The Project Gutenberg EBook of Balboa, by Heinrich Joseph von Collin

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Title: Balboa
       Ein Trauerspiel in fnf Aufzgen

Author: Heinrich Joseph von Collin

Release Date: June 21, 2015 [EBook #49248]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BALBOA ***




Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Reiner Ruf, and
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                     Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1806 erschienenen Buchausgabe
nahezu originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung in den
Regieanweisungen wurde vereinheitlicht, ungewhnliche und inkonsistente
Schreibweisen wurden aber beibehalten.

Auf S. 12 wurde die Passage 'Rief ich nun endlich auf' zu 'Rief ich nun
endlich aus' gendert.

Der Text in der Originalausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt; dies
wird hier durch normale Schrift dargestellt; ~Tilden~ stehen fr
gesperrten Text.

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                                Balboa.

                            Ein Trauerspiel
                                  in
                             fnf Aufzgen

                                  von
                                Collin.


                                Berlin,

                      bei Johann Friedrich Unger.

                                 1806.




Personen.


    ~Pedrarias~, Statthalter auf Darien.

    ~Maria~, seine Tochter.

    ~Vasco Nunez Balboa~, Adelantado.

    ~Jeronimo~, oberster Richter.

    ~Eskimosa~, Richter.

    ~Linares~ }
              }
    ~Almes~   }
              } Hauptleute des Balboa.
    ~Suligo~  }
              }
    ~Pinto~   }

    ~Medina~, Aufwrterinn der Maria.

    Volk. Wache. Richter. Bothe. Gefolge.




Erster Aufzug.

Ein mit Blumenkrnzen und Trophen gezierter sonst einfach gebauter
Saal.


Erster Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Linares.~

    (treten schleunig auf.)

~Linares.~

    Ihr in Maria del Antigua?
    Seyd herzlich uns willkommen! Dieses Glck --
    O mein Jeronimo -- wem danken wir's?

~Jeronimo.~

    Zum hchsten Richteramt' auf Darien
    Berief mich unsers Knigs Majestt.
    Ich folgte freudig diesem schnen Rufe,
    Der lange schon mein Wunsch im Stillen war.
    Seit Pedrarias Spanien verlie,
    Um hier des Knigs Stelle zu vertreten,
    Fand in Madrid ich keine Ruhe mehr.
    Das Loos der Wilden unter diesem Herrscher
    Schien mir bedauernswerth. Ich sehnte mich
    Ihr Schicksal zu erleichtern. -- Selbst im Schlafe
    Rief mich gebietend mancher dstre Traum
    An dieses Ufer. Mit dem ersten Schiffe
    Flog ich nach Hispanjola, weilte dort
    Nur einen Tag, und segelte hierher.
    -- Doch sprecht nun auch, mein Freund! Was geht hier vor?
    Denn dieser Saal, mit Krnzen ausgeschmckt,
    Und dieser Fahnen, dieser Waffen Prunk,
    Die Dienerschaft, zur Feier aufgeregt,
    Verkndet Festlichkeit, verkndet Freude.

~Linares.~

    Fr uns! fr euch! Frohlocket guter Greis!
    Die Tochter Pedrarias, euer Zgling --

~Jeronimo.~

    Der Engel! -- geht's ihm wohl? Ist sie nun glcklich?
    Erhrte Gott mein sehnlichstes Gebet?

~Linares.~

    In einer Stunde seht ihr sie vermhlt.

~Jeronimo.~

    Vermhlt? Vermhlt! Wie habt ihr mich erschreckt.
    Doch auch nach ihrer Neigung? sprecht, mit wem?

~Linares.~

    Der Brutigam ist ganz Mariens werth;
    Der Name sey euch Brge: -- Balboa!

~Jeronimo.~

    Scherzt ihr mit meinem Alter, junger Mann?

~Linares.~

    Dann mt' ich euch so innig nicht verehren.

~Jeronimo.~

    Vergebt! Mit Balboa? Wie unbegreiflich!
    Ich kenne Pedrarias und den Groll,
    Der wider diesen Balboa ihm grimmig
    Die Brust erfllt, an seinem Leben zehrt. --
    Mit Balboa die Tochter Pedrarias?
    Hier glimmt ein Unheil! -- Freund, ~so~ kenn' ich ihn:
    Eh' er dem Feinde seine Tochter gnnte,
    Eh' wrd' er sie dem Meere selbst vermhlen.
    Ihr staunet? -- Ja! ~So~ denkt ein Pedrarias.

~Linares.~

    Ihr werdet selbst des Festes Zeuge seyn.

~Jeronimo.~

    O wie ganz anders treff' ich alles an.
    In Hispanjola scholl der frohe Ruf:
    Ein Meer gen Westen habe Balboa,
    Mit ihm zu neuen segensreichen Lndern
    Entdeckt die langgesuchte sichre Pforte?
    Wie freute sich im Herzen mancher Christ,
    Das heil'ge Kreuz dort aufgepflanzt zu seh'n;
    Wo, hingefhrt vom milden Balboa,
    Der Indier es zwanglos ehren wrde. --
    Die Sage wre falsch? Der Held noch hier?

~Linares.~

    Wahr sprach der Ruf. An jenem Meere harrten
    Wir schon der Abfahrt. Jedem Krieger klopfte
    Das khne Herz mit frohem Ungestm,
    Bald einzudringen in das Paradies,
    Wohin bisher mignnend die Natur
    Den reichsten Schatz des edlen Gold's verbarg.

~Jeronimo.~

    Unsel'ges Gold! -- Doch, Linares, sprecht weiter!

~Linares.~

    Da kommt ein Bothe keuchend angeritten,
    Bringt Vasko Nunez schriftlichen Befehl,
    Zurckzukehren und mit aller Eile,
    Weil Pedrarias wicht'ge Dinge noch
    Mit ihm bereden msse. Wir erstarrten.
    Die ganze Mannschaft murrte. Doch der Held
    Verwies uns dieses Murren, flog hinweg.
    Wir folgten nach, nur eine kleine Zahl,
    Doch in derselben jeder, Mann fr Mann,
    Zu seinem Schutz' auf Kampf und Tod entschlossen.

~Jeronimo.~

    Und Pedrarias? -- Wie empfing er ihn?

~Linares.~

    Verschlossen, finster, kalt, nach seiner Art.
    Auch das Geschft war nicht der Reise werth;
    Ein kurzes Briefchen htt' es abgethan.
    Nun sah ich klar, er gnne meinem Herrn
    Die Ehre nicht, und halt' ihn nur zurck. --
    Ich wache, bin zu Schutz und Wehr gefat;
    Fest kett' ich seine Treuen hier zusammen.
    Denn nicht besorg' ich blo, ich wei es, Freund:
    Noch hat den Helden heimlich Pedrarias.

~Jeronimo.~

    Und whlt ihn doch zu seinem Tochtermann?

~Linares.~

    Weil er ihn whlen ~mu~, Jeronimo.
    Lat ein Geheimni eurer Brust vertrau'n.
    Es hat sich durch Ximenes Balboa
    Gewendet an des Knigs Majestt,
    Erzwungen dieses Bndni, das wohl nur
    Durch solches Vorwort mglich werden konnte.

~Jeronimo.~

    Wer kann den stolzen Pedrarias zwingen?

~Linares.~

    Den list'gen sagt, dann stimm' ich mit euch ein.

~Jeronimo.~

    That Balboa den Schritt mit ihrem Wissen?

~Linares.~

    Er denkt zu zart, um ihre Kindlichkeit
    Auch nur mit leisem Vorwurf zu belasten.
    Maria liebet innig ihren Vater; --
    Nur im Verborg'nen weint sie ihre Thrnen,
    Die seine Rauhheit tglich ihr entpret.

~Jeronimo.~

    So zieht sie nun mit Balboa hinweg?

~Linares.~

    Unwillig nur entsagt sie dieser Reise.

~Jeronimo.~

    Umwlkt erblick' ich deinen Pfad, Maria!

~Linares.~

    Wir alle frchten. Er allein ist ruhig.
    Er ahnet nichts; vielmehr er ~will~ nichts ahnen.
    So war Kolombos auch. Das ist die Art
    Der groen Mnner. -- Wo Gefahr sich zeigt,
    Im Schlachtgewhl, in der emprten See:
    Da stehen sie wie Gottes Cherubim,
    So flammt ihr Auge, blitzt ihr Schwert empor! --
    Doch steigen diese Mchtigen herab
    In des gemeinen Lebens niedern Kreis:
    Man mchte sie fr schwache Kinder halten;
    So unbefangen wandeln sie einher,
    Wo rings die Tcke lauernd Netze stellt. --
    Was sollt' auch Argwohn in der Heldenseele?
    Des Argwohns bleiche Mutter ist die Furcht. --
    Wie gerne tuscht der groe Mann sich selbst!
    Um einsam nicht zu stehen, hebt er rings
    Den Menschen auf zu sich; doch ~der~ -- bleibt klein.

~Jeronimo.~

    (vom Nachdenken erwachend.)

    Ich mu Marien sprechen, Linares.

~Linares.~

    So wartet hier. Ich eile sie zu holen.


Zweiter Auftritt.

~Jeronimo.~

    Wer wohl vermag die Rthsel mir zu lsen? --
    Ich wei ja doch, da dieser Pedrarias,
    Zum Sturze Balboa's, in Spanien
    Nun jede Mine sprengt. -- O Gott im Himmel!
    Reicht er darum die falsche Hand dem Eidam,
    Da er ihn sichrer nur und ganz verderbe?
    Wenn vor dem Throne die gehss'ge Klage
    Sich mit dem Scheine abgedrung'ner Pflicht
    Die Wangen schminkt; Vertrauen sich gewinnt?
    Es ist zu grlich! Nein, es kann der Ha
    Zu solcher Wuth nicht steigen, da ein Vater
    Ihm blind die einz'ge Tochter opfern knnte!
    O meine Ahnung werde nicht erfllt! --
    Seit ich dies Land betrat, das heiersehnte,
    Wird enger stets, und enger, meine Brust;
    Als km' ich hier zu einem Unglck an. --
    Nun, Alter, fasse dich! -- Sie ist's -- Sie kommt!


Dritter Auftritt.

    ~Maria.~ ~Jeronimo.~

~Maria.~

    Ach, wr' es mglich? Ja frwahr, er ist's!
    Jeronimo, mein Freund, mein Lehrer, Vater!

~Jeronimo.~

    Verehrte Donna!

~Maria.~

                    Nennt mich eure Tochter!
    Ich bin's von jenen Stunden noch gewohnt,
    Als ich an euerm Munde horchend hing.
    Seyd nicht so fremd, so kalt, Jeronimo!
    Setzt euch zu mir, mein hochwillkommner Gast.
    O theurer Mann! Wie nun schon heil'ges Silber
    Hellglnzend euch die fromme Stirn umflattert.
    Lat mich sie kssen. Viel ja dank' ich euch.

~Jeronimo.~

    Das seh' ich wohl -- Ihr habt mich nicht vergessen.

~Maria.~

    Vergessen? euch? und hier? und jetzt? -- O Gott!
    In meinem Herzen hab' ich euch getragen,
    Und meinen Engel tglich angefleht,
    Da er euch schtze mit dem Flammenschilde!

~Jeronimo.~

    Nehmt meinen Segen, gutes, theures Kind!
    -- Man sagt, ich drf' euch nun als Braut begren,
    In einer Stunde wrdet ihr vermhlt?

~Maria.~

    Jeronimo, o mein Jeronimo!
    Da ihr zu uns gekommen, heute, jetzt;
    Laut lat mich diese Himmelsfgung preisen!
    Der Mann, dem ich mein tiefstes Weh vertraute,
    Er durfte nicht bei meinem Glcke fehlen. --
    Oft denk' ich wohl nach Spanien zurck. --
    Wie dster flo dort meine Jugend hin!
    Die Menschen qulten mich, ich war nur froh
    Verhallt' ich bei der Laute Klang mein Leid,
    Im khlen Dunkel meines Silberbachs.
    Nur, wenn ich weinte, ward mir herzlich wohl.

~Jeronimo.~

    Dann sagt' ich stets: Das macht euch krank und schwach.

~Maria.~

    Wie alles, alles lebhaft mir erscheint!
    Ich seh' euch noch zu meiner Rosenlaube
    Mit Eile nah'n, jetzt freundlich vor mir stehen,
    Mit sanft gebeugtem Haupt, mit mildem Blicke; --
    Ich hr' euch fragen: Kind, was fehlt dir nun?
    Was weinest Du? -- Stets ging das Herz mir auf,
    Wenn ihr mich fragtet: Kind, was weinest du? --

~Jeronimo.~

    Vom Herzen kam's, und traf daher das Herz.

~Maria.~

    Ich klagt' euch dann mit kindlich offnem Sinne,
    Wie rauh, wie ungerecht man mich behandle;
    Wie jedes edle, heilige Gefhl,
    Als Schwrmerei mir hart verwiesen werde;
    Wie selbst mein Vater -- -- stille! nichts davon. --
    Hinweg, so rief ich, fort von dieser Welt!
    Ach, gnnet mir ein stilles Heiligthum,
    Eh' Menschenha mein junges Herz ergreife!
    Da zrntet ihr, wie eine Mutter zrnt,
    Wohlwollend, liebevoll! Der sndiget,
    So spracht ihr warnend, sndiget an Gott,
    Wer frech der Schpfung Meisterwerk verachtet. --
    Viel sind der Edlen, fuhrt ihr sanfter fort,
    Nur leben sie zerstreuet. -- Gott erzieht
    Oft weitentfernt die gleichgestimmten Seelen,
    Und fhret sie dann wunderbar zusammen,
    Wenn sie zur Harmonie vollendet sind. --
    War das nicht euer Wort, Jeronimo?

~Jeronimo.~

    Ja wohl.

~Maria.~

              An ~mir~ hat sich das Wort erfllt.
    Hier, wo ein Grauen mich vor Menschen fate,
    Wo Mord auf Mord den scheuen Blick entsetzte,
    Wo ringend im Gebet vor Gott ich lag,
    Da er durch Tod mich vor Verzweiflung rette:
    ~Hier~ -- fand ich Balboa!

~Jeronimo.~

                              O groer Gott!

~Maria.~

    Hier lernt' ich erst die hohe Menschheit ehren. --
    Und was ihr einst von ihrer Herrlichkeit,
    In schnen Stunden, lehrend, mir vertrautet:
    In ihm hab' ich lebendig es erkannt. --
    Wie angestrahlt vom hehren Himmelsglanze,
    Beseligt, hocherhoben, und entzckt,
    Rief ich nun endlich aus: Der Mensch ist gut!

~Jeronimo.~

    Vergttert nicht, was ihr zuvor verachtet!

~Maria.~

    Die Tugend lieb' ich ja, da ich ihn liebe.
    Gibt's wohl ein Maa der Liebe fr die Tugend? --
    Ihr selbst, Jeronimo, habt einst in Spanien
    Mir Balboa, mit trunkner Rednerlippe,
    Als schnsten Stolz des hohen Vaterlands,
    Als frohe Hoffnung unsrer Christenheit,
    Als einen Helden, mild und gro, gerhmt;
    Und so gerhmt, da dann mein irrer Blick,
    Auf ihn gewendet, sich gefesselt fand. --
    Macht euch das Alter nun so ernst und kalt,
    Da ihr, berhrt von seines Namens Zauber,
    Zum Psalter nicht den frohen Geist erhebt?

~Jeronimo.~

    Die Sorge drcket meinen Geist darnieder. --
    Habt ihr in Liebeswonne schon vergessen,
    Wie euer Vater Balboa gehat?

~Maria.~

    Das war. Das ist vorber. Gott sey Dank,
    Da es vorber ist! Nichts mehr davon.

~Jeronimo.~

    Maria! Nimmer quillt aus einer Ehe,
    Begonnen ohne Vatersegen, Heil. --
    Und hofft ihr ihn zu euerm Ehebund?

~Maria.~

    Wrd' ich sonst heiter seyn, Jeronimo?
    Nun seh' ich wohl, ihr kennt nicht Balboa.
    Was euch dahinri, war ein Schimmer nur
    Von seiner Gre; nicht sein ganzer Himmel,
    Der strahlend Wonne weit um sich ergiet.
    Wie der Magnet das Eisen an sich zieht,
    Das widerstrebende: so seine Gte
    Des Feindes Herz. -- Wer sich dem Hohen naht,
    Der widerstehet nicht dem sen Zuge:
    Gebannt in seine milden Lebenskreise,
    Fhlt er sich nah' und nher angezogen,
    Und enger bald, dann ganz mit ihm verbunden. --
    Und so, durch ihn, veredelt, umgeschaffen,
    Ist aus dem Feinde schon ein Freund geworden. --
    Auch meines Vaters strengeres Gemth
    Ward doch von seiner Gte Strahl durchdrungen.
    Des neuen Bundes freut der Indier sich,
    Und fhlet seine Bande schon erleichtert.
    Er segnet ihn! -- Und diesen Einzigen,
    Der mchtig herrschet ber alle Herzen,
    ~Ihn~ nenn' ich mein! -- Mich schauert's vor dem Glcke!
    Dich, Balboa, dich nenn' ich mein! Dich mein!

~Jeronimo.~

    O wunderbare Tuschung ser Liebe!
    Ihr leiht der ganzen Menschheit das Entzcken,
    So still und heimlich eure Brust beglckt.

~Maria.~

    Wie knnt' ich, Guter, eure Sorgen theilen?
    Soll ich des Vaters klarem Wort mitrauen?

~Jeronimo.~

    Was man sich wnscht, erklrt man aus dem Worte,
    Das dunkel oft ganz andern Sinn verbirgt.
    O wollte Gott, da ich euch glauben drfte;
    Doch schwere Zweifel dringen auf mich ein!
    Wohl kenn' ich Balboa und Pedrarias! --
    Wer kann zum Einklang diese Herzen stimmen?

~Maria.~

    In eurer Seele walten mchtig noch
    Die schwarzen Wolken der Vergangenheit,
    Und wollen nicht dem frohen Lichte weichen. --
    Wie werd' ich mich an eurer Wonne freuen,
    Wenn ihr nun bald die schne Gegenwart
    Im hellen Spiegel eures Geistes schaut!

~Jeronimo.~

    Wie innig ihr mich rhrt! Ach, eure Unschuld
    Fhlt sich so glcklich, glaubet sich so sicher,
    Sieht noch die Zukunft nur im Rosenlichte. --
    O Kind! -- Die Lebenswoge fliet nicht immer
    Im klaren Strome sanft und ruhig hin.
    Weh dem, der dann, wenn wild der Sturm sich hebt,
    Unvorbereitet sich ergreifen lt!
    Es bricht mein Herz, allein ich ~mu~ euch warnen. --
    Der Himmel wache ber Balboa!
    Schon rstet sich -- o glaubt dem Vielerfahrnen! --
    Geheim zur Fehde wider ihn der Ha.
    Vom Hinterhalte lauert gift'ger Neid,
    Der Freund verlt ihn, einsam steht er da,
    Und hundertkpfig immer sich erneuernd
    Umbrllt an seiner Brust euch rings Gefahr. --
    Werft einen Blick in euer Innerstes!
    Lebt euch die Kraft im zarten Busen nicht,
    An seinem Arm der Hlle Wuth zu trotzen:
    Noch ist es Zeit! -- Zieht eure Hand zurck!

~Maria.~

    Auch sterbend nicht! -- Sein bin ich, bleibe sein!

~Jeronimo.~

    Lebt wohl! Mich ruft die Pflicht zu eurem Vater.
    Lebt wohl! --
                  Noch eines, Donna! Pedrarias
    Hat euch doch innig stets geliebt. Das denkt! --
    Und wenn sich gleich sein Herz verbittern sollte,
    Und wrd' er selbst unfreundlich, ungerecht:
    Ertragt's gelassen! -- Oefters hat ja schon
    Nachgiebigkeit den strksten Ha besiegt. --
    Wenn ihr durch Sanftmuth euch zu euerm Bndni
    Erringt des Vaters Segen: holde Donna!
    Ihr lebt dann freudiger, ihr sterbt einst leichter! --

~Maria.~

    Ihr habt mit Angst mein Innerstes erfllt.

~Balboa.~

    (ruft innerhalb der Scene.)

    Maria hier?

~Jeronimo.~

                Ich mu zu euerm Vater. (ab.)


Vierter Auftritt.

    ~Balboa.~ ~Maria.~

~Balboa~ (herbeieilend.)

    Maria!

~Maria.~

          Balboa!

~Balboa.~

                  Fhl'st du dich glcklich?

~Maria.~

    Ach, unaussprechlich!

~Balboa.~

                         Lies nun das Entzcken
    In meinem Auge, fhl's an diesem Kusse,
    Den wonnevoll ich auf die Hand dir drcke.
    Verzeih! Ich bin berauscht. (umarmt sie.) Zu viel des Glcks!
    Ich hab' es nicht verdient, gewonnen nur.

~Maria.~

    Die Stunde naht, die ewig uns vereint.

~Balboa.~

    Sie naht! sie naht! Mit ihr ein neues Leben!

~Maria.~

    Ein neuer Kampf, und neue Lebensstrme.

~Balboa.~

    Mit Muth hinein! Die Liebe weckt den Muth.

~Maria.~

    Und sinken wir? --

~Balboa.~

                      Doch sinkt ~die Liebe~ nie.

~Maria.~

    An diesem Glauben will ich fest mich halten.

~Balboa.~

    Warum, geliebte Seele, nun so ngstlich?
    Ganz anders stimmt ~mich~ dieses Tages Feier.
    Wie kann ich dir's erklren, wie beschreiben? --
    Als auf den Bergen von San Miguel
    Die langersehnte Sonne mir erschien;
    Vor ihrem Glanz die Nebelhlle ri;
    Ich dann des Meeres unermene Fluth
    Der erste sah, und laut als Herr begrte:
    Da glaubt' ich schon das hchste Glck zu fassen.
    Es war ein Wahn! Was jene Lnder bergen,
    Ist flimmernd Gold, sind eitle Perlen nur;
    Viel edlern Schatz verwahrt dies treue Herz.
    Wohl mir! Ich darf es ~mein~ jetzt nennen, ~mein~!
    Und stolz erheb' ich mich, ein Herr der Welt,
    Da ich ihr Schnstes, Kstlichstes gewann!

~Maria.~

    Ich kann dir doch nur Liebe, Liebe geben!

~Balboa.~

    Und ich mit Liebe, Liebe nur vergelten!

~Maria.~

    Zu gro ist dieses Glck! Es kann nicht whren.

~Balboa.~

    Mach deinem Herzen Luft. -- Was frchtest du?

~Maria.~

    -- Ist nicht die nahe Trennung schon genug? --
    Beneidenswerth ist noch des Mannes Loos;
    Ihn reit die Zeit im Thatenfluge fort.
    Uns, den Verlass'nen, Einsamweilenden,
    Wird jeder Tag zur bangen Ewigkeit. --
    Berede meinen Vater! Nimm mich mit!

~Balboa.~

    Wo denkst du hin? Dich sollt' ich dann mit Hunger,
    Mit Frost und Hitze kmpfen, leiden seh'n.
    Das fordre nicht. Soll dieser zarte Fu
    Die Felsenklippen blutend berklimmen;
    Und wenn -- mich schauerts -- einst im Kampf! --

~Maria~ (heftig).

                                                     Das ist's!
    Dann kmpf' ich dir zur Seite, Balboa.

~Balboa.~

    Um schnell den Muth in meiner Brust zu tdten.
    Fr dich besorgt, knnt' ich fr andre denken?
    Ich bin nur ruhig, wenn du sicher bist.

~Maria.~

    Selbstschtiger! Ich aber soll fr dich
    In Gram, und Angst, und Einsamkeit vergehen.

~Balboa.~

    Gott und die Liebe wird mich sicher leiten!
    Sey ohne Furcht! Wo bleibt dein Muth, Maria?
    Wenn dster uns die Gegenwart umdrngt,
    Wer mchte thricht noch bei ihr verweilen?
    La uns im Geiste schnell die Zukunft fassen,
    In ihr nur leben. -- Freundlich lacht sie uns!
    So schafft' ich oft mir eine bess're Welt,
    Mir meine hchsten Lebensfreuden selbst.

~Maria.~

    Und welche Aussicht winkt dir nun so freundlich?

~Balboa.~

    ~Du~ kannst das fragen, holde Schpferinn? --
    Ein Bild, von Engeln oft im Traum geseh'n,
    Ein Bild, von karger Wirklichkeit versagt,
    Vollendet hobst du's auf aus deiner Brust. --
    Ha! wie der Adler nach der Sonne fleugt,
    So streb' ich schon dem hellen Bild entgegen! --
    Der Indier mit dem Kastilier
    Im Freundschaftsbund; ~ein~ Volk sie beide;
    Das heil'ge Kreuz des frommen Bundes Zeichen;
    Ein fest auf Menschlichkeit gegrndet Reich,
    Wo man mit Liebe herrscht, gehorcht aus Liebe:
    O dies zu grnden, eil' ich schnell hinweg!
    Bald hebt es sich empor, bald flieg' ich her,
    Entreie dich den Grueln hier, um dort
    Als frommer Liebe sprechendes Symbol
    Mit freudereichem Frhlingsglanz zu leuchten.

~Maria.~

    Und soll es wirklich werden dieses Bild?
    Kann wohl die Erde sich zum Himmel wandeln?

~Balboa.~

    Der schwache Mensch erhlt von oben Kraft.
    Gott ruft die Bilder vor in unserm Geist,
    Wenn ~er~ durch uns das Herrliche vollbringt. --
    Auch auf den Knig la uns khn vertrauen.
    Ich kenne Karlos Herz. Er will es nicht,
    Da man als Sklaven diese Menschen braucht;
    Man soll sie nicht wie eine Heerde theilen;
    Ein gleiches Recht mit uns soll sie erfreu'n.
    Er hat den Zwang, der sie zu Heuchlern macht; --
    Ich, Balboa, ich hass' ihn auch! -- Bei Gott!
    Zum Henker kam ich nicht auf diese Welt;
    Verkndet hab' ich's schon in Miguel.

~Maria.~

    Mein Balboa, mein Alles, o mein Leben!
    Drft' ich entzckt nun zu den Unsern rufen:
    O seht den Helden, der ein Mensch verblieb!

~Balboa.~

    Ja, rhme mich! Wie gerne mag ich's dulden,
    Denn unbewut verkndest du dein Lob.
    Ich ~bin~ ein neuer Mensch! Dein Werk bin ~ich~!
    Das ist mein hchster Stolz: ich bin ~dein Werk~!
    Einst brauste Kampf in meinem den Herzen,
    Nun waltet in der vollen Brust mir Friede.
    So reich bin ich durch dich, o Gott! so reich!!
    Und Andre sollten darben? -- Nein, o nein!
    Rings um mich her will ich das Glck verpflanzen.
    Seit Liebe mir aus deiner Seele quillt,
    Mcht' liebend ich die ganze Welt umfassen!

    (Maria, tief erschttert, verhllt sich.)

    Sieh da, du weinst? Was qult dein zartes Herz?

~Maria.~

    Du liebst die ganze Welt! -- ~Doch~ hat man dich!

~Balboa~ (leicht).

    Dem Hasse knd' ich Kampf, will kmpfen, kmpfen,
    Bis ich dir ihn besiegt zu Fen lege.

~Maria.~

    Du scherzest, und mir schwillt das bange Herz!
    Hier wogt es auf so ngstlich! -- Balboa!

~Balboa.~

    Maria! Nein, so sah ich dich noch nie.
    Woher die Angst? Ich frchte nichts, Geliebte.
    Froh lebt mir Muth im lebensvollen Busen!

~Maria.~

    Wenn er dich tuschte! --

~Balboa.~

                              Nein und nimmermehr!
    Denn er ist nicht auf losem Grund gebaut. --
    Dir darf ich sagen, was mich hebt und strkt;
    Du wirst mich nicht verkennen. -- Hre dann! --

    Wenn Schlummer rings, was lebt, gefangen hlt,
    Das heil'ge Schweigen heil'gen Ernst erweckt,
    Das Mondlicht Schauer gieet in mein Herz,
    Die Sterne freundlich winken aus der Ferne:
    Da scheint's mich oft zu fragen: Balboa!
    Ist auch das Werk, was du beginnst, von Gott?
    Dann dring' ich ein in meines Herzens Tiefen,
    Und scharf durchblick' ich jede seiner Krmmen,
    Ob Golddurst, Herrschsucht, Ruhmbegierde,
    Ob Gottesliebe, Menschenliebe, mir
    Die Fahne reiche zu dem Heereszuge. --
    Noch rief ich stets: Mein Werk, es ist von Gott!
    Froh tnt das Echo nach: Von Gott! von Gott!
    Gestrket kehr' ich zu dem Lager heim;
    S ist mein Schlaf und heiter mein Erwachen!
    ~Das~ schafft mir meinen Muth: Vertrau'n auf Gott!

    (Maria sinket in seine Arme. Er fhrt sanft fort.)

    Du solltest mich auf meine Schiffe wnschen,
    Sie fhren mich zum neuen Leben ein,
    Zur Ruhe. Hier, Geliebte, komm' ich nicht
    Zur Ruhe, wo die wilde Grausamkeit
    Rastlos die blutbefleckte Geissel schwingt.
    Ich habe sie mit Seufzen nur geduldet,
    Geduldet um der schnern Zukunft willen;
    Doch klagte murrend mein Gewissen stets. --
    Nein, lnger wrd' ich diese Wuth nicht dulden!
    Ein Kampf entstnde! La mich flieh'n, Maria,
    Um dort das langverschobene Gelbde
    Der Menschlichkeit mit frohem Sinn' zu lsen.

~Maria.~

    So ziehe hin, erflle dein Gelbde. --
    Wie sagtest du? ein Kampf entstnde? Weh!
    Mit wem? -- Mein Vater -- ah!

~Balboa.~

                                  Sey ruhig, ruhig!


Fnfter Auftritt.

    ~Pedrarias.~ ~Eskimosa.~ ~Linares.~ ~Gefolge.~
    ~Die Vorigen.~

~Pedrarias.~

    Euch sucht' ich, Vasco Nunez Balboa,
    Mit dieser Edlen meiner Freunde Zahl,
    Um euch zur Braut, wie's Sitte heischt, zu fhren.
    Doch habt ihr wohl auch diesesmal den Weg
    Zu meiner Tochter ohne mich gefunden.

    (Zu dem Gefolge.)

    Kastilianer! Edle meiner Fahnen!
    Es wnscht des Knigs heil'ge Majestt,
    Da meine Tochter sich mit Balboa,
    Adelantado seines Reichs, vermhle.
    Weil, schreibt der Knig, er uns beide liebt,
    Und innig uns vereinigt wissen mchte;
    Mich, seinen Diener, dessen Treu' er ~kennt~,
    Und ihn, ~berhmt~ durch Heldenmuth und Thaten.
    Sie liebten lange sich -- erfuhr ich dann, --
    Und ihre Herzen sind des Bundes einig.
    Ich aber habe ~so~ bei mir gedacht:
    Untadelich und alt ist sein Geschlecht,
    Er selbst ein Mann, der seinen Adel ziert.
    Denn Niemand ist, der diesen Balboa
    Unritterlicher That, verletzter Treue,
    Auch nur des schwchern Fehl's noch je bezeihte. --
    Wie nun ihn jeder liebt, und hochverehrt; -- --
    Wird meines Knigs Wunsch auch mir Befehl.

~Eskimosa.~

    Der Knig lebe hoch!

~Alle.~

                        Er lebe! lebe!

~Pedrarias.~

    (naht sich Marien, leiser.)

    Maria! komm mein Kind! Mein einziges!
    Ich will dich nochmals schlieen an mein Herz,
    Eh' du sodann... du bebst? und warum bebst du?
    Ist dieser Bund nicht deines Herzens Wunsch?
    Noch ist es Zeit! Nicht bereilt, Maria!
    Wenn auch nur Ahnung deine Brust durchfliegt;
    Verachte nicht die Warnung! Frei entscheide!
    Ich nicht, du selbst entscheidest nun dein Schicksal.

~Maria.~

    Aus Vaterhand erwart' ich nun mein Glck.

~Pedrarias~ (kurz und finster).

    Dein Glck? Aus meiner Hand? Was ist dein Glck?

~Maria~ (schchtern).

    Wir lieben uns!

~Pedrarias.~

                    Wohlan!

    (laut.)

                            Adelantado!
    Nehmt sie! -- Von meinem Herzen nehmt sie weg --
    Nun ist sie euer --

~Balboa.~

                        Doch ihr kindlich Herz
    Wird noch fr euch an meinem Herzen schlagen.

    (zu einem Bothen.)

    Was bringt ihr?

~Bothe.~

                    Briefe von San Miguel.

~Balboa.~

    Bis nach der Trauung.

~Pedrarias.~

                          Nein, les't sie sogleich!
    Vor allem geh' euch stets des Knigs Dienst.

    (Balboa zieht sich zurck. Indessen spricht Pedrarias leise mit
    Maria.)

    Maria!

~Maria.~

          Vater!

~Pedrarias.~

                Warum weinest du?

~Maria.~

    Ihr scheint erzrnt.

~Pedrarias.~

                         Da du den Vater nicht
    Beschuldigst, wenn dich Unglck einst befllt!

~Maria.~

    An seiner Seite wird es schnes Glck.

~Pedrarias.~

    Die Trennung von dem Vater wird dir leicht; --
    Das hab' ich nicht vermuthet.

~Maria.~

                                  Sprecht nicht also! --
    Denn dieses Herz bleibt ewig euch verbunden.

~Balboa~ (tritt vor.)

    Die wackre Mannschaft von San Miguel,
    Sie harret sehnlich meiner Rckkunft schon.

~Pedrarias.~

    Kein Wunder auch! Ihr seyd der Mann, geschaffen
    Fr groe Plane Seelen zu begeistern.
    Von Gold, von Perlen, aufgehuften Schtzen,
    Ihr spracht von neuen Meeren, neuen Welten. --
    Behte Gott, da ich Kastiliens Krone
    Um solchen Glanz noch einen Tag verkrzte!
    So reis't mit Gott dann morgen schleunig ab;
    Es ist auch alles schon hierzu bereitet.

~Balboa.~

    Wie, morgen schon? Das ist doch wahrlich seltsam!

~Pedrarias.~

    Mag's euch doch seltsam scheinen, nur gehorcht!

~Balboa.~

    Don Pedrarias!

~Maria.~

                  Balboa! O Gott!

~Pedrarias.~

    Was soll der Ton?

~Balboa.~

    (sich zwingend.)

                    Wie ihr befehlt, geschieht's.

~Pedrarias.~

    Noch bleib' ich euer Herr! Verget das nicht!

~Balboa.~

    Als meinen Vater sah ich euch vor mir.
    So kam es dann, da euer rauhes Wort
    Mich leicht und flchtig nur verwundet hat. --
    An dieser Hoffnung weidet sich mein Herz:
    Gelingen soll's dem treuen Kindessinne,
    Sich endlich eure Liebe zu gewinnen. --
    Auf diese Hoffnung gnnt mir eure Hand.

~Pedrarias.~

    Sehr sonderbar! Bin ich denn euer Feind?
    Lat das! Zwar eure Worte kann ich nicht
    So s erwiedern. -- Doch die Tochter schenk'
    Ich euch, mein einz'ges vielgeliebtes Kind.
    Was wollt ihr mehr? -- Ihr seyd ja doch am Ziel! --
    Der Knig wnscht dies Band -- Auch wnschen's wohl
    Bei Hof und hier, von euren Freunden viele;
    -- Und ich nun auch, des Knigs Wunsch verehrend.
    Komm, meine Tochter -- gehet zum Altar!

~Maria.~

    Ach, euren Segen, Vater!

~Pedrarias.~

                            Lebe wohl!

    (leise.)

    Was machst du da? Was weinest du? Ist's Reue? --
    Sie kmmt zu spt.

    (laut.)

                       Ihr, Perez Eskimosa,
    Vertretet Vaterstelle! Fhrt sie hin!
    Mir wird das Herz zu schwer.

~Maria~ (abgehend).

                                Verstoen! Gott!

~Pedrarias.~

    (ruft ihr heftig nach.)

    Maria!

~Maria~ (freudig).

          Vater!

~Pedrarias.~

    (kmpft mit sich, dann hastig.)

                Meinen Segen! -- fort!


Sechster Auftritt.

~Pedrarias.~

    Er hat mich bermannt, mein alter Ha;
    Unbndig ri er los. Das war nicht gut. --
    Und du, Maria, mut als Opfer bluten? -- --
    Mag sie's doch ben, ja! sie hat's verdient!
    Was will Jeronimo? Verhat ist mir
    Des Heuchlers Angesicht. Und diese Briefe -- --
    Fluch Balboa! Fluch dir fr diese Briefe!

    (lies't.)

    Wie ich euch, Lieber Treuer, schon geschrieben,
    Entlat nun Balboa zu seiner Reise,
    Euch hab' ich nthig in Antigua,
    Und keinen Widerspruch erwart' ich mehr.
    Mg' ihn die Fluth verschlingen, den Verrther!
    So endet sich mein schner Lebensplan! --
    Er eilt zum Ruhme fort! Ihn preit der Hof;
    Ich soll hier arm und namenlos verderben? --

    Und dann der Schlu -- Ich habe recht geseh'n!
    Was Liebes Ihr dem Balboa erzeigt,
    Ihr habt es euerm Karlos, mir erwiesen.
    Das mgt ihr wohl erwgen. --
                                   Ich der Knig!
    Scheint's doch, er habe sich beschwert? Ja wohl!
    Das ist zu viel! Geklaget also? Schon
    Geklagt! -- Gelungen ist es dem Verlumder!
    Gengt's dir nicht an mir entriss'nem Lorbeer,
    Ha, Ruber meines einz'gen Kindes, wie?
    Streckst du die Hand schon aus nach meiner Wrde?
    Heran! heran! Ich bin gefat zum Kampf!

    (Von fern Trompeten und Pauken. Freudengeschrei.)

    Jetzt fat der Ruber jubelnd seine Beute!
    Das la' ich zu? Hinweg!
                             O stille, stille!
    Gemach doch, Pedrarias! -- Ha! vielleicht!
    Und was vielleicht? -- Das wei die Hlle! Doch --
    ~Er~ oder ~ich~! -- hier brennt's! -- ~Er~ -- oder ~ich~!

    (sinkt kraftlos in einen Sitz.)

    ~Der Vorhang fllt.~




Zweiter Aufzug.

    ~Zimmer des Pedrarias.~


Erster Auftritt.

    ~Pedrarias.~ ~Pinto.~

~Pedrarias~ (im Lesen.)

    Von Balboa erhieltet ihr die Schrift?

~Pinto.~

    Ja, gnd'ger Herr!

~Pedrarias.~

                      Ihr lgt!

~Pinto.~

                              Ich spreche Wahrheit.

~Pedrarias.~

    Und abgeschrieben habt ihr sie?

~Pinto.~

                                    Ja, Herr!
    Wir waren lange schon zur Abfahrt fertig,
    Und harrten noch auf guten Wind vergebens.
    Da hat er sie verfat. Da schrieb ich sie
    Wohl hundertmal. -- Denn jeder soll sie haben,
    Wenn dann die neue Herrschaft einst beginnt,
    Dort in den Lndern, die durch seinen Arm
    Er sich erobern will.

~Pedrarias.~

                        Nicht sich, der Krone.

~Pinto.~

    Vor seiner Herrschaft mget ihr uns schtzen.

~Pedrarias.~

    Doch rhmt das Volk an ihm die Milde laut.

~Pinto.~

    Wozu die Milde, die nur Bettler macht?
    Darum verlie ich nicht das Vaterland,
    Bot nicht darum den Strmen dieses Haupt;
    Da ich an Wunden reich, sonst arm wie vor,
    Die leere Wohnung meiner Gattin gre.
    Reich oder todt! so lautet hier mein Wahlspruch.

~Pedrarias.~

    Er ziemt auch Leuten eurer Abkunft wohl.
    Was soll euch Ruhm? Euch kann er doch nicht heben.

~Pinto.~

    Ich habe lang mit mir gekmpft, gerungen;
    Denn wirklich dauert mich der gute Herr.
    Doch morgen, heit es, reiset er schon ab.
    Da gilt kein Zgern. Besser doch, ~er~ leidet,
    Als da mein Lebensplan vernichtet wird.
    So geb' ich ihn dann rasch in eure Hand. --
    Welch Glck, da Balboa sich mir vertraute!

~Pedrarias.~

    Der sich're Thor!

~Pinto.~

                      Nun haltet ihr ihn fest.
    Aus diesen Zeilen drehet ihr ihm Bande,
    Die seine Lwenkraft doch nicht zerreit.

~Pedrarias.~

    Ergreift euch nicht ein Grauen vor dem Lwen?

~Pinto.~

    Ich frchte nichts, da euer Schild mich schtzt.

~Pedrarias.~

    Ihr trumt! Verrthern schenk' ich keinen Schutz.

~Pinto.~

    Wie, gnd'ger Herr?

~Pedrarias.~

                        Er hob euch aus dem Staube,
    Und dacht' euch hher noch emporzuheben.
    Euch schwindelt vor dem Flug'. Ihr strzt hinab.
    Bleibt liegen! -- Nein, den albernen Versuch,
    Den dieser Schwrmer khn mit euch gewagt,
    Ich wiederhohl' ihn nicht -- De seyd versichert.

~Pinto.~

    So wollt ihr mich belohnen?

~Pedrarias.~

                                Raset ihr?
    Ich euch belohnen?

~Pinto.~

                      Solch ein groer Dienst!

~Pedrarias.~

    Sprecht nun vom Eifer fr den Staat,
    Von eurer Pflicht. ~Die~ Sprache kenn' ich schon.

~Pinto.~

    Dem Staate nicht, euch, Herr, hab' ich gedient!

~Pedrarias.~

    Was wagt ihr da zu sagen?

~Pinto.~

                              Wahrheit! Wahrheit!
    Ich sah den Grimm in euern Augen blitzen;
    Ihr hasset ihn, wie ich.

~Pedrarias.~

                             Ich wte nicht,
    Da einen Pinto mein Vertrau'n beehrte.
    Dem Pedrarias schaut kein Mensch in's Herz;
    Denn in dem Busen hlt er's fest verwahrt.
    Fr die Vermessenheit, mit Spherblick
    Mein inn'res Wesen listig zu belauern;
    Mir nach der Ahnung einer niedern Seele,
    Gedanken, Wnsche, Plane anzudichten;
    Sollst du Verwegener mir heulend ben.

~Pinto.~

    Ich Unglckseliger -- Hret!

~Pedrarias~ (ruft.)

                                Wache! Wache!

    (Wache erscheint.)

    Man legt ihm Ketten an, bewacht ihn wohl. --
    Ruft mir Jeronimo.

~Pinto~ (im Abgehen.)

                      Ha, dies mein Lohn!


Zweiter Auftritt.

~Pedrarias.~

    Bist du nun endlich doch enthllt, Verrther?
    Hast du dich selbst gestrzt? -- O schnes Blatt!
    Mir werther als die Schtze ganzer Welten -- --
    Doch stille -- kann's mir ntzen? -- Darf ich handeln? --
    Verwnschtes Loos, hier halt' ich sein Verdammni,
    Und rufe knirschend: Nein, mir frommt das nicht!

    Sie haben meinen Ha mir abgelauert! --
    Schon seh' ich alles, wie es kommen wrde.
    Wenn die Gerechtigkeit ihn auch verdammte,
    Doch strzt er nicht von seines Glanzes Hhen. --
    Laut brllt des Pbels ausgelass'ne Wuth:
    Der Eifersucht, dem Neide fiel er hin,
    Der fromme Held, mit sanfter Engelsmiene! --
    ~Ihn~ hebt der Ruf allmchtig zu den Wolken,
    ~Mich~ schleudert er dem Fluch der Nachwelt zu.

    Ha, wie? Das knnte Pedrarias kmmern? --
    Was dumm der Pbel schwatzt, das ~mich~ erschttern? --
    Ich mte mich verachten -- Vorwrts! muthig!
    Genug, er ist Verbrecher! Ja! ~er ist's!~ --
    Jetzt kann ich sie mit starker Hand zerdrcken,
    Wegschleudern dann mit wildem Hohngelchter,
    Die Schlange, die an meinem Leben zehrt! --
    Die Kraft belohnt sich selbst. Nur Schwche bettelt
    Um Beifall. Selbst gengen will ich mir!


Dritter Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Pedrarias.~

~Pedrarias.~

    Seyd ihr's, Jeronimo? Kaum angelangt,
    Kommt euch die Arbeit lstig schon entgegen.

~Jeronimo.~

    Ihr wit wohl, gnd'ger Herr -- ich habe stets
    Zu solcher Last mich willig angeboten.

~Pedrarias.~

    Doch bleibt's ein schweres Amt, ein undankbares,
    Das Laster zu entlarven, zu bestrafen.

~Jeronimo.~

    Oft glckt es mir, die Unschuld zu enthllen;
    Wie preis' ich dann ein Amt, das selbst sich lohnt.

~Pedrarias.~

    Ihr seht die Menschheit nur in ihrer Schwrze.

~Jeronimo.~

    Ich sehe das Verbrechen mit den Grnden,
    Und so die Menschheit nur in ihrer Schwche;
    Mein Herz wnscht Gnade, wenn mein Mund verdammt.

~Pedrarias.~

    Zum Richter seyd ihr viel zu weich geschaffen.

~Jeronimo.~

    Vergebt mir, gnd'ger Herr! So denk' ich nicht.
    Es urtheilt das Gesetz, und nicht mein Herz,
    Und leidet dieses, bleibt es dennoch stumm.

~Pedrarias.~

    So kenn' ich euch! Ihr seyd ein fester Mann,
    Mein Mann. Das strenge Recht, nicht mehr,
    Nicht minder, ~das~ sey jedes Richters Ausspruch.
    Verbleibt dabei! Das Richteramt will Strenge.

~Jeronimo.~

    Und euch erfreut der Gnade himmlisch Recht.

~Pedrarias.~

    Was mahnt ihr mich an Gnade? -- wie? ihr wit? --

~Jeronimo.~

    An Gnade mahnt der Mensch den Himmel selbst;
    So darf ich wohl auch euch an Gnade mahnen.
    Was ~nun~ ihr heischt, erwart' ich erst zu wissen.

~Pedrarias.~

    Ihm soll die Gnade nicht erbarmend leuchten,
    Ihn soll der Strafe Blitz zerschmetternd treffen!

~Jeronimo.~

    Wen, Herr?

~Pedrarias.~

              Wen, fragt ihr? -- -- Den Verlumder Pinto.

~Jeronimo.~

    Herr, fr Verlumder hab' ich nie gefleht.

~Pedrarias.~

    Denkt nur, Jeronimo, der Pinto wagt's,
    Klagt Balboa des Hochverrathes an!

~Jeronimo.~

    Dann mag die Tugend von der Erde fliehen,
    Wenn der Verlumdung schwarzes Nattergift
    Auch diesen engelreinen Mann befleckt!

~Pedrarias.~

    Hier les't! -- Habt ihr gelesen? -- Staunt ihr schon! --
    Ja, was ihn Pinto alles sagen lt,
    Den tugendhaften, engelreinen Mann! --
    Frei soll der Wilde leben, frei wie wir! --
    Ihr seht, er drang in unsers Schwrmers Geist. --
    Mit Weisheit hat des Knigs Majestt
    Die Theilungen der Wilden angeordnet,
    Da sie mit uns im Leben hier vereint,
    Mit uns im Tod' ein gleiches Loos erwerben.
    Das will er nicht, der freche Balboa!
    Tyrannisch nennt er das Gesetz! -- Da seht!
    Ihm gilt des Knigs Wille, was der meine,
    ~Nichts~ gilt er ihm! Er folgt der Herzenslust.
    Herr will er seyn, und herrschen unumschrnkt.
    Wie nennt ihr das? Ich nenn' es Hochverrath! --
    Ja, solchen Gruels klagt ihn Pinto an. --
    Das fordert Rache, Strafe! -- Meint ihr nicht?

~Jeronimo.~

    Der Buchstab' tdtet, und der Geist belebt.

~Pedrarias.~

    Im Schlusse glht das Gift. Da zischt die Schlange.

    (liest.)

    Hiermit wird jede Satzung aufgehoben,
    Die dieser meiner Vorschrift widerspricht;
    Und weil es mir geziemt, nach Pflicht zu forschen,
    Ob das, was uns als kniglicher Wille
    Gesendet wird, auch hchster Wille sey:
    Wird jede Satzung auer Kraft erklrt,
    Die euch nicht kund durch meine Briefe wird.
    Hat der Verlumder das nicht wohl ersonnen?

~Jeronimo.~

    Man mu ihn hren.

~Pedrarias~ (heftig).

                      Strafen!

~Jeronimo.~

                              Ungehrt?

~Pedrarias~ (noch heftiger).

    Man mu ihn strafen!

~Jeronimo.~

                        Ihr seyd frchterlich!

~Pedrarias~ (fat sich).

    Geht schnell an's Werk! Verhret diesen Pinto.
    Hier walte keine Gnade, strenges Recht.
    Wo Pedrarias herrscht, soll sich Verlumdung
    Lichtscheu zurck in ihre Hhle flchten.
    Verhrt ihn ffentlich, nach aller Form!
    Nun Gott befohlen! Denkt an eure Pflicht!

~Jeronimo.~

    Herr! wenn ich Pinto vor die Schranken rufe,
    So zieht er Balboa mit vor Gericht.
    Ich habe Grnde, diesen Schritt zu frchten.
    Viel besser, da im traulichen Gesprch
    Ihr euch Erklrung von dem Helden fordert;
    Euch wird von ihm dann manches Wort gengen,
    Das nicht des Richters strengen Ernst vershnt.

~Pedrarias.~

    Wie? haltet ihr ihn schuldig? -- Schmt euch, Alter!
    Habt ihr auf euern engelreinen Mann
    Die feste Zuversicht so schnell verloren?

~Jeronimo.~

    Ich denke ~dort~, dort wird sie sich bewhren.

~Pedrarias.~

    Ihr zweifelt? Seht das Blatt bedenklich an?
    Kennt ihr die Schrift?

~Jeronimo~ (lebhaft).

                            Wozu noch seine Schrift?
    Hier spricht sein Herz sich aus!

~Pedrarias~ (rasch).

                                    Ihr seyd sein Freund.

~Jeronimo.~

    Der bin ich.

~Pedrarias.~

                Dann... liegt ja die Sache gut.

~Jeronimo.~

    Sey's Freund, sey's Feind, der vor dem Richter steht:
    Ihm wird sein strenges Recht. -- So kennt ihr mich,
    So habt ihr mich in Spanien befunden.
    Ich denke, da des Staates Riesenbau
    Nur durch die Klammern des Gesetzes hlt;
    Da ohne sie der Mensch zur Thierheit snke.
    An dem Gedanken haftet meine Seele,
    Und horchet nie dem Aufruhr meiner Brust.

~Pedrarias.~

    Ist eines Richters Ausspruch nur gerecht,
    So darf sich nie sein festes Herz empren.

~Jeronimo.~

    Doch leider dient das heilige Gesetz
    Der schlauen Eigenmacht oft nur zum Netze!
    Als Wchter wird der Richter hingestellt;
    Mu ber jeden, der unglcklich dann
    In seinen Fden endlos sich verstrickt,
    Das Netz zusammenziehn; -- gleichviel, ob Schuld,
    Ob bermacht, die Beut' ihm zugefhrt! --
    Der Richter seufzt -- die Boheit triumphirt!

~Pedrarias.~

    Und das erfuhr Jeronimo an mir?

~Jeronimo.~

    Euch hab' ich streng, doch stets gerecht befunden,
    Und la' euch Gott mit dem Bewutseyn sterben,
    Da ihr vom rechten Pfade nie gewichen. --
    Ihr seyd erschttert? Herr! prft euch genau!
    Oft regt im Innern lstern sich ein Trieb;
    Wir horchen ihm, doch faten wir den Muth,
    Ihm schnell in's dstre Angesicht zu leuchten:
    Erschrocken wrden wir ein Scheusal sehn,
    Und unser Ohr dem Hllenrufe schlieen. --
    Wohl auch der Beste wankt. -- Doch gttlich ist's,
    Aus innerm Kampf' als Sieger vorzuschreiten!

~Pedrarias.~

    Schweigt, Alter! Ich versteh' euch nicht! Und kurz:
    Was ich befahl, das thut! Verhret Pinto!

~Jeronimo.~

    Und Balboa?

~Pedrarias~ (zornig).

                Nicht ihn, ich sprach von Pinto!

~Jeronimo.~

    Und bleibt er dann auf dem, was er gesagt?

~Pedrarias.~

    Verstrickt nicht jeder Lgner sich von selbst?

~Jeronimo.~

    Nicht, wenn er klug bei der Behauptung weilt. --
    Ihn berfhren kann nur Balboa.

~Pedrarias.~

    Das wird er auch! Ein Blick der hohen Unschuld
    Reit schnell die Larve dem Verlumder ab.

~Jeronimo.~

    Ihr denket anders. Ja, bei Gott! ich seh's!
    Ihr denket anders. Mir entgeht ihr nicht.
    Ein wildes Feuer sprht aus euern Augen,
    Voll Unmuths ballt ihr eure Faust zusammen,
    Wie eure Lippen zucken! -- Gnd'ger Herr!
    Geht nicht so unstt -- Weichet mir nicht aus!
    Nein, haltet Stand! Entflieht dem Freunde nicht! --
    Einst knnt ihr Gott doch nimmermehr entflieh'n.

~Pedrarias.~

    Spart fr Verbrechen eure kleinen Knste!

~Jeronimo.~

    Beim Wohl des Vaterlandes, das ihr liebt!
    Entzieht der Krone einen Helden nicht,
    In dem nun ihre schnste Hoffnung blht.

~Pedrarias.~

    Genug! genug! gehorcht! sogleich! ich will's!

~Jeronimo.~

    Fall' hin, o Held! Dich stt die Welt von sich!

~Pedrarias.~

    So deutlich schon erblickt ihr sein Verbrechen?

~Jeronimo.~

    Wie ihr, so halt' auch ich die Schrift fr seine. --
    Mut' ich so lange leben, um den Tod
    Auf dieses groe Menschenhaupt zu rufen?

~Pedrarias.~

    Ihr ras't!

~Jeronimo.~

              Auf Hochverrath ist Tod gesetzt,
    Wr' auch hierzu der Wille nur erwiesen;
    Und also nennt ihr seine Schuld ja selbst.

~Pedrarias.~

    Und wenn die Welt aus ihren Angeln fiele,
    Was Rechtens ist, das thut! Nur fort, gehorcht!

~Jeronimo.~

    Wohlan! Ich trage keine Schuld, wenn einst
    Sein Blut euch rchend auf die Seele fllt!

    (will ab. Maria tritt auf mit einer Guitarre. Er kehrt zurck, fat
    Pedrarias bei der Hand.)

    Und auch, wenn diese stirbt?

~Pedrarias.~

                                Und auch! --

    (ihm stockt die Sprache, er wirft sich in einen Sitz, und verhllt
    mit der einen Hand sein Gesicht.)

                                            O Gott!


Vierter Auftritt.

    ~Maria.~ ~Pedrarias.~

~Maria.~

    (setzt sich neben ihren Vater, fat seine freie Hand und kt sie.)

    Erlaubni, Vater!

    (nach einem kurzen Vorspiele singt sie folgendes Lied zur Guitarre.)

        Oft hob sich dieses Herz,
        Und wollte sich dir zeigen;
        Doch wieder sich zu neigen,
        Gebot ihm banger Schmerz.
        Und mit -- und mit -- in's Grab,
        Sank mein Vertrau'n hinab!

        Der Jugend heitre Lust
        War mir so bald entschwunden!
        Nun fhlt' ich ja gebunden
        Mein Herz in wunder Brust.
        Und tiefer noch in's Grab
        Sank mein Vertrau'n hinab.

        In's tief verwahrte Herz
        Ist doch dein Blick gedrungen;
        O dank sey dir gesungen;
        Du heiltest meinen Schmerz!
        Nie sinket mehr in's Grab
        Mir das Vertrau'n hinab!

    Bei meiner Mutter theurem Angedenken,
    Verzeihung, Vater!

~Pedrarias~ (springt auf.)

                      Hre mich, Maria!
    Sehr glcklich kommst du. Recht zur guten Zeit.
    Nun steh' ich fest. Nun kann mich nichts erschttern.
    Fhlst du dich schuldig; ha, so bist du's auch!
    Kein Mitleid! Sahst du meines Zornes Gluth,
    Und strztest khn dich in die wilde Flamme;
    So dulde nun die selbstgeschaff'ne Qual!

~Maria.~

    Wohl zrnet ihr mit Recht. Ich fhl' es tief.
    Kaum war der Trauung Feier nun geendet --
    Es war ein Augenblick -- da drang die Schuld
    Mir vor das Auge, Reue mir in's Herz.

~Pedrarias.~

    Erst ~nach~ der Trauung? -- Und warum so spt?
    Dann klag' es Gott, der deinen Sinn verschlo!
    Nichts lie dein Herz dir ahnen? -- Ha, Maria! --
    Doch nein! -- Du heuchelst, denkst mich zu betrgen.

~Maria.~

    Ihr nennt ein Wort, das Abscheu mir erregt. --
    Betrgen? -- euch? -- vor dem voll Ehrfurcht stets
    Mein kindlich Herz im Innersten gebebt.

~Pedrarias.~

    Zu beben ziemt dir!

~Maria.~

                        Ehmals wohl, mein Vater!
    Da bargt ihr eure Liebe hinter Wolken,
    Und ich gewahrte nur des Vaters Ernst;
    ~Der~ fesselte mir das Vertrau'n im Busen.
    Viel hab' ich da gelitten. Schchtern barg
    Mein Kindessinn sich in des Herzens Tiefen,
    Und wagte nicht, sich frhlich aufzuschwingen. --
    Das war nicht recht! Ich fhl's! Nicht kindlich war's!
    Verzeihung! Anders soll es werden, anders!
    So dster auch sich euer Blick verfinstert:
    Nun kenn' ich euer Herz und eure Liebe.

~Pedrarias~ (halb fr sich.)

    Du armes Kind, was ntzt dir meine Liebe?

~Maria.~

    Ihr liet mich einsam zu der Trauung geh'n. --
    Das hat mich sehr geschmerzt. -- Von euch getrennt
    Erschien ich mir verwais't. -- Ich wankte fort;
    Ich dacht' an euch vor des Altares Stufen,
    Nicht an der ernsten Feier heil'gen Sinn;
    Und stand betubt in dumpfer Trauer da. --
    Doch als mich Balboa nun Gattin grte,
    Mich wonnetrunken in die Arme schlo,
    Ein Jubelchor uns Selige umfing,
    Ich mich am Ziele fand, am Lebensziele:
    Da zuckte schnell ein Strahl durch meinen Geist!
    Durch euch, mein Vater, bin ich nun so glcklich!
    Ich fhl' es nun: -- ihr liebet mich, mein Vater!

~Pedrarias~ (halb fr sich.)

    Ach, weit du, was du rhmst, Unglckliche?

~Maria.~

    Und wenn ich sinnend alles berdenke,
    Wie ihr zuerst den Balboa -- nicht liebtet;
    Doch duldend bald ihm nah' und nher kamt;
    Zuletzt unaufgefordert, ungebeten
    Den Bund beschlosset, der uns glcklich macht:
    Da kann ich nicht der Meinung widerstehn,
    Ihr httet mir in's tiefste Herz geschaut;
    Und weil ihr saht, da ohne Balboa
    Es bald in Sehnsucht sich verzehren wrde,
    Euch dieses schwachen Herzens mild erbarmt. --
    So jauchze dann, mein langgequltes Herz!
    In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe,
    Und reichte mir des schnen Sieges Kranz!

~Pedrarias.~

    (erschttert, vor sich.)

    In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe? --

~Maria.~

    O lat euch nicht des schnen Sieg's gereuen!
    Ihr schenket mir zum zweitenmal das Leben, --
    Ich kann nicht leben ohne Balboa.

~Pedrarias~ (ausbrechend.)

    ~Das~ dein Verbrechen!

~Maria.~

                          Wie, mein Vater? --

~Pedrarias.~

    Gewissen! du bist stumm! Die Tochter wagt's,
    Und liebt den Mann, der ihren Vater hat.

~Maria~ (erschrocken).

    ~Er~, Vater? ~er~ euch hassen? O mein Gott!
    Wer wagte die Verlumdung? Balboa
    ~Euch~ hassen? -- Glaubt der Lsterzunge nicht,
    ~Mir~ glaubt, der Tochter, ich, ich kenn' ihn, Vater!
    Ach, war't ihr darum finster und entrstet?
    ~Den~ sollt' ich lieben, der euch hat? O nein!
    Das denkt mein Vater nicht von mir. -- Seht her!
    Ich kann euch khn in eure Augen blicken!
    Soll ich noch Gott zu meinem Zeugen rufen?
    O glaubt der Tochter! Nein! er hat euch nicht.

~Pedrarias.~

    Unschuldig wr'st du? -- Sieh mich an! Bei Gott!
    Fast mu ich's glauben! Armes, armes Kind!
    Du deiner Mutter Ebenbild! Frwahr!
    Noch blieb dein Herz von seinem Gifte rein;
    Maria! ksse mich! -- Zurck! hinweg!
    O wehe mir, wenn du unschuldig bist!

~Maria.~

    Warum mir abermal entfliehn, mein Vater?
    Ward jemals falsch mein Wort von euch befunden?
    So ist's auch wahr, was ich nunmehr betheure. --
    Wie oft hat Balboa mit mir getrauert,
    Da ihm der Weg zum engeren Vertrau'n
    Mit euch verschlossen bleibe! -- Guter Vater!
    Ach, httet ihr ihn dann gehrt! Er klagte,
    Da bser Zwischentrger Hllenkunst
    Des Argwohns Gift in eure Seele blase.
    Wie schonend hob er alle Schuld von euch!
    Der Tag ist nicht so klar, als sein Gemth;
    Kein Ha kann diesen reinen Spiegel trben. --
    O wehe mir, wenn unser Ehebund
    Nicht eure Herzen mir vereinigen hilft.
    Zerrissen zwischen euch und Balboa,
    Wird bald mein Herz, es wird sich bald verbluten.

~Pedrarias.~

    Du kannst nicht leben ohne Balboa?
    Ja, dieses Wort enthlt fr mich die Hlle!

~Maria.~

    Gott! Gott!! Wie soll ich das versteh'n? Mich schaudert's!

~Pedrarias.~

    Sey ruhig, Kind! Mag er mich immer hassen!
    Sollt' ich's an dir vergelten? -- Ruhig, Kind!
    In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe!
    Und hat gesiegt! -- Du bist mir alles, du!
    Mehr als der Ruhm, mehr als die Rache selbst! --
    Gott war mit dir! Nur eine Stunde spter,
    Und alles -- Still! Welch ein Getmmel!

    (erblickt Balboa, und fhrt zurck.)

                                            Ha!


Fnfter Auftritt.

    ~Die Vorigen.~ ~Balboa.~ ~Linares.~ ~Gefolge.~

~Balboa.~

    Mich, gnd'ger Herr, und diese meine Edlen
    Fhrt nun der Dienst zu euch. -- Gnnt mir Gehr!

~Pedrarias.~

    So feierlich und zahlreich? -- Nun, lat hren!

~Balboa~ (zu Marien).

    Gefllt es dir, uns nur auf kurze Zeit
    Mit deinem Vater hier allein zu lassen?

~Maria.~

    Was willst du, Balboa? Mir ahndet Bses!

~Pedrarias.~

    Ist's kein Geheimni, das euch zu mir fhrt,
    So lat sie hier. -- Viel besser ist's -- sie bleibt!
    Das glaubt mir, Balboa. -- Entscheidend drngt
    Der Augenblick. Ich will sie vor mir seh'n.
    Wenn je dies Bild verlsche -- dann -- doch sprecht!

~Balboa.~

    Ihr habet Pinto schnell verhaften lassen.

~Pedrarias.~

    Und das mit Recht. -- So denk' ich wenigstens!
    Auch la ich ihn nicht frei. -- Begehrt ihn nicht.

~Balboa.~

    Mein Hauptmann ist er, ~mich~ nur geht er an!
    Ja, wenn ihr auch als Unser Aller Herr
    Ihn zu verhaften Vollmacht habt und Recht:
    So htte doch der Schritt mit ~meinem~ Wissen,
    Vergebt mir, Herr, durch ~mich~ geschehen sollen.
    Nach Wortlaut meines kniglichen Brief's
    Hat meine Mannschaft keinen Herrn, als ~mich~.
    Ein jeder Edle meiner Fahnen fhlt
    Sich nun in mir zurckgesetzt, beschimpft;
    Und hab' ich gleich der Wallung meines Blut's,
    Vor euch zu schweigen lange schon gelehrt;
    Was jene krnkt, ~mu~ ich zur Sprache bringen,
    Auch wider Willen, nach des Feldherrn Pflicht.

~Pedrarias.~

    (leise zu Marien.)

    Was sagst du nun, Maria? Hr ihn doch!
    Wie trotzig! -- Sieh! ihm fllt die Larve weg.

~Balboa.~

    (gelassen und sanft.)

    Ich wei wohl, gnd'ger Herr, was ihr auch thut,
    Besonnen thut ihr's: Selbst zu diesem Schritte
    Hat eure Weisheit mancher tiefe Grund
    Gewi vermocht. -- Gefallen mg' es euch,
    Uns einen nur aus allen anzuzeigen,
    Da wir beruhigt euch verlassen mgen.

~Pedrarias.~

    Euch kmmert dieser Pinto sehr! -- Warum? --
    Ihr fhlt zur Unzeit euch beleidigt. --
    Vertraut mir, Balboa, und forscht nicht weiter. --

~Balboa.~

    Nicht Mangel an Vertrauen schreibt mir zu.

~Pedrarias.~

    Was ich gethan, das hatte vollen Grund;
    Auch wei ich wohl, warum ich jetzt noch schweige. --
    Adelantado! -- glauben sollt' ich doch,
    Da euch des Pedrarias Wort genge! --

~Balboa.~

    Ich stehe ja nicht hier in meiner Sache.

~Linares~ (heftig).

    In Uns'rer Aller! -- Ja, die ganze Schar,
    Sie wird, wenn auch der edle Feldherr schwiege,
    Einst seine Sache vor dem Knig fhren.

~Balboa~ (zu Linares).

    Wer hat euch hier zum Redner aufgestellt?

~Pedrarias~ (erzrnt).

    Wie all' den Euern fehlt's auch ihm an Mannszucht.

~Balboa~ (rasch).

    Ich ford're streng was Ordnung heischt, und Pflicht!

    (fat sich wieder.)

    -- Noch Einmal, gnd'ger Herr, gebt uns Bescheid!

~Pedrarias.~

    Erzrnt mich nicht!

~Maria.~

                        O Gott!

~Balboa~ (kalt und fest).

                                Gebt uns Bescheid;
    Wo nicht, so lat uns Pinto wieder frei!

~Pedrarias~ (entrstet).

    Verhaftet bleibt er, und nach jenem Recht,
    Nach dem ich ~euch~, euch bermth'gen Mann,
    Nun auch verhaften knnte!

~Balboa.~

                              Ha, zu viel!

~Pedrarias.~

    Euch ziemt's zu schweigen, euch, dem Hochverrther!

~Alle.~

    Verlumdung!

~Maria.~

                O!

~Balboa.~

                    Ein Hochverrther? -- ich!
    Wer wagt's, mich de zu zeihen? -- Unerhrt!
    Nennt mir die That! Fhrt mir den Klger vor! --
    Ich stehe vor euch unerschttert da!

~Pedrarias.~

    So stand schon mancher, dessen Kopf doch fiel.

~Linares~ (zu dem Gefolge).

    Sein Leben in Gefahr! Zum Schutze, Brder!

    (Alle umdrngen Balboa.)

~Balboa~ (treibt sie zurck).

    Zurck! Zurck! Hat Wahnsinn euch ergriffen,
    Da ihr die Majestt in Pedrarias
    Durch frechen Trotz verletzt? -- Verehrt in ihm
    Den Knig! -- Auseinander! schnell! sogleich!

    (zu Pedrarias.)

    Ihr mget nicht nach voller Strenge ahnden,
    Was berraschet das Gefhl verbrach.

~Pedrarias.~

    So zahm auf einmal, stolzer Balboa?

~Balboa.~

    Mir ist des Knigs Stellvertreter heilig! --
    Als diesem leg' ich euch mein Schwert zu Fen,
    Und auch den Schmuck, der manche Wunde deckt.
    Was mir mein Knig nicht versagen wrde,
    Das fordr' ich nun, mein gnd'ger Herr, von euch,
    Ein schnelles strenges offnes Kriegesrecht.

~Pedrarias.~

    Tollkhner Balboa! bedenkt euch wohl!
    Des Hochverrathes Strafe heiet Tod!

~Maria.~

    Barmherzigkeit!

~Pedrarias.~

                    Seht her! Um dieser willen
    Wollt' ich vermeiden, was ihr frevelnd sucht.
    Nein, fordert kein Gericht!

~Maria.~

                                Du tdtest mich!

~Balboa~ (auer sich).

    Unschuldig bin ich bei dem groen Gott,
    Dem Knig treu, kein unverdienter Mann!
    Und ford're nochmals strenges Kriegesrecht.

~Pedrarias.~

    So sey es dann! Ich kann es nicht verweigern.

~Balboa.~

    Viel lieber Tod, als meinem Nachruhm Schande! --
    Zeigt gtig nun mir mein Gefngni an.

~Pedrarias.~

    Nicht also, Balboa. -- Ich wei den Zorn
    Zu zhmen. Wret ihr mein schlimmster Todfeind,
    Ihr solltet mich gerecht und billig finden. --
    Das Schwert, von euch so lang mit Ruhm gefhrt,
    Fr euern Knig, fr das Vaterland,
    Soll nicht das unbewies'ne leere Wort,
    Darf nur des Richters Urtheil euch entreien.
    So nehmt es nun von meiner Hand zurck. --
    Auch dieses Zeichen kniglicher Huld,
    Es strahle heiter fort an eurer Brust:
    Verschwinden macht es nur die offne Schuld;
    In eurer Wohnung werdet ihr bewacht;
    Dort harret still, gelassen des Gerichts.
    Bereitet euch in meiner Gegenwart,
    Vor der gesammten hohen Audienz,
    Dem Richter dann mit festem Sinn zu stehen.

~Balboa.~

    Fr diese Schonung danket euch mein Herz.

    (will ab.)

~Maria~ (ihm nacheilend).

    Halt ein, so ruhig scheidest du von mir?

~Balboa.~

    So kannst auch du an meiner Unschuld zweifeln?
    Geliebte, ruhig! Ja, wir seh'n uns bald,
    Bald, Theure! Diesen Ku zum Pfand.

    (reit sich los und strzt ab.)

~Maria.~

    (strzt sich zu ihres Vaters Fen, und umfat seine Knie.)

                                        Hilf, Vater!

    ~Der Vorhang fllt.~




Dritter Aufzug.

Gerichts-Saal. Seitwrts der Thron. Gegenber eine Thr. Den
Hintergrund bilden chorhnliche Hallen, und unter denselben der
Haupteingang. In der Mitte steht ein Tisch fr die Richter bereitet.


Erster Auftritt.

    ~Linares.~ ~Almes.~ ~Suligo.~

~Linares.~

    Hier sind wir endlich doch allein. Sprecht leise!
    Da tretet her, da uns der Thron verberge. --
    Wer hat die Wache?

~Suligo.~

                      Perez Gonsalo. --

~Almes.~

    Wohl gut, denn seine schlechte Seel' ist kuflich;
    Fr hundert feine Pesos ist er unser.

~Linares.~

    Almes, du holst sogleich das Geld bei mir.

~Almes.~

    Ihr kommt zu spt. Er zhlet schon den Gtzen,
    Und prft ihn wgend in der falschen Hand.
    Als ich das Geld erst los war, nun bei Gott!
    Mir war's als fiel' ein Stein von meinem Herzen.
    Kein Kapital verzins't sich mir so schn.

~Suligo.~

    Ich habe hier und da ein Wort gesprochen.
    Es fate Zunder. Pedrarias hat
    Lngst all' der Seinen Ha auf sich geladen.
    Will Balboa, so hat sein Reich ein Ende.

~Almes.~

    Wann soll es brechen? Sprecht! -- Die Unsern werden
    Sich auf die Galerie bewaffnet drngen.
    Wir wren stark genug, um vor Gericht
    Statt Balboa den Stolzen vorzurufen.

~Linares.~

    Erst mu die Tyranney ihr Haupt enthllen,
    Zum Mrderschlag den frechen Arm erheben,
    Eh' wir zum off'nen Kampf die Fahne schwingen.
    Dann erst erscheinet unsre That gerecht,
    Vor aller Welt, und vor des Knigs Augen.
    Was ber ihn nun auch gesprochen werde;
    Bleibt stille, ruhig, noch ist's nicht zur Zeit.

~Suligo.~

    Wir fgen uns.

~Linares.~

                  Zerstreut euch einzeln.
    Sprecht euch geheim, vertraulich, nichts in's Ohr.
    Die Spher lauschen. Nur die Klugheit siegt.

    (gehen auf verschiedenen Wegen ab.)


Zweiter Auftritt.

    Maria tritt eilig auf. Medina folgt ihr nach.

~Maria.~

    La mich, Medina!

~Medina.~

                      Donna, kehrt zurck.

~Maria.~

    (bleibt an dem Tische stehen.)

    Hier hlt sich das Gericht. Entsetzlich! Schaut!
    Das Tuch ist blutig, wie der Richter Sinn.
    Schaut her!

~Medina.~

                Ach, fliehet diesen Schreckensort.

~Maria.~

    Ich seh' sie berall. Ihr nicht, Medina?
    Hohlugig, finster, schwarz! --

    (sieht auf zum Throne.)

                                Dort auf der Hhe!
    O groer Gott! Ha, stille! Weh! mir ducht,
    Ich hre meinen Vater. Ist er's nicht?

~Medina.~

    Ihr tdtet euch. O kommt.

~Maria.~

                                Und wenn ich denke,
    Da einst auch sie gerichtet werden. Schrecklich!
    Wenn dann sein Blut -- -- Mein Vater! Gute Seele!
    Fr meinen Vater bete! -- Sieh, mich wrgt
    Die Angst! O bete du! Ich mte schreien!

~Medina.~

    Bezwinget euch! Wenn Balboa euch hrte;
    Nicht seine Richter, ihr nur wrdet ihm
    Sein fhlend Herz mit euerm Weh durchschneiden.

~Maria.~

    Es brauste lang in diesem armen Herzen,
    Nun strmt es ber.

~Medina.~

                        Folget mir, Maria.

~Maria.~

    O fhret mich hinauf. Die Pfeiler dort
    Verhllen uns.

~Medina.~

                  Unseliger Gedanke!

~Maria.~

    Kein Ton, kein Laut soll meinem Mund' entschlpfen. --
    Versteinen will ich! Kennt mich erst, Medina!
    ~Hier~ lernt' ich viel! Das Beispiel weckt die Helden.
    Ich bin nicht schwcher als die Wilden sind.
    Ach, unter Geisselhieben, Hllenqualen,
    Sie schweigen noch, wenn ihre Seel' entflieht!

~Medina.~

    Nicht euch, nicht ihm kann euer Hierseyn frommen.

~Maria.~

    Er bat, es sey ein offenes Gericht!
    Und ich, sein Weib, ich sollte fehlen? -- Nein!

~Medina.~

    Ihr unterliegt --

~Maria.~

                      Der Angst zu Hause. -- Schont!
    Soll ich nicht Zeuge seines Sieges seyn? --
    Unschuldig ist er bei dem groen Gott,
    Dem Knig treu, ein hochverdienter Mann!
    Ihm ruft mein Herz Triumph, und eures auch.

~Medina.~

    Doch, wenn des Richters Ausspruch ihn verdammte?

~Maria.~

    Zieh mich zur Tiefe grausam nicht hinab! --
    O falsch und trgend ist das Wort der Welt,
    Und ihm zu horchen hab' ich lngst verlernt.
    Gehoben werden wir uns mchtig fhlen,
    Wenn er begeistert Flammenworte spricht.
    Sie werden seinen hohen Sinn nicht fassen. --
    Doch neigt der Himmel liebend sich hernieder,
    Und Engel reichen khlend ihm die Palme! --
    Die letzte schne Lebensstunde naht;
    Die dann noch folgen, rauschen furchtbar nach.
    O gnne mir die letzte gute Stunde!
    Wenn du mich liebst, so kannst du's nicht versagen.

~Medina.~

    Gott strk' euch, da ihr diesen Anblick tragt!
    Seht hin! Die Hallen fllen sich. Man naht!

~Maria.~

    Die Hand! ich sinke! Muth! Mein Geist ist muthig!

    (ab mit Medina.)


Dritter Auftritt.

    Pedrarias. Jeronimo. Richter. Volk in den Hallen. Wache.

    (~Pedrarias~ steigt auf den Thron. ~Die Richter~ stellen
    sich an ihre Pltze.)

~Jeronimo.~

    (stehend und mit entbltem Haupte.)

    Wir die gesammte hohe Audienz,
    Auf den Befehl der heil'gen Majestt
    Bestellt zum Richteramt in diesen Landen;
    Wir haben uns versammelt, Recht zu sprechen
    Nun ber Vasko Nunez Balboa,
    Adelantado unsrer hohen Krone,
    Den man des Hochverrathes schwer bezeiht. --
    Es ist Gericht auf Leben oder Tod! --
    Ist euer Herz nun frei von Menschenfurcht,
    Und schweigen euch im Busen Lieb' und Ha,
    Und fesselt euer Auge keine Rcksicht,
    Da ihr gerechtes Urtheil sprechen mgt:
    Dann legt betheuernd eure Hand auf's Herz,
    Und denkt an Gott, und an die Ewigkeit!

~Pedrarias.~

    (nach einer Pause.)

    Bedeckt euch!

~Jeronimo.~

                 Lat uns nun mit Gott beginnen!

    (Die Richter setzen und bedecken sich.)

    Man fhre den Beklagten vor Gericht!

    (Wache ab.)


Vierter Auftritt.

    ~Die Vorigen.~ ~Balboa.~

~Volk.~

    Dort kommt er! Seht wie gro! O Gott! Nur stille!

    (Balboa legt Degen und Ordenskette schweigend auf den Tisch, und
    setzt sich mit unbedecktem Haupte auf den ihm bereiteten Sitz.)

~Jeronimo.~

    Erkennet, Vasko Nunez Balboa,
    Adelantado unsrer heil'gen Krone,
    Uns die gesammte hohe Audienz,
    Als ein Gericht mit kniglicher Vollmacht,
    Nach dem Gesetz ihm strenges Recht zu sprechen?

~Balboa.~

    Ich ehre das Gericht, und seine Glieder.

~Jeronimo.~

    Es ist Gericht auf Leben oder Tod!
    Erschreckt nicht, Balboa, und sammelt euch,
    Besonnen uns zu hren und zu sprechen! --

~Balboa.~

    Nie kannt' ich Todesfurcht. Auch heute nicht! --
    -- Vor allem sey die Frage mir vergnnt:
    Wer ist mein Klger?

~Jeronimo.~

                        Euer Hauptmann Pinto.

~Balboa.~

    Ha, durch Gewalt! --

~Jeronimo.~

                        Aus eignem freien Antrieb.

~Balboa.~

    O Menschen! Menschen!

~Jeronimo.~

                          Sprecht! Ist diese Schrift,
    Wie Pinto es bezeugt, von eurer Hand?

~Balboa.~

    (zornig und fest.)

    Von meiner Hand, und auch von mir verfat.

~Jeronimo.~

    Sprecht ruhig. -- Ruhe heischet eure Lage.
    Auch bereilt ist doch ein Wort gesprochen.
    Habt ihr die Schrift blo als Entwurf verfat,
    Als flchtige Gedanken; -- oder war's
    Euch voller Ernst, wie Pinto fest betheuert,
    Sie nach der Landung schleunig zu verknden
    Als ein ~Gesetz~?

~Balboa.~

                     Das ~letzte~ war mein Wille.

~Jeronimo.~

    Als ein Gesetz, nach ~allen~ seinen Punkten?

~Balboa.~

    Nach allen seinen Punkten. Keinen htt'
    Ich ausgenommen, keinen widerruf'
    Ich feige vor Gericht. -- Gott sey da vor!

~Jeronimo.~

    Bedenkt euch wohl! Ihr habt in dieser Schrift
    Die Theilungen der Wilden untersagt,
    Die doch des Knigs hchster Wille sind; --
    Habt das Gesetz tyrannisch selbst gescholten.

~Balboa.~

    Nicht das Gesetz, wie's uns der Knig gab,
    Nein, das Gesetz, wie's frech der Frevel bt;
    ~Das~ nur, das schalt, und schelt' ich noch tyrannisch!
    Ihr staunet? -- Stellt mich vor des Knigs Thron,
    Mich vor die Welt! -- Was wild mein Herz emprt,
    Soll mir auch grausam ~heien~. -- Lat das Beil
    Mir vor den Augen blitzen, immerhin!
    Zwar dieser Kopf kann euerm Streiche fallen;
    Doch mich gesellen zu der blut'gen Schar,
    Die Fluch, die Tod auf diese Fluren wlzt;
    ~Das~ knnt ihr nicht, mit allen euren Beilen! --
    ~So~ ehr' ich meinen Knig und mich selbst!

~Jeronimo.~

    Bezhmt den Zorn, und sprecht gefat, gelassen.
    Was von Verdrehung des Gesetzes ihr
    Jetzt unbestimmt, verworren nur gesagt,
    Das zeiget klar. Hier gilt Bewies'nes nur.

~Balboa.~

    Nicht von des Zornes eigenscht'ger Gluth,
    Vom edlern Feuer flammt's mir auf im Busen,
    Der Menschheit Anwald steh' ich vor euch da,
    Und ihre Vollmacht ist's, die mich erhebt. --
    Nein, was im Busen mir lebendig wogt,
    In enge Formeln lt sich ~das~ nicht dmmen.
    Gnnt mir Gehr! -- Wohl hat schon Ferdinand
    Die Theilungen der Wilden uns befohlen;
    Verget die ~Absicht~ nicht; ~Sie~ ist Gesetz!
    Als Hausgenoss'ne, Brder sollten wir
    Mit Liebesruf' an uns die Armen locken;
    Da sich ihr scheu Gemth' an uns gewhne,
    Der Sittlichkeit die Herzen willig ffne,
    Da dann zur hellen Einsicht heil'ger Wahrheit
    Der Wilde reif in die Gemeinde trete,
    Im Leben froh, im Tode selig werde. --
    O menschliches, o himmlisches Gesetz; --
    Ein Hllenantlitz lieh die Hlle dir!
    Ihr httet liebend, freundlich sie gelockt,
    Als Brder unter euch zu weilen? -- Gott!
    Es krmmt ihr Rcken unter Lasten sich,
    Der Drnger treibt die arme Menschenheerde,
    In Mittagsgluth, die diese Nackten sengt,
    Euch Nahrung aus der Erde zu erzwingen;
    Mit Fieberfrost tief in der Berge Schachten
    Euch Gold zu holen, euren hchsten Gott! --
    Nach Heidensitte habt ihr Sklavenjoch
    Unmenschlich auf der Schwachen Hals geladen! --
    Unsel'ger Widerspruch der Tyranney! --
    Inde die Geissel schwirrt, die Todestrommel,
    Die eines Bruders Schreckenstod verkndet,
    Des Wilden Herz mit Angst und Wuth erfllt:
    Da preiset ihr ihm das Gesetz der Liebe!
    Ist ~das~ des Knigs Wille? -- -- Wagt's und sagt;
    Verbrechen an der Menschheit sey sein Wille!
    Ich wei, ihr wollt zu Thieren sie erniedern,
    Und mit der Migestalt, die ~ihr~ verschuf't,
    Des innern Vorwurfs laute Klage stillen.
    Umsonst! Allmchtig ruft das Herz euch zu:
    Mensch bleibt doch Mensch, von welcher Farb' er sey!

~Pedrarias~ (entrstet).

    Soll er noch lnger Lsterworte hufen?

~Jeronimo~ (steht auf).

    Was ein Beklagter sich zum Schutze spricht,
    Das kann, nach milder Uebung der Gerichte,
    Ihm nur zum Schutze, nicht zum Nachtheil dienen. --
    Vergebt mir Herr, und lat ihn weiter sprechen.

    (setzt sich.)

~Balboa.~

    Vergeb' auch mir die hohe Audienz!
    Mir schwoll die Brust; mir war's, als sollt' ich nun
    Mein letztes Wort mit lautem Donnerruf'
    Der spten Nachwelt noch vernehmlich sprechen. --
    Was eine Rotte Ungeheures bt,
    Das soll in der Geschichte Rollen nicht
    Wild flammen einst, als Wille ~der~ Regierung,
    Die auch die Wilden ihre Kinder nennt,
    Und liebend drckt an ihre Mutterbrust. --
    O mildes Licht der heil'gen Majestt,
    Uns zu beleben freundlich abgesandt;
    Wenn durch den Pestqualm nied'rer Leidenschaft,
    Der aus der Tiefe dir entgegendampft,
    Dein Strahlenglanz nach uns herniederblickt:
    Erscheinst du blutig roth, und bringst uns Tod!

~Jeronimo.~

    Ihr spracht vom argen Mibrauch des Gesetzes,
    Den jeder Edle tief mit euch betrauert.
    Ihr aber habt den Mibrauch nicht allein,
    Ihr habt die Vorschrift selbst fr null erklrt.
    So scheint es mir! Antwortet, ob ich irre!

~Balboa.~

    Wo dies Gesetz noch herrschte, saht ihr auch
    Im Sklavenjoch die Wilden unterdrckt;
    Zeigt mir den Starken, der dem Mibrauch wehrt!
    ~Ihn~ dulden -- ~das~, das schien mir, hohe Richter,
    An meines Knigs Ruhm, am Vaterland',
    An der bedrngten Menschheit Hochverrath,
    Vor dem mein Herz, mein tiefstes Wesen bebt!

~Jeronimo.~

    Was vor euch selbst, was einst vor Gottes Thron'
    Euch hebt und schtzt, das bleib' euch unbenommen.
    Ganz andre Grnde heischt von euch der Richter,
    Nach andern Zwecken, und nach seiner Pflicht. --
    Gehorsam ist des Staates Fundament;
    Er fllt, wenn sich ein khner Unterthan
    Ermessen darf, aus selbstgeschaff'nen Grnden
    Die Fugen der Gesetze loszureien.
    Euch kann des Satzes Wahrheit nicht entgeh'n,
    Und meine feste Ford'rung nicht befremden:
    Habt ihr die Vorschrift, wie ihr schon bekennet,
    Nach ihrem ganzen Inhalt aufgehoben:
    So zeigt die Vollmacht, die nur kann euch schtzen.

~Balboa.~

    Sie liegt in meines Knigs groem Herzen,
    In seiner Menschenachtung, seinem Hasse
    Der schwarzen Hllenausbrut, Sklaverey! --
    So kenn' ich ihn, und sprecht, wer kennt ihn anders? --
    Von euch erwart' ich, hochverehrte Richter,
    Da ihr, wie nun mein Loos auch fallen mag,
    Dies mein Verhr vor den Monarchen bringt. --
    G'ngt auch mein Wort nicht dieser Audienz,
    Einst wird es doch dem Knige gengen.
    Er ruft vielleicht vergebens aus dem Grabe
    Dann diesen Arm und dieses Menschenherz,
    Das er noch als Infant an seines drckte.

~Jeronimo.~

    Ihr fordert nur was uns're Pflicht erheischt. --
    Habt ihr vielleicht vor unsers Knigs Throne
    Der Wilden Sache schon mit Kraft gefhrt,
    Und harrtet noch auf die Entscheidung?

~Balboa.~

                                          -- Nein!

~Jeronimo.~

    Des Knigs Thron steht jedem Brger offen. --
    Hielt euch Gewalt zurck?

~Balboa.~

                              Gewalt! Gewalt!
    Ich htte sie vernichtet! --

~Jeronimo.~

                                Saget dann,
    Was hat zu diesem Schweigen euch vermocht? --
    Seyd offen, Balboa, sprecht ohne Rcksicht! --
    Die Krone hoffet Vieles noch von euch,
    Und Selbsterhaltung sey euch heil'ge Pflicht. --
    Lat falschen Edelmuth euch nicht verleiten! --
    Schwiegt ihr vielleicht aus einer zarten Schonung,
    Ein theures Herz vor Krnkung zu bewahren?

    (Pause.)

    Ihr schweigt? -- Bei allem, was euch heilig ist,
    Bei eurem Leben, eurer Gattin Leben,
    Steht mir zur Rede, schweiget lnger nicht! --

    (Pause.)

    Wit ihr noch etwas, das euch schtzen kann;
    So bringt es vor.

~Balboa.~

                      Ich harre nun des Urtheils.

    (Auf einen Wink des Jeronimo entfernt er sich mit der Wache in
    das Nebenzimmer. Hierauf stehen die Richter auf und entblen das
    Haupt.)

~Jeronimo.~

    Habt ihr des Untersuchten Worte nun
    Genau erwogen, reiflich berdacht;
    Und seyd ihr frei von aller Menschenfurcht;
    Und schweigen euch im Busen Lieb' und Ha;
    Und fesselt euer Auge keine Rcksicht,
    Da ihr gerechtes Urtheil sprechen mg't:
    So legt betheuernd eure Hand auf's Herz,
    Und denkt an Gott und an die Ewigkeit!

    (Pause.)

    Nun werft die Loose: Leben oder Tod!

    (Jeder wirft eine Kugel in einen Becher. Jeronimo zuletzt.)

    Man rufe den Beklagten vor Gericht!

    (Wache bringt den Balboa.)

    Seyd ihr gefat, das Urtheil zu vernehmen?

~Balboa.~

    Gott wird mich strken! Sprecht es immer aus!

~Jeronimo.~

    (mit Selbstberwindung.)

    Das Urtheil -- der gesammten Audienz --
    Gott sey euch gndig -- ist -- der Tod durch's Beil!

~Volk.~

    Gott! Gott!

~Einer der Richter.~

                Nun fort dort oben! Stille! Stille!

    (Man sieht ~Marien~ sich auf der Galerie hnderingend
    durchdrngen.)

~Volk.~

    Zurck! Zurck! Lat sie nicht durch! Zu spt!


Fnfter Auftritt.

    Maria. Balboa. Pedrarias. Die Richter im Hintergrunde.

~Balboa~ (erschrocken).

    Maria!

~Pedrarias.~

          Ha! was soll's, wer rief dich her?

~Maria.~

    Gott denk' ich, denn ich Arme hatte Kraft,
    Das Urtheil mit Bewutseyn anzuhren;
    Nichts frcht' ich mehr auf dieser Welt, nichts mehr.

~Pedrarias.~

    Was suchst du hier?

~Maria.~

                      Den Sieger!

    (wendet sich, und umarmt Balboa.)

                                  Balboa!

~Pedrarias.~

    Fhrt sie hinweg!

~Maria.~

                    O fhrt mich in das Grab!
    Man hat als eine Braut mich ausgeschmckt;
    Das war nicht recht. -- Mir ziemt der Wittwenschleier.
    Ich bitte, Vater, sorget mir fr einen!
    Den Brautkranz ls' ich weinend aus den Locken.
    Wer will ihn tragen? -- Nimm ihn, Balboa!
    Nimm ihn als Siegeskranz! -- Der Himmel ruft:
    Ist nicht mein Lieber herrlich nun geschmckt? --
    Dumpf schweigt die Erde! Fluch belastet sie!

    (~Jeronimo~ fhrt sie auf einen Wink des ~Pedrarias~ ab.)

    O lieber Gott! Nimm uns in's bess're Land!

    (~Balboa~ strzt sich in einen Sitz und verhllet sein
    Gesicht.)


Sechster Auftritt.

    ~Pedrarias.~ ~Balboa.~

~Pedrarias.~

    (ffnet die Hauptthre. Zur Wache.)

    Bei euerm Kopf! Hier lasset Niemand ein!

    (kmmt zurck.)

    Nun habet ihr vollendet, nun gesiegt!

~Balboa.~

    Weis't gndig, Herr, mir mein Gefngni an;
    Ich bin erschpft, und sehne mich nach Ruhe.

~Pedrarias.~

    Erschpft in dem Bewutseyn eurer Gre?
    Ihr saht den Abgrund, saht den Tod vor euch;
    Hinein! ihr strztet euch hinein! -- Die Wuth
    Lieh euch die Kraft. -- Ihr sporntet euch zur Wuth! --
    O ich durchschau' euch ganz! Wie freut es mich,
    Da nie mich eure Heuchlersmiene trgte.

~Balboa.~

    Die Zeit ist mir gemessen. Wenig Gutes
    Kann ich mehr ben. -- Ich vergeb' euch, Herr!

~Pedrarias.~

    Wirf deine Larve weg, du falscher Frmmler!
    Der Satan blickt doch durch. Dein Hllenplan,
    Er ist verrathen. -- Sterben? immerhin!
    Doch eine Tochter frech dem Vater rauben,
    Sie in den Abgrund der Verzweiflung schleudern:
    ~Das~ ist der Weg zu ihres Vaters Herzen. --
    ~Das~ trift! Mit ~dem~ Bewutseyn sterbt ihr leicht.
    Nicht wahr? -- O wahrlich!

~Balboa.~

                              Herr! Ein Hllenplan!
    Ihr habt ihn wohl benannt. Die heitre Welt
    Erzeugt ihn nicht. Ihr nahmt die Mglichkeit
    Aus eignem finstern haerfllten Busen.

~Pedrarias.~

    Recht, Balboa! Ihr irrt euch nicht! Vernehmt:
    Ich ~hass'~ euch, Balboa!

~Balboa.~

                              Kann selbst mein Tod
    Euch nicht vershnen?

~Pedrarias.~

                        Mich? -- Mit euerm Kopf
    Zahlt ihr dem Staate nur die Schuld, nicht mir.
    Die Welt soll glauben, das ist euer Wunsch,
    Ihr fielet hin ein Opfer meines Hasses.
    Vergiften wollt ihr so mit letztem Hauch
    Noch meinen Ruf, brandmarken mein Gedchtni. --
    Ha, nicht gelungen, gift'ger Bsewicht!
    Du triumphirst zu frh. ~Dir~ will ich's wohl,
    Doch nicht auf diesem Wege. Nimm, Verrther,
    Den Degen, nimm!

~Balboa.~

                    Verget nicht eure Wrde!

~Pedrarias.~

    Ich Pedrarias will's dem Balboa;
    Der Feind dem Feinde! Ringen will
    Ich selbst mit euch. Ich will des Armes Kraft
    An euern hochberhmten Heldenmuth,
    An euch bewhren oder sterben. Zieht! --
    Ich dchte doch, ihr fielet rhmlicher
    Durch meinen Arm, als durch des Henkers Beil.

~Balboa.~

    Ich ziehe nicht. Ihr seyd Mariens Vater;
    Und wr' ich frei, das wrd' euch vor mir schtzen.

~Pedrarias~ (wthend).

    Ha, ich durchbohre dich!

~Balboa~ (sanft und leicht).

                            Dank euch dafr!

    (Pause.)

    Am Grabesrande schweigt die Leidenschaft;
    So auch der Zorn in meiner heien Brust.
    Ich will genug euch thun. Was ich gefehlt,
    An euch gefehlt; ich will es nicht verhehlen.
    Des Knigs Vorwort dank' ich meine Gattin;
    Ich warb um dieses Wort. -- Vergebt es mir!
    Ich liebte. -- Hold erschien mir eure Tochter,
    So wie ein Engel aus der Himmelssphre,
    Und winkte mir zu neuem Lebensglck.
    Mein Herz entbrannte! Ach, ein Paradies
    Erffnete sich meinem trunknen Blicke;
    ~Hin~ strebt' ich glhend! -- Doch ein finstrer Geist;
    ~Der~ drutet ihr vor diesem heitern Himmel
    Den Eingang wehrend. -- Ach, kein Wunsch, kein Opfer,
    Und keine Bitte shnte euren Zorn! --
    Ich konnte sterben, nicht Marien lassen,
    Und eure Gunst mir von der Zeit erwartend,
    That ich den Schritt, der euern Ha verstrkte.

~Pedrarias.~

    Wollt ihr den strengen Richter nun bestechen?

~Balboa.~

    Entlat mich, Herr! Wie Wogen von dem Felsen,
    So prallt mein Wort von euerm Herzen ab.
    Ich euch bestechen? -- Diese Niedrigkeit
    Ist meinem Herzen fremd. -- Ob ihr mich hat,
    Ich wei, da Pedrarias Flammenha
    Auf den gerechten Richter nichts vermag.
    Was knnte wohl Vershnung an ihm ndern? --
    Wie ich euch achte, Herr, so achtet mich!

~Pedrarias.~

    So geht in das Gefngni. -- Stolzer Mann! --
    Lat ja der Gnade keinen Ausweg offen! --
    Ihr drangt ein Unheil bringender Komet
    Feindselig ein in meines Ruhmes Bahne;
    Ringt nun durch euern Tod ihn zu verlschen!

    (ruft.)

    He, Wache!

    (Wache erscheint.)

              Fhrt ihn ab zur Felsenkluft!

~Balboa.~

    (geht ab, und kehrt wieder zurck.)

    Ihr liebt Marien. -- Mit gepretem Herzen
    Geb' ich das theure Kleinod euch zurck.
    Sie liebt euch, Vater. -- Gott beschtz' euch beide!
    Mit diesem Wunsche ls't sich meine Seele. --

    (geht ab.)

~Pedrarias~ (fr sich).

    So siegreich denkest du zu sterben? -- Nein!
    Kampf gegen Kampf! Von deiner Hhe strz'
    Ich dennoch, Stolzer, dich! Du hast ein Herz!


Siebenter Auftritt.

    ~Pedrarias.~ ~Jeronimo.~

~Pedrarias.~

    Noch hier, Jeronimo? Das Urtheil frdert!
    Ihr legt es heute mir noch vor. -- Noch heute!

~Jeronimo.~

    Mit sem Trost' erfllt mich eure Eile. --
    Sein karges Leben wollt ihr nicht verkrzen;
    Euch treibt das Herz, ihm Gnade zu verknden.

~Pedrarias.~

    Das spricht der Richter? Kennt ihr seine Schuld?

~Jeronimo.~

    ~Ich~ wog die Schuld, und sprach sein Todesurtheil;
    ~Ihr~ wget sein Verdienst, und rufet Gnade.

~Pedrarias.~

    Erwartet es und eilet!

~Jeronimo.~

                          Heute noch?

~Pedrarias.~

    Ja, heute.

~Jeronimo.~

              Herr! Die ganze Ritterschaft
    Umfat mit mir nun eure Knie flehend.

~Pedrarias.~

    Ich wei, ihr liebt ihn alle.

~Jeronimo.~

                                Nach Verdienst!

~Pedrarias.~

    Und nach Verdienst erwartet ihn sein Lohn. --
    Steht auf. Wie knnt ihr doch um Gnade flehen?
    Kann Pedrarias wohl die Schuld vergeben,
    Die an der Krone selbst er frech verbt?

~Jeronimo.~

    Wagt ihr es nicht, ihm Gnade zu verknden,
    So wagt's auch nicht, die Strafe zu vollstrecken;
    Nein, sendet ihn nach Spanien zurck,
    Und unterzieht das Urtheil hherm Spruche.
    So war's in diesen Landen immer Sitte,
    Wenn groe Hupter ein Verbrechen bten. --
    Das Leben eines Balboa ist kostbar.
    Sein Arm der Krone wichtig. Karlos selbst
    Nennt diesen Helden seinen Freund. -- Ihr greift
    Der Majestt durch seinen Tod zuvor.
    Welch anderes Vergeh'n bt Balboa? --
    Daran ermahn' ich euch, nach meiner Pflicht,
    Jetzt schonend noch allein; -- doch Vorsicht fordert's,
    Euch feierlich mit Mnnern bald zu nah'n,
    Die mir dereinst vor Karlos Throne zeugen.

~Pedrarias.~

    Ihr kennet eure Pflicht. -- Ich wei die meine.

    (schnell ab.)

    ~Der Vorhang fllt.~




Vierter Aufzug.

Felsenkluft. Der Eingang oben am Gewlbe. Vor demselben ein
Eisengitter. Der Weg herab ist in Felsen gehauen. Die Hhle wird durch
eine hangende Leuchte erhellet. Ein Feldbett. Steinblcke zum Sitzen.


Erster Auftritt.

~Balboa.~

    Wie dunkel ist es hier! Die hohe Leuchte
    Verbreitet krglich ihren Dmmerschein;
    Das Wasser truft die Felsenwand herab;
    Wie schauerlich!
                    Schon manches edle Opfer
    Verseufzte hier sein Leben. -- Wehe dem,
    Der Groes sinnt, er grbt sich seine Grube! --
    Auch du, Maria, leidest, du, Maria,
    So engelrein und himmlisch! -- Wirft der Zufall
    Die blinden Loose? -- Siegt das Laster stets? --

    Mein Herz wird eng in dieser Felsenkluft. --
    O stille! -- Schwindel fasset meinen Geist:
    Erschttert wankt mein sonst so fester Glaube! --
    Warum milang mein schnes Unternehmen?
    Es war doch gut! Gerade da es gut war,
    Gab mir die Zuversicht. Die Mglichkeit
    Verbrgte mir des Herzens lauter Ruf;
    Die Wirklichkeit -- der Himmel! -- Doch gescheitert;
    So schnell gescheitert! -- Eines bleibt mir nur,
    Da ich, von wilden Wogen rings umthrmt,
    Wie eine Planke das Bewutseyn hasche:
    Es war doch gut, was ich gewollt, doch gut!! --
    O schner Traum! o grliches Erwachen!

    Was rauscht? Es regt sich oben. -- Ha! -- Wer kommt?
    Man wird die Todesstunde mir verknden. --
    Sie komme bald und ende meine Zweifel!
    Dort seh' ich klar; dort sehnt mein Herz sich hin!


Zweiter Auftritt.

    ~Eskimosa.~ ~Balboa.~

~Balboa.~

    Seyd mir gegrt, mein edler Eskimosa;
    Was ihr auch bringt, seyd herzlich mir willkommen!
    Hebt eure Brust so ngstlich nicht empor;
    Bestrmt durch euern Blick den Himmel nicht!
    Ihr kommt als Mann zum Manne. -- Muth, mein Freund;
    Sagt eure Botschaft! Ihr begegnend will
    Ich selbst sie euch erleichtern. -- Kommt ihr nicht,
    Die Todesstunde mir nun anzukndigen?

~Eskimosa.~

    -- Wenn aus den Fluthen sich die Sonne hebt,
    Erhebt ihr euch zu einem bessern Leben!

~Balboa.~

    Nun dann mit Gott! -- Ich bin darauf gefat.

~Eskimosa.~

    Man bietet euch noch Gnade -- -- mit Bedingung!

~Balboa.~

    Und die Bedingung? Lasset sie doch hren!

~Eskimosa.~

    Ich spreche nun in Pedrarias Namen. --
    Ihr sollet vor dem Throne, ffentlich,
    Vor der gesammten edlen Ritterschaft,
    Gehorsam ihm, und Treue neu geloben;
    Den Aufruf dann, den leider ihr verfat,
    Als eine Frucht der schnellen bereilung,
    Fr null und nichtig ffentlich erklren;
    Dereinst die Theilungen der Indier
    Handhaben, wie's Gesetz und bung heischt;
    Und wolltet ihr dies Alles treu erfllen,
    Euch reuig zeigen, wie's dem Schuld'gen ziemt:
    Dann la' er Gnade walten vor dem Recht.
    Wenn ihr aus Pflicht nicht diesem Rufe folgt,
    So mg' es euch der Gattin doch erbarmen,
    Die eures Stolzes Opfer werden wrde.
    Sonst mt' er, seinem Richteramt getreu,
    Vollzieh'n das Urtheil, streng und unerschttert,
    Was auch das Loos der theuern Tochter wrde.
    Nun whlt mit Gott euch Leben -- -- --

~Balboa~ (schnell).

                                  Nein, den Tod!

~Eskimosa.~

    (ergreift rasch seine Hand.)

    Als Held gelebt, und auch als Held gestorben!
    Gott sey's gedankt! Ihr steht dem Unglck fest.

~Balboa.~

    Dich, Pedrarias, dich erkenn' ich ganz!
    Dein Ha ist sinnreich. Ja, das Edelste,
    Die Menschlichkeit willst du in mir vernichten.
    ~Sie~ gilt es nun zu retten. -- O mein Gott!
    Wie freundlich lchelte mir deine Erde!
    Ich wollte segenbringend auf ihr wandeln;
    Nun sollt' ich wrgend ihr erscheinen? -- Nein!
    Leb', Erde, wohl! -- Du reiest von mir los. --
    Mit feuchtem Blick seh' ich auf dich darnieder;
    Ich liebte dich! -- So liebe du mich wieder,
    Nimm meine Brd' in deinen khlen Scho! --

~Eskimosa.~

    Mir ist, als lg' auf meiner Brust die Welt;
    Ich mchte weinen.

~Balboa.~

                      O du gute Seele!

~Eskimosa.~

    Es ist nicht recht. Ich will euch nicht beweinen! --
    Bewundern will ich euch, und euren Tod
    Bedenken froh, bis meine Stunde schlgt;
    An eurem Beispiel meinen Kindern zeigen,
    Was Festigkeit vermag, was Tugend kann.

~Balboa.~

    Ihr httet, edler Mann, wie ich gehandelt.

~Eskimosa.~

    Doch darum nicht, weil ich euch nun bewund're?
    Was gut, was schn, was edel ist und gro,
    Dafr mag mancher wohl sich leicht erwrmen.
    Allein in sich das Groe festzuhalten,
    Wenn wild in Aufruhr jeder Trieb gerth;
    Dazu versagt den Meisten doch die Kraft. --
    Kein Ungeprfter soll der Kraft sich rhmen.
    Ihr habt gesiegt! Ihr seyd bewhrt gefunden!
    Wem dies Bewutseyn mit dem Tode naht,
    Dem kommt er nie zu frh. Ein hoher Freund
    Bringt er des Lebens kstlichsten Gewinn! --
    Euch blht im Tode Leben! -- Es ist klar!

~Balboa~ (gerhrt).

    Mein Eskimosa!

~Eskimosa.~

                  Recht so, Balboa!
    Lat mich in euerm Aug' den Himmel seh'n.
    Ich brauche Strkung. Tief emprte mich
    Ein andrer Anblick. Hrt! Dem Pedrarias
    Brennt schon ein Vorgefhl der Hll' im Busen.
    Nun an der Schwelle des Verbrechens frchtet
    Er euern Tod! -- Und doch -- sein Stolz verbeut
    Euch unbedingt die Gnade zu verleih'n.
    Nur euch zu beugen drstet seine Rache.
    Bald jubelt er, bald bebt er knirschend wieder;
    Man sieht, sein innres Wesen ist zerrissen. --
    Bedauert ihn!
                Nun mu ich fort, mein Freund!
    Doch im Gedanken will ich fest euch halten.
    Mag euch die Welt aus ihren Banden lassen;
    Nicht dieser Kopf, nicht dieses treue Herz!

~Balboa.~

    Lebt wohl!

~Eskimosa.~

    (kt seine Hand, und drckt sie an's Herz.)

              Nicht dieser Kopf, nicht dieses Herz!

    (geht schleunig ab.)


Dritter Auftritt.

~Balboa.~

    So stark vermeinst du mich? O guter Alter!
    Den Glauben mut' ich ehrend in dir schonen.
    Wie gro erscheinst du dem, den du vergtterst. --
    Ach, darf ich meinen Augen trau'n? Er ist's!
    Jeronimo!


Vierter Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Jeronimo.~

    (Noch auf der Hhe.)

              Ich bin es, Balboa!
    Und Friede sey mit euch!

~Balboa.~

                          Herab! herab!
    Jeronimo! Mann, der mich streng verdammte;
    Kommt an mein Herz! Noch schlgt's so hei fr euch,
    Wie's mir, dem Jngling, schlug.

~Jeronimo.~

                                    Unglcklich Loos,
    Das mich betraf.

~Balboa.~

                    Entweihet euern Mund
    Nicht durch Entschuldigung gebter Pflicht.
    Ihr btet sie nur mit zerriss'nem Herzen,
    Und milde, menschlich. -- O das that mir wohl!

~Jeronimo.~

    So muten wir uns endlich wiederfinden?

~Balboa.~

    Ach, sagt mir, Freund! was machet nun Maria?

~Jeronimo.~

    Vertraut sie mir, und lat den Himmel sorgen.

~Balboa.~

    Wenn ich nun ende -- Gott! wie wird sie's tragen?

~Jeronimo.~

    Leicht wird es mir, den Vater zu bestimmen,
    Da er den Schleier gnnt der Dulderinn.
    Ein stilles Heiligthum will ich ihr ffnen,
    Wornach sie sich in ihrer Jugend sehnte.
    Dort harrt sie sanft und ruhig ihres Tod's.

~Balboa.~

    Nach einem qualerfllten Jammerleben!

~Jeronimo.~

    Bald ist's geendet! Ach, wir bauen fort,
    Als glt' es fr die Ewigkeit. Und doch!
    Wie lange whrt's? -- Ich zhle siebenzig.
    Wo sind sie hin die Jahre? Man entwindet
    Sich seinen Lieben schmerzhaft. Guter Gott!
    Es ist doch nur auf nahes Wiedersehn.

~Balboa.~

    Was Schreckliches sich auf das theure Haupt
    Mariens huft, ich trage nicht die Schuld;
    Ich wre glcklich, litt' ich nur allein.
    Aus einer Welt, wo Pedrarias herrscht,
    Entfliehet gern ein fhlend Menschenherz.
    O dieser Mann, er zwingt mich, ihn zu hassen!
    Man bot mir Gnade, wit ihr's wohl? -- Doch ~ich~,
    ~Die~ Gnade will ich nicht, die ~er~ mir bietet.

~Jeronimo.~

    Ihr seyd bewegt. -- Lat nun die Menschen walten!
    Ihr denket bald mit frohem sichern Flug
    Der Erd' euch zu entschwingen. -- Balboa!
    Lat euch von Ha und Ehrsucht nicht mehr fesseln!
    Nur freie Geister nimmt der Himmel auf.

~Balboa.~

    Sey Gott mir gndig! Ich gesteh' es frei:
    Mein Auge sieht mit Unmuth ~doch~ in's Grab.
    Noch hab' ich nicht gelebt. -- Mein Daseyn schlich
    Nur zwecklos hin. Auf diesen Zeitpunkt hatt'
    Ich mich gespart; mein thatendrstend Herz
    Auf ~ihn~, so sehr es murrte, ~doch~ verwiesen.
    Der Zeitpunkt kommt, er kommt, und bringt mir Tod!

~Jeronimo.~

    Die liebsten Wnsche Gott zum Opfer bringen,
    Es ist des Christen herrlichstes Verdienst.

~Balboa.~

    Der Wunsch der eigenscht'gen Leidenschaft
    Verberge sich vor Gott. -- Mein reines Streben
    Flog unverhllt zum Himmel auf. -- ~Und noch!~ --
    Das Sklavenjoch den Wilden zu zertrmmern;
    Der Menschheit ihn, dem Himmel zuzufhren,
    Einst unter Segenswnschen froher Vlker,
    Im Arm der Liebe selig zu entschlummern:
    Das wnsch' ich noch, und ~mu~ es innig wnschen.
    Gesteht, Jeronimo! Mein Traum war schn.

~Jeronimo.~

    Wohl euch! Noch soll euch dieser Traum erheben!
    Der Wille bleibt Verdienst! Denn das Vollbringen
    Bewirkt nicht Menschenmacht, giebt nur der Himmel.

~Balboa.~

    O schweigt! ~Gut~ war's, was ich mit Muth begann.
    Auf dem Bewutseyn schwang mein Glaube khn
    Sich durch die Wolken. Doch getuscht, gestrzt,
    Lieg' ich zum Hohngelchter in dem Abgrund,
    Tief unter meines Planes Riesentrmmern.
    Ist Murren Snde, so verzeih' mir's Gott!
    Ich mu ~doch~ rufen: Herr! Mein Werk war ~gut~!

~Jeronimo~ (sanft).

    Wie, Freund, in dieser wildemprten Stimmung,
    Mit des zerriss'nen Herzens Klageruf
    Wollt ihr den Himmel sterbend nun begren?
    O stimmet euch schon hier zur Harmonie,
    Die dort die Ewigseligen beglckt!
    Kein Miton darf in ihre Jubel dringen. --
    Ihr klagt: Mein Werk war gut -- und nun gestrzt
    Lieg' ich im Abgrund! Doch, durch ~wen~ gestrzt? --
    Ganz ohne eig'ne Schuld? -- Erforscht euch redlich!
    Wenn euch der milde Strahl der gt'gen Vorsicht
    Aus jenen dunkeln Fernen nicht mehr leuchtet;
    Wo fndet ihr nun Trost, wo Seligkeit? --
    Habt ihr euch schuldig, Gott gerecht befunden: --
    Dann tragt ihr leicht, und habet berwunden.

~Balboa.~

    War euer Gru nicht Friede? -- Doch ihr raubt
    Mir das Bewutseyn, strzt mich ganz darnieder!

~Jeronimo.~

    Was wr' es wohl, wenn es sich rauben liee?
    O guter Balboa! -- Da euer Herz
    So schn entbrannte fr der Menschheit Heil;
    Da ihr ein Paradies in jenen Landen,
    Voll frohen Muthes, anzupflanzen dachtet,
    Um so vor aller Welt den niedern Vorwand,
    Als zhme nur die Sklaverei den Wilden,
    Durch That und Beispiel siegend zu entlarven;
    Da ihr fr dieses Volk die heil'ge Liebe
    Durch selbstgewhlten hohen Tod besiegelt:
    Seht, dies Bewutseyn kann euch Niemand rauben,
    Es lohnt euch hier, es wird euch ewig lohnen! --
    Heil ruf ich euch! -- Aus tiefbewegtem Herzen
    Ruft euch mit mir, die ganze Menschheit Heil! --
    Allein bedenkt: Ihr nah't euch jenem Richter,
    Vor dem die Schuld vergebens sich verhllt. --
    Ihr seyd ein ~Mensch~ -- und ~menschlich~ ist's zu fehlen!

~Balboa~ (sanft).

    So sprecht! Ich ffne willig euch das Herz.

~Jeronimo.~

    Warum habt ihr das wilde Schlangenhaupt
    Der Tyranney dem Throne nicht enthllt? --
    Lngst war es Zeit zu sprechen, und zu handeln.
    Ihr schwiegt, und legtet eure schnen Plane
    Der ungewissen Zukunft in den Scho. --
    So fehlt er oft, der engumschrnkte Mensch! --
    Zur That wird ihm der Augenblick gegnnt;
    ~Den~ soll er fassen -- doch, er lt ihn fliehen;
    Und bringet ihn der Zeiten Strom nicht wieder,
    So klaget thricht er sein Schicksal an.
    Wie soll der Himmel solche Klagen hren? --
    Warum habt ihr die Grausamkeit geduldet,
    Die lngst schon euer fhlend Herz emprte? --
    Warum die Pflicht des Widerstands verschoben? --
    Warum durch Eigenmacht erzwingen wollen,
    Was ihr vom Throne nur erwirken solltet? --
    Gesteht es doch! -- Mariens Vater ist
    Der Schuldige, und euer Liebesbund
    Hielt euch von eurer hhern Pflicht zurck.
    Mit ~dieser~ habt ihr euch nur abgefunden,
    In Schpfungstrumen euren Geist gewiegt.

~Balboa.~

    -- Ihr lasset tief in's eigne Herz mich schau'n.

~Jeronimo.~

    Vershnt euch dann mit Gott! O fhlt es nun:
    Da euch nicht Stolz, da euch die Reue ziemt!

~Balboa.~

    Ist's Strafe, die ich dulde? Nun wohlan!
    Ich habe sie verdient! Ich beuge mich!

~Jeronimo.~

    Und jede Klage schweigt in eurer Brust?

~Balboa~ (sanft).

    Da auch mit mir der arme Wilde leidet:
    Seht, das beklag' ich noch. -- Da auch sein Glck
    Mit mir dahinstrzt! -- Sagt, Jeronimo,
    Was konnte seine Unschuld wohl verbrechen? --

~Jeronimo.~

    Wie, Balboa, ihr werdet doch nicht whnen,
    Kein Geist erhebe sich zu eurer Hhe,
    Kein Herz sey mit dem Euern gleich gestimmt? --
    Wozu euch Gott jetzt nicht mehr wrdig finde,
    Das knn' er nicht durch andres Werkzeug ben? --
    Gewahrt ihr nun den schlauverborgnen Stolz?
    Erschreckt vor euch! Ruft euern Glauben wach!
    Der Glaub' an Menschentugend und an Gott,
    Erhebt sich jedem nur aus eigner Brust. --
    O wehe dem, der ~ihn~ vergebens ruft!
    Sein reines Herz geweiht zum Gottestempel,
    Ward schon zur Hlle, wo Verzweiflung thront.

~Balboa.~

    (fllt tieferschtternd an seine Brust.)

    O heil'ger Mann! Hebt segnend eure Hand!

~Jeronimo~ (mit Feuer).

    Ihr habt euch schuldig, Gott gerecht befunden!
    Nun siegt der Geist! der Tod ist berwunden!

~Balboa~ (begeistert).

    Ein Schauer fat mich. -- -- Ja -- ich fhl's! ich fhl's!
    Nicht Zufall ist's, was unser Schicksal treibt.

    (kniet nieder.)

    Gerechtigkeit, ich sinke vor dir nieder!
    Du waltest ber uns. Was ber mich
    Dein Spruch verhngt, ich will es shnend dulden.
    Aus seinen Tiefen ruft mein Herz: -- Du bist!!
    Und wie ich nun von dir die Strafe dulde,
    Ist dem Entshnten Gnade auch gewi!

    (steht auf.)

    O sie umweht mich schon mit Himmelsdften,
    Und Ruhe kehrt in meine Brust zurck! --

    (zu ~Jeronimo~.)

    Verla mich nicht, du treuer Friedensbothe!

~Jeronimo.~

    Nein, ich verla euch nicht.

~Balboa.~

                               O Tod! erscheine!
    Nun frcht' ich deine Schrecken nicht. Erscheine!

~Jeronimo.~

    Was will uns Eskimosa? -- Seht, er naht!


Fnfter Auftritt.

    ~Eskimosa.~ ~Balboa.~ ~Jeronimo.~

~Eskimosa.~

    Wenn ich im hheren Gesprch euch nun
    Und diesen Edlen stre, so vergebt.

~Balboa.~

    Ihr seyd willkommen, ihm und mir, mein Freund!

~Eskimosa.~

    Nicht unbescheiden heftiges Verlangen,
    Euch noch zu seh'n -- das wt' ich zu bezhmen --
    Mich fhret meine Pflicht hierher.

~Balboa.~

                                      So sprecht.

~Eskimosa.~

    Er will den Tod, so hab' ich kurz und treu
    Dem Pedrarias euern Schlu gemeldet. --
    Nun droht ein neuer Sturm euch zu erschttern.

~Balboa.~

    Mag es doch strmen! ~Hier~, mein Freund, ist's ruhig.

~Eskimosa.~

    Ich wei, die Ruhe lebt in euerm Busen. -- --
    O theilet sie der Gattinn liebend mit!
    Ihr seyd getrstet. -- ~Sie~ bedarf des Trostes!

~Balboa.~

    Maria! --

~Eskimosa.~

              Fhlet ihr euch stark genug,
    Die Leidende zu sehen?

~Balboa.~

    Eskimosa!

~Eskimosa.~

    Nicht blo zu seh'n, sie sanft emporzuheben!

~Balboa.~

    Ich bin ein Mensch --

~Eskimosa.~

                          Ein Held, mein Balboa!
    Ermannet euch! -- Sie harret euer schon.

~Balboa.~

    Was habet ihr gethan?

~Eskimosa.~

                          Nicht ich, bei Gott! --
    Ihr Vater sendet sie.

~Balboa.~

                          Zu mir? -- Unmglich!

~Eskimosa.~

    Viel wlzet er in seinem schwarzen Busen,
    Was nicht so leicht ein Menschenaug' ergrndet;
    Allein, hier hab' ich ihn erkannt: er wnscht,
    Er hofft, ihr Jammeranblick soll euch beugen.

~Balboa~ (entrstet).

    Ha, Pedrarias!

~Eskimosa.~

                   Htet euch, mein Freund,
    Vor ihr des Vaters zrnend zu erwhnen!
    Wie wrdet ihr die Engelsseele krnken!
    Ein Schauder zucket schneidend durch ihr Herz,
    Wenn nur sein Namensschall ihr Ohr berhrt.
    Die gute Tochter! Frchten ~mu~ sie ihn;
    Doch diese Furcht erfllet sie mit Schrecken.
    Sie schilt sich selbst, undankbar, unnatrlich!
    Verbannt in dieser Abschiedsstunde
    Den Ha, der sie empren wrde. Lat
    Sie ungestrt und vorwurfsfrei euch lieben!

~Balboa.~

    (unmuthig und heftig.)

    Und kann ich das? Und wie? Und wer gebietet,
    Zu nah'n der Liebe, zu entflieh'n dem Hasse?

~Jeronimo.~

    Der scharfe Blick auf ihren Gegenstand! --
    O Balboa! -- Mit Schlangenbissen nagt
    Den Pedrarias heimlich schon die Reue.
    Und wenn ihr bald in ew'ger Ruhe blht,
    Wie wird euch rufen sein Verzweiflungsruf!
    Denn bertubt ist sein Gewissen nur.
    Er weihet sich dem jammervollsten Elend!
    Denkt seinen Zustand! Lebhaft fhret ihn
    Euch vor Gemth! -- Ist's nicht ein Mensch, wie ihr,
    Der in dem Abgrund liegt? Die Leidenschaft,
    Die ~ihn~ gestrzt, hat sie ~euch~ nicht erschttert? --
    O fhlet Mitleid! Lat den finstern Ha
    In euerm Busen schweigen! -- Feinde lieben,
    Es ist das Gttlichste! -- Schwingt euch empor!

~Balboa.~

    (nach einer Pause, schnell.)

    Gott sieht mein Herz! Ich hab' ihm ganz vergeben.

~Jeronimo.~

    So ~darf~, so ~soll~ euch noch Maria lieben?

~Eskimosa.~

    Die arme Dulderinn! Erschreckt nur nicht.
    Zu fein besaitet ist ihr zartes Herz,
    Es klinget jedem Hauche. Wilder Sturm
    Ras't nun darin, und droht es zu zerrtten.
    Darauf seyd wohl gefat, und schonet sie. --
    Wir gehen sie zu holen. -- Heftigkeit
    Vermeidet! Sanft und leise sprecht sie an,
    Und lockt ihr Herz zu den gewohnten Tnen. --
    -- Nicht folget uns! -- Bis sie herabkommt, weilet! --

    (~Jeronimo~ und ~Eskimosa~ steigen hinauf. Oben bergiebt
    ~Eskimosa~ ~Maria~ dem ~Jeronimo~.)

~Balboa.~

    Was sag' ich ihr? und wie beginn' ich? -- Gott!
    Dort wankt sie schon. -- So bleich! -- Mein Herz zerreit!

    (stellt sich, da er von ~Marien~ nicht gesehen werden kann.)


Sechster Auftritt.

    ~Maria.~ ~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Jeronimo~ (auf der Hhe).

    Reicht mir die Hand! Ihr kommt vom Tageslichte,
    Und seyd geblendet.

~Maria~ (hlt an).

                        Ah!

~Jeronimo.~

                            Was ist euch, Donna?

~Maria.~

    Mein Herz! -- Ah! -- Weiter!

~Jeronimo.~

                                Gnnt euch Zeit;
    Steil sind die Stufen. --

~Maria.~

                          Rauh der Weg in's Grab!
    Ich hr' ihn nicht. --

~Balboa.~

                          Maria!

~Maria.~

                                Balboa!
    Ich hre meinen Balboa! Hinab!
    Wo weilst du, wo?

~Balboa~ (umarmt sie).

                    Hier, Theure!

~Maria.~

                                Gt'ger Himmel!

~Balboa.~

    O Gott, sie sinkt! Helft mir, Jeronimo!

    (Sie setzen sich.)

    Dich leiden seh'n -- der Tod ist nicht so bitter!

~Maria~ (schwach).

    Ich leide nicht -- Wer sagt dir, da ich leide?
    Ich fhle mich nun stark. -- Ich bin so glcklich!
    In deinem Arm, an deiner theuern Brust,
    So mcht' ich sterben, so! -- O stille! stille!

    (halten sich umarmt. Pause.)

~Jeronimo.~

    (betrachtet sie von fern.)

    Wie sie sich hold umschlingen! Wonne strahlt
    Ihr Blick! -- Sie schweigen. -- Was bedrfen sie
    Der Worte? -- Schon entfesselt sind die Geister!
    Sie sind vereint, sind ein's!

    (er naht sich ihnen, und umfat sie feierlich.)

                                O liebet! liebet! --
    Die reine Himmelsgluth der Seelenliebe
    Verlschet nicht in karger Lebenszeit;
    Der Tod vernichtet nur die Sinnentriebe;
    Der Bund der Geister whrt in Ewigkeit!
    Wohl mag die Welt den einen lnger binden;
    Doch was verwandt ist, ~mu~ sich wieder finden!

    (zieht sich zurck.)

~Maria.~

    Doch was verwandt ist, mu sich wieder finden?
    O ser Trost! Nur bald!

    (fhrt vom Sitze auf.)

                            Ah wieder!

~Balboa.~

    Gott! bist du krank, Maria?

~Maria.~

                                Nein! Es zuckt
    Mir flchtig nur im Herzen. -- Sehnsucht will
    Das wunde Herz befrei'n, und kann es nicht. --
    Oft macht's mich athemlos. -- Geduld mein Herz! --
    Es endet doch!

~Balboa.~

                  So willst du mich betrben?

~Maria.~

    Kann dich betrben, was mich heiter macht?
    So wunderbar begann dies Weh' in mir,
    O hre, wie es kam. --
                          Als das Gericht
    Beendigt war, hinfiel ich schluchzend, kraftlos.
    O ser Schlummer, der mich dann umfing! --
    Schnell war es mir, als hebe sich dein Bild
    In Purpurwolken, freundlich anzuschau'n.
    Dein Auge funkelte. Sanft hergebeugt
    Sahst du auf mich. Tiefschauernd starrt' ich auf,
    Als du dich hher hobst und hher! -- Ach!
    Nachfliegen wollt' ich und vermocht' es nicht.
    Doch als du mir nun schon entschwinden wolltest,
    Aufschrie ich, furchtbar! -- Lchelnd von der Hhe
    Hielst du einladend mir den Arm entgegen.
    Ich folge, rief ich; wie ich' s rief, da ri
    Es mir am Herzen schmerzlich, da ich wohl
    Zu sterben dachte, doch -- ich war erwacht. --
    -- Und wenn es nun mir an dem Herzen reit;
    Ich acht' es nicht, und denke nur -- ich folge!

~Balboa.~

    Ach, weit du wohl, was du beginnst, Maria?
    Mit jedem Worte fesselst du mein Herz
    An diese Welt, der ich entfliehen mu!

~Maria.~

    Htt' ich geklagt? Bei Gott! Das wollt' ich nicht
    Es htte sich mein fhlend Herz verrathen? --
    Voll Widerstreit ist dieses arme Herz,
    Voll Jubel und voll Qual! -- Sieh, Balboa!
    Bedenk' ich lebhaft, da dir Menschenwohl
    Mehr als dein Leben gilt; da du nun glnzest
    Als Mrtyrer der unterdrckten Menschheit,
    Da fat's mich schauernd, und hinsinken mcht'
    Ich dann, anbetend hin zu deinen Fen,
    Dich Heiligen um deinen Segen bitten! --
    Ich kann es nur mit leisem Zittern denken,
    Da du mich liebst! -- Wie kam ich zu dem Glcke?
    Ich hab' es nicht verdient. -- Erhebe dich
    Zum schnsten deiner Siege! -- Stirb, o Held!
    Mich Schwache strkt der Himmel wunderbar;
    Denn ob in mir auch jede Nerve zuckt:
    Doch hab' ich Kraft, dir zuzurufen. -- -- Stirb!

~Balboa.~

    O holder Engel, der mir Strkung bringt!
    Wie schn erhellst du meines Kerkers Nacht!

~Maria.~

    Ich denke nun des Tag's, der uns verband.
    Ein Schreckenstag! -- Zwlf Opfer sollten bluten!
    Entfloh'n dem Grauen dieses Hllenschauspiels,
    Dem wilden Wirbeln dieser Todestrommeln,
    Irrt' ich am Meeresufer, einsam trauernd,
    Und meine Thrnen flossen um die Wilden.
    Auch du erschienst! Auch dich, mein Balboa,
    Vertrieben diese Schrecken. -- Welche Stunde!
    In Harmonie zerflossen unsre Seelen,
    Die lang sich suchten, hatten sich gefunden,
    Und schnell fr ewig waren sie verbunden!
    Vor uns das Meer, den Himmel ber uns,
    So haben wir den heil'gen Bund beschlossen:
    Zu stehen fr der armen Menschheit Sache,
    Im Glck und Unglck, bis zur Todesstunde.
    Wer pflichtvergessen diesen Bund einst brche,
    Der habe nimmer Recht auf heil'ge Liebe!
    -- O du hast Wort gehalten, Balboa,
    Mit Ehrfurcht lieb' ich dich!

    (will vor ihm niederfallen.)

~Balboa~ (hlt sie auf).

                                Maria! Theure!
    Du reine Seele, du beschmst mich tief.

~Maria.~

    Ich bin ein schwaches Weib. -- Ich kann's nicht denken,
    Was einst aus mir noch werden wird. -- Ich hoffe,
    Nicht werd' ich's berleben. -- Nimm mich, Gott!
    Was blickst du nun so dster auf mich nieder? --
    Ich sage dir: Du stirbst mit meiner Liebe,
    Brich du mein Herz! Doch unser Bund bestehe!

    (setzt sich erschpft.)

~Balboa.~

    Bei unsrer Liebe fleh', beschwr' ich dich...

~Maria.~

    Befiehl! es soll geschehen, was du heischest.

~Balboa~ (zu Jeronimo).

    Tritt nher, Freund! --
                            Bald wird er dir, Maria,
    Ein stilles sichres Heiligthum erffnen.

~Maria.~

    Wohin ich wandle, folget mir die Qual.
    Fr mich giebt's einen Hafen nur: -- das Grab!

~Jeronimo.~

    Die Palme winkt dem edlen Dulder dort.

~Maria.~

    Nicht bin ich wrdig, solchen Preis zu fassen.

~Balboa~ (lebhaft).

    Beim Wiederseh'n bring' ich dir selbst die Palme.

~Maria~ (steht auf).

    O ser Preis! Womit erring' ich ihn?

~Balboa.~

    Wenn du der Trauer siegend widerstehst.

~Maria.~

    Nicht trauern sollt' ich? -- O du forderst viel!

~Jeronimo.~

    Wer will, der kann; erwecket euern Muth!

~Maria.~

    Doch denken, an ihn denken darf ich doch?

~Balboa~ (schnell).

    La nicht mein Bild aus deiner Seele weichen!

~Maria~ (innig).

    Und wenn es schn vor meiner Seele strahlt?

~Balboa.~

    Dann ist's mein Geist, der liebend dich umschwebt!

~Maria~ (noch lebhafter).

    Und wenn mein Herz von heier Sehnsucht glht?

~Balboa.~

    Dann reicht die Hoffnung khlend dir den Kranz.

~Maria.~

    Vereinigung mit dir ~mu~ ich doch wnschen!

~Balboa.~

    Erfllung reicht aus Wolken dir die Hand.

~Maria~ (ngstlicher, lauter).

    Was ich verlor, ~ich~ will es wiederfinden!

~Balboa.~

    Und glaube mir, es bleibt dir treu verwahrt!

~Maria.~

    Was ich verlor, das ist doch jetzt verloren. --
    O lat mich weinen! -- Fhllos seyn ist schlimmer.

~Balboa.~

    (in heftiger Bewegung.)

    Geliebte! Liebe mich! und hoffe! weine!
    Was sagt' ich? -- Gott!

    (umarmt sie.)

                            O meines Lebens Leben!

~Jeronimo.~

    Dies eine denkt! Die Trennung whrt nicht immer!
    Wie bald entflieht des Lebens dstre Nacht!
    Der Tag beginnt. Ihr findet euch im Schimmer.
    Wo ist dein Stachel, Tod, wo deine Macht?
    Auf Erden fhlt ihr nur der Trennung Wunden;
    Doch ewig, ewig lebt ihr dort verbunden.

~Maria.~

    Tnt aus dem Himmel uns die sanfte Stimme?

~Balboa.~

    Mit ser Ahndung scheiden; es ist schn!

~Jeronimo.~

    Der innre Sturm begab sich nun zur Ruhe.
    Erhaltet diese Stimmung! Trennt euch schnell,
    Sogleich, jetzt, da euch Kraft und Muth belebt!

    (zu Balboa.)

    Euch ziemt's, durch hohes Beispiel sie zu strken.
    O zaudert nicht!

~Balboa.~

    (abgewandt mit erstickter Stimme.)

                    Leb' wohl! Leb' wohl, Maria!

    (geht seitwrts und verhllt sich.)

~Jeronimo.~

    Was weilet ihr, Maria? -- Neue Qual
    Bereitet nicht dem Dulder.

~Maria~ (verworren).

                              Qual! O nein!
    Wie schmerzlich! Ah!

~Jeronimo.~

                        O kommet und folget mir.

~Maria.~

    (fast schreiend.)

    Ich folge! Ah!

~Balboa.~

                  Noch einen Ku!

~Maria~ (kt ihn).

                                Stirb! Stirb!

~Jeronimo~ (tief bewegt).

    O meine Kinder!

    (~Balboa~ entreit sich ihr.)

~Maria.~

    (in wilder Betubung.)

                    Fort! Nun fort!

    (~Jeronimo~ begleitet ~Marien~. ~Balboa~ sieht ihr
    nach. Als sie zu den Stufen kmmt, sinkt er auf sein Lager.)

~Balboa.~

                                  Komm, Ruhe! Ruhe!

    ~Der Vorhang fllt.~




Fnfter Aufzug.


Scene des vorigen Aufzugs.

    (Die Erffnungsmusik ist ein Trauermarsch, inner dem Theater.
    Whrend der letzten Takte erhebt sich der Vorhang langsam.
    ~Balboa~ schlft. ~Jeronimo~ steht ber ihn gebeugt, und
    leuchtet ihm ins Gesicht. Die Fackeln sind tief abgebrannt.)


Erster Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Jeronimo.~

    Der Tag beginnt! -- Die Trauertne klingen,
    Und rufen ihn mit Liebesruf' in's Grab.
    Noch einen Kampf, den wird er muthig ringen,
    Dann wirft er freudig seine Fesseln ab;
    Hebt aus dem leeren irdischen Gewimmel,
    Sich siegend dann, frohlockend auf zum Himmel!

    Schon dringt die Zeit. -- Ich sollt' ihn nun erwecken.
    Ich will es zwar. -- Doch fehlet mir der Muth. --
    -- ~Das~ seh' ich wohl, ~dich~ kann der Tod nicht schrecken;
    Du ruhest sanft, wie der Gerechte ruht.
    Mit diesem Himmelslcheln im Gesichte,
    Stellt man sich furchtlos, freudig dem Gerichte.

    Ich will nicht stren seine heil'gen Trume. --
    Sie heben oft im freudereichen Flug
    Den freiern Geist in lichte Himmelsrume; --
    Was dann sie knden ist nicht eitler Trug.
    Wenn nicht mit uns die irren Sinne schalten,
    Dann kann sich Geistern, Geistiges entfalten.

    So flieet sanft ihm fort, ihr letzten Stunden,
    Er fhle froh sich in der eignen Welt!
    Erwachet er, dann schlgt ihm neue Wunden
    Die Wirklichkeit, die ihn gebunden hlt.
    Noch hrt er hier Mariens Wehe hallen,
    Und Trauer wird sein zart Gemth befallen.

    Viel Schmerz wird euch, ihr Edlen, zugemessen;
    Und euer Lohn blht nicht in dieser Zeit!
    Von ihm geweckt, wie knntet ihr vergessen,
    Des Vaterlands, der heitern Ewigkeit? --
    Doch wie auf euch die grausen Leiden strmen:
    ~Den~ Schild ergreift: Der Glaube wird euch schirmen!

    (Unter den letzten Strophen ist ~Maria~ die Felsentreppe
    herabgewankt.)


Zweiter Auftritt.

    ~Maria.~ ~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Maria~ (leise).

    Jeronimo!

~Jeronimo.~

              Gott! Donna! Ihr? -- und jetzt!
    Gott sey euch gndig! Sagt, was suchet ihr?
    Wer lie euch ein?

~Maria~ (lchelnd).

                      Es giebt noch gute Menschen!

~Jeronimo.~

    Er schlft!

~Maria.~

              Unmglich!

~Jeronimo.~

                        Seht!

~Maria.~

                              Er ~konnte~ schlafen.

~Jeronimo.~

    Verbittert ihm die letzte Stunde nicht.
    Ach, eilet fort!

~Maria.~

                    Das kann ich nicht. Es ri
    Mein bser Geist mit Ungestm mich her.
    Ihm ward Gewalt gegeben ber mich!

~Jeronimo.~

    Verscheucht die Phantasie!

~Maria.~

    (verwirrt, nachsinnend.)

                              Da du lang lebst,
    Und es dir wohlergehe hier auf Erden; --
    Den Vater ehre! -- -- -- Gerne wollt' ich's -- Gott!
    Es ist entsetzlich!!

~Jeronimo.~

                        Leiser sprecht, Maria!

~Maria~ (schneidend).

    Wie kann er schlafen!

~Jeronimo.~

                          Gnnt ihm doch die Ruhe!

~Maria.~

    Ach, habt ihr diese Nacht den Sturm gehrt?

~Jeronimo.~

    Nein, Liebe!

~Maria.~

                Schwarz und finster war die Nacht.
    Die Winde heulten. Aus dem Walde hrt'
    Ich wild die Tyger brllen. War's aus Freude? --
    Die Hlle feiert heut' ihr Jubelfest.

~Jeronimo.~

    Ach, armes Kind!

~Maria.~

                    Ich war bei meinem Vater!

~Jeronimo.~

    Wie! diese Nacht?

~Maria.~

                    In dieser Schreckensnacht.
    Zu seinem Vaterherzen wollt' ich fleh'n.
    Ich fand ihn wachend, seine Augen brannten,
    Und auf dem Lager stemmt' er sthnend sich. --
    Die Sprache stockte mir bei diesem Anblick.
    Ich blieb nun starr und lautlos vor ihm stehen.

~Jeronimo.~

    Und er?

~Maria.~

            Fuhr grlich zuckend auf, und schrie,
    Und kreuzte sich. Was er zu mir gesprochen,
    Das fragt mich nicht. -- Ihr knntet, Guter, wohl
    Darber den Verstand verlieren. -- Ach!
    Er hielt mich fr der Mutter sel'gen Geist,
    Verbarg sich zitternd in des Lagers Decken,
    Und betete. -- Da eilt' ich leis hinweg,
    Und hatte nicht den Muth, ihn zu erwecken;
    Bald wr' ich hingesunken.

~Jeronimo.~

                              Betet, Kind!

~Maria.~

    Die Angst versperrt den Worten ihren Weg.

~Jeronimo.~

    Des Herzens heier Wunsch ist euch Gebot.

~Maria.~

    (laut.)

    So schenkt der Himmel gndig mir den Tod!

~Balboa~ (schlafend).

    Maria!

~Jeronimo.~

          Stille!

~Maria.~

                Ah -- ist er nun wach?

~Jeronimo.~

    Noch nicht. Er trumt.

~Maria.~

                          Von mir?

~Jeronimo.~

                                  Von euch und sanft.

~Maria.~

    Und sanft!

~Jeronimo.~

              Bald sieht er euch entstellt, verstrt;
    Dahin ist seine Ruhe. -- Soll der Arme
    Den Leidenskelch bis auf die Hefen leeren?
    Ach, eilet schleunig fort, wenn ihr ihn liebt.
    Jetzt, da er schlft.

~Maria.~

                        Wie hart! wie ungerecht!
    Wer reit die Gattinn von dem Sterbebette,
    Auf dem ihr Gatte nach dem Tode ringt? --
    Wie kann die Liebe diesen Vorwurf tragen,
    Da den Geliebten sie im Tod verlie?
    -- Und er verlangt nach mir! O seht nur hin.

~Jeronimo.~

    So wollt ihr ihm den letzten Kampf erleichtern.

~Maria.~

    Dazu verzehrt sich meine letzte Kraft.

~Jeronimo.~

    Ihr waget viel, und denkt ihr's zu bestehen?

~Maria.~

    Auch gestern wagt' ich's, und ich berwand.

~Jeronimo.~

    Es wird der Schmerz euch grimmig berfallen.

~Maria.~

    Er wthe! -- Doch in diesem Herzen nur.

~Jeronimo.~

    Das Schrecklichste wollt ihr im Stillen dulden?

~Maria.~

    Wie unter'm Messer das geduld'ge Lamm.

~Jeronimo.~

    Versprecht es mir bei eurer heil'gen Liebe!

~Maria.~

    Hier meine Hand! Ich fhle Himmelskraft!

~Jeronimo.~

    Setzt euch zurck. -- Es drnget nah' heran!
    Habt ihr den Trauermarsch gehrt?

~Maria.~

                                      Er rief
    Mich her und ihn zum Tode!

~Jeronimo.~

                                Bald erscheint
    Der Richter, ihn zu holen. Nochmals, Kind,
    Erspart euch diesen Anblick.

~Maria.~

    (unwillig und fest.)

                                Nein, ich bleibe!

~Jeronimo.~

    So mu ich ihn erwecken.

    (fhrt sie in den Hintergrund.)

                              Weilet hier!
    Und schweiget bis ich rufe.

~Maria.~

                                Eilet! Eilet!


Dritter Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Jeronimo.~

    Erwachet, Balboa!

~Balboa~ (erwachend).

                      Wer ruft? -- Ha, wie?
    Noch hier? noch hier! Seid ihr's, Jeronimo?

~Jeronimo.~

    Ihr habt nun sanft geruht.

~Balboa.~

                              Sehr sanft! sehr s!
    O wunderbar ist doch des Schlafes Kraft!
    Ich fhle mich gestrkt, belebt, erheitert!

~Jeronimo.~

    Ich hatte nicht den Muth, euch zu erwecken.

~Balboa.~

    Bei mir gewachet also? -- Dank, mein Freund!
    Beginnt der Tag? --

~Jeronimo.~

                        So denk' ich fast. Die Fackeln --
    Seht hin! sind abgebrannt.

~Balboa.~

                              Und auch mein Leben!

~Jeronimo.~

    Nicht euer Glaube!

~Balboa.~

                      Auch nicht meine Liebe!
    O da Maria doch geschlummert htte!

~Jeronimo.~

    Aus eurer Ruhe wird sie Ruhe schpfen.

~Balboa.~

    Ich wre ruhig, wt' ich sie nur glcklich.

~Jeronimo.~

    Von euch geliebt zu seyn, beglcket sie;
    Ihr mgt hier unten, mgt dort oben wallen!

~Balboa.~

    Ich hoff' es selbst. -- So schwach ihr Krper ist;
    Doch regt in ihr sich mnnlich stark der Geist.
    O herrliches Geschpf! o Himmelsbild!
    Umsonst htt' ich gelebt? -- Nein, glaub' es nicht;
    Was nur im Unmuth ich dir sagen konnte.
    Fr dieses Leben dank' ich sterbend Gott!
    Marien gab es mir, und o der Wonne:
    Mariens Liebe raubt mir nicht der Tod!

~Jeronimo.~

    Wenn wahrhaft Liebende harmonisch fhlen,
    So flieet Balsam ihr in's wunde Herz.

~Balboa.~

    Ihr trstet mich!

~Jeronimo.~

                      Sie wnscht euch selbst zu trsten!

~Balboa.~

    So lie sie mir ein liebend Wort schon melden? --

~Jeronimo.~

    Selbst nahen will sie euch, da ihr im Tode
    Ein Zeugni ihrer Liebe noch gewahrt.

~Balboa.~

    Bedarf es dessen?

~Jeronimo.~

                      Doch, mein Balboa!
    Wer andre fhlend trstet, hebt sich selbst!

~Balboa.~

    Sie komme!


Vierter Auftritt.

    ~Maria.~ ~Balboa.~ ~Jeronimo.~

~Maria.~

    (nhert sich ihm von rckwrts, und umarmt ihn.)

              Balboa!

~Balboa.~

                      O Gott! schon hier?

~Maria.~

    Du bist so ruhig?

~Balboa.~

                      Winkt mir nicht die Ruhe?
    Bald bin ich frei! Bald hab' ich berwunden!

~Maria.~

    Ja wohl! O stille, Herz! Auch du wirst frei!

~Balboa.~

    Maria!

~Maria.~

          Ach! Es nur zu denken ist schon s!
            Die Erde decket
            Mich leicht und khl;
            Mein Engel wecket
            Mich zum Gefhl!

~Balboa.~

    Denk' nicht an dieses Trauerlied, Maria!

~Maria.~

    Ein Trauerlied? Und klingt so freudig nach!
            Und sanft und still
            Fhl' ich im Herzen
            Es neu sich regen,
            Sich leis bewegen,
            Wie sanft! wie still! --
            Wo seyd ihr Schmerzen?
            Seyd ihr hinab
            Nun schon gesunken;
            Im khlen Grab
            So schnell versunken? --
    Und wnschen sollt' ich nicht den Tod? -- Warum? --

~Balboa.~

    Ha, welcher Geist beseelet dich, Maria?
    Dein Auge funkelt wonnevoll und herrlich!

~Maria~ (begeistert).

        Mein Engel hebt mich in die Lfte,
        Balsamisch wehen Rosendfte! --
        Wie s melodisch tnt
        Sein goldnes Flgelpaar!
        Welch sanfter Schimmer krnt
        Sein lockenreiches Haar!
        Wer bist du, Engel, mild und licht? --
        Wohl kannt' ich einst dein Angesicht!

~Balboa.~

    O tne fort! Erffne mir den Himmel!

~Maria.~

        Wie lchelt nun dein Angesicht,
        So himmlisch hold, so freundlich licht!
        O dieses Lcheln sah ich schon,
        Auch deinen Seelenblick!
        Das ist dein Herzenston!
        Der Schleier fllt!
        Verschwinde Welt! --
        O Himmelsglck!

    (fllt ihm in die Arme.)

    Bald rufe mich! La mich nicht lange warten!

~Jeronimo.~

    (mit gefalteten Hnden.)

    O guter Gott! La sie nicht lange warten!
    Jetzt, Kinder! Seyd gefat! Die Schlsser rauschen.

~Maria.~

    O Gott!

~Balboa.~

            Fahr' hin, o Welt! Komm, Himmelsglck!


Fnfter Auftritt.

    ~Die Vorigen.~ ~Linares.~

~Linares.~

    (im Herabsteigen.)

    Erschreckt nicht, Herr! Ich bin's! Ich, Linares!

~Maria.~

    (strzt ihm entgegen.)

    Was bringt ihr?

~Linares~ (erschrocken).

                    Donna!

~Maria.~

                          Rettung? sprecht!
    An eures Rufes freudigem Getn,
    An eurer schnen Eile kannt' ich's. Sprecht!

~Linares.~

    Fr euch ist meine Bothschaft nicht. Vergebt!
    Euch hatt' ich nicht erwartet.

~Maria.~

                                  Sprechet immer!
    Wie kann doch meine Gegenwart das Wort
    Des Freudebringers stocken machen? Ruft!
    O ruft! Lat diese Felsenwnde laut
    Vom ungewohnten Schall der Freude tnen.
    Ich rufe mit! Ach, eilet! -- Ah! -- geschwind.
    Ihr tdtet mich, wenn ihr noch lnger zaudert.

~Balboa~ (ernst).

    Was bringt ihr?

~Linares.~

                    Rettung! Freiheit! Herr;
    Des Kerkers Thore steh'n euch offen. Eilet!

~Maria.~

    Jeronimo, o halte mich, ich sinke!

~Balboa~ (strenge).

    Wer sandte dich? --

~Linares.~

                      Ach, eilet! Fat sogleich
    Den Augenblick. Schnell wird sich alles euch
    Erklren.

~Balboa.~

            Sprich! Was soll sich mir erklren?

~Maria~ (zu Balboa).

    Du hrest -- Rettung dir und mir -- und Freiheit!
    O Himmel! eile! Dir zu Fen --

~Balboa~ (hlt sie auf).

                                    Nein, Maria!
    La uns erst hren, wer uns retten will,
    Und wie? -- Geduld!

~Maria.~

                      Ha, Grausamer!

~Balboa~ (sanft).

                                    Maria!

~Maria~ (furchtsam).

    Ich schweige -- sieh ich schweige -- zrne nicht!

    (setzt sich.)

~Balboa.~

    Hat Pedrarias dich zu mir gesendet?
    Und bietet er mir Gnade?

~Maria.~

                            Weh', mein Vater!

~Linares.~

    Sprecht nicht von Gnade -- sie beglckt Verbrecher!
    Doch euer Haupt beladet keine Schuld.
    O folgt!

~Balboa.~

            Wohin?

~Linares.~

                  Frei lt die Wach' euch ziehen.

~Balboa.~

    O schme dich -- bestochen hast du sie!

~Linares.~

    Was ich gethan verletzt nicht ~eure~ Ehre!
    Nur ~meine~ -- fahre sie dahin -- fr ~euch~ --
    Ist sie zu kostbar nicht verkauft.

~Maria~ (hnderingend).

                                      Geduld!

~Linares.~

    Folgt mir zu Suligo! Dort ist schon alles,
    Was euer ist, versammelt. Viele sind's!
    Mehr als ich dachte, wackre Ehrenmnner!
    O kommt nur hin! Der Anblick strkt das Herz.
    Das schttelt sich die Hand! Das schtzt sich glcklich,
    Fr euch zu sterben. O wie sehnlich harret
    Man eurer dort! -- Was hebt den Helden mehr,
    Als rings um sich die Edlen zu erblicken,
    Die seine Kraft und Tugend sich verband
    Auf Tod und Leben?

~Maria.~

                      Weh'!

~Linares.~

                            Ihr zaudert noch?

~Balboa.~

    Nun sprich es aus! Nicht wahr? -- Ich soll entfliehen?

~Linares.~

    Entflieh'n! Was denkt ihr, Herr? -- Nein wahrlich nicht!
    Sucht erst die feige Seele unter uns,
    Die diesen Stolz dem Pedrarias gnnte,
    Da Balboa vor ihm entfliehen mte.
    Auf Kampf ist's abgeseh'n! -- Die Faust entscheide!
    Die Blutgesellen dieses Wtherichs --

~Maria.~

                                          Ah!

    (~Balboa~ winkt dem ~Linares~ auf ~Marien~.)

~Linares~ (ohne es zu bemerken).

    Versammelt sind sie schon am Hochgerichte,
    Wo euer heilig Haupt nun fallen soll.
    Hinein, dort strmen wir mit Muth hinein!
    Von euch gefhrt, von Wuth und Schmerz entbrannt,
    Schnelltreffend mit der Kraft des Donnerkeils! --
    Die Schmach mit Blut, sie sollen sie bezahlen! --
    Freu dich, mein guter Degen! -- Nein, du wardst
    So frhlich nie, so heilig nie gezogen.

~Balboa.~

    Und dann?

~Linares~ (betroffen).

              Dann seyd allein ihr unser Herr!

~Balboa.~

    Und Pedrarias? --

~Linares.~

                      Nach Kastilien
    Mit ihm zurck. Hier taugt er lnger nicht.

~Maria.~

    Mein Vater!

~Balboa.~

                Sorge nicht fr ihn, Geliebte!

~Linares.~

    Bei Gott! vergebt! ihr thut nicht wohl daran,
    Da ihr die dargebot'ne Freundeshand
    So lange nicht ergreift, und zgernd weilt.

~Balboa.~

    Du kehrst zum Suligo zurck, erklrst:
    So htt' ich deine Bothschaft dir erwiedert.
    Gott sey da vor, da nur ein Tropfen Blut's
    Fr mich den fremden Boden frben sollte;
    Das edler fr der Krone Macht und Glanz,
    Das freudig fr den Glauben flieen soll.
    Durch knigliche Vollmacht ist allhier
    Als Herrscher Pedrarias aufgestellt!
    Rebell zu werden, war ich nie gesinnt!
    Es schmerzt mich sehr, es krnkt mich bis zu Thrnen,
    Da meine Treuen niedrig von mir denken;
    Zu ihrer Pflicht ermahn' ich sie im Tode.
    Und wer mich liebt, der wird mir auch gehorchen.

~Maria.~

    Mein Vater -- oder du? -- O Gott! -- Kein Ausweg!
    Ist keine Rettung?

~Balboa.~

                        Fasse dich, Maria!
    Ergieb dich hochgesinnet dem Geschick. --
    Ach, Linares, so strst du unsre Ruhe;
    Mit falscher Hoffnung hast du sie getuscht!

    (geht unruhig auf und ab.)

    Sieh, Linares! Ich habe dich geliebt,
    Dich vorgezogen, berall geehrt,
    Als meinen Freund dich offen ausgezeichnet --

~Linares.~

    Wei ich's nicht, Herr? Und brennt mir nicht das Herz,
    Da dieses schne Leben nun entflieht.

~Balboa.~

    In Spanien bist du mir schon gefolgt,
    Und treu seitdem auf jedem meiner Zge.
    Uns trennte nicht der Tag, und nicht die Nacht.
    Des flchtigsten Gedankens Schattenbild,
    Des Herzens kaum bemerkte leise Wallung,
    Dir lag mein Innerstes erffnet da.
    Hast du an mir in einer schwachen Stunde,
    Im Augenblick emprter Leidenschaft,
    Etwas bemerkt, geahnet nur, was dir
    Den Muth zu solchem Antrag gab: so sprich!
    Ich gehe nun vor einen strengen Richter,
    Und mchte mich nicht gerne lnger tuschen.

~Linares.~

    Nein, Herr!

~Balboa.~

              Und krnkst mich doch so tief?
    Was werden deine Brder von mir denken,
    Wenn ~du~ den Glauben schon an mir verlorst.

~Linares.~

    (fllt ihm zu Fen.)

    Vergebt!

~Balboa.~

            Steh' auf, mein Freund! Umarme mich!
    Es mag dein Muth und deine Felsentreue
    In einem Kranze schn vollbrachter Thaten
    Dem Knige, dem Vaterland beweisen,
    Da Balboa sich nicht in dir geirrt.
    Dir lie ich meinen Degen zum Vermchtni.
    Du wirst ihn gut, du wirst ihn rhmlich fhren. --
    Was weinest du? -- Du standest oft bei mir,
    Wo uns der Tod so nahe war als jetzt.
    Gehab dich wohl! -- Geh' schnell hinweg! -- Leb' wohl!


Sechster Auftritt.

    ~Balboa.~ ~Jeronimo.~ ~Maria.~

~Jeronimo.~

    Erschrecket nicht! -- Maria -- -- --

~Balboa.~

                                    Was, Jeronimo?
    Maria! Gott! Was ist geschehen? Sprecht!
    Helft ihr, so bla!

~Jeronimo.~

                      Nur eine Schwche. Ach!
    Der jhe Kampf mit Hoffnung und Entsetzen
    Hat sie erschpft.

~Balboa.~

    (fat knieend ihre Hnde.)

                      Maria! hre!

~Maria~ (halblaut).

                                  Ah!

~Jeronimo.~

    Seht her! Sie regt sich! Gnnet ihr die Ruhe?

~Balboa.~

    Man kommt! -- In diesem grausen Augenblicke,
    Wo sie mit Tod und Leben zweifelnd ringt,
    Sie ~so~ verlassen -- Gott! -- Barmherz'ger Gott!

~Jeronimo.~

    O danket ihm, da er das Schrecklichste
    Ihr unbewut vorbergehen lt.

~Balboa.~

    Maria!


Siebenter Auftritt.

    ~Die Vorigen.~ ~Eskimosa.~ ~Wache oben.~

~Eskimosa.~

          Balboa, seyd ihr bereitet? --

~Balboa.~

    Ich bin's! Ich folge!

    (geht ab.)

~Eskimosa.~

                          Zrnet nicht auf mich!

~Balboa.~

    Wir kennen uns. Ihr bet eure Pflicht.

    (an der Stiege.)

    Jeronimo! Ihr sorget fr mein Weib!

    (umarmt ihn, und reit sich los. Auf der Hlfte der Treppe hlt er
    ermattet an.)

~Jeronimo.~

    (ruft ihm mit emporgehobenen Armen nach.)

    Der Himmel ffnet sich! -- Zieh' ein, du Sieger!

~Balboa~ (steigt weiter).

    Zum Tode! fort.

~Eskimosa.~

                    O Gott!

~Balboa.~

    (von der Hhe, durchdringend.)

                          Leb' wohl, Maria!


Achter Auftritt.

    ~Jeronimo.~ ~Maria.~

~Maria~ (erwacht).

    Er ruft! Wo bist du, Balboa? O komm!
    So matt, so weh! -- Die Kraft verlt mich -- Ach!

~Jeronimo.~

    Maria, ruhig!

~Maria.~

                Ruhig! Nein! Unmglich!
    Mein Balboa! o komm! -- Weh' mir! mein Herz! Es glht!
    Wo ist er? -- Auf! -- Nicht hier? O groer Gott!
    Jeronimo, wo kam er hin? -- Ihr zittert!
    Verwendet euer Antlitz nicht! -- Schon todt?
    Ihr weint! -- ha, todt! gewi!!

~Jeronimo.~

                                    Nein, Donna!

~Maria~ (reit sich auf).

    Nicht todt? Und fort! Jetzt also?

~Jeronimo.~

                                      Haltet! haltet!
    Wo wollt ihr hin?

~Maria.~

                      Zu ihm!

~Jeronimo.~

                              Ich la euch nicht!

~Maria.~

    Fort, Grausamer! O was beginn' ich -- was?
    Hilf, Himmel! Ach, mein Herz! Es bricht! -- Erbarmung!
    Lat mich! --

~Jeronimo.~

                  O Kind!

~Maria~ (knieend).

                          Steh', guter Gott, ihm bei,
    Mir bei in Todesngsten!

    (Kurzer Trommelwirbel in der Ferne.)

~Maria.~

    (reit sich auf, und strzt mit einem Schrei zu Boden.)

                          Ah! Ich folge!

    (Pause.)

~Jeronimo.~

    Bewegungslos. -- Ich fhle keinen Odem!
    Gott mge mir den bsen Wunsch verzeihen!
    Wenn sie so schlummern knnte, fort! hinber!
    Wohl war's fr sie das Beste! -- Schlumm're, Kind!


Letzter Auftritt.

    ~Pedrarias mit Gefolge.~ ~Jeronimo.~

~Pedrarias.~

    (von der Hhe.)

    Maria!

~Jeronimo.~

    (streng und gebietend.)

          Stille!

~Pedrarias~ (herabeilend).

                  Ha, Jeronimo!
    Was ist Marien?

~Jeronimo.~

                    Stille!! -- Seht, sie schlummert.

~Pedrarias~ (furchtsam).

    -- Erwecket sie!

~Jeronimo.~

                    Das kann nun Gott allein!

~Pedrarias.~

    Weh'! todt! -- Elender, sprich! Wer hat's verbt?

~Jeronimo.~

    Wer, Pedrarias? -- Ihr!

~Pedrarias.~

                            Fluch ber mich!

    (wirft sich zur Leiche.)

    Maria! theures Kind! Erwache! -- Fluch!!
    Verschling' mich, Erde! Hlle, nimm mich auf!

~Jeronimo.~

    ~Ihn~ straft sein Herz! --
                              O Balboa! Maria!
    ~Ihr~ seyd vereint! Blickt segnend auf uns nieder!

    ~Der Vorhang fllt.~





End of the Project Gutenberg EBook of Balboa, by Heinrich Joseph von Collin

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BALBOA ***

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