The Project Gutenberg eBook, Oesterreich's Betheiligung am Welthandel, by
Pasquale Revoltella


This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
other parts of the world at no cost and with almost no restrictions 
whatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
the Project Gutenberg License included with this eBook or online at 
www.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll have
to check the laws of the country where you are located before using this ebook.




Title: Oesterreich's Betheiligung am Welthandel
       Betrachtungen und Vorschlge


Author: Pasquale Revoltella



Release Date: February 12, 2015  [eBook #48243]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK OESTERREICH'S BETHEILIGUNG AM
WELTHANDEL***


E-text prepared by the Online Distributed Proofreading Team
(http://www.pgdp.net) from page images generously made available by the
Google Books Library Project (http://books.google.com)



Note: Images of the original pages are available through
      the Google Books Library Project. See
      http://www.google.com/books?id=rpI7AAAAcAAJ


Hinweis zur Transkription

      Symbole fr Schriftarten: _gesperrt_ : ~kursiv~ : =fett=





OESTERREICH'S BETHEILIGUNG AM WELTHANDEL.

Betrachtungen und Vorschlge

von

P. REVOLTELLA.

(Als Manuscript gedruckt.)







Triest.
Buchdruckerei des Oesterreichischen Lloyd.
1863.




Ein frischer Geist durchdringt das neu verjngte Oesterreich. Ein reges
Culturleben entfaltet sich in den weiten Lndern des Kaiserstaates; trotz
usserer Gefahren und innerer Schwierigkeiten schreitet der Aufbau einer
segenbringenden Verfassung vorwrts, die Idee der Reichseinheit gewinnt
von Tag zu Tag mehr Boden, und in dem Maasse als sich das innere Gefge
festiget, erstarkt die ussere Geltung und Machtstellung der Monarchie.

Die Wendung zum Bessern ist unverkennbar, wie hoch auch noch die Wogen
gehen mgen, der sichere Port ist nahe; unter der Aegide eines auf dem
Hhepunct der Zeit stehenden Monarchen geht das Gesammtvaterland einer
neuen Aera des Ruhmes und der Grsse, der Wohlfahrt und des Vlkerglckes
entgegen.

Indem der patriotische Staatsbrger in gehobener Stimmung die Anstrengungen
verfolgt, mit welchen die Regierung und die Reichsvertretung diesem hohen
Ziele zusteuern, fhlt sich der Einzelne als Theil des grossen Ganzen,
erfreut sich jeder neuen Errungenschaft der guten Sache, ermisst die
noch zurckzulegende Bahn, und wird ermuthiget, freimthig mit Ideen und
Vorschlgen hervorzutreten, von deren Ausfhrung er sich die Frderung des
Gemeinwohls verspricht.

In dieser Gesinnung erlauben wir uns die Aufmerksamkeit auf einen
Gegenstand zu lenken, welcher, obwohl inmitten der grossen politischen
Bewegung fr den Augenblick in den Hintergrund gedrngt, die ernsteste
Beachtung verdient, indem wir in den folgenden Blttern die dringende
Nothwendigkeit klar zu machen suchen, dass Oesterreich sofort Alles
aufbiete, seinen _handelspolitischen Horizont zu erweitern und sich activ
an dem transoceanischen Welthandel zu betheiligen_.

Mit dieser Errterung betreten wir ein bisher noch wenig gekanntes, selten
erforschtes Gebiet, und lassen uns hiebei von den Kenntnissen und den
reichen Erfahrungen von Mnnern leiten, welche die Belange des Seehandels
und unsere berseeischen Verkehrsverhltnisse aus eigener Anschauung und
grndlichen Studien kennen. Mge unsere kurze Darstellung als ein Beitrag
zur Lsung einer wichtigen volkswirthschaftlichen Frage gnstige Aufnahme
finden.




I.


Die Verbindungen der Productionsmittelpuncte mit den Absatzgebieten sind,
seit es Menschen gab, welche die gegenseitige Hilfe zur Befriedigung ihrer
Bedrfnisse und Verlangen anrufen mssen, die Bedingungen des Verkehres;
sie haben Handel und Industrie geschaffen.

Die einfachsten, wohlfeilsten Verbindungen bietet das Meer, daher hat sich
die Cultur am frhesten und nachhaltigsten an den Meeresksten entwickelt,
und es haben sich dort von jeher Staaten gebildet, welche zu einer,
weit ber das numerische Verhltniss ihrer Gebietsausdehnung und ihrer
Einwohnerzahl hinausreichenden, Macht gelangten und auf die Geschicke der
Menschheit den entschiedensten Einfluss bten.

Heute noch, wo die Ausgleichung der Gegenstze unter den civilisirten
Vlkern so weit vorgeschritten ist, kann man den Reichthum und den
Culturzustand eines Volkes aus der Beschaffenheit und der Bentzung
der Verbindungen bemessen, welche zwischen den eigenen und den fremden
Mittelpuncten der Production und des Verbrauches bestehen.

Die Eisenbahnen haben den Einfluss des Verkehrs auf das Culturleben
unendlich gesteigert, indem sie die krzesten und schnellsten Verbindungen
auf dem Festlande verzweigen und die Ausgleichung der Production und
Consumtion im Innern der Continente bewirken. Ihr grsster Werth besteht
aber darin, dass sie die entferntesten Binnenlnder mit dem Meere
verbinden, sich an den Seeverkehr, dem sie als Ergnzung dienen,
anschliessen und hierdurch die Mrkte des Inlandes mit den entferntesten
Weltgegenden in Berhrung bringen.

Nun besitzt Oesterreich ein schnes Stck Seekste an dem adriatischen
Meere, welches in vielfacher Beziehung sehr gnstig gelegen ist, da es
die mittelste, grosse, am weitesten nach Norden einschneidende Bucht
des mittellndischen Meeres bildet und hiermit fr Oesterreich und
Central-Europa berhaupt den Seeweg nach smmtlichen reichen Lndern
des Mittelmeerbeckens und die Seeverbindung mit dem atlantischen Ocean
erffnet.

Oesterreich hat auch ein weitverzweigtes Schienennetz, und es wren sonach
die zwei Hauptbedingungen einer regen Betheiligung am Weltverkehre gegeben;
aber leider hat es bisher an dem gehrigen Ineinandergreifen der beiden
Factoren gefehlt, der Verkehr des sdlichen Kstenrandes entbehrt des
richtigen Zusammenhanges mit dem Gterleben der Hauptmasse der Monarchie,
welches nach der entgegengesetzten Richtung, nach Nordwesten und Norden,
gravitirt.

Das sterreichische Eisenbahnsystem hat sich radial aus dem Mittelpuncte
Wien herausgebildet, und es wurden die ersten Schienenwege durch diejenigen
Provinzen gefhrt, welche in Ur-Production, Industrie und Wohlstand am
weitesten vorgeschritten waren, wo sich zunchst die Hauptbedingungen eines
rentablen Eisenbahnverkehrs vorfanden, und wo auch der Eisenbahnbau am
wenigsten Schwierigkeiten bot.

Es kam ganz natrlich, dass die ersten Bahnen in nrdlicher und
nordwestlicher Richtung bis an die schlesische und bhmische Reichsgrenze
im Anschlusse an das bereits weit fortgeschrittene Eisenbahnsystem der
norddeutschen Tiefebene zu einer Zeit fertig waren, wo die sterreichische
Seekste noch durch das Steinmeer des Karstes von der Hauptmasse der
Monarchie geschieden blieb, dass somit die directe Eisenbahnverbindung
frher mit fremden als mit den eigenen Seehfen hergestellt ward, der
Verkehr aus zweiter Hand auf Unkosten des eigenen Seehandels begnstigt
wurde, und die ganze Verkehrsrichtung fr die reichsten sterreichischen
Lndergebiete nach Norden und Nordwesten -- sich dergestalt verschob, dass
dieselben bis Laibach Handelsdependenzen der norddeutschen, und in zweiter
Linie der englischen, Hfen wurden, whrend die sterreichische Seekste,
vom Gros der Monarchie isolirt, auf ihren Zwischenhandel beschrnkt blieb.

Seither wurde allerdings die Sdbahn bis zum Hafen von Triest gefhrt, und
es wurde hiemit der Anfang zu einer intensiven Verbindung der Seekste mit
dem Binnenlande gemacht, nichts destoweniger hat es der sterreichische
Seeverkehr aus vielen Grnden bis zur Stunde noch nicht soweit gebracht,
dass ihm ein entscheidender Einfluss auf die Hebung der vaterlndischen
Production und auf die so nothwendige Erstarkung des Nationalwohlstandes
zugeschrieben werden knnte, und der ganze auswrtige Verkehr der
Monarchie trgt einen Charakter der Drftigkeit, welchen auch der wrmste
Patriotismus nicht verkennen kann. Dass die Einfuhr nach Oesterreich, also
der einheimische Verbrauch fremdlndischer Erzeugnisse verhltnissmssig
sehr geringfgig sei, beweisen am besten die Zollertrgnisse, welche in den
Jahren 1852 bis 1862 zwischen 14 und 16 Millionen Gulden jhrlich betragen
und also in diesem langen Zeitraume nahezu stationr geblieben sind,
whrend in England, Frankreich, im Zollvereine u.s.w. die Zolleinnahmen
in der gleichen Periode sich ausserordentlich hoben.

Nicht besser steht es mit der sterreichischen Ausfuhr; es liesse sich
kaum ein Artikel namhaft machen, mit welchem Oesterreich massenhaft im
Welthandel auftrte, welcher auf den auswrtigen Mrkten eine erste Rolle
spielen und dem sterreichischen Exporte im Weltverkehr eine bestimmte
Stellung anweisen wrde. Oesterreich treibt auch en gros nur Kleinhandel.
Einzelne Ausnahmen besttigen nur die Regel. Wir erinnern hier nur an
die gnstige Conjunctur des Jahres 1861, wo, in Folge der Missernten des
westlichen Europas, Ungarn zum ersten Male mit mehreren Millionen Metzen
Getreide auf dem Weltmarkt erscheinen konnte. Dieses Superplus der
gewhnlichen Frachtenbewegung rief damals auf der Donau, auf den
Eisenbahnen, im Hafen von Triest ein reges Leben hervor, die Brse notirte
freudig den wohlthtigen Rckschlag auf die Valuta, durch die reichen
Verkaufgewinne wurde die Steuereinhebung in Ungarn erleichtert, und die
sterreichischen Gewerbe und Fabriken hatten erhhten Absatz. Gross waren
die Hoffnungen und mannigfaltig die Entwrfe, welche sich an die neue
Erscheinung knpften, und ebenso gross die Enttuschung, als sich
herausstellte, dass man es eben nur mit einer vorbergehenden Chance zu
thun hatte, und in jedem Falle hat dieser Zwischenfall den deutlichsten
Fingerzeig gegeben, wie unter gnstigen Verhltnissen der sprichwrtlich
gewordene Reichthum des Kaiserstaates an noch nicht gehobenen Naturschtzen
und noch gebundenen volkswirthschaftlichen Krften sich verwerthen liesse.

In gleichem Maasse, wie die Urproduction, benthigt die sterreichische
Industrie der Entfaltung ihrer Wirksamkeit nach Aussen. Wenn es hiefr
noch eines Beweises bedrfte, so wird derselbe durch den Sturm geliefert,
welcher sich erst jngst aus sterreichischen industriellen Kreisen gegen
die Freihandelsprivilegien der sterreichischen Seehfen erhob.

Es ist hier nicht der Ort, in die Freihafenfrage nher einzugehen, wir
erlauben uns nur Act von der Thatsache zu nehmen, dass der sterreichischen
Industrie ihr bisheriges Absatzgebiet zu enge geworden ist, dass sie
sich befhigt fhlt, die Concurrenz mit den am weitesten vorgeschrittenen
Industriestaaten aufzunehmen, und dass sie die Erweiterung ihres Absatzes
nicht etwa durch die bisherigen indirecten, nach den nordwestlichen
Europa-Hfen fhrenden Verbindungswege, sondern durch Vermittlung der
sterreichischen Seehfen, durch den _Seehandel_ postulirt.

Kann man zweifeln, dass das Bedrfniss aus den gegenwrtigen
Verkehrsverhltnissen herauszukommen, ein allgemeines, tiefgefhltes sei?

Es liegt in der Gesammtheit der politischen, volkswirthschaftlichen und
finanziellen Zustnde des Kaiserstaates eine gebieterische Aufforderung,
dem Nationalwohlstande neue ergiebige Quellen aufzuschliessen.

Dies kann nur geschehen, wenn Oesterreich sich aus seiner bisherigen
Passivitt in handelspolitischer Beziehung aufrafft und mit allen seinen
reichen Krften in den Kreis eines thtigen Welthandels eintritt; so lange
sich der auswrtige Verkehr Oesterreichs in seinen jetzigen ausgetretenen
Geleisen bewegt, ist ein erheblicher Aufschwung nicht zu erwarten.

Die Anerkennung, welche die sterreichischen Industrie-Erzeugnisse auf den
Weltausstellungen, namentlich letztens in London, gefunden haben, sind zwar
ein erfreuliches Zeugniss fr Leistungsfhigkeit und Fortschritt; aber ein
namhafter Absatz nach dem europischen Westen und Norden ist fr dieselben
hiermit noch nicht gewonnen und die Ausfuhr von sterreichischen Producten
nach jener Richtung kann nur beim Eintritte von besondern einzelnen
Conjuncturen massenhaft werden, die wohl bestens bentzt werden mssen, auf
welche aber nicht mit Bestimmtheit gerechnet werden kann.

In Nordosten hat sich Russland durch ein starres Prohibitiv-System
abgeschlossen; im Sden, in Italien, stehen politische Verhltnisse und
eine in allen Gebieten scharf ausgeprgte Nebenbuhlerschaft im Wege. Mit
der Trkei endlich betreibt Oesterreich allerdings einen sehr bedeutenden
Verkehr, aber die Zeiten des grssten Flors desselben sind vorber, nachdem
der frhere, sehr vortheilhafte, ber Oesterreich gefhrte Zwischenhandel
seit der Aufhebung der englischen Korngesetze und in Folge des Krimkrieges
sehr lebhaften directen Verkehrsbeziehungen des westlichen Europas zur
Levante weichen musste. England bezieht nun aus dem azowschen und schwarzen
Meere direct seinen Getreidebedarf, der sterreichische Transit und
Zwischenverkauf von Sdfrchten hat ganz aufgehrt, die reichen Producte
von Kleinasien und Egypten werden fr englische und franzsische Rechnung
an Ort und Stelle aufgekauft und auf dem Seewege direct verfhrt; der
Oesterreichische Lloyd, welcher die Dampfschiffahrt in der Levante
eingebrgert hat, kann sich nur mit grsster Mhe der bermchtigen
Concurrenz fremder, reich subventionirter Gesellschaften erwehren, die
levantinischen Mrkte werden mit englischen Manufacturwaaren berschwemmt,
in allen Gegenstnden des Luxus herrscht unbedingt die franzsische Mode
-- kurz, die sterreichische Position ist in der Levante in jeder Beziehung
sehr schwierig geworden. Hiermit soll zwar nicht gesagt sein, dass sich
bei Entwicklung der gehrigen Energie und bei sorgfltiger Bentzung der
Vortheile der Nachbarschaft, nicht fr unsern Handel mit der Levante
noch Manches erzielen lasse, aber im Ganzen genommen ist das dortige
Handelsgebiet doch schon zu vielseitig ausgebeutet, und die Trkei ist
in ihren politischen und volkswirthschaftlichen Verhltnissen zu bel
bestellt, als dass ein besonderer Aufschwung unseres levantischen Handels
sich erwarten liesse.

Wollen wir wirklich vorwrts kommen, so mssen wir, ber die bisherigen
allerdings fortan sorgfltig zu pflegenden Handelsgebiete hinaus, den
Blick frei und muthig in das Weite richten, wir mssen neue und ausgiebige
Verbindungen und zwar mit denjenigen Lndern anknpfen, deren Production
und Industrie von der unsrigen in der Art verschieden ist, dass wir
gewinnbringend mit ihnen Geschfte eingehen knnen. Wenn Oesterreich in dem
Zollvereine, in England, in Frankreich, Belgien und der Schweiz zur Stunde
nicht mit Vortheil seine Erzeugnisse abzusetzen vermag, so ist damit
noch lange nicht gesagt, dass es dieselben nicht direct in jene fernen
Consumtionslnder fhren knne, wohin Englnder, Franzosen, Norddeutsche,
Belgier und Schweizer die ihrigen bringen, und es kann umso weniger
einem Zweifel unterliegen, dass wir dort, wo uns die geographische Lage,
wohlfeilerer Transport u.s.w. begnstigen, concurrenzfhig auftreten
knnten, als nach vielen glaubwrdigen Zeugnissen schon jetzt im
transoceanischen Verkehre so manche gut sterreichische Waare,
brnner Tuche, Kurzwaaren u.dgl. unter englischer, franzsischer oder
hanseatischer Firma gehen, so manche Gallone ungarischen Weines als echter
Bordeaux zu den hchsten Preisen verkauft wird.

Wre es nicht besser, wenn wir, statt dem fremden Zwischenhndler die
Gewinne des Vertriebs zu berlassen, selbst an Ort und Stelle gingen, uns
berall andrngten, wo es noch zu verdienen gibt, alle Mrkte aufsuchten,
die noch nicht berfllt und ausgebeutet sind?

Wre es nicht vortheilhafter, wenn wir, statt fremdlndische Producte aus
dritter und vierter Hand ber Hamburg, Stettin oder Bremen zu beziehen,
oder im besten Falle hie und da schwimmende Schiffsladungen, auf denen
die Provisionen fremder Unterhndler lasten, in Triest zu kaufen, unsern
Consumtionsbedarf mit unsern Schiffen, direct vom Erzeugungsorte holen
wrden? Erhalten wir z.B. die Colonialwaaren, welche heut zu Tage nicht
mehr Gegenstand des Luxus, sondern des Lebensbedrfnisses geworden sind,
wohlfeiler als jetzt, so steigt der Consumo und mit ihm das Zollertrgniss;
werden die Hilfsstoffe unserer Fabricationen billiger, so krftigt sich
unsere Industrie und wird um so absatzfhiger.

Tritt man aber aus den engen Kreisen, in welche der sterreichische Verkehr
bis zur Stunde gebannt ist, so erffnet sich ein weiter, unbersehbarer
Horizont, eine Welt liegt vor uns, welche bis nun nur in sterreichischen
Schulzimmern und Gelehrtenstuben bekannt ist, eine Welt voll des regsten
Lebens, der Tummelplatz aller brigen civilisirten Vlker, wo der
Handelsgeist tglich unerhrte Triumphe feiert, wo die ganze Ueberlegenheit
europischer Thatkraft und europischer Cultur, vor welcher tausendjhrige
Reiche in den Staub versinken, sich geltend macht, wo sich eine Solidaritt
der Interessen der Menschheit vorbereitet, die in den Annalen der
Civilisation nicht ihres Gleichen findet.

Welche Reihenfolge von Unterlassungen und von versumten Gelegenheiten
haben wir zu verzeichnen!

Wenden wir unsern Blick auf den Continent von Amerika, welchen _Maury's_
berhmte Forschungen und die Fortschritte der Schiffbaukunst in der Neuzeit
dem alten Europa um so viel nher gebracht hat, und sehen wir von den
Lndern ab, welche die anglo-schsische Race besetzt hlt, welches Feld der
Thtigkeit bieten nicht ausser den Antillen die ehemaligen spanischen und
portugiesischen Colonien! unermessliche Lnder, in Flle gesegnet mit den
herrlichsten Producten theils der heissen, theils der gemssigten Zone,
bewohnt von Vlkern romanischer Abstammung, welche durch eine langjhrige
politische Zerfahrenheit zwar vielfach herabgekommen sind, aber
das Bedrfniss europischer Civilisation in sich tragen und bei den
unerschpflichen natrlichen Reichthumsquellen, ber die sie verfgen,
bei ihrem Hange zum Luxus und in gnzlicher Ermangelung jeglicher eigenen
industriellen Thtigkeit, mit ihrem ungeheuren Bedarfe von Europa abhngen!

In diesen gewinnreichen Gterverkehr theilen sich die Handelsvlker;
Englnder und Amerikaner sind berall zu finden, Deutsche und Schweizer
halten mit ihnen fast berall gleichen Schritt, es gibt keine namhafte
Hafenstadt, wo sich nicht eine ansehnliche, die Verbindungen mit dem
Mutterlande festhaltende deutsche Kaufmannschaft ansssig gemacht htte;
die reichsten Kaufherren von Hamburg und Bremen versumen nicht, ihre Shne
fr einige Jahre in die hohe Schule des amerikanischen Handels zu schicken;
die Franzosen behaupten auch in Amerika in allen Gegenstnden der Mode und
des Raffinements ihre Ueberlegenheit, kurz, man findet in dem allgemeinen
Weltlauf nach Erwerb und Gewinn alle Firmen, alle Flaggen vertreten, bis
auf die _sterreichische_.

Was hat sich nicht unmittelbar nach der Entdeckung der californischen und
australischen Goldlager verdienen lassen!

Wenn man bedenkt, welche Unsummen von Werthumstzen erforderlich waren, um
die Bedrfnisse der Goldsucher zu befriedigen, welche aus allen Theilen
der Welt in jene frhere Wste und unwirthbare Gegenden zu Hunderttausenden
zusammengestrmt waren, denen alle Lebensmittel, alle Werkzeuge,
Bekleidungsstcke und Hausrath ber den Ocean zugefhrt werden mussten, wo
sich alle Preisverhltnisse verrckten und bei Gegenstnden, welche anderer
Orten die geringsten Werthe hatten, fabelhafte Gewinne gemacht wurden, so
kann man nur bedauern, dass sich weder die sterreichische Rhederei, noch
der sterreichische Export an einer solchen beispiellosen und durch Jahre
andauernden Bewegung betheiligt hatten.

Betrachten wir weiters die blhende Cap-Colonie, Ostindien, seit uralten
Zeiten das Mecca des Welthandels, wo sich England in den letzten hundert
Jahren ein wundersames Reich von 110 Millionen Einwohnern gegrndet hat,
Ceylon, Singapore, das Stelldichein aller Flaggen, die reichen Lnder Siam
und Cochinchina, die wohlgeordneten wichtigen Colonien der Hollnder im
Sunda-Archipel, Australien und Oceanien, die Philippinen, China und
Japan, so wird man in allen diesen Gebieten und Reichen, deren Ausdehnung,
Mannigfaltigkeit, Producten-Reichthum und Lebensflle den Blick verwirren,
vergebens nach einer Spur von sterreichischer Handelsttigkeit sphen.
Man kann die Welt umsegeln, und ausserhalb der Meerenge von Gibraltar
nicht _einen einzigen_ sterreichischen Handelsmann, oder auch nur
Handels-Agenten finden, welcher mit dem Mutterlande in Verbindung stnde;
die vereinigten Staaten von Nord-Amerika und Brasilien ausgenommen,
steht Oesterreich mit _keinem_ transoceanischen Staate in Handels-
und Schiffahrtsbeziehungen in tractatmssigem Verhltnisse, selbst
die Consular-Vertretung ist usserst sprlich gest, und kaum mehr als
nominell, die wenigen sterreichischen Handelsschiffe, welche sich auf
gut Glck jenseits des Aequators wagen, finden kaum hie und da an einigen
Hauptorten den nothdrftigsten Schutz, kein Europer ist so rath- und
hilflos, fhlt sich so sehr Fremdling in jenen fernen Zonen, als der
_Oesterreicher_.

In Ostasien hat sich in unseren Tagen ein Ereigniss von unberechenbarer
Tragweite vollzogen, welches in der Geschichte der Menschheit fr immer
Epoche machen wird, das Kaiserthum China mit 385,000 Quadratmeilen
Flcheninhalt und 350 Millionen Einwohnern ist durch eine Handvoll
europischer Soldaten und Seeleute gezwungen worden, die tausendjhrigen
fr unbersteiglich gehaltenen Schranken fallen zu lassen, welche das
Reich der Mitte von der brigen Welt trennten. Es steht jetzt in Folge
feierlicher, auf den Ruinen des kaiserlichen Palastes der Mandschu
besiegelten Vertrge dem Handel aller Nationen offen, und selbst das reich
bevlkerte, in seiner Art hoch cultivirte Inselreich Japan, welches seine
Abgeschlossenheit noch strenger als selbst China bewahrt hatte, wird
dem Andrange europischer Ueberlegenheit nicht widerstehen, sein
Zersetzungsprocess ist eben im Zuge.

Die Englnder, deren Interessen zunchst den Umsturz herbeigefhrt, ziehen
hievon auch den meisten Nutzen, ihr Verkehr mit China und Japan zhlt schon
jetzt nach Millionen Pfund Sterling. Frankreich erlangt in jenen Lndern
einen viel bedeutendern politischen Einfluss. Russland drckt mit seiner
Wucht von der Amur-Mndung her auf die chinesische Nordgrenze, die
Amerikaner pflegen trotz des Wthens des Brgerkrieges in ihren Gewssern
ihre Interessen, Holland, Schweden und Dnemark haben sich beeilt, ihre
Vertrge abzuschliessen; selbst Preussen machte sich im fernen Osten durch
Schiffs-Expeditionen und diplomatische Missionen geschftig.

Und Oesterreich? -- --

Es wird kommenden Geschlechtern ein Rthsel bleiben, dass das mchtige
Donaureich, whrend es in Europa eine erste Rolle bernahm und durch
seine Institutionen und durch seinen Fortschritt in allen Zweigen der
Culturs-Entwicklung einen hervorragenden Platz behauptete, bei einer
strebsamen, rhrigen Bevlkerung von 36 Millionen, im Besitze einer
Seekste und aller zur Herstellung ausgedehnter Handelsverbindungen
erforderlichen materiellen Mittel, zu einer Zeit, wo der Handel die
aussereuropische Welt umstaltete, sich wie absichtlich ausserhalb der
grossen Verkehrsstrmung gehalten hat.

Indessen, wenn nicht alle Zeichen trgen, so ist der Moment nicht ferne,
wo diese Abschliessung ein Ende nehmen wird. Die kaiserliche Regierung
ist durch die in grossem Style gedachte und glcklich ausgefhrte
Novara-Expedition mit dem ersten vorbereitenden Schritte vorangegangen.
S.M. Fregatte Novara hat in den Jahren 1857 bis 1859 in der wrdigsten
Weise die sterreichische Flagge in Hfen und Handelsmittelpuncten
entfaltet, in welchen nicht einmal der sterreichische Name bekannt war, es
ward ihr aller Orten mit der grssten Achtung und Zuvorkommenheit begegnet.
Die Novarafahrt hat ein glnzendes Zeugniss sterreichischer Seekunde
geliefert; der mit den Waffen der Wissenschaft gefhrte Kampf mit dem
Teifun vom 18.August 1858 wird stets ein schnes Blatt in der Geschichte
der Nautik bilden.

So wie die Resultate der Forschungen der scientifischen Abtheilungen
der Novara-Expedition in der gesammten Gelehrtenwelt verdientes Aufsehen
erregten, so sieht der sterreichische Handelsstand seinerseits
der Verffentlichung des von der Novara gesammelten reichen
handelsstatistischen Materiales mit grsster Spannung entgegen, in weiten
Kreisen ist ein lebhaftes Interesse fr die von der Novara besuchten
fernen Lnder erwacht; schon haben sich einige sterreichische Rheder
bestimmen lassen, einzelne Schiffe nach den indischen Gewssern auf gut
Glck zu senden, und wenn auch unsere wackeren Capitne dort nach wie vor
mit den oben geschilderten Hindernissen und Schwierigkeiten zu kmpfen
haben, so verhallen ihre Klagen doch nicht mehr ungehrt.

Erst vor einigen Wochen wurde in allen Zeitungen das Schreiben des Capitns
vom sterreichischen Handelsschiffe Erzherzog Ferdinand Max besprochen,
welcher seinem Rheder anzeigte, dass er einen Frachtgewinn von 4000L.
Sterling fr eine Fahrt nach Japan ausschlagen musste, weil der
sterreichischen Flagge in Ermangelung eines Handelsvertrages die
dortigen Hfen verschlossen sind, indem er zugleich bittere Klage ber die
Mangelhaftigkeit der sterreichischen Consulate in den transoceanischen
Lndern berhaupt erhob.

Ebenso hat die Triester Handelskammer ganz krzlich, in einer an das
Handelsministerium gerichteten Vorstellung, die Nothwendigkeit der
Reorganisirung des dortigen sterreichischen Consularwesens zum bessern
Schutze des sterreichischen Handels- und Schiffahrts-Verkehrs auf das
Nachdrcklichste betont, und fast tglich erscheinen in den Tagesblttern
Mahnungen und Andeutungen, Oesterreich solle seine Handelsverbindungen nach
Aussen erweitern.

Schon sind ernst gemeinte Projecte zur Errichtung sterreichischer
regelmssiger transatlantischer und transegyptischer Dampfschiffahrtslinien
aufgetaucht, und selbst die originelle Idee, von Wien und Triest aus
eine Reise um die Welt als Vergngungsfahrt zu veranstalten, beweist, wie
vertraut sich das Publicum mit weit aussehenden Unternehmungen zu machen
anfngt.

Es scheint hoch an der Zeit zu sein, dass die kaiserliche Regierung
zur Vermeidung der sonstigen Zersplitterung der Krfte alle diese
Vorbereitungen und Anregungen in ein System bringe und mit fester Hand
dem praktischen Ziele einer mglichsten Verwerthung der vaterlndischen
Production und der Potenzirung der sterreichischen Handelsttigkeit
zufhre.

So viel auch im Allgemeinen die Selbstthtigkeit der Individuen gilt, so
ist das Ziel, das wir vor Augen haben, doch zu schwer zu erreichen,
als dass die Einzelkraft gengte. Es ist nicht hinreichend, dass ein
sterreichischer Kaufmann nach einem beliebigen Puncte der Erde sich
wende, um dort ein Verkaufsmagazin aufzuschlagen oder einen Tauschhandel zu
betreiben, bei dem grossen Vorsprunge, welchen andere Handelsvlker vor
uns gewonnen haben, bei der Intensitt ihrer Handelsverbindungen, bei
ihrer Capitalsbermacht und ihren Local-Erfahrungen wird es fr den
sterreichischen Handelsmann nicht eben die leichteste Aufgabe sein, durch
Ankauf an den Erzeugungsorten fremdlndische Producte wohlfeiler auf den
sterreichischen Verkaufsmarkt zu stellen, als solche in Oesterreich von
den grossen europischen Weltmrkten, wie London und Liverpool, Amsterdam
und Hamburg, Havre und Marseille bezogen werden knnen.

Ebenso schwierig wird dem Exporteur sterreichischer Fabrikate und
Producte, auch wenn sie vollkommen preiswrdig sind, der Kampf mit der
fremden Concurrenz in den transoceanischen Lndern werden, da wir in Allem,
was die Appretur einer Waare, die gefllige ussere Ausstattung, Reclame
und berhaupt Waarenvertrieb betrifft, noch sehr viel zu lernen haben,
eingehende Studien ber den Geschmack der auslndischen Kunden erst zu
machen sind, und das richtige Creditgeben zu den schwersten Aufgaben
gehrt.

Missgriffe in den ersten Anlufen wrden um so schdlicher wirken,
je schwcher die Capitalskraft ist, welche wir auf weit aussehende
Unternehmungen verwenden knnen, Verluste der ersten Unternehmer wrden
fr lange Zeit andere abschrecken und auch sptere richtige Combinationen
paralisiren.

Es gehrt also zur Frderung der guten Sache vor Allem ein bestimmter Plan,
eine grosse Vorsicht und Umsicht bei den ersten Schritten, eine sorgfltige
Auswahl der Operationsobjecte, und die Regierung wird diese Leitung um
so mehr in die Hand nehmen mssen, als nur sie allein im Stande ist, die
Haupthindernisse zu beseitigen, welche der Entwicklung unseres usseren
Handelsverkehrs theils vom internationalen Standpuncte, theils wegen
einzelner Mngel und Gebrechen der einheimischen Gesetzgebung und
Verwaltung noch entgegenstehen.

Sind einmal die Wege in grossen allgemeinen Umrissen vorgezeichnet
und geebnet, dann, aber auch erst dann, wird die Thatkraft und der
Unternehmungsgeist Einzelner oder sich bildender Associationen sich geltend
machen knnen, und die Anstrengungen und Opfer, welche hier, wie berall,
wo etwas Grosses geleistet werden soll, zu bringen sind, werden um so
gewisser zum Erfolge fhren, als das frische, geistige Leben, welches seit
der Begrndung freisinniger Institutionen die Vlker Oesterreichs erfasst,
auch die volkswirtschaftliche Bewegung unwiderstehlich aus den alten
Geleisen herausdrngt.

An alle diese Erwgungen reiht sich als verstrkendes Argument die
Suezfrage.

Kommt der Schiffahrtskanal zu Stande, welcher das mittellndische mit dem
rothen Meere, Central-Europa mit Ostindien und Hinterasien verbindend, in
vollendeter Gestalt den Handelsweg wieder erffnet, der von den Zeiten der
Ptolomer bis zu jenen Vasco de Gama's die Lnder des Mittelmeer-Beckens,
gross, reich und mchtig gemacht hatte, so wird ein solches Ereigniss
unfehlbar dem Welthandel eine neue Richtung geben und denjenigen Staaten
die grssten Vortheile bieten, welchen nach ihrer geographischen Lage der
directe Schiffahrtsweg nach dem Handelsgebiete des indischen Oceans am
meisten abgekrzt wird.

In diesen gnstigen Fall wird Oesterreich kommen, denn von Triest betrgt
der Weg nach Bombay ber das Cap der guten Hoffnung 13,000 und ber Suez
nur 4200 Seemeilen; Triest wird also auf der letzten Wasserstrasse 8800
Seemeilen, das ist zwei Drittel des Weges, gewinnen, whrend z.B. von
Southampton nach Bombay die Distanz ber das Cap 10,550 und ber Suez 6100
Seemeilen betrgt, daher fr England die Distanzenverringerung nur mit zwei
Fnftel entfallen wird.

Die sterreichischen Schiffe werden am rothen Meere, dessen Beschiffung
viele Aehnlichkeit mit jener des adriatischen Golfes hat, bis
Bombay gleichsam Cabotage betreiben; was man von ausserordentlichen
Schwierigkeiten der Segelschiffahrt am rothen Meere fabelt, ist nach dem
Urtheile der competentesten Nautiker einer ernsten Beachtung nicht werth.

Die mit Hartnckigkeit festgehaltene Behauptung, dass der Durchstich des
Isthmus technisch unausfhrbar sei, ist verstummt, seitdem eine der ersten
brittischen Fachautoritten, Mr. _Hawkshaw_, mit berzeugenden Grnden
seinen unglubigen Landsleuten ber die technische Frage die Augen geffnet
hat. Seither haben die Gegner des Suezkanals ihre Taktik gendert, sie
besptteln das Werk nicht mehr, aber sie suchen es durch allerhand Chikanen
zu hindern, doch auch dieses Bemhen ist vergebens, die Arbeiten gehen
unaufhaltsam vorwrts, das grosse Werk ist zu weit vorgeschritten, es
entspricht zu sehr dem Zeitgeiste und wird von zu mchtigen Interessen
getragen, als dass sein endliches Gelingen noch ernstlich in Zweifel
gezogen werden knnte.

Aber auch eine skeptische Auffassung der Suezfrage wird sich der
Ueberzeugung nicht verschliessen knnen, dass es sehr bedenklich wre,
einer solchen, die handelspolitische Zukunft Oesterreichs so nahe
berhrenden Eventualitt gegenber, sich indifferent und unthtig zu
verhalten.

Wenn sich die auf den Suezkanal gesetzten Hoffnungen nicht erfllen
sollten, Oesterreich aber im Welthandel festen Fuss gefasst, und in
Ostindien und Ostasien Verbindungen angeknpft hat, so wird es diese
Verbindungen auf den alten Handelswegen, ber das Cap der guten Hoffnung
und auch mittels der egyptischen Eisenbahn ber Suez pflegen und mit den
anderen Handelsvlkern gleichen Schritt halten, umgekehrt aber, wenn der
Suezkanal, wie Alles erwarten lsst, und zwar bald, zu Stande kommt und
Oesterreich sich gar nicht hiefr vorbereitet hat, so wird es durchaus
nicht in der Verfassung sein, von der neuen Handelsstrasse irgend einen
Nutzen zu ziehen, es wird von anderen Nationen berholt werden und dadurch
empfindlichen Schaden erleiden.

Man beachte nur, was um uns herum, bei unsern Nachbarn und Rivalen vorgeht.

Sollte uns ganz gleichgiltig sein, dass _Frankreich_ alle seine Krfte in
Bewegung setzt, um den Verkehr nach der Richtung des Suezkanals zu frdern,
dass es die Vollendung desselben nicht abgewartet hat, um von Suez
bis China sich eine Verkehrslinie ersten Ranges durch Errichtung einer
ausgedehnten Dampfschiffahrt zu schaffen, und dass alle seine Vorkehrungen
dahin gerichtet sind, Marseille zu einem Hauptstapelplatz des Welthandels
zu erheben?

Whrend das franzsische Eisenbahnnetz nach allen Richtungen hin so
vervollstndigt wird, dass alle Hfen und Mittelpuncte der Industrie und
Production unter einander und mit Paris in Verbindung gesetzt werden,
whrend Marseille und Bordeaux, also das mittellndische Meer mit dem
atlantischen Ocean, einer vermehrten Schienenverbindung entgegensieht,
entstehen in Marseille die grossartigsten Hafenbecken und Docks zur
Aufnahme der anlangenden Gter, welche unmittelbar von den Schiffen
entweder auf die Waggons der bis an die Quais reichenden Eisenbahn
geschafft, oder in den in gleicher Weise zugnglichen Waarendocks
aufgespeichert werden. -- Die Bedingungen des Handels, wie sie heut zu Tage
zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden, werden in Frankreich in grsstem
Massstabe erfllt, und die ungeheueren Kosten, welche dies erfordert,
mssen sich glnzend verwerthen, da nur hiedurch sich die auffallende
Erscheinung erklrt, dass Hand in Hand mit dem von Jahr zu Jahr steigenden
colossalen Ausgabsbudget die Regierungs-Einnahmen sich jhrlich vermehren,
und die erhhten Abgaben mit Leichtigkeit einfliessen.

Noch nher berhrt uns aber, was in Italien vorgeht.

Ungeachtet eines von Jahr zu Jahr steigenden Finanzdeficits, verfolgt die
Regierung von Turin mit grsster Thtigkeit und, wie sich nicht leugnen
lsst, mit berraschendem Erfolge, handelspolitische Ziele, welche ihre
Spitze zunchst gegen Oesterreich kehren.

Ohne uns bei den Anstrengungen aufzuhalten, welche Genua macht, um unsere
Rhederei immer mehr aus den Hfen des Archipels und des schwarzen Meeres
zu verdrngen, und indem wir einerseits den italienisch-preussischen
Handelsvertrag vom Jahre 1861 und andererseits die italienischen
Absichten auf Montevideo, wohin eben jetzt zur Verstrkung der dortigen
Schiffsstation eine Fregatte abgesendet wird, nur vorbergehend erwhnen,
mssen wir ernstlich hervorheben, dass die Haupttendenz der italienischen
Regierung offenbar darauf ausgeht, Oesterreich auf dem adriatischen Meere
den Rang abzulaufen, und unsern Seeverkehr in italienische Hfen zu leiten.

Schon fhrt die Eisenbahn vom Fusse der Savoyischen und Schweizer Alpen bis
Ancona und wird binnen Jahresfrist die directe Schienenverbindung bis
an die Kste des jonischen Meeres, bis Brindisi reichen; fr ein neues
Project, die Eisenbahn bis Otranto zu fhren, hat sich schon eine englische
Gesellschaft mit einem Capitale von 4 Millionen L. Sterl. gebildet, auf die
Verbesserung der Hfen von Ancona und Brindisi werden jhrlich ungeheuere
Summen verwendet, in Ancona ist eine Dampfschiffahrt-Gesellschaft errichtet
worden, welche sich bezeichnend die adriatisch-orientalische nennt,
dem Oesterreichischen Lloyd auf der Linie Alexandrien-Triest bedeutende
Concurrenz macht und sich einstweilen, da Italien noch zu wenige
Handelsverbindungen mit Egypten besitzt, ihre Ausfrachten in Triest selbst
holt, schon stellt der Schweizer Bundesrath mit dieser Gesellschaft in
Verhandlung, um die fr die Schweiz bestimmte _indische Post_ ber
Ancona auf die Route Colico-Chur zu leiten, und wiederholt tauchen in den
Tagesblttern Notizen auf, dass man sich in Italien mit dem Gedanken der
Errichtung einer italienischen Suez-Indien-Dampfschiffahrtslinie vertraut
mache, was um so weniger bersehen werden darf, als nach der Ansicht von
Mnnern, welche mit den ostindisch-hinterindischen Handelsverhltnissen
vertraut sind, neben der englischen Peninsular-Company und der
franzsischen Messageries fr eine _dritte_, aber keineswegs fr eine
_vierte_ Dampfschiffahrts-Unternehmung noch Raum bleibt.

Wie fest in Italien die Eventualitt der Erffnung des Suezkanals im Auge
behalten wird, beweiset das erst vor kurzem verffentlichte officielle
Schreiben, welches die Handelskammer von Ancona an Herrn _Lesseps_, den
Director der Suez-Gesellschaft, richtete, und welches wir unten seinem
vollen Wortlaute nach wiedergeben[A].

  [A]: A. M. Ferdinand de Lesseps, la chambre royale du commerce et des
  arts d'Ancne.

    Ancne, 21. Juillet 1863.

  Illustre seigneur!

  Si l'Italie entire accompagne de ses voeux votre entreprise et nourrit
  l'esprance de son accomplissement, ces voeux et cette esprance sont
  d'autant plus profonds dans les habitants d'Ancne, que le jour o
  votre grande pense sera devenue un fait, elle ouvrira pour eux une
  fconde source de vie commerciale, de prosprit et de richesse. En
  effet, le courant puissant qui, grce  vous, va s'tablir pour
  les changes entre les ocans orientaux et l'Europe, en divisant la
  navigation du monde entre quatre grandes branches, celle du Danube,
  celle de l'Adriatique, celle de la Mditerrane et de Gibraltar, fera
  driver chez nous un vaste rameau de ces commerces et une large part
  des nouvelles richesses.

  C'est pourquoi cette chambre, interprte des voeux du commerce
  ancnitain, se tourne vers vous et vous envoie remercments et bon
  augure en faveur de l'achvement prochain de cette oeuvre magnanime.

  Les jalousies politiques, les dfiances des puissants ne pourrant
  arrter cette oeuvre. La voix de l'humanit industrielle et pacifique
  qui vous guide providentiellement au but vaincra toutes les passions,
  dispersera tous les obstacles des hommes ou des tats opposants.

    ~Le prsident, Pietre Farsetti.~

Wir glauben eine Brgerpflicht zu erfllen, wenn wir alle diese Thatsachen
anfhren, durch welche Oesterreich auf seinem eigenen Seegebiete mit
vollstndiger Ueberflglung bedroht und der Gefahr nahe gerckt wird, fr
immer von einer thtigen Theilnahme am Welthandel ausgeschlossen zu werden.
Was es bedeute, wenn sich der Handelszug im adriatischen Meere von der
sterreichischen Seekste ab in italienische Hfen lenkte, dass hiedurch
die ganze _politische_ Machtstellung Oesterreichs in der Adria in ihren
Grundfesten erschttert wrde, bedarf wohl kaum einer nheren Begrndung.
In unserem Zeitalter des Positivismus ben die materiellen Interessen die
strkste Anziehungskraft und entscheiden ber die Geschicke der Staaten.

Noch steht Oesterreich in dem schon begonnenen Kampfe um das commercielle
Uebergewicht im adriatischen Meere im Vortheile; dass Italien mit seinen
Eisenbahnen viel sdlicher als wir reicht, wird durch die lngere Strecke
der wohlfeilern Wasserfracht nach sterreichischen Hfen und unsern lngst
vollendeten Schienenweg ber die Alpenkette noch immer aufgewogen, wenn
aber gegnerischer Seits mit einer nur durch die im Hintergrund liegenden
politischen Zwecke erklrlichen Rhrigkeit Alles aufgeboten wird, die
dortigen Nachtheile zu berwinden, und unsererseits nichts geschieht, um
die natrlichen Vortheile zu bentzen, so kann das Endresultat leider nicht
zweifelhaft sein.




II.


Nachdem wir bisher versucht hatten, den ungengenden Stand des
sterreichischen auswrtigen Handels zu schildern, die Grnde zu errtern,
welche eine Erweiterung unserer usseren Verkehrsbeziehungen nothwendig
machen, und die Dringlichkeit derselben nachzuweisen, erbrigt uns noch,
die Mittel anzudeuten, welche zu diesem Ziele fhren, und insbesondere
diejenigen ersten Schritte zu bezeichnen, mit welchen die kaiserliche
Regierung der Selbstthtigkeit der Einzelnen den Weg zu bahnen htte.

Wir setzen hiebei die vollstndige Wiederherstellung der sterreichischen
Valuta voraus, ohne welche an erfolgreiche nach Aussen gerichtete
Handelsoperationen nicht gedacht werden kann, so wie wir auf das baldige
Zustandekommen einer zeitgemssen Reform unseres Zolltarifes hoffen. Wir
betrachten als eine nicht minder selbstverstndige Vorbedingung, dass
die kais. Regierung fortfahre, die noch aus frheren Zeiten stammenden
Verkehrshemmnisse zu beseitigen, die Unternehmungslust zu ermuntern, jedes
gemeinntzige Streben zu frdern, auf die mglichste Wohlfeilheit und auf
die Vermehrung der Communicationsmittel, insbesondere auf die thunlichste
Vervollkommnung der Schienenverbindungen zwischen Binnenland und Seekste
einzuwirken, wobei das allgemeine Interesse nur gewinnen kann, je mehre
directe Berhrungspuncte zwischen der Seekste und dem weiten Innern der
Monarchie sich bilden, und je mehr die einzelnen Reichsbestandtheile ihre
Erzeugnisse auf den krzesten Linien dem Weltmarkte mittels des Seehandels
zuzufhren vermgen.

Wir rechnen auch darauf, dass die Schienenverbindungen knftig hin nicht
nur bis _an_ das Meer, sondern bis _in_ das Meer reichen werden, dass also
die kais. Regierung alle erforderlichen Vorkehrungen treffen werde, durch
welche, wie dies in allen ersten Hafenpltzen Europas der Fall ist, auch
in unsern Seehfen mit Vermeidung aller Zwischenspesen die directeste
Verbindung zwischen der Eisenbahn und den Handelsschiffen bei der Ein- und
Ausladung der Gter, sowie die mindest kostspielige Aufspeicherung in den
Hafenmagazinen hergestellt wird.

Endlich betrachten wir als eine Nothwendigkeit, dass sich zwischen dem
Innern und der Seekste, also zwischen dem Producenten und dem Exporteur,
zwischen dem Consumenten und dem Importeur das bisher so schwer vermisste
Zusammenwirken und Verstndniss einstelle, dass einerseits in den Seehfen
die Ueberzeugung feste Wurzel fasse, dass ihr Heil und Gedeihen nur in
der Solidaritt und Vereinbarlichkeit ihrer Interessen mit jenen der
Gesammtmonarchie liege, whrend andererseits auch das Binnenland lerne, die
Eigenthmlichkeiten und besonderen Erfordernisse des Seeverkehrs besser
zu wrdigen, und demselben die fr den auswrtigen Absatz berechnete
Production anzupassen.

Alle diese hier nur flchtig skizzirten Voraussetzungen, an welche sich
noch manche andere Vorkehrungen anreihen lassen, gehren entweder in das
Gebiet der innern Gesetzgebung und Verwaltung, welche ohnedies auf ihre
Realisirung hinarbeiten, oder sie werden durch die Macht der ffentlichen
Meinung verwirklicht werden. Ausser denselben sind aber noch andere
unmittelbar nach Aussen wirkende vorlufige Massnahmen erforderlich, auf
welche wir speciell die Aufmerksamkeit lenken zu sollen glauben.

Solche Massnahmen, durch welche allein eine ausgiebige und erfolgreiche
Bethtigung Oesterreichs am transoceanischen Verkehre angebahnt werden
kann, sind folgende:

1) Mglichst baldige Abschliessung von Handels- und Schiffahrtsvertrgen
mit denjenigen nicht europischen Regierungen, deren Gebiete von
sterreichischen Handelsschiffen berhrt werden, oder berhrt werden
knnen.

2) In Folge des durch diese Handels- und Schiffahrtsvertrge erworbenen
Rechtes, Einsetzung von tchtigen, ihrem Dienste gewachsenen und
vertrauenswrdigen sterreichischen Consular-Functionren.

3) Eindringlichstes Studium an Ort und Stelle der fr Oesterreichs
auswrtigen Export- und Importhandel, sowie fr seine Rhederei (Segel- und
Dampfschiffahrt) vortheilhaftesten transoceanischen Hauptpltze.


1. Handels- und Schiffahrts-Vertrge.

Selbst im Verkehre der europischen Nationen unter einander hat sich
schon lngst das Bedrfniss geltend gemacht, fr denselben durch besondere
Stipulationen einen positiveren Rechtsboden zu gewinnen als das allgemeine
internationale Recht zu geben im Stande ist.

Demgemss hat auch Oesterreich zur Frderung und Sicherung seines Handels
lngst mit geordneten, der europischen Gesittung huldigenden Regierungen
Vertrge abgeschlossen, welche brigens, nebenbei gesagt, einer Revision
bedrftig sind.

Fr den Verkehr mit aussereuropischen Vlkern ist in dieser Richtung von
Oesterreich bisher noch so gut wie nichts geschehen, gleichwohl bilden
fr denselben die Vertrge die conditio sine qua non, weil sie den eigenen
Seefahrern und Kaufleuten den einzigen Rechtstitel auf Zulassung zum
Geschftsbetriebe und auf Vornahme ihrer Geschfte billige Behandlung
Seitens der Landesbehrden und Einwohner geben. In Ermanglung eines
Vertragsverhltnisses sind wir an den meisten Quellen reichsten Erwerbes,
an den meisten Orten, wo unsere industriellen Erzeugnisse Absatz finden
knnten, im besten Falle nur geduldet und unsern Concurrenten gegenber
immer im Nachtheile, unsere Capitne mssen sich unter den Schutz einer
fremden Vertretung stellen, oder so gut als mglich unter der Hand sich
Begnstigungen zu verschaffen suchen.

Dass es der Wrde einer Gromacht nicht entspricht, nur unter solchen
demthigenden Bedingungen einen drftigen auswrtigen Verkehr zu fristen,
und dass unser Handel und unsere Industrie sich auf so unsichern Grundlagen
nicht entwickeln und ausgedehnte Absatzmrkte nicht gewinnen knnen, bedarf
wohl keines weiteren Beweises.

Unter civilisirten Staaten kommen Handels- und Schiffahrts-Vertrge im Wege
einfacher diplomatischer Verhandlungen zu Stande, da sie auf Grund
gleicher Einsicht und Cultur, zur Befestigung ohnedies bestehender
freundschaftlicher Beziehungen, in Anerkennung der wechselseitigen
Vortheile beider contrahirenden Theile hergestellt werden.

Wo aber solche Vorbedingungen leichtern Einvernehmens nicht vorhanden sind,
wo auf einer Seite die Ausbreitung der eigenen Handelsttigkeit nach den
Grundstzen des europischen Vlkerrechtes angestrebt wird, auf der
andern jedoch eine fremdartige Cultur eine verschiedene Auffassung
der Verkehrsbeziehungen mit sich bringt, wo endlich eine hartnckige
Racen-Abneigung, gepaart mit Nationaldnkel und Selbstberschtzung
so deutlich, wie z.B. an den chinesischen und japanischen Ksten
hervortreten, sind internationale Verhandlungen nur dann mglich und fr
die Zukunft von Werth, wenn sie, je nach dem zu erreichenden Zwecke, von
einer mehr oder minder bedeutenden Entfaltung physischer Krfte untersttzt
werden.

Bei rohen und unwissenden Vlkern ist Achtung synonym mit Furcht, sie
achten nur denjenigen, dessen Strke und Macht ihnen fhlbar gemacht werden
kann, der ihnen den Beweis liefert, ihnen in jeder Beziehung berlegen zu
sein[B].

  [B]: Frhere Erfahrungen haben gelehrt, dass Argumente und
  Ueberzeugungsknste an diesem Volke (den Japanesen) nutzlos verloren
  sind, wenn nicht eine Ehrfurcht gebietende Macht ihnen Nachdruck zu
  verschaffen weiss (Instruction des Marine-Ministers der Vereinigten
  Staaten Nordamerikas fr Commodore Perry aus Anlass seiner Expedition
  nach Japan).

Kstenvlker im Allgemeinen, welche in Folge ihrer geringern Culturstufe
oder ihrer Entfernung von Europa nur unvollkommene Begriffe von den
Machtverhltnissen der europischen Staaten besitzen, fhlen nur dann die
Nothwendigkeit, fremdlndischen Ankmmlingen freundlich zu begegnen, wenn
diese letztern durch eine Vertretung zur See von ihrer Macht und zugleich
von ihrem Willen Zeugniss geben, ihre Rechte nthigenfalls mit Waffengewalt
zu untersttzen und zur Geltung zu bringen.

Die Wnsche und Anforderungen, welche das Geschwader eines Staates im Namen
seiner Regierung berbringt, werden immer nach Massgabe und im Verhltnisse
der Anzahl der Kanonen, welche dieselben untersttzen, mehr oder minder
gnstig, mehr oder minder schnell erledigt, ohne dass deshalb das
freundschaftliche Einvernehmen auch nur im Geringsten gestrt zu sein
brauche.

Wir haben oft genug auch in Europa Gelegenheit, uns zu berzeugen, wie
viel zum Gelingen einer Sache von einem imponirenden Auftreten abhngt, und
wissen im Allgemeinen, dass eine grssere Machtentfaltung, und geschhe
sie auch nur bei friedlichen Festgelegenheiten, immer und selbst
auf diejenigen, welche genau von den Machtverhltnissen der Staaten
unterrichtet sind, einen Eindruck macht, beim Volke aber ist ein solcher
Eindruck von nicht leicht zu verwischender Wirkung. Darin liegt
vielleicht der grsste Vortheil, welchen der Bestand einer Kriegsmarine in
Friedenszeiten dem Staate gewhrt, dass die Kriegsschiffe fremde Gebiete
besuchen und durch ihr blosses Erscheinen einen Druck auf andere Staaten
ohne Strung der sogenannten freundschaftlichen Beziehungen und ohne
Hervorrufung formeller Anfragen und Proteste ausben knnen.

Der Seehandel bedarf insbesondere fr seine Beziehungen zu halbcivilisirten
Vlkern einer solchen Untersttzung, weil es unerlsslich ist, rechtlichen
und tractatmssigen Anforderungen dadurch Nachdruck zu verschaffen, dass
sich die Kriegsflagge der handeltreibenden Nation von Zeit zu Zeit an den
betreffenden Ksten zeige.

Man erkundige sich bei denjenigen Consuln, die das Handelsinteresse des
Staates, welchen sie vertreten, mit wirklichem Eifer zu frdern bestrebt
sind, welchen Einfluss auf den Erfolg ihrer Verhandlungen das Erscheinen
eines Kriegsschiffes ihrer Flagge ausbt, und man wird leicht die
Ueberzeugung gewinnen, dass eine auch im Frieden thtige Kriegsmarine _die
grsste Bedeutung fr den Seeverkehr hat_.

In den chinesischen und japanischen Gewssern bt auf den Handel einer
durch Vertrge oder durch Consularvertretung nicht sichergestellten
Nation noch der Umstand einen ungnstigen Einfluss, dass die Angehrigen
derjenigen europischen Staaten, welche, wie die Englnder und
Nordamerikaner, gleichsam das Handelsmonopol in jenen Gegenden, de facto,
durch eigene Thtigkeit an sich gerissen haben, das Auftauchen
einer Concurrenz nur sehr ungern sehen, ihren Concurrenten indirect
Schwierigkeiten in den Weg legen, und letztere in den Augen der Eingebornen
herabzusetzen suchen. Bremer und hamburger Schiffe empfinden zuweilen
diesen Uebelstand, obschon ihre Handelshuser und ihre Consuln
dagegen einwirken; sterreichische Schiffe sind aber um so mehr diesen
Unannehmlichkeiten ausgesetzt, als dieselben an manchen wichtigen Pltzen
nicht einmal einen kaiserlichen Consul, oder wenn auch ein solcher
eingesetzt ist, doch nur einen Vertreter finden, welcher eben nur
derjenigen Nationalitt angehrt, deren Tendenzen vielleicht durch seinen
Einfluss zu bekmpfen wren, und als in jenen Lndern nicht sterreichische
Handelshuser bestehen, wie solche Hamburg und Bremen aufzuweisen hat,
die dort, wie in der ganzen Welt, diesen Handelsstdten wenigstens einen
merkantilen Einfluss sichern.

Wenn Oesterreich in den transoceanischen Lndern directe
Handelsverbindungen unterhalten will, so ist die erste Bedingung hiezu,
dass es zum Abschlusse von Handels- und Schiffahrtsvertrgen und zwar mit
der, wie nachgewiesen ward, hiefr unentbehrlichen Machtentfaltung seiner
Kriegsmarine schreite.

Zwei Staatengruppen kommen hiebei zu bercksichtigen, diejenigen
_Amerikas_, welche, obschon sie noch zu keiner Stabilitt in Regierungsform
und Verwaltung gelangt sind, gleichwohl europische Institutionen zum
Muster nehmen, und diejenigen _Asiens_, welche keine Colonien europischer
Staaten, sondern selbststndige Staatencomplexe mit einer von
der europischen verschiedenen Cultur und mit fremdartigen
Regierungsgrundstzen darstellen.

Die Abschliessung von Handels- und Schiffahrts-Vertrgen mit den zur
amerikanischen Gruppe gehrigen Staaten drfte einer Schwierigkeit nicht
unterliegen, wenn die sterreichische Regierung ihr Bestehen anerkennen und
mit ihnen als unabhngige Staaten in offiziellen Verkehr treten will, wie
dies bereits seit Langem von England, Frankreich u.s.w. geschehen ist.
Jedenfalls wre es der Wrde und den Interessen der kaiserlichen Regierung
entsprechend, wenn beim Abschlusse solcher Handelsvertrge Kriegsschiffe
S.M. in den betreffenden Hfen anwesend wren.

In erhhtem Maasse ist aber eine Machtentfaltung bei der zweiten Gruppe
jener Staaten unerlsslich, welche das sterreichische Kaiserthum kaum dem
Namen nach kennen, von seiner Macht und Stellung nur unvollkommene Begriffe
haben, und mit demselben bisher nur in sehr unbedeutenden oder in gar
keinen Beziehungen standen.

Zu letzterer Gruppe gehren vor Allem China und Japan, dann Siam und
theilweise Cochinchina.

In Japan sind zwar in letzterer Zeit die Handelsbeziehungen zu europischen
Staaten gestrt worden, es ist aber vorauszusetzen, dass binnen Kurzem
und jedenfalls frher als es im gnstigsten Falle zu effectiven
Tractats-Verhandlungen zwischen Oesterreich und jenem fernen Lande kommen
kann, die jetzigen Wirren beseitigt sein werden.

Abgesehen davon, sind fast alle Nationen Europas mit China und Japan in
Handelsbeziehungen _auf Grund von Vertrgen_ getreten, haben aber ihren
Zweck nur durch die moralische Untersttzung erreicht, welche durch eine
ihren Interessen und Krften angemessene Machtentwicklung bedingt wird.
Selbst Preussen, dessen Kriegsmarine kaum im Werden begriffen ist, hat
bekanntlich in den letztverflossenen Jahren ein kleines Geschwader,
bestehend aus vier Schiffen, welche zu jener Zeit nahezu die ganze
preussische Seemacht darstellten, nach China und Japan entsendet, und die
Schweiz, welche keine Ksten und keine Marine, aber einen ausgebreiteten
Handel besitzt, hat sich veranlasst gesehen, ein hollndisches Kriegsschiff
zu miethen, um behufs Abschluss eines Handelsvertrages mit Japan ihren
Bevollmchtigten in wrdiger Weise auftreten zu lassen.

Bei solchen Prcedenzen wre es fr Oesterreich kaum mglich, in Lndern,
wo die Dehors und die Aufrechthaltung der Wrde in erster Linie beachtet
werden mssen, anders zu Werke zu gehen.


2. Die Consular-Vertretung.

Die Wichtigkeit einer entsprechenden Vertretung der Regierung in
commercieller und handelspolitischer Beziehung, die Nothwendigkeit der
Aufstellung von Organen, welche die Rechte der sterreichischen Seefahrer,
Handelsleute und Reisenden zu wahren befhigt sind, welche fr die
Aufrechthaltung der Ordnung und der Gesetze am Bord der anlangenden
Kauffahrer sorgen und im Allgemeinen die kaiserlichen Unterthanen schtzen
und untersttzen, ist lngst ausser Zweifel gesetzt, und von so vielen
Seiten hervorgehoben worden, dass jede weitere Auseinandersetzung um so
mehr als berflssig erscheint, als die kaiserliche Regierung ohnedies dem
Gegenstande ihre volle Aufmerksamkeit zuwendet.

Indem wir den dringenden Wunsch aussprechen, dass recht bald zu der
endlichen Regelung des Consularwesens geschritten werde, da jede Versptung
derselben die Entwicklung unseres auswrtigen Handelsverkehrs verhindert,
mssen wir vor Allem die Thatsache hervorheben, dass fast in allen
auswrtigen ausserhalb des Mittelmeeres gelegenen Hfen wirkliche, d.i.
vom Staate besoldete, beamtete sterreichische Consuln _nicht_ bestehen,
und dass in Ermangelung sterreichischer Handelsfirmen zur unentgeltlichen
Versehung der Consulardienste Handelsherren bestellt werden, welche
fremden Nationalitten angehren, im Allgemeinen ber sterreichische
Handelsverhltnisse wenig oder gar nicht unterrichtet sind, sich auch nur
vorbergehend mit dem Handel Oesterreichs befassen, und selbst bei dem
besten Willen nicht in der Lage sind, den sterreichischen Interessen vor
ihren eigenen einen Vorzug einzurumen. Es ist unter solchen Umstnden
nicht zu erwarten, dass der Handel und die Schiffahrt Oesterreichs gehrig
geschtzt werden, und wren daher in dieser Beziehung umfassende Massregeln
zu treffen.

Allerdings kann nicht verlangt werden, dass die kaiserliche Regierung an
allen wichtigen transoceanischen Handelspltzen effective Consuln aufstelle
und besolde, es wre dies auch nicht der jetzigen Entwicklungsphase
unseres Handels entsprechend, aber es erscheint dringend nothwendig,
dass wenigstens in jeder einzelnen Gruppe der weiten Handelsgebiete ein
leitendes und organisirtes Consularamt eingerichtet werde, whrend fr
die brigen Handelshfen den _Honorar_-Consuln eine solche Untersttzung
gewhrt werden msste, dass sie ihrem Dienste, ohne mit den eigenen
Interessen in Conflict zu gerathen, gengen knnen.

Als Handelsmittelpuncte von Verkehrsgruppen, wo eine effective und
jedenfalls nationale sterreichische Consularvertretung unerlsslich
erscheint, glauben wir folgende bezeichnen zu sollen:

  1. Einen -- noch nher zu bestimmenden -- Hafen der Antillen,
  2. Bahia,
  3. Rio de Janeiro,
  4. Point de Galles auf Ceylon,
  5. Singapore,
  6. Batavia,
  7. Sydney oder Melbourne,
  8. (nach abgeschlossenem Handelsvertrage) Shangai in China.

Hiezu kommt noch als Ausgangspunct der transoceanischen Schiffahrt
Gibraltar wegen dieser seiner Lage und wegen der bestndigen Anwesenheit
sterreichischer Seeschiffe, welche, wenn sie aus fernen Gewssern in das
Mittelmeer einlaufen, dort Bedrfnissen gengen mssen, die durch eine
lange Seefahrt hervorgerufen werden.

Ueber die Bedeutung der eben genannten Puncte gibt das Novara-Werk die
interessantesten Aufschlsse, und wollen wir hier nur speciell auf Shangai
hinweisen, welcher Handelsplatz, in Folge des tglich steigenden Seiden-
und Thee-Exportes, und vermge seiner Lage an dem mchtigen der
Schiffahrt erschlossenen Yangtse-Kiang, inmitten der culturreichsten und
ertragfhigsten Gegenden Chinas, wegen der grsseren Nhe der
Hauptstadt, und wegen der durch zahlreiche schiffbare Kanle vermittelten
vortrefflichen Verbindungen mit den entlegensten inneren Provinzen, sich in
Kurzem zu einem der grssten Mrkte der Welt emporschwingen wird. Die
Lage Shangai's -- welches jetzt schon von sterreichischen Handelsschiffen
besucht wird -- in der Nhe der japanischen Inseln erhht noch seine
Wichtigkeit, Englnder, Nordamerikaner und Norddeutsche haben dort
Handels-Etablissements, welche die hchste Beachtung verdienen, da sie die
Grundlage zu einer Art Freistadt fr civilisirte Vlker bilden, an deren
Erhaltung alle Staaten Europas und Nordamerikas gleiches Interesse haben.

Da die Errichtung von acht bis neun neuen effectiven Consularmtern des
Kostenpunctes halber Schwierigkeiten finden knnte, so glauben wir
erinnern zu sollen, dass es mehre Mittel gibt, die Auslagen einer solchen
Organisirung geringer zu stellen. So drfte es keinem Anstande unterliegen,
an Orten wo, wie in Rio de Janeiro, eine sterreichische diplomatische
Vertretung bereits besteht, oder eine solche in Folge der Herstellung
officieller Relationen errichtet werden sollte, neben der diplomatischen
auch eine Consular-Kanzlei einzurichten, wie dies Preussen thut, dessen
in Amerika bestellte Minister-Residenten zugleich als General-Consule
fungiren; ferner knnten zu sterreichischen Consuln Persnlichkeiten aus
der Reihe disponibler, auf Wartegeld gesetzter Consularbeamten, sowie
noch rstige und befhigte pensionirte Stabs- oder Oberofficiere der
Kriegsmarine ernannt werden, wodurch dem Staate die bisherigen auf
Wartegelder und Ruhegehalte ohne Nutzen verausgabten Betrge zu Gute kmen,
endlich wrden sich wohl bei Zunahme unserer auswrtigen Verbindungen
auch einzelne sterr. Kaufleute an einem oder dem andern der bezeichneten
Hauptpuncte etabliren, welchen die Fhrung der Consulatsgeschfte gegen
Entgelt der Kanzleiauslagen bis zum Zeitpuncte, wo die Regierung zur
definitiven Besetzung des Postens zu schreiten vermag, mit Beruhigung
anvertraut werden knnte. Wenn auch nicht Alles auf einmal geschehen
kann, so ist doch schon viel gewonnen, wenn der Anfang einer _nationalen_
Vertretung gemacht wird.

Was diejenigen Hafenorte betrifft, wo auch fortan Honorar-Consuln bestehen
sollen, so ist im Auge zu behalten, dass dieselben im Allgemeinen nur aus
der Classe angesehener Handelsherren genommen werden knnen, welche der
Leitung ihrer eigenen Geschfte ihre Zeit und Aufmerksamkeit zuwenden
mssen, und den Consulardienst nur nebenbei aus Geflligkeit besorgen.

Es erscheint daher passend, dass in den fr den sterreichischen Seeverkehr
wichtigern Hfen den betreffenden Honorarconsuln je ein Consulareleve
beigegeben wrde, welcher, von der kaiserlichen Regierung angestellt, die
materiellen Consulatsgeschfte unter der Leitung des Honorarfunctionrs
versehen wrde.

Durch die Entsendung von _Consular-Eleven_ wrde der Staat fr den
praktischen Consulatsdienst junge Leute heranbilden, welche mit der
grossen Handelsbewegung der mchtigsten Nationen der Erde, mit der
Productionskraft, der Ein- und Ausfuhr und den Bedrfnissen der
wichtigsten, von unserer Industrie und unserm Handel noch viel zu wenig
gewrdigten Lnder und Vlker bekannt wrden, und binnen Kurzem drften
aus dieser, den Gesichtskreis erweiternden, die Thatkraft sthlenden
Pflanzschule Mnner hervorgehen, wie sie der Consulardienst und die Leitung
der Handelsschiffahrt so dringend benthigen.

Die Verwendung von _Consular-Eleven_ wre nur eine Erweiterung des schon
fr die sterreichischen Consulate in der Levante bestehenden Systems und
ist in Analogie mit einer bei den Honorar-General-Consulaten von Paris und
London seit Langem eingefhrten und bewhrten Einrichtung, nur dass
diesen beiden General-Consulaten ihrer besonderen Wichtigkeit halber
Consularbeamte hheren Ranges beigegeben sind.

Jedenfalls wrde durch diese Massregel der Consulardienst bei den
berseeischen Honorar-Consuln ausserordentlich an Regelmssigkeit und
Nachhaltigkeit gewinnen, und dieselben wrden dadurch in den Stand gesetzt
werden, gediegene, auf unsere inlndischen Productions-, Handels- und
Schiffahrts-Zustnde reflectirende Handelsberichte zu erstatten und dem
einheimischen Handelspublicum die dortigen Verkehrsverhltnisse klar zu
machen.


3. Specielle Erhebungen und Studien behufs Anknpfung von
Handelsverbindungen.

Mit dem Abschlusse von Handelsvertrgen und mit Regelung des Consularwesens
werden zwar die unerlsslichen Vorbedingungen eines regelmssigen und
vortheilhaften berseeischen Verkehrs erfllt, derselbe wird _ermglicht_,
aber noch nicht _verwirklicht_, der Handel muss erst durch Selbstthtigkeit
geschaffen werden. Nun haben wir bereits im ersten Abschnitte
hervorgehoben, dass dies eben keine leichte Sache sei, und dass besonders
die Auswahl der ersten Operationspuncte und der ersten Operationsobjecte
mit besonderem Tacte und besonderer Umsicht getroffen werden msse.

Sehr viele und wichtige Anhaltspuncte hiefr geben in dieser Beziehung
die Relationen der Novara-Expedition, deren commerzielle Bedeutsamkeit als
Anbahnung des Verstndnisses wir nicht hoch genug veranschlagen knnen,
aber das Feld ist so unermesslich, und die Gefahr, Missgriffe zu begehen,
so gross, dass noch immer ein sehr eindringliches Studium der Detailfragen
erforderlich bleibt.

Wir beschrnken uns darauf, hier nur die Hauptpuncte zu bezeichnen:

~a~) Das System, an berseeischen Handelspltzen Einkufe fr
sterreichische Rechnung durch dortige, einer fremden Nationalitt
angehrige, Agenten oder Handlungshuser bewerkstelligen zu lassen, oder
gar sterreichische Industrie-Erzeugnisse solchen fremden Husern im
Commissionswege zum Absatze zu bergeben, ist _unbedingt verwerflich_
und kann nur zu Verlusten und Enttuschungen fhren. Der einzige Weg, im
berseeischen Verkehr festen Fuss zu fassen und sich solide Absatzmrkte zu
schaffen, welchen auch Hanseaten, Norddeutsche, Schweizer und Belgier
mit bestem Erfolge eingeschlagen haben, ist die Grndung _nationaler
Handels-Etablissements_, welche entweder Filialen einheimischer Firmen
oder auch selbststndige Unternehmungen sein knnen, immer aber, wenn sie
wirklichen Nutzen stiften sollen, mit dem Mutterlande im Zusammenhang und
in Geschftsverbindung bleiben mssen.

Es wird sich nun darum handeln, die auswrtigen Handelsorte, wo mit
grsster Aussicht auf Erfolg solche Etablissements errichtet werden knnen,
die Geschftsgattungen, welchen sie zunchst ihre Thtigkeit zuzuwenden
haben, die hiebei zu beobachtenden Vorsichten und Handelsvortheile durch an
Ort und Stelle von vollkommen fachkundigen, mit den einheimischen Verkehrs-
und Industriezustnden ganz vertrauten Persnlichkeiten vorzunehmende
Erhebungen ermitteln zu lassen.

~b~) In Bezug auf den Absatz sterreichischer Industrie-Erzeugnisse darf
man sich von der Errichtung sogenannter Bazars, in welchen auf Gerathewohl
zusammengestellte sterreichische Waaren an fremden Pltzen zum Verkaufe
gebracht werden, nicht viel Erfolg versprechen, so wie man auch nicht auf
nach hierlands blichen Mustern zu machende Bestellungen rechnen kann,
wenn man nicht Waaren und Muster sorgfltig nach der dortigen Nachfrage
auswhlt.

Die sterreichische Industrie darf berhaupt nicht erwarten, dass sie
den _Ueberschuss_ oder gar den _Ausschuss_ ihrer jetzigen Erzeugung auf
berseeische Mrkte werfen knne, sie wird sich vielmehr einen auswrtigen
Absatz nur dann erobern, wenn sie im Stande ist, Waaren, welche in jenen
fernen Gegenden gangbar sind, und von Englndern, Schweizern, Belgiern
u.s.w. geliefert werden, zu wenigstens gleichem Preise und in gleicher
Qualitt herzustellen. In Sdamerika wie in Ostasien hngt es oft von
einem kleinen Unterschiede in der Farbe oder im Ellenmaasse, oder von der
Verpackung ab, um eine sonst ganz preiswrdige Waare vllig unverkuflich
zu machen. Je nher die sterreichische Industrie sich mit den
Anforderungen der berseeischen Consumtionsorte vertraut machen wird, desto
mehr wird sie ihre Production denselben anpassen und mit Erfolg fr den
auswrtigen Absatz arbeiten knnen.

~c~) Mit dem Waarengeschfte geht das Geld- und Wechselgeschft in Rimesse,
Deckung und Arbitrage Hand in Hand. Es wird eine wesentliche Aufgabe
sein, dieses letztere Geschft auf den auswrtigen Pltzen in allen seinen
Verzweigungen und Eigenthmlichkeiten zu verfolgen, um dem beginnenden
sterreichischen Seehandel auch in dieser Beziehung die grossen Vortheile
mglichst directer Verbindungen zuwenden zu knnen.

~d~) Bei dem grossen Vorsprunge, welchen im Seeverkehre andere Nationen vor
uns gewonnen haben, werden isolirte Anstrengungen vereinzelter Individuen,
wenn sie auch vom gnstigen Erfolge begleitet sind, nur sehr langsam
ihre Wirkung auf Hebung des Nationalwohlstandes und auf Belebung
der inlndischen Erzeugung ussern knnen. Von der Errichtung von
Handelscompagnien mit monopolistischen Privilegien, von der Einfhrung von
Differenzialzllen, Aussetzung von Prmien u.dgl. kann nach dem heutigen
Stande der Volkswirtschaftslehre keine Rede sein; die Grndung einer
Colonie knnte im gnstigsten Falle nur im bescheidensten Maasse als
Schiffahrtsstation und Depot in Betracht kommen; es bleibt aber noch ein
ausgiebiges Mittel, dem auswrtigen Verkehre eines Staates rasch eine
grssere Entwickelung zu geben: _die Errichtung berseeischer_, besonders
auf den Gtertransport berechneter _Dampfschiffahrtslinien_. Durch eine
solche zweckentsprechend organisirte Dampfschiffahrtslinie wird das
Mutterland mit einer ganzen Gruppe von Handelsgebieten in unmittelbare und
regelmssige Verbindung gesetzt, jede einzelne Station, jede Agentur bildet
gleichsam eine Factorei, einen Mittelpunct, an welchen sich der eigentliche
Verkehr ansetzt, von wo er sich in das Innere allmlig verbreitet, wo er
seine Local-Erfahrungen, seine Schule macht.

Indem wir auf dasjenige verweisen, was in dieser Beziehung von anderen
Seestaaten bereits geleistet wird, glauben wir, erinnern zu sollen, dass
auch in Oesterreich die Elemente hiefr vorhanden sind. Wir besitzen im
Oesterreichischen Lloyd eine Dampfschiffahrts-Gesellschaft, welche ihre
Lehrzeit hinter sich hat, trotz mannigfacher Missgriffe und Irrthmer die
schlimmsten Krisen zu bestehen wusste und die Bedingungen einer grossen
Entwicklungsfhigkeit in sich trgt. Wir haben auch an grossartigen
Privatwerften Etablissements, welche gerade in neuester Zeit
glnzende Proben ihrer Leistungsfhigkeit und des sterreichischen
Unternehmungsgeistes abgelegt haben. Man hat sich auch in Oesterreich
letztens vielfach und ernstlich mit der Idee der Herstellung directer
berseeischer Dampfschiffahrtsverbindungen beschftigt, und es ist
ein bestimmt formulirtes Project zur Grndung einer transatlantischen
Dampfschiffahrts-Gesellschaft fr den bisher so schwer vermissten directen
Verkehr mit Central- und Sdamerika, insbesondere mit den Antillen und
Brasilien, vielfach in den Tagesblttern besprochen worden.

Auch die Herstellung einer sterreichischen Dampfschiffahrts-Unternehmung
im rothen Meere, den indischen und chinesischen Gewssern ist bereits
in's Auge gefasst worden, und wir hatten Gelegenheit, von einem diesfllig
verfassten, noch nicht in die Oeffentlichkeit gebrachten, sorgfltig
ausgearbeiteten Projecte Einsicht zu nehmen.

Wir enthalten uns um so mehr des Eingehens in die Details, da wir
der Ansicht sind, dass diese Fragen, insbesondere bezglich des
transegyptischen Dampfschiffahrts-Projectes, noch der eindringlichsten
Erhebungen und Studien bedrfen, knnen aber in Hinblick auf die grossen
von einer solchen Unternehmung zu erwartenden Vortheile, sowie wegen der
uns auch auf diesem Gebiete bedrohenden italienischen Concurrenz nicht
lebhaft genug den Wunsch und die Hoffnung ausdrcken, dass diese Erhebungen
so bald und so grndlich als mglich stattfinden.

       *       *       *       *       *

Um alle vorgehend besprochenen, die Hebung des auswrtigen Verkehrs
bezweckenden Vorkehrungen und Massregeln in krzester Zeit in's Werk setzen
und in dieselben System und Zusammenhang bringen zu knnen, gibt es nur
_ein_ Mittel, die Veranstaltung einer sterreichischen maritimen Expedition
nach den berseeischen Handelsgebieten.

Wir haben schon oben dargethan, dass zum Behufe der Abschliessung von
Handels- und Schiffahrtsvertrgen mit nicht europischen Staaten eine
angemessene Machtentfaltung der Marine geradezu unerlsslich ist, und
glauben, nicht erst nachweisen zu mssen, dass, wenn zu diesem Zwecke die
Abordnung von sterreichischen Kriegsschiffen statt findet, mittelst dieser
Expedition auch die Regelung des sterreichischen Consularwesens, so wie
der ganze Complex der, in commerzieller und handelspolitischer Richtung,
nach erforderlichen Erhebungen und Studien am besten vorgenommen werden
kann.

Wir glauben daher dringend empfehlen zu sollen, dass Oesterreich sobald
als mglich ein Geschwader ausrste und sowohl nach den chinesischen und
japanischen, als nach den sdamerikanischen Gewssern absende, welches mit
Rcksicht auf die eigene Grossmachtstellung und auf die Prcedenzen anderer
Staaten mindestens

aus zwei Propeller-Fregatten,

    einer         Corvette,

    einem         Schooner und

    einem Transportschiff (womglich mit Auxiliar-Dampfkraft) zu bestehen
htte. In jedem Falle sollte die Gesammtstrke des Geschwaders 70 bis 80
Kanonen und an 1000 Mann betragen.

Die verschiedene Grsse und Tauchung der Schiffe wre den in vielen Fllen
seichten Gewssern und dem zu erreichenden Zwecke anzupassen.

Ueberdies drfte Folgendes zu beachten sein:

1. Msste die Expedition von einem erfahrenen und umsichtigen Admiral, der
entsprechende Kenntnisse und Fhigkeiten gepaart mit Thatkraft und Ausdauer
besitzt, befehligt werden. Demselben wrde die Fhrung und Leitung des
Geschwaders, die Reprsentation oder Vertretung des Kaiserstaates, dann
die Mitwirkung an den Verhandlungen und die Aufgabe zu bertragen sein,
mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und Krften alle beabsichtigten
Expeditionszwecke zu frdern.

2. Wre ein Bevollmchtigter mit einem entsprechenden Personale
einzuschiffen, dem die Fhrung der Verhandlungen im steten Einvernehmen mit
dem Geschwader-Commandanten anvertraut wrde.

Im Falle als dieser Letztere mit der Abschliessung der Handels- und
Schiffahrtsvertrge von S.M. dem Kaiser beauftragt wre, entfiele zwar die
Absendung eines eigenen Bevollmchtigten, aber es wrde nothwendig sein,
diesem Commandanten einen hheren diplomatischen Beamten mit entsprechendem
Personale beizugeben.

3. Der Umfang der Verrichtungen, welche der Expedition bezglich der
Organisirung des sterreichischen Consularwesens in berseeischen Lndern
zustnden, wrde davon abhngen, wie weit die erforderlichen Vorarbeiten
im Zeitpuncte des Abganges der Expedition bei den betreffenden Ministerien
gediehen sein werden. Im Allgemeinen sei nur zu bemerken, dass dem
Expeditionsleiter in dieser Beziehung die mglichst umfassenden Befugnisse
eingerumt werden sollten, da sich an Ort und Stelle das wahre Bedrfniss
am besten erkennen lsst und es vortheilhaft erscheint, wenn die Einfhrung
und Installirung neuer Consularfunctionre in Gegenwart und unter
Intervenirung kais. Kriegsschiffe vorgenommen wird. Es wird hiedurch nicht
nur, besonders bei halbbarbarischen Vlkern der unmittelbare Eindruck
eines solchen Actes erhht, sondern der Wirksamkeit des Consuls auch fr
spterhin Ansehen und Erfolg verbrgt.

Es versteht sich von selbst, dass die kais. Kriegsschiffe die
Consular-Eleven, falls der diesfllige Vorschlag zur Ausfhrung gelangen
sollte, an Ort und Stelle zu bringen htten.

4. Der Expedition wren Fachmnner beizugeben, welche, im Auftrage
der Regierung, nach einer sorgfltig auszuarbeitenden Instruction, die
vorangehend besprochenen Detailstudien und Vorerhebungen zu pflegen
haben, auf deren Grundlage sodann die weitere Entwicklung des auswrtigen
sterreichischen Seeverkehrs erfolgen soll. In diese Fachmnner-Commission,
welche nur aus einer beschrnkten Anzahl von Individuen bestehen drfte,
gehren Mnner, welche mit den Zustnden der sterreichischen Industrie und
Urproduction, mit den Erzeugungsmodalitten, Kosten- und Vertriebsspesen
vollkommen vertraut sind, zugleich auch das Ganze des Import- und
Exportgeschftes, sowie das Credit- und Bankwesen grndlich kennen,
wo mglich durch eigene Anschauung in die Verhltnisse der grossen
westeuropischen Industrie eingeweiht sind, den allgemeinen Gang des
Welthandels aufzufassen vermgen, und mit diesen Eigenschaften den
richtigen Blick und die Befhigung verbinden, in jedem concreten Falle die
gehrige Nutzanwendung fr die einheimischen Belange zu machen.

Von der richtigen Auswahl dieser Fachmnner wird zum grossen Theile der
praktische Erfolg der Mission in commerzieller und handelspolitischer
Beziehung abhngen.

Selbstverstndlich wrde die Fachmnnercommission schon der usseren
Ordnung halber und wegen Einhaltung der bei weiten Seefahrten so wichtigen
Zeiteintheilung, der Leitung des Geschwader-Commandanten unterstehen, und
ihre Geschfte im Einvernehmen mit demselben vorzunehmen haben. Sie htte
hufig und von allen bedeutenderen Orten Berichte einzusenden, welche
sogleich durch den Druck zu verffentlichen und zur Kenntniss der
Handelskammern und der commerziellen und industriellen Genossenschaften und
Institute zu bringen wren.

Es wrde nebstbei von grossem Nutzen sein, wenn einzelnen vortheilhaft
bekannten sterreichischen Kaufleuten gestattet wrde, diese Expedition zu
bentzen, um sich nach einem oder dem andern Hafenplatze zu Handelszwecken
zu begeben oder dort niederzulassen. Ueberhaupt wre die Errichtung
sterreichischer Handelshuser im Bereiche des grossen usseren Handels in
jeder Weise zu frdern und zu untersttzen.

5. Wenngleich bei einer Expedition, wie die hier vorgeschlagene, die
Verfolgung von handelspolitischen Zwecken die Hauptsache ist, so liegt
doch in den glnzenden scientifischen Resultaten der Novarafahrt eine
Aufforderung, die neue gnstige Gelegenheit auch im Interesse der
Wissenschaft im Allgemeinen, und insbesondere zur Erweiterung der
Kenntnisse der physischen Geographie des Meeres, sowie zur Ausbildung
unserer kleinen aber gewiss tchtigen Marine zu bentzen.

Wenn auch letztere nicht grosse Erfolge im Kriege gegen bedeutendere
Seemchte zu erwarten befhigt ist, so soll sie doch mindestens durch
ihr Wissen und durch den Nutzen glnzen, welchen sie der Civilisation zu
bringen vermag.

6. Bei Beantwortung der Frage, welche Hafenpltze von der Expedition
besucht werden sollen, kmen in erster Reihe diejenigen Orte zu
bercksichtigen, in welchen die Verhandlungen behufs Abschliessung der
Handels- und Schiffahrtsvertrge vor sich gehen sollen und wo je nach der
Sachlage die Untersttzung der Negotiation durch das ganze Geschwader oder
einen Theil desselben einzutreten haben wird.

Ob auch mit Japan ein solcher Vertrag verhandelt werden solle, wird wohl
zunchst von dem Stande der Dinge abhngen, welchen das Geschwader zur
Zeit seines Eintreffens in den chinesischen Gewssern vorfinden wird; aller
Voraussetzung nach wird inzwischen die europische Ueberlegenheit sich
abermals auch dort bewhrt haben, und vielleicht ist gerade dann der Moment
sehr gnstig, der sterreichischen Flagge in Japan die gleichen Rechte mit
den andern europischen Nationen zu verschaffen.

Vom commerziellen Standpuncte aus erscheint es sehr wnschenswerth, dass
die Expedition in allen jenen Handelspltzen erscheine, welche bereits in
den Jahren 1857 bis 1859 von der Novara besucht worden waren.

Hiedurch wrde auf Grund der von der Novara gesammelten hchst
werthvollen handelsstatistischen Daten fortgebaut, die Fachmnnercommission
wrde sich auf einem bereits bekannteren Terrain bewegen, und knnte, da
es sich nur um Vervollstndigungen und Nutzanwendungen handelt, ohne
Zeitverlust in Specialstudien eingehen.

Ausserdem wren noch jene Puncte nachzuholen, deren Aufsuchung in dem
ursprnglichen Reiseplane der Novara gelegen war, aber nicht zur
Ausfhrung gelangte, da die Novara ihre Reise der Zeitereignisse wegen
abzubrechen gezwungen wurde; endlich knnen wir, im Hinblick auf
die Eventualitt der Erffnung des Suezkanals und wegen
der Dampfschiffahrtsfrage, die Vornahme einer grndlichen
nautisch-commerziellen Erforschung des rothen Meeres und seiner
hauptschlichen Kstenpuncte und Handelspltze, sowie berhaupt der
Handelsstrasse Suez-Bombay allenfalls durch ein einzelnes von dem
Geschwader abzuordnendes Kriegsschiff nicht angelegentlich genug empfehlen.

Mit Rcksicht auf diese Anforderungen des Handels, zu welchen sich
noch jene der Wissenschaft gesellen, wren folgende und zwar die
interessantesten Handelshfen der Erde, welche nicht im Bereiche des
gewhnlichen europischen und nordamerikanischen Zwischenverkehrs liegen,
hervorzuheben.

Die Capstadt, Mauritius, Suez, Aden, Bombay, Ceylon, Madras, Calcutta,
Singapore, Java und die hollndischen Niederlassungen berhaupt, Manilla,
Hongkong, Shanghai, die japanischen Inseln, Sydney, Melbourne, Aukland,
Wellington, Taiti, Hawaii oder die Sandwichsinseln, Californien, Peru,
Chili, Buenos Ayres und Montevideo, Rio de Janeiro, Bahia.

Wir sind indessen nicht der Ansicht, dass smmtliche hier angefhrte Puncte
in dieser Reise um die Erde von allen Schiffen des Geschwaders gleichzeitig
besucht werden sollen, sondern glauben, dass es dem Commandanten zu
berlassen wre, die einzelnen Schiffe so zu verwenden, dass dem Zwecke
in der krzesten Zeit und mit der grssten Oekonomie entsprochen werden
knnte.

Durch eine umsichtige Vertheilung der Krfte wrde es auch mglich sein,
einzelne fr die Wissenschaft oder fr die Schiffahrt wichtige Inseln oder
Kstenpuncte, die hier nicht angefhrt wurden, zu bercksichtigen. Wir
erwhnen hier nur der Nikobaren-Inseln, auf welche schon Kaiserin _Maria
Theresia_ die Aufmerksamkeit gerichtet hatte, und welche immer wieder in
Frage kommen werden, wenn es sich im Falle einer grsseren Entwicklung
des sterreichischen berseeischen Verkehrs, namentlich wenn der
Suezkanal erffnet wird, um die Errichtung einer vortheilhaft gelegenen
sterreichischen Schiffsstation, eines sterreichischen Centraldepots oder
auch Anlegung einer sterreichischen Verbrecher-Colonie handeln wird. Indem
wir hinsichtlich der Nikobaren auf die ebenso interessante als erschpfende
Relation der Novara-Expedition[C] verweisen, knnen wir hier nur den Wunsch
ausdrcken, dass die neue Expedition die Vorstudien und Erhebungen ihrer
Vorgngerin fortsetzen und insbesondere die Insel Grossnikobar genau
untersuchen mge.

  [C]: Reise der Novara um die Erde II.Band. Die nikobarischen Inseln,
  Seite 1 bis 96.

Die hier in Antrag gebrachte Expedition wrde, so wie wir dies zu
beurtheilen vermgen, hchstens zwei Jahre zur Ausfhrung ihrer Aufgabe
bedrfen und bei drei Millionen Gulden in Anspruch nehmen.

In dieser Summe sind die Auslagen fr die Fachmnnercommission,
fr Naturforscher und deren wissenschaftlichen Apparat, fr den
Bevollmchtigten der kais. Regierung sammt Personale, endlich fr
Geschenke, welche dem Gebrauche gemss den japanischen Regierungsorganen
gemacht werden mssen, inbegriffen.

Eine genauere Berechnung der Detailauslagen zu geben, sind wir aus leicht
erklrlichen Grnden nicht in der Lage, dieselbe htte in erster Linie von
der kais. Kriegsmarine festgestellt zu werden. Gleichwohl glauben wir,
dass drei Millionen Gulden vollkommen gengen wrden, nachdem zufolge
der verffentlichten Ausweise die Gesammtkosten der Novara-Expedition mit
Hinzurechnung der Auslagen fr die Naturforscher, fr die Ankufe und
fr die Schiffsausbesserungen sich nicht hher als auf eine halbe Million
Gulden beliefen.

Bedenkt man nun, dass S.M. Kriegsmarine whrend der zwei fr die
beantragte Expedition berechneten Jahre keine weitern Uebungsschiffe in
unserem Meere auszursten braucht, jedenfalls die Schiffe der Expedition
vorhanden sind, und auch in den heimatlichen Gewssern in gutem Stande
erhalten werden mssten, so glauben wir annehmen zu drfen, dass die auf
zwei Jahre sich vertheilende Mehrauslage, welche die Expedition hervorrufen
wrde, kaum _anderthalb Millionen_ Gulden betragen kann, wobei natrlich
vorausgesetzt wird, dass die ausgesendeten Schiffe in der Regel mit Segel
fahren und nur dann die Dampfkraft bentzen sollen, wenn die Umstnde die
Anwendung der letzteren nothwendig machen, oder wo die dadurch ersparte
Zeit die vermehrten Auslagen aufwiegt.

Wir haben bisher der Aussendung einer maritimen Expedition vom
commerziellen Standpuncte das Wort geredet, erlauben uns aber auch
anzudeuten, dass durch die Entsendung eines Geschwaders in ferne Gewsser
der kaiserlichen Flagge jene Achtung und Beachtung verschafft wird, welche
der Grsse, Macht und Wrde des Kaiserthums entspricht und deren wir leider
noch an vielen Puncten der Erde entbehren. Die Verleumdungen, ja
unsinnigen Behauptungen, welche auch im fernsten Auslande gegen Oesterreich
ausgestreut werden, und von Gegnern ausgehen, deren Trachten es ist, das
Kaiserreich allerwrts in der ffentlichen Meinung herabzusetzen und
zu verunglimpfen, knnen nur durch factische Beweise der Macht und des
Culturlebens, wie sie Kriegsschiffe zu geben vermgen, entkrftet werden.

Endlich drfte es gestattet sein, ohne der Beurtheilung maritimer
Autoritten vorzugreifen, auf den Nutzen hinzuweisen, welchen S.M.
Kriegsmarine von einer derartigen Expedition erwarten kann, indem bei
dieser Gelegenheit eine grssere Anzahl von Officieren, Cadetten und
Mannschaften in krzerer Zeit ausgebildet wrde, als es unter gewhnlichen
Verhltnissen der Fall sein knnte.

Dass aber die Krftigung und Entwicklung der Kriegsmarine ein Bedrfniss
sei, kann, mindestens an der Kste und von Seite unserer Handelsschiffahrt,
nicht bezweifelt werden. Die Vergrsserung und Verwerthung der kais.
Kriegsmarine ist nothwendig, _im Kriege_ zur Vertheidigung der Ksten,
_im Frieden_ zur Sicherung des Seehandels, wenn Verkehr und Schiffahrt mit
Zuversicht und Vertrauen auf den Schutz der Regierung sich frei bewegen,
und wenn die Interessen des Staates und seiner Angehrigen auch in
entfernten Meeren, wo immer die sterreichische Flagge weht, gewahrt werden
sollen.

Das Jahr 1848 ist nicht vergessen, in welchem die winzige Flotte eines
kleinen Staates das adriatische Meer beherrschte, unsere Kste blockirte,
ja, vor Triest geankert, unsern Handel vernichtete, und mit Besorgniss
denkt man an die Mglichkeit der Wiederholung hnlicher Verkehrshemmnisse.
Der letzte Krieg hat uns an der Kste berdies den Beweis geliefert, dass
es ohne entsprechende maritime Krfte nicht mglich ist, unsere, wenngleich
zur Genge befestigte Kste zu vertheidigen, weil Schiffen wieder Schiffe
entgegengesetzt werden mssen, und maritime Angriffe eine maritime
Vertheidigung erheischen.

Zwar hat die kais. Regierung in letzter Zeit eine Vermehrung der
Kriegsmarine angestrebt, durch welche eine Vertheidigung der Ksten
bezweckt wird; wir sind fr diese Schritte dankbar, und knnen nur
wnschen, dass sie auch im Binnenlande mit voller Ruhe und Unparteilichkeit
nach ihrer ganzen Tragweite gewrdigt werden mgen, aber abgesehen davon,
dass diese nur fr den Krieg an den eigenen Ksten berechneten Massregeln
noch unvollstndig sind, so lassen sie noch den andern bisher noch wenig
besprochenen Hauptzweck der Kriegsmarine unberhrt: ihre Leistungsfhigkeit
im Frieden zur Untersttzung und zum Schutze des nationalen Seehandels.

In frheren Zeiten hatte man dieser letzteren Aufgabe unserer Kriegsmarine
fr das Mittelmeer, auf welches unser Seehandel grossentheils beschrnkt
war, gengende Aufmerksamkeit geschenkt; sterreichische Kriegsschiffe
befanden sich an den wichtigsten Puncten der Levante und befuhren
den Archipel und den adriatischen Golf zur Aufrechthaltung unserer
tractatmssigen Rechte und zum Schutze unserer Kauffahrer gegen Raub und
Beschdigung.

Mit dem Jahre 1848 und mit der Errichtung einer Kriegsmarine auf anderen
Grundlagen scheint aber diese Aufgabe von derjenigen in den Hintergrund
gedrngt zu sein, welche der Vertheidigung der sterreichischen Ksten
zugewendet ist, die Gemther beschftigten sich in Oesterreich allenthalben
mehr mit der Kriegsfrage, als mit jener des Handels, welcher auf der See
wenig Bercksichtigung erfuhr.

Mittlerweile nahm unsere Handelsschiffahrt andere Wege, sie fand im
Mittelmeere nicht mehr hinlngliche Beschftigung und wandte sich, Dank
insbesondere den Fortschritten unserer Schiffswerften, immer mehr dem
Ocean zu. Bereits besuchen unsere Kauffahrer, wie schon erwhnt, Indien
und China, und werden dies knftig, wenn unsere Vorschlge zur Ausfhrung
kommen, noch weit mehr thun.

In dem Maasse aber, wie sich das Seegebiet unserer Handelsmarine
erweiterte, beschrnkte die kais. Kriegsmarine immer mehr ihre Thtigkeit
in auswrtigen Gewssern, und wenn sich ausnahmsweise kais. Schiffe oder
Schiffsabtheilungen im Auslande zeigen, so wird deren Sendung eben nur
durch politische Verhltnisse hervorgerufen, und nimmt auf den Handel
keinen oder nur einen vorbergehenden Bezug.

Nun haben wir bereits nachgewiesen, wie nothwendig die Intervenirung der
Kriegsmarine zur Anknpfung berseeischer Handelsverbindungen sei, und dass
ohne eine entsprechende maritime Machtentfaltung nicht einmal der positive
internationale Rechtsboden fr unseren Seehandel erlangt werden knne; wir
mssen aber noch beifgen, dass auch in der Folge, wenn sich der auswrtige
Verkehr ausgebildet haben wird, es unerlsslich bleiben werde, dass Schiffe
der kais. Kriegsmarine die von sterreichischen Kauffahrern besuchten
Hfen von Zeit zu Zeit anlaufen, dass Schiffs-Stationen an den wichtigsten
Puncten und besonders dort aufrecht erhalten werden, wo ungeregelte
Landeszustnde Strungen der vlkerrechtlichen oder tractatmssigen
Beziehungen besorgen lassen, und dass endlich Meere, welche der
Handelsschiffahrt nicht hinreichende Sicherheit bieten, von Schiffen der
kais. Kriegsmarine befahren werden.

Wir glauben einer solchen Untersttzung einen um so grsseren Werth
beilegen zu sollen, als die sterreichische Kriegsmarine, so lange die
preussische sich nicht entwickelt, in Deutschland die einzige Seemacht
darstellt, welche auch ausserhalb der europischen Grenzen den deutschen
Standpunct in praktischer Weise durch einen den auswrts angesiedelten
Deutschen gewhrten Schutz vertreten knnte.

In dieser Beziehung hat S.M. Fregatte Novara bereits eine gnstige
Erfahrung gemacht, als sie Puncte berhrte, an welchen grssere
Etablissements deutscher Nationalitt bestehen. Das freudige Entgegenkommen
dieser an den entferntesten Ksten wohnenden Deutschen, der Empfang,
welcher von ihrer Seite den Mitgliedern der Expedition zu Theil geworden,
ja der Enthusiasmus, mit welchem die sterreichische Flagge als deutsche
Flagge begrsst ward, haben deutlich bewiesen, welchen Werth die Deutschen
im Auslande auf das Erscheinen eines Kriegsschiffes legten, welches sie als
eine Vertretung ihres Gesammtvaterlandes betrachteten. Wir glauben nicht zu
irren, wenn wir behaupten, dass der grsste Theil Deutschlands mit wahrer
Befriedigung einer Massregel entgegen sehen wrde, welche von einer
deutschen Macht ausgehend, den Schutz deutscher Interessen bezweckt und
mindestens im _Auslande_ eine Einigung auf praktischen Feldern, die noch
immer zu den Wnschen des deutschen Volkes gezhlt wird, anbahnen wrde.

Hiedurch wrde die grossartige Initiative, welche S.M. der Kaiser
in Frankfurt ergriffen hat, in ihrer weitern Wirkung durch Sympathien
untersttzt, welche von Aussen kommend, in das Herz jedes Deutschen, dem
sein Vaterland lieb ist, dringen mssen.

       *       *       *       *       *

Indem wir mit diesen Vorschlgen hervortreten, welche sich zunchst in dem
Antrag _auf mglichst baldige Entsendung einer maritimen Expedition nach
den transoceanischen Handelsgebieten_ concentriren, machen wir uns auf zwei
Einwendungen gefasst: dass es in den gegenwrtigen Zeiten bedenklich
sei, die maritime Vertheidigungskraft der eigenen Kstengebiete durch
die Abordnung einer Anzahl Kriegsschiffe in ferne Gewsser namhaft zu
schwchen, und dann, dass unsern bedrngten Finanzen der Kostenaufwand
einer solchen weitaussehenden Unternehmung nicht aufgebrdet werden knne.

In ersterer Beziehung ist es allerdings richtig, dass die Opportunitt des
Zeitpunctes der Expedition von politischen Erwgungen abhnge, in welche
einzugehen wir nicht berufen sind; es wird aber die Bemerkung gestattet
sein, dass sich als ein ernstliches Hemmniss doch nur der Eintritt einer
wirklichen concreten Kriegsgefahr darstellen drfte, welche mit dem
Zustande politischer Unbehaglichkeit und Spannung, der leider in Europa
seit Jahren chronisch geworden ist, wohl nicht zu verwechseln ist. Wollte
man eine vllige Klrung des politischen Horizontes abwarten, so wrde
die jetzige Generation die active Theilnahme Oesterreichs am Welthandel
schwerlich erleben.

Was die Frage des Kostenpunctes betrifft, so wissen wir Kstenbewohner, die
wir unter den Valuta-Calamitten am meisten gelitten haben und noch
leiden, den hohen Werth der Sparsamkeit, welche in allen Zweigen des
Staatshaushaltes zum obersten Grundsatz erhoben ist, gewiss am besten zu
schtzen. Wir sehen, dass die laufenden Ausgaben auf ein Minimum
reducirt werden, unter welches ohne ernstliche Gefhrdung fr die ussere
Machtstellung und den inneren Organismus des Staates nicht herabgegangen
werden darf, und dass die Bedeckung der dergestalt reducirten Ausgaben ein
Maximum der Anspannung der Steuerkraft erfordert, welches die Grenze der
_Steuerfhigkeit_ bereits erreicht hat.

Gerade aber darin, dass das gegenwrtige Nationalvermgen den
unabweislichen Anforderungen des Staatshaushaltes nur mit grsster Mhe
und doch nur unvollkommen zu gengen vermag, scheint uns die dringendste
Aufforderung zu liegen, die Nationalproduction im weitesten Sinne zu
vermehren, und wir glauben, dass dies am schnellsten und wirksamsten durch
die Hebung und Belebung unseres auswrtigen Verkehres geschehen knne.

Werden unsere Vorschlge in diesem Sinne aufgefasst, und wird die von
uns beantragte maritime Expedition als das geeignetste Mittel fr die
Realisirung derselben erkannt, so werden nach unserer festen Ueberzeugung
die kais. Regierung und die Reichsvertretung den hiefr erforderlichen
einmaligen, und sich auf zwei Jahre vertheilenden, Aufwand von 1 Million
Gulden als eine eminent productive Vorauslage betrachten, welche der
Urproduction und Industrie, dem Handel und der Rhederei, der Seekste
und dem Binnenlande, der Kriegsmarine und der usseren Machtstellung der
Monarchie zu Gute kommen wird und somit in den wichtigsten Interessen ihre
Begrndung und Rechtfertigung findet.

_Triest_ im November 1863.

  ~P. Revoltella.~




Klun & Lange, Industrie- und Handelsatlas.

  PROSPECTUS.

  ATLAS
  zur
  Industrie- und Handelsgeographie.

  Fr commercielle und technische Lehranstalten, fr Kaufleute und
          Industrielle.

  Mit erluterndem Text

  von
  Dr. V. F. Klun

  Professor der Geographie und Statistik an der
  Handelsakademie, Docent an d. k. k. Universitt
  in Wien

  und
  Dr. Henry Lange

  Secretr des Vereins von Freunden der Erdkunde
  in Leipzig.

Das industrielle und commercielle Leben hat in den letzten Decennien einen
grossartigen Aufschwung genommen. Theorie und Praxis gehen Hand in
Hand; Real-, Industrial- und Handelsschulen, verschiedene Arten
Special-Fachschulen und technische Lehranstalten mehren sich in
Deutschland, Oesterreich, in der Schweiz, -- in fast allen Staaten
wendet man dieser Art Schulen eine besondere Aufmerksamkeit zu; denn die
Erkenntniss bricht sich immer mehr Bahn, dass Industrie und Handel zu den
wichtigsten Hebeln staatlichen Aufschwunges gehren.

Unter den Disciplinen dieser Lehranstalten nimmt die _Industrie-
und Handelsgeographie_ mit Recht einen hervorragenden Platz ein. Die
Beschreibung der Erdoberflche im Allgemeinen und in ihren Theilen,
insofern diese als Schauplatz der Handelsthtigkeit der Vlker auf
Grundlage der Urproduction und der Industrie betrachtet wird, ist _fr
den Kaufmann wie fr den Industriellen von hoher Bedeutung_. Ganz treffend
bemerkt Dr. K.ANDREE: Die neue Zeit stellt auch an den Kaufmann und
Gewerbsmann neue Anforderungen. Die Gemeinsamkeit der Verkehrsanliegen
reicht ber alle Erdtheile: wer sein Geschft tchtig mit Ueberblick und
Umsicht treiben will, muss die verschiedenen Lnder kennen, ihre Weltlage,
ihre Erzeugnisse und Productionskraft, die Vlker, ihren Charakter und ihr
Staatswesen. Nur dann vermag er die Verkehrsverhltnisse mit Klarheit zu
bersehen, einen weiten Gesichtskreis zu gewinnen und mit Sicherheit zu
combinieren, wenn er sie im Zusammenhange versteht, und ihr Wachsthum auf
geschichtlicher Unterlage verfolgt. _Das geographische Element bildet dabei
die Grundlage._

Bereits zhlt die geographische Literatur mehrere Lehr- und Handbcher,
welche das geographische Materiale von diesem Gesichtspunkte aus gesichtet
und geordnet haben, welche in Schule und Haus stets weitere Verbreitung
finden. _Welchen Werth hat aber wohl ein geographisches Lehrbuch ohne die
dem Buche angepasste Karte, ohne den entsprechenden Atlas?_ So reich unsere
Kartographie an politischen, physikalischen, historischen Atlanten ist,
ebenso arm ist sie an Karten, welche die industriellen und commerciellen
Verhltnisse der Staaten bildlich darstellen. Es ist keine Phrase die
Behauptung, dass ein =Atlas zur Industrie- und Handelsgeographie= _ein
wahrhaftes Bedrfniss fr Schule und Haus ist_. Nicht blos fr die
immer zahlreicheren technischen und commerciellen Lehranstalten in ihren
verschiedenen Abstufungen drfte unser Atlas eine willkommene Erscheinung
sein; wir leben auch der Hoffnung, dass _jeder intelligente Industrielle
und Kaufmann_, Jeder, der die materielle Cultur der Staaten und Vlker
ihrem wahren Werthe nach zu wrdigen versteht, denselben freudig begrssen
werde. Indem wir die Bekanntschaft mit den Grundbegriffen der Erdkunde beim
Leser voraussetzen, bieten wir ihm eine Uebersicht der Culturverhltnisse
der verschiedenen Staaten in 16Tafeln, und die geographische Darstellung
soll durch den Text erlutert werden; -- das Ganze soll ein _praktischer,
anschaulicher Leitfaden_ zur Erkenntniss dessen sein, was im _praktischen
Leben unserer Zeit_ fast unentbehrlich ist. Dass wir das =gesammte
Deutschland=, insbesondere die beiden deutschen Grossmchte =Oesterreich
und Preussen= _ganz besonders hervorgehoben haben_, brauchen wir in
einem _deutschen_ Werke wohl nicht zu begrnden. -- Der _Text_ wird eine
prgnante Charakteristik des Landes in Hinsicht der Urproduction, der
Industrie, des Handels, der Verkehrsmittel und derjenigen Factoren liefern,
welche die Trger und Frderer der materiellen Cultur eines jeden
Staates sind; es sollen generelle Charakterbilder sein, ferne davon,
ein Adressenbuch fr Kaufleute und Fabrikanten zu werden, oder sich in
theoretisirende Details zu verlieren. Die _Karten_ versinnlichen den Text,
es sind Illustrationen, welche im Allgemeinen wie im Besondern ein Bild der
gewerblichen Thtigkeit eines Landes vorzufhren die Aufgabe haben. Text
und Karte ergnzen sich gegenseitig, _sie bilden zusammen ein Ganzes_.

In der Ueberzeugung, fr den -- nach _Ritter's_ Ausspruch -- nicht
unwesentlichen Theil der geographischen Wissenschaft, fr die
_Culturgeographie_ ein Hilfsmittel zu liefern, hoffen wir, dass unsere
Arbeit freundliche Aufnahme und wohlwollende Beurtheilung finden werde.

  =Leipzig= und =Wien=, Mai 1863.

  V. F. Klun    H. Lange

Plan des Werkes befindet sich umstehend.


Plan des Werkes.

  Der Atlas wird folgende 16 Karten mit dem entsprechenden Texte
  enthalten:

  1. Erdkarte. (Rohproducte)
  2. Ost-Asien.
  3. West-Asien.
  4. Afrika.
  5. Nord-Amerika.
  6. Mittel-Amerika und Westindien.
  7. Sd-Amerika.
  8. Australien und Oceanien.
  9. Preussen, das brige Deutschland (ohne Oesterreich), Niederlande und
          Belgien.
  10. Oesterreich.
  11. Frankreich und die Schweiz.
  12. Dnemark, Schweden und Norwegen.
  13. Britische Inseln.
  14. Das ganze russische Reich (also auch das nrdliche Asien und
          russische Amerika.)
  1516. Das Mittellndische Meer nebst den angrenzenden Lndern.

Die Ausgabe des Atlas erfolgt in 5 Lieferungen und zwar enthlt die

  erste Lieferung die Karten No.     9. 10. 11.
  zweite    "      "    "     "         12. 13.
  dritte    "      "    "     "     14. 15. 16.
  vierte    "      "    "     "  5.  6.  7.  8.
  fnfte    "      "    "     "  1.  2.  3.  4.

Die erste Lieferung des Werkes erscheint womglich im August aber
sptestens im September 1863 und folgen die brigen in mglichst kurzer
Frist nach, _so dass der Einfhrung in Lehranstalten zu Michaelis d.J.
nichts im Wege steht_. Der Subscriptionspreis (mit der Verpflichtung zur
Abnahme des vollstndigen Werkes) betrgt fr jede Lieferung 22Sgr. _ohne
Vorausbezahlung_. -- Einzelne Lieferungen werden mit 1Rthlr. berechnet.

Bestellungen nehmen alle Buch- und Kunsthandlungen entgegen.

  =Leipzig=, Mai 1863.

    Die Verlagshandlung
    von
    =Albert Hoffmann=.


  Druck von Br & Hermann in Leipzig.




      *      *      *      *      *      *




Hinweise zur Transkription

Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, mit folgenden
Ausnahmen,

  Seite 38:
  "Rchsicht" gendert in "Rcksicht"
  (welches mit Rcksicht auf die eigene Grossmachtstellung)

  Seite 43:
  "," eingefgt hinter "Inseln"
  (Shanghai, die japanischen Inseln, Sydney,)]



***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK OESTERREICH'S BETHEILIGUNG AM
WELTHANDEL***


******* This file should be named 48243-8.txt or 48243-8.zip *******


This and all associated files of various formats will be found in:
http://www.gutenberg.org/dirs/4/8/2/4/48243


Updated editions will replace the previous one--the old editions will
be renamed.

Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
law means that no one owns a United States copyright in these works,
so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
States without permission and without paying copyright
royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
of this license, apply to copying and distributing Project
Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
specific permission. If you do not charge anything for copies of this
eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
performances and research. They may be modified and printed and given
away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
trademark license, especially commercial redistribution.

START: FULL LICENSE

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
www.gutenberg.org/license.

Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
Gutenberg-tm electronic works

1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or
destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
1.E.8.

1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement. See
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
electronic works. See paragraph 1.E below.

1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
works in the collection are in the public domain in the United
States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
United States and you are located in the United States, we do not
claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
displaying or creating derivative works based on the work as long as
all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
you share it without charge with others.

1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
in a constant state of change. If you are outside the United States,
check the laws of your country in addition to the terms of this
agreement before downloading, copying, displaying, performing,
distributing or creating derivative works based on this work or any
other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
representations concerning the copyright status of any work in any
country outside the United States.

1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
performed, viewed, copied or distributed:

  This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
  most other parts of the world at no cost and with almost no
  restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
  under the terms of the Project Gutenberg License included with this
  eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
  United States, you'll have to check the laws of the country where you
  are located before using this ebook.

1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
contain a notice indicating that it is posted with permission of the
copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
the United States without paying any fees or charges. If you are
redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
provided that

* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
  the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
  you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
  to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
  agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
  within 60 days following each date on which you prepare (or are
  legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
  payments should be clearly marked as such and sent to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
  Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
  Literary Archive Foundation."

* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
  you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
  does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
  License. You must require such a user to return or destroy all
  copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
  all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
  works.

* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
  any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
  electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
  receipt of the work.

* You comply with all other terms of this agreement for free
  distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org 

Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary 
Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

