zerrissenen Schuhe zur
Rckkehr nthigten, habe auch, trotz der erschwerenden Umstnde einige
hchst interessante Studien zustandegebracht.

Das Durchwandern dieser den, und doch dabei an malerischen Schnheiten
so reichen Landschaft, gewhrte mir einen eigenthmlichen Reiz, dem ich
nicht Worte zu geben vermag.




VII.

Indigobereitung. -- Verfall des Landbaues. -- Schlimme Aussichten
fr Ansiedler. -- Gefhrliche Galanterie. -- Zunahme der rztlichen
Praxis. -- Einflu des Mondes. -- Selbsthlfe zu rechter Zeit.
-- Die Schwefelquellen von Tipitapa. -- Gefhrliche Begegnung. --
Kriegsanstalten. -- Militairische Exercitien.


Ihr habt mich zuletzt Anfang August 1851 auf der Rckreise von Leon nach
Granada verlassen, woselbst ich mein Malergerth und sonstige Effecten
in Verwahrung gelassen und nun endlich meinen Reisegefhrten, Mr.
_Squier_, selbst, oder doch wenigstens gewisse Nachricht ber die Zeit
seines Eintreffens vorzufinden hoffte. Da beides nicht der Fall war,
beschlo ich wenigstens, die Zeit zu fleiigen Arbeiten fr mein
Portefeuille und kleinern Ausflgen in der Umgegend zu benutzen.

Mein erster ging ber den Bergrcken, welcher Granada von Rivas trennt,
nach einer Hacienda des Don Emanuel B.........., die mir als eine
der vorzglichsten geschildert worden war, sowohl fr den Kaffee- und
Cacaobau, wie fr Erzeugung des Indigo, mir also die beste Gelegenheit
bot, mich ber den Betrieb des hiesigen Landbaues zu unterrichten. Ich
war in Begleitung eines so gebildeten wie liebenswrdigen jungen Mannes
aus Granada, Don Jose S.... Unser Weg fhrte theils durch herrliche
Wlder, theils durch angebautes Land, dessen Hauptproducte Indigo, Mais
und Bananen sind.

Ziemlich auf der Hhe eines kleinen Gebirgsrckens, etwa 8 Miles von
Granada, hatte ich die Freude, die Ueberreste eines wahrscheinlich
aztekischen Idols aufzufinden; obgleich nur aus geringem und weichem
Material gearbeitet und arg mitgenommen von der Witterung, wie von der
Zerstrungslust der Maulthiertreiber, die im Vorbeiziehen gern einen
Streich mit der Macheta (lange, schwertartige Messer, die zugleich als
Waffe und als einziges Hau- und Schneidewerkzeug dienen) gleich einem
alten Sndenbocke danach fhren, zeigte es doch noch deutlich die
nicht unschnen Proportionen und auffallende Aehnlichkeit mit den
flachstirnigen Physiognomien mexicanischer Monumente.

Mehrfach bemerkte ich unterwegs einen merkwrdig lauten Hall des
Hufschlages unserer Pferde, entweder von den Lavafeldern herrhrend,
ber die sich die wunderbar ppige Vegetation dieses Himmelsstriches
gebreitet, oder vielleicht auch von vulkanischen Hhlungen, die der
Erdoberflche ziemlich nahe liegen. Ich habe bis jetzt noch nirgends
eine so bedeutende Verstrkung und Weitertragung des Schalles vernommen
wie hier, am auffallendsten aber bei Besteigung eines etwa 10 Miles
von Granada liegenden Berges, der eine entzckende Fernsicht von den
Gebirgen von Leon bis hinab nach St.Carlos bietet und wo ich, zufllig
am Boden liegend, ganz deutlich Trommeln und Musik aus Granada vernahm,
whrend man stehend nichts davon hren konnte.

Rings um den Mombatch, den Hauptstock des Gebirges von Granada, dessen
eingestrzter, gewaltiger Krater von allen Seiten die malerischesten
Umrisse bietet, erheben sich eine Menge grerer und kleinerer
Hgel, theils noch jetzt fortwachsend, getrieben von der Gewalt des
unterirdischen Feuers, das einen derselben in den letzten vier Jahren
ber 30' gehoben hat, vielleicht aber doch nicht mehr Kraft genug
besitzt, um noch kleinere Nebenkrater zu bilden, wie sie sonst bei
Vulkanen mehr oder minder vorkommen.

Auf der erwhnten Hacienda, die wir gegen Abend auf den jetzt berall
durch den Regen grundlos gewordenen Wegen erreichten, ward uns eine
beraus gastliche und freundliche Aufnahme zu Theil, wie denn berhaupt
Gastfreundschaft die hervorragendste Tugend der Einwohner dieses Landes
ist.

Die Hacienda enthlt nebst einem ziemlich bedeutenden Viehstande eine
Pflanzung von etwa 12,000 Cacaobumen und eben so viel Kaffeebumen;
sehr groe Strecken waren mit den fr den Wirthschaftsbedarf nthigen
Mais und Bananen, hauptschlich aber mit Indigo bebaut, dessen
Fabrication mich am meisten interessirte. Bekanntlich ist der Indigo nur
ein Oxyd des durch Ghrung aus der Pflanze gezogenen und ursprnglich
grnen Saftes. Die Pflanze wird zu diesem Zwecke kurz ber der Wurzel
abgeschnitten, in groen gemauerten Bassins dicht aufgespeichert und das
Ganze unter Wasser gesetzt. Die darauf wirkende heie Sonne frbt das
mit dem Pflanzensafte geschwngerte Wasser bald grn, worauf es in
andere, tiefer liegende Behlter abgelassen, dort durch fortwhrendes
Rhren und Peitschen mit der Atmosphre in Contact gebracht wird und
so allmlig erst jene schne tiefblaue Farbe bekmmt. Das Umrhren wird
anderwrts gewhnlich durch einen Ochsengpel oder durch Wasserkraft
bewerkstelligt, hier aber durch eine Procedur, die einen wirklich
hchst possirlichen Anblick gewhrte, nmlich durch eine quer durch den
Behlter gehende, mit kurzen Stangen gespickte Holzwelle, in welcher
in der Mitte eine Art Schaukelbret angebracht ist, an dessen Enden zwei
Mnner sitzen, die durch abwechselndes Aufstehen und Niederkauern
die ganze Maschine, nach Art der Nrnberger Sgemnnchen, in Bewegung
setzen. Man kann kaum etwas Komischeres sehen, als diese hockenden,
schreienden, schwitzenden, oben kupferfarbigen und unten _echt_
indigogefrbten Indianer.

Die ganze Plantage war in frherer spanischer Zeit, aus welcher
berhaupt alle umfassenden Anlagen und bessern Einrichtungen herstammen,
mit groer Umsicht angelegt; weit ausgedehnte gemauerte Kanle brachten
das Wasser nach allen Theilen der in geordneten Reihen stehenden
Pflanzung. Fortwhrende Revolutionen, deren ungefhr aller drei bis
vier Jahre eine ist und durch welche jedesmal die Reichern durch
Contributionen arg geschrpft werden, haben das Vermgen der Besitzer
sehr heruntergebracht; die Kanle sind verschlammt, die Indigofelder
voller Unkraut, in traurigem, wstem Zustande, der nur eben so weit
bewltigt wird, um nicht Alles ganz einschlafen zu lassen.

Traurige Zustnde, denen allein durch eine recht gesunde, krftige
Einwanderung abgeholfen werden knnte, wozu aber wiederum nur eben
solche Leute tauglich wren, welche sich zuvor in den Vereinigten
Staaten die Hrner ein wenig abgelaufen und dort erst gelernt htten,
wie man sich in fremdem Lande am besten organisirt und seine Krfte
anwenden mu, um die mehrsten Krner aus seinem Weizen zu dreschen.
Solche aber, welche direct aus Deutschland herberkommen und etwa
meinen, es wrden ihnen bei nur geringer Mhe die gebratenen Tauben in
den Mund fliegen, werden hier wahrlich schlechte Rechnung finden. Doch
hierber werde ich mir am Schlusse meiner Reiseberichte noch einige
besondere Gesammtbemerkungen erlauben.

Einige landesbliche Galanterien sind hier doch solcher Art, da der
nicht eingewohnte Europer sich dagegen bei Zeiten verwahren mu, wenn
er nicht, wie ich, die blen Folgen verschmecken will. Die jungen Damen
vom Hause hatten die Artigkeit gehabt, mir zur Nacht eine mchtige
Schale voll Jasmin unters Bett zu stellen. So gut gemeint dies auch war
und vermuthlich eine landesbliche Sitte gegen Gste, hatte es doch zur
Folge, da mein armer Kopf mir andern Tages noch viermal so dick und
schwer, als gewhnlich vorkam. Ich empfehle meinen Nachfolgern also
nicht blos _Vor_-, sondern auch _Unter_sicht beim Zubettgehen!

Aber nicht nur in Bezug auf Land und Leute, sondern auch an mir selbst
habe ich Entdeckungen gemacht, die Euch in Erstaunen setzen werden. Wie
Ihr wit, hatte mein trefflicher Freund, =Dr.= _Gescheidt_ in New-York,
mich beim Antritte meiner Reise mit einem kleinen chirurgischen Besteck,
Anleitung zum Aderlassen, sowie einigen allgemeinen medicinischen Regeln
ausstaffirt. Schon whrend der Fahrt auf dem St.Juan-River hatte ich
Gelegenheit gehabt, von ersterm verdienstliche Anwendung zu machen. Hier
aber sollte ich in noch ganz andere Versuchung gefhrt werden.

Der alte Herr, dessen Gastfreundschaft ich geno, von Umfang des Leibes
ziemlich einem Falstaff gleich, befand sich am Abend sehr bel und
wollte guten Rath von mir. Solchen nicht geben, heit hier sehr
unhflich sein, denn selbst Demosthenes wrde diese braven Leutchen
nicht berzeugt haben, da ein Europer (zumal ein Deutscher) und ein
Doctor nicht ganz identisch seien. Zum Glck war der Fall ziemlich
einfach, da der Hauptgrund der Krankheit augenscheinlich in tglich
fnfzehn- bis achtzehnstndigem Schlaf im Hammock und etlichen
Tagesmahlzeiten = proportion= seines Leibesumfanges lag. Nach
Pulsfhlen und gewichtigem Fingerandienaselegen verabreichte ich ihm
eine gehrige Dosis meiner prchtigen Alopillen, die, wenn sie nichts
ntzten, doch auch nicht schaden konnten, machte ihn aber aufmerksam,
ja nicht zu Nacht zu speisen, was jedoch eine unmglich zu befolgende
Vorschrift war, weil der gute alte Papa eine mrderliche Angst hatte,
in diesem Falle ber Nacht Hungers zu sterben. Zwei Becher gewrzter
Chocolade mute ich also =nolens volens= concediren. Trotzdem war der
Zustand des Patienten am andern Morgen bedeutend besser, da die Pillen
ihre bekannte Eigenschaft krftigst bethtigt hatten, und ich empfing
von der gesammten Familie die feierliche Versicherung, da ich ein
groer Doctor sei -- was denn doch in der That eine nagelneue Entdeckung
genannt werden kann!

Am Tage darauf kam jedoch ein bedenklicherer Fall: ein Knecht war von
einem Maulthiere an den Schlaf geschlagen worden und lag fr todt da.
Natrlich sollte und mute der =Sennor e'strangero= da wieder Rath
schaffen. Ich sprte noch einige Lebenszeichen an ihm und verfuhr nun
flugs wie der gute =Dr.= de Montegre mit mir vor vier Jahren in Paris
verfahren, als ich jenen unfreiwilligen Purzelbaum von 44' Hhe vom
Gerste herab gemacht hatte, d.h. ich lie dem Scheintodten von mehrern
Personen zugleich die Hnde und Fe mit ganz heiem Wasser waschen,
bis ich wieder Pulsschlge fhlte, worauf ich ihm eine Ader ffnete,
und hatte die Freude, ihn bald wieder bei voller Besinnung zu sehen. Die
Moral der Sache ist, da etwa hierher pilgernde Landschaftsmaler sich
darauf gefat machen mssen, nebst ihrer Kunst auch noch ganz andere
Knste zu ben. Dergleichen Kopfste scheinen brigens hier etwas sehr
Gewhnliches zu sein, denn besagtes Individuum ward wenigstens, auer
jener kurzen Gefahr, eine Reise in den Himmel zu machen, weiter nicht
sehr von den Nachwehen belstigt, und hlste schon am Nachmittage ganz
gemthlich und zu meiner groen Freude Cacao aus, denn ich habe eine
wahre Heidenangst, da meine wider Willen ausgebte Doctorpraxis mich
einmal recht ordentlich in die Klemme bringt, wo die gute Absicht einen
kaum ausreichenden Trostgrund fr angerichtetes Uebel gewhren drfte.

Auch die in der tropischen Zone so heftigen Einflsse des Mondes wie der
Sonne habe ich einige Zeit darauf an mir selbst erfahren. Von ersterem,
als ich eine Nacht so lag, da die Strahlen des Mondes eine Zeitlang auf
mein Gesicht schienen. Nach lebhaften, ngstigenden Trumen, von denen
mich doch sonst mein gesunder Schlaf nach krperlicher Ermdung immer
frei lt, erwachte ich mit beraus heftigem, nervsem Kopfschmerz, der
den ganzen folgenden Tag anhielt und meine ganze, vom Monde beschienene
Gesichtshlfte dick aufschwellte.

Schlimmer bekam mir die andere Erfahrung in Bezug auf die Sonne, die
mglicherweise sogar den Grund zu der bsen Krankheit gelegt haben kann,
die mich bald darauf befiel. Ich hatte =Dr.= _Livingston_ wieder
ein Stck nach Leon zurckbegleitet, um spter von dieser himmlisch
gelegenen Stadt aus meine Malerexcursionen vorzunehmen; vorher aber
wollte ich trotz des Abmahnens allein den heien Schwefelquellen von
Tipi-Tapa und dem Vulkane von Massaga einen Besuch abstatten. Von
Managua aus fhrt der Weg ber die groe Ebene, welche die Seen von
Granada und Managua trennt, theils durch herrlichen, hochstmmigen Wald,
theils durch baumloses Sumpfland. Die Sonne brannte hei hernieder
auf den einsamen Wanderer, das 5 bis 6 Fu hohe Schilf gewhrte keinen
Schutz gegen die senkrechten Strahlen, und die Sumpfluft lag bleiern
ber der lautlosen Landschaft. Ro und Reiter trieften von Schwei
und suchten vergebens nach erquickendem Schatten und Wasser. Mir ward
pltzlich so schwindlich und unwohl, da ich mich nicht mehr im Sattel
zu halten vermochte und, da ich die Ursache meines Uebelbefindens
errieth und allenfalls noch Bewutsein genug hatte, um meinen Rock
abzustreifen und meine Lanzette hervorzuholen, so versuchte ich hier zum
ersten Male meine Kunst an mir selbst und ffnete mir eine Ader. Nach
einiger Zeit erwachte ich wieder aus der Ohnmacht, in die ich verfallen
war, hatte starken Blutverlust gehabt, fhlte mich aber auch sehr
erleichtert dadurch. Mein Schimmel dachte nicht ans Fortlaufen, sondern
beschnoperte neugierig bald mich, bald die Blutpftze. Ich band mir das
Taschentuch so fest ich konnte, um den Arm und kletterte mhsam auf's
Pferd, konnte aber diesen Tag vor Mattigkeit Tipi-Tapa nicht mehr
erreichen, sondern mute in einer kleinen Hacienda bernachten, wo mein
armes Pferd, da kein Futter vorhanden war, sich das seinige selbst im
=Protero= (Weideplatz) suchen mute, der noch dazu ber eine englische
Meile entlegen war. Dieser letztere Uebelstand tritt sehr oft ein und
deshalb bringt jede Reise die Thiere sehr herunter, besonders wenn man
schwer laden mu, wie ich es genthigt war, da ich bei solchen kleineren
Excursionen aus conomischen Grnden weder Diener noch Packthier bei mir
habe.

Nachdem ich mich bei dem gutmthigen Besitzer der Hacienda einen Tag
ausgeruht, riskirte ich, trotz der erhaltenen Witzigung, noch einen
Besuch der Schwefelquellen von Tipi-Tapa, welche ungefhr eine Meile vom
genannten Flecken, an der Stelle liegen, wo der Rio di Tipi-Tapa (ein
Ausflu des Sees von Managua) sich zwischen groen Felsbrocken verliert.

Die strkste dieser Quellen erhebt sich inmitten eines, theils
sumpfigen, theils mit Steingerlle gefllten flachen Kessels aus einem,
durch Niederschlag der das Wasser sttigenden Mineralien gebildeten
Hgelchen von acht bis zehn Fu Hhe. Das Wasser quillt ganz siedend
hervor und entwickelt eine Menge von Schwefelwasserstoffdmpfen,
die mich, als ich beim Losbrechen und Sammeln einzelner Stcken des
Niederschlages etwas zu lange verweilte, ganz schwindlich machten.
Ich befrchtete eine Rckkehr des vorerwhnten Ohnmachtanfalles und
entfernte mich so schnell als ich vermochte. Es ging auch bald vorber,
als ich nach einiger Zeit in freiere Luft kam, und ein Fubad in dem
etwas weiter entfernten abgekhlten Wasser wirkte besonders wohlthtig
auf mich.

Eine zweite heie Schwefelquelle entspringt inmitten eines kleinen
Teiches von ganz kaltem Wasser, wie dies auch bei den Liparischen
Inseln an der Kste Siciliens gefunden wird, und noch mehre andere,
von minderer Bedeutung, nicht weit davon. Alle diese Quellen enthalten
augenscheinlich eine groe Menge Schwefel, Kochsalz, sowie einige
andere krftige Substanzen, und werden dereinst einmal, wenn erst eine
zahlreichere und betriebsamere Bevlkerung das Land etwas empor gebracht
haben werden, gewi eine sehr besuchte Heilquelle bilden, und einen
nicht weniger bedeutenden Exportartikel liefern.

In Folge dieser beiden eigenen Erlebnisse kann ich alle, mir etwa
nachfolgenden Reisenden, zumal so lange sie sich noch nicht vllig an
das hiesige Klima gewhnt haben, nicht dringend genug warnen, selbst
kleinere derartige Ausflge niemals allein zu unternehmen.

Als ich Tags darauf auf meinem Rckwege durch einen Wald ber eine Art
von Kreuzweg kam, riefen mir von der Seite drei Berittene, mit Lanzen
bewaffnet, ein grimmiges Halt! zu; ich versprte jedoch nicht
sonderlich viel Lust mich mit ihnen in nhere Expectorationen
einzulassen, und als einer davon mit erneutem Rufe ein Pistol aus der
Halfter zog, nahm ich, so miserabel und unkriegerisch mir auch noch zu
Muthe war, meine getreue Bchse herauf, was die drei Helden, zu meiner
groen Befriedigung, bewog, Kehrt zu machen und sich nicht weiter um
mich zu bekmmern. Ich erfuhr bald darauf, da es der Vorposten eines,
in Managua garnisonirenden, etwa 300 Mann starken Corps der Granadiner
Reichsarmee war, welche zum bevorstehenden Kampfe mit den Leonesern
zusammengezogen wird.

Ihr mt nmlich wissen, da seit etwa zwei Wochen wiederum eine neue
Revolution sammt allen Grueln des Brgerkrieges im Anzuge ist, ohne
da ich selbst bis jetzt viel davon bemerkt hatte. Die respectiven
Regierungen von Granada und Leon haben einen Aufruf an alle waffenfhige
Brger erlassen, zur Rettung des Vaterlandes herbeizueilen, welcher
Aufruf jedoch, wenigstens auf Seite der Granadiner, eben keinen
absonderlichen Enthusiasmus erregt zu haben scheint. Eine Abtheilung
dieser barfigen Prtorianer liegt, wie gesagt, in Managua,
grtentheils mit Flinten bewaffnet, von denen die eine keinen
Ladestock, die andere kein Bajonett, die dritte sogar kein Schlo hat,
sehr viele davon aber wohl beim ersten Schu springen werden. Dieses
Corps steht unter dem Commando eines Generals, der sich in besseren
friedlichen Zeiten damit beschftigt, verdorbene Uhren noch mehr zu
verderben.

Auf der Durchreise ward mir das Glck zu Theil, diese tapferen Spartaner
manvriren und exerciren zu sehen. In Erwartung nmlich, da der Feind
kommen werde, laufen die Helden einstweilen tglich einige Stunden,
einer hinter dem andern, rings um den gerumigen Marktplatz herum,
wozu abwechselnd auf einer faartigen, von zwei Mann getragenen groen
Trommel, oder auf zwei kleinen bereinandergebundenen, Tambourins
gleichenden Trmmelchen tapfer darauf losgepaukt wird. Auch
Festungswerke hat man errichtet, wenn man nmlich einige, 4 Fu hohe,
einen Fu dicke Muerchen aus Luftziegeln und von Holzkltzen und Balken
gesttzt, mit diesem Titel beehren will. Auf der Gegenpartei mag es
wohl auch nicht viel besser aussehen, und so stehen sich denn die Lwen
kampfgerstet einander gegenber.

Der Hauptkern dieser ewig wiederkehrenden Katzbalgereien, die das arme
Land nur aussaugen und keinen gedeihlichen Zustand zur Blthe kommen
lassen, beruht auf einem individuellen Streite der Machthaber von Leon
und Granada, und diesmal scheint mir die Granadiner Partei insofern im
Rechte zu sein, als sie einen, meiner Ansicht nach, ganz vernnftigen
Zusammentritt zu einer greren Fderativrepublik zum Feldgeschrei
haben, whrend die Leoneser eine Art von Sonderbndelei im Schilde
fhren, aus der natrlich immer wieder neuer Same der Zwietracht
erwachsen mu. Das Seltsamste dabei ist aber, da die ganze Sache
sich eigentlich nur um das Privatinteresse von etwa einem Dutzend
tonangebender Personen dreht, die Hauptmasse der Bevlkerung derselben
ziemlich fremd bleibt und nur insofern Interesse daran hat, als sie
immer wieder das blutende Opfer dieser Kmpfe werden mu; von wahrem
Patriotismus, freudiger Hingebung an das allgemeine Wohl des Vaterlandes
habe ich aber verwnscht wenig bemerkt, trotzdem die Leute derlei
pomphafte Reden ewig im Munde fhren.

Solche Wahrnehmungen, so viel sie auch zur Erweiterung meiner Welt- und
Menschenkenntni beitragen, betrben doch recht herzlich in einem Alter,
das noch fr allerhand schne und ideale Illusionen empfnglich ist.
Hat man auch endlich hier und da noch einige edle Zge entdeckt, so
schrumpfen bei nherer Prfung auch davon noch die meisten zu einer
gedrrten Frucht zusammen, die sich nur das Ansehen einer frischen zu
geben strebt. So jung ich auch noch bin und so wenig Welterfahrung ich
auch in dieser Hinsicht noch gesammelt, ist mir doch der Appetit nach
mehren schon ziemlich vergangen.




VIII.

Der geendigte Krieg in Nicaragua. -- Aufregung in Granada. --
Unangenehme Conflicte. -- Meeting in Massaga. -- Hauptquartier
in Managua. -- Don Fruto Chamorro. -- Gefecht von Nagarote.
-- Erkrankung. -- Gefecht von Chinandega. -- Miverhltni der
Streitkrfte. -- Vertrag von Posolteja. -- Treubruch des Generals
Lopez. -- Ehrenhaftes Benehmen des amerikanischen Gesandten. --
Traurige Aussichten.


  Leon, d. 1. December 1851.

So widerlich und betrbend fr den Menschenfreund auch das seit meinem
letzten Berichte hier zu Ende gefhrte Drama ist, kann ich mich doch
nicht enthalten Euch das schmachvolle Ende dieses neuesten zahmen
Revolutionskampfes von Nicaragua zu schildern. Ich will eine mglichst
ausfhrliche und getreue Darstellung der letzten Ereignisse versuchen,
einmal, weil, soviel ich wei, keine der bisherigen Correspondenzen in
amerikanischen Blttern frei von Irrthmern war, was seinen natrlichen
Grund darin hat, da keine dieser Correspondenzen von Leon aus erfolgte,
wo die Haupttragdie -- oder Comdie, wie man es nehmen will -- gespielt
hat und hier zu Lande, wie anderwrts, jede Meile ein wenig an der
Nachricht verndert, so da eine Mosquitofliege, welche in den Straen
von Leon ausfliegt, schon in Granada als ein zweikpfiger Drache anlangt
und bis St.Juan zu einem Monstrum mit hundert Kpfen und tausend Armen
anschwillt.

Nebstdem vermag aber auch nichts einen deutlicheren Begriff der
hiesigen unglckseligen Landesverhltnisse zu geben, als eine schlichte
Darstellung solcher Ereignisse, die sich schon so oft in gleicher
Weise wiederholt haben und noch wiederholen werden, mit dem einzigen
Unterschiede, da dann immer andere Hauptacteurs figuriren; die
Hauptsache bleibt aber dieselbe.

Meine letzte (dritte) Reise von hier nach Granada und zurck, um einen
meiner Creditbriefe in klingende Mnze zu verwandeln, so wie eine
zufllige Unterhaltung mit dem eben zurckgekehrten Prsidenten Pineta,
der mir aber zu jener Zeit noch unbekannt war, in Massaga, erlauben
mir die genaueste Auskunft ber das zu geben, was sich auf Seite der
Granadiner zutrug. In Betreff der Leoneser Partei setzen mich die
detaillirsten Mittheilungen eines, zur Zeit hier noch residirenden,
hchst achtbaren Amerikaners, dessen verantwortliche Stellung mir jedoch
die Nennung seines Namens verbietet, der aber von allen Vorfllen auf
das Genaueste unterrichtet ist, in den Stand auch dasjenige zu berichten
was sich zutrug, als ein hitziges Fieber mich ans Bett fesselte und
somit verhinderte, Augenzeuge der Vorflle zwischen dem General Lopez
von Honduras und dem Leoneser General Munoz zu werden. Endlich aber
berzeugten mich mehre Unterhaltungen mit dem Minister Chicodilla,
welcher fast tglich das Haus meines gtigen Wirthes und Pflegers, des
=Dr.= Livingston besuchte, von der vollkommenen Richtigkeit aller jener
Mittheilungen.

Ich bergehe meine letzte Hinreise nach Granada, die den frher schon
beschriebenen gleich war, bis auf den Umstand, da ich diesmal meinen
Weg ber Tamarinta-Bay nahm, welche ich jedoch nur in der Entfernung
einer (engl.) Meile zu Gesicht bekam, da der Sumpfboden, in welchem mein
armes Pferd bis an den Sattelgurt versank, mir nicht verstattete, nher
hinan zu gelangen. Dieser Abstecher brachte mir nebenbei auch noch das
Vergngen einer schlaflosen und hchst qualvollen Nacht ein, in der ich
von Mosquitos und Sandfliegen, -- das allerlstigste Insect von der Welt
-- beinahe aufgefressen worden wre.

Am Tage, oder richtiger am Abend, wo ich Granada wieder verlie, war die
Stadt aus zweierlei Anla in lebhafter Aufregung. Zuerst war frh 9 Uhr
die Nachricht eingetroffen, da der vertriebene Prsident Pineta aus
seiner Verbannung ber Segovia und Tipitapa eintreffen werde, infolge
dessen jedermnniglich und weibiglich sein Haus aufs Beste mit Fahnen,
Teppichen und Blumen zu schmcken bemht gewesen war. Diese Freude
der Granadiner ward jedoch unangenehm durch den blinden Lrm gestrt,
Colonel Mac-Claen sei mit einer groen Anzahl Amerikaner in St.Juan del
Sur den Leonesern zu Hlfe gekommen und rcke mit Heeresmacht heran, um
Granada zu bedrohen. Da diese letzte Nachricht vllig unwahr, wute
ich sehr wohl, denn noch bevor ich Leon verlie war besagter Colonel
mit nicht mehr als 14 Mann amerikanische Freiwillige dort eingetroffen,
welche Heeresmacht noch durch etliche Zulufer bis zu einer sehr
schwachen Compagnie angewachsen war, die Mac-Claen eben noch mglichst
einzuexerziren sich abmhete.

Es hatte sich in Granada, Gott wei aus welchem Grunde und auf welchem
Wege, das Gercht verbreitet, ich sei Trger einer bedeutenden Geldsumme
fr Munoz, welche seine Freunde in Granada ihm zusendeten. -- Du lieber
Himmel! als ob ein armer reisender Maler berhaupt jemals Trger einer
bedeutenden Geldsumme sein knnte? -- und als ich die Plaza passirte,
ward ich vom Pfeifen und Schreien der Menge begleitet, whrend ein
junger, ziemlich anstndig gekleideter Mensch sogar unverschmt genug
war, mich auf englisch zu insultiren und mich als Parteignger Munoz
bezeichnete, den man anhalten, das Pferd wegnehmen msse und endlich
gar das Wort Scoundrel (Schurke) gebrauchte. Wer ein gut Gewissen
hat, braucht sich nicht schimpfen zu lassen, dachte ich, wendete
augenblicklich mein Pferd und zog, auf den Laffen losgaloppirend, den
Ladestock meiner Bchse, um ihm die verdiente Zchtigung angedeihen zu
lassen; er flchtete sich aber in ein Haus, durch dessen verschlossene
Thr ich ihm freilich nicht folgen konnte, was mir fr den Moment um
so lieber war, als die spte Tagesstunde, so wie ein heraufziehendes
schweres Gewitter mich zur Eile antrieb; treffe ich aber den Burschen
jemals wieder, so drfte unsere Begegnung zur Folge haben, da ich mir
einen neuen Ladestock anschaffen mte.

Ich wnschte noch vor spter Nacht Massaga zu erreichen und legte die
5 Leguas, durch den unaufhrlichen Regen bodenlos gewordenen Weges bis
dahin so schnell wie mglich und mit all der Vorsicht zurck, die eine
Vedette in Feindesland anwendet, denn nach den gemachten Erfahrungen
mute ich jeden Augenblick gewrtig sein, den Pfeil eines Meuchelmrders
aus dem Dickicht schwirren zu hren. Nichts der Art trug sich indessen
zu und gegen 10 Uhr Abends ritt ich in das Gehft einer bekannten
Familie ein, bei der ich schon zweimal bernachtet hatte.

Ich fand in diesem Hause, wo ich sonst nie einen Mann, auer dem
Besitzer, getroffen hatte, eine Versammlung von zehn bis zwlf Mnnern
vor, von denen einer, ein hochgewachsener hellugiger Mann mit blondem
oder grauem Haare, -- wegen mangelhafter Beleuchtung konnte ich den
Zweifel nicht lsen -- der gutmthig in die Welt hinausblickte, el
Sennor Directore genannt wurde. Ich war zu sehr mit dem Gedanken
an meine Weiterreise mitten durch die, einander feindlich
gegenberstehenden Heere, so wie mit der Befriedigung meines Appetits
beschftigt, um der Unterhaltung dieser Gesellschaft absonderliche
Aufmerksamkeit zu schenken; allein auf einige an mich gerichtete Fragen
ber Zweck und Endpunkt meiner Reise, so wie um meine Meinung ber das
Land, die Revolution und die Stimmung der Fremden, antwortete ich frank
und frei, ohne mir ein Blttchen vor den Mund zu nehmen, so da ich
sicher war, verstanden zu werden. Zudem sorgte auch noch ein junger
Mann, Namens Rivas, dafr, aus einer der angesehensten Familien
Massagas, der gelufig englisch und franzsisch sprach und meinen
Dollmetscher machte. Auf meine Aeuerungen der Entrstung: da in einem
kleinen Lande wie Nicaragua, das man selbst auf der grten Specialkarte
bequem mit der Hand bedecken knne und dennoch zwanzigmal mehr
Flchenraum habe als zum Unterhalte seiner Bewohner nthig, die Menschen
nicht einmal in Ruhe und Frieden mit einander leben knnten, lachte
jener blondgraue Herr recht aus vollem Herzen und schnitt dazu ein
Gesicht wie mein Schimmel, wenn ich ihm die Schssel voll sen Mais
vorhalte.

Ohne weitere Abenteuer langte ich andern Tages bei guter Zeit in Managua
an, wo man mich nach meinem Pa vom Prfecten von Granada fragte und
mich auf meine verneinende Antwort an den commandirenden General Don
Fruto Chamorro verwies. Ich war vortrefflich mit doppelten Pssen
versehen, einen vom Ministerium in Washington und einen zweiten von
Sennor Don Marcoleta, spanischer Gesandter bei der Regierung der
Vereinsstaaten und den Staaten von Central-Amerika, dachte mithin nicht
im mindesten daran, umzukehren.

Nachdem ich mich und mein Ro erst mit einigem Imbi gestrkt, ritt
ich straks vor Don Fruto's Hauptquartier. Es wimmelte von Officieren,
Ordonnanzen und Soldaten aller Waffen, wohl ihrer hundert, kurz einem
Generalstabe, mit dem sich eine Armee von 50,000 Mann allenfalls
htte begngen knnen. Das erste Beginnen dieser Helden war, mich zu
entwaffnen, ja einer schnallte mir sogar die Sporen ab, whrend zwei
Andere mein Pferd hielten. Ein Officier bezeigte sogar Lust, Hand an
mein Toledoschwert zu legen, was ich jedoch fest entschlossen war nicht
_auf_-, sondern dem dreisten Menschen eines damit _ber_ den Kopf zu
geben, als Don Fruto's Dazwischenkunft noch bei Zeiten alle weiteren
Gewaltthtigkeiten verhinderte, bei denen meine Wenigkeit am Ende doch
wohl den Krzeren gezogen haben drfte. Da ich aber nun einmal auf hohem
Pferde sa, lie ich ihm einige sehr scharfe Redensarten verschmecken,
worauf er, wie ich nicht anders erwartet hatte, sein Visa ohne weiteres
Zgern unter meine Psse setzte.

Auf halbem Wege zur nchsten Station (Mitiares) begegnete mir ein
Officier in groer Hast und Eile und von uerst mrrischem Ansehen;
im Dorfe selbst angelangt, welches der letzte befestigte Posten der
Granadiner war, fand ich etwa 200 bis 250 Mann, ganz entkrftet, mit bei
Seite geworfenen Waffen berall schlafend umherliegen, whrend von Zeit
zu Zeit immer noch Andere vereinzelt und eben so erschpft anlangten. Am
Ausgange des Dorfes erfuhr ich die Ursache hiervon. In vergangener Nacht
war ein vorgeschobenes Corps von 350 Mann im Dorfe Nagarote von den
Leonesern pltzlich mit groem Ungestm angegriffen und in die Flucht
geschlagen worden. Genauere Details konnte ich zur Zeit nicht erfahren,
auer da ein Colonel Silaga -- auch Cachirullo genannt -- durch einen
Lanzenstich getdtet worden sei, was mich aufrichtig betrbte, denn
ich war schon bei meiner ersten Anwesenheit in Leon mit diesem Colonel
persnlich bekannt und befreundet worden und hatte ihn als braven,
gebildeten Officier und auch sonst um Vieles hher schtzen lernen, als
einen groen Theil seiner Landsleute.

Bis Abends 7 Uhr begegnete ich noch Nachzglern, theils einzeln, theils
in kleinen Trupps, theils mit, theils ohne Waffen, theils auf der
Heerstrae einherschwankend, theils aus dem Walde kommend, wohin sie
sich in ihrem Schrecken geflchtet hatten.

Tief in der Nacht und triefend von Regen langte ich in Nagarote an; am
Eingange des Dorfes lagen einige getdtete Pferde und die Bewohner waren
noch so voller Schrecken ber die letzte Affaire, da ich nur erst,
nachdem man meine von frherher noch bekannte Stimme wieder erkannt
hatte, Einla ins Wirthshaus erhielt.

Dies waren die einzigen persnlichen Rencontres, die ich mit den Heeren
der kriegfhrenden Mchte von Central-Amerika zu bestehen hatte, und
aller Wahrscheinlichkeit nach waren es diese Vorflle, aus denen der
Correspondent eines New-Yorker Blattes die grausenhafte Geschichte
meiner Gefangennehmung und tdtlichen Verwundung zusammengeschmiedet
hatte, die Euch, Ihr Lieben, leider in so groe Sorge und Angst um mich
versetzte. Die Mnchhausiade sei ihm in Gnaden verziehen.

In Leon, das ich am andern Morgen ohne weitere Fhrlichkeiten erreichte,
erfuhr ich erst die genaueren Details ber jenes Gefecht von Nagarote.
Dreiig Mann Infanterie, ungefhr eben so viele Cavalleristen und etwa
ein Dutzend amerikanischer Scharfschtzen waren unter Befehl des Colonel
Silaga auf eine Recognoscirung detachirt worden und stieen unvermuthet
auf den Feind. Als die Vorposten feuerten, ging's gleich mit Hurrah und
Halloh drauf los, und da die Dunkelheit die geringe Anzahl der Leoneser
verbarg, so brachte der erste entschiedene Angriff eine eben so
entschiedene Niederlage hervor und die Granadiner liefen nach allen
Seiten davon, wie ich noch selbst hatte sehen knnen, und so wild war
die Flucht gewesen, da mehre Armee-Papiere, Geld, Effecten und die
ganze Bagage der Officiere, insoweit dieselben dergleichen hatten, in
die Hnde der Leoneser fielen. Noch am Morgen nach dem Gefechte wurden
von den Dorfbewohnern fnf Granadiner aus einem flachen Brunnen gezogen,
wohinein sie in der Todesangst gesprungen waren.

Doch genug der Thaten der zerlumpten Helden. Ich war, wie gesagt,
glcklich und wohlbehalten in Leon angekommen, mute aber gleich nach
meiner Ankunft den nur aufgeschobenen Tribut der Acclimatisation zahlen,
indem ich in ein hitziges Fieber verfiel, das mich ber vierzehn Tage
ans Bett fesselte und mich sehr von Krften brachte; nur durch die
grte Schonung, treffliche Pflege in =Dr.= Livingston's gastfreiem
Hause, gute Nahrung, Porter u.s.w. kam ich nach und nach wieder auf.
Whrend dieser Zeit war die Entwickelung des traurigen Possenspiels in
folgender Weise vor sich gegangen:

Am 4. November war eine Escolta von fnfundzwanzig Infanteristen und
fnfundzwanzig Cavalleristen nach Chinandega, einer kleinen Stadt
von circa 10,000 Einwohnern, halbwegs zwischen hier und der Kste des
Pacific gelegen, entsendet worden, um eine Geldcontribution zu erheben.
Commandant des kleinen Trupps war Major SilagaII., Bruder jenes
erstgenannten Colonel Silaga, der brigens nicht in jenem Gefechte von
Nagarote geblieben war, sondern nur drei leichte Wunden davon getragen
hatte. Dieser Leoneser Trupp war bereits bis auf die Plaza von
Chinandega vorgerckt, mit Befremden nur durch leere Straen
marschirend, als er pltzlich von allen Seiten mit einem mrderischen
Feuer begrt ward. Es waren dies Hondurenser Truppen, welchen Staat
Granada fr sich zu gewinnen gewut hatte, unter Commando des Generals
Lopez, begleitet von dem Minister Chicodilla von Nicaragua, welcher mit
dem Prsidenten Pineta die Verbannung getheilt hatte. Schon einige Zeit
vorher hatte das Gercht vom Abfall Honduras und vom Eintreffen dieser
Truppen in Leon circulirt, Niemand hatte aber recht daran glauben
wollen.

Ein kurz zuvor eingetretener Regensturm hatte zum Unglcke der Leoneser
Truppen auf dem Marsche den grten Theil ihrer Munition durchnt; die
Uebermacht nicht beachtend commandirte Major Silaga dennoch muthig zum
Angriff und warf den Feind auch wirklich fnf Straen weit zurck, ber
einen kleinen Flu. Hier aber ward er mit solcher Heftigkeit von drei
Seiten angegriffen, da er nicht lnger Stand zu halten vermochte;
nachdem jeder seiner Leute die wenigen etwa noch trocken gebliebenen
Patronen bis auf die letzte verschossen hatte, zerstreuten sie sich und
suchten einzeln, so gut sie konnten, sich einen Ausweg zu bahnen. Der
Major Silaga und sein Adjutant, denen beiden die Pferde unter dem Leibe
getdtet worden waren, muten zu Fu den Weg bis Chichigalpa suchen, an
welchem Orte sie so glcklich waren frische Pferde zu erlangen. Von der
ganzen Escolta trafen im Laufe der nchsten Tage noch 26 Mann, ohne ihre
Officiere, ein; etwa 12 Todte waren auf dem Platze geblieben, worunter
die Mrs. Bradburry und Lane. Das Huflein erreichte glcklich Leon
auf weitem Umwege ber Realejo. Feindlicher Seits waren bedeutend mehr
geblieben. Im Ganzen sollen sich jedoch die Hondurenser, obschon ihnen
ihre groe Ueberzahl zu statten kam, immer noch besser geschlagen haben,
als die Granadiner Helden.

Der General Munoz sah nach diesem Gefechte ein, da die neuesten
zuverlssigen Nachrichten ber die nummerische Strke des Feindes ihm
ein sehr zweifelhaftes Resultat in Aussicht stellten. Die Granadiner
zhlten, die allerdings nur schwachen Garnisonen von Granada, Rivas,
St.Juan del Sur, Matagalpa nicht mit eingerechnet, ber 1100 Mann,
wovon ein groer Theil zuletzt noch in aller Eil ganz gut mit Uncle
Sams Musqueten bewaffnet worden war, die Mr. White als Preis seines
nichtswrdigen Monopols erschachert hatte; dazu die Hondurenser,
zwischen 300 und 400 Mann stark, also zusammen ber 1500 Mann disponible
Truppen. Diesen hatte Munoz Alles in Allem nicht ganz 700 Mann
entgegenzustellen, allerdings besser disciplinirte und exerzirte Leute,
mit einer halben Batterie leichter Artillerie unter Commando eines
franzsischen Officiers. Auch sein kleines Huflein Cavallerie war
nicht ganz bel beritten und einexerzirt. Bei solchem nummerischen
Miverhltni und geringem Vertrauen auf die kriegerische Ausdauer der
Eingeborenen, war es daher das Klgste was man thun konnte, mit der
Gegenpartei in Unterhandlungen zu treten, um die Stadt doch wenigstens
unter mglichst guten Bedingungen zu bergeben.

Munoz sendete daher am 9. November einen Parlamentair ab, der eine
Zusammenkunft in Posolteja mit General Lopez stipulirte. Bei Munoz
Annherung mit der gegenseitig accordirten Escolta (die Munozsche
bestand aus 2 Officieren, 2 Amerikanern und 6 Lanziers), lief die
Granadiner Escolta ber eine Legua zurck, bis Chichigalpa, und war erst
dort zu berzeugen, da von dieser, in friedlicher Absicht gekommenen,
handvoll Leute nichts zu befrchten sei.

Die Capitulation kam denn auch wirklich zu Stande, und einige
ihrer Hauptbedingungen waren: gnzliche Amnestie fr alle an dem
Revolutionskriege Betheiligten, Entlassung der beiderseitigen
Kriegsheere, Freiheit fr die amerikanischen Freiwilligen, zu gehen,
oder sich friedlich im Lande niederzulassen u.s.w.

Am 12. November ward in Folge dieser Capitulation Leon bergeben; die
Amerikaner feuerten den blichen Salutschu, whrend die eingeborenen
Artilleristen in den stehenden Batterien postirt waren. Wie gro
war aber das Erstaunen des Generals Munoz, als er sich, nachdem er
seinerseits pnktlich alle Artikel erfllt, die Waffen gestreckt und
alle seine Truppen entlassen hatte, pltzlich von der eingerckten
Abtheilung Leoneser, die er mit einem Handgriff htte erdrcken knnen,
so lange er seine Truppen noch unter Waffen hatte, berfallen und mit
eilf der vornehmsten Officiere gefangen sieht. Der Traktat war dem
Prsidenten Abaonza (von Leon) bergeben, dann aber diesem wieder
heimlich entwendet worden, und jetzt leugnete General Lopez sogar dessen
Existenz ganz ab.

Auf wessen Seite von Anfang her das Unrecht lag, sei hier ganz
dahingestellt, und eben so die Errterung der Frage, ob ein Sieg der
Leoneser Partei dem unglcklichen Lande eine bessere Zukunft in Aussicht
gestellt haben wrde; aber jeder Unbefangene wird sich nach Obigem einen
Begriff machen knnen, was man in Central-Amerika auf die Heiligkeit der
Vertrge, auf Soldaten- und Mannesehre zu geben hat.

Die Gefangenen hatten sich noch am selben Nachmittage an den sehr
ehrenwerthen Mr. Kerr, bevollmchtigten Gesandten der Vereins-Staaten
in Nicaragua gewandt und dieser stand keinen Augenblick an sich dieses
Vertrauens, so wie der Regierung, die er reprsentirte, vollkommen
wrdig zu beweisen. Trotzdem er frher laut und unverhohlen kund
gegeben, wie weit entfernt er sei, mit der Revolutionspartei und dieser
steten Erneuerung der Mihelligkeiten zu harmoniren, eilte er jetzt bei
so grober Rechtsverletzung nichtsdestoweniger, obschon es schon spt in
der Nacht war, zum feindlichen General, um unter dem Schutze der Sterne
und Streifen auf der Stelle eine energische Protestation gegen solch
nichtswrdiges und wortbrchiges Verfahren, so wie gegen jede etwaige
militairische Verurtheilung und Tdtung der Gefangenen, diese geradezu
als niedrigen Meuchelmord bezeichnend, niederzulegen. Dieser Akt war
keineswegs so leicht und gefahrlos, wie er daheim unter civilisirten
Nationen erscheinen mag; denn hier, wo durchschnittlich immer die Hlfte
der Soldaten betrunken, und die andere noch nicht vllig nchtern ist
und demnach fortwhrend Excesse aller Art vorkommen, war es gar nicht
unmglich, da einige Soldaten, statt ihren patriotischen Heldenmuth
durch Freudenschsse in die Luft kund zu geben, wie man es hier sehr
liebt, aus Versehen dem verhaten amerikanischen Gesandten, der
ihrem General so starke Sachen zu riechen gab, eine Kugel durch den
Hirnschdel jagte.

Erst zwei Tage darauf wagte es endlich Don Fruto Chamorro mit seiner
gesammten Heldenarmee in die Stadt zu rcken, nachdem er sich vorher
sorgfltig berzeugt hatte, da ihm keinerlei Gefahr mehr drohe. Ich
hrte von meinem Krankenbette aus die Freudensalven der Soldaten,
konnte aber leider den Anblick des mit Lorbeern und Lumpen bedeckten
Siegesheeres nicht genieen.

Am 18. brachte eine Escolta Hondurenser 10 Amerikaner, die sich
laut Vertrag im Hafen von Realejo hatten einschiffen wollen und im
Augenblicke ihrer Einschiffung von den nachgeschickten Truppen gefangen
genommen worden waren, in die Stadt. =Dr.= Livingston und ich, da
ich wieder so weit Reconvalescent war, um ausgehen zu drfen, gingen
sogleich um die Gefangenen zu sehen, wurden aber zurckgewiesen. Wir
kehrten sogleich um, ich um zu Mr. Kerr zu gehen und ihm den Vorfall
anzuzeigen, whrend =Dr.= Livingston schriftlich von Don Fruto Chamorro
eine Erklrung ber diese neue Vertragsverletzung verlangte.

Nach einigem Hinundherverhandeln ward uns endlich allen Dreien der
Zutritt verstattet, und traurig genug war der Anblick der armen Leute;
in einem wahren Hundeloche, voller Schmutz und Ungeziefer, ohne Essen,
Trinken, noch irgend eine Spur von Versorgung. Es wurden inde vier,
welche infolge der Mihandlungen bedeutend erkrankt waren, sogleich auf
=Dr.= Livingstons Brgschaft an diesen ausgeliefert, whrend der Rest,
Dank den energischen Schritten des Mr. Kerr, spter gegen Handgelbni
entlassen, und seit gestern in vllige Freiheit gesetzt wurden, bis
zu welchem Tage sie alle im gastfreien Hause des =Dr.= Livingston eine
Zufluchtssttte gefunden hatten.

Die Lage der eingeborenen Gefangenen blieb jedoch nach wie vor dieselbe,
und ohne Mr. Kerr's unermdliche Wachsamkeit, der sich berhaupt whrend
dieser ganzen Zeit kein geringes Verdienst um die Ruhe und Sicherheit
der Stadt erworben, wren sie vielleicht schon lngst ihres Lebens
beraubt worden. Man hatte mehrfach beabsichtigt, dieselben aus dem
bischflichen Palaste, wo sie gefangen gehalten wurden, an einen anderen
Ort zu bringen, und es entsprche ganz dem niedrigen Charakter der jetzt
herrschenden Partei, bei der sich, wie dies so hufig der Fall ist,
Feigheit mit Grausamkeit paart, whrend des Transportes unter mglichst
schwacher Bedeckung, die Gefangenen von einem Haufen gedungener Mrder
berfallen und abschlachten zu lassen. Das Gouvernement kann ja dann mit
Leichtigkeit alle Schuld von sich abwlzen und ffentlich mit grtem
Eifer nach den Dolchen suchen, die es in der eigenen Schrpe trgt.

Das politische Wetter ist brigens noch entsetzlich schwl und ich
mte mich sehr tuschen, wenn nicht binnen ganz kurzer Zeit ein neues
Ungewitter losbrche. Durch den, vor einigen Tagen erfolgten Abmarsch
der Hondurenser, so wie massenhafte Desertionen unter den Granadinern
ist die Strke der Besatzung, welche Chamorro noch unter seinen Hnden
hat, auf circa 260 Mann zusammengeschmolzen, und schon tauchen hin und
wieder Gerchte von einem vorbereiteten neuen Aufstande auf. Dazu hat
Chamorro in seinem kindischen Unverstande die von Munoz sehr zweckmig
angelegten Batterien um die Kathedrale, welche dieselbe zu einer, nach
hiesigen Verhltnissen, fast uneinnehmbaren Stellung machten und mit
deren Hlfe er die ganze Stadt leicht in Schach halten konnte, rasiren
und die Geschtze demontiren lassen, whrend er in seiner ganzen Armee
nicht einen Officier besitzt, der fhig wre sie wieder in Stand zu
setzen. Bricht nun frher oder spter eine neue Revolution aus, so wird
sie jedenfalls grausamer und verderblicher wie die vorhergegangene, und
wahrscheinlich wrde es dann wiederum den Granadiner Grundbesitzern und
Handelsherren ebenso scharf an die Brsen und Waarenlager gehen, wie
jetzt den Leonesischen.

Noch mu ich hinzufgen, da auch Don Fruto Chamorro, auf die offizielle
Anfrage seiner Regierung, die Existenz der mit Munoz abgeschlossenen
Capitulation gnzlich ableugnete, trotzdem Mr. Kerr die schriftlichen
Beweise dafr in Hnden hat und dieselben prsentirte, ein Verfahren,
fr welches in jedem nur halb civilisirtem Lande einem solchen Officier
der Degen zerbrochen worden wre.

Wann wird doch dieses herrliche, von der Natur in jeder Hinsicht so sehr
begnstigte Land aufhren, durch die niedrigen Leidenschaften seiner
erbrmlichen Bewohner, durch die Schwche und Hinterlist seiner
Machthaber in immer tiefere Degradation zu sinken? Wahrscheinlich nicht
eher, als bis die Sterne und Streifen ber dem ganzen Isthmus wehen,
und zum Heile der Civilisation mu man wnschen, da dies recht bald
geschehen mge.

=Quien sabe!= -- wie die Leute hier zu Lande immer zu sagen pflegen.

Wenig bleibt mir noch hinzuzufgen. Betrachtet man diese letzte
Revolution im Ganzen, so ist es allerdings in keiner Weise zu
rechtfertigen, den Prsidenten so ohne Weiteres bei Nacht und Nebel
ber die Grenze zu werfen, so wenig befhigt dieser sich auch fr seine
Amtsfhrung zeigen, oder dieselben mibrauchen mochte; andrerseits
dient aber auch das Benehmen eben dieser Schtzer der Gesetze den ewigen
Revolutionen, wenn auch nicht zur Rechtfertigung, so doch zu einiger
Entschuldigung. Ich kenne bis jetzt wenigstens noch kein Volk,
das weniger befhigt ist sich selbst zu regieren, und eine Art von
russischem Gouvernement wrde ihm eine wahre Wohlthat sein.

Die Geschichte bietet Beispiele, wie durch lang anhaltende Tyrannei
civilisirte Nationen gnzlich demoralisirt worden sind; dies Volk
aber ist ein Beispiel des umgekehrten Falls, der Demoralisation durch
Unabhngigkeit, denn von da an datirt sich dieselbe, wenn schon die
Ursachen vielleicht noch viel weiter zurckliegen mgen.

Von mir habe ich nur noch zu sagen, da die Folgen des Fiebers allgemach
schwinden und ich dessen quitt zu sein hoffe. Es drngt und treibt mich
wieder hinauszukommen, an die Fortsetzung meiner Studien und Arbeiten.
Zunchst nach der Kste des Pacific, um mich durch die Seeluft zu
strken, dann nach dem Dorfe Felica, etwa 7 Meilen von hier, wo ich kurz
vor der Erkrankung einen altindischen Begrbniplatz und beim Nachgraben
mehre hchst interessante Alterthmer aufstberte, die ehemglichst
ausgebeutet werden mssen.------




IX.

Neue Erkrankung. -- Excursion in das Hochgebirge und die
Minendistricte. -- Reiseanstalten. -- Aufbruch von Leon. --
Nachtlager. -- Rubergerchte. -- Nchtlicher Ueberfall. -- Eintritt
ins Gebirge. -- Trockenheit. -- Zuckererbauung. -- Aztekische Sage.
-- Beschwerlicher Marsch. -- Heimathliche Erinnerung.


  Leon, Ende Mai 1852.

Die in meinem letzten Briefe ausgesprochene Hoffnung, durch ein
mehrwchentliches hitziges Fieber den Tribut der Acclimatisation
vollstndig entrichtet zu haben, sollte leider nicht in Erfllung gehen
und das schlimmste Ende noch nachkommen. Das allzukhne Vertrauen
auf meine Jugendkraft und feste Constitution, die Nichtbeachtung
gutgemeinter Warnungen, in Bezug auf die schdlichen Wirkungen des
Klimas, habe ich, wie Euch mein Brief vom Ende Januar d.J. gezeigt
haben wird[2], durch einen sehr bsen Rckfall, der mich nahe an den
Rand des Grabes brachte, und mehre Monate an's Krankenlager fesselte,
gebt. Gottes vterlicher Schutz und die liebevolle Pflege wackerer
Menschen haben mich aber die herbe Leidensperiode glcklich berstehen
lassen und mich dem Leben, der Gesundheit, der Thtigkeit zurckgegeben.

  [2]: Dieser, so wie einige andere Briefe, waren jedoch nicht an ihre
  Bestimmung gelangt.

Lat mich die traurige Zeit der Krankheit und langsamen Reconvalescens
mit Stillschweigen, und sofort zum letzten und angenehmsten Theile
meiner Fahrten und Erlebnisse in der Tropenwelt Central-Amerikas
bergehen, nmlich zu meiner:


_Excursion in das Hochgebirge und die Minendistricte von Nicaragua und
Honduras._

Whrend meiner Krankheit hatte ich endlich bestimmte Nachricht von Mr.
Squier erhalten, da er sein Unternehmen hierher aus wichtigen
Grnden leider aufgeben msse, wenigstens vor der Hand, und somit die
eigentliche Absicht meines hiesigen Aufenthalts vereitelt sei. Theils
um denselben nun doch wenigstens zu mglichst reicher Ausbeute fr mein
Malerportefeuille und mein Tagebuch zu benutzen, theils aber auch, um
die vom Fieber hinterlassene Schwche vollends aus meinen Gebeinen zu
verjagen, beschlo ich, die noch brige Dauer der heien Jahreszeit in
dem gesunden Gebirgsklima zu verbringen, womit mein freundlicher Arzt
und rztlicher Freund, =Dr.= Livingston, vollkommen einverstanden war.

Fr eine Reise durch jene noch sehr wenig bevlkerten Gegenden ist
es nthig, sich gleich anfangs mit einem Paar krftiger Segovier
Maulthieren zu versehen, fr sich und seinen Diener, da die aus der
Plaine nicht zu so beschwerlicher Gebirgskletterei geeignet sind; dabei
mglichst wenig Gepck und einigen Proviant, denn in diesen Gegenden
ist der Reisende meist auf sich selbst verwiesen; Gasthfe kennt man
daselbst nicht einmal dem Namen nach. Auf der andern Seite herrscht
freilich eine fast unbegrenzte Gastfreundschaft; ein bloer
Empfehlungsbrief sichert einem fast berall die freundlichste Aufnahme
und man kann bleiben, so lange man nur immer Lust hat; allein unterwegs
ist es oft unmglich bewohnte Orte zu erreichen, man bleibt, wo man
Wasser und Futter fr die Thiere findet, den Hammock zwischen zwei
Bumen aufgehangen, wenn nmlich solche da sind, die nackte Erde, auf
welcher, der blaue Himmel das Dach, unter welchem man schlft. Ein
wenig an der Sonne gedrrtes Fleisch, etwas Totoposke (doppelt gebackene
Maiskuchen) bilden Frhstck, Mittag- und Abendessen und ein kleiner
blecherner Feldkessel, den man mit sich fhrt, dient um Kaffee zu
kochen, bei welchem die Sahne natrlich meist der Phantasie
berlassen bleibt. Die Thiere werden gehobbelt, d.h. die Vorderfe
zusammengebunden, und lassen sich whrend der Nacht die Weide schmecken,
wenn nmlich welche da ist.

Gerade zur Zeit, als ich meine Reise antreten wollte, waren Maulthiere
beinahe gar nicht zu bekommen und ich gerieth dadurch in einige
Verlegenheit, bis ich an das Maison gewiesen wurde, dort Abhlfe
derselben zu finden. Das Maison ist nmlich ein groes, den
orientalischen Caravanserais hnliches Gebude, bestehend aus Hfen
und Sulengngen, wo jeder ankommende Maulthiertransport seine Ladung
deponirt, die Zlle entrichtet und dort gleich verkauft oder einzeln an
ihre Bestimmung abliefert. -- Dort miethete ich nun von einem Caravanos
aus St.Rafael (nahe Matagalpa) ein groes starkes Segovier Pferd (gro
im Vergleich mit der kleinen Race des Landes) und ein dito Maulthier
fr das Gepck, denn mein eigenes Pferd und Maulthier waren durch
Futtermangel whrend und nach der Revolution zu wahren Skeletten
herabgekommen und bedurften erst der lngeren Ruhe im Protero
(Weideplatz), um sich wieder zu krftigen.

Am 3. Mrz gegen Abend, als eben die Glocken zur Oration gelutet,
kletterte ich, wegen meiner Schwche nicht ohne Schwierigkeit, in den
Sattel, und unsere ganze Streitmacht, aus 7 Mann und 13 Maulthieren
bestehend, setzte sich in Bewegung. Die Cavallerie bestand, auer mir
selbst, aus Don Eusebio, dem Eigenthmer der Maulthiere wie der Ladung,
und Don Cesario, seinem =Major domo=; die Infanterie aber aus zwei Mozos
(Dienern), Basilio und Apolinario, und zwei Jungen von 12-15 Jahren,
Innocente und Candelario, zu deutsch: _Leuchter_ -- und so mit Licht
und Unschuld im Geleite -- zog frohen Muthes ich ins Weite. Jeder war
auf seine Weise so gut wie mglich bewaffnet, denn man sprach viel
von einer, aus Ausreiern beider Revolutionsarmeen gebildeten
Spitzbubenbande in der Gegend des Monte-Rota, die einige Reisende
angehalten und sogar mehre Haciendas ausgeraubt hatte. Ich fhrte die
deutsche Spitzkugelbchse und die amerikanischen Revolvers, die Dons
Pistolen, smmtliche Cavallerie aber unendlich lange Toledo-Schwerter;
die Infanterie hatte ihre Machetas (lange Messer), Basilio und
Apolinario aber Bogen und einige Dutzend Pfeile. Don Eusebio und ich
bildeten die Avantgarde, dann folgte das Gros der Armee sammt Bagage
und als Nachhut Don Cesario, dem dieser Posten zugleich die groe
Annehmlichkeit gewhrte, den ganzen Tag inmitten einer groen Staubwolke
zu reiten.

So ging denn der Zug vorwrts in stiller, klarer Mondnacht, lieblich und
wollstig wie nur eine tropische Nacht sein kann. Wir befanden uns zwar
noch mitten in der heien Jahreszeit, seit November hatte kein Wlkchen
den tiefblauen Azur des Himmels getrbt; allein obschon die Tage glhend
hei waren, so schien doch in der Nacht die ganze Natur, von
einem khlen Sdost erfrischt, der nur leise in den Blttern der
majesttischen Palmen spielte, neues Leben zu athmen. Die groe Ebene
von Leon erstreckt sich auf der einen Seite hinaus bis an den Pacific
(stillen Ocean), auf der andern bis zum See von Managua, und wird im
Norden von der prachtvollen Kette von Vulkanen begrenzt, als deren
Endpfeiler der Viejo und der ehrwrdige, ber 6000 Fu hohe Monotombo
sich in beraus zarten, grauen Tinten vom Horizonte absetzen.
Feierliche Ruhe schien ber die ganze Natur verbreitet, nur hier und
da unterbrochen vom Hufschlage eines Maulthieres oder der kurzen,
melancholischen Melodie einer spanischen Romanze. Wre ich Dichter, so
htte ich hier die passendste Gelegenheit zu poetischen Ergssen gehabt.

Wir blieben jedoch nicht lange in Marsch; schon nachdem wir etwa 2
Leguas zurckgelegt, wurde Halt gemacht, die Thiere abgeladen und
gehobbelt, Feuer angezndet, die Hammocks an einzelne Bume aufgehangen
und bald schlief Jeder, in seinen Poncho gewickelt, sanft und s,
whrend einer der Mozos ber Menschen und Vieh Wache hielt; letzteres
delectirte sich an dem drren, schlechten Grase, als ob es das seste
Heu wre. Meine Ruhe ward leider sehr unangenehm von den Garralatos,
zu deutsch Holzbcken, gestrt, ein hchst lstiges Insect, mit dem man
whrend der heien Jahreszeit ganz bedeckt ist, sobald man durch ein
Gebsch geht oder reitet, und dessen Bi wie Feuer brennt. Zuletzt
schlief ich aber denn doch recht tapfer bis zum nchsten Morgen, wo bei
guter Zeit das Frhstck genossen, die Maulthiere beladen, was stets
mit grter Sorgfalt geschieht, damit die Thiere nicht aufgerieben oder
gedrckt werden, und dann der Marsch wieder angetreten ward.

Ziemlich frh kamen wir an einem kleinen Vulkan vorber, der sich erst
vor ungefhr zwei Jahren gebildet hat und sich noch immer fleiig in
Eruptionen bt; der Patron soll beraus reizbaren Temperaments sein,
denn wenn ein Stein in den Krater geworfen, heftig auf den Boden
gestampft, ja nur besonders laut gesprochen wird, soll er seinen Verdru
alsogleich durch hchst unmanierliche Expectorationen kundgeben, weshalb
wir auch in muschenstiller Ehrerbietung an ihm vorbeizogen. Mr. Squier
giebt in seinem neuesten Werke ber Nicaragua eine genaue Beschreibung
davon.

Gegen Mittag berschritten wir die Vulkankette am Monte-Rota und stiegen
dann nach kurzer Rast, um die Thiere zu trnken, in die nrdlich von den
Vulkanen gelegene Thalebene hinab, wo wir die Nacht auf einer kleinen
Waldwiese, das Caimito genannt, zubrachten. Diese zweite Ebene erstreckt
sich vom nordwestlichen Ende des Sees von Managua gegen den Golf von
Fonseca hin. Es ist dies einer der fnf Punkte, welche schon der groe
Humboldt als geeignet fr eine knstliche Verbindung zwischen den beiden
Oceanen bezeichnete. Capitain Sir Edward Belcher, =H.B.M.N.=, welcher
diesen Theil des Landes vom Golf von Fonseca aus untersuchte, bezeichnet
diese Ebene sogar als den vielleicht einzigen Punkt, wo ein Kanal,
brauchbar fr Schiffe erster Gre, angelegt werden kann. Auch Squier
spricht in seinem Werke eine hnliche Meinung aus; da ich aber auf
meinem Rckwege Gelegenheit hatte, noch einen andern, greren Theil
dieser Ebene zu untersuchen, so werde ich mir spter erlauben, meine
Bemerkungen ber diesen Gegenstand mitzutheilen.

Die beiden nchsten Tage verfolgten wir eine mehr stliche Richtung,
in nicht allzu groer Entfernung vom See von Managua. Die flache, meist
bewaldete und nur hier und da ein Stck Wiesen- oder Ackerland zeigende
Ebene glich im Charakter ziemlich den Flchen im sdlichen Frankreich,
und sah in seinem ganzen Habitus, Husern, der Art und Weise zu leben
und zu reisen, so zu sagen mittelalterlich aus. Wenn da oder dort der
Klang einer Holzaxt durch den Wald schallte, meinte ich immer, Moliere's
Scagnarelle erscheinen zu sehen, und ein Paar Reiter glichen bald
Don Juan und Leporello auf der Flucht vor den Dienern der heiligen
Hermandad, bald wieder Don Quixote mit seinem getreuen Sancho Pansa, auf
Abenteuer ausziehend. -- Jeder Reisende hier zu Lande hat brigens,
wie ich schon frher bemerkte, etwas mit dem berhmten Ritter von der
traurigen Gestalt gemein, theils des imposanten Kriegsapparates halber,
den man hier mit sich schleppen mu, theils der mehr als spanischen Dit
wegen, zu der man hier gezwungen ist. Hier erst ging mir ein Licht auf,
wie wahr und getreu der gefrige Charakter jener Bedienten der alten
Komdien aufgefat ist, denn man lugt selbst begierig aus, wo man etwas
Leidliches zu schnappen bekommt. Uebrigens ist der Haupterwerbszweig
durch diese Ebene die Rindviehzucht.

Gegen Abend des dritten Tages nherten wir uns endlich dem Hochgebirge,
das rauh genug aussah und strapazenreiche Mrsche versprach. Die
Berichte ber Spitzbuben mehrten sich hier in bedenklicher Weise; erst
zwei Tage vorher hatten dieselben eine Hacienda geplndert und ein
reisender Leoneser war seines Pferdes, Gepckes, selbst seiner Kleider
bis auf die Unter-inexpressibles beraubt worden, und noch dazu von
seinem eigenen, leiblichen Bruder, der sich im Lande aufhielt. Se,
heilige Bande der Natur! -- Ich hatte ordentliche Sehnsucht, mit solch'
lieben Burschen eine handgreifliche Bekanntschaft zu machen. -- Don
Eusebio wurde nachdenklich und hatte allerdings Ursache dazu, denn nicht
nur, da Maulthiere und Ladung, so wie der Erls aus seiner Reise nach
Leon einen betrchtlichen Theil seines Vermgens ausmachten, sondern er
hatte auch eine ziemliche Geldsumme fr einen der Bergwerksbesitzer in
Matagalpa unter seine Verantwortung genommen. Meine Befrchtungen waren
in dieser Beziehung nicht so bedeutend, dem alten Sprichworte gem: Wo
nichts ist u.s.w. Inde hielten wir doch fr gut, unsere bisherige
Marschordnung etwas mehr zu concentriren, um nthigenfalls einander
schnellen Beistand zu leisten.

Zur Nacht campirten wir dicht am Fue des Gebirges auf einer Savannah
mit einigen zerstreuten Bumen und einer kleinen Waldspitze, welche in
die Wiese auslief. Ein scharfer Nordost blies von den Bergen herab,
und um mich ein wenig dagegen zu schtzen, baute ich mir aus drei
Packstteln und einer Pferdedecke eine Art von Zelt. Die gewhnliche
Wache ward ausgestellt, und wir Uebrigen legten uns im schnen klaren
Mondlichte zum Schlafen nieder. Es mochte etwa gegen 2 Uhr Morgens sein,
als mich Don Eusebio pltzlich weckte, mit ganz verstrtem Aussehen
rief: =Sennor, Sennor, los ladrones vienen!= und fast zu gleicher
Zeit plafften einige Flintenschsse von oberwhnter kleinen Waldspitze
herber. -- Sie mgen in Gottes Namen kommen! dachte ich und blieb still
liegen, wo ich war, denn die Sttel bildeten eine ganz hbsche Art von
Brustwehr, sah aber doch fr den Nothfall nach meinen Revolvers und
machte die Bchse schufertig. Die Mozos liefen hin und her, um die
Thiere zusammenzutreiben, und lieen ihre Machetas gar frchterlich im
Mondlichte blitzen, wozu sie schrieen wie vom bsen Geiste besessen. Die
Dons Eusebio und Cesario schossen ihre Pistolen gegen das Gehlz ab, was
mit einigen Flintenschssen erwiedert ward. Wenn die Spitzbuben wirklich
die Absicht hatten, uns Eins auszuwischen, so mssen es mordschlechte
Schtzen gewesen sein, denn ich kann versichern, auch nicht eine einzige
Kugel pfeifen gehrt zu haben.

Whrend dieser Scene der Verwirrung sah ich deutlich eine weie Jacke
nebst dazu gehrigen Modesten gleich einer Schlange auf dem Bauche nach
jener Stelle hinkriechen, wo mein Pferd graste, augenscheinlich in der
Absicht, dasselbe zu stehlen. Da ich nun durchaus nicht gewillt war, die
beschwerliche Reise zu Fu fortzusetzen, auch der Mond noch hell
genug schien, um Korn und Visir zu erkennen, so lie ich eine meiner
Spitzpillen hinbersausen. Sobald der Schu knallte, sprang die
weie Jacke wie electrisirt in die Hhe und die Modesten tanzten mit
bewundernswrdiger Gelenkigkeit und Eile nach der Waldspitze zurck. Mit
Gewiheit kann ich allerdings nicht behaupten, den Eigenthmer dieser
Kleidungsstcke verwundet zu haben, wenn aber, so mu es unzweifelhaft
an derselben Stelle gewesen sein, wo Cooper's Natty Bumpo seinem
verhaten Gegner, dem Zimmermann Hiram, eine Kugel applicirte, denn ich
bemerkte, wie der eine Aermel der Jacke whrend des Schnelllaufes hchst
verdchtige Bewegungen nach einer gewissen, nicht wohl anstndig zu
bezeichnenden Gegend besagter Modesten machte. Hiermit endete die Scene
und Alles ward wieder ruhig, wie vorher, nur da Jeder noch fr einige
Zeit seinen bewiesenen Heldenmuth bedeutend pries. Dies war der einzige
Schu, den ich je in Central-Amerika zu meiner Vertheidigung abgefeuert;
vielleicht wre er nicht einmal nthig gewesen: allein man hatte bisher
so viel Lrmen und Aufhebens von solchen Rubergeschichten gemacht, da
man mir vergeben wird, wenn ich vielleicht zu voreilig meinen kleinen
Beitrag zu denselben lieferte.

Jetzt endlich traten wir in das Gebirge ein, durch ein Thal, rechts
und links von bewaldeten Bergen eingeschlossen, die sich allmlig zu
betrchtlicher Hhe erheben und deren Gipfel eine Art Tafelland, mit
Savannahs, steinigtem Terrain und einigen armseligen Bumen bedeckt,
bildet. Durch das Thal herab fliet ein ziemlich breiter Flu, der
sich in den See von Managua ergiet, jetzt aber freilich nur einige
Wasserlachen enthielt, an deren Rndern die wunderschnen alten Bume
ihr frisches Grn behalten hatten, ein Herz und Augen erlabender Anblick
in dieser Jahreszeit, wo die ganze Natur bis ins innerste Mark
verbrannt aussieht, und die groen Besen gleichenden Bume ihre nackten,
bltterlosen Arme wie hlfeflehend gen Himmel emporstrecken. Die
Flsse, welche wir bisher passirt, und wo an manchen Stellen whrend der
Regenzeit schon Menschen und Thiere ertranken, waren jetzt so trocken,
da wir tiefe Lcher in den Sand graben muten, um nur etwas schmutziges
Wasser fr die Thiere zu erlangen.

Ungefhr 9 bis 10 Miles wand sich der Weg in der Schlucht fort, bis zu
dem Drfchen Hykaral, und dann begann ein mhseliges Bergsteigen
ber einen heien, mit Felsbrocken bestreuten Boden, den nur eben ein
Segovia-Maulthier passiren kann, ohne die Beine zu brechen. Rechts und
links sendeten nackte weie Sandsteinfelsen die Strahlen der tropischen
Sonne mit verdoppelter Strke zurck und mein Reisethermometer zeigte
ziemlich 110 Fahrenheit im Schatten, =nota bene= wo etwa Schatten war.
Von jetzt an war die Reise nichts mehr als ein bestndiges Auf- und
Niederklettern, bei Gelegenheit eine kleine Strecke im Thale bleibend
oder fr einige Miles auf hohem Tafellande, bedeckt mit Wiesen und
einigen Hykarobumen, aus deren krbisartigen Frchten man hier
Trinkgefe macht. Elend aussehende kleine Rohrhtten, in die man von
allen Richtungen hinein- und auf der andern Seite wieder hinausschauen
kann, waren die einzigen Zeichen, da hier noch Menschen wohnten. Die
Nchte wurden allmlig khler und jeden Morgen gegen 2, 3 Uhr stellte
sich ein dichter Nebel und starker Thau ein, der, indem er meine Kleider
bis auf die Haut durchnte, sehr lstig fiel, denn in diesen Klimaten
wird die Haut sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit und Klte.

In den Thlern und in der Nhe flieenden Wassers wurde viel
Zuckerrohr gebaut, doch meist nur in kleinen Abtheilungen von einzelnen
Indianerfamilien; die oben erwhnten Hochebenen dagegen werden
groentheils fr Rindviehzucht benutzt, doch ist das Vieh hier klein und
nur von geringer Qualitt. Da gerade die Zeit der Zuckerernte war, so
brodelte in allen Kesseln ber starkem Feuer der Zuckersaft, und so oft
wir eine Pflanzung passirten und Appetit versprten, bekamen wir zum
Geschenk ein Bndel kstlichen Zuckerrohres, bei dessen Verspeisung
wir so ziemlich einer Bande ambulanter Fltenspieler glichen, und
durch welche Nahrung man nach einiger Zeit so fett wird, wie ein Br im
Herbste.

Eine erwhnenswerthe Unterbrechung der Einfrmigkeit meiner Reise war
bei dem Dorfe Guaximala, seitwrts am Wege, eine groe Hhle, an deren
Eingang einige Felsen mit Sculpturen bedeckt waren, im Charakter den
alten Bildwerken an den beiden Seen von Nicaragua und ihren nchsten
Umgebungen gleichend. Eine kleine indische Legende knpft sich an
diese Hhle, nach welcher eine aztekische Prinzessin, von den Spaniern
verfolgt, sich in dieselbe flchtete und durch einen dichten giftigen
Nebel, den sie erscheinen lie, die Verfolger am weiteren
Vordringen hinderte. Hier soll sie noch weilen, umgeben von fremden,
geheimnivollen Wesen, jeden Neumond oben auf dem Gipfel des Berges
erscheinend, um zu sehen, ob nicht ein Adler einen Geier bekmpft und
tdtet, denn geschieht dies, so ist der Augenblick der Befreiung des
Landes gekommen; die weien Fremdlinge werden ausgerottet und der
alte indische Frstenstamm wird wieder in erneuter Glorie das Land
beherrschen. -- Der neueste Lauf der Begebenheiten wird, wie mir
scheint, diesen Augenblick noch bedeutend hinausschieben, denn die
rothhemdigen, tabackkauenden Mnner des Nordens, welche sich neuerdings
im Lande niedergelassen haben, scheinen mir eine schwer auszurottende
Race.--

Ich htte sehr gewnscht, diese geheimnivolle Hhle nher zu
untersuchen, von deren groer Ausdehnung, zahlreichen labyrinthischen
Gemchern mit Sculpturen und theilweiser Vergoldung die Leute viel zu
erzhlen wuten; aber nicht eine bedeutende Summe htte einen Indianer
vermocht, mir als Fhrer zu dienen, und allein das Unternehmen zu wagen,
nahm ich denn doch Anstand, denn in dieser Art von Hhlen entwickeln
sich hufig Schwefelwasserstoffgase, und schwach, wie ich noch war, war
mehr als Wahrscheinlichkeit vorhanden, dem Unternehmen zu erliegen; da
ich zudem in diesen Theil des Landes zurckzukehren dachte, so verschob
ich die Untersuchung dieses interessanten Monuments fr spter, leider,
wie ich jetzt sehe, vielleicht fr immer.

Am achten Tage meiner Reise stiegen wir in ein Thal hinab, so steil und
so tief, da es wirklich schien, als solle es direct bis ins Centrum der
Erde gehen; unten erreichten wir endlich ein niedliches Drfchen, la
Concordia, inmitten zahlreicher Zuckerrohrfelder und Gruppen schner
alter Bume, am Ufer eines kleinen Bergflusses gelegen, der rasch und
lustig ber Felsen und Gestein dahin hpfte. Um so theuerer mute ich
aber den lieblichen Anblick durch das Erklettern des jenseitigen, noch
viel steilern Bergpfades erkaufen, noch erschwert durch den Umstand, da
ich Basilio, der am Tage vorher von einem Maulthiere geschlagen worden
war und gar nicht gehen konnte, mein Pferd geliehen hatte, und so,
theilweise auf Don Eusebio's Thier, theilweise aber auch zu Fu, in
meinen schweren Reitstiefeln den Weg zurcklegen mute. Ein bitter Stck
Arbeit!

Gegen Abend inde erreichten wir den nrdlichen Saum eines Tafellandes
und befanden uns pltzlich im Angesichte von St.Rafael, dem Orte
unserer Bestimmung.

Hier bot sich dem Auge ein wunderliches Spiel der Natur: gegen Sden
erstreckte sich eine groartige Gebirgslandschaft in den so ernsten und
doch so grazisen Conturen, ganz hnlich den Gebirgen Griechenlands
und Kleinasiens; nordwrts dagegen war auch nicht mehr ein Schatten
tropischer Natur zu sehen. Das Thal von St.Rafael, von kleineren
vulkanischen Hgeln umgeben, glich frappant dem Thale von Teplitz in
Bhmen und war bewaldet mit Massen von Rotheichen, dazwischen Wiesen
und Zuckerrohrfelder, die aus solcher Entfernung fr das Auge die
Getreidefelder ersetzten; die Gipfel der Hgel mit einer Menge der
schnsten Kiefern bedeckt. Selbst die Htten des Dorfes glichen in
Form und Gre von weitem den Huserchen des schsischen und bhmischen
Erzgebirges -- mit einem Worte: es sah beinahe aus wie daheim im lieben
Sachsenlande.




X.

Aufenthalt in San Rafael. -- Viehzucht. -- Versuch mit dem Lasso.
-- Weiterreise. -- Nchtliches Concert. -- Totogalpa. -- Der
gastfreundliche Cura. -- Eine Hochzeit. -- Ocotal. -- General
Guardiola. -- Hahnenkmpfe. -- Spielwuth der Bewohner.


Ich ward genthigt, einige Tage hier zu bleiben, theils weil Don Eusebio
Geschmack an mir gefunden hatte und mich durchaus in seinem Hause
beherbergen wollte, was mir sehr angenehm war, um etwas auszuruhen,
und dann, weil zwei der Maulthiere am vorigen Tage ganz erschpft
zurckgelassen werden muten, und ich so meine Bagage zu erwarten hatte,
bis Apolinario sie auf anderen Thieren nachgeholt haben wrde. Die kurze
Rast bekam mir aber vortrefflich und mein Gesundheitszustand besserte
sich schnell und merklich.

Don Eusebio zeigte mir seine Besitzung, meist Weideland und an Umfang
beinahe so gro, als manches kleine Frstenthum, mit ungefhr 4000
Stck Rindvieh, nannte sich selbst aber dabei einen armen Mann; er hatte
insofern nicht ganz Unrecht, als er von all' seinem Eigenthume kaum 600
bis 700 Piaster jhrlich realisiren kann. (Das Stck Rindvieh im Preise
von 3, 4, hchstens 5 Piaster.)

Da Don Eusebio eine kleine Ladung Rohzucker nach Ocotal zu senden hatte,
so contrahirte ich mit ihm fr Thiere nach dem nicht weit von Ocotal
gelegenen Dipilto, einem der bedeutendsten Minenpltze des Landes. Es
muten dazu noch einige von den in den Savannahs grasenden Maulthieren
eingefangen werden, und auf Don Eusebio's Einladung beschlo ich, auch
einen Versuch mit dem Lasso zu machen.

Eines Morgens ritten wir in Begleitung von zwei Mozos, jeder mit seinem
Lasso am Sattelknopfe, zur Jagd aus, nachdem ich von Don Eusebio noch
einige Lectionen, wie zu verfahren sei, erhalten hatte, denn es ist ein
verwnschter Unterschied, einen Lasso zu Pferd oder zu Fu zu werfen.
Nachdem die Mozos in Zeit einer halben Stunde den geschftlichen Theil
erledigt, d.h. die nthigen Maulthiere eingefangen, kam an mich die
Reihe, meine Knste zu produciren. Ein starker Bulle ward ausersehen und
ich ritt langsam auf denselben los. Der Stier, Schlimmes ahnend, fing an
zu laufen, ich galoppirte hinterdrein, das Pferd scharf in der Faust. In
angemessener Entfernung erhob ich mich ein wenig in den Bgeln, wirbelte
den Lasso um den Kopf, lehnte mich vorwrts, um ihn zu werfen, als --
schnapp! der Steigbgel mir entschlpfte, und ich kopfber zu Boden
scho. -- Ungeheuere Heiterkeit von allen Seiten! -- Das gut abgerichtete
Pferd stand im Augenblicke still, und nachdem ich mich berall befhlt
und entdeckt hatte, da alle meine Knochen noch ganz waren, stieg ich
wieder auf, mein Glck auf's Neue zu versuchen; diesmal ging's besser,
der Lasso fiel, den halben Cirkel beschreibend, dem Thiere kunstgerecht
ber die Hrner; das Pferd, als ob es die Lnge des am Sattel
befestigten Lasso genau berechnet htte, wendete augenblicklich um und
brachte durch einen heftigen Ruck den Bullen zu Boden. Nur ist noch eine
gewisse Geschicklichkeit erforderlich, sich des Thieres auch ganz zu
bemeistern, was meiner Unerfahrenheit doch wahrscheinlich etwas schwer
geworden sein drfte, htte Don Eusebio nicht, seinen Lasso von der
andern Seite werfend, alle weiteren Schwierigkeiten beseitigt, und so
endete denn dieser erste Versuch mehr zu meinem Ruhme, als ich in der
That verdient hatte. -- Ungeheuere Zufriedenheit!

       *       *       *       *       *

Nachdem Don Eusebio mich whrend meines Aufenthalts bei ihm so gastfrei
behandelt, als seine Mittel es nur irgend erlaubten, begleitete er mich
noch einige Meilen auf meiner Weiterreise.

       *       *       *       *       *

Ich nderte nun meine Richtung, die bisher eine nordstliche gewesen
war, in eine nordwestliche und, obschon weit im Binnenlande, eine
mit der rechtwinkligen Form der Meereskste parallel laufende Linie
beschreibend, setzte ich meine Reise in alleiniger Begleitung eines
Mozo fort. Der Weg glich so ziemlich dem vorigen, nur da in so
betrchtlicher Hhe, wie ich mich befand (3000 bis 4000 Fu auf den
tiefsten Punkten), die Nachtluft, zumal auf den Gipfeln der Hgel, recht
empfindlich khl ward, mein Poncho und ein tchtiges Feuer mir uerst
angenehm waren, desto mehr aber die Thiere zu leiden hatten, denen die
Khle hufig eine Art von Darmgicht oder Kolik zuzieht, die zwar nur
einige Stunden anhlt, sie aber doch fr diese Zeit ganz unfhig macht,
zu gehen.

Wasser ist hier hufiger und von vorzglicher Qualitt. Die
Zuckerrohrfelder, obwohl nur klein, sind ergiebig, der brige Boden, wie
bisher, Wald und Weideland. Die Landschaft war hier unter dem Einflusse
der Morgennebel und des reichlichen Thaues schn grn geblieben.
Bergauf- und bergabsteigend bot die Pflanzenwelt eine hchst
berraschende Abwechselung dar, denn in der bedeutenden Wrme der Thler
sprote die tropische Vegetation in vollster Ueppigkeit, whrend auf
den hchsten Hhepunkten, die ich berhrte, oft selbst die Kiefer
als verkrppeltes Knieholz hinter mir blieb, und ich so manchmal
im Zeitraume eines Tages die Vegetation von 30 bis 40 Breitegraden
beobachten konnte.

Ich passirte eine Menge von Drfern, von bald christlichen, bald
heidnischen Namen, unter denen ich mich besonders eines lieblichen
Blickes in das Thal Santa Rosa, von der Borda di Santa Rosa herab, mit
Vergngen erinnere. Die Nchte freilich wurden des tglich heftigern
Thaues wegen auch im nmlichen Grade unangenehmer und mein
Schlummer ward oft gestrt vom nchtlichen Geheul der Cayotas oder
sdamerikanischen Wlfe, welches ganz so klingt, als ob eine Bande
ungezogener Gassenbuben im hchsten Discant schrie, und in das sich
manchmal das tiefe, langgezogene Geheul eines Jaguars mischt. Obschon
man allgemein und, wie ich glaube, mit Recht behauptet, da diese
Bestien, auer vielleicht im furchtbarsten Hunger, den Menschen nie
angreifen, so kann man sich doch, wenn das schndliche Concert zu arg
wird und gar nicht aufhren will, eines gewissen Bchsenfertigmachungs-
und Messerzurechtlegungsgefhles nicht erwehren, und manch' liebes Mal
trieb mich die Sorge um die Thiere aus dem Hammock, um mit der Bchse im
Arme die Wachtrunde zu machen.

Am dritten Tage gegen Abend gelangte ich nach Totogalpa, einem mit
Ausnahme des Cura (Pfarrers), der ein Weier ist, nur von Indianern
bewohnten Dorfe, die sich immer wieder nur unter einander verheirathen
und so ihren Stamm rein und unvermischt erhalten. -- Der Cura war ein
=compadre= (auf gut deutsch Herr Gevatter) Don Eusebio's, weshalb der
Mozo Ordre hatte, mich nach seinem Hause zu bringen. Der Cura,
ein respectabel aussehender Vierziger, war die Herzensgte und
Freundlichkeit selbst. Da ich immer noch ein wenig zu schlank im
Verhltni meiner Krperlnge war und bla aussah, so litt er nicht, da
ich im Hammock schlief, sondern ich mute durchaus ein Bett annehmen,
wie ich erst spter zu meinem groen Leidwesen erfuhr, des wrdigen
Mannes eigenes Bett, da er in dem Artikel nicht eben reichlich versehen
war.

Mr. Stevens rhmt in seinem Werke ber Central-Amerika mit allem Rechte
die Gte der Curas, und ich mu dieses Lob in vollster Ausdehnung
besttigen; mit vielleicht nur wenigen Ausnahmen in den grern Stdten
ist das Haus des Cura stets die Zufluchtssttte aller Obdach- oder sonst
Hlfebedrftigen, und so auch in Totogalpa. Es blieben in derselben
Nacht wenigstens zehn bis zwlf Personen, darunter auch drei Damen,
welche auf dem Wege nach Leon begriffen waren, in der Pfarrei, und
vielleicht dreiig Maulthiere und Pferde lieen sich die Weide auf des
guten Pfarrers Protero trefflich schmecken.

Die bessern Huser haben hier alle einen Patio oder Veranda, den jeder
Reisende ebenso als sein Eigenthum betrachten kann wie die Landstrae;
zwischen den Sulen schlingt er seinen Hammock auf, in einer Ecke oder
auf dem freien Platze vor dem Hause zndet er sein Feuer an, kocht seine
mitgebrachten Vorrthe und zahlt nur dann etwas, wenn er irgend etwas
von den Vorrthen des Hauses consumirt, -- =nota bene= wenn Vorrthe da
sind.--

Der Cura theilte mir beim Schlafengehen mit, da am andern Morgen drei
junge Paare den ledigen mit dem Ehestande vertauschen wollten, und
lange vor Tagesanbruch folgte ich ihm in die Kirche, der Ceremonie
beizuwohnen, denn es ist hier Sitte, jede Trauung noch vor
Sonnenaufgang zu vollziehen, eine Sitte, die wahrscheinlich noch
indianisch-heidnischen Ursprungs ist.

Die jungen Paare erschienen, gefolgt von ihren Verwandten, im Geleite
der Brautfhrer und Brautjungfern; der Cura vollzog die Trauung nach dem
Ritus der katholischen Kirche und im Zwielichte des anbrechenden Tages
begab sich der ganze Hochzeitszug nach dem Hause des Brutigams, um dort
den Tag bis zur spten Nacht mit Essen, Trinken und Tanzen zuzubringen.

Der Cura fhrte mich in eins der Huser, um die Festlichkeiten mit
anzusehen. Inmitten der dichtgedrngten Menge ward getanzt, doch stets
nur ein Paar auf einmal, beim Klange zweier Guitarren und einer Geige.
Das Mdchen stand auf einer Seite des kleinen Tanzraumes und der junge
Bursche bewegte sich hpfend und tnzelnd auf sie zu, bald vorwrts,
bald rckwrts, und drehte sich in verschiedenen Bewegungen um sie
herum; dann that das Mdchen desgleichen, dann beide zusammen, worauf
beide abtraten, um einem neuen Paare den Raum zu berlassen, sich selbst
aber mit Tortillas und Bohnen zu erlaben. Aus besonderer Rcksicht auf
mich als Fremden und die wrdige Begleitung, in der ich mich befand,
nherte sich mir eine Art von Ceremonienmeister und forderte mich zum
Tanze auf; da aber mittlerweile der Tag angebrochen war und die Thiere
gesattelt vor der Thr standen, entschuldigte ich mich mit meinen
bestiefelten und pfundbespornten Gemthszustnden, schttelte dem
wackern Diener Gottes herzlich die Hand und galoppirte lustig dahin in
der frischen Morgenluft.

Bald bot sich mir von der Hhe der Borda de Ocotal eine wunderliebliche
Aussicht in das Thal, wo sich der Riococo hinab nach der Ostkste
schlngelt, an seinen Ufern das reizend gelegene Drfchen Ocotal und
drben auf der andern Seite die grandiosen Berge von Dipilto. Noch ein
steiles Hinabklettern, bei dem die Thiere manchmal eine ganze Strecke
auf dem Hintertheile rutschend zurcklegten, dann die Passage des
Riococo, jetzt ziemlich leicht, doch in der Regenzeit sehr schwierig und
gefahrvoll, und ich ritt nach kurzer Zeit ber die Plaza von Ocotal
nach dem Hause der Sennora, Donna Chepa (Josephine) G., einer groen
corpulenten Dame, an die ich eine Empfehlung hatte. Aufnahme wie
berall.

Als ich beim Frhstck sa, kam der Militrcommandant des Departements,
Don Gabriel Y., in Gesellschaft eines kurzen, dickbeleibten Sennors mit
ungeheuerm militrischen Schnurrbart und blauem Oberrock, um der Sennora
einen Besuch abzustatten. An mich wurden nun viele Fragen: Leon, die
Revolution, Munoz etc. betreffend, gerichtet, die ich ungenirt und so
gut ich es vermochte beantwortete. Mir fiel dabei auf, da der dicke
Herr im blauen Oberrock mit dem gewaltigen Schnurrbarte seine brigens
recht hbschen und sanften blauen Augen immer schchtern wie ein
verlegenes Mdchen niederschlug, wenn ich ihn ansah, eine Gewohnheit,
die mir an Mnnern nie recht gefallen will. -- Spter in Dipilto, wo ich
denselben nochmals antraf, erfuhr ich erst, da es der General Guardiola
sei, auch der Tiger von Honduras benannt. -- Dieser Mann hatte sich im
Jahre 1844, wo er die Regierung von Honduras untersttzte, eine traurige
Berhmtheit erworben durch seine blutige, grausame Verfolgung der
Gegenpartei. Im Jahre 1849 conspirirte er dann selbst gegen die
Regierung, hatte aber schlechten Succes und hielt sich seit jener Zeit
als Verbannter in Costa-Rica auf. Dann ward er von der Regierung von
Nicaragua herbeigerufen, um ein Commando gegen Munoz zu bernehmen,
konnte sich jedoch nicht mit dem commandirenden General, Don Fruto
Chammorro, vertragen und nahm deshalb sehr schnell wieder seine
Entlassung.

Ocotal ist die von Manchen als Nuevo Segovia bezeichnete Stadt; die
eigentliche Stadt dieses Namens ist jedoch 4 Miles tiefer hinab, am
Riococo gelegen, ward im Anfange des vorigen Jahrhunderts aber von
Flibustiern, die den Flu heraufkamen, zerstrt und die geflchteten
Bewohner bauten das heutige Ocotal.

Ich wnschte noch vor Nacht Dipilto zu erreichen und brach also auf,
sobald Menschen und Thiere sich ein wenig erholt hatten. Als ich ber
die Plaza kam, bemerkte ich eine Menge Menschen und aus ihrer Aufregung
und der allgemein auf einen Punkt gerichteten Aufmerksamkeit schlo ich,
da da etwas Absonderliches los sein msse. Als ich an die Stelle kam,
sah ich, da ein Paar Kampfhhne die Helden der Scene waren, und der
heutige Tag, wie man mir sagte, der eines weitberhmten Hahnengefechts.
Jetzt erst ward mir pltzlich klar, warum ich unterwegs so viele Leute
mit Bretern auf dem Rcken gesehen hatte, auf deren jedem fnf bis sechs
Hhne festgebunden waren. Ein Mann zu Pferde kam sogar mehr als 30 Miles
weit her, die vier Ecken seines Sattels nach den vier Himmelsgegenden zu
mit ebenso vielen Hhnen garnirt, zwei an Stelle der Holftern, zwei
an Stelle der Satteltaschen. Die Hhne fechten hier nicht mit den
gewhnlichen Sporen, sondern mit sichelartigen Messerchen, deren
haarscharfe Klinge manche so geschickt an das rechte Bein des Hahnes zu
befestigen verstehen, da oft schon beim ersten Anlauf der Gegner ein
Bein einbt. Eben als ich anlangte, fiel einer der armen Kmpen,
von seinem Gegner in die Seite gestochen und schndlich hinterlistig
umgebracht, zu Boden und ma den Wahlplatz mit seinem Heldenleibe.
Gleich war jedoch ein neues Paar zur Stelle, und ein barfiger,
ziemlich lumpenhaft toilettirter Sennor frug mich, ob ich nicht mit ihm
auf einen der Duellanten wetten wollte. Wie viel? -- Zehn! -- Was zehn,
Piaster? (Etwas hoch, dachte ich.) -- Nein, zehn Mark Silber (ziemlich
80 Dollars). Bagatelle! meinte ich und machte, da ich weiter kam, denn
ein so niedriges und grausames Vergngen schien mir nicht werth, Zeit
und noch weniger Geld daran zu setzen. Es ist brigens eine gewhnliche
Sache, hier anscheinend arme Leute recht hohe Summen bei Hahnen-
und Stiergefechten verwetten zu sehen. Das Spiel ist hier die
vorherrschendste Leidenschaft und, wie man mich versicherte, sollen am
selben Tage auf zwei Hhne von besonderer Kriegsreputation in mehrern
Wetten die Summen von 2000 Dollars im Ganzen auf dem Spiele gestanden
haben. So fand ich auch, was ich vorher nicht beachtet hatte, in jedem
Hause einen oder mehrere Kampfhhne, jeden mit einem Bindfaden am
Fue, auf einer Art von Papageienstock sitzend, die lediglich zu jenem
barbarischen Vergngen aufgefttert werden.

Bald hinter Ocotal tritt man wieder in eine tiefe Schlucht ein, und
gleich im Anfange hren alle bewohnten Pltze auf. Ein zwar enger, aber
doch nicht zu beschwerlicher Weg fhrte bald auf dem einen, bald auf dem
andern Ufer des Rio di Dipilto hin, der hell, klar und lustig ber die
Steine dahinhpft, hier und da von einem kleinen Salto (Wasserfall)
unterbrochen, mhsam an manchen Stellen sich durch das Thal zwngend,
dessen vielfache Windungen ihm manchmal das Aussehen geben, als htte
hier die Welt ein Ende. Mein Mozo, fr den das Hahnengefecht mehr
Anziehungskraft hatte, als fr mich die Reize dieser malerischen Natur,
war etwas zurckgeblieben, und so verfolgte ich denn meinen Pfad in
einer angenehmen Einsamkeit. Die steilen Hhen rechts und links, bedeckt
mit majesttischen Kiefern, wie ich sie noch kaum so hoch gesehen,
lieen die Sonne nicht so eindringen, und die tiefe Ruhe, durch das
sanfte Gemurmel des dahineilenden Flchens noch traulicher gemacht,
ward nur dann und wann vom leisen Gesange eines Vgelchens unterbrochen.
Viele Nordlnder sind der Meinung, da die Vgel der Tropen nicht
singen; dem ist aber nicht so, nur mu sich das Ohr an ihren Gesang
gewhnt haben, der so zart ist, da sie fast leichter zu sehen als
zu hren sind. Ich aber fhlte mich so froh gestimmt, da ich die
schweigsamen Wlder lustig vom Gesange deutscher Lieder wiederhallen
lie, was ihnen wohl nicht hufig passiren mag.

Endlich und endlich ffnete sich das Thal ein wenig und auf einem
kleinen Plateau, just nur gro genug, um den Gebuden nothdrftig Raum
zu geben, erschienen die Dcher von Dipilto, vergoldet vom letzten
Strahle der untergehenden Sonne.




XI.

Dipilto. -- Mangelhafter Zustand des Bergbaues. -- Wiederkehrende
Gesundheit. -- Taminos Feuer- und Wasserprobe zu Pferd. -- Erlegter
Tiger. -- Der Staat Honduras.


Dipilto, jetzt vielleicht der bedeutendste Minenort in Nicaragua, war,
obschon seine Minen schon seit sehr langer Zeit betrieben werden sollen,
vor zwanzig Jahren noch nur ein einziges Haus, und ward das Almuercadero
(Frhstcksplatz) genannt, weil die Reisenden von Honduras meist hier am
Ufer des Flusses im Schatten einiger Bume, die jetzt noch dastehen, ihr
Frhstck einnahmen.

Ich stieg im Hause der Madame L. ab, hier nur glattweg die Madama
genannt, an welche ich eine Empfehlung von ihrem Manne aus Massaga
hatte. Sie war Franzsin und hatte sich, obschon bereits 22 Jahre
in Central-Amerika, noch ihre echt franzsische Lebendigkeit und
Liebenswrdigkeit vollkommen bewahrt, in Bezug auf Gastfreundschaft
aber mit den Sitten des Landes ganz acclimatisirt. Ich fand hier drei
Amerikaner und einen amerikanisirten Deutschen, Mr. Sch....., welcher,
sowie ein Englnder in Matagalpa, Mr. P., die einzigen auslndischen
Minenbesitzer in Honduras sind. Einer der drei Amerikaner ist jener
Mr. Dickson, der im vorigen Jahre mein Schiffsgenosse auf der Reise von
New-York nach Central-Amerika war, augenblicklich aber nicht in Dipilto
anwesend.

Der Bergbau liegt hier freilich noch sehr in den Urzustnden, und von
einem wissenschaftlichen Betrieb ist noch kaum die Rede. Zwei junge
deutsche Bergleute, Herr Schmidt, ehemaliger Bergstudent in Freiberg,
und Herr Witting aus Hessen, beide im Interesse einer Compagnie
arbeitend, waren ganz in Verzweiflung ber die vielen Hindernisse, die
einem geregelten Betriebe des Bergbaues hier noch im Wege stehen. An
einen kunstgemen Schachtbau ist noch nicht zu denken; wo sich eine
Ader findet, schlgt man ein und folgt ihr in jeder beliebigen Richtung,
aufwrts oder abwrts, rechts oder links, nach Art der Maulwrfe. Manche
Minen haben allerdings eine Art von Schacht mit Ruhepltzen (Posas) von
ungefhr 15 Varas (20 Ellen) Umfang, sowie auch Leitern, die aber nichts
weiter sind, als unbehauene Stmme mit rechts und links in dieselben
angebrachten Kerben, Papageienstangen nicht unhnlich, auf welchen die
Indianer wie die Affen hinauf- und hinunterklettern, auf dem Rcken
einen ledernen Sack, der an einem Riemen ber die Stirn getragen wird,
um das Erz und die Steine zu transportiren. Von regelrechten Fahrten mit
Sprossen, Schachten mit Gpeln zum Ausbringen der Erze und des todten
Gesteines hat Niemand eine Idee, und ebenso wenig vom Bau eines
Stollens, um die unterirdischen Gewsser abzuleiten. Daher werden die
meisten Minen schon in einer Tiefe von 200 bis 300 Fu verlassen,
und erst in neuester Zeit hat Herr Sch...... Versuche gemacht, eine
aufgegebene Grube auszupumpen und wieder gangbar zu machen. Das grte
Hinderni sind die blen Straen, auf denen Alles nur durch Maulesel und
Menschen fortgetragen werden mu, und die es natrlich unmglich
machen, zweckmige Maschinen zum Auspumpen ersoffener Schachte
herbeizuschaffen. Von einer bergmnnischen Berechnung, wo man sich unter
der Erde befinde, hat hier gleichfalls Niemand eine Ahnung. Trotz des
bedeutenden Mineralreichthums (manche Minen geben 18 bis 20, ja sogar 25
Procent Silber) wird es immer noch geraume Zeit dauern, bis Dipilto den
Aufschwung bekommt, den es haben knnte, denn Jeder wird einsehen, da
unter so erschwerenden Umstnden viel Arbeit nthig ist, um nur ein
leidliches Resultat zu erzielen.--

Die localen Verhltnisse sind brigens in vieler Hinsicht gnstig; der
Flu mit bedeutendem Fall ist whrend aller Jahreszeiten im Stande,
eine hinreichende Wasserkraft zu produciren; als Brennmaterial dient
das vortrefflichste Kiefernholz, zum bloen Preis des Umhauens, und
die Arbeiter erhalten die niedrige Bezahlung von 2 Dimes (etwa 8
Silbergroschen) den Tag; die grte Schwierigkeit ist aber eben, diese
zu bekommen. Sobald der Indianer nur noch einen Cent in der Tasche hat,
kann ihn keine Macht zum Arbeiten bewegen, statt Montag kommt er oft
Mittwoch oder Donnerstag zur Arbeit; von einer regelmigen Eintheilung
in Schichten fr Tag- und Nachtarbeit ist gar keine Rede. Was nun daraus
fr eine Art von Bergbau entsteht, mag Jeder beurtheilen, der nur die
oberflchlichste Sachkenntni hat. Das sicherste Mittel, was noch der
Arbeitgebende hat, die Leute zur Arbeit zu zwingen, ist, ihnen einige
Dollars vorzustrecken, dann kann er die Leute durch den Alcalden
zwingen, das Geld abzuarbeiten, und sollte der Mann vom Sterbebett des
Kindes weggeholt werden mssen. Da nun die Indianer in ihrem sorglosen
Wesen sehr leicht verschuldet werden, so bringen die Leute meistens ihr
Leben in einem Zustande zu, noch schlimmer als Sklaverei. Es ist dies
eins der vielen Uebel, die spanische Gesetze nach Amerika gebracht
haben.

Da viele der Minen 5 bis 6 Miles von Dipilto liegen, so werden die Erze
durch Maulthiere dahin geschafft. Auch das Verfahren beim Ausbringen des
Silbergehaltes liegt hier noch in derselben Kindheit, wie vor etwa drei,
vier Jahrhunderten in Freiberg und Goslar, und geschieht meistentheils
in kleinen Oefen durch Feuer, so da jede Operation 7 bis 8 Stunden
erfordert und ein sehr unvollkommenes Resultat giebt.

Einige Besitzer bedienen sich auch noch einer amerikanischen
Originalerfindung auf dem Patio, d.i. ein groer gedielter Platz,
auf dem das gemahlene Erz in Haufen (Montones) von 15 bis 20 Centner
gebracht, mit etwas Kochsalz und Quecksilber gemischt, mit Wasser
durchgetreten und dann etwa 14 Tage der Sonne ausgesetzt wird, welcher
Proce sich oft drei- bis viermal wiederholt; dann wird der Sand
ausgewaschen, das gewonnene Amalgama unter Kupferglocken verdampft, die
Quecksilberdmpfe in dem darunter befindlichen Wasser condensirt
und spter das Silber in kleinen Oefen von der geringen darin noch
enthaltenen Quantitt Kupfer gereinigt. Ein hchst langwieriges
Verfahren, welches wegen des dabei unvermeidlichen Verlustes an
Quecksilber (hier im Preise von 140 Dollars der Centner) immer mehr in
Abnahme kommt.

Das Mahlen des Erzes geschieht im sogenannten Ingenio (vielleicht
sogenannt, weil in der Erfindung eben durchaus nichts Ingenises ist);
diese Maschine besteht aus einem horizontalen Rade, meist 30 Fu im
Durchmesser und ebenso hoch vom Boden entfernt, auf dessen Zhne oder
Ksten eine im Winkel von wenigstens 45 herabstrzende Wasserkraft
wirkt. An der verticalen Axe, etwa 5 Fu ber dem Boden, durchkreuzen
zwei Hlzer, jedes von ungefhr 20 bis 25 Fu, dieselbe, an deren
Enden Steine von 12 bis 15 Centnern, durch das Rad gedreht, einen
Kreis beschreiben und so die Erze zerquetschen. Eine sehr schwerfllige
Maschine, deren Resultat sich durch viel einfachere Mittel weit
vollkommener erreichen lt.

Die letzte Methode des Ausbringens, die erst in neuerer Zeit in Aufnahme
zu kommen beginnt, ist die bekannte Amalgamatiere in drehbaren Fssern,
nachdem das Erz vorher im Ofen gerstet worden ist. Herr Schmidt stellte
eben auch Versuche der sogenannten Augustin'schen Methode vermittelst
Kochsalz an, mit welchem Erfolge ist mir zur Zeit jedoch nicht bekannt
geworden.

Die vier Wochen, welche ich in Dipilto zubrachte, waren vom allerbesten
Erfolg fr mein Befinden und werden unter meinen Erinnerungen aus
Central-Amerika stets eine liebe Stelle einnehmen. Ich ging mit
erneueter Lust an die Arbeit, bereicherte meine Zeichnenmappe
betrchtlich mit hchst pittoresken Studienblttern und meine
Naturaliensammlung mit Specimen der verschiedensten Art. Der klare Flu
bot mir ein krftigendes Bad am Morgen, die bewaldeten Berge angenehme
Spaziergnge in der Khle des Abends, mit einem Worte, ich lebte wieder
neu auf. Selbst die kleinen Unannehmlichkeiten, die ein Aufenthalt an
so entlegenen, von aller Communication abgeschnittenen Orten mit sich
bringt, fhlte ich im Hause meiner gtigen Wirthin und durch den so
lieben freundlichen Umgang weniger. Sogar fr literarische Unterhaltung
auf einsamen Spaziergngen war gesorgt, denn ihr Bchervorrath enthielt
allerhand Literaturerzeugnisse in buntester Mischung, von Rousseau und
Voltaire bis Frederic Souli und Alexander Dumas.

Lebensmittel sind, da dieselben erst aus den tiefer gelegenen Bezirken
auf Maulthieren herbeigeschafft werden mssen, wohl zu Zeiten etwas
sparsam; allein da Herr und Madame L. selbst Handel mit Silber nach
Granada und mit allerhand Gtern fr den Verbrauch am Orte von dort
hierher betreiben, so geht beinahe monatlich ein Transport hinab und
einer herauf, wodurch denn auch Keller und Speisekammer wohl versorgt
ward. Zur Regenzeit mgen freilich manchmal magere Tage auf fette
folgen.

Gesellschaft fand ich, auer den beiden jungen deutschen Bergleuten,
in Herrn Sch., meinem Doppellandsmann, geborenen Deutschen und
naturalisirten Amerikaner, Don Felix S., ein unternehmender, thtiger
Mann, dem Dipilto die Einfhrung der neuesten Verbesserungen verdankt,
Don Chico F. u.s.w. Die meisten dieser Leute waren frher durch
Guardiolo aus Besitz und Heimath vertrieben worden und jetzt irrte
ihr frherer Verfolger in denselben Gegenden heimathlos umher, wo die
Vertriebenen sich eine neue Heimath gegrndet. Nehmt euch ein Exempel
dran!

Selbst die frohesten Stunden mssen aber ein Ende haben und so auch mein
Aufenthalt in Dipilto. Wenn ich noch andere Punkte fr meine Studien
ausbeuten wollte, hatte ich, der bevorstehenden Regenzeit wegen, nicht
sehr viel Zeit zu verlieren.

Ich fand hier noch grere Schwierigkeit, mir Thiere zu verschaffen,
denn die meinigen waren gleich nach meiner Ankunft nach St.Rafael
zurck gekehrt, weil der Mangel an Futter dort die meisten unfhig zur
Arbeit machte. Da ein Packthier, welches ich mit Mhe und Noth auftrieb,
erst in einigen Tagen disponibel ward, mir aber mittlerweile ein
ziemlich gutes Reitpferd verschafft worden war, so beschlo ich, mich
einstweilen allein auf den Weg zu machen, um in der Zwischenzeit Mr.
Dickson, meinen vorjhrigen Reisegefhrten von der Brigg Rogelin, zu
besuchen, der in Maquelizo eine Zweigmine bearbeitete.

So belud ich denn -- es war jetzt schon Mitte April -- den kleinen
munteren Braunen mit den nthigsten Lebensmitteln, da ich wenig Aussicht
hatte, die nchsten zwei Tagereisen bis Yuscaran welche zu bekommen, und
begab mich frisch und frhlich wieder auf die Wanderschaft.

Es ging nun von Neuem an ein Steigen und Klettern durch des steriles
Gebirg, weit und breit keine Spur menschlicher Wesen, denn ich befand
mich hier so ziemlich zwischen den letzten Auenposten der Civilisation.
Ich mochte etwa drei Stunden geritten sein und hatte von fern schon
mehrmals einzelne Savannen hinter mir in Feuer gesehen, als ich, in
einem engen Felsthal eingeschlossen, auf einem kleinen abschssigen
Terrain, bei einer Biegung das Thal vor mir in Flammen sah. Wre das
Gras hier so hoch und dicht wie in den Prairien von Texas, so wrde
ich jetzt wahrscheinlich nicht im Stande sein, gegenwrtige Zeilen zu
schreiben. Die Sache erscheint aber weit gefhrlicher als sie wirklich
ist, denn das Gras ist hier nur dnn und kurz, brennt schnell wie Pulver
ab, und dann bieten auch einzelne ganz nackte Stellen Pltze, wo das
Feuer nicht hinreicht, ja bisweilen hlt nur ein kleines Bchlein den
Gang der Flammen auf. Es geschieht dies Abbrennen absichtlich gegen Ende
der heien Jahreszeit, um dem neuen Grase Platz zu machen.

Zurckzugehen fand ich nicht fr rathsam, denn bergauf wre ich von den
Flammen sicherlich eingeholt und vom Feuer und Rauch noch mehr belstigt
worden, darum hielt ich auf der etwas hoch gelegenen Stelle an, stieg
ab und sattelte mein Pferd etwas mehr zurck, um ihm das Athmen zu
erleichtern.

Das kluge Thierchen wieherte leise, als htte es mich verstanden und
wollte mir sagen: Sei nur ruhig und verla dich auf mich.

In der That sind auch die Thiere durch das alljhrliche Abbrennen der
Savannen so ans Feuer gewhnt, da selbst Khe sich ganz gemchlich an
gesicherte Punkte zurckziehen, wobei sie freilich die feinere Witterung
vor dem stolzen und doch oft so hlflosen Herrn der Erde voraus haben.

Ich hielt nun still, bis die Flammen einen Punkt erreicht hatten der mir
gnstig schien, gab dem Braunen scharf die Sporen und im raschen Galopp,
das Gesicht in des Pferdes Mhne geborgen, tauchte ich gegen den Wind
in den dichten Qualm und war in nicht einer halben Minute wieder auf der
anderen Seite aus dem Feuer heraus. Zwar war der Boden noch hei, die
Luft schwer und raucherfllt, allein bald verlor sich auch dies, und als
ich nach einiger Zeit an einen Quell kam, wusch ich mein Pferd, das an
den Beinen ziemlich versengt war, so wie mein eigenes rauchgeschwrztes
Gesicht im khlenden Na. Das Fatalste war, da ich durch die Hatze den
Weg verloren hatte und erst eine Weile herumirren mute, ehe ich ihn
wieder fand.

Ich konnte nun freilich Maquelizo diese Nacht nicht mehr erreichen, wie
ich gewollt, allein da ich gegen Abend einen Rehbock scho und auch so
glcklich war, ein Bchlein mit noch grnem Ufer zu finden, das Wasser
und Futter fr's Pferd bot, blieb ich liegen, hobbelte das Pferd, briet
mir etwas Fleisch und lie das andere am Morgen den Coyotas, welche die
ganze Nacht darum serenadirt hatten.

Ich kam nach Maquelizo, das etwas kleiner als Dipilto, brigens aber
demselben sehr gleicht, schttelte Freund Dickson die Hand, und nachdem
wir einen Tag mit gegenseitiger Erzhlung unserer Erlebnisse verbracht,
ritt ich weiter gen Honduras. Ich war jetzt auf der Hhe des Gebirges,
welches die Wasserscheide zwischen den beiden Oceanen bildet; in einer
Entfernung von nur einigen hundert Schritten entsendeten Quellen ihre
Wsser nach Osten und Westen.

Bis Yuscaran kam ich nur zweimal an elende Indianerhtten, in deren
einer ich bernachtete. Mein Bett war ein hlzerner Trog, in welchem die
Thiere, die Moses Kinder scheuen, nach ihrem Tode abgebrht und ihrer
Borsten beraubt werden, und mein Schlummer ward sehr gestrt, nicht
sowohl von den blutigen Gestalten jener unschuldig Gemordeten, sondern
von einer Legion Flhe und anderer Insecten. Ich hatte am nchsten
Morgen auch noch das Vergngen, einen Tiger zu schieen, der mich von
einem kleinen Felsblocke aus neugierig betrachtete, als ich eben mein
Pferd einen steilen Hohlweg am Zgel herauffhrte. Die Kugel drang ihm
ins linke Auge und er verschied ohne weitere Protestationen, das Pferd
aber hatte beim Knall Reiaus genommen, und ich hatte Mhe, es wieder zu
erhaschen. Das schne Fell brachte ich als Trophe mit nach New-York.

Am Mittag erreichte ich den Rio di Choluteca, den Grenzflu zwischen
Honduras und Nicaragua. Von Zollbeamten und Gensdarmen zur Visitation
der Psse war hier freilich keine Spur, und doch wre es mir hchst
erfreulich gewesen, dergleichen Leutchen hier zu finden, da sie mir doch
die Furth zum Passiren des Flusses htten zeigen knnen, zu der ich den
Weg im steinigten Terrain verloren hatte; denn da der an und fr sich
schon groe Flu noch von steilen Felsen eingeklemmt wird, so ist er
selbst in der trockenen Jahreszeit nur an einigen Stellen passirbar.

Ich suchte eine Zeitlang, bald auf-, bald abwrts, nach einer Furth, da
ich aber keine fand, nahm ich Waffen und Packtaschen auf den Kopf
und durchkreuzte auf gut Glck den Flu an der Stelle, die mir am
tauglichsten dazu schien. Bald hatte das Pferd Grund, bald ging es
schwimmend weiter, so da manchmal nur noch unsere beiderseitigen Kpfe
zu sehen waren, doch langte ich ohne weiteren Unfall am anderen Ufer an,
natrlich so na, als ein Geschpf Gottes mglicherweise nur sein kann,
setzte meinen Weg fort und langte am Abend im Hause des Herrn George
C..... an, eines Englnders, der seit mehr als 20 Jahren hier ist,
sich mit einer Tochter des Landes verheirathet hat und nun mit seiner
liebenswrdigen Gattin und seinen Kindern ein zwar einsames, aber
ruhiges und augenscheinlich glckliches Leben fhrt.

Sein Ingenio liegt nur etwa 3 Miles von Yuscaran entfernt; ich leistete
daher seiner, schon in Dipilto an mich ergangenen Einladung, in seinem
Hause zu ruhen, um so lieber Folge, als sowohl das Pferd wie ich vom
dreitgigen Klettern gehrig erschpft waren. Das arme Thier war von dem
schweren Reiter und den ausgestandenen Strapazen so mitgenommen, da es
sich durch mehre Tage nicht erholen konnte.

Mit wahrem Wonnegefhl legte ich mich am Abend, nach einer Tasse
strkendem Kaffees, in einem guten Hause unter freundlichen Menschen
zur Ruhe und schlief mit dem seligen Bewutsein ein, morgen nicht gleich
wieder in den Sattel klettern zu mssen.

Der Staat Honduras, dessen Grenze ich im Rio di Choluteca berschwommen,
ist von den fnf Staaten Central-Amerikas nchst Nicaragua an
Flchenraum der grte, an Bevlkerung der kleinste, an Mineralien der
reichste, an Productenausfuhr der rmste. Er erstreckt sich vom 13. bis
16. Grade nrdlicher Breite, vom 83. bis 89. westlicher von Greenwich,
vom 6. bis 12. westlicher von Washington, ist im Norden und Nordwesten
von den carribischen Seen, stlich vom sogenannten Mosquito-Knigreiche,
sdlich vom Staate Nicaragua, sdwestlich von St.Salvador, nordwestlich
von Guatemala begrenzt.

Die Verfassung ist mit geringen Abweichungen der von Nicaragua gleich.

Der Staat ist in sechs Departements getheilt: Gracias, St.Barba mit
dem Hafen von Omoir an dem Carribien-See, Comayagua mit der Hauptstadt
gleiches Namens, Yoco, nchst dem Cap Honduras, Choluteca, welches
zugleich einen groen Theil des Golfes di Fonseca umfat, und in
letzterem die wichtigen Inseln Islo de Tigre und Sacate Grande,
die, sollte der Atlantic-Pacific-Kanal zu Stande kommen, eine
auerordentliche Bedeutung erlangen mssen. Die Stadt Tegucigalpa liegt
gleichfalls in diesem Bezirke und ist meist der Aufenthaltsort der
Regierung, da die ungesunde Lage von Comayagua diese Stadt nicht recht
zur Bedeutung kommen lassen will. Der sechste District endlich, Olancho,
ist einer jener unter dem Namen des Mosquito-Knigreiches streitig
gemachten Landstriche und grtentheils, gleich Yoco und St. Barba, von
den Indianerstmmen der Ikakes und Carribes bewohnt; der weie Theil
der Bevlkerung lebt meist zerstreut auf Rindvieh-Haciendas, unter denen
sehr ausgedehnte Besitzungen sind. So starb whrend meines Aufenthalts
in Yuscaran einer der reichsten Grundbesitzer, der an 24,000 -- sage
24,000 -- Stck Rindvieh hinterlie, und deren Weidepltze einen
Flchenraum einnahmen, grer als so manches deutsche Frstenthum.

Zur selben Zeit fand auch einer der fter vorkommenden Raubberflle
der Carribes statt, als deren Grund ich aber mehr jene kleinlichen
Hetzereien wegen der Gebietsstreitigkeiten ansehe, als wirkliche
Feindseligkeiten und Ha; denn so oft ich auch Indianer antraf, fand ich
sie doch nur stets von friedfertigem, freundlichem Charakter und sanften
Sitten.




XII.

Yuscaran. -- Don Pedro Xatrerha. -- Indianerstmme. -- Gefahren
eines Besuches bei ihnen. -- Gewaltsame Requisition. -- Tegucigalpa.
-- Sennora L... -- General Cabannas.


Yuscaran, wo ich einen Halt von zwei Wochen machte, ist einer der
bedeutendsten Bergbaupltze mit einer groen Anzahl Minen, deren viele
schon seit mehren Jahrhunderten betrieben werden. In der Neuzeit ist die
Ausbeute allerdings bedeutend geringer geworden, was auch hier
seinen Grund in dem hchst unvollkommenen Betriebe hat, so wie in der
Schwierigkeit, sich die nthigen Maschinen und tchtige Bergleute zu
verschaffen, denn Alles, was ich ber Dipilto gesagt, hat auch auf hier
Bezug. Keine der Minen hat mehr als 500 bis 600 Fu Tiefe, und doch
liegen viele derselben schon lange todt, die bei gehrigem Betriebe
noch sehr reiche Ausbeute geben wrden. Ich habe auf meinen Touren die
verschiedenartigsten Stufen gesammelt, deren reicher Gehalt gewi die
Aufmerksamkeit der Mineralogen fesseln wrde, und dennoch tragen viele
der Minen, aus denen ich sie gesammelt, kaum die Kosten des Betriebs.

Der Ackerbau ist von keiner groen Bedeutung und gengt kaum, die dnne
Bevlkerung zu ernhren; Reis, Bohnen, ja selbst Mais mu nicht selten
aus den Niederungen am Pacific herbeigefhrt werden, und sogar whrend
meines kurzen Aufenthaltes war wegen geringer Stockung im Transport fr
einige Zeit eine Art von Hungersnoth eingetreten.

Die weie Bevlkerung ist auch hier verhltnimig noch schwach, da das
Land erst spter unter spanische Botmigkeit kam. Cortez, auf seinem
berhmten, beschwerdereichen Marsche nach Cap Gracias, berhrte nur
Nord-Honduras.

In den blutigen Revolutionen, die Central-Amerika bis auf unsere Tage
erschttern, hatte auch Honduras seine Rolle; in dem Kriege, den
Morozan fr die Fderation fhrte, war Tegucigalpa der Schauplatz einer
heldenmthigen Vertheidigung des Generals Cabannas, desselben, der sich
auf Morozan's Rckzug von Guatemala so groen Ruhm erwarb und der heute
den Prsidentenstuhl von Honduras einnimmt.

Eine traurige Epoche war die, wo Guardiolas' fanatische Verfolgung
der Gegenpartei stattfand und das Land mit Blut berschwemmte. Wenige
Familien existiren, die aus jener traurigen Zeit nicht den Verlust eines
ihrer Glieder zu betrauern haben. In jener Zeit erwarb sich der damalige
Commandant von Yuscaran, Don Pedro Xatrerha, groes Verdienst: als
nmlich Guardiolas sich der Stadt bis auf einen Tagemarsch genhert,
ffnete Don Pedro auf eigene Gefahr der Verantwortung die Gefngnisse
und entzog so Hunderte von unglcklichen Gefangenen einem grausenvollen
Tode, eine menschenfreundliche Handlung, die der wackere Mann beinahe
mit dem eigenen Leben bezahlt htte, denn Guardiolas, wthend, da seine
Opfer ihm entgangen waren, lie ihren Befreier verhaften, und nur seine
anerkannte Bravour als Soldat entzog Don Pedro dem Tode. Derselbe lebt
noch heute geehrt und geliebt auf demselben Posten, und ich geno drei
Tage, die ich in der Stadt selbst blieb, seine Gastfreundschaft, die,
wie hier berall, gern gegeben und darum dankbar angenommen ward. Fr
mein Portefeuille fand ich auf meinen Streifereien in der Umgegend
besonders reiche Ausbeute und bereue die darauf verwendete Zeit
keineswegs.

Groes Verlangen trug ich danach, meine Excursionen bis in das Gebiet
der Ikakes und Carribes auszudehnen, unter gnstigen Umstnden mich
sogar lnger unter ihnen aufzuhalten und vielleicht manche nicht
unwichtigen Beitrge zu Nutz und Frommen der Wissenschaft zu sammeln;
allein einige Berichte competenter Mnner ber die Eigenthmlichkeiten
dieser Indianerstmme hielten mich ab, dies Wagni allein zu
unternehmen, und ein Begleiter wollte sich nicht finden.

Es herrscht nmlich bei allen diesen Stmmen, neben der Scheu, die
sie berhaupt vor Umgang mit Fremden tragen, eine auerordentliche
aberglubische Furcht vor Bezauberung und Ansteckung durch Krankheit.
Allein unter ihnen krank werden, heit seinem gewissen Tode
entgegengehen. Man lt dem fremden Kranken einige nothdrftige
Lebensmittel und Wasser, worauf Alles aus seiner verderbenbringenden
Nhe flchtet und erst nach seinem Tode oder, was uerst selten
vorkommt, nach seiner Genesung zurckkehrt; stirbt er, so wird das Haus
sammt Allem, was darin ist, niedergebrannt. Dasselbe geschieht ihm aber
auch, jedoch bei lebendigem Leibe, wenn er nur zufllig auf die Erde
spuckt, so gro ist ihre Furcht vor Bezauberung.

Es mge dies den tabackkauenden Yankees zur Lehre dienen, wenn anders
einige von ihnen diese Lnderstriche besuchen und, wie berall, einen
magischen Kreis braungefrbten Speichels um sich ziehen sollten.

Ich selbst huldige zwar keineswegs der edlen Gewohnheit des Tabackkauens
und hatte also von dieser Seite nichts zu befrchten; allein mein
viermonatliches Fieber hatte mir denn doch einigen Schrecken in die
Glieder gejagt, und wenngleich ich den Tod nicht scheue, wenn's einmal
gestorben sein mu, so hat der Gedanke, von aller Welt verlassen gleich
einem Paria zu verenden, doch zu wenig Anziehendes fr mich. Sollte
sich also ein anderer Reisender zur Nachholung des von mir Versumten
verlockt fhlen, so rathe ich ihm wohlmeinend, sich wenigstens mit einer
zu Schutz und Krankenpflege geeigneten Begleitung zu versehen, besonders
aber sich des Ausspuckens gnzlich zu enthalten.

Nachdem mir die Gte des wackern Mr. George C......, eines der
angesehensten Minenbesitzer hiesiger Gegend, ein paar leidliche
Maulthiere verschafft, machte ich mich in Begleitung eines Mozo nach
Tegucigalpa auf den Weg. Die einzelnen Individuen vom Stamme der Ikaken,
die, schon als Kinder geraubt, hier und da zerstreut als Diener leben,
sind wesentlich von den Nachkommen der Aztekes und Toltekes verschieden,
weniger gut gebaut, mit kleinen geschlitzten Augen, verschwollenen
Augenliedern, dicken Lippen und unverhltnimig groen Untertheilen
des Kopfes, augenscheinlich von viel geringerer Intelligenz und
Capacitt als jene. Die Haare, welche die Nicaragua-Indier bis auf einen
kleinen Theil ber der Stirn abscheren, tragen diese Ikaken lang, auch
waren dieselben nicht kraus, sondern schlicht herabhngend.

Um nach Tegucigalpa zu gelangen, hatte ich zuvrderst einen mchtigen
Gebirgsstock zu erklettern, was viel leichter gesagt als gethan ist;
die trockene Jahreszeit hatte ihren hchsten Gipfel erreicht, die ganze
Natur schien mir bis ins innerste Mark verbrannt; die armen Maulthiere
waren durch die Sprlichkeit des Futters zu wahren Skeletten
herabgekommen, konnten statt der 250 bis 300 Pfund der gewhnlichen
Ladung kaum 150 Pfund tragen, und mein armes Sattelthier machte mein
Mitleid so rege, da ich es vorzog, einen groen Theil der Kletterei zu
Fu abzumachen. Auf der Hhe des Gebirges fanden wir einen Quell,
kalt wie Eis, fr Menschen und Vieh eine willkommene Erquickung. Meine
Tortillas gab ich meinem armen verhungerten Thiere, begngte mich mit
einigen gekochten Bohnen und einem halben Dutzend Strohcigarren
zum Nachtisch, worauf es wieder an ein eben so halsbrecherisches
Hinabklettern ging, das uns am Abend zu einem mit grnen Ufern
kokettirenden Flchen als geeigneten Lagerplatz brachte. Die grte
Wohlthat war den armen Thieren hier unten die Befreiung von den
abscheulichen Stechfliegen, die hier die Gre von einem Zoll haben
und eine wahre Hllenmarter fr das Vieh sind; ich vergrerte ihr
Wohlbehagen noch dadurch, da ich ihnen meinen Salzvorrath zu lecken
gab.

Aber bei all' meiner Thierfreundlichkeit blieb ich doch selbst ohne
Nahrungsmittel und schickte daher Salvador, meinen zeitweiligen Sancho
Pansa, auf Requisition von Eiern und Hhnern aus, whrend ich selbst
Feuer machte; der Bursche kehrte aber mit der gewhnlichen Redensart
=No hai= (es ist nichts da) zurck. Das wurmte mich und meinen Magen
gar sehr, deshalb beschlo ich, selbst eine Recognoscirung anzustellen,
grtete meine Hften, schulterte die Bchse und schlug den Pfad nach
einigen zerstreuten Indianerhtten ein, die das Drfchen Jove bilden.

Wie gewhnlich war auch hier Alles, wonach ich fragte, nicht vorhanden.
Da fhrte sein Unstern mir ein halbwchsiges Schweinchen in den Weg, und
ich that, wie ich schon frher bei gleicher Gelegenheit einmal gethan,
d.h. nachdem ich die anwesenden Indianer gefragt, ob einer von ihnen
der Eigenthmer sei und ein =No Sennor= zum Bescheid erhalten, schnitt
meine Kugel den Lebensfaden des jugendlichen Geschpfes zugleich mit
allen Einwendungen des Mannes kurz ab, erffnete aber dagegen die
Schleusen seines Jammers ob des ungeheueren Verlustes; 10 Pesos Kupfer,
ungefhr 2 Thaler und gut der dreifache Werth des Schlachtopfers,
stillten jedoch den Jammer und verwandelten ihn in solche Freude, da
der Mann mir ein Geschenk von einem Dutzend Eiern machte und seiner
Frau befahl, mir so viele Tortillas zu backen, als mein Herz nur immer
verlangen wrde.

Da ging es nun an ein Kochen, Braten und Backen, das Feuer ward rundum
mit Cochonnerien aller Art besteckt, Wirth und Wirthin wurden meine
Gste, aus meinem kleinen Feldkessel sendete ein kstlicher Kaffee
seine aromatischen Dfte empor, und um dem Mahle den grten Reiz zu
verleihen, zog ich eine Flasche =Agua ardiente=, zu deutsch Schnaps, aus
meiner Satteltasche hervor. Ueberwltigt vom lucullischen Mahle und der
Mdigkeit, sank ich dahin und schlief den Schlaf des Gerechten.

Wer wissen will, wie ich den nchsten Tag verlebt, der lese das Obige
noch einmal, nur mit dem Unterschiede, da der reichlichere Vorrath von
Tortillas und Schweinefleisch neue Requisitionen unnthig machte, und
da auf der Hhe des Gebirges der Minenort St.Antonio, zwischen todten,
sterilen Sandsteinfelsen gelegen, die Oede etwas unterbrach; nachdem
ich aber den zweiten Gebirgskamm berschritten, sah ich das Ziel
meiner diesmaligen Reise, Tegucigalpa, in der Ferne liegen, bei welchem
Anblicke mein Herr Maulesel, in der Hoffnung auf Erlsung von seinen
Leiden, die Lfte von einer mitnigen Freudenhymne wiederhallen
lie. Noch ein mhevolles Hinabklimmen, und ich hielt meinen Einzug
in besagter Stadt, deren reinlich gehaltene, gepflasterte Straen,
wohnliche Huser und behbig aussehende Einwohner einen sehr angenehmen
Eindruck auf mich machten.

Im Hause der Schwiegermutter des Herrn C....., Sennora Donna L.....,
erwartete, wie berall, Menschen und Thiere die freundlichste Aufnahme;
mein Gepck traf aber erst spt am Abend ein, denn das arme verhungerte
Thier war zweimal gestrzt; nebenbei hatte Salvador groe Aengsten
ausgestanden, da ich mich verirrt haben knne, und war hchlich
erstaunt, mich gesund und wohlbehalten beim Schmause zu finden.

Die Stadt Tegucigalpa, inmitten der Gebirge in einer schnen Thalebene
am Rio di Choluteca und nicht weit von seinem Ursprunge gelegen, _soll_
eine Bevlkerung von 25,000 bis 30,000 Einwohnern haben, woran ich
jedoch billig zweifeln mu, obschon man den ber einen groen Theil der
Ebene zerstreuten Stadtbezirk hierbei mit einrechnet. Wenn berhaupt
alle die hier gewhnlich erfolgenden Angaben der Einwohnerzahl richtig
wren, wie z. B. Granada 40,000, Leon 35,000, Matagalpa 30,000 u.s.w.,
so mte Central-Amerika mindestens 10 Millionen Einwohner haben,
whrend es thatschlich deren kaum 2 Millionen besitzt. Meiner
Berechnung nach kann die eigentliche Stadt Tegucigalpa etwa 5000 bis
6000 Einwohner haben.

Alles trgt aber hier den Charakter der Wohnlichkeit und Nettigkeit. Die
Plaza ist mit hbschen Husern umgeben, worunter mehrere zweistckige,
eine Seltenheit in diesem Lande, welche beweist, da die Erdbeben in
diesem Theile weder so hufig, noch sehr stark sind. Ein erfreuliches
Zeichen waren die vielen im Bau begriffenen Huser und die gnzliche
Abwesenheit von Ruinen, jener traurigen Denkmale vergangener
Brgerkriege. Die Kathedrale ist ein groes, stattliches Gebude mit
nicht unschnen Verhltnissen, nicht ganz so imposant wie die von Leon,
aber immerhin ein schnes Bauwerk und seinen Umgebungen angemessen. Sie
besitzt einen beraus reichen Altar von vergoldeter Holzschnitzerei
im spanischen Roccoco, einige Bilder alter spanischer Meister zweiten
Ranges und mehrere neuere von geringer Bedeutung. In der Sakristei lag
auf einem Tische eine neungeschwnzte Geiel; ich frug den freundlichen
alten Priester, der mich herumfhrte, ob dies Instrument hier etwa
zu frommen Bubungen angewendet wrde? =No, Sennor,= entgegnete
er lchelnd und kopfschttelnd, es ist fr die Hunde, die einst, vom
Hunger getrieben, das Hostienkstchen ausgefressen haben.

Im Hause der Sennora L.... war ein ganzes Heer allerliebster Mdchen,
sammt und sonders Schwgerinnen des Herrn George C...... Ich war meist
den ganzen Tag abwesend, wenn ich aber am Abende zurckkehrte, so hatten
immer zwei der jungen Damen die Aufmerksamkeit, ihr Diner bis zu meiner
Essenszeit zu verschieben, um mir Gesellschaft zu leisten, was mir im
hchsten Grade angenehm war. Gern htte ich mich fr so viele Gte durch
doppelte Liebenswrdigkeit dankbar erzeigt, allein mein vom Weltschmerz
zusammengeworfenes Schicksal trieb mich unerbittlich weiter und weiter
ber Stein und Dorn, und verstattete mir keine Frist, meine Galanterie
zur vollen Blthe zu entfalten.

Ein freundlicher alter Herr, Don Liberato X......, stellte mich dem
Prsidenten, General Cabannas, vor, einem kleinen Manne, der mir kaum
bis an die Herzgrube reichte, mit einem Kopfe, der sich zum Krper wie
1 zu 6 verhlt, einem Gesichte voller Narben, aber einem Paar biederer,
kluger Augen, aus denen Muth und Energie blitzt, und der felsenfeste
Geist eines redlichen Patrioten und tchtigen Feldherrn.

Bei Morozan's Rckzug von Guatemala hatte der damalige Colonel Cabannas
die Kathedrale mit einem Huflein besetzt und gehalten, bis das ganze
Patriotenheer sich zurckgezogen, und schlug sich dann mit 100 Mann
durch ihrer 3000, wobei freilich kaum ein Viertheil seiner Tapfern mit
dem Leben davonkam. Als Guardiolas im Jahre 1849 die Regierung umstrzen
wollte, gengte der bloe Name Cabannas', um ein Heer auf die Beine
zu bringen, und schnell, wie Spreu vom Winde, waren die Emprer
auseinandergejagt.

       *       *       *       *       *

Der Mann war mir trotz seines unschnen Aeuern wirklich lieb geworden,
und ich fand den Enthusiasmus fr ihn ganz begreiflich. Er bewohnt jetzt
das Haus, das ehemals Morozan gehrte, ein pittoreskes, altspanisches
Gebude, dicht am Flusse gelegen, ber den hier eine breite steinerne
Brcke von 17 Pfeilern fhrt, die erste, die ich in Central-Amerika
gesehen, denn die von Leon ist nie vollendet worden.

       *       *       *       *       *

Aller Wahrscheinlichkeit nach bin ich das erste Malerexemplar, das sich
in diese Himmelsstriche verirrt hat, denn es ist unglaublich, was ich
von der Neugierde der Leute auszustehen hatte; bei der Arbeit umstanden
sie mich so dicht, mir nur gerade ein Stck Aussicht offen lassend,
da kein Lftchen mir Khlung bringen konnte, hier unter der tropischen
Sonne eine hchst unerquickliche Probe von Kunstliebe.

Ich sah im Hause des Prsidenten mehrere sehr schne Opale, deren im
Gebirge von ungeheuerer Menge, wenn auch nicht alle von gleichem Werthe,
vorhanden sind; einen davon verehrte er mir, sowie auch einige schne
Gold- und Silbererze.

Nach alle diesen Kreuz- und Querzgen nahte sich der Monat Mai heran,
und mit dessen Ende das Ende der trockenen Jahreszeit. Wie schmerzlich
fhlte ich hier den durch meine Krankheit verursachten Zeitverlust, der
es mir unmglich machte, noch einen Abstecher nach Copan vorzunehmen,
obschon ich mich hier bereits auf ziemlich zwei Drittel des Weges von
Leon dahin befand; allein jetzt war es die hchste Zeit, den Rckmarsch
nach Leon anzutreten, wollte ich anders zu Land dorthin gelangen; denn
gleich nach den ersten Regengssen, die meist auch die strksten der
ganzen Regenzeit sind, verwandelt sich das Land nrdlich vom Viejo in
einen wahren Sumpf.

Ich hatte mich jetzt nach und nach bis ziemlich zum 15. Breitengrade
hinaufgearbeitet und sollte mich nun aus diesem _kalten_ nrdlichen
Klima, wo man sich im Schatten bei 95 Fahrenheit erlaben durfte, wieder
einem sdlichern, wrmern, d.h. noch brhheiern, zuwenden. O welch'
heitere Aussicht!




XIII.

Ser Abschied. -- Cerro di Ule. -- Prachtvolles Panorama. --
Heimweh. -- Portillo de la Victoria. -- Knstlerische Ausbeute. --
Indianische Fiesta. -- Groe Hitze. -- Ein tropisches Gewitter.
-- Ankunft zu rechter Zeit. -- =Fata morgana.= -- San Martin. --
Choluteca. -- Esteroreal. -- Noch etwas ber das Canalproject. --
Ankunft in Leon.


Das alte Lied vom Maulthiermiethen, satteln, packen ging wieder
los; diesmal aber hatte mich die Gte der Sennora L.... mit einem
vorzglichen Vorrath von Proviant aller Art versehen, worunter sich
sogar ein auerordentlicher Luxusartikel befand: Brod, wirkliches
ordentliches Brod! Gegen Mitte des Mai rckte ich mit dem Frhesten aus,
denn ein harter, langer Tag stand mir bevor.

Der Abschied war mir weniger schmerzlich, als vielmehr sehr wonniglich,
denn ich hatte ein ganzes Pelotonfeuer von Umarmungen und rosigen Lippen
zu passiren -- =honni soit qui mal y pense!= das ist hier Landessitte,
und Landessitte mu man ehren! Ganz nach der Regel fing ich mit der
ltesten Dame an und endigte mit der jngsten, gleichwie man erst
Tischwein trinkt und dann Cabinetswein nippt, und als das Spiel ein
Ende nahm, da fing ich wieder von vorne an -- dann aber machte ich, da
ich in den Sattel kam, sonst wre ich wohl gar ganz kleben geblieben.

Und bergauf, bergab ging's wieder, und immer mehr bergauf, und immer
pittoresker und schner ward die Landschaft -- o htte ich den Genu mit
so manchem meiner Kunstgenossen theilen knnen! Zuerst lie ich hinter
mir die herrliche, luftige Palme, dann die majesttische Buche, dann die
knorrige Eiche, zuletzt selbst die Kiefer, bis ich ein hohes Tafelland
erreichte, wo nur noch niedrige Strucher und endlich eine Art mir noch
gnzlich unbekannter Bume wuchsen. Zwischen Steinen und Felsgerll
schafften sich riesige Alos von 30 bis 35 Fu, wohl auch noch hher,
Raum, jene fremdartigen Bume aber waren mit langen Streifen hellen
Mooses behangen, das in dicken Fasern bis hernieder zur Erde hing und,
vom leisesten Winde lautlos hin- und hergewiegt, der ganzen Natur das
Ansehen eines ehrwrdigen, nachdenklichen Greises gab.

Wie so fremd, so heimathlos fremd und einsam fhlte ich mich da
pltzlich in solch' lautloser Beweglichkeit, da mir graute wie im
Reiche der Schatten, und ich ordentlich froh war, wenn der Hufschlag
meines Thieres die unheimliche Stille unterbrach.

Bald hrte auch die letzte Vegetation auf und allmlig drhnte der Tritt
der Thiere hell auf der gefrorenen Erde; die seltsamsten Empfindungen
regte der Contrast des fremdartigen Anblicks mit diesem eigenthmlich
heimischen Schall in mir auf. Die Sonne sank tiefer und tiefer, und als
sie ungefhr noch zwei Hnde hoch ber dem Horizonte stand, hatte ich
die letzte Hhe des Cerro di Ule erreicht.

Wen solche Naturscenen nicht zur Andacht stimmen, der, meine ich,
ist berhaupt keiner Herzenserhebung zum Herrn und Schpfer fhig!
Da drauen, in weiter, unermelicher Ferne, lag der stille Ocean, in
welchen bald die herrliche, glhende Sonne hinabtauchen sollte, wie in
ein ersehntes Land der Verheiung; da lag, in grauvioletten, unendlich
zarten Duft gehllt, der schne Golf von Fonseca mit seinem gebirgigen
Archipelagus; da lag gen Sden die Ebene von Nicaragua, begrnzt von
der imposanten Kette von Vulkanen, deren letzter und hchster, der
alte Monotombo, sein graues Haupt ber die Spitze eines nher liegenden
Gebirges noch erhebt, whrend der Viejo, als anderer riesiger Endpfeiler
dieser Kette, seinen Fu von den Wellen des unendlichen Meeres besplen
lt; da lag die Tierra caliente von Choluteca, durchschnitten von
vielen in der Abendsonne blinkenden Flssen und Flchen, und
weiterhin eine zweite Vulkankette, la Consequina, la Union, St.Miguel,
St.Vicente, St.Salvador, Itzalko, bis sich weit, weithin nach
Nordwesten Alles in grauen Nebel verlor; ringsum aber in grerer Nhe
streckten starre, steile Felsgebirge die nackten Hupter aus der
Tiefe empor, und hier und da brannte das Gras und erhhte durch die
leichthinziehenden weien Rauchwolken noch den Reiz der groartigen
Landschaft. Gott ist gro und die Natur der erhabenste Prophet seiner
Gre!

Aber wie so hlich strend rttelten mich die Lamentionen meines
klappernden, frierenden Mozo auf, der mich endlich einholte und mir
vordemonstrirte, da die Thiere noch weit mehr frren als er, da sie
krank werden wrden, wenn sie die Nacht hier blieben, wo keine Weide,
kein Wasser und nur wenig Holz sei, und dies und das, bis ich fuchswild
ward und Alle zum Kuckkuk wnschte, was von hier aus wohl ziemlich
ebenso weit sein mag, als das Pfefferland von Europa; er nahm sich den
Wunsch zu Herzen und zog ab -- nach einer der tiefer liegenden Htten,
ich aber behielt mein Poncho, meine Bchse, meinen Feldkessel und etwas
Wasser, machte Feuer an, kochte mir Kaffee, wickelte mich in den
Poncho und berlie mich meinen Gedanken, die schneller noch als alle
elektromagnetischen Telegraphen dahinflogen in weite Ferne.

Es wurde aber wirklich recht frisch in der Nacht, und das Gefhl der
Klte war mir ganz wunderlich, denn seit Jahr und Tag hatte ich es fast
verlernt; ich lief hin und her im klaren Mondschein, rieb mir die Hnde
und schttelte mich, suchte mehr Wurzeln fr's Feuer und lief wieder
umher -- und pltzlich ward mir's recht seltsam zu Muthe, ich kam mir
vor wie einer jener armen Jungen am Weihnachtsmarkte meiner Vaterstadt,
die auch frierend hinter ihren kleinen Verkaufstischchen mit den
winzigen papiernen Pyramiden und Christbumchen hin- und hertrippeln,
und sich ebenso, wie ich jetzt, die Hnde reiben; ich gedachte der
heiligen Christabende meiner Jugend und es berfiel mich ein seltsames
Gefhl -- mit einem Worte: ich bekam das Heimweh.

Der Morgen kam und mit ihm der Mozo, und die Maulthiere, und der Kaffee
und Tortillas, =nota bene= nicht auf einmal, sondern Eins nach dem
Andern, und als nichts mehr kommen wollte, machten wir uns auf die
Socken, oder richtiger, auf die Hufe unserer Maulthiere.

Der hchste Punkt meiner ganzen Tour war nun berschritten, und bald
sollte ich aus der Tierra fria, wie das ganze Hochland benannt wird, in
die Tierra caliente am Pacific, das heit aus dem kalten Striche in den
warmen kommen.

Zuvrderst suchte ich dem Golf von Fonseca nher zu kommen, um eine
malerische Ansicht zu erlangen; die vom Cerro di Ule war zu ausgedehnt
fr ein Bild, und als solche war mir der Portilla (soviel wie Engpa)
de la Victoria gerhmt worden. Zunchst erreichte ich das freundliche
Indianerdorf Coyolar, wo mir in einem freundlichen steinernen Hause von
einem noch freundlichern Wirthe die allerfreundlichste Aufnahme ward.
Der Eigenthmer war auch einer jener sich arm nennenden Besitzer von
circa 20,000 Acker Landes und 6000 bis 7000 Stck Rindvieh, eine Armuth,
bei der es sich inde allenfalls leben lt. Sehr in Erstaunen setzte
mich hier die Gre des Rindviehs, das von hier durch die ganze Gegend
bis Choluteca dem grten Schweizervieh nichts nachgiebt.

Der folgende Tagemarsch sollte mich bei Zeiten Nachmittags an besagten
Portillo bringen, allein just am entscheidenden Punkte lie mich,
oder lie ich den Weg im Stiche, wenn man nmlich einen einfachen
Rindviehpfad so nennen kann; statt rechts wandte ich mich links, und
nach dreistndigem mhe- und gefahrvollem Hinabklettern befand ich mich
pltzlich auf einem stark abschssigen Terrain, einige Hundert Fu ber
einem kleinen Flusse, und gegenber, aber hoch, hoch ber mir lag der
fragliche Punkt.

Zurckzugehen war so schlimm als vorwrts, ersteres aber zu zeitraubend,
und so blieb mir denn nichts brig, als, bald rutschend, bald kletternd,
bald fallend, einen Pfad zum Flu hinab zu suchen, was besonders fr die
armen Thiere sehr beschwerlich war, endlich aber doch trotz
mehrmaligem strrischen Protestes ihrerseits ohne Hals- oder Beinbruch
bewerkstelligt ward; die Passage des Flusses ergab gleichfalls ein
betrchtliches Risico fr die Gebeine von Menschen und Vieh von
wegen des schlpfrigen, ungleichen Terrains zwischen scharfkantigen
Felsbrocken, nach dessen glcklicher Ueberwindung zu allgemeiner
Erholung ein fnfstndiges Klimmen begann, bergauf durch pfadloses
Gerll, und bei einer Sonnengluth! -- ohne Schatten, ohne erfrischenden
Trunk, -- das Wasser im Calabash (Krbisflasche) hatte so ziemlich eine
Temperatur, um Eier weich darin zu sieden.

Alles aber erreicht sein Ende, so auch das Klettern; Dank dem Umstande,
da ich glcklicherweise so ungewhnlich starke Maulthiere erwischt
hatte.

Spt gegen Abend langte ich am Portillo in einem Trupp indischer
Htten an, in deren bester ich mein Standquartier nahm, und sogleich
Erkundigungen wegen des mir empfohlenen Punktes einzog. Ich erfuhr, da
ich ihn auf dem Gipfel einer sdlich emporsteigenden steilen
Felswand finden wrde, auf welcher aber zuvrderst eine Anzahl Bume
niedergehauen werden mten, um eine volle Fernsicht zu gewinnen.--

Htte ich Geld geboten, um Fhrer und Arbeiter zu dingen, so wrde ich
manche Schwierigkeiten gehabt haben, deshalb griff ich zu einem andern
Mittel. Ich ernannte den Mozo zu meinem Herold, und befahl ihm, laut dem
Volke zu verknden: ich sei in Gnaden gewillt, eine pompse Fiesta zu
geben, und jedermnniglich sei dazu geladen, der mich morgen begleiten
und mir helfen wolle, Bume umzuhauen. Ein lautes =E viva!= von der
einige Dutzend Kehlen starken Bevlkerung war die Antwort.

Als Zeit des Aufbruches ward frh 3 Uhr festgesetzt, allein schon vor
der bestimmten Zeit fanden sich dienstfertige Geister ein, und als ihre
Zahl bis zwlf angewachsen war, ging die Kletterei ber Stock und Stein
im Mondschein los; meinen Sancho hatte ich mit einer kleinen Geldsumme
versehen, um aus einem tiefer gelegenen grern Dorfe den bei einem
indischen Feste unerllichen Vorrath von Agua ardiente zu requiriren,
meiner Wirthin hatte ich ein junges Schwein abgekauft und Vollmacht
ertheilt, Bohnen, Tortillas und Kaffee =en masse= bereit zu halten; ich
war gewillt, etwas Groes loszulassen, denn heute war ja der 15. Mai,
der Tag, an dem Du, mein guter Vater, das Licht der Welt erblickt!

Wie ich mit meinen kupferfarbigen Gefhrten die Wand hinaufkam, wie die
Machetas, deren Anzahl sich nach und nach verdoppelt, lustig zu arbeiten
begannen, die Stmmchen rechts und links krachten und fielen, und wie
sich, da eben die Sonne hervorlugte, neugierig das frevle Treiben der
Menschlein zu beschauen, vor meinen vor Entzcken trunkenen Blicken ein
wahres Prachtstck aus der groen Gemldegallerie der Natur entrollte,
das erlat mir, Euch zu schildern. Landschaften lassen sich nicht
beschreiben; denkt Euch aber Robert Kummer's Bild: der Fernblick vom
Gipfel des Montenegrinergebirges nach dem See von Scutary hinab,
ins Tropische bersetzt, und Ihr habt einen schwachen Begriff des
wundervollen Landschaftmotives, das ich glcklicher Sterblicher am Abend
des fleiig benutzten Tages mit gutem Gewissen als mein Eigenthum in der
Malermappe davontrug.

Genug, der Abend war da, meine Gste gleichfalls, der Schnaps und
anderweite Festrequisiten dito; ein freier Platz vor dem Hause,
zur hchstgewlbten Festhalle bestimmt, war reingefegt -- und die
Schmauserei ging los, und der Spa war himmlisch gro! u.s.w.

Messer, Gabel, Lffel, Teller, Glser, Tische, Sthle, Servietten und
all' dergleichen Ueberflssigkeiten waren freilich nicht vorhanden. Die
Tortillas, kleine runde Maiskuchen (welche hier die Stelle der Teller
und Servietten vertreten und vor diesen noch den groen Vortheil haben,
selbst verzehrt werden zu knnen), mit Bohnen und Fleisch bedeckt, hielt
Jeder vor sich auf den Knieen, statt des Stuhles auf den eigenen Fersen
kauernd. Fr den Kaffee hatte Jeder seinen eigenen Gualqual oder Hykaro
mitgebracht, Flaschenkrbisse, deren erstere einer flachen Trinkschale,
letztere unten abgerundeten Bechern gleichen; ich aber sa inmitten der
vielen, auf meine Veranlassung wackelnden Muler auf meinem Feldstuhle,
und kam mir wie recht was Groes vor, selbst tchtig mitschmausend,
denn der lange Fasttag hatte meinen Appetit in ungewhnlicher Weise rege
gemacht, wobei ein Hofstaat von Muchachas (indische Mdchen) mir die
Ehre erwiesen, mich immer wieder mit neuem Stoff an Fleisch und Bohnen
zu versehen, welches erstere mein Sancho Pansa mit mehr Schnelligkeit
als Grazie zerlegte, und dabei sich selbst nicht verga, ganz wie
weiland sein europischer Ahnherr.

Die Muchachos (junge Burschen) hatten ringsum an den Bumen lange
Kienspne befestigt, deren Feuer weithin ein rothes Licht verbreitete;
es htte ein allerliebstes Bild abgegeben, wenn Hunger und Mdigkeit
nicht so heftig gegen das Malen protestirten.

Nachdem die Arbeit des Essens vorber, fingen die Guitarren an zu
klimpern. Der mhsam herbeigeschaffte Schnaps stand in weitbauchigen
Korbflaschen da, Kaffee brodelte im Kessel und der Majordomo des Festes
hatte aus eigenem Antriebe eine mchtige Battea (hlzerne Waschschssel
von 4 Fu im Durchmesser) voll Chicha brauen lassen, ein Getrnk von
Ananas, Wasser und Zucker, das eben so angenehm schmeckt als khlend
ist; daneben noch ein ansehnlicher Vorrath von Pinolia, d.i. gerstetes
Maismehl, Cacao, Zucker und Wasser, das gleichfalls eine wesentliche und
gar nicht unangenehm schmeckende Erfrischung bildet; endlich Zuckerrohr
=a discretion= -- kurz, es war ein Leben wie im Schlaraffenlande!

Diesmal war mir's nicht mglich, wie in Totogalpa, mich vom Tanze
abzudrcken, denn das wre als groe Beleidigung aufgenommen worden.
Zum Glck fhrte man zuerst den sogenannten spanischen Tanz auf, der
ziemlich einfach in seinen Bewegungen ist und darin besteht, da die
tanzenden Paare in einer langen Reihe, je zwei und zwei mit dem Gesichte
gegen einander gekehrt, stehen, einigemale die Runde machen, dann
changiren, wodurch sie gegen ein neues Paar zu stehen kommen, und
so weiter bis ans Ende der Reihe, wo sie sich wenden und wieder
zurcktanzen. Das war mir leicht, denn ich hatte ja etwas dem Aehnliches
schon in New-York gelernt und verbt, auf Kosten der Fuzehen einiger
tanzenden jungen Damen. So nahm ich denn die ganz niedliche Muchacha,
die man mir als Partnerin prsentirte, bei der Hand und entledigte mich
meiner Obliegenheiten mit mglichstem Anstand und ohne weiteren Unfall;
dann aber lie ich meinen Hammock etwas weiter hinauf am Berge an Bumen
aufbinden und zog mich in meine inneren Gemcher zurck.

Einen allerliebsten Anblick hatte ich von oben hinab auf den Tanzplatz,
da sowohl am Berghange als das ganze Thal herauf eine Menge rothe
Kienfackeln schimmerten, denn der Ruf der Fiesta, die der =Sennor
estrangero= gab, hatte im Laufe des Tages weithin verbreitet und von nah
und fern Gste herbeigelockt, deren Fackeln wie Leuchtkfer durch die
Nacht schimmerten.

Auffllig war mir die ungewhnliche Menge von Krpfen, deren ich in
solchem Umfange selbst in Central-Amerika noch nicht gesehen und von
denen manche wie ein Krbis von leidlicher Gre ihren Eigenthmern
am Halse baumelten. Ich griff voll Schrecken selbst mehrmals an meine
eigene Gurgelgegend, um mich zu vergewissern, ob sich nicht auch da im
Laufe des Tages ein solches Gewchs eingefunden htte.

Wie lange das Fest dauerte, wei ich nicht, denn nach so anstrengendem
Tagewerke schlief ich natrlich hart und fest, nur erinnere ich mich,
da noch eine geraume Zeit Guitarrengeklimper und Jauchzen sich in meine
Trume mischten und am andern Morgen Sancho kaum aus dem Schlafe zu
rtteln war, was Zeugni gab, wie fleiig er in der Nacht Beine und
Gurgel in Bewegung gesetzt; von =agua ardiente= und allen anderen
Festgenssen war aber auch nicht ein Atom mehr vorhanden.

Mein nchstes Ziel waren nun die Minen von St.Martin, in kurzer
Entfernung vom Golf von Fonseca gelegen, die man mir als die reichsten
rhmte. Gegenwrtig werden dieselben vom Capitain M.... H.B.M.N. und
Herrn R......., der eine der vielen Schwgerinnen des Herrn George C....
geheirathet, betrieben.

Es war wieder die alte Strapaze, durch steile, kahle Felsenthler
ohne Schatten hinab, wozu noch die liebe Sonne ihre Strahlen in allzu
freigebiger Hitze spendete und die Atmosphre auch nicht vom leisesten
Lufthauche gekhlt ward. Der berhmte russische Reisende Krusenstern,
wenn ich nicht irre, berichtet von einem sdsibirischen See, in welchem
eine Fischart existirt, die nur aus Grten und Haut und dazwischen einer
ligen Substanz statt des Fleisches bestnde. Mir war zu Muthe, als sei
ich solch' ein armer Fisch und all' mein Fleisch sei geschmolzen wie
Butter von der Sonne. Diese bergroe Hitze hatte ihren Grund darin, da
man in diesen Tagen den ersten Regen erwartete, wo immer die Hitze
den hchsten Grad erreicht, und in der That begannen sich auch schon
mchtige Wolkenmassen am fernen Horizont zusammenzuballen.

Am Nachmittag war ich endlich hinab in die Ebene gelangt, das Gewitter
aber war heraufgezogen. Da der Boden eben war, lie ich meinen Macho
ausgreifen, was er nur konnte, um St.Martin mglichst noch vor Ausbruch
des Gewitters zu erreichen. Zwei Reiter, die wir berholten, riefen mir
zu, nicht so zu eilen, wir htten noch Zeit; besser ist besser! dachte
ich aber, winkte dem Mozo und trottirte frisch weiter. Es dauerte auch
gar nicht lange, so schlugen schon einzelne mchtige Tropfen mit dem
Knalle einer Peitsche auf die harttrockene Erde nieder, whrend weie
Staubwolken, emporgewirbelt vom daherbrausenden Sturme, grell gegen den
rabenschwarzen Horizont abstachen, hie und da ein zischender Blitz
durch die Luft zngelte und dumpfer Donner das Herannahen des Unwetters
verkndete.

       *       *       *       *       *

Vorwrts jagten die keuchenden Thiere, als wten sie besser wie
Menschen was da kommen wrde, und die Bagage auf dem Lastthiere
rasselte, als ob Alles in zehn Millionen Stcken gehen sollte, bis ich
endlich, Gott sei Dank! die ersten Huser von St. Martin erreichte, in
deren ersten einem Mr. R...... eben unter seiner Veranda stand; dessen
=Good day Sir, glad to see you, expected you since two days!= ward
dabei von einem furchtbaren Donnerschlage unterbrochen, zugleich war's,
als ob alle Schleusen des Himmels geffnet wrden, und hernieder strmte
die Wasserfluth, als wollte es alles Fleisch, das nicht in der Hitze
verschmort, vollends ersufen. Mr. R....... war hoch erfreut mich unter
seinem Dache zu sehen, ich aber sicherlich noch viel mehr, denn in
solchem Wetter war es wahrlich kein Spa, auf offener Haide zu sein.
Schlag auf Schlag sauste hernieder und dazu brllte der Donner in einer
Weise, gegen die alle Proben tropischer Gewitter, die ich nur je erlebt,
als ein wahres Erbsengerolle erschienen.

Es waren zwei Gewitter, eins von der Kste, das andere vom Gebirge
herziehend, die sich gegenseitig bekmpften; letzteres schien das
schwchere, denn nach kurzem Kampfe ward es von seinem Gegner in die
Schluchten zurckgedrngt, der noch lange Zeit ein dumpfes Knurren hren
lie, wie ein Bulldogge nach der Beierei, sich dann endlich auch
zur Ruhe begab und der erfrischten Natur noch einen schnen Abend zu
genieen verstattete.

Am andern Morgen sah die ganze Landschaft aus wie eine =Fata morgana=;
die graue Pergamentfarbe vom vorigen Tage war wie durch einen
Zauberschwamm weggewaschen und liebliches, sanftes Grn erlabte ringsum
das Auge. So etwas war mir noch in meinem Leben nicht vorgekommen:
dem Boden, der noch gestern fr ewige Zeiten der Vegetation erstorben
schien, waren ber Nacht zwei Zoll lange Grashalme entsprossen, und
Bltter von betrchtlicher Gre hatten sich in Zeit von kaum zwlf
Stunden vollkommen entwickelt.

Ich machte mit Herrn R....... einen Spaziergang durch seine Werke,
die wohl ergiebiger sein mgen als die von Dipilto und Yuscaran, deren
Betrieb sich aber in nichts von jenen unterscheidet.

Von einem Burschen, der des Weges daher kam, hrten wir, da die beiden
Reiter, die ich am Tage vorher berholt, vom Blitze getroffen worden
waren, der eine nebst dem Pferde getdtet, der andere schwer beschdigt.
Wie froh war ich, ihren Worten kein Gehr gegeben zu haben! Mit dem
vielen Metallgerthe, das ich an mir trug, Bchse, Pistolen, Schwert
u.s.w., htte ich, gleich einem alten Ritter in der Rstung, einen
ganz herrlichen Blitzableiter abgegeben!

Die Minen von St.Martin rechtfertigen ihren Ruf allerdings in
hohem Grade; ich sammelte hier die reichsten Stufen; allein wie alle
Bergwerksbesitzer klagte auch Mr. R. sehr ber Mangel an hinreichenden
und sachverstndigen Arbeitern und die daraus erwachsende Unmglichkeit
eines ausgedehnteren Betriebes. Eine Compagnie, die whrend einiger
Jahre 5000 bis 10,000 Dollars fr Einfhrung des verbesserten Bergbaues
verausgaben knnte, wrde ohne allen Zweifel sehr brillante Geschfte
machen.

Ein Ruhetag, ein Abschied und weiter ging's dann, denn von jetzt an
stellten sich jeden Nachmittag Gewitter ein, weshalb ich nur kurze
Tagemrsche zurcklegen konnte. Die erste Nacht kam ich bis Choluteca,
3 bis 4 Miles von den Ufern des Golfs von Fonseca gelegen, am Flusse
gleiches Namens, der hier in der Ebene ziemlich eine halbe (englische)
Meile breit, aber nicht sehr tief ist und sich leicht zu Pferde passiren
lt. Der Ort selbst ist traurig und todt und bietet jetzt keinerlei
Vortheil, als in seiner Umgebung gutes Acker- und Weideland, auf dem
schnes Rindvieh graset. Einwohner mgen hchstens 2000 da sein. Am
Abend warf ich vom Thurme der kleinen Kirche noch einen letzten Blick
auf den schnen, lieblichen Golf und die wilden, zackigen Gebirge, die
mich so weidlich in Schwei gebracht hatten. Ich schlief im Hause
des Mayor, eines jovialen Kauzes, mit dem ich ein Glas trefflichen
Burgunders leerte, das ich hier wahrlich nicht zu finden erwartet htte.

Am andern Morgen, als ich mich eben in den Sattel schwingen
wollte, kaufte ein Indianer in seinem Laden 1 Vara (etwa 2 Ellen)
Baumwollenstoff; der wrdige Magistrat machte mich darauf aufmerksam und
meinte lachend, wenn ich ein Buch ber Central-Amerika schreiben wollte,
mchte ich ja nicht vergessen, Choluteca als bedeutenden Handelsplatz
mit anzufhren. Je nun, was nicht ist, knnte wohl noch werden, wenn
erst die groe Welthandelsbahn rings um den Erdball Central-Amerika
durchschneidet und dessen reichen Bodenschatz der Mhe des Ausbeutens
werth macht.

Von Choluteca aus geht der Weg durch fettes, herrliches Weideland, meist
flach und nur an den ersten zwei Tagen hier und da von niedrigen Hgeln
unterbrochen. In vielen der kleinen Flchen, die bis dahin trocken
gelegen, fing schon an Wasser zu rieseln, und trotzdem nur erst wenig
Regen gefallen, muten sich die armen Thiere doch an einigen sumpfigen
Stellen schon arg qulen.

Der erste bedeutendere Flu, ber den ich kam, war der Rio negro,
welcher in den Estero real fllt. Von da an ist das Land so eben wie
ein Tisch. Den Estero real berschritt ich am andern Morgen ungefhr
10 Meilen hher, als Mr. Belcher, der englische Ingenieur, mit seinem
Schiff gekommen war. Selbst da noch hat der Flu 200 bis 250 Fu Breite;
das Wasser war jetzt freilich noch sprlich, kaum 3 Fu tief, allein
die Ufer sind sehr hoch und von sehr starken, gerad nach dem Wasser sich
absenkenden Wurzeln, gleich einem festen Pfahlwerke, geschtzt, so
da die Natur die Anlegung und Vertiefung eines schiffbaren Kanals zum
groen Theil selbst vorgearbeitet hat.

Nachdem ich das fragliche Terrain in mannichfachen Richtungen
durchstreift und untersucht, steht auch bei mir die Ueberzeugung fest,
da der Atlantic-Pacific-Ship-Kanal entweder an dieser Stelle nach dem
Golf von Fonseca zu fhren, oder berhaupt in eine ganz andere Richtung
zu verlegen ist. Erlaubt es meine Zeit, so werde ich spterhin eine
genauere technische Errterung dieser Frage versuchen.

Das Ende dieses Gebirgsausfluges ist kurz beschrieben. Ich zog am Fue
des Viejo hin, bis zu einem Engpa zwischen diesem Vulkane und dem
Teliva, und stieg von da endlich in die Ebene von Leon hinab, wo ich
gegen Ende Mai anlangte, mit leichtem Herzen, noch viel leichterem
Beutel, als ich es verlassen, und mit schauderhaft zerfetzter Garderobe,
brigens aber mich einer so trefflichen Gesundheit erfreuend, wie seit
lange nicht, fett wie ein Br im Herbste und geistig im besten Humor.
Meinen Mozo hatte ich die letzte Tagereise zu Fu machen lassen, denn
auf sein Maulthier hatte ich einen starken Hirsch und ein halbes Dutzend
Pavon real geladen, ein herrlicher Vogel, bedeutend grer als der
Truthahn, von schnem Gefieder und noch kstlicherem Geschmack, deren
der Viejo und die Ufer des Estero real in ungeheuerer Menge beherbergen,
und welches Wildpret ich zum Geschenk fr meine Freunde bestimmte,
die mich nach fast dreimonatlicher Abwesenheit mit alter Herzlichkeit
willkommen hieen.




XIV.

Glcklicher Zufall. -- Abschied von Leon. -- Ein Jahr Unterschied.
-- =Stars and Stripes!= -- Verndertes Aussehen von St.Juan
di Nicaragua. -- Abschied von Central-Amerika. -- Allgemeine
Bemerkungen und Warnungen fr Auswanderer.


  Am Bord des Steamers Illinois auf der Hhe von Cuba, Juli, 1852.

So war denn, fr jetzt wenigstens, die mir gestellte Aufgabe in
Central-Amerika erledigt, da manche unvermuthete Zwischenflle die von
Squier und mir projectirte Exploration der noch unbekannten Striche
desselben auf eine entferntere Zeit zu verschieben nthig machen.
Meine Bestimmung rief mich wieder nach New-York zurck, aber in meiner
jetzigen Lage war eine Reise von mehr als 3000 Miles ein Kunststckchen,
ber dessen Lsung ich mir wohl vergebens htte den Kopf zerbrechen
knnen, wenn nicht der liebe Gott und mein sehr geehrter Freund und
Gnner, Mr. Kerr, Gesandter der Vereinigten Staaten in Central-Amerika,
mir eine gute Gelegenheit geboten htten, dies zu bewerkstelligen, und
Letzterm zugleich einen Dienst zu erweisen: zwei wichtige ratificirte
Traktate waren nach Washington zu berbringen, welche Mission Mr. Kerr
mir anvertraute.

Meine Sachen waren bald gepackt, mein alter Schimmel hatte sich in
der Zwischenzeit auf guter Weide von den Entbehrungen der trockenen
Jahreszeit recht wacker wieder erholt und ward mir von seinem jetzigen
Besitzer freundlichst zu diesem letzten Ritt geliehen; das Maulthier
eines neuen Sancho Pansa trug mein ziemlich umfngliches Gepck, und
nach kurzem, herzlichem Abschiede von Land und Leuten befand ich mich
bald in Gesellschaft meines gtigen Arztes und Gastfreundes =Dr.= L.,
den ebenfalls Geschfte nach den Vereinigten Staaten riefen, auf dem
Wege nach Granada. Whrend wir durch die klare tropische Mondnacht
dahintrabten, sandten uns noch die Glocken der ehrwrdigen Kathedrale,
das morgende Frohnleichnamsfest einlutend, den letzten Scheidegru
nach, und in dem leisen Wellengemurmel, mit dem der stille Ocean
einstimmte, verklang der Schluaccord meines Lebens in den Tropen.

       *       *       *       *       *

Nach scharfem zweiundzwanzigstndigen Ritt (fr 110 Miles) langten wir
in Granada an, wo =Dr.= S., einer meiner frheren Bekannten, sofort
einen seiner kleinen Schooner segelfertig machen lie; bald waren wir
mit meinen Skizzen und Sammlungen an Bord, und eine gnstige Brise
trieb uns in 36 Stunden ber den See. In St.Carlos war uns der
Duanendirector, der sich lachend meines Champagnerschusses vom vorigen
Jahre erinnerte, behilflich, schnell ein Boot fr den Flu fertig zu
machen, und nach abermals 36 Stunden waren wir in St.Juan.

       *       *       *       *       *

Da meine vor einem Jahre ausgesprochenen Prophezeiungen in Bezug auf
den St.Juan River und den Platz gleiches Namens so schnell in Erfllung
gehen wrden, htte ich wahrlich nicht gedacht. Die Vernderung war fast
wunderbar; da, wo noch vor'm Jahre (ich passirte die Stelle am selben
Tage und fast zur selben Stunde) die Ruinen von Castillo Viejo einsam im
Walde vergraben lagen, flatterten jetzt lustig die =Stars and Stripes=
(Sterne und Streifen, die Flagge der Vereinigten Staaten) ber einem
entstehenden Wohnplatz; die alte Festung und die sie beschattenden
Bume waren verschwunden, ein groes Hotel und eine Anzahl hlzerner
Wohnhuser lugten wundersam neugierig hinber in die jungfrulichen
Wlder; ber den Rapids lag ein kleiner Steamer, unterhalb noch einer,
am Serapique River wieder einer, und zwei kleine Schlepp-Steamer gingen
eben letztern Flu hinauf, um Ladungen von Kaffee aus Costa Rica zu
holen. Das kleine Dampfboot, das voriges Jahr, kurz vor meiner Ankunft,
an dem Machucha-Rapids gestrandet war, hing zwar immer noch an derselben
Stelle, seiner vlligen Zertrmmerung entgegenharrend, aber eine Menge
Treibholz war an dasselbe angeschwemmt, und hatte schon angefangen, eine
kleine Insel zu bilden, auf der Bsche lustig grnten. In St.Juan hatte
der grte Theil der Schilfhtten hbschen hlzernen Wohnhusern Platz
gemacht, was dem pittoresken Aussehen zwar Abbruch that, das Leben aber
denn doch bedeutend angenehmer machte. Manche der alten Bekannten
waren noch da und freuten sich meines Wiedersehens, und wie in Leon die
Glocken der Kathedrale, so ward mir hier beim frohen Mahle im Klange der
Glser das Abschiedsgelute von Central-Amerika.

       *       *       *       *       *

Die groe Bedeutung, welche diese Lnderstriche gewi binnen Kurzem
fr den Welthandel erhalten mssen, versprechen ihnen eine reiche,
gedeihliche Zukunft, werden aber auch viele Ansiedler aus europischen
Lndern hierherlocken, zumal Deutsche, und zu ihrem Nutz und Frommen
sei es mir hier noch verstattet, einige auf eigene Erlebnisse und
Anschauungen gegrndete allgemeine Bemerkungen anzuschlieen.

       *       *       *       *       *

Wer es irgend vermag, der vermeide hier, zumal im Innern, das
Alleinreisen, das tausend Beschwerlichkeiten und Verlegenheiten
bereitet, und versorge sich mit einem Mozo, einem Packthiere und wo
mglich mit einem Hammock, sowie auch mit Lebensmitteln, denn nicht
nur, da man alle Sorge fr Satteln, Packen und Fttern des Pferdes
bernehmen mu, bieten selbst viele der sogenannten Gasthuser, auer
einer Bettstelle mit roher Ochsenhaut berzogen, nur hchst sprliche
Mahlzeiten, ja jenseits Leon hren sie sogar ganz auf. Besonders lstig
dabei ist die Verpflegung des Pferdes, da das nthige Futter meist
schwierig aufzutreiben ist, und man, selbst bis zum Tode ermattet, das
mde Thier oft noch eine Stunde weit nach dem Protero bringen mu.

Was die Preise der Lebensmittel anlangt, so sind diese durchgngig
billig, ausgenommen wenn eben ein starker Durchzug nach Californien die
groe Heerstrae etwas theuer macht, und nur aus dem Umstande, da Herr
Thiele, derselbe, welcher so heftig gegen Frbel's Berichte auftrat,
nie weiter als nach dem Hafen von St.Juan di Nicaragua gekommen, wohin
allerdings die Lebensmittel theils von Granada, theils von Bluefield,
ber 30 Meilen die Kste entlang, gebracht werden mssen, lassen sich
dessen bertriebene Preisangaben der Lebensmittel erklren, wie z. B.
ein Ei 1 Media (etwa 2 Silbergroschen), ein Pfund Rindfleisch 1 Real,
u.s.w. Ich kann versichern, da ich selbst an Pltzen, wie Massaya und
Managua, wo nach den Landesbegriffen hchst luxurise Gasthuser sind,
sogar in Begleitung eines Dieners nie mehr als 1 Dollar fr Nachtessen
(bestehend aus gebratenem Huhn, Fisch, Eiern, Kse und Chocolade),
Nachtlager und Frhstck, incl. des Futters fr zwei Pferde, bezahlt
habe. Auch die schdlichen Einflsse des Klimas werden diejenigen nicht
zu befrchten haben, welche sich meine Erfahrungen in dieser Beziehung
zu Herzen nehmen und dergleichen Extravaganzen vermeiden, wie ich sie
mir unvorsichtigerweise zu Schulden kommen lie.

Die Hauptschwierigkeiten, welche sich, meines Erachtens, dem Einwanderer
entgegenstellen, sind: _Erstens_ die wenig consolidirte Stellung,
welche der Fremde hier noch einnimmt, theils infolge der politischen
Zerrttungen des Landes, theils infolge der Kurzsichtigkeit der
Einwohner, deren ganzes Bestreben nur dahin gerichtet ist, vollauf
Bananen und Tortillas essen zu knnen, und welche sich gewissermaen
frchten, zu einer angestrengtern Thtigkeit genthigt zu werden, sobald
krftige, arbeitsame Einwanderer ihnen als Concurrenten gegenberstehen.
Aus diesem Grunde allein werden sie, statt, wie in der Union, durch
eine zweckmige Gesetzgebung dem neuen Ankmmlinge Erleichterungen
zu verschaffen, und durch gnstige Bedingungen fleiige Hnde
herbeizuziehen, welche sich bemhen, dieser in jeder Beziehung fast
unerschpflichen Natur einen strkern Tribut aufzuerlegen, als
ihre jetzigen Gebieter es thun, im Gegentheil noch durch allerhand
Einschrnkungen und Schwierigkeiten dem Ansiedler sein saures Geschft
noch saurer zu machen sich bestreben.

Die oben erwhnten politischen Zerrttungen leisten natrlich dieser,
theils indolenten, theils bswilligen Opposition der kurzsichtigen
Landesbevlkerung noch bedeutenden Vorschub, und so lange es nicht einer
ebenso verstndigen, humanen, wie energischen Regierung gelingt, eine
stabilere Ordnung einzufhren und krftig aufrecht zu erhalten, drfte
es auch einer fremden Colonisation kaum mglich werden, mit glcklichem
Erfolge gegen alle jene Hemmnisse anzukmpfen.

Ebenso kann man endlich auch noch als den schlimmsten Feind, den der
europische Einwanderer, und vor Allem der Deutsche, zu begegnen hat,
_ihn selbst_ und seine Landsleute bezeichnen. Auswandern ist an und fr
sich selbst keine Kleinigkeit, das nehme sich Jeder zu Herzen, der
seine Heimath verlt, er mge sich wenden, wohin er wolle, zumal aber
hierher. Dazu kommt aber noch, da in Deutschland der Unterthan fast in
Bezug auf jede staatliche und communliche Einrichtung fortwhrend
unter Leitung zahlreicher Regierungsbehrden steht, die, so lstig
und einengend sie ihm auf der einen Seite auch erscheinen mag, auf
der andern Seite aber auch ebenso viele Anlehnungspunkte und
Bequemlichkeiten bietet. Im neuen Lande fllt dies nun pltzlich weg,
der Auswanderer hpft wie ein Springteufelchen aus der Dose, alle die
Institutionen, Verordnungen und Gesetze, an welche er gewhnt ist und zu
denen er bei jeder vorkommenden Gelegenheit seine Zuflucht nahm, fehlen
ihm nun hier pltzlich. Unwissend und ohne Erfahrung, wie eine neue
Gesellschaft in einem neuen Lande zu bilden sei, und statt sein Bestes
fr das Gemeinwohl, auf dem ja das Wohl des Einzelnen mit beruht, zu
thun, verharrt der Einwanderer, bei aller krperlichen Uebermhung und
einer Menge unntzer Anstrengungen, geistig in einer gewissen
Trgheit, und berlt aus alter Gewohnheit die Organisation des Ganzen
denjenigen, welche Selbstaufopferung oder Ehrgeiz genug besitzen, es zu
bernehmen, oder auch von Sonderinteressen dazu getrieben werden. Sind
nun alle jene getroffenen Anordnungen nicht nach Wunsch, oder entspricht
der neue Zustand nicht vollkommen dem Bilde, welches sich der Ansiedler
zuvor davon entworfen, so bricht er, statt den Grund in sich selbst
zu suchen und sein Mglichstes zur Abhilfe des Uebels beizutragen, in
maloses Schimpfen ber das elende Land und die Schurken aus, die ihn
ins Verderben gelockt. Dies sind meines Erachtens die Ursachen, warum so
viele Plne von deutschen Colonien, in der Union sowohl als anderwrts,
gescheitert sind, dies und die unglckliche Theorienreiterei, welche
schon daheim einen vollstndigen Plan ausarbeitet, bis auf die
Gartenbeete womglich, ob sie Zwiebeln oder Spargel tragen sollen,
gleichviel, ob der Plan ausfhrbar ist oder nicht.

Haben sich diese Betrachtungen schon in der Union als richtig und
begrndet erwiesen, wo doch so Manches zur Erleichterung des Einwanderns
gethan wird, so wird dies hier um so mehr der Fall sein, wo dem
Fremdlinge im Gegentheil eine Menge Erschwernisse in den Weg kommen,
und so sehe ich denn auch in dem neuerlichen Versuche der Grndung einer
deutschen Colonie in Central-Amerika, so aufrichtig ich demselben auch
den besten Erfolg wnsche, kein sonderliches Heil erblhen. Ich setze
voraus, da die Principien dieser Gesellschaft liberaler und praktischer
sein werden, als die des Mainzer Schutzvereins in Texas; es kann
dieselbe auch schon aus andern Grnden wohl nicht so ganz scheitern wie
jene Colonie; dennoch kann ich kaum glauben, da eine grere Anzahl
von Leuten so viel Thatkraft und Resignation besitzt, die namenlosen
Mhseligkeiten einer Ansiedelung hier im Lande gemeinsam zu bewltigen,
nur um _ihren Kindern_ ein besseres Loos zu bereiten, als _sie selbst_
dabei erwartet. Solche Gesinnung gehrt aber unbedingt dazu, soll der
Ansiedler frohen Muthes ber das Ungemach hinwegkommen, das berall sein
Beginnen begleitet. Geschieht dies jedoch und kommt die junge Colonie
nur erst glcklich ber die Kinderjahre hinaus, so wird ganz gewi diese
herrliche, ppige Natur dem gut angewandten, redlichen Fleie einen
reichen Lohn nicht versagen.


_Druckfehler-Verzeichni._

  Seite  7 Zeile  9 v. u. lies: _Mller_ statt Moore.
  "     25 "     12 v. o. "     _Schusse_ st. Schlusse.
  "     28 "      4 "     "     _von meinen_ st. von meiner.
  "     90 "      5 "     "     _erhoben_ st. erhob.
  "    105 "     10 v. u. "     _junger_ st. ganzer.
  "    112 "      8 "     "     _Giuseppe_ st. Giuseppa.
  "    133 "      7 "     "     _Becher_ st. Beche.
  "    137 "      6 v. o. "     _Protero_ st. pastura.
  "    141 "     12 "     "     _Granadiner_ st. Leoneser.
  "    141 "     15 "     "     _Leoneser_ st. Granadiner.
  "    150 "      4 "     "     _Chamorro_ st. Chamorra.
  "    152 "      7 v. u. "     _Heeren_ st. Herren.
  "    157 "      6 "     "     _Chichigalpa_ st. Chidrigalpa.
  "    196 "     11 v. o. "     _Holftern_ st. Halftern.


Druck von _Ferber & Seydel_ in Leipzig.




[Hinweise zur Transkription


Das Buch ist ursprnglich in Fraktur gesetzt. Fremdsprachige Abschnitte,
die abweichend in Antiqua gesetzt wurden, sind in der Transkription
markiert, ausgenommen rmische Zahlen.

Sofern in den Kapitelberschriften Punkte fehlten, wurden diese ergnzt.

Der Text des Originalbuches wurde generell beibehalten, einschlielich
uneinheitlicher und ungebruchlicher Schreibweisen, mit folgenden
Ausnahmen:

Gendert wurden

entsprechend dem bucheigenen "Druckfehler-Verzeichni" von Seite 264,

  Seite 7: "Moore's" gendert in "Mller's"
  (Nach Freund Mller's Aussagen gleicht der)

  Seite 25: "Schlue" gendert in "Schusse"
  (aber so im Schusse war, da ich mich nicht)

  Seite 28: "meiner" gendert in "meinen"
  (ich fand nichts als einen Brief von meinen Lieben)

  Seite 90: "erhob" gendert in "erhoben"
  (Jeder brachte schweigend und erhoben sein Glas)

  Seite 105: "ganzer" gendert in "junger"
  (ser junger Mais die Thiere erquickte)

  Seite 112: "Giuseppa" gendert in "Giuseppe"
  (blieb er fr mich nur Signor Giuseppe)

  Seite 133: "Beche" gendert in "Becher"
  (Zwei Becher gewrzter)

  Seite 137: "pastura" gendert in "Protero"
  (sich das seinige selbst im =Protero= (Weideplatz) suchen mute)

  Seite 141: "Leoneser" gendert in "Granadiner"
  (scheint mir die Granadiner Partei insofern im Rechte)

  Seite 141: "Granadiner" gendert in "Leoneser"
  (whrend die Leoneser eine Art von Sonderbndelei im Schilde fhren)

  Seite 150: "Chamarro" gendert in "Chamorro"
  (an den commandirenden General Don Fruto Chamorro verwies)

  Seite 152: "Herren" gendert in "Heeren"
  (mit den Heeren der kriegfhrenden Mchte von Central-Amerika)

  Seite 157: "Chidrigalpa" gendert in "Chichigalpa"
  (zurck, bis Chichigalpa, und war erst dort)

  Seite 196: "Halftern" gendert in "Holftern"
  (zwei an Stelle der Holftern)

und zustzlich,

  Seite XV: "Chinaudega" gendert in "Chinandega"
  (Gefecht von Chinandega)

  Seite 8: "mittlen" gendert in "mittlern"
  (einige Bilder mittlern Formats)

  Seite 38: "Platz, ist" gendert in "Platz ist"
  (der Platz ist darin nach der Natur geschildert)

  Seite 72: "Inseeten" gendert in "Insecten"
  (und von Insecten eine wahre Flle vorhanden ist)

  Seite 94: "Begrbni. --" gendert in "Begrbni."
  (Flei der Indianer. -- Massaga. -- Indisches Begrbni.)

  Seite 106: "Halsstarrigket" gendert in "Halsstarrigkeit"
  (indianische Halsstarrigkeit gegen alle und jede Verbesserung)

  Seite 109: "errreichte" gendert in "erreichte"
  (Fnf Miles von Massaga erreichte ich)

  Seite 126: "zur" gendert in "zu"
  (Selbsthlfe zu rechter Zeit.)

  Seite 133: "Chocolode" gendert in "Chocolade"
  (gewrzter Chocolade mute ich also)

  Seite 143: "Chinaudega" gendert in "Chinandega"
  (Gefecht von Chinandega)

  Seite 156: "zuverlssiigen" gendert in "zuverlssigen"
  (die neuesten zuverlssigen Nachrichten)

  Seite 158: "Lopez, sogar" gendert in "Lopez sogar"
  (jetzt leugnete General Lopez sogar dessen Existenz)

  Seite 159: "Mihelligkeitrn" gendert in "Mihelligkeiten"
  (dieser steten Erneuerung der Mihelligkeiten)

  Seite 237: "Cerro die Ule" gendert in "Cerro di Ule"
  (die vom Cerro di Ule war zu ausgedehnt fr ein Bild)]






End of Project Gutenberg's Wanderbilder aus Central-Amerika, by Wilhelm Heine

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WANDERBILDER AUS CENTRAL-AMERIKA ***

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